Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Völlig eingekreist

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Dieser Tage hüpften diverse Fürbitten-Vorleser und Oberministranten der Netzgemeinde mal wieder schier im Dreieck: Das europäische Parlament hatte es gewagt, eine (rechtlich nicht bindende) Resolution zu verabschieden, wonach Suchmaschinenbetreiber dazu verpflichtet werden sollten, ihr Suchgeschäft von anderen Unternehmensbereichen wie Social Networking abzuspalten. Der in weiten Teilen der Welt dominierende Suchmaschinenkonzern Google war in der Resolution nicht explizit genannt. Aber dass es den Parlamentariern nicht so sehr um Yandex in Russland oder den in China dominierenden Suchriesen Baidu gegangen sein dürfte, war schon klar.

Entsprechend gab Jeff Jarvis, der prominente Netz-Evangelist und Guru aller Google-Versteher, Alarmstufe Rot: Es drohe nichts Geringeres als „die Beschädigung des Internets, seiner Freiheiten und seiner Zukunft“, weil Deutschland ganz Europa mit seiner Internet- und Technologiepanik angesteckt habe. So würden „die Möglichkeiten beschnitten, die ein freies Internet allen Menschen überall bieten kann.“ In Deutschland läuft aus Sicht von Jarvis ja ohnehin einiges schief, Google Streetview wurde sabotiert, der Taxi-Konkurrent Uber zurückgepfiffen – und außerdem steht der dystopische Roman „The Circle“ von Dave Eggers in den deutschen Bestseller-Ranglisten ziemlich weit vorn.

###© FAZ 

Grund genug, das Buch mal zur Hand zu nehmen und zu prüfen, ob darin tatsächlich Technophobie oder gar Google-Hass geschürt wird. Der Circle, diese hippe und mächtige Internetfirma, deren Innenleben den Romanstoff liefert, hat sicherlich manches mit Google gemein: die innovationsfreundliche Unternehmenskultur, die ultramoderne Firmenzentrale und die für amerikanische Standards geradezu sensationellen Sozialleistungen und Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Und selbstredend verfolgt der Circle, der die Geschäftsfelder von Google, Facebook, Twitter und zum Teil auch Apple und Amazon unter einem Konzerndach vereint, keine sinistren Unternehmensziele. Nicht nur möchten die Circler das Internet zu einem besseren Ort machen, sie sind der festen Überzeugung, mit ihrer Arbeit und ihren technologischen Tools die Welt zu verbessern.

Der Leser sieht den Circle mit den Augen der Protagonistin Mae Holland, einer Mittzwanzigerin, die ihren öden Job bei den örtlichen Strom- und Gaswerken von Fresno gekündigt hat und jetzt eine Stelle im Silicon Valley antritt beim attraktivsten Arbeitgeber der Welt. Es gibt viel zu staunen, was da alles für die Mitarbeiter aufgefahren wird, und Mae denkt „Wahnsinn – ich bin im Himmel“. Zunächst ackert sie allerdings in der Tretmühle des Kundenservice, in der sich alle Neulinge bewähren müssen, aber sie findet sich immer mehr besser hinein in die Arbeit. Zu begreifen, dass darüber hinaus noch wesentlich mehr von ihr erwartet wird als einen guten Job zu machen, braucht indes seine Zeit. Sie muss sich ermahnen lassen, ihr firmeninternes Social-Media-Profil zu pflegen, vernetzt zu sein und die permanente Kommunikation im Kollegenkreis nicht als etwas „außerbetriebliches“ zu betrachten. Für Circler gibt es im Grunde nichts Außerbetriebliches: Eine Kanufahrt zu machen, ohne sie per Video mit allen anderen Kanu-Interessierten zu teilen, wie egoistisch ist das denn – und warum tauscht sich Mae, die sich um ihren an MS erkrankten Vater sorgt, nicht mit der Online-Selbsthilfegruppe im Circle aus?

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Mae gelobt Besserung – und der Circle schiebt ein ums andere Projekt an, die Welt zu verdaten und transparent zu machen. Mit der Einführung des TruYou-Kontos hat der Circle jeden Nutzer eindeutig identifizierbar gemacht und damit anonymes Getrolle und Online-Betrug schlagartig reduziert. Als nächstes sollen schon Neugeborene Chips implantiert bekommen, die spätere Kindesentführung verhindern sollen. Im Rahmen des SeeChange-Projekts verteilt der Circle Millionen kleiner Kameras überall auf der Welt, die ihre Bilder permanent ins Netz einspeisen. Man trägt Fitness-Armbänder, um seine Vitaldaten permanent im Blick zu haben, und als es an den nächsten Schritt geht, das ganze Leben per Kleinstkamera auf der Brust allen zugänglich zu machen, ist Mae die Auserwählte. Einzig auf der Toilette gibt es unbeobachtete Momente (die Mae unter anderem für den einen oder anderen Quickie mit einem etwas geheimnisvollen Kollegen nutzt), und Mae wächst immer besser hinein in ihre Rolle der Vorturnerin der totalen Daseinstransparenz. Sie wird zu einem Aushängeschild des Circle, Tausende und manchmal auch Millionen Viewer klinken sich ihren Videostream ein. Auf einer Podiumsdiskussion mit der Führungsspitze hilft Mae, die künftigen Unternehmensleitsätze des Circle zu formulieren: „Geheimnisse sind Lügen“, „Teilen ist Heilen“ und „Privatheit ist Diebstahl“.

Berauscht von der eigenen Großartigkeit tüfteln die Circler an immer neuen Ideen und Lösungen: Warum nicht das TruYou-Konto zu einer Art Melderegister und Wählerverzeichnis machen, da könnte man doch mit der Power von Social Media der traditionell niedrigen Wahlbeteiligung in den USA abhelfen. Der Staat ist mit all seinen Aufgaben ohnehin überlastet, und mit seiner weltweit führenden Infrastruktur könnte der Circle viele hoheitliche Aufgaben quasi nebenbei erledigen. Erste Politiker wagen den Schritt, mit Hilfe der Brustkamera volltransparent zu werden, und eine nennenswerte Gegenbewegung zu der immer totaleren Durchdringung aller Lebensbereiche durch den Circle ist nicht in Sicht. Allenfalls Maes Eltern ziehen nicht so recht mit, und nur Maes Exfreund Mercer, der aus Hirschgeweihen kunstvolle Kronleuchter bastelt, wehrt sich vehement gegen alle Versuche, ihn für diese schöne neue Welt zu begeistern.

Wie das Ganze dann kulminiert, aus welcher Ecke unerwarteter Widerstand kommt und welche schwierige Entscheidung Mae zu treffen hat, sei an dieser Stelle nicht verraten. Metaphorisch steht der Circle jedenfalls für die totale Einkreisung des Einzelnen durch das Kollektiv oder positiver ausgedrückt die 360-Grad-Einbindung der Gesellschaft in die digitale Welt des Circle. So gesehen bleibt es bei der Lektüre etwas rätselhaft, warum sich lange Zeit nicht mehr Widerstand gegen die totale Vereinnahmung regt, als dass der verschrobene Sonderling Mercer davor in die Wälder Oregons flüchtet. Dass der Circle Konkurrenzunternehmen aus dem Markt kegelt und in einzelnen Sparten wie dem Suchgeschäft 90 Prozent Marktanteil hat, wird zwar im Roman irgendwo hinter ferner liefen erwähnt, aber nicht näher ausgeführt. Man darf daraus schließen, dass es Eggers darum zu tun war, den Circle nicht per se und von vornherein als das Böse darzustellen. Sondern vielmehr darum, aufzuzeigen, wie der hartnäckige Irrglaube, die Welt qua verordneter Transparenz und Offenheit zu einem besseren Ort zu machen, in einen neuen Totalitarismus führt. Vielleicht hätte eine stärkere Problematisierung des Themas Marktdominanz zu sehr von diesem Punkt abgelenkt.

###© FAZ 

Starke Argumente für eine Zerschlagung von Google liefert der Roman jedenfalls nicht. Denn der Circle treibt ja nicht so sehr das Such-, Werbe- und E-Commerce-Geschäft auf die totalitäre Spitze als vielmehr das Identitätsmanagement via Social-Media. Und auf diesem Sektor hat Google mit seinem Network Google plus keinen allzu großen Wurf gelandet. So betrachtet könnte der Internetberater Thomas Knüwer Recht haben mit seiner Vermutung, dass die derzeitige Diskussion um die Marktmacht von Google vor allem einem anderen dominanten Internet-Player nützt – und zwar Facebook.

 

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46 Lesermeinungen

  1. Vielleicht nähert sich der ganze Hype um Postprivatheit
    seinem Ende. Weil die Menschen zwar schon gerne die Services der Social Media Firmen nutzen, aber die Kontrolle über ihre Daten selbst behalten wollen.

    Ich weiss es nicht. Was ich weiss – nach einer unrepräsentativen Umfrage unter jüngeren Firmenmitarbeitern in meinem Umkreis (Akademiker, alle unter 35) hat zwar fast jede/r einen fb account. Gleichzeitig sagen mir die meisten, mit welcher Akribie sie dafür sorgen, auf diesen accounts nur das unbedingt Notwendige über sich preiszugeben, die Kommunikation mit anderen läuft längst über andere Kanäle.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Was als privat betrachtet wird und was nicht, ist natürlich im Fluss und immer wieder neu zu verhandeln. Aber dass nennenswerte Teile der Bevölkerung ihre Privatsphäre mehr oder weniger ersatzlos streichen, sehe ich beim besten Willen nicht kommen. Die Kontrolle der eigenen Daten per Privatsphäre-Einstellungen mag eine trügerische sein, aber Ihre Beobachtung, dass die meisten digitalen Repräsentanzen doch sehr sorgfältig und bewusst kuratiert werden, würde ich – zumindest für mein digitales Umfeld – ganz klar bestätigen.

    • falsche Wortwahl
      Schon die Benutzung (und Akzeptanz) der euphemistischen Begriffe „Postprivatheit“ oder „Social Media“ ist falsch.
      Es ist Kontrolle, Überwachung.
      .
      Irgendwann wird es (hoffentlich) Mode, damit anzugeben: ich bin stolz, kein Konto bei Facebook oder irgendeiner der Google-Firmen zu haben, mich dort NIE angemeldet zu haben, wie all die Millionen von Deppen. Ich fürchte nur, es ist zu spät.

    • Ohne die Sammelei von FB und Tante Gu über Gebühr verharmlosen zu wollen. Bis zu einem gewissen Grad finde ich diese Beunruhigung leicht unverhältnismäßig, wenn ich gleichzeitig in Betracht ziehe, wie viel intimere Kenntnisse Firmen wie Schober, AZ direct, Arvato Infoscore und wie sie alle heißen von uns angesammelt haben. Gemessen daran sind meine paar Statusmeldungen, Fotos und mein rudimentärer social graph auf Facebook pillepalle. Was ich dort von mir zeige und was nicht, habe ich ja selber in der Hand. Wenn hingegen das Einwhnermeldeamt meine Adresse an die GEZ oder wen auch immer verhökert, kann ich dagegen wenig bis gar nichts machen.

    • Titel eingeben
      Ich bin da nicht zu zuversichtlich, dass man die Kontrolle behalten kann. G. ist längst nicht mehr bloss eine Suchmaschine und kann ungeheuer viel Informationshäppchen miteinander verknüpfen -ja braucht die Suchmaschine eigentlich gar nicht mehr dazu. Jegliche Kommunikation über andere Kanäle wird doch ebenso erfasst – sei es weil der Dienst von G. stammt, sei es, weil das Werbung von G. eingeblendet wird um den Dienst zu finanzieren, sei es weil irgendeiner der Beteiligten eine Gmail Adresse benutzt. Die Datenschleuder Android die praktisch immer an ein Konto bei G. geknüpft ist, hat wieviel – 75, 80% MArktanteil? Zeigen Sie mir den Internet-Nutzer, der im vergangenen Monat kein Youtube video abgerufen hat – und sei es unfreiwillig über diese schreckliche mouse-over Autostartfunktion.
      G. interessiert sich auch gar nicht so sehr für den eigentlichen Content sondern mehr für die Umstände der Kommunikation.
      FB ist G. auf den Fersen – mit weitem Abstand, ja, aber die werden besser und perfider. Die „Like“ Buttons als datenschnorchelnde Agenten von FB die auf fremden Webseiten das Benutzerverhalten analysieren waren erst der Anfang.

      Es macht deshalb nur unter einem Aspekt Sinn, den content zu kontrollieren: um sich vor dem Missbrauch desselben durch Einzelpersonen zu schützen. Die UVA Jackie verwendete Bilder eines Highschool-Klassenkameraden, um ihrer vermutlich komplett erfundenen Geschichte Glaubhaftigkeit zu geben, andere können von Psychos berichten, die sich zwischen den Zeilen harmloser Blogposts ganze Liebesbriefe erlesen und zusammenfantasieren und dann gerne mal wenige Stunden nach einem Post Besuch bekommen.

      All dies ist schlimm, aber kein systemisches Problem. Systemisch ist hingegen das Problem, dass man gegenüber den großen Datensammlern nicht mehr „Nein“ sagen kann, obwohl genau dies dreh- und Angelpunkt jedweden Datenschutzes ist.

    • Okay, Android hatte ich als Prepaid-Sprechgurkenbenutzer jetzt nicht so prominent auf dem Schirm, das ist natürlich übel, dass man mobil nur die Wahl zwischen Scylla und Charybdis hat. Einigem Getracke durch Like-Buttons etc. lässt sich indes mit Ghostery ein Riegel vorschieben. Ein bisschen was kann man schon selber tun, wenngleich ich der Letzte wäre, der behaupten würde, damit wäre man schon auf der sicheren Seite.

      Was das systemische Problem angeht: meine Rede. Dass hierzulande bei der Datenschutzgesetz-Novelle das Listenprivileg durchgewunken wurde, die Einwohnermeldeämter unsere Adressen verkaufen dürfen und Scoring-Anbieter wie die Schufa die Grundlagen ihrer Berechnungen nicht offenlegen müssen, sollte hinlänglich deutlich machen, dass ernsthafter Datenschutz hierzulande keine politische Lobby hat, auch wenn alle immer so tun, als wäre das die oberste Direktive. So gesehen muss man der datenschutzkritischen Spackeria (sowenig ich ihre postprivatistischen Visionen teile) doch auch dankbar sein dafür, dass sie den Feigenblatt-Charakter vieler datenschützerischer Bemühungen klar benannt hat.

    • @greenbowlerhat: Man kann schon, es ist nur sehr aufwendig bzw. unbequem.
      Aber da entwickelt sich wohl so langsam ein Problembewusstsein, seitdem auch die meisten jüngeren Leute begriffen haben, dass Privatsphäre ein Wert an sich ist.

      Das wird in den nächsten 20 Jahren neu ausgependelt.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      @Settembrini
      „Aber dass nennenswerte Teile der Bevölkerung ihre Privatsphäre mehr oder weniger ersatzlos streichen, sehe ich beim besten Willen nicht kommen.“

      The Circle handelt ja auch in erster Linie von der Beziehung zwischen einer Silicon Valley Firma und einer Angestellten.
      Wie die Entwicklung für die ganz „normalen“ Bürger laufen wird, dazu gibt’s mit Gary Shteyngards Roman Besseres:

      https://en.wikipedia.org/wiki/Super_Sad_True_Love_Story

      Es fällt sehr schwer die dort geschilderte Entwicklung nicht als realistisch zu verstehen. Probieren Sie es mal…

      @Zensor
      Ich fand es nie schwer die Nachteile dieser Entwicklung vorherzusehen. Ich gebe aber zu, dass ich schon sehr früh mein Leben so organisiert hatte, nicht auf Soziale Medien und den Besitz ihrer Konsumprodukte angewiesen zu sein. Es gibt durchaus viel Berufe wo einiges davon unvermeidbar sein mag.
      Dass es nur wenige gibt, die dem widerstehen könne, ist zumindest verständlich, wenn auch falsch.
      Ich habe niemals ein „Smart“phone besessen, und auch bei Fb, twitter oder gar Google oder Microsoft werden Sie mich nie finden.
      Man konnte es wissen! Ich bestehe darauf!
      Aber wenn das eigene Ego nichts als klägliche Ansammlungen von Zufälligem und letztlich Wertlosem sind, ja dann kann man so einer Versuchung nicht widerstehen…

      @ThorHa

      Ich glaube Sie verkennen das Problem, mit: „Das wird in den nächsten 20 Jahren neu ausgependelt“, ist da nichts!

      Ihr Profil und Ihre Daten existieren und sind nicht löschbar!

      Auch für Sie: Probieren Sie es mal mit „Super Sad True Love Story“. Gibt’s in den meisten Bibliotheken… und dann sagen Sie mir noch mal, dass dies NICHT die Zukunft sein wird…

    • Danke für den Anspieltipp! Mit Dystopien kriegt man mich doch immer.

      Meine Bemerkung betreffs der Privatsphäre bezog sich auch weniger auf den Circle-Roman als vielmehr auf den Kommentar von Herrn Haupts. Wobei die Marktdominanz des Circle mit seinem TruYou-Konto und all den anderen Innovationen ja wohl nicht denkbar wäre ohne dass signifikante Teile der Bevölkerung diese Dienste nutzen. Ich fand es wie gesagt auffällig, dass diese Entwicklung nicht eine größere Gegenbewegung mobilisiert. Dass nur ein einziger Mensch in einem 300-Millionen-Menschen-Markt auf sein Recht pocht, alleine gelassen zu werden, kann ich mir selbst in den technik- und innovationsbegeisterten USA nicht so recht vorstellen.

    • Marco...
      Das Problem sind die kläglichen Egos der Einzelnen.
      Man muss das irgendwie kompensieren und genau dieses Bedürfnis versprechen Fb & Co. zu befriedigen. Sogar von BND oder gar NSA abgehört zu werden wertet das Ego natürlich auf. Es geht darum relativ bedeutender, also besser zu sein als der Nachbar.
      Gerade das hat übrigens Shteyngart sehr eindrucksvoll in seinem Roman beschrieben…

  2. Titel eingeben
    Aber die Aktie von Fäjßbuck soll sich ja gut entwickeln, wider Erwarten

    • Ich sag mal so: An den Börsengang des Reichspost-Rechtsnachfolgers waren (zumindest hierzulande) wohl größere Hoffnungen geknüpft seinerzeit. Ich habe die FB-Kursentwicklung nach dem IPO nicht groß verfolgt, für mich sah es so aus, als hätten ein paar Aktionäre ihre Anteile kurz danach schnell wieder zu Geld machen wollen.

      Beruflich relevanter als die Kursentwicklung ist für mich ja die Entwicklung als Werbeträger, und da hinkt Facebook seinem Anspruch in einigen Belangen klar hinterher. Zunächst wollte man ja die Mediaagenturen als Mittelsmänner eliminieren und direkt mit den Kunden dealen, aber jetzt, wo man an die großen Töpfe ran will, aus denen auch die milliardenschwere TV-Werbung schöpft, kommt man an den Planern halt doch nicht vorbei…

  3. Das Privatleben mit Facebook teilen
    Weil die Menschen zwar schon gerne die Services der Social Media Firmen nutzen, aber die Kontrolle über ihre Daten selbst behalten wollen.

    Die Leute sind pragmatische Bedenkenträger, die für das Gute einstehen, solange es ihre Bequemlichkeit nicht beeinträchtigt und die v.a. die Bevormundung des Staates ablehnen. Sie wissen mittlerweile auch, dass sie „mit ihren Daten zahlen“ und „die Ware sind“. Offenbar halten sie das aber für einen angemessenen Preis. Lieber die Ware sein, ohne es je zu bemerken, als tatsächlich Geld ausgeben. Über allem das Schreckgespenst des Totalitarismus, aber vermutlich ist das wirklich nur ein Gespenst. Über den Grusel, weil es mit der Kette rasselt, geht man zu den Geschäften über und zu dem mit Facebook geteilten Privatleben.

    • Zitate
      Warum kann man hier nicht gescheit zitieren? Warum versteht eine Forensoftware in 2015 weder HTML noch Markdown? Das eine ist sogar eine europäische Erfindung, kein Teufelszeug aus den USA. Na ja, …

    • Ach, fragen Sie nicht. Die Leser sollen Senf spenden und nicht hier rumprogrammieren. ;-))

    • Mir fehlen zum Totalitarismus (bisher) auch alle notwendigen Zutaten
      und wenn man sich ansieht, was in Foren, auf twitter oder facebook an täglichen Kommentaren von Hinz und Kunz so abgeht, dann scheint es mit dem vorauseilenden Gehorsam wegen Totalüberwachung nicht weit her zu sein.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Im jetztigen Stadium wäre eine Obrigkeit, die auf ein totalitäres System aus ist, auch schlecht beraten, zu sehr an der Schraube zu drehen, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. Das ist im Übrigen auch nicht die Art von Totalitarimus, auf die der Circle hinarbeitet. Da geht es zunächst gar nicht um das Sanktionspotenzial sondern zunächst nur um den kategorischen Imperativ, nichts mehr heimlich zu tun, alles offen zu legen und das für-sich-behalten von Informationen als Diebstahl an der Allgemeinheit zu betrachten. So ziemlich genau in diese Kerbe hat Michael Seemann (jaaa, der schon wieder) auch schon gehauen mit seinem Versuch, eine neue Ethik des Informationszeitalters unter dem Titel des radikalen Rechts des anderen zu proklamieren. Und so ähnlich haben das auch schon Netzevangelisten wie Jeff Jarvis, Clay Shirky & Co. von ihren TED-Talk-Kanzeln herab verkündet. Von daher musste Dave Eggers das nicht aus dem luftleeren Raum nehmen, diese Denkmuster sind unterwegs, und sie kommen den Unternehmenzielen der Datenkraken ebenso entgegen wie dem Überwachungsstaat. So gesehen würde ich nicht sagen, dass die Zutaten so gar nicht zu finden wären: http://blogs.reuters.com/great-debate/2014/12/12/police-data-mining-looks-through-social-media-assigns-you-a-threat-level/

    • Titel eingeben
      @thorha: Sie haben recht, bezogen heute. Die „Datenautobahnen“ auf denen unsere personenbezogenen Daten einst rollen werden, werden gerade noch gebaut. Die Basisinfrastruktur „Internet“ ist in den Industrieländern fast ubiquitär, und selbst die „Dritte Welt“ holt so schnell auf, wie es über Mobilfunk eben geht. Aber da geht es um Layer 1 bis 2. G und FB und Konsorten bauen am Layer 3-4, bitte diese Dienste nicht mit der Applikation (Layer 7) verwechseln – was die Leute vorm Schirm machen, ist eigentlich egal. Bei der NSA mag es vereinzelt Layer 7 Applikationen geben. Bei G oder FB werden diese ebensowenig sichtbar sein.
      Das wird noch 10, 15 Jahre dauern. Und dann kommt es in die falschen Hände. Vielleicht in die Hände eines radikalen Vertreters der Religion X, der es als religiösen Auftrag ansieht, alle Nicht-X-Gläubigen umzubringen. Oder einer radikalen Y die alle Männer in Lagern kasernieren möchte, weil das doch Vergewaltiger seien.
      Heute ist sowas nicht umsetzbar. Morgen vielleicht schon. Wie wenig Gesetze gelten, wenn es grad mal 2laternativlos“ passt, sieht man in den USA und sieht man hier. Eine „westliche Gesellschaft“, die Folter durch die sie anführende „Leitkultur“ duldet, ja gutheißt, die die entsprechenden Lager toleriert, ist vom Totalitarismus weniger weit entfernt als sie vielleicht denken. Das kann ganz schnell gehen, wenn die Autobahn fertig ist.

    • Gehen wir die beiden Probleme doch bitte getrennt voneinander durch, weil
      sie eigentlich durch nichts verbunden sind.

      Postprivacy als Ideologie ist tot, das ist meine private Einschätzung der Lage. Eine grosse Mehrheit der Menschen möchte selbst entscheiden, inwieweit sie sich nackig macht.

      Das von ihnen verlinkte Surveillance-Programm: Hmmm. Ich kann tatsächlich nicht erkennen, was man dagegen tun will und kann, öffentlich verfügbare (!) Social Media für welche Zwecke auch immer zu nutzen, solange deren Nutzer diese öffentlich zur Verfügung stellen. Keine Ahnung, wie und wohin sich das entwickeln wird, aber ich denke schon, dass es von den praktischen Erfahrungen abhängen wird. Denen der Nutzer mit der Öffentlichkeit ihrer Daten und denen der Nutzer über Missbrauch bzw. schädliche Auswirkungen ihrer Daten. Viel zu früh, darüber sinnvoll zu spekulieren. Allerdings auch viel zu früh für wirklich ernstzunehmende Alarmrufe.

      Solange sich Surveillance-Programme auf Daten beziehen, die von den datenquellen (uns) selbst öffentlich gemacht wurden – tja, menschliche Dummheit ist nicht verbotsfähig.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Mit dem Link wollte ich auch nicht zum Ausdruck bringen, dass uns demnächst die Tür eingetreten wird wegen missliebiger Äußerungen. Klar, die Daten werden bereitwillig geliefert, und die Behörden wären mit Dummbeuteln geschlagen, dieses Reservoir nicht anzuzapfen. Es ist halt nur so, dass ich Tag für Tag solche Meldungen aus ganz unterschiedlichen Teilbereichen des heutigen Daseins auf den Tisch bekomme (auch ohne dass ich danach gezielt suche), und in der Gesamtschau ist das dann doch schon ziemlich „creepy“, wie man auf Neudeutsch sagt.

    • Interpunktion
      „Ach, fragen Sie nicht. Die Leser sollen Senf spenden und nicht hier rumprogrammieren. ;-))“

      Klar, aber Markdown ist ja auch eher Interpunktion als Programmierung, etwas wovon selbst Humanisten schon gehört dürften.

    • Doppelmoral
      Ich glaube übrigens nicht, dass das alles so reflektiert ist. Der „Totalitarismus“ um den es geht, löst eine bestimmte historisch gewachsene, sagen wir, „kartesianische“, Selbstkonstruktion auf. Unheimlich, dass da einer etwas über mich weiß, weil ich ein Objekt bin, dass seine Bahnen im Universum zieht, statt eine Sphäre reiner Innerlichkeit, die sich frei gegenüber einer äußerlich gedachten Objektwelt bewegen kann. Könnte dieser andere, der meine Spuren liest, nicht mein existenzieller Feind sein? Lustig finde ich die Vorstellung, so etwas politisch vermitteln und regeln zu wollen. Warum nicht über den „Freien Willen“ demokratisch abstimmen, sein Kreuzchen für ihn setzen, einfach weil man dafür ist? Freier Wille 2020. Ein guter Name für eine Partei, wie ich finde.

    • @Mark/dreamtimer: Viele Ängste kommen IMHO daher, weil man zu den neuen
      Medien, in denen man gleichzeitig Subjekt und Objekt, gleichzeitig Addressat und Addressierter, gleichzeitig Nutzer und Benutzter ist, noch kein wirkliches Verhältnis gefunden hat. Alle Bilder und alle Sprache, in denen man über diesen seltsamen (weil neuen) Zustand spricht, sind aus der Zeit vor diesen neuen Möglichkeiten und Risiken und deshalb immer nure begrenzt angemessen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Hm, das klingt auf den ersten Blick ziemlich plausibel. Aber es wäre in dem Zusammenhang auch zu fragen, wo denn die Heilserwartungen herkommen, die andernorts mit dem gleichen neuen Medium verknüpft werden. Die „Oh Gott – wir werden alle sterben oder zumindest verblöden und sittlich desorientiert“-Attitüde hat es so ziemlich bei jedem medialen Paradigemenwechsel gegeben. Gegenteilige Erwartungen gab es allenfalls in der Startphase des Hörfunks – und dann erst wieder beim Internet – und zwar in nie vorher gekannter Intensität. Woraus sich all die Heilserwartungen speisen, die mit dem Netz verknüpft werden, halte ich persönlich für deutlich interessanter als die Frage, woraus sich die Ängste speisen. Die sind wenn man so will eine Teilvariable der großen anthropologischen Konstante.

    • Die Heilserwartungen? Selbstüberschätzung, geschätzter Blogartikler.
      Ganz einfach: ICH weiss und kann alles besser, die von mir präferierten sachgerechten Lösungen und Diskussionen wurden bisher von den blöden, korrupten und machtgeilen Journalisten und Politikern verhindert.

      Jetzt habe ich das NETZ! Im NETZ – geheiligt werde sein Name – werden sich meine Lösungen und meine Diskussionsbeiträge wegen ihrer unendlichen Überlegenheit in einer freien Diskussion unter lauter höflichen, netten und sachorientierten Menschen auf der Grundlage allgemein anerkannter Fakten durchsetzen.

      Im Kern spiegelt das im Rückblick unfassbar banale Scheitern der Piraten diese – Verzeihung – ebenso unfassbar blöde Selbstüberschätzung. Die genau eines niemals auf der Rechnung hatte – den real existierenden Menschen, dessen Unternehmen und Regierungen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Das ist sicher eine wichtige Ingredienz, aber m.E. nur ein Teil der Zutatenliste. Da hängt ja noch so manches dran, was ich in meinem Beitrag über die Netz-Quasireligion
      http://blogs.faz.net/deus/2014/01/18/es-ist-die-systemfrage-dummerchen-1916/
      mit dem Stichwort „kalifornische Ideologie“ angerissen habe. Das ist ein interessantes und in zum Teil widersprüchlichen Facetten schillerndes Amalgam aus Hippietum, Hackerethik und Technologie-Gläubigkeit. Wirtschaftsnähere Kreise weideten sich dann, als das Thema Fahrt aufnahm, an der Vorstellung einer New Economy, in der manche limitierenden Gesetzmäßigkeiten der alten Wirtschaft außer Kraft gesetzt wären. Und im Zuge der Internet-Renaissance unter dem Banner Web 2.0 sind dann wieder verstärkt Vorstellungen von einer digitalen Allmende und mehr Teilhabe auch für Hinz und Kunz ventiliert worden. Man könnte wohlwollenderweise von einer Art Neokommunitarismus sprechen, und einen der zentralen Grundwidersprüche sehe ich darin, dass diverse Vertreter dieser Vorstellungen, denen es doch dem Vernehmen nach um mehr Teilhabe für jedermann („Here Comes Everybody“ hieß z.B. ein Buch von Clay Shirky) zu tun ist, anscheinend kein Problem damit haben, dem Entstehen von neuen und gigantischen Monopolen zuzusehen, die womöglich alles in den Schatten stellen, was wir bei AT&T, Standard Oil & Co. an Gebaren gesehen haben. Und doch hält sich hartnäckig der Glaube (oder die Wunschvorstellung), ein digitaler Kapitalismus wäre irgendwie ein sanfterer und verträglicher Kapitalismus. Hach ja, das neue Spiel, die Regeln haben sich halt ein bisschen geändert, und wenn wir unsere Mitspielstrategie ein bisschen ändern, dann wird alles gut…

    • Pragmatische Bedenken ...
      Das Bemühen um Privatheit ist doch (einmal von Sicherheitsbedenken abgesehen) in sehr starkem Maße von Scham getrieben. Das ist ein Gefühl, das von der Beziehung zum Betrachter abhängt. Wenn ich mir – ganz anachronistisch – in der Videothek einen dänischen Western ausleihe, womöglich noch aus der Abteilung Wassersport, dann möchte ich ganz sicher nicht meinem Nachbarn begegnen. Oder einem Kollegen. Hingegen habe ich keine Probleme, dem schmerbäuchigen Hotte die zwei Mark Leihgebühr über den Tresen zu schieben. Anders sähe es schon bei seiner reizenden Assistentin Mandy aus.
      Ich denke, für mich und viele andere, die ihre Daten im Netz lassen, sind die freundlichen Mitarbeiter bei Interpol und Deutscher Bank, FBI und Scotland Yard nichts anderes als anonyme Hottes. Kein Schamgefühl. Nur die leichte Angst, dass Hotte eine Kopie des Tapes mit meinen außerehelichen Aktivitäten bei youtube einstellt. Ok, Star bei der BKA-Betriebsfeier zu sein, wäre auch nicht schön.

      (Ernsthaft: Scoring Marke Schober & Co. finde ich lebensweltlich viel beunruhigender. Oder mich durch bestimmte Verhaltensmuster zum Ziel einer Drohne zu machen. Privatheit umfasst also unterschiedliche Phänomene, die man nicht so einfach vermengen sollte.)

      Interessanterweise greift diese Argumentation nicht bei den diversen Postprivacy-Verfechtern. Denn die verkehren ja mit ihren Nachbarn im Netz und ziehen einander wechselseitig die Hose herunter. Die vielen ideologisierten Twitter-Grüppchen sind zu allererst eine Gelegenheit, sich zu beschämen. Zuviel Nähe, beispielsweise als feministische Schicksalsgemeinschaft. Und da wären wir wieder beim Circle. Das Buch sagt, wie Herr 793 in seinem letzten Absatz ja auch andeutet, weniger etwas über das Netz als über die Firmenkultur.

    • So ähnlich habe ich das weiter oben in den Kommentaren ja auch schon geschrieben, dass mir die intimeren Insights von Firmen wie Schober, AZ direct, Arvato Infoscore und wie sie alle heißen tendenziell mehr Sorgen machen als das, was sich Tante Gu aus unseren Suchanfragen zusammenreimt.

      Scham ist tatsächlich ein sehr zentrales Stichwort in diesem Gesamtzusammenhang, und im Roman ist das auch an ein paar Stellen explizit ein Thema. Es gibt da z.B. eine Stelle, in der die Protagonistin bei einer Präsentation eines Kollegen wenn man so will vorgeführt wird, und was sie daran vor allem stört ist die Furcht, diese ohne ihr Zutun veröffentlichte Szene mit ihrer Mitwirkung würde den Zuschauern ein Zerrbild von ihr liefern. So gesehen ist es dann eine logische Konsequenz, dass sie sich später bereit erklärt, volltransparent zu werden, um ein authentischeres Gesamtbild abzugeben, in dem einzelne eventuelle Fehlleistungen, so sie denn trotz des sozialen Drucks überhaupt noch auftreten, dann auch nicht mehr die große Bedeutung haben. Die Direktive ist, sich stets so zu verhalten, als könnten alle jederzeit sehen, was Du tust und lässt. Und das erinnert dann doch stark an die Erziehung zu gottesfürchtigem Wohlverhalten, weil der liebe Gott alles sehen könne – auch wenn man unter der Bettdecke seinen, öhm, Kasper schneuzt. Also lieber Finger weg, damit das Jesukind und die Mutter Gottes nicht betrübt werden… ;-)

    • Titel eingeben
      Transparenz aus Schamhaftigkeit wäre dann sozusagen die Flucht nach vorn. Ich zeige mich ganz und gar, um nicht einer einseitigen Perspektive zum Opfer zu fallen. Bei einem allwissenden Gott ist das auch kein Problem (nur der sieht ohnehin alles und die Entblößung ist gar nicht notwendig). Bei Kollegen sieht das schon anders aus.

      „Möge die Posaune des jüngsten Gerichtes ertönen, wann sie will, ich werde mit diesem Buche in der Hand vor dem Richterstuhle des Allmächtigen erscheinen. Ich werde laut sagen: Hier ist, was ich gethan, was ich gedacht, was ich gewesen. Mit demselben Freimuthe habe ich das Gute und das Schlechte erzählt. Ich habe nichts Unrechtes verschwiegen, nichts Gutes übertrieben, und wenn ich mir etwa irgend eine unschuldige Ausschmückung habe zu Schulden kommen lassen, so muß man das meiner Gedächtnisschwäche zu Gute halten, um deren willen ich gezwungen war, hier und da eine Lücke auszufüllen. Ich habe als wahr das voraussetzen können, was meines Wissens wahr sein konnte, nie jedoch das, von dessen Unwahrheit ich überzeugt war. Ich habe mich so dargestellt, wie ich war, verächtlich und niedrig, wann ich es gewesen; gut, edelmüthig, groß, wann ich es gewesen: ich habe mein Inneres enthüllt, wie du selbst, o ewiges Wesen, es gesehen hast. Versammle um mich die unzählbare Schaar meiner Mitmenschen, damit sie meine Bekenntnisse hören, über meine Schwächen seufzen, über meine Schändlichkeiten erröten. Möge dann jeder von ihnen seinerseits zu den Füßen deines Thrones sein Herz mit dem gleichen Freimuth enthüllen, und schwerlich wird dann auch nur ein einziger wagen, zu dir zu sprechen: Ich war besser als jener Mensch!“
      (Rousseau, Bekenntnisse, Einleitung)

    • Die lieben Kollegen – in der Transparenzhölle des Circle sind das zum Teil sehr effiziente Hilfsteufel.

    • @Mark. Schober, Arvato Infoscore et. al. Wer das als Problem begreift,
      müsste die Alternativen benennen. Fangen wir mal mit der Grundlage an: Kunden wie Anbieter von Waren, Dienstleitungen, Immobilien haben beide ein hohes Interesse daran, dass sowohl Anbieter wie Nachfrager von Leistungen ihren Verpflichtungen nachkommen. Die eine, weil daran ihr Einkommen hängt, die anderen, weil sie nicht in Sippenhaft für Betrüger, Mietnomaden und leute genommen werden wollen, die ihre rechnungen nicht bezahlen können.

      In grauer deutscher Vorzeit waren fast alle Geschäftsbeziehungen persönlich, also ging diese Einschätzung nach Nasenfaktor und Vitamin B. Heute werden alle Geschäftsbeziehungen unpersönlich und die Einschätzung geht nach Scorings. Ich weiss nicht, welche Methode am Ende des Tages besser funktioniert. Ich weiss nur, dass es ein enormes Interesse an einer Einschätzung der finanziellen Leistungsfähigkeit und Zahlungsbereitschaft von Kunden gibt, die man nur aus Mails, Telefonaten und Onlinekontaktformularen kennt. Und dieses Interesse wird sich seinen Weg bahnen, früher nach Nasenfaktor, heute nach Scorefaktor. Womit früher keineswegs alles besser war – mit einer bestimmten Kleidung und einem bestimmten Benehmen kamen Sie in einige Geschäfte gar nicht rein und bestimmte Wohnviertel waren absolute NoGo Areas.

      Wer also die Scoreverfahren nicht möchte, soll sich rechtzeitig nach Alternativen umsehen. Die Gleichbehandlung des Kunden vor dem Händler von was auch immer ist eine nicht realisierbare Illusion. Und die Forderung nach Offenlegung der Scoringgrundlagen ist eine Einladung an die etwas clevereren Betrüger.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • @Thorsten Haupts: Ich sage ja nicht, dass das Erkenntnisinteresse hinter dem Scoring – nämlich die Abschätzung/Minimierung des Ausfallrisikos von Geschäften – per se kritikwürdig wäre. Ich bin auch nicht so blauäugig zu glauben, dass wir das wieder aus der Welt bekämen (und die Welt dann eine bessere wäre). Ein paar der Faktoren, die mitzählen, sind ja nun einigermaßen bekannt, und für mich gilt es keineswegs aus ausgemacht, dass eine genauere Kenntnis der Grundlagen gigantische Spielräume für Manipulation oder gar Betrug eröffnen würde. Wie einzelne Auskunfteien die Einzelfaktoren in der Zusammensetzung eines Scores gewichten, könnte wegen mir durchaus deren Betriebsgeheimnis bleiben, aber die Forderung nach eine vollständigen Zutatenliste halte ich für vertretbar. Vor allem vor dem Hintergrund der Erfahrung, dass erst auf massive Interventionen von Verbraucherschützern hin der absurde Mißstand beseitigt wurde, dass das Einholen einer Selbstauskunft bei der Schufa den eigenen Scorewert verschlechtert hat. Wie pervers ist das denn bitteschön? Und wie wollen wir gewährleisten, dass da nicht noch viel mehr solche Klopper drinstecken? Der Markt regelt da so ziemlich gar nichts, eine wirksame Aufsicht, die auch schutzwürdige Belange des Endkunden im Blick hat, findet überhaupt nicht statt, und das ist u.a. die Quelle meines Unbehagens. Von weitergehenden Konsequenzen der zunehmenden Verdatung von immer mehr Lebensbereichen will ich hier jetzt gar nicht anfangen. Das Thema Gleichbehandlung beim Händler haben Sie schon angesprochen, und das wird auch ein Thema eines eigenen Beitrags sein.

    • Okay. Kein Einwände
      gegen Einhegung und Aufsicht bei so sensiblen Datenverdichtern und -verteilern. Mir ging´s auch mehr ums Prinzip.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Das ist auch in diversen anderen Kontexten dieses Megathemas meine Einstellung. Grundsätzlich scheint es mir wenig sinnvoll, das Sammeln von Daten, die nun mal da liegen, von vornherein und grundsätzlich zu verteufeln. Aber ich sehe auch keinen Grund, vor einem diffus dräuenden Kontrollverlust schon vorauseilend zu kapitulieren, bevor man überhaupt die Instrumente aus der Schublade geholt hat, mit Hilfe derer man versuchen kann, die Entwicklung etwas sozialverträglicher zu gestalten.

  4. programmvielfalt
    ja welchen senf hättens denn gern? düsseldorfer – bautn’ner – oder
    münchner süßen weißwurstsenf?

    ja so ist es mit der technik jedes krümmelchen wird gefunden und am ende zerlegt bis in die einzelheiten – aber erst müssen alle einmal damit angeschlossen werden

    und rumprogrammieren ist nicht meine spezialität ich könnt höchstens einen teller kekse anbieten

    • Ach, Düsseldorfer Mostrich hab ich ja quasi direkt vor der Haustür, von daher darfs gerne was Bayerisches sein. Oder auch paar Weihnachtskekse – aber keine Cookies, wenn Sie verstehen.

      Jaja, die Technik. Als freier Zulieferer bin ich mit den Vorfeld-Prozessen und der Implementierung so gar nicht befasst. In den Kommentaren die üblichen HTML-Tags zuzulassen, das hatten wir aber schon vor dem vorigen Relaunch angeregt…

  5. unbedarft
    sie müssen wissen ich bin mit computer nicht auf kriegsfuß aber ich habe außer ein paar kommentare hier abzugeben

    und einige artikel der zeitung zu versenden so üüüüüberhaupt keine blaße ahnung, was man mit dem computer alles anstellen kann

    und was ein cookie ist weiß ich auch nicht

    aber ich weiß wie menschen im gehirn ticken und das ist auch schon mal ein anfang

    • Ach so, dann läuft mein schönes Wortspiel glatt ins Leere. Cookies sind kleine Codeschnipsel, die Sie sich beim Besuch von Websites einfangen können, sofern Sie dies nicht im Browser deaktiviert haben. Anhand dieser Anhängsel sind Sie bei einem erneuten Besuch der Seite wiedererkennbar. Manchmal sind bestimte Funktionen auf einer Seite daran gekoppelt, dass Sie das Setzen von Cookies zulassen. Ist jetzt aber nicht so wichtig für diese Diskussion hier.

      Erkenntnisse, wie Menschen im Gehirn ticken, haben derzeit übrigens Hochkonjunktur, da sollte Ihrer Karriere als hochbezahltem Experten eigentlich nicht allzuviel im Wege stehen. ;-)

    • Ich nehm dann mal die erste Stunde, nach der Erkenntnis suche ich
      schon ziemlich lange.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  6. Wir sind so frei, wirklich?
    Schön, Marco, mal wieder etwas von ihnen zu lesen, die Debatte läuft ja seit Schirrmachers Tod bei der FAZ auf Nebengleisen (auch bei dieser obersten Datenschützerin).

    Da ich mir kürzlich ein Smartphone mit Android zugelegt habe, war mein Ehrgeiz geweckt, dieses ohne Google-Konto zu benutzen. Das war allerdings in der Praxis nicht so leicht zu bewerkstelligen. Beim Deaktivien von zahlreichen Google-Diensten wurde schnell klar, in welchem Umfang sie Profildaten an Tante Goo schicken. Mit einem Marktanteil von ca. 80% bei den Smartphones lassen sich so wirklich relevante Nutzerprofile erstellen, mit Phone, Emails, Fotos, Reiserouten, alles aus ersten Hand frei Haus auf den Google-Server.

    Wie schon greenbowlerhat kritisch anmerkte, können solche Datenprofile durch Machtmißbrauch viel Unheil für einzelne bewirken, sei es von Terroristen, Fanatikern oder Internet-Kriminellen.

    Die letzteren überschwemmen gerade mein Postfach mit Mahnungen, Zahlungsaufforderungen und andern Drohungen. Dies sogar mit korrekter Namensnennung bei unterschiedlichen eMail-Adressen, Datenlecks also auch bei eMail-Providern oder E-Commerce-Firmen. Mündiger Nutzer zu sein, ist schon etwas stressig.

    • Diese Sorte Nerv-Spam hatte ich neulich auch nicht zu knapp im Postfach, da hatte man also wieder mal einen Dreh gefunden, die Spamfilter zu überlisten. Was die Hosentaschenwanze mit Wischbildschirm angeht, das Thema hatte ich wie gesagt tatsächlich nicht so prominent auf dem Zettel. Aber Sie haben völlig recht, auf diesem Weg saugt Tante Gu vermutlich weit mehr Interessantes als über die stationären Rechner.

      Und was Online-Identitäten angeht: Habe neulich einen neuen Personalausweis beantragt und wurde gefragt, ob ich denn auch die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet haben will. Konnte mir darunter nicht so recht was vorstellen und fragte die Dame vom Amt, wo man denn sowas brauche. Darauf sie „Im Internet“. Und ich so: „Was Sie sagen! Bin seit fast 20 Jahren im Internet unterwegs und bisher noch in keine Ausweiskontrolle geraten.“ Aber wer weiß, das kann ja noch kommen…

  7. erkenntnis
    @thorsten haupts ich habe gerade ihren kommentar drüben bei 10vor8 gelesen und sie schimpfen ja wie ein rohrspatz

    ja klar es geht dabei nicht um tiefgründiges philosophieren aber was vermitteln all diese journalien?

    sie wollen sie nur zurückversetzen in ihre kindheitstage in den paradiesgarten – nicht mehr und nicht weniger

    hatten sie keinen garten oder oma bei der sie im garten spielen konnten – diesen direkten erdkontakt? nicht schlimm dann erinnern sie sich zurück an die tage wo sie so absolut mit sich und der umwelt im einklang waren so und das ist ihr kapital denn das können sie teilen mit anderen und ihre freude an diesem einssein teilen das wars schon

    ich verbinde das halt noch mit anderen dingen (Krankheiten wie alzheimer demenz parkinson hängen alle eng miteinander zusammen und geht viel auf diese rückkoppelung zurück die klappt oder nicht klappt bzw. ausgeblendet wird habe gerade das gespräch des letztjährigen nobelpreisträgers für neurologie gehört hr.dr. südhof)

    aber mehr will ich jetzt hier nicht ausbreiten aber spitzwegs bild ist wunderschön es beschreibt genau dieses der eine sucht die wahrheit in der zeitung oder will sie zurückverfolgen die andere ist mit den pflanzen beschäftigt ihre gerüche düfte und stete jährliche wiederholung des wachstums und erkenntnisgewinn daraus und beide sind sie doch voneinander abhängig eben wie bei den synapsen ein ständiges geplappere…

  8. Völlig befreit und in eigener Verantwortung - würde man sich sicher
    simpel und einfach mal probehalber versuchs- u. vorschlagsweise glatt leicht eine zehnerpotenz höher begeben in und mit der analyse.

    danke für den link zu dem text also und die besprechung. aber und.

    evtl. wiki „Franz Oppenheimer“, u.a. „Lehrer Ludwig Erhards“. darin u.a.

    „Eine grundlegende Typisierung ergibt sich aus der Unterscheidung der zwei grundsätzlich entgegengesetzten Mittel, die der Mensch hat, „um sich die Güter zu beschaffen, deren er bedarf. Das eine Mittel ist die eigene Arbeit an der Natur und auf höherer Stufe der als äquivalent betrachtete Austausch seiner Arbeitserzeugnisse gegen Fremde. Weil es sich hier um die beiden Tätigkeiten handelt, die die Wirtschaftsgesellschaft begründen, habe ich dieses Mittel das ‚ökonomische Mittel‘ genannt.“

    Durch die Vereinigung der Wirtschaftssubjekte entsteht eine Wirtschaftsgesellschaft. Ihre Organisation basiert auf produktiver Arbeit und wertgleichem Tausch. Eine Beziehung zwischen Räuber und Beraubten begründet dagegen keine Gesellschaft, sondern ein Herrschaftsverhältnis, wie es in seiner Urform verkörpert wird durch die Entstehung des Staates.

    „Das zweite Mittel, dessen sich der Mensch bedient, um sich die Güter zu beschaffen, ist die unentgoltene Aneignung durch Gewalt, und zwar durch körperliche Gewalt oder den Missbrauch geistlicher Gewalt durch Patriarchen und Priesterschaften. Dieses Mittel habe ich als das ‚politische Mittel‘ bezeichnet. Warum »politisches Mittel«? Weil es im internationalen und im intranationalen Leben alle Politik beherrscht. Der Urtypus aller internationalen Beziehungen ist der Krieg, und der hatte oft genug zwar einen anderen Vorwand, aber wohl kaum jemals einen anderen Grund als die Bereicherung einer Nation auf Kosten der anderen, oder die Abwehr eines solchen Bestrebens.

    … Danach zeigt die Geschichtsforschung, dass jeder Staat „seiner Entstehung nach ganz und seinem Wesen nach auf seinen ersten Daseinsstufen fast ganz eine gesellschaftliche Einrichtung (ist), die von einer siegreichen Menschengruppe einer besiegten Menschengruppe aufgezwungen wurde mit dem einzigen Zwecke, die Herrschaft der ersten über die letzte zu regeln und gegen innere Aufstände und äußere Angriffe zu sichern. Und die Herrschaft hatte keinerlei andere Endabsicht als die ökonomische Ausbeutung der Besiegten durch die Sieger. Kein primitiver ‚Staat‘ der Weltgeschichte ist anders entstanden… .“

    von dem ausgehend würden wir evtl. sehen wollen, dass sich nämlicher vorgang zur zeit möglicherweise im weltmasstab abspielte, evtl. teils unbemerkt, weil erstmals?

    das also die herstellung einer weltrepublik mit hilfe us-unilateralistischer bestrebungen, wenn man die so sehen wollte, sie sagen es allerdings so auch von sich selbst so, „seinem Wesen nach auf seinen ersten Daseinsstufen nach“ grad genau denselben anfangsgesetzen wiederholend unterläge?

    und dies von dem weitaus größten teilen der us unreflektiert, einem kleinen teil, einer konservativen elite evtl. wissentlich so in kauf genommen – quasi nach dem motto „warum nicht ruhig altes, bewährtes sich wiederholen lassen, dass kennten wir immerhin, wüssten es relativ gut zu leiten“?

    und da die usa die usa die usa wären, würden sie staatlicherseits unbedingt und umumstößlich an den prinzien staatlicher und völkerrechtlicher souveränität und rechtsstaatlichkeit festhalten. „und zwar ihrem wollen nach mehr, als nur auf jedem papier“.

    wie also dann benigmen unilateralismus sich trotzdem durchsetzend finden wollen?

    na sicherlich so, dass for the time of the transformation-process beeing (us-)unternehmen diese aufgabe übernähmen. denn die wären an die staatlichen bindungen, vorgaben und einschränkungen eben nicht gebunden, sondern könnten sich relativ frei entfalten, „gerade auch in der sache voranbringung von unilateralismus“.

    und auf der ebene der zehnerpotenz darunter sähen wir dann die beschreibung von („vorübergehenden“, sicher, was sonst?) dystopien, welche bedingt wären durch das quasi galubensartige voranschreiten global-multinationaler unternehmen bzgl. menschheitsglück und menschheitsfortschritt durch sie, und ggfls. durch sie alleine – durch ihre kleinbürgerlichen mitarbeiteranteile. welche sicherlich auf dem wege der weltumformung partiell auch opferstatus mit hätten (1). „grad so, wie sonst früher der soldat im schützengraben“.

    die ungesunde übertreibung, die dystopie im unternehmerisch-marktwirtschaftlichen bereich (da, endlich nur da!? aber niemals in generalstäben oder in top-familien) hätte sodann auch ihre funktion: das permante versagen der kleinbürgerlichen mitarbeitergruppen im unternehmen durch unkenntnis, „haltlosigkeit“ und übertreibung zu zeigen.

    hätten konzerne aber so erst einmal – sollte man sagen „indirekt weisungsgemäß oder erwartungshalber?“ ihre welt-zivilisations leit- und umwandlungsaufgabe („von innen heraus“?) erfüllt, dann könnten staatliche neuordnungen mit ein paar jahrzehnten zeitverzögerung legal und klug nachvollziehen, was auf der ebene leidender subjekte bereits „längst erkämpft“ worden wäre? aber zunächst müsste sich einmal infiziert finden, welches einer veränderungstherapie bedürftigt gemacht werden sollte?

    wie gesagt, dies buch hat ein dienendes amt, nehmen wir seine funktion an – und wappnen unsere staatlichkeiten?

    aber wer wäre schon völlig befreit und in eigener verantwortung? und der erste weltstaat der welt also wieder einmal hervorgegangen „aus primitiver entstehung“?

    und steve jobs wollte seine neue firmenzentrale als ring, als symbol von partizipation, herrschaftsfreiheit, demokratie, ubiqität und entkreisung – „darum auch musste er so früh sterben?“ ein verlust für uns, sicher.

    1 – welche auch schon mal die aufgabe hätten, kluge bücher drüber zu schreiben, „begleitend und hinterher“. „kleine leute und mitarbeiter hätte auch schon mal wunden zu haben, um sie zu lecken, was sonst?

  9. So dass sich also
    die US als Staat zu bestimmten, weltausgreifenden Konzernen im Beispiel ungefähr so zueinander verhielten, wie Elizabeth die Erste evtl. zu Sir Francis Drake „Freibeuter im Dienste seiner Königin“ – wobei die Beziehung eben völlig geheim und unbeweisbar war. Und ihrer wahren Natur nach auch so sein- u. bleiben musste.

    Und naheliegende Dystopien beschäftigten sich dann mit der Auswirkung von langer Einsamkeit auf hoher See und Trennung von Familie & Freunden und Seekrankheit und den seelischen Auswirkungen von entsetzlichen Hieb- und Stichverletzungen bei Seeleuten auf Piratenschiffen. Was sonst?

    Von Wernher von Braun heute lernen, hieße also was lernen? Eine bemannte Marsrakete bauen, oder bessere Beziehungen transatlantisch, oder einen freien und unabhängigen Deutschen Staat nach der vorbildlichen Art einer NASA, oder was?

    • Der Weltmaßstab – unendliche Weiten! Hat da jemand „new word order“ gesagt? Oder so irgendwie mitgemeint? Wie auch immer: So weit bis zu dem Sonderfall einer Public-Private-Partnership von Monarchin und Freibeuter müssten wir gar nicht gehen, um staatsräsonables Handeln privatwirtschaftlicher Korporationen zu illustrieren. Ich sage nur: East India Company. Google, Facebook, Amazon, Apple & Co. segeln doch nicht als Piraten auf den Weltmärkten herum, das sind (bis zum Beweis des Gegenteils) honette Unternehmungen, die ordentliche Quartalsberichte abfassen und allenfalls in fiskalischer Hinsicht etwas schwer zu greifen bleiben. Sind das nun fünfte Kolonnen des nach Unilateralität strebenden US-Imperiums? Es wäre schwer bis unmöglich zu beweisen, dass sie zu diesem Behufe gegründet wurden. Was nicht heißt, dass ihr Wirken auf den Weltmärkten den geopolitischen Zielsetzungen Washingtons zuwider liefe; Interessenskongruenzen dürfen da durchaus unterstellt werden. Als in klassischen Sinne systemrelevant wird man diese Industrien derzeit aber noch nicht betrachten, und das mache ich z.B. daran fest, dass (zumindest soweit ich das auf dem Schirm habe) die sprichwörtlich gewordene Drehtür zwischen US-Politik und Unternehmen nach wie vor mehr in den Energiesektor und in den militärisch-industriellen Komplex führt als in die IT- und Internetbranche. Wobei ich natürlich konzediere, dass es zwischen IT und militärisch-industriellem Komplex auch erhebliche Schnittmengen geben mag.

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