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Noch einmal Kalorien – für alle

| 52 Lesermeinungen

Viele Menschen zählen Kalorien für sich selbst. Andere zählen, ob die Kalorien für alle reichen, und wer vielleicht zuviel davon hat. Reicht die Nahrung für alle in der Welt?

Viele Menschen zählen Kalorien für sich selbst. Andere zählen, ob die Kalorien für alle reichen, und wer vielleicht zuviel davon hat. Reicht die Nahrung für alle in der Welt?

Obwohl in westlichen Ländern fast jedes Lebensmittel mittlerweile mit Kalorien beschriftet ist, obwohl wesentliche Teile der Bevölkerung fleissig Kalorien zählen, bei der Aufnahme wie bei der Verbrennung, obwohl für manche Gruppen die Frage der richtigen Ernährung geradezu religiösen Charakter hat, werden wir im Durchschnitt immer dicker. Gemessen an einem Body Mass Index von 25 oder mehr, sind inzwischen 66 % der US-Amerikaner übergewichtig.

Bei differenzierter Betrachtung sind darunter sicher viele Personen mit nur leichtem Übergewicht, das man vermutlich genausogut als Normalbereich klassifizieren könnte, aber dennoch: 66 % sind eine beeindruckende Zahl, und in ihrem Kielwasser segeln beeindruckende Folgen, auch für die Gesundheitssysteme. Krankheiten wie Typ 2-Diabetes, Bluthochdruck bis hin zu Krebserkrankungen sind mehr oder weniger deutlich mit Ernährungsgewohnheiten und dem Gewicht korreliert und schon für die Gesundheitssysteme westlicher Länder eine Herausforderung. Viel gravierender sind die Folge in Schwellenländern – wie zum Beispiel in China.

Entgegen dem landläufigen Bild (Asiaten seien klein und zierlich) sind mittlerweile 26 % der Chinesen übergewichtig – im Vergleich zu weniger als 7 % in 1989. Ursachen dafür gibt es viele, die natürlich auch etwas darüber sagen, warum wir – im Durchschnitt – seit der Industrialisierung so zugelegt haben.

Studien zeigen, daß die Anzahl an verfügbaren Kalorien dramatisch gestiegen ist, ebenso wie die Dichte der aufgenommenen Ernährung (also mehr Fette). Gleichzeitig erfordern moderne Tätigkeiten häufig weniger Bewegung, zum Preisvergleich muß niemand mehr in den Supermarkt gehen, sondern nur noch ins Internet, auch Einkäufe und Sozialleben kann man erledigen, ohne auch nur die eigenen vier Wände zu verlassen und wo wir uns vor die Tür begeben, ist der Alltag motorisiert. Während unsere Eltern noch jeden Morgen 10 km mit dem Fahhrad zur Schule fuhren, sitzen die Kinder von heute im Bus. Und während die Bauern in China ihre Produkte zu Fuß zum Markt brachten, gibt es heute Autoscooter (deren Besitz korreliert übrigens auch mit Übergewicht).

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Das alles ist nicht schön, ganz besonders nicht für Chinesen und Mexikaner, deren Gesellschaften diesen Trend viel schneller nachvollziehen als unsere Gesellschaften, aber schockierend ist es nicht. Schockierend ist jedoch die Tatsache, daß es auf der Welt inzwischen mehr übergewichtige als hungernde Personen gibt – dabei sind die hungerneden Personen schon keine kleine Zahl. Eine Milliarde Menschen sind Schätzungen zufolge inzwischen übergewichtig – aber weniger als eine Milliarde (etwa 850 Millionen, oft auch „the bottom billion“ genannt) sind unterernährt. Mehr als doppelt soviele erleben regelmäßig Hungerperioden, sind aber wenigstens nicht chronisch unterernährt. Und noch eine Zahl: 17.000 Kinder sterben täglich (!) an Hunger und dessen Folgen – weil sie mit verlangsamter Entwicklung, geschwächten Immunsystemen und ihren mageren Körper n selbst gängigen Krankheiten weniger Widerstandskraft entgegenzusetzen haben.

Angesichts dieses Verhältnisses hört es sich sonderbar an, wenn der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns Syngenta erklärt, ohne Chemiekalien und genmanipulierte Nahrungsmittelsorten ließe sich die Weltbevölkerung auf Dauer nicht ernähren. Wenn es mehr übergewichtige als hungernde Personen gibt, scheint es vielleicht doch eher ein Verteilungsproblem zu sein? In der Tat gibt es genug Fachleute und Forscher, die genau das für zutreffend halten. Für komplexe Fragen und Probleme kann es keine einfachen Antworten geben und die Wissenschaft bietet auch keine eindeutigen Beweise für bestimmte Hypothesen, aber die ein oder andere Tatsache spricht doch für sich.

Es ist nicht bekannt, wieviel Lebensmittel wir genau täglich, monatlich oder järhlich verschwenden. Gemäß einer Studie der Food and Agricultural Organiation (FAO) werfen allein die die Konsumenten in Industrieländern zwischen 95-115 kg pro Jahr und Kopf weg – in Afrika und Asien sind es weniger als 15 kg. Vor allem jedoch werden weitere 150 kg (oder mehr) bei der Produktion in Industrieländern verschwendet. Das beinhaltet zu krumme Gurken, zu gerade Bananen, zu kleine Kartoffeln und durchgebrochene Möhren, die bereits vom Bauern aussortiert werden.

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Aber auch altes Brot, Milchprodukte nahe Verfallsdatum und andere Artikel, die Supermärkte zuliebe des Konsumenten permanent in außerordentlicher Vielfalt, Menge und Frische vorrätig haben, wandern abends in den Müll. Die Supermärkte schweigen sich darüber aus, wieviel exakt sie einfach wegschmeissen, an Tafeln spenden, und an Biogasverbrennungskraftwerke verkaufen – aber die Mengen dürften nicht unerheblich sein.

In Entwicklungsländern wiederum verkommen regelmäßig Teile der Ernte durch unsachgemäße Lagerung, falsche Erntezeitpunkte, und schlampigen Transport. Heiß diskutiert wird auch die Frage, inwieweit der steigende Konsum tierischer Produkte die Systeme belastet, weil Tierhaltung oftmals ressourcenintensiver ist als Ackerbau, zumal wenn sie intensiv betrieben wird.

Insgesamt jedoch bleibt weltweit möglicherweise fast ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion ungegessen – der Großteil davon in Industrieländern. Könnte man diese Lebensmittel in Echtzeit in die Hugerregionen dieser Welt beamen, wäre das Problem sterbender Kinder bereits gelöst. Beamen aber können wir noch nicht, obwohl wir computergesteuerte Hochregallager haben, algorithmengetriebene Just-in-time-Produktion haben, obwohl wir für die europäischen Konsumenten das ganze Jahr Flugananas herbeischaffen können, und der exaptriiert arbeitende Franzose in Kamerun seinen Dan*ne Joghurt bekommen kann. All das gelingt uns, aber rechtzeitig genug Reis und Getreide ans Horn von Afrika zu bekommen (oder noch besser: rechtzeitig präventive Maßnahmen zu starten) gelingt uns nicht. Mit all unseren Computern, Frachtern, Zeitplänen, Logistik-Experten und durchdachten Lieferketten bekommen scheitern wir an diesen Aufgaben. Und in Wirklichkeit ist das Problem natürlich auch gar nicht durch Logistik zu lösen, denn die damit verbundenen Verteilungswirkungen sind viel komplexer.

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Mit unserer Nachfrage nach Produkten, die wir dann wegwerfen, treiben wir generell Preise in die Höhe. Mit unsere Nachfrage nach Fleisch, treiben wir Preise für Tierfutter in die Höhe, das wiederum andernorts als menschliches Nahrungsmittel gelten würde. Mit unseren Agrarsubventionen und manchmal auch der gutgemeinten Hilfe kegeln wir lokale Produzenten in Entwicklungsländern aus dem Markt. Und mit dem „Geiz-ist-Geil“-Wahn treiben wir die Märkte zu immer mehr Effizienz und Wettbewerb, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Qualität – und benachteiligen dabei Kleinbauern und zukünftige Generationen. Diese Stellschrauben jedoch sind nicht einfach zu drehen, trotz all unserer Weisheit über die Funktionsmechanismen von Märkten und Optimierung von Lieferketten. Das nämlich – ist Politik.

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52 Lesermeinungen

  1. Stimmt das wirklish dass 66%...
    Stimmt das wirklish dass 66% der US-Amerikaner ein BMI von 30 oder höher haben? Die Grenze von Übergewicht is normalerweise an 25 gesetzt (30+ ist Fettsucht, Engl. „obesity“), und ich frage mich falls das Zahl sich nicht mehr wahrscheinlich auf dieser Grenze basiert.

  2. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infintisimilia@ danke für diesen Artikel.
    .
    Es fällt mir immer wieder auf wie sehr deutsche Autoren von Vorgaben aus den USA
    abhängig sind ( eine Billion Menschen!) hab ich mich erschrocken!

  3. Und ich habe sooo sehr auf ein...
    Und ich habe sooo sehr auf ein Rezept für eine Bananentarte mit Erdbeerglasur gehofft, da muss ich wohl weiterziehen …
    … war nur ein Witz, sorry!
    Aber bei der Thema-Ausprägung wird das wohl eher ein Kommentartröpfeln, als ein Kommentarfluss, ist schweres Gemüse, was Sie da auffahren, das bleibt Einem, der gerade davor war, sein Mittagessen zuzubereiten, fast schon im Halse stecken. Dazu gäbe es doch noch so einiges zu schreiben und vor allem auch zu tun, aber huch!!, ich wollte Niemanden erschrecken, deshalb wünsche ich erst mal: wohlbekomms! Vielleicht bis später.

  4. Verehrte Sophie,
    nur der...

    Verehrte Sophie,
    nur der Richtigkeit halber – Ihre Billion ist aus dem Amerikanischen rückübersetzt und deshalb in Deutschland eine Milliarde :-).
    Ihr letzter Absatz aber macht es sich IMHO erheblich zu einfach. Er weist die gesamte Verantwortung für Unternernährung uns zu, warum? Natürlich sind Agrarsubventionen wie Anbauflächen für Biotreibstoff eine Perversion der Menschlichkeit, auch wenn sie nicht einmal erwähnt wurden. Aber sonst? Zuallererst ist die Ernährung ansässiger Bevölkerung eine regionale Frage, keine globale. Von Bodenerosion (Sahelzone) über verrottende Lebensmittel (Indien) bis hin zu fahrlässig deregulierten Agrarmärkten – warum verorten Sie die Verantwortung bei uns und nicht bei der lokalen Politik? Europa ebenso wie Nordamerika sind bei Lebensmittelversorgung zumindest theoretisch vollkommen autark, sprich, wir produzieren und verteilen mehr als ausreichend Lebensmittel zur Selbstversorgung unserer Bevölkerung. Das ist anderswo anders, aber ein dort hausgemachtes Problem. Verkauf von Lebensmitteln als Tierfutter bei hungernder Bevölkerung ist eine Frage verantwortungsloser lokaler Politik. Überbevölkerung ist ein hausgemachtes, lokales Problem. Versteppung und Verwüstung sind noch immer (die Klimaerwärmung mag das ändern) hausgemachte, lokale Probleme. Und der Drang zu Effizienz und Wettbewerb sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen, in wenigen Jahrzehnten auch mehrere Milliarden Menschen mehr satt zu bekommen.
    Bei aller verständlichen Kritik an den Auswüchsen einer Überflussgesellschaft (unserer) – Überfluss muss man sich erst einmal leisten können. Die Grundlagen dafür haben unsere Vorfahren selbst gelegt (entgegen linken Legenden war Kolonialismus immer ein Zuschussgeschäft). Während anderswo korrupte, aber vollständig lokale, Eliten ihre Völker als Steinbruch zur Schaffung privaten Reichtums ausbeuten. Und so die Voraussetzungen für fortbestehenden Hunger erst schaffen. Das aber ist nicht mein Problem. Und ich lehne es entschieden ab, für die Verantwortungslosigkeit anderer in Haftung, auch moralische Haftung, genommen zu werden.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  5. Andreas Johansson, völlig...
    Andreas Johansson, völlig richtig, es war die BMI-Grenze von 25, korrigiert.
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    Oliver-August Lützenich, ich vertraue da auf die vielseitigen Interessen meiner Leser, bei Quantenmechanik wurde uns ja auch nicht langweilig, obwohl ich das nicht als typisches Blogthema verortet hätte.
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    E.R. Binvonhier und
    ThorHa, Asche auf mein Haupt, da habe ich nicht nachgedacht, gerade geändert. Peinlich! Was die Verantwortung betrifft: bei uns, siehe FAO-Studie, werden einfach sehr viel mehr Lebensmittel verschwendet als in Entwicklungsländern – und die Hilfe, die diese brauchen, um ihre Probleme anzugehen – da sind klügere Köpfe als ich ratlos. Ich wollte aber gar nicht andeuten, die gesamte Schuld läge bei uns, sondern lediglich darauf hinweisen, daß das Verteilungsproblem eben doch viel komplexer ist. Quasi: nur durch unsere Ersparnisse liesse es sich gar nicht lösen. Aber das ist vielleicht nicht ganz deutlich geworden.

  6. one billion = eine Milliarde...
    one billion = eine Milliarde

  7. Liebe Sophia,
    dass die Menge...

    Liebe Sophia,
    dass die Menge der weggeworfenen Lebensmittel so hoch ist, liegt unter anderem an dem von den meisten Konsumenten falsch interpretierten Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf diesen. Und an der nicht stattfindenden Kommunikation der Hersteller darüber.
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    Mindesthaltbarkeit bedeutet, dass die Ware bis zu diesem Datum auf alle Fälle zu 100% die Marketing-Produktversprechen (Frische, Geschmack) erfüllt.
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    Danach tut sie es aber immer noch (sofern versiegelt und nicht aufgerissen).
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    Das wissen aber viele nicht und werfen sie weg. [MHD-Jäger, die gezielt in den Mülltonnen der Supermärkte danach jagen, ernähren sich davon. Dürfte eine Unterart der Hartz-4-Menschen sein, die man in den Städten bis frühmorgens um 4 antreffen kann und die Pfandflaschen auf den Straßen und öffentlichen Müllkübeln sammeln. Habe solche in München selbst gesehen, da ich häufig Nachtarbeit machen muss.]
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    Das englische „Best before“ drückt es etwas besser aus als die deutsche „Mindesthaltbarkeit“.
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    Dass unsere westlichen Gesellschaften immer dicker werden ist fast noch ein gaaaanz anderes Thema. Unser Körper sind genetisch aus langen Zeiten des Mangels darauf gebucht, sehr klug zu verwerten. Klug heißt sparsam. Und unter Stress: nochmals sparsamer. Ist logisch, denn Stress bedeutete früher: das Mammut ist hinter dir her und nicht du hinterm Mammut. Da hieß es noch mehr rennen und hungern und trotzdem bei Kräften bleiben. Das erfüll(t)en unsere Körper perfekt.
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    Die westlichen Menschen leiden fast alle unter Stress (Jobstress, sozialer Stress) und das bedeutet die gleiche stoffwechselverlangsamende Cortisol-Ausschüttung wie damals beim Mammut.
    Und nicht: sofort wieder raus ohne Anreicherung. Diese von allen beneideten Typen, die essen können, was sie wollen, weil es bei ihnen nur so durchrutscht, sind eigentlich genetische Ausreisser und in Mangelzeiten würden sie als Erste sterben.
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    Das war ein Plädoyer, sich das Essen nicht vermiesen zu lassen.
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    Das Problem sterbender Kinder
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    Gehungert wird im Norden von Kenia und anderswo nicht, weil es zuwenig Lebensmittel gibt, sondern weil die Machthaber unfähig oder unwillig sind, für ihre vernünftige Verteilung zu sorgen. Meist sind solche Länder in Sachen Militär sehr gut ausgerüstet, da müsste man wach werden.
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    Und ja, Firmen wie Monsanto. Wer patentiertes Saatgut für teuer Geld verkauft, das sich vom Bauern selbst nicht mehr vermehren lässt, da es ein Hybrid ist, der fördert aus Gewinnsicht den Hunger in dieser Welt.
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    Wer also wirklich gegen den Hunger auf dieser Welt ist, hört sofort auf, über in der EU weggeschmissene krumme Gurken zu klagen, sondern wird aktiv gegen Monsanto und Co. Und gegen Machthaber, die es bereits auf ihrer 0815-Agenda haben, einen auf armes hungriges Land zu machen, Getreide und Förderungen des Westens einzukassieren und das nicht in Brot, sondern in Waffen umzuwandeln.

  8. Sophia, danke für diesen...
    Sophia, danke für diesen Beitrag, ein wirklich äußerst ergiebiges Thema, zu dem ich im Rückblich auf den letzten Grillabend von Anwesenden eher merkwürdige Einstellungen zu just diesem Thema vernehmen musste. Irgendwie fiel das Wort Stierkampf und ich erzählte, daß Katalonien kürzlich diesen nun abgeschafft hat. Die Mehrheit äußerte darüber Erleichterung. Meine Meinung ist, daß das zunächst Sache der Spanier ist, und angesichts der Massentierhaltung in Deutschland, ein Land mit all den tierverachtenden Zuchtmethoden, Antibiotika-Medikation, Ferkelkastrationen ohne Betäubung (kostet ca. 40cent, ist aber renditemäßig wohl nicht drin), dubiosen Tötungsmethoden, Schlachtung durch polnische Wanderarbeiter, Preisdumping – und am Ende des lausigen Tierlebens liegen sie in Blisterverpackungen für 2,99€/KG bei der Discountermafia, die reich und reicher wird; Ein Land mit dem größten Tierschutzverein weltweit, indes das Schächten von Tieren aus religiösen Gründen gerichtlich erlaubt hat, sollte doch nicht ganz so abfällig über den Stierkampf urteilen, denn zumindest hat der Stier ein weit besseres Leben vor dem Tod auf den Weiden der Extremadura oder Andalusiens, bisweilen besser als der Mensch. Er erfährt größte Wertschätzung bei Züchter, Matador und Publikum und weiß sich zu wehren. Letztlich aber kommt auch für ihn der Tod. Sein Fleisch wird aber nicht in Plastik verschweißt, sondern an Restaurants verkauft.
    Es sei aber ein Spiel, meinte jemand. Ja, mal nennt man es Spiel, mal Massentierhaltung, letzteres, damit Unmengen zu Niedrigstpreisen bei discountern und auf dem Grill landen, für fette Bäuche sorgen. Was also ist nun moralisch verwerflicher? Ein anderer meinte, es müsse aber soviel produziert werden, den Afrika hungere immer noch. Ach ja?! Dieses miese Fleisch wird nie die Reise ans Kap der guten Hoffnung antreten, abgesehen davon kann man Länder nicht auf diese Weise alimentieren. Jedwede Eigenständigkeit und Entwicklung wird unterwandert, ebenso durch subventionierte Lieferungen von Grundnahrungsmitteln.
    .
    Es ist, um auf den Verfettungswahn zu kommen, eben die Maßlosigkeit, mangelndes Wissen und Bildung, Faulheit und Desinteresse, die zu diesen Entwicklungen führt. Und die Werbung auf zu vielen Kanälen für Menschen, die leicht zu verführen sind. Gerade heute sind in der Regionalgazette zehn Discountermüllbeilagen.
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    Bei den Ländern wie China bzw. Asien, ist diese Entwicklung einleuchtend, denn deren verordnetes Wachstumstempo ist derart hoch, dass die Ernährung auf der Strecke bleibt und fastfood auch dort Einzug hält.
    Kurzum: Die Menschen ist zur Maschine, die alles schluckt, verkommen.

  9. @Thorha, Schuld sind immer die...
    @Thorha, Schuld sind immer die anderen? „Überfluß muß man sich erstmal leisten können“, also, ich weiß nicht, auf so manches kann man doch verzichten – was man dann auch nicht durch die vorherrschende Ausbeutung andernortes rechfertigen muß. Der Konsument hat in unserer Wirtschaftsordnung die Macht. Leider verhält er sich wie es das Marketing will. Der Rest ist Politik.
    Ich finde den letzten Absatz genau, den ganzen Beitrag, treffend.

  10. @Vroni, mit MHD kann ich nur...
    @Vroni, mit MHD kann ich nur zustimmen. Ich kenne genügend Menschen, die schmeissen vor Erreichen des MHD weg, anstatt sich auf ihre Sinnesorgane zu verlassen. Stress wird, glaube ich, etwas stark strapaziert, aber damit ist sicher auch Unzufriedenheit und Sozialnormerfüllung gemeint. Da stimme ich gerne zu. Der Anspruch vieler Menschen ist einfach zu groß und überzogen.

  11. Nico,
    volle Zustimmung.
    Dieses...

    Nico,
    volle Zustimmung.
    Dieses billig produzierte Fleisch wird sehr wohl exportiert.
    Denn der Output dieser Mastfabriken ist so hoch, dass ihn das eigene D-Land nicht ganz selber essen kann. Und wegen der Exporte werden sie vermutlich auch noch staatlich oder EU-mäßig gefördert. Zumindest nicht eingedämmt.
    .
    Der Fleischhunger in Asien wird wachsen. Wie das ausgeht, während im alten Europa doch eine wachsende Minderheit allmählich vom Fleische abkehrt, weiß kein Mensch.
    .
    Aber nochmal, dick wird man wegen Stress, zuviel Aufnahme von Kohlehydraten (zu hoch raffinierte Mehle, Zucker in Getränken) und zu wenig Bewegung.
    .
    Traurig ist in diesem Zusammenhang, dass es in der Folge dann sogenannte „schlaue“ Diäten gibt, welche sugerrieren, wenn man einzig Fleisch zu sich nehme (low carb), dann mache das hyperschlank.
    .
    Das Blöde ist: Low carb, also weniger Kohlehydrate und mehr Proteine (Fleisch) kann tatsächlich einen geringen Efekt ausmachen. Der Effekt über mehr Bewegung ist jedoch deutlich größer.
    .
    Aber erzähl mal das Dicken. Denn Dicksein bedeutet auch: Bewegung wird immer beschwerlicher. Je dicker man ist, desto weniger gern bewegt man seinen Körper. Es hat nicht einmal so viel mit Faulheit zu tun, wenn man bereits dick ist. Es ist tasächlich einfach unangenehm, alles schwabbelt, es strengt tierisch an. Ein Teufelskreis. Daher machen sie lieber erst mal Low-Carb-Diät nach Attkins mit Fleisch. Aber der Effekt ist nur minimal.
    Schöner Mist.

  12. Möchte ThorHa beipflichten....
    Möchte ThorHa beipflichten. Ernährung für eine Region sicherzustellen ist ein regionales
    Problem. Wer möchte, dass seine Grundversorgung tausende Kilometer weit herangeschafft oder gar mehrmals um den Globus düst, sollte wissen was er tut,
    von welchen Gegebenheiten sein Leben abhängt und was er bereit ist dafür in Kauf zu
    nehmen.
    …und das wissen auch alle, selbst im finstersten Herzen Afrikas.

  13. Vroni, soviele Aspekte, ich...
    Vroni, soviele Aspekte, ich weiß gar nicht, worauf ich antworten soll. Das mit dem MHB stimmt natürlich, aber immer wenn ich Lebensmittel drüber essen, frage ich mich, ob das jetzt eine gute Idee war, oder nächtliche Magenkrämpfe auf mich warten. Typisches Stadtkind, traue ich meiner eigenen Nase und Zunge manchmal nicht, und Schimmel ist ja schon da, bevor man ihn sieht. Das erfordert, wieder einmal, mündige Bürger, und das macht es schwer…
    .
    nico, ja, der deutsche Konsument und seine Meinungen. Gilt aber auch für Vegetarier in Bezug auf Eier, Milch und Leder, und was nicht noch alles. Stachel und Balken, und so.
    .
    Was den Konsumenten betrifft: das ist typisch „collective action“. Der Einzelne fühlt sich machtlos, unternimmt nichts, und deswegen unternehmen alle nichts. Leider.

  14. Liebe Sophia,
    ich fühle mich...

    Liebe Sophia,
    ich fühle mich meist sicher, da ich eine gute Nase habe.
    .
    Für seltene unklare Fälle habe ich meine Katze: Wenn der Fisch gar nicht mehr gut ist, zuckt sie mit ihrem Schnufer- und Flemnäschen angewidert zurück. [Katzen flemen, das heißt sie riechen, indem sie ihr Mäulchen gleichzeitig halboffen halten und die Luft durchziehen.]
    Ist er nur ein bisschen nicht mehr ganz koscher, frisst sie ihn nicht. Fische/Muscheln/Milch/Fleisch, das meine Katze nicht nimmt, nehme ich auch nicht.
    .
    Den Katzen die Weltherrschaft, eh klar.
    .
    Gegen Schimmel (Brot) hilft im Sommer nur der Kühlschrank und das Angebrochene rasch ganz aufessen. Falsche Einkaufsplanung: Viele Leute kaufen immer zuviel frische Sachen ein, besonders am Wochenende. Wenn man in die Einkaufswägen schaut, könnte man denken, sie werfen eine Party für 30 Personen. Dann verbringen sie die Arbeitswoche damit, Reste zu futtern. Was nie hinhaut, da sie sehr spät heimkommen.
    .
    Das mache ich nicht, lieber am WE immer einen Hauch zu wenig eingekauft, dann hat man einen guten Grund, mit oder ohne den Besuch im Restaurant seines Vertrauens einzukehren. :-) Ist eh entspannender.

  15. <p>@Vroni, ja, für diese...
    @Vroni, ja, für diese Diäten gibt es viele Weisheiten. Der Mensch ist eben geneigt, und der Dicke zuvorderst, den nicht so steinigen Weg zu gehen. Man nimmt statt Bewegung Schlankheitskekse mit wenig Kalorien – und ißt davon pfundweise. Viel hilft viel!
    @Sophia, bin beileibe kein Vegetarier oder Veganer, jeder nach seiner Moral, nur, von Dicken Autos und Discounter-Billigfleisch kriege ich irgendwie Pickel. Unerträglich ist, daß der Begriff Premium-Qualität hier implementiert wurde, und vor allem von Kunden auch noch kolportiert wird. Niemand wollte so seine toten Götzen auf vier Rädern behandelt sehen wie die Puten in Mastbetrieben. Da hat das Marketing ganze Arbeit geleistet.

  16. Seit 5 Uhr 45 wird...
    Seit 5 Uhr 45 wird Kalorienbombe mit Kalorienbombe vergolten, Zahn um Zahn.

  17. Es gibt viel Diät-Weisheiten,...
    Es gibt viel Diät-Weisheiten, ja.
    Die mit der Protein-Aufnahme statt der Kohlehydrataufnahme stimmt allerdigns wirklich.

  18. Ich liebe und esse mein ganzes...
    Ich liebe und esse mein ganzes langes Leben lang Schokolade, Bonbons, Kekse… gerade eben auch, das billige Zeugs für 89 Cents von REWE, und bin immer noch – jetzt im Rentenalter – schlank, war auch nie ernsthaft krank.

  19. @Sophia: Kotau, Kotau, da habe...
    @Sophia: Kotau, Kotau, da habe ich meine Mit-Menschen wohl unterschätzt, aber ich bin sehr dankbar dafür, denn das hilft einem Melancholiker wieder ein wenig über die schweren Gedanken hinwegg, ist quasi ein Griff unter die Arme. Danke für die Erleichterung.

  20. Wenn es stimmt, dass sehr...
    Wenn es stimmt, dass sehr viele Menschen sehr viele Diäten und alternative Ernährungsformen ausprobieren, dann heißt das doch – ein Treffer war nicht darunter-
    nur Nieten gezogen.

  21. @Vroni+Nico.
    .
    An das...

    @Vroni+Nico.
    .
    An das unsägliche MHD dachte ich auch sofort. Schlimm, daß viele -unter anderem die geschätzte Autorin- darin ein Verfallsdatum sehen.
    In meiner Kindheit gab es solchen Quatsch noch nicht. Ich glaube, es ist eine Erfindung der EU-Bürokratie. Viele Menschen verlassen sich leider mehr darauf, als auf ihre sieben Sinne. Sophia wohl auch. Aber wahrscheinlich lernt man es nicht anders!

  22. E.R. Binvonhier, in Zeiten von...
    E.R. Binvonhier, in Zeiten von Weltmärkten für Getreide oder Reis ist es eben kein ausschließlich regionales Problem mehr…
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    Vroni, mangels Katze ist das für mich kein gangbarer Weg, leider. Aber vielleicht könnte ein Hund das auch, den wollte ich schon länger haben?
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    Oliver Hardy, ich bin auch ein großer Fan von Süßkram, wobei ich mit zunehmendem Alter Qualität auch da zu schätzen weiß. Manchmal allerdings fürchte ich mich vor Diabetes…

  23. Oliver-August Lützenich,...
    Oliver-August Lützenich, meine Leser sind die besten!

  24. Also die Übergewichtigen der...
    Also die Übergewichtigen der Welt sind ein Thema für sich.
    Aber den hungernden Kindern, einem Kind kann für einen relativ kleinen, monatlichen Geldbetrag der Hunger genommen und eine Zukunft gebaut werden.
    Zu Weihnachten?

  25. @Vroni+Nico.
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    An das...

    @Vroni+Nico.
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    An das unsägliche MHD dachte ich auch sofort. Schlimm, daß viele -unter anderem die geschätzte Autorin- darin ein Verfallsdatum sehen.
    In meiner Kindheit gab es solchen Quatsch noch nicht. Ich glaube, es ist eine Erfindung der EU-Bürokratie. Viele Menschen verlassen sich leider mehr darauf, als auf ihre sieben Sinne. Sophia wohl auch. Aber wahrscheinlich lernt man es nicht mehr anders!

  26. Habseligkeit, das ist gut -...
    Habseligkeit, das ist gut – und trotzdem keine langfristige Lösung. Besser wäre vermutlich, fünf Freunde davon zu überzeugen, ihre Einkaufsverhalten zu ändern. Glaube ich… aber nix genaues weiß kaum einer, wie man das lösen kann.
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    Werter Don Ferrando, die geschätzte Autorin weiß, daß sie Sachen danach noch essen kann und erkennt auch Schimmel, wenn sie ihn sieht. Aber bei Mozzarella war sie mal sehr mutig (eine Woche nach MHD, normaler Geschmack) – und das war gar_nicht_gut. Die EU-Bürokratie hingegen – noch ein Thema für sich.

  27. Werte Sophia,
    wahrscheinlich...

    Werte Sophia,
    wahrscheinlich einer dieser verseuchten Mozzarella aus Bayern:
    http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Entwarnung-fuer-blauen-Mozzarella-id8162531.html
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    Ich wollte Sie nicht für doof darstellen, aber der verwendete Begriff “ Verfallsdatum“ ist schon symptomatisch für genau das, was Sie ja richtigerweise kritisieren !

  28. Danke für den wichtigen...
    Danke für den wichtigen Artikel! Es gibt dazu auch aktuell einen Dokumentarfilm von Valentin Thurn „Taste the Waste“ und ein Buch „Food Crash“ von Felix zu Löwenstein.
    – Greise Menschen sind ja stets mager, mager sein oder (rechtzeitig) werden bedeutet länger leben. –
    Vor der Einführung des MHD wurde ja alles beschnüffelt und so geprüft und beurteilt und Kaufleute, die altes Zeug verkauften, wurden boykottiert, das sprach sich unter den Hausfrauen herum. Saure Milch, Brotreste allerdings wurden verkocht, aus altem Weißbrot wurde Knödelbrot oder Arme Ritter (Brotscheiben in Ei getunkt und herausgebacken, in Butter die zu Butterschmalz erhitzt worden war), die Haustiere bekamen kein Fertigfutter sondern alle Reste , etc..

  29. Seit sechs Jahren: Komme...
    Seit sechs Jahren: Komme wunderbar mit Brot, Reis sowie sonstigem Getreide und Gemüse aus. Zweimal die Woche gibt es einen Hering. Bin fit wie ein Turnschuh. Benötige auch keinerlei Pharmaka. Jenseits der Siebzig verweht.
    EU-Bürokratie: Incest der EFSA mit der Nahrungsmittelindustrie. Vor einigen Monaten entlarvende Sendung darüber in Arte.

  30. Ich weiß, hier schaut niemand...
    Ich weiß, hier schaut niemand Fernsehen, ich auch nicht, nur heute, und da war das alles bei Jauch-TV im Ersten zu hören. Passt scho, Sophia, gut antizipiert:-)
    .
    Ein wesentlicher Punkt ist, und der wird noch unterschlagen, die Präsenz des Handels in D. Kein Land der Erde hat eine höhere Dichte als D. Ein Grund, warum Wal-Mart seinerzeit in D scheiterte. Der Markt ist dicht. Die Verkaufspreise sind mehr oder weniger festgenagelt, Gewinnmaximierung geht nur noch über Einkauf oder nonfood-items. Die Marge liegt bei max. 1%. Hier liegt die Ursache für das Knebeln der Lieferanten. Und das Überangebot schlechthin.
    @Vroni, die Kohlenhydrate würde ich per se nicht verdammen – nur zu viele, da die in Fett umgewandelt werden, wenn sie nicht verbraucht werden -, dazu ist es zu individuell. Von Proteinen wird man nun auch nicht satt. Und die dicken haben ja ständig Hunger. Es ist zu individuell, Stoffwechsel, Bewegung, Zufriedenheit, Glück etc. Diäten geht schon psychischer und physischer Druck voraus, sprich Stress. Vieles schlägt allein deshalb schon nicht an. Disziplin ist da sehr wichtig, einfach auch weniger zu essen; denn essen kann man im Grunde alles: Morgens wie ein König……und irgendwann die Weisheit.

  31. nico@, wie ging der Spruch...
    nico@, wie ging der Spruch nochmal: wenn du willst, dass die Leute Schiffe bauen, musst
    du sie die Liebe zum Meer lehren; und daran haperts.

  32. Eat the rich!...
    Eat the rich!

  33. Liebe nico,
    es geht mir nicht...

    Liebe nico,
    es geht mir nicht um die ultimative Diät-Wahrheit.
    Es geht mir darum, aufzuzeigen, was die Leute glauben. Zuwas sie greifen.
    .
    Und sie glauben, dass diese Attkins-Diät, diese fleischlastige Diät enorm hilft.
    Besonders in den U.S. modern, aber auch hier.
    .
    Welches den Fleischkonsum (und mit ihm die Verschwendung: die Zunahme von Futterpflanzenanbau für Rinder statt Getreide & Gemüse für die Menschen) global um einiges nach oben treibt. Nur diesen Zusammenhang mit den Dicken und Diätsüchtigen wollte ich illustrieren.

  34. Einkaufsverhalten ./. Geiz
    Da...

    Einkaufsverhalten ./. Geiz
    Da ich bewußt den ausgezeichneten Biomarkt frequentiere, kann ich meinen 5 Freunden fast zu jedem Lebensmittel eine kleine Geschichte über Klein- und Großprojekte, regional und global erzählen. Das muss ich aber wollen und bezahlen. – Und beste Wünsche für einen schönen Tag!

  35. Hinzu kommen die...
    Hinzu kommen die übergewichtigen Haustiere !

  36. Don Ferrando, stimmt - schiefe...
    Don Ferrando, stimmt – schiefe Wortwahl meinerseits, und natürlich, irgendwie, bezeichnend.
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    Foersterliesel, ist ja nicht so, daß ich nicht auch die Segnungen der Moderne (Öffnungszeiten, Singlegrößen) zu schätzen wüßte. Es hat halt immer alles zwei Seiten. Und meiner Nase traue ich, wie gesagt, nur begrenzt.
    .
    Taglöhner, wissen Sie noch den Titel der Sendung?

  37. <p>nico, die Enge des Marktes...
    nico, die Enge des Marktes hat ganz viel mit den Konsumenten zu tun. Eine Freundin ist gerade für länger in Deutschland und ist immer wieder verblüfft von der Kombination aus Preisbewußtsein und Wechselwilligkeit. Sehe ich übrigens genauso – und find’s nicht gut.
    .
    Habseligkeit – siehe oben, Danke!
    .
    hgebhardt, was hat das mit Kindern zu tun? Klar, kann man Liebe zum Tier übertreiben, aber das ist dann vielleicht doch nur ein Nebenthema hier?

  38. liebe Sophia Amalie Antoinette...
    liebe Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    das Beschnüffeln war kein Einwand sondern Erinnerung. Da ich eine lausige Köchin bin und immer berufstätig war habe ich die MHD begrüßt und Halbfertigprodukte auch erfreut gekauft; wenn man beruflich sehr eingespannt ist sind das vernünftige Einkaufen und Kochen sehr schwierig.
    Ich wohne in einem armen Bezirk und sehe viele übergewichtige Kinder und Hunde.

  39. @Liebe Vroni, so hab ich Ihre...
    @Liebe Vroni, so hab ich Ihre Einlassungen auch nicht verstanden, jetzt gleichwohl deutlicher in Bezug auf „Fleischdiät“. Mit der Weisheit meinte ich auch das dahinterschlummernde Geschäft bei allen Diäten. Man glaubt eben, an das man glauben will, wenn man in „Not“ is(ß)t. Und die Amis, dios grande, dort wurde das Marketing und fastfood geboren. Daß da eine zumindest Korrelation zwischen Diäten und Herstellerinteresse/Produkten besteht, wundert mich nicht. Schauen Sie sich nur die Autos an und die McDrives. Und die Deutschen eifern ihnen kräftig nach. Und das widert mich an.

  40. @Sophia, sicher auch mit den...
    @Sophia, sicher auch mit den Konsumenten, die man sich aber so erzogen hat. Es geht, und da haben die vier großen Einzelhandelsketten ganze Arbeit geleistet, um Marktpräsenz- und Abschottung, Kundennähe; So können sie, mit Filialen in jedem Provinznest, den Puls der Verbraucher fühlen. Und dadurch können sie ihre Einkaufsmacht extrem stärken. Mal nebenbei: Die Aldi Gruppe macht ca. 50 Milliarden Umsatz! Man sagt dann gern, der Verbraucher will es so. Ja, weil er keine andere Wahl hat bzw. diese Wahl sehr bequem ist. Und man hat ihm ja eingebläut, dort auch Premium zu kaufen wie beim Autodealer. Ja, so funktioniert es eben. Alles und jetzt.
    Mehr hab ich fast nicht zu sagen.

  41. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia@: Hier kämen Sie wahrscheinlich weiter, S. die Links. Danke für die Nachfrage. Viel „Vergnügen“!
    ..
    http://agora2.arte.tv/showthread.php?t=8838
    http://www.gmono.org/2007-11-21/
    ..
    nico@: Dafür wurden alle, aber auch restlos alle Tante-Emma-Läden indirekt plattge-macht. Ein fürchterlicher Verlust unser Kultur, unseres Miteinanderredens.
    ..
    Foersterliesel@: Kochen ist meines Erachtens eine der größten Künste der Menschheit die sie je entwickelte. Allerhöchstes Lob allen Hausfrauen und Köchinnen. Paracelsus, auf den sich die Ärzte der Schulmedizin zu Unrecht berufen, stellte diese Kunst immer in den Vordergrund seiner großartigen Alchemie.
    Die Schlaumeier der Pharmakonzerne entdecken zunehmend seine Erkenntnisse und auch die der alten Arzneikunde sowie die der indigenen Völker. Z. B. Asche von Knochen, Maden als Wundreinigung, Buffobuffo = Kröte etc. als Heilmittel.
    Non venit vulnus ad cicatricem, in quo medicamenta temptantur. Sen.epist.2,3
    (Die Wunde vernarbt nicht, an der viele Mittel versucht werden. )

  42. Auch kleine Gemüsehändler...
    Auch kleine Gemüsehändler können „Gas geben“. Ein sehr konkretes und hochpolitisches Besipiel für das Miteinanderreden.
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,790081,00.html

  43. nico, ich sag nur: "collective...
    nico, ich sag nur: „collective action“. Darüber schreibe ich demnächst mal, ach was, viele Male. Jeder einzelne denkt halt, er hätte keinen Einfluß, dabei sind am Ende durchaus die Konsumenten am Schalter. Sie müssten nur jeder wollen.
    .
    Foersterliesel, dicke Kinder und Hunde sind so fundamentale soziale Probleme, daß ich froh bin, kein Politiker zu sein – ich hätte nämlich keinen Lösungsvorschlag.

  44. @ Alle:
    Auch auf die Gefahr...

    @ Alle:
    Auch auf die Gefahr hin, penetrant zu wirken: Ich besteh darauf, dass weder Mindesthaltbarkeitsdaten noch Supermarkstabfälle für die Nahrungsversorgung der Welt ein ernsthaftes Problem darstellen. Weil das Wegwerfen bei uns für die Kalorien des durchschnittlichen Nigerianers schlicht irrelevant ist. Und bleibt.
    Für die Nahrungsmittelversorgung der Unterversorgten sind – in exakt dieser Reihenfolge – 4 Faktoren ausschlaggebend, von denen nur einer unserer poilitischen Einflussnahme zugänglich ist:
    1) Das Familieneinkommen 2) Bevölkerungsdichte steht (oder nicht) in Relation zum regionalen Nahrungsmittelangebot 3) Regionale Nahrungsmittellogistik 4) Fehlgeleitete Nahrungsmittelströme aufgrund falscher Anreize (Stichwort Futtermittel, Biotreibstoffe, Exportsubventionen).
    Wer etwas bewirken will, nehme sich mit Hilfe seines lokalen Bundes- oder Europaabgeordneten den letzten Punkt vor, suche Verbündete und entwickle einen langen Atem. Alles andere ist Wohlfühlkosmetik.

  45. "Mit unseren Agrarsubventionen...
    „Mit unseren Agrarsubventionen und manchmal auch der gutgemeinten Hilfe kegeln wir lokale Produzenten in Entwicklungsländern aus dem Markt.“
    Dieser Satz alleine stellt dar, warum es keine für alle Beteiligten gute Lösung geben kann. Sagen wir zunächst, welchen Markt wir meinen, unseren oder den im Entwicklungsland.
    Der Markt im Entwicklungsland wird durch europäische, subventionierte Lebensmittel bedrängt. Aber wenn wir tatsächlich unsere Lebensmittelreste dorthin beamen könnten, wäre er endgültig kaputt, denn die Preise dafür wären noch viel niedriger. Das Entwicklungsland würde nach kürzester Zeit die massive Abhängigkeit von diesen Resten beklagen, die die Bildung eines eigenen Lebensmittelmarkts unmöglich machen.
    Unser eigener Markt wird ebenso durch Subventionen vor billigen, in Afrika produzierten Lebensmitteln geschützt. Da wird auch kräftig gekegelt, und meiner Meinung nach auch zu Recht. Die eigenständige Produktion von Lebensmitteln ist der erste und größte Teil der Souveränität eines Landes. Wenn die Nahrungsmittelproduktion in einem Land zu teuer wird und deswegen eingestellt wird, führt das zu massiven Abhängigkeiten und Verlust von Souveränität (selbes Problem bei Desertec – eine Woche ohne Strom, und Deutschland ist wieder im Mittelalter. Will man die Entscheidung darüber, ob man zurück ins Mittelalter geht, von Nordafrika mitentscheiden lassen?). Die Nahrungsmittelproduktion eines Landes muss, finde ich, um jeden Preis aufrechterhalten werden, und wenn das nur übers Aussperren von anderen geht, dann ist das eben so.

  46. Taglöhner, vielen...
    Taglöhner, vielen Dank!
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    ThorHa, direkt gesehen, ja. Indirekt zeugt unser Müll davon, wie wenig Lebensmittel noch wert sind – was eben doch auch etwas mit der Knappheit in anderen Regionen zu tun hat. Weltmärkte, halt.
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    PräfektMotus, ein wesentlicher Teil unseres Wohlstands beruht auf Arbeitsteilung unter Ausnutzung komparativer Vorteile – jeder produziert das, was er am besten kann, dann wird getauscht. Wieweit man das bei Nahrungsmitteln treiben möchte, ist tatsächlich diskussionswürdig, aber am Ende sind das ordnungspolitische Fragen: wieviel Globalisierung und Weltmärkte, wieviel Lokalisierung und Regionalpolitik ist wünschenswert? Lokalisierung würde aber zwangsläufig manche Rückschritte implizieren, dann gäbe es nämlich keine Flugananas und kein Sushi mehr, im Winter dafür Grünkohl für alle. Im Moment erhalten wir uns von allem nur das Beste und Praktischste, aber langfristig wird das, fürchte ich, nicht funktionieren.

  47. Langfristig wird es schon...
    Langfristig wird es schon durch die massive Abhängigkeit vom Öl nicht funktionieren. Die Bande Globalisierung und Lokalisierung schlagen derzeit so stark Richtung Globalisierung aus, weil Öl und damit Transport so unglaublich günstig sind, man denke an die Geschichte von den in Marokko gepulten Krabben. Die Industriegesellschaft hat nach wie vor trotz Bemühungen keine Antwort auf die Verknappung von Erdöl, wie sie irgendwann eintreten muss. Jeder Müllsack, jede Verpackung, jeder gefahrene Kilometer, jedes Stück Plastik ist aus Öl. Man kann unmöglich so viele Windkraftwerke oder Solarzellen aufstellen, um das auszugleichen, ganz davon abgesehen, dass die wiederum vorrangig mit Energie aus Erdöl hergestellt werden.
    Ich hole deswegen so weit zu diesem Thema aus, weil ich glaube, dass die Erdölverknappung die genannten Bande sowieso wieder Richtung Lokalisierung schieben wird. Man darf nie vergessen, dass während der Ölkrise, in der das Öl 70% teurer wurde, gerade mal 5 Prozent (fünf! 95 waren noch da!) weniger Öl als sonst gefördert wurde und schon das gereicht hat, um jede Wirtschaftsordnung zu zerschießen. Deswegen glaube ich, dass es sich lohnt, wenn möglich nicht auf den Globalisierungsdampfer aufzuspringen, sondern die lokalen Strukturen zu bewahren. Länder, die zuviel auslagern, kriegen irgendwann Probleme, siehe die angelsächsischen Länder.

  48. Wie meinen?
    Kein...

    Wie meinen?
    Kein angelsächsischer Staat hat ein Problem mit der Deckung des Nahrungsmittelgrundbedarfs aus eigener Kraft. Das sieht in China etwas weniger kommod aus. Wenn die von den Chinesen in die USA ausgelagerte Nahrungsmittelproduktion (Soja, Getreide) einmal unvorhergesehen unterbrochen wird, ist in China schnell Schmalhans Küchenmeister. In China würde man dann feststellen, dass T-Bonds keinen Nährwert haben.

  49. Besser T-Bone als T-Bond, sagt...
    Besser T-Bone als T-Bond, sagt mein Hund.

  50. PräfektMotus, ich bin ja mal...
    PräfektMotus, ich bin ja mal gespannt, wie das mit der Globalisierung weitergeht – glaube aber schon die Morgendämmerung der Lokalisierung am Horizont zu sehen.
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    Oma mit Hund, nicht nur die Chinesen lagern aus, die allerdings verständlicherweise, da sich offenbar die landwirtschaftlichen Flächen dort nicht so gut eignen, bzw. weniger produktiv sind.

  51. Beste Sophia Amalie...
    Beste Sophia Amalie Antoinette, herzlichen Dank für diesen Artikel!
    Ich möchte zwei Dinge ergänzen. Eine eigene Beobachtung und ein bischen Erkenntnis aus der Verdauungs-Physiologie/Biochemie.
    Zu erstens: Irische Butter ist im Südafrikanischen Supermarkt halb so teuer wie Einheimische. Subventionen, sag ich nur.
    Zu zweitens: Es ist nicht die Zahl der Kalorien. Die Fettleibigkeit hängt vor allem von der Art der Kalorien ab (entgegen landläufiger Meinung), und Fruchtzucker ist hier ein wesentlicher Treiber von Fettleibigkeit und anderen Zivilisationskrankheiten. Hierzu sei der Vortrag „Sugar: The bitter truth“ von Prof Lustig auf youtube empfohlen.

  52. Wenn es wirklich stimmt, was...
    Wenn es wirklich stimmt, was ich gelesen habe, daß nämlich die Kalorien durch Verbrennung und die dabei entstehende Energiemenge gemessen werden, ist eigentlich auch jedem Laien klar, daß die Angaben sinnlos sein müssen. Ein Liter Heizöl hat ene Menge Kalorien, aber wenn ich ihn trinke, werde ich bestimmt nicht fett, genausowenig wie nach dem Kauen eines Holzscheits. Nicht alles, was sich verbrennen lässt, wird auch im Körper umgesetzt. Der Unterschied zwischen den Lebensmitteln wird natürlich nicht so drastisch sein wie bei Heizöl oder Brennholz, aber vorhanden.

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