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Die ultimative Höllenmaschine

29.07.2011, 12:41 Uhr  ·  Der Anschlag von Oslo wirft Fragen auf: Ist das Netz der ultimative Komplize aller verblendeten Spinner und Netzkriminellen? Ein Plädoyer für eine differenzierte Sicht.

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Eigentlich wollte ich den Bombenschlag von Oslo und das Massaker auf Utøya hier außen vor lassen. Versagen nicht die Worte angesichts einer solchen Wahnsinntat? Nun, leider nicht bei allen. Hans-Peter Uhl etwa, der innenpolitische Sprecher der Union, verstieg sich in einem Radiointerview zu einer steilen These: Die Tat von Oslo sei ja nur scheinbar von einem Einzeltäter begangen worden. Jetzt werde immer mehr bekannt über die Internetkontakte des Täters, so Uhl: „In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.” Und somit – wenn das Internet als eine derartige Höllenmaschine verstanden wird, die sogar Massenmord hervorbringt – ist das leider doch ein Thema für das Deus-ex-Machina-Blog.

Diese Sicht auf das Internet als Sündenpfuhl und Schreckenskammer ist nicht neu. Schon vor über zehn Jahren analysierte Hans Magnus Enzensberger im „Spiegel”, dass der Diskurs über Computer und neue Medien beherrscht wird von Heilsverkündern und Apokalyptikern: „Die beiden Fraktionen folgen einem vertrauten religionsgeschichtlichen Muster: Auf der einen Seite finden wir die Apokalyptiker, auf der andern die Evangelisten. In mehr als einer Hinsicht hat ja der technische Fortschritt die Nachfolge der Offenbarungsreligionen angetreten. Heil und Unheil, Segen und Fluch lesen die Auguren seit der Aufklärung nicht mehr in den Heiligen Schriften, sondern aus den Eingeweiden der technischen Zivilisation.”

Bild zu: Die ultimative Höllenmaschine

Demnach wäre Herr Uhl also der Apokalyptiker-Fraktion zuzurechnen. Die sieht das Netz vordringlich als Netz als Hort von Kinderpornographie, Betrugskriminalität und Volksverhetzung. Kurzum: Wir werden alle sterben. Aber vorher wollen aufrechte Recken wie Uhl nichts unversucht lassen, dem großen Netz-Tier oder der großen Hure Binär-Babylon mit allen denkbaren ordnungspolitischen Instrumenten zu Leibe zu rücken. Wenn die das in China hinkriegen, Unliebsames aus dem Netz draußen zu halten und regimekritischen Quertreibern auf die Spur zu kommen, dann sollte sich doch auch hier bei uns was machen lassen. Dabei glaubt die netzpolitische Stahlhelm-Fraktion wahrscheinlich selber nicht, dass sich mit mehr Überwachung und mit Netzsperren solche Wahnsinnstaten künftig verhindern ließen. Aber die Gelegenheit, diese Gebetsmühle der ewiggleichen Forderungen erneut anzuwerfen, ist nun mal gar zu günstig.

Dabei ist es doch nicht so, als hetzten die Islamophobiker und Fremdenfeinde nur in geschlossenen Benutzergruppen, in die man V-Leute einschleusen müsste. Das Online-Magazin „Politically Incorrect” und andere Plattformen von sogenannten Islam-Kritikern sind als Sammelbecken einschlägiger Strömungen seit Jahren wohlbekannt. Einen Grund zum Einschreiten haben die Behörden bislang nicht erkennen können. Man lässt sich anscheinend beruhigen damit, dass sich die Betreiber von PI und ihre Freundeskreise stramm israelfreundlich geben und gern das hohe Lied der Völkerfreundschaft mit den USA singen. Klar, dass Nazivorwürfe da vordergründig nicht so recht passend scheinen. Hey, Nazis sind doch Antisemiten, und PI ist israelbegeistert bis dorthinaus, ergo können das doch keine Nazis sein, oder?

Bild zu: Die ultimative Höllenmaschine

Wie auch immer: Dass sich Spinner und Extremisten jedweder Couleur im Internet den jeweils passenden Resonanzraum suchen können, ist wohl unstrittig. Nur was folgt daraus? Ist das Internet deswegen schlecht, der Hort allen Übels, der ultimative Komplize jedes weltanschaulich motivierten Verbrechens? Wahrscheinlich schon auch, aber eben nicht nur. Es kann uns auch klüger und toleranter machen und uns auf Sichtweisen stoßen, mit denen wir im analogen Leben vielleicht nie in Berührung gekommen wären. Ich plädiere jedenfalls für eine Kultur des Hinsehens. Ich habe vor einigen Jahren ausgedehnte Expeditionen durch die dunklen Seiten des Internets unternommen, mir ist da kaum noch etwas fremd auf dem Felde der Verschwörungstheorien: Prince William ist der Antichrist, die Zahl des Tieres 666 im Barcode der europäischen Artikelnummer EAN, das umgedrehte Pentagramm im Straßenbild von Washington D.C., die Bilderberger-Konferenzen als Plattform für die Neue Weltordnung der Illuminaten, Nazi-Flugscheiben in der Antarktis – all das habe ich mit einigem Grusel und unter einigen Gefahren für meine geistige Gesundheit konsumiert. Ich habe „Mein Kampf” im Internet gelesen und auch die verbotenen Bücher von Jan van Helsing. Und hat mir das geschadet? Hat es mich radikalisiert und auf politische Abwege geführt? Ich denke, nein. Auf alle Fälle hat es mich zusätzlich immunisiert, den Hasspredigern von PI-news und ihren islamophoben Freundeskreisen auf den Leim zu gehen. Und nachdem ich in den letzten Jahren mitbekommen habe, wie sich die Kommentatoren auf diesen Plattformen zu immer radikaleren Äußerungen hochschaukeln, dann überrascht es mich nicht wirklich, dass irgendwann ein Verblendeter den Worten auch Taten folgen lässt. Da braucht man auch gar nicht wie der Unionspolitiker Uhl das Internet pauschal als Mittäter in Sippenhaft nehmen, wenn man die politischen Klimasünder auch genauer identifizieren und nennen könnte. Wie steht es denn mit dem Beitrag von Zeitgenossen wie Roland Koch, Thilo Sarrazin, Henryk M. Broder und Ralph Giordano und vielen anderen zu dem geistigen Klima, in dem der Hass auf den Islam und die muslimischen Mitbürger so gut gedeiht?

Bild zu: Die ultimative Höllenmaschine

Aber wie Enzensberger schon anno 2000 festgestellt hat: Sowohl die Heilsgläubigen als auch die Apokalyptiker erweisen sich im Netzdiskurs als immun gegen die Tatsachen: (…) Zugleich ist das Internet ein Dorado für Kriminelle, Intriganten, Hochstapler, Terroristen, Triebtäter, Neonazis und Verrückte. Hier finden alle Sekten und alle Kulte ihr gemütliches Auskommen. Endlich können sich Welterlöser und Satanisten zusammenschalten. Kein Wunder, dass in solchen über den ganzen Globus verteilten Gruppen die Paranoia nistet und dass die Verschwörungstheorien unter ihren zahllosen Adressen blühen und gedeihen. Da kein Zentrum vorhanden ist, kann sich jeder einbilden, er befinde sich, wie die Spinne in ihrem Netz, im Mittelpunkt der Welt. Kurzum, das interaktive Medium ist weder Fluch noch Segen; es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab.

 

Veröffentlicht unter: Politik, Internet, Risiko

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (59)
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Pruuuust. Also hatten auch Sie...

Pruuuust. Also hatten auch Sie Ihre faszinierende Begegnung mit allen Verschwörungstheoretikern des Netzes. Heisser Stoff - und einer von vielen Gründen, prinzipiell an der Vernunftbegabung des Menschen zu zweifeln. Zum Thema, und das ist uralt. Hätte das funktioniert, würde auch heute noch die katholische Kirche gerne die strikte Kontrolle über alle Arten von Schriftstücken ausüben. Um gütig und weise zu entscheiden, was davon ihren armen anvertrauten Seelen zugemutet werden kann. Selbstverständlich nur in deren Interesse. In Wirklichkeit hat das Internet auch keine völlig neue Situation gegenüber der mechanischen Vervielfältigung geschaffen, nur die Umlaufgeschwindigkeit ist höher geworden. Und noch immer reagieren Autoritäten nervös auf unkontrollierbaren Meinungsfluss. Heute allerdings auch deshalb, weil es im Zuge des modernen "Es muss für alles einen Schuldigen geben" nur allzuleicht passieren kann, dass sich ein demokratrischer Politiker (aka "Fürst" im Volksbewusstsein) an den Pranger gestellt sieht, weil er den Meinungsfluss an einer bestimmten Stelle nicht unterbrochen hat ... Gruss, Thorsten Haupts

0 anderer.bAehring 29.07.2011, 14:22 Uhr

Wie wäre es zur abwechslung...

Wie wäre es zur abwechslung mal, wenn die Staatsanwaltschaft/Polizei im OLG Bezirk Frankfurt/Main endlich mal zu arbeiten anfängt statt die Bürger um 2000 Euro die Woche durch Untätigkeit zu schädigen.

0 Krischan Piepengruen 29.07.2011, 15:43 Uhr

Sie fragen uns: "Wie steht es...

Sie fragen uns: "Wie steht es denn mit dem Beitrag von Zeitgenossen wie Roland Koch, Thilo Sarrazin, Henryk M. Broder und Ralph Giordano und vielen anderen zu dem geistigen Klima, in dem der Hass auf den Islam und die muslimischen Mitbürger so gut gedeiht?" Ich antworte Ihnen: Michael Klonovsky hat es in einem Zitat auf diesen Punkt gebracht: „Wie zuletzt die Sarrazin-Debatte gezeigt hat, besteht die zentrale Mission der meinungsbildenden Medien dieses Landes darin, den Leuten ihre Alltagserfahrungen auszureden.“

0 colorcraze 29.07.2011, 16:35 Uhr

Ja, der Enzensberger, der hat...

Ja, der Enzensberger, der hat seinen Verstand beisammen. Die Hinterbänkler, die nun nach Oslo ihre ollen Kamellen wieder vorzogen, weniger. "Es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab" sollte man sich übern Monitor nageln.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 29.07.2011, 17:21 Uhr

@Krischan Piepengrün: Ist...

@Krischan Piepengrün: Ist halt immer auch die Frage, für wie repräsentativ man solche Einzelerfahrungen hält. Ich zum Beipiel habe 14 Jahre lang in einem Multikultiviertel mit hohem Türkenanteil gewohnt, ich kenne das Themenfeld Integration also nicht nur aus der Zeitung oder aus Büchern. Muss aber sagen, dass sogenannte Russlanddeutsche und einheimische Asis mein Wohlbefinden dort stärker beeinträchtigt haben als Türken und Muslime von woandersher. Andere mögen abweichende Erfahrungen gemacht haben, was ich auch keineswegs bagatellisieren oder sonstwie abtun würde. Die schlimmsten xenophoben Umtriebe (ich sage nur: "national befreite Zonen") haben wir aber oft genug dort, wo der Ausländeranteil eh schon gering ist, wo also die Probleme entsprechend auch gar nicht so gigantisch groß sein können. . @anderer.bAehring: Ich stehe grad auf dem Schlauch, wa genau Sie meinen. . @ThorHa: Sie sagen es. (Über die konspirologischen Exkursionen kann ich nachher vielleicht noch ein bisschen plaudern).

Diese Tragödie sollte eine...

Diese Tragödie sollte eine Lehre für diejenigen sein, die die Realität nicht einsehen wollen und das zunehmende Unbehagen der Bürger wegen der ungeregelten Invasion aus nicht-europäischen Ländern ignorieren. Nur die Engstirnigkeit gewisser Politiker kann dieses Problem unterschätzen.

Einen Vorteil hat die...

Einen Vorteil hat die Höllenmaschine Internet immerhin: sie läßt alle Sichtweisen zu, hält sie zum Download vorrätig und ermöglicht dem Nutzer ein eigenes Bild ohne willkürlich zu selektieren. Man kann taz und Junge Freiheit, Indymedia und PI, Turkishpress und Gates of Vienna, Muslimmarkt und kath.net, SZ und Welt nebeneinanderher lesen, ohne daß der Bildschirm einen anschreit, zum Rassisten/Gutmenschen/... erklärt oder zur angeblichen eigenen Sicherheit aus dem Restaurant wirft. Und dann kann man selber differenzieren, was die meisten (Leit-)Medien nur sehr dürftig tun, auch wegen der oft nicht sehr breiten Erfahrungswelt oder der, sagen wir einmal, stark fokussierten politischen Weltsicht ihrer Autoren. Wieviele der einschlägigen Journalisten haben z.B. den Koran oder eine Hadithensammlung gelesen? Wieviele die Bibel oder Kant? Wieviele zählen Muslime, aufgeklärt oder schriftgläubig, zu ihrem Bekanntenkreis? Wer von ihnen hat ein echtes Verständnis der schönen wie auch der pechschwarz totalitären Seiten der islamischen Glaubensrichtungen, jenseits von Fremdenablehnung einerseits und Gutseinwollen andererseits?

0 BringFrieden 29.07.2011, 20:09 Uhr

Hilfe!...

Hilfe!

0 Specialkmilch 29.07.2011, 20:19 Uhr

Wie wäre es mit einem...

Wie wäre es mit einem "Internetführer- ähhh... surferschein"? Oder sollte in Schulen mehr Wert darauf gelegt werden, jungen Menschen den verantwortungsvollen Umgang mit sämtlichen (!) Medien näher zu bringen. Vielleicht sollten auch alles beim alten bleiben, der Polizeistaat wird's schon richten... Die alternative Lösung wäre eine selektive Auslese von "guten" und "schlechten" Menschen, aber das Thema hatten wir ja auch schon mal. Man sieht also wo solche Diskussionen hinführen. HP Uhl weiß halt auch kein Geheimrezept, aber irgendwas muss man ja sagen und versteigt sich dann eben in solchen Aussagen. Und irgendeiner muss ja als Sündenbock ausgemacht werden, warum also nicht das Internet. Das kann sich zumindest nicht wehren und man tritt damit niemandem auf die Füße. Politisch korrekt sozusagen... Schön, oder?

Maria 29. Juli 2011,...

Maria 29. Juli 2011, 19:54 Noch so jemand. Die ungeregelte Invasion der Marsmenschen ist also daran schuld, dass jemand massenweise Jugendliche der eigenen Ethnie umbringt? Kurze Gegenfrage - darf ich Sie ein bisschen killen? Ist ja entschuldigt - wegen massenhafter Invasion und so. Okay?

@Marco: Nur zu :-)....

@Marco: Nur zu :-).

Maria, schauen Sie sich die...

Maria, schauen Sie sich die Bilder aus Norwegen an, wie dort die vielen (liebenden) Menschen fassungslos vor der schrecklichen Tat eines verblendeten stehen.

Ne, ist schon klar! Das...

Ne, ist schon klar! Das Internet verändert die Menschen, nicht die reale Welt und die Erfahrungen welche gemacht werden. Habe ich kaum noch "Geld" um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dann ist das Internet verantwortlich, nicht die Politik und Unternehmen die Zeitarbeit und Lohndumping befürworten. Die einfachste Lösung für die Mächtigen der Welt, sperrt den Internetzugang für den Pöbel. Oder erhöht die Preise das nur noch die Elite den Internetzugang "bezahlen" können. Für Guttenberg kommt das zwar zu spät aber die Zukunft, entschuldigung Cukunft, sind ja noch ein paar Jährchen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 29.07.2011, 21:41 Uhr

@Maria: "Ungeregelt" ist da...

@Maria: "Ungeregelt" ist da nicht mehr viel, die Zahlen sind ja überdies seit Jahren rückläufig, es werden auch mehr Menschen abgeschoben als früher. Und trotzdem bin ich in einem Punkt bei Ihnen: Ich denke, es war schon ein politisches Versäumnis, existierende Integrationsprobleme lange nicht beim Namen zu nennen aus Sorge, man könnte damit den falschen Leuten Wasser auf ihre xenophoben Mühlen geben. Hätte man sich diesem Problem mutiger und zeitiger gestellt, könnten sich gewisse Leute heute nicht als vermeintliche Tabubrecher gerieren mit Stammtisch-Phrasen à la "das wird man doch mal sagen dürfen".
.
@corax: Eben! _Den_ Islam gibt es sowieso nicht. Und vergessen wir auch nicht, dass die Werke von Aristoteles, Plato und anderen griechischen Denkern für das Abendland verloren wären, hätten sie nicht in arabischer Übersetzung bis zum Ende des dunklen Zeitalters überdauert. Ich nutze die Gelegenheit, der werten Leserschaft die Aufsätze von Abdelwahab Meddeb in "Lettre International" über die geistigen Beziehungen zwischen Orient und Okzident anzuempfehlen. Damit würde ich eher anfangen als mit dem Koran, dessen Gliederung und Inhalte sich zum Teil nicht so ohne weiteres erschließen. Die übersetzten Hadith-Sammlungen sind da schon leichtere Kost. Spannend auch, wie sich die muslimische Welt die Endzeit und den Kampf gut gegen böse vorstellt, da wird es manchen westlichen Leser überraschen, dass auch die Muslime die Wiederkunft Christi erwarten (und zwar in Damaskus, soviel sei andieser Stelle verraten).

0 Cantakukuruz 29.07.2011, 22:49 Uhr

Es braucht keinen Magnus...

Es braucht keinen Magnus Enzibenzi, um daraufzukommen, daß für das Internet gilt: "Es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab", und daher auch, daß es die elektronische Variante der Bibliothek von Babel des Jorge Luis Borges darstellt, mit allem Sinn und Unsinn, der gedacht wird und gedacht werden könnte, allen Theorien und ihren Widerlegungen, allen Weisheiten und Torheiten, allen falsch und richtig geschriebenen Namen und - da wird die Sache bedenklich - allen Mystifikationen und allen Demagogien. Darin multipliziert es das Wirkungsprinzip der Religionen. Daß die Offenbarungsreligionen mit ihrem Zirkelschluß, die jeweils Heiligen Bücher seien ja von Gott oder Allah oder Jahve geoffenbart und deswegen wahr, und weil sie wahr seien, müßte doch ihre Behauptung stimmen, sie seien geoffenbart - "Der Gott lügt nicht" - immer noch eine Menge Schafe in ihren Pferch treiben, ist mißlich und widerlegt Enzensbergers These eklatant. Es braucht auch keinen Dawkins und keinen Yallop, um zu merken, daß ein ethisch vertretbares, gewaltarmes Zusammenleben der Menschen auch ohne einen Offenbarungsgott auskommt, dessen Anhänger die einzig wahre Wahrheit besitzen und daher autorisiert sind, auch wenn sie es nicht immer tun, jene anderen, die verblendeterweise eine andere Wahrheit besitzen, möglichst rasch und möglichst vollständig auszurotten. Denn sonst würden ja die wahren Gläubigen von den Ungläubigen ausgerottet, und solcher Bedrohung muß man doch zuvorkommen, nicht wahr? Zu diesem Thema ist die Lektüre des Alten Testaments oder das Studium der Spätantike mit ihren Glaubensspaltungen, Häresien, Sekten, Propheten und Kirchenlehrern durchaus zu empfehlen. Schon damals haben Arianer und Orthodoxe einander freudig im Namen der Nächstenliebe abgeschlachtet, wenn sich die günstige Gelegenheit ergab. Auch die Geschichte der Waldenser liefert schöne Beispiele mordender Nächstenliebe. Warum also sollen protestantische und katholische Iren, muslimische Albaner, orthodoxe Serben und katholische Kroaten, friedliche Hindus und die ebenso friedlichen muslimischen Bengalen nicht ein Gleiches tun? Ein Plädoyer gegen jeden Offenbarungsaberglauben, in dem für Fundamentalisten (fast) alles begründbar wird, weil sich die Offenbarungen jedweder Herkunft ausgiebig selbst widersprechen, darf nicht verwechselt werden mit Xenophobie, wie dies in der Migrationsdebatte andauernd geschieht: Man kann gegen den Islam, nicht nur den rabiaten fundamentalistischen, auch einen zivilisatorisch gemäßigten sein, gleichzeitig gegen die katholische Kirche, nicht nur ihre pädophilen Priester, und drittens gleichzeitig gegen die totalitäre Intransigenz der jüdischen Orthodoxie, unter der nicht nur Palästinenser, sondern auch die intelligenteren Israelis leiden - und man muß deswegen nicht xenophob sein. Ob die Wiederkunft Christi in Damaskus, in Salt Lake City oder Jerusalem stattfinden wird, darüber dürfen sich die Abergläubischen jedweder Art streiten. Aber bei der Austragung solchen Streits soll die Anwendung von Messern, Schußwaffen oder Sprengstoff strikt untersagt sein.

0 VideoMeliora 30.07.2011, 03:41 Uhr

Sie halten PI für...

Sie halten PI für gefährlicher als "Mein Kampf"? Ich frage deswegen, weil alle antisemitischen Parolen, die der Öffentlichkeit in den letzten Wochen bekannt wurden, aus dem Milieu der Linkspartei kamen. Natürlich abgesehen von der Hamas, dem Iran und der Hizbollah.

0 detlef.weise 30.07.2011, 04:18 Uhr

@ Marco Settembrini di...

@ Marco Settembrini di Novetre: das dunkle zeitalter war gar nicht so dunkel - so viel zur verteidigung des europäischen mittelalters. aber wo sie recht haben, haben sie recht - wir haben den arabern nicht nur in den naturwissenschaften viel zu verdanken.

0 schurkensalat 30.07.2011, 05:52 Uhr

Wie Sie auf Ralph Giordano als...

Wie Sie auf Ralph Giordano als politischen Klimasünder kommen, ist mir schleierhaft: Gerade er hat seinen Kompass kompromisslos auf die ungeteilte Humanitas gestellt und tritt fortwährend ganz eindeutig für Demokratie und Meinungsfreiheit ein.

Der Hexenhammer, ein Buch aus...

Der Hexenhammer, ein Buch aus der Frühzeit des Mediums Buchdruck, wurde in hoher Auflage in ganz Europa verbreitet. Das Buch hat einen erheblichen extrem negativen Einfluss gehabt auf die Gesellschaft seiner Zeit und ist zweifellos mitverantwortlich zu machen für die grausame Epoche der Hexenverfolgungen, die nicht zuletzt durch den Jesuitenpater Friedrich Späh gestoppt werden konnten. Dieses Buch zeigt, welch gefährliche Nebenwirkungen mit der Einführung neuer Medien einhergehen können. Die Geschichte der Hexenverfolgungen und die Rolle, die dieses unselige Buch "Der Hexenhammer" dabei gespielt hatte, zu studieren, kann einen guten Beitrag dazu leisten, sich gegen Erscheinungen wie die mindestens ebenso unselige Internetseite "Poltically incorrect" zu immunisieren. Leider dürfte jedoch auch das Studium der üblen Auswirkungen des "Hexenhammer" nur einen begrenzte aufklärerische Wirkung zeigen. Schließlich werden selbst heute, 500 Jahre später, noch Bücher in ähnlichem Stil veröffentlicht und finden beängstigend weite Verbreitung, wie das Beispiel "Deutschland schafft sich ab" zeigt!

Das wesentliche Problem der...

Das wesentliche Problem der westlichen Gesellschaften in Verbindung mit der sogenannten "Aufklärung" ist doch, dass dieses nur nach innen hin funktioniert. Wieso behauptet die westliche Welt "aufgeklärt" zu sein, obwohl Milliarden von Menschen andere Lebens- und Verhaltungsweisen, sowie differenzierte Werte und Normen besitzen? Wer entscheidet hier über "richtig" oder "falsch"? Medien, Macht und Geld? Denk- und Lebensweisen sind doch jedem Individuum selbst überlassen. Wieso soll sich also beispielweise eine Frau, die aus voller Überzeugung eine Kopfbedeckung trägt nicht emanzipiert oder unterdrückt sein? Leider findet diese Denkweise, der ich mit zigtausenden Gegenbeispielen entgegenkommen könnte, tägich Anwendung. Natürlich gibt es wieder Einzelfälle, die das Gegenteil beweisen, aber wo gibt es diese nicht? Das große Problem des "Islam" is es, ähnlich wie es die US-Amerikaner tun im Namen der ihrer Religion Morde zu begehen um das Öl-Geschäft kontrollieren zu tun, von verschiedenen kulturen und Personen für eigene zwecke missbraucht zu werden. Der sogenannte Dschihad, Familienmorde und sonstige nicht-islamische Verbrechen werden leider unter dem Deckmantel "Islam" missbraucht. Welche Religion oder halbwegs humane Denkweise legitimiert ein solches Verhalten? Keine.Genauso, wie ich Kindesmissbrauche von katholischen Priestern nicht dem christlichen Glauben zuordne, sollten diese Aktionen auch nicht dem Islam zugeordnet werden. Leider fehlt hier die Eigeninitiative der einzelnen Mitmenschen, um sich eine eigene Meinung zu bilden, frei von unmenschlichen Stereotypen und Vorurteilen -möglicherweise bleibt dies vorerst eine Utopie und das Internet ist mit Sicherheit keine Hilfe für diese Utopie.

0 perfekt!57 30.07.2011, 07:32 Uhr

danke, dass er sich der mühe...

danke, dass er sich der mühe unterzogen hat, auch für uns mit sozusagen. . wir wüssten übrigens eine ziemlich wünschenswerte karriere für ihn: bundesinnenminister. so wahr uns gott helfe, es bleibt dabei.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 30.07.2011, 08:31 Uhr

@cantakukuruz: Sie haben...

@cantakukuruz: Sie haben recht, dass Islamkritik und Xenophobie nicht dasselbe sind, aber gerade bei den weniger qualifizierten Meinungbeiträgen (etwa in den Kommentarsektionen von PI) ist die Schnittmenge nun mal leider recht hoch. Und richtig, die Bekehrung mit Feuer und Schwert war keine Erfindung von Mohammed und seinen Anhängern. Ich sage nur: "Tötet sie alle, der Herr wird die Seinen erkennen." . @VideoMeliora: Da muss man mich schon willentlich missverstehen. Ich sage nur, dass mit PI längst nicht alles in Butter ist, nur weil man sich stramm israelbegeistert gibt. Sind Araber (inklusive der Palästinenser) nicht auch semitische Völker? Ich schreie jedenfalls nicht gleich "struktureller Antisemitismus", wenn jemand behauptet, das Leitzinsniveau wäre zu hoch. . @schurkensalat: So richtig in die Reihe passt Giordano nicht, aber im Streit um die Kölner Moschee habe ich mich über einige seiner Ausagen doch sehr gewundert. . @detlef.weise: Ich bin kein Historiker, und wahrscheinlich ist die Einteilung eh schon lange überholt, aber ich hatte das dunkle Zeitalter auch weniger im Hoch- oder Spätmittelalter verortet, sondern ganz traditionell in der Zeit nach dem Ende des römischen Imperiums und der Völkerwanderung. Das Mittelalter ist uns in vieler Hinsicht näher als wir gemeinhin glauben, und die schlimmsten Exzesse mit Hexenverbrennungen etc. kamen ja erst zum Beginn der sogenannten Neuzeit auf.

0 Kimble2001 30.07.2011, 10:01 Uhr

..., dass Nazivorwürfe da...

..., dass Nazivorwürfe da vordergründig nicht so recht passend scheinen ? Zu dem (auf Politically Incorrect erschienenen) Artikel: "200 linke Feiglinge vertreiben 20 Rechte" in dem linke Demonstranten als rote SA bezeichnet werden schreibt ein Leser den folgenden Kommentar: #1 joghurt (30. Jun 2011 22:17) Diese rote SS bekommt offenbar augenzwinkernde Unterstützung von der Polizei. Da tun sich Abgründe auf. Das geht einem anderen Leser der den bezeichnenden Namen fundichrist trägt zu weit #18 fundichrist (30. Jun 2011 22:52) Bitte nicht den Begriff ” SS “verwenden,davon ist dieses Pack meilenweit etfernt. Zutreffender ist der Begriff SA .War die SA doch eine Zusammenrottung von arbeitlosen Kneipenschlägern und gescheitertem Präkäriat,das nichts besser konnte als in der Masse seine” Überlegenheit” hilflosen Minderheiten gegenüber ins Gesicht zu treten. Der Wurmfortsatz bildet eben jenes Pack das in den Stiefelspuren seiner Vorgänger die besten Beispiele findet,Reichschritallnacht und Progromstimmung. -- zu lesen hier: http://www.pi-news.net/2011/06/200-linke-feiglinge-vertreiben-20-rechte/

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 30.07.2011, 11:35 Uhr

@Kimble2001: Irgendwie...

@Kimble2001: Irgendwie langweilt mich diese "Spot-the-Nazi"-Gameshow ohne Ende. Godwins Gesetz wird da derart übererfüllt, dass so betrachtet auch Josef Stalin, Pol Pot und Idi Amin als Supernazis zu gelten hätten. Was diese Leute immer vergessen, dass mit jedem in Richtung des politischen Gegners deutenden Zeigefinger immer auch drei Finger auf einen selber zeigen. . @Anonymus: Ich kann Ihnen da nur beipflichten. Man muss schließlich auch sehen, dass die ach so aufgeklärte weiße Mehrheitsgesellschaft nicht dagegen gefeit ist, strukturelle Rassismen zu produzieren und andere auszugrenzen. Wenn man über Integrationsdefizite sprechen will, darf man auch diese Seite der Medaille nicht übersehen. Mir waren diese Mechanismen auch nicht immer so deutlich bewusst, in der Nachbarschaft meines Privatblogs gibt es aber eine interessante Seite, die ich hier einmal ausdrücklich empfehlen möchte (auch wenn das nicht heißt, dass ich mit den dort dargebotenen Inhalten und Sichtweisen immer konform gehe): http://andersdeutsch.blogger.de

"Da braucht man auch gar nicht...

"Da braucht man auch gar nicht wie der Unionspolitiker Uhl das Internet pauschal als Mittäter in Sippenhaft nehmen, wenn man die politischen Klimasünder auch genauer identifizieren und nennen könnte. Wie steht es denn mit dem Beitrag von Zeitgenossen wie Roland Koch, Thilo Sarrazin, Henryk M. Broder und Ralph Giordano und vielen anderen zu dem geistigen Klima, in dem der Hass auf den Islam und die muslimischen Mitbürger so gut gedeiht?" Schuppdiwupp werden Zeitgenossen wie Roland Koch, Thilo Sarrazin, Henryk M. Broder und Ralph Giordano und viele andere vom Autor in den Suppen- topf zum subtil-unterschwelligen Köcheln seiner Internet-Brandstifter-Eintopf- Suppe gestopft und wuppdischwupp ist die fürs kulturelle Internet-Aufpäppeln ungenießbare schwarzbraune Suppe fertig. Damit schon beim 1. Suppenlöffel die geschmacklich untereinander nicht zu vereinbarenden und wechselseitig bis zum Brechen Abneigungs-Allergien auslösenden Zeitgenossen den Internet-Schönschreib-Kommentar-Lesern hochkommen sollen bis zum Erbrechen. Den Intrenet-Katalysator (das Brechmittel) zur Auslösung dieses gehässigen und höllischen Brech-Reizes gibt der FAZ-Kommentator di Novetre unter dem Mogeltitel der Hass-Abwiegelung zugunsten der islamreligiös Querdenkenden. Um aus Anlass eines spinnerten norwegischen Massenmörders blogg-hinterhältig einen Keil in die deutsche konservativ sich gebende Gesellschaft zu treiben, die ohnehin schon untereinander unversöhnlich aufgespalten ist. Während sich die norwegische Gesellschaft aller Klassen und Denke versöhnlich in offener Solidarität im Gedenken an die Opfer und das natianale Ganze die Hände reicht und ihre gesellschafts-politischen Feindbildvorstellungen in den Meinungsspalten begräbt, um diese anlässlich des Grauen-Trauerfalls zu überbrücken. Statt sich wechselseitig national zu zerfleischen über den offenen Opfergräben, wie es sich für das deutschen Gutmenschentum geziemt, an dem die ganze Massenmörder-Welt genesen soll. Weil deutsches Gutmenschentum sich außerordentlichen eigenen Massenmörder- Expertentums berühmen kann. Um über fremdes Massenmördertum experten-gutachterlich besonders oberlehrerhaft-effektiv jetzt berichten und richten zu können. Wenn einen Grund zum Einschreiten gegen „Politically Incorrect"die Behörden bislang nicht erkennen können, dann wird das seinen guten rechtsstaatlichen Grund haben. Keinen Grund hat dann „ein Sammelbecken einschlägiger political Correctness-Strömungen“ der romantisch gestörten, Realitäts-Wahrnehmungen, unterschwellig das Internet zum „Einschreiten“ so wie hier zu missbrauchen. Als hätte man die behördlichen und richterlichen Macht-Kompetenzen übernommen, um durch öffentliche Prangerstellung u.a. der hier namentlich benannten Personalien Scherben-Urteile ohne rechtsstaatliche Gerichtsverfahren fällen zu dürfen. Das ist volksverhetzende Amtsanmaßung zur Vogelfrei-Erklärung von gesellschaftlich besorgten Mitbürgern. Die hier zu Hass- und Feinbild-Karikaturen skizziert und in eine extrem-politische Einheits-Zwangsjacke ge-Press-t werden. Obwohl ihre geistigen Strömungen wie die Faust aufs andere Auge passen. Wehret also den wahrhaftigen scheinheiligen Internet-Press(alien)Brandstiftern der Defätisten – Volksaufspalter und Islam-Haarspalter und Religions-Kultur-Revolutionäre. Die Seite PI ist ohnehin leicht von Aufhetztrojaner aus gewissen Multikulti-Kreisen zu unterwandern, um die gehässigen und zu Gewalt aufreizenden Kommentare einzubloggen, die dann die Alibifunktionen für die Gewaltanreiz-Anklagen übernehmen können. "Geistes-Strömungen", die in den 68er Jahren mit hinterhältigen Pflastersteinwürfen schon die Meinungsbildung mani-pulieren wollten, werden nach den Gesetzen der "Eugenik" auch nicht die manipulative Taktik aufgeben, mit Internet-Trojaner-Gewaltaufruf- Blogg-Einwürfen die Meinungsbildung u.a. über die Site PI zu manipulieren. gez. Nestbeschmutzer-Whistleblower

@Marco: Mit dem Artikel haben...

@Marco: Mit dem Artikel haben Sie sich ja was schönes eingebrockt :-). Eigentlich können Sie - für Veröffentlichungen typisch - nur hoffen, dass sich die Leserschaft nicht verbreitert.

0 Multikulti-Gutmensch aus dem Inet 30.07.2011, 14:13 Uhr

Ein Internet haben diese...

Ein Internet haben diese Herrschaften hier aber nicht benötigt: http://www.n-tv.de/politik/CSU-heizt-Migranten-Debatte-an-article1824041.html Zitat: Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte schon in seiner Eröffnungsrede die Stimmung entsprechend aufgeheizt: "Deutschland ist vom Christentum geprägt, nicht vom Islam." Somit, so Dobrindt, sei das Christentum "unsere Leitkultur". Besonders scharf schoss Dobrindt gegen die Integrationspolitik der Grünen. Wenn diese so weitermachten, dürften sich die Wähler nicht wundern, "wenn sie bald ein Minarett im Garten stehen haben". Etwas anders drückte es Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Gastrede bereits am Vortag aus: "Wir waren die ersten, die gesagt haben: Multi-Kulti ist gescheitert."

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 30.07.2011, 14:46 Uhr

@Querdenk: Was Sie da alles...

@Querdenk: Was Sie da alles reinlesen. Und klar, die Hasskommentare auf PI & Co. stammen ja alle ja nur von linken Gutmenschen, die das Portal in ein schlechtes Licht rücken wollen. Dann fragt man sich aber, warum die Administratoren sowas nicht konsequenter löschen. Anyway, meine Erfahrung lehrt, das Debatten mit Zeitgenossen, die das Feindbild "Gutmensch" pflegen, nur begrenzten Erkenntnisgewinn bringen. Deswegen überlasse ich die Antwort einem Bloggerkollegen, der bei Deus ex Machina auch sehr lesenswerte Geschichten beigesteuert hat: http://www.malte-welding.com/2011/07/26/liebe-schlechtmenschen/

Lieber Marco, habe mich bis...

Lieber Marco, habe mich bis jetzt aus der Diskussion rausgehalten. Mir fehlen wegen des Attentats immer noch die Worte. . In den letzten Jahrhunderten haben "zornige junge Männer", die ebenfalls zu viel alleine waren und sich aus Hass gegen alles Mögliche als misogyner Mammista in ihrer Dachkammer komisches bis brutales Zeug ausgesponnen haben, von aufhetzenden Büchern angetan. Jetzt finden verkopfte junge Männer, die viel zu viel alleine sind und keinen haben, der sie an ihren spinnerten Ideen ernsthaft spiegelt und wieder zurück auf den Boden holt (erdet), den Hetzkram im Netz. Irgendwer vielleicht hier, der immer noch Bücher pauschal verdammen will und sie als Natterngrube der Apokalypse sieht? . (War eine andere Sache mit Kairo diesen Frühling, das hat mich begeistert.) . Was das Internet der wohlhabenden Staaten mittlerweile wirklich ist, jenseits der politischen Spinner zwischen Sturm und Drang und Terrorismus: eine Art komische elektronische "Gelbe Seiten". . Bei denen in den Anfängen Idealisten in karierten Hemden an Unix-Kisten glaubten, dass es der Hort einer neuen demokratischen Gemeinschaft würde. Es ist jedoch zur "Geldverdien-Idee" geworden, an die sich der kleine Mann immer noch klammert. Weil es ihn im echten Leben schon hinauskatapultiert hat. . Das Netz ist ein "Hort", in dem es sich Geschäftemacher mittlerweile genauso wie im echten Leben eingerichtet haben: Wenige verdienen dran, aber die meisten kriegen da drin keinen Fuß hoch. Weil ihnen es an Know-how und Momentum und auch: guten Gedanken fehlt: Millionen an Sites, die herumgammeln. Die keiner aufruft, weil sie in den Tiefen der SEO-optimierten Welt keine Chance haben. Die schlimmerweise oft genauso schlechten Kontent haben wie die nach vorne gepushten Müll-Sites. . Blöd halt bei der Geldverdien-Natterngrube für die Rabattkameraden, dass sich da drin zusätzlich Spinner in Echtzeit zu ihren Höllentaten verabreden können und Portalbetreiber (was sind das für Menschen, wer sind sie und warum machen sie das?) diese Spinner mutwillig einsammeln und mit gefährlichen Halbwahrheiten & Gesinnungen vollträufeln. Das haben die Schreiber kruder Bücher und Hetzbücher von früher dann doch nicht geschafft: nicht nur den Zornigen das Gehirn verdrehen in langen Nächten, sondern ihnen auch noch zusätzlich als Portal, Kurier, Telefon und Selbstdarstellungsfläche zu dienen. . Das wirklich Schlimme ist, dass in der "bürgerlichen Mitte" ähnliche Halbwahrheiten wie in den Spinnportalen geglaubt werden. . Es sind diese: "Endlich sagt das mal einer" und "Das wird man doch mal sagen dürfen"-Leute, die den Sarrazin-Bodensatz dazu bereiten, dass junge Männer (ja auch Frauen, aber weniger) sich so sicher fühlen, im Besitz aller heiligen Wahrheiten zu sein und Kinder morden zu dürfen, um "einen Staat zu retten". Jeder Schläger in der Ex-DDE, der prügelte und Asylantenheime anzündete, fühlte sich ähnlich gefährlich sicher von einer Bevölkerung gedeckt und durch sie ins"Recht" gesetzt, die insgeheim auch so dachte. Warum fällt mir nur immer Oscar Maria Graf ein: "Unruhe um einen Friedfertigen" http://www.lesekost.de/deutsch/by/graf/HHLBYG05.htm . Ich würde gern sagen: Macht das verdammte Internet zu! Aber dann fällt mir wieder Kairo ein. Und ich krieg ein Ziehen in der Herzgegend.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 30.07.2011, 17:01 Uhr

@Vroni: "Das haben die...

@Vroni: "Das haben die Schreiber kruder Bücher und Hetzbücher von früher dann doch nicht geschafft: nicht nur den Zornigen das Gehirn verdrehen in langen Nächten, sondern ihnen auch noch zusätzlich als Portal, Kurier, Telefon und Selbstdarstellungsfläche zu dienen." . Guter Punkt. Von der Warte aus kann man natürlich so eine Art Komplizenschaft des Netzes konstruieren. Aber das ist mir auch wieder zu apokalyptisch gedacht. Auch wenn ich die großen Heilserwartungen nie geteilt habe, von wegen das Internet würde mehr politische Mitbestimmung und direktere Demokratie bringen, sehe ich schon auch das aufklärerische Potenzial. . Übrigens war ich zu Studizeiten tendenziell selber so drauf, mich über Büßer, Müslis, Gutmenschen und political correctness in meinem Umfeld zu mokieren. Aber das war in den späten 80ern, lange vor Mölln, Rostock, Solingen und Hoyerswerda. Ich bin auch heute nicht so der Lichterketten-Typ, aber zumindest verdanke ich dem Internet manche Anregung, mich mal mit critical whiteness und den ganzen Alltagsrassismen zu befassen, die man selber (z.T. ohne es eigentlich zu wollen) reproduziert. Oder nehmen wir die Frauenfrage. eine EMMA hätte ich wohl allenfalls im Wartezimmer zur Hand genommen, wenn gar nichts interessantes zu lesen da wäre, aber in Blogs wie maedchenmannschaft oder das genderblog stöbere ich schon mal rum. Wie übrigens auch bei diversen obskuren Angeboten, welche die Neue Weltordnung kommen sehen oder Meinungsfreiheit für Reinhold Zündel fordern. Wenn ich mich immer nur im Resonanzraum meiner eigenen Einstellungen und Wertvorstellungen bewegen würde, wäre mir schnell langweilig.

Lieber Marco, " ...aber in...

Lieber Marco, " ...aber in Blogs wie maedchenmannschaft oder das genderblog stöbere ich schon mal rum." . Soho ist das also. :-) . „Komplizenschaft des Netzes“: Klingt wie süffiges Editorial. Lehne ich aber streng wegen Unschärfe und Verschleierung ab. Das Netz ist ein Gegenstand. Ein Gegenstand kann nicht Komplize sein, sondern nur der Mensch kann das. Die Idee, das Netz zu verteufeln, ist, damit man nicht Tacheles über die Menschen reden muss, die rechten Populismus und Irrsinn veranstalten. . Der Schuster aus der Geschichte von Oscar Maria Graf will sich bis zum Schluss aus allem raushalten. Am Ende wird ausgerechnet er, der zart feige Friedfertige, zuerst gemobbt, dann gelyncht. Seien wir also nicht so verschoben-friedfertig, das Netz zu einer handelnden Person zu verklären. Es ist keine. Man sollte den Spin Doctors des Irrsinns an den Kragen. . Und ja, ich bin der Meinung ähnlich wie Schirrmacher, dass die anonyme, entfremdete Echtzeitkommunikation etwas mit uns macht. . Oft nix gescheites. Genau wie du bin schon überall gewesen im Netz, nix hochgeistiges und nix verblödetes Menschliches war mir da fremd. Nur: es ist zwar oft interesant (manchmal auch sternhagelblöd), aber immer: Verkopfung. Das Netz nährt, vor dem Rechner sitzend, nur den Kopf. Nicht die Seele. Das ist unser modernes faustisches Problem. Bairisch spoken: A mancher hälts aus. Wie du oder ich (aber wir werden immer verkopfter und kälter). Und a mancher kommt darin um. Schirrmacher, übernehmen Sie.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 30.07.2011, 19:19 Uhr

Liebe Vroni, auch auf die...

Liebe Vroni, auch auf die Gefahr hin, ein wenig Richtung Eso zu driften: Wissen wirs denn genau und gesichert, dass das Netz _nur_ ein Instrument ist? Vielleicht ist da doch noch ein bisschen mehr - zumindest in dem metaphorischen Sinne, wie Kevin Kelly das Technium als eine Art Wesen beschreibt. Oder als Verstärker für morphische Felder. Aber ganz bodenständig betrachtet hast Du natürlich recht, von Mittäterschaft des Netzes zu fabulieren ist eine Nebelkerze, um von eigentlichen Verantwortlichen abzulenken. . Zum Thema "kälter und verkopfter", dagegen hilft mir kein Frank Schirrmacher, sondern eher mein sechsjähriges Töchterlein (und natürlich die beste Ehefrau von allen). Es hat auch seine Gründe, warum es mich immer wieder raustreibt zum Radeln: Beine auf Touren bringen und Kopf auf Stand-by schalten, da verblasst alles Geflimmer vom Monitor und alles Rumdiskutieren recht schnell. Gegen den Wind anzustrampeln, dabei hilft kein "wisdom of the crowd", und keine Follower schieben und ziehen Dich den Anstieg hinauf. . Vermutlich würde ich ohne diese hilfreichen Ablenkungen öfters mal nen veritablen Echtzeit-Rappel kriegen...

0 HansMeier555 30.07.2011, 23:07 Uhr

Hölle? Nein, einfach nur: Die...

Hölle? Nein, einfach nur: Die selbsternannte Kloake des Guten

@Vroni: TANSTAAFL. Gilt auch...

@Vroni: TANSTAAFL. Gilt auch fürs Internet. Dem von seinen Jüngern beschworenen Heil steht der von Konservativen beschworene Untergang als Preis entgegen. Letztlich ist das Internet - wie jedes gute Werkzeug - zum Guten wie zum Schlechten zu nutzen. Und wie jedes gute Werkzeug hat es natürlich eine Rückwirkung auf die Art, wie Menschen die Welt betrachten. Auch das ist nicht wirklich überraschend - jemand mit einer Spitzhacke und jemand mit einem Bulldozer betrachten ein abzureissendes Gemäuer unterschiedlich. Der eine sieht monatelange Arbeit, der andere die Unmöglichkeit, den Abraum schnell genug fortzuschaffen :-). Gruss, Thorsten Haupts

0 perfekt!57 31.07.2011, 10:45 Uhr

Danke für die Lesetipps,...

Danke für die Lesetipps, gerne genommen. "The Great Wall of Vagina" als Gegenwartsprojekt fanden wir recht interessant. Und eben auch den Report über "Schönheitschirurgie im weiblichen Intimbereich" "als Gegenwartstrend" - und wie Frauen dagen aufklärend wirken. (Viele scheinen sich selbst wirklich nicht so wirklich gut zu kennen oder einschätzen zu können.) . http://vimeo.com/4704237

Insgesamt ein schäbiger, ein...

Insgesamt ein schäbiger, ein denunziatorischer Artikel, der symptomatisch ist für linke Denkverbote und eine Rechthaber-Gesinnung, die auf jede Realität pfeift. Ich sehe Parallelen zum '"Neuen Deutschland" aus der real existieren DDR - ein nettes Vorbild. Da darf man sich ja auch mal fragen, wo und von wem solche Journalisten aufgerüstet werden zu den immer gleichen Empörungsritualen, die schon längst nicht mehr in die heutige Zeit passen. Traurig und lächerlich zugleich.

@Marco: Ich warte noch auf...

@Marco: Ich warte noch auf Ihre Plauderei re Verschwörungen. Würde ein mindestens amüsanter Abschluss der erfahrungsgemäss jetzt zu Ende gehenden Bloggespräche dieses blogeintrages, selbst der Don hält sein Publikum nicht länger an einem Thema ...

Lieber ThorHa, stimmt. Es ist...

Lieber ThorHa, stimmt. Es ist ein Werkzeug. . Viele sehen es jedoch nicht als reines Werkzeug, sondern als ein Geschöpf. Damit habe ich halt persönlich ein Problem. Der Diskurs übers Netz ist von diesem Geschöpflichen durchdrungen. Mit einem großen Vorteil: Wenn/Weil wir „den Moloch“, den unfertigen „Golem“ anklagen, können wir prima von eigenen Versäumnissen darin ablenken. . Es ist natürlich und menschlich, Dingliches zu vermenschlichen. Häuser, Bäume oder Zeichnungen wie dieser http://www.faz.net/m/%7B4D122166-6627-410E-9E3A-668ACE2BD4E7%7DPicture.jpg wird oft eine Seele zugetraut. Musik HAT eine. Aber das Netz? Es sind nur seelenlose Datenleitungen. Hat schon jemand sich über das Radio als Moloch aufgeregt? Wird damit doch genauso Müll, Unsägliches aber auch Schönes gesendet. Moloch aber ist nur das Unkontrollierbare. Damit sind wir dem Phänomen der übertriebenen negativen Verseelung schon schon näher: Keine Kontrolle zu haben. Das jagt uns Angst ein. Es muss logischerweise also ein Wesen sein. Es gibt Fuzzylogic, das aber ist Eso-Logik. Aus Angst. . Es sind die Menschen, die dieses Netz ausmacht. DEREN Verhalten ist durchschnittllich lobenswert oder schwierig. Das Netz hat kein Verhalten, keien Meinung. Es IST. Und weil das Netz als Darstellungsplattform Narzissmus und Selbstdarstellungssucht recht fördert (ähnlich wie das TV), sehen wir darin eben auch überproportional viele Selbstdarsteller. Das verzerrt negativ. Die im echten Leben genauso vorhanden sind, sich in unserer Wahrnehmung in der Gauß'schen Normalverteilung aufhalten. . Dieses, die verzerrt übermächtig wahrgenommen Selbstdarsteller, zusätzlich mit der zugegeben sehr menschlichen Neigung, dem Netz eine eigene Seele zuzuschreiben (oder die Ideologie der Schwarmintelligenz, die dem Schwarm eine eigene Meta-Existenz unterstellt) führt leider dazu, dass wir das Netz mit ziemlich verschobener Optik und immer nur schwarz-weiss sehen: . Entweder es ist ein „heiliger Gral“ oder anders: „ein Moloch“, oder gleich die Apokalypse persönlich. So kann man keinen rein-rationalen Diskurs führen, er wird immer wieder von „Religion“ und Angst durchdrungen sein. . Wir sind damit näher am Mittelalter als uns das lieb ist. Weil unsere menschliche Psyche mit der Technik nicht Schritt gehalten hat. Eine weitere Themenidee für „Deus ex Machina“.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 31.07.2011, 17:26 Uhr

@ThorHa: Um an der...

@ThorHa: Um an der Konspirologie nochmal anzuknüpfen: Eine Zeitlang hatte mich dieses Thema schon sehr in seinen Bann gezogen. Nicht unbedingt wie in dem Film "23", dass ich plötzlich überall das Walten der Illuminaten witterte - aber immerhin genug, dass auch heute noch oft genug die "Fnord"-Warnlampe angeht beim Sondieren der täglichen Nachrichtenlage. Ich sage aber auch ganz offen: Man begibt sich da auf abschüssiges Terrain und muss zusehen, dass man nicht den Halt des gesunden Menschenverstands und das kritische Denkvermögen verliert. Denn immerhin wird die Existenz von Bilderberger-Treffen oder des MK-Ultra-Programms der CIA heute nicht mehr offiziell bestritten, wo also verläuft jeweils die Grenze zwischen der beobachtbaren Realität und der Verschwörungstheorie (das große Fass 11.9. mache ich an dieser Stelle wohlweislich nicht auf)? . @perfekt57: Haben Sie auf dem genderblog das geniale Musikvideo "Stayathome Dad" gesehen? Das hätte vor Jahren meine Hymne werden können als meine Frau nach dem Mutterschutz wieder fulltime arbeiten ging und ich zum Hausmann/Homofficer umschulte. . @Bien: Kann mich nicht erinnern, Denkverbote ausgesprochen oder gar exekutiert zu haben. Wer muslimische Mitbürger als das Megaproblem schlechthin sehen will, denn kann und will ich davon nicht abhalten, das auch kundzutun. Aber meine Auffassung, das für falsch oder fehlgeleitet zu halten, ist nicht minder vom Grundrecht auf Meinungfreiheit abgedeckt.

0 HansMeier555 01.08.2011, 02:17 Uhr

Ja, so ein Internetblog bildet...

Ja, so ein Internetblog bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung der Teilnehmer ab. . Seitdem mir das vor ca. 10 Jahren klar wurde, mache ich mir keine Illusionen mehr. Aufklärung und Demokratie sind unmöglich. Ehrgeize, gut gemeinte Projekte, welche die Menschheit aber charakterlich und intellektuell weit, weit überfordern. . Seitdem sehe ich in einer gepflegten feudalen Ordnung und dem verordneten Katholizismus das kleinste Übel. . Ohne Internet hätte ich mich nie zu dieser Schlußfolgerung durchgerungen. An den Stimmtischen des letzten Jahrhunderts konnte man sich immer noch vorstellen, dass nur die eigenen Gesprächspartner dumpf und verbohrt sind, aber irgendwo anders im Verborgenden die klugen Geister leben: Die "aufgeklärten, mündigen Bürger" die von Demokratie sinnvollen Gebrauch machen könnten. . Aber nein! Die gibt es nicht, oder nur in homöopathischen Dosen, grade genug für eine allergische Abwehrreaktion des Volkskörpers. Das Volk ist wie ein Kind, es braucht Grenzen, und jetzt kriegt es die auch.

@Vroni: "Weil unsere...

@Vroni: "Weil unsere menschliche Psyche mit der Technik nicht Schritt gehalten hat." Wahr. Genausowenig übrigens, wie mit dem heutzutage als zumutbar betrachteten Veränderungstempo der eigenen Umwelt. Das mit technischem Fortschritt zusammenhängt und eine Umgebung von Eliten für Eliten geschaffen hat (Elite beschränkt sich hier auf geistige Beweglichkeit). Ich habe mich schon lange gefragt, wann die Immunreaktionen eintreten, sprich, wie lange sich der Otto Normalverbraucher eine ihn überfordernde Umgebung gefallen lässt. Ich meine klare Anzeichen dafür zu erkennen, dass diese Reaktion gerade einsetzt ... Gruss, Thorsten Haupts

@Marco: Die Grenze zwischen...

@Marco: Die Grenze zwischen echten und eingebildeten Verschwörungen verläuft für mich dort, wo die Verschwörungstheoretiker nicht hundertmal widerlegte Argumente zum hundertundersten Mal erneut auf den Tisch legen, um eine Verschwörung zu beweisen. Sondern sich auf Argumente einlassen, Aussortiertes in die Tonne treten und selber nur gelten lassen, was unwiderlegbar bleibt. MICH hat gerade 9/11 (im Nachgang zu ellenlangen Debatten mit Neonazis über den "erfundenen" Holocaust) zu einem entschiedenen Anti-Verschwörungstheoretiker gemacht. Die Erkenntnisresistenz gepaart mit dem nachgerade unverschämten Wiederaufwärmens des hundert Mal Widerlegten auch deutscher Proponenten (Bröckers, Wischiwaschnewski et al.) war und bleibt intellektuell empörend. Darüber hinaus spricht meine persönliche Lebenserfahrung in 99 von 100 Fällen, in denen finstere Machenschaften vermutet werden könnten, dafür, dass es sich um die übliche Mischung aus menschlicher Dummheit, organisiertem Chaos und unvollständiger Information handelt. Auf der Basis geht mir vermutlich der 1 von 100 Fällen durch, in denen es sich anders verhält. Aber da halte ich es mit den Amis - eine 90%ige Lösung ist hinreichend alltagspraktisch. Gruss, Thorsten Haupts

@Bien: Auf einen groben Klotz...

@Bien: Auf einen groben Klotz ... Die übliche Weinerlichkeit von Rechten, Rassisten und Idioten. Widerspruch = Denkverbot, lautet die aus der eigenen Empfindlichkeit gespeiste Parole. Die sich der Denkfaulheit und dem eigenen Unvermögen zu stringenter und nachvollziehbarer Argumentation verdankt. Also nichts anderes ist als ein Zeichen von Schwäche. TH

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 01.08.2011, 12:34 Uhr

@HansMeier555: Ich kann...

@HansMeier555: Ich kann nachvollziehen, wie man drauf kommt, dass ein gemäßigter Feudalismus mit einem guten Schuss Katholikentum die richtige Kur für divere gesellschaftliche Malaien wäre - allein, mir fehlt der Glaube, dass diese Medizin noch wirksam zu applizieren ist. Den Feudalismus 2.0, den ich kommen sehe, trägt kein Gottesgnadentum und kein Geistesadel, sondern allenfalls der schnöde Mammon, und die Kirche, die vermeintlich Alleinseligmachende, puh, das ist ein weites Feld. Ich habe als Ausgetretener mit Mühe ein paar Restsympathien für diesen Verein bewahrt, aber dass der hierzulande noch mal richtig was reißt, sehe ich irgendwie nicht (und bei der reformierten Konkurrenzveranstaltung übrigens auch nicht).

@Marco 01. August 2011,...

@Marco 01. August 2011, 13:34: Sie benennen exakt das Problem einer Refeudalisierung, die diesen Namen verdiente: Weder die Umwelt noch die Wertefundamente potentieller Fürsten wie Untertanen machen diese Aussicht chancenreich. Ich halte eine Neo-Feudalisierung auch nicht für unvermeidbar - die derzeit asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen globale operierendem Kapital und Nationalstaaten sind keineswegs in Beton gegossen, historisch betrachtet sind die letzten 2 Jahrzehnte Beispiele für nichts, wenn man an lange historische Entwicklungslinien denkt ...

@HM555: "Das Volk ist wie ein...

@HM555: "Das Volk ist wie ein Kind, es braucht Grenzen, und jetzt kriegt es die auch." Exakt der Grund, warum es Manager, Leiter, Anführer gibt. Sie erfüllen den notwendigen Job des Kindergärtners. Ihre zugespitzte Erkenntnis ist im übrigen der Grund dafür, dass ich Volksentscheide um so entschiedener ablehne, je älter ich werde. Schlimm genug, wenn Emotionen und Gefühle entscheidenden Einfluss auf unsere Anführer erhalten. Aber immerhin müssen sie heute noch durch den Filter, der auch für eine sprachliche Dämpfung sorgt. Ohne diesen Filter hätten wir die Leitartikel der BILD (oder der ZEIT, je nach Thema) in Form von Volksentscheiden, ungefiltert. Brrrrr ...

0 HansMeier555 01.08.2011, 14:16 Uhr

Don Marco, . derzeit erscheint...

Don Marco, . derzeit erscheint die R.K.K. als lahmer Haufen, aber das muss nicht so bleiben. Sie hat eine starke Marke, hunderttausend einzigartiger Backfiles und ein immer noch beeindruckendes Vertriebssystem. . Schon einmal schien sie am Ende zu sein, aber dann haben die Jesuiten und Habsburger sie noch einmal kräftig zum Leben erweckt. . Den (gemäßigten, europäischen) Protestanten geht es noch viel schlechter! . Was die RKK braucht, ist nur ein wenig Entschlossenheit, sie muß sich aus ihrem Angstkomplex lösen, in welchen sie Reformation, Aufklärung, Revolution, Raumfahrt und Gynäkologie versetzt haben. Alle diese Gegner sind in Wirklichkeit gar nicht so stark, sondern nur zeitweilige Prüfungen, die mal ihren Höhepunkt haben und dann wieder verschwinden wie die New Economy. . Die RKK muß nur ihre eigen Kraft erkennen, dann kann sie wieder ebenso stark werden wie im Mittelalter, wenn nicht noch stärker! . Was den Feudalismus anbelangt, so müsste seiner Renaissance freilich eine Bewußtsteinsbildung vorausgehen. Aber wir arbeiten ja daran! Wenn wir es wollen, ist es kein Traum.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 01.08.2011, 14:40 Uhr

@HansMeier555: Ich bin weit...

@HansMeier555: Ich bin weit davon entfernt, die R.K.K. vorschnell abzuschreiben. Ich glaube auch nicht unbedingt an die Prophezeiungen des Malachias, der nach dem jetzt amtierenden Oberhirten nur noch einen Nachfolger, einen Römer, kommen sah. Aber das Zeitalter der Fische geht unweigerlich vorüber und kommt nicht wieder. Was nicht heißt, dass das bestimmende Paradigma schlagartig wechselt, zu Lebzeiten des Nazareners und danach stand das Heidentum ja auch noch in voller Blüte. So gesehen ist die Kirche ein Faktor, mit dem auch in den nächsten 200-300 Jahren durchaus noch zu rechnen ist - falls nicht zwischenzeitlich ihr Stifter auf die Erde zurückkehrt und mit ein paar Überlieferungs-Irrtümern aufräumt. ;-)

0 Rolf Kranter 03.08.2011, 01:36 Uhr

Hassprediger von PI-news?...

Hassprediger von PI-news? Wahrscheinlich haben Sie da ein paar Koran-Zitate gesehen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 03.08.2011, 08:25 Uhr

@Rolf Kranter: Ich kann Suren...

@Rolf Kranter: Ich kann Suren von Tiraden durchaus unterscheiden, und so groß ist die Schnittmenge da auch nicht.

@Rolf Kranter: Die Beiträge...

@Rolf Kranter: Die Beiträge der PI-News sind bereits grenzwertig, weil Einzelbeispiele ohne weitere Begründung verallgemeinert werden. Die Kommentare allerdings sind nicht mehr grenzwertig, die sind zum Grossteil grenzdebiler, kleinkarierter Hass. Auf alles, was anders ist, als man selbst.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 03.08.2011, 13:14 Uhr

@ThorHa: Das deckt sich mit...

@ThorHa: Das deckt sich mit meinen Beobachtungen: Die Beiträge geben meist nur eine ungefähre Richtung vor, aber in den Kommentarspalten klirrt das verbale Reichskristall schon sehr vernehmlich, nur dass es diesmal nicht gegen Synagogen und jüdische Geschäfte geht, sondern gegen Moscheen und Dönerbuden. . Im Übrigen muss man ja auch nicht totschweigen, dass es islamische Hassprediger gibt. Aber mit der Überlegenheit der christlich geprägten abendländischen Kultur kann es nicht weit her sein, wenn da nur auf gleichem Niveau zurückgekeilt wird. Wie es um eine Mehrheitsgesellschaft bestellt ist, sieht man nicht zuletzt auch darin, wie sie mit Minderheiten umgeht. Und da sollte Saudi-Arabien mit seinem Kirchenverbot nicht unbedingt unser Vorbild sein oder den Vorwand liefern, genauso intolerant zu sein.

@Marco: Die...

@Marco: Die Unterlegenheitsgefühle der Bewohner einer offenen Gesellschaft gegenüber denen einer geschlossenen verstehe ich seit Jahrzehnten nicht. Die offene wird sich immer durchsetzen, wenn sie sich nicht selbst aufgibt und ihren Wertekern entschlossen verteidigt. Denken ist ein schleichendes Gift, das nicht verabreicht werden muss ...

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 03.08.2011, 21:30 Uhr

@ThorHa: Ich bin nicht sicher,...

@ThorHa: Ich bin nicht sicher, ob man das quasi als Naturgesetz postulieren kann. Wo genau sehen Sie denn Unterlegenheitsgefühle am Walten?

@Marco: Die grassierende...

@Marco: Die grassierende Islamophobie heute. Die Angst vor der japanischen MITI-Marktwirtschaft in den achtzigern. Die beständige Sorge, Chinas bisher (!) geglückte Verbindung von Diktatur und Marktwirtschaft könnte mehr Strahlkraft entfalten, als das Modell offener Gesellschaften. Die schnelle Bereitschaft westlicher Gesellschaften, nach geglückten oder fehlgeschlagenen Terroranschlägen Freiheitswerte dem eigenen Sicherheitsgefühl zu opfern. Etc. Wie lang soll die Liste werden :-)? In all diesen Entwicklungen spiegelt sich auch ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber einer geschlossenen Ideologie, für die vermeintlich Menschen masssenhaft zu sterben bereit sind. Die Verklärung von simplen Massenmördern (Selbstmordattentäter mit Bomben um den Bauch) zu "Widerstands"kämpfern weist in die selbe Richtung. Gruss, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 04.08.2011, 07:50 Uhr

@ThorHa: Ah, ich verstehe, was...

@ThorHa: Ah, ich verstehe, was Sie meinen. In puncto Japan, China etc. würde ich Ihrer Diagnose auch vorbehaltlos zustimmen, aber die Islamophobie passt nach meinem Dafürhalten hier nur bedingt in die Reihe. Angst ist da sicher auch im Spiel, aber nicht unbedingt Unterlegenheitsgefühl - sondern zumindest im innerdeutschen Rahmen eher Arroganz der Mehrheitsgesellschaft und deren Bestreben, die Privilegien der weiß-christlich geprägten "Normalbevölkerung" um jeden Preis zu verteidigen. Wobei ich freilich auch um die Schwierigkeiten weiß, diese Privilegien überhaupt als solche zu erkennen...

@Marco: "... Arroganz der...

@Marco: "... Arroganz der Mehrheitsgesellschaft ..." Das eine passt IMHO bruchlos zum anderen. Es ist keine Arroganz der Stärke, sondern eine der (gefühlten) Schwäche, das macht sie auch so schrill. Ich illustriere es mit einem Beispiel aus meiner Jugend: Jene aufgesetzte, zur Schau gestellte, Arroganz von Jungfrauen und Jungmännern, die als Maske dient, weil man als Mensch noch nicht bei sich selbst angekommen ist. Deutlich zu unterscheiden von der selbstverständlichen und viel leiser daherkommenden Arroganz desjenigen, der sich seiner selbst und seines Könnens (und Nichtkönnens) sicher ist. Die Islamophobie fällt nach meiner Beobachtung in die Kategorie "Arroganz als Maske für gefühlte Schwäche". Anders wäre ihre Vehemenz, ihre Giftigkeit und ihre Einseitigkeit schwer zu verstehen. Wäre die Gesellschaft sich ihrer selbst sicher, fiele die Arroganz anders aus - als einfach selbstverständliche Erwartung an den anderen, sich in Anerkennung der unbestreitbaren Überlegenheit der eigenen Lebensweise einzufügen. Für intelligente Menschen ist diese Art der Arroganz übrigens einfach unerträglich :-). Gesellschaftlich allerdings würde sie die Tonlage öffentlicher Debatten erheblich entschärfen. Gruss, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 04.08.2011, 11:51 Uhr

@ThorHa: So betrachtet hat Ihr...

@ThorHa: So betrachtet hat Ihr Erklärungsansatz einiges für sich. Ich sehe dahinter auf alle Fälle auch die vermeintliche Notwendigkeit, den anderen herunterzumachen, um selber besser dazustehen. Aber das steht zu Ihrer Diagnose ja nicht in Widerspruch.

Vielen Dank für den...

Vielen Dank für den spannenden Artikel! Ich muss zugeben, mich gerne in diesen düsteren Gefilden des Internets aufzuhalten. Verschwörungstheorien sind erschreckend und unsagbar lustig zugleich.

dichtete und vertonte in seinen sittlich desorientierten Jugendjahren Spottverse, deren Vortrag er mit der Mandoline begleitete.