Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Geht zur Hölle, Nutzer!

| 44 Lesermeinungen

worin sich der Author ganz greylich echauffieret alldieweil ad Monachium am Hofe des ew. Groszfürsten Burda ausgetrieben wirdt das INTERNET, darob weil es die Schatztruhen leeret und socialiter Mediae nicht mehr gewollt seyn.

worin sich der Author ganz greylich echauffieret alldieweil
ad Monachium am Hofe des ew. Groszfürsten Burda
ausgetrieben wirdt das INTERNET, darob weil
es die Schatztruhen leeret und socialiter
Mediae nicht mehr gewollt seyn.

Vielleicht ist es nur eine urbane Legende, aber in jenen mythischen Tagen der qualvoll sterbenden New Economy soll nach übereinstimmenden Erzählungen diverser Mitarbeiter im grossen, verschachtelten Burda-Medienkonzern der Befehl ergangen sein, in Zukunft doch Papier, wenn möglich, stets doppelt zu bedrucken. Die Firma suchte angesichts des implodierenden Zukunftsmarktes des Internets an allen Ecken und Enden der Firma nach Sparpotentialen. Kurz davor hatte noch das vollkommen neuartige Frauenzeitschriftenportal „Vivi@n“ aus dem gleichen Hause eine rauschende Party gefeiert – 25 Köpfe in der Onlineredaktion! Noch kürzer davor wurde es dann eingestellt. Dann wurde die hauseigene Suchmaschine Netguide eingestampft, ohne dass man die gewaltigen Vorarbeiten genutzt hätte. Dann wurde bei Tomorrow Focus eine Radikalkur eingeleitet. Nach Jahren des Vollgasausbaus der Internetautobahnen am Knotenpunkt des Burdakonzerns stand man plötzlich auf der Bremse. So mancher Sicherheitsgurt hielt nicht, und viele, allzu viele schicke junge Menschen landeten auf der Strasse. Die Überlebenden, besagt die Legende, bedruckten doppelt. Was ja keine dumme Sache ist, wenn man bei einem Konzern arbeitete, der das Internet aus dem Fokus rückte und sich auf die alten Freuden der Schnittmuster und gelben Presse für das Warten beim Frisör (mit altdeutschem „ö“) besann.

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Im Abstand von 10 Jahren vom Aufstieg und Fall von Vivi@n mit ihren „Themenchannels“ klingen viele der alten, bösen Geschichten für Nachgeborene wie amüsante Folklore, wie Operetten mit Aufstieg, Hype, und Absturz. Wer dabei war und überlebt hatte, konnte damit im „Föhn“, einer Bistrooasse ist der Tristesse des Münchner Arabellaparks, die Praktikantinnen unterhalten.  Bis zum September dieses Jahres. Dann gab Burdas Zeitschriftenvorstand Philipp Welte dem Magazin „Horizont“ ein Interview, das in dem Satz gipfelte: „Wir werden einen nicht unerheblichen Teil unserer verlagsgetriebenen Online-Aktivitäten auf ein notwendiges Minimum herunterfahren.“ Welte beklagte die zweistelligen Millionenkosten des Engagements und bezweifelte, dass man auf absehbare Zeit damit über Werbung Geld verdienen könnte. Dann halt weniger Internet. Oder, es gehe, um es mit Welte zu sagen, „weniger um journalistische Inhalte als vielmehr um die Präsenz und Erreichbarkeit der Marken, also um Marketing.“

Vielleicht auch wieder um doppeltes Papierbedrucken? Nun ist die aktuelle Situation nur begrenzt mit der turbulenten Zeit um 2000 zu vergleichen. Die Zeitschriftenportale wurden nicht von schnell eingestellten Mitarbeitern aus dem Boden gestämpft, sondern über Jahre entwickelt und betrieben. Auf dem Markt herrschte nicht mehr der Hype, sondern eher langfristiges Denken vor. Für die betroffenen Mitarbeiter dürfte das Wissen um das Schicksal von Vivi@n dennoch mehr als eine Anekdote sein: Für die Präsenz einer Zeitung braucht man keine Onlineredakteure, Graphiker und Communitymanager mehr, kann aber nach oben Sparpotentiale berichten.

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Spannender als die Frage nach dem Verbleib der Mitarbeiter ist die Überlegung, die Welte damit den Nutzern der fraglichen Portale ims digitale Stammbuch schreibt: „Ihr braucht von uns keine Inhalte. Ihr braucht von uns nur einen Platz, wo wir präsent und erreichbar sind.“ Diese Haltung leisten sich andere durchaus in radikaler Form; meine Lieblingslektüre „World of Interiors“ etwa, die Bibel vieler, die Antiquitäten schätzen und mindestens 150 Quadratmeter Wohnfläche für sich haben, verkauft ihre Inhalte nur im Gedruckten. Andere, wie die vorzügliche Intelligent Life, geben sich ganz dem Internet hin. Sie können es sich so oder so leisten, denn ihre Inhalte sind auf Papier einzigartig in Aufmachung und Qualität, und sie bieten den Käufern Prestige. Aber was ist die unvermeidliche Einzigartigkeit der Tortendiagramme bei Focus? Der belanglosen Modestrecken bei Elle? Das Prestige der Freundin? Bunte? Superillu? Cosmopolitan? TV Spielfilm?

Diese neue Haltung ist um so erstaunlicher, als Burda in den letzten Jahren unter ganz anderen Vorzeichen im Internet agierte. Was immer man selbst entwickelte oder zukaufte, war vollumfänglich auf aktive Kommunikation mit Nutzern ausgerichtet. Nur eine kleine Auswahl der Firmen, an denen sich Burda beteiligte: Das Blogportal Blog.de, die Ausgehgesellschaft Nachtagenten, das Videoportal Sevenload, das Modeblog LesMads und den Blogvermarkter Glam Media, Spiele- und Reisecommunities, Scienceblogs, bongusto TV, das Frauenportal beQueen, das in vielerlei Hinsicht an das verblichene Vivi@n erinnert, daskochrezpt.de mit einem Schwerpunkt auf Empfehlungsmarketing der Nutzer, soziales Kleinhandwerk bei Etsy, die Ärztebewertung jameda, letzthin wurde Burda auch Hauptaktionär bei Xing – kaum ein Bereich, in dem die Münchner nicht den Nutzern in die letzten Ecken und Nischen der Onlinebetätigung mit erheblichen Mitteln und Investitionsfreude nachkrochen. Mit einem Kooperationspartner aus dem Automobilbereich machte man eine Shoppingreise für Nutzerinnen nach Mailand, die dann im Internet plauschend geblogt wurde. Die diversen Zeitschriften experimentierten intensiv – wenngleich auch mitunter sehr unglücklich – mit Blogs, Leserkommentaren, Twitter, Bild- und Nachrichtencommunities. Kein Medienkonzern bemühte sich so nachdrücklich um das Ziel, Gemeinschaften um Medienmarken herum entstehen zu lassen.

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Um jetzt mit der kühlen und mit schnödem Geld begründeten Ansage von Welte den Rückwärtsgang aus dem Internet einzulegen: Kostet nur, bringt aber kein Geld, wir drucken lieber Papier und das doppelseitig. Deutlicher kann man eine Absage an social Media kaum formulieren: Die Grundidee besteht in einem multidirektionalen Dialog zwischen Unternehmen und Nutzern, der Leser an das Blatt und das Blatt an die Leser bindet. Weg von den asymmetrischen Verhältnissen Sender/Empfänger, Journalist/Leser und Firma/Kunde, hin zu einer verlässlichen sozialen Beziehung in unsicheren Zeiten, da das Abo nicht mehr bis zum Lebensende gehalten wird, und die Konkurrenz immer nur einen Klick entfernt ist. Inhalte, so die Theorie, seien beliebig verfügbar, nicht aber die Aufmerksamkeit des Kunden und seine Neigung, einem Onlinedienst die Treue zu halten. Da müsse man sozial werden, vom Dienstleister zum Freund werden, vom Schreiber zum Begleiter, von der Firma zur flauschigen Unterhaltungsgesellschaft. Solange man den Onlinedienst nicht einfach runterfährt und schreibt:

„Liebe Leser, bitte sprecht uns und unsere Autoren nicht weiter an. Wir mussten erkennen, dass die Kombination unserer Inhalte mit Eurer Beteiligung nicht den Erwartungen und der Zahlungsbereitschaft der Werbekunden entsprochen hat. Wir möchten Euch deshalb ersuchen, nicht etwa zu unseren Konkurrenten im Internet weiterzugehen, sondern Euch an dieser lieblich leeren Website zu erfreuen und alles weitere am Kiosk oder durch ein Abo unserer Zeitschrift zu erfahren, die auch nicht mit stündlichen Updates nervt, sondern einmal pro Woche alles zusammenfasst, von dem wir glauben, dass Ihr es wissen solltet. Am Rand des Papiers ist genug Platz für Eure Anmerkungen, mit denen unsere Journalisten ohnehin wenig anfangen konnten, und uns genügt als soziale Komponente die Einzugsermächtigung. Gerne dürft Ihr natürlich auch mit den zuvorkommenden Callcenterdamen unserer Aboverwaltung plauschen. Auf eventuelle Zweifel an der Weisheit dieser unserer Entscheidung können wir nicht eingehen, weil wir keine Kapazität haben, sie zu beantworten. Unser Communitymanagement ist bis zum Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist dabei, in den Mülleimern nach einseitig bedrucktem Papier zu suchen, das wir wiederverwenden können: Auch unsere Rechtsabteilung kann beim Abfindungsausfertigen nicht wertvolles, wunderbar raschelndes Papier verschwenden.“

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Es spricht in Sozialsystemen natürlich nichts gegen einen gewissen Eigennutz, und wer sich bislang auf die Interaktion über Burdawebseiten eingelassen hat, wird durchaus gewusst haben, dass sich damit auch handfeste ökonomische Interessen verbinden. Jeder Kommentar bringt Clicks, Verweildauer und Aufmerksamkeit für Werbung. Aber nachdem der früher umsonst eingeladene Freundeskreis des Hauses Burda nach einigen ganz social Media und digitalem Leben gewidmeten DLD-Konferenzen in diesem Jahr mit vierstelligen Konferenzgebühren konfrontiert wurde, ist die neue, knallhart ökonomische Haltung gegenüber den Lesern nur konsequent und ehrlich. Konsequenz und Ehrlichkeit sind fraglos wichtige Komponenten jeder sozialen Beziehung. Dummerweise sind sie aber auch, gerade wenn sie falsch dosirert werden, bei Scheidungen, Streit und Empörung mit von der Partie. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Balance bei Burda zwischen den ökonomischen Zwängen und dem Umgang mit dem Leser im Netz gefunden wird. Wenn man sich denn gemeinerweise weiter im Internet auf der Suche nach mehr als nur Nachrichten herumtreibt, statt nur Burdas doppelseitig bedrucktes Papier aus dem Arabellapark zu kaufen.

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44 Lesermeinungen

  1. Burda geht es ein wenig wie...
    Burda geht es ein wenig wie der Bäckerblume:
    Wenn sich die verkaufte Auflage massiv reduziert, drückt die finanzielle Realität.
    Ein Forumeintrag bringt es auf den Punkt:
    “ AW: Bäckerblume – Fluch oder Segen?
    Hallo,In jedem Betrieb wo ich gearbeitet habe hat die Bäckerblume abonniert.
    Alle waren unzufrieden.Da Frage ich mich ehrlich warum die es Riskiren nach vertragszeit kunden zu verlieren.Bekanntlich lebt ein gutes unternehmen von Kunden die wiederkommen und nicht anders.Man sollte diesen Verlag Beukotieren.
    Gruss Heiko “
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    BEKANNTLICH LEBT EIN GUTES UNTERNEHMEN VON KUNDEN DIE WIEDERKOMMEN.
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    Von Abonnenten also.
    Die kostenlose Welt der blogs und communities wird irgendwann enden, wenn dort keine Gewinne erzielt werden. Es gibt lediglich ein Recht auf freie Meinung, nicht auf freie Meinungsübertragung. Würde mich aber nicht wundern, wenn sich der virtuelle Verkehr entwickelt wie historisch der Strassenverkehr, und sich ein Recht auf virtuelle Freizügigkeit bildet. Mit Daten-Autobahnen aus Steuermitteln finanziert, kostenloser Internet-Nutzung entsprechend kostenloser Strassenbenutzung, und einem Internet-Ministerium mit anhängender Verwaltungsbürokratie. Man gönnt sich ja auch Wasserwirtschaftsämter mit tausenden Mitarbeitern.
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    Oder entwickelt sich die Welt zurück, zu begrenzter Freizügkeit und zu Autobahnvignetten ?

  2. Wie haltet Ihr es mit der...
    Wie haltet Ihr es mit der Religion Euer Gnaden, gemeint ist der „Vertriebskanal“ im Net?: Welches bitter-süße soziale Geheimnis hegt die kluge alte ‚Tante im Busen bezüglich „dieser“ Blogs“ unter dem Rubrum FAZ.net? Das Printmedium selbst ist schon doppelseitig bedruckt. Die Arcana der Regierer sind bekanntlich doppelt deutbar, wie die der einschlägigen Orakel, die des outplacement nicht.

  3. staff aureus, es gibt ja genug...
    staff aureus, es gibt ja genug Verleger, die eine Online GEMA fordern, in die Firmen einzahlen sollen, weil sie ihren Nutzen aus dem Medienangeboten ziehen. Damit hätte man dann ein dickes Kapitalpolster, um frisch und fröhlihc, von Marktzwängen befreit, weiter zu machen. Oder zu erleben, wie Firmen ganz einfach diese Seiten aussperren und weiter rote Zahlen zu schreiben.
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    Ich denke da recht einfach: Gute Inhalte werden sich immer gut verkaufen. Gute Marken werden immer gern besucht. Niemand mag Zwang und Bürokratie. So einfach.

  4. Focussierer, das ist recht...
    Focussierer, das ist recht einfach zu beantworten: Bezahlt werde ich für das Schreiben des Blogeintrags. Ich könnte hinten ein Häkchen setzen, das die KOmmentare ausschlösse, und keiner würde mich deshalb dumm anmachen – es gibt durchaus manche, die das so halten. Die Kommentare und ihre Beantwortung sind mein Privatvergnügen. Das heisst aber für mich auch, dass ich hier die Dinge so benenne, wie ich sie gern benennen mag. Insofern ist da wenig Social Media Geheimnis der FAZ, sondern nur meine Lust, es zu betreibem.
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    Ebenso wenig mache ich aus meinem Herzen eine Mördergrube, was meine generelle Tätigkeit angeht: Ich habe ein Jahr auf Probe gemacht, weil ich mich nicht dauerhaft binden wollte, falls es nicht gut läuft. Ich habe um ein Jahr verlängert. Man wird sehen, ob die FAZ dann noch will. Ich denke, ich habe gute Arbeit geleistet, und ich glaube auch, dass man noch viele gute Ideen umsetzen könnte. Wenn die FAZ Lust hat – gerne. Wenn nicht – ich bin ökonomisch nicht davon abhängig. Mich treibt der Spass und das Intresse.

  5. Die Dinge mit Freude gut oder...
    Die Dinge mit Freude gut oder sogar besser zu tun, ist das nur möglich, wenn man eigentlich gar nicht davon leben muss? (Dr. Götz Werner behauptet das ja auch.)
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    Was für den Einzelnen wie Don unterm Strich stimmig sein mag (die FAZ zahlt ansonsten halbwegs anständig, jedoch auch nicht für Kommentieren des Autors), sieht anders aus in der Konsequenz für der Masse: Auf der anderen Seite stehen diejenigen aus dem Kultursegment, die sehr wohl vom Schreiben und Gestalten leben wollen und auch müssen. Sonst nix Miete und nix Käse auf dem Brot. Ihnen wird oft von Auftraggeberseite (neidisch?) vorgehalten, es mache ihnen doch Spaß und es mache ihnen gewiss gar nichts aus, wenn die Entlohnung spärlich ausfällt oder überhaupt auf sich warten lässt. Ist ja Spaß. Kommentieren ist Spaß des Autors, wieso bezahlen? denkt schließlich auf die bürgerliche FAZ.
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    1. So wird das nix mit dem Social Media Gedöns. Auch bei der FAZ nicht.
    Es haben mehrere nicht drauf, nicht nur der Burda-Verlag nicht.
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    2. So wird das ebenfalls nix mit Social Media als Mitmach-Massenphänomen und Kommerz-Geldgrube: Es ist einfach kein Massenphänomen. Nicht jeder, der sich im Netz tummelt, will über Gott und die Welt reden. Oder über Schuhe oder das neueste Jogurt babbeln. Das sind immer nur relativ wenige, kommt einem nur viel vor. Der Cluster der Passiven ist groß, auch im Netz. Und das wird sich wenig positiv schon etwas, aber nicht massiv ändern lassen, denn es ist WESENSbedingt, nicht MEDIUMbedingt.
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    3. Das Medium Mitmach-Web stößt ebenfalls beim Customizing an seine Grenzen: Beileibe nicht jeder Konsument im Netz will mühevoll sein Produkt in allen Einzelheiten selber zusammenstellen. Es ist für ihn eher ARBEIT am Rechner, nicht das Super-Herumspiel-Vergnügen, wie es sich die Erfinder des Customizing gedacht haben. Habe da interessante Aussagen aus einer aktuellen MaFo. Die Mehrheit der Internetnutzer bevorzugt auch beim „kreativen Produkt“ bequem Vorgekautes.

  6. Werter Don Alphonso,
    so wie...

    Werter Don Alphonso,
    so wie Sie die Vorgänge in München beschreiben, drängt sich mir das Bild auf:
    Man kippt Eingeborenen einen ganzen LKW Kugelschreiber vor die Füße mit der
    Aufforderung jetzt doch mal etwas Prestige trächtiges und Einträgliches damit
    anzufangen; und dann hat eben jeder gemacht was er dafür hielt.
    Wenn man dem Glauben anhängt ALLES sei „Medien“, dann sind das auch Kugel-
    schreiber.

  7. Social Media extended remix:...
    Social Media extended remix:
    Das vielbewunderte Wachstum von Facebook scheint langsam oder demnächst zumindest deutschsprachigen Gefilden (Deutschland, Österreich, Schweiz) ins Stagnieren zu geraten:
    http://www.thomashutter.com/wp-content/uploads/2010/10/infografik_2010_09.jpg
    .
    Also das, was immerhin noch am besten läuft.
    Und Facebook läuft deswegen am besten, weil die fb-Nutzer nicht von „oben herab“, also von der Artikel- oder Glossenmeinung eines vordefenierten Berufs-Schreiberlings ihr Inhalte vorgegeben kriegen, die sie als Kommentaristen klug oder zumindest ohne sich zu blamieren zu bekauen hätten. Sondern in der Mehrheit einfach sich selbst untereinander ohne Zwang unterhalten.
    .
    Oft über banalste Dinge, z. B. sehr banale Statusmeldungen wie „Gleich platzt mir der Kopp.“oder “ So, jetzt fang ich mal das Packen für den Urlaub an…“ Die wecken deswegen Interesse und fördern Antwort, weil man sich als „Freunde“ untereinander halbwegs kennt. Das macht, glaube ich, den hauptsächlichen Erfolg von Facebook aus: wenig Zwang, Einfachheit, und die Gewissheit, auch wirklich Banalstes im Kreis von halbwegs Gleichgesinnten ablassen zu dürfen. Genau die gleichen Leute würden nie auf einem kommerziellen Freundin-Blog so aktiv mitmachen. Da kennen sie in der Regel keinen und schon gar nicht den Autor. Auch diese Erkenntnisse über grundmenschlichestes Verhalten sind eigentlich banal.

  8. DA@: Danke für die...
    DA@: Danke für die beruhigende Antwort.

    Vroni@: Sie sind aber bisher nicht abgewandert, wie ich das so mit einem Auge mitverfolgen konnte. Im Facebook rücken mir die Menschen virtuell zu nahe auf die „Pelle“. Na gut, wer das mag, es geht halt nichts über Distinktion.

  9. Burda, dz.
    Wollen Sie nicht...

    Burda, dz.
    Wollen Sie nicht doch lieber einen Privatfernsehblog aufmachen?
    .
    Ich frag ja nur.

  10. naja, Millionär sein wie Dr....
    naja, Millionär sein wie Dr. Götz ist ja auch kein allzu dramatisch schlimmer Beruf. Ansonsten könnte ich ja mal fragen, ob man da nicht was machen kann – aber die Wahrheit ist, ich habe keine Lust, mich für Kommunikation bezahlen zu lassen. Mich grudeslt es bei der Vorstellung, Antworten für 1 Euro zu schreiben. Brrrrrr.
    .
    Was ich auch mit wenig Vergnügen betrachte, ist das Verlinken, weil andere es verlinken. Das mitrennen, weil alle rennen. Da sehe ich auch die grössere Gefahr als beim Desinteresse: Diese elenden Massen und ihre Dummheit.

  11. Dochdoch, bin abgewandert....
    Dochdoch, bin abgewandert. :-)
    Begonnen hat es damit, dass ich von jemandem eingeladen wurde, auf fb die neue Küche zu bewundern. Da haben die Nutzer auf fb ihre Bildergalerien gespeichert. Um diese 2 Bilder zu sehen, blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Account auf fb basteln. Stöhn.

  12. Focusierer, nichts zu danken....
    Focusierer, nichts zu danken. Es is, wias is.
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    Minna, das Problem ist, dass viele glauben, dass dieses Internet auch nur irgendwie vollgeschrieben werden muss, dann kommen die Leute schon. Genau diese Idee ist falsch, da hat man allerorten sehr viel lernen müssen. Schreiben für und mit Nutzern im Netz ist etwas ganz anderes als Zeitung, Ich wage auch zu behaupten, dass viele angebliche Edelfedern elend mit 10 Hanseln dem Vergessen anheim fallen würden, wenn man sie zwingen würde, sich als Blogger unter Bloggern ohne Hilfe im Netz zu präsentieren. Im Ergebnis merken dann manche, dass es eine andere Welt ist, und daraus folgt, dass manche dem Herrn Welte vielleicht sogar gratulieren wollen. Weil das Internet dann geht, und man weitermachen kann wie bisher.

  13. Hansmeier555, es musste halt...
    Hansmeier555, es musste halt mal sein, weil das, was Burda macht, bei Dutzenden kleinen Provinzzeitungsmachern als göttlicher Ratschluss gilt. Wenn Burda die Bremse berührt, machen andere sofort eine Vollbremsung.
    .
    Vroni, ich kann mich noch gut an die Zeit vor zwei Jahren erinnern, als alle sagten: Dieses VZ-Netzwerk wird niemals zu stoppen sein. Wie vor vier Jahren alle bei Myspace sein mussten. Vielleicht hält sich Facebook länger: Egal. Es wird wieder verschwinden, und die Jubler werden sich andere Götzen suchen. Twitter riecht auch schon streng.

  14. Don, und ich sachte noch zu...
    Don, und ich sachte noch zu Patrick, als er noch davon schwärmte, du das mit dem Second Life wird nix.
    .
    (Und ich meinte nicht sein Life, er darf gern wie Katzen auch mind. 9 Leben haben und mehr.)

  15. D.A. mit Ihrer Antwort haben...
    D.A. mit Ihrer Antwort haben Sie mir ein neues Bild suggeriert – den Übergang
    vom Stummfilm auf den Tonfilm – als die alten Stars gehen mußten, weil sie keine
    Mikrofonstimme hatten.

  16. @Don - der Charme Ihres Blogs...
    @Don – der Charme Ihres Blogs ist doch eigentlich, dass Sie hinten kein Häckchen setzen. Aber genaugenommen arbeiten nicht nur Sie an den Kommentaren umsonst – sondern auch wir mit unseren Kommentaren.

  17. Vroni, mir reicht mein eines...
    Vroni, mir reicht mein eines Leben vollkommen, solange ich noch das andere Leben jenseits des Netzes habe (auch wenn Don Alphonso naturgemäss Problemen stets zu entgehen weiss, die seinem Autor nicht erspart bleiben)
    .
    Minna, das ist natürlich teilweise auch eine Tinseltown-Legende: Man wollte einfach die überteuerten Stummfilmstars abschieben und durch neue Akteure ersetzen, die weniger kosteten. Ich persönlich habe aber eher den Eindruck, dass man lieber 10 mal den gleichen Fehler neu macht, statt einmal zu schauen, was funktioniert, und was verbessert werden muss. Ich sage ja auch nicht: Alle Journalisten in die Produktion! Aber es wäre mehr als fein, wenn es mehr Gedanken zur Frage gibt, wie man gute Zahlen mit guten Inhalten erreicht. Daran hapert es nämlich auch bei den Marktführern. (Wobei bei einem mit den dicken Überschriften alles zu spät ist). Statt dessen streicht man eben – Stern.de soll wohl ähnliches planen.

  18. Der Tiger, nun, ich rede gerne...
    Der Tiger, nun, ich rede gerne mit Menschen auf Augenhöhe. Deshalb bettle ich nicht um Kommentare und schreibe auch nicht so, dass es zwangsweise Aufschreie provoziert. Mir geht es im doppelten Wortsinn um die Unterhaltung. Für alles andere bin ich auch viel zu apathisch, und die Kommentatoren viel zu nett. Das aber, nochmal, nicht, weil es ein kommerzielles Interesse gäbe. Allein schon, weil die meisten Journalisten Kommentare nicht als Ausweis von Erfolg handeln, weil dann ja nicht jeder angesichts der neuen, wunderbaren und einzigartig formulierten Erkenntnisse ergriffen schweigt. (Ich übertreibe etwas, aber doch, man hört dergleichen auch 2010)

  19. D.A. was Sie über die Branche...
    D.A. was Sie über die Branche schreiben klingt nicht gut. Man hätschelt weiter
    die überteuerten Altstars und Strukturen und hungert das Neue aus. Ist sowas
    irgendwann in der Geschichte schon mal gut gegangen?
    Oder wartet man einfach bis man in anderen Ländern Erfolge sieht, die man dann
    billig abkupfern kann?

  20. @Don - (20:40) Über Ihren...
    @Don – (20:40) Über Ihren Kommentar habe ich breit gegrinnst und mir überlegt ob Sie über unsere manchmal auch so grinsen.

  21. Don, ich weiß nicht, ob Burda...
    Don, ich weiß nicht, ob Burda nun wirklich der Nabel der Welt ist. In dieser Zeit, in der ein Konzern Stellen streicht, verkauft Apple hunderttausend I-Phones, Amazon tausende Bücher etc. – Ohne psychologisch werden zu wollen: Es ist ein grundlegender Irrtum, eine Illusion, zu glauben, man könne seine Persönlichkeit ins Netz stellen und dort (als Anbieter oder Kunde) den gleichen Mehrwert an Leben erhalten, wie in der realen Welt. Um es anders zu sagen: Man wird kein besserer Mensch, nur weil man seinem Hund qualitativ hochwertiges Futter kauft. Eine Onlineredaktion ist eine Onlineredaktion, eine Zeitung eine Zeitung, ein Blog ist ein Blog, eine Kirche ist eine Kirche usw. usf. Es gibt natürlich Geschäftsmodelle, die im Internet wunderbar funktionieren. Ein Online-Update für den Virenscanner kann man sehr wohl mit einer Grippeschutzimpfung vergleichen und es bleibt trotzdem sinnvoll

    Insofern kann der Don von Glück reden, dass ihm die Menschen zuhören und antworten. (Das war jetzt ein sehr verkapptes Lob außerhalb der Reihe, daher…Pssst!)

  22. Minna, naja, es geht in Wellen...
    Minna, naja, es geht in Wellen bergab. Früher waren die Anzeigen ein sicheres Geschäft, heute versucht man panisch, die Vertriebserlöse zu vergrössern, bei gleichzeitiger Kostenreduktion. In den Finanzkrise hat man gemerkt, dass es eng wird, jetzt geht es wieder ein wenig besser, aber die wirklich guten Zeiten der 90er Jahre kommen nie wieder. Ich glaube auch nicht, dass Leute, die wirklich gut sind, besondere Neigungen zum Journalismus haben; die gehen eher in die PR und verdienen erheblich besser. Nachz meinem Empfinden werden Firmen in Zukunft eher eigene Publikationen haben, da wird gerade wild herumexperimentiert, und die oben angesprochene Reise von Burda und dem Autokonzern ist genau so eine Sache gewesen. Allerdings haben da auch schon Blogger mitgeturnt. Nach meinem Eindruck ist die Hoffnung vieler Medienhäuser, dass Online bald die Sättigung erreicht hat, und man dann mit der Konsolidierung des Printgeschäfts anfangen kann. Ob das so sein wird – ich weiss es nicht. Ich habe aber Zweifel.
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    Der Tiger, ich grinse manchmal mokant, oft bitter und immer hämisch, denn ich habe eine schwarze Seele.

  23. yast2000, danke. Ich denke...
    yast2000, danke. Ich denke auch, dass man vielleicht sogar die Bringschuld umdrehen muss: Bislang ist es ja eher so, dass im Print die Meinung vorherrscht, Onliner würden halt anders arbeiten und deshalb online anders rezipiert. Sprich, ihre schlechten Zahlen im Netz werden mit der Andersartigkeit des Systems begründet. Die spannende Frage für mich ist aber: Kann es nicht so sein, dass das Internet nur aufdeckt, dass vieles, von dem sich der Redakteur einbildet, dass es ankommt und wichtig ist und die Debatte beeinflusst – noch nicht mal gelesen wird? Kann ein Beitrag, der im Internet keinen interessiert, ansonsten voll durchschlagen?
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    Bislang ist die Auseinandersetzung mit der Transparanz der Onlineresonanz eher unbeliebt. Ich denke aber, dass es gar nicht schlecht ist, ein wenig die Persönlichkeit mit rein spielen zu lassen. Ihr scheinbares Fehlen ist nur ein Trick vorgeblicher Objektivität, mag mir scheinen, also finde ich Ehrlichkeit gar nicht son schlecht, als Alternative.

  24. "Nachz meinem Empfinden werden...
    „Nachz meinem Empfinden werden Firmen in Zukunft eher eigene Publikationen haben, da wird gerade wild herumexperimentiert, und die oben angesprochene Reise von Burda und dem Autokonzern ist genau so eine Sache gewesen. “
    Das Red Bull Magazin, das alle 4(?) Wochen in der FAZ liegt, ist gar nicht so schlecht. Nicht, dass mich die Themen sonderlich interessieren würden, aber es sieht gut aus, das was man liest, liest sich auch gut und es würde meine Anforderungen in dem Bereich völlig abdecken. Und inhaltlich ist sehr nah an vielem, was Burda so produziert. Das ist ziemlich generischer Reißbrettjournalismus. Und warum soll sich eine Firma für viel Geld (teure) Anzeigen in einer (teuren) Zeitschrift kaufen, wenn sie für eine ähnliche Menge Geld ein ganzes Magazin bekommen kann? Das dann bei kostenloser Abgabe auch noch zigfach mehr Leser erreicht. (Klar, in dem Bereich gibt es auch jede Menge Schrott (z.B. von Volkswagen bei der letzten Inspektion gelesen), aber gut gemacht können Firmenmagazine durchaus funktionieren.

  25. "Kann es nicht so sein, dass...
    „Kann es nicht so sein, dass das Internet nur aufdeckt, dass vieles, von dem sich der Redakteur einbildet, dass es ankommt und wichtig ist und die Debatte beeinflusst – noch nicht mal gelesen wird?“
    Das ist fein beobachtet. Würde Loriot sagen.

  26. Ökonomisch ist es doch...
    Ökonomisch ist es doch schlicht so, dass man, um ein Produkt zu verkaufen, die Zeitungen als Medium oder ‚Kanal‘ zunehmend nicht mehr braucht. Die Erfahrungsberichte der Vorkäufer eines Produkts sind zumeist viel hilfreicher als die redaktionellen Elogen im Technik-Teil eines Magazins (Stiftung Warentest mal ausgenommen). Und über ein Thema wie S-21 erfahre ich bei gestreamten Experten-Vorträgen auf YouTube oder aus den Blogs der Engagierten beider Seiten mehr als in der oft ‚mitinteressierten‘ Lokalpresse, wie bspw. bei den Meinungsmaklern der Stuttgarter Nachrichten, die fest am Ideologie-Haken ihres LBBW-Großkredites hängen. So läuft heute der Hase, fern der alten Wildwechsel, während die Verleger sich noch immer selbstgewiss für die Igel halten und fröhlich ‚Ick bün all doar!‘ krähen, aber kaum einer hört ihnen zu – weil das Publikum schwindet …

  27. bester Don Alphonso, was für...
    bester Don Alphonso, was für einen kommentator ihrer beiträge höchst amüsant ist, zu wissen, dass sie erst durch die lektüre des leserbeitrags müssen, bevor sie ihn freischalten.

  28. ach herrje, don, mal wieder...
    ach herrje, don, mal wieder burda bei ihnen im aufmerksamkeitsfocus? ihnen scheinen die themen auszugehen. elegantes echauffieren über die agenda der faz im politkteil wäre dieser tage angebrachter.

  29. @DA: "Mich treibt der Spass...
    @DA: „Mich treibt der Spass und das Intresse.“
    Und genau das ist der Punkt – wenn man etwas einfach nur tut, weil es Spass macht und man selbst und auch andere Freude an den Ergebnissen haben, dann regelt sich die Geschichte mit dem Geld ganz von selbst… wenn man allerdings etwas nur wegen des Geldes tut, dann wird niemals etwas vernuenftiges dabei herauskommen, sondern bestenfalls Mittelmass (und wir wissen ja alle, dass Mittelmass das Schlimmste ist was man produzieren kann…).

  30. was kommt eigentlich nach dem...
    was kommt eigentlich nach dem internet?

  31. auch-einer, lassen Sie mich...
    auch-einer, lassen Sie mich raten: Buschtrommel und Rauchzeichen!

  32. @DA:“Die spannende Frage...
    @DA:“Die spannende Frage für mich ist aber: Kann es nicht so sein, dass das Internet nur aufdeckt, dass vieles, von dem sich der Redakteur einbildet, dass es ankommt und wichtig ist und die Debatte beeinflusst – noch nicht mal gelesen wird? Kann ein Beitrag, der im Internet keinen interessiert, ansonsten voll durchschlagen?“ Ja, das ist eine spannende Frage, in der Tat. Ich wölke mal ein bißchen: es gibt vermutlich mindestens 2 Arten Reaktionen. Eine, daß man mitquasseln will, so wie ich das hier tue und andere auf Facebook, und die andere, daß man das Gelesene für sich behält, aber trotzdem in gewisser Form weiterträgt, sei es, daß man mit jemand direkt drüber spricht oder –eher- sich mittelbar in einer gewissen Weise verhält. Und letzteres ist eben das nicht sichtbare, aber gleichwohl wirksame. Von daher würde ich auf die Sichtbarkeit der Reaktionen nicht sooo viel geben, denn das ist nur ein Kanal unter mehreren, und dabei können zwar auf jeden Fall neue Genres entstehen (als was ich die Blogs ansehen würde), die dann auch wieder Wirkung haben, aber ob das nun die _durchschlagende_ Wirkung ist… letztenendes kommt es doch immer drauf an, daß die richtige Information die Richtigen erreicht. Dann wirkts. Sonst nicht.

  33. @virtualmono: Sie möchte ich...
    @virtualmono: Sie möchte ich sehen, wenn Ihnen ein Koch schlechteres als Mittelmaß vorsetzt. Entweder sind Sie schon mutiert und in der Lage, Gras zu verdauen, oder sie sind doch noch ein Mensch und das Leben verleidet Ihnen dann. Kräftig, sehr kräftig, kann ich nur sagen.
    @auch-einer: ach, das bleibt uns bis ans Lebensende unserer Kinder mindestens erhalten, schätze ich. Fernsehen gibts ja auch noch.

  34. Klein,
    grau.
    Hübsche...

    Klein,
    grau.
    Hübsche Frau
    Oder solllte man sagen: Alfred-Adler-Prototyp meets humanitär gelaunte Klunkermieze?

  35. Ulrich Voss,...
    Ulrich Voss, „Reißbrettjournalismus“ ist ein schönes Wort. Hin und wieder hört man, dass manche Leute, die es nie zugeben würden, weil hehrer Journalismus und so, unter anderem Namen bei so etwas mitschreiben, weil es mehr Geld bringt. Mich persönlich stört da aber diese Kuschelatmo. Alles so nett hier.
    .
    Jeeves3, wegen solcher feiner Beobachtungen hat man sich schon seit Giordano Brunos Zeiten den Herrschenden als Brennmaterial empfohlen.

  36. Chat Atkins, wobei man bei den...
    Chat Atkins, wobei man bei den Stuttgarter Nachrichten schon merkt, dass die Angst vor ihren Lesern bekommen und sich in ein Sowohl als Auch flüchten. Es geht nicht ohne Kredit, aber ohne Leser braucht man auch keinen mehr.
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    Burda selbst hat ja durchaus versucht, auf dem Parkett der Bewertungen ein Tänzchen hinzulegen, und bei den Reiseportalen scheint es sogar gelungen zu sein.
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    Liebe donna laura, ich würde es auch so lesen. Ich mag Debatten, wenn sie zivilisiert bleiben, so wie hier, meistens. Und ich versuche zu verstehen, wie das funktioniert.

  37. icke, darf ich fragen, was Sie...
    icke, darf ich fragen, was Sie gern hätten? Ich muss ehrlichz sagen, dass ich da in den letzten Tagen ganz erstaunliche Beiträge las, als ob man selbst nicht wüsste, wohin das mit der Bürgerlichkeit geht.
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    virtualmono, ich würde vielleicht auch noch „Nachdruck“ als Grundlage in Betracht ziehen wollen. Man muss nicht nur Lust haben, man muss auch wirklich wollen. Und das hört nicht beim Schreiben auf.

  38. colorcraze, die gängige...
    colorcraze, die gängige Theorie der Medienwissenschaft geht heute davon aus, dass Diskurse eine eigene Anziehungskraft entwickeln, und Themen, die keine Diskussion nach sich ziehen, in ihrer Wirkung zumindest erklärungsbedürftig sind. Der Glaube der Journalisten, alles gesagt und alle überzeugt zu haben, ist meines Erachtens ein Trugschluss. Im Nichtdebattieren kann sich vieles zeigen, Ablehnung, Desinteresse, Augenverdrehen. Das wird aber von Haus zu Haus ganz unterschiedlich wahrgenommen, manche wie die Zeit fördern die Debatte nach Kräften, bei der Süddeutschen dagegen reglementiert man auf Teufel komm raus. Der eigentliche Unterschied aber liegt in der Wahrnehmung beim „Verkauf“: Echte, kommentierende Leser sind von mehr Interesse als Page Impressions durch Suchmaschinen und 0,2 Sekunden Verweildauer – und das ist auch der Unterschied zwischen der Zeit und der Süddeutschen. Die interessanteren Aussagen stehen sowieso in den Kommentaren.
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    sylter123, ich glaube, dass Welte einen Fehler gemacht hat, aber Herr Burda selbst ist schon jemand, der intensiv nachzudenken scheint.

  39. Don, ich denke nicht, dass es...
    Don, ich denke nicht, dass es unmöglich wäre, überall in Medien und Alltag eine gepflegte(re) Diskussionskultur zu etablieren. Man muss es wollen, ja.
    Und in D braucht es noch viel Zeit.
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    Momantan ist noch das alte Denken da. Wie man nicht nur von großen, sondern auch vom kleinen Provinzkäseblättchen weiß: Da sind deren Leserbriefschreiber doch immer wieder die gleichen alten bekannten Querulanten. Und das Käseblatt fasst deren keifende Briefe verständlicherweise nur mit der Kneifzange an und behält sich obrigkeitlich (oder heimlich in der Redaktionsstube kichernd) deren Abdruck grundsätzlich vor.
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    Denke ich an Speaker’s Corner, Hydepark, dann weiß ich warum es so etwas in Uk gab, gibt und bei uns nie. Soviel Toleranz zu extremen anderen (oder spinnerten, exzentrischen) Positionen gibt es bei uns nicht.
    Wir sind eher ein Volk von Schillers „Gib uns Gedankenfreiheit!
    Kein Volk von allzugroßer REDEfreiheit. Wer viel redet/öffentlich schreibt, wird in manchen Gegenden in D noch komisch angesehen: Ein Querulant, ein Politisierer, ach ein elender Volksredner, der schleunigst heim sollte zu seiner Frau und Ruhe geben! :-)

  40. Nun, da sehe ich zwei...
    Nun, da sehe ich zwei Punkte:
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    1. Im Gegensatz zu gepflegten, klugen Plauderern ist die Anzahl der Keifer unendlich. Sprich, wenn erst mal die Plauderer weg sind und einen Platz haben, muss man sich mit den Resten rumschlagen.
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    2. Viel von der Wut kommt vom Gefühl, nicht gehört zu werden. Dass man etwas sagtm und niemand reagiert. Es wird kommuniziert: Es ist uns egal. Soweit darf es nicht kommen.

  41. Übrigens ist über diesem...
    Übrigens ist über diesem Beitrag gerade eine Werbung eines Kosmetikkonzerns, der die Leser auffordert, ihm seine Geschichte über Jugendlichkeit zu erzählen. Nicht jeder betrachtet das Publikum nur als zum Schweigen verdammte Gaffer, mag mir scheinen.

  42. "2. Viel von der Wut kommt vom...
    „2. Viel von der Wut kommt vom Gefühl, nicht gehört zu werden. Dass man etwas sagt und niemand reagiert.“
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    Stimmt.

  43. @DA: daß Diskurse eine eigene...
    @DA: daß Diskurse eine eigene Anziehungskraft entwickeln, völlig d’accord. Was keine Diskussion nach sich zieht, bleibt halt in der Wirkung nicht meß- und nachvollziehbar, so wie es das Gespräch unter 4 Augen seit jeher war. – Die echten, kommentierenden Leser sind eine Neuzutat des Onlinegeschäfts, die gibt es seit vielleicht 10, 15 Jahren. Davor nur die Leserbriefe, die aber nicht in der Lage waren, ihrerseits wieder Diskussionen auszulösen, weil die Möglichkeit, gleich zu antworten, nicht gegeben war. Dies ist ein neues Genre, oder Bauteil eines Genres. – Das Antworten ist dabei ein wichtiger Faktor, das haben Sie ja selbst zur Genüge gemerkt. Auch wie es ist, den Ton und die Mischung zu halten. Allerdings denke ich, daß das bei Nachrichtenartikeln etwas anders ist als bei Feuilleton, da ist der Ton oft ruppiger. – Ich denke gerade an die Hörfunklegenden Friedrich Luft und John Peel. Die waren mit so viel ansteckender Freude bei ihrer Sache und bekamen wohl auch sehr viel Post. Obwohl man da kaum auf eine Antwort hoffen konnte, wurde trotzdem geschrieben.

  44. @ colorcraze: welch schöne...
    @ colorcraze: welch schöne Beispiele Sie da anführen! Statt BFBS gibt es jetzt ca. 10 Unterschichtensender mit intensiver Hörerbeteiligung („selbe Stelle, selbe Welle“ war einmal). Heute versucht man entnervt, DLF zu hören und wenn auch das zu unerträglich wird, legt man eine CD aus der Reihe „John Peel´s Music“ ein. Fast möchte ich sagen: lieber Hans Fritzsche als RTL.
    @Don: Bereits vor einigen Jahren hatte sich die FAZ dem Thema einmal angenommen. Ich bin fürbaß erstaunt, daß da so häßliche Begriffe wie „ausgeprägter Vaterkomplex“ und ähnliches fielen.

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