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Okkupiert die Ehe!

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Die Ehe ist out. Wer noch an sie glaubt, ist hoffnungslos romantisch. Junge Paare, die heiraten wollen, gelten als reaktionär. Eine Rettung ihres Rufes könnte die Öffnung der Ehe sein: mehr sprechen über das ganz Private.

Die Ehe ist out. Wer noch an sie glaubt, ist hoffnungslos romantisch. Junge Paare, die heiraten wollen, gelten als reaktionär. Eine Rettung ihres Rufes könnte die Öffnung der Ehe sein: mehr sprechen über das ganz Private.

Wenn der störrische Niedersachse in den kommenden Tage die Okkupation von Bellevue aufgibt, steht eines fest: einen Bundespräsidenten in solch jugendlicher Blüte mit einer noch jüngeren First Lady werden wir so schnell nicht mehr bekommen. Die Pension für jemanden, der im Schloss in Berlin nur Parkettkratzer von Kinderspielzeug und einen Hauch von Hannover hinterlässt, stimmt nachdenklich. Anstand, Autorität, Bescheidenheit, Intellekt, rhetorisches Talent und ein Gespür für die Bürgerin und den Bürger traut man nach dem Fall Wulff nur noch einem senioren Staatsoberhaupt zu. Wulffs Patchworkfamilie an der Spitze des Staates sollte modern erscheinen. Doch ein zweites Mal zu heiraten, das Haar zum Gefallen der Schwiegermutter zu kämmen und den gestochenen Hautschmuck in die Berliner Politbühne zu schmuggeln, ist weder ein Kennzeichen der Zukunft, noch wirkt es jung.

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Junge Menschen empfanden das Präsidentenpaar, dessen Glamourfaktor der Presse eine Marienerscheinung in die Tastatur gebrannt haben muss, schon immer als zu weit von ihren Wertvorstellungen, von ihrem Alltag, von den Fragen ihrer Generationen entfernt. Gleiches gilt für Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Frau. Die Werte klafften auseinander, noch bevor der Kredit von der Gemahlin eines väterlichen Freundes oder die mühevoll collagierte Doktorarbeit auf achtzehn Disketten bekannt wurden. Dass Paare des Typs glatt gestriegelter Schwiegersohn mit blondgefärbter Gattin, die sich für Amt und ihn ganz dem Lächeln verschreibt und ihre beruflichen Ambitionen abschreibt, in politischen Kreisen und von Medien als Zeichen eines sich verjüngenden Politikbetriebes gehandelt werden, man sogar sicher meint, sie haben neben Sexappeal auch Appeal für junge Wählerinnen und Wähler, zeigt eines: Politik und Medien sind weit weit weit von der Jugend entfernt. Zu glauben, Wulff (52), Guttenberg (40) oder Philipp Rösler (38) hätten auch nur irgendetwas mit sich jung fühlenden und der Zukunft zugewandten Menschen in Deutschland zu tun, könnten sie repräsentieren und erreichen, zeigt, wie wenig Mühe aufgebracht wird, jüngere, progressiv Denkende zu verstehen und mit ihnen zu sprechen. Generationengerechtigkeit fängt bei der politischen und medialen Abbildung einer Bevölkerung an. Doch anstatt diese Abschottung aufzubrechen, scheint als stets zu pflegendes Handwerk zu gelten, alles das, was neu, und jung und anders, vielleicht zu frech, zu digital, zu modisch ist, gering zu schätzen und lachend zu diffamieren.

Fetzenliteratur, durch die aber ein, zwei, drei viele Fetzen Gemeinschaft entstehen. Neue Parteien, die experimentieren und Politikmüde beatmen. Formen der Partnerschaft abseits der heteronormativen Matrix, in denen Menschen heute leben wollen. Doch Normen existieren urplötzlich auch dafür, wie sehr junge Paare von Traditionen abweichen müssen, um als authentisch und zeitgemäß gelten zu können. Dass junge Menschen auch in der Liebe nur alles falsch machen können – mal sind sie promiskuitiv, mal Spätzünder, Gebärstreikende oder naiv romantisch – zeigten die Reaktionen in der vergangenen Woche auf die Verlobung von Julia Schramm und Fabio Reinhardt, beide aktiv in der Piratenpartei in Berlin. Die Vorlage eines anderen Parteimitglieds, der eine Eheschließung als rückständig kritisierte und damit anmaßte, diese Form des partnerschaftlichen Bekenntnisses passe nicht zu einer Partei des digitalen Zeitalters, griffen zahlreiche Medien, aber auch (Netz-)Bekannte der Verlobten auf, um die persönliche Entscheidung zweier Menschen mit ihren Wertungen der Ehe gegeneinander laufen zu lassen. Auch wurde die Kritik geäußert, eine Verlobung seie zu privat, als darüber in sozialen Netzwerken öffentlich zu schreiben.

Die Ehe hat mittlerweile einen vergleichbar schlechten Ruf wie die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Der Begriff lockt bei jüngeren Menschen selten die Assoziation Liebe hervor. Eher ist die Ehe ein Symbol geworden für eine erstarrte Gesellschaft, die Geschlechtergerechtigkeit nicht ernsthaft will, in der die Kita den Kindern schadet, in der Zweisamkeit sich auf das von ihr bereitete Abendessen und das gemeinsame Betrachten der Goldlocken von Thomas Gottschalk beschränkt. Wer rehabilitiert nun die Ehe?

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Die Annäherung junger Paare an Traditionen ihrer Elterngeneration umgehend durch die Abwertung der Entscheidung für die Ehe im Keim zu ersticken, tut weder der Ehe selbst, noch der Generationenverständigung etwas Gutes. Letztgenannter tut es vor allem nicht gut, dass entspanntes Beobachten und die Freude an den kommenden Generationen eingetauscht wurde gegen ein ständiges Ergründen, aufgrund welcher Traumata, Fehler in der Erziehung und missratener Lebenswege junge Leute zu ihren Entscheidungen kommen.

Die ZEIT nutze ihr satirisches Format „Berliner Bühne“ für eine besonders reaktionäre Abwertung der Verlobung, die das Piratenpaar über Twitter bekannt gab. Wie auch in anderen Kommentaren amüsiert sich der Autor über den günstigen Kaufpreis des Ringes, als könne er damit dessen tatsächlichen, also seinen ideellen Wert messen. Seit wann lieben Reiche aufrichtiger? Ja, sollen junge Menschen für den Kauf des Verlobungsringes und der Hochzeit einen Kredit aufnehmen? Bekämen sie überhaupt einen? Signalisieren Diamanten Respekt vor der Würde der Ehe?
Schließlich skizziert der Autor ein Modell der Ehe, das unweigerlich zur Reproduktion und zur Scheidung führt: man könne in dieser Hinsicht „von den Dinausauriern der politischen Klasse lernen“. Ein Neudenken der Ehe ist undenkbar.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Ehe fest in konservativer Hand: ihre rechtliche Stellung privilegiert allein heterosexuelle Paare, sie verschafft besonders dann hohe Steuervorteile, wenn einer der Partner gering oder gar nicht verdient. Zum anderen wird sie medial überhöht und manifestiert dort unrealistische Erwartungen und Rollenmodelle, die den Mann zum Ritter und die Frau zur Prinzessin verdonnern. Das Phänomen der Adelshochzeiten zählt dazu, oder die nackten Zahlen: in Deutschland geht man von durchschnittlichen Kosten von 10.000 Euro pro Hochzeit aus, laut der Condé Nast Bridal Group liegen diese Kosten in den USA bereits bei 28.000 Dollar. In Deutschland schätzt man die Ausgaben für Hochzeiten auf 1,8 Millarden jährlich, in den Staaten setzt die Industrie in jedem Jahr etwa 160 Milliarden Dollar um. Das große Geldausgeben kommt jedoch meist erst nach der Hochzeit, lebt man die traditionelle Ehe nach ihrer sozialen Konstruktion. So müssen Ehepaare wie die Wulffs ein Eigenheim erwerben, für dessen Kauf ein Kredit benötigt wird, um den Erwartungen an die Ehe gerecht zu werden. Der heteronormative Druck der Versorger zu sein, lastet auch auf Männern.

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Liebende brauchen die Ehe nicht für jahrelanges Glück oder den Bund bis ans Ende des Lebens. Doch dass Rituale verworfen werden, weil niemand sie aus ihrer Trägheit lösen möchte, wäre schade. Selbst dass Ehepaare wieder getrennten Weges gehen und sich erneut vermählen ist nahezu als Wesensmerkmal der Ehe akzeptiert. Warum auch nicht? So schreibt die Germanistin Hannelore Schlaffer in „Die intellektuelle Ehe“ über den „wahren Charakter“ der modernen Ehe, sie sei „wesentlich Experiment, und Experimente sind abschließbar und wiederholbar“.

Zur Rehabilitierung der Ehe als wieder vertrauensvolle Form sich zu einem Partner zu bekennen, muss sie radikal neu gedacht werden. Ihre Öffnung für Menschen jedweder sexuellen Orientierung, eine steuerliche Neugestaltung, Familienverträge für Konstellationen des Zusammenlebens die auf Fürsorge und Freundschaft basieren, und nicht auf Liebe oder Verwandtschaft, sind Voraussetzungen dafür. Vor allem aber muss sich ändern, wie über die Ehe gesprochen wird, wie sie vorgelebt wird und wie sie Medien darstellen.

Öffentlich verhandelt werden Eheanbahnungen, die Trauung, der Ehebruch und die Trennung. Schlüsselmomente sind diese Stationen der Partnerschaft nicht. Darüber, was Partnerschaften und Ehen ausmacht, wie sie zwischen Beginn und Bruch gelebt werden, sprechen, schreiben, filmen wir zu wenig.

Welche Paarbeziehungen finden heute noch abseits des Boulevards Beachtung? Welche Paare trauen sich in die Öffentlichkeit? Die journalistische Erörterung von Zweisamkeit beschränkt sich auf Phrasen, die starke PartnerInnen hinter erfolgreichen Menschen vermutet. Die Kunst erforscht sie in der Fiktion. Dass ein Paar auch Vorbild sein kann, und nicht nur Einzelne, scheint vergessen.

In der Politik, in der man als Einzelkämpfer das eigene Ego heiraten muss, scheinen Paare besondere Verunsicherung auszulösen. Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine wohl durchaus mehr als zwei Piraten, die eine Hochzeit planen. Man sollte meinen Parteien, besonders digital verwurzelte, seien solch winzigen Fetzen Post-Privacy gewachsen. Hannelore Schlaffer vermisst die Idee der Post-Privacy – wenn auch nicht im Wortlaut – schon in ihrer Betrachtung der Beziehung von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre: „Umso verwunderlicher ist es, dass Sartre und Beauvoir für ein Leben, das so entschieden wie keines zuvor dem Konzept vom Intellektualität und Freiheit folgte, nicht das öffentliche Bekenntnis wagten und es der Nachwelt überließen, die Wahrheit aus posthumen Dokumenten zu rekonstruieren.“

„Erst ein Adjektiv klärt, um welche Art von Verhältnis es sich handelt: um eine partnerschaftliche, kameradschaftliche, eine konventionelle, eine moderne oder eben eine intellektuelle Ehe?“, schreibt Schlaffer über die Ehe heute. Die Ehe kann also durchaus flexibel und selbst für junge Menschen, Feministinnen und Piraten ein Modell sein, vorausgesetzt, sie wird wieder und nicht mehr einseitig besprochen. Sich nicht nur trauen, sondern sich auch trauen über die Ehe zu sprechen. In dem zu beginnenden Diskurs könnte gerade jetzt auch die Frage gestellt werden, warum ein Staat, zu dessen Aufgaben es zählt Geschlechtergerechtigkeit umzusetzen, sich noch nicht vom Konzept der First Lady verabschiedet hat.

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42 Lesermeinungen

  1. Bei all dem fällt mir...
    Bei all dem fällt mir schulterzuckend nur eines ein: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

  2. "Lass die Leute reden und...
    „Lass die Leute reden und lächle einfach mild
    Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
    aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht
    .
    Lass die Leute reden, denn wie das immer ist
    Solang die Leute reden machen sie nichts Schlimmeres
    Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten
    Bleib höflich und sag nichts – das ärgert sie am meisten…“
    .
    Das haben sich Sartre und de Beauvoir wahrscheinlich auch gedacht.

  3. Wie Ehe und Liebe gelingen...
    Wie Ehe und Liebe gelingen kann, liest sich wunderbar und spannend in dem Buch:
    Hannah Arendt/Heinrich Blücher: „Briefe 1936-1968 (Leider vergriffen)
    Obwohl so lange her, immer lehrreich, spannend und lebendig…
    auch heute noch.
    ***
    Die Korrespondenz Hannah Arendts mit ihrem Ehemann Heinrich Blücher:
    ein Zeugnis dauerhafter Liebe und eines aufregenden Lebens, das die Epochenerfahrung der totalitären Katastrophen mit der Überzeugung des Augustinus verknüpfte: „Damit ein Anfang sei, wurde der Mensch geschaffen“ – ein Anfang, der trotz allem immer wieder möglich sein müsse.
    vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9089971.html

  4. Ich glaube, die "Ehe" hat in...
    Ich glaube, die „Ehe“ hat in einer „modernen“ Welt nur eine Chance als simple gesetzlich eingetragene Partnerschaft, die keine normativen Vorgaben über das Eheleben an sich macht, sondern eher als Bürgschaft mit Vorteilen auf Zeit fungiert. Das emotionale Innenleben, der Entwurf der Liebe, die Partnerschafft geht doch letztendlich niemanden -2 etwas an (vor allem aber den Staat nicht) – wie man heiratet, warum man heiratet oder wie man dieses Konstrukt überhaupt nennt, das sollte jedem überlassen sein. Die Ehe krankt daran, dass sie sich für wichtiger hält, als sie sein sollte. Erst in der Reduktion auf seine gesetzlichen Vorteile (und bitte für alle Formen von Partnerschaften – vielleicht möchte man ja auch seinen besten Freund oder einen Mitbewohner in die Familie patchworken) kann das, was sich Ehe nennt, in seiner Verwirklichung frei und damit lohnens- und erstrebenswert sein. Der Rest – also die weitesten Teile der momentanen Form der Ehe – ist klerikaler Bogus.

  5. Über das ganz Private: Dazu...
    Über das ganz Private: Dazu gehört ja meist auch das Finanzielle. Und da scheinen ja gerade die Privilegierten Sprechbedarf zu haben.
    Die Eine leiht dem First Gentleman en passant 500.000, und ihr Mann erinnert sich erst später daran. Kein Wunder, auf dem Scheck stand ja kein Name.
    Die Andere investiert- komischerweise- auch 500.000, aber Dollar$, macht ein besseres Geschäft als 4% p. a. Zinsen, nämlich 15% sofort, der Mann aber weiß nix davon, und mußte nun den Hut nehmen.
    Hätten sie doch mehr gesprochen. Und zuvor nachgedacht.
    .
    Wie hoch werden denn die durchschnittlichen Scheidungskosten beziffert? Man müßte da fairerweise den Zugewinnausgleich heranziehen, nicht nur die Anwalt- und Gerichtskosten. Allein bei Paul McCartney und Mel Gibson reichte das wohl für ein Vielfaches.

  6. Über das ganz Private: Dazu...
    Über das ganz Private: Dazu gehört ja meist auch das Finanzielle. Und da scheinen ja gerade die Privilegierten Sprechbedarf zu haben.
    Die Eine leiht dem First Gentleman en passant 500.000, und ihr Mann erinnert sich erst später daran. Kein Wunder, auf dem Scheck stand ja kein Name.
    Die Andere investiert- komischerweise- auch 500.000, aber Dollar$, macht ein besseres Geschäft als 4% p. a. Zinsen, nämlich 15% sofort, der Mann aber weiß nix davon, und mußte nun den Hut nehmen.
    Hätten sie doch mehr gesprochen. Und zuvor nachgedacht.
    .
    Wie hoch werden denn die durchschnittlichen Scheidungskosten beziffert? Man müßte da fairerweise den Zugewinnausgleich heranziehen, nicht nur die Anwalt- und Gerichtskosten. Allein bei Paul McCartney und Mel Gibson reichte das wohl für ein Vielfaches.

  7. Wenn wir spätestens aus der...
    Wenn wir spätestens aus der Finanzkrise etwas gelernt, dann die Erkenntnis, dass ohne Normativität gar nichts funktioniert.
    Die Frage ist, welche Rolle bzw. Funktion „Familie“ (und das ist de facto die Sphäre, bei der man von reden sollte, wenn es um welche auch immer geartete Ehe geht, reden sollte) in der Gesellschaft spielen sollte.
    Das individualistische, „(post-) moderne“ Argument, welches immer beim Thema „Ehe“ durchdekliniert wird, ist ein bequemes aber suboptimales Argument. Die Beschränkung auf das eigene „Ich“ hilft bei zentralen, gesellschaftlichen Themen nicht weiter. Das ist auch der Grund, warum heute BWL- bzw. VWL-Studenten mit „Rational Choice“-Theorien nur noch wenig anfangen können.
    Der konservative, manchmal möglicherweise auch als reaktionär empfundene gesellschaftspolitische Ansatz, dass die Familie die kleinste Einheit (danach kommt die polis) der Gesellschaft ist, zeigt, dass man die Bedeutung der Sphäre „Familie“ nicht unterschätzen darf.
    Gleichzeitig darf der Staat nicht einfach eine Schablone durchsetzen. Wie überall wäre eine solche Maßnahme fatal.
    „Demokratie ist Kompromiss“ (Helmut Schmidt). Im Prinzip gilt für Ehe/Familie dasselbe. Rein funktionale Partnerschaften basierend auf wasserdichten Eheverträgen, die eher Fusionsverträgen bei Unternehmen gleichen, sind nicht nur unromantisch sondern zeigen auch gleichzeitig, dass dieses zeitlich begrenzte Projekt, welches bei der Existenz von Kindern min. 18 Jahre halten sollte, zum Scheitern verurteilt ist.
    Wichtig wären empirische Untersuchung, in welchem Umfeld Kinder am besten „entstehen“ und gefördert werden.
    Diese Frage ist in Zeiten des demographischen Wandels nicht nur eine normative sondern auch die zentrale ökonomische Frage!
    Und diese Frage wird bereits bei der Sphäre „Ehe“ elegant ausgeklammert.

  8. Zeitloses:
    Au mariage et à la...

    Zeitloses:
    Au mariage et à la mort,le diable fait son effort.
    Bei der Hochzeit und beim Tod gibt der Teufel sich Mühe.

  9. "Die Ehe ist out. Wer noch an...
    „Die Ehe ist out. Wer noch an sie glaubt, ist hoffnungslos romantisch. Junge Paare, die heiraten wollen, gelten als reaktionär. “
    .
    Das ist sicher ’ne ganz tolle revolutionäre und auch schicke Ansicht, aber letztlich doch wohl nur die einsame Meinung einer einzigen Person.
    Nächstes Thema…

  10. Die Ehe meiner Eltern hat ein...
    Die Ehe meiner Eltern hat ein Leben lang gehalten. Es schien nicht jeden Tag die Sonne. Alltagstrott. Was soll daran verwerflich sein ? Es ist schon erfreulich, wenn man merkt, dass man eine Familie hat und auch braucht. In guten, wie in schlechten Zeiten. Ich denke, in dem Punkt kann man richtig konservativ sein.
    .
    Die Kosten sind, wenn man sich liebt, nicht von Bedeutung. Irgendwie wurstelt man sich schon durch. Von „modern“ würde ich gerade in Hinblick auf patchwork überhaupt nichts halten. Es geht ja darum, nicht nur sich selbst das Leben schön zu gestalten, sondern auch den Kindern eine möglichst angenehme Zukunft zu ermöglichen. Gewiss werden die auch selbst ihren Teil dazu beitragen müssen.
    .
    Man kann es drehen und wenden, wie man will, eine Familie zu haben ist kaum ein Fehler. Nicht schön ist es, wenn Familien zerbrechen.

  11. @HerrSchmitz Der Begriff der...
    @HerrSchmitz Der Begriff der Ehe ist kaum von dem religiösen Geschmack zu befreien. „Willst Du mich heiraten?“ klingt zudem immer besser als „Möchtest Du einen Familienvertrag mit mir?“ Das Problem ist also nicht nur eines der rechtlichen Gleichstellung und Steuerreform, sondern auch eines der Sprache. Vermutlich kommt der Staat auch schneller als wir denken zu diesen Auffassungen und passt sich dem Wandel der Gesellschaft an. Dagegen hält jedoch die Industrie, die alte Geschlechtermodelle braucht, um Hochzeiten teuer zu verkaufen. Wie löst man sich vom Blüten auf Kirchenstufen, dem Brautschleier und all diesem Müll? Mädchen werden schon im Kleinkindalter auf das weiße Kleid scharf gemacht. Frauen gelten als verzweifelt, wenn sie den Antrag stellen. It’s a long way to go.

  12. "Blüten auf Kirchenstufen.......
    „Blüten auf Kirchenstufen…. und all diesem Müll.“
    Da kann ich mir aber wirklich Schlimmeres vorstellen.
    Zum Beispiel so was wie im Kommentar von Michael, letzter Satz. (Übrigens dazu und auch zu den Absätzen davor meine volle Zustimmung.)

  13. Meine Idee ging auch eher in...
    Meine Idee ging auch eher in Richtung Auflösung des Ehebegriffs in Richtung des Partnerbegriffs, den es dann subjektiv gilt mit Sinn zu füllen. Meine Frage wäre hinsichtlich des romantischen Aspekts eher „Willst Du für immer mit mir sein?“. Das klingt auch besser als „Willst Du mich heiraten?“. Zumindest in meinen Ohren. Was Vater Staat dann an Boni für eine eingetragene Partnerschaft parat hält, sollte dann wirklich auf einem ganz anderen Blatt stehen. Denn die Verquickung von persönlichem Glück und Staat ist genau das Problem, an dem die Ehe als Institution krankt.

  14. @Teresa Maria...
    @Teresa Maria Bücker
    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Das soll kein Antrag sein. Aber, warum soll die Ehe einen religiösen Beigeschmack haben ? Eine Religion ist doch wohl so ziemlich das Unwichtigste in unserer Zeit. Auch irgendwelche Steuern. Wen juckt denn sowas, wenn man heiraten will ? Um es deutlicher zu schreiben, man muss schon ganz schön (geistes-)krank sein, wenn Religion oder Steuern Gründe für die Hochzeit gewesen wären. Oder ?

  15. Lieber Michael,

    wenn Sie die...
    Lieber Michael,
    wenn Sie die Ehe als rein persönliche Sache begreifen, ist Staat und Kirche völlig egal, das ist richtig. Automatisch profitieren Sie aber davon.
    Wenn man den größeren politischen Rahmen betrachtet gibt es eben Menschen, die die Ehe nicht in Anspruch nehmen können, der Staat gewährt ihnen dieses Recht nicht und begreift die Ehe als etwas, dass nur heterosexuellen Paaren zugänglich sein soll. In diesem Verständnis der Ehe spielt religiöser Glaube die Hauptrolle.
    Für Menschen, die sich für eine vollständige Gleichstelltung in Sachen Ehe und Steuervorteile für alle Formen der Familie einsetzen, kann es daher ein politisches Statement sein, nicht zu heiraten.

  16. @Liebe Teresa Maria...
    @Liebe Teresa Maria Bücker,
    um ehrlich zu sein, ich würde eine Ehe als die persönlichste Sache der Welt ansehen. Insofern gäbe ich Ihnen Recht. Warum sollte jemand, der liebt, profitieren wollen ? Das ist das Übel unserer Gesellschaft. Aber egal. Ich persönlich glaube nicht, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen aus relgiösen Gründen oder wegen steuerlicher Vorteile heiratet. Leider geht es noch zu oft schief. Eine Frage ist, warum ? Die muss näher geklärt werden.
    .
    „ein politisches statement sein, nicht zu heiraten“… Warum sollte man was gegen Gleichstellung haben und deshalb nicht heiraten ? Wirklich, wenn man meint, der / die wäre es, nur Mut ! Unabhängig von Glaube oder Religion, es kann höchstens schiefgehen. Das träfe in leider immer noch 50% der Fälle ein.
    .
    Meine Zeit ist um. Mein Chef erwartet mich morgen ziemlich früh.

  17. "Erst ein Adjektiv klärt, um...
    „Erst ein Adjektiv klärt, um welche Art von Verhältnis es sich handelt: um eine partnerschaftliche, kameradschaftliche, eine konventionelle, eine moderne oder eben eine intellektuelle Ehe?“
    Bis man die Adjektive ausdiskutiert hat ist die holde längst weg. Kann man nicht mal ausnahmsweise die Kirche im Dorf lassen?

  18. Glückwunsch. Sie haben ein...
    Glückwunsch. Sie haben ein Thema gefunden, über das sie schreiben konnten. Wenn auch Unsinn. Warum heiratet eigentlich nahezu jedes Paar irgendwann, wenn die Ehe doch angeblich so kritisch gesehen wird?

  19. Du und ich, wir tun uns...
    Du und ich, wir tun uns zusammen, gegen Gott und Teufel, ringen wir dieser Welt ab, das wir unsere Realität selbst konstruieren.
    Ja diese romantischen Träume, schön sind sie.
    Dann kommt einem doch immer die schnöde realexistierende Realität dazwischen.
    Ade ihr Frauen, unter den existierenden Gesetzen ist keine partnerschaftliche Beziehung möglich, ihr Opfer, zum Küssen bin ich bereit, Verträge mit Ehe und Kindern sind sittenwiedrig, also liebe Theresa, Ihre realexistierende Ehe wird zum Ladenhüter, da gerade die informierten Männer wissen, das die süßen Versprechen all zuoft im emotionalen und finanziellen Ruin enden.
    Seitdem ihr Frauen euch dem Staat als Patriarch zugewendet habt, der von der Wiege bis zur Bahre eure Lebensrisiken übernimmt, fragt doch dort nach, ob noch jemand eure anderen Bedürfnisse zu erfüllen hat.

  20. Wenn Vertragsmanagement...
    Wenn Vertragsmanagement Gefühle stabilisieren soll, gerät selbst die Romantik ins Wanken. Ehe hat für diejenigen am meisten Sinn, die von ihr nicht mehr erwarten, als ein kleines Zeichen zu setzen. Ob es in jedem Fall die „aufrichtigste“ (H. Böll) Form des menschlichen Zusammenseins ist, darf bezweifelt werden.

  21. Die Ehe sollte man nicht...
    Die Ehe sollte man nicht rehabilitieren wollen. Es gibt zwar ein Bedürfnis, einen verlässlichen Partner zu haben und ein verlässlicher Partner zu sein, aber in der Ehe wird dieser schöne Wunsch meist zuschanden gefahren. Es bleibt bestenfalls Resignation und freundliche Gleichgültigkeit und schlimmstenfalls Abneigung und Wut, welche nur durch eine ehrliche Scheidung einigermaßen glimpflich wieder beendet werden kann.
    Im übrigen hat die Ehe ihren kulturellen Ursprung im Alten Testament und dort steht soviel weiterer hahnebüchener Unsinn, dass die Vermutung berechtigt ist, dass auch die Ehe ein absoluter Unsinn ist.
    Die Liebe dagegen ist kein Unsinn, wenn sie auch manchmal Kummer bereitet.

  22. Und das im Blog einer...
    Und das im Blog einer „konservativen“ Zeitung…
    Meiner Meinung nach ist die Ehe von den Vätern und Müttern des Grundgesetzes nicht umsonst als ein wesentlicher und unveränderlicher Grundwert unserer Gesellschaft festgehalten worden. Diese Wertung finde ich persönlich sehr richtig, da ich die Ehe noch als „Keimzelle“ unserer Gesellschaft begreife, die einem konservativen Familienbild entspricht und zum einen das Zusammenleben von Mann und Frau rechtlich regelt und auf eine geregelte Grundform dieser Beziehung in unserer Gesellschaft zielt: Versorgung, Kinder und auch steuerliche Anreize inklusive. Nur weil sich die Hoffnung auf eine Wirksamkeit einer Subvention nicht immer erfüllt ist es trotzdem kein Fehler sie zu gewähren.
    Damit mich hier keiner falsch versteht: Ich bin nicht gegen irgendwelche anderen Formen von Beziehungen. Allerdings halte ich die steuerliche Förderung von anderen Beziehungen als der Ehe nicht für angebracht, denn dabei greift eben gerade diese Grundwertung nicht. Gerade eine steuerliche Gleichstellung sämtlicher anderer Beziehungsformen läuft nämlich auf eine Gleichstellung von Regel und Ausnahme hinaus, die dem Grund(gesetzlichen)-Wert der Ehe widerspricht.
    In unserer ausnahmefixierten Welt werden nämlich leider oft die Grundsätze vergessen. Sich auf diese zu besinnen ist nämlich wesentlich um die Ausnahmen auch in ihrer Besonderheit zu Begreifen.
    Einen konservativen Gruß

  23. Die pragmatische Ehe ist allen...
    Die pragmatische Ehe ist allen anderen adjektivistischen Formen der Ehe überlegen. Vor zwei Jahren konnte ich nach 25 glücklichen Jahren Silberhochzeit mit meinem geliebten Gummibaum feiern. Er erfreut mich täglich mit dem Glanz seiner Blätter, ist ein wundervoller Zuhörer, labert niemals dummes Zeug, stinkt nicht, trinkt nicht (jedenfalls keinen Alkohol), hat mich nicht einmal geschlagen und ist mir in all den Jahren nie untreu geworden. Möge unser stilles Glück noch viele, viele Jahre wären.

  24. Der tiefere Sinn der Ehe sind...
    Der tiefere Sinn der Ehe sind Kinder. Drei an der Zahl, zwei sind zu wenig. Und vorausgesetzt, für seine Leibesfrucht ist jeder selbst verantwortlich, und den Nutzen von ihnen hätte er selbst. Nicht Vater Staat als Versorger und Umverteiler. Kinder sind eine große Aufgabe und ein hohes Wagnis, besonders für die Frau. Zusammenhalten ist darum nötig, das heißt Ehe.

  25. Jau, jau, dieses ganze mediale...
    Jau, jau, dieses ganze mediale Wortgeklingel.
    Wenn Blinde über Farbe reden kommt nichts dabei heraus.
    Hat noch niemand Alice informiert dass es hier für sie was zum kommentieren gibt,
    dann wäre das Thema ja in kompeteten Händen?

  26. Was für ein armseliges...
    Was für ein armseliges Zeitalter.
    Wie gern würd ich jetzt auf dem Wiener Zentralfriedhof spazieren gehen, um ein bissel Optimismus zu tanken.
    Adveniat Alaricus Rex.

  27. Wie tröstlich, dass...
    Wie tröstlich, dass wenigstens die Schwulen noch an die Ehe glauben.

  28. Danke für einen wirklich...
    Danke für einen wirklich bedenkenswerten Artikel zur Ehe, bzw. zur dauerhaften und fordernden und fördenden Zweisamkeit gerade auch in der modernen, kalten Zeit:
    Intime Beziehungen sind schon immer der Inbegriff von persönlicher Nähe, Wärme und Geborgenheit, in guten wie in schlechten Zeiten. Was heute im Zeitalter der scheinbaren Beliebigkeit fehlt, ist eine bessere Besinnung auf die Wurzeln und Notwendigkeiten einer „Beglückenden Beziehung“: Zeit und Zuwendung, Zoff und Zärtlichkeit mit Aufklärung, Einfühlung und Dialog von Geburt an. Dazu schreibe ich gerade ein Buch über die fatale Verherrlichung aller und gerade auch der alleinerziehenden Mütter. Dazu notwendig ist die wissenschaftlich fundierten Weiterbildung aller Mütter und Stellvertreterinnen (Tante, Oma, Vater) zur optimalen Entwicklung unserer Kinder zu selbst bestimmten und selbstverantwotlichen Menschen für ein Leben in eigener Freiheit und Verantwortung.

  29. "Für Menschen, die sich für...
    „Für Menschen, die sich für eine vollständige Gleichstelltung in Sachen Ehe und Steuervorteile für alle Formen der Familie einsetzen, kann es daher ein politisches Statement sein, nicht zu heiraten.“
    .
    diese argumentation kann dazu führen, dass man nicht mehr als reis oder hirsebrei zu sich nimmt, solange nicht jeder mensch zugang zu vielfältigem gemüse erhält.
    selbstverständlich sollte über die ausweitung der ehe nachgedacht werden.
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    schade, liebe Teresa Maria Bücker, denn solch schale argumente hätte ich nach ihrem artikel nicht erwartet.
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    Milosz Matuscheks zweitem satz möchte ich zustimmen. es geht darum, einander die verbundenheit zu zeigen, in guten wie in schlechten tagen. eine ehe untermalt vielmehr die – zumindest zeitweise bestehende – gewissheit, dass man für immer zusammensein möchte, sie ist ein schönes versprechen.
    gleichwohl soll gut bedacht werden, wenn man sich anlacht.
    .
    um etwaige steuervorteile geht es nicht, wenn man einander zu ehelichen beschliesst. zum glück riecht eine ehe nicht nach verbrühter milch und langeweile, wie es hier anklingt.
    .
    in meinem freundeskreis – in dem viele ehepaare sind, und, nein, sie sind nicht langweilig – würden manche ganz furchtbar gerne heiraten, wenn sie sich nur einigen könnten, wer wem die frage zuerst stellen darf – oder wenn sie nur wüssten, wen…
    .
    chacun à son goût.
    .
    lieber HansMeier555, bis jetzt sind das noch überzeugungstäter.
    zahlreiche heten schliessen sich leider aus konventionsgründen zusammen, ohne allzu sehr über die konsequenzen gerade mit dieser betreffenden person in ihrem leben im klaren zu sein.
    .
    wenn schwule/lesben einmal soweit sein werden, dass ihre mütter nach einem schwiegersohn/einer schwiegertochter nörgeln, dann ist alles gut.

  30. "Zu meiner Zeit gab es die...
    „Zu meiner Zeit gab es die Bezeichnung „alleinerziehend“ noch nicht, damals sprach man von „zerrütteten Verhältnissen“.
    (Julian Barnes)

  31. <p>@HansMeier555, 9 Uhr 9:...
    @HansMeier555, 9 Uhr 9: Derlei hegemonialen Heten-Hohn wollte ich mir ja eigentlich verkneifen, aber dieser Widerspruch ist mir auch aufgestoßen: Wenn die Ehe ach so unattraktiv ist, woher rührt dann der Privilegienneid von, ähm, außerhalb der heteronormativen Matrix? Wobei die Frage, ob der Staat die behördlich sanktionierte Zwangsmonogamie zwischen Mann und Frau nicht über Gebühr bevorzugt, durchaus legitim ist. Aber angesichts dieses Forderungskatalogs
    lesbenmanifest.blogger.de
    zur kompletten Umwandlung unseres Gemeinwesens kommen mir doch Zweifel, ob manche Vertreter_innen der Gleichstromfraktion noch alle Batterien an der Klemme haben. Mag sein, dass mir mein Privilegienp*n*s dabei im Weg steht, aber in dieser projektierten lesbischen Gesellschaft möchte ich nicht unbedingt leben, wenn ich nicht muss. Gleichstellung gerne, Bevorzugung nein danke!

  32. Lieber Herr di Novetre,
    mit...

    Lieber Herr di Novetre,
    mit den Homosexuellen ist es auf lange Sicht das selbe wie mit anderen aufgeklärten Bürgern: Ihre Emanzipation verschafft ihnen die Möglichkeit freiwillig auszusterben, und davon machen sie dann auch Gebrauch.

  33. Als relativ spätberufener in...
    Als relativ spätberufener in Sachen Ehe möchte ich diese Form des Zusammenlebens nicht mehr missen. Wir haben Vorteile finanzieller Art, das ist richtig. Nur waren diese weder ausschlaggebend noch kann ich die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare nachvollziehen.
    Die Ehe ist für mich kein Relikt früherer Zeiten und für uns keine Sache der Versorgung, sondern schlicht und ergreifend das Versprechen alles zu tun um den Traum einer lebenslangen Gemeinschaft zu verwirklichen. Dazu gehört viel Lernen und Verstehen und auch die dunkleren Tage überstehen und Lehren ziehen. Das klingt nicht nach Fast-Food? Nein, vielleicht nicht, aber ich möchte es nicht missen.

  34. Das ist jetzt zwar eher OT,...
    Das ist jetzt zwar eher OT, aber wie hat der geneigte Leser den Ring mit Kaugummiautomatenvipe interpretieren? Poststrukturalistischer Abgesang auf den Materialismus der heteronormativen Hochzeitsindustrie?

  35. lieber Marco Settembrini di...
    lieber Marco Settembrini di Novetre, die damen haben den kompromiss nicht eingepreist, weil man die treppe stets von oben kehrt. sie hätten nicht gleich die tour eiffel dafür hernehmen müssen, mais bon.
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    mit der ‚Zwangsmonogamie‘ allerdings haben sie die büchse der pandora geöffnet, denn kein mensch ist monogam. er soll es nur sein – aus wirtschaftlichen gründen, denn vererben und erben wäre recht kompliziert (von kuriosen kommunen, die sich vom aston martin bis zur erdbeermarmelade alles teilen, einmal abgesehen).

  36. @donna laura: Ich konnte dem...
    @donna laura: Ich konnte dem Institut der Ehe lange nichts abgewinnen, und hatte auch erst nach meinem 40 Geburtstag mein diesbezügliches Damaskus-Erlebnis. Vorher lebte ich abzüglich einiger Single-Jahre und einiger kürzerer Geschichten aber doch meistens „seriell monogam“, wie man das nennt und habe das auch nicht als Riesen-Bürde empfunden. Mit meiner Frau habe ich gerade das verflixte siebte geschafft (vor ebendieser der Zeitmarke hatte ich bei zwei längeren Beziehungen vorher die Latte gerissen), und mal gucken, wie weit wir kommen. Der Wille, das Eheversprechen zu halten, ist da, und wenn das Fleisch mal schwach sein sollte, weiß ich nicht, ob das zwingend das Ende sein müsste.

  37. Irgendwie muß ich auch...
    Irgendwie muß ich auch lesbisch sein, auch mich hat es schon zu Frauen hingezogen.

  38. @Marco di Novetre,
    beim...

    @Marco di Novetre,
    beim Manifest bin ich mit jedem Satz einverstanden, wenn man die Begriffe „Frau“ oder „Lesbe“ einfachheitshalber durch „narzißtischen Kampfwichser (m/f/n)“ ersetzt.

  39. MSdN und HM555: Das ist ja...
    MSdN und HM555: Das ist ja schon fast hatr-würdig was hier geschrieben wird. Verbrennt die Ketzer!

  40. @donna laura: schon länger...
    @donna laura: schon länger frag ich mich, womit sich die normative Beschränkung auf die Zwangsmonogamie bei unvoreingenommener Betrachtung noch begründet. „Versorgungsansprüche“, so man sie an seine Liebsten überhaupt stellen mag, ließen sich durchaus genauso gut in anderen Konstellationen festschreiben. Warum sollten sich ausgerechnet die Themenkomplexe „Erben“ und „Vererben“ nicht ebenfalls regeln lassen, ähnlich wie unter Geschwistern?
    Darüber hinaus wird mit dem Verzicht auf alleinige Besitzansprüche auf Erdbeermarmelade oder Aston Martins vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen dem Nachhaltigkeitsgedanken Genüge getan – ohne deswegen gleich auf Reis, Hirsebrei und Fahrrad umsteigen zu müssen.

  41. „Intellektuelle“ also...
    „Intellektuelle“ also platonische „Ehe“
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    Was ist Ehe, oder sollte man sagen „Liebe“, wenn sie „intellektuell“ ist? Ist diese Ehe/Liebe dann „platonisch“? Ich denke, man kann über dieses Thema nicht reden, ohne über Sexualität zu reden. Doch sollte man sich wohl hüten solchermaßen dann das Thema auch zu verfehlen. Wie bei Charlotte Roches (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1784) Romanfortsetzungen. Die Krise der Ehe ist längst eine Krise der „Liebe“ und darin längst Ausdruck von einer fundamentalen Krise des Sozialen. Und damit auch eine kategoriale Krise im wissenschaftlichen/erotischen Diskurs. Wissen wir überhaupt noch worüber wir reden? – http://blog.herold-binsack.eu/?p=1808). Daher denke ich, dass wir diesbezüglich ganz von vorne anfangen müssen. Inwieweit können die Geschlechter überhaupt noch (miteinander), bzw. geht es überhaupt noch um „Geschlechterliebe“, oder längst um schlechte Liebe (nicht nur im Sinne von „schlechten Sex“)? Das Wort „Geschlechtsliebe“ ist so vieldeutig wie nichtssagend. Und wo noch überall befinden wir uns diesbezüglich im „Umbruch“ (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1963)?
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    Bornemann prophezeite uns in seinem Werk „Das Patriarchat“, dass künftige Generationen androgyn (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1983) sein werden, dass sich also in absehbarer Zeit die kleine Differenz völlig überlebt haben könnte (eine hochaktuelle Prognose, wo diese zwischenzeitlich von Genetikern wie Bryan Sykes Unterstützung zu finden scheint, soll diesem nach das Y-Chromosom in nicht all zu ferner Zukunft aussterben (http://blog.herold-binsack.eu/?p=358). Was Bornemann noch nicht wissen konnte und was Sykes Thema nicht ist, ist der biotechnische Kontext (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1715) innerhalb dessen womöglich das Alles sich abspielt. Synthetische Organismen benötigen keine Geschlechterdifferenzierung. Wer könnte dann Sex von einer Wellnessbehandlung noch unterscheiden?
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    Vor allem aber ist Sex Kommunikation. Wo diese hinfällig wird (und vielleicht durch Telepathie http://blog.herold-binsack.eu/?p=1879 ersetzt), könnte somit auch Wellness in Form einer Computersimulation obsolet geworden sein.
    Androgyn, wesentlich autistisch, synthetisch – das „Subjekt“ der Zukunft (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1988) also?

  42. @Devin08: Bin weder Historiker...
    @Devin08: Bin weder Historiker noch Soziologe, und nach meinem laienhaften Dafürhalten dauert „die fundamentale Krise des Sozialen“ in etwa genau so lange wie der Zeitraum, den unsere Geschichtsschreibung abdeckt. Wie, wenn wir die Betrachtung daher einmal umdrehten und als Arbeitshypothese annähmen, dass diese „Krise der Liebe“ womöglich mehr der Normalfall ist als irgendwelche bukolischen Vorstellungen von einem vergangenen goldenen oder zumindest silbernen Zeitalter, in dem alles besser oder zumindest intakt gewesen sein soll?
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    Auf die ferne Zukunft in Androgynität und womöglich auch technisch-virtuell genullter Geschlechterpolarität brauchen wir auch nicht zu starren wie Moses über den Jordan ins Gelobte Land, allein, es hilft uns nichts, denn wir werden da nicht hinkommen und müssen uns mit den verbliebenen und unkalkulierbaren Anziehungs- und Abstoßungskräften zwischen den Individuen nun mal arrangieren.
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    Vielleicht ist der Vorschlag der Kollegin Teresa Bücker in diesem Zusammenhang wirklich eine gute Idee, ganz konkret von der Ehe zu berichten, von persönlichen und authenthischen Erfahrungen. Und wie Sie sagen, dabei bei Null anzufangen, keinen falschen und überkommenen Gewissheiten zu trauen. Anzuerkennen, dass wir bei Licht besehen nicht wirklich wissen, wovon wir reden, kann da durchaus ein erster Schritt in die richtige Richtung sein…

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