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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Wofür das Netz nichts kann

| 74 Lesermeinungen

Nothwendig erheischt es, vorjetzo den hochverehrten Leser dahingehend zu persuadiren, das Netz zu betrachten in einem milderen Licht. Denn der Verrohung der Adoleszenz zu bezichtigen ist es nicht.

Nothwendig erheischt es,
vorjetzo den hochverehrten Leser dahingehend zu persuadiren,
das Netz zu betrachten in einem milderen Licht.
Denn der Verrohung der Adoleszenz zu bezichtigen ist es nicht.

Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit wuchs eine Generation mit so vielen Western heran wie die Jugend der Siebzigerjahre. In beinahe jedem Haushalt stand ein Fernseher, der am späten Nachmittag „Western von Gestern“ zeigte, dann „Zorro“ und am Abend irgendetwas mit John Wayne oder Pierre Briece. Spielzeugläden wandelten sich zu Cowboybedarfseinrichtungen, kleine Jungs steckten die 36 Silberplättchen aus Plastik in ihre Original-Silberbüchse oder deklarierten einen mittelgroßen Ast zum Bärentöter um, lasen bis zur Geisterstunde Karl May und schlichen sich mit bedeckten Augen (denn im Mondenschein reflektiert das Weiß des Augapfels das Licht!) lautlos an feindliche Lager an. Und doch hat diese Generation fast überhaupt keine Kuhhüter hervorgebracht. (Es kam übrigens auch nicht zu Kung-Fu-Straßenschlachten, obwohl für die etwas größeren Kinder doch Kung Fu DAS große Ding war: Filme mit Bruce Lee, die Kung-Fu-Fernsehserie namens „Kung Fu“ und im Radio und an der Spitze der Hitparade Carl Douglas mit „Kung Fu Fighting“, in dem voreilig festgestellt wird, jeder habe Kung Fu gekämpft. Aber alle haben bloß getanzt. Dümdedeldümdödümdödüm.)

Bild zu: Wofür das Netz nichts kann

Man hätte daraus lernen können. Es wäre möglich gewesen zu dem Schluss zu kommen: „Medien mögen unsere Kinder beeinflussen, aber vielleicht nicht in der Weise, die wir befürchten.“ Aber Lernen ist doof, Gelassenheit ist anrüchig. Also fürchten wir uns nun vor dem Internet wie meine Eltern fürchteten, ich würde einen Krieg vom Zaune brechen, bloß weil ich es mir angewöhnt hatte, mich um zwölf Uhr mittags mit dem Nachbarsjungen zu duellieren.

Nachdem Schüler aus Osnabrück in einem Ferienlager auf Ameland andere Kinder auf grauenhafte Weise sexuell misshandelt hatten, war die erste Reaktion: Das haben die aus dem Internet. Und es sind nicht ausschließlich Idioten und CSU-Ministerinnen, die so etwas sagen. Kurz nach den Ereignissen auf der Ferieninsel unterhielt ich mich mit einer Kunstprofessorin über diesen Exzess und auch sie war der Ansicht, die Macht der Bilder werde unterschätzt. Aus ihr sprach kein Kulturpessimismus, es war bloß eine intuitive Überzeugung. Als ich ihr widersprach, stampfte sie mit dem rechten Fuß auf, was bei einer älteren Dame ganz entzückend aussieht und durchaus als Argument durchgehen kann.

Aber wie um alles in der Welt ist Robert Musil auf den Plot seines Romans „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ gekommen? Dort wird der junge Basini von dreien seiner Mitschüler sexuell misshandelt. Robert Musil wird vermutlich 1906 noch keinen Internetzugang gehabt haben, die jesuitischen Mönche, die über Jahrzehnte ihnen anvertraute Kinder vergewaltigt haben, haben niemals 4chan gesehen. Das Geschehen geht seiner Abbildung voraus.

Natürlich ist es nicht gleichgültig, was Medien zeigen. Machen wir einen Abstecher zu den Haaren der amerikanischen Präsidentengattin, um den Einfluss der Bilder zu belegen.

Michelle Obama hat glattes Haar, Beyoncé hat glattes Haar, Oprah Winfrey hat glattes Haar. Gutes, entspanntes Haar. Es gibt für kleine amerikanische Mädchen mit afrikanischem Erbe wohin sie auch schauen kein Vorbild, deren Haar so aussieht wie ihres im Naturzustand. Also bändigen sie es und wenn die Eltern es gar nicht mehr erwarten können, dann bändigen sie es an Stelle der Mädchen, manchmal schon, wenn die Kleinen erst zwei Jahre alt sind. Der Dokumentarfilm „Good Hair“ des Comedians Chris Rock zeigt die Auswüchse dieser Haarproblematik: Schwarze Familien, die sich verschulden für Extensions, Echthaarperücken, Weichmacher, Glattmacher, Bleichmittel und anderes Folterwerkzeug, kleine Mädchen, die Brandblasen auf ihrer Kopfhaut haben. Die Industrie, die von dieser Sehnsucht, weiß zu sein, lebt, macht Milliardenumsätze und ist keine Erfindung der Gegenwart. Sie wächst und gedeiht seit Jahrzenten. Einzig der Afro war ein kurzes Aufbäumen schwarzen Selbstbewusstseins, er war zeitweilig so populär, dass er sogar in Afrika getragen wurde.

Wenn gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Medien ein so umfassendes Bild präsentieren, dass eine andere Wirklichkeit nicht mehr denkbar ist, dann beeinflusst dieses Zusammenspiel das Selbstbild und die Handlungen des Einzelnen.

Bild zu: Wofür das Netz nichts kann

Nehmen wir diesen Satz einmal als gegeben an und fragen uns nun, ob Bilder von analen Vergewaltigungen, die jemand im Internet sieht, auf dieselbe Art unser Bewusstsein formen.

Das oben erwähnte 4chan, ein so genanntes Imageboard, gehört zu den tausend meistbesuchten Seiten im Internet. Die Nutzer können anonym posten und ob der schieren Menge der Veröffentlichungen ist eine Moderation der Beiträge kaum möglich.So kommt es, dass auf 4chan regelmäßig Bilder erscheinen, die allein zu schildern dem Autor bereits einen Besuch des Landeskriminalamtes Berlin, Abteilung Gewaltdarstellung, bescheren würde. Vermutlich stammen diese Bilder aus Polizeiakten und der unter Menschen aufgewachsene durchschnittliche Mitteleuropäer kann sie nur unter Aufsicht seines Arztes betrachten. Oder aber er blendet aus, dass den Bildern etwas Echtes zugrunde liegt, ein Verbrechen oder ein Unfall.

Unsere Großeltern und wahrscheinlich jede Generation vor ihnen haben Grauen dieser Art auch gesehen. Bloß lag neben ihnen dabei keine Tüte Chips. Es gibt mit Sicherheit eine ganze Reihe von Theorien, die ich alle nicht kenne, zu der Frage, ob wir in einer keimfreien Welt, in der das Grauen in die Altenheime, Krebsstationen oder nach Afghanistan outgesourcet worden ist, einen Ersatz brauchen in abgemilderter, wegklickbarer Form. Ich bräuchte ihn nicht, von mir aus könnte das ganze Netz aussehen wie ein Rosamunde-Pilcher-Film im ZDF. Aber die meisten Menschen lieben den Grusel, schließlich sind wir auch alle mit Märchen, in denen es selten mal ohne Kannibalismus oder Kindermord ging, aufgewachsen.

Der Schulpsychologe Werner Hopf hat in seiner Studie „Mediengewalt, Lebenswelt und Persönlichkeit“ untersucht, durch welche Faktoren Jugendliche gewalttätig werden. „Als die fünf stärksten Prädikatoren erwiesen sich“, so Hopf „die materialistische Wertorientierung, der Gesamt-Mediengewaltkonsum, die Gewaltüberzeugungen, die Einflüsse des Gewaltklimas in der Peergroup und des Vielsehens/ Mediengewaltkonsums der Eltern.“ Konsumieren die Eltern ständig Gewaltfilme und lehnen ihre Kinder ab und schlagen sie, herrschen in diesen Familien „Hass, Wut, Rache, Angst und gegenseitige Feindseligkeit.“ Entscheidend sind nicht die Merkmale der fiktiven Gewalt „sondern die emotionale Reaktion und Verarbeitung.“ Und wie soll diese fiktive Gewalt schon verarbeitet werden, wenn man gegenüber den eigenen Eltern Rachegelüste hat? Wenn die Eltern gewalttätig sind, die Freunde und dann auch noch die konsumierten Medien immer den einen Lösungsweg aufzeigen, dann wird Gewalt für die jungen Schläger so unausweichlich wie für die kleinen afro-amerikanischen Mädchen das Glätteisen.

Die Kinder, die auf Ameland vergewaltigt wurden, haben ihren Betreuern gesagt, was mit ihnen geschieht. Die Betreuer hat es nicht interessiert. Ein Drittel aller sexuellen Gewalt an Kindern geschieht durch andere Kinder und Jugendliche (auch das ist keine neue Entwicklung) und die Reaktion der Betreuer auf Ameland ist eine typische: Die Gewalt wird bagatellisiert, Kinderkram halt, gleich vertragen sie sich wieder.

Es führt kein Weg daran vorbei: Man muss nah genug an den Kindern dran sein, um zu sehen, ob sie sich balgen oder ob eines von ihnen gequält wird, man muss ihnen immer wieder aufzeigen, was Gewalt bedeutet und wie man friedlich miteinander umgeht. Das ist wesentlich schwieriger als eine Pressekonferenz einzuberufen und zu behaupten, das Internet sei Schuld. Es ist allerdings auch wirksam und nicht bloß ein Placebo.

Erlauben Sie mir nun bitte, anstelle weiterer Argumente mit dem Fuß aufzustampfen. Ich muss noch eine Herde gen Westen treiben.

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74 Lesermeinungen

  1. Medien beeinflussen Menschen....
    Medien beeinflussen Menschen. Und es gibt Menschen die sich das zunutze machen um wirklichen Unfug zu verbreiten. Nehmen wir die relativ aktuelle Entscheidung vom BVerfG zum Thema Sorgerecht. Die stehet seit dem 21.07. im Netz, berichtet wird aber erst seit der Pressemitteilung vom 03.08. darüber. Schlafen die Gerichtsreporter? Warum ist in nahezu jedem im Internet dazu zu findenden Artikel ein Fehler eingebaut? Wie konnte die Redaktion der tagesschau laut Internet über ein Urteil berichten, welches es noch gar nicht gab. Wie kann man auf drei Seiten Spiegel-Online mehrfach EMGR statt EGMR schreiben? Warum weist Reuters Mittwochs auf eine entscheidung „vom Dienstag“ hin, meint aber den Dienstag vor 14 Tagen. Wird die Qualität aller Medien auf eneine Schlag schlecht? Oder ist es ein gezieltes Manöver diejenigen medial zu verunsichern für die das Thema interessant ist? Und da sind wir auch gleich bei unserem Thema: mediale Beeinflussung von Entscheidungen.
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    Und irgendwo hört der Spaß auf.

  2. Holla! Das ist treffend!...
    Holla! Das ist treffend!

  3. @anzugcase

    Hanlon's Razor...
    @anzugcase
    Hanlon’s Razor besagt: „Never attribute to malice that which is adequately explained by stupidity.“
    Wobei Stupidity hier wahrscheinlich ein zu hartes Wort ist. Unternehmen schreiben doch längst ihre Pressemitteilungen besonders flockig, so dass die als Verbreiter ausersehenen Medien gar nicht erst der Versuchung erliegen, selbst etwas zu dem Text beizutragen.
    Warum also noch selber suchen, wenn die Artikel doch fertig ankommen?

  4. Einverstanden. Western von...
    Einverstanden. Western von gestern gab es aber erst ab 17 Uhr, nicht rund um die Uhr; was auch gut war, wie hätten wir sonst aktive Cowboys werden sollen. Ganz zu schweigen von dem riesigen Aufwand an Zeit und Training, bis das geworfene Messer endlich indianermäßig im Baum stecken blieb. Dabei ist übrigens erstaunlicherweise nie etwas passiert, außer dass wir einmal jemanden am Marterpfahl vergessen hatten…
    Damals wie heute ist es nicht dumm, wenn Eltern ab und zu die Eier haben, einen Stecker zu ziehen.

  5. Schöner Text. Zum vorletzten...
    Schöner Text. Zum vorletzten Absatz: Wär ja schön wenn solche Pressekonferenzen wenigstens einen Placeboeffekt hätten.

  6. Karl May und Comics aus Dodge...
    Karl May und Comics aus Dodge City standen allerdings wirklich rund um die Uhr zur Verfügung. Ich hatte immer nur Gummimesser, die blieben höchstens mal in einem Auge hängen, aber niemals in Bäumen. Augen jedoch waren damals unendlich stabil, passiert ist dabei tatsächlich nie etwas.
    Zu den Eltern: Sind Kinder heute stärker als früher? Immer lese ich davon, die Eltern bräuchten Beistand seitens des Staates, dabei sind Achtjährige doch im Schnitt gerade mal 40 Kilo schwer.

  7. @ anzugcase Sie verwenden doch...
    @ anzugcase Sie verwenden doch SPON nicht ernsthaft als Informationsquelle?

  8. "Wir machen sie fertig!". Und...
    „Wir machen sie fertig!“. Und alle so:“Yeah“.
    „Wir mögen keine Nazis!. Und alle so: „Yeah“.
    „Also: Hier sind die Schwimmgürtel und jetzt ab ins Wasser. This is D-Day“.
    Famous last thoughts:…

  9. Nicht moralisch, sondern...
    Nicht moralisch, sondern produktiv
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    Ich greife zurück aufs letzte Thema: Konsumenten sind wir eben nun mal, nicht Produzenten. Ich bin überzeugt, dass die Straftätergemeinde via Mausklick erheblich kleiner wäre, wenn die versuchen wollten solche Filme mal selber zu drehen. Der Spaß wäre verflogen, man müsste zeigen, dass Sadismus eine gelebte Vorliebe ist. In Wahrheit aber ist es die erlittene Qual (nicht immer nur Prügel oder sexuelle Übergriffe verschaffen solche!), der man keinen Ausdruck verleihen kann, ohne sich zu outen, als Schwächling, als passiver Perverser, als perverser Passiver.
    .
    Also schaut man zu (wie in aller Regel auch weg, wenn Aktivität gefordert wäre), auch in der Hoffnung, den eigenen Druck los zu werden, zu delegieren, auf Andere. Die Medien sind nur deswegen ideal für, da sie den Konsum zur Droge machen, das erlittene Leid delegieren helfen.
    Die sexuellen Übergriffe von Kindern und Jugendlichen an anderen Kindern und Jugendlichen sind das treue Abbild hiervon. Ihr Leid muss so frisch sein wie ihre Grausamkeit authentisch.
    .
    Das ist der Grund für warum das Medium nicht der Täter ist. Es ist das Mittel der Selbstinszenierung, nämlich einer passiven Gesellschaft, einer Gesellschaft, die das Leiden so verinnerlicht hat, wie die Opfer De Sades.
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    Zuschauen und Wegschauen bedingen sich somit gegenseitig. Nur eigene Aktivität kann dies aufheben. Verbieten wir unseren Kindern nicht solche Filme, reden wir darüber, mit ihnen. Nicht moralisch, sondern produktiv.

  10. @Devin08
    Inwiefern hat die...

    @Devin08
    Inwiefern hat die Gesellschaft das Leiden verinnerlicht? Was die Passivität angeht, da stimmen wir überein, aber das Leiden leuchet mir nicht ein.

  11. @ilnonno "Damals wie heute ist...
    @ilnonno „Damals wie heute ist es nicht dumm, wenn Eltern ab und zu die Eier haben, einen Stecker zu ziehen.“ richtig oder
    Die Zeit dafür nicht mehr zu haben weil die Masse der Eltern unter dem Druck der Konsum/Leistungs-Gesellschaft einknickt und zwischen Arbeit und Bett lieber das Hirn abschaltet um auf Hartz4-Bummler zu schimpfen. Sowas ist für mich eins der größeren Probleme unserer Kinder. Gleich gefolgt von unseren Schulen.

  12. Danke für den klasse Artikel...
    Danke für den klasse Artikel übrigens :) (hatte ich oben vergessen)

  13. Konsum = Passiv = grammatische...
    Konsum = Passiv = grammatische „Leide“-Form, die womöglich aber gar nicht als physisches oder psychisches Leiden wahrgenommen wird. In etwa so?

  14. Sehr, sehr guter Artikel, der...
    Sehr, sehr guter Artikel, der die Phänomene realistisch beleuchtet und Dinge in den Zusammenhang stellt, die gern nur zu Medienproblemen verkürzt werden.

  15. @Christian: ich verstehe das...
    @Christian: ich verstehe das Argument mit dem gesellschaftlichen Druck, teile es aber nicht so ganz.
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    Die Gesellschaft besteht nicht nur aus überforderten Verlierern. Wenn immer wieder die hohen Verwaltungskosten der GKV genannt werden, bedeutet das immerhin, dass es bei denen eine große Anzahl sehr gut verdienender (und nicht unbedingt bis zur restlosen Erschöpfung belasteter) Angestellter gibt. Um nur einen winzigen Aspekt als Beispiel zu nennen.
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    Was ich bei mehreren Familien selbst mitbekomme: sie haben erstaunlich viel Geld zur Verfügung, sind dennoch am Monatsende klamm wie früher ein Arbeiter, der den Inhalt seiner Lohntüte versoffen hatte. Das Bedürfnis nach Konsumschrott ist immens, Autos haben einen hohen Stellenwert, der ganze Elektronikmist muss immer auf dem neuesten Stand sein. Die Kinder, und jetzt geht es los, sitzen stundenlang vor dem Fernseher, werden dort abgestellt. Vater und Mutter haben prinzipiell jede Menge freie Zeit, aber irgendwie keinen Draht, sich mit ihren Kindern auch nur kurze Zeit wirklich zu beschäftigen. Es herrscht ein barscher Kommandoton, falls irgendetwas oder irgendjemand nicht funktioniert. Kein Satz kommt ohne „schon wieder“ aus. „Was ist schon wieder?“. „Was hast Du schon wieder?“ „Was willst Du schon wieder?“ „Er ißt schon wieder nicht.“
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    Die Kinder sind natürlich trotzdem nicht doof und machen aus jedem Essen, jedem Schlafengehen nervenzerreißende Machtproben. Wie gehen die aus? Es gibt eben Schokolade und Kekse, und wenn das Kind nicht einschläft, bleibt es eben noch eine Weile bei den Eltern auf der Couch, um einen Krimischocker mit anzuschauen.
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    Weder habe ich mir das ausgedacht noch rede ich von äußerlich „auffälligen“ Leuten, Beamte, Angestellte. Es ist ganz normale Vernachlässigung bis hin zur Verwahrlosung. Die Kinder haben zu kleine Schuhe („schon wieder gewachsen“), aber das merkt niemand. Würde auch nichts nützen, die Kohle ist längst für Pay-TV etc. weg.
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    Untereinander gehen sich die Kinder in Kindergarten, Schule und sonstwo auf eine aggressive Weise an, dass ich staune. Keine Ahnung, warum. Vielleicht suchen sie Widerstand und Grenzen, an denen sie sich abarbeiten können. Und finden nur Desinteresse.
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    Es ist immer billig, mit der eigenen Schulzeit zu kommen. Aber mit den Lehrern, bei denen alles ging, waren wir immer sehr schnell durch. Spannend wurde es doch erst, wenn man sich mit massivem Widerstand auseinandersetzen mußte.
    Die Lösung mit oder ohne Internet bzw. mit mehr oder weniger Geld zu finden, das wird nicht gelingen.

  16. Da hat aber einer einen Punkt...
    Da hat aber einer einen Punkt getroffen oder den Nagel auf den Kopf gehauen! Kompliment!
    Wie so oft, leider auch hier in diesem Fall, ein gesellschaftliches Problem mit dem Überbegriff „Verantwortung“.
    Meiner Meinung nach ist nicht das Überangebot sämtlicher Medien (Quantität) verantwortlich dafür, dass sich teilweise schreckliche “Dramen“ in unserer modernen Welt abspielen, sondern vielmehr der Mangel an „persönlicher Verantwortung“ der überwiegenden Bevölkerung sich selbst und anderen gegenüber.
    Ich habe sehr viel mit den sogenannten neuen Medien zu tun und erschrecke immer wieder auf´s neue, wenn ich sehe wie Menschen diese Möglichkeiten benutzen. Solange man sich selbst damit „Schaden“ zufügt, mag das ja gerade noch so angehen (Einhandeln von Trojanern, Viren, etc.).
    Viel bedeutungsschwerer wiegt die Tatsache, dass heute sehr viele Eltern aus Bequemlichkeit heraus – wollte nicht Desinteresse sagen – ihre Kinder unzensiert, ungeübt und ohne Aufsicht in´s Internet lassen, diese vor den Fernseher setzen, oder extreme Computerspiele spielen lassen.
    Das all diese Dinge auf dem Markt sind hat ja durchaus im Sinne der Marktwirtschaft seine Berechtigung, jedoch gehört zu einem vernünftigen Leben halt auch dazu, sich zu engagieren und besonders für die eigenen Kinder. Das ist Elternverantwortung, die wohl eher nicht mehr wahrgenommen wird, egal mit welcher Begründung auch immer argumentiert wird (weshalb gerade keine Zeit dafür ist).
    Der Medienkonsum ist durchaus o.k. und gehört dazu, wenn wir wollen das unsere Kinder sich in einer zukünftigen medialen Welt zurecht finden, aber bitteschön nur mit Aufsicht und Kontrolle der Eltern, zumal dann auch viele Eltern selbst etwas dazulernen würden. Solange ein 4 klässler im Bedienen des PCs blind seinen Eltern etwas vormacht, solange läuft das leider falsch.
    Also … ein gutes Maß mehr an Verantwortung übernehmen und schon relativieren sich die großen Problemfälle der Vergangenheit.
    In diesem Sinne und viele Grüße Tom2010

  17. @ego
    Bei Szenario 2 denke ich...

    @ego
    Bei Szenario 2 denke ich ähnlich, allerdings wird immer wieder behauptet, die Intesität der Raufereien habe sich erhöht. Also: Da, wo vorher aufgehört wurde, wenn der andere am Boden liegt, wird heute zugetreten. Allerdings erinnere ich an eine Bahnfahrt mit einer Hauptschullehrerin in den 80ern, die hat damals schon so was erzählt. Ich bezweifel, dass es heute auf Gymnasien zu Messerstechereien kommt, habe da aber keine Statistik oder etwas ähnlich Beeindruckendes zur Hand.

  18. @n.a.v.s., ja, die...
    @n.a.v.s., ja, die Schlägereien sind härter, aber ich glaube, das liegt an der Strenge der Regeln: Je geringer meine Chance des Ausbruchs aus einem immer starreren Regelwerks ist, desto mehr muss ich, so mir der Ausbruch gelang, dieses hinter mir lassen, oder so ähnlich. Das liegt aber m.E. nicht nur an den Eltern, sondern an der (Allge)Meinung. Welches Kind unter 10 Jahren darf denn heute noch unbeaufsichtigt toben? Welche Kinder können sich noch balgen ohne ein „Vorsichtig, dass niemandem was passiert.“ Selbst Spielplätze werden jetzt schon betreut, auf das ein Kind nie eine eigene Konfliktlösung entwickle. Für jedes „Problem“ ein neues Gesetz und dann wundern, wenn die Frustration zur Eskalation entartet. ( Ups, darf man „entartet“ eigentlich noch sagen oder nur wenn es nicht mit „Kunst“ verknüpft wird?

  19. Das Elend der...
    Das Elend der „verhausschweinten“ Gesellschaft
    .
    @Nicander A. von Saage/Muscat:
    In dem Sinne wie Muscat das ausdrückt, aber darüber hinaus als speziell erlittene Sozialisation. So ähnlich wie die Klassensozialisation. Der Proletarier/der Konsumbürger = Subjekt/Objekt des Kapitals. Das Subjekt im Verwertungsprozess/Verteilungsprozess ist zugleich dessen Objekt. Im Subjektsein als Produktionskraft gibt es Möglichkeit der Emanzipation/des aktiven Widerstandes, im Objektsein dies nur bedingt.
    .
    Leisten wir Widerstand, dann sprengen wir den Fetisch der Warengesellschaft, insofern wir uns dem „automatischen Subjektsein“ (Karl Marx) widersetzen, erlangen evtl. Klassenbewusstsein/revolutionäres Subjekt-Bewusstsein. Im Konsumbereich ist der Widerstand gegen Verteilungsinteressen des Kapitals, also die Zuschreibung als Subjekt des inneren Marktes nur mit erhöhtem Bewusstseinsaufwand möglich. Doch bleibt solidarisch geübter Konsumboykott eine intellektualistisch-kleinbürgerliche Wunschvorstellung.
    .
    Wir kaufen das Auto/den Fernseher (darin im Unterschied zu den Grundnahrungsmitteln vielleicht) ja nicht wegen dessen Gebrauchswertigkeit, sondern im Rahmen dessen Tauschwertfunktion. Ein solches Konsumgut kompensiert auch unsere Minderwertigkeit/den schwachen Status im Produktionsprozess (eben derselben Güter). Wir erwerben nicht nur ein evtl. höherwertiges Konsumgut, sondern erfahren damit auch eine Befriedigung unseres Statusbewusstseins.
    .
    Über diese Schiene erfolgt die Sozialisierung zum Konsumidioten, zum passiven Statusjäger. Die damit einhergehende strukturell verübte Selbstvergewaltigung erzeugt eine nach außen gerichtete Kompensationsmaschinerie und äußert sich eben nicht nur in einer Vielzahl von mehr oder weniger harmlosen psychischen Defekten (von der Zumüll-Krankheit bis zum Latexfetischismus), sondern eben auch in einer Reihe von sehr gefährlichen sozialen wie politischen Trieben (so könnte man auch gewisse Rechtsextremisten als Triebtäter bezeichnen).
    .
    Der Vergewaltigungstrieb der daraus folgt, soll die Selbstvergewaltigung erleiden helfen. Der Konsumidiot ist somit ein hochpotentieller Triebtäter. Das ist im Wesentlichen das psychosoziale Ergebnis der Klassenteilung in der modernen Gesellschaft, welches aber nicht einfach mit der üblichen Klassenteilung zusammenfällt. Denn soweit die Produktionsklasse noch produktiv ist, stünden dort eben nicht nur die sozialen Widerstandsmöglichkeiten zur Verfügung, sondern eben überhaupt der Produktionsprozess als Gegengewicht zum Passiv-, zum Konsumsein. Alle mehr oder weniger nichtproduktive aber hochkonsumtive Schichten sind dem gegenüber aber stark betroffen (vom Arbeitslosen bis zur unterbeschäftigten Hausfrau, aber auch schon vom vernachlässigten und somit gelangweilten Kleinkind bis zum pubertierenden, bzw. statussüchtigen Schüler, vom u. U. doch unterbelichteten Studenten einer Geisteswissenschaft bis zum Rentner in einer vergammelten Altenwohnanlage, die ganze „verhausschweinte“ – Robert Kurz – Gesellschaft also.

  20. ich versuche in den kommenden...
    ich versuche in den kommenden Tagen ausfuehrlich darueber zu schreiben was es alles gibt in dieser und anderer Richtung

  21. Sehr guter Artikel,...
    Sehr guter Artikel, chapeau!
    Alle zehn Jahre wird eine neue Sau durch’s Dorf getrieben, wenn der öffentliche Diskurs einen Sündenbock für die angebliche Verwahrlosung der Jugend sucht. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Kindheit (in den sechziger Jahren) Comics waren, über die die Untergangspropheten und Sittenwächter ihre Geiferdrüsen entleerten. Meine Eltern erlaubten mir die gute, alte Micky Maus erst nach langem Zögern und nachdem die engere Verwandtschaft in einem Ad-hoc-Erziehungscolloquium zum Ergebnis gekommen war, dass Micky-Maus-Comics immer noch unbedenklicher seien als Superman und Batman – die standen am meisten im Verdacht der Verführung unschuldiger Kinderseelen (zu was auch immer).
    Tatsächlich lässt sich eine bedeutsame, quantitative Zunahme von Jugendgewalt nicht nachweisen und auch über die stärkere Enthemmung von Intensivtätern kann man streiten. So etwas gab es auch schon früher, doch das wurde weitaus seltener in den Medien breitgetreten und wenn, dann eher als isolierte Einzeltaten oder als Milieuspezifität denn als größerer gesellschaftlicher Trend interpretiert. Der Bruder eines meiner Schulfreunde war Hauptschullehrer und was der uns über seine Schüler erzählte, war doch den heutigen Schreckensszenarien sehr ähnlich. Durch diese Rahmung war auch klar, dass „uns“ so etwas ohnehin nie passieren kann und auch unsere Eltern kamen nicht auf die Idee, dass sich ihre Kinder so entwickeln würden.
    Was sich wohl wirklich änderte, ist die öffentliche Sensibilität für das Thema; insbesondere ist das Gefühl, überall Bedrohungen ausgesetzt zu sein, stärker und weiter verbreitet. Früher war es nur die sprichwörtliche Oma, die glaubte, überall von Mördern und Vergewaltigern umgeben zu sein, doch inzwischen hat diese Sorge praktisch alle Altersgruppen erreicht. Das geht gerade auch in den gebildeten Schichten mit dem Eindruck einher, dass Kinder sich quasi automatisch zu bildungsabstinenten Schlägern entwickelten, wenn man sie nicht rechtzeitig von allen negativen Einflüssen abschirme.

  22. Gesicht Zeigen!Für ein...
    Gesicht Zeigen!Für ein weltoffenes Deutschland hat sich mit dem verstärkten Auftreten von Gewaltvideos im Internet beschäftigt und dazu ein kurzes Video produziert.
    http://www.youtube.com/watch?v=x7gmJf7xups
    Auch wenn sich darauf geeinigt werden kann, dass Gewalt in einer Gesellschaft andere Ursprünge hat als das Internet, stellt sich doch die Frage, ob das Internet nicht in der Lage ist, diese Entwicklungen zu fördern oder sogar zu verändern (verschlimmern,verharmlosen).
    Was denken sie darüber? Füttert das Internet aggressive und gewalttätige Strömungen?

  23. Als Kind habe ich gerne und...
    Als Kind habe ich gerne und ausgiebig mit Kriegsspielzeug gespielt, und mit Flippy 6er Revolvern (Stück DM 4,95) haben wir uns gegenseitig unzählige Male erschossen. (Der Erschossene musste sich dann auf den Boden legen und bis 60 zählen, bevor er wieder mitspielen durfte).

  24. @handmeier555
    Mein Bruder und...

    @handmeier555
    Mein Bruder und ich haben ganze Armeen von Plastiksoldaten dahingemetzelt; ich glaube, sie waren von Airfix. Wenn ich mich recht erinnere, bekam ich meine erste Spielzeugpistole zu Fasching, als Teil meines Cowboy-Kostüms. Mein kleiner Bruder ging als Indianer und sollte nur ein Plastikmesser bekommen – er hat aber erfolgreich Einspruch eingelegt und die Bewaffnung der indigenen Völker auf Augenhöhe durchgesetzt.

  25. Nicander A. von Saage, Sie...
    Nicander A. von Saage, Sie verstehen es hier hervorragend, ein wichtiges Thema und Ihre These dazu in ein hübsches Gewand zu kleiden. Sehr guter Beitrag! Bisher der Beste in diesem Blog.

  26. @Observator
    Wir wurden mit der...

    @Observator
    Wir wurden mit der Warnung versehen, nicht mit Fremden mitzugehen und dann haben wir ganze Tage draußen verbracht. Als Jürgen Bartsch während seiner Operation verstarb, war ich zwei Jahre alt. Trotzdem haben unsere Eltern – obwohl Bartsch ja auch ein Medienthema war – nicht damit gerechnet und vor allen Dingen uns nicht andauernd wissen lassen, was alles passieren könnte.
    Natürlich wird heute eher aus einem Schwein, das in Mexiko blaß um die Nase ist, eine globale Bedrohung gemacht, aber Eltern waren früher auch etwas erwachsener und weniger ängstlich (wobei es ja seltsamerweise immer die anderen Eltern sind, die rumspinnen, die Eltern in meinem Bekanntenkreis sind auch recht gelassen).

  27. @GesichtZeigen
    Wenn mich nicht...

    @GesichtZeigen
    Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich dazu gerade einen Beitrag geschrieben.
    Gewaltmedien haben dann einen Einfluss, wenn alle anderen Einflüsse auch negativ sind. Man sollte aber nicht in die Freiheit aller eingreifen, nur weil einige nicht damit umgehen können.

  28. @von Saage
    Ich musste...

    @von Saage
    Ich musste tatsächlich erst nachschauen, wer Jürgen Bartsch war (sic transit gloria mundi). Es gibt sie schon, diese Eltern – ich habe da ganz konkret zwei, drei Paare aus dem Kreise meiner jüngeren Kolleginnen und Kollegen vor Augen. Na ja, irgend jemand muss halt diese ganze Erziehungsratgeberliteratur kaufen, sonst wird sie noch eingestampft.

  29. Ihr Memmen, allesammt! Kaum...
    Ihr Memmen, allesammt! Kaum hatte ich meinen Werther im Druck, kleideten sich 1000 Jünglinge in gelbe Westen – und erschossen sich 100 Jünglinge – im Jahr! Überholt dies, ihr Pfeifen, mit euerm Netz.

  30. @Tom2010
    Eine entfernte...

    @Tom2010
    Eine entfernte Bekannte hat kürzlich von der Gefahr von Kinderpornos auf den Handys ihrer Kinder erzählt. Die Kinder gingen in den Kindergarten, ich habe allerdings nicht nachgefragt, mit wem die denn so telefonieren.

  31. @ Nicander A. von...
    @ Nicander A. von Saage,
    schade, dass Sie dies nicht getan hatten. Aber … es ist ja bekanntlich nie zu spät und vielleicht sollten Sie die Dame einfach einmal anrufen und nachfragen.
    Es wäre gut möglich, dass sie sich über ihr Interesse freut? Viel zu wenige interessieren sich ersthaft …
    In diesem Sinne und viele Grüße Tom2010

  32. Als Kind... als Kind gab es...
    Als Kind… als Kind gab es keine so vollständige Umnachtung mit Bilder wie heute. 4chan ist nur ein Fluchtpunkt/Quintessenz der zu verdauenden Bilderflut auf die die Kinder reagieren.
    #k.

  33. guter artikel, aber: ich...
    guter artikel, aber: ich kannte keinen, der damals pubertierte und karl may las, das war noch ne generation vorher. may im original war dann doch angesichts tv schon zu langatmig. dafür gab es umso mehr zwielichte peergroupies, die einem zwanglos asiatische prügel anboten, die sie am wochenende im schulfernsehen oder mit vati in der ab-16-kinovorstellung gelernt hatten. zum beispiel, dass man handkantenschläge schon fürs angucken verteilt.

  34. Nein, May liest man...
    Nein, May liest man tatsächlich eher in der Grundschule. Dann kam bei uns TKKG und Christine Nöstlinger. Dann Marx for Dummies.
    Liest man May heute noch?

  35. May hab ich bei meinem Sohn...
    May hab ich bei meinem Sohn probiert. Fand er langweilig. Aber Traven fand er toll.

  36. "Die" Kindheit ist eine...
    „Die“ Kindheit ist eine Illusion, theoretisch verbrochen von J. J. Rousseau, Pestalozzi, Montessori und der ganzen nachfolgenden schwurbeligen Ratgeberliteratur, oder platonisch nachgearbeitet im Odenwaldstil. Davor gab es eine Kindheit in unserem heutigen Sinne nicht. Die Kinder der Adligen wie die der Bürger sahen in den engen Kabuffs der Burgen, Schlösser und enggiebligen, mit Menschen vollgepropften Häuser (Mägde, Gesellen, Fuhr-und Pferdeknechte, kantonierte Soldaten) jeden Tag wie Kinder gemacht wurden, ganz ungeniert.
    Auf dem platten Land ist´s eh bis heut nicht anderser bis eben noch so gewesen ;-)
    Als Kind habe ich als 5-jähriger Erschossene, Erhängte gesehen, vergewaltigte Frauen nach dem Einmarsch Alliierter Truppen. Pralles Leben das… so ging es eigentlich all die Menschheitsgeschichte hindurch. Nix Neues, weil der Mensch wird schon mal ab und zu eine „Sau“. Wie in Juguslawien vor kurzem.
    HansMeier555@:… oder so ähnlich.

  37. ich habs mal vor einigen...
    ich habs mal vor einigen jahren erneut versucht, so mit background über den karl und die zeit in er das schrieb als erträglichkeitsgrundlage, aber nach einigen zehnerseiten habe ich mich dann doch im üppigen landschaftsgeschwafel verlaufen und kam nicht mehr vorwärts.
    heutige jugendliche lesen es wahrscheinlich aber nur noch, wenn sie wie der autor in einzelhaft sitzen. (die chancen sind also gestiegen.)
    mays karabenemsische als hörspielplatten wird für mich immer die angenehmste darreichungsform seiner werke sein. walter adler, der mays orientzyklus vor einigen jahren als hörspielreihe neu und erwachsen inszenierte, sagte in einem interview recht offenherzig, dass es bei may im grunde in stetiger folge ums gefangennehmen und anschließende befreien gehe. kann also sehr ermündend sein, so wie landschaft.

  38. Sehr geehrter von Saage - Das...
    Sehr geehrter von Saage – Das ist mal eine deutliche Steigerung. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich bitte Sie um Verzeihung, dass ich im ersten Zorn sofort zum Revolver gegriffen habe. 4.8. 2010 13.43 Uhr.

  39. Für sexuelle Verrohung ist...
    Für sexuelle Verrohung ist natürlich nicht das Internet der Super-Sündenbock.
    .
    Die ging schon früher los.
    .
    Wenn es einer hören will hier: Titten überall und pornohaftes (objekthaftes) Posen in Zeitungen Print und Plakaten. Aussehen/Optik und Geschlecht als Fetisch fürs Karrieremachen. Sex sei wie Sport. Gefühle wie romantisches Verehren aus der Ferne sind was für Loser. Undsoweiter. Könntsoweitermachen.
    .
    All das nehmen junge Menschen wahr. Da ist die tolle coole Welt, in die wir sie hineingeboren haben. Angeblich wissen 11-jährige zwar schon was Sex ist, aber nicht, was Liebe bedeutet. Romatische Gefühle kennen viele junge angeblich nicht mehr. Sie wollen angeblich nicht schwärmen und schmusen, sondern gleich an die Titten fassen. Irgendwas ist passiert.
    .
    Aber das ging vor dem Internet schon los.
    Das Internet ist nur der Spiegel (unseres Benehmens). Aber nicht der Schuldige.

  40. @sargnagel
    Revolver sind gar...

    @sargnagel
    Revolver sind gar kein Problem.

  41. @Vroni
    Das ist ein ganzer...

    @Vroni
    Das ist ein ganzer Themenkomplex, den Sie da anreißen. Ich werde da vermutlich noch häufiger etwas zu schreiben. Bin gespannt, ob wir da zusammenfinden werden.

  42. Hm, lieber Nicander A. von...
    Hm, lieber Nicander A. von Saage,
    habe das gar noch so als ganzen Themenkomplex empfunden.
    .
    Eher weniger kompliziert. Eher als eine Frage der klaren Haltung als Mensch: Wie stehen wir zu uns und der Welt, wie gehen wir miteinander um? Behandeln wir uns gegenseitig kühl oder gar verachtungsvoll nur als Objekte oder nehmen wir uns gegenseitig als Seelen wahr. Eigentlich eine ganz einfache Frage: la condition humaine.
    .
    @ Observator
    Dass Kindheit in Altertum und Mittelalter bis hin zu Aufklärung, Biedermeier und Neuzeit nie so richtig witzig war, sei davon unberührt. Wir können nicht, nur weil früher Kinder auch noch nie als Seelen behandelt wurden, genauso roh weitermachen. Als Objekt behandelte Menschen führen ihr Leid fort: mit Aggression, mit Kriegen, mit Versklavung, mit Vergewaltigung. Die Menschheitsgeschichte erzählt fast nur davon.

  43. @Vroni
    Aber gerade das ist...

    @Vroni
    Aber gerade das ist kompliziert. Wenn ich nicht einmal meinen eigenen Körper als einen Teil von mir sehen soll, sondern als etwas beliebig Manipulierbares, wie soll ich dann andere Menschen als Subjekte sehen?

  44. Tja,
    für mich ist der...

    Tja,
    für mich ist der Zusammenhang an sich gar nicht kompliziert.
    .
    Natürlich: Wenn ein Mensch bereits als Objekt tickt, wird es natürlich schwer bis unmöglich, ihn dazu zu bringen, andere wiederum nicht auch als Objekt sondern achtsam als Seelen wahrzunehmen. Da beißt si fast nix mehr. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
    .
    Der Zeitgeist, die Aufteilung in Gewinner und Loser ist ein Problem. Wenn achtsamen Menschen ihre Achtsamkeit entwertet wird, diese als Losertum hingestellt wird, sie gar als Trottel betrachtet werden, die es nur nicht schaffen, sich roh durchzusetzen, dann sollten genau diese Achtsamen mehr Respekt für ihre Haltung fordern.

  45. @Vroni
    Ich vermute, Sie...

    @Vroni
    Ich vermute, Sie beziehen sich auf das Posting von Friedenspfeife; ich habe zur Geschichte der Kindheit gar nichts gesagt und ich plädiere auch keineswegs dafür, Kinder zu Objekten zu machen – da sei Kant vor.

  46. @von Saage (13.44h)
    Hm, mit...

    @von Saage (13.44h)
    Hm, mit Bezug auf das Internet (multiple Identitäten) und medizinische Fortschritte (plastische Chirurgie et al.) wurde und wird die Frage zu den Folgen solcher Technologien für die Identität des Subjekts ja immer wieder aufgeworfen. Es lohnt sich bestimmt, dazu etwas zu schreiben, aber das ist eine wirklich schwierige Frage, über die unter den Philosophen nach wie vor gestritten wird. Als Boethius den Begriff der persona verwendete, um sozusagen in einem Aufwaschen eine Antwort auf das Trinitätsproblem zu geben und das Verhältnis des Menschen zu Gott zu bestimmen, waren die Dinge ja noch verhältnismäßig überschaubar. Seither wurden so viele unterschiedliche Antworten auf die Frage gegeben, was Personalität ausmacht, dass man vielleicht erst einmal überdenken müsste, ob die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Ganzen und seinen Teilen überhaupt sinnvoll ist. Ich neige da zu Locke: Meine Identität ist (kurz gesagt) die Kette meiner Erinnerungen.

  47. @Observator
    Sie erwischen mich...

    @Observator
    Sie erwischen mich auf einer ganzen Reihe von falschen Füßen, allerdings würde ich sagen, dass das Internet doch eher ein Refugium der klassischen Identitätsaufspaltung in verschiedene Figuren ist, währned sonst überall verlangt wird, mit sich selbst zu jeder Zeit identisch zu sein.

  48. Das Internet ist doof....
    Das Internet ist doof.

  49. @von Saage
    Ich verstehe, was...

    @von Saage
    Ich verstehe, was Sie meinen. Doch diese Forderung muss ihrerseits hinterfragt werden, sonst führt sie zu Antagonismen oder sogar zu Paradoxien. Es wird erwartet, authentisch zu sein (vielleicht in diesem Zusammenhang ein besserer Begriff als identisch) und sich nicht zu verstellen, es wird aber auch erwartet, dass man sein Verhalten den Erfordernissen verschiedener sozialer Umgebungen anpassen kann. Nehmen wir ein extremes Beispiel: Wenn ich von einem hochaggressiven Menschen verlange, dass er damit aufhört, sich so zu verhalten – ist er dann noch authentisch/mit sich selbst identisch, wenn es ihm gelingen sollte, dieser Forderung nachzukommen? Das ist eine sehr verzwickte Frage. Doch das ist sie nur, weil radikale Ansprüche an Authentizität//Identität selbst irreal sind.

  50. Vroni@: Damit kein...
    Vroni@: Damit kein Mißverständmis hier auftaucht. Meine Billigung hat das von mir Geschilderte nie gefunden. Es war für mich seinerzeit verstörend und absolut rätselhaft wie so etwas sich Menschen antun können/konnten. Später in der Schule,
    im Religionsunterricht wurden andere Gesichtspunkte herangeführt, die vieles gerade rückten, zumindest aber relativierten. Dennoch sehe ich die condition humaine sehr skeptisch in Ihrer Instabilität eher als Etwas, dessen Tragfähigkeit täglich neu erworben und vergewissert werden muß. Das Internet ist völlig neutral, wie eine Axt, aber es kommt auf den Gebrauch an und welche jeweiligen Intentionen und Interessen dahinterstehen, was die http://www.s und deren Nutzen anbelangt. Die Liebesfähigkeit der Menschen untereinander hängt sowohl vom Elternhaus und dessen vermittelten ethisch-moralischen Standards ab, als auch von der genetischen Grundausstattung. Aus Disteln kann man keine Rosen züchten. In dem Zusammenhang finde ich das, was die Neurologie in Teilbereichen da neuerdings an vermeintlicher, wissenschaftlich abgeleiteter, Relativierung in Bezug auf Schuld-fähigkeit, Ethik und Moral anbietet geradezu grotesk in ihrer Selbstüberschätzung.

  51. “Was machst den Du...
    “Was machst den Du hier?“
    Antwort1: „Meine Mutter abholen“ (Frauenhaus)
    Antwort2: „Der Kapitän hat mich eingeladen. Offenbar ein Irrtum. Übrigens: Historisch betrachtet ist Kapitän ein Frauenberuf“
    Antwort3: „Thorsten schickt mich. Die Position für mein Projekt vertreten. Und: Fahr doch zur Hölle!“

  52. @Observator
    Ich halte...

    @Observator
    Ich halte andauernde Authentizität für ein außerordentliches Problem. Sehr zu empfehlen ist da „Das schmutzige Heilige und die reien Vernunft“ von Robert Pfaller.

  53. @vroni, der wesentliche...
    @vroni, der wesentliche Beitrag des Tages kam heute von Ihnen:
    „Das Internet ist nur der Spiegel (unseres Benehmens). Aber nicht der Schuldige.“

  54. ein toller text - danke! nach...
    ein toller text – danke! nach einem ersten lesen fällt mir ein, dass susan sontag vor ein paar jahren bei hanser das buch „das leiden anderer betrachten“ rausgebracht hat, auf dem umschlag eine Abbildung einer Radierung von Goya über die Schrecken den Krieges: ein Uniformierter betrachtet lässig, nachdenklich, vielleicht eine Spur amüsiert einen erhängten am baum…

  55. Die Hölle im eigenen...
    Die Hölle im eigenen Fremd-Sein (2. Versuch!- Gibt es ein Problem mit diesem Beitrag?)
    .
    @Vroni/von Sage: Ethisch mag das einfach und schnell formuliert sein, psycho-sozial wohl eher nicht. Schauen wir das wohl vielen aus meiner Generation bekannte „Geschichte der O“ an. Abgesehen davon, dass das medial zu einem knallharten Porno verarbeitet wurde, ist es auch ein Liebesbuch, ein Buch, das eine Frau für ihren Geliebten geschrieben hat.
    Was läuft hier ab? Sadomasochismus, sprich: purer Sex und leidenschaftliche Erotik im Genre Pornografie, doch als Liebesgeschichte! Was geht in den Frauen vor, die ihren Körper Stückchen für Stückchen, darin Traumatisierten nicht unähnlich, Fremden für Sex überlassen? Sind wir noch klar im Kopf?
    Oder ist es eben die Klarheit darüber, dass die bürgerliche Liebe sich überl(i)ebt hat, überreizt hat, reizlos geworden ist? Wer will noch einem Menschen glauben, dass der ihn liebe, wenn man doch selber keinen Glauben an diese Liebe (für sich selbst) hat?
    Das Objekt der Liebe empfindet sich nicht als Subjekt, denn als Subjekt ist es unterbelichtet, unterjocht, sich fremd, andern gehorchend. Begehrt zu werden, nicht geliebt, ist dann die einzige Hoffnung, die da bleibt.
    Man trennt daher die besonders begehrten Teile ab, so wie das Filet vom geschlachteten Vieh und trägt es zu Markte. Den einen reizt der Busen, den anderen eben andere Geschlechtsorgane. Ein bisschen Fetischismus gehört wohl auch dazu. Als Gegenwert erhält man kein Geld, ausnahmsweise mal ((es sei denn, man ist Professionelle(r)), sondern „Wert“, Erhöhung im eigenen Wertgefühl. Und das verschafft Lust, Befriedigung.
    Ein langer und komplizierter Weg um ein zufriedenes/befriedigtes Subjekt sein zu dürfen.
    Diesen Weg können wir nicht abkürzen, denn das Bewusstsein schafft es nicht, ausnahmsweise mal nicht, da was anständig zu kompensieren. Erklären ja, lösen nein! Wir müssen da wohl durch, durch diese Hölle im eigenen Fremd-Sein.

  56. @Devin08
    Zunächst zum...

    @Devin08
    Zunächst zum Technischen: Bei mir ist zuvor kein Beitrag in der Moderation gelandet, kann mir das auch nicht erklären.
    Wenn alle nur begehrt werden wollen, dann ist am Ende natürlich keiner mehr da, der begehren kann. Volkmar Sigusch, der den Begriff der Neosexualität geprägt hat, hat wohl einmal Späher auf die Love Parade entsandt. Ihm wurde berichtet, dass da sexuell recht wenig los gewesen sei, man wolle sich halt ansehen lassen und – siehe oben – wenn alle angesehen werden wollen, schaut halt keiner mehr.
    Interessant ist übrigens auch der Aspekt: Wo fängt Fetischismus eigentlich an? Man könnte natürlich sagen, dass er da beginnt, wo mir eine Eigenschaft am anderen wichtiger ist als seine Person, aber tatsächlich ist es ja wie bei Woody Allen, der in einem Film zu seiner (Ex-)Freundin über einen Nebenbuhler sagt „Wenn du sein gutes Aussehen wegnimmst und seinen Charme und sein Geld und seinen Witz, was bleibt dann?“, worauf die Frau antwortet „Du.“

  57. Guter Artikel. Die...
    Guter Artikel. Die Feststellung, dass das Geschehen der Wirklichkeit stets vorausgeht. ist absolut zutreffend. Dennoch ergeben sich aus der Abbildung sexualisierter Gewalt weitere Aspekte, die ich ergänzen möchte.
    1) Die Darstellung sexueller Gewalt lässt sich nutzen, potenzielle Opfer unempfindlich zu machen, ihren Widerstand zu überwinden: „Schau hin, das ist ganz normal, das machen alle so.“
    2) Der Gewalttäter findet durch die Abbildung persönliche Bestätigung. Jede derartige Darstellung zeigt ihm, dass seine gewaltsamen sexuellen Neigungen von vielen anderen geteilt werden. Er ist nicht allein sind, einen Mausclick weit entfernt ist der Bruder im Geiste – und in der Tat.

  58. Wer wollte da noch...
    Wer wollte da noch produzieren?
    @von Sage: That’s the point: Alle wollen nur noch begehrt/passiv sein, nicht begehren/aktiv sein. Ein Albtraum für die kapitalistische Gesellschaft, wenn alle nur noch kaufen wollten, wer sollte dann noch verkaufen? Wer wollte da noch produzieren? Wir verstehen uns langsam.

  59. Hi Nicander A. von...
    Hi Nicander A. von Saage,
    Woody Allen erweist sich einmal mehr als wichtiger Philosoph u. Psychologe.
    Man koennte die Frage:
    „Wenn du sein gutes Aussehen wegnimmst und seinen Charme und sein Geld und seinen Witz, was bleibt dann?“
    auch so beantworten, dass man auf die kollektive Seite der Identitaet verweist. Wenn die angefuehrten Merkmale deren individuelle Seite markieren u. man von ihnen absieht, bleiben ja diejenigen uebrig, die die Verbundenheit mit oder Zugehoerigkeit zu Kollektiven betreffen: die koll. Identitaet. Das o.a. Phaenomen der multiplen Identitaeten laesst sich m.E. nur darueber fassen, auch die Selektions- u. Ordnungsleistung, die eine gelungene Identitaetsbildung beinhaltet.
    Das waere der Diskussionsstand von Freud u. G.H. Mead, der in vielem von Nietzsche aphorismenartig vorweggenommen wurde, u. das nicht nur mit Blick auf den Anderen in mir, der mir mit dem erhobenen Zeigefinger das Leben schwer macht, das liebe Gewissen oder Ueber-Ich.
    MfG
    G. Sch.

  60. Göttlich....
    Göttlich.

  61. Schon ein seltsames Gefühl,...
    Schon ein seltsames Gefühl, 4chan auf faz.net erwähnt zu sehen.

  62. @anderl
    Genau das ist auch der...

    @anderl
    Genau das ist auch der Grund (oder besser einer der Gründe), warum meine Argumentation bei der Darstellung von sexueller Gewalt an Kindern nicht greift. Hierbei handelt es sich natürlich nicht einfach um Daten, sondern wie Sie richtig ausführen, um mögliche Tatwerkzeuge.

  63. @G. Schoenbauer
    Ich verstehe...

    @G. Schoenbauer
    Ich verstehe Woody Allen nicht so sehr dahingehend, dass er eine Art kleinster gemeinsamer Nenner Mensch ist, sondern eher so, dass er nicht hübsch, nicht charmant, nicht witzig ist. Kein leeres (wenn auch durch das Kollekt genormtes) Blatt, sondern ein vollgekrakeltes, and den Seiten eingerissenes.
    Ich finde die Idee, dass Nietzsche Freud „aphorismenartig vorweggenommen“ hat, faszinierend. Houellebecq ist ja mit seinen beiden ersten Büchern vergleichbares gelungen, wohl niemand wird so häufig von Soziologen und Sexualforschern aufgegriffen. Erstaunlich, dass Autoren der Wissenschaft vorangehen können.

  64. Lieber Don, ist Ihnen...
    Lieber Don, ist Ihnen verborgen geblieben, daß sich – zumindest in Norddeutschland – ausschließlich ein gewisser Professor Chr. Pfeiffer zu dem von Ihnen gewählten Thema äußern darf? Das sieht offenbar eine Vorschrift in den Landesmediengesetzen so vor. Sie werden also Ärger bekommen. Zumal Ihr Beitrag und viele der Kommentare dazu führen müßten, daß der Professor und die ihn regelmässig befragenden „Journalisten“ nicht einmal mehr eine Statistenrolle in einem Remake der Pfffeuerzangenbowle erhalten.
    Ihre Klarsicht ist erfrischend. Hut ab und weiter so!

  65. Ich muss an dieser Stelle...
    Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich nicht der Autor des Beitrags bin.

  66. Die allgemeine...
    Die allgemeine „Matrix“
    .
    @von Saage: So erstaunlich das sein mag, so üblich aber doch offenbar. Schauen wir uns doch nur mal an, wie die Forschung zur Raumfahrt den Science Fiktions-Autoren folgt. Man sucht nach realen Wegen den „Hyperraum“ zu durchqueren, oder gar zu „beamen“, schließlich und endlich durch „schwarze Löcher“ zu reisen. Autoren sind Leute, die in Zukunft schauen, Wissenschaftler all zu oft welche, die in die Vergangenheit verliebt sind, daher die merkwürdige Reihenfolge. Und doch folgen beide nur der allgemeinen „Matrix“ einer Epoche. Wir alle folgen dieser großen Gedankenwelt, manche nach kleineren, manche nach größeren Abständen. Die Gedankenwelt selber folgt den großen Klassenbewegungen, dem letztlich ökonomischen Lauf der Geschichte. Ich erwähnte es erst kürzlich, u.a. auch im Blog von Don Alphonso („Die Zeit, das Licht und der „Geist des Wesens“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=958), nämlich dass die jeweiligen Perspektiven abhängig sind von den jeweiligen Klasseninteressen der politischen Hauptkräfte einer Epoche. Die Wissenschaft ist als solche eine dienende, insofern folgt sie eben auch den Klassenauseinandersetzungen, in aller Regel auf Seiten der Herrschenden.

  67. "Freiheit braucht...
    „Freiheit braucht Unsicherheit“. (Habe ich grad im Netz gelesen).
    Meiner geht so: „Mörder bewachen meinen Schlaf.“
    Das Thema ist schon alt.
    Früher wurde gesagt: Setze Dein Kind dem Sturm aus!
    Heute tut man dies aber nurnoch bei zweit und später geborenen.
    Das ist gegen die Regeln!!

  68. Sorry, lieber Autor und lieber...
    Sorry, lieber Autor und lieber Don, aber der Link bei den Rebellen kam daher wie einer zu den Stützen und da dachte ich…

  69. In diesem Artikel wird schon...
    In diesem Artikel wird schon eine merkwürdige Argumentationskette aufgebaut, der Gipfel: „Sehnsucht, weiß zu sein“ – das wird auch als Variante des Rassismus bezeichnet – Wallace Thurman (The Blacker the Berry, 1929), George S. Schuyler (Black No More, 1931). Ich frage mich schon, was das in diesem Themas zu suchen hat.

  70. @two
    Was ist da wie...

    @two
    Was ist da wie rassistisch? Ich denke, Chris Rock ist da recht unverdächtig.

  71. Doku "Good Hair": Es geht um...
    Doku „Good Hair“: Es geht um Politisches, Soziologisches, Rassistisches, Kulturelles, Sexuelles, Wirtschaftliches, Emotionales – und es geht sogar auch um Globalisierungskritisches.
    Comedian Paul Mooney sagt mit einem total überzogen wackelnden Afro in die Kamera: „If your hair is relaxed, WHITE people are relaxed.“
    In ihrem Buch „Hair Story“ schreiben die Autorinnen Ayana Bird und Lori Tharps vom Zusammenhang zwischen Haar und Status, der sich bereits zu Sklavereizeiten zementierte: Je europäischer das Haar der Sklaven war, desto näher waren sie in der Gunst des Herren.

    Sie schreiben vollständig unreflektiert: „Auswüchse dieser Haarproblematik“. Was meinen Sie denn damit?
    Und weiter schreiben Sie: „Wenn gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Medien ein so umfassendes Bild präsentieren, …“
    Es sind aber nicht die Medien die ein Bild von „guten Haar“ präsentieren, sondern es die „Sehnsucht, weiß zu sein“ – das wird auch als Variante des Rassismus bezeichnet – Wallace Thurman (The Blacker the Berry, 1929), George S. Schuyler (Black No More, 1931).
    Und was hat das mit dem Internet zu tun?!

  72. Werbung gehört zu den Medien,...
    Werbung gehört zu den Medien, die im Text Genannten werden medial inszeniert, das wallende, weiche Haar der Hollywoodstars entstammt (ach was!) den Medien.
    Wie kommen Sie also darauf, Medien würden nicht das Bild vom „guten Haar“ präsentieren?
    Und der Zusammenhang zum Internet steht im Text, vielleicht lesen Sie ihn einmal.

  73. Toller Text, Nicander, doch...
    Toller Text, Nicander, doch eine Frage:
    Was macht Sie so sicher, dass Robert Musil 4chan nicht kannte? Sagt man nicht von großen Autoren, sie wären ihrer Zeit voraus? ;-)
    Und die jesuitischen Mönche hatten vielleicht schon Internetzugang, sie haben ja auch einen Draht zu Gott, den sonst keiner hat. Vielleicht wird dieser Draht der Nachfolger des Internets und wir können alle sehen, was Gott sieht!? (wenn auch nicht beeinflussen, was geschehen wird)
    Manchmal muss man Fragen nicht beantworten und manche (politischen) Sprecher muss man auch nicht ernst nehmen.

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