Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Der Reklame-Rubikon ist überschritten

| 53 Lesermeinungen

Der Werbemotor im Onlinesektor läuft auf Hochtouren. Aber der Erfolg im Kommerziellen wird für das Medium Internet allmählich zum Problem – immer mehr User versuchen sich dem Werbedruck zu entziehen.

Die traurige Geschichte stand nur sehr kurzzeitig online, aber so viel lässt sich noch rekonstruieren: In London wurde dieser Tage ein Teenager von seinen Eltern aus dem Haus geworfen, nachdem ihnen dämmerte, dass ihr Filius womöglich homosexuell ist. Und wie waren sie seinen Neigungen auf die Spur gekommen? Anhand von einschlägigen Partnersuche- und Dating-Anzeigen im Facebook-Profil des jungen Mannes.

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Da könnte man natürlich einwenden: Je nun, das eigentliche Problem an der Geschichte ist doch nicht die mehr oder weniger gut gezielte Onlinewerbung – sondern das intolerante familiäre Umfeld des jungen Mannes. Aber es führt kein Weg dran vorbei: Das Unbehagen an der Online-Werbung wächst. Und zwar auch bei jenen, die beruflich mit ihr zu tun haben. Thomas Koch, lange Jahre Agenturinhaber und Deutschlands bekanntester Werbeplaner, bezeichnet sich als bekennenden Online-Addict – und ist zunehmend genervt: „Wie jeder andere Online-User rege ich mich auf über Websites, die mit Bannern zugemüllt sind, und über jedes Pre-Roll und Pop-Up, das sich meiner Online-Nutzung in den Weg stellt.“ Ein schöner TV-Spot oder eine ansprechende Anzeige könne ihn gern zum Kauf verführen. „Aber Online-Werbung lässt mich kalt. Besonders dann, wenn ich mich ,ge- und re-targetet‘ fühle.“

Mit dieser Auffassung steht Koch in seiner Branche nicht allein. Das Retargeting, also das gezielte Mehrfachansprechen eines Users, der eine Anzeige angeklickt hat oder beim Ausfüllen eines Online-Formulars wieder ausgestiegen ist, wird noch viel zu oft nach der Holzhammer-Methode eingesetzt: „Einmal online nach Funktionswäsche geguckt, und schon ist das ganze Internet voller Radlerhosen – das ist kein Re-Targeting sondern Stalking“, sagt Lothar Prison, Chief Digital Officer beim Agentur-Netzwerk Zenith-Optimedia in Düsseldorf. Dabei könne man es auch schon mit heutigen Technologien schlauer anfangen. Wenn der User die Radlerhose nach drei Werbemitteln dieser Art immer noch nicht kauft, zeigt man ihm beim nächsten Mal vielleicht eine Trinkflasche oder einen Fahrradhelm.

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Aber von so viel Intelligenz und Einfühlungsvermögen ist die ach so kontextsensitive und interessensgenau ausgesteuerte Online-Werbung vielerorts noch weit entfernt. Wie schon vor Jahresfrist berichtet, bekommt der Verfasser dieses Beitrags bisweilen immer noch Werbung für Singeportale und Dating-Seiten eingeblendet – und das auch dort, wo er seit Jahren die Information „verheiratet“ im Mitgliederprofil stehen hat. Das Versprechen der nur noch auf echte Interessen des Users zielenden Werbung harrt also nach wie vor seiner Einlösung. Und selbst eine Datenkrake wie Facebook, der ja nachgerade ein Füllhorn an kommerziell vielversprechenden Eigenangaben von Mitgliedern zur Verfügung steht, landet (wenn überhaupt) oft eher Zufallstreffer. Thorsten Kleinz hat für das ZDF-Blog Hyperland kürzlich aufgelistet, was Facebook ihm als „Werbeanzeigen, die Ihnen vielleicht gefallen könnten“ präsentierte. Sein ernüchtertes Fazit: „Der Deal war eigentlich: ich gebe Facebook meine Daten und dafür liefert mir das Ach-so-sozial-Netz die passende Werbung, punktgenau auf meine Bedürfnisse abgestimmt. Doch auf meinem Bildschirm geht der Deal nicht auf. Statt interessanter Werbung bekomme ich Einheitsbrei vorgesetzt. Und der ist von sagenhaft schlechter Qualität.“

Wie schon Ede Zimmermann immer zu sagen pflegte: Leider kein Einzelfall. Selbst der notorisch begeisterungsfähige Online-Ironikese Sascha Lobo warnt inzwischen davor, dass schlechte Web-Werbung die Demokratie gefährden könne. Das ist eine witzige Volte insofern, als Lobo vor ein paar Jahren mit der Gründung einer Werbevermarktungsfirma für Blogs reichlich Gelegenheiten gehabt hätte, zu zeigen, wie gute Internetwerbung aussehen könnte und funktioniert. Dezent werbekritische Einwände beantwortete der frischgebackene Firmengründer anno 2007 mit der Aufforderung, über die Werbeverdammung vielleicht mal im Rahmen eines Praktikums in Nordkorea nachzudenken. Was letztlich nichts anderes war als das alte „Dann geht doch rüber in die Ostzone“-Argument in neuerer Diktion.

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Aber gut, dazulernen darf schließlich jeder. Und Lobos besinnlicher Aufsatz aus der Vorweihnachtszeit 2010 macht ja durchaus einige Punkte: „Bis heute gleicht SEO (Suchmaschinenoptimierung) öffentlichen Toiletten: Kaum jemand bezweifelt ihren Sinn, aber es ist nicht der Ort, wo man gern Geschäfte macht, außer in zweifelhaften Branchen.“ Richtig auch die Diagnose des Teufelskreises, dass Banner immer nerviger auf aufmerksamkeitheischender werden, je weniger Leute überhaupt darauf klicken. Nicht zu reden von den Zumutungen durch Pop-Ups, Pop-Unders und die besonders perfiden Layer-Ads, die sich kaum weggklicken lassen. Kein Wunder, dass immer mehr Nutzer nur noch mit Pop-up- oder Werbeblockern im Netz unterwegs sind. Wie groß diese Dunkelziffer ist, darüber fehlt es an belastbaren Zahlen, aber konservativ geschätzt dürfte etwa die Hälfte der Internet-Nutzer mit Pop-up-Blocker unterwegs sein, und rund ein Drittel aller Surfer versucht, Werbung komplett auszublenden, also auch statische Banner und dergleichen.

Dass die Inhalteanbieter darüber alles andere als glücklich sind, liegt auf der Hand. Frank Patalong von „Spiegel Online“ versuchte vor einiger Zeit (vermutlich vergeblich), der Lesergemeinde ein schlechtes Gewissen einzureden: „Es kann nicht sein, dass Web-Nutzer, die zum einen Qualität einfordern und billig Produziertes zurecht ablehnen, reflexhaft abwehrend auf Werbung reagieren.“ Nun, das kann sehr wohl sein. Denn dieser Deal Inhalte gegen Werbebeachtung, von dem Patalong schrieb, ist von vielen Nutzern ja nicht mut- oder gar böswillig aufgekündigt worden. Vielmehr ist es irgendwann zur unumgänglichen Notwehrmaßnahme geworden, sich die immer aufdringlicher brüllenden Reklameformen vom Hals zu halten, die Layer-Ads und die Videos, die sofort losplärren, wenn man eine Seite aufruft. Sicher, es waren nicht „Spiegel Online“ oder FAZ.NET, die mit Nerv-Reklame negativ aufgefallen sind. Und so mag man es bedauern, dass die dezenteren Werbeangebote auf diesen Seiten gewissermaßen in Sippenhaft genommen werden für den grassierenden Werbe-Overkill anderswo. Aber beim Fernsehen käme doch auch kein Werbeverantwortlicher oder Programm-Macher auf die Idee, jenen Zuschauern ein schlechtes Gewissen machen zu wollen, die zum Beginn des Werbeblocks Richtung Kühlschrank oder Toilette entschwinden. Bisschen Schwund ist eben immer, und die Differenz zwischen Programm-Einschaltquote und der durchschnittlichen Quote im Werbeblock ist im Tarif schon eingepreist.

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Fernsehwerbung flimmert hierzulande seit über 50 Jahren über die Bildschirme, Anzeigen im Gedruckten kennt man schon sehr viel länger. Vielleicht muss das Internet als Werbeträger auch erst noch erwachsener werden, bis sich ein halbwegs stabiles Gleichgewicht des Schreckens zwischen dem Werbedruck der Anbieterseite und der Aufnahmebereitschaft der Rezipienten einpendelt. Vorige Woche hat die „PC-Welt“ berichtet, dass der vielgenutzte Firefox-Werbeblocker Ad Block plus seit der Version 2.0 darauf eingestellt ist, unter Umständen Werbung von bestimmten Anbietern durchzulassen, wenn sie gewissen Anforderungen genügt. Die ersten Reaktionen darauf lassen den Schluss zu, dass der Add-on-Anbieter sich damit zwischen alle Stühle setzt – vor allem, wenn es stimmt, dass Website-Betreiber dafür zahlen sollen, dass Ad Blocker ihre Werbung durchlässt und nicht blockt. Nach Auffassung von Christian Sickendieck vom Blog F!XMBR ist damit der Reklame-Rubikon gewissermaßen überschritten, und für ihn ist das kleine und nützliche Zusatzprogramm zum Firefox damit zur Malware geworden, also einem Schadprogramm, welches das Gegenteil von dem tut, was es eigentlich sollte. Wobei diese fundamentalistische Auffassung längst nicht von allen geteilt wird, die sich in der Angelegenheit zu Wort melden. Für viele – wie zum Beispiel auch den Verfasser dieses Beitrags – ist es hingegen nicht zuletzt die Werbedosis und Penetranz, die das Gift macht. Werbung nervt? Not always, but always ultra.

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53 Lesermeinungen

  1. Leider müsste die im...
    Leider müsste die im Eingangsabsatz geschilderte, traurige, Geschichte noch viel häufiger passieren. Und immer öffentlich. Erst wenn Nutzer konkrete Nachteile durch Werbenutzung ihrer „privaten“ Daten erfahren bzw. diese Gefahr auf sich selbst übertragen, wird sich etwas ändern. Vorher nicht – menschliches Gundprinzip. Und „nerven“ alleine reicht nicht aus, Nutzer aus dem Netz zu vertreiben, dazu sind die Bequemlichkeitsvorteile zu gross. In BWL-Deutsch: Werbemüll erzeugt keine ausreichend hohen Transaktionskosten :-).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Es ist richtig, der Deal ist...
    Es ist richtig, der Deal ist übertrieben worden.
    Von den Werbetreibenden, die es übertreiben.
    Aber auch von den Online-Nutzern, die alles gratis haben wollen.
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    Wa ist passiert? Auf Seiten der Werbung: Online-Werbung ist billig, die Klickraten sind billigst, die Aufmerksamkeitsrate geht online umgekehrt auch nach unten. Also mehr desselben und dem User auf den Pelz rücken als fragwürdiges „Rezept“.
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    Auf Seiten der Nutzer: Der aufgeklärte Nutzer hat seinen Ad Blocker, meinethalben auch den, der wieder ein bisschen was erlaubt (ich bin da nicht so fundi). Der nicht-aufgeklärte Nutzer lässt sich zublinkern und grollt.
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    Verstehen muss man beide Seiten nicht mehr.
    Warum zahlt man als Nutzer nicht ein bisschen was für gute Inhalte.
    Warum hält man als Werbetreibender mehr desselben und Penetranz für eine gute Idee.
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    Meine Mann würde sagen:
    Because they can.
    Und damit würde er beide Seiten meinen.

  3. @Vroni:
    Yes, Madam, Ihr Mann...

    @Vroni:
    Yes, Madam, Ihr Mann hat Recht. Selbststeuerung hat beim Menschen noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren. Und schon dreimal nicht, wenn sie auf Selbstbeschränkung hinausläuft.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  4. Das einzige Risiko, das ich...
    Das einzige Risiko, das ich sehe, ist, dass irgendwann so Premium-Content wie die NYT kostenpflichtig wird, und ansonsten nur der Rest ohne Werbung, der aus Liebe oder um der Sache willen produziert wird, übrig bleibt. Also Forschung/Unis, Wikipedia, Blogs und Homepages bleiben, der kommerzialisierte Content, der um Werbung herum gestrickt wird, damit man diese ansieht, verschwindet. Vielen würde dann viel fehlen. Ich fände das aber gar nicht so schlimm, ich stelle mir so ein Netz ganz angenehm vor. Ein bischen war es ja bereits einmal so.

  5. Keine persönlichen Profile im...
    Keine persönlichen Profile im Netz irgendwo anlegen (wir sind schließlich Erwachsene) und für den Rest: Ad-blocker. Man kommt damit gepflegt ins Internet, ohne groß angeblöfft zu werden. Der Ton ist sowieso immer aus.
    Und beim Anmelden bei einem der kostenlosen Mail-Server einfach im Fragebogen („Welche Interessen?“) nix anklicken oder nur 1 x Unsinn.
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    Ich hab die oben geschilderten Probleme nicht, da ich allergisch gegen Reklame bin und entsprechendes tat. Auch per Post hab ich mich dermaßen dagegen gewehrt, dass ich seit Jahren so gut wie gar keine Reklamepost mehr bekomme; eine Mitbewohnerin fragte mich inzwischen, wie ich das gemacht habe, denn sie erstickt inzwischen darin… Ich hab’s ihr kurz erklärt.
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    Es geht also, wenn man will.
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    Schön zu sehen, dass hier mal einer – quasi offiziell – von Reklame spricht anstatt „Werbung“. Ich (und Max Goldt) fordern und tun das schon ewig und einen Tag.
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    Können die Reklamefuzzis eingentlich auch was sinnvolles, oder haben sie nur gelernt, die Menschen – meist auch noch plump – anzulügen?
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  6. Also dass Adblock Plus Malware...
    Also dass Adblock Plus Malware sein soll, ist ziemlicher Bloedsinn. Die erwaehnte teilweise Durchlaessigkeit laesst sich einfachst abstellen, indem man das standardmaessig gesetzte Haekchen bei „allow some non-intrusive advertising“ in den Filteroptionen entfernt. Das duerfte doch jeder Nutzer noch hinbekommen, oder?

  7. @Klaus: Allergisch bin ich...
    @Klaus: Allergisch bin ich nicht, aber es braucht auch nicht allzuviel, um mich zu nerven. Ansonsten stehe ich dem Gewerbe gar nicht so fern, immerhin verdiene ich ich meine Brötchen in der einschlägigen Fachpublizistik, und das täte ich nicht, wenn ich das Themenfeld nicht auch einigermaßen interessant fände. Ich habe es hier so manchem notorisch reklamophoben Kommentator auch schon gesagt, dass ich das Argument, Werbung würde plump lügen, seinerseits etwas, nun ja, platt und borniert finde. Konsequent weitergedacht basiert doch unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem auf Lügen, die Werbung ist da nur der plakative Punkt, an dem es auch dem sich kritisch und aufgeklärt dünkenden Mindermerker auffällt, dass das System ein paar Webfehler hat. Wenn platte Lüge aber wirklich das Hauptproblem der Werbung wäre, wäre es für Wettbewerber und Verbraucherschützer ein leichtes, den Werbetreibenden unter Hinweis auf UWG und was weiß ich zu verklagen bis dorthinaus. Wahrscheinlich hält sich die Bevölkerungsmehrheit für mehr oder minder werbekritisch oder gar resistent, und kurioserweise wird trotzdem weiterhin gekauft, gekauft, gekauft. Die Kunst, Leute dazu zu kriegen, Geld auszugeben, das sie nicht haben für Sachen, die sie streng genomen nicht brauchen, um damit Leute zu beeindrucken, die sie nicht mal mögen, kann so trivial nicht sein, wie sich Erich Mustermann das immer vorstellt. Ich meine, wenn alle so kritisch und aufgeklärt wären wie sie immer behaupten, dann wäre der Konjunkturmotor schon in den 60er oder 70er Jahren abgesoffen, nachdem Vance Packard uns über die „Hidden Persuaders“ belehrte. Wie wir aber wissen, wird von den meisten aber frühlich und unbekümmert weiterkonsumiert als obs kein Morgen gäbe. Und ich fürchte, der Erklärungsansatz, dass in der Werbung halt nach Strich und Faden gelogen werde, greift da deutlich zu kurz, weil er die subtilen und langfristig wirkenden Meta-Mechanismen der Bedürfnisweckung nicht auf dem Schirm hat.

  8. @Vroni & ThorHa: Ja, das sind...
    @Vroni & ThorHa: Ja, das sind die großen Fragen, auf die ich auch keine einfache Antwort habe. Wann und wo wäre das windows of opportunity offen gewesen, Bezahlschranken für bestimmte Inhalte zu etablieren? Zu dem Zeitpunkt, als das theoretisch noch gegangen wäre, klemmte es an Micropayment und ähnlichen Details. Das wäre heute technisch nicht mehr so ein Problem, aber der Markt hat sich in der Zwischenzeit eben anders entwickelt. Ich habe im Spiegel- und FAZ-Archiv oder bei Genios da und dort bezahlt für Inhalte, aber zugegebenermaßen weniger zum Privatvergnügen als vielmehr im Rahmen von Aufträgen.
    .
    Was die Werbung angeht, kann ich ThorHa nur beipflichten: Solange Nervkram (inklusive Spam) so billig zu streuen ist, braucht man auf ein Umdenken (im Sinne von: Besserung) wohl nicht zu hoffen. Wobei das Szenario von Kommentator mir auch nicht so weit hergeholt scheint. Mit Apps gelingt es ja manchen Anbietern, Zahlungsbereitschaft zu wecken, warum nicht kombinierte Netz- und Mobilangebote im Paket vermarkten? Das wird sicher nicht die Rettung für alles sein, was uns heute noch zur Auswahl steht, kann schon sein, dass sich die gewohnten Mischungsverhältnisse von kostenlosem Me-too, Non-Profit-Zeugs und Premum-Content mehr als nur graduell verschieben in den kommenden Jahren.

  9. Lieber Klaus,
    "Können die...

    Lieber Klaus,
    „Können die Reklamefuzzis eingentlich auch was Sinnvolles, oder haben sie nur gelernt, die Menschen – meist auch noch plump – anzulügen? “
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    Gute Frage.
    War 12 Jahre selbst Reklamefuzziene.
    Wir hatten das Prinzip „Truth Well Told“ gelebt. Mit solcher (zwar auslegbarer, hust, aber größtenteil edler) Maxime wird man als Werber heutzutage jedoch nichts mehr.
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    Lüge:
    Lüge ist das Eine und jedem hinterherlurken des Online-Targeting das Andere.
    Wenn man mich „bloß“ anlügt (das tut die Politik ja auch, nicht nur die Werbung), von mir aus. Das ist ja fast schon kulturell gelernt. Aber einem hinterhergurken in die intimsten Bereiche, das ist Grenzen überschreiten.
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    Nur: In einer als grenzenlos betrachteten Welt, in der den Konsumenten und vor allem den Bewohnern der walled gardens versprochen wird, dass alles möglich ist, wird es immer schwerer, darauf zu beharren, Grenzen haben zu wollen.
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    Das Ding mit den Eltern, die auf Umwegen herausfinden, dass der Sohnemann vom anderen Ufer ist, ja mei: Früher wäre das halt so passiert, dass ein Bekannter seinen Schnabel nicht gehalten hätte. Heute erledigt das den Schnabel nicht halten Tracking-Software oder die Cloud. Blöd auch zu früher: man kann kaum mehr eine konkrete Person belangen und ihr den Briefkasten anzünden: es war eine Software. Diese Ohnmacht kotzt wirklich an, denn man weiß nicht mehr, gegen wen man sich wehren soll.
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    [Zur Lüge, die man vor allem den Werbern vorwirft: Der Werber darf beschönigen, aber nicht lügen. Eine juristisch belangbare Lüge ist z. B. zu behaupten, der Wagen laufe 500.000 Meilen, bevor der Motor den Geist aufgibt, auch wenn es nicht stimmt. Solche Behauptungen darf man auch als Werber nicht in die Welt setzen. Durfte man noch nie. Das ist sanktionierbar (UWG, BGB, etc.). Alles andere ist „lediglich“ Manipulation, Ablenkung, Beschönigung, Gutwetter, Euphemie. Was heute fast jeder macht, Hand aufs Herz. Ich habe manchmal den Eindruck, der Werber muss als Sündenbock für seine kreativen Spiränzchen und Minsereien herhalten, die andere (Guttenwulffs) heute schon längst viel besser können. Um Himmels Willen nein, verteidigen will ich weder Werber, Werwölfe noch Guttenwulffe; ich verteidige nicht mal Metzger. Wer aber dringend im Auge zu behalten ist, ist die digitale Welt des Tracking, der Vernetzung und der Vercloudung. Also die IT. Hier wird auf doofe Werber geprügelt, aber die schlaue IT gemeint.]

  10. Außerdem wird es noch richtig...
    Außerdem wird es noch richtig lustig, wenn die Facebooker ihre life cycles eingeben.
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    [Ich weiß schon, warum ich da als Katz-Fake und Mouse-Manager angemeldet bin. Die hat neun Leben und denkt nicht daran, jemals eines zu verraten.]

  11. Na ja, was soll man das zu...
    Na ja, was soll man das zu sagen. Laut Gesetzgeber ist man ab 18 Jahren Erwachsen, das bedeutet man muss nun sein Hirn in Arbeit versetzen.
    Reklame ist das eine: Komm’se ran hier werden sie genauso beschissen wie neben an.
    Jeder hat sein eigenen Filter gepaart mit Lebenserfahrung und ja, nichts ist nerviger, als wenn man eine Seite anklickt und da popp ein nerviges Fenster auf. Ja ich meine, da möchte man am liebsten seine illegale 9mm hervor kramen.
    Aber denkt dran: Alle wollen nur unser bestes und zwar unser Geld.

  12. <p>@Vroni: Ganz so paranoid...
    @Vroni: Ganz so paranoid bin ich nicht, trotz meines Pseudonyms stimmt die Angabe „verheiratet mit…“ – somit ist meine Klarnamens-Identität auf FB eigentlich recht leicht rekonstruierbar.
    Sehe es aber ähnlich, dass das ganze datengetriebene Profiling, Targeting und Kundenscoring eine schlimmere Pest ist als minderaufrichtige oder auch uninspirierte Werbung. Deswegen greife ich das Thema in Variationen hier ja auch immer wieder auf.

  13. Ups, lieber Marco,
    bin nicht...

    Ups, lieber Marco,
    bin nicht paranoid.
    Verwandte sind sich (was sie sonst nie sind) einer Meinung darüber, dass ich ein zu ehrlicher und zu vertrauensseliger Idiot bin. Deswegen, weil ich net gut schöntun kann und zu ehrlich bin, werrd gschäftlich nie was aus mir. (Ein ehemaliger Kollege, der Karriere machte, brachte es auf den Punkt: Ich legte zu genau und zu schlau den Finger auf den schmerzenden Punkt, also das wird null Karriere …) Ein perfekter Abguss meiner lieben Taufpatin, die das Gleiche in Grün ist.
    .
    Wer Facebook und sonstigen Portalanbietern traut, muss schon schwer einen an der Marmel haben.

  14. "... ab 18 Jahren Erwachsen,...
    „… ab 18 Jahren Erwachsen, das bedeutet man muss nun sein Hirn in Arbeit versetzen.“
    .
    Right you are.

  15. "Verheiratet"? Pah!
    Mene Katze...

    „Verheiratet“? Pah!
    Mene Katze sagt: „Es ist kompliziert.“
    Stimmt immer.

  16. Fernsehwerbung mag ich. Ich...
    Fernsehwerbung mag ich. Ich guck ja wenig fern, deshalb sehe ich die Werbung nicht so oft, da hat sie oftmals hohen Unterhaltungswert. Im Internet ist es leider selten so, da ist Werbung wirklich auf „im Weg sein“ angelegt … deshalb da ein Addblocker. Und facebook – ich hab gerade mal geguckt: wieder gar keine Werbung. Aber eine interessante hab ich da ohnehin noch nie gesehen. Leider!

  17. <p>@Vroni: Also ich bekenne...
    @Vroni: Also ich bekenne mich zu meiner Paranoia, bin gewissermaßen Berufsparanoiker (der sich manchmal sogar ein sinnbildliches Stanniolkäppi aufzieht) und wollte Dich mit diesem Attribut auch gar nicht pathologisieren. Ich meinte es eher im Sinne von sehr vorsichtig bestimmten Strukturen gegenüber. Dem muss gar nicht entgegen stehen, im konkreten persönlichen Einzelfall und im Erwerbsleben zu vertrauensselig und aufrichtig zu sein.

  18. Liebster Marco,
    fühle mich...

    Liebster Marco,
    fühle mich nicht von dir pathologisiert. Pas de probläm, monsieur. :-)
    Da müssen schon andere kommen und fühle mich noch immer nicht angesprochen. Bin da ganz stumpf.
    .
    Das ist ja das: Sagt einer: er gibt nix preis pourquoi, sei dieser automatisch paranoid. An dieser öffentlichen Denkregelung sollte man mal arbeiten.

  19. #1 Get AdblockPlus
    #2 ????
    #3...

    #1 Get AdblockPlus
    #2 ????
    #3 Profit!

  20. Finde ich gut, dass auch...
    Finde ich gut, dass auch andere sich outen, dass ihnen die Pop-ups und -unders auf die Nerven gehen. Wer hat eigentlich schon mal auf ein Pop-up geklickt und dann gekauft? … Aber jetzt mal was ganz anderes: Wenn ich Ende der 90er Jahre an der Uni richtig aufgepasst habe, dann ist doch das enorme Potenzial der Online-Werbung der Grund, warum die Aktienmärkte seit 10 Jahren den einschlägigen Unternehmen ihr Geld zu Füssen werfen und warum die FBs und Googles mittlerweile wertvollere Marken sind im Vergleich zu Unternehmen, die richtig was leisten und produzieren – kann mir da mal einer weiterhelfen? …

  21. @Orlando: Da manifestiert sich...
    @Orlando: Da manifestiert sich eben die mittlerweile gängige Auffassung, Daten wären das Öl des 21. Jahrhunderts. Im Übrigen hatten wir hier ja schon vor mehreren Monaten die Diskussion, ob wir auf die nächste Dotcom-Blase zusteuern:
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    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/05/22/smells-like-internet-bubble.aspx
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    Ich meine mich übrigens zu erinnern, gelesen zu haben, dass Facebook in den USA ein Drittel aller Bannerschaltungen abschöpft, aber der monetäre Werbemarktanteil hinkt dem noch weit hinterher. Nun kann man natürlich sagen, das wird noch, da steckt noch gigantisches Potenzial, aber ehrlich gesagt sehe ich preislich nicht mehr so viel Luft nach oben. Die User sind auf FB normalerweise nicht wirklich im Rezeptionsmodus für werbliche Ansprache, und wenn das Targeting weiterhin so grobe Streuungen verursacht, bleibt das Social Network auch weiterhin eine Reklame-Resterampe. Und wenn das Targeting zu gut und treffgenau wird, dürfte es zumindest den sensibleren unter den Nutzern auch unheimlich werden. Also eine idiotensichere Geldmaschine sieht für mich anders aus.

  22. Mich nerven die Pop-Ups und...
    Mich nerven die Pop-Ups und Co. auch ganz gewaltig und ich erinnere mich an die Zeit als die technischen Möglichkeiten limitierter waren und statische Banner das Maß aller Dinge. Dann kamen immer mehr Werbeformen auf und mir erscheint es so als das dieses Denken immer noch obsolet ist. Was machbar ist wird umgesetzt ohne sich ernsthaft Gedanken zu machen. Es ist ja nicht so, dass die Nutzer nichts kaufen wollen oder kein Interesse an Produktinfos haben. Die Umsätze des Onlinehandles beweisen es ja. Nur ist eine Angabe in einem Posting auf Facebook oder ein Profileintrag doch noch etwas anderes als eine aktuelle Bekundung zum Kauf eines Produktes. So ist und bleibt Google mit seinen AdWords das Maß aller Dinge, denn hier ist der Nutzer aktiv in seiner Rolle am POI/POS und nimmt Werbung als willkommene Unterstützung seines Informationsbedarfs wahr. Und das ist das Geheimnis – den Nutzer da „abzuholen“ wo er Infos und damit Werbung wirklich akzeptiert und als Wert an sich begreift.
    Das können viele Werbeformen nicht bieten und sei es ein reretargeting auf Basis vermuteter Interessen. Eine Vermutung ist eben nicht das Wissen um einen tatsächlichen Bedarf.

  23. 10 Jahre lang habe ich...
    10 Jahre lang habe ich branchenspezifisches Targeting und Profiling gemacht, für eine überschaubare Zielgruppe von 200.000 Personen in Deutschland. Die Unterscheide zwischen ausgefeilten Analysen und der Holzhammermethode sind kleiner als man denkt, die Ergebnisse haben es gezeigt.
    Wenn mir jetzt jemand erzählt, dass er bei 200 Millionen Personen dem Datenvolumen noch Herr werden kann, dann lügt er, um den Werbetreibenden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Liste von Thorsten Kleinz bestätigt das eindrucksvoll.
    Das größte Problem im Profiling-Geschäft sind übrigens die Karteileichen (Verstorbe, Inaktive, Dubletten, Fakes). Das läßt sich bei einer branchenspezifischen Datenbank noch bereinigen (mit sog. Clearing). Aber bei Facebook?
    Wer sich bei Facebook ordentlich abmeldet, erleichtert denen die Arbeit. Ich wage deshalb eine Prognose: Der Account-Löschen-Button wird irgendwann bei Facebook gut sichtbar auf der ersten Seite stehen, damit die Hinterbliebenen es nicht so schwer haben.
    Als Analyst würde ich beim Börsengang von Facebook mal fragen, wie viel Geld Facebook heute ins Clearing investiert.

  24. Lutz,
    "Das größte Problem im...

    Lutz,
    „Das größte Problem im Profiling-Geschäft sind übrigens die Karteileichen (Verstorbe, Inaktive, Dubletten, Fakes)“
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    Medienbrüche nicht zu vergessen.

  25. Vroni,
    ja, die Medienbrüche...

    Vroni,
    ja, die Medienbrüche auch: Ich habe Kundenlisten von Großunternehmen gesehen, da stand drauf: Dr. Jürgen Soundso, Beyer AG, 51368 Leverkusen.
    Wegen geringer Umsätze wurde dieser Kunde dann aussortiert.
    Da geben Firmen Millionen für CRM (Customer Relationship Management) aus und setzen dann unterbezahltes, unqualifiziertes oder aus anderen Gründen wenig motiviertes Personal dran.
    Beim Stichwort Personal fällt mir die Geschichte mit dem Kahn da im Mittelmeer ein…

  26. "Als Analyst würde ich beim...
    „Als Analyst würde ich beim Börsengang von Facebook mal fragen, wie viel Geld Facebook heute ins Clearing investiert.“
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    Warum Clearing? Karteileichen, die nicht als solche ausgewiesen sind, sind „aktive Nutzer“ :-) Mit einer Riesenzahl von Nutzern kann man die Braut vor dem IPO schönmachen. Und die werbetreibenden Unternehmen freuen sich auf eine solch vermutet große Schafherde.
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    Ich finde das,was du verständlicherweise beklagst, ja fast noch lustig. Sagt das doch, dass das Tracking und das ganze Interactive-Gedöns doch nicht ganz perfekt ist. Gottseidank. Vielleicht haben die Eltern des hoffnungsvollen Sprosses den völlig verfehlt rausgeschmissen, weil das Tracking gar nicht gestimmt hat. Vielleicht war es sein Kumpel …, vielleicht zeigt Facebook dem, der ein drittes Profil aufsucht, gar Anzeigen, die auf den Aufsucher passen … und der Vater (der Aufsucher) war der mit den einschlägigen Interessen.
    Satire 2.0

  27. Also von passen kann nicht die...
    Also von passen kann nicht die Rede sein.
    Bin grad auf das fb-Profil von jemandem gehuscht, von dem ich weiß, dass er/sie dürr ist, keinen Skisport betreibt und Smartphones samt Apple-Gedöns nicht ausstehen kann.
    Was hat er/sie für getrackte Anzeigen?
    – Abnehmen mit Christine Neubauer
    – iPhone 4s online kaufen
    – Puma-Winterport-App (der Schreibfehler war auch so da: Sport ohne S)
    – Sexy-Korsagenset
    .
    Alles komplett daneben.
    Nach so etwas sollte man also nicht gehen und wegen so etwas Söhne aus der Wohnung schmeißen. Besser vielleicht vorher das eigene Hirn anschmeißen.

  28. Vor vielleicht 20 Jahren...
    Vor vielleicht 20 Jahren standen vor den Kinos Schlangen, weil sich Zuschauer die „Cannes-Rolle“ anschauen wollten. Die haben bezahlt, um Werbung anschauen zu dürfen. O sancta simplicitas!
    Außer AdBlock ist es auch sinnvoll, nur ohne JavaScript und ohne Flash ins Netz zu gehen. Seiten, die dann nicht funktionieren, taugen ohnehin nichts. Zugegeben, es fehlt denen das etwas – das Gezappel! Hier kann man übrigens auch nur mit angeschaltetem JavaScript kommentieren … Der Fluch des XMLHttpRequests.
    Jüngst habe ich eine Seite von der „Zeit“ heruntergeladen und dann mir erlaubt, deren Inhalt auf den reinen Nutzwert, d.h. den Text, doch ordentlich in HTML ausgezeichnet, zusammenzustreichen, also ohne diese Dutzende

  29. Der wesentliche Grund für das...
    Der wesentliche Grund für das Brüllen und Blinken der Werbebanner ist die Klickfixiertheit der Werbetreibenden bzw. ihrer Agenturen. Wenn die sich vor Augen führen würden, dass weniger als 20 Prozent der User für mehr als 80 Prozent aller Klicks verantwortlich sind und dass diese User alle besonders gestrickt sind, dann würden sie die kognitiven Effekte der Werbung besser schätzen lernen. Bisher wollten sie’s nicht, weil die Parameter, die für’s Erinnern wichtig sind, nicht so einfach messbar waren wie Klicks und sonstiger direkter Response. Mittlerweile kann man aber z. B. sehr gut die Viewtime pro Werbemittel messen. Das heißt, das Optimieren von Klickraten von 0,15 Prozent auf 0,30 Prozent (von 100 möglichen) mittels Stalking und Brüllformaten, das 80 Prozent der User verärgert zurücklässt, darf in den Hintergrund rücken.

  30. An Vroni: die Ads auf fb...
    An Vroni: die Ads auf fb richten sich nach dem eingeloggten User. Wenn du also Ads auf fb-Profilen von Freunden siehst, dann sind die nicht für die, sondern für dich. Bei dem Beispiel mit dem schwulen Sohn hat der vielleicht vergessen, sich auszuloggen und die Eltern konnten so sehen, was sonst nur er sehen würde.

  31. @Roman: In die Klickecke haben...
    @Roman: In die Klickecke haben sich die Onliner doch selbst manöveriert. Man wähnte sich den anderen Gattungen (die, wie Sie evtl. wissen, vereinfacht ausgedrückt auf Basis von Kontaktwahrscheinlichkeiten geplant werden) ja so meilenweit voraus und verkündete jedem Werbetreibenden der es hören wollte die frohe Botschaft, hier in der schönen neuen Werbewelt des WWW würden keine Wahrscheinlichkeiten mehr gemessen, sondern echte Action – und nur echte Action müsse bezahlt werden, sei es Klick, Order oder was auch immer das relevante Tarifkriterium grad ist. Diese Schnäppchen von der Reklame-Resterampe haben Agenturen und Kunden natürlich gern mitgenommen.
    Denen ist natürlich auch klar, dass der Klick nicht das alleinige Maß der Dinge sein kann. Die Bereitschaft, im Netz auch mehr für Markenbildung und Image zu tun, ist auch vorhanden. Aber mit den dafür notwendigen Leistungsnachweisen haben sich die Onliner ganz schön Zeit gelassen.
    .
    Zu der fb-Geschichte: Soweit ich es verstanden habe, hatte sich der junge Mann wohl nicht ausgeloggt (oder er hatte die „auf diesem Rechner immer eingeloggt bleiben“-Funktion aktiviert), und deswegen waren die einschlägigen Anzeigen für seine Eltern noch zu sehen.

  32. "die Ads auf fb richten sich...
    „die Ads auf fb richten sich nach dem eingeloggten User.“
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    Dachte ich mir schon, Roman. Wollte es nur mal ansprechen.
    Denn das geht bei vielen nicht in die Köpfe rein.
    .
    Über die Eltern/den Vater des geschassten Sohnemanns:
    Wie wenig in Ordnung ist das denn, in einem eingeloggten Account herumzuschnüffeln. Diese Familie hat noch ganz andere Probleme.

  33. Marco,
    also auf mich, als...

    Marco,
    also auf mich, als nicht eingeloggten User passt dieses Apple- und Puma-Gedöns auf fb noch viel weniger. Gar nicht. Das muss man sich fragen, wie genau Targeting ist. Gar nicht. Und mit Christine Neubauer will ich auch nicht abnehmen (ich find, die passt so :-) ).
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    Das „Einzigste“, was mal wirklich auf meinem Katz-Account gepasst hat, war im Sommer einmal eine Anzeige für Fellbikinis mit Tigermuster. Prust.
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    Zu den Klicks:
    Das offene Geheimnis: Es gibt jede Menge bezahlter Klicker. Das werden die paar Prozent sein.
    Die klicken für ihre Auftraggeber im Akkord Anzeigen, Banner und E-Mail-Marketing z.B. von OTTO, ebay und sonstwas weg. Nicht nur Versandhäuser, auch Markenartikel selbst, sicher auch Apple-Gadgets, sind da gegen Geld wegzuklicken (mit vorgeschriebener Mindest-Verweildauer, plus Klickrobots verboten …) Wer das nicht weiß in der Branche, dem ist nicht mehr zu helfen.
    .
    Eigentlich ist doch damit alles gesagt. Wie sehr wollen Werbetreibende von den Klick-Geschäftsmodellen und Pseudo-Statistiken mit mafiösen Versprechungen eigentlich noch verarscht werden?

  34. @Vroni: Same here, aber einen...
    @Vroni: Same here, aber einen sensationellen Zufallstreffer will ich nicht unter den Tisch kehren: Sollte für meine Frau einen Inspektionstermin für ihr Auto ausmachen und sagte mir, ach, voher schnell noch Mails gucken, und auf der GMX-Startseite prangte plötzlich ein Banner ebenjenes Autohauses, dessen Adresse und Telefonnummer ich gleich noch raussuchen wollte. Na, bitte, geht doch. ;-)

  35. Wenn schon Klicks, dann sollte...
    Wenn schon Klicks, dann sollte man nach der Qualität der Klicks gehen und nicht nach der Quantität – damit lässt sich auch Click-Fraud leicht unterbinden. Die Qualität kann ganz leicht und bigbrother-frei, also nicht-personenbezogen, durch PostClick-Tracking auf der Landing Page (des Werbekunden) gemessen werden. Besser zwei Klicks von Leuten, die sich danach zur Probefahrt anmelden als 30 Klicks von Leuten, die dieses Ding eigentlich zumachen wollten.
    @Marco: Willkommen in der Filter-Bubble. Ab jetzt ist dein Leben vor Überraschungen sicher. ;(

  36. @Pérégrinateur: In der...
    @Pérégrinateur: In der Theorie scheinen mir „noscript“ und Flash-Abstinenz auch eine gute Idee, allein irgendeine Restscheu hält mich doch davon ab, das auch in die Praxis umzusetzen. Manchmal mag ich mir angebotenes Gezappel ja durchaus angucken. Aber wieviel programmierter Ballast auf so einer Seite drauf ist, war mir in der Deutlichkeit nicht bewusst. Danke für den Hinweis, wieder was gelernt!
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    @Lutz: Habe ich insgeheim befürchtet, dass unterm Strich der Unterschied zwischen ausgefeilten Methoden und dem Holzhammer (oder der Gießkanne) oft gar nicht so groß ist. Dies dürfte immer dann der Fall sein, wenn das händische Optimieren und Reduzieren der Streuverluste mehr Aufwand und Kosten verursacht als das in Kauf nehmen dieser Fehlstreuungen und Karteileichen. Im Extremfall sieht man das ja bei Spam: Nur ein paar Idioten unter den Zillionen Adressaten, die ihre Bumstabletten auf dem Weg bestellen, und schon rechnet sich die Sache.

  37. @Roman: Würde mich noscript...
    @Roman: Würde mich noscript und Flash abschalten vor der Filter Bubble schützen? Cookies löschen alleine reicht da nicht?
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    Weiß eh nicht so recht, was ich von dieser Bedrohung halten soll. Ich probiere ja manchmal neugierhalber auch andere Suchmaschinen aus, und im Moment habe ich zumindest noch nicht den Eindruck, als würde Tante Gu mich bei der Auswahl der Suchergebnisse zu sehr einengen. Aber kann natürlich sein, dass es so gut funktioniert, dass ichs nicht merke.

  38. Ohne Wenn und Aber: Klasse...
    Ohne Wenn und Aber: Klasse Beitrag!
    Und: AdBlock ist Verbrauchers bester Freund.
    Oder: Wann hab ich zum letzten Mal Reklamekram im Browser gesehen? Kann mich nicht erinnern…

  39. <p>@Rainer: Wie Du weißt,...
    @Rainer: Wie Du weißt, teile ich Deine fundamentale Werbeablehnung nicht vollumfänglich, aber das Lob aus Deiner Tastatur freut mich natürlich!
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    Auf dem Familien-Notebook (auf dem auch diverser Kinderkram drauf ist) hats aus irgendwelchen Gründen mit der FF-Installation gehakt, deswegen läuft da IE 8, der nur Pop-ups blockt und Banner durchlässt. Ist für mich auch kein Riesenbeinbruch, ich kann das gut ausblenden, was ich nicht sehen will.

  40. Habe Heute Nachmittag mal...
    Habe Heute Nachmittag mal wieder Genesis gehört, eine ganz alte Scheibe, die „Seconds out“, bei «Supper’s ready« habe ich angefangen Socken zu stopfen. Ist das jetzt Werbung? Für die Nachhaltigkeit der Sockenhaltung? Oder fürs stopfen? Genesis braucht keine Werbung mehr. Mensch kann auch neben You tube gucken Knöpfe annähen, das nützliche quasi mit dem unnützlichen verbinden, HerrLich! Zur Werbung fällt mir sonst nur noch ein, ich brauch sie. Wie würde ich sonst auf neue Produkte aufmerksam gemacht, neben der Mundpropaganda selbstverständlich, aber die weiss auch nicht alles. Und oft habe ich auf längst vergessenes durch eine Werbung, gut oder schlecht, egal, wieder Lust bekommen, das letzte mal auf Brombeermarmelade, ohne Witz. Und ausserdem möchte ich ungern für facebook oder google zahlen und für viele andere Dienste mehr, die durch Werbung umsonst oder günstiger sind. Ich bin dafür, das die „Reichen/Habenden“ diese Dienste bezahlen und nicht der arme Depp, wie ich. Und irgendwelche Blocker finde ich deshalb irgenwie schizophren, einerseits die Hand aufhalten, aber dann den Geber anscheissen dafür, dass es sein Zeugs umsonst gibt. Wobei da wiederum die Frage ist, ist das DaSein nicht genau so aufgebaut? Auf Schulden machen. Die Lebendigkeit ist ein Prozess, in den IRGENDWAS(?) irgendwas investiert hat und bisher ist noch kein Ausgleich erzielt worden, oder weiss IrgendJemand davon. Aber gut, hier gehts nur um Werbung, also kann ich ja zum Ende auf meinen Blog verweisen, Himmel!, jetzt ist mir die Adresse entfallen, S*heisse?

  41. Ach übrigens, @Marco...
    Ach übrigens, @Marco Settembrini die Novetre, ich schliesse mich dem Herrn Reiner Sacht voll an, ausser beim blockieren, aber gut …

  42. @Peregrinateur - Cannes...
    @Peregrinateur – Cannes Rolle:
    Gutgemachte Werbung kann grossartig sein – und ist es auch. Das US-amerikanische Werbeduell Pepsi-CocaCola war schreiend komisch und richtig gut gemacht. Der norwegische Werbespot mit der Katze, die einen Safe mit Schweissbrenner bearbeitet, um an ihr Futter zu kommen, ebenso. Das Duell der bahn-Werber gegen den Fiat Panda – herrlich.
    Selbstverständlich kann man grundsätzlich gegen jede Art der Werbung sein. Die Haltung ist allerdings weder sinnvoll noch konsequent – ich habe noch niemanden kennengelernt, der nicht auf seine Art Eigenwerbung betrieben hätte.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  43. <p>@Oliver-August Lützenich:...
    @Oliver-August Lützenich: Endlich mal jemand, der das Thema nicht ganz so verbissen sieht. Aber umsonst gibts auf dieser Welt nichts, nicht mal den Tod, denn der kostet das Leben. Und was heißt denn hier „die Hand aufhalten“? Ich habe keinen Anbieter mit vorgehaltener Waffe gezwungen, seine Inhalte hier für umme rauszurücken. Und so wie ich das sehe, ist der Blocker-Schwund in den Online-Werbetarifen über kurz oder lang genauso eingepreist wie die Fernsehzuschauer, die in der Werbepause zum Kühlschrank oder aufs stille Örtchen gehen. Das TV-Publikum hat ja auch keinen impliziten Vertrag mit dem Sender abgeschlossen, dass jede Werbepause von vorn bis hinten anzugucken ist, andernfalls gibts kein Dschungelcamp oder was-auch-immer. Hat jemand ein schlechtes Gewissen, der Zeitungsanzeigen überblättert oder nicht an jeder Litfaßsäule anhält? Wer es nicht möchte, dass ich mir sein Zeugs selektiv angucke, soll es aus dem Netz herausnehmen. Ach ja: Der überwiegende Teil der Sachen, die ich in den letzten 15 Jahren für Geld geschrieben habe, sind nicht frei verfügbar im Netz, sondern allenfalls hinter Bezahlschranken und in Print-Archiven, das geht zwar ein wenig auf Kosten von“google juice“ und Internet-Prominenz, aber sonst fehlt mir da nicht viel…
    .
    @ThorHa: Nun habe ich zwar nie Eintrittsgeld für Cannes-Rollen-Vorführungen im Kino investiert, aber Sendungen à la „die witzigsten Werbespots der Welt“ habe ich früher auch gern geguckt. Sich das nicht zuzugestehen, weil man ja das Selbstbild des kritischen und aufgeklärten Verbrauchers aufrechterhalten muss, das hat so was krampfig-protestantisch-lustfeindliches.

  44. @Th. Haupts

    Wäre Werbung...
    @Th. Haupts
    Wäre Werbung größtenteils unterhaltsam, gut gemacht und großartig, würden die Leute im Netz doch von alleine nach ihr suchen, und bei der Fernsehwerbung nicht aufs Klo gehen. Für mich ist Werbung fast immer seicht (kleinster gemeinsamer Nenner bei den Kunden, es darf nicht zu raffiniert sein, es muss familientauglich und sauber sein, usw.), und ihre Ironie oder ihr Witz (sofern vorhanden, der Rest ist dann sowieso eher nur grauenhafter Kitsch) nimmt nihilistisch alles auf die Schippe, was uns sonst lieb und teuer ist, nur eben die Firma, das Produkt (allermeistens) und das Prinzip von Geld gegen Ware (gerne euphemistisch umschrieben mit „Hol dir!“, „Jetzt neu!“ usw.) nicht, denn nur diese Dinge sind ihr heilig, die aber dann so richtig heilig (man denke an die dräuende „Raubkopierer-sind-Verbrecher-„Werbung“ für die heiligen Ur-Gesetze des Kapitalismus).
    .
    In den allermeisten Fällen werden beispielsweise bei TV-Werbung gerade angesagte oder uralte Klischees und Stereotypen transportiert (die kerngesunde deutsche blonde Familie beim Kochen, Wäschewaschen, Autofahren, Einkaufen, Urlaub machen usw.), was dann gerade Kinder, die noch wenig intellektuelle Distanz dazu haben, begierigst aufsaugen und verinnerlichen. Ich habe selbst in einem Job mal diese kerngesunde deutsche blonde Grinse-Familie zusammencasten/stellen müssen (für ein gutes deutsches Technikunternehmen, das es heute nicht mehr gibt), und die Fotos der echten Menschen, die nicht deutsch, gesund und fröhlich genug aussahen, aussortieren müssen. Man kann sowas sicher wiederum ironisiert witzig finden (Werber sind ja die Könige der nihilistischen Ironie, denn immer wenns eigentlich eklig wird, können sie sich so innerlich distanzieren), aber im Grunde war es damals alles nur eklig und machte, anders als vielleicht noch das Produkt selbst, diese Welt zu keinem besseren schöneren Ort, und der Job machte mir entsprechend wenig Spaß. Die „Wertmaßstäbe“, die da für viel Geld in Szene gesetzt wurden und werden, stehen oft in diametralem Gegensatz zu denen, die man sonst Kindern in Schule oder Elternhaus mühevoll zu vermitteln versucht. Und dann wundert man sich, dass die süßen Racker so zynisch, materialistisch, oberflächlich und konsumgeil werden, und hebt an zu einem großen Gejammer. Es ist letztlich einfach kognitive Dissonanz, ein widersprüchlicher double bind, wie so vieles, was diese Gesellschaft von ihren Kindern an Werten und „Werten“ verlangt („Es ist nicht wichtig, der/die schönste zu sein.“ – „Sei schön! Sonst bleibst du alleine“ – „Die inneren Werte zählen“ – „Besitz von Dingen ist das tollste und wichtigste“ – „Liebe kann man nicht kaufen“ – „Zuneigung kann man durch die richtigen Produkte bewirken“ – usw.)
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    Das treffendste Argument für mich selbst gegen Werbung ist aber, dass die wirklich guten Produkte meist gar nicht viel Werbung nötig haben und daher auch nicht buchen, der Umkehrschluß gilt auch. Und sich über meinen geliebten Adblocker aufzuregen, also ich habe niemanden darum gebeten, werbefinanzierten Content ins Netz zu stellen. Wenn er schon da ist guck ich mir ihn evtl. an, oder auch nicht, aber da plötzlich den großen Moralzeigefinger zu schwingen, ist ja wohl das lächerlichste überhaupt. Wenn es ihnen nicht passt, dass jemand die Werbung ausblendet (oder beim fernsehen zum Kühlschrank geht) sollen sie es eben lassen, dann seh ich mir eben eine andere Webseite/Sendung/Zeitung an – es gibt ja doch einige.
    .
    Und wenn ich mich über ein Produkt informieren will, geh ich auf die Seite des Herstellers, sehe mir unabhängige Tests und Datenblätter an, oder Fachforen, wo über konkrete Efahrungen damit geredet wird. Ich tue das sogar häufiger, und kann damit viel Zeit verbringen, perfektionistisch das allerbeste für meine Bedürfnisse zu finden. Aber Werbung hilft mir nicht dabei, und ich ertrage sie tatsächlich nicht, ich werde einfach nicht gerne angelogen, nicht mal spielerisch-ironisch. Ironie geht mir sowieso zunehmend auf die Nerven, Ironie, Zynismus und Unverbindlichkeit, davon hatten wir weißgott genug in den letzten 3 Jahrzehnten.

  45. @rdrdrdrdrd - gegen...
    @rdrdrdrdrd – gegen Werbung:
    Nehmen Sie´s mir nicht allzu übel – aber Ihre Grundsatzphilippika erinnert mich fatal an die gefühlt einhunderttausend Tiraden gegen Birne, den Aussitzkanzler. Auch da haben die Leute nie verstehen wollen, warum ein solch (beliebiges einsetzen) gewählt werden kann.
    Im übrigen sprach ich nur über die gut gemachten Werbespots. Die sind – wie eh und je – selten. Aber es gibt sie, und ihre Ästhetik beeinflusst immer wieder die Filmbranche. Toyoooota …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  46. @Marco Settembrini die...
    @Marco Settembrini die Novetre: Falls Sie das folgende zu persönlich finden, zu verfehlt, … blocken Sie, ansonsten ist die Überschrift des Kommentars: „Ab-Werbung“:
    @rdrdrdrdrd: Die meisten Menschen messen das, Was ist, mit der persönlichen Messlatte und die ist bei Ihnen ziemlich hoch. Wem immer Sei Dank, ist sie das. Sie können zufrieden sein, dass Sie so gut sind, so informiert, so reflektiert, so wählerisch, so raffiniert,so perfektionistisch, so un-sauber. Damit sind Sie wahrscheinlich Eines von etwa 10 bis vielleicht 15 Prozent der europäischen Bevölkerung, von vielleicht 5 Prozent der Menschheit, der Rest kann Zynismus nicht buchstabieren, geschweigen denn beschreiben, die wären froh, sie seien ein Teil der kerngesunden blonden typisch deutschen Familie mit Eigenheim und der morgendlichen Nü*ella-Stulle, dem Golf-Wagen in der Garage und der Rundum-Versicherung gegen Alles und Jeden. Vielleicht wären sie auch gar nicht froh, weil sie davon nichts wissen oder ganz andere Probleme haben, aber egal. Einfach schön, das es Ihnen so gut geht, und wir uns über so etwas austauschen können, auf so zivilisiertem Niveau.
    Irgendwie hat mich Ihr (Bitte nicht allzu persönlich nehmen, ich weiss von Ihnen nur das, was Sie hier schreiben und das ist wenig, ausserdem gebe ich Ihnen oft Recht, so ist dieser Text auch ein Spiegel vor mir) Beitrag dazu verleitet, das mal wieder anzuerkennen, wie gut Wir es haben, Wir, die Wir von Ironie und Zynismus eine Ahnung haben, die wir genau auswählen, was an und in Uns hineinkommt und damit etwas über der Masse schweben und Uns darüber aufregen können, dass es Sie gibt. Die Unwissenheit, die Gleichgültigkeit, die Wahllosigkeit, die Fehlerhaftigkeit, die Lächerlichkeit, also das Unvollkommene und dazu den ganzen uninteressanten Content (von Inhalt ganz zu schweigen!) im Netz und erst recht in der umgebenden Welt. @Thorsten Haupts hat dazu mit dem jahrelangen Kopfschütteln „über“ Herrn Kohl ein gutes Beispiel gebracht.
    Wir haben ja Recht, ja Wir liegen richtig, das alles von Uns fern zu halten und auf Uns zu achten, die ganze Geringschätzung vor und unter Uns zu blockieren, ja, damit tun Wir Uns Gutes. Oder vermisch ich da jetzt etwas falsches, etwas unvermischbares, weil ich davon ausgehe, dass Das, Was den Ad blockt auch das Andere blockt, das anders ist, als jenes Mensch welches Wir sind, das weniger (die Adjektive sind frei wählbar …), weniger …, weniger …, … ist ? Weniger ist Mehr, oder? Moralisiere ich jetzt. Auch so ein Wort, mit dem gerne abgewehrt wird, was Eines zuViel ist, oder auch zuWenig; Ab-Haltung.

    Mit Miss-Achtung kann ich einfach wenig anfangen. Mit Wort-Gewalt ohne Inhalt noch weniger. Ich finde es ja gut, wenn alle Menschen so handeln könnten, wie Wir das vorgeben, aber das schaffen Sie nicht, und das schaffen Wir nicht, indem Wir einander abschätzen und abkapseln, mit Blockern oder blosser Wort-Gewalt. Wenn Eines mehr weiss, wie ein Anderes, was Normal ist, – noch -, dann finde ich es besser, dieses Mehr, mit den Anderen zu teilen und zwar ohne Verachtung oder Fernhaltung, sondern mit Einsatz und Mit-Empfinden. Den Rückzug auf den elitären Hochsitz oder in die Schmollecke, finde ich misslich. Das ist zu wenig, aber es machen fast Alle, die etwas wissen. Das ist auch normal. Wissen ist oben drinn, im Gehirn, im Kopf oben, vielleicht verführt Wissen, wenn es auch nur eine wenig ist, gleich dazu auf die Masse, die Mensch ist, herab-„zuschauen“, könnte ja so sein, die Augen sitzen ja auch ziemlich weit oben auf Eines und wenn Eines dann den Kopf mit dem Wissen so senkt, dann …
    … sieht Eines Üblichkeit, Menschlichkeit. Und Wir Menschen sind Alle so normal, auch in der Abgrenzerei und Abschätzerei und Moralisiererei, in der meist sinnlosen Wort- und Tat-Gewalt gegeneinander, statt Unnormal füreinander zu sein, aber gut, dieses lamentieren ist auch schon wieder normal, ich geb auf …
    für Jetzt.

  47. @ThorHa: Ich sehe bei dem...
    @ThorHa: Ich sehe bei dem Kommentar Ihres Vorredners doch deutliche Unterschiede zu dem billigen Gebarme über die Bimbes-Birne seinerzeit. Ich teile diese weitgehende Ablehnung der Werbung nicht, kann aber mühelos nachvollziehen, wie man zu diesem Punkt kommt – vor allem, wenn man selber in dem Bereich gearbeitet hat. Natürlich können Sie sagen: Ich habe ja nur über die wenigen tollen Clips geredet, aber implizit heißt das doch auch, dass der überwiegende Rest hirnzersetzender Mist oder im allerbesten Fall nicht der Rede wert ist. Und ich wäre schon dafür, diese beiden Seiten der Medaille zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Was man dann für weitergehende Schlussfolgerungen draus zieht in seinem Informations- und Verbraucherverhalten, bleibt ja jedem selbst überlassen.

  48. @Oliver-August...
    @Oliver-August Lützenich
    Danke für die lange Antwort. Ich würde nie pauschal über Werber herziehen, auch wenn es oben vielleicht bischen den Eindruck gemacht hat. Da sprach ich von den Königen der Ironie, und das habe ich auch so erlebt oder wahrgenommen, das finde ich als ästhetische Haltung in nahezu jeder Werbung, und bei vielen ihrer erfolgreicheren jüngeren Macher. Ansonsten kenne ich aber auch zuviele Menschen als Individuen oder Freunde in dem Bereich, und die sind auch überhaupt nicht alle zynisch, oberflächlich, und manche nicht mal ironisch, eher melancholisch (die machen dann Autowerbung), oder es sind Feingeister, die aber eben Geld verdienen müssen und wollen und ihren Ort dafür fanden und austarierten.
    .
    Es geht mir wohl eher um die grundsätzlichen dahinterstehenden Sachzwänge und Mechanismen (fight the game, not the players), an die man sich allzu leicht gewöhnt, oder die man sich irgendwann schönredet, als um „schlechte verkommene Menschen“, die da „Kinderseelen zerstören“, nur weil die Tochter von Bekannten nun plötzlich immer penetrant nach Prinzessin-Lilifee-Produkten verlangt, obwohl die Eltern doch versuchten, sowas von ihr fernzuhalten, und gar keinen Fernseher haben.
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    Ich finde diese distanzierte Werber-Haltung ja auch hochinteressant: Auszuhalten, oder sogar zu genießen, und selbst zu produzieren, zu wiederholen, was eigentlich fürchterlich und Lüge ist – ich war ja mal großer Anhänger von Andy Warhols Philosophie. Letztlich war Warhol selbst aber kein sehr glücklicher Mensch, das wird oft übersehen. Seine totale Affirmation und sein Tanz auf der Oberfläche kann auch ganz anders gelesen werden, nämlich als resignierte Verzweiflung. Velvet Underground hatte ja mit Werbung eher wenig am Hut, aber viel mit Melancholie.
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    Die blonde deutsche kerngesunde Familie, die ich da mal aus Fotos gecasteter Personen zusammenstellte, war offensichtlich ein Kunstprodukt. Ich muss es ja wissen, ich stellte es her. Solche Familien gibt es nicht, oder kaum, vielleicht mal zeitweise, paar Tage oder Wochen lang, aber wenn dann kleine und große Dinge schiefgehen, wie es bei echten Menschen immer mal vorkommt, zersplittert das schöne schlichte Bild. Das unterscheidet auch komplexere gute Filme von „Traumfabrik“-Fließbandproduktion oder Soaps (Werbeumfeld, haha), dass sie auch und gerade diese Dinge zeigen. Werbung kann sich das nicht leisten, oder nur in extrem stilisierter und eben ironisierter Form. Denn die Familie, das Glück, die schöne Landschaft, das alles ist ja nur Drumherum eines inszenierten Produkts, und möglichst vielen soll das dann gefallen. Dabei fällt zu viel weg. So gleich sind wir uns einfach nicht.
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    Es wäre ein Mißverständnis, anzunehmen, dass ich die Produzenten oder Konsumenten von Werbung verachte, ich sage nur, dass Werbung in den meisten Fällen bei mir persönlich Mißempfindungen hervorruft und ich sie manchmal als beleidigend bis verletzend empfinde, ich Mimose. Und dhaer meide. Andere Leute können sich keine Horrorfilme anschauen oder bekommen beim Techno- oder Volksmusikstadl die Krätze. Ich bei Werbung. Warum es sie gibt, was ihr Zweck ist, und dass Andere sie anders empfinden, ist mir dabei schon klar. Oder das sie gelegentlich sogar ästhetisch interessante Elemente aufweist. Ich kann durchaus würdigen, dass sie extrem effizient und professionell ist, und wirkungsvoll.
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    Es hat auch wenig mit Elitärsein zu tun, denn wie Herr Haupts richtig anmerkte, gibt es ja kaum etwas wohlfeileres, uncooleres, altmodischeres und angestaubtes, als sich heute noch über Werbung aufzuregen. Wer macht das denn schon noch. Man verzichtet doch schon darauf, um nur andere nicht zu langweilen. Weil die Argumente, selbst wenn sie wahr bleiben, so abgedroschen klingen. Und weil man da auch gar keine Widerstandskraft mehr hat, gegen solche Windmühlen zu kämpfen und dabei protestantisch zu versauern. Als Benetton mal um des Aufsehens willen sterbende Aidskranke auf riesige Plakate druckte, oder wenn heute ein Model gar zu sexistisch (und damit nicht mehr in unsere Zeit und unser Bild von uns passend) präsentiert wird, dann ist Kritik vielleicht noch mal legitim, weil da dann Grenzen eines aktuellen Geschmacks überschritten werden, aber grundsätzlich holt man damit niemand hinter dem Ofen vor.
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    Der letzte größere Werbeaufreger, der mir in Erinnerung blieb, war, als die Autovermietung Sixxt auf realen Anti-AKW-Demos mit Witzplakaten für günstige Miettarife „mitdemonstrierte“. Das war natürlich noch vor Fukushima, und den Zyniker und Fortschrittsfreund freute es damals natürlich, ich und viele andere waren dagegen angeekelt, und das ist eben dieser Nihilismus, von dem ich sprach. Es war auch wohlfeil, über diese verärgerten Leute zu lachen, die sich da naiv und auch verletzt nach Pawlow–Art aufregten, weil sie ihr ernsthaftes Engagement ins Lächerliche gezogen sahen – als Youtube-Video, das sie dann selbst verärgert viral verbreiteten. Smart Move.
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    Ansonsten ist aber Werbung längst in alle Bereiche des Alltags gesickert, wo es früher undenkbar war, Schulen, Unis, Kindergärten… Sponsoring von Parteitagen… Selbstvermarktung… und das hat eben Folgen und ist nicht einfach nur harmlos oder unvermeidbar. Ob die Margarine aus der Werbung wirklich so gesund ist und schlank macht, ist die eine Sache, aber wollen wir diese Gesetzmäßigkeiten wirklich auch in der Politik haben wie derzeit in den USA bei den Republikanern? Müssen wir das? Wir können das immer noch gemeinsam entscheiden. Solche Fragen bewegen mich einfach, ob nun uncool oder nicht.
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    Es hat sich aber in Zeiten, in denen die modische Avantgarde stolz darauf hinweist, gar keinen Fernseher mehr zu besitzen, auch sonst einiges geändert. Fernsehwerbung hat nicht mehr die gemeinschaftsstiftende Wirkung wie in den 80ern oder 90ern, als jedes Kind die Claims singen konnte. Bannerwerbung wie auch das restliche Internet sind (im Sinne von Marshall McLuhans Medientheorie) weitaus kühlere, distanziertere, individueller konsumierte Medien. Daher fallen unverlangt losplärrende Videos dort auch so negativ auf. Deswegen ja auch Facebooks Ansinnen, dass „Freunde“ dort doch bitte miteinander über Produkte reden sollen.
    Und: Was ich da ausblende ist doch sowieso nur der Splitter, der auf mich zugeschnitten sein sollte oder auch nicht, jedenfalls aber nicht mehr eine ansonsten gemeinsame Welt, Erfahrung oder Ästhetik, von der ich mich da individuell abkapseln würde. Diese Gemeinschaft ist zersplittert. Und ich vermag trotzdem nicht, mich der grundsätzlichen Gesetzmäßigkeiten von Geld, Ware, Konsum individuell/elitär zu entziehen, ich lebe in einer Großstadt und nicht in einer Waldhüttenkommune mit Kartoffelfeld und Kuhstall. Es gibt Bereiche, wie gesagt, da suche ich selbst aktiv danach, was es denn für neue Produkte gibt und was über sie gesagt werden kann. Ich meine nur, wenn ich Verklärung, Ekstase, Psychologie und Emotion will, oder auch Sarkasmus und Ironie, sehe ich mir lieber entsprechende Kunst und Kultur an, oder gleich das reale Leben, wo ich das in konzentrierter Form habe, und nicht als schmückendes stilisiertes verfälschtes Beiwerk. Andere sehen es anders – geschenkt.
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    Von daher ist es doch gut, ich bin mit meinem Adblocker unterwegs, und was oben im Artikel beklagt wird, kenne ich nur noch vom Hörensagen. Ich bekomme trotzdem mit, was es so Neues gibt, und habe manchmal auch meine Freude daran. Und empfinde zugleich tiefe Zweifel an grundsätzlichen Mechanismen und Zwängen dieses Wirtschaftssystems, das aber gleichzeitig in Bewegung ist, manche würden sogar sagen in einer Krise oder in Auflösung ist, und andere denken auch da ganz anders, und alle leben wir zusammen in diesem verregneten Land und kaufen uns täglich weiterhin aus verschiedenen Gründen verschiedene Dinge, die uns ein kleines Glück versprechen und auch bescheren, oder auch nicht.

  49. @Marco:
    Moment, bitte. Es gibt...

    @Marco:
    Moment, bitte. Es gibt einen guten Grund. über Werbung zu reden – und das ist deren Eindringen in immer mehr Lebensbereiche, man könnte überspitzt von Vergewaltigung der Lebenswelt sprechen. In Ihrem Beitrag geht es nach meinem Verständnis genau darum. Nur ist Werbung weder dümmer noch platter geworden, da hat sich in hundert Jahren im Durchschnitt nichts verändert. Ich verstehe wegen der Überflutung durchaus, dass man sich von der heutigen Werbung zunehmend gereizt fühlt. Und damit seine persönlichen Flucht- und vermeidungsreflexe entwickelt.
    Was mich im Gegenzug gewaltig nervt, ist jene (Verzeihung) „bürgerliche“ Verachtungsattitüde gegen Werbung, die nicht nur so tut, als würde mit Werbeverzichten die Welt schlagartig besser. Sondern darüber hinaus ernsthaft Werbung für characterliche Massen-Defizite verantwortlich macht. Weil man sich damit über die Erkenntnis hinwegtäuschen kann, dass der Mensch von Natur aus eben keineswegs ehrlich, aufrichtig und gradlinig ist. Werbeverachtung unter Gebildeten ist Mainstream, auch dann, wenn man für Unternehmen arbeitet, die für ihren Erfolg auf Werbung angewiesen sind. Sieht man von der unangenehmen Wahrheit ab, dass unsere bequeme und sichere Wohlstandsumgebung nur mit Werbung möglich wurde.
    Und als letzter Gedanke: Man weiss heute viel darüber, wie, wann und warum Werbung wirkt. Wenn also soviel dümmliche, menschenverachtende, zynische und seichte Werbung produziert wird – was sagt das über uns als Kunden aus?
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  50. <p>@ThorHa: Sehr guter Punkt....
    @ThorHa: Sehr guter Punkt. Ich denke auch, dass wir die Notwehr-Reflexe gegen das zu-viel und zu-arg nicht pauschal gleichsetzen sollten mit der, wie Sie so treffend sagen, bürgerlichen Pauschalkritik an der Werbung. Die, wie ich weiter oben schon sinngemäß sagte, ein schönes Ventil liefert, um wie wild auf den Sack zu dreschen und sich dabei wunder weiß wie kritisch und aufgeklärt zu dünken – und gleichzeitig den gesamtschweinesystemischen Esel darunter munter weitertraben zu lassen. Sie haben das dankenswerterweise noch einen entscheidenden Schritt weitergedacht, nämlich dahingehend, dass wir an der Werbung das Ab- oder auch Zerrbild hassen, das sie von uns als Konsumenten zeichnet.
    .
    Von da aus sehe ich auch keine große Kluft zu der Position von @rdrdrdrdrd, der ja eben nicht bürgerlich-reflexhaft-oberflächlich argumentiert, sondern recht gut weiß, wovon er redet. Ironisierung – gutes Stichwort, allein darüber könnte man lange Abhandlungen schreiben, was für ein genial-perfides Stilmittel das sein kann, um gerade auch latent werbekritischen Gemütern Zucker in den Hintern zu blasen. Ich erinnere mich da an einen Spot für Alpia-Schokolade, wo drei Männer in weißen Kochkitteln vor billiger Sperrholz-Bergkulisse rumtaperten und ein lausig-unmelodisches Werbelied trällerten, und wo es auf die Pointe hinauslief: „Wir stecken alles Geld in die Schokolade und keine Mark in die Werbung“. Was natürlich gelogen war, denn die Schaltkosten waren seit jeher der größere Kostenblock im Vergleich zu den Produktionskosten. Aber trotzdem kam das damals recht sympathisch rüber und hat stilbildend gewirkt für so manchen Markenauftritt mit Augenzwinkern. In den 70er-Jahren hätte man mit einem Topos à la „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“ eher Unverständnis und Kopfschütteln geerntet, heute ist Dilettantismus fester Bestandteil der Popkultur…

  51. @ThorHa

    "...Sondern darüber...
    @ThorHa
    „…Sondern darüber hinaus ernsthaft Werbung für characterliche Massen-Defizite verantwortlich macht. “
    .
    Ich sehe es eher anthropologisch so, dass im Menschen (in fast jedem) positive/wünschenswerte wie negative/zerstörerische Aspekte und Affekte angelegt sind. Und dass es nun darauf ankommt, welche davon gefördert und verstärkt werden, und welche wir uns selbst und gegenseitig eher abtrainieren oder madig machen und „böse“ nennen. So ensteht dann jeweils Zivilisation oder Moral, wenn auch mit durchaus unterschiedlichen Wervorstellungen und Ergebnissen. Um es mal ganz platt auszudrücken, wir haben Mord und Vergewaltigung recht erfolgreich geächtet, obwohl gerade zweitere ja als Verhalten durchaus den Säugetieren entspricht, die wir nunmal – eigentlich, auch – sind.
    .
    Und da muss man heute leider konstatieren, dass die aktuelle Kakophonie von diversen aktuell medial vermittelten, widersprüchlichen Werten, Anforderungen und role models zumindest sehr verwirrend tönt, im blödesten Fall auch mal eigentlich absolut verletzendes und zerstörerisches Verhalten als völlig legitim oder wünschenswert hinstellt. Und da besonders, wie beschrieben, in der (nihilistisch-ironischen) Werbung („Sei egoistisch, werde gerissen und zock die Anderen ab, wo nur geht, denn so sehen Sieger aus“, oder auch der nihilistische Patrick Bateman in Bret Easton Ellis‘ „American Psycho“).
    .
    Ist das ein Plädoyer für schnulzig-moralisierendes Sauber-Fernsehen oder Internet, für Volkserziehung, Werbeverbote, für Unsere kleine Farm und eine Renaissance der „moral codes“? Gott bewahre, dafür mag ich den Film Noir viel zu sehr, der genau diese menschliche Ambivalenz in all ihrer Melancholie vorführte. Solche Versuche sind gescheitert und haben eher das Gegenteil provoziert. Aber so wie es ist und wird, das kann es doch auch nicht sein. Zumindest muss man es nicht auch noch preisen und schönreden, da bin ich altmodisch genug zu denken „wir haben doch die Wahl, es kommt doch nicht über uns wie ein Unwetter, wir entscheiden und machen es doch letztlich selbst“. Wie auch immer das aussehen könnte.

  52. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    Diese Haltung der Alpia-Werbung hätte man in den 70ern aber evtl. „Camp“ genannt und dann auch so goutiert, aber als kleine erlesene kulturelle Elite und Avantgarde. Dieses bewusste Dilletieren erinnere ich nämlich auch aus dem Western von Andy Warhol aus der Zeit, wo die Laiendarsteller/“Cowboys“ ziellos und seventies-mäßig aufgebrezelt durch die Westernstadt tapern, durcheinander reden/improvisieren, und alles mögliche unmännliche sind (u.a. schwul), nur eben nicht echte Cowboys. Wäre nicht das erste Mal, das etwas in der Kunst begann, und später von Werbung und Popkultur aufgegriffen und der sog. „breiten Masse“ als neue Haltung bekannt und Mainstream wird.

  53. @rdrdrdrdrd (16 Uhr 05): Der...
    @rdrdrdrdrd (16 Uhr 05): Der Diagnose muss ich leider beipflichten, ohne eine erfolgversprechende Therapie anbieten zu können. Mit Kommentator Rainersacht (siehe weiter oben) hatte ich das Thema schon mal an anderer Stelle, und irgendwie sehe ich nicht, dass wir den Geist des „Ich und mein Magnum“ damit zurück in die Flasche bekämen, wenn Werbung per ordre di mufti zur „reinen Produktinformation“ (was auch immer das sein soll) verpflichtet würde. Die Werbung greift bestimmte gesellschaftliche Tendenzen wie den Individualisierungstrend auf, verstärkt sie eventuell, macht sie aber nicht selber und kann sie daher auch nicht nach Belieben umdrehen. Aber ich muss schon sagen, dass mir – obschon eher kein Gutmensch – dieser ganze Sub- und Metatext zunehmend aufstößt. Gestern auf der Post gewesen, wo mir die ganze ICH-Betontheit der aktuellen Postbank-Kommunikation („Unterm Strich zähl ich“) nochmal besonders ins Auge sprang. Und als der Schalter-Mensch mich ansprach mit „Sind Sie schon Postbank-Kunde?“ hörte ich mich sagen: „Seit fast 30 Jahren – aber nicht mehr lange, wenn Ihr so weiter macht.“

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