Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Big Bio Data

| 122 Lesermeinungen

„We don’t know a shit!“

Diese Worte sprach Craig Venter, Biologe, nach der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Viel hatte man sich versprochen, doch das das Humane Genomprojekt lieferte in erster Linie neue Fragen. Noch immer sind weite Teile von genetischen Störungen und Krankheiten unverstanden, noch immer sind die meisten davon unheilbar. Der Fortschritt machte die Genomanalyse immer billiger. Und so wurde weiter geforscht. Doch weshalb brechen bei manchen Menschen Krankheiten aus und bei anderen nicht? Wieso zeigen sie unterschiedliche Merkmale?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wie so oft ist alles nicht so einfach: Das Genom liegt in allen Körperzellen vor und es verändert sich dabei nur minimalst. Gleichzeitig haben wir aber eine Vielzahl von unterschiedlichen Zelltypen in unserem Körper: Eine Leberzelle ist keine Darmzelle ist keine Hautzelle. Aber sie alle haben dasselbe Genom, die gleiche DNA. Unsere Zellen werden nicht einzig und allein durch die DNA kontrolliert, auch die DNA selbst und damit auch die in ihr programmierten Produkte unterliegen einer Kontrolle. Diese zusätzliche Kontrollebene nennt sich Epigenetik, also all das, was wiederum die Gene an die Umweltbedingungen anpasst. Gene werden durch biochemische Veränderung der DNA an- und ausgeschaltet, Zellumgebung, Nachrichtenmoleküle und Stoffwechsel verändern die Schaltung je nach Bedarf. Diese aktivieren und deaktivieren sich wiederum gegenseitig. Während das Erbgut geschützt im Zellkern nur wenig davon mitbekommt, spielen sich drumherum ineinander verschaltete Signalketten ab. Wie wichtig das ist, lässt sich an einem Zitat meines Vaters einfach aufzeigen: „Der Mensch hat in etwa genauso viele Gene wie der Kugelfisch. Trotzdem sieht der Mensch etwas anders aus.“

Es geht also gar nicht so sehr um das Genom als um die Gesamtheit aller durch das Genom programmierten Produkte und Stoffwechselprodukte innerhalb der Zelle. Es ist wichtiger geworden, die Verschaltung der einzelnen Informationen zu erforschen als deren Informationsbasis. Denn Veränderungen unseres Erbguts werden am Menschen nicht immer sichtbar. Es muss schon eine Veränderung des Erbguts in der richtigen Zelle zur richtigen Zeit sein.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Trotzdem werden – zu Recht – zu Forschungs- und Diagnostikzwecken immer noch ganze Genome sequenziert. Vor allem, weil es jetzt möglich ist. Diese Sequenzierungen werden immer günstiger und sie werden zukünftig Tests auf einzelne Gene, wie sie bislang üblich sind, ablösen. Die Tests bieten sich bei genetischer Vorbelastung von Patienten an oder um zu erforschen welche Gene welche Ausprägungen begünstigen. Es gibt tatsächlich diverse genetische Korrelationen mit Krankheiten (Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Alzheimer, Depressionen…) die zum Teil familiär gehäuft auftreten. Das bedeutet, sie können genetisch bedingt sein. Aber auch andere Korrelationen sind bekannt, die nicht im Kontext zu einer Krankheit stehen. Homosexualität zum Beispiel, oder Haut-, Augen- und Haarfarbe. Demnach könnte man demnächst vielleicht Krankheitsrisiken, Sexualität und Aussehen voraussagen, allerdings mit hoher Unsicherheit.

Genomsequenzierungen sind schon länger möglich und zumindest Google hat dort bereits kräftig investiert. Trainings- und Gesundheitsapps verfolgen und dokumentieren mit denen Trinkmenge, Schrittanzahl, Kalorienwert oder Fruchtbarkeit und sind längst ein riesiges Geschäft. „Selbstvermessung“ bzw. „self-tracking“ nennt sich das und viele Menschen wollen und nutzen sie. Mittlerweile sollen diese Apps außerdem die Forschung erleichtern und verbessern. Aber man misst ja nur die äußeren Werte. Was doch zählt ist das Innerste. Das Genom. Genau dorthin wollen die privaten Genomsequenzierer jetzt. Welche Vorteile und Risiken birgt das?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Während es für die chronisch unterfinanzierte Forschung und die Patienten gut ist, wenn teure Verfahren immer günstiger werden, sind Gentests bei privaten Firmen für einen Laien kaum auszuwerten. Zum einen sind die verschiedenen privaten Gentests nicht standardisiert, Tests können also von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich ausfallen. Zum anderen sind sie für sich alleine genommen nicht aussagekräftig. Denn nur weil etwas im Genom steht muss es nicht so passieren. Immerhin, der erste „Genom-Sequenzierungs-Service“ bietet für einen Preis von 999$ sogar zusätzlich genetische Beratung an.

Genetische Daten sind nur unzulänglich anonymisierbar. Genome, die zu Forschungszwecken sequenziert und veröffentlicht wurden führten dazu, dass ein junger Mann seinen biologischen Vater, einen Samenspender, fand. Während das noch eine schöne Geschichte ist, kann man von genetischen Daten auch anderweitig Gebrauch machen, zum Beispiel wenn man DNA an einem Tatort findet und diese abgleichen will. Natürlich sind die Daten auch für Ihren Arbeitgeber und Ihre Krankenkasse nützlich. Und datenhungrige Werbefirmen können natürlich auch davon profitieren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Günstige Genomsequenzierungen gibt es auch für Ungeborene. Wieso nicht gleich das gesamte Genom des Nachwuchses erfahren? Tatsächlich: Das ist nicht nur möglich, sondern auch bald für jedermann finanzierbar. Es gibt mittlerweile auch eine Methode zur Genomsequenzierung von Embryonen vor der Implantation. Da sind wir tatsächlich nicht so weit weg von Designerbabys.

Und dieser Mann, den Sie da letzte Woche trafen. Ob er wohl lange genug leben wird, damit Sie gemeinsam alt werden? Er hat bei Ihnen übernachtet, am nächsten Morgen eine Einmalzahnbürste bei Ihnen benutzt. Jetzt rühren Sie die Zahnbürste etwas in salziger Lösung herum, tröpfeln sie in ein Gerät… Das Genom verrät: Er hat ein hohes Risiko für einen frühen Herzinfarkt und hohe Cholesterinwerte. Zu schade.

Aber was genau bedeutet es, wenn ich eine hohe Prädisposition für Herz-Kreislauferkrankungen habe? Was kann ich dagegen tun? Ist eine Prädisposition für eine Krankheit unausweichlich?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Aber Statistiken sagen über das individuelle Risiko wenig aus. Nur weil statistisch gesehen viele Patienten einer Krankheit eine gewissen genetische Veränderung haben bedeutet das nicht, dass sie gerade bei mir ausbrechen muss. Der Glauben, in unseren Genen allein sei alles fest vorgeschrieben ist schlichtweg falsch und widerlegbar. Umgekehrt wird dann ein Schuh daraus: Nur weil ich keine genetische Prädisposition für eine Krankheit habe, bedeutet es nicht, dass ich sie nicht doch bekomme.

Aber immerhin, ein erhöhtes Risiko für die großen Volkskrankheiten sollte uns doch zum Nachdenken bewegen. Wir könnten unseren Lebensstil ändern, öfter zur Vorsorge gehen, mehr auf uns achten. Aber würden wir das wirklich? Es ist seit Jahren bekannt, dass der Konsum diverser Drogen und der lasterhafte moderne Lebensstil mit gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Lassen wir deswegen die Zigarette, den Wein, den Burger weg?

Günstige Sequenzierungsverfahren sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie in der Forschung oder in der Medizin eingesetzt werden. Dort bieten sie große Vorteile. Ich denke dabei zunächst an Tumore, welche analysiert werden könnten. Ein Leberkrebs ist eben nicht wie der andere. Er ist genetisch auch oft anders als die Metastasen (Tochtergeschwulste) die er streut. Genetische Untersuchungen von Tumoren und Metastasen könnten nicht nur gemeinsame Schwachstellen der Tumore aufzeigen sondern, wenn man Behandlungen damit abgleicht, auch wirksamere Therapien. Personalisierte Medizin nennt man das und sie ist schwer im Kommen. Aber das ist leider auch nur dann möglich, wenn genetische Profile von Patienten zusammen mit der Therapie gespeichert werden, um später abzugleichen, bei wem welche Therapie wirkt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das funktioniert wiederum nur, wenn die Daten so gut wie möglich geschützt werden. Bei den Krebsregistern die derzeit in ganz Deutschland aufgebaut werden, werden bereits Diagnosen und Behandlungsverläufe mit den Patientennamen gespeichert. Das sollte man eigentlich vermeiden um den Patienten größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Der Schutz personenbezogener Daten ist wichtig. Wir müssen dort den biologischen Datenschutz miteinbinden, denn wir haben bereits begonnen, die Kontrolle zu verlieren. Genetische Daten können, genau wie Metadaten, unser Verhalten prognostizieren und beeinflussen. Sie sind dabei aber genauso fehlbar. Daher muss es schnellstens Richtlinien geben, wie diese Daten geschützt verarbeitet, die Informationen bewältigt und die Aussagekraft geprüft werden können.

Mit einer großen Macht kommt eben eine große Verantwortung.

18

122 Lesermeinungen

  1. Run Forest, run.
    Vielen Dank für all die Informationen.
    Snapshot gemäß erfasst und gelöscht.
    Denn:
    Hauptfunktion des Gehirns ist die Ausblenden all der Informationen die uns die Realität erfassen lassen. Weil die Realität ist ein Komplexitätsmonster welches wir nicht bändigen können. Würden wir es erfassen so würden wir erstarren und folglich nicht mehr handeln und dann verhungern.
    Verbleibe dumm und daher aktiv und folglich gesund.
    Bis hier hin.

  2. Titel eingeben
    Ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank. Das beschriebene Problem wird uns sicher noch eine Weile begleiten – allerdings ist das wohl auch letztendlich eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Jede Anonymisierung führt zum Verlust von Informationen – und etwas, das heute unwichtig erscheint, kann in 10 Jahren extrem wichtig, aber unwiederbringlich verloren sein.

    Ich arbeite mit Daten von großen Studien und bedauere oft, wenn scheinbar unnütze Informationen nicht erfaßt wurden – heute wären Sie so nützlich. Die Möglichkeit, Patienten über lange Zeit zu beobachten – und auch die Familie – kann sehr nützlich sein um Informationen über längere Zeit zu sammeln.

    Datenschutz ist sicher sinnvoll und notwendig, aber es gibt auch andere Aspekte die wichtig sind und gegeneinander abgewogen werden müssen.

  3. Daten nach Genom, kleiner Scherz?
    Verehrte Frau Müllner,

    „Das Genom verrät: Er hat ein hohes Risiko für einen frühen Herzinfarkt und hohe Cholesterinwerte. Zu schade.“

    Abgesehen von der Ungeheuerlichkeit, sein Dating heimlich zu testen (was sagt denn da Dr. Dr. Erlinger von jetzt.de dazu …) ;-),
    ist ein Mannskerl mit schlechten Cholesterinwerten und Herzklabaster-Risiko dennoch nicht gleich ‚weg zu werfen‘. WTF! Wenn er Manieren hat, Geld, romantisch ist und die Frau ehrlich mag, dann ist das bereits Jackpot heutzutage, gibt es in dieser Kombination kaum, Alphonso knows.

    Sachma. Kann Frau ihr Date nicht mit Olivenöl, meditaerraner Küche und guter Butter päppeln und ihn aufs Fahrrad scheuchen ;-) Tss, diese Wegwerfmentalität nur wegen ein paar gleicher Allele …

    Schonschon, das gesund Päppeln und damit seine Epigenetik stückweise zu verbessern ist – ebenfalls – ähm übergriffig. (Haben Eheleute in den vergangenen Generationen aber schon immer so gemacht: Den Mann oder die Frau zum Arzt mit nettem kleinen Arschtritt geschickt, sonst geht er/sie nie; der Suppe vor dem Servieren die Fettaugen abgeschöpft; keine Haxn mehr gekocht; die Torten gestrichen; ihm/ihr ein ‚gesundes Wochenende‘ gebastelt, etc.pp.)

    Dennoch: Jede/r hat das Recht so ungesund zu leben wie er mag, ohne vom Date und späteren Lebensgefährten dreingeredet zu bekommen. Sonst Mutter-Sohn-Verhältnis. Kills love.
    Doch das Hauptübel ist ja bereits geschehen: Ihn/sie ohne seine Einwilligung zu testen. Big ethic fail. Also eh schon wurscht …

    „Mit einer großen Macht kommt eben eine große Verantwortung.“

    Zu flach dieser Satz.
    Da häte ich mir einen besseren letzten Satz gewünscht.

    Da der ‚Mensch in seinem Inneren immer ein Lump ist‘ und gewesen ist (Schauspieler Christian Kohlund sagt das zumindest über die Menschheit in einem Interview), gehe ich davon aus, dass der Mensch ohne Regularien mit Garantie damit Blödsinn treibt, Kohle damit versucht zu scheffeln auf Kosten anderer und das Selbstbestimmungsrecht anderer mit ziemlicher Sicherheit missbrauchen wird. Wie das launige Beispiel mit dem Zahnbürstentest des Lovers zeigt.

    Vielleicht ist das Testen übers Internet aber eh ein gescheitertes Konzept:
    http://www.wissensschau.de/genom/gentest_anbieter_kosten.php
    Immerhin …

    Dann muss man sich wenigstens damit keine Gedanken mehr machen, als Date per Zahnbürste oder angesabbertes Trinkglas übers Internet heimlich getestet zu werden. Ein ‚reg dich nicht dauernd auf, Schatz‘ und ‚rauch‘ nicht so viel‘ zum Liebsten dürfte dann wieder reichen. Ein Hoch auf die (leider) übergriffige, gut gemeinte – a bisserl, ja mei, egoistische – Liebe/Fürsorge statt auf die von Anfang an kalte Berechnung und Kicken. Erst der Kick und dann das kalte Kicken, weil DNA-Test nicht passt, nene.

    Diese Optimierer, die jedes Lebensrisiko ausschalten wollen, sind selbst ein Risiko. No risk no fun. Ein völlig Gesunder mit perfekten Genen kann sich mit dem Lamborghini derhutzen. Morgen schon. Oder als Gauditripp mit dem Dreirad des Jüngsten aufs Pflaster geknallt, hats alles schon gegeben. Man muss auch nicht unbedingt glamourös in der bösen Isar ersaufen, auf einem Teller mit ähm Suppe eingenickt reicht schon um zu ertrinken. Man lese die Sieger des Darwin-Awards …

    Was die anderen Szenarien betrifft, da bin ich größtenteils bei Ihnen.
    Krebsregister und derartiges für die Forschung sind eine wunderbare Sache. Wenn sie anonym bleiben.

    • Danke Anna Müllner, Danke Don
      Danke für den aufschlussreichen Text!

      Ein sehr interessantes Thema (musste natürlich sofort an Frank Schirrmachers Big Data denken).

      Danke auch für die erfrischenden Gedanken der Leser. Und so sehr (!) mir Ihr Herangehen lieber ‚der andere Gast‘ gefällt, so doch die Frage, ob Sie nicht eben etwas unterstellen, was die Autorin gar nicht anregte, sondern schlicht als möglich und gegeben vorstellt. Es geht sogar nach meiner Meinung an der Intention des Artikels vorbei, wenn angenommen wird, man solle seinen sympathischen Begleiter der Nacht gleich testen (da fällt mir als jemand mit einer Autoimmunkrankheit auf Grund einer Sclerosus sofort ein, dass mich viel mehr interessieren müsste, ob der andere übrtragbare Krankheiten hat). Aber Sie wissen doch wie es ist, lieber anderer Gast: Was möglich ist, wird passieren. Anna Müllner will uns nur mitteilen wie die Situation diesbezüglich gestaltet ist. Und ich bin ihr dafür dankbar, denn Sie weiß es auf Grund ihres Wissens (das hört sich schräg an, ist es aber nicht – Wissen wird ‚geschaffen‘ und erworben, und beides auch auf Grund von Leistung) mehr als ich bzw. kennt sich aus (meinte recht schnell annehmen zu können, dass Sie vom Fach sind, liebe Anna). Und sie hat das Herz am rechten Fleck, denn ihr ist nicht gleich, was sie an Gefahren sieht. Wir müssen uns doch damit auseinandersetzen, was die neuen Möglichkeiten mit sich bringen (übrigens schon sehr schön in https://de.wikipedia.org/wiki/Gattaca angesprochen – ein aus vielen Gründen sehr sehenswerter Film).

      Es ist sicher nicht nur eine „deutsche Debatte“, aber es ist wie immer: Wir haben nun mal unseren Teil dessen zu regeln. Also als Deutsche. Und uns zudem darüber zu verständigen, was insgesamt zu besprechen ist (sehen Sie sich mal die Wikiartikel über die Regelungen von gemeinsamen Zeiten und Frequenzen aus der Zeit des Beginns von Radio-, Eisenbahn- und Flugwesen an – als mitunter verfeindete Staaten miteinander sinnvolle Regelungen treffen mussten, weil das Bedürfnis nach diesen Techniken, und die Techniken als solche, solche Regelungen unbedingt verlangten). Da wäre auch international viel zu debattieren und ggfs. zu regeln.

      Der Artikel hat mir ins Bewusstsein gerufen, dass Fluch und Segen diesbzüglich noch debattiert werden müssen. Ebenso wie sittliche und moralische Aspekte. Und dass, und das ist vermutlich besonders wichtig, so etwas wie allgemeine Aufklärung darüber günstig wäre. Also, dass klar ist, was diese neuen Angebote können. Also z. B. welche Bedeutung z. B. den Analysen beizumessen ist. Denn das haben Sie sicher recht, lieber anderer Gast: Damit kann man auch anders umgehen, als: Wird vielleicht krank, aber die Wahrscheinlichkeit nimmt mir allein jede Lust noch mehr über den anderen zu erfahren oder mit ihm zu erleben? Wozu solche Partnerschafts-Eutanasie? Es ist nicht einfach jemanden zu finden, mit dem man sich wirklich gut versteht und mit dem man es gut gemeinsam aushält. Das würde ich mir nicht von einer windigen ;) Gen-Analyse ‚aus dem Internet‘ ;) kaputt machen lassen. Und Dank Frau Müllner wissen wir aus dazu berufenem Mund (sie als Fachmann), dass Test u. a. verschieden ausfallen können.

      Doch, soetwas lese und lerne ich sehr gern.

      Kleine Frage an Anna Müllner noch: Wo Sie sich auf ihren Vater beziehen, stutzte ich. A)* Wer ist Ihr Vater bzw. was sagt mir das, dass das Ihr Vater ist, der das sagte? B) Kann man es inzwischen für Allgemeingut halten, dass die Genmenge von Mensch, Maus oder Fliege, wie man es oft hört (zuweilen werd diesbezügliche auch Affen genannt), nicht sehr unterschiedlich sind? Gut, auch ich habe damals (es ist ja nun schon ein Weilchen her, dass wir Menschen das wissen – also wissen können) etwas gestaunt. Mich aber sofort gefragt, warum mich das Staunen lassen soll. Pläne können gleich groß sein, aber für unterschiedliches vorgesehen sein (das gilt nicht nur für Konstruktions-Pläne, sondern sogar bei Stadtplänen). Es würde uns aber weniger staunen lassen, wenn wir hörten, der Plan der Fliege, also ihre DNA, ist kürzer. Oder die des Affen, die wir ja nicht sein wollen (in unserer Mühe mit der menschlichen Besonderheit klar zu kommen). Es würde uns logisch erscheinen, dass die DNA ‚der anderen‘ einfacher ist, als bei so einem komplexeren (?!) Wesen wie uns, dass doch so viel mehr erschaffen kann (mit all seinem für und wider).

      * wenn ich coache, dann verwende ich auch hin und wieder Weisheiten meiner Großmutter, und sogar welche von meiner Mutter. Überhaupt lässt sich mit Lebensweisheiten viel erreichen, weil diese stellenweise „Andockpunkte“ bei dem anderen darstellen. Wenn ich da Oma erwähne, dann erzeugt das Patina des Erfahrenen, und es stellt natürlich eine Bezug zu dem Coach dar, denn man merkt sicher, dass ich meine Großmutter besonders liebe (auch wenn sie schon lange gestorben ist). Also, dass es mir etwas bedeutet, was sie sagte. Und ich noch keinen Anlass fand, dass zu verwerfen, sondern es wertvoll ist. Mithin (und dadurch können Sie meine Ausbildung erkennen, bin aber kein typischer, haha) verwende ich auch Verwandte, aus ähnlicher Intention. Aber ich habe leider dennoch nicht verstanden, warum sie diesen Satz so schreiben. Sehen Sie mir nach, dass ich auf diesen kleinen Umstand hinweise. Und das auch, weil ich Ihre Anliegen schätze und hoffe, dass Sie diesen Artikel bzw. Folgeartikel auch woanders unterbringen können.

      Wir müssen schon darüber reden, was es bedeutet, wenn überall Daten erhoben, verbunden und ausgewertet werden können (als Rechtssoziologe habe ich eine gewisse Vorstellung davon, was auch bei Auswertung und Daten-Interpretation alles schief laufen kann). Wer kann es wie nutzen und welcher Schaden kann entstehen. Wo sind Gefahren.

      Vielen Dank und noch eine weitere fruchtbare Debatte!

      (Die Fotos sind phantastisch – bin bei jedem kurz hängen geblieben. Wenn ich mich nicht irre, ist die Auswahl zudem etwas anders, al

    • Titel eingeben
      dem anderen Gast stimme ich zu Frau Müllner, verachten Sie die Kranken und Alten nicht.

      Patriarchy weiß schon zweitausend Jahre: „Phileros, schon begräbt dein Feld die siebente Gattin. Mehr kann keinem sein Feld tragen, Phileros, als dir.“ Oder „Paula begehrt mich zu frein; ich will sie nicht zur Gemahlin; Paula ist mir zu alt; wäre sie älter, ich wollt’s.

      Im Original Nubere Paula cupit nobis, ego ducere Paulam, Nolo: anus est. Vellem, si magis esset anus

      Drum lernet von den Männern Ihr Damen, werdet berechnend und klug wie die Schlange.
      Hat hier jemand Ann Nicole Smith gesagt?

  4. Big Data und keine Kontrolle oder doch
    Zumindest liegt die Kontrolle nicht bei uns, ist auch nicht gewollt, wäre ja noch schöner. Die Kontrolle üben ganz andere Leute aus, die uns dann in nicht allzu ferner Zukunft sagen werden, wie wir doch bitteschön zu leben haben. Huxleys schöne neue Welt bietet ja schon mal einen Ausblick, wie es sein könnte und wohl von den Eliten oder die, die sich dafür halten, angestrebt wird. Der Chef der TKK meinte ja kürzlich, alle sollten ein Gesundheitsarmband tragen, er trägt gleich zwei, weil’s so schön ist, denn man könne dann ja z.B. einem Depressiven, der plötzlich ein auffälliges Verhalten zeige, zarte Hinweise geben, wie er sich bitteschön zu verhalten habe.

    Dass man in der Krebsforschung zwar bezüglich Blutkrebs und Genome in den 80er Jahren Fortschritte erzielte, ist eine Sache, die andere ist, dass man noch immer nicht so richtig weiß, wie das ganze Drama um diesen oder jenen Krebs nun wirklich funktioniert. Das hat Siddhartha Mukherjee in „König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie“ sehr deutlich herausgearbeitet. Warum die Krebszellen der Patientin Zero noch immer wachsen, seit Jahrzehnten nichts anderes tun und Labore weltweit damit forschen, ist ebenso unergründlich wie vieles andere zu diesem Thema. Vorsorge, Mammografien, alles gut und schön und trotzdem wenig hilfreich.

    Krebsregister werden allenfalls einen Überblick liefern, vielleicht familiäre Häufungen zeigen, warum dieser oder jener gerade an dem Krebs erkrankt, eine Lösung des Problems bieten sie nicht. Sie sind ein Teil von Big Data, dem Rohstoff des 21. Jahrhunderts, von Merkel Industrie und Verlegern warm ans Herz gelegt, auch wenn sie von Neuland anscheinend noch immer keine Ahnung hat, aber immerhin von einer neuen Weltordnung träumt.

    Die Aussage: „ein erhöhtes Risiko für die großen Volkskrankheiten sollte uns doch zum Nachdenken bewegen“, sollte man relativieren. Ist es nicht so, dass viele der heute sogenannten Volkskrankheiten erst entstanden sind, nachdem die Pharmaindustrie erkannte, dass sich mit dem Propagieren solcher jede Menge Geld verdienen lässt? Hoher Cholesterinwert geht gar nicht? Heute sieht man das schon wieder anders. Gleiches geschieht z.Z. mit Diabetes, plötzlich sind Millionen an Diabetes erkrankt, nur weil die Industrie es für opportun hält und sich weitere Gewinnchancen ausrechnet.
    Die WHO stellt in Verbindung mit Pharmalobbyisten Normungen auf, denen wir zu entsprechen haben. Gestorben wird aber zum Glück nach wie vor, selbst bei Huxley hatte niemand das ewige Leben.

    • Titel eingeben
      Die Behauptung, die Pharmaindustrie sei die treibende Kraft hinter zahlreichen „Volkskrankheiten“ wird durch stetiges Wiederholen nicht richtiger. Erhöhte Blutfette sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist auch nicht gesund. Ebenso ist auch ein hoher Blutdruck ein Risikofaktor und die SPRINT Studie hat recht eindrucksvoll gezeigt, daß 120 mmHg als Ziel durchaus sinnvoll ist.

      Gerade im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung ist so etwas sehr wichtig: wenn wir den Blutdruck aller im Durchschnitt um 5 mmHg senken, dann reduziert sich die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ganz grob um 5% – das mag dem Einzelnen vielleicht egal sein, aber bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind das sehr viel. Wenn man durch „Big Data“ bessere Daten erhält und damit mehr für die Primärprävention von Krankheiten machen kann, so wird sich das eben auch positiv auf die Bevölkerung auswirken – egal ob sich das um verbessertes Screening, Änderung des Lebensstils oder vorbeugende Behandlungen handelt.

      Insofern ist eine solche Datensammlung durchaus sinnvoll, denn sie gibt die Möglichkeit bessere Vorbeugemaßnahmen zu entwickeln. Aber letztendlich ist das eine Entscheidung der Gesellschaft, was sie erreichen will – und wie wichtig die eigene Gesundheit ist.

    • Gux Gux, Sie vergessen das Alter
      und erhöhte Blutfettwerte und das sogenannte gute Cholesterin sind unterdessen schon wieder ganz anders angesehen. Aufgebracht wurde die Diskussion darum seinerzeit von der Pharmaindustrie, auch zur Freude der Nahrungsmittelindustrie, die sich ebenfalls goldene Nasen verdiente. Sie können das leugnen, ich sehe es anders.

      Beim Blutdruck dürfen Sie das Alter nicht vergessen. Ich habe quasi ein Leben lang 90/60 gehabt, heute liege ich bei 130-140/60-80, also für mein Alter im grünen Bereich.

      Erhöhte Blutzuckerwerte, tja, wie hoch bzw. niedrig hätten Sie’s denn gern? Sicher gibt es Fälle, die unerkannt und beschwerdefrei durch die Gegend laufen, nur ist der neueste Trend halt der, überall Diabetes zu wittern, wo keiner ist. Das wären dann mindestens 6 Mio. potentielle Patienten mehr, wenn das kein Argument ist.

      Sie scheinen noch recht jung zu sein, dass Sie Big Data so gelassen sehen. Ich hingegen sehe in meinem Alter alles andere gelassen und meinen Arzt nur ungern und äußerst selten. Je öfter ich ginge, umso kränker würde ich, denn es gibt keine Gesunden, die sind alle nur noch nicht richtig untersucht worden.

    • Selbstoptimierer
      Es ist nichts so perfekt, dass man’s nicht noch ein bisserl* optimieren könnte. Der Boss der TKK hat noch zwei Fußfesseln frei …

      * wurde autokorrigiert in Busserl

    • Jugend
      Renate – Jugend ist etwas sehr relatives; absolut gesehen bin ich aber wohl nicht sehr jung; ich verwende „big data“ für meinen Beruf – bei dem es Hauptsächlich um Gesundheitsvorsorge geht. Insofern bin ich natürlich ein wenig voreingenommen, da gebe ich Ihnen gerne Recht.

      Aber: ich habe im Laufe der Jahre gelernt, daß es einen großen Unterschied zwischen der Einzelperson und ganzen Bevölkerungsgruppen gibt. Die vorhandenen Daten zeigen, dass ein Blutdruck von 120 (oder niedriger) erstrebenswert ist – ein höherer Blutdruck geht mit einem erhöhten Risiko einher; ebenso mit Blutfetten. Natürlich ist das eine sehr grobe Methode – man schert alle Menschen über einen Kamm: aber genau das wird sich durch bessere Daten hinsichtlich Genotyp und Phänotyp ändern, denn dann kann man deutlich personalisierter Informationen geben.

      Es geht doch auch um die Frage, wie früh man mit Prävention beginnen soll: soll man bei einem Blutdruck über 120 bereits etwas machen, oder erst bei 140 oder 160? Soll man einen Nüchternzucker von 6 schon als Vorbote von Diabetes ansehen (und Gegensteuern), oder warten? Je länger man wartet, desto eher kommt es zu bleibenden Schäden – aber je eher man interveniert, desto größer ist das Risiko von falsch-positiven Diagnosen. Also: was macht man? „Big data“ kann dabei helfen, hier bessere Empfehlungen zu geben.

    • Gux Gux, Sie vergessen bei Ihren Überlegungen die
      genetische Veranlagung des Einzelnen. Bei mir sind Blutfettwerte und irgendwas war’s noch, genetisch bedingt, immer ebbes hoch, wobei mich das nun absolut nicht interessiert.
      Anfragen der Sprechstundenhilfe, wenn ich einmal im Quartal mein Rezept für die Asthamsprays hole, ob man nicht mal wieder ein Blutbild machen solle, kontere ich mit, interessiert sie das wirklich, also mich nicht.

      Den Brutdrucksenker habe ich abgesetzt, was nützt es, den Druck gleichbleibend bei 140/80 zu halten, wenn ich ohne Medikamente ungefähr bei 132/70, nachts oft elend weit drunter liege und endlich den dösigen Husten wieder los bin.

      Was den morgendlichen Zuckerwert angeht, auch der schwankt doch, je nachdem, was man am Abend vorher zu sich genommen hat. Da präventiv zu agieren, halte ich für Blödsinn, sorry, aber das ginge mir persönlich echt zu weit.

      Ich esse täglich Gemüse, helles Fleisch, Butter, längst wieder Salz, nachdem meine Fußvenen krampften, dass es keine Freude mehr war und Salz dagegen half, rauche, trinke in Maßen Alkohol und trete Sonntag ins 8. Lebensjahrzehnt ein. Eines ist gewiss, ins 9. werde ich nicht kommen, da habe ich vorgesorgt.

      Seien Sie versichert, alle Prävention rettet Sie nicht vor dem Tod, garantiert nicht. Was ich ebenso wenig erstrebenswert finde, ist ein elend hohes Alter. Waren Sie mal in einem Pflegeheim? Das kuriert einen von dem verträumten Wunschdenken, Altern sei schön.

    • Die Pathologisierung der Gesunden
      @guxgux
      @Renate Simon
      Ich denke man kann nicht bestreiten, dass es gerade im amerikan.System eine Neigung gibt, Grenzphänomene des Gesunden zu pathologisieren. Gut ließ sich das vor Jahren an der Erweiterung der Klassifizierung zur Diagnose der (behandlungsbedürftigen!) Depressionen beobachten: da wurde dann flugs jede Melancholie und jede Trauerreaktion, die über 4 (6 ?) Wochen dauert, als behandlungsbedürftige Depression stigmatisiert.
      Und da fragt sich dann der praktisch tätige Arzt schon, wem nutzt das? Dem einzelnen Menschen sicher nicht! Teilen der Industrie schon eher. Aber denen nutzt auch der Drang der Leute zu brain enhancement und auch der Drang der Laiensportler zu Nahrungsergänzungsmittel etc.

      Die Krankheiten des metabolischen Syndroms sind da aber wirklich ein eher schlechtes Beispiel, Frau Simon. Denn die hängen ab von der Lebensweise und der genet.Disposition. Hier könnte man eher nach Verbindungen zwischen McDonalds und der Pharmaindustrie suchen (die es sicher nicht gibt)- aber es reicht auch, die Dummheit der Menschen für eine bequeme Lebensweise als Ursache anzunehmen.

      „es gibt keine Gesunden, die sind alle nur noch nicht richtig untersucht“ – Damit liegen Sie gar nicht so falsch, Frau Simon!
      Ich habe die Zahlen nicht mehr so genau parat, aber so ungefähr: Wenn Sie 4 Laborparameter erheben, sind ca 15% der Bevölkerung bei einem der Befunde ausserhalb des Normbereichs (also „krank“). Bei 10 Tests sind es dann schon fast 80%. Und natürlich sind die wenigsten davon wirklich „krank“!

      ABer genau da sind wir dann bei den hier im Artikel angesprochenen Verheißungen der neuen „Medizin“: gesünder , länger, besser, froher…

      Die GEsundheitsdefinition der WHO ist dergestalt, dass sie utopisch und quasi eschatologisch ist- danach ist KEINER gesund!
      Und wenn ich vor einer Sache Angst habe, dann vor der Verbindung von Utopie mit Wissenschaft. Das hat bei Bacons Nova Atlantis noch funktioniert, aber spätestens seit Shelleys Frankenstein müsste klar sein, dass die Folge dieser Utopien Dystopie ist und dass letztere einfacher real wird als die hohen Hoffnungen ersterer.

      Tut mir leid wegen der Länge

    • Titel eingeben
      Frau Simon, um die genetische Veranlagung geht es u.a. in diesem Artikel – um etwas über die genetische Veranlagung herauszufinden benötigt man entsprechende Daten, und dann kann man auch deutlich bessere und genauere Empfehlungen aussprechen. In Ihre Argumentation hat sich jedoch ein kleiner Fehler geschlichen: Sie vermischen allgemeine mit persönlichen Empfehlungen. Eine Richtlinie, sei es für Blutdruck oder Blutfette, kann sehr selten auf individuelle Besonderheiten zugeschnitten werden – dafür gibt es Ärzte die entsprechende Empfehlungen umsetzen. Bei der Entwicklungen von Empfehlungen oder Richtlinien geht es um das Risiko der Gesamtbevölkerung – nicht um das des Einzelnen.

      Was die Prävention angeht: wie ich bereits geschrieben habe, das ist eine Frage, die eine Gesellschaft selbst beantworten muß. Wenn das eigene Verhalten Auswirkungen auf andere hat, dann ist es aber wichtig, daß man sich darüber Gedanken macht – sei es, weil andere gefährdet werden (z.B. bei Infektionskrankheiten), sei es, weil Kosten verursacht werden.

      Ich lebe in einem Land (UK), in dem das Gesundheitswesen ausschließlich durch Steuern finanziert wird – dementsprechend gibt es auch ein großes Interesse an Möglichkeiten zur Primärprävention. Aber wie gesagt – das ist eine politische Frage und keine wissenschaftliche Frage.

    • Herr Feldmann, da bin ich ganz bei Ihnen
      was man hinsichtlich der Dauer einer Trauerarbeit verzapft hat, ist nun wirklich jenseits allen guten Denkens. Länger als 14 Tage ist fast schon pathologisch… Ich habe um meinen Mann sehr intensiv 7 Monate getrauert, dann entdeckte ich die Kommentarfunktion der FAZ, die mir half, aus der Schleife ein wenig rauszukommen, was nicht heißt, dass die Trauer nicht doch immer wieder zuschlug. Grundsätzlich bin ich soweit zu denken, dass Trauer ein gut Teil Selbstmitleid ist, dem Toten geht’s doch prächtig, er fehlt halt und das ist auch Egoismus. Trauer ist Arbeit, vor allem an sich selbst und das braucht seine Zeit.

      Das mit den ganzen Ungesunden sagte mir ein alter internistischer Onkologe, der es ja wissen musste. Ob die neue Medizin aber wirklich allein oder überhaupt seligmachend ist, werde ich zum Glück nicht mehr erleben, ich hätte selbst in jüngeren Jahren kein Verlangen verspürt, das auszuprobieren.

      Mir waren immer die Ärzte lieb, die ich nicht sah. Mein Verhältnis zu Medizinern ist durch sehr grenzwertige Erfahrungen seit dem ersten KKH-Aufenthalt 1971 arg gestört, seitdem mache ich möglichst einen großen Bogen und kranksein geht gar nicht. Mir geht es vielleicht manchmal nicht gut, aber ich bin nie krank. Das würde ich mir nicht zugestehen und fahre damit sehr gut.

    • Gene trauern nicht.... (also die Neuauflage jenes Simmel: Niemand ist eine Insel)
      Liebe Frau Simon,
      die Leute machen die Spielbreite des Menschlichen immer zu eng und wundern sich über das Ergebnis. Trauer, Trennung lernen, auch Verliebtsein und noch mehr Lieben sind existenzielle essentielle Aufgaben. Da hilft ein guter Gensatz- gar nichts.
      Und bei jedem sieht das anders aus. Zumal die Normierungen in der Medizin wie Gux Gux oben richtig anmerkt dem Einzelnen nur bedingt dienen.
      Medizin ist ja im Wesentlichen eine Defizit-Lehre und die Lehre vom Umgang mit dem (gefühlten) Defizit.
      In keiner Weise ist Medizin die totale Lehre über den Menschen. Insofern sollten auch die ganzen medizinalen Bürokraten (bspw.WHO, aber auch national!) sich mehr die Differenz zwischen den Utopien ihrer Schreibtischplatten und der runden Welt klar machen.

      Ich fand übrigens Ihre Kommentare bei der FAZ schon vor Jahren sehr deutlich und zustimmungsfähig und dachte mir, zum Glück, Du bist nicht der Einzige, dem das alles hier verdächtig aufstößt. ( An der Naivität in meinem direkten Umfeld bin ich zu der Zeit tlws. echt verzweifelt)
      mfG Pf

  5. Die Datenschutzdebatte ist in ihrer Intensität eine ziemlich deutsche Debatte
    und nicht nur mir scheint, potentielle, bisher nicht realisierte Gefahren, stünden in keinem Verhältnis zu dem gesellschaftlichen Nutzen von Datenauswertung. In der Medizin wie in den empirischen Sozialwissenschaften sind Daten häufig dann erst wirklich nützlich, wenn sie theoretisch (auch) den Rückschluss auf ein Individuum zulassen. Letztlich ist die Entscheidung Datenschutz versus Datenauswertung ohnehin eine, die eine deutsche Gesellschaft zwar alleine und für ihr Staatsgebiet treffen kann. Was aber nicht verhindern wird, dass Deutsche dann eben nützliche Datenleistungen (genetischer Vaterschaftstest anyone?) woanders kaufen werden.

    Was das Designerbaby angeht, bitte niemand erschrecken: Wir werden es natürlich tun, sobald es sicher möglich wird. Was denn sonst? Warum sollte die (inzwischen extreme) Anpassung der Lebensumstände an unsere menschlichen Wünsche und Bedürfnisse ausgerechnet an unserem Körper (oder geistigen Vermögen) haltmachen? Nicht sehr wahrscheinlich und möglicherweise nicht einmal wünschenswert …

    Interessanter Einblick aus einem der interessantesten Forschungsgebiete überhaupt. Passt auch wirklich haargenau zum Blogtitel „Deus ex Machina“.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Gibt’s noch ein andere Killerkeule wie ‚ziemlich deutsche Debatte‘? Gähn.

      Rückschluss aufs Individuum nötig.

      Wirklich?
      Welchen Mediziner interessieren Sozialkennnummer, Name und genaue Adresse wie Straße, Hausnummer, Arbeitgeber, Bankkonto.

      Es muss reichen Region, Alter, Gewicht, Blutdruck, DNA etc. die man auf ein potenzielles Individuum zuschreiben kann. Natürlich kann man versuchen, durch Quer-Rückschlüsse von Alter, Region, Gewicht, DNA die Adress-Daten und Namen der genauen Person zu ermitteln, aber außer eine biologische Vaterschaft herauszufinden zu wollen. Oder Massentypisierungen für Stammzellenspenden (gesetzlich zweifelhaft, sie sollten auf freiwilliger Basis bleiben), sehe ich keinen vertretbaren Grund.

      Und gesetzlichen Krankenkassen und Arbeitgebern möge bitte der Schnabel richtig trocken bleiben.

      Dass die TKK mit dem Deppen-Fitnessarmband voranprescht, war ja wieder klar. Sie hat viele Mitglieder in technischen Berufen, die werden das schon supi-toll finden, nedwoahr. So öffnet man geschickt die Schleusen. War leider selbst auch mal drin in dieser Kasse.

      Und dass man etwas tut, because you can (Designerbaby) und daher Sträuben vollkommen sinnlos sei, ist gar nicht zynisch, oder.

    • Zynisch? Nein. Nur realistisch.
      Abgesehen davon schreckt mich die Vorstellung auch nicht sonderlich. Der Mensch ist in seiner heutigen Verfassung ein ziemliches Kunstwesen, die Natur hat er mit der Beherrschung des Feuers schrittweise aufgegeben. Warum ausgerechnet Eingriffe an Körper und Geist davon ausgenommen werden sollen, erschliesst sich mir nicht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Designerbaby
      Ich habe kein Problem mit Designerbabys. Wir müssen nur eine Debatte darüber führen bevor wir es tun und uns informiert dafür entscheiden was, wann und wo.
      So ist es auch mit den biologischen Daten im Allgemeinen. Die sind kaum zu verheimlichen, aber wir müssen wissen wie wir damit umgehen wollen. Und wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht in die falschen Hände kommen.

    • No, we now have discrimination down to a science.
      Geehrte Frau Müller,

      wir müssen keine Debatte führen über das wie, wo und wann. Wer soll das denn bitte entscheiden? Wer ist dazu berufen, über das Sein und Nichtsein von gewünschten Babys zu entscheiden? Und selbst wenn, wer sollte dass dann durchsetzen, eine wie auch immer geartet Entscheidung? Die US-Army? Die UNO? Die CIA? Die Bilderberger?

      Die Designerbabys werden kommen, weil alle eins haben wollen.

      Die wirklich wichtige Frage ist die, was dann mit den anderen Babys geschieht.

    • Frau Müllner, Designerbaby
      Sie haben vielleicht kein Problem damit, aber das ist Ihr persönliches Empfinden. Denken Sie vielleicht mal an das Kind, das nach Elternwünschen designt wurde, wie soll es mit dem Wissen darum umgehen? Wir haben doch schon das Dilemma der mit Spendersamen gezeugten Kinder, die ihre Väter suchen. Was soll ein Designerkind einmal suchen gehen, das Reagenzglas, in dem es designt wurde? Die Debatte finde ich einfach krank, tut mir leid.

    • "Designerbaby" Der Schatten der Eugenik
      ist, dass alle Dysgenik damit zur Schuldfrage wird, Frau Müllner.

      Konkret muss sich heute schon jede Mutter rechtfertigen, wenn sie zu ihrem Kind mit Down-Syndrom steht („das hätte man doch mit der Fruchtwasserdiagnostik vermeiden können“).

      Letztlich wird die Frage nach dem Menschenbild zentral- und darin die Frage nach einem lebenswerten Leben.

      Ich stelle mal die steile These auf, dass wir ohne das Pathologische (hier Epileptiker) weder die Paulusbriefe noch Dostojewski hätten!
      Nietzsche könnte man auch noch dranhängen.

      Und dahinter steht die FRage, (ohne Leiden verherrlichen zu wollen) inwieweit Leid uns menschlich macht. Ich erinnere hier mal an E.Levinas, der einer der Wenigen in der Philosophie ist, die den Menschen nicht von der actio, sondern von der passio, dem Erleiden, her konstituiert sehen.

    • Haupts hat recht
      @andere Gast
      Statt Gähnen wäre Nachdenken die bessere Reaktion auf aktuelle Sonderwege der deutschen Mehrheitskultur, etwa grenzenlosen Datenschutz oder unbegrenzte Immigration. Zum deutschen Sonderweg im Datenschutz: Wäre der medizinische Datenschutz für Piloten nicht deutsch entgrenzt, entgegen der EU-Regelung, wäre der Kopilot von Germanwings aus dem Verkehr gezogen worden. 144 Menschenleben für unsere Datenschutzhysterie. Aber das ist nur ein Symptom. Wie oft wird der „Datenschutz“ vorgeschoben, um Intransparenz, Durchstechereien, Privilegien zu schützen. Um den Datenschutz z.B. in einem diffizilen Bereich wie den Genanalysen zwischen Notwendigkeit und Schädlichkeit auszutarieren, sollten Forschungsmittel bereitgestellt werden. Ich interpretiere Müllners Blogbeitrag in diesem Sinne. Datenschützer sind definitiv die falschen Experten. Maximalismus, zumal von Interessenten, ist immer falsch. Das gilt übrigens, man wagt es hier kaum zusagen, auch für Freiheitsmaximalismus. Maximalismus ist der Versuch, einen gordischen Knoten mit einem einzigen Satz zu durchhauen.

    • @ Martin Vetter
      Datenschutzhysterie? Ach nö.

      Der unselige Copilot hätte schon längst aus dem Verkehr gezogen werden können, wenn nur einer oder zwei der unzähligen Ärzte, die er konsultierte, Arsch in der Hose gehabt hätten. Auch die Familie ist nicht gänzlich unschuldig, wusste sie doch von einer Labilität. Wäre ich sein Vater gewesen, hätte ich ihn gehörig in die Mangel genommen, ob er als Depressiver wirklich Passagiere gefährden möchte, wie unverantwortlich das sei. Aber vielleicht hat er das ja, ihn gemangelt. Vielleicht hat der Sohn jedoch sein Befinden vor allen verborgen. Das geht sogar vor engsten Verwandten oder dem Ehepartner. Schon erlebt. Es ist ein Überlebensding, sich in unser Highperformer-Gesellschaft sich nichts anmerken zu lassen, daher sindviel so geschickt darin.

      Ein Arzt hat da andere Möglichkeiten des Sehens.

      Bevor also man irgendwelche übergestülpten System-Regularien geißelt (einen löchrigen Datenschutz kann man ebenso geißeln wie einen, der bestimmten Geschmäckern aus welchen edlen oder verwerflichen Gründen zu eng ist:

      Es ist der Mensch, der damit umgeht.

      Güterabwägung. Notfall erkennen.
      Es gibt den Patientenschutz, die Schweigepflicht des Arztes und das ist gut so. Ist ein anderes Gut abzuwägen, das höher ist als das Recht des Patienten auf Schweigen, muss ein Arzt, ein Psychiater den Notfall erkennen. Der Copilot war bei zig Ärzten, Augenärzten, Psychologen, Psychiatern.

      „Hingegen kann im Vorlauf einer Straftat ein sogenannter Notstand rechtfertigen, die Schweigepflicht zu brechen – sofern also eine Straftat verhindert werden könnte.“

      Quelle: https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/gesundheit/966/schweigepflicht-wann-aerzte-davon-entbunden-sind/

      Also bevor wieder alles volldynamisch totgeregelt wird – diesmal in die andere Richtung – und der Patientenschutz aufgehebelt wird, muss ein Arzt als erkennender Mensch handeln. Und nicht wie ein braver Papiertiger.

      Leider sind viele welche. Papiertiger.
      Bessere Kaufleute als Ärzte. Kaufleuten gefallen Regeln, in welche Spalte hinein sie was auszufüllen hätten. Ein Arzt muss mehr Hirn und Arsch haben. Nur weil Ärzte einen Notfall nicht erkennen oder nicht erkennen wollen und sich hinter vermeisntlichen Paragraphen verschanzen, sehe ich keinen Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    • @Feldmann/Simon: Sie könnten beide "Recht" haben.
      Im Sinne von bedenkenswertes und gewichtiges Argument.

      Nur hilft das in solchen Fragen nicht (und hat noch nie geholfen). Wenn es machbar ist und eine ausreichend grose Zahl von Leuten es will, dann wird es gemacht. Entweder in oder halt ausserhalb Deutschlands.

      Und der Wunsch der meisten Eltern nach gesunden, gutaussehenden und intelligenten Kindern spielt sich nicht im Bewussten ab, also erreichen Sie diesen Wunsch mit Argumenten gegen Designerbabies überhaupt nicht. Man kann diesen Wunsch und seine Realisierung nur in geordnete Bahnen lenken, verhindern wird man gar nichts, mit wievielen guten Argumenten auch immer.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Was möglich ist, wird auch gemacht?
      Das ist grober Unfug. Die ganze vorgeburtliche Diagnostik wird einem regelrecht aufgezwungen; ganz sicher würden das viele Frauen von alleine unterlassen, würden sie nicht regelrecht dazu genötigt (ich habe mal angedeutet, aus Zeitmangel die FA-Praxis ohne Mutterpass zu verlassen. Die Angestellten sind hysterisch geworden; ich könne doch nicht ohne den Mutterpass auf die Straße!! Schließlich hängen ihre Arbeitsplätze daran, -zig Tests durchzuführen). Dass es immer wieder Bekloppte und ihre Opfer gibt, die gerne eine Freakshow sehen würden, ist ja klar. Aber ohne zwangsinduziertes Bedürfnis wird sich das nicht durchsetzen. Dann bekommt man Kinder, wie und warum man sie schon immer bekommen hat: Weil man sich gerne mit jemandem, der auch nicht perfekt ist, fortpflanzen möchte – und nicht, weil man gerne ein optimiertes Selbst die Welt erobern sähe. Das ist nur was für kranke Gemüter.

    • @ GnM Danke!
      GnM, die Stimme der Vernunft. Aufrichtigen Dank!
      So ist es, wie Sie sagen.

      Von wegen, wenn es möglich ist, tun es alle. So ein blödsinniger Killersatz von solchen Leuten, die nur saudummen Quatsch nachplappern.

      Die Wahrheit ist:
      Für den vorgeblichen ‚Fortschritt‘ ist ziemliches Manipulations-Push-Push dahinter vorhanden.

  6. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass es auch in
    Deutschsprachigentexten keine DNS mehr gibt. Die IUPAC lässt uns beispielsweise Kalium und Wolfram, schreibt sie denn (neuerdings?) die Benutzung von Acid anstelle von Säure vor?

    Ansonsten: Willkommen!

    http://www.scilogs.de/lifescience/ – Ihr Weblogbuch?

    • Frau Amgelin, man erkennt den Arbeitgeber
      und ist ebbes verstimmt. Ich halte mich an das, was ich kenne, das reicht für meine alten Tage.

    • Liebe Renate Simon, auch Leichteverstimmungen sollte man
      ebensowenig wie den Mittlerweileallgegenwärtigenpharmaindustriereizdarm auf die Leichteschulter nehmen.

      Glücklicherweise gibt’s gegen Verstimmungen Stimmgabelwerke (beispielsweise https://www.youtube.com/watch?v=oNrtgNcQfas , https://www.youtube.com/watch?v=4DURTJ1lPqA ).

      Ich bevorzuge daundhingegen etwas, das im Querschnitt Stimmgabeln ein wenig ähnelt: Gläser! Die lassen sich obendrein ziemlich einfach stimmig anpassen: Wasser, Allohol, eine Handvolltabletten…

      http://www.yourepeat.com/watch/?v=T4mX6C_qlDc&start_at=16&end_at=126

    • Liebe Frauke Amgelin, der Reizdarm, ach du liebe Zeit,
      auch so ein Zeitthema wie Gluten und was war’s noch, ach Gott ja die Lactose… Gegen Verstimmung und zur Einstimmung abends nutze ich ebenfalls gern ein Glas oder auch zwei, in der Regel mit Rotwein. Ist der aus, tut’s allemal ein Wodka Pompelmo.
      Singing the light wäre auch nicht meins, während die Ode an die Freude genial ist. Nachspielen werde ich das nicht, das Gläserspülen und Abtrocknen wäre mir einfach zuviel Arbeit. Sie wissen doch, wer Arbeit kennt… usw. Da kann ich nur noch fragen, wie hieß der Leuchtturmwärter von Laboe?

    • Danke
      Ich wollte just das gleiche schreiben. Es darf im Deutschen ruhig bei der DNS bleiben.

    • Dazu bin ich zu sehr Wissenschaftlerin. Wir sagen DNA, die meisten Fachbegriffe kommen aus dem Englischen, da machen wir bei der DNA nicht Halt.

    • Na denn prost, liebe Renate Simon! Aber Gläserabspülenundtrocknen
      muss nicht sein. Lassen Sie die Flüssigkeiten einfach nach und nach verdunsten, versuchen Sie jedoch jeden Tag dasselbe Lied zu spielen, und wenn Sie selbst besonders arg verstimmt sind – rückwärts:

      https://www.youtube.com/watch?v=taD8nDwisDI

      Und wenn Sie mal ein bisschen geübt sind:

      https://www.youtube.com/watch?v=YG3fO_eE5MQ

    • Liebe Frauke, Beethoven rückwärts ist so genial wie Bach vor oder zurück
      oder wie auch immer. Wobei mir MJ rückwärts nicht gefällt, die Grundmelodie ist für mich nicht erkennbar, also wenig genial. Allerdings habe ich MJ immer um den Moonwalk beneidet, ich krieg’s einfach nicht hin.

      Aber ich sehe, dass Ihnen der Leuchtturmwärter ein Begriff ist. Übrigens bin ich nicht verstimmt, allenfalls über die Kälte, die sich ins Gemüt schleicht, mich grauenhaft müde macht, ich verschlafe nur noch die Tage wie ein Murmel, etwas, was ich bisher auch noch nicht an mir kannte.
      Ansonsten wache ich morgens auf, verwundert, ach du lebst ja noch und so mein Auge blauen Himmel entdeckt, geht’s munter aus dem Bett.

  7. Spielverderber
    „Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gezeichnet: erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen geht es um Mißhandlung eines Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, daß die Wissenschaft eine Schranke überschritten hat, die sie hätte scheuen sollen.“
    Erwin Chargaff

  8. Titel eingeben
    Willkommen Frau Müllner,

    der Don hat nicht zuviel versprochen. Die Bilder sind Ihre im selben Stil? Oder Original DA? Der Zahnarzt aus der Hölle muß fast aus dem Fundus Porcamadonna stammen. Die bösen Zahnärzte haben soviel weggesteigert…
    Zu den Gefahren und dem Kommtar Haupts: Ich bin Gegner der Organspende. Die Risiken für (un-)freiwillige Spender und die Verteilungskämpfe um medizinische Resourcen machen mich dazu.

    Inder und Chinesen werden die prenatale Diagnose sicher nutzen. Das Wissen ist nunmal in der Welt und wird nicht mehr weichen.
    Wir sollten diese Designerdiagnosen in Deutschland ausschließen. Wie das Sterben sollte das Werden in Gottes Hand bleiben. Wie soll ein „Elter“ mit der Selektion leben?
    Das sozialverträgliche Ableben in den Niederlanden oder der Schweiz erhöht den Druck auf Schwestkranke, doch endlich Platz zu machen. Wenn es Eskimos aus natürlicher Not taten, so ist es recht. Wir können anderswo sparen.

    • In my opinion, the existence of life is a highly overrated phenomenon.
      „Wie das Sterben sollte das Werden in Gottes Hand bleiben. “

      Jesus, ich bin immer wieder ganz fasziniert von diesem Qualitätsblog.

      In meiner Welt ist alles bestrebt, ganz weit weg von Gott zu gelangen. Ich würde sogar sagen, die komplette Zivilisation definiert sich gerade über die Abgrenzung von Gott. Da muss ich jetzt bitte nicht Nietzsche bemühen, denn ich hatte gehofft, dass in diesem Blog Erklärungen unnötig, da alle eine grundlegende akademische Bildung erhalten haben hätten könnten sollten.

      Whatever, kurz und schmerzvoll:

      Sie sind unsterblich. Wie wir alle.
      Weil wir nicht existieren.
      Weil Keiner das singuläre Wir (vulgo: Ich) definieren kann, was da existieren sollte.
      Wir haben da nur einen Körper und ein Konstrukt von einer Existenz eines Bewusstseinssystems. Und der Wert des Körpers ergibt sich nur aus der Zurechnung zu diesem Bewusstseinssystems. Und die von uns konstruierte Verbindung zwischen diesem Bewusstsein und dem Körper, dass sog. Gehirn ist die somit alles entscheidende Schnittstelle. D.h. das Ende der zu beobachtenden Existenz des Gehirns (vulgo: Hirntod) ist folglich das Ende der Verbindung von Körper und Sein. Und folglich sind dann Organe nur noch Teile eines unbedeutenden Körpers.
      Das mag man nicht schön finden. Aber es ist die gegenwärtige und einzig wirksame Definition dieser unserer Existenz.
      Wer eine bessere hat, der trete vor oder schweige für den Zeitraum der operativen Kopplung von Sein und Bewusstsein.

    • Goodnigt, Hirntod gut und schön oder auch nicht
      Allein die Geschichte des Hirntods gibt Anlass zum äußersten Missfallen und liegt nun in der Verantwortung der BÄK. Nach deren Kriterien reichen allein die körperlichen Unter­suchungen aus, um den „Hirntod“ festzustellen, wenn be­stimmte Zeitabstände zwischen den Untersuchungen eingehal­ten werden. Apparative Dia­gnostik (EEG, Darstellung der Hirngefäße) wird nur „gegebenenfalls“ angewendet. Zur Organentnahme werden die „Spender“, auch so ein Unwort, oft genug angeschnallt und sediert.

      Ich hatte schon in den 70er Jahren einen Organspenderausweis, den ich nach einem TV-Bericht über eine Intensivstation in den späten 80er Jahren sofort zerrissen habe. Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass der Mensch kein Ersatzteillager ist, denn sterblich sind wir über kurz oder lang alle. Operierte Organempfänger sind potentielle Organempfänger, die Transplantationsmedizin ist zu einem Riesengeschäft mit allem denkbaren Missbrauch verkommen.

      War ich zu Zeiten Barnards von der Idee begeistert, komme ich längst zu ganz anderen Schlüssen: Nicht alles, was machbar ist, sollte auch getan werden.

      Ganz ohne Gott, den ich vor 62 Jahren aus meinem Leben ausgeschlossen und diesen Entschluss nie bereut habe. Ich teile auch Melursus Ansicht zur Sterbehilfe nicht, ich wünschte, wir hätten das neue Gesetz nicht bekommen.

    • Leider...
      …sind die Bilder die des Dons. Ich bin nur ein Instagram-Fotograph.
      Ich sehe das alles nicht ganz so schwarz wie es anmutet, aber dennoch haben Sie Recht: Eine Technik die da ist, wird wahrscheinlich genutzt werden.

    • What is the answer to 99 out of 100 questions?... Money.
      @Renate Simon

      Ich erspare mir jetzt den Witz, dass man die Kriterien bezüglich „Hirntod“ bitte mal bei diesen Personen in Berlin anwenden sollte.

      Whatever, mir ist bewusst, dass man, je mehr man sich näher am Tod denn der Geburt bewegt, eine objektive Betrachtung der Existenz einer gewissen emotionalen Blockkarde entgegensteht. Nichtsdestotrotz sollte man der Wahrheit ab und zu ins kalte Auge schauen:
      Die ganze Existenz ist eine Illusion.
      Ebenso die soziale Wertschätzung.
      Und überhaupt jegliche historische Einordnung.

      Vor 8000 Jahren war ein Leben nur ein kurzer Fortpflanzungsakt ganz kurz vor der eigenen Vernichtung.
      Vor 800 Jahren war ein Leben insgesamt so lang wie der Erziehungs- und Sozialisationsprozess der gegenwärtigen Jugend.
      Vor 80 Jahren wäre ein Leben theoretisch länger, wenn nicht millionenfach durch viel fliegendes Metall unterbrochen.

      Gegenwärtig unterliegen wir der Illusion einer Bedeutungszurechnung, die sich insbesondere aus der Konsumfunktion des Individuums im Kapitalismus ergibt.

      Das wird irgendwann nicht mehr sein.

      Vielleicht aber sind wir schneller tot als der Kapitalismus endet.

      Glücklich, weil wichtig.
      Oder doch unglücklich, weil der Verlust umso größer.

      Egal, ein Arzt zieht den Stecker und schon markiert die Krankenschwester die verwertbaren Ersatzteile.
      Für den Kapitalismus.
      Der uns den Sinn gab, ihn uns wieder nimmt, und wiederum in Teilen weiterreicht.
      Amen.

    • Goodnight, und zwischendrin suchen die Leute
      auch noch verzweifelt den Sinn des Lebens, der für mich ganz einfach ist. Geboren werden, die Art erhalten (dem habe ich mich versagt), Brut großziehen und bitte wieder den Abflug machen. Also ungefähr wie vor 8000 Jahren, wer mehr drin sehen möchte, bitte, der mag sich abstrampeln, ich habe da wenig Amibitionen.

      Die Vorstellung, in Berlin mal die entsprechenden Kriterien anzuwenden, ist sehr reizvoll, aber ich fürchte, wir werden keine übermäßige Hirntätigkeit feststellen können.

    • Frau Simon,
      ich kann garnicht sagen, wie sehr ich Ihren Ausführungen zustimme. Muß wohl am Alter liegen. ;-)

    • Sinn des Lebens
      Liebe Frau Müllner, herzlichen Dank für Ihren aufschlussreichen, sehr interessanten Kommentar!

      ***
      @ Renate Simon
      „und zwischendrin suchen die Leute
      auch noch verzweifelt den Sinn des Lebens, der für mich ganz einfach ist. Ge-boren werden, die Art erhalten (dem habe ich mich versagt), Brut großziehen und bitte wieder den Abflug machen. Also ungefähr wie vor 8000 Jahren, wer mehr drin sehen möchte, bitte, der mag sich abstrampeln, ich habe da wenig Amibitionen.“

      Ihre Weltsicht stimmt in etwa mit meiner überein. Dazu führte der Weg des Suchens in den 80er bis 90er Jahren, als ich im Laufe der Jahre ganze Bibliotheken durchlas und mir fortwährend Bücher kaufte, über Themen: Grenzwissenschaften bzw. Parapsychologie, Religionen der Welt, Philosophie bzw. Metaphysik, Psychologie, Bücher von zeitgenössischen Intellektuellen.
      Fazit: Fast überall gibt es beachtenswerte Einsichten und wertvolle Ansätze, die man in einem Potpourri in einen Topf werfen sollte, umrühren, aus dem Chaos das Negative entfernen, um die besten Einsichten in eine Art Meta-Philosophie über den Sinn des Lebens bzw. die Lebenskunst zusammenschmelzen zu lassen. Doch dies vorzustellen fehlt mir die Einbildungskraft. Seitdem denke ich sehr einfach und habe auch keine Ambitionen mehr, die Welt zu erklären, sondern mein Leben zu genießen.

  9. We don't know shit about biology...
    Wirklich gelungener Text, Danke! Aus Berufskrankheitsgründen kleiner Verbesserungsvorschlag: Zitate lieber nicht verändern. We don’t know shit…

    • Ja
      Ich meinte das Zitat aus verlässlicher Quelle zu haben. Aber die hatten auch ein Problem mit der Grammatik.
      Ansonsten: Besten Dank!

  10. die Frage ist allerdings,
    ob diese Art der Forschung nicht neben allem anderen auch blind macht für andere Dinge. Krebszellen haben einen anderen Stoffwechsel, das weiß man aber schon sehr lange. In anderen Ländern wird daher angeblich mit verschiedenen Diäten experimentiert. Davon will man aber dort aus Prinzip nichts wissen, wo man es auf Daten abgesehen hat, mit deren Hilfe man den Krebs bislang jedenfalls – nicht geheilt hat. Die Frage ist auch, ob man – angesichts der Versuchung, die der Zugang zu solchen Daten generell darstellt – überhaupt verraten würde, wenn man es geschafft hätte und den Krebs heilen könnte. Denn damit fiele ja wohl der Vorwand für die Sammelei weg!

    Also grundsätzlich: Man kann bestimmte Forschung, und sei sie noch so gruselig, nicht verbieten, denn sonst verpasst man den Anschluss an die Weltspitze und macht sich angreifbar. Die Devise muss also heißen: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich in eine Richtung, die am Ende Designermenschen produzieren könnte. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es wohl, den ausgelutschten Vorwand „Wir heilen Krebs“ endlich fallen zu lassen.

    • We are all puppets, Laurie. I'm just the puppet who can see the strings.
      Heilige Maria Gottes!

      Was ist die Hauptursache für Krebs?

      Alterung!

      Wir könnten 99.9% alles Krebserkrankungen verhindern, wenn wir den Alterungsprozess aufhalten würden.

      Wären diese Krebszellenforscher auch nur halb so intelligent wie sie meinten sein zu wollen, so würden sie den Schwerpunkt ihrer Forschung aufs Alterungsprozesse legen.

    • Von verbieten...
      habe ich ja nichts gesagt. Es geht um Regulation. Und darum, nicht zu glauben, im Genom läge der Schlüssel für alles. Das geht es genau um Stoffwechsel und Proteine und so weiter.

    • Ich habe
      doch Ihren Text gar nicht kritisiert, Frau Dr. Müllner.

      „Es geht um Regulation.“

      Da müssten wir wohl erst mal fragen, wer und was hier überhaupt zu regulieren sei: Nämlich nicht die normalen Leute, nicht das normale Bedürfnis nach Krebsmedikamenten! Sondern eher wohl diejenigen, die sich dieses Bedürfnis zu nutze machen.

      „Und darum, nicht zu glauben, im Genom läge der Schlüssel für alles.“

      Seltsamer Ansatz, oder – seltsame Formulierung! Dann nochmal einen Sprung zurück: Was kann der Mensch wissen, woran sollte er in seinem eigenen Interesse vielleicht glauben?

      Es gibt im Hinblick auf ein Genom überhaupt nichts „zu glauben“. Man kann etwas darüber wissen. Und dann kann man sich die Frage stellen, welche Aussagen sich denn daraus ableiten lassen. Aber den Begriff des „Glaubens“ oder des „Meinens“ da reinzubringen, ist einfach – falsch. Gefährlich noch dazu.

    • Ich habe auch nicht gesagt, dass Sie Ihn kritisiert hätten.
      In ihrem Kommentar haben Sie zwar recht, ich hatte jedoch nicht ethisch oder gar religiös formuliert. Dazu bin ich als Biologin auch nicht da. Ich kann Sachverhalte erklären, Fakten nennen und sie gegebenenfalls auch bewerten. Was ich sagen wollte war, dass viele Menschen annehmen, das Genom sage viel mehr aus als es eigentlich tut. So wurden seit Verwendung des genetischen Fingerabrucks viele Menschen aufgrund des sogenannten CSI-Effekts fälschlich verurteilt. Die Jury glaubte, wenn die DNA eines Menschens am Tatort gefunden worden war, wäre er auch der Täter. Ähnliche Annahmen finden wir in der Epidemiologie, wo Korrelation oft genug als Kausalität fehlgedeutet wird. Sie kennen das Beispiel mit der Zunahme der Geburten und der zeitgleichen Zunahme an Störchen? Aber der Storch bringt trotzdem nicht die Kinder. Diesen Fehlschluss in der Genetik zu erkennen ist deutlich schwieriger.

    • @ Dr. Müllner
      „Die Jury glaubte, wenn die DNA eines Menschens am Tatort gefunden worden war, wäre er auch der Täter.“

      Bei allem Respekt, Frau Dr. Müllner, die Jury hätte das nicht „geglaubt“, wäre es ihnen nicht von Möchtegern-Wissenschaftlern genau so eingeblasen worden – oder hat die Jury die Schlussfolgerung vielleicht alleine gezogen? Haben Sie eigentlich jemals ein wissenschaftliches Gutachten in der Hand gehabt, das in einem Gerichtsprozess Verwendung fand?

      Ein vorgeblich wissenschaftliches Gutachten so zu manipulieren, dass es plausibel ist (und das ist i. d. R. alles, was man im Rahmen der Beweiswürdigung überhaupt beurteilen kann; sonst bräuchte man keinen „Wissenschaftler“) und dennoch einen Fehlschluss präsentiert, ist sehr einfach. Jahrelang sind in Berlin vorgebliche Brandstifter verurteilt worden, weil ein „Wissenschaftler“ in den Verbrennungsrückständen ein bestimmtes Verbrennungsprodukt gefunden hat und das auf die notwendige Verwendung von Brandbeschleunigern zurückführte. Nun entsteht dieses Verbrennungsprodukt in der Tat, wenn man Brandbeschleuniger verwendet. Es entsteht aber auch sonst fast immer. Es handelte sich mithin um einen Fehlschluss, den er da induzierte. Da hat er entweder aus Dummheit selber geglaubt – oder er ist ein Verbrecher, der arglistig Glauben bei anderen induziert hat, indem er sein Wissen NICHT zur Verfügung stellte. Was immer Ihnen da lieber ist, woran auch immer Sie lieber glauben möchten!

      Doch wie hätten die Richter das erkennen oder nachweisen sollen, was ihnen dieser „Wissenschaftler“ da vorsetzte und sie damit instrumentalisierte, das Leben von Menschen zu ruinieren (die andere Möglichkeit, dass auch noch die mitgespielt haben, mal außen vor)?

      Ich würde sagen, genau diese Grundhaltung unserer schlauen Wissenschaftler, dass „die anderen“, die „Jury“ auf Glauben angewiesen seien, ist die Einladungskarte dafür, eben diesen Wissensvorsprung auszunutzen. Das ist, wie gesagt, ein alter Hut, ohne dass es auf die Verantwortungslosigkeit und die Arroganz dieser Leute mal einen bleibenden Eindruck gemacht hätte.

      Daher würde ich „Wissenschaftler“ auch strikt an die Leine nehmen und Ihnen rundheraus untersagen, Menschen, die auf ihre Hilfe vertrauen, mit falschen Heilsversprechen, wie „morgen heilen wir den Krebs, ganz sicher“ zu tyrannisieren und immer gierigere Forderungen nach Geld und Daten aufzustellen. Am Ende muss man sich zwischen zwei Übeln entscheiden – und die Wissenschaft holt gerade mächtig auf.

    • Das denke, Sie wissen selbst, dass dies eine nicht haltbare Unterstellung an alle Wissenschaftler ist.

    • @Dr. Müllner
      „Das denke, Sie wissen selbst, dass dies eine nicht haltbare Unterstellung an alle Wissenschaftler ist.“

      Möchten Sie sich eigentlich mit dem Problem als solches auseinandersetzen – oder möchten Sie lieber andere dafür verurteilen, dass sie das Problem ebenfalls wahrnehmen, Frau Dr. Müllner?

      Wäre Ihnen an ersterem gelegen, würden Sie nämlich darlegen, wie „alle Wissenschaftler“ das von allein von ihnen verantwortete Problem lösen, dass es nachweislich immer wieder geschieht, dass man den anderen, die Ihrer oben dokumentierten Meinung nach auf „Glauben angewiesen“ sind, unausgereifte Konzepte als Lösung ihrer Probleme präsentiert!

      Selbstverständlich lag es nicht in der Verantwortung einer „gläubigen“ Jury, wie Sie meinen – sondern ausschließlich in der Verantwortung der Wissenschaftler selber, dass die Idee geboren wurde, aus einer DNS-Spur am Tatort könne man darauf schließen, wer der Täter sei. Auch Film und Fernsehen können Sie da nicht entlasten: Hätten die Wissenschaftler nämlich seriös gearbeitet, hätten sie im Gutachten z. B. darauf hingewiesen, dass sie mangels Vergleichswerten beispielsweise gar keine Aussage darüber treffen können, wann die DNS-Spuren ggf. dort platziert wurden. Das gehört selbstverständlich dazu; jeder durchschnittliche Gerichtsmediziner in Deutschland teilt Ihnen beispielsweise doch auch unaufgefordert mit, wenn eine bestimmte Verletzung beispielsweise erst post mortem erfolgte, damit sie bei der Rekonstruktion der Tat nicht in die Irre geführt werden! – Und das sind eben die Dinge, nach denen ein Nichtwissenschaftler selbstredend nicht von alleine sinnvoll fragen kann – denn die exakten Grenzen der Aussagekraft der wissenschaftlich erhobenen Daten kennt ja nur der Experte, dafür ist er ja eben er der Wissenschaftler – und nicht der andere, nicht wahr.

      Und wenn er sie den anderen, die ihn um Rat fragen, arglistig verschweigt und sich hinterher noch mit deren Leichtgläubigkeit kokettiert, dann handelt er eben verantwortungslos und kann sich als erwachsener Mensch auch nicht auf eine dumme Fernsehserie rausreden. Er hat keinen Unterschied gemacht, nur darauf kommt es an.

      Und genauso weiß eben auch kein Mensch außer einem Wissenschaftler, was die Wissenschaftler am Ende des Tages noch so alles mit den Daten anstellen, mit deren Hilfe sie wieder einmal vorgeben, bloß „den Krebs besiegen“ zu wollen. Dem ist auch nicht mit irgendwelchen Regeln abzuhelfen, das hinkt immer wieder hinterher, hinter der Wissenschaft, das liegt in der Natur der Sache.

      Also entweder, die Wissenschaft findet wieder einen Weg, sich wieder vertrauenswürdig zu gerieren.

      Oder es wird früher oder später in der Tat so kommen, dass die Menschen sich wieder auf Dinge zurückziehen, die sie eben gerne „glauben“ wollen, wie Sie es oben im Hinblick auf die Jurys darstellten.

      Ob die Menschen dann aber noch weiter daran „glauben“ mögen, die Wissenschaft hielte irgendwelche Lösungen für sie bereit, das steht wohl in den Sternen.

      Vielen Dank für das Gespräch.

  11. Hervorragende und inspirierende 'Bebilderung eines guten Übersichtsartikels zu
    einem der Brennpunkte wissenschaftlicher Entwicklung.
    Es wäre nur ganz nett, die Autorin in einem Kurzabriss irgendwo vorzustellen (3 Zeilen reichen).
    Dass mit der zunehmenden Wichtigkeit des Epigenoms, also der Muster der Genaktivierung, die Erfahrungswerte tlws.intergenerationell fixieren, die alte Frage relativiert wird, was uns bestimmt (Genom oder Umwelt) ist evident.

    Die erfreulich kritische Haltung der Autorin zum Machbaren und zu seinen methodischen Begrenzungen leuchtet immer wieder auf, verharrt mir aber insgesamt zu sehr im Ungefähren.

    Denn letztlich geht es wie am Bsp. des one night stand lovers unangenehm ersichtlich, um eine zunehmende Verfügbarmachung des Menschen bis ins Private hinein!
    Da die Mittel komplexer werden, werden manche Fragen drängender: Was bleibt von der Freiheit des Menschen in einer,- nicht nur methodisch wissenschaftlich epistemologisch, sondern konkret durch menschliches Handeln, determinierten Welt? (das ist eine rhetorische Frage) Die Richtung liest sich hin zu brave new world (war es dort die Verknappung von O2-Zufuhr in der Embryonalentwicklung, die verschieden Kasten erzeugt, so wird die zukünftige genet.Intervention viel feinere Mittel haben, um Sklaven und Herren für spezif.Aufgaben zu fixieren. Platons politeia feiert Urstände.)
    Nur ein NArr glaubt im Übrigen, dass die Optimierung des Menschen keine üblen Nebeneffekte haben wird. Eingriffe in die Keimbahn, jetzt noch gefemt, werden mit der Machbarkeit auch stattfinden.
    Unser geringstes Problem bei all dem wird der Datennutzerschutz für unser Genom sein, denn faktisch ist das jetzt schon verlorenes Terrain. (eine abgeschilferte Hautzelle reicht – die Gesetze mögen sein wie sie wollen).

    • @Frauke Amgelin: Danke!
      Aber ist sie das? Das klingt doch eher nach einer Bewerbung für ein Studienpraktikum.

      Zumal es da noch eine promov.A.Müllner gibt. Dieselbe?

      Nochmal an den Blogherrn: Ich halte die Anonymisierung von Autoren für weder in deren noch in meinem Interesse als Leser.

    • Ja, das bin ich. Der Text dort ist schon etwas älter, ich bin bereits promoviert.
      Sie finden mich auch bei zellmedien.de Da steht etwas mehr zu dem was ich so tue.

    • @ Anna Müllner: Danke
      Dann verlinken Sie doch einfach Ihren Namen unter dem Titel mit dieser Information über Sie!

    • Lieber Patrick Feldmann, der
      Kunstfigurenerfindendehausherr war möglicherweise einfach nur zu gnädig gestimmt, um uns gewisse Ansichten zuzumuten. Hab mir nämlich mal http://zellmedien.de/ angesehen – Schreck, lass nach:

      „Gamma-Strahlen, eine Form der radioaktiven Strahlung, schädigt unsere DNA.“

      „Nach Schaden überlagert sich die rote und die grüne Farbe…“

      speakerinnen.org ist nicht besser – auweia:

      https://speakerinnen.org/en/profiles/1685

      „…is a standart method to to kill …“

      „…diseaeses after succesful …“

      https://speakerinnen.org/de/profiles/1685

      „…auf einfach verständliche Weise für den Interessierten Laien…“

      „…Geschiet dies…“

      So’n Schiet aber auch, da hab ich jetzt echt Schiss, mir den Dissertationsvolltext ( http://d-nb.info/1075194938 ) vorlegen zu lassen, will schließlich Keinemkrebsherzkasper erliegen…

    • Lassen Sie sich meine Doktorarbeit ruhig vorlegen. Vielleicht lernen Sie was.
      Zum Beispiel, dass man von Krebs keinen Herzkasper bekommt.

      Des Weiteren danke ich Ihnen herzlich für den Hinweis auf die Rechtschreibfehler. Mit freut, dass Sie sonst nichts an mir auszusetzen haben.

    • Kein Herzkasper nach Krebs? Hmm. Hab da gerad was
      gesehen, muss mal meine Ärzte fragen, ob die schon einen Volltextzugang ermöglichen können

      doi:10.1001/jamaoncol.2016.0429

      Wär ja schön, wenn durch Medikamentwechsel/ergänzung auch kleinere, aber immer ziemlich unangenehme Herz“ereignisse“ eingedämmt werden könnten.

      Warum sollte ich bereits jetzt sonst noch was an Ihnen auszusetzen haben? Ich kenne Sie ja überhaupt nicht, spitzbübischschmunzel…

  12. Ens nach dem anderen,
    mit dem Smartphone hat man je bereits die Grunddaten geliefert. Standort, Fahrtrouten, Telefonpartner, „Freunde“. Jetzt das Fitnessarmband für die „inneren Werte“. Nicht nur die Krankenkassen interessieren sich dafür brennend, für Lebensversicherungen ist das auch etwas, das gern und gierig genommen wird. Wenn dann noch das Bargeld wegfällt und alle Einkäufe im Netz protokolliert werden, kann man prima begründen, warum die nächste Reha nicht bezahlt werden kann, man hat sich ja äußerst kontraproduktiv verhalten. Am Genom ist die Wirtschaft nur insoweit ineressiert, wie sich damit Geld verdienen bzw. erpressen lässt.

    • So ist es, vielen Dank fürs auf dem Punkt bringen:
      Follow the money!
      Das einzige was hilft, zu verstehen was abgeht.

  13. Professor
    BITTE Quellen fuer diese fantstischen Bilder angeben. Die sind wirklich unglaublich wichtig.

    • Da müssen Sie den Don fragen. Da es seine eigenen sind müssen da eigentlich auch keine Quellen hin.

    • Christoph H., mein Thema ist das hier nicht, aber Dons Bilder immer
      aber vielleicht kann ich helfen.

      Kleine Hilfestellung:
      Fresko mit dem Drachenkopf aus „Das Jüngste Gericht Bonamico di Martino da Firenze genannt Buffalmacco, vielteiliges Fresko, ausgelagert im Campo Santo
      (Bonamico di Martino da Firenze ditto Buffalmacco: Giudizio Universale e Inferno, affrescato 1336-1341, parte destra: Inferno)
      .
      https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pisa,_Camposanto_trionfo_della_morte_8_inferno.JPG
      .
      Viel Spaß beim Recherchieren, im Oktober bin ich wieder in Pisa „vor Ort“. Der Don macht einen förmlich heiß auf italienische Kunst und Architektur.

  14. Designer Babys
    wird da eine industrielle Produktion angestrebt?
    Wie sieht es mit der Produkthaftung aus, wird es Rückrufaktionen
    geben?

  15. Ene Mene Gene
    Ene Mene Gene

    Es ging mir … warum der Inhalt diese Textes?

    Sehe die Bilder die wie immer Grandios; vielleicht kommt mal eine Bildstrecke von den Kirchen Italiens; ich mag die die keiner sieht. Wie das anbietende Grotesker Malerei; Bildsprache legen Synapsen frei; deuten ohne anzudeuten, weisen ohne beweisen, geben drucksende Aussagen.

    Aus dem Inferno“?

    Und doch der heutige Text stimmt mich etwas misstrauisch, aus Rücksicht falschverstanden sein; bemerkungsfrei; nur um, ich kenne diverse Gedanken des Genom, es gibt Zeiten da passiert viel menschliches unvorhergesehenes, Ratschläge erklären die Vielgesichtigkeit vieler Präpositionen.

    Daten sammeln oder nicht! Sie trügen zur Verzweiflung bei. Wenn das Krankheitsbild anderer Ansicht vertritt.

    Langfristig ist der Ratschlag nur mittelfristig; bis der Wunsch den Gedanken folg; ich hatte damals die Pressekonferenz, die Reportage gesehen, ums Genom. Wo die Helix vorgestellt, die DNA erklärt war.
    Verstanden sah damals anders aus; ungläubig, wozu ist das gut, so ungefähr kamen Fragen, gestellt.

    Vor paar Tagen starb wer! Ihre Lebensleistung lag entfernt des Todes und doch stirbt sie, drei Jahre lang; die Diagnose sagte nur, wenn der Atzt menschlich handelt, wie schmerzlich der Tod mit dem Krebs umgeht. Es hatte auch meine Frau treffen können; der Stamm ist vererbbar sagte der Arzt. Und so ist sie in einer Liste aufgenommen, vorsichtshalber zur jährlichen Untersuchung.

    Danke für den Text, sehr, sehr gut.

  16. Welche Gefahren drohen konkret?
    PS zu meiner Zuschrift eben. Nach etwas Überlegen: Welche Daten können wie und wodurch gefährlich werden? Wo sind Gefahrenquellen und wie kann man Gefahren begegnen. Das genauer zu erfahren, wäre sehr hilfreich.

    Mir ist klar, dass durch die Digitalisierung besondere Gefahren entstanden. Es ist so viel einfacher Daten zu erheben, auszuwerten und zu versenden. Und diese für Geschäfte zu verwenden bzw. für kriminelles oder sittlich anrüchiges Handeln.

    Daten über die köperliche Verfasssung einer Person sind besonders sensibel, wenn sie zu nachteiligen Folgen für diese Person führen können. Also wenn jemand z. B. Arbeitsplätze usw. nicht erhalten kann, weil eine Genanalyse warnt.

    Wie bei jeder sozialen Interantiaktion, ist dabei imho die https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzipal-Agent-Theorie hilfreich. Speziell dabei auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Information . Wer weiß was und wie kann es benutzt werden.

    Es würde mich sehr interessieren, wo z. B. ich meine Daten hinterlasse (z. B. bei den ganzen medizinischen Untersuchungen) bzw. was man daraus machen kann.

    Dass andere nach Vorteilen bzw. Vorsprung von Wissen drängen, so ist das ja nur normal. Aber es kann eben unanständig werden. Und darüber würde ich schon gern mehr wissen wollen. Wer kann also was mit meinen Daten (auch dann auf kollektiver Ebene – die Empiriker wissen wie wichtig der Unterschied ist, und andere Wissenschaftler und Journalisten sollten das auch unbedingt genau wissen) machen? Und welcher Schade kann mir drohen.

    Dass einer droht, ist mir auch durch diesen Artikel wieder in Erinnerung gerufen worden. Welcher genau es ist, weiß ich leider dagegen noch nicht so genau.

    Da lässt sich vielleicht noch mehr herausbekommen und genauer mitteilen.

    Noch einmal herzlichen Dank für diesen Artikel zu diesem Thema hier an dieser Stelle.

    Viele freundliche Grüße

    azur

  17. Shenzhen
    Soviel ich weiß wird ein Drittel aller Genomanalysen in Shenzhen in China gemacht, man bekommt das innerhalb weniger Stunden. Damit baut China die größte diesbezügliche Datensammlung der Welt auf. Man gibt gerne etwas von sich preis, wenn man etwas dafür bekommt, deshalb floriert die digitale Überwachung. Anderseits ist das Ich der dritten Person dem Ich der ersten Person immer voraus. Wir können uns sozusagen nie selbst überholen. Das wäre ja schlimm, auch wenn es natürlich der Kern des religiösen Denkens ist.

    • "ist das Ich der dritten Person dem Ich der ersten Person immer voraus"
      Könnten Sie das kurz erläutern, wie Sie das meinen, Herr Schwarcz?

      Den FolgeFolgesatz halte ich im Übrigen für falsch: der Kern der Religion besteht nicht im Versuch, „sich selbst zu überholen“. Das war ja das Missverständnis Sloterdijks, Religion als „Anthropotechnik“ zu Vervollkommnung des Ich anzusehen.
      Ersatzreligionen versuchen das, und das zeichnet sie ja auch gerade negativ aus: „Selbstoptimierung“(Scientology u.a.), „Weltverbesserung“ (linke Ideologien u.a.), „Menschenverbesserung“(Wissenschaft als Grenzüberschreitung und Ideologie).

  18. Das Ich ...
    Das meint, dass die Reflexion (das Ich der ersten Person) stets erst nach dem Tun (dem Ich der dritten Person) erfolgen kann. Zuerst muss etwas gegeben sein, dann kann man sich darauf beziehen Der Bezug zur Religion ergibt sich insofern, als sie eben ein Versuch ist, die Welt “ zu Ende zu denken“. Das geht aber nicht. Die Welt ist unabgeschlossen.

    • Wenn ich Sie recht verstehe,
      unterscheiden Sie das reflektierende Ich vom handelnden Ich und stellen fest, dass Ersteres immer zu spät kommt. Das heißt, wir sind als Menschen zuerst Handelnde und nur konsekutiv Reflektierende.
      Das wäre ein praktisches Argument, was im Alltag auch immer stimmt.

      Aber Sie gehen ja noch darüber hinaus, indem Sie die Welt deshalb nicht als Denkbare für darstellbar halten, weil sie eine Werdende ist (unabgeschlossen).

      Danke!
      V.a. die letze Aussage halte ich für einen wegweisenden Gedanken. Einen Gedanken, den ich im Übrigen für, in seinem Transzendental-Charakter, einen religiösen Gedanken halte, denn über einen rein methodischen Vorbehalt geht er deutlich hinaus.
      mfG PF

    • Ich kenne an mir aber auch das Gegenteil, nämlich
      dass das Ich der ersten Person sehr genau weiß, dass das Ich der dritten Person gerade im Begriff ist, mal wieder fürchterlichen Unsinn zu machen, aber nicht imstande ist, beide Ichs unter einen Hut zu bringen bzw. mich am Blödsinnmachen zu hindern. Mir geht’s beim Autofahren manchmal so, ich weiß genau, dass mein Dickkopf justamente meinem Auto schadet, es nützt aber nichts, der Dickkopf setzt sich durch und mein Auto hat mal wieder eine neue Beule.

      Wer das nun als komplette Blödheit diagnostizieren möchte, bitte, ich schieße mich dem Befund an. Hätte denn auch jemand eine Therapie?

    • die vielen Ichs
      In entscheidenden Momenten langsamer fahren, Frau Simon?

    • Nee, Herr Feldmann, nicht das schnelle Fahren, das ginge ja noch
      ich bringe es fertig, ein mit 16 Betonplatten beschwertes Hinweisschild vorm Haus auf dem Bürgersteig mit dem Wagen zu verschieben. Ich hätte zurücksetzen können, habe ich aber nicht und nun wird der rechte Nebelscheinwerfer wohl so nicht durch den TÜV kommen.
      Ich probiere auch alle 5 Jahre in der Tiefgarage aus, ob der Pfeiler an meiner Parkbucht immer noch so hart scharfkantig ist und vielleicht doch endlich weichen will.

      Es gibt Tage, da denke ich, du solltest heute nicht auf die Straße und fahre dann natürlich doch, denn es gibt Laternenpfähle, ach lauter Sachen, die ich an solchen Tagen anstupfen muss. Allerdings habe ich bislang in meiner langen Autofahrerlaufbahn immer nur mich selbst geschädigt, andere Autos lasse ich unbehelligt.

      Auf der Autobahn fahre ich so schnell, wie mein Auto kann, leider nur 190, wo man eben noch darf, leider darf man nicht überall. Das macht mir keine Probleme, ganz im Gegenteil, es macht Spaß.

      Ich sach doch, ansonsten die pure Blöd- und Sturheit und ich fürchte, das wird sich auch nicht mehr ändern.

  19. Schuster Leisten
    Bleiben Sie eventuell bei Ihren halb-satirischen Glosse und auch wenn Biotech ein journalistisches Trendthema ist, gibt auch auf dem Gebiet der Gesellschaftspolitik auf absehbare Zeit was zuschreiben. An der Donau gehen die Neuigkeiten ja auch nie aus. Wissenschaftjournalismus sollte anders recherchiert werden als dieser aus Schlagzeilen zusammen geglaubte Text: personalisierte Medizin, chronisch unterfinanzierte Forschung, Google investiert, pränatale Diagnostik, mit Macht kommt Verantwortung….unerfrischend uninspirierend.

    • Wenn ich bei meines Schusters Leisten bleiben will, sollte ich wohl defintiv bei der Wissenschaftskommunikation bleiben.
      Das bringt mich jetzt in eine Bredouille.

    • Ich glaube, der Herr Hoffmann vertut sich, Frau Müllner!
      Er denkt, dem Don A. eins hinter die Ohren zu geben (aus irgendwelchen Gründen…) und hat sich dabei einfach vertan, da nicht genau hingesehen.

      Als jemand, der selbst immer naturwissenschaftlich interessiert war (über mein Studien-/Arbeitsfach hinaus) und sich dabei auch um die gesellschaftlichen Implikationen der Entwicklungen Gedanken gemacht hat,
      sehe ich das ganz anders als Herr Hoffmann!
      Ihr Artikel ist sehr fundiert und dennoch sehr verständlich für einfach nur Interessierte. Sie vermitteln gleichzeitig, wie komplex die Einflüsse auf das Epigenom sind und halten eine kritische Position zu den Machbarkeiten. Kann man mehr in einem so kurzen Artikel machen?
      Ich finde das Ergebnis sehr gelungen! In Verbindung mit der Bebilderung geht es sogar über reinen Wissenschaftsjournalismus hinaus!

    • Titel eingeben
      Ich stimme dem Herrn Feldmann hier gerne zu. Kommen Sie wieder Frau Muellner und schreiben Sie weiter.

  20. Titel eingeben
    @Patrick Feldmann am 27. April 2016 um 23:37 Uhr

    Herr Feldman, völlige Zustimmung zu Ihrem Kommentar. Nachfolgend zwei Bemerkungen eines Unzeitgemäßen:

    Der Autor von „The Nucleic Acids“ schrieb einmal:
    „Noch in meiner Jugend herrschte die jetzt undenkbar gewordene Ehrfurcht vor dem Alter. Die Alten, so nahm man an, mußten viel gesehen und erlebt haben; so kriegten sie Weisheit. Jetzt aber, wir wissen es, kriegen sie Alzheimer. Unsere Neigung, aus allem auf der Welt ein Problem zu machen, ein medizinisches, ein soziales, hat auch das Altwerden dazu gemacht.

    Und wenn vollends … das menschliche Genom, was immer das ist, völlig analysiert und in seiner Genzusammensetzung bekannt ist, wird es sich herausstellen, daß alle Menschen krank und vielfältiger Gentherapie bedürftig sind. (Übrigens, hätte der gegenwärtige, närrische Gesundheitskult schon im 18. Jahrhundert geherrscht, so wäre Mozart nach Amniozentese wahrscheinlich abgetrieben worden).“
    Chargaff, Alphabetische Anschläge

    • Das Alter und Alzheimer
      @Lichtenberg
      „Die Alten, so nahm man an, mußten viel gesehen und erlebt haben; so krieg-ten sie Weisheit. Jetzt aber, wir wissen es, kriegen sie Alzheimer. Unsere Nei-gung, aus allem auf der Welt ein Problem zu machen, ein medizinisches, ein soziales, hat auch das Altwerden dazu gemacht.“

      Es ist nicht nur unsere Neigung, überall ein Problem zu sehen, sondern auch der neoliberale Umerziehungsprozess, dem die Bevölkerung seit den 90er Jahren unterzogen wird. Es ist der Neodarwinismus bzw. das Menschenbild als „Humankapital“, Produktionseinheit bzw. Kostenfaktor.

      Der sozioökonomische Begriff Alterspyramide wurde als erstes in den USA bei der gesellschaftlichen Diskussion über die Kostenverteilung instrumentalisiert. Und dies, obwohl deren Geburtenrate höher liegt als in den meisten europäischen Ländern. Also geht es vor allem darum, aufzuzeigen, welche Bevölkerungsgruppe die Gesellschaft finanziell am meisten belastet. Alte Menschen werden im ökonomischen Sinne unproduktiv, ihre Zipperlein kosten die Gesellschaft viel Geld. Ihnen wird inzwischen vorgeworfen, dass sie die junge Generation durch ihre vermeintliche Anspruchshaltung ausbeuten. Das ist nichts als eine Ausrede für die Etablierung der Akzeptanz der Altersarmut und Diskriminierung des Alters.

      Die „Entdeckung“ von neuen Krankheiten dient auch nicht zwangsläufig dem wissenschaftlichen Fortschritt, sondern immer öfter den Bedürfnissen der Profitmaximierung der Pharma-Riesen bzw. der Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung.

  21. @ Herr Haupts
    „Wenn es machbar ist und eine ausreichend grose Zahl von Leuten es will, dann wird es gemacht. Entweder in oder halt ausserhalb Deutschlands.“

    Auch wieder so ein durchsichtiger Killersatz:

    ‚Wenn es wir nicht machen, machen es die anderen.“

    Hah, lustig.
    Damit kann man unbeschränkten Waffenhandel, das Zulassen von Drogen aller Art, Sklavenhandel und Angriffskriege wie in Bobo-Bananien ebenso wie Zuchtauslese in privater Hand herbeiargumentieren.

    Wir leben aber nicht in Bobo-Bananien.
    Die meisten in D haben keine Lust auf Martial Arts Freestyle aus Bobo-Bananien. Und wenn Forscher in Israel oder Korea (Nord, Süd, suchen Sie sich was aus) Chimären züchten wollten aus Mensch und Erdogan-Ziege, dann müssen wir hier das nicht auch machen.

    Wenn hyperehrgeizige Chinesen-Eltern (ja die, die ihre Kinder viel zu jung in brutale Trainingslager stecken, damit sie gedrillt und gezwiebelt werden und sich nachts in den Schlaf weinen nach Zuhause) ihre Kinder vor der Geburt stylen wollen, dann müssen wir das hier noch lange nicht wollen.

    Respekt

    Ich respektiere das Bedürfnis der Eltern, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen. Der Versuch, Trisomie 21 zu vermeiden, ist zu respektieren, aber ethisch schon heikel genug.

    Ich respektiere nicht das Bedürfnis von gestörten Möchtegern-Erzeugern, die Nanny nach Optik einzukaufen, dann ihre Kinder nach den Farben des Teuer-Sofas zusammenzustellen: Blaue Augen, grüne Augen wie belieben, Körperbau zart-grazil, wenn es ein Mädchen sein soll, athletisch beim Jungen, Adipositas-Neigungs-Vorzellkulturen kommen in die Tonne, Neigungen zu Linksparteien und allzusehr Empathie ebenfalls in Tönnchen, so einer wird ein Loser aber kein Siegertyp, Intelligenz bitte etwas mehr als das Sofa, und vor allem bitte deutlich mehr als die der Eltern, damit es Professor wird, der ihnen sagt, was sie für Idioten waren.

    • ...
      @der andere Gast,
      das Designerbaby braucht seinen Eltern nicht zu sagen, dass sie
      Idioten sind, das wissen sie ja, wozu sonst bräuchten sie ein
      designtes Baby.
      ….
      Seit wann fandet man nach dem neuen Menschen, 2000Jahre
      oder so.
      Da vertraue ich bei 7 Mill. Menschen doch lieber
      auf natürliche Evolution.

    • Ob Sie oder ich irgendetwas respektieren, ist am Ende völlig egal.
      Wahrscheinlich gibt es in Deutschland noch eine parlamentarische Mehrheit gegen jede oder gegen bestimmte Formen der praktischen Anwendung von Biotechnik. Dann kann und wird das Parlament entsprechende Gesetze machen. Und hilflos zusehen, wie Millionen Menschen in und aus Deutschland ohne schlechtes Gewissen dagegen verstossen.

      Gesellschaftliche Regeln in jeder Form einschliesslich von Gesetzen werden nur dann und nur solange befolgt, wie sich einer ziemlich grossen Mehrheit von Menschen deren Sinn erschliesst. Sonst werden Gesetze zu Lachnummern – wie das praktisch aussieht, kann jede/r am Gebrauch von Cannabisprodukten in seiner/ihrer Umgebung beobachten.

      Es kommt auf Ihren Respekt schlicht nicht an. Sondern nur darauf, bei wie vielen Menschen das Bedürfnis nach ebenso gesunden wie attraktiven Kindern gross genug ist, um dafür entsprechende Dienste in Anspruch zu nehmen.

      Ihre Gegenbeispiele sind entweder albern oder falsch. Falsch – die Drogengesetze befolgen viele Millionen Menschen alleine in Deutschland heute schon nicht, sie sind de facto nur ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Justiz und Polizei. Albern – nach Sklavenhandel oder Angriffskriegen gibt es keinen hinreichend grossen Bedarf. Nach Genanalyse und – sobald sicher machbar – genetischen Eingriffen bei Embryonen schon.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Natürlich wird es irgendwann Designerbabies geben
      und zwar völlig unabhängig davon, ob der deutsche Gesetzgeber das erlaubt oder nicht.

      Soweit ich weiß, ist z.B. Leihmutterschaft bei uns verboten, aber hält sich jemand daran, der unbedingt ein Kind möchte? Interessant war in dem Zusammenhang ein Filmbericht über eine hauptsächlich aus Frauen bestehende kanadische Familie. Eine dieser Frauen wollte eine Leihmutter beauftragen, die ganze Familie befürwortete dieses Vorgehen und man beschloss, sich doch die Leihmutter, in dem Fall eine Inderin, vor Ort erst einmal anzusehen.

      Das Elend dieser Frauen, die sich für das Geschäft aus wirtschaftlichen Zwängen so oft wie möglich hergeben, ist entsetzlich, nicht eine, die noch halbwegs gesund war. Die Kanadierinnen waren sich schnell einig, dass man mittels einer Leihmutterschaft auf gar keinen Fall ein Kind bekommen sollte.

      Nur leider interessiert das Elend der Leihmütter die wenigsten Leute, das Geschäft läuft, Frauen nutzen Frauen aus (eigentlich schon ein Thema für die Schlimme Helena). Und neuerdings beteiligen sich daran auch Männer, so sie schwul sind und unbedingt ein Kind wollen.

      Und so wird es mit Designerkindern gehen, es wird gemacht, was machbar ist und vieles noch darüber hinaus.

      Erinnert sich noch jemand an den italienischen Professor, der in den 60er Jahren einen Embryo in schon recht weit fortgeschrittenem Stadium im Labor züchtete? Ich weiß leider nicht, was aus dem Fall geworden ist, erinnere mich nur an die mediale Empörung. Angeblich soll er wohl den Embryo getötet haben, aber wer sagt uns, dass die Forschung in dieser Form nicht weitergeführt wurde.

  22. Designerbabies
    Die hier gebrachten Argumenten gegen „Designerbabies“ gehen doch sehr an der Realität vorbei: es geht bei der heutigen Forschung überhaupt nicht darum, irgendwelche „Supermenschen“ zu züchten. Vielmehr geht es zunächst einmal darum, gesunde Kinder zu haben.

    Die Sequenzierung von Embryonen vor der Implantation hat zunächst einmal das Ziel, nur lebensfähige Embryonen einzupflanzen, d.h. solche, die überhaupt eine Überlebenschance haben (und damit u.a. der Mutter eine Fehlgeburt zu ersparen). Das im UK unlängst genehmigte Forschungsprojekt, das Veränderungen im embryonalen Erbgut erlaubt, forscht genau daran – wie lassen sich Fehlgeburten vermeiden.

    Aber es gibt natürlich auch zahlreiche andere Ziele, z.B. das vermeiden von schweren Stoffwechselstörungen – mit denen ein Kind nur wenige Jahre überleben könnte. Oft entstehen solche Stoffwechselstörungen durch sehr wenige Mutationen, die man einfach reparieren könnte – wiegt hier das potentielle Leid der Kinder mehr als ethische Bedenken?

    Dann kann man natürlich noch weiter gehen und zum Beispiel nach Risiken für Brustkrebs (z.B. BRCA2) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ApoE4) suchen und diese „reparieren“. Wer in jungen Jahren an Brustkrebs erkrankt wird das vielleicht anders sehen als jemand, der gesund ist.

    In meinen Augen sind das alles sehr nachvollziehbare Gründe, das Genom besser zu verstehen und „Designerbabies“ zu haben.

    Sicher gibt es Alternativen: man kann das ganze einfach ignorieren, oder aber sich einen anderen Partner suchen (eine Strategie, die wir schon seit langem machen – wenn auch mit weniger Erfolg).

    Das Problem der Bioethik ist, daß es sehr selten einfache Antworten gibt.

    • "Gründe, das Genom besser zu verstehen"
      Selbstverständlich muss man da forschen. Aber genauso selbstverständlich werden alle Mittel, die wir uns dabei erarbeiten, auch genutzt werden- zu was auch immer- und ungefragt!
      Und es ist wohl kaum einer hier so perfide zu verlangen, dass man einem Kind Mucoviszidose bescheren sollte (weil Natur oder weil Gottgewollt oder…) wenn man das durch genetische Manipulation- dann auch in der Keimbahn irgendwann- vermeiden kann.
      Trotzdem sollte man das Umfeld VORHER problematisieren, um nicht ins Dunkle zu tappen, denn sobald „wir“ es können, haben wir die Verantwortung.
      Und es beruhigt mich im Sinne der Autorin immer wieder, wie komplex Biologie ist- Sie erinnern sich an den ersten Klon (Dolly?): alt geboren, man hatte die Akromere außer Acht gelassen.

  23. Datengier und Designerbabys
    Mit den Gesundheitsdaten kommen Risikobewertungen und damit mehr oder weniger bezahlbare Lebens- und Krankenversicherungstarife. Was das auf Dauer für Menschen mit Handicap oder chronischen Erkrankungen bedeutet, dürfte auf der Hand liegen. Mal sehen, ob das ethisch und moralisch vor dem Gesetzgeber Bestand hat, wie weit das Werteverständnis der Gesellschaft dann noch reicht.

    Designerbabys muten auf den ersten Blick gefährlicher an, als es ist. Denn es scheint mir unsinnig anzunehmen, man könne zwar keinen einfachen Krebs heilen, aber hochkomplexe Babys designen. Das Intelligenzgen hat man ja auch noch nicht gefunden, was ich persönlich sehr bedaure. Auch ist das Umfeld der Babys wohl nicht zu unterschätzen, was ihre Entwicklung betrifft. Und wehe, wenn diese Babys die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Was wird dann aus den Zellhaufen?

    Schlußendlich werden wir, mit oder ohne Arzt, immer älter, weil wir durch die Nahrung permanent mit Medikamenten versorgt werden, ob wir es wollen oder nicht. Das wurde mir besonders bewußt, als ich anläßlich einer Zahnbehandlung ein Antibiotikum nehmen mußte und der Zahnarzt mir aufgrund der Laboruntersuchungen mitteilte, wieviel Antibiotika bei mir schon nicht mehr einsetzbar waren, obwohl ich vorher noch nie ein Antibiotikum bekommen hatte.

    Ansonsten halte ich es mit Frau Simon und mache einen großen Bogen um die Gesundheitsindustrie. Zu sehr hatten die Erlebnisse im eigenen Umfeld eine abschreckende Wirkung. Was da an Medizin/ern auf die Menschheit losgelassen wird, spottet wirklich jeder Beschreibung. Ich, dessen Lebensuhr auch so langsam abläuft, wünsche mir zur rechten Zeit denn auch keine neuen Organe, lebensverlängernde Operationen und Palliativmedizin, sondern einzig Hilfe beim möglichst kurzen und schmerzlosen menschenwürdigen Finale. Viel zu verdienen gibt es daran allerdings wohl nicht.

    • Dazu kann ich noch hinzufügen, das Embryonen für die künstliche Befruchtung bereits selektiert werden. Dies geschieht derzeit nur nach äußerlichen Erscheinungsbild und nicht nach Genom. Die nicht verwendeten werden afaik eingefroren und eine gewisse Zeit aufbewahrt bis sie dann vernichtet werden.

    • Titel eingeben
      Embryonen werden selektiert, um diejenigen zu implantieren, die die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit haben. Das ist aber eine recht einfache Nutzen-Risiko-Abwägung: je mehr Embryonen man implantiert, desto größer die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Schwangerschaft – aber eben auch desto größer das Risiko für eine (risikoreiche) Mehrlingsschwangerschaft. Die Natur macht das aber auch nicht anders – nur wenige befruchtete Eizellen können sich weiterentwickeln.

    • Herr Meier, die Hilfe beim Finale wurde uns doch kürzlich
      vom Parlament verkümmelt. Da maßten sich 631 Abgeordnete an, über das Sterben anderer zu bestimmen und nur, weil man einem Kusch oder Arnold eins auswischen wollte. Verbrämt mit dem Glauben an den lieben Gott, der einem dann aber auch nicht hilft. Helfen kann man sich nur selbst, denn kein Arzt wird mehr zum Rezeptblock greifen, um Hilfe zu gewähren.
      Halten Sie sich einen Apotheker/in warm, der Ihnen eine große Packung Resochin, 1000 mg Diazepam (gibt’s netterweise auch in Tropfenform) und ein Mittel gegen Übelkeit, MCP-Tropfen, ohne Rezepte verkauft, ca. 80€. Dann braucht’s noch eine Kaffeemühle, Apfelmus, Pfirsichsaft und ein weiches Bett, in das Sie dann aber allein müssen und auch niemanden daneben stehen haben sollten.
      Ich habe mein Sortiment beisammen, meine Apotheke hat’s mir nicht einmal berechnet und wenn mir alles zu dumm wird, ist’s soweit. Auf meine drei Aneurysmen im Brustkorb kann ich mich anscheinend nicht verlassen, die Knödel halten trotz ca. 8cm Durchmesser. Sollten die mir zuvorkommen, auch gut. Schaun wir mal, et kütt, wie et kütt.

    • bis sie dann vernichtet werden
      Also angesichts der embryonalen Stammzellenforschung bin ich mir da nicht so sicher, Frau Müllner. Allerdings bin ich da nicht auf dem Laufenden. Für mich alten Atheisten beginnt das Leben mit der Befruchtung der Eizelle und müßte ab diesem Zeitpunkt vollumfänglich geschützt sein. Da ich in diesem Punkt unbelehrbar bin, halte ich mich schon lange aus derartigen Diskussionen heraus, weise nur nur noch auf mögliche Folgen hin.

      Bei Ihnen, Frau Müllner, habe ich den Eindruck, Sie haben Ethik und Moral (noch) nicht aus dem Blick verloren. Und das, das möchte ich doch noch sehr erfreut und anerkennend bemerken.

    • Nicht ganz richtig. Wir können darüber streiten ob eine Person mit der Befruchtung beginnt. Das Leben „beginnt“ aber nicht mit der Befruchtung, denn Eizelle und Spermie sind auch schon lebendig. Embryonen sind außerdem sehr anfällig. Viele davon entwicklern sich gar nicht erst zu Föten weiter. Ohne jetzt genaue Zahlen nachschlagen zu wollen sind es in der westlichen Welt etwa 1 von 3 Embryonen die zu einem Foetus und später geboren werden. Die Natur hat also bereits einen eigenen Selektionsmechanismus. Das bedeutet nicht, dass wir an Embryonen herumspielen können wie wir wollen, aber es bedeutet das Selektion ein bereits ein natürlicher Prozess ist der eventuell ausweitbar ist. Ob wir das wollen und machen muss Anhand der vollumfänglichen Informationen entschieden werden und nicht aufgrund von Ideologie.

    • Was schert mich das Parlament, Frau Simon.
      Aus diesem Alter sind wir beide doch längst heraus.

    • @Renate Simon 29. April 2016 um 00:10 Uhr
      Frau Simon, ich halte das für unklug, das hier schriftlich niederzulegen- und schon längst unter Klarnamen.

      Wenn Ihr Arzt das hier durch Zufall liest und Sie irgendwann nur den Hauch einer Depression zeigen, hat der Gute Mann/Frau ein blödes Problem.

      Wenn man das macht, sollte man niemanden mithineinziehen!
      mit gutem Gruß Patrick Feldmann

    • Vielleicht hätte ich menschliches Leben schreiben sollen, Frau Müllner,
      aber Sie wissen sicherlich, wie es gemeint war.

      Die natürliche Selektion taugt meiner Meinung nach jedoch zu keiner Argumentation, wenn es um die Frage geht, inwieweit der Mensch zur Selektion, gleich welcher Art, berechtigt sein könnte. Allerdings sehe selbst ich da Widersprüchlichkeiten, so beispielsweise bei der Frage, ob Erbkrankheiten oder erkennbare Gen-Defekte „repariert“ werden dürfen. Denn dabei handelte es sich ja dann eher um „Krankheiten“, gegen deren Heilung eigentlich nichts spräche. Mit Optimierung im Sinne von Designerbabies hätte das zwar nichts zu tun, aber selbstverständlich mit Selektion, wenn auch in einem positiven Sinne.

      Allerdings bin ich mir sicher, daß in Zukunft alle Möglichkeiten genutzt werden, Ethik und Moral das nicht verhindern werden und Ideologien sich über alle Bedenken hinwegsetzen werden, so weit noch nicht geschehen. Dieser „Gen-Defekt“ des Menschen wird sicherlich nie behoben werden können.

    • Nein, hätten Sie nicht. Individuum oder Person. Oder das Leben eines Menschens. All das kann mit der Befruchtung beginnen, wenn wir es so definieren. Menschliches Leben ist deutlich älter.
      Und ja, wir müssen definieren, ob eine Korrektur der Gendefekte, was durch CRISPR/Cas möglich sein wird, als Heilung zu sehen ist. Schließlich ist es nichts anderes als eine chemische Reaktion. Wo die Grenze zur Optimierung ist, bzw was als Krankheit gilt, ist eine weite Debatte. Da lasse ich das Feld offen für jene, die sich damit beschäftigen wollen.

    • Lieber Herr Feldmann,
      mein Arzt weiß um meine Einstellung, dass ein jeder selbst entscheiden können muss und akzeptiert das. Ein netter Mann, wohl noch gute 10 Jahre vom Ruhestand entfernt, er hört zu, nimmt sich Zeit und mir nicht die Laune, man kann mit ihm herzhaft lachen. Ich habe ihn nun schon über ein Jahr nicht gesehen, warum auch, ich bin ja nie krank, mein Standpunkt ist klar, also kein Gesprächsbedarf.

      Ich bin nicht depressiv, nur Realist durch und durch und wenn’s um mich geht, schwarzhumorig bis makaber, was manche irritiert.

      Angst, dass mein Klarname Probleme machen könnte, habe ich nicht. Andere haben das vor Jahren in Buchform veröffentlicht, ist leider nicht mehr zugänglich, lässt sich aber aus alten Presseberichten zusammensuchen. Und in Zeiten, wo Politik meint, den besorgten Bürger nach allen Regeln der Kunst verar….. zu können, müssen die Bürger zusammenhalten, in allen Bereichen.

    • derzeit gehts nicht, Frau Simon,
      weil nämlich der Flieder so schön duftet. Verschieben Sie´s!

  24. Dummheit kommt vor dem Fall.
    Da ist sie wieder.
    Die rationale Überlebenskeimzelle der neuen Wissenschaft.
    Nachdem die neue Inquisition, der Wissenschaft die ketzerische Untugend ausgetrieben hat, Forschung streng nach wissenschaftlichen Ansätzen durchzuführen. Grundlagenforschung dem Worte nach ade.

    An deren Stelle werden Glaubenssätze und Thesen aufgestellt die dann bewiesen werden.

    Ethisch entkoppelt und fest in der Hand der Inquisition multinationaler Konzerne und deren Lobbynetzwerke. Zuerst wurden Pflanzen und Tiere mit DNS-Bruchstücken infiltriert, patentiert und auf dem Raumschiff Erde ausgesetzt. Dem einzigen Planeten im Umkreis von zig Milliarden Lichtjahren mit einem lebenden Ökosystem. Ohne an die möglichen Folgen zu denken – aber in der Tradition so viel Unheil und Zerstörung im Paradies anzurichten wie nur irgend möglich.

    Wieso Heilmittel auf der Erde suchen, erforschen, nutzen und schützen wenn man auch gleich im Erbgut, dem Gedächtnis unseres Planeten rumpfuschen kann.

    Es ist in den letzten 200 Jahren mehr Unheil durch die Dummheit des Menschen angerichtet worden als durch sämtliche Naturkatastrophen seit dem Entstehen der Erde.
    Diese Dummheit wird nur noch durch den Hochmut des modernen Menschen übertroffen.
    Und sein Hochmut nur durch seine Unwissenheit und Blindheit.

    Träumer trinkt leer bald ist nichts mehr!

  25. Fehlender gesellschaftlicher Einfluss von Kritik oder Protesten
    @Thorsten Haupts
    „Wenn es machbar ist und eine ausreichend grose Zahl von Leuten es will, dann wird es gemacht. Entweder in oder halt ausserhalb Deutschlands.“ […]
    Man kann diesen Wunsch und seine Realisierung nur in geordnete Bahnen lenken, verhindern wird man gar nichts, mit wievielen guten Argumenten auch immer.“

    Zustimmung. Solange die Profitmaximierung die Maxime der gesellschaftlichen Werte darstellt, was in einer „marktkonformen“ Demokratie der Fall ist, kann man solche Vorhaben kritisieren, man sollte sie auch kritisieren, doch ändern wird es daran nichts. Selbst Proteste haben keinen Einfluss, nicht einmal die zwei größten Demonstrationen, die es bisher in Deutschland gab: gegen das TTIP – im Oktober in Berlin und kürzlich in Hannover. Die Politiker reagieren nicht einmal, sondern hofieren Obama, der zur Eile mahnt.

    Der Kern des TTIP ist die „Harmonisierung“, und diese Harmonisierung wird sich höchstwahrscheinlich nicht nach den strengsten Bestimmungen richten, sondern genauso wie auch in der EU: Bei allen Grenzwerten, die bisher vereinheitlicht worden sind, orientierte man sich von Anfang an nach unten, nach den schlechtesten Werten.

    Höchstwahrscheinlich wird das TTIP der EU amerikanische Verhältnisse bescheren: steigende Medikamentenpreise, die Umkehr der Beweislast von Nebenwirkungen, fortschreitende Kommerzialisierung der Kliniken, Zulassung der Gen-Forschung bzw. der Genprodukte, alles gemäß den amerikanischen Richtlinien. Nur wenn diese Items in den Verträgen explizit ausgeschlossen werden, könnte dies verhindert werden. Die Bürger werden nicht informiert, und laut den Infos der Aktivisten, wie z.B. Campact und Foodwatch, sehen die Aussichten darauf düster aus.

    • Blutsauger oder die kapitalistischen Reiter der NWO.
      … Tamarisque …

      Der Kern des TTIP ist die „Harmonisierung … Von was?

      Nein Sie haben den Kern von TTIP nicht erhellt.

      Es geht um Geld. Sehr viel Geld. Um schnelles Geld. Um Provisionen.
      Geld, dass von Anwaltskanzelien in Hinterzimmern ergaunert wird indem Staaten auf Entschädigungen verklagt werden.
      Das ist des Pudeln wahrer Kern. Alles andere sind nur falsche Fährten.

      Es geht darum ohne Kontrolle durch Recht und Gesetz dem Staat und somit dem Steuerzahler und Bürger den letzten Blutstropfen auszusaugen. Nicht mehr, nicht weniger.

    • Tamarisque, zu TTIP gibt es in UK eine Studie
      die Cameron aber in der Schublade hat verschwinden lassen und deren Veröffentlichung nun erzwungen wurde. Die DWN haben darüber berichtet
      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/26/britisches-gutachten-vernichtendes-urteil-ueber-ttip/

      http://www.globaljustice.org.uk/news/2016/apr/25/foia-reveals-governments-assessment-ttips-corporate-courts-%E2%80%93-lots-risks-and-no

      Es wird für uns nicht gut ausgehen, aber das ist wohl auch nicht Sinn der Sache.

    • Die DWN sind ein Verschwörungstheoretisches Blog.
      ich weiß auch nicht was das hier zu suchen hat.

    • nun das kann man so sehen, Frau Müllner
      aber der Don ließ letztens Hinweise darauf unbemeckert zu. Und dass es diese Studie gibt, ist doch wohl unstrittig.

    • Schiedsgerichte
      @Dr. Seltsam
      Wer sich mit dem TTIP eingehend beschäftigt hat, und das habe ich getan, kennt das Problem Schiedsgerichte. Ich hielt es für selbstverständlich, dass der Leser weißt, dass versucht wird, die fehlende Harmonisierung durch die Schiedsgerichte erreicht zu werden, zum großen Schaden der Steuerzahler.

    • Studien über TTIP
      Vielen Dank für die Links.

      Ähnliche vernichtende Infos erhalte ich seit über zwei Jahren durch die Newsletter ex Campact, den „linken Spinnern“ bzw. Foodwatch. Beide Organisationen werden in den Medien nach Kräften diffamiert.

    • Auf den Punkt gebracht, Dr. Seltsam.
      Und wie immer werden uninformierte und somit unwissende Abgeordnete blind den Vorgaben ihrer Parteiführungen folgen und entsprechend diszipliniert abstimmen. Was schert die parlamentarische Demokratie schon das Volk. Das stört doch nur.

  26. Ist das richtig???
    Habe gestern gesehen, dass es einen Bio-Blog unter „Deus ex …“ gibt, wurde mir sogar per Mail angekündigt.
    Zunächst dachte ich, die Software sei durcheinander gekommen, aber heute kommt dieser Text tatsächlich beim Klicken im Blog von Don Alphonso. Habe ich da was verschlafen??
    Die Bilder sind wie immer schön und sehen nach Kunstgeschichte aus. Der Text ist jedoch nicht meine Kragenweite und außerhalb meines Verständnisses. Anderen Kommentatoren geht es da offenbar anders.

    Kann mich da mal bitte jemand inlichten?

  27. Voraussage unsicher? / Datenbanken kombinieren!
    Liebe Frau Müllner,
    Danke für diesen Beitrag. Eine Aussage hat mich aber sehr stutzig gemacht: es lassen sich Krankheiten, (…) mit hoher Unsicherheit voraussagen? Heisst das, der Embryo kann die Erbkrankheit haben, das Ergebnis kann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch positiv sein?
    In diesem Zusammenhang: kennen Sie die Abstimmung (in der Schweiz) vom Juni, die genau diese Möglichkeit werdenden Eltern einräumen soll (Krankheiten)?

    Die Konsequenzen aus Daten von DNA ist vielleicht weitreichender als gedacht. Bereits jetzt ist es möglich aus den Daten von Suchmaschinen (IPAdresse), Social Media, diversen Registern und den „freiwilligen“ Angaben von Versicherungen, Krankenhäusern etc relativ einfach Profile zu erstellen. Wenn nun eine DNA Datenbank Hinzukommt und sie kann verwendet werden, wird nicht nur individualisierte Werbung betrieben, sondern auch Versicherungsprämien sinken / steigen (Krankenkasse, Lebensversicherung) etc.
    Daten vermindern die Informationsasymetrie der Unternehmen gegenüber des Kunden. Was gebe ich dem Unternehmen mit meiner DNA?

    Technisch ist eine Verschlüsselung (Trennung) schon heute möglich.
    Nur meine bescheidene Meinung. Sonnige Grüsse.

    • Liebe(r) Hexabranchus,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist so: ich kann zwar an einem Embryo sehen ob er eine genetische Prädisposition für eine Krankheit hat, diese muss sich aber nicht auswirken. Dafür gibt es verschiedene Gründe: das betreffende Gen kann inaktiv sein, der Embryo kann ein Mosaik sein (also ein Mensch mit zwei verschiedenen Genomen durch eine Erbgutveränderung während der Zellteilung als Embryo) oder es existiert ein weiterer Mechanismus der die Veränderung abfedert – also eine Art Fallnetz. Das Genom sagt eben nicht alles aus.
      Ich habe von der Abstimmung gehört. Ich lehne solche Tests auch nicht grundlegend ab, jedoch ist es wichtig, diese Test so zu gestalten, dass sie genau sind und zu regeln wann sie angewandt werden dürfen. Und es muss darüber debattiert werden. In einer Demokratie sollten wir entscheiden ob wir das möchten. Es darf außerdem nicht obligat werden, Embryonen zu testen.
      Auch Menschen mit Gendefekten und leisten Großes (Ob sie nun Stephen Hawking heißen oder Lieschen Müller) und haben die Möglichkeit, ein schönes Leben zu führen, das sollten wir nie vergessen.

      Derzeit geben wir den Unternehmen mit unserer DNA alles und nichts, weil wir vielen noch nicht wissen und anderes nur unzulänglich. Und weil wir dem Genom zuviel Bedeutung beimessen.

  28. Aufwachen oder mal kurz den Montagepunkt der Wahrnehmung verschieben.
    Anna Müllner sagt: 28. April 2016 um 23:49 Uhr
    Die DWN sind ein Verschwörungstheoretisches Blog.
    ich weiß auch nicht was das hier zu suchen hat.

    Oh je!
    Stimmt es gibt keine Verschwörung.
    Keine NWO.
    Keine Chemtrails.
    Obwohl Unterlagen für die Patentgenehmigung der Suppe vorliegen die versprüht wird.
    Das vor Jahren ein neues Forschungsflugzeug bei der DLR in Dienst gestellt wurde.
    In einem Beitrag im 3 Kanal referierte der verantwortliche Ingenieur, dass eine der Hauptaufgaben des seit Jahren laufenden Projekts die Überwachung und Erforschung der Auswirkungen des Eintrags dieser Stoffe in die Atmosphäre haben. Übrigens ziert das Plattencover der Gruppe Dead Can Dance – Anastasis, ein Sonnenblumenfeld nach einem Chemeinsatz den es ja bekanntlich nicht gibt.

    http://www.chemtrail.de/

    Keine Panama-Papers.
    Ein Insider bezifferte das Volumen der nur von dieser Kanzlei betreuten Konten auf 8% des gesamten Cashflow auf der Welt. Was glauben sie, wie viele weitere Agenturen dieser Art es noch gibt? 10, 20, 30 …
    Schnell wird klar dass wir schnell bei 800 %, 1000 %, 4000 % liegen des eigentlich offiziell vorhandenen Geldes/wertes liegen. Wieviel virtuelles Geld im Umlauf ist. Das nennt man dann Finanzblase. Ja, ja – Selbstverständlich arbeiten sie völlig autonom ohne Kontrolle der Machtelite und derer Kartelle.

    Liebe Anna Müllner wachen Sie mal auf.
    Nichts für Ungut – aber ich muss mal kurz in den Keller zum Lachen.

    Dr. Seltsam

  29. Wir machen uns hier Gedanken, nebenan
    wird beschrieben, wie weit China unterdessen ist
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/gentechnik-in-china-phoenix-aus-der-flasche-14205026.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Mit Crispr ist alles möglich, Huxley lässt grüßen.

  30. Weitere Aspekte
    Sollten durch Genmanipulationen Krankheiten auszuschließen sein, so stellt sich dann wohl die Frage nach dem Anspruch auf Krankenversicherungsschutz, sollte ein Eingriff unterbleiben. Desweiteren könnte das Auswirkungen auf die Frage nach dem Recht auf Abtreibung aus medizinischen Gründen haben.

    Interessant wäre doch auch zu wissen, ob Betroffene sich einen derartigen Eingriff gewünscht hätten oder nicht, soweit sie sich dazu äußern können. Denn das setzen wir ja immer voraus, die wir uns für normal halten.

  31. @ Frau Simon
    Liebe Frau Simon, ich stimme Ihnen ja zu ( Klarname- selbstverständlich!; freie Wahl der Lebens- und Sterbegestaltung; politische Einschätzung), aber als Arzt, wenn auch derzeit nicht so tätig, misstraue ich vor allem den Juristen und ihrer Durchwirkung der Zivilgesellschaft- gerade wenn es um Grauzonen geht.
    Daher mein Einwand!

    • Herr Feldmann,
      wenn ich Ihre Bedenken auch verstehe, meine ich aber, dass wir weiterhin aufrecht und angstfrei durchs Leben gehen sollten. Es kann doch nicht sein, dass wir uns, von wem auch immer, in Angst und Schrecken versetzen lassen. Solche berechtigten Ängste herrschten im Dritten Reich und in der DDR, ich bin aber nicht bereit, mich solchen Ängsten hinzugeben oder anders gesagt, mir quasi das Maul verbieten zu lassen.
      Haben Sie Maas in Zwickau gesehen? Der kleine Mann aus dem Saarland wurde ausgebuht, wäre ich dort gewesen, hätte ich mich an dem Protest beteiligt.

Kommentare sind deaktiviert.