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Internet-Opas erzählen vom Zeitungskrieg

09.08.2013, 07:39 Uhr  ·  Starrsinnig, rechthaberisch und beschränkt: Jenseits der Schadenfreude fallen selbsternannte Berufskritiker der Presse nicht gerade mit innovativen Lösumgsansätzen auf - noch nicht einmal für ihre eigenen Unternehmungen.

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Sie sind Mitte 40 bis Mitte 50, sie arbeiten in kleinen, handwerklichen Betrieben. Es gibt viele davon, der Konkurrenzdruck ist hoch, das Geschäftsfeld ist nicht allzu profitabel, sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Sie nehmen jede Arbeit an, die sie halbwegs beherrschen, und wenn sie das nicht tun, hoffen sie dennoch, dass am Ende bezahlt und nicht moniert wird. Die Kunden kennen sich zum Glück oft nicht besonders gut aus, und andere Handwerker machen auch keinen besseren Pfusch. Das ist nicht gerade eine sichere Existenz, es fehlt an Verlässlichkeiten, und dann nähert sich auch noch das Alter, man will ja auch irgendwann einmal in Rente gehen. Nach 10, 15 Jahren können einem schon auch mal Zweifel kommen, ob das alles noch gut ausgehen wird, und am Ende jemand einen grossen Scheck für die Firma ausstellt. Zumal so viele junge, ungelernte Handwerker auftauchen, die das alles auch anbieten, aber auch für weniger Geld.

Kein Wunder also, dass diese mittelalten Menschen neben all dem Fortschritt auch ein wenig Sicherheit wollen. Die Sicherheit, dass sie nicht das Falsche tun, dass ihr Handwerk Zukunft hat, dass sie nicht als Nostalgiker Illusionen und Träumen nachhängen, und dass man sie noch lange brauchen wird. Weil sie recht haben. Weil ihre Sicht der Welt stimmt. Und weil sie in ihrem kleinen Büro gern den Eindruck haben möchten, dass sie gewollt werden. Automechaniker lassen sich gern von Pirellimädchen anschauen, aber so etwas gibt es in diesem Handwerk leider nicht, und schon gar nicht für etwas in die Jahre gekommene Herrschaften. Also bestätigen sie sich selbst, dass ihr Weg der einzig Richtige ist, und wer da anderer Meinung ist, darf sich anhören, er sei ein

das wird jetzt lustig, weil es ausgerechnet von alten, starrsinnigen Männern kommt,

Nostalgiker, Dinosaurier, realitätsfern, vorgestrig, altbacken, auf der falschen Spur, ahnungslos, wisse nicht, was die Zukunft bringt, ignoriert die Realitäten und das Leben der modernen Menschen, die längst digitalnativ sind, werde demnächst vom Markt gewischt und bald vergessen sein, niemand brauche das mehr. “Sollte sich gleich zum schlafen hinlegen und am besten gar nicht mehr aufwachen” hört man dagegen nicht mehr, das schrieb einmal eine New Economy Chefin, die dann bald ihre Klitsche vor die Wand setzte. Aber ansonsten wiederholt sich gerade das gesamte Vokabular jener ersten digitalen Epoche, das damals gegen die alten Industrien gesetzt wurde, von Seiten dieser alten, frustrierten und verunsicherten Handwerker.

Denn diese alten Handwerker schrauben keine Räder und wühlen nicht in Abwasserrohren. Diese alten Handwerker machen seit 5, 10, 15 Jahren irgendwas mit Neuen Medien und im Nebenberuf Medienkritik an den alten Medien. Viele waren zwischenzeitlich auch mal in der New Economy, aber das Absacken der Verkaufszahlen von Tageszeitungen begleitete sie verlässlich beim Aufstieg und in jenen Tagen, da sie sich keine Zeitung mehr leisten konnten. PR-Arbeiter, Medienprofessoren, öffentlich-rechtliche Unterkommer und Buchautoren konnten darauf wetten, dass die Verkäufe zurückgingen. So mies, dass sie sich nicht an dieser ehernen Wahrheit festhalten konnten, ging es ihnen nie. Und weil sie damit schon immer recht hatten, haben sie sich auch viele Begriffe zurechtgelegt, mit denen sie diese grandiose Wahrheit immer und immer wieder plakativ vermitteln. Und natürlich auch ihre wohlfeile Zukunftsvision, in der ihre Neuen Medien den Endsieg über das gedruckte Papier davon getragen haben.

Weil es viele andere mittalalte Handwerker gibt, die auch nicht gerade auf Rosen gebettet sind, sich aber gerne überlegen fühlen würden, kommen solche Parolen gut an. Wer den härtesten Vergleich bringt, die schärfste Pointe, den schrägsten Bezug, bekommt auch die meiste Aufmerksamkeit. Hört hört, sagen dann die anderen Handwerker, der gibt es aber den Niedergehenden! Der macht ihnen klar, dass sie sterben und wir die Zukunft sind! Das ist sehr richtig, und wir sind sicher, dass wir dann unsere Angestellten und uns selbst nicht mehr über Hartz IV in Berlin cofinanzieren! Die Zukunft ist golden, all die Jahre der Entbehrung waren nicht umsonst, wenn wir deren Erbe antreten! Gerne, allzu gerne werden bei solchen Handwerkerversammlungen dann auch einzelne Gegner vorgestellt, die als Inbegriff des verstockten Systems herhalten müssen. Da ist sie, die begehrte Konstante im Leben. Früher glaubte man an den Neuen Markt, jetzt soll der Niedergang der Tageszeitung der Humus für neue Geschäftsmodelle werden.

Für diese alten Handwerker ist es ein Fest, wenn dann ein Medium in ihre verräucherte Kneipe mit Spucknapf kommt, und sie ernst nimmt. Und sie bittet, doch auch mal der Welt da draussen ein paar Worte zu sagen. Das nennt sich dann Debatte um die Zukunft der Tageszeitungen, wird aber von den Handwerkern vor allem genutzt, um noch einmal zu betonen, dass sie schon länger die Auflagenstatistik kennen, stets die Katastrophe kommen sahen, genau wissen, dass es so nicht geht und daher auf dem Gebiet als Experten gelten können. Tageszeitungen waren einmal und das geht heute so nicht mehr und das wird sich radikal in Richtung Digital ändern müssen. Einfach wird das nicht, sagen sie, sondern schwierig und brutal, auf allen Ebenen, sie wissen voll Bescheid, sie kennen sich da aus. Sie sind Spezialisten für einfache und griffige Lösungen, sie haben das schon zig Mal in ihre Blogs geschrieben. Der Spiegel hat gerade ein paar Prachtexemplare dazu eingeladen, es den strauchelnden Tageszeitungen nochmal richtig zu geben.

Und dort muss ein gewisser Jeff Jarvis in seiner Rolle als US-Medienapokalyptiker nicht darüber reden, dass er in seiner anderen Rolle als Propagandist gegen den Datenschutz nach dem NSA-Skandal ganz offensichtlich nicht die Problematik seines Tuns verstanden hat, und heute etwas verbrannt ist. Ein gewisser Christian Jakubetz muss nicht über das Scheitern eines Buchprojektes reden, das die Crowd nicht finanzieren wollte, Ein gewisser Mario Sixtus muss nicht ausführen, dass er für seine im Quotennichts laufende Sendung öffentlich-rechtliche Zwangsgebühren nimmt, und wie die Natur der Teilzeitjobs ist, die er mit seiner Firma in Berlin anbietet. Ein gewisser Thomas Knüwer muss nicht weiter ausführen, wie gross der Impact seiner für Firmen gestrickten Multichannelkampagnen ist. Niemand ist gezwungen, eigene Beispiele für herausragende Leistungen an der Stelle zu zeigen, wo Tageszeitungen vermeintlich oder tatsächlich versagen. Es reicht beim Spiegel, ein griesgämiger Handwerker zu sein und sich mehr oder weniger insgeheim zu freuen, dass es den anderen endlich so richtig dreckig geht. Man hat es ihnen ja schon immer gesagt.

Es würde übrigens auch keine Debatte werden, wenn man nach einer Buchprojektpleite im gleichen Handwerkerstil antwortete: “Du brauchst halt eine andere Crowd, und ein noch tolleres, fortschrittlicheres und internetaffineres Thema – dann wird das schon! Das klappt woanders auch! Auch Du musst das lernen, sonst wird das nie was!” Oder wenn man einen Gründer einfach als Versager auslachte, weil seine Firma nicht so recht laufen will. Oder wenn man solchen alten Handwerkern vorwirft, dass sie mit arroganter Selbstverständlichkeit voraussetzen, die Leser würden wissen, wer ein gewisser Säulenheiliger namens Shirky ist und was er ewig wahrhaftig gesagt haben soll. Es ist eine Debatte unter verängstigten, oft hart gebeutelten und mitunter schlecht verdienenden Leuten, die ihre besten Jahre hinter sich haben, ohne dass die gute Zeit gekommen wäre. Sie haben vermutlich auch gemerkt, für welche Brösel an Zuwendung Modefirmen, Tourismuskonzerne und Autoindustrie ganze Netzwerke von Bloggern schmieren, die dann zeigen, wie man die geforderten Experimente im angeblich siegreichen Internet brutalstmöglich zum eigenen Nutzen durchzieht: Für eine geliehene Handtasche gibt es Entzückensschreie auf dem Blog, für einen Urlaub wird vorher schon zugesagt, was alles geschrieben wird, und 30 Doller lassen sich auch bessere deutsche Blogger für das Veröffentlichen von Werbefilmchen zahlen, Empfehlungen werden gefälscht und Follower gekauft.

Auch das ist, wie bei den Tageszeitungen, ein belegbarer Trend nach unten. Das kann ebenso Zukunft sein, wie das Ende der ethisch mitunter auch nicht besseren, aber teureren Tageszeitung. Und es gibt genug alte Handwerker, die gerne beratend tätig werden, damit genau diese üble Zukunft so kommt, wenn nur die Bezahlung stimmt. Weit müsste der Spiegel da übrigens nicht nach peinlichen Beispielen suchen, da reicht Google, der Name einer hauseigenen Managerin und “Brause-WG”.

Tageszéitungen verlieren in einem sich ändernden Markt erheblich an Auflage, haben die Probleme zu lange ignoriert, müssen schnell lernen, und selbst das garantiert nicht das Überleben – das hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber was daraus zu folgen hat, sollte man nicht mit jenen besprechen, die selbst keine Lösung zu bieten haben, oder im schlimmsten Fall eine, gegen die ein paar insolvente Zeitungen das kleinere Übel sind. Welche Informationen braucht eine Gesellschaft? Wie macht man sie am besten zugänglich? Was muss und darf das kosten? Die Antworten werden kein Festessen, kein literarisches Fest, keine Stickerei, aber zum Glück auch keine Nörgelei unzufriedener, mittelalter Männer sein.

HINWEIS:

Für Nörgeleien und Lob gibt es auch eine kommentarfreundliche Version dieses Beitrags.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (58)
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7 Wolfgang Hennig 09.08.2013, 09:49 Uhr

Die Internet-Opas, die Besserwisser-Schreihälse...

die Internet-Jugend, die Allesbesserwisser-Lautschreihälse.
die Internet-Kinder, die Superallesbesserwisser-Superlautschreihälse?
Das Nachrichten-Geschrei-Medium Mensch, eine Katatrophe für den Geist.
Nachrichten um des "Geldes Willen"...zu erfüllen.
Wo bitte ist die angebliche "Mündigkeit"...der erwachsene Geist.
Weder bei den "Opas", noch bei der "Jugend" und erst recht nicht bei den "Kindern".
Wir lernen "Nachäffen"...Vorfahrenbedingt...Erbfolge-mäßig...mäßiges Affen-Maß.
Anstatt in Ruhe Geist zu reifen, schreien wir mit ständig erhöhter Geschwindigkeit
und Lautstärke unsere Wahrheit als verbesserte, neue, letzte Wahrheit,
in Form vorgefaßter Meinung, heraus.
Es gibt Zitate, die Nachrichten-Nahrung für reifenden Geist sein könnten,
aber ein schweigen beim essen erfordern. Vor lauter Geschrei, vergessen wir,
schweigend Nahrung zu uns zu nehmen und öffentlich zu reden, wenn wir reif sind.
Dann gäbe es vom heutigen Nachtichtenvolumen her gesehen, nur noch...
ca. 10%, aber diese 10% geistreich...finanziell unmotiviert...als Nachricht eben.

Der Anfang braucht wohl seine (Reife)-Zeit.

Eine vorgefaßte Meinung zu ändern ist schwieriger, als ein Atom zu zertrümmern.
Albert Einstein

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.
André Gide

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
Mahatma Gandhi

:-)

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

2 E.R.Binvonhier 09.08.2013, 10:47 Uhr

Diese

Internet- Opas und -Omas erinnern mich stark an all diese Rebellen- bzw. Terroristen-
Anführer, die auch der Faszination des Netzes erlegen sind und glauben ihre Stunde
sei gekommen.
Diese Möglichkeiten sich mithilfe des Netzes global mit geringstem Aufwand aus zu breiten, musste genutzt werden.

14 E.R.Binvonhier 09.08.2013, 11:19 Uhr

Welche Informationen eine Gesellschaft braucht

...darüber muss man sich hierzulande keine Gedanken mehr machen.

Das entscheidet die jeweilige US-Regierung.

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

12 Thorsten Haupts 09.08.2013, 11:45 Uhr

Nörgelei unzufriedener mittelalter Männer - und der Don nörgelt mit?

Oder wie soll man den Beitrag sonst verstehen, in dem der Don einige "alte, starrsinnige Männer" vorsätzlich nicht igoriert, deren Beruf mit "sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch" angegeben wird?

Das sieht doch so ein klein wenig nach Nutzen des Blograumes einer grossen deutschen tageszeitung für einen persönlichen Kleinkrieg aus. Nicht, dass ich mit den Betroffenen Mitleid hätte. Deren öffentliche Äusserungen sich wie die ihrer nichterwähnten geistigen Brüder aus einer Mischung speisen, die man höflich mit geringer Lebenserfahrung, mediokrer Intelligenz, begrenztem Horizont und leichten Anflügen von Grössenwahn characterisieren kann.

Aber schöner wäre denn doch ein Beitrag gewesen, der sich mit "Welche Informationen braucht eine Gesellschaft? Wie macht man sie am besten zugänglich? Was muss und darf das kosten?" beschäftigt hätte. Auf am Boden Liegende muss man selbst dann nicht mehr treten, wenn sie noch immer quieken.

Gruss,
Thorsten Haupts

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6 Fritz Alte 09.08.2013, 11:47 Uhr

Ageismus?

Der Text ist gut, aber die Fotos sind ja wohl völlig daneben, hier werden alte Männer - auch noch individuell erkennbar - als senile unfähige Trottel hingestellt. Klar ein Fall von Ageismus.

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

Tageszeitung - Sinn und Zweck aus Lesersicht

Würden Tageszeitungen dem Leser Informationen und nicht Meinungen liefern, die Sprache, ergo ihr Handwerkszeug, so beherrschen, dass der Leser daran wachsen kann, würden sie den Leser als erwachsenen, reifen Bürger sehen und nicht als Halbaffen, der engstes am Meinungsband geführt werden muss - dann würde ich auch wieder eine oder zwei abonnieren.
Meine Abonnement beendete ich, weil ich die rot-grünen, pseudo-großstädtischen Meinungsäußerungen diverser Redakteure ebenso leid war wie die miserable Orthographie und Grammatik, die im gekonnten Zusammenspiel mit der Rechtsschreibreform meine eigene, einst gute Sprachbeherrschung durch tägliche Verwirrung verschlechterte.
Auch wüsste ich nicht, wieso ich mit 45 Jahren Geld für meine eigene Bevormundung und die Manipulation meiner Meinung ausgeben sollte. Noch mehr Geld, sollte ich sagen, denn die Klebers und andere öffentlichrechtliche Ätzlinge muss ich ja gezwungen zu finanzieren. Und das mit zwei Wohnsitzen nicht zu knapp.
Machen Sie doch einfach wieder Tageszeitungen für Erwachsene, verkaufen Sie Informationen, die dann beim Leser zu Meinungen reifen können. Und wenn Sie ein Thema gar so sehr bewegt, dann beschränken Sie die Darstellung Ihrer Sicht der Dinge auf die eine, als solche gekennzeichnete Kommentarseite. Aber nölen Sie nicht als verschmähter Vormund in der Schmollecke herum. Damit beeindrucken Sie niemanden.

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13 Julius Calvelage 09.08.2013, 12:29 Uhr

Alarmismus und die Flucht nach vorne

Beinahe komisch ist bei allem Abgesang auf Printmedien vor allem, dass niemand sich fragt, wer überhaupt noch weshalb Zeitungen kauft oder gar Abos abschließt.

Oder anders gefragt: Was will der Kunde lesen und was nicht?

Dass gerade die ideologisch ja ziemlich homogene Medienbranche darauf keine vernüftige -das heißt: nicht blind-aktionistisch-alarmistische- Antwort hat, wundert nicht. Schließlich müsste man sich größtenteils eingestehen, dass man ganz schön besch***ene Arbeit leistet. Niemand kauft sich die Zeit, um dort das zu lesen, was auch im heute-Journal kommt. Keiner braucht die SZ, wenn er schon vorher weiß, was drin steht.

Was fehlt sind andere Themen, andere Meinungen, andere Perspektiven. Ich muss nicht 2 Wochen lang informiert werden, was Snowden gerade so macht, obwohl sich an seiner Situation nichts ändert. Mich interessieren keine neuen "Studien", die "belegen", dass der Klimawandel ganz schrecklich ist oder warum Frauen die besseren Führungskräfte sind. Bezeichnend war eigentlich die kaum beachtete Äußerung Schäubles im Jahr 2011, dass Deutschland kein souveräner Staat ist. Oder Egon Bahrs Gastartikel in der Zeit, in dem steht, dass es die berüchtigte "Kanzlerakte" eben doch gegeben hat. Warum hakt niemand ernsthaft nach? Ich will Neues erfahren, möchte wirklich kritische Berichterstattung und -auch nicht zu unterschätzen- ich will Stil. Peter Richter, eines der größten journalistischen Talente des Landes, schreibt sporadisch für die SZ aus New York. Georg Dietz spielt zusammen mit Jan Fleischhauer wütenden, mittelalten Mann auf Spiegel online. Martenstein darf sich glaube ich in der Zeit beschimpfen lassen, Broder ist bei der Welt und seinem Blog, Matussek ist meines Wissens nach nur noch Blogger, Wolfgang Röhl schreibt ebenfalls mehr im freien Internet als im Stern, die Titanic ist auch nur noch wegen Max Goldt relevant. Eine Zeitung, die all diese genialen Querulanten vereinigte, hätte mit Sicherheit beste Verkaufszahlen.

Stattdessen wird man wochenlang mit dem gleichen Kram gequält, oftmals (die FAZ ist wie immer ein Lichtblick) in blödsinnigster Sprache, mit opportunistischster PC-Attitüde und tautologischen Analysen. Dass dafür niemand Geld ausgibt, sollte sich von selbst verstehen.

8 Gast Peters 09.08.2013, 12:36 Uhr

"...Mitte 40 bis Mitte 50..."

Komisch, das das alles Männer sind, denen man all die Garstigkeiten zuschreiben möchte. Und komisch, das diese angeblich "Mitte 40 bis Mitte 50" sind, während die Fotos allesamt Männer um die 70, überwiegend mit Krücken und Krückstöcken zeigen - Mitte 40 erreichen Marathonläufer ihren Zenit. Ich habe selten ein so offen anfeindenden Artikel in der FAZ gelesen. Die Menschen auf den Bildern haben unser Land aufgebaut.

Antworten (6) auf diese Lesermeinung

Das beste Beispiel für die Gründe des Zeitungssterbens ...

... ist dieser Beitrag: Warum Papier kaufen, wenn ich es online kostenfrei lesen kann?

Dass mit "Online-Meinungsbildung" kein Geld zu verdienen ist, trifft ja nicht nur auf die alten Handwerker zu! Seit zwanzig Jahren geben sämtliche Verlage ihre Leistungen online kostenfrei ab. Und tun auch noch so, als sei wirklich alles, was in ihren gedruckten Ausgaben steht, auch online verfügbar! (Der Online-Leser müsste sich schon eine Printausgabe kaufen, um den Unterschied zu erkennen. Tut er aber nicht, er ist ja schon online!)

Kein Wunder also, dass mittlerweile eine ganze Generation von Lesern nicht mehr versteht, warum man für Journalismus Geld bezahlen sollte. Und diese Generation ist für immer verloren: Auch wenn die Onlineversionen der klassischen Verlage tatsächlich sterben sollten, wird sie nicht mehr zahlungswillig werden.

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10 Evidentia Clara 09.08.2013, 13:27 Uhr

Uns fehlt die Medienvielfalt - man kann den Einheitsbrei nicht mehr lesen !

In fast allen Zeitungen steht seit der Vergabe der Lizenzen durch die Siegermächte 1946 das Gleiche. Nehmen Sie unser aktuelles Schicksalsthema europäische Überschuldungsunion. Zwei Frauen bestimmen mehrheitlich den Printmarkt. Ihre Vorgaben haben sogar "Stern" und "Bild" gleichgeschaltet in den Aussagen. Für Hauptschullehrer wiederholt exakt den gleichen Ductus noch mal die "Zeit" und für bayerische Grantler tutet die "SZ" ins selbe Horn. Einzig die FAZ ist halbwegs eigenständig.

Frage: Wer will denn das ewig Gleiche aus den Zentralredaktionen noch in tausend Provinz-Pseudoausgaben lesen? Da kocht eine redaktionelle Grossküche und liefert an das Gros der Kneipen aus. Da kocht man doch lieber selbst.

Klare Folge: Diesen Einheitsmatsch auf dem Printsektor kann man weder länger ertragen, noch lesen und sollte ihn schleunig verkaufen (Mathias und Friede Hand in Händchen). Ein grosser (der grösste) Teil des Printmarktes hat von der WAZ-artigen Zeitungsvormacht und dem Fehlen tatsächlicher Informationsquellen jahrzehntelang schmarotzt. Mit dem Internet klappt dieses Presse-Kartenhaus, das auf Desinformation simili modo gebaut war, zusammen.

Und das ist gut so. Überleben wird die FAZ, sollte sie so bleiben und nicht der Spiegelfritze Änderungen verzapfen. Wer noch überlebt - das steht dahin. Ich als Demokrat empfinde keine clam-heimliche, sondern ostentative Freude!

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5 Roland Magiera 09.08.2013, 15:26 Uhr

"Wer den härtesten Vergleich bringt, die schärfste Pointe, den schrägsten Bezug"

"Wer den härtesten Vergleich bringt, die schärfste Pointe, den schrägsten Bezug, bekommt auch die meiste Aufmerksamkeit."

Das war früher ganz genau so!
Einer der größten griechischen Philosophen hat seine Reden mit Schimpfworten gespickt, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren.
Einen Eulenspiegel kennt heute noch fast jeder, also bis vor ~zehn Jahren meine ich.

Die gekonnte Übertreibung ist also ein klassisches Mittel um seine Meinung zu verstärken. Da diejenigen die so handeln das nicht selten ganz bewusst tun, kann man sie auch nicht auf der Polemik-Schiene in Verlegenheit bringen.

p.s. Ich bin kein Deutschmeister sondern Metaller aber müsste (rein gefühlsmäßig) anstatt: "Don Alphonso ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist." nicht besser "Don Alphonso ist eine Kunstfigur, die ihrem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist." dort stehen? Wie erwähnt, eine reine Gefühls- und Erfahrungsangelegenheit.

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4 50 Jahre alter Gelegenheitsjobber, der nicht sagen will wie er heißt - weil er sich geniert 09.08.2013, 18:55 Uhr

Jetzt haben Sie es uns aber gegeben, Don Alphonso

Es war mir schon immer peinlich morgens um 11, wenn anständige Leute arbeiten müssen, meine nichtsnutzigen Comments auf faz.net zu hinterlassen. Wie gut, dass das mal jemand erkannt und mir Besserwisser ordentlich Saures gibt.

Ja, die gescheiterten Existenzen, die anderen erzählen wollen wie die Welt funktioniert. Sehen Sie es uns bitte nach, Don Alphonso - denn wer im Leben nichts auf die Reihe gekriegt hat, sehnt sich trotzdem nach ein bisschen Anerkennung. Und sei es hier im FAZ-Forum.

Andererseits - wenn wir uns schon nicht mal mehr das Faz-Abo leisten können - so verdienen Sie vielleicht doch noch ein paar Euro an den Anzeigen, die Sie für uns unwürdige Versager bereithalten.

PS: Sagen Sie bloß nichts gegen unfähige Handwerker! Sie haben zwar in der Sache völlig recht, aber eine solche Attitüde rächt sich spätestens dann, wenn Sie sie mal brauchen. Die Rache dieser Menschen ist fürchterlich! Der letzte Handwerker, der seinen Chef nach Strich und Faden verladen hat, heißt Edward Snowden und bereist gerade zur großen Freude seiner Vorgesetzten Moskau.

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1 E.R.Binvonhier 10.08.2013, 00:35 Uhr

OT

Auch auf die Annahme hin, dass Putin-Bashing a la SPON für die deutschen Medien eine existenzielle Frage ist, sei die Feststellung erlaubt:
Eure Armseligkeit k***t einem an.

10 Egon Weissmann 10.08.2013, 19:31 Uhr

Die Muecke ist tot !

Nun ja das Zeitungssterben und ds Lament der Schreiberlinge ist bekannt und ist auch gut portraitiert bei Maestro Don Alphonso.
AberdieZeiten aendern sich. Sogar mit wachsendem Tempo und somancher betagter Meinungsschreiber hat nur nochNostalgie uebrig fuer die "goodold times" wenn Zeitungen waren zentral in unserem Leben, und warenauch Meinungsmacher einiger Generatioen.
Nun ist es bald vorbei, und nur das Jammern bleibt. Get used to it.
Letzt fragte ein Opa seine Enkelin nach einer Zeitung.
Die Suesse erklaerte dem Veteran: "Hey Opa, wir sind in der modernen Zeit. Wir bekommen unsere News mit den Smartphones, IPads ",
"Mit der zeitung isses vorbei", war ihre Summierung.
"Du sollst dir auch sowas zu legen" sagte sie voller Unvesrstaendnis, "all die anderen Kids haben sowas."--- sie gab ihm das iPhone zum probieren.
Kurz danach kam Opa zurueck und gab der Kleinen das Geraet."
"Mensch do haettest die Muecke sehen sollen. Die war weg. Die wusste kaum was sie erwischte als ich mit dem I-Ding los ging."
"Die ist weg", sagte der Opa, 'besser als mit der Zeitung".
Das Smartphone hatte einige Dallen und Kratzer...aber was solls?.
The times they are changing.
Die Muecke ist tot !
Pax vobiscum

0 E.R.Binvonhier 11.08.2013, 00:06 Uhr

Eines

...wundert mich dann doch. Das ganze Land ist mit Beratern geflutet.
Einschließlich den Medien und der Regierung.
Wie kann es angehen, dass sich alles in einem derart desolaten Zustand
befindet.

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1 E.R.Binvonhier 11.08.2013, 04:38 Uhr

@Folkher Braun

Gestatten Sie, dass ich Sie von dieser Seite her anquatsche?

"...wie 22 Millionäre hinter einem Ball herlaufen."

...das ist doch jedes Eintrittsgeld wert. :-)

0 Sondermann Wolfgang geb.1956 11.08.2013, 18:07 Uhr

Internet Opas

Sony News: Als ich in den 60zigern mit den Wirtschaft Verantwortlichen ueber die Zukunft der Zeitung sprach,wurde mir. zugesagt das alles klar und deutlich dar gelegt wurde fuer die Nutzung meines Patent.
Ob heute Google oder Internet,die FAZ oder Spiegel anbietet entscheiden die genannten.
Die Plattform haben die ersten auf diesem neuen Markt in den 60-70 vorbereitet.
Internet Jungs und Maedeln (Peter Mafay) diese Plattform eben so anzubieten war damals wie heute das intresante.
Lasst euch also nur dann OPAS nennen wenn Ihr Enkeln habt, wo mit ich nicht Wikipedia oder YOU TUBE meines.
Gruss von Sondermann Wolfgang geb.1956 Sony News

0 E.R.Binvonhier 12.08.2013, 00:14 Uhr

Ach,

wär es doch nur das Zeitungssterben.
Damit könnte man doch noch fertig werden.

Was macht man nur mit Managern, die im Hinblick auf zukünftige techn. Entwicklungen
bereits das Personal eingespart haben und
dann fehlt das Geld für den techn. Fortschritt.

Antworten (3) auf diese Lesermeinung

internet-opas erzählen nicht, denn "bloß...

internet-opas erzählen nicht, denn "bloß reden wäre weiberkram, sheherazade hätten sie schon zu hause genug"?
.
aber hier, nächste woche in berlin. da wollen sich vorurteile begegnen?
.
http://fletcher.tufts.edu/GMAP/Alumni-Reunion-Weekends/Berlin-August-2013
.
es könnten ggfls. auch mehr leute von tegernsee zu wort kommen, die etwas von der normalität erzählten, also von ihren jungen lebenserfahrungen, auf basis eines MA in international diplomacy z.b.? http://fletcher.tufts.edu/MALD
.
die leute gäb's, wenn man sie in der faz öffentlich nur mehr kennen wollte? http://fletcher.tufts.edu/MALD/Our-Students-and-Alumni/Recent-Alumni
.

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[…] Artikeln empfehlen und Don Alphonso macht in seinem FAZ-Blog das, was Don Alphonso in so einem Fall eben macht. Die drei Meta-Texte sind dabei deutlich unterhaltsamer und aufschlussreicher als die Texte der […]

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[…] von dem, was derzeit geschrieben wird, ist mir zu abstrakt und zu bekannt. Ich habe im Moment keine Lust mehr auf Thesen zur Zukunft des Journalismus, die so häufig im […]

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[…] von dem, was derzeit geschrieben wird, ist mir zu abstrakt und zu bekannt. Ich habe im Moment keine Lust mehr auf Thesen zur Zukunft des Journalismus, die so häufig im […]

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.