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Wunsch oder Wahrheit: Die Statistik

| 111 Lesermeinungen

worin vorgestellt werden: die Statistik, die Korrelation, die Kausalität, deren Nutzen, Frommen und Mißbrauch wie auch allerlei Diebe und Verdreher derselben.

worin vorgestellt werden: die Statistik, die Korrelation, die Kausalität, deren Nutzen, Frommen und Mißbrauch, wie auch allerlei Diebe und Verdreher derselben.

Bei dem Wort Statistik denken wir an endlose Zahlenkolonnen, an Mittelwerte und Korrelationen und andere langweilige, wüstentrockene Dinge. Für Menschen, die die Welt in Zahlenkolonnen erfassen wollen, Schreibtischhengste, Bürokratentäter, Datensammler. Interessant ist das allenfalls, wenn es im sexy Kostüm daherkommt: Unfallstatistik zum Beispiel, oder Kriminalstatistik. Da wittert man latente Skandale, Gruselgeschichten, obskure Gefahren.

Statistiken sind zuallererst nur eine Sammlung von Fakten in Zahlen. Unzählige Reihen und Spalten, gerne deutlich jenseits des Fassungsvermögens der gängigen Tabellensoftware (ja! da gibt es Grenzen), Unmengen von kleinen Informations-Puzzleteilen. Bestenfalls langweilig. Schlimmstenfalls ein Alptraum für den Datenschutz, nämlich wenn wertvolle – schlimmstenfalls persönliche – Daten verloren gehen. Und je persönlicher, desto schlimmer. Manches Unternehmen, hier und im Ausland, mußte in den letzten Jahren so eine Datenkuh vom Eis ziehen, und man kann nur hoffen, daß sie daraus gelernt haben.

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Immerhin, über Datenverlust, Datenschutz und Datenschlamperei werden wir gelegentlich informiert, wann immer Daten an unerwarteten Orten (bevorzugt dem Internet) auftauchen. Das ist nicht schön, aber es sensibilisiert für die Gefahren. Überhaupt nicht sensibilisiert sind wir hingegen für die vielen Mißverständnisse, die schon bei der Interpretation der einfachsten statistischen Kennzahlen entstehen können.

Die Informationsfülle eines umfangreichen Datensatzes ist so komplex, daß damit in Rohform nicht viel anzufangen ist. Ein Puzzle durch die Summe seiner Teile zu beschreiben wäre ein mühevolles Unterfangen, einfacher ist es, Angaben zum Gesamtbild zu machen und das tut auch die Statistik. Zentrale Maße, die Informationen kondensiert und aggregiert wiedergeben, müssen her, damit die Information handlich und portionsgerecht für den 2-Minuten-Einspieler im Fernsehen oder drei Absätze in der Zeitung werden. Der unumstrittene Herrscher unter den zentralen Maßen ist natürlich der Durchschnitt. Eigentlich ist es nicht schwer, sich klarzumachen, wie verzerrend der Durchschnitt ist – das sollte man schon in der Schule begriffen haben: ob eine Klasse lauter Dreier-Schüler hat oder nur Streber mit Einsen und Trottel mit Fünfen, der Durchschnitt kann in beiden Fällen der gleiche sein, obwohl die Klassen völlig unterschiedlich sind. Erst die Standardabweichung gibt näheren Aufschluß über die Verteilung (weit gestreut oder eng fokussiert um den Durchschnittswert), aber das geht im Alltag unter. Ich jedenfalls habe noch nie in einem Zeitungsartikel neben dem Durchschnitt die Standardabweichung zitiert gesehen.

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Etwas komplizierter und noch verheerender in verständnislosen Händen ist die Korrelation, gewissermaßen die kleine Schwester des kausalen Zusammenhangs. Im Frühling werden besonders viele Kinder geboren und gleichzeitig kommen die Störche aus dem Süden zurück – das ist Korrelation. Der Storch bringt die Kinder – das wäre Kausalität, allerdings wissen wir es seit der Bravo-Lektüre besser: die gibt es in diesem Fall nicht. Kausalität ohne statistische Korrelation ist ausgeschlossen, aber Korrelation ohne Kausalität sehr gut möglich. Der gute Statistiker wird das sorgfältig vermerken, wenn er die Ergebnisse seiner Studie in einem schönen, langen Bericht zu Papier bringt, dafür hat er schließlich lange genug studiert. Hoffentlich.

Der Bericht hat jedoch noch einen langen Weg vor sich, wandert durch viele Hände und nicht immer durch die richtigen. Auf ihrem Weg über die Schreibtische von wissenschaftlichen Mitarbeitern im Bundestag, politischen Referenten und Journalisten verwandelt sich die sachliche, statistische Angabe in eine politisch instrumentalisierbare Neuigkeit, ein Wahlkampfargument oder eine Schlagzeile. Wo Wissenschaftler eine simple Korrelation bei der Nutzung von Computerspielen und Fernsehern und den schulischen Leistungen herstellen, folgt rasch die Forderung, Computerspiele zu indizieren. Weil schlecht für die Bildung. Oder auch: Daddeln macht Doof. Nun ist der Zusammenhang unbestreitbar intuitiv ansprechend und Wasser auf die Mühlen der Zensurfanatiker. Die Korrelation als Beweis für die Kausalität heranzuziehen, oder auch nur durch Formulierungen zu unterstellen, der statistische Zusammenhang mache diese Schlußfolgerung logisch, ist jedoch grundfalsch.

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Denkt man etwas länger über die möglichen Ursachen nach, gibt es drei verschiedene Möglichkeiten. Nennen wir, um beim Beispiel zu bleiben, den Medienkonsum A und die schulischen Leistungen B. Tatsächlich gibt es drei alternative Erklärungen:

1. A verursacht B. Kinder mit hohem Medienkonsum werden dadurch in der Schule schlechter, sprich: dümmer.

2. B verursacht A. Nur zu Anfang abwegig, aber ist es wirklich so unwahrscheinlich, daß weniger intelligente Kinder von sich aus mehr Fernsehen gucken?

3. Irgendein verdeckter Faktor C beeinflußt A und B. Zum Beispiel: Fürsorge und Bildung des Elternhauses beeinflussen Medienkonsum wie auch die Schulleistungen.

Wollte man der Politik raten, so fielen die Maßnahmen sehr unterschiedlich aus, je nachdem welche Kausalität man unterstellt. Und wäre der Grund für das Schulversagen im Elternhaus zu sehen (und nicht im Medienkonsum) müßte man folgerichtig genau dort ansetzen, bei der Betreuung der Kinder. Das jedoch sind ganz offensichtlich völlig unterschiedliche Strategien. Die simple Korrelation zwischen Medienkonsum und Schulleistungen sagt jedenfalls nicht, welches der bestimmende Zusammenhang ist. In Verbindung mit anderen Studien und Methoden mag das Bild klarer werden, aber diese Studie allein ist kein tragfähiger Beweis. Was natürlich Politiker und Journalisten nicht davon abhält, ihr lausiges Mißverständnis statistischer Grundlagen in die Welt zu schreien. Und schnell entsprechende Maßnahmen zu fordern.

Beides, die Fehlerinterpretation und ihre Folgen, entwickeln in der schönen, neuen Internet-Welt schnell eine Eigendynamik. Die These wird aufgegriffen, im Internet noch schneller weitergetragen als früher auf dem Papier, und obwohl es so einfach wäre, die Originalquelle zu verlinken, sucht man oft vergeblich danach. Während man sich also bemüht, den vielen Verbindungen ins Dickicht der Meinungs- und Meldungsvielfalt zu folgen, um die ursprüngliche Studie ausfinding zu machen, wird die verdrehte Statistik fröhlich weitergereicht wird und vervielfältigt sich selbst.

Am Ende solcher Mißverständnisse werden nach einigem politischen Ringen Entscheidungen über die Verwendung von Steuergeldern und die Kontrolle von Medien getroffen, basierend auf einer Fehlinterpretation statistischer Daten. Hätten mehr Menschen begriffen, daß eine Korrelation noch keine Kausalität ist, wäre das nicht passiert.

Also bitte: passen Sie das nächste Mal auf, wenn Ihnen eine Kausalität begegnet, bitten Sie sie, sich ordentlich vorzustellen, mit ganzem Namen – um sicherzugehen, daß es nicht nur eine Korrelation ist. Die wäre nämlich mit Vorsicht zu genießen.

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111 Lesermeinungen

  1. Ich befürchte schon seit...
    Ich befürchte schon seit längerem, dass eine Statistik „Grundmaterial“ bedeutet und jeder, der sie liest, sich sein eigenes Wunschdenken daraus generiert. Zumindest dürfte das oft in der politischen „Kaste“ so gehandhabt werden.
    Durch einfaches weglassen ergibt sich ja bereits ein völlig anderes Bild. So wird aus der statischen Statistik ein flexibles und in alle Richtungen biegsames Instrument, welches wohl gerne missbräuchlich benutzt wird um möglichst leicht für seine Zwecke zu argumentieren.
    Guter Bericht von Ihnen mit brisantem Inhalt. Viele Grüße Tom2010

  2. Lieber Tom2010, ohne Frage...
    Lieber Tom2010, ohne Frage kann man in der Interpretation viel drehen, schieben und verzerren, um das Wunschergebnis zu präsentieren. Geht man aber mit statistischem Sachverstand und genügend Sorgfalt vor, stellt man meistens fest, daß sich doch so etwas wie eine Wahrheit herauskristallisiert – dafür braucht man aber mehr als nur zwei Sätze und eine Kennzahl, sondern mehrere Zahlen und viele Sätze. Differenzierung, lautet das Zauberwort.

  3. dem stimme ich gerne zu! Nur...
    dem stimme ich gerne zu! Nur … genau das ist ja das Problem. Wer differenziert und nimmt sich die Zeit dafür?
    Oder … Wenn ich ehedem nur ein bestimmtes Wunschergebnis „verkaufen“ möchte, dann wäre ja Differenzierung eher komplett kontraproduktiv.
    In Ihrem Artikel tickt eine „Bombe“ nach der anderen … *g* Viele Grüße Tom2010

  4. <p>Test und Tom2010: jaja, so...
    Test und Tom2010: jaja, so ist das. Kommt natürlich auf den Blickwinkel an: wenn man weiß wie es richtig geht, wird es schwer, gutgläubig weiter falsch zu denken – auch wenn das manchmal der Sache dienlicher wäre.

  5. Liebe usw.!
    '…dafür hat er...

    Liebe usw.!
    ‚…dafür hat er schließlich lange genug studiert.‘
    Nach meinen Erfahrungen ist Statistiker ein Lehrberuf, genau wie Berechnungsingenieur ;-).
    Gruß K

  6. Kalchas, Lehrberuf? Vielleicht...
    Kalchas, Lehrberuf? Vielleicht habe ich mich auch unklar ausgedrückt: wer wissenschaftliche Studien mit großen Datenmengen schreibt, hat in der Regel erhebliche statistisches Wissen, folglich ist er für mich Statistiker. Ausführend und praktisch, nicht nur als Lehrberuf. Oder verstehe ich Sie falsch?

  7. Liebe Sophia,

    "wenn man weiß...
    Liebe Sophia,
    „wenn man weiß wie es richtig geht, wird es schwer, gutgläubig weiter falsch zu denken“ … schrieben Sie!
    Hmm … ich will Ihnen gerne unterstellen, dass es für Sie persönlich tatsächlich so ist. Ich habe den Eindruck, dass es auf Sie persönlich zutrifft.
    Jedoch haben Sie einen ganzen Berufsstand – der mit Statistiken arbeitet – gerade vergessen! Den Lobbyisten … und der macht genau das Gegenteil von Ihrem zuvor zitierten Satz.
    Denn der handelt wie folgt; „wenn ich weiß wie es richtig geht, dann muss ich versuchen, erfolgreich das Falsche zu denken und es dann als Richtig verkaufen“.
    Liebe Grüße Tom2010

  8. <p>Liebe Sophia Amalie...
    Liebe Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    eigentlich ist es noch schlimmer. In der Realität sind Größen oft nicht normalverteilt, statt dessen kommen Extremwerte häufiger vor. Beispiele: Einkommensverteilungen, Vermögensverteilungen, viele betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Wenn das der Fall ist, kann (muß nicht) ein Mittelwert oder eine Korrelation empfindlich von der Zahl der Datensätze abhängen. Das passiert z.B.immer dann, wenn die Verteilung der betrachteten Größe langsamer als quadratisch fällt. In solchen Fällen kann man statistisch sinnvoll nur noch mit Quantilen arbeiten. Ich habe noch keinen Artikel in der FAZ oder einer anderen Tageszeitung gesehen, wo dieser Effekt berücksichtigt wurde.
    Gruß, R

  9. Tom2010, ich bin einfach ein...
    Tom2010, ich bin einfach ein bißchen naiv und gutgläubig. Sehen Sie es mir bitte nach, auch wenn Sie möglicherweise Recht haben.
    .
    R, Quantile Regression ist so neu, das braucht vermutlich noch etwas, bis es im Mainstream angekommen ist. Davon abgesehen kann man ja manche Methoden an die Verteilungen anpassen, nur muß man eben berücksichtigen, daß es Ergebnisse abhängig von Annahmen sind. Differenzierung und Sorgfalt, eben.

  10. Liebe Sophia,

    sollte von mir...
    Liebe Sophia,
    sollte von mir kein Fingerzeig sein und gerade wenn Sie schreiben, dass Ihnen solche bösartigen Gedanken fern liegen, gerade das macht es besonders sympathisch.
    Viele Grüße Tom2010

  11. Bravo!...
    Bravo!

  12. Tom2010, so hatte ich das auch...
    Tom2010, so hatte ich das auch nicht verstanden. Trotzdem Danke!
    .
    Robert, gerne!

  13. Hat Churchill nicht einmal ...
    Hat Churchill nicht einmal behauptet , daß man keiner Statistik trauen
    soll, die man nicht selbst gefälscht hat ?
    mfG T.

  14. Liebe Sophia,
    Korrelationen...

    Liebe Sophia,
    Korrelationen und andere statistische Untiefen sind natürlich ein sprödes Thema und es gehört vermutlich viel Mut (oder Verzweiflung?) dazu, darüber in einem Blog zu schreiben. Respekt dafür, dass Sie es getan haben, denn Sie haben recht: Statistiken dienen als Grundlage für Entscheidungen und damit auch für Verwirrung und Desinformation. Gigerenzer hat dazu ein schönes Buch geschrieben.
    Korrelationen bergen aber auch noch andere Interpretationsprobleme. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn in einem Fachartikel zu lesen ist, dass zwischen Medienkonsum und Aggressivität bei Kindern eine (signifikante) Korrelation von .16 festgestellt wurde? Nun, es gibt offenbar einen Zusammenhang (die Frage der Kausalität lassen wir einmal beiseite und wir unterstellen, dass die Studie methodisch sauber war), aber er ist nicht sonderlich hoch. Das Problem liegt nun allerdings darin, dass es für die Bewertung der Höhe einer Korrelation nur willkürlich festgesetzte Konventionen gibt. Wissenschaftler suchen in ihren Studien nach Zusammenhängen und publizieren auch niedrige Korrelationen, denn die Höhe spielt oftmals für den Forschungszusammenhang (zu Recht) keine Rolle.
    Niemand kann jedoch wirklich sagen, ab wann eine Korrelation hoch genug ist, um beispielsweise Änderungen des Lebensstils unabdingbar zu machen – und diese Frage ist auch nicht mathematisch beantwortbar.
    Für die Medien machen diese Feinheiten keinen Unterschied – gerade, wenn es um Gesundheit und Erziehung geht, kommt jedes Ergebnis recht. Wir leben in einer hysterischen Kultur und Hysterikern ist auch die kleinste „Bedrohung“ willkommen.

  15. Trias, es wird ihm zumindest...
    Trias, es wird ihm zumindest zugeschrieben. Und ganz Unrecht hatte der Mann nicht, wer immer das gesagt hat.
    .
    Lieber Observator, Mut natürlich, Mut. Gerade weil es so viele komplexe Fragen gibt und der Zugang so schwer gemacht wird, finde ich es wichtig, gelegentlich auf die Tücken hinzuweisen, und zwar ganz ohne Hysterie.

  16. Naja, man sollte vielleicht...
    Naja, man sollte vielleicht nicht unbedingt einen Beitrag damit beginnen statistische Methoden als „bestenfalls langweilig“ zu kennzeichnen, wenn man erreichen will, dass andere Bürger da auch einmal durchblicken. Statistische Methoden können nach einiger Zeit sogar sehr interessant werden. Das ist m.E. fast immer der Fall, wenn man sich intensiv mit etwas beschäftigt. Vielleicht sollte man daran arbeiten, dass sich Leute mit diesen Methoden breschäftigen. Wenn man nicht nur von trockener Statistik schribt sondern von großartigen Erkenntnissmethoden der Empirie und klar macht, dass man auch kein Überflieger sein muss, um zu verstehen, wie man Regressionsanalysen bastelt oder was Scheinzusammenhänge sind.
    Ein löbliches Beispiel habe ich für statistische Publikationen: Die BoE gibt bei ihrer Inflationsprognose auch immer den Konfidenzbereich an.
    Das wäre mal etwas für Deutschland und seine Wirtschaftsforschungsinstitute, bzw. diejenigen, die deren Aussagen an die Öffentlichkeit weiterreichen. Dann müsste man sich nicht erstens dauernd von irgendwelchen Zeitungslesern anhöheren, dass „die eh nie richtig liegen“ und zweitens würde den Leuten auch klar, dass es Quatsch ist zu glauben, dass eine Punktprognose in dem Zusammenhang irgendwie sinnvoll ist. Jeder seriöse Typ in diesen Instituten muss nach seiner Ausbildung auf die Frage, wie sicher er sich ist, dass seine Prognose tatsächlich eintritt, sagen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür bei 0% liegt.

  17. Franz von Hahn, ich würde...
    Franz von Hahn, ich würde hier nicht darüber schreiben, fände ich es nicht spannend und auf die großartigen Erkenntnismethoden werde ich auch noch kommen. Die BoE ist ein interessantes Beispiel, aber ja nicht gerade ein Mainstream-Medium. Sehr löblich, allerdings, die Konfidenzintervalle anzugeben, das freut den Statistiker.

  18. Bin gespannt auf die Statistik...
    Bin gespannt auf die Statistik in Bezug auf das Konsumverhalten in Bäckereien. Mir passiert es ständig, daß ich nicht frage, ob nun Butter oder Remoulade auf der Semmel ist – und beiße auf fiesen Essiggeschmack, der den Belag geschmacklich ruiniert. Auf Nachfrage wird immer Remoulade aufgetan, auf Wunsch auch Butter. „Der Kunde wolle es doch so“, heißt es. Hier wird also eine Korrelation in der Darbietung vorgegeben, der eine Kausalität zugrunde liegt: Remoulade kostet nichts zu Butter und ist zudem schneller aufgelegt. Anders ausgedrückt: der Schwachsinn wird zum Standard und wird als Service verkauft.

  19. Zu Bäckereien sind mir keine...
    Zu Bäckereien sind mir keine Statistiken bekannt, aber ich schlage dringend vor, dies experimentell zu untersuchen.

  20. Geehrte SAAI, ich schlage vor,...
    Geehrte SAAI, ich schlage vor, wir schicken einige ausgewählte Sportstudiobienen (90/60/90) oder Neunzigjährige in Begleitung ihrer Eltern in Bäckereien zum Remouladensemmelkaufen, und die Kausalität wäre erbracht, Remouladenbrötchen machten gesund.

  21. Nico, hervorragender Plan,...
    Nico, hervorragender Plan, wobei die Stichprobe der Validität halber deutschlandweit gezogen werden sollte, und keinesfalls kleiner als 5.000 Testbrötchen ausfallen darf.

  22. @ Sophia,

    habe auch noch ein...
    @ Sophia,
    habe auch noch ein schönes Beispiel von der Uni Leipzig gefunden und vielleicht belebt so etwas ein eher trockenes Thema?
    Fall 1:
    Phoebe versetzt Pralinen mit einem Gift, das langsam, aber mit Sicherheit tödlich wirkt. Die Pralinen schenkt sie Monica, die sogleich mehrere isst, um dann zum Flughafen zu fahren. Auf dem Weg dorthin verunglückt sie infolge eines Verkehrsunfalls tödlich, bevor das Gift wirken kann.
    Lösung 1:
    Die Weitergabe des Gifts ist nicht kausal für den Tod der Monica geworden. Mit der Autofahrt und dem Unfalltod wurde eine neue, „überholende“ Ursachenreihe eröffnet.
    (überholende Kausalität)
    Viele Grüße Tom2010

  23. Geehrte SAAI, bleibt nur zu...
    Geehrte SAAI, bleibt nur zu hoffen – im Sinne der Butter, der Natur und des Geschmacks -, im Süddeutschen weiß man noch, was man dem Kunden schuldig ist. Und 5000 Testbrötchen macht pro Bäckerei nur eines bei mindestens 5000 Bäckereien deutschlandweit; wir brauchten also nur eine schlanke Schönheit oder eine Greisin pro Bäckerei. Das sollte zu schaffen sein. Und die Statistik ist gerichtsfest.

  24. @ Sophia, nico,

    das ist...
    @ Sophia, nico,
    das ist interessant … und viele Grüße Tom2010
    Statistik Bäckereien
    In Deutschland gibt es 15.337 handwerkliche Betriebe und hochgerechnet 30.000 Filialen, zusammen 45.500 Bäckereifachgeschäfte.
    Sie beschäftigen 287.800 Mitarbeiter, davon 36.000 Auszubildende. Der Gesamtumsatz beträgt 12,88 Milliarden Euro ohne Mehrwertsteuer. Durchschnittlich hat jeder Betrieb 18,80 Mitarbeiter die 840.000 Euro Jahresumsatz erzielen.
    Die Umsatzverteilung nach Betriebsgröße hat ihren Schwerpunkt bei großen Betrieben:
    Die mit 2,5% kleine Gruppe der Bäckereien mit mehr als 5 Mio. € Jahresumsatz erwirtschaftet einen Umsatzanteil von 55,5%.
    Betriebe mit 500.000 bis 5 Mio. € Jahresumsatz können einen Umsatzanteil von 30,1% verbuchen.
    Die Bäckereien mit weniger als 500.000 € Jahresumsatz (ca. 75% aller Betriebe) erwirtschaften 14,4% des Gesamtumsatzes.
    (Stand: 31. Dezember 2008[lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Bäckerei%5D)

  25. Die Herren, jetzt bitte ich um...
    Die Herren, jetzt bitte ich um etwas Zeit, um die geplante Stichprobe sinnvoll auf die Grundgesamtheit umlegen zu können. Möchten Sie zwischenzeitlich die Damen für die Testreihe sichten?

  26. @ Sophie,

    das ist jetzt aber...
    @ Sophie,
    das ist jetzt aber extrem ärgerlich für mich, denn gestern und heute hatte ich mir eine arbeitsfreie Zeit eingerichtet. Brauchte einfach mal eine Auszeit vom Programmieren eines sehr komplexen Programms, welches ich gerade im Kundenauftrag erstelle.
    Ab morgen geht´s dann wieder weiter … und wenn ich genügend Zeit als Vorlauf bekomme, sollte sich das Sichten der Damen sicher einrichten lassen. Ich kann zwar nicht für nico sprechen, gehe aber einfach einmal davon aus, dass dieser sehr interessiert sein wird und u.U. mit entsprechender Vorlaufzeit, dies ebenfalls einrichten kann.
    Damit würde uns ja nur noch Ihre Überlegung zur Grundgesamtheit fehlen sowie das Go zum sichten.
    Für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes dazwischen käme, hätte ich noch ein zweites und schönes Beispiel der Uni Leipzig und natürlich viele Grüße Tom2010
    Fall 2:
    Nichtschwimmer Barney fällt aus einem Boot und droht zu ertrinken. Als er seinen Kopf noch einmal kurz aus dem Wasser halten und um Hilfe rufen kann, erschießt ihn der Ted.
    Lösung 2:
    Die Kausalität ist zu bejahen. Das wohl unumstrittene Ergebnis lässt sich unterschiedlich begründen. Der überzeugendste Weg dürfte der Hinweis darauf sein, dass Ted das Leben des Barney immerhin geringfügig verkürzt hat.
    Die h. M. würde die Berücksichtigung des Ertrinkens wohl auch als verbotenes Hinzudenken von Reserveursachen ansehen und ergänzen, es sei auf den Erfolg „in seiner konkreten Gestalt“ abzustellen.
    (hypothetische Kausalität)

  27. Nun, die Schlanke sitzt neben...
    Nun, die Schlanke sitzt neben mir, die Greisin überlaase ich TOM2010.

  28. @ nico,

    nachfolgendes fordere...
    @ nico,
    nachfolgendes fordere ich von Ihnen ein … und viele Grüße Tom2010
    Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – ist ein deutsches Bundesgesetz, das Benachteiligungen aus Gründen der „Rasse“, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll.

  29. Zuweilen bin ich...
    Zuweilen bin ich Anarchist…und dem Schönen zugewandt!

  30. Auch wenn das...
    Auch wenn das Schulnotenbeispiel sehr griffig ist, birgt es noch ein ganz anderes Problem, nämlich das des Skalenniveaus. Bestenfalls bringen die Noten nämlich irgendwelche Merkmale („Leistung“) in eine sinnvolle Reihe, also 1 ist besser als 2 ist besser als 3; aber ist eine „2“ um genausoviel besser als eine „3“ wie diese gegenüber der „4“? Schulnoten sind ordinalskaliert und es ist deshalb gar keine zulässige Operation, daraus den Durchschnitt zu errechnen. Doch alle tun es. Ein passendes Beispiel wäre die Körpergröße, diese ist intervallskaliert, d.h. 170 cm sind eben 10 cm mehr als 160 cm und diese wiederum 10 mehr als 150.

  31. gibt es kausalität wirklich?...
    gibt es kausalität wirklich? kausalität ist philosofisch nur ein postulat oder?

  32. Eine dritte Betrachtung der...
    Eine dritte Betrachtung der Uni Leipzig zum Thema und viele Grüße Tom2010
    Fall 3:
    Lily droht zu ertrinken. Marshall will sie retten, was ihm leicht möglich wäre. Doch Ted hält Marshall fest, bis Lily ertrunken ist.
    Lösung 3:
    Ted ist Begehungstäter eines Tötungsdelikts. Die Kausalität lässt sich damit begründen, dass Lily gerettet worden wäre, hätte er Marshall nicht festgehalten. Hier wird allerdings klar, dass die h. M. es nicht generell verbietet, hypothetische Kausalverläufe hinzuzudenken. Denn auch die Rettung der Lily durch Marshall ist ein solcher. Das „Verbot des Hinzudenkens“ soll nur für Ersatzursachen gelten, die an die Stelle des Erfolges getreten wären.
    Zu beachten ist auch, dass eine aktive Unterbindung durch psychische Einflussnahme auf den potenziellen Retter nach h. M. nicht als Begehungstäterschaft anzusehen ist, sondern als Teilnahme am Unterlassen (str.,Hillenkamp, AT P 30, wird später vertieft).
    (= kein besonderer Fall von Kausalität, soll nur zeigen, dass hyp. Kaus. Nicht immer Sonderfall ist)

  33. @ nico,

    das muss ja dann...
    @ nico,
    das muss ja dann nicht´s schlechtes sein und in diesem Sinne. Viele Grüße Tom2010

  34. <p>Die Herren Tom2010 und...
    Die Herren Tom2010 und nico: ich sehe schon, Sie sind viel besser qualifiziert als ich, die Details der Testpersonenauswahl unter sich auszumachen. Sie haben da mein vollstes Vertrauen!
    .
    Lieber Herr nnier, Sie haben ja so Recht! Ein Fehler im Fehler, wie bei einer russischen Schachtelpuppe!
    .
    BertholdIV, in der Philosophie haben Sie tatsächlich die Wahl, angenommene Kausalitäten zu akzeptieren oder nicht. Ähnlich in der Statistik: einen absoluten Beweis, wie ihn die Mathematik theoretisch erbringen könnte, gibt es nicht, lediglich zunehmende Validität einer Hypothese, basierend auf Annahmen, Logik, und der Wahl der Methode. Glaube ich, in meiner unendlichen Unwissenheit.

  35. Den Unterschied zwischen...
    Den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität kann man nicht oft und laut genug betonen! Andere Fehlinterpretationen kommen auch dadurch zustande, daß man Genauigkeiten haben will, wo die Datenbasis diese einfach nicht hergibt.

  36. Colorcraze, nein, kann man...
    Colorcraze, nein, kann man nicht. Wird trotzdem immer wieder falsch gemacht, zumal allzu oft suggeriert wird, Statistik liefere sichere Ergebnisse, Wahrheiten, auf die man bauen kann. Ts.

  37. ich würde sogar noch etwas...
    ich würde sogar noch etwas weiter gehen und die Annahme des Kausalitätsprinzip noch als bewusste Entscheidung deklarieren – aber ob das Prinzip per se existiert – ist ein „ewig“ währender insbes. theologischer Diskurs und wie immer dann entlang der Religionsgrenzen entschieden. man sollte sich ab und zu daran erinnern auch wenn man kausalität und Korrelation unterscheidet.

  38. @nico et alii: Ja! Ja!...
    @nico et alii: Ja! Ja! Remouladenbrötchen, macht sie nieder! Das ist eine Seuche! Wir wollen Butter! Butter gibt es genug!

  39. ...
    http://www.brunodefinetti.it/
    Sehr lesenswert seine Wahrscheinlichkeits(sic!)-theorie

  40. Zur...
    Zur Butter-vs-Remoulade-Debatte: ich ziehe Remoulade vor (*geht in eine Ecke und schämt sich*).
    .
    BertholdIV, interessant, aber sowas verstehe ich meist nur in der ersten Tageshälfte, um diese Uhrzeit ist mein Kopf bereits im Schlafmodus.

  41. Was ich bei der Interpretation...
    Was ich bei der Interpretation von ökonomischen Daten oder von Klimadaten oft vermisse, ist der Hinweis, dass für manche theoretischen Modelle – sprich: kausalen Beziehungen zwischen Variablen – einfach keine statistischen Schätzverfahren für die Parameter des Modells existieren. Und das gilt stets dann, wenn alle Variablen endogen sind, d.h. wenn in einem Modell alle Variablen sich gegenseitig beeinflussen. Gerade in der Ökonomie und in der Klimaforschung werden gerne aufwendige Modelle konzipiert, bei denen sich alles gegenseitig beeinflußt.
    Dann helfen weder gigantische Datensätze noch phantastisch leistungsfähige Computer – die Parameter solcher Modelle lassen sich schlicht und einfach nicht errechnen (schätzen). Für die Aufdeckung dieser Problematik wurde, wenn ich mich nicht täusche, der erste Nobelpreis für Ökonomie vergeben, und zwar an zwei Ökonometriker: Tinbergen und Frisch.
    Selbst wenn einige Variable eines Modells exogen (und nicht endogen) sein sollten, aber dennoch der überwiegende Charakter des Modells dem Prinzip „alles beeinflußt alles“ folgt, ist die Schätzung der Parameter mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
    Worauf das alles hinausläuft: vieles, was die „Betreiber“ von ökonometrischen Modellen oder von komplexen Klimamodellen als Forschungsergebnisse präsentieren, ruht auf Treibsand.
    Damit das mal gesagt wird…

  42. @ Sophia,

    Schlafmodus ... das...
    @ Sophia,
    Schlafmodus … das bezweifle ich jetzt einmal ganz stark. Viele Grüße Tom2010 und noch ein weiteres schönes Beispiel der Uni Leipzig anbei:
    Fall 4:
    Don Draper und Pete Campbell schütten (unabhängig voneinander) jeweils eine Dosis Gift in den Tee der Peggy Olson. Die einzelnen Dosen hätten zur Tötung der Peggy Olson nicht gereicht; die Gesamtmenge führt aber dazu, dass Peggy Olson nach dem Genuss des Tees stirbt.
    Lösung 4:
    Ein Fall der „kumulativen Kausalität“, die Kausalität ist hier zu bejahen
    (= kumulative Kausalität)

  43. <p>@ Sophia,</p>
    <p>ich sage...

    @ Sophia,
    ich sage jetzt gerne und artig danke und werde nachher wohl keine Zeit mehr haben, um hier vorbeizusehen. Es war schön und hat auch Spaß gemacht und somit freue ich mich auf die nächste Gelegenheit – hier, an dieser Stelle -. Das letzte Beispiel der Uni Leipzig anbei … und viele Grüße Tom2010
    Fall 5:
    Wie wäre die Fallkonstellation 5 zu beurteilen, wenn jeweils die einzelnen Dosen schon zur Tötung der Peggy Olson ausgereicht hätten?
    Lösung 5:
    Ein Fall der „Alternativen Kausalität“ oder „Mehrfachkausalität“. Die h. M. modifiziert hier die Conditio-Formel, um überhaupt Ursächlichkeit annehmen zu können: „Von mehreren Bedingungen, die alternativ, aber nicht kumulativ hinweg gedacht werden können, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele, ist jede erfolgsursächlich“.
    (= alternative Kausalität)

  44. Koinzidenz und Korrelation zu...
    Koinzidenz und Korrelation zu verwechseln … kommt das bei Bloggern statistisch häufig vor ?

  45. Die Medien drehen doch eh...
    Die Medien drehen doch eh alles so, dass es möglichst eine große Schlagzeile gibt. Vor einiger Zeit habe ich auch eine klasse Schlagzeile in den Sat 1 „Nachrichten“ gesehen, die da lautete: „Laut einer neuen Studie kann ein Zusammenhang zwischen Leukämie und der Nähe zu Atomkraftwerken nicht ausgeschlossen werden.“ Tja wer Ahnung hat weiß natürlich, dass das nichts anderes bedeutet als, dass die Studie zu keinem Ergebnis gekommen ist. Man hätte es ja auch anders formulieren können: „Laut einer neuen Studie kann ein Zusammenhang zwischen Leukämie und der Nähe zu Atomkraftwerken nicht nachgewiesen werden.“ Beide Formulierungen unterstützen nur die Meinung desjenigen der sie benutzt. Aber „Eine neue Studie über den Zusammenhang von Leukämie und der Nähe zu Atomkraftwerken kam zu keinem Ergebnis“ wäre ja keine Schlagzeile gewesen. Ich habe hatte mir die Studie danach noch selbst durchgelesen und es gab sehr wohl nen Ergebnis, das hatte aber mit Atomkraftwerken wenig zu tun, war Sat 1 aber wohl nicht wert gesendet zu werden. Fazit: Wer unreflektiert irgendwas in den Medien glaubt ist selber schuld! Es ist traurig, aber Journalismus ist auch fast nur noch Schlagzeilenmacherei, wenn man wirklich informiert werden will, muss man sich selber kümmern. Nur hat man ja auch nicht für alles unendlich Zeit. Gruß aus dem Urlaub :)

  46. Man kann dem ganzen auch etwas...
    Man kann dem ganzen auch etwas positives abgewinnen:
    Durch Entscheidungen der Politik wird sich ja dann in ein paar Jahren zeigen, ob tatsächlich Medienkonsum kausal für schlechte schulische Leistungen ist. ;-)

  47. Sehr gut!

    Ich hoffe nur, dass...
    Sehr gut!
    Ich hoffe nur, dass auch die Redakteure (und Kollegen der anderen Zeitungen) den Beitrag lesen, und nicht weiterhin unhinterfragt jeden statistischen Blödsinn abtippen (neben Politik wird das auch gerne im Gesundheitsbereich gemacht).
    Da ich diesen Blödsinn immer schnellstmöglich vergesse, habe ich leider keine Beispiele an der Hand …

  48. Dunkel erinnere ich mich...
    Dunkel erinnere ich mich daran, dass im Ethik-Unterricht der 10. Klasse vom Kausalitätskonzept des englischen Atheisten David Hume die Rede war.
    .
    Hume bestritt, dass es Kausalität überhaupt geben tut. Wenn einer einen Stein in die Luft wirft und der dann wieder runterkommt und dann ein anderer Engländer, der ausserdem durch Theorien über den dritten Faktor „Heiliger Geist“ aufgefallen ist, daraus ein kausalwirksames „Gesetz der Schwerkraft“ ableitet (wenn Masse, dann Schwerkraft), dann steckt auch hierin ein methodischer Fehler, nämlich die Extrapolation von der Vergangenheit in die Zukunft:
    Dass die Masse bisher immer eine Schwerkraft hatte, beweist ja noch lange nicht, dass sie auch in Zukunft eine haben wird.
    Es gibt gar keine Kausalität, meinte Hume, es gibt nur Empirie, und aus empirischen Daten lässt sich prinzipiell keine Kausalität ableiten.
    Was natürlich nicht heisst, dass der Heilige Geist nicht auch zufällig mal recht haben kann.
    .
    Zum Schulbeispiel: Die gegensätzlichen Schlussfolgerungen laufen doch wieder auf ein ähnliches hinaus. Der Staat kann ja die Elternhäuser nicht unmittelbar beeinflussen. Ja, am liebsten würden ihnen (nicht den Kindern, sondern den Eltern!) den Fernseher wegnehmen und ihnen stattdessen den Besuch von Kirche, Oper und Kulturfilm polizeilich vorschreiben — aber das ist politisch schwer durchsetzbar.
    Das Daddelverbot für Kinder ist ein Versuch, das gleiche Ziel auf einem Umweg zu erreichen. Man kann die bildungsfernen dummen Prolls ja nicht umerziehen, aber man kann sie doch ein wenig stigmatisieren und auf Abstand halten. Mitsamt ihren Blagen versteht sich. Und dann bleiben die Kinder der bildungsfernen Mittelschichten auf dem Gümmi unter sich und schaffen ihr Abbi etwas leichter.

  49. Hi BertholdIV,
    eine dicke Frau...

    Hi BertholdIV,
    eine dicke Frau verdrueckt eine Currywurst, u. Sie fragen: Warum macht sie das? Wenn Sie dafuer Gruende angeben, die zeitlich frueher placiert sind als das Explanandum, mithin mit diesem nicht zusammenfallen, und als Wirkung derselben behauptet werden koennen, wenden Sie das Kausalitaetsprinzip an, ob Sie sich dessen bewusst sind oder nicht.
    Die Gruende muessen dabei nicht so simpel sein wie die Sachverhalte, die man erklaeren moechte, koennen sogar theoretisch elaboriert sein, was aber keine notwendige Bedingung ist.
    Natuerlich kann die Frau schlicht hungrig sein, d.h. auf koerperliche Signale reagieren: ihr laeuft das Wasser im Mund zusammen, Peristaltik usw. Sie kann aber z.B. auch frustriert sein u. sich die Wurst in einem Akt der Selbstdestruktion „reinziehen“, um Aggression abzubauen. Ein Soziologe a la Durkheim, der solche Herangehensweisen als „Gehirngeographie“ abtun wuerde, wuerde vielleicht auf die Ausbreitung von Imbissstuben und den damit verbundenen Anreizen verweisen und daraus ein Argument „stricken“. Auch koennte man bei feministischer Grundgesinnung ein generaliertes Kastrationsbemuehung nicht vorderhand ausschliessen: alles abzubeissen und kleinzumachen, was phallusartig in die Welt ragt.
    MfG
    G. Sch.

  50. Ohne den Kausalitätswahn des...
    Ohne den Kausalitätswahn des 19. Jahrhunderts wäre Marxismus niemals möglich gewesen.

  51. Klaus Seilberger, Endogenität...
    Klaus Seilberger, Endogenität ist das Kreuz jedes Ökonometrikers, darauf komme ich sicherlich auch irgendwann mal sprechen, wenn ich mich warmgelaufen habe. Aber selbst bei einfachen Problemen wie Korrelation und Kausalität versagt das Konzept vom mündigen Leser.
    .
    Tom 2010, jurisitsche Kausalität… auch so ein Thema. Schöne Beispiele.
    .
    Der alte Fritz, bei Bloggern passiert das sicherlich auch, aber eben nicht nur bei denen.

  52. AlienV, die Studie habe ich...
    AlienV, die Studie habe ich auch mitbekommne und das Ergebnis ist dasselbe wie in meinem Beispiel: Korrelation ist da, aber die Kausalität ließ sich eben nicht nachweisen. Seufz.
    .
    Gast, ja sind wir denn ein großer Stall voller Versuchskaninchen?
    .
    Matthias Müller, das wäre zuviel der Ehre, und auch zuviel erwartet, fürchte ich.

  53. HansMeier555, theoretisch...
    HansMeier555, theoretisch gesehen hat Hume vermutlich Recht. Ich bin aber pragmatisch genug um zu akzeptieren, daß sich viele Zusammenhänge mit einiger Validität übertragen lassen, aber eben unter Annahmen und Voraussetzungen.
    .
    Was die Kinder betrifft, so bin ich konkret auch ratlos und wüßte keine Lösung. Umfassendere Betreuung durch Kindergärten und Schulen würden vermutlich am ehesten helfen, aber dafür bräuchte man auch das entsprechende Lehrpersonal. Solche Mediendebatten sind doch nur hysterisches Geschrei ohne Konsequenzen.

  54. Teutobrecht, das ist eben eine...
    Teutobrecht, das ist eben eine andere Sichtweise: theoretisch lassen sich Kausalitäten vermutlich nie 100% beweisen, praktisch hingegen kann man schon einiges über Gründe sagen, wenn man dem logischen Verstand traut.

  55. Und wenn der Journalist alles...
    Und wenn der Journalist alles ganz sorgfältig erklärt und präsentiert, dann verstehen die Leser überhaupt nicht, was er sagen will und vergessen es gleich wieder.
    Nicht nur Computer funktionieren nach einer binären Logik: Ja ist Zucker (Butter, Salz, Kaffee, Fleisch, etc.) jetzt gesundheitsschädlich oder nicht? Soll ich das jetzt kaufen und essen oder nicht?
    Am Ende geht es nur um die Frage, wie sich solche Berichterstattung auf die Kaufentscheidung auswirkt.
    Dazu gibt es auch wieder Statistiken.
    .
    [Haben Sie eine Kundenkarte?]

  56. Eine denkbare Konsequenz...
    Eine denkbare Konsequenz wäre, dass manche Eltern ihren Kindern keine PlaysStation kaufen, damit man sie (die Eltern) nicht für bildungsferne Prolls hält.
    Und weil sie (womöglich zu Recht) befürchten, dass ihr Kind keine Gymnasialempfehlung enthält, wenn die Klassenlehrerin erfährt, dass das Kind zu Hause eine Play Station hat.

  57. Hi Sophia Amalie Antoinette...
    Hi Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    “ theoretisch lassen sich Kausalitäten vermutlich nie 100% beweisen“, schreiben Sie. Frage mich, wer solches heutzutage behauptet, u. wuerde zudem ergaenzen, dass solche Beweisfuehrung auch empirisch nicht moeglich ist; dass allenthalben mit ceteris paribus Klauseln, idealtypsch gemeinten Vorbehalten usw. operiert wird, ist doch kein Zufall.
    Wuerde an Ihrer Stelle die Erklaerungskraft gut gepruefter Theorieansaetze aber nicht unterschaetzen. Fahre selber ausgesprochen gut damit.
    MfG
    G.Sch.

  58. Teutobrecht, ha ha, sehr...
    Teutobrecht, ha ha, sehr schön!!
    .
    Aber diese Beispiele aus dem 1. Semester Jura – GRAUENHAFT. (Nix für ungut, werter Tom2010.)
    .
    Und weiter geht´s am Roulette-Tisch!
    .
    Sophie, seid bedankt.

  59. HansMeier, seinerzeit hielten...
    HansMeier, seinerzeit hielten meine Eltern den Gameboy für Teufelszeug, heute ist es die Playstation, dabei gibt es doch für fast alles auch pädagogisch wertvolle Spiele. Ts.
    Stimmt natürlich, daß man sich für differenzierte Berichterstattung auch mehr Zeit nehmen muß, aber wäre es das nicht eigentlich wert? So, als mündiger Bürger?
    .
    Teutobrecht, in den Studien selber sind natürlich reichlich Hinweise in Halbsätzen, die das Ergebnis einschränken bzw. die Annahmen darlegen. Aber danach? In meiner Wahrnehmung suggeriert: „Daddeln macht Doof“ einen direkten kausalen Zusammenhang, der quasi bewiesen ist und nicht mehr zu bezweifeln ist. Das finde ich schon fragwürdig. Aber vielleicht ist das meine simple Wahrnehmung.

  60. <p>Werte Muscat, es ist mir...
    Werte Muscat, es ist mir immer ein Vergnügen.

  61. @HansMeier555
    richtig Hume...

    @HansMeier555
    richtig Hume wäre ein beispiel für eine solche kritik, es gibt noch ein paar andere. Gefährlich wird es, wenn das Wissen über diese Dinge verloren geht. In der Finanzwelt haben sie sehr schön erlebt, was passiert, wenn die Leute nicht mehr wissen, wie weit die eigenen Modelle gelten.
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia
    Das mit deFinetti – übrigens ein weiterer Mitarbeiter neben franz kafka der generali versicheurng – wäre eine Überlegung wert. Die Frage ob es Wahrscheinlichkeiten „gibt“ ist auch eine Überlegung wert – deFinetti hat das mathematisch schön ausgeführt – aber auch die Modernen Wahrscheinlichkeitstheorien brauchen kein ontologisches Konzept einer Wahrscheinlichkeit/Unsicherheit

  62. @Teutobrecht
    Danke ein...

    @Teutobrecht
    Danke ein vergnügen. Ich denke dass die unteren Erklärungen die „wahrscheinlicheren“ sind. Bei Hunger könnte Sie ja auch einen Grünkernbratling essen

  63. Mein Beitrag für die...
    Mein Beitrag für die Auswertungsstatistik der Krankenkassen zur Anhebung des Zusatzbeitrags bei Übergewicht: kumulative Junkfood-Kausalität

  64. Verehrte DAAI, ich hoffe, die...
    Verehrte DAAI, ich hoffe, die Ihrer Namensgebung innewohnende Unendlichkeit erstreckt sich nicht nur auf Ihre belleza escondida, sondern auch auf die weibliche Tugend der Geduld, um Sie weiter mit Ehrerbietung eher abträglichen Themen wie Statistik, Korrelation und Kausalität zu langweilen. Wir aber sind nun der Wahrheitsfindung verpflichtet und sodann will ich die Schlacht Butter vs. Remoulade an deutschen Bäckereithresen und einer zu befürchteten Statistik, welche der Drangsalierung der Butterfreunde weiter Vorschub leisten wird, fortführen und ergänzen.
    Denn ähnlich mit der Butter – meine Mutter pflegte sie in Platten aufzulegen – ist es mit dem unsäglichen Begriff der „Premium Qualität“ in Dicounter-Ketten. Hier steht auch zu befürchten, Korrelation und Kausalität werden dergestalt verklärend präsentiert, man kaufte dort Qualität im ursprünglichen Sinn, und, viel schlimmer noch, diese Ketten wären das Synonym solcher.
    Diese Branche hat den Begriff „Premium Qualität“ für sich erfunden und appliziert ihn in Form von Siegeln – im Zeichen der Qualität – auf die Plastikverpackungen. Eine zu befürchtende Statistik würde belegen, von 10Mio. kaufenden Kunden, werden prozentual soundsoviel Wiener Würstchen der Premium Qualität gekauft, und dies anhaltend. Klar ist, daß nicht alle kaufenden Kunden Vegetarier sind und zwangläufig ein Teil dieser Kunden diese Premium Artikel kaufen. Begründet indes liegt es in der Tatsache, daß die Discounter ihre Zielgruppe in der weniger bemittelten Gesellschaft sehen, und hier insbesondere die von Arbeitslosigkeit und geringem Einkommen betroffenen, und diese schlicht keine andere Wahl haben, dort einzukaufen.
    Nicht nur für Hedonisten und Gourmets ist die Verwendung dieses strapazierten Begriffs in unmittelbarer Nähe solcher sicher keimfreien und stetig gekühlten Würste ein Peitschenhieb auf die Zungen und verlangt somit endlich nach einer Begriffsdefinition. 1,98€ für 350 Gramm kann sicher nicht von an der Leine geführten Tieren stammen, die ausreichen Lebensraum haben und beim Schäfer die Nachtruhe finden.

  65. Hi Sophia Amalie Antoinette...
    Hi Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    Sie schreiben: „In meiner Wahrnehmung suggeriert: „Daddeln macht Doof“ einen direkten kausalen Zusammenhang, der quasi bewiesen ist und nicht mehr zu bezweifeln ist. Das finde ich schon fragwürdig.“
    Ob fragwuerdig oder nicht, ist nicht der Punkt; geht um causa efficiens und c. finalis.
    MfG
    G. Sch.

  66. BertholdIV, lauter schöne...
    BertholdIV, lauter schöne Themen für zukünftige Beiträge!
    .
    escalera_de_caracol, auch so ein Fall von pseudo-Kausalität. Ich gestehe ja selbst zu, daß es Zusammenhänge gibt zwischen Ernährung und Krankheiten, aber wie setzt man Dinge politisch um? Und auf Basis welcher Beweislage?
    .
    nico, ich bin geduldig, keineswegs gelangweilt, hoffentlich auch nicht langweilig, und hier darf man über Statistik reden, solange man mag. Vorausgesetzt, ich darf weiter Remouladenfan bleiben.

  67. <p>Teutobrecht, ich finde...
    Teutobrecht, ich finde Tatsachenverdrehung fragwürdig, ganz unabhängig vom formaltheoretischen Hintergrund. Unabhängig von der Art des unterestellten ursächlichen Zusammenhangs – jede solche Unterstellung ist kritisch, wenn sie fälschlicherweise suggeriert und dann noch im Mediengeschrei zur Stimmungsmache genutzt wird.

  68. Schade, dass es niemand mit...
    Schade, dass es niemand mit Sachverstand in die Politik schafft. Oder besser: Schade, dass niemand, der es mit Sachverstand in die Politik geschafft hat, diesen in seinem Beruf auch mal gegen die Marktschreierei der bösen Statistik, der Umfrage, nutzt.
    Wie wäre es überhaupt mal mit etwas akademischeren Nachrichten? Wenn Tom Cruise furzt, kann ich das aus verschiedenen Perspektiven nachempfinden. Wenn die Volkswirtschaftslehre um die Bedeutung von Lebenszufriedenheit für eine Neuentdeckung der kardinalen Nutzenfunktion ringt, dann erfährt es niemand. Mag sein, dass die Interessen der Öffentlichkeit mehr auf die analen Entgleisungen von Herrn Cruise fixiert ist, aber die Antworten hier lassen doch andere Schlüsse zu. Außerdem sollen Zeitungen irgendwann einmal einen anderen Auftrag für sich vereinnahmt haben, als dem Bauarbeiter auf dem Dixie die Zeit zu versüßen.

  69. Liebe Sophia,
    .
    "Mündige...

    Liebe Sophia,
    .
    „Mündige Bürger“: Wenn es die gäbe.
    .
    Sophia Infinitesimalia verstehe ich ja, aber Antoinette Amalia?
    Müsste es in Anlehnung an Michael Ende nicht besser heissen: Sophia Cassiopeia Aurelia Infinitesimalia ?

  70. Dominik Wullers, der ein oder...
    Dominik Wullers, der ein oder andere Politiker hat sicherlich genug Sachverstand, die Frage ist nur, ob er den auch einsetzt. Ähnliches gilt vermutlich für die Medien. Der Zwang zur Wiederwahl, der Zwang zur Quote oder Auflage, den eigenen Job zu sichern in unsicheren Zeiten… lauter gute Gründe, den Sachverstand morgens mal zu Hause zu lassen. Kann ich auch irgendwie verstehen.
    .
    HansMeier555, die gibt es, nur selten als mir lieb wäre.
    Cassiopeia Aurelia gefällt mir auch gut, werde einen Antrag beim Chef und der IT auf Namensänderung einreichen. Ich hätte vielleicht eine öffentliche Namensfindungsausschreibung veranstalten sollen vor dem Start, soviele schöne Vorschläge habe ich bereits erhalten. Bin leider völlig unkreativ, im Gegensatz zu meinen Lesern.

  71. <p>Liebe Sophia,</p>
    <p>die...

    Liebe Sophia,
    die Idee Ihres Blogs gefällt mir sehr, ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit und warte gespannt auf neue Beiträge!
    Ich habe nun schon eine ganze Menge über Zahlen und Statistiken gehört, hantiere auch fröhlich damit herum. Gerade sehr sehr viel für meine Abschlussarbeit.
    Und doch erwische ich mich immer wieder dabei, die ganz einfachen und wichtigen Fragen erst zu spät zu stellen. Kausalität ist da ein schönes Thema, Skalierung und Modellannahmen sind andere. Das Beispiel von nnier ist so ein Fall, fragte mich jemand, könnte sich sicher erklären was ordinale Skalierung bedeutet.
    Aber auf die Auswirkungen, die das offensichtlich auf Noten hat, bin ich selbst noch nicht gekommen. Und rege mich über meine eigne Blindheit auf.
    Von daher bin ich sehr dankbar für eine solche Gelegenheit, die eigne Wahrnehmung zu schärfen. Vielen Dank!
    Enkidu

  72. <p>Werden wir...
    Werden wir Produzenten!
    Was mich ein wenig erschreckt, ist der so selbstverständliche Gebrauch von „Medienkonsum“. Das soll nicht mal eine Kritik sein, denn vermutlich ist der Begriff „statistisch korrekt“, wo doch anzunehmen ist, dass die Mehrheit Medien konsumiert statt sie zu produzieren. Doch was ist Produktion, und was ist hierbei Konsumtion? Was wir da gerade machen, konsumieren wir, oder produzieren wir? Und eine ähnliche Frage könnte man sogar bei dem Konsumgut Fernseher stellen, unterstellte man, dass man auch hier am Medium produzierend tätig werde. So lasse ich meine kleine Tochter (sie ist 6) nicht einmal mehr eine Kindersendung anschauen, ohne sie da mittexten zu lassen (den Text besprechen, und vielleicht gar verändern, sozusagen). Und Werbekonsum ist ehe obsolet. Auch ich habe schon als Kind meine Bücher selten zu Ende gelesen, sondern mir den Rest dazu gedacht, und die Geschichte damit weiter geführt, sie noch mal erfunden – dann, in meinen Spielen. Ich denke, das machen nicht wenige Kinder.
    Wir sollten anfangen, so mit den berüchtigten Medien umzugehen, statt ihre Selbstverständlichkeit einfach zu akzeptieren. Werden wir Produzenten!
    Ich bin überzeugt, dass sich dadurch nicht nur die Statistik verändern wird.

  73. <p>Enkidu, der Teufel steckt...
    Enkidu, der Teufel steckt im Detail, und fast jeden Fachaufsatz kann man zerpflücken, indem man die Annahmen in Frage stellt. Danke für das Kompliment!
    .
    Devin08, bloggen ist ja sowas wie selbstproduzieren, was man in der Medienlandschaft vermißt, auch wenn ich das für mich nicht in Anspruch nehmen würde. Mir wäre kritisches lesen schon genug, wenn es nur mehr Menschen täten.

  74. Zur Kausalität: Die...
    Zur Kausalität: Die Warum-Frage ist für Kinder ein wesentliches Instrument, um die Welt zu begreifen und ohne Kausalketten gibt es keine Welterkenntnis. Und selbst dann, wenn wir später feststellen müssen, daß angenommene Kausalitäten (ich habe einen bösen Gedanken gehabt und schon ist ein Blitz neben mir eingeschlagen) dann oft nicht haltbar sind, aber immerhin vermutlich zur Gottgläubigkeit geführt haben, bleibt auch beim wissenschaftlich geschulten Menschen (alles hängt mit allem zusammen) der tiefe Wunsch nach der großen alles umfassenden und erklärenden Theorie. Leider gibt es die Möglichkeit, daß unsere Erkenntnisfähigkeit weit unterhalb der Komplexität der Welt angesiedelt ist. Die Kausalität ist für uns ein unverzichtbares Konstrukt, aber selbstverständlich dürfen wir darüber spekulieren, daß es sie nicht gibt, aber vermutlich geht das nur unter Verwendung von Kausalketten…

  75. specialmarke, man kann sich...
    specialmarke, man kann sich ganz gut darin einrichten, sehr wahrscheinliche Sachen für fast gesichert zu halten, solange man nur das „fast“ nicht vergißt und ein gesundes Grundmißtrauen gegenüber scheinbaren Beweisen bewahrt, die einem andere unterjubeln wollen.

  76. Kausalität ist...
    Kausalität ist wirklich
    @specialmarke: Warum so (selbst-)kritisch? Mag sein, dass die uns umgebende (wie auch die in uns seiende) Welt komplex erscheint. Aber vermutlich ist sie dies nur, weil der Algorithmus nicht zum Stillstand kommt (und uns diesbezüglich immer eine Nasenlänge voraus sein will. – Worauf ich aber nicht wette!). Die Theorie ist dafür da, eben die Nase nach vorne zu bringen, der natürlichen Entwicklung sozusagen (bisher noch) mehr ahnend als wissend, geistig voraus zu sein. Eine solche Theorie muss dementsprechend komplexer sein als die Wirklichkeit, das wiederum verwechseln wir (sehr wahrscheinlich) mit der Wirklichkeit. Komplex ist also das, was wir uns vorstellen (müssen), nicht das, was wirklich ist. Und vergessen wir doch bitte bei all dem nicht, das was wirklich ist, ist doch nur die Veränderung selbst, nicht das, was uns im gegebenen Moment als Wirklichkeit erscheint. Die Veränderungen aber lassen sich selbst aus der Perspektive des Menschen Zeit nicht mehr beobachten, sondern nur nachvollziehen, voraus-berechnen. Auch dies können wir, denn unser Gehirn entspricht der äußeren Welt (denn ist dabei auch „nicht vom Himmel gefallen“/Hoimar von Ditfurth), wenn auch mit Sekundenbruchteilen im Nachtrab, vermutlich. Und genau diese Sekundenbruchteile machen das Wesen/die Schwierigkeit der Kausalität aus. Womit Kausalität wirklich wäre, wenn auch nicht so, wie wir sie beobachten, sinnlich wahrnehmen. Die sinnlich wahrgenommene Kausalität wäre somit in fast allen Fällen ein Kurzschluss, nicht aber die berechnete. Und unsere Vorstellung (selbst wenn sie eine kantsche ist), dass wir zu dumm seien, für diese oder jene Kausalität, ist nur eine aus der Beobachtung, nicht eine errechnete.

  77. Der Unterschied zwischen einem...
    Der Unterschied zwischen einem genialen, einem normalen und einem prekaeren Statistiker laesst sich leicht kausal definieren: Erster verdient ein Vermoegen an den Boersen. Zweiter arbeitet in der freien Wirtschaft. Dritter arbeitet fuer die Regierung oder staatliche Organisationen oder Lobbygruppen. Die Kausalitaet zu erkennen, ueberlasse ich dem scharfsinnigen Leser. :)

  78. Liebwertes stochastisches...
    Liebwertes stochastisches Collegium permanente, holde Sophia Amalia etc.,
    zu dem liebreizenden Thema und den dazu korrelierenden (delirierenden zu sagen wäre eine glatte Unverschämtheit) Kommentaren, hierzu ein weiterer, mein bescheidener Senf, als notorischer Kausaltäter h.c.:
    1.)Bäcker die in früheren Zeiten nicht die Standardbrötchen buken, sog. Limes-Modellierer, wurden ohne viel Federlesens der Bäckerwippe überlassen (10-maliges Eintunken des Deliq. innerhalb eines Eisenkäfigs im nächsten Fluss an langem Hebelarm). Statist. verwertbare Mittelwerte, Empirie versus Theorie, aus dieser Zeit sind in den Chroniken kaum überliefert. Wie oft müsste heutzutage im Mittelwert gewippt werden?
    2.)Wann fing die erste Ursache an, notabene im Kosmos?
    3.)Kenne Doctores, die haben die notwendigen statistischen Reihenuntersuchungen ihrer Arbeit gefälscht und mit s.c.l. abgeschlossen und wurden seit 25 J. nicht belangt. Was sagt dieser casus über die Statistik und die Doktoreltern aus?
    4.)Schrödingers Katze hat heute soundsoviel mal miaut, was nun?
    5.)3 Photonen sollen durch zwei Schlitze gejagt werden. Was sagt uns dies über den durchschnittlichen Verstand der Experimentatoren? Wenn ja, was macht das unterlegene Photon?
    6.)Gibt es statistisch/stochastisch/theologisch gesehen zwei oder n-Universen, oder keines?
    7.) Wie dachte K. Marx über das Phänomen Statistik und wenn ja, warum gibt es dann das Web?
    Ihrer weiteren ev. Kommentare harrend, verbleibt mit tiefster Devotion Ihr Kt.
    h.s.q.m.y.p.=honi soit qui mal y pense ;-)
    Lit. et Links:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Statistik
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze
    http://de.wikipedia.org/wiki/Delirium

  79. Devin08, alles eine Frage der...
    Devin08, alles eine Frage der Perspektive.
    .
    j.frei, das ist wie mit Bankaufsehern und Mathematikern… die wirklich klugen Köpfe folgen entweder dem großen Geld in die Wirtschaft, oder sie verstecken sich an Universitäten, wo sie Studien verfassen, die dann von den prekären Kollegen verdreht oder verwurstet werden.

  80. Kausaltäter h.c., hier denkt...
    Kausaltäter h.c., hier denkt niemand etwas Böses, Schelmen sind nicht eingeladen, alle sind scharfsinnig bis zum Delirium, zu Gunsten der Stochastik und Wahrheitsfindung. oder wenigstens Wahrscheinlichkeitsfindung. Wir sind auch alle multi-tasking und wickeln juristische, statistische, reale, mathematische und philosophische Korrelationen auf einmal ab und auf. Ein veritabler Gemischtwarenladen.

  81. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia10. August 2010, 12:56 @:
    Sehr charmant und elegant Ihre Antwort, werd mir´s, das Ergebnis, hinter mind. 1 Ohr schreiben.
    Nach wie vor in tiefester Devotion & ebensolcher Servitude
    Ihr Kausaltäter h.c.

  82. Statistik und marxistische...
    Statistik und marxistische Dialektik
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia: Das was wir sehen wollen, meinen Sie doch wohl!? Bzw., wie die Marxisten das ausdrücken, nämlich entsprechend des theoretischen Standpunktes, denn auch Klassen- Standpunktes. Ohne einen solchen kann es auch keine positiven Erkenntnisse geben (selbst wenn die Positivisten das selber nicht wahr haben wollen). Denn zeigt sich doch der eigene Klassenstandpunkt nicht (jedem) so ohne weiteres. Und da kommen wir zum zweiten Punkt, zu Marxens Perspektive:
    .
    @Kausaltäter h.c.: Nicht wie Marx über Statistik d a c h t e , sondern wie er sie h a n d h a b t e , könnte man so belegen:
    .
    „Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Arbeitslosenarmee. Die überall einsetzbare Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reservearmee wächst also mit den Potenzen des Reichtums.
    Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die chronische Arbeiter-Übervölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer endlich die Armenschicht in der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer die offizielle Zahl der Armen. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation. Es wird gleich allen anderen Gesetzen in seiner Verwirklichung durch mannigfache Umstände modifiziert, deren Analyse nicht hierher gehört.“ (Karl Marx, Kapital I, MEW 23, 673f.
    .
    „Die Armensteuer in England und Irland … (bringt) nur die Geldmittel zu einem offenen und direkten Angriffskrieg der herrschenden Bourgeoisie gegen das Proletariat auf … Sie deckt die Kosten der Arbeitshäuser, die bekanntlich ein … Abschreckungsmittel gegen die Armut sind.“ (Karl Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 349, beide Zitate entnommen: http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_a/armut.html, siehe auch: http://www.marx-forum.de/arbeitswelt/trends/trends_a/armut.html, letzter Zugriff 10.08.2010).
    .
    Die Perspektive, der theoretische Standpunkt, ist somit die marxistische Dialektik, welche es nämlich erlaubt, die erfassten Daten folgerichtig – kausal also – auszuwerten. Kausalität ergibt sich einem in der Klassengesellschaft aber nur, wenn man die antagonistischen Widersprüche nicht ausblendet. Andernfalls erhält man einen Zahlensalat, mit dem man auch gut und gerne Lotto spielen könnte. Im Übrigen spielt es für einen Marxisten nur eine nebensächliche Rolle, ob 20 oder 25 oder gar 30 % als Arme gelten – ein Streit nur unter bürgerlichen Statistikern -, denn wichtiger ist der Punkt, wo die Gesellschaft kippt, wo die „Veränderung“ einsetzt, revolutionäre Potenzen evtl. frei gelegt werden, die Beziehung also zwischen den Ausbeutern und Ausgebeuteten eine völlig neue Qualität erhält, eine solche, wie sie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest zum Beispiel dargelegt haben:
    .
    „Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft („Bourgeois und Proletarier“, http://mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_I, letzter Zugriff: 10.08.2010).

  83. @Devin08: Aber es ist so, daß...
    @Devin08: Aber es ist so, daß die Bourgeoisie offenkundig noch immer fähig ist, die herschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen…daran hat sich 160 Jahre nach der Marxschen Analyse nichts geändert…Wollen wir jetzt doch noch den Klassenkampf wagen? Wir bräuchten geeignete Statistiken und eine mathematische Analyse (vielleicht Gaussche Kurve?), um Bourgois und Proletarier voneinander zu trennen. Vielleicht ließe sich das bei der nächsten Volkszählung im kommenden Jahr berücksichtigen, sonst stehen wir mit unserem falschen Bewußtsein unversehens auf der falschen Seite…

  84. Liebe Sophie,

    bitte verzeihen...
    Liebe Sophie,
    bitte verzeihen Sie, wenn ich heute Ihre gesammelten Namenskonstrukte weglasse und Leipziger Allerlei zaehle, aber „die wirklich klugen Koepfe“ wuerden in der Wirtschaft allenfalls sich mit wohltemperierten „Blonden“ oder auch mal einem Muskat einlassen.
    Wert, also den reinen, wirklichen, fassbaren, zeitlos schaetzbaren, jeglicher Statistik stand haltenden gewinnt man nicht in der Wirtschaft, sondern nur dort, wo man selbst mit eigenem Risiko und kausaler Chance Statistik, Mathematik und Logik profund anzuwenden in der Lage ist.
    Aber komme ich mal auf ein spezielles Thema der Statistik zu sprechen, um es etwas zu karikieren. Wenngleich mit einem faktenbasierendem Beispiel: Dem Preisindex des statistischen Bundesamtes.
    Da haelt sich die politische Degeneration in Wiesbaden 2800 Bedienstete(!), nur um mit voellig retardierten Warenkorbmodellen die Bevoelkerung ob der Inflation zu desinformieren. Und das, wo jede Hausfrau/Hausmann/Hauskind an jeder Tankstelle ohne jegliche Statistik – ja sogar ohne Taschenrechner – sehen kann, dass das Blut der Wirtschaft sich Jahr fuer Jahr im Median der letzten 2 Dekaden um 7% verteuert.
    Meine Frage an Sie: Wieso nehmen Sie sich nicht zum Ziel, das einmal zum Kardinalthema Ihres Blogs zu machen, statt es einfach hinzunehmen? Ich meine das Ziel, diesen politischen Irrsinn zu aendern.

  85. Devin08, ich bin ja kein...
    Devin08, ich bin ja kein Soziologe und habe – zu meiner Schande – Marx nie gelesen. Ich meine jedoch, daß unterschiedliche Disziplinen Begrifflichkeiten unterschiedlich interpretieren, zum Beispiel auch die Kausalität und die Frage nach deren Gültigkeit oder Beweisbarkeit.
    .
    specialmarke, ein ambitioniertes Vorhaben. Nach Vermögen? Job? Bildung? Vielleicht ein gewichteter Korb von Faktoren? Oh je… .
    .
    j.frei, Sophia, Sophie, Sopherl, SAAI, ich höre auf alles. Wuff.
    Mit der Inflationsmessung habe ich mich noch nie detailliert befaßt, aber ich wage zu behaupten, daß der subjektive Blick auf die Preise nicht immer korrekt ist, weil unterschiedliche Personen unterschiedliche Warenauswahl konsumieren. Den Durchschnittsbürger zu definieren und dabei allen gerecht zu werden – nicht leicht.
    Ich verspreche aber, dem in naher Zukunft nachzugehen, dann werden wir sehen!

  86. @j.frei (1. Absatz): Stimmt....
    @j.frei (1. Absatz): Stimmt. Woher wissen Sie das?

  87. Hi Devin08,
    frage mich,...

    Hi Devin08,
    frage mich, weshalb Sie nicht auf das Theorem vom tend. Fall der Profitrate eingehen, weil hier die im Kap. angelegte Selbstdestruktionstendenz doch systematisch entwickelt wird.
    Die Reservearmee ist ein Konjunkturphaenomen u. mit „buergerl.“ Oekonomie genausogut abzuhandeln: bei Ueberangebot an Arbeitskraeften sinkt der Lohn; Soz.pol. wird immer zu kurz greifen, weil sie Mehrwertabzuege verzehrt, die dem potentiellen Investor (=Kapitalisten) fehlen, u. sie wird umso mehr zum Problem, je groesser die Reservearmee ist: siehe Agenda 2000. Um mir das klarzumachen, brauche ich keine Marxsche Theorie.
    Und wenn ich wissen moechte, wann eine Ges. in ein revol. Stadium eintritt, hilft das komm. Manifest m.E. auch nicht weiter, wenn – neben der Prod.kraftentw. – nur eine weitere Bedingung angegeben wird: die Unfaehigkeit der (angeblich) herrschenden „Bourgeoisie“.
    Was ich auch nicht verstehe: Wie man dem durch Arbeitslosigkeit geschwaechten „Proletariat“, das in sich vielfach zersplittert und mehrheitlich ohne jedes Klassenbewusstsein ist, eine revolutionaere Mission unterschieben kann, die gerade hohe Organisiertheit und Konfliktfaehigkeit voraussetzt; wie leicht war es doch z.B. fuer die angeblich so Eiserne Lady, die Gewerkschaften matt zu setzen: Streik verliert bei hoher Arbeitslosigkeit jegliches Drohpotential; faktisch verlegte man sich damals aufs Moralisieren, was, frei n. Nietzsche, ein Eingestaendnis von Schwaeche ist und war.
    MfG
    G. Sch.

  88. Liebe Sophia,

    das "e" leitete...
    Liebe Sophia,
    das „e“ leitete sich aus einer Symbiose von „Sophi“ aus „Sophia“ und dem „e“ aus „Amalie“ her. Ich hoffe, Sie vergeben mir, aber Hunde die bellen, beissen ja bekanntlich nicht. ;)
    Bitte versprechen Sie nichts, denn Versprechen dienen lediglich dazu, das Versprochene nicht tun zu muessen. Tun Sie es bitte einfach. Lautlos. Ich meine, ohne Versprechen. Was ich Ihnen verspreche ist, da ich es nicht selbst tun muss, dass dies einer politisch-gesellschaftlichen Eruption gleich kaeme, wuerden Sie es schaffen, einen staatlichen Inflationsindex durchzusetzen, der sich an den Realwertmassstaeben messen kann. Das ist keineswegs subjektiv, sondern sehr objektiv. Preise sind immer objektiv, da es sich um Zahlen handelt. Noch objektiver sind Geldmengenwerte und Guetermengenwerte, die man fuer einen moeglichst genauen Inflationsindex nur in Relation setzen muss.
    Subjektiv sind nur Warenkoerbe, weshalb es eben auch voellig unsinnig ist, aus diesen so etwas wie einen Inflationsindex oder umgangssprachlich so etwas wie eine „Teuerungsrate“ extrahieren zu wollen. Schliesslich koennte man z. B. auf die verwegene Idee der Substituierung von Nudeln durch Reis kommen, weil die gerade billiger sind. Um den „Verbraucher“ nicht mit der Wahrheit konfrontieren zu muessen, dass die Inflation wieder einmal das Corpus Delicti ist.
    Und wenn wir schon dabei sind, dann versuchen Sie doch auch bitte einmal die Kausalitaet Steuern/Staatsschulden < --> Inflation zu eruieren. Sie werden sehen, das ist ein weites Feld und fuellt jeden Blogger sicher fuer ein paar Jahre aus.
    Beste Gruesse und gutes Gelingen
    j.frei

  89. Werter muscat,

    das war...
    Werter muscat,
    das war ausnahmsweise kein Wissen, sondern ich habe das an Hand von persoenlichen Erfahrungswerten statistisch korreliert und dann auf Sie zu etwa 65% extrapoliert. :)

  90. 5000 Jahre...
    5000 Jahre Klassengesellschaft
    @Specialmarke: Man könnte einwenden, dass 160 Jahre keine Zeit sind, aber das wäre zu kurz gegriffen. In Wahrheit nämlich sind heute schon 4 Jahre – die Zeit einer Regierung – mehr als genug. Doch leben wir im Zeitalter der Dialektik. Was Marx hier beschreibt, ist der grobe, der ökonomische, vielleicht auch objektive, Verlauf der Geschichte, welcher aber, nach demselben Marx (und noch mehr nach Lenin) nicht der wirklich entscheidende ist. Das Subjekt ward geboren, mit diesem Kapital, und damit der einzig noch wirkliche Grund für eine Geschichte, die sich selbst zu erhalten sucht. Das Proletariat ist auch Subjekt, automatisches in aller Regel, vergessen wir das nicht. Revolutionär ist es nur, wenn der Kampf um die Erhaltung aufwendiger wird als der um Veränderung. Und was es zu verändern gilt, nämlich zu beenden, ist genau genommen nicht nur die kapitalistische Geschichte, also die letzte Klassengesellschaft, sondern mit dieser die ganze Geschichte der Klassengesellschaften, positiv geschätzt also, die Geschichte von wenigstens 5000 Jahren.
    .
    Das ist die eine Seite, die vielleicht objektive. Auf der anderen Seite, kämpfen zwei Klassen miteinander (und sie tun das immer noch, auch wenn die Formen dieses Kampfes sich wandeln, so wie die Formen der Klassen auch – Bourgeoisie und Proletariat sind allerdings immer noch klar auseinander zu halten!), die um Sein oder Nichtsein, ja letztlich gar um ihre physische Existenz kämpfen. Und immer auch steht da die Gefahr der Selbstvernichtung. Gewinnt das Proletariat, verschwindet nicht nur die Bourgeoisie von der Bühne des Klassenkampfes, nein, es schwindet die ganze alte Gesellschaft dahin, alles was in irgendeiner Weise mit Eigentum und Besitz verbunden war und ist, mit Geld, mit Privilegien, mit Luxus; nicht nur mit Macht, sondern eben auch mit der Vorstellung von Leben schlechthin. Und es gibt da das Leben mit und ohne eines Sklaven Bewusstsein.
    .
    Es ist doch klar, dass diese ganze feine Gesellschaft, die, die sich selbst ja auch nur als Gesellschaft versteht, und solchermaßen zur Elite verschmolzen ist, nicht abzudanken wünscht, und sich somit – wann immer auch möglich – dagegen mächtig verschwört, wobei ihr die Mächte der alten Gesellschaft, unser aller Gewohnheiten und Vorlieben zu hilfreich sind.
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    Doch, und das ist der Kern eines Marxens Analyse: letztlich nützt das dem Subjekt alles nichts, da das Kapital selber sein Verschwinden herbei führen wird. Man muss die Sache nur so beschreiben, um zu erkennen, wie lange das womöglich dauert – und welche Gefahren dabei lauern. Denn auch, das revolutionäre Subjekt, das, welches da immer wieder auseinander getrieben wird, muss dann im richtigen Moment an der richtigen Stelle sein. Kein leichtes Unternehmen, nicht mal mit der besten aller Theorien.
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    Es ist durchaus möglich, dass es zur Beendigung von 5000 Jahre Geschichte noch einmal 5000 Jahre braucht. Ein grässlicher Gedanke, aber man sollte ihn nicht vorschnell beerdigen.

  91. Der Klassenkampf entscheidet...
    Der Klassenkampf entscheidet alles
    @Teutobrecht: Ich freue mich immer, wenn Leute dieselben oder wenigstens vergleichbare Erkenntnisse haben, wie ich, eben mit Marx. Das macht es manchmal leichter. Doch gerade Ihr Beitrag zeigt, dass eben immer zu kurz gegriffen wird, wenn man den Streik nur als ökonomische Abwehrmaßnahme sieht. Da gehen sie dem Trade-Unionismus auf den Leim, den Gewerkschaften, ja dem ganzen reformistischen Lager des Sozialismus. Übrigens: auch der tendenzielle Fall der Profitrate darf nicht nur unter ökonomischer, sprich: objektiver, Perspektive gesehen werden. Der Klassenkampf entscheidet alles. Und Sie haben recht, da wo der Klassenkampf schwach ist, stimmt eines Marxens Kritik der politischen Ökonomie schon nicht mehr so richtig.
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    Die Organisierung des Proletariats kommt daher nicht vom Proletariat selber, kann gar nicht von diesem kommen. Daher werden von den Reaktionären auch immer als erstes die Intellektuellen geschlachtet, wenn es darum geht revolutionäre Erhebungen schon im Vorfeld abzuwürgen. Ohne revolutionäre Theorie, die zur revolutionären Gewalt wird, kann es auch keine revolutionäre Gewalt selber geben. Daher ist der heutige Klassenkampf hauptsächlich ein theoretischer, da wo er Klassenkampf ist. Andernorts ist er Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie wohl ein Verteidigungskampf, ein Kampf um Selbsterhaltung, nicht mehr, nicht weniger – noch nicht Klassenkampf aber. Und das bleibt er auch, solange er von der revolutionären Theorie getrennt bleibt.
    .
    Nach Marx ist jeder Klassenkampf ein politischer (vgl. der von mir weiter oben verwendete Link zum Kommunistischen Manifest), und somit ist auch seine Theorie keine ökonomische, kein rein objektive, keine wissenschaftliche im bürgerlichen Sinne, sondern Anleitung zum wie Ergebnis von Handeln. Die Dialektik ist hierbei das zentrale Bindeglied und die zumeist am wenigsten verstandene Theorie von Marx. Das durch Arbeitslosigkeit geschwächte Proletariat schwächt die Bourgeoisie. Sie sagen es selber, doch verstehen Sie offenbar die Bedeutung Ihrer eigenen Erkenntnis nicht. Die Profitrate mag durch den geschwächten Klassengegner wieder mal steigen – entgegen der allgemeinen Tendenz -, aber eben nicht die Mehrwertrate. Dieser Sieg der Bourgeoisie (über das Proletariat) geht auf deren eigenen Kosten, steigert den Kampf innerhalb der Klasse der Bourgeoisie, fordert die zu Konkurrenzkämpfen heraus. Und nicht von ungefähr werden da all diese Keynesianischen Rezepte aus der Versenkung holt: der Proletarier soll wieder Einkommen haben, aber selbstredend nur auf Kosten der Konkurrenz. Dahinter verbirgt sich nämlich der Klassenkampf wie der Konkurrenzkampf.
    .
    An anderer Stelle erwähnte ich es schon (siehe auch: http://blog.herold-binsack.eu/?p=986 und: http://blog.herold-binsack.eu/?p=796): In der Ära des tendenziellen Falls der Profitrate, die zugleich die Epoche des Finanzkapitals ist, herrscht das Transferkapital, das hochorganische über das niederorganische, das aber eigentlich noch direkt mehrwertausbeutende. Dieser Kampf kann den Klassenkampf zeitweise überlagern. Sie ist nicht von ungefähr die Epoche der imperialistischen Kriege, die jetzige, die Epoche des Finanzkapitals, und damit (und in diesem Kontext erst) die Epoche der sozialen Revolutionen.

  92. j.frei, drüber schreiben...
    j.frei, drüber schreiben werde ich gerne, Änderungen zu erhoffen wäre wohl leider zu ambitioniert.
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    devin08, vielen Dank, da muß ich Marx ja gar nicht mehr lesen.

  93. Carissima Signora!
    .
    Immer...

    Carissima Signora!
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    Immer wieder erfrischend, einem Volkswirt (Ich bitte um Verwendung der geschlechtsneutralen Bezeichnung) zu erleben, der nach dem dritten Semester nicht eingeschlafen ist, korrigiere, einen Volkswirt, der nach Beendigung seines Studiums wach geblieben ist, und als solcher weiterhin in der Branche tätig, und (!) dabei (!) Distanz (!) zu dem Ganzen hat. Ich hab das ja auch Mal gemacht, dieses VWL-Dingens, und damit habe ich jetzt wie die allermeisten Absolventen mittlerweile eher weniger zu tun. Die, die dabei geblieben sind, sind entweder Mietmäuler (Don-Sprech) oder Zahlenfresser geworden. Sie nicht! Kompliment. Diese Komplimente wiederhole ich immer gerne, wie Sie bereits von mir wissen..
    Bei der empirischen Statistik ist ja der große Sprung, das zu kapieren erfordert ja schon einiges, ich tu mir schwer, ja, also es ja geht nicht darum, etwas zu beweisen. Nein! Es geht darum, das Gegenteil davon zu falsifizieren. Also wenn ich jetzt wissen will, „Etwas ist so“, dann fange ich nicht damit an, sondern sage „Etwas ist nicht so, sondern genau anders“ und untersuche, ob das eben so nicht stimmt. Wenn ich jetzt nach Größe der Stichprobe, Signifikanzniveau, Gesetz der großen Zahl, sagen kann, „Nu ja, recht wahrscheinlich sind die Dinge genau eben nicht so“, dann weiß ich, dass meine ursprüngliche Behauptung möglich sein könnte. Möglich. Erstmal nichts weiter.
    .
    Spätestens da steigen alle halbinteressierten aus.
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    Ja, es gibt verfeinerte Methoden, die sehr erprobt sind, die wirklich verlässliche Ergebnisse bringen können, aber ein nicht eingeweihter, studierter versteht die nicht mehr. Er kann nur daran glauben, so wie er dran glaubt, dass ein Mercedes-Benz immer fährt. Wer glaubt Mietmäulern?
    .
    Und da haben wir jetzt ein weiteres Problem: Weil keiner mehr versteht und keiner mehr vertraut, glaubt keiner mehr was. Russland brennt ab, Polen säuft ab, aber es gibt keinen Klimawandel, nein, niemals, nicht. Mann muss sich ja nur einmal* für fünf Minuten in den Kommentarspalten der Online-Portale der Tageszeitungen rumtreiben, schlimm, nur verstrahlte mit zuviel Tagesfreizeit, die sich über die „Statistiker“ beschweren. (* „Einmal“ ist keine Stichprobe unterhalb der Signifikanzgrenze. Einmal reicht vollkommen).

  94. Lieber schusch, Komplimente...
    Lieber schusch, Komplimente nehmen wir hier sowieso immer gerne entgegen.
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    Spannend übrigens auch, wenn erst die Daten ausgewertet werden und dann schaue ich mal, welche Hypothesen das hergibt. Verifizieren, falsifizieren, Null-Hypothese, one-tailed, two-tailed tests. Es ist ein hartes Kreuz.
    Ich stimme zu, das ist alles schwer zu verstehen, gerade der Klimawandel, aber es ist weniger eine Fragen von Glauben, sondern eher unkritisches Desinteresse, die Politiker werden schon was entscheiden, und dann kann man immer noch schimpfen, was die alles falsch machen. Auch das ein Kreuz.

  95. Ich als Volkswirt alter Schule...
    Ich als Volkswirt alter Schule hab natürlich noch Marx im Original gelesen, im Grundstudium. War kein schlechter Nationalökonom zu seiner Zeit, einer der immer noch wichtigen Neoklassiker mit einigen damals neuen, heute immer noch hochaktuellen Thesen. Die Analyse ist gut, die Prognose ja eher widerlegt. Womit wir irgendwie wieder bei Schrödingers Katze wären: Der zu bemessende Sachverhalt ändert sich allein dadurch, dass er bemessen und bewertet wird.

  96. Tom 2010 - seien Sie nicht so...
    Tom 2010 – seien Sie nicht so streng mit Nico, denn wie sagte schon Herbert Achternbusch: „Ich bin Rassist – gegen Bayern“!
    Ansonsten – Kausalität – Korrelation – Standardabweichungen, VK´s – in meiner Disziplin erkannt und bekannt.
    In Ihrer Disziplin -obwohl wieder mit größtem Vergnügen gelesen muß ich bekennen- es geht mir wie Ulla Meinecke: „Ein Schritt vor und zwei zurück“! Aber wie schon an anderer Stelle angedeutet – die Evolution schickt sich an, dies auszugleichen!
    Und SAAI – das Kreuz mit dem Kreuz – ich hab es schon vor einiger Zeit aufgegeben. Auch eine Alternative wenn man keiner anderen mehr traut!

  97. ... na ja, lieber Devin08,...
    … na ja, lieber Devin08, lassen wir es mal dahingestellt sein, ob ich dem Trade Unionismus der Angelsachsen auf den Leim gehe. Wollte nur ein kleines emp. Beispiel beibringen, wie es der Arbeiterbewegung eines Landes in einer fuer sie kritischen Situation ergehen kann, wenn sie auf einen entschlossenen Kontrahenten aus dem pol. Lager trifft; der Hinweis auf den Streik als zentrales Kampfmittel ist vor dem Hintergrund dieser Situation naheliegend, weil man eben darauf setzte – u. man sich hierbei blutige Nasen geholt hat, bes. im Bergbau u. der Eisen- u. Stahlindustrie. Uebrigens hat die spaeter an die Macht gekommene (u. einst von der Gewerkschaftsbewegung als deren pol. Arm gegruendete) Labour Party einen Teufel getan, diese Gesetzgebung rueckgaengig zu machen, weil sie selber davon noch mehr profitierte als die Konservativen.
    Dass sich die Lage nach vierzig Jahren anders stellt, ist keine Frage. Wer an theoretisch informierter Zeitdiagnose interessiert ist, wird nicht umhin koennen, die veraenderten Bedingungen neu zu bestimmen und seine Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Wie es der Name sagt, verlieren solche Diagnosen mit der Zeit an Wert und Erklaerungskraft, dann naemlich, wenn sich die Zeiten in einem strukturellen sinne geaendert haben. Anders ausgedrueckt, kommt ihnen schon per definitionem kein Zeithorizont von max. 5000 Jahren. Darin liegt ihre Spezifik u. ihre Staerke.
    Gruss
    G. Sch.

  98. Wer bemisst da und...
    Wer bemisst da und verändert?
    .
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia
    „…da muß ich Marx ja gar nicht mehr lesen.“ Dann aber empfehle ich doch wenigstens zur gefälligen Beachtung den letzten Kommentar von Schusch: „…War kein schlechter Nationalökonom zu seiner Zeit, einer der immer noch wichtigen Neoklassiker mit einigen damals neuen, heute immer noch hochaktuellen Thesen. Die Analyse ist gut, die Prognose ja eher widerlegt. Womit wir irgendwie wieder bei Schrödingers Katze wären: Der zu bemessende Sachverhalt ändert sich allein dadurch, dass er bemessen und bewertet wird.“ Das ist ein Ansatz, der wohl Marx in Gänze nicht gerecht wird, mit dem ich aber insofern leben kann, als Marx immer von der Praxis ausgehend betrachtet und somit auch von dieser betrachtet werden möchte. Zum Vergleich „Schrödingers Katze“ wäre vielleicht einzuwenden, dass es nicht unwesentlich ist, wer da bemisst, bewertet und damit verändert.

  99. @ Rubeus,

    vielen Dank für...
    @ Rubeus,
    vielen Dank für Ihren Hinweis, obwohl ich gar nicht streng zu nico sein wollte. Das bedauere ich sehr, wenn es so herüber kam!
    Ganz im Gegenteil freue ich mich außerordentlich über die rege Anteilnahme eines solch tiefgründigen und auslegungsfreudigen Themas.
    Ich hatte allergrößte Befürchtungen gehegt, … den außerordentlichen Mut von Sophia bewundert und bin mehr als angenehm überrascht von guten Beiträgen und Einwänden zum Thema.
    Wenn das kein Erfolg für Sophia ist ???, dann weiß ich jetzt auch nicht.
    Solch ein schwieriges, komplexes und schwer aufzufassendes Thema so gut zu verpacken, das nötigt mir allergrößten Respekt ab!
    Da wir aber nun schon wieder 3:25 Uhr in der frühe haben, ich nur mal kurz reingeschaut habe – das erste Mal für gestern und heute – und sicher noch bis 5:00 Uhr am worken sein werde, wollte ich Ihnen dennoch noch kurz antworten.
    Sie haben Recht damit, dass es oft einen Schritt vor und zwei zurück geht, aber Sie haben absolut Unrecht damit, wenn Sie sagen:
    „das Kreuz mit dem Kreuz – ich hab es schon vor einiger Zeit aufgegeben“.
    Dies dürfen Sie niemals tun! Nie und niemals, denn auch Sie haben ganz viele Alternativen, immer und jederzeit. Vielleicht kostet es Anstrengung sie zu finden, dennoch sollte es sich immer lohnen danach zu graben … und Sie werden sehen, es wird auch belohnt!
    Danke für Ihren netten Beitrag, sowie ganz viel Erfolg beim finden guter Alternativen und viele Grüße Tom2010

  100. <p>Schusch, ich bin ja gar...
    Schusch, ich bin ja gar kein Volkswirt. Marx werde ich aber schon, lieber Devin08, irgendwann lesen, das war ein bißchen ironisch gemeint.
    .
    rubeus, das ist genau das Problem, wer mit Mathematik, Statistik oder Computern arbeitet, weiß um die Tücken, aber im Alltagsgebrauch geht das unter.
    .
    Tom2010, vielen Dank, wir werden sehen, ob das so weitergeht.

  101. Die Statistik und der...
    Die Statistik und der Sozialchauvinismus in der deutschen Arbeiterbewegung
    .
    @Teutobrecht: Dass die Labour Party von konservativen Gesetzeswerken mehr profitiert kann immer nur auf einen kurzen Zeithorizont betrachtet sein. Nun hat das nämlich dieser Partei wieder die Regierungsmacht gekostet. Und Ähnliches gilt es in Deutschland zu beobachten. Da machen die Sozialdemokraten, zusammen mit den Grünen, eine Sozialgesetzgebung, die einen Bismarck rechts überholt hätte und wundern sich vielleicht, dass sie das nicht überleben. Konservative Politik bringt immer die Konservativen an die Macht. Doch zwischen England und Deutschland gibt es Koordinatenverschiebungen. In England hat das konservative Zeitalter noch nicht ausgedient, in Deutschland das sozialdemokratische. Koordinatenverschiebungen dieser Größenordnung werden nicht von nationaler Politik sondern von internationaler gemacht. Somit könnte man sagen: gleich was die da tun, sie tun es ehe im Rahmen eines ihnen nicht bekannten größeren Geschehens. England muss seit seinem glorreichen Untergang, spätestens dann nach dem 2. Weltkrieg, eine konservative Rolle spielen, denn es hatte seitdem nur zu verlieren: die Großmachtrolle an die USA, die Wirtschaftskraft an den europäischen Kontinent, genauer: an das wiedererstarkte Deutschland.
    .
    Dieser Vorgang wiederholte sich kurz nach der Wiedervereinigung, daher auch war England nicht besonders amüsiert über diesen Vorgang. Das wiederum brachte Deutschland und Frankreich enger zusammen, hingegen trieb es England noch weiter an den europäischen Rand. Deutschland avancierte zu neuer Macht und Größe und musste somit die Arbeiterklasse anders behandeln als England. Im Schnitt verliert wohl auch die deutsche Arbeiterklasse an Einkommen und Rechten, aber doch immer knapp oberhalb des englischen Partners (ähnliches gilt im Verhältnis zu Frankreich, was damit die Franzosen in die Hände Sarkozys trieb).
    .
    Die Politik der deutschen Bourgeoisie bleibt daher vorerst sozialdemokratisch, wenn auch konservativ geführt. Diese Schaukelpolitik zwischen „Sozialismus“ und Konservativismus (sozialistisch/sozialchauvinistisch formulierte Ökonomie und konservativ gehaltene Politik) hält die deutsche Arbeiterbewegung stramm am rechten Flügel der Sozialdemokratie, aber innerhalb einer liberal-konservativ geprägten Semantik. Das wiederum erweckt den Anschein eines synchronen Geschehens im gesamten Europa, welches tendenziell konservativ politisch geführt wird. Ich wage aber zu behaupten, dass im Rahmen einer aggressiveren Pro-Europa-Politik die Sozialdemokratie auch wieder machtpolitisch die Oberhand gewinnen wird, denn eine solche Politik geht nicht ohne nennenswerte Bestechung der Arbeiteraristokratie (und damit einer sozialen Befriedung größerer Teile der Arbeiterklasse). Dass das finanziell eigentlich nicht machbar ist, macht die soziale Spannung aus und ist die Chance für den wirklichen, den revolutionären Sozialismus, auch und gerade in Deutschland.
    .
    Was die Sache aber gefährlich macht, ist, dass der neu erworbene europäische Osten besonders von Deutschland als dessen Hinterland ausgebeutet wird und damit den deutschen Sozialchauvinismus neu aufleben lässt, womit die Arbeiterbewegung erneut an den rechtesten Rand der deutschen Politik geführt wird.
    .
    Die Diskussion um die Armutsgrenzen dient genau dem Zweck herauszuloten, ab wo der Sozialchauvinismus greifen könnte. Kann Hartz-IV bleiben wie es ist, also die Demarkationslinie zwischen relativ und absolut arm und relativ bestochen, oder muss eine neue Armutsgrenze definiert werden? Müssen Mindestlöhne auf breiter Front her, oder genügen einige wenige in ganz brenzligen Bereichen (z.B. im Baugewerbe!)?
    .
    Der Kampf um die Statistik ist somit eine ganz entscheidende Front im Klassenkampf, eine Front, von deren Verlauf nicht nur die Semantik abhängt (das Zahlenspiel), sondern der Inhalt der politischen Taktik. Müssen wir (wir Revolutionäre) uns auf einen längeren und diesmal deutlicheren Kampf gegen den Sozialdemokratismus einstellen oder auf einen gegen den Faschismus (in welcher Form auch immer dieser erscheint)?

  102. Hi Devin 08,
    hatte gestern...

    Hi Devin 08,
    hatte gestern keine Zeit, fuer Web-Aktivitateten. Deshalb nur ganz kurz, was auch unproblematisch ist, da ich dem meisten ohnedies zustimme. Ihr Widerspruch in Sachen Labour Party betrifft einen Nebenschauplatz: das von mir gewaehlte Beispiel. Mein Hinweis war strukturell gemeint. Eine Partei in einem Mehrparteiensystem ist strukturell gesehen im Vorteil, wenn sie auf Waehlerpraeferenzen frei reagieren kann. Die alte Labour Party konnte das nicht, da sie finanziell u. ueber die Organisationsmitglied (u. entsprechender Vertretung in allen Entscheidungsgremien) massiv von der Gewerkschaftsseite abhaengig war. Auch wenn man das aus pol. Erwaegungen begruessen kann, engte es den Handlungsspielraum der Partei massiv ein (z.B. mit Blick auf die Verstaatlichungspolitik; auch bei der Wahl von Fuehrungspersonal). Dies wurde durch Thatchers Gewerkschaftsgesetzgebung aufgebrochen. Dieses Mehr an Freiheitsgraden hat die Labour Party auch heute, u. die letzte Wahl hat sie mit Sicherheit nicht deshalb verloren.
    MfG
    G. Schoenbauer

  103. ... faellt mir gerade noch...
    … faellt mir gerade noch ein: gab frueher, in den 1920er Jahren, mal eine Zeitschrift: „Statistik und Klassenkampf“.
    Das waren noch Zeiten!
    G.Sch.

  104. <p>Werte Autoren der...
    Werte Autoren der Nachdenkseiten – vielen Dank für die Verlinkung und die freundlichen Worte, ich fühle mich geehrt!

  105. Devin08 - Sie haben mit...
    Devin08 – Sie haben mit Schrödingers Katzen eine schöne Metapher abgegeben. Noch besser – Sie verzeihen – hat es Jahre vor Ihnen Tucholsky schon mal treffendst ausgedrückt. Sie können es ja nachlesen.
    Tom2010 – es ist das Vorrecht, der Anspruch und auch das Revoluzzertum der Jugend, die Sie so sprechen läßt. Sie erinnern mich an unsere KG damals, die den Allgäuer Bauern sofort nach Tschernobyl helfen wollte.
    Das Kreuz mit dem Kreuz. Wenn alles so abläuft, wie ich es mir wünsche, zentriert es sich da, wo es sein soll, in der Mitte. Plindos lieferte uns das Beispiel, daß die Bandscheiben schon mal verrutschen. Reponiert man sie wieder, was zyklisch passiert, sieht man, daß, kaum sind sie an Ort und Stelle eine erneute Reposition stattfindet. Hat man diese Zyklen lange genug beobachtet, bemerkt man leider, alles wiederholt sich ( wie kann Plindos jemals wieder genesen?). Und die Dinge sind nun mal, wie sie sind oder „Alles wiederholt sich“. Also schaut man nur noch, daß das Kreuz einigermaßen zentriert bleibt, bevor man wieder eingreift.
    Im Übrigen, kennen Sie den Artikel „Künstliche Intellegenz“ von Wulf Rehder und wenn ja, was meinen Sie dazu?
    Jetzt erlaube ich mir zu springen – in ein anderes blog! Ich habe meine Bände verschenkt – hätte ich sie nur einer Bibliothek übergeben, zumal ich sicher bin, daß keine Seite gelesen wird! Oder wie es mal ein Ex-Streetworker formulierte: es gibt Jugendliche, da scheitert jede Resozialisation und die versauen jede Gruppe.
    Dies Urteil kann ich mir nicht anmaßen, ich verkehre nur mit liebenswerten jungen Menschen.
    Zum Thema Blutsbrüder – es gibt ein unsichtbares Band, das verbindet. Das hat auch was mit Kreuz, Rückgrat, Liebe und Erkenntnis zu tun. Wird man älter, kann man diese „Blutsbrüder“ aber an einer Hand abzählen.
    Jetzt mach ich noch einen Rundgang durch mein Haus. Es sieht so aus, als hätte sich da ein Trojanisches Pferd eingenistet. Tante Frida weiß Sachen, die sind mir langsam suspekt!
    Und last not least „schusch“ – einmal ist keine Stichprobe unterhalb der Signifikanzgrenze? Wie habe ich dann zu bewerten, daß bei einem Ca. das Alles-oder-Nichts-Gesetz zur Geltung kommt? Ein einziger Lungenzug in der Jugend ausprobiert, bestimmt den Verlauf……..(zwei zurück?)
    Wie Faust in einer grillenhaften Stunde sagt:
    Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
    und was man weiß, kann man nicht brauchen.
    aus künstliche Intellegenz/Rehder
    Und an weiß-nicht-mehr-wen: Es beruhigt, denke ich, wenn man, sollte man es bewußt erleben auf dem Totenbett weiß, alles ist geregelt und versorgt. Wichtig ist aber nur die Frage, habe ich das Leben gelebt, das ich mir erwünschte (incl. aller altruistischen Abstriche, die ja auch glücklich machen). Ansonsten finde ich das Verhalten von Elefanten gar nicht mal so schlecht!

  106. Liebe Sophia,

    die Hoffnung...
    Liebe Sophia,
    die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Sie ruhe in Frieden.
    Beste Gruesse und schoenes Wochenende.

  107. Matthias Schumacher, das Zitat...
    Matthias Schumacher, das Zitat wird einigen Politikern zugeschrieben, möglicherweise ist aber ganz einfach frei erfunden.

  108. Ich habe die aktuelle Debatte...
    Ich habe die aktuelle Debatte um Herrn Sarrazin nur nebenbei verfolgt, fand aber vor Kurzem einen interessanten Artikel auf http://www.tagesschau.de, worin die Äußerungen von Herrn Sarrazin unter anderen, teils statistischen, Gesichtspunkten beleuchtet wurden. Eine der aufgeworfenen Fragen war, ob Jugendliche mit Migrationshintergrund kriminell sind (A->B, siehe oben) oder Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger sozial schwächer sind und sie daher kriminell werden (A>C>B?). In Kombination mit diesem Artikel hat mich das jedenfalls erneut für die vorsichtige Interpretation von Aussagen sensibilisiert.

  109. Manche statistische Rechnung...
    Manche statistische Rechnung ist trotz aller Mathematik und Logik doch nichts anderes als Lesen im Kaffeesatz. Grundsätzlich gilt: Traue nur der Statistik, die Du selber fälschst – egal ob Umfrage-Werte, Trends oder Wahlergebnisse. Fragt mal einen gewissen George W. Bush, wie man sowas geschickt macht.

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