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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Kleider machen Leute. Und Computer machen Kleider.

| 23 Lesermeinungen

In vielen Bereichen sind die Segnungen der modernen Technik für jedermann sichtbar. In anderen nicht - wie zum Beispiel in der Fertigung von Kleidungsstücken.

In vielen Bereichen sind die Segnungen der modernen Technik für jedermann sichtbar. In anderen nicht – wie zum Beispiel in der Fertigung von Kleidungsstücken.

Ich bin ein Kleidungsfetischist. Nicht so wie jener Herr meiner Bekanntschaft, dessen Wohnung quasi ein begehbarer Kleiderschrank ist. Auch nicht so wie jener Verflossene, der mehr Schuhe als ich hat. Ich mag Qualität, schöne Stoffe. gute Schnitte. Und gutangezogene Menschen – aus rein ästhetischen Gründen. Ich drehe mich auch nach Frauen auf der Straße um, wenn sie schick angezogen sind, aber gutangezogene Männer machen mir noch etwas mehr Freude. Nach meiner völlig unerheblichen und gleichermaßen subjektiven Meinung gibt es kein kleidsameres Kleidungsstück für den Herrn als einen Frack. Da der im Alltag fast verschwunden ist, kann ich mich auch an Anzügen erfreuen, wenn auch mit Einschränkungen.

Einer der Vorteile des Frackes ist, daß man damit wenig falsch machen kann. Die Auswahlmöglichkeiten sind relativ begrenzt und der Kauf von Abendgarderobe findet zumeist in Läden statt, wo man vernünftig beraten wird – für Anzüge kann das leider nicht gelten, und entsprechend lang ist die Liste gruseliger Scheußlichkeiten, die man in deutschen Durchschnittsbüros und Straßenbahnen zu sehen bekommt. Gestreifte Hemden, wo die Streifen nicht aneinanderpassen. Schuhe mit Kreppsohlen und unsäglichen Nähten an Stellen, wo keine Nähte sein sollten. Oder es fehlen Nähte, wo sie hingehören. Hosen zu kurz, Hosen zu lang, was sich dann häufig bei den Jackettärmeln und der Krawatte wiederholt. Hosen ohne Gürtel – mich schaudert’s beim bloßen Gedanken. Schrecklich auch, wenn Hemdkragen und Jackettkragen nicht vernünftig aneinandersitzen. Ich weiß auch, wem ich das zu verdanken habe: Computern und Maschinen. Und der Massenkonfektion.

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Jeder, der schon mal Papier in Stapeln geschnitten hat, kennt das: ein, zwei, drei Blatt kann man sauber schneiden, bei mehreren Blättern werden einige zwangsläufig schief. Das gleiche passiert mit von Maschinen geschnittenen Stoffen: werden viele T-Shirt oder Anzugteile für die Billigware großer Bekleidungsketten gleichzeitig in Stapeln geschnitten, fallen die Zuschnitte unweigerlich unterschiedlich aus. Weshalb es sich in den fraglichen Läden immer lohnt, drei Teile derselben Größe durchzuprobieren: sie fallen meistens unterschiedlich aus. Man kann das natürlich auch als Vorteil betrachten, von den unschlagbaren Preisen ganz abgesehen, die es jedermann zumindest theoretisch ermöglichen, sich geschmackvoll und modisch zu kleiden (wenn man denn wollte).

Ohne Zweifel hat die Maschinisierung des Schneiderhandwerks einschneidende Folgen für die Modewelt gehabt. Allerdings nicht nur am unteren Ende der Bandbreite. Sehr fraglich, ob es ohne Computer die Maßkonfektion – was für ein Widerspruch in sich – überhaupt gäbe, und ob sie derartige Verbreitung gefunden hätte. Unzählige Firmen bieten heute Baukastenkollektionen an, bei denen man sich vor Ort vermessen läßt, Hosen, Röcke und Jacketts im Rahmen mehr oder weniger beschränkter Möglichkeiten individualisiert, die dann in manchen Punkten an die persönlichen Maße angepasst werden. Junge Damen mit Armen wie ein Orang-Utan kommen so zu Blusen, deren Manschetten am Handgelenk sitzen. und nicht am Ellenbogen. Und Herren mit Überlänge zu Hosen in Überlänge.

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Möglich macht es unter anderem das Computer-Aided-Design. Wer einmal die unterschiedlich gebogenen Linien eines Schnittmusters in verschiedenen Größen gesehen hat, weiß, wie kompliziert es ist, Schnittstücke auf Papier an andere Größen anzupassen. Ein am Computer entworfenes Schnittmuster hingegen läßt sich mittels Algorithmen und Rechnerleistung mit relativ wenigen Klicks in vielen Dimensionen anpassen, wenn man erst in die erforderlichen Vorarbeiten investiert hat. Tatsächlich ist auch hier die Bandbreite groß: bei manchen Anbietern wird fast jeder Sonderwunsch berücksichtigt. Bei anderen ist die Passform am Ende immer noch weitgehend standardisiert, und die Flexibilität erstreckt sich eher auf die dekorativen Details. Zwar gab es schon früh Anbieter dieser Dienstleistung, aber erst mit der Verbreitung des Internetversandhandels wurde es ein Massengeschäft. Einmal vermessen, kann man problemlos vom heimischen Rechner aus nachordern – wenn man auf das Vergnügen, die Stoffauswahl befingern zu wollen, verzichten kann – und die Ware sogar postalisch verschicken lassen.

Dreidimensionale Darstellungen vermitteln ein ziemlich realistisches Bild vom Endergebnis, von der Haptik abgesehen – und auf die verzichtet der moderne Mensch ja ohnehin oft genug beim Onlinekauf. Auch die Bastion des „liebevollen Details“ wurde längst gestürmt: farbig abgsetzte Hemdkragen, durchgeknöpfte Jackettärmel – alles kein Problem für die Maßkonfektion. Minimaler Aufwand, moderate Preise – ein unschlagbares Angebot in Zeiten der in dunklem Zwirn uniformierten Dienstleistungsgesellschaft. Knapp unterhalb der bereits etablierten Maßkonfektion entsteht seit kurzem sogar ein noch etwas günstigeres Segment, bei dem der Kunde sich selbst vermißt und seine Daten in entsprechende Formulare einträgt – das funktioniert für Hemden ebenso wie für Abendkleider. Durchaus möglich, daß zukünftig die verrufenen dreidimensionalen Körperscanner auch vermehrt zum Einsatz kommen und das leidige Vermessen vereinfachen werden.

Die einzigartige Passform der maßgeschneiderten Luxusliga ist damit allerdings trotzdem nicht zu erreichen. Echte Maßbekleidung ist aus gutem Grund erheblich teurer und in Bereichen, die sich kaum automatisieren lassen. Die reine Nähzeit für einen Anzug dürfte bei etwa 10-20 Stunden liegen, ein richtiger Maßschneider hingegen investiert eher an die fünfzig Stunden in einen Anzug. Wo die Computer aufhören, werden sämtliche körperlichen Eigenheiten des Kunden ins Schnittmuster eingearbeitet, dann wird eine Rohversion „geheftet“ (also mit großen Stichen lose genäht) und probiert, erst danach folgt die eigentliche Fertigung, erneute Anprobe, wieder Änderungen – es ist nicht die reine Nähmaschinenlaufzeit, die die Kosten hochtreibt, sondern die menschliche Dienstleistung eines erfahrenen Auges und geschickter Hände beim Anpassen.

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Die Handarbeit der do-it-youself Individualisten hat der Computer hingegen sehr vereinfacht. Schnittmuster von Hand zu zeichnen ist ein mühsames Geschäft und erfordert erheblichen Sachverstand. Oder leidlich versierten Umgang mit Schnittmusterprogrammen, die es für die gesamte Bandbreite – vom Profi bis zur ambitionierten Hausfrau – gibt. Die kauft allerdings im Zweifel im Online-Shop ein Schnittmuster in ihrer Größe – oder sogar ein Schnittmuster, bei dem die eigenen Maße im Standardschnittmuster punktuell berücksichtigt werden. Quasi Maßkonfektion zum Selbernähen, wobei man ja bei selbstgenähten Stücken immer noch an der Paßform manuell nachbessern kann. Meine Großmutter hat noch Kurse an der Volkshochschule belegt – ihre Enkelin kauft heute ein Buch und schaut sich Lernvideos im Internet an. Der Computer hilft, das Ergebnis zu visualisieren, er kann die Zuschnitte optimal auf der Stoffbahn verteilen, und offene Fragen werden in Foren ausgetauscht, gewissermaßen im virtuellen Kaffeekränzchen.

Für ein wirklich exquisites Kleidungsstück muß man entweder viel Geld oder viel eigene Zeit investieren, ohne daß man es dem Ergebnis sofort ansieht. Maßgeschneiderte Kleidung, von Hand genähte Schuhe aus dem Leder glücklicher Rinder, nach eigenen Wünschen – das fällt den wenigsten, im Zweifel nur dem Träger auf. Und darauf kommt es an, sagt mein aus Ex-Gründen zum Schuhfetischismus  gewechselter Verflossener.

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23 Lesermeinungen

  1. Sophia, nun, ich kann den Ex...
    Sophia, nun, ich kann den Ex verstehen. Handgedengelte Schuhe von der Insel sind nunmal das Nonplusultra für jeden Hedonisten. Da wartet man gern 6 Monate drauf, wie auch beim Anzug. Und erst das vertrauliche Gespräch mit dem seit Jahrzehnten quasi zur Familie gehörenden Schneider, der ja jede Entwicklung in wirtschaftlicher und körperlicher Hinsicht miterlebt hat, ja miterleben durfte. Nein, nein, da hat man Verpflichtung, nicht nur gegenüber diesem uralten Handwerk. Und solcherlei Tuche aus allerfeinstem Kashmir kann man nur dem geschulten Auge überlassen. Ein Computer ist da nachgerade so störend wie eine Batterie in einer Uhr. Die Segnungen heißen hier Ewiger Kalender, Fly-Back, Tourbillon etc., und nicht Lithium-Ionen- oder Gelbatterien wie bei der E-Mobility.

  2. nico, die Freuden der...
    nico, die Freuden der Qualität jenseits schwedischer Ketten… das ist vermutlich subjektiv. Quantität oder Qualität, sozusagen. Und Stoffe muss man anfassen, letztlich – sowas könnte ich nie nur online kaufen.

  3. Für maßgeschneidert hatte es...
    Für maßgeschneidert hatte es bei mir bis vor einiger Zeit nur in Vietnam gereicht. Aber das Abendkleid, die Blusen und Hosen trage ich noch heute, 5 Jahre später, sehr gern. Nähte und Knöpfe, alles noch tipptopp. Ich hatte mir glücklicherweise den besten dort verfügbaren Stoff ausgesucht.
    Inzwischen bin ich mit einem Couturier befreundet und da gönne ich mir dann mal drei oder vier schöne, perfekt sitzende Teile pro Saison. Man muss für sich einfach die richtigen Labels finden; das ist die Alternative zur Maßkonfektion.
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    Voller Bewunderung schaue ich auf die Nähmaschine im Foto oben, die Sie, werte Sophia, sicherlich sehr geübt und erfolgversprechend einzusetzen wissen.
    Danke für diesen anregenden Beitrag.

  4. Stoffe und Frauen, Sophia. Die...
    Stoffe und Frauen, Sophia. Die bestell ich auch nich online. Auf Tuchfühlung gehen hat schon seine Berechtigung, so oder so.

  5. Eine Dichterin findet Ihre...
    Eine Dichterin findet Ihre Stimme. Und dennoch ist sie noch nicht die Welt.
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    Gut sitzende Kleidung ist meist doch sichtbar. Wobei das bei losen Pullovern auch schon mal ein dehnbarer Begriff sein kann.
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    Und mit dem Frack kann man viel falsch machen. Die Tageszeit zum Beispiel.
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    Und dass Don A. einen Kleiderschrank bewohnt wissen wir nun auch, hatten es aber auch sonst schon oft sehr stark vermutet.
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    Und die „Pet Shop Boys“ waren mit ihrer „Pandemonium-Tour“ (inkl. Bühnenbild) schon 2009 auf der Höhe der Zeit – wohl gerade auch was die wechselnden Kleidungsanforderungen eines postmodernen Polperspektivismus anginge. Unsere Angelsachsen halt einmal mehr: Nicht nur kleidungsmässig wenn es drauf ankommt immer höchst avantgarde. http://www.youtube.com/watch?v=4N2H4AOriVg&feature=related
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    Und obwohl sich echte Masskleidung in der Tat höchst wahrscheinlich nicht automatisieren lässt, kann es auch schlechtsitzende Handarbeit geben. Und Körper die in den Anzug von der Stange genau hineinpassen, wie angegeossen evtl. sogar auch. Und auch in der Eifel hat noch jedes Dorf eine begehrte Schneiderin. Auf dem Lande geht ggfls. eh keiner, ohne von Hand angepasst zu haben. Macht man halt. Weils besser sitzt, nur Euros kostet – und nix hat vom städt. Status sozialer Exklusivität.
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    Und schon BK Helmut Schmidt hat auf seinen Dienstreisen immer in Paris fertigen lassen, wie man weiß. („auf seinen Dienstreisen“, *g*)
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    „Es gibt hier eine Frau, die ausschließlich Knöpfe annäht. Sie schafft 30 Jacketts am Tag. „Wenn bei uns ein Knopf abfallen würde, wäre das ein Skandal“, sagt sie.“ Oder eben Regent http://www.tagesspiegel.de/zeitung/mode-das-armloch-als-berufung/1115846.html
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    Wobei, wenn man auf Männer steht, die Kleidung ja eigentlich eher egal ist. Sagte uns auch schon mal eine kundige frau. Ob so http://www.premium-dress.de/herren-anzuege/257-Ermenegildo-Zegna-als-Masskonfektion-schwarz-slimfit.html oder so http://store.zegna.com/zegna/home/tskay/4F32DBB2/gender/U/season/main/tp/25041&?gclid=CO_w3O3-4a0CFcaEDgodfUZxLA oder so http://www.ebay.de/itm/130479987803?ru=http%3A%2F%2Fwww.ebay.de%3A80%2Fsch%2Fi.html%3F_from%3DR40%26_trksid%3Dp4712.m570.l1313%26_nkw%3D130479987803%26_sacat%3DSee-All-Categories%26_fvi%3D1&_rdc=1 ist doch manchmal oft fast weitgehend egal.
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    Und manche Männer sehen auch das Innere einer Nähmaschine gleich noch ganz mit. Inkl. aller techn. Zeichnungen, Zulieferanten, Lackierstrassen oder der ganzen Fabrik, und auch inkl. aller Büros, Aktenkeller und der Sekretärinnenpause. Das aber noch wieder ein anderes Thema.

  6. <p>Werte muscat, vielleicht...
    Werte muscat, vielleicht ist es Einbildung, aber wenn, dann bilde ich mir sehr lebhaft ein, daß Qualitätsware anders ist als Billigware. Die Maschine benutze ich leider viel zu selten – es frisst so unwahrscheinlich viel Zeit.
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    nico, absolute Zustimmung. Gilt auch für Männer.
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    perfekt57, Frack tagsüber geht gar nicht. Smoking tagsüber auch nicht, aber auch dieses Wissen scheint verloren zu gehen. Davon abgesehen: der begehbare Kleiderschrank gehört nicht DA, der wohnt, soweit ich weiß, in einer begehbaren Antiquititätensammlung.
    Gutes Handwerk ist natürlich Voraussetzung für gute Ergebnisse – auch ein Grund, warum ich meine Maschine selten benutze: mir fehlt soviel Können.

  7. Werte Sophia, das ist das Gute...
    Werte Sophia, das ist das Gute am Handwerk; man merkt sehr schnell wie viel man
    können und welche Fähigkeiten man in sich vereinigen muss um von einer Idee zu einem auch nur akzeptablen Ergebnis zu kommen.
    Das Schneiderhandwerk ist dafür ein wunderbares Beispiel. Nicht zu vergessen die
    Stilsicherheit, die es braucht um es zu einem eigenen Label zu schaffen.

  8. Interessanter Artikel, wobei...
    Interessanter Artikel, wobei das Selberschneidern für Frauen auch noch einen Tick einfach sein sollte als für Männer (z.b. Rock). Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass Firmen wie z.b. Dior auch Stoffe verkaufen.
    Was mich viel mehr interessieren würde, wo und welche Jeans kaufen sie. Glaubensfrage oder „Verbrauchsartikel“?
    Bei formaler Herrenkleidung kann man eigentlich nicht viel falsch machen, die von ihnen beschriebenen Fälle sehen es wahrscheinlich eher als äußeren Zwang an und es werden ja auch leider Gottes z.b. Kurzarmhemden, Polyesteranzüge und ähnliches verkauft. Bei vielen Personen in meinem Umfeld muss ich aber leider bemerken, dass sie anstelle 3-4 stelliger Beträge für einzelne Kleidungsstücke, das Geld besser in eine Jahresmitgliedschaft eines Fitnessstudios investieren sollten, das würde die Gesamterscheinung ungemein verbessern.

  9. "...das würde die...
    „…das würde die Gesamterscheinung ungemein verbessern,“ kaktus, Sie haben so recht, wenn dann noch eine in sich stimmige Haltung und Bewegung dazu kommt, den Eindruck von reiner Zufälligkeit erweckt… bewundernswert.
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    Sophia, danke für die Links, insbesondere die Modelle nach Mass sind m.E. für Anfängerinnen eine große Hilfe, man kann zu leicht einen guten Schnitt durch eigene Veränderungen ruinieren.

  10. E.R. Binvonhier,...
    E.R. Binvonhier, Stilsicherheit ist ja schon wieder relativ. Also: Geschmackssache. Sogar bei Damenmode ist es ja sehr unterschiedlich, was man für tragbar hält und was nicht – hängt ja auch vom Anlaß und Umfeld ab.
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    kaktus, Jeans selber zu nähen wäre mir dann doch zu aufwendig. Davon abgesehen ist Jeanskauf für mich die Höchststrafe, daher kaufe das, was passt, ungeachtet der Marke. Natürlich hat man auf die Gesamterscheinung auch an anderen Stellen Einfluß. Sport erfordert allerdings viel mehr Einsatz als einfach die richtige Kleidung zu kaufen.

  11. "Die Freuden der Qualiät"...
    „Die Freuden der Qualiät“ würden wir auch geren im Text wiederfinden. Vermutlich ein Frage der investierten Zeit? Sie schrieben: „für die Billigware großer Bekleidunsketten“…

  12. fritz, ich schrieb "die...
    fritz, ich schrieb „die Freuden der QualiTät“… und wer im Glashaus sitzt, sollte mit Steinen vorsichtig umgehen. Aber danke für den Hinweis und Ihren außerordentlich konstruktiven Beitrag!

  13. Soso, dann stehen Sie also...
    Soso, dann stehen Sie also eher auf die steiffe Klamotte und auf „Werte“, die eine Lupe brauchen, oder den absoluten Kennerblick. Frack? Du lieber Himmel!? Die Etikette des 19.Jhts. und einer „Schicht“, die für eine Jacke so viel ausgegeben haben, wie eine andere „Schicht“ im halben Jahr für Nahrung. Smoking, der Raucheranzug, auch von vorGestern und alles nur Nachts zu tragen? Steiff eben und angebunden an die Nachtzeit. Da haben Wir in einem langen umkämpften Prozess, mit Millionen Toten und Verwundeten, die Freiheit auch der Klamottenwahl erkämpft und doch gibt es immer noch Menschen, die dieser steiffen und abgeschotteten Vergangenheit nachtrauern, statt die Unabhängigkeit von Direktiven und Moden und Stilen und Etiketten und Vorschriften zu feiern und solche absonderlichen Schichtenkleidungen dort zu bewundern, wo sie meiner Meinung nach bestens aufgehoben sind: im Museum. Wenn bei einer Hose die 50 Euro gekostet hat, nach 3 Jahren die Nähte aufplatzen, oder das Gesäss abgewetzt ist, na und? Ich bin froh, dass die bucklige Arbeit von SchneiderInnnen und Knöpfe-AnnäherInnen langsam vollständig von Maschinen übernommen wird. Ich hoffe nur und arbeite daran, ein Gesellschaftsmodell zu entwerfen, dass diese Menschen, u.a. in Vietnam, auch weiterhin mit einer allerdings würdigeren Arbeit den Lebensunterhalt bestreiten können. Aber, Wem es Freude macht, kann sich ja weiterhin den Rücken krumm nähen, bloss um der „besseren“ Qualität wegen. In diesem Sinne, lassen Sie das Steiffe sausen, @Sophia …, viel Freiheit dabei, auch im Geldbeutel, es gibt wichtigeres zu unterstützen, auch in Asien, besonders in Afrika, aber auch in Europa, vermitteln Sie das doch auch dem Ex mit dem Kleider-/Schuhschrank, oder reicht dessen Weitblick nur bis zu den Schnürsenkeln, kann ja sein? Verzeihen Sie die Offenheit, aber …

  14. Oliver-August Lützenich, ob...
    Oliver-August Lützenich, ob man den Sklaven an der Nähmaschine in Ostasien einen Gefallen tut, wenn man bei Billigläden einkauft, da bin ich mir nicht sicher. Davon abgesehen gibt es viele Arten von Dekadenz – gute und angemessene Kleidung für den richtigen Anlaß ist davon nicht die schlimmste.

  15. Tja, Herr Lützenich, jetzt...
    Tja, Herr Lützenich, jetzt ist es heraus, dass Sie einfach nicht auf den Einladungslisten der richtigen Anlässe für Frack, weiße Fliege und Kummerbund stehen. Aber trösten Sie sich: Auch ich kann gut darauf verzichten, im Pinguinskostüm auf dem polareisglatten Parkett herumzuwatscheln. Und monatelang auf irgendwelche von buckligen Zwergen hinter den sieben Bergen mundgenähte Bukarester, äh, Budapester zu warten, herrje, da kann ich mir auch angenehmeren Zeitvertreib vorstellen. Aber nach sieben Jahren Hausmann- und Homeofficer-Dasein (mit der entsprechenden Klamotten-Verschlunzung als Folge) bekomme ich neuerdings manchmal wieder Lust daran, mich bisschen businessmäßig aufzubrezeln. Mit meinem kleinen Wohlstandbäuchlein passe ich inzwischen zwar recht gut in Sakkos von der Stange, aber ich erwäge ernsthaft, mir doch mal wieder einen Anzug schneidern zu lassen.

  16. Volle Zustimmung meinerseits...
    Volle Zustimmung meinerseits und meine Erfahrung bezüglich Maßgeschneiderter Anzüge ist sehr, sehr positiv. Diese bewegen sich preislich nicht im oberen Segemt und vermitteln mir neben dem Tragekomfort und der Passform eben auch im geschäftlichen Bereich ein Gefühl der Selbstsicherheit.
    Meine Bezugsquelle sei noch kurz genannt – https://www.maile.com

  17. <p>Raoul, ich habe es einmal...
    Raoul, ich habe es einmal mit Maßkonfektion versucht, das war allerdings mehr Konfektion als Maß und daher nicht so toll. Im Moment verlangt es mich sehr nach einem Abendkleid (damit ich weiter Herren im Frack bewundern kann) – da werde ich aber wohl auf meine eigenen Fähigkeiten zurückgreifen.
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    Geschätzter Kollege, vielen Dank für die Schützenhilfe. Es muß ja niemand zu solchen Ereignisse gehen, wenn er nicht will. Auch sehe ich nicht, was dagegen spricht, einen Abend auch durch Äußerlichkeiten zu etwas Besonderem zu machen, so wie andere Menschen gut essen gehen oder eine teure Flasche Wein öffnen.

  18. @Sophia

    Ach, schöne Kleider...
    @Sophia
    Ach, schöne Kleider sind doch etwas sehr bewunderswertes, sei es nun für Frauen oder Männer. Viel Spass beim Frack-bewundern ;-)

  19. Bei Maßkonfektion sucht man...
    Bei Maßkonfektion sucht man ja auch eher nicht das ausgefallene, das Akzente setzt, sondern eher die soliden Standards. Ich hatte mir vor 25 Jahren am Anfang meiner Berufstätigkeit bei Dolzer (damals noch ein Geheimtipp in der bayrisch-badischsibirischen Grenzregion) einen dunklen Anzug machen lassen: Zweireiher, Grau mit zwei schmalen dunkelgrauen Streifen und dazwischen einem dünnen Silberfaden, also etwa das, woraus man die Hosen für einen Stresemann macht, und da sagte der alte Schneider, der Maß nehmen sollte, mit Blick auf den Stoff und Schnittmuster: Aha, Sie sind bestimmt Journalist oder so was. Sie möchten mit diesem Anzug einigermaßen seriös für alle möglichen Termine gerüstet sein, aber doch nicht für einen Bankkaufmann gehalten werden, stimmts? Und was soll ich sagen, voll auf die 12, der Kennerblick des Alten hatte das genau erfasst.
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    Tja, seitdem ist der Laden aus der Provinz in sämtliche Großstädte der Republik expandiert und längst vom Geheimtipp zur Yuppie-Anlaufstelle mutiert. Die hiesige Filiale ist direkt umme Ecke von der Kö, und ich weiß gar nicht, ob ich mich da überhaupt noch hintraue – oder ob ich mir lieber in D-Friedrichstadt ein kleines, gerne auch türkisches oder italienisches Schneideratelier suche, das richtig auf Maß arbeitet und noch halbwegs bezahlbar ist.

  20. Das ist jetzt aber fiess,...
    Das ist jetzt aber fiess, jetzt steh ich da als moralinsaurer Spassverderber:-) Derweil … Naja, aber wer schon mit einem „Soso“ anfängt, der braucht sich nicht zu wundern, dass es mit dem Zeigefinger weitergeht. Also, ich nehme hiermit das „Soso“ zurück und senke den blöden Zeigefinger. Wie komme ich nur darauf, wo ich den selbst nicht mag!? Zum Thema:
    Klar, bin auch ich gerne aufgebrezelt, und @Marco … Sie liegen richtig, mir fehlen die Gelegenheiten einen Cut anzuziehen, aber ich mag es tun, wenn mir danach ist, nicht nach Vorschrift oder auf Gruppendruck und deshalb habe ich schon so Manche überrascht, wenn ich zum Fussball (gucken) mit Designer-Hose und Weste (2.Hand) erschienen bin, aber mir war beim Blick in den Schrank einfach danach. Vielleicht auch, weil ich wusste, dass ich damit zumindest am Anfang alle Aufmerksamkeit hatte. Aber grundsätzlich bin ich, wie ich schrieb, froh, dass Wir in langen Kämpfen die gesellschaftlichen Klein- und Grosszwänge überwinden, auch die Befreiung aus teils unzumutbaren Arbeitsumständen und Uns langsam aber sicher auf das Wesentliche konzentrieren können.
    Wie immer, Dank an Sie Beide für die Arbeit und Inspiration und noch viele fruchtbare Beiträge und Kommentare.

  21. Raoul, volle...
    Raoul, volle Zustimmung.
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    Lieber Kollege, ich glaube, es gibt inzwischen bessere Adressen – zumindest schien es mir bei den Recherchen so.
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    Oliver-August Lützenich, Kleidungsvorschriften haben einen riesigen Vorteil: mit klarer Ansage fällt niemand aus dem Rahmen und muß sich daher unbeabsichtigt unwohl fühlen. Und die Kleiderordnung verändert die Atmosphäre: sie schafft Augenhöhe und gibt einen festen Rahmen, in dem man sich flexibler bewegen kann – genau wie das auch Benimmvorschriften tun. Darüber hinwegsetzen kann man sich dann immer noch, wenn man bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Man kann das als gesellschaftlichen Zwang empfinden – oder als selbstgesetzten Rahmen, den sich eine Gruppe gibt, um die oben genannten Ziele zu erreichen.

  22. Werte Sophia, Sie gehören...
    Werte Sophia, Sie gehören wohl schon zu denen, für die es die easy-Schnitte gibt.
    Was meint: easy, wenn man gewohnt ist an einem Tag ein Brautkleid zu nähen ;-)

  23. Sophia und...
    Sophia und Marco,
    Maßkonfektion ist die zweitbeste Art und schlägt Anzüge (Kostüme) von der Stange um Längen. Es ist ja nicht nur die fast perfekte Passform und Verarbeitung made in Germany.
    Vor allem kann man das Tuch wählen. Und hier ist die Maßkonfektion z.b. den überteuerten Türkeiprodukten des ehemals Metzinger Herstellers um Längen überlegen. Denn bei diesem findet man kaum mehr Tuche von namhaften italienischen oder englischen Webereien.
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    Naturgemäß ist Maßkonfektion aber nur ein Kompromiss. Da gebe ich insoweit der Autorin recht.
    Handgenähte Anzüge vom Schneider mit drei Anproben sind unschlagbar!

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