Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

"Fangen Sie nicht mit dem Web 3.0 an!"

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Was ist der Auftrag an die "Generation Digital"? Darüber reflektierte der Philosoph Gunter Dueck auf der Online-Konferenz re:publica. Die Antworten auf diese Frage sind vor allem im Bildungssystem zu suchen.

You’re not deep.
You’re not an intellectual.
You’re not an artist.
You’re not a critic.
You’re not a poet.
YOU JUST HAVE INTERNET ACCESS.

Diesen oben stehenden Gedankenfetzen muss ich Ihnen nicht übersetzen. Wenn Sie selbst diese schlichten englischen Vokabeln nicht in ihre Muttersprache übersetzen können, markieren Sie die Zeilen, kopieren Sie diese in ein Textfeld eines beliebigen Übersetzungsservice im Netz und warten Sie auf das Resultat. Das Internet wird Fremdsprachenkenntnisse weitestgehend obsolet machen, es sei denn, sie möchten tatsächlich mit Menschen interagieren. Und betrachten wir Englisch einfach mal nicht als fremde Sprache. In Berlin ist es nahezu unmöglich eine Kita zu finden, in der ihren Sprösslingen die Namen für Bauernhoftiere und Bauklötze nicht auch von einer britischen Erzieherin beigebracht werden. Somit wird das Auslandsjahr im Studium, von dem Berufsberater behaupten, ohne es komme kein Akademiker mehr in einen gut bezahlten Job, hinfällig sein. Das Erasmusjahr, in dem die Leber mehr belastet wird als der Geist beflügelt, müssen Studenten mit Fernweh nun anders verbringen. Seit Freitag heißt es zudem offiziell: You’re not a doktor, Mr. Guttenberg, you just have internet access. Das bloße Abspulen von Wissen ist keine Kunst. Die Sendung „Wer wird Millionär“ dürfte ebenfalls bald der Vergangenheit angehören; ihr Spannungsbogen ist von Google zerfressen worden.

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Das schier unendliche Wissen und die zusätzlichen Möglichkeiten zu lernen, die das Internet bereit stellt, sind ein Segen für begabte Kinder, Schüler, Studenten, die in ihrem Lernumfeld aufgrund von Vorwissen und einem anderen Lerntempo an Unterforderung leiden. Gleichermaßen könnte über E-Learning auch auf die schwächeren Schüler besser eingegangen werden. Die schnell lernenden Jugendlichen entfernen sie jedoch noch ein Stück weiter von den Angeboten des deutschen Bildungssystems, da Lehre und Lehrer kaum hinterherkommen, sich auf das individuelle Lernen der Schützlinge einzustellen und das digitale Wissen für den Unterricht optimal einzusetzen. Computer, Videospiele und insbesondere das iPad gewöhnen Kinder an eine Art des Kenntniserwerbs, mit dem regulärer Unterricht oftmals nicht mehr konkurrieren kann. Der Philosoph und Chief Technology Officer von IBM Deutschland, Gunter Dueck, kritisierte das deutsche Schul- und Hochschulsystem in seinem Vortrag „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ auf der Konferenz re:publica zu Recht (Der Vortrag als Video und Textbeitrag in der FTD). Das Einprügeln von Kurzzeitwissen bis zur nächsten Klausur, Module, die nicht mehr aufeinander aufbauen sondern in der Summe sich nur aufaddieren zu den für den Abschluss notwendigen Creditpoints, die Abwesenheit von Persönlichkeitsbildung im Großteil der Klassenräume und Vorlesungssäle. Die Zukunft der Gesellschaft wird sich aus diesem Bildungssysstem als Grundlage nicht speisen können.

„Der Lehrer muss nun echt Pädagogik können. Das tut weh.“

Die Herausforderung für die Schulen, so sagt es Dueck, müsse ihren Fokus von der reinen Wissensvermittlung verschieben und viel stärker auf Persönlichkeitsbildung setzen. Die Kritik setzt also nicht an dabei, dass Pädagogen den technischen Entwicklungen der digitalen Welt nicht folgen könnten. Vielmehr formuliert der Wandel der Wissensvermittlung die Herausforderung an Lehrkräfte, auf junge Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld nun auf völlig andere Voraussetzungen und Möglichkeiten treffen als noch vor zehn und zwanzig Jahren, neu einzugehen. Es ist nicht das Internet, dass Lehrerinnen und Lehrern Probleme bereitet, es ist unzureichende Schulung in den Eigenschaften, die Dueck für die Fachkräfte – die so genannten „Professionals“ – der Zukunft fordert: soziale Gewandheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung, Unternehmer- geist: „Der Lehrer muss nun echt Pädagogik können. Das tut weh.“

Nehmen wir ein paar Beispiele:

Eltern, deren Kind schon vor der Einschulung viel in Büchern und im Netz liest und zahlreiche Fakten hinunterrasseln kann, wird von den Eltern für hochbegabt gehalten. Muss der Lehrer es die erste Klasse überspringen lassen?

Was tun wir mit den Schülern, deren Aufsätze und Referate durch das Hinzuziehen digitaler Quellen den Arbeiten so weit überlegen sind, die sich nur auf das lehrplanmäßig zur Verfügung gestellte Material stützen konnten? Will man hier die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung beschränken, um Chancengleichheit zu etablieren?

Wollen wir uns weiter darüber grämen, dass Musterlösungen und Seminararbeiten im Netz kursieren, so dass Schüler und Studenten den Sinn der erneuten Anfertigung nicht erkennen können? Oder braucht es etwa neue Aufgaben, die junge Menschen wieder mehr fordern als ein kluger Umgang mit Suchmaschinen?

„Wissen Sie im Beruf mehr als ein frisch Gesurfter?“

Dies sind nur einige wenige Beispiele, die unterstreichen, dass das Internet als unerschöpfliches Archiv die Art und Weise in der wir Wissen weitergeben, massiv verändert und unser Bild davon, was „Lernen“ bedeutet, sich dringend wandeln muss. „Was können Sie einem Menschen noch sagen, der zwei Stunden gesurft hat?“, fragte Dueck im April die Konferenzteilnehmer der re:publica. Was kann ein Lehrer Schülern noch erzählen, die sich tatsächlich für ein Thema begeistern, und es im Netz gründlich recherchiert haben?

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„Sie müssen jetzt etwas wollen, und zwar nicht für sich selbst und das Internet!“

Die Digitalisierung der Welt fordere neue Berufe. Automatisierung, kluge Software und der einfache Zugang zu Fachwissen werden bisherige Fachkräfte in vielen Arbeitsbereichen verdrängen und neue, besser ausgebildete Personen für die komplexen Sachverhalte fordern – so skizziert Dueck die Zukunft der Arbeitswelt. Eine Aufgabe der „Generation Digital“ also sei es, neue Berufe zu ergreifen.  Diese Berufe eng verdrahtet mit technologischem Fortschritt zu sehen, ist jedoch das, wovor Gunter Dueck die Digital Natives warnt. „Sie müssen jetzt etwas wollen, und zwar nicht für sich selbst und das Internet!“, forderte Dueck die Zuhörer seine re:publica-Vortrages auf: „Fangen Sie nicht mit 3.0 an!“ Berufe, den Bürger, die Gesellschaft neu zu erfinden erfordert Engagement vor allem im Bereich der Bildung und der Politik. Die Neugestaltung des Bildungssystems ist sogar eine explizit politische Aufgabe. Die „Digitale Spaltung“, deren Graben sich nicht vorrangig zwischen jung und alt, oder Early und Late Adoptern schlägt, sondern besonders hartnäckig Menschen mit guten sozioökonomischen Voraussetzungen von einkommens- und bildungsschwachen Menschen trennt und ihre Chancen weiter auseinander treibt, muss im Zusammenspiel von Bildung und Politik überwunden werden.

Erst heute forderte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) eine bessere Ausrüstung und Schulung von Pädagogen. „Die Lehrer sind keine Technikverweigerer, aber veraltete oder schlecht gepflegte Geräte und fehlende didaktische Konzepte machen ihnen das Leben schwer“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Die große Mehrheit der Lehrer will mit digitalen Medien arbeiten, weil sie davon überzeugt sind, dass sie den Unterricht besser machen“, so Scheer weiter. 79 Prozent der befragten Lehrkräfte sagten, dass ihre Schüler schneller lernen, wenn sie im Unterricht mit Computer und Internet arbeiten. Drei Viertel beobachten, dass die Schüler durch den Medieneinsatz motivierter sind. 77 Prozent der Lehrer berichten, dass sie durch PC und Internet individueller auf die einzelnen Schüler eingehen können.

Doch über technische Ausstattung von Bildungseinrichtungen ist es nicht getan. Das Lehrpersonal muss geschult werden. Umfassend. Das muss große pädagogische Konzepte bedeuten, die Lehrern und Dozenten mehr vermitteln als Medienkompetenz, sondern sie in die Gesellschaftsdebatte um die Chancen des Internets einbinden und mit ihren Schülern weiterführen lassen. In der Ausbildung der jungen und der alten Menschen müssen neue Berufsbilder entstehen, das Ansehen der Erziehungsberufe muss steigen und aufgewertet werden, der Lehrerberuf demographisch vielfältig besetzt sein und Quereinsteiger als Ausbilder mit einbinden. Können die Vorbilder, die Kinder in Schulen und ihren Familien erleben, mithalten mit den in Medien präsentierten Rollenbildern? Wie sollen Schüler auf eine berufliche Zukunft allein durch Menschen vorbereitet werden, die seit jeher zwischen Schulhof und Schreibtisch pendeln? Durch zweiwöchige Schulpraktika?

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Bildung ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Dass die Medien- und die politische Agenda es so unzureichend öffentlich aufgreift, spiegelt wohl wieder, wie individualistisch die Auffassung von Chancen und Lebensgestaltung in breiten Teilen der Bevölkerung geprägt ist.

Chancengleichheit wird jedoch nicht über eine flächendeckende Computerausstattung in Klassenräumen erreicht werden. Bildungsgerechtigkeit ist vor allem eine sozialpolitische Aufgabe – weltweit. Die Bundesregierung beantwortet die Herausforderung in Deutschland mit „Bildungsgutscheinen“ für Kinder aus sozialschwachen Familien, die für Kinder in etwa so förderlich sein dürften, wie ihre lächerliche Bezeichnung klingt und wie wenig warm Ursula von der Leyen in ihren Mitteilungen zu diesem Projektchen lächelt. Was Hartz IV für Familien und Kinder neben vielen anderen Dingen nicht vorsieht, sind Computer und ein Internetanschluss. Der Zugang zu Information und Kommunikation über das Internet ist schon jetzt grundlegen für Bildungsgerechtigkeit, auch wenn man argumentieren mag, dass diese Einschränkung weitaus weniger schwer wiegen dürfte, als die weiteren Auswirkungen von Armut.

Gunter Duecks Aufruf nach politischem Engagement muss jedoch weiter reichen als an die Jungen und Junggebliebenen, die „Generation Digital“. Sein Aufruf muss ein Appell an die Zivilgesellschaft sein: Wir müssen jetzt etwas wollen, und zwar nicht für uns selbst!

Die Professionals, die Menschen, mit ausgebildeter Persönlichkeit, von denen Dueck spricht, sollten nämlich vor allem eine soziale Kompetenz besitzen: sie sollten weit über den Tellerrand der persönlichen Zufriedenheit hinaus schauen können.

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16 Lesermeinungen

  1. Oha, viel Text. I'm not a phd...
    Oha, viel Text. I’m not a phd but only a bloody dippel-depp. (Dipl.)
    Aber immerhin ein Schnellleser.
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    Dueck ist mir eh ein ganz sympathischer.
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    „Was können Sie einem Menschen noch sagen, der zwei Stunden gesurft hat?“
    .
    Vieles, vor allem das, dass er noch so begeistert surfen und lesen kann, bis er schwarz wird − wenn ihm die Grundlagen fehlen, wie er das alles einordnen und bewerten soll, wird es bald die ersten Wissensidioten geben, die alles und viel begeistert wissen, dennoch nichts verstehen und es auch nicht weiterentwickeln und mitteilen können.
    .
    Grundlagen wie: Wahrnehmen, Erkennen, Verstehen und dies auch kommunizieren können, meinten Sie, Teresa, diese mit dem Terminus „Persönlichkeitsbildung“?
    .
    Hab immer noch meine Englisch-Lehrerin im Ohr, die unermüdlich von den allzu braven Auswendiglernern forderte: „Please say it in your own words!“, um herauszufinden, ob sie die Höllenstory aus der englischen Literatur auch wirklich verstanden haben. Und wie sie sich drehten & wandten.

  2. Vroni@: Grüß Gott Vroni, wie...
    Vroni@: Grüß Gott Vroni, wie geht´s nocha aa so? San´S ma net bös:…das Neudeutsche „kommunizieren“ ist auch so was. Jeder Politikaster benötigt es für seine hölzernen Spachdrechseleien. Wir haben fertig & verstanden.
    ..
    Das Geweine um die Armut und die davon abhängige Bildung: Die Versuchsanordnung in strengster Form ausgeführt, würde wahren Bildungshunger auslösen: Nur Wasser und Brot den Adepten verabreicht, aber wer Schillers Glocke hersagen kann, bekommt zur Belohnung eine Tafel Schoko und eine Reise in´s Internet.

  3. Plindos@: das klingt mir sehr...
    Plindos@: das klingt mir sehr nach Dressur von Zirkustieren – nach dem braven Sprung durch den Reifen gibt’s ein Stückchen Zucker. Entspricht ja auch in weiten Teilen dem Schulalltag, wobei dort der Zucker durch Zensuren ersetzt wird. Mit Lernen hat das zu tun, aber kaum mit „Bildung“ (was immer Sie darunter verstehen wollen). Motivation ist etwas anderes (Borges lernte Deutsch, um Schopenhauer im Original lesen zu können; mein Sohn begann Englisch zu lernen, als er mit 12 Jahren feststellte, dass seine Programmierhandbücher keineswegs alle auf Deutsch verfügbar waren. Mit 14 begriff er, dass Wodehouse nur im Original wirklich Spaß macht.)

  4. Kleine Korrektur: "spiegelt...
    Kleine Korrektur: „spiegelt […] wider“, aber das nur am Rande.
    Ansonsten stimme ich Dueck und auch Frau Bücker hier inhaltlich zu. Schon vor Jahren, als man von einer Wissens- oder Informationsgesellschaft sprach, hätte man Projekte anschieben müssen, die den Zugang von sozial schwachen Familien zu Wissen/Bildung verbessern. Aber man versteckte sich lieber in den den Phrasen, anstatt die Konsequenzen daraus zu ziehen.
    Aber auch stilistisch ist dieser Artikel der Thematik angemessen. Er zeigt, wie Verbindungen von Wissen nötig sind.
    Ich stimme allerdings nicht überein, was die kognitive Perspektive angeht. Es klingt alles so, als kämen bei Leuten mit Internetzugang, mit guter Möglichkeit, Wissen anzuhäufen, Wissensidioten raus, die mit diesem Wissen nichts anzufangen wüssten. Doch sehr häufig habe ich auch gelernt, dass zumindest Wissen verbunden wurde und nicht nur Einzelfakten gelernt. Außerdem kann auch in diesem Falle eine Bewertung auf der Meta-Ebene stattfinden, wenn man beispielsweise politische Vorgänge betrachtet. Man kann durch Einzelfakten durchaus lernen, dass es eben nicht nur „die bösen Chinesen“ oder „den guten Amerikaner“ respektive andersherum (oder welche Bewertungen auch vorgenommen werden) gibt. Es dauert nur – genauso wie bei „normaler“ Persönlichkeitsbildung.
    Allerdings sehe ich letztere natürlich befördert durch Unterricht und Diskurs.

  5. Johs Ruhe@: Verzeihung, dafür...
    Johs Ruhe@: Verzeihung, dafür das ich so ruppig bin.
    Nein, bedaure, das ist keine Dressur (gewesen). Das war in früheren Zeiten der Schulalltag, also gang und gäbe. Und zwar…..ohne Schoko :-(( War leider nur etwas anfängliche bundesdeutsche Prähistorie. Es gab auch Schulspeisung, die war zum k….n. Ansonsten denke ich schon, daß es nicht unbedingt irgendwelcher Anschubprogramme bedarf um Bildung zu erlangen. Der zweite Bildungsweg steht kostenlos seit fast 60 Jahren allen Bildungsbeflissenen offen und funktionierte, bis in die aktuelle Gegenwart hinein, hervorragend. Bekannte Menschen der Zeitge-schichte hatten sich so emporgearbeitet, sogar in allen Bereichen der Gesellschaft Karriere gemacht, und das neben der normalen beruflichen Tätigkeit in Fabriken, Werkstätten und auf dem Bau, um so die Voraussetzung für ein weiterführendes Studium zu erlangen. Man schaue sich dagegen an, wieviel Geld aus sog. „unteren Schichten“ für Massenveranstaltungen aufgebracht wird, und zwar ohne Zittern und Zagen, z. B. für Automobilausstellungen, Bundesligaspiele, Daddelspiele etc. Dazu betrachtet, die letzte Lucas Cranachausstellung im Städel,
    in Relation gesetzt zu den Besucherzahlen.

  6. Ach Plindos,
    er kann's nicht...

    Ach Plindos,
    er kann’s nicht lassen, jemanden zu tratzen, nur weil er zufällig „Vroni“ als Nick hat. Ich trags mit Fassung.
    .
    Natürlich ist „kommunizieren“ schwer von Blödianen missbraucht, aber was hilfts. Wenn man „reden“ sagt, trifft es das nur unscharf, denn reden kann auch zusammenhangloses Plappern sein. Dies ist selbstredend nicht das, was ich als Kulturtechnik meine, sondern das „sich gezielt ausdrücken Können“.
    .
    Was ja mitunter jedem schwerfällt.

  7. @ Addliss
    Dass es...

    @ Addliss
    Dass es funktionieren kann, aber dauert, sehe ich auch so.
    .
    Bis dahin haben andere Kinder, die es von zuhause per Muttermilch haben, vor Hartz-4-Kindern, bei denen es nicht so ist, leider einen gewissen Vorsprung.
    .
    Ich bin der letzte, der will, dass Vorsprung an Kulturtechniken zwingend an zukünftige „Vorteile“ und materielles Wohlergehen geknüpft sind. Beklage es sehr, dass alles, auch die Freude am Lernen, mit der Effektivitäts-, der Manager- und der Geldbrille gesehen wird.
    .
    Selber aus einem Elternhaus kommend, das den Kindern diese wichtigen Wahrnehmungsdinge wenig vemittelte, sehe ich, wie wichtig sie sind.
    .
    Sie sind einfach wichtig für ein glückliches, bewusstes Leben.
    Wer sie sich erst selbst und erst spät erarbeiten muss, kriegt vom Leben ganz schön Kante. Und als ob das nicht reichte auch nicht zu knapp von denen, die glauben, sie hätten es als Baby schon mit dem Brei gekriegt, aber im Grunde nur ihre gespiketen Ellenbogen damit vergolden.

  8. Aber wie denn,...
    Aber wie denn, bitte?
    .
    Gerade die Selbstaufforderung dazu, die ersten Schritte zum Erlernen umfassender sozialer Kompetenzen selbst zu tun (sapere aude!), lehrt freilich den sich selbst auffordernden nicht-bürgerlichen oder nicht-kaufmännischen Netizen noch nicht die sozialen Formen, den Umgangston, den bürgerliche oder kaufmännische Eltern ihren Kindern zu deren Vorteil mitgeben werden und der den Kinder dann wie selbstverständlich in Fleisch und Blut übergeht. Es fehlt Duecks Aufforderung nicht an normativer Ontologie, es fehlt ihm aber an Vorschlägen für konkrete Lehrarbeit. Ganz nüchtern an Konzept. Denn wer sollte die sozialen Formen unterrichten? Ob sich ein quereinsteigender Betriebswirt mit guter Erfahrung und gutem Gehalt findet, der, gegen vermutlich geringes Entgelt, soziale Kompetenzen unterrichtet, damit der Nerd seinen Stallgeruch loswerden kann und soziale Gewandtheit entwickelt?
    .
    Soziale Mobilität zwischen Berufsfeldern, vom sachorientierten Handwerk zum beziehungsorientierten Management, ist erwiesenermaßen ein statistisches Randphänomen. Aber es geht. Wenn hier Veränderung gefordert wird, dann ist eine Hauruck-Rede freilich didaktisch dünn. Eine Aufforderung zum Selbermachen bleibt pädagogisch schon im Ansatz stecken und ist nicht besser als politischer Bildungsanschein.

  9. Was ich mir aber auch von der...
    Was ich mir aber auch von der Schule wünsche, ist ein kritischer Umgang mit Technologie – das wird meines Erachtens immer wichtiger.
    .
    Ansonsten denke ich sollten wir uns nicht von Zahlen, Studion, Fakten, Statistiken, Methoden, Trends und Prognosen abhängig machen: Was wir brauchen, sind erstklassige Lehrer, und hierzu müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke und was ich dort mitgenommen habe, kommen mir vor allem die drei, vier herausragenden Lehrer in den Sinn, die mich geprägt und inspieriert haben, allem Lehrplanquatsch zum Trotz. Und das geht sicher vielen so.

  10. Plindos@: Als ruppig hab ich...
    Plindos@: Als ruppig hab ich es gar nicht empfunden. Ansonsten bestätigen Sie mich doch. In der Schule war vieles Dressur, und es war auch so gedacht, politisch vom System und penauso vom persönlichen Auftreten vieler Lehrer her. (Ich bin noch Ende der 50er eingeschult worden und kann das durchaus aus eigenem Erleben sagen.)
    .
    Gegen den zweiten Bildungsweg ist selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden – auch wenn er bei dem bekannten Menschen der Zeitgeschichte Schröder wohl eher eine Affinität zu Automobilausstellungen und weniger zu Lucas Cranach ergeben hat. ;-)
    .
    Kurz: mein Einwand bezog sich darauf, dass Sie das Thema Motivation – und die ist nun einmal entscheidend – viel zu eng gefasst und zudem rein polemisch benutzt haben.

  11. Wer sowas schreibt

    "Wie...
    Wer sowas schreibt
    „Wie sollen Schüler auf eine berufliche Zukunft allein durch Menschen vorbereitet werden, die seit jeher zwischen Schulhof und Schreibtisch pendeln? Durch zweiwöchige Schulpraktika?“
    hat sich schon von vorne herein für jede sachliche Diskussion disqualifiziert…

  12. Selbst IBMèr lesen nichts...
    Selbst IBMèr lesen nichts mehr von Dueck, dem Pseudo- Philosophen der „Neuen Internet-Zeit“, der immer alles vorher gewusst haben will, aber trotzdem nie Reich geworden ist … aber nicht deswegen, sondern weil er sich nur selbst versteht und es ihm auch nur um das Selbstverständnis geht.
    You’re not deep.
    You’re not an intellectual.
    You’re not an artist.
    You’re not a critic.
    You’re not a poet.
    YOU JUST ARE GUNTER DUECK (or one of his bloggers)

  13. Johs Ruhe@: Besten Dank für...
    Johs Ruhe@: Besten Dank für Ihre Replik. Vielleicht vereinfache ich wirklich zu sehr. Bei meinen beiden Kindern war signifkant zu beobachten, wie die Chose selbst in der eigenen Familie läuft. Jedes von den Zweien hatte die gleichen Startchancen, aber
    die Motivationslage war eine jeweilig andere. Das eine zog lässig, geradezu phasenweise faul, blendend und glatt, hervorragend in allen Fächern, mit Bravour bis zum Abi durch. Kam quasi als Intellektueller zur Welt, dagegen das andere mußte mühsam fast zum Ziel getragen werden. Man kann aus Erbsen eben keine Rosen züchten. Dafür waren in der sozialen Kompetenz die Gewichte ganz anders gelagert.
    Was die sog. Dressur anbelangt, so fand ich es immer beneidenswert, wenn ich an Menschen geriet, die mit Leichtigkeit, bei sonstiger geistiger Beweglichkeit, Auswendiggelerntes präsentieren konnten. Wie ja m. E. eingeübte Automatismen, durchaus sehr hilfreich sein können.
    ..
    lukeman@: Ihrer Auffassung kann man bezüglich der Auswahl Lehrer nur mit Beifall folgen. Die Besten sollten hierfür zu gewinnen sein.

  14. Die Schule ist nur ein Teil...
    Die Schule ist nur ein Teil des Bildungssystems, vor Allem in Deutschland. Soziale Kompetenzen, Unternehmensgeist usw. wird ausserhalb gefördert, von Sportverein bis Pfadfindertruppe, ffw, Orchester und was sonst noch dazwischen liegt. M.E. liegt ein Teil des allfälligen Niederganges in der Verachtung dieser spiessigen Vereinshuberei. Sportler erkennt man.

  15. Wie üblich:
    > Will man hier...

    Wie üblich:
    > Will man hier die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung beschränken,
    > um Chancengleichheit zu etablieren?
    Vermutlich, denn Chancengleichheit bedeutet allzu oft das Hemmen von denen,
    die den anderen schon etwas voraus sind/haben.
    Die Frage sollte lauten:
    Wie will man hier die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung fördern,
    um Chancengleichheit zu etablieren?
    Chancengleichheit herzustellen indem man die Schwächeren gezielt fördert
    kostet jedoch zuviel Zeit, Mühe und Geld und ist somit nicht akzeptabel.

  16. "Wissen Sie im Beruf mehr als...
    „Wissen Sie im Beruf mehr als ein frisch Gesurfter?“
    .
    Aber ja. Holt er nie mehr ein.
    Und ich merke auch, wenn mir gesurftes Wissen angetragen wird.
    .
    @kxr00df
    „Chancengleichheit herzustellen indem man die Schwächeren gezielt fördert
    kostet jedoch zuviel Zeit, Mühe und Geld und ist somit nicht akzeptabel.“
    .
    Kommt darauf an, wen Sie als Schwache definieren.
    .
    Intelligente Kinder aus einem finanziell schwachen Haushalt kosten nicht zuviel Zeit, Mühe und Geld. Kinder hingegen, die sich schwer tun mit dem Lernen, wiewohl sie aus einem vermögenden Haushalt kommen, kosten enorm. Zum Beispiel die Nerven des wachen, intelligenten Kindes, das zusehen muss, wie das schwache, vermögende Kind allzu bereitwillig von Lehrern mit durchgeschleift, ähm gefördert wird, und dieses devote Verhalten des Lehrers den Unterricht bremst. Weil deren Papa im Förderverein des Gyms ist, beispielsweise.

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