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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Eine Briefliebschaft braucht kein Papier

| 75 Lesermeinungen

Ich schreibe einen Satz an die Liebste, ohne Liebe. Wie liest sich das mit Freude, Mädchen, statt Panik? (frei nach Rolf Dieter Brinkmann)   Quirin hat...

Ich schreibe einen Satz an die Liebste, ohne Liebe.
Wie liest sich das mit Freude, Mädchen, statt Panik?

(frei nach Rolf Dieter Brinkmann)

 

Quirin hat mein Herz mit einem einzigen tollkühnen Brief an die Adresse meines Handys erobert. Es gibt noch zünftige Liebesbriefe, nur eben nicht auf seidigem Papier. Die Seltenheit, mit der sie mich nun erreichen, der zögerliche Schlagabtausch, macht ihren Zauber aus. Seit der Nacht, in der ich das erste Mal einen Mann ansprach, womöglich, weil das blonde Geschöpf zu unwirklich schön am Ufer der Bar saß, als dass ich mit einer Antwort gerechnet hätte, pflegen Quirin und ich eine 
niedergeschriebene Affäre aus Gedankenfetzen in SMS und E-Mail. Verschreckt von der Liebe auf den ersten Blick, widersetzt sich die Romanze dem normalen Wahnsinn, in den sich Verliebte stürzen: sie kleben aneinander und jede Minute, die sie nicht an der Seite des anderen verbringen können, überbrücken sie mit dem hektischen Tippen von Nachrichten aneinander, die Gefühle vermitteln sollen. Die Tiefe einer Beziehung definiert sich nicht in ständiger Vernetzung über das knappe Repertoire amouröser Grußformeln. In dieser tausendfachen Routine, im panischen Warten auf die prompte Antwort, stirbt die Sprache der Liebe einen kurzen, schmerzlosen Tod.

Die erste Kurznachricht, die ich zwei Wochen nach unserer ersten Begegnung von Quirin erhielt, verfiel nicht in die Nichtigkeit anderer Schriften, die in ihrer Kürze vor allem kalt und belanglos werden, sondern gab sich als holder Antrag an eine Dame. Diese Form der Wertschätzung und die zögerliche Regelmäßigkeit haben wir stets beibehalten. Jeder feilt vor seinem Bildschirm an der Botschaft,  bevor sie der Klick auf den Weg schickt.

Bild zu: Eine Briefliebschaft braucht kein Papier

Es sind nun vier Sommer, zwölf Treffen, vielleicht acht Mailwechsel und fünf Dutzend SMS. Mehr nicht. Ein eng beschriebenes Notizbuch aus Dialogen vielleicht, das dennoch schwerer wiegt als meine Bücherwand. Der Austausch erfordert keine hastige Reaktion, keine stechenden Fragen und keine finalen Antworten. Wir versuchen ein Spiel und ein Abtasten, das nichts Unmittelbares bedeuten muss und eine Freundschaft skizziert hat, für die es kein Schrankfach und kein Hashtag gibt. Die galant formulierten Botschaften im Postfachs meines Handys, die Quirin schreibt, verschwimmen auf dem Bildschirm zu Handschrift auf Briefbögen. Ihre Reise von dem einen Postfach ins andere nimmt meist einen vierzehntägigen Umweg in Anspruch, da diese Wortschätze elektronische Bahnen nur widerwillig passieren. Eine kleine, weiße Pfauentaube landet gurrend auf meiner Schulter, sobald Quirins Namen im Display erscheint. Sie flattert ein wenig erschöpft von der Reise, aber das Warten ist jede Zeile wert. Wenn ich den Rest meines Lebens jeden Monat nur eine Nachricht von ihm bekomme, bin ich ein glücklicher Mensch.

 

„Verehrte V.,

wahrscheinlich bin ich, wenn nicht der kläglichste, so sicher der säumigste E-Mail-Schreiber, dem du das Worte gönnst. Aber sei dir gewiss: solltest du glauben,  dies könnte dem Gegenstand unseres letzten Zwiegesprächs geschuldet sein, so könntest du falscher nicht liegen, zielt doch all mein werbendes Schreiben schreibendes Werben Schreiben einzig auf ein nächstes Treffen mit dir. Die Zeit vergeht, schneller als mir bewusst, denn kommt es mir vor wie letzte Woche, als ich dich zuletzt sah und wie gestern, als ich versuchte dich zu erreichen. Während du in Antwerpen in einen Theatersessel sankst, sah ich mich in der Heimat, der Schänke am Walde in diesem Fall, mit einer Mischung aus Unglauben, blanker Bewunderung und nur schwer zu kaschierendem Neid konfrontiert: „Wer war denn die Dame, mit der du letztens hier warst?“, gefolgt von allerlei Lobpreis, den mir wiederzugeben zum einen Scham und Anstand, zum anderen die Sorge, du könntest vor Hochmut beginnen,vor Wände zu laufen und zu stolpern, schlicht verbieten. Dies zumindest ist, was ich dir an jenem Abend mitzuteilen gedachte, gefolgt von der gleichen Frage wie heute: sehen wir uns bald wieder? 

Offenbar wird mir: du fehlst. 

*Q“

 

Jenseits des Geschriebenen finden wir noch seltener zusammen, als die wenigen Schriftwechsel. Wir sind zwei Königskinder, die verloren in der Formulierungswut an einer betörenden Kurznachricht die Treffen im Angesicht nur bisweilen pflegen können, um die Spannung zu halten. Es hat mehrere Monate gedauert, bevor wir uns nach der ersten Nacht,  die ausklang mit einem Spaziergang aber keinem Kuss, wieder in die Augen sahen. Bis dahin empfand ich es aufregend und perfekt, einige Sätze im Imperfekt auf einem kleinen Schirm zu lesen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, ob und wie oft wir miteinander schliefen. Ich erinnere mich nur daran, an seinen Lippen zu kleben. Später klebte ich an den eckigen Worten, die selbst im Display den Schwung des Handgelenks nicht missen ließen. Einem unbeholfenen Kuss bin ich gewachsen. Einer digitalen Nachricht ohne Handschrift hingegen nicht. 

Bild zu: Eine Briefliebschaft braucht kein Papier

Doch mehr noch kann ich nicht mehr verzichten darauf, dass mein Kommunikationsalltag aus zu vielen belanglosen Schreiben, die zwar Worte, aber keinen Schatz mehr enthalten, erhellt wird mit einem tatsächlichen Brief, der nicht verfasst wurde, um mich zu informieren, sondern um zu berühren. Dieser Anspruch an Sprache und Schreiben ist solch eine Seltenheit, dass dieser zaghafte Austausch in bedachtsamen Abständen, zu wertvoll ist, um ihn einzutauschen gegen ein tatsächliches Abenteuer und eine gewöhnliche Liebe. Denn diese würde  untergehen in einem Alltag, der ein hektisches Abstimmen erzwingt. In dem die Bekanntgabe des aktuellen Aufenthaltsortes erwartet wird. In dem eine zweiminütige Verspätung einer SMS bedarf. Ein Alltag, indem keine Muße bleibt, um ein „ich hab dich lieb“ mit Belang zu füllen. In dem ein Handyspeicher einhundert „ich liebe dich“ beherbergt, und es seit hundert Tagen niemand mehr wagte auszusprechen. Der Alltag, in dem der  Guten-Morgen-Kuss zwischen die Räder der rufenden Arbeit gerät und durch einen danieder geschriebenen Kuss ersetzt werden muss.

Ist es nicht vielleicht an dieser Stelle schon vorbei?

Muss ein Kuss nicht immer für die Lippen sein?

Muss ein Brief an den Liebsten nicht immer um ihn werben?

All die wackeligen Beziehungen, die notdürftig mit einer Flut von elektronischen Nachrichten zusammengehalten werden. Die über eine permanente Paratschaft suggerieren, man sei zusammen und füreinander da. In denen nicht zählt was, sondern dass zurückgeschrieben wird, und der Austausch so zu einem tristen Ping Pong wird, in dem das Herz nicht hüpft. Ich brauche nicht einmal Geduld, denn ich weiß sicher, dass die nächste Nachricht kommen wird, und dauert es ein halbes Jahr. Je länger der jeweils andere für die Antwort braucht, je lauter hat das Herz geklopft. Denn eine E-Mail in zittriger Handschrift, schickt man nicht an die große Liebe.  

 

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75 Lesermeinungen

  1. Zauberhaft. Doch gewiss...
    Zauberhaft. Doch gewiss unerreichbar (die nimmermüde Liebe, meine ich).
    Versuchen sollte man es trotzdem.

  2. Gratulation an Violandra fuer...
    Gratulation an Violandra fuer diesen „Plot“.

  3. Guten Morgen, werte...
    Guten Morgen, werte Violandra.
    Bitte verzeihen Sie mir meine Neugierde,
    aber warum, warum nur besorgen Sie sich nicht, so Sie dieses nicht im Haushalt haben, in einem Schreibwarengeschäft – in manchen Städten gibt es diese noch – feinstes Papier sowie die passendenen Briefumschläge, und schreiben Ihrem Liebsten einen Brief? Wäre das so abwegig?
    Mit freundlichem Gruße, Ihr altmodischer V.

  4. bravo!...
    bravo!

  5. Werter V.,

    nein, abwegig...
    Werter V.,
    nein, abwegig wäre das keinesfalls. Wenn nun eine Liebschaft sich über digitale Schriftstücke vertieft und entwickelt, mag der klassische Brief als Krönung gelten, der neben Formulierung und Herz so viel mehr erfordert, um den eigenen Ansprüchen zu genügen. Geben Sie mir ein wenig Zeit zu üben – ich werden berichten.

  6. Liebe Frau von Avila.
    Ihre...

    Liebe Frau von Avila.
    Ihre Schilderung rief bei mir zugleich vage Erinnerungen an Les Liaisons dangereuses und den Briefwechsel zwischen Goethe und Charlotte von Stein hervor. (Nur diese beiden sahen sich wohl häufiger…) Mir drängte sich daher sofort eine sehr wichtige Frage auf: Kann man sich denn einen elektronischen Brief auch zurückgeben lassen? Ich zweifle.

  7. Q muss noch lernen. Die...
    Q muss noch lernen. Die deutsche Sprache zum Beispiel. (Allerdings kommt sein Neusprech an, das ist ja, was zählt.)

  8. @Carolus

    Einmal gelesen,...
    @Carolus
    Einmal gelesen, erfüllt die physische Zurückgabe eines Briefes vermutlich nur unzureichend das Anliegen des Bittstellers. Die Zurückgabe einer mündlich formulierten Liebeserklärung schiene mir ähnlich vergeblich.
    Doch könnte ich einen elektronischen Brief auch ungeöffnet zurückgehen lassen? Eine simple Lösung für eine solche Antwort, suche ich noch vergebens.

  9. @Schnurpelchen

    Hocherfreut...
    @Schnurpelchen
    Hocherfreut würde ich mich zeigen, einen Gegenentwurf von Ihnen hier zu lesen.

  10. Frau von Avila, hier - in der...
    Frau von Avila, hier – in der Öffentlichkeit? Und Sie wären erfreut?? Mit Verlaub, dazu fehlen mir die Gießgrate. Lägen Sie mir am Herzen, kein Wort würde hier verbreitet.
    Schriebe ich Ihnen, ginge das anders. „wahrscheinlich bin ich, wenn nicht der kläglichste, so sicher der säumigste…“ Herr Q ist wahrscheinlich sicher säumig? „Aber sei dir gewiss“ Äh, wem sonst? „solltest du glauben, dies könnte dem Gegenstand unseres letzten Zwiegesprächs geschuldet sein, so könntest du falscher nicht liegen“ Gewiss sollen Sie sein, falscher nicht zu liegen? (Prüstel.) Übrigens, was könnte falscher sein, als falsch zu steigern? Wie sagte einst eine gutgepiercte Freundin: „das könnte ja wohl scheißer nicht sein.“
    Usw. Aber wie gesagt, gut schreibt Q nicht, aber mit Erfolg schreibt er.

  11. Doch, doch! Schreiben Sie,...
    Doch, doch! Schreiben Sie, Liebste, schreiben Sie – schreiben Sie mit Tinte und Feder, wie es aus Ihrem übervollen Herzen fließt!
    /
    Wer weiß, ob Ihre Liebe überhaupt auf dem Kontinent weilt und Ihr Liebeswerben würde lange im Briefkasten liegen? Deshalb:
    /
    Scannen Sie Liebste, scannen Sie – und lassen Sie die bits and bytes den elektronischen Postweg fliegen!
    /
    Muchos saludos y buen fin de semana.

  12. Liebe V,
    man kann solch einen...

    Liebe V,
    man kann solch einen zarten Umgang mit in eine „Alltagsbeziehung“ nehmen – man muss sich nur ein wenig Mühe geben.
    Trauen Sie sich!

  13. @Schnurpelchen

    Ein wenig...
    @Schnurpelchen
    Ein wenig Flüchtigkeit in Grammatik und Sprache muss das Drehbuch vorsehen, verdrehen doch hier zwei Menschen einander den Kopf.

  14. Die Elektronischen Briefe sind...
    Die Elektronischen Briefe sind unschätzbar für die, deren Handschrift, trotz der Schönschriftbenotung weiland auf dem Zeugnis, stets furchtbar blieb.

  15. Ein Verdrehbuch, sozusagen?...
    Ein Verdrehbuch, sozusagen? Dann gerne. Manchen tüchtigen Schreiber bringt allerdings gerade der verdrehte Kopf in höchste Form. Da feilt man lang an jedem Wort. Und das um so mehr, wenn die Frequenz gering ist.

  16. falsch, Komparativ: falscher,...
    falsch, Komparativ: falscher, Superlativ: am falschesten

  17. @ V: es gibt nichts...
    @ V: es gibt nichts komparatifes im valschen!

  18. Richtig anfühlen sollte es...
    Richtig anfühlen sollte es sich. Ich akzeptiere auch durchgängige Kleinschreibung.
    @Nemo Grämen Sie sich nicht, es geht vielen so. Schönschrift mag für die einen die Schreckensnote gewesen sein, die andere in Kunst, Chor oder Sport stets erhielten. Überrascht bin ich hingegen, dass noch keine Debatte schwelt, die thematisiert, die Digitalisierung verderbe unseren Kindern nun auch noch die Schreibschrift.

  19. Vielleicht eines...
    Vielleicht eines Geschäftsidee: im aktuellen ZeitMagazin hat ein Redakteur einen Liebesbrief redigiert
    http://www.zeit.de/2010/32/Redigierspezial-Liebesbrief

  20. Violandra, da Sie das gerade...
    Violandra, da Sie das gerade ansprechen – man sollte Kinder natürlich vor dieser Digitalisierung in Schutz nehmen!

  21. Kinder übernehmen heute schon...
    Kinder übernehmen heute schon die Fortbildung ihrer Lehrer und Eltern in Sachen Internet. Die Leichtigkeit, mit der sie das tun, hilft hoffentlich dabei, die Spaltung zwischen Gläubigen und Internet-Gegnern in Zukunft zu verhindern. Das Internet ist weder Allheilmittel, noch bösartig. Sich nicht über eine SMS von ihrem Freund zu trennen müssen wir ihnen vielleicht noch beibringen. Ich hoffe nur, dass sie im Erwachsenenalter auf „Elitepartner“ oder sonstige Heiratsmärkte der Onlinewelt verzichten können.

  22. Oh nein, soll es hier, in den...
    Oh nein, soll es hier, in den lehrerfreien Ferien, von Lehrern handeln, die Liebesbriefe zerpflücken und über Schönschrift debatieren? An der Schrift erkennt man den Charakter und Liebesbriefe schreibt man von Hand, nicht mit der Schreibmaschine, die es auch mal gegeben hat und schon garnicht mit dem Computer. Liebesbriefe als SMS…Nein! Ja, Ja, die Welt geht unter…

  23. Wie wäre's mit...
    Wie wäre’s mit E-Liebesbriefen im Angebot der Deutschen Post? In mehreren Stufen resp. Variationen?

  24. Violandra, Ihre Romanze...
    Violandra, Ihre Romanze gehört idealiter ins facebook. Wie man hört, wird dort so geliebt und kommuniziert. Ein Schelm, wer das vertrocknet nennt!

  25. @specialmarke

    Sie vertrauen...
    @specialmarke
    Sie vertrauen Ihrem Postboten, das ist mitunter nicht allen Schreibenden gemein. Ein exklusives elektronisches Fach, in dem sich nur die werbenden Briefe sammeln, hat auch etwas für sich. Meine Liebesbriefe hole ich nur ungern aus einem Kasten mit GEZ-Briefen, Werbeprospekten und Rechnungen. Das würde schlicht meine Freude mindern.

  26. Werter Wilhelm Meister,

    ich...
    Werter Wilhelm Meister,
    ich bin mir sicher, diesem Facebook wird sich ein Mitglied des Verbraucherschutzministeriums annehmen und uns frühzeitig damit vertraut machen, was die Regulierung dort für die Liebe vorsieht. Dies würde ich gerne abwarten, bevor ich die Romanze und mich an diesen Ort binde.

  27. @Violandra: Die Chance, einen...
    @Violandra: Die Chance, einen persönlichen Brief oder gar einen Liebesbrief zu erhalten, war früher in der Tat Grund genug, hoffnungsvoll auf den Briefträger zu warten. Schon mit der Verbreitung des Telefons blieben für den Briefkasten mehr oder weniger nur Rechnungen und Werbemüll übrig. Mit zunehmendem Alter kann man leider auch immer weniger auf Liebesbriefe hoffen. Die theoretische Möglichkeit, welche zu schreiben, nimmt man besser nicht wahr – wie schnell könnte man zum Stalker erklärt werden. Gut, also bloggen wir eben…

  28. Werte Violandra Temeritia von...
    Werte Violandra Temeritia von Avila, Ihr schöner Text lässt die zarte Seite hölzerner Empfindung melodiös Aufatmen Ich schreibe meine Liebes-SMS immer poste restante. Ist das erlaubt?

  29. Werte Rosinante,
    diese...

    Werte Rosinante,
    diese Möglichkeit sollte mein kleine Appell für die Rückbesinnung auf Briefe, ganz gleich ob nun elektronisch oder auf dem Papier, ganz klar erlauben. Nicht nur ein wenig mehr Muße in der Antwort auf ein Schreiben, auch die bewusste Entscheidung darüber, wann ich meine Nachrichten lesen möchte, wünsche ich jedem. SMS sollen in der Aufbewahrung recht pflegeleicht sein.

  30. Poste restante, die haertesten...
    Poste restante, die haertesten Schicksalsschlaege verbinden mein Leben mit diesem Wort. Schreib‘ mir nicht nach Hause, bat die rothaarige Lita, mein Vater ist sehr streng. Schreib mir Poste restante Neuilly-sur-Seine, sagte sie und gab mir einen zuechtigen Kuss auf die Stirne. Ich schrieb. Schrieb von meiner abenteuerlichen Rueckreise als Anhalter nach Deutschland, schrieb von meinem banalen Leben in so kuehnen Saetzen, dass es sehr aufregend zu sein schien, bemalte die Umschlaeg kuenstlerisch (damals glaubte ich an mein Genie), eilte zum Briefkasten und wartete auf Antwort. Ich wartete einen angemessenen Zeitraum, danach wurde es Zeit, die erlernte Kunst zu verfeinern, um doch noch ein Maedchenherz zu verwirren…
    Spaeter bekam ich ein Telefon.

  31. Werte Violandra Temeritia von...
    Werte Violandra Temeritia von Avila, Ihre aufmunternden Worte beflügeln mich (ich muss früher eine Brieftaube gewesen sein). Und so wie Filou seine Briefumschläge bemalt, versuche ich meine SMS mit Girlanden, Ranken, Schnörkeln, Lampions und ausgehöhlten Kürbissen zu verzieren. Die Ergebnisse meiner selbstentwickelten Software sind bisher leider mässig. Was allerdings nicht schlimm ist, da ich noch keine Antwort auf meine Liebes-SMS poste restante erhielt. Oder gerade deshalb? Sie, lieber Filou, erhielten immerhin ein Telefon. Aber Sie benutzten auch das fortschrittliche Papier.

  32. @Filou: Dann sind wohl...
    @Filou: Dann sind wohl unvergeßliche Liebesgedichte aus Ihrer Feder der Nachwelt verlorengegangen? – Das ist das schöne am Internet. Auch eine amouröse Email überlebt vielleicht im Datenserver des Geheimdienstes, der sich für Sie zuständig fühlt. Die Nachwelt braucht nicht ohne Hoffnung sein…

  33. @Rosinante, specialmarke, um...
    @Rosinante, specialmarke, um den Verlust ist mir nicht gram. Eine alte Freundin zeigte mir vor einigen Jahren ein paar meiner Elaborate. Sie hatte Traenen in den Augen. Ich weiss, dass es keine Ruehrung war.

  34. Natuerlich braucht...
    Natuerlich braucht Briefliebschaft Papier. Duftet eine SMS nach Parfum? Kann man ein Telefon gegen den bebenden Busen druecken? Kann man das Blackberry unter’s Kopfkissen legen?
    Natuerlich kann man. (Ginevra, eine Freundin, ist aufblasbar und aus Vinyl)

  35. Filou, gut zu wissen, dass...
    Filou, gut zu wissen, dass Ginevra bei Ihnen ist. Dann kann sie meine poste restante SMS ja gar nicht abholen.

  36. Violandra, Verzögerung als...
    Violandra, Verzögerung als Liebesbeweis, das hat was. Doch bitte keine Zurückweisung, denn das geht fürchterlich aus …
    http://www.zeno.org/Literatur/M/Hagedorn,+Friedrich+von/Gedichte/Oden+und+Lieder/Erstes+Buch/Die+verliebte+Verzweiflung

  37. Amour fou?...
    Amour fou?

  38. Liebe Rosinante,
    das klingt...

    Liebe Rosinante,
    das klingt ein wenig nach Schatzsuche. Sie sollten zumindest bei Zeiten eine Karte hinterlassen, damit die Nachwelt die lagernden SMS irgendwann entdecken kann.
    .
    Ich kenne nun die Umweltbilanz eines Handys nicht genau. Die ausgedienten Geräte hebe ich zumindest ebenso sorgsam auf wie etwaige Briefe auf Papier. Mir scheint dies platzsparend und weniger anfällig gegenüber dem Chaos meiner üblichen Papierstapel.

  39. Wenn ich jetzt gestehe, dass...
    Wenn ich jetzt gestehe, dass ich auch, und in regelmäßigen Abständen (fast täglich) digital liebe, und dabei nicht jedes Mal goethegleiche, schillernde und vor Liebe erzitternde Worte finde, bin ich dann ein amuröser Banause? Wird dadurch meine Liebe geschmälet?
    Auch, wenn ich trotzdem jedes Mal vor Glück zittere, wenn ich eine E-Mail meiner Liebsten in meinem Posteingang finde? Wenn für mich auch: „bin grad total gestresst. hab dich lieb, kuss“ (oder etwas ähnliches) von Liebe zeugt.

  40. Werte und seit einer knappen...
    Werte und seit einer knappen Stunde geschätzte Violandra,
    von Herzen möchte ich danken für Worte, welche nach einer erst wenige Jahre währenden Liebesgeschichte schon Wehmut und Sehnsucht nach etwas in mir auslösen, was all zu oft zu früh verloren zu gehen pflegt. Ich muss gestehen, die Briefe meiner Angebeteten, derer es tatsächlich ein knappes Dutzend gibt, aus ihrem Versteck genommen zu haben, um darin zu stöbern und ihre stetige Verhaftung mit Momenten, die mit mehr Trauer und Wut als Treue und Wohlklang verbunden waren.
    So scheint es, als schrieben sich Menschen immer nur in Augenblicken von Leid, Jammer und Streit. All jene Worte, die wir in anderer, freundlicherer Stimmung tauschten, hätte man stets auch in einhundertsechzig Zeichen unterbringen können, und sogar solcherart E-Mails haben sie und mich höchstens fünf jemals erreicht.
    Mit einer Spur von Wehmut und dem festen Vorsatz zur Besserung danke ich Ihnen für einen Beitrag, der noch vom Bildschirm nach Parfum duftet.
    J.

  41. Liebesbrief

    Innig geliebte...
    Liebesbrief
    Innig geliebte Frieda!
    Deine schönen blauen Augen machen mich ganz verrückt nach Dir. Während ich diese Worte an Dich verfasse, bebt mein Herzen voller Wollust und Begierde. Jedes Wort, das ich für Dich, innig geliebte Frieda, zu Papier bringe, kommt direkt aus meinem Herzen. Und blonde Haare, genau so, wie Du sie hast, liebe Frieda, finde ich total erotisch.
    Es ist schön, wenn ich mir vorstelle, wie Du nackt und voller Begierde vor mir stehst und mir Deine Brüste zeigst. Deine wundervollen Lippen sind wie ein weiches Bett, in das ich mit Dir fallen möchte. Ich möchte 24 Stunden am Tag Deine Nähe spüren, 7 Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr. Du kannst gut küssen, das kann sicher niemand auch nur annähernd so gut, wie Du.
    Manchmal frage ich mich, wie kann man nur so extrem klug sein, wie Du? In mir ist die tiefe Sehnsucht nach intimer Zärtlichkeit mit Dir, ungehemmt und leidenschaftlich. Niemanden hab ich je mehr geliebt, als Dich, liebe Frieda. Nach all meinen Worten der Begierde und Sehnsucht möchte ich Dich noch fragen, ob Du mit mir kuscheln willst?
    In ewiger Liebe,
    Dein specialmarke

  42. Obiger Liebesbrief wurde vom...
    Obiger Liebesbrief wurde vom Computer generiert, nachdem ich klischeegerecht blond, blauäugig, schöne Brüste, klug, und meine Bedürfnisse mit küssen und kuscheln umschrieben hatte. Die unbekannte Schöne wurde von mir Frieda genannt und der Absender ist specialmarke…

  43. @®osinante: Altgediente...
    @®osinante: Altgediente Handys (oder Handies?) werden bevorzugt nach Afrika verschifft und dort munter weiter bedient. Was geschieht dabei mit den SMS? Geht dann die elektronische Liebe auf Reisen?

  44. Verehrte Frau von Avila,

    ein...
    Verehrte Frau von Avila,
    ein wunderschönes Blog haben Sie geschrieben, vielen Dank! Mir ist dazu ein Gedicht eingefallen, das ich vor Jahren verfasste. Es ist einer formellen Veröffentlichung nicht wert, aber vielleicht haben Sie ja Spaß daran.
    DAS HÄTTE WERTHER GEFEHLT
    WENN Menschen früher Nachrichten versandten,
    Um Treueschwüre und heiße Liebesglut,
    oder nur eine Bestellung in Prosa
    einem seligen Herzen mitzuteilen,
    schrieben sie mit Tinte und mehr oder weniger Stil
    auf ausnahmslos handgeschöpftem Papier.
    Was wunder, wenn Herzen und Hände zitterten,
    wenn sie einem Umschlag sein Geheimnis entrissen.
    Selten wird heute jemand in so anmutsvoller Weise
    Über ihn betreffende Gefühle unterrichtet;
    Teilt sich ja auch die Liebe meist per Kurzmitteilung mit.
    Doch sollen hier nicht Unken den Kulturverlust ausrufen,
    Schütz Technik doch die Seligkeit vor bitterem Nachgeschmack.
    Denn küsst man ein Display, knirscht kein Sand mehr in den Zähnen.

  45. Im Netz gibt es eine Unmenge...
    Im Netz gibt es eine Unmenge an freeware fonts. Google SW: handwriting. Dann kann man endlich eine zittrige Handschrift in einer E-Mail versenden – vorausgesetzt, der Adressat hat sein E-Mail-Programm auf HTML-Format gesetzt und nicht auf reines Textformat.
    Hach, der Computer ist einfach romantisch. „Schätzchen hast Du in Deinen Outlook-Optionen HTML aktiviert?“ „Nein, mein Liebster, ich dachte, das würde mir nur einen Virus einbringen!!??“
    Wunderbar, wenn der Adressat erst einmal einen VHS-Kurs besuchen muss, um ein lieblich handwriting-font empfangen zu können.
    Bei einer online-Bewerbung sollte ich die Standard-Optionen aber überprüfen, sonst würden die eine eigenwillige Schrift erhalten. Die Bewerbung als Liebesbrief. Ob das als Ausweis für einen motivationsoptimierten Leistungsträger stehen kann??? Umgekehrt sollen ja Frauen auf leistungsoptimierte Kandidaten ohne Handschrift stehen. Ja genau!

  46. @specialmarke: Also dieser...
    @specialmarke: Also dieser automatische Liebesbrief ist ja echt der Knaller! irgendwie stelle ich mir jetzt eine dralle Blondine vor, die vor dem Bett stehend mit je einer vollen Brust in der Hand entgegengesetzt rauf und runterwackelt und „Guck mal, guck mal“ säuselt…

    ein weiterer entscheidender Nachteil von Briefen auf Papier ist, dass sie einmal weggeworfen für immer verloren sind. Mir tut es da um einige Exemplare im Nachhinein sehr leid, aber ich dumme Nuss musste sie ja in einem theatralischen Anfall stilgemäß verbrennen und die Asche in die Spree streuen…

  47. Raffy Ryff, Ihre Frage...
    Raffy Ryff, Ihre Frage betreffend Handy/Handie-Entsorgung und Afrika ist von hoher Brisanz. Die Reisetätigkeit der elektronischen Liebe wäre ja noch tolerierbar. Aber ich fürchte, dass der Transport europäischer Vokabel-Innigkeit den Tatsbestand eines geistigen Neo-Kolonialismus erfüllt.

  48. Liebe Violandra Temeritia von...
    Liebe Violandra Temeritia von Avila, ich habe gerade eine Karte geschrieben und schicke diese Morgen an Everybody/ Hinterzarten/ Poste Restante. Ich glaube, dann kann nichts verloren gehen. Und danke für Ihren fürsorglichen Tip.

  49. specialmarke, haben Sie den...
    specialmarke, haben Sie den Liebesbrief wirklich auf dem beschriebenen Weg generiert, oder testen Sie Leichtgläubigkeit und Kritikfähigkeit Ihrer Mitkommentatorinnen?
    .
    Ungeachtet ist Ihr Brief wunderbar. Er lässt keine Fragen offen, liest sich wie ein Kochrezept und macht die zerbrechliche Sutuation eines einseitigen Liebesbekenntnisses zum glasklaren Präparat.
    .
    unellen, mit der „stilgemässen Verbrennung“ haben Sie’s aber gründlich gemacht. Diese Radikalität entspricht dem Grad der empfundenen Verletzung und ist mir ebenso bekannt, wie das spätere Gefühl des Bedauerns. Aber es hat auch etwas heilsames, dass die Zeit sortiert. Gewisse Erfahrungen, möchte ich nicht freiwillig wiederholen: „Never make the same shit twice“.

  50. Hallo unellen!

    Deine schönen...
    Hallo unellen!
    Deine schönen braunen Augen haben mich dazu gebracht, mich hinzusetzten und Dir diesen Brief zu schreiben. Ich weiss nicht, wie es Dir geht dabei, wenn Du so einen Brief von mir bekommst. Ich hoffe, Du freust Dich darüber. Es fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht, meine Gefühle in Worte zu fassen. Dieser Brief ist sicherlich auch ein erstes Abtasten von mir, ob Du mich vielleicht auch recht gerne magst. Deine brünetten Haare, liebe unellen, schauen super aus!
    Deine Figur mag ich ganz besonders gern an Dir, weisst Du das? Mit Dir wird mir niemals langweilig, wir haben viel Spass gemeinsam, denke ich. Was meinst Du, ob wir gut zusammenpassen würden? Ich finde Dich echt nett! Ich bewundere Dich total dafür, dass Du so gut Gefühle zeigen kannst.
    Vor allem, weil Du so irrsinnig romantisch bist, mag ich Dich. Ich frage mich, ob Du für mich vielleicht auch etwas mehr empfindest? Die Zeit bis zu unserem nächsten Treffen vergeht leider viel zu langsam. Es ist für mich irgendwie ein komisches Gefühl, wenn ich weiss, dass Du meinen Brief gelesen hast. Mit Dir plaudern ist etwas, von dem ich immer wieder träume. Vielleicht kannst Du mir diesen Traum erfüllen?
    Liebe Grüsse,
    Dein Computer

  51. @unellen: der theatralische...
    @unellen: der theatralische Auftritt ist doch ein Wert an sich, den ich nicht missen möchte. Und vor dem Computer bekomme ich einfach keinen richtig theatralischen Auftritt hin, und, ich kann Ihnen versichern, es ist lange nicht so befriedigend, den ehemaligen Liebsten als Benutzer zu löschen, selbst wenn man vorher jede seiner Dateien einzeln gelöscht hat, wie so ein kleines Rauchopfer mit Seebestattung.

  52. Werte V.,

    digital verfasste...
    Werte V.,
    digital verfasste Botschaften haben mich über zwei Jahre immer mehr in den Strudel gezogen, viel Unausgesprochenes und Zweideutigkeites haben zu Deutungen geführt, die Wunsch statt Wirklichkeit als Filter hatten. Gefährliches und verlockendes Spiel mit einem unschönen Ende.
    Was bleibt sind die Megabyte in meinem Postfach…
    Truly yours,
    Y

  53. @test-test-test
    Australische...

    @test-test-test
    Australische Ureinwohner an Nähmaschinen? Kommunikationsversuch mit Fachgebietsleiter Uni Dresden gescheitert.

  54. @ Rosinante: Hier haben Sie...
    @ Rosinante: Hier haben Sie noch einmal den Link zum Liebesbrief-Generator. Und sie können neben den Attributen des Adressaten, sowohl Ihr eigenes, als auch das Geschlecht der (des) Angebeteten wählen. Schwule oder lesbische Liebesbriefe habe ich noch nicht ausprobiert…

  55. @specialmarke

    Ich vermisse...
    @specialmarke
    Ich vermisse auf dieser Seite eine Warnmeldung oder Erfahrungsberichte. Zu gerne wüsste, ich, was auf die 169.559 Briefe folgte. Ich ahne wenig Gutes, obgleich die Reaktionen auf obigen Brief freilich anderes vermuten lassen.

  56. @Violandra: Erfahrungen mit...
    @Violandra: Erfahrungen mit solchen Briefen habe ich keine. Habe früher alles selbst gemacht. Ich habe diesen Briefsteller nur zufällig durch eine kleine Recherche in Zusammenhang mit Ihrem Blog gefunden. – Vielleicht nicht uninteressante Überlegung: man könnte mit solchen Briefstellern im Internet auch Briefe an sich selbst generieren – von einer fiktiven Angebeteten, falls es an realen mangelt. Wenn das Programm nur komplex genug ist und die Briefe – ohne sie vorher lesen zu können – mit Verzögerung auf dem eigen Email-Konto landen, wären die Ergebnisse vielleicht überraschend und durchaus wohltuend. Es gab übrigens auch schon früher Leute, die an sich selbst Postkarten geschrieben haben mit der Hoffnung auf Indiskretion beim Briefträger oder Nachbarn…

  57. @Violandra: Den Zähler hatte...
    @Violandra: Den Zähler hatte ich garnicht gesehen. Ich habe nachgesehen. Er ist inzwischen schon wieder erheblich weiter. Es scheint Bedarf zu geben…

  58. Hochmögende Dames und Ew....
    Hochmögende Dames und Ew. Cavaliers,
    halten zu Gnaden, itzo gehet anhiero die Baltzerey per apperance in die zweyte Ronde? So hege ich in min Herzelin gar minniglich eyn Sprüchlin eyner Duchessa tedesca, der Margarethe von Aremberg, Withib de Jean de Ligne, so da lawtet: „Protector meus es tu“ Nun ist awer nit die irdische Minne oppurtun mit in Anschlag gebringet, sondern der himmlischen gedencket.
    Mit dero allhier gutmeinender Collegio Opinio
    versehen ist meyn desideratum in ritorno eyn
    gar lustick Wochenende Ewrer C.M. etc.pp.

  59. Lieber Giannozzo,

    so ist es!...
    Lieber Giannozzo,
    so ist es! Schlimm ist, wenn verzögert wird, um der Zurückweisung Aufschub zu gewähren. Als Geliebte(r) hat man eine Verantwortung dem Liebenden gegenüber. Oder sehe ich das falsch? Der Liebende braucht Schutz vor sich selbst und seiner Interpretation – wenn sie denn falsch ist.

  60. Original-SMS:
    Holdeste! Der...

    Original-SMS:
    Holdeste! Der Abend verspricht sehr lau zu werden. Sollen wir uns in unserer vertrauten Laube treffen, dem Spiel Deiner zwei suessen Hundchen zusehen? Sperre sie nicht wieder in den Kaefig. Sie leiden sehr darunter.
    .
    Google-SMS
    מתוק! הערב מבטיח להיות פושר מאוד. האם עלינו לבטוח הסוכה שלנו לקחת את המשחק כדי לצפות כלב שני שלך קטן ומתוק? הם לא לנעול חזרה לכלוב. הם סובלים מאוד.
    .
    Google-SMS (Rueckuebersetzung)
    Sweet! Der Abend verspricht, sehr lau. Sollten wir das Vertrauen unserer Sukka auf dem Spiel zu nehmen, um Ihren Hund zwei süße kleine Uhr? Sie kam nicht zurück in den Käfig sperren. Sie leiden sehr.
    .
    Resultat: Zwei Freunde anrufen. Bier trinken gehen. Nach Eilat fahren, Amerikanerinnen gucken.

  61. Lieber Yankee,

    eine völlige...
    Lieber Yankee,
    eine völlige Transparenz in Beziehungen hätte womöglich den gleichen Effekt, den eben diese in der Politik haben würde: zu offenkundig abwählbar.
    Zumal ich befürchte, dass möglichst fein herauszuarbeiten, was der andere fühlt und denkt, zu einer Art Amtsdeutsch verkommen könnte.

  62. spezialmarke, danke für den...
    spezialmarke, danke für den Link zum Liebesbriefgenerator und sorry, dass ich diesen beim Posting 06. August 2010, 20:15 übersehen hatte.

  63. specialmarke, wegen der "an...
    specialmarke, wegen der „an sich selbst adressierten Post“: Ingeborg Bachmann liess sich während eines Krankenhausaufenthaltes täglich selbst frische Blumen schicken. Das Personal meinte, diese seien von Max Frisch, aber das Ende dieser „Liebe“ war wohl der Grund des Aufenthalts.

  64. specialmarke und...
    specialmarke und Rosinante,
    eigens herbeigebrachte Blumen, Dinge, die einem Freude machen – dies alles hilft hoffentlich ein wenig besser über eine Trennung hinweg als ein Selbstgespräch in SMS oder E-Mail-Form. Hier sähe ich ein größeres Risiko, verrückt zu werden. Ob man in automatisierte Briefe Leben und Liebe hineinbekommt? Vielleicht in Zukunft.
    Vielleicht wäre es für jetzt auch eine Strategie Eifersucht beim Partner zu entzünden. Es soll Paare geben, die einander Zugriff auf die elektronische Post gewähren.
    .
    Zur weiterführenden Lektüre ein Artikel im Guardian: „I would never open my boyfriend’s post. He wouldn’t let me, for one thing. I’m not even allowed to open his copy of Paws – the Battersea Dogs Home newsletter – until he gets home. And I’d never open his emails either, but I don’t have the same privacy taboo about emails that have already been opened.“
    http://www.guardian.co.uk/technology/2010/jul/17/women-and-the-internet

  65. Und ich denke, es war Ingeborg...
    Und ich denke, es war Ingeborg Bachmann schnurzegal. Jedenfalls kommt von ihr:
    „Der Mann wechselt nur die Partnerin, nie sein Verhalten, denn sein krankes System ist unfehlbar, er wiederholt sich, er hat sich wiederholt, er wird sich wiederholen“!
    Ich kann Ingeborg Bachmann bestätigen – ich hab`s gesehen und es war gut so!
    Und ich fall wieder auf den „Klick“ herein – wie bescheuert kann ein Mensch nur sein!

  66. @X-Chromosom: Ihr...
    @X-Chromosom: Ihr Bachmann-Zitat beschreibt wahrscheinlich eher eine menschliche Unzulänglichkeit, die beiden Geschlechtern zugeschrieben werden kann. Die Liebesbriefe an Anfang verweisen rückwirkend auf die nicht eingelösten Versprechen und Hoffnungen beider Parteien, die später im harten Alltag keinen Bestand erlangen konnten. – Nun ja, heute genügt dann schon eine SMS, um dem Elend ein Ende zu machen…

  67. Werte (?) Ellia,

    das wäre...
    Werte (?) Ellia,
    das wäre aber doch zielführend. Ein Spiel mit Mails und Zeichen, die Freiraum zur Interpretation lassen, sind nur bei Menschen schön, die sich ihrer gegenseitigen Liebe sicher sind. Wenn jedoch nur Hoffnung und nicht Gewissheit regieren, sind solche Dinge gefährlich. Unerfüllte Liebe ist ein großer Schmerz, aber Hoffnung auf Liebe am Leben erhalten, weil man sich fürchtet, den Liebenden zu verletzen, führen bei diesem zu Narben. Denn eines Tages liegt die Wahrheit auf dem Tisch. Wenn der Tisch aus Edelstahl und die Beleuchtung Neon ist, ist es schrecklich.

  68. Werter Yankee,
    Sie haben mich...

    Werter Yankee,
    Sie haben mich nun auf Ihrer Seite. Bleibt aber für mich noch die Frage, die Sie vielleicht zu beantworten vermögen: wann kann man sich der gegenseitigen Liebe sicher sein?
    Ihre Ellia

  69. Werte Ellia,

    wenn Worte und...
    Werte Ellia,
    wenn Worte und Handeln einander gleichen – im Idealfall. Leider ist das selten der Fall. Aber wenn es nur die Worte sind und der Lesende fiebert auf ein Zeichen, ein Indiz und sich stattdessen immer neuen, hoffnungstiftenden aber nicht belastbaren Worten gegenüber sieht, dann wird Wunsch zur Qual…
    Leider nicht ganz ohne anekotische Evidenz..

  70. Wozu die gegenwärtige Sprache...
    Wozu die gegenwärtige Sprache verneinen? Gibt es denn nichts zwischen Goethe und „HDGDL“-SMS? Als ob man ohne den aristokratischen Zuckerguss keine schönen Briefe schreiben könnte…

  71. Lieber Janis,

    ich hoffe doch...
    Lieber Janis,
    ich hoffe doch sehr, dass zwischen Goethe und den unsäglichen SMS-Abkürzungen eine Sprache existiert, die beim Adressaten Herzklopfen auslöst. Sprache kann als Verpackung natürlich nicht die Inhalte ersetzen. Meine Kritik liegt vorrangig an der permanenten Vernetzung und zu viel Kommunikation, in der zwangsläufig die Inhalte verloren gehen, weil zählt „dass er zurückschreibt“, und nicht was. Ich halte es ebenso gerne mit dem klassischen „Ich liebe dich“, und verzichte nur allzu gern auf Kitsch. Wenn ein Partner mir jedoch mehrfach am Tag mitzuteilen gedenkt, dass er mich mit Liebe überschütten möchte, halte ich es sicherlich für einen Liebesbeweis, wenn er das sprachlich variiert.

  72. Ellia, glauben Sie Yankee...
    Ellia, glauben Sie Yankee nicht. Wenn ich Ihnen erzählen dürfte, was heute alles so an „evidenzbasiert“ durchgeht……….
    Halten Sie´s wie in der Werbung, wo kein Kaufanreiz da ist, da lohnt sich auch nachhaken nicht. Ort (?????) Zeit und Übereinstimmung müssen schon vorhanden sein ansonsten könnten Sie auf die AIDA-Formel reinfallen:attention, interest, desire, action – alles sehr abhängig vom Wetter und sonstigen Gegebenheiten, die Sie manchmal nicht voraussehen können. Wenn aber die AIDA-Formel nicht aufgeht, dann verschieben sich auch schon mal Schauplätze!
    Aber sicher sein – in der Liebe – Ellia, Kindchen, wie jung sind Sie noch????????

  73. Jung, Rubeus. Liebe ist sicher...
    Jung, Rubeus. Liebe ist sicher endlich. Aber echt und sicher ist sie sicherlich für so manchen Moment.

  74. Na dann Ellia, das Leben...
    Na dann Ellia, das Leben besteht nur aus Momenten! Und nach der Wahrscheinlichkeit von Ihrem Standpunkt aus aus unendlich vielen!
    Aber trotzdem rate ich Ihnen, lassen Sie sich Briefe schreiben wie früher. Wenn sich jemand hinsetzt und 4 oder 5 Briefbögen vollkritzelt, weil er weiß, AN WEN er schreibt, das ist doch pure Poesie. Ich wünsche Ihnen eine Menge davon!

  75. Der letzte Absatz ist...
    Der letzte Absatz ist grandios. Selbst um fünf Uhr morgens. Oder gerade dann.

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