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07.07.2012, 07:13 Uhr  ·  Das Fernsehen ist tot, so künden es die Netz-Evangelisten. Aber das nächste große Ding, welches das Lagerfeuer des 20 Jahrhunderts ersetzen könnte, zeigt sich derzeit nur schemenhaft von ferne.

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Das Fernsehen ist tot, so künden es die Netz-Evangelisten. Aber das nächste große Ding, welches das Lagerfeuer des 20 Jahrhunderts ersetzen könnte, zeigt sich derzeit nur schemenhaft von ferne.

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der unablässig sein Smartphone schwenkte, auf den Medienkongress lief und schrie: „Wohin ist TV?” rief er, „ich will es euch sagen! TV ist tot. Wir haben es getötet, Ihr und ich! Das mächtigste Medium, das die Welt besaß, ist unter unseren Messern verblutet. Wer wischt dieses Blut von uns ab? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Inhaltelieferanten werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen?”

So oder ähnlich könnte es sich lesen, müsste sich der Philosoph Friedrich Nietzsche heute Gedanken um das Fernsehen machen. Im Unterschied zu zukunftszugewandten Zeitgenossen, die heute auf Kongressen und Branchenveranstaltungen den Tod des Fernsehens ausrufen, wäre sich Nietzsches toller Mensch aber dessen bewusst, dass die Zeit für seine Erkenntnis erst noch reifen muss: “Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden.”

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Eine andere Lesart wäre: Der tolle Mensch hat das Totenglöcklein für das gute, alte Fernsehen vielleicht nur zu voreilig geläutet. Von den Vitaldaten her gesehen steht das Medium eigentlich noch gut im Saft: Wie der RTL-Werbevermarkter IP Deutschland in seinen „European Key Facts” darlegt, ist 2011 in der EU mehr ferngesehen worden denn je: „Mit 230 täglichen Fernsehminuten konnte der Rekordwert des Jahres 2010 um zwei Minuten übertroffen werden.” Die ARD meldete im Juni Rekordquoten für die Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft. Business as usual, soweit das Auge reicht. Weder in den Zuschauerzahlen noch in den Werbeerlösen der Sender sind derzeit Einbrüche zu verzeichnen. Doch Henry Blodget, zu Zeiten des Dotcom-Hypes Analyst bei Investmentfirmen und heute CEO und redaktionell Verantwortlicher des US-Infodienstes „Business Insider” warnt die TV-Industrie davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen wie zuvor die Zeitungsbranche: „Das Leserverhalten hat sich geändert, während die Vertriebserlöse und Anzeigenumsätze der Verlage noch stiegen. Als die Entwicklung aufs Geschäft durchschlug, wurde es heftig – so heftig, dass viele Blätter dichtmachten oder hart an der Pleite vorbeischrammten.” Eine ähnliche Entwicklung stehe auch dem TV-Markt bevor. Die Veränderungen im Zuschauerverhalten träten in Blodgets eigenen Haushalt bereits klar zutage: Statt zur regulären Sendezeit würden TV-Formate fast nur noch „on demand” gesehen – und zwar ohne Werbung. Das Programm flimmert nicht unbedingt über den TV-Bildschirm, sondern alternativ auch auf dem iPad, Laptop oder Smartphone. Nachrichten sucht man sich Internet zusammen, Artikel für Artikel, Videoclip für Videoclip. „So wie bei uns läuft das inzwischen in vielen Haushalten”, so Blodget. Und es ist daher für den früheren Merill-Lynch-Analysten nur eine Frage der Zeit, bis die Schockwellen dieser Entwicklung die TV-Branche erschüttern.

Nun gut, man könnte entgegnen, in Europa gehen die Uhren etwas anders, und Blodgets Analysten-Karriere endete durchaus nicht rühmlich. Aber reicht das, um sich als Senderverantwortlicher zurückzulehnen – oder darauf zu hoffen, dass sogenanntes Social TV (die Einbindung von Formaten in Facebook-Präsenzen und programmbezogenes Twittern) das Publikum dauerhaft bei der Stange hält? Markus Hündgen, Videojournalist und netzbekannt unter dem Pseudonym „Videopunk”, schmettert der TV-Branche jedenfalls ein düsteres „No Future”-Ständchen: Das junge Publikum wird nicht erreicht, die TV-Industrie habe zudem enorme Schwierigkeiten, sich dem neuen Zeitgeist des demokratisierten Kommunikationsmittels “Video” anzupassen. Und in Social-TV sieht Hündgen nur lebensverlängernde Maßnahmen, die nichts daran ändern können, „dass das Medium seine besten Jahre hinter sich hat.”

Mit seiner Beobachtung, dass eine wachsende Anzahl Menschen sich vom TV abwendet, liegt Videopunk Hündgen sicher nicht falsch. Ich selber bin seit ziemlich genau zehn Jahren von regelmäßigem Fernsehkonsum weg. Damals rauchte das Gerät kurz vor der Fußball-WM ab, und ich wollte mal austesten, wie lange ich es aushalte ohne. Die Monate und Jahre gingen ins Land, und nicht mal das irgendwann von meiner Frau in den gemeinsamen Haushalt eingebrachte Gerät holte mich zurück vor den Schirm. Aber was beweist das? Ich kenne auch etliche Leute, die kein UKW-Radio mehr hören, sondern allenfalls exotische Audiostreams aus dem Web oder was das iTunes-Konto halt so hergibt. Aber daran ist der werbe- und gebührenfinanzierte Hörfunk auch nicht gestorben. Bislang zumindest.

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Sicher scheint so viel: Auf den Fernsehgeräten der neueren Generation konkurriert das lineare Programm der TV-Sender zunehmend mit allerlei Web-Inhalten oder auch den eigenen Urlaubsfotos. Hinzu kommt: Was auf dem großen Bildschirm flimmert, muss sich die Aufmerksamkeit im Wohnzimmer zunehmend mit einem zweiten Bildschirm teilen, dem Smartphone, Tablet oder Notebook. Laut einer Studie von Bitkom/Goldmedia nutzen bereits 77 Prozent der Deutschen parallel zum TV das Internet. Für das Programm ist das einerseits eine Bedrohung, aber auch die Chance, das Publikum auf dem Parallelkanal zusätzlich einzubinden. Aber auch dabei stecken die Sender „zwischen Pest und Cholera”, wie es Claus Sattler von Goldmedia ausdrückt: Werden ihre Programme zum Hintergrundrauschen für die Social-Media-Chats ihrer Zuschauer oder können sie die zum Teil gewaltige Fanbasis für ihre Formate erfolgreich nutzen und künftig auch kapitalisieren?

Wo die Entwicklung tatsächlich hingeht, ist derzeit nicht so klar. Begriffe wie IPTV, Google TV, Apple TV, Hybrid-TV stecken einen Möglichkeitsraum ab, in dem diverse neue Mitspieler versuchen, ein Stück vom traditionellen TV-Kuchen abzubekommen – und die vermeintlichen Strukturprobleme des Fernsehens in ihrem Sinne zu lösen. Dabei sollte nicht völlig in Vergessenheit geraten, was das Fernsehen einst so groß gemacht hat: das unschlagbar einfache User Interface, Anschalten und vielleicht noch umschalten, das war‘s schon. Mit dem Anstöpseln von smartcard-bewehrten Kabel- oder Satellitenboxen und dem Programmieren von Videorecordern wurde es schon komplizierter – und mit Festplattenrekordern, IPTV, Netflix, Hulu, Bit Torrent, Google TV und Apps wie Couchfunk steuert das Medium vor lauter Digitalisierung geradewegs in die Komplexitätsfalle. So ist der vielzitierte „Krieg um die Augäpfel” zwischen TV- und Computerindustrie, den der damalige Intel-Chef Andy Grove in den späten 90ern heraufziehen sah, jedenfalls nicht zu gewinnen. Oder anders ausgedrückt: Kann schon sein, dass das Fernsehen tot ist, aber wo lebt denn sein Nachfolger?

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (44)
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0 stimmviech 07.07.2012, 08:22 Uhr

Die Masse der Menschen braucht...

Die Masse der Menschen braucht Führung. Deshalb glaube ich an die Fortexistenz des TV, allerdings müssen die Sender ihr komplettes Programm auch dauerhaft on demand anbieten, was, so glaube ich, bei diesen Soaps auch schon geschieht. Letztlich ist die proletarische Jugend weiterhin Tv-Konsument, gerade scripted reality erfreut sich dort höchster Beliebtheit, zumal sie von den meisten als solche nicht erkannt wird. Nur schaut man das gern zwischendurch auf youtube. Ich gucke neben meiner Arbeit viele alte Tatort- oder Polizeiruffolgen auf youtube. Wenn die Fernsehsender das auf ihren Webseiten zur Verfügung stellten,würde ich es dort schauen und man würde per Werbung noch Geld verdienen. Die Privaten werden socialTV noch ausbauen und dann den Erfolgsweg des Formatradios gehen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 09:17 Uhr

Das dauerhaft on demand...

Das dauerhaft on demand anbieten scheiterte bei den Öffentlich-rechtlichen ja an medienpolitischen Interventionen der Verlage, die zu dem absurden Ergebnis führten, dass ARD und ZDF ihre Sendungen nach kurzer Zeit wieder vom Netz nehmen müssen. . Formatradio ist ein gutes Stichwort, der Dudelfunk erreicht ja weiterhin (trotz TV, Internet und mp3) einen signifikanten Anteil der Bevölkerung. Aber es zeichnet sich auch immer mehr das strategische Defizit des Mediums ab, dass andere Teile der Bevölkerung (nämlich der, welcher mit dem durchstandardisierten Hitmusik- und Dampfplauder-Klangteppich nicht viel anfangen kann) sich entweder bei den werbefreien ARD-Info- und Kulturradios versorgen muss oder gleich ganz zu irgendwelchen exotischen Webradiostreams abwandert. Ich denke, die Trennlinie von TV-Guckern und nicht-mehr-TV-Guckern wird sich in den kommenden Jahren noch viel deutlicher abzeichnen quer durch die Gesellschaft - auch wenn sich die schleichende Abwanderung derzeit noch nicht nennenswert niederschlägt im Verhältnis TV-Seher zu Gesamtbevölkerung: http://agf.de/daten/zuschauermarkt/seher

0 stimmviech 07.07.2012, 09:48 Uhr

Der " andere Teil" der...

Der " andere Teil" der Bevölkerung wird aus Gründen, deren Erwähnung Ihnen auf Ihrem Privatblog übel aufstößt, maximal 25% dieser Bevölkerung sein. Und 75% der Bevölkerung reichen zur Gewinnmaximierung.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 10:16 Uhr

"Und 75% der Bevölkerung...

"Und 75% der Bevölkerung reichen zur Gewinnmaximierung. " . Ähm, sollte man meinen, aber so einfach ist es nicht. Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass im laufenden Geschäftsbetrieb (sowohl im Programmeinkauf als auch in der Werbezeitenvermarktung und auch in den Verwaltungsprozessen) soundsoviele Annahmen eingepreist sind, wieviele Leute mit welchem Aufwand erreicht werden. Wenn nun statt der erwartenen 77 Prozent nur 75 Prozent erreicht werden, scheint das zunächst nicht dramatisch, aber die entsprechenden Stellschrauben kann man nicht immer zeitnah nachjustieren, oder es wird die Notwendigkeit schlicht nicht gesehen (so wie bei den von Henry Blodget erwähnten US-Verlagen), und eh man sichs versieht, ist das Business so in Schieflage, dass harte Sanierungen notwendig sind, aber gleichzeitig fehlt die Perspektive, wie bei den Anteilseignern wieder neue Wachstumsphantasie geweckt werden kann. Es ist wirklich so, dass die größten strategischen Fehler und Versäumnisse dann begangen werden, wenns eigentlich nicht schlecht läuft.

0 donna laura 07.07.2012, 12:15 Uhr

lieber Marco Settembrini di...

lieber Marco Settembrini di Novetre, man sagt, nicht zu unrecht, dass kein medium ein anderes beseitige - nur wird die nutzung des älteren mediums zunehmend eingeschränkt. das alte liedchen aus den achtzigern 'video killed the radio star' mag vielleicht ein wenig darüber hinwegtäuschen, und ausserdem klingt es ja so unbeschreiblich selbsterhebend, wenn man zugunsten des von einem selbst vertretenen mediums vom tod des älteren parliert. . ist das etwa aloysius im ersten bild?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 12:32 Uhr

Werte donna laura, vom...

Werte donna laura, vom Rieplschen Gesetz hat Ihr ergebener Berichterstatter selbstredend gehört. Ich habe mich an der "... ist tot"-Aussage daher auch nicht zu knapp gestoßen, aber wenn man es als Zuspitzung des Sachverhalts begreift, dass das TV seinen Status als Leitmedium einbüßt, dann bin ich dabei. Man muss in der Tat auch die Motive derer sehen, die das TV-Totenglöcklein läuten, da geht es natürlich auch um Aufmerksamkeit. Oder auch - und da ist mein thematischer Hometurf - wenn die Vertreter der Werbewirtschaft die Werbeleistung des Fernsehens schlecht reden - da geht es ganz klar um Preispolitik und Konditionenpoker. Ich hatte kürzlich mit einem Werbegewaltigen ein Hintergrundgespräch, und der sagte sinngemäß, TV sei das letzte funktionierendes Massenmedium, und wenn das weg ist, wird es für die Industrie ziemlich bitter und arbeitsaufwendig, die Masse der Konsumenten in vertretbar kurzer Zeit zu erreichen. . Man hüte sich auch von der naiven Vorstellung, US-Studios würden hochwertige Serien wie "Lost", "Mad Men" oder wie das ganze Zeug heißt, das sich die Geeks im Original DVD-weise reinziehen, auch dann noch produzieren und refinanzieren können, wenn der Verwertungskanal TV keine Reichweite mehr bringt.

0 Thorsten Haupts 07.07.2012, 12:36 Uhr

@Marco: Mich lässt DIESE...

@Marco: Mich lässt DIESE Debatte ziemlich kalt. Fernsehen war nie ein Medium der Aufklärung, sondern immer eines der fast reinen Unterhaltung. Ob und wie es sich mit welcher Reichweite weiterentwickelt, ist oekonomisch fuer Anteilseigner von Sendern wichtig, aber für kaum jemanden sonst. Ernsthaftes Denken und bahnbrechende Erkenntnise erfordern noch immer Lesen, ihr Medium ist und bleibt das Buch. Daran haben Radio und Fernsehen nichts geändert, daran werden Smartphone und Web nichts ändern. Gruß, Thorsten Haupts

Stimmvieh, ihr Beitrag besteht...

Stimmvieh, ihr Beitrag besteht nur aus der Herabsetzung anderer. Ich gucke selbst kein Fernseher mehr, schäme deshalb aber ein wenig, weil ich öfter mal mit Ihres gleichen in einen Topf geworfen werde. Nur weil ich kein TV mehr gucke halte ich doch nicht, die die es tun für proletarisch. Mit Verlaub diese arrogante Selbstverliebheit vieler Tv Kritiker ist widerlich. "Da die dummen Schäfchen und hier ich, der der alles versteht und viel gebildeter ist und damit natürlich auch besser ist" Das ist das gleiche wie dieses Mario Barth Bashing. Anstatt auf veraltete Klischees, seine nervige Art und eintönige Programme hinzuweisen geht es den meisten Kritiker nur um eine Selbsterhöhung auf Kosten der Erniedrung anderer. Ironischerweise eine Sache, die sie bei Barths Kollegen wie Pocher selbst kritisieren. Der Untergang des Fernsehens wird doch auch nur im Internet herbeigeredet. Weniger aus erwiesenen Tatsachen mehr aus persönlicher Überzeugung, dass das Fernsehen das Böse ist. Genau wie es im Internet geradezu Hass auf Printmedien gibt. Alles was man im Fernsehen (Propaganda, belangloser Mist) und Printmedien (bewusste Informationsverschweigung, skandalisierung) antrifft gibt es im Internet noch in viel größeren Maße. Es ist amüsant Leute zu lesen, die meinen man kann "Medien nichts mehr glauben", dann aber jeden Verschwörungsblogpost für bare Münze nehmen. Gerade im Internet hat sich eine arrogante selbsternannte Elite breitgemacht, die das Netz über alles erhöht und alles andere niedermacht. Warum auch sonst sollten das "Sterben" Print und Fernsehen solche Freudenstürme und Schadenfreude auslösen? Wenn sich Modern Talking auflösen freue ich mich doch auch nicht, weil sie mein Leben nicht berühren, offenbar sind also Print und TV noch riesige Themen für "Supervernetze", wie sich manche gerne den Anstrich einer Überlegenheit geben.

Wir Wir werden alle mal...

Wir Wir werden alle mal alt Wir werden alle mal alt!!

0 Hans-Peter Kraus 07.07.2012, 13:43 Uhr

"Ich denke, die Trennlinie von...

"Ich denke, die Trennlinie von TV-Guckern und nicht-mehr-TV-Guckern wird sich in den kommenden Jahren noch viel deutlicher abzeichnen quer durch die Gesellschaft ..." Bisher weisen sowohl die GEZ-Zahlen (Teilnehmer, die nur Radio angemeldet haben) und die Zahlen des Statistischen Bundesamtes etwa 2 Mio fernsehlose Haushalte aus, macht ungefähr 5%. Die Abwanderung hat sich durchs Internet nicht beschleunigt und es gibt einen vorsorgenden Grund, warum die Trennlinie nicht schärfer wird: Rundfunkgebühren/beiträge dürfen demnächst alle zahlen. Das Angebot heißt: Da du sowieso dieses Medium finanzieren muss, kannst du es ja auch gleich nutzen. Man muss also schon ein dickes Fell haben, wenn man Fernsehen trotzdem nicht nutzt und als der Dumme dasteht, der es mitbezahlen darf, während man zuvor noch als intelligentes Wesen dastand, wenn man auf den Fernseher verzichtete.

0 stimmviech 07.07.2012, 13:50 Uhr

Ich selbst gucke ja fern, kann...

Ich selbst gucke ja fern, kann aber auch ohne leben bzw. schaue auf youtube ausgewählte Sendungen. Ich wäre, dürften die öffentlich-rechtlichen ihre alten Fernsehspiele per Internet anbieten, Kunde von socialtv. Ich werte da niemanden ab, schließe nur von der Befähigungsstruktur der Menschen auf den Erfolg des Mediums TV.

0 perfekt57 07.07.2012, 14:03 Uhr

"womöglich werden alle medien...

"womöglich werden alle medien zunehmen, genau so, wie die freizeit": die babyboomer gehen nämlich. in rente, pension, vorruhestand - oder "einfach wech". . und da haben sie dann viel zu tun. garten, reisen, enkel, alle medien, wandern, karten spielen, segeln, unsinn machen, oper, cabriolet, schreiben, filme drehen. . ist womöglich halt auch so, wie Don A. immer schreibt: seine generation investiert lieber gleich in erlebtes. spart nicht weiter. betreibt zwar (ungefähr)vermögenserhalt, lebt aber gleich jetzt. und die Don A. werden mehr, daher. . und @donna laura: und ein königreich für eine neue arbeitsstelle - zu hundert proent in der frauenverwöhnung! . und immer mehr sind gegen eine weitere ausbreitung der zivilisation. die bringt überall nur mord und totschlag. . und alles zum glück (dank netz u. dish) immer mehr ohne grenzen. "tanger" aktuell weiterhin wohl so etwas wie "fluchtpunkt europa" resp."zone der zukunft" (*g*)(aber eher nicht ard & zdf). http://www.jensrosteck.de/buchautor/bcher/jane-und-paul-bowles/index.html http://www.arabforum.de/de/2010/kultur-2010-Tanger-Hafenstadt-Marokko-Investitionsm%C3%B6glichkeiten-und--Wachstumsfaktoren.php http://www.litkicks.com/Tangier/ http://www.guardian.co.uk/books/booksblog/2010/nov/23/tangier-william-burroughs-naked-lunch

0 donna laura 07.07.2012, 15:07 Uhr

lieber Marco Settembrini di...

lieber Marco Settembrini di Novetre, so habe ich ihren werten beitrag auch verstanden. darf ich noch etwas anfügen, rein zum gebrauch von medien? es war der von ihnen bereits zitierte nietzsche, der einst schrieb: unser schreibzeug arbeitet mit an unseren gedanken. . sagen sie, hat man aloysius, das bärchen im ersten bild, richtig erkannt? nun, auch der teddy ist noch - oder schon wieder da -, selbst wenn man ihn nicht mehr als leitmedium benötigt, wird er aber zum geschätzten begleitmedium.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 15:10 Uhr

@Hans-Peter Kraus: Hm, ich...

@Hans-Peter Kraus: Hm, ich denke nicht, dass die Zwangsabgabe für alle die Abgewanderten wieder heim ins Fernsehreich holt. Dies hier ist ein Gebührenzahlerhaushalt mit Endgerät und DVB-T-Tuner, und trotzdem komme ich wenns hoch kommt auf fünf Stunden pro Jahr, bei meiner Frau mags etwas mehr sein, wenn sie alle zwei Jahre mal paar Fußball-Länderspiele guckt. Ich nehme mir ja regelmäßig vor, mehr zu gucken, aber irgendwie ergibt es sich nicht. Ich würde auch nicht in den Chor derer einstimmen, die da sagen, es liefe nur noch Schrott, ich bin sicher, wenn ich ab und zu was Gescheites suchte, würde ich auch fündig. Aber ich stelle fest, wenn man mal raus ist aus der Gewohnheit, ist man halt raus. . @Thorsten Haupts: Endlich mal ein Thema, das Sie nicht interessiert. ;-) So ganz ist mir Ihr diesbezüglicher Dünkel ja auch nicht fremd, tatsächlich gab es auch in meiner aktiveren Fernsehzeit nur wenige Gelegenheiten, bei denen ich bahnbrechende Erkenntnisse mitgenommen hätte. Bei Themen, bei denen ich mich einigermaßen auskenne, hat mich die TV-inhärente Emotionalisierung, Vereinfachung und Langsamkeit der Darreichung oft genug genervt. Aber ich will nicht verschweigen, dass ich vorm Gerät auch manch angenehme Stunde verjuxt habe. . @Fabian: Die Selbstüberhebung der ostentativen TV-Abstinenzler kann in der Tat ziemlich nerven. Damit, das Fernsehen schlecht zu reden, ist nun wirklich kein nennenswerter Distinktionsgewinn mehr zu erzielen. Den blinden Fleck in dieser vermeintlichen Topchecker-Perspektive haben Sie schön lokalisiert. Und dennoch: Auch wenn das Risiko steigt, manchem obskuren und paranoidem Zeug auf den Leim zu gehen, nur weils nicht aus den traditionellen Kanälen kommt, sehe ich schon einen Zugewinn an Medienkompetenz, wenn nicht mehr alles so geschluckt wird wie es serviert wird, und über kurz oder lang wird dieser Prozess natürlich auch vor Internetpostings nicht haltmachen. . Evgeny Morozov, dessen netzkritische Perspektive ich sonst durchaus schätze, hat sich unlängst zu Forderungen verstiegen, es müssten neue Gatekeeper und Filter her, die verhindern sollen, dass paranoide Vorstellungen und obskures Eso-Zeug mehr oder weniger gleichberechtigt neben seriösen Inhalten stünden. Das liefe aber auf eine Art von Gegenreformation hinaus, die ich für den völlig falschen Weg halte, weil sie zentrale Errungenschaften des Netzes rückgängig machen würde. Wir wären dann wieder da, wo wir schon einmal waren und weg wollten.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 15:16 Uhr

Donna Laura, ich bitte um...

Donna Laura, ich bitte um Verzeihung, dass ich Sie mit der Frage nach dem Teddy warten ließ. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, es handelt sich da um eine Pixelspende des unersetzlichen Kümmerers Don Alphonso, denn das Bildmaterial, was ich beschafft hatte, erregte seinen Argwohn, ob da auch bis ins letzte Detail geklärt ist, dass man es hier verwenden kann.
Ach ja, bemerkenswert, wie Nietzsche mit seinen Gedanken über den Zusammenhang zwischen Schreibzeug und Gedanken im Grunde auch schon "The medium is the message" vorwegnimmt.

0 perfekt57 07.07.2012, 16:34 Uhr

wir teilen unbedingt seine...

wir teilen unbedingt seine meinung: das netz muss offen bleiben. . obwohl historisch durch die versuchsweise einführung höherer stabiler ordnungen durch uns (also durch männer) - und wäre es zur not gewaltsam - in der geschichte mehr menschen umgekommen sind, als durch jeden anderen fortschritt. oder ursache.

0 donna laura 07.07.2012, 17:38 Uhr

aber nein, ein wenig warten...

aber nein, ein wenig warten macht doch nichts aus und versüsst vielmehr die antwort. . gut, dann ist es, wie erwartet, sein unerschütterlicher aloysius. . vielleicht sind wir einem brisanten vorfall auf der spur und es gab auch früher schon copy and paste wie zu schnuckis* zeiten, und mc luhan hat eben nietzsche herangezogen, um *hust* seine eigenen thesen zu stützen. wie man es eben so macht. unter luhanplag hat in einschlägigen seminaren früher sicher etwas anderes verstanden... waren sie mal in mannheim im barockschloss, nur um beim thema zu bleiben? ----- * s. sdg

0 skeptiker01 07.07.2012, 18:23 Uhr

Natürlich wird sich das...

Natürlich wird sich das Medium TV stärker verändern müssen als es das bisher vermochte. TV on demand wird die Regel werden. Die Vermarktung der Formate wird vielschichtiger und flexibler werden müssen. Das letzte Lied für das TV - ob öffentlich-rechtlich oder privat wird noch lange nicht gesungen werden. Die im Grunde entbehrliche Vielzahl der Öffentlich-Rechtlichen wird sich durch verstärkte Regionalisierungsmöglichkeiten deutlich als Vorteil erweisen. Wer sich heute dem TV-Gebrauch entzieht, wird das auch zukünftig tun. Damit macht er weder alles richtig noch alles falsch. TV macht - wie das Internet ja auch - die Blöden blöder und die Schlauen schlauer. Und das ist beider Personengruppen gutes Recht. @Donna Laura - die wichtige Teddy Aloys-Frage konnte ich letztgültiger Klärung zuführen: Es handelt sich um den Misery Bear des BBC: http://www.youtube.com/show?p=GozqPXQtafk

0 Veil of ignorance 07.07.2012, 18:47 Uhr

Die Technikwelt folgt ganz...

Die Technikwelt folgt ganz klar dem Trend der Infantilisierung. Geräte werden nur noch mit kindlichem grapsche bedient, Meinungen mit "gefällt mir/gefällt mir nicht" artikuliert und Entscheidungen dank App Stores nur noch auf "Ja/Nein" reduziert. Nur so konnte die Zielgruppe der alten und ungebildeten Konsumenten erschlossen werden. Da der Fernseher das Maß der Dinge hinsichtlich Komplexitätsreduktion ist, wird sich mittelfristig auch nichts ändern. Was sollte denn auch den Altar in Full HD als geografischer und kultureller Mittelpunkt in Deutschlands Wohnzimmer ablösen? . Mir ist es lieber Menschen schauen sie skripted reality Sendungen an, als dass sie ihre Zeit im Internet mit Verschwörungstheorien, Esoterikkram, rechtem Gedankengut und Feministinnen-Blogs vertreiben. Natürlich müssen diese Auswüchse unterbunden und nicht zur Norm erhoben werden. @Marco: Was sind denn die "zentrale[n] Errungenschaften des Netzes"? Ein Recht darauf andere anonym zu beleidigen?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 19:04 Uhr

@donna laura: Dafür, dass ich...

@donna laura: Dafür, dass ich fast ununterbrochen 40 Jahre in Mannheim lebte, eigentlich eher selten. An die Besichtigung in Kindertagen habe ich nicht mehr viel Erinnerung, die alte Pracht des Karl Theodor hat man aus den Trümmern wohl nicht mehr rekonstruieren können. Später ein paar Mal zu Uni-Veranstaltungen, aber selber war ich ja in Heidelberg immatrikuliert (und somit hoffentlich nicht mehr unter BWLer-Verdacht). ;-) Aber warum fragen Sie? . Ach, Plagiate, das Thema ist ja jetzt doch büschn durch, nech. Vergleichbare Denkprobleme führen manchmal zu ähnlichen Lösungen. Ich selber habe mich schon über eigene Wortschöpfungen gefreut und dann beim Googeln festgestellt, da waren andere auch schon vor mir draufgekommen. . skeptiker01: Hach, danke für den misery bear! Und Ihren salomonischen Satz mit dem jeweiligen Recht beider Personengruppen würde ich auch unterstreichen. Ansonsten muss man sich auch klarmachen, dass die vielbeschworene Krise der Samstagabendunterhaltung schon Thema war, als die Btx-Feldversuche starteten. Und interaktiv war "Der goldene Schuss" mit Lou van Burg (die Älteren werden sich erinnern). . @perfekt57: Lernen, die Instabilität zu lieben, das ist die große Herausforderung unserer Zeit, wie mir scheint.

0 skeptiker01 07.07.2012, 19:31 Uhr

Gern gegeben, der Misery Bear....

Gern gegeben, der Misery Bear. Was ich vergaß zu erwähnen: Als ambitionierter TV-Zuseher bin ich sicher etwas parteiisch. Andererseits - wer ist das nicht hier?

.@Marco - "Lernen, die...

.@Marco - "Lernen, die Instabilität zu lieben, ..." Könnte sein, dass diese Forderung den Menschen überfordert. Ich sehe zur Zeit überall sich verstärkende Immunreaktionen. Gruss, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 19:56 Uhr

@veil of ignorance: Zum liken,...

@veil of ignorance: Zum liken, das stößt nicht nur Ihnen auf: http://sascha.antville.org/stories/2129145/ . Aber ob Sie's glauben oder nicht, das Risiko, anonym beleidigt zu werden, schmälert meinen Spaß im Netz nicht nennenswert. Wenn das der Preis dafür ist, dass die traditionellen Gatekeeper mit ihrer Agenda nicht mehr die alleinige Lufthoheit haben und andere Stimmen auch Gehör finden, dann geht das für mich in Ordnung. Und wo es nicht in Ordnung geht, steht es mir frei, wie im richtigen Leben Anzeige zu erstatten. . Sagen wir doch, wie es ist: Auf irgendwelchen obskuren Seiten rumzusurfen, Verschwörungen zu wittern und ins Paranoide abzudriften wäre doch nie im Leben Volkssport geworden, hätte nicht "Akte X" den Boden dafür bereitet. Ich betrachte die Seiten von Alex Jones, Jeff Rense und David Icke als eine Art Spin-off der FBI-Mystery-Serie und unterhalte mich da blendend. Mädchenmannschaft, ganz großes Kino manchmal, was brauchts da noch scripted reality? Natürlich wäre es naiv, die potenziell verheerende Sogwirkung der Konspirologenseiten kleinzureden. Aber wie schon Descartes sagte, der Zweifel ist aller Weisheit Anfang. Der Zweifel an den offiziellen Darstellungen ist gesät, und das ist auch gut so. Und wie weiter oben schon gesagt, der Zweifel frißt sich weiter und wird auch die Paranoikerseiten irgendwann erreichen, wenn der Weltuntergang oder die "new world order" zum wiederholten Mal nicht in Form einer Blauhelm-Invasion gekommen ist wie angekündigt.

0 donna laura 07.07.2012, 21:48 Uhr

lieber Marco Settembrini di...

lieber Marco Settembrini di Novetre, ein mannheimer also... eine gewisse affinität, nicht aber zu den einschlägig berühmt-berüchtigten fächern dieser alma mater schien m.e. hin und wieder auf, aber da kann man sich kräftig täuschen, q.e.d.. ich fühlte mich nur an eine liebe freundin, die einst dort ein paar semester unter liebevoll-strengen dozent/innen verbrachte, erinnert, von der ich vieles erfahren durfte und die im prinzip recht ähnliches erzählt. . was allerdings die hirnwiedererringungsversuche von verschwörungstheoretikern anbelangen dürfte, darf auch ein optimist schwarz sehen. wie der skreptiker01 schon sagte, die klugen werden klüger und die anderen eben nicht. begrüssenswert ist natürlich die skeptisch getönte abmilderung der offiziell verlautbarten seite. . lieber skeptiker01, danke! was für ein fund! so sieht das gute stück wirklich aus. ob die macher von bbc wirklich den kleinen bären aus brideshead revisited in gedanken hatten?

0 Tyler Durden Volland 07.07.2012, 21:57 Uhr

Wissen sie.... wer Nietzsche,...

Wissen sie.... wer Nietzsche, rein um eines oberflächlichen Effektes willen, solchen Schwachsinn unterstellt.... sollte man so einen BLog tatsächlich weiter lesen, auch wenn das Thema eigentlich interessant wäre?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.07.2012, 22:43 Uhr

Unter diesen Voraussetzungen:...

Unter diesen Voraussetzungen: Lassen Sie's lieber. Und sooo interessant ist das Thema nun auch wieder nicht, vielleicht beschränken Sie sich auf die Kommentare?

@tylerdurdenvolland Manche...

@tylerdurdenvolland Manche Leute aus der Mobilen Branche laufen tatsächlich so rum, von daher ist es durchaus passend, diese Szene zu zitieren. Und da der Text ja diese Prophetien in Ermangelung eines Nachfolgers auf dezente Weise in Zweifel zieht, passt es auch inhaltlich zum Nietzsche-Zitat. Zumal ja auch Nietzsche nicht unbedingt meinte, Gott sei tot. @Marco Settembrini di Novetre Ich bin sehr dankbar für diesen dezenten Zweifel, weil ich kürzlich diesen Podcast hörte http://www.youtube.com/watch?v=YNWfB31c10U mit dem schönen Titel "Bei ARD und ZDF sterben sie in der ersten Reihe - vor Langeweile". Danach sah ich den Tod des Fernsehens schon vor mir. Wobei dieser Tod eigentlich nach der Lesart des Podcasts vor allem der Trägheit und Denkfaulheit des Personals zusammenhängt und nicht damit, dass eine überlegene Technik das Fernsehen ablöst. Ich sehe auch keinen Nachfolger. Vielleicht hat Apple mit Tablets und Handys in den letzten sieben Jahren entscheidende Schritte dazu gemacht. Das Vertriebssystem von Apple ist darauf eingerichtet, durch höchste Einfachheit bei der Bedienung die Medienkompetenz des Nutzers einzuschläfern und dann die Herrschaft über die Inhalte anzutreten. Aber es gibt noch zu viele Mitbewerber, die auch gute Hardware herstellen, deswegen ist nicht ausgemacht, wer da das Rennen macht. Ich habe auch beruflich damit zu tun, deswegen würde mich die künftige Entwicklung natürlich sehr interessieren. Aber solange man dazu nichts sagen kann, solllte man einfach weiter ausprobieren. Neulich habe ich dieses Kurz-Video mit John Paton bei El Pais gesehen. http://elpais.com/elpais/2012/05/23/videos/1337772929_804814.html Ich fand interessant, dass er auch keinen Unterschied zwischen Print und TV machte und im übrigen sagte, "Digital First" sei das Wichtigste, um an der Entwicklung dranzubleiben und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Er hat nach seiner Aussage konsequent den Mitarbeitern aus dem digitalen Bereich die Führung übergeben, weil diese technische Neuerungen am besten erahnen und umsetzen können. Wenn man auch nicht genau weiß, wo es hingeht, hat man so wenigstens Leute, die die Augen offen haben.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 09.07.2012, 14:28 Uhr

@jordanus: Ja, Sie haben es...

@jordanus: Ja, Sie haben es genau erfasst, nicht zuletzt auch die Ambivalenz der Wortbedeutung "toll" (damals mehr "irre", heute mehr so "wow") fand ich in diesem zusammenhang gar nicht verkehrt. Natürlich kann man behaupten, es verhöhne den Philosophen post mortem, seine Frage nach der Bedeutung von Gott gewissermaßen zu karikieren mit der Frage nach der Bedeutung des Götzen TV, aber gerade wenn man all die tollen Typen auf den Branchen-Veranstaltungen oder den TED-Talks immre wieder hört, drängt sich die Parallele dann doch auf. . "Digital First" finde ich als Maxime im Zusammenhang mit TV eigentlich zu diffus, denn technisch gesehen sind wahrscheinlich schon 80 bis 90 Prozent der gesamten Signal-Lieferkette digitalisiert. Und das Restpublikum, das noch vor analogen Geräten mit irgendwelchen Digitalboxen sitzt, ist nicht das zentrale Fortschrittshemmnis. Ich darf daran erinnern, dass der verfrühte und mit Hauruck versuchte Digitalisierungsschritt des Pay-TV-Geschäfts mit DF1 einer der Sargnägel für das Kirch-Imperium war. Aber mal nach vorne geguckt würde ich es im Zweifelsfall eher Apple als Google zutrauen, den nächsten größeren Innovationsschritt zu initiieren. Wobei ich die potenziellen Stolpersteine weniger im technischen Bereich sehe als vielmehr in den superkomplizieren Rechtefragen im Fernsehbusiness. Gemessen an den gordischen Knoten, die da zu entwirren sind, war das Musikdingens mit itunes und den Major Labels allenfalls eine leichte Fingerübung.

Vielleicht sollte man...

Vielleicht sollte man stattdessen eher sagen "Online" und "Mobile" - First? Das sind ja die Bereiche, in denen neue Geschäftsmodelle besonders gefragt sind und wo man innovativ sein muss. Vielleicht auch "Rechtsabteilung First", aber ich fürchte, dann geht es nicht allzu schnell vorwärts. Aber dabei sein sollten sie dann schon. Mein Bruder sagte früher noch solche Sachen wie "Bist Du toll?", wenn ich etwas Unüberlegtes tat, oder "Wie meinen?", wenn er mich nicht verstand. Die Pflege solcher alten Wendungen erhöht doch stark die Sprachkompetenz, gerade auch bei älteren Texten.

0 HansMeier555 09.07.2012, 15:29 Uhr

Was spricht denn gegen...

Was spricht denn gegen Dünkel? Türlich gibt es Dummheit auch ausserhalb des Fernsehens, aber irgendwo muss man ja anfangen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 09.07.2012, 16:30 Uhr

@HansMeier555: Absolut gar...

@HansMeier555: Absolut gar nichts, solange man sich noch einigermaßen bewusst ist, dass es sich um solchen handelt. . @jordanus: Schwierig. Mit bestehenden Verträgen, Liefervereinbarungen und Konditionen wäre Online first und mehr noch Mobile first für TV-Anbieter Selbstmord. Punkt. Davon abgesehen gäbe das bei den Öffis der Grundversorgungsauftrag nicht her, und die Privaten hat die Aussicht auf "lousy pennies" auch nicht grade mit Macht verlockt, neue Wege zu beschreiten. Hinzu kommt: Anders als Printverlage sind TV-Sender oft nicht diejenigen, die es komplett in der Hand haben, wie die Reihenfolge bei der Verwertung läuft. Vielleicht wären eigens für die Web-Erstverwertung produzierte Inhalte der Weg aus dieser Falle, aber ob die die als Lokomotive wirklich genug Zugkraft hätten, weiß mangels echtem Markttest auch kein Mensch. Es ist halt so: Einen Tod müssen die Sender sicher sterben, aber um in einem Verzweiflungsschritt ihr komplettes Business auf Web und Mobile umzustellen, leiden sie im Moment einfach noch nicht genug.

Fürs iPad und ähnliche...

Fürs iPad und ähnliche Geräte könnte ich mir für die Web-Erstverwertung produzierte Inhalte schemenhaft vorstellen, aber bei Telefonen geht das doch meist nicht über witzige Spots oder Filmchen hinaus. Wobei: wenn man aus der Kurzform eine Kunstform macht, kann man vielleicht auch hier erfolgreich Inhalte vermitteln. Oder mit Games bzw. Apps ohne Ende. Aber ich habe hier einfach keine Phantasie. Ich habe ja noch nicht mal ein Smartphone. Ich könnte mir vorstellen, dass Apple und Google potent genug sind, Lösungen für die Rechtefragen zu finden oder zu ... erzwingen. Der Leidensdruck ist ein entscheidender Punkt. Außerdem ist die Kommunikation mit den Nutzern anstrengend. Da haben tatsächlich nur die wenigsten Lust drauf, geschweige denn ein Verständnis für das Potential, das darin liegt.

0 Veil of ignorance 09.07.2012, 21:11 Uhr

Bei der Serie Spartacus gab es...

Bei der Serie Spartacus gab es doch zunächst die Erstverwertung im Web und dann die TV-Ausstrahlung, plus kostenlosen Folgen im online. Mit großem Erfolg sogar, wenn ich mich nicht täusche.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 09.07.2012, 21:56 Uhr

@veil of ignorance: Ähm,...

@veil of ignorance: Ähm, jein. Im Heimatmarkt USA ist die Serie ganz regulär beim Kabelsender Starz (m.W. ein Pay-TV Kanal à la HBO) angelaufen, und auch hierzulande lief die Erstausstrahlung im Pay TV (RTL Crime) - dann auf myvideo.de und schließlich im Free TV. . Es war wohl mehr ein PR-Gag als ein echtes Geschäft, das Web in der Verwertungskaskade zeitlich vor das Free TV-Fenster zu schieben. Was nicht heißt, dass es eine blöde Aktion war, fraglich nur, ob daraus wirklich was zu lernen ist, wie das Geschäft künftig laufen könnte. Das optimale Austarieren dieser Verwertungsabfolge war schon seit je her eine der heikelsten Übungen im ganzen Bewegtbild-Business. Noch jede neu dazugekommene Auswertungsstufe, sei es Kino, Kauf- und Leihcassetten, DVD, Video on demand, Pay TV musste sich ihren Platz hart erkämpfen, und auf jeder Stufe wird geguckt, wieviel kam rum und blieb noch genug für die nachfolgenden Auswertungsstufen, da kriegt das Internet von den Rechteinhaben, die ja in der Regel nicht identisch sind mit den eigenltichen Rechteinhabern keine Extrawurst gebraten in der vorausschauenden Erwartung, weils halt als die Zukunft gilt. Die Studios und ihre angeschlossenen Serienproduktionen waren schon immer darauf fixiert, die Kuh hier und jetzt bis auf den letzten Tropfen zu melken. . @jordanus: Mir fehlts da auch an Phantasie, und das wenigste, was ich in dem Zusammenhang höre und lese (hier eine neue app, da ein neuer Aggregator von Streaming-Gedöns, heute social tv, gestern interaktive Websoap, morgen vielleicht TV-Signale direkt auf die Netzhaut) bringt mich auf den Gedanken, heureka, das isses, worauf die Welt gewartet hat. Aber vieleicht ist das nächste große Ding schon da, und ich seh's nur noch nicht. Hach ja...

@Jordanus - "Außerdem ist die...

@Jordanus - "Außerdem ist die Kommunikation mit den Nutzern anstrengend. Da haben tatsächlich nur die wenigsten Lust drauf, ...": Lust? Hmmmm. Es wäre personalintensiv. Und gutes, geschultes Personal will bezahlt werden. Wer von den Kommunikationserwartern zahlt? Gruss, Thorsten Haupts

0 Veil of ignorance 09.07.2012, 23:12 Uhr

Ah ok, ganz so genau hatte ich...

Ah ok, ganz so genau hatte ich es dann doch nicht verfolgt. Eine Frage noch. Wie meinen Sie das mit den Gatekeepern in dem Kontext? "[..] die traditionellen Gatekeeper mit ihrer Agenda nicht mehr die alleinige Lufthoheit haben." -Fachwissen (z.b. springerlink) ist doch immer noch hinter einer paywall, opendata vom Staat gibt es wenig bis gar nicht und Minderheiten haben immer noch ihre eigenen peer-groups, in die man nicht reinkommt. Die Diskurshoheit liegt auch noch bei den alteingesessenen Printmedien.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.07.2012, 07:04 Uhr

Ich sage ja nicht, dass die...

Ich sage ja nicht, dass die traditionellen Kanäle völlig ausgetrocknet und bedeutungslos geworden wären. Es finden sich aber je nach Themengebiet mehr oder weniger interessante Zusatzangebote. In meinem angestammten Beritt "was mit Medien" und Marketing mag in Blogs und Foren mehr und interessanteres los sein als sagenwirmal zur Mittelalterkunde. Es reicht einfach nicht mehr, "Horizont" und "werben & verkaufen" zu lesen und zu glauben, man wäre damit noch am Puls der Zeit. Viele der Leute, die früher froh waren, wenn sie mal interviewt wurden, bloggen und twittern heute selber und verschaffen ihren Anliegen auf anderen Kanälen Gehör, ohne auf den Goodwill eines Branchenmagazin-Chefredakteurs angewiesen zu sein. Gleichzeitig werden die Bedingungen der Medienarbeit und Wirklichkeitsproduktion auch kritisch beleuchtet (bildblog etc.), Medienkritik ist schon so eine Art Volkssport geworden. Und selbst wenn das Pendel bei manchem dann erstmal ins Paranoide und konspirologische umschlägt, ist mir das immer noch lieber, als wenn die Schafherde nur immer schön mitblökt und brav bei DSDS anruft.

@ThorHa In manchen Fällen...

@ThorHa In manchen Fällen lohnt sich diese Personalintensität! Leser und Zuschauer schätzen direkte Kommunikation, d.h., wenn der Autor wirklich mit ihnen spricht.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.07.2012, 15:30 Uhr

@jordanus: Ich kanns nicht...

@jordanus: Ich kanns nicht beschwören, aber ich meine mal gehört zu haben, dass bei Zeit.de oder sueddeutsche online den Autorinnen und Autoren nahegelegt wird, nicht in Diskussionen mit den Lesern einzusteigen. . Da ich nicht beurteilen kann, was da so alles an Kommentaren aufläuft, will ich das auch nicht vorschnell verurteilen. Aber ich denke, die Chancen wären doch höher zu bewerten als die Risiken.

Ein neueres Lagerfeuerchen ist...

Ein neueres Lagerfeuerchen ist bestimmt mit dem Kindernet verbunden, also z.B. Blogs wie diesem hier. . Die zukünftigen Fernsehgeräte werden mindestens 4x die Auflösung von FullHD besitzen, und weil man dafür noch lange nicht genügend hochauflösende Programme produzieren kann, wird etwa die Hälfte des Bildschirms fürs Internet verwendet. . D.h. die nächste Generation von TV-Geräten guckt mit eingebauter WebCam ob sich die Blogschreiber immer anständig benehmen, schon Orwell wusste das! . Bei Sophia graut mir vor diesem Gedanken ...

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.07.2012, 08:51 Uhr

@tricky1: Ehrlich gesagt will...

@tricky1: Ehrlich gesagt will ich auch nicht wissen, wieviele der Senfspender hier mit einer Hand in der Hose kommentieren, vor allem, wenns an die Adresse der Kolleginnen geht.

@Marco Settembrini di...

@Marco Settembrini di Novetre Ich möchte das auch nicht verurteilen, weil das ja auch eine ziemliche Arbeit sein kann. Nicht jede Diskussion ist fruchtbar (Allerdings erhöht die öffentliche Zuwendung auf jeden Fall die Leserbindung). Aber mit ein bißchen Übung kann man bald unterscheiden, wo das einsteigen sich lohnt und wo nicht. Selbst Jakob Augstein streut hier und da ein paar Kommentare in seine Beiträge ein. Das finde ich großartig, auch wenn noch etwas selten ist.

@Marco: Schlecht aufgewacht,...

@Marco: Schlecht aufgewacht, Hangover oder was denn bitteschön???

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.07.2012, 21:34 Uhr

@tricky1: Vielleicht denken...

@tricky1: Vielleicht denken Sie mal drüber nach, wer hier in diesem "Kindernet" eigentlich die Kinder sind, und wem man folgerichtig benehmenstechnisch eher auf die Finger gucken muss als den BlogautorInnen. Letztere erhalten ein beitragsbezogenes Honorar, weitergehende Bespaßung von Kommentatoren ist weder Vertragsgegenstand noch sonstwie zwingend, sprich, sich damit auseinanderzusetzen ist eine freiwillige Zusatzleistung. Grad gestern und heute morgen lief hier ziemlich wirres Zeug rein, von dem ich nur einen Bruchteil freischalten könnte, und da kommen ihre mindergalanten Dauersticheleien gegen eine Kollegin noch on top. Das ist jedenfalls nichts, was ich mit allzu freundlicher Behandlung noch fördern möchte.

dichtete und vertonte in seinen sittlich desorientierten Jugendjahren Spottverse, deren Vortrag er mit der Mandoline begleitete.