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Alle Jahre wieder: Kausalität und Korrelation und Nichtraucherschutz

| 48 Lesermeinungen

Über Kausalität und Korrelation, und den Unterschied dazwischen kann man vermutlich gar nicht genug berichten – da es doch immer wieder verwechselt wird. Heute: mit Nichtraucherschutzgesetz.

Über Kausalität und Korrelation, und den Unterschied dazwischen kann man vermutlich gar nicht genug berichten – da es doch immer wieder verwechselt wird. Heute: mit Nichtraucherschutzgesetz.

Korrelation und Kausalität verhalten sich zueinander wie Zwillingsschwestern, die von vielen verwechselt werden, die nicht mit beiden gleichermaßen gut bekannt sind. Daß die Autorin ein Faible für diese feine und so wichtige Unterscheidung hat, ist ja hinlänglich bekannt. Trotzdem ist es immer wieder interessant, wie aus unschuldigen Korrelationen in Presse und Politik plötzlich Kausalitäten werden. Die Schuld ist meistens nicht bei den Autoren irgendwelcher Studien zu suchen – die können die beiden Zwillingsschwestern nämlich gut auseinanderhalten. Verdreht wird von anderen.

Ein besonders schönes Beispiel geisterte letzte Woche durch die Medien: Anzahl Herzinfarkte durch Nichtraucherschutzgesetz drastisch zurückgegangen! Wenn die Welt doch so einfach wäre. Wer ursächliche Zusammenhänge so demonstrativ in die Welt schreit, hat meistens Unrecht – so auch hier, wie ich finde. Wie übrigens auch die Autoren der zitierten Studie finden würden.

Bild zu: Alle Jahre wieder: Kausalität und Korrelation und Nichtraucherschutz

Aber von Anfang an: seit 2007/2008 ist das deutsche Gastgewerbe überwiegend zigarettenfreie Zone, je nach Bundesland und Art des Etablissements stehen die Raucher seither in Grüppchen vor der Tür – und die meisten möchten das Arrangement auch gar nicht mehr ändern, außer vielleicht an den bittersten Tagen des Sibirienwinters 2011. Dennoch wäre es natürlich interessant zu wissen, ob damit nun wirklich Tausende von Nichtraucherleben (und vielleicht auch Raucherleben) gerettet wurden – und entsprechend wurde zu dieser Frage viel geforscht. Zwar erscheinen etlicher dieser Fachaufsätze in medizinischen Fachzeitschriften – allerdings handelt es sich aber im Grunde genommen nicht um medizinische Forschung, sondern um Soziologie.

Im vorliegenden, massenhaft zitierten Beispiel, haben die Autoren der Studie sich die Häufigkeit und Kosten zweier Krankheiten vor und nach Einführung der Gesetze angeschaut, die mutmaßlich mit Zigarettenqualm in Verbindung stehen: akute Herzinfarkte und deren Vorstufe, Angina Pectoris. Die Daten stammen aus einer großen Versicherung, wobei nur jene Versichertendaten (und ihre Herzkrankheiten) berücksichtigt wurden, die vom 1.1.2004 bis zum 31.12.2008 durchgängig versichert und außerdem zu Beginn dieser Periode mindestens dreißig Jahre alt waren. Für diese potentiellen Herzpatienten wurde anhand von Krankendaten (nach Diagnoseschlüssel) ermittelt, zu wievielen Hospitalisierungen der oben genannten Krankheitsbilder es im Durchschnitt pro Monat kam. Für die verschiedenen Bundsländer und Gesetzeinführungszeitpunkte liegen also jeweils zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahr ohne und ein halbes bis ein Jahr mit Nichtraucherschutz vor. Die Details der statistischen Methode würden den Rahmen hier sprengen – im Grunde genommen ist es aber ein relativ simpler Vergleich von Durchschnitten vorher und nachher. Ergebnis: die Anzahl von Angina Pectoris-Einlieferungen war vor der Gesetzeseinführung relativ konstant und fiel danach leicht (aber deutlich) ab. Die Anzahl von Herzinfarkten zeigte in der Vorher-Periode sogar eine steigende Tendenz, die nach Einführung des Gesetzes verschwand. Bei beiden Krankheitsbildern stellten die Autoren also fest, daß die Anzahl der Fälle nach Einführung des Nichtraucherschutzgsetzes zurückging.

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Nun spricht nichts gegen den Vergleich von Durchschnitten – allerdings kann man damit keine Ursachenforschung betreiben. Diese Herangehensweise macht allenfalls Sinn bei kontrollierten medizinischen Experimenten, wo es erstens eine Kontrollgruppe ohne Behandlung (oder mit Placebobehandlung) gibt und zweitens ex ante darauf geachtet wird, daß es möglichst wenige störende Nebeneinflüsse gibt (auch deshalb dürfen Probanden nur an jeweils einer Studie teilnehmen und sollten ihre allgemeinen Lebensbedingungen möglichst nicht ändern). Auf soziologischer Ebene funktioniert das nicht, weil in der komplexen Alltagsrealität zuviele Einflüsse aufeinander treffen. Nur unter sehr günstigen Umständen und mit sehr viel gedanklichem Input kann man manchmal in soziologischen Studie Kausalität verargumentieren – hier jedoch ganz sicher nicht.

Zum Beispiel wurde um das Jahr 2000 herum eine neue Diagnosemethode in Detuschland eingeführt und zunehmend verbreitet, die aufgrund sensitiverer Kriterien zu einem Anstieg der verzeichneten Fälle führte. Gut denkbar, daß es ähnliche Effekte auch in die andere Richtung geben könnte, zum Beispiel durch bessere Prävention, parallele Änderungen in der Gesetzgebung in anderen Bereichen, oder dem Abrechnungsverhalten von Krankenkassen. Wohlgemerkt: auch Maßnahmen, die alle Krankheiten oder den gesamten Gesundheitssektor betreffen, hätten zu einer solchen Änderung führen können. Erstaunlicherweise zeigen die Daten außerdem einen leichten Antizipationseffekt kurz vor Einführung der Gesetze, den die Autoren nicht weiter kommentieren. Hingegen postulieren sie, wie es sich für gute Wissenschaftler gehört, zu keiner Zeit einen kausalen Zusammenhang. Im Gegenteil weisen sie sogar deutlich darauf hin, daß es sich bei den Ergebnissen statisitsch gesehen lediglich um eine Korrelation handelt – erst in größerem Zusammenhang wird daraus zumindest ein Indizienbeweis für Kausalität, nämlich in Verbindung mit anderen Studien mit ähnlichen Ergebnissen.

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Wohlgemerkt: wenn etwas weiß ist und von der Kuh kommt, kann man zurecht vermuten, es handele sich um Milch. Wenn mehrere Studien genau dann einen statistisch signifikanten Rückgang von Herzkrankheiten finden, wenn das Rauchen massiv eingeschränkt wurde, würde auch ich einen kausalen Zusammenhang vermuten und die Befürworter des Nichtraucherschutzgesetzes bestätigt sehen. Zumal sich die Autoren meiner Meinung nach sogar selbst noch ein Bein gestellt haben: da die untersuchte Versichertengruppe gewissermaßen unverändert blieb, muß das Durchschnittsalter im Laufe der Zeit gestiegen sein – das Risiko von Herzkrankheiten wiederum steigt mit dem Alter und so gesehen hätte die Wahrscheinlichkeit eher dafür gesprochen, daß in der fraglichen Gruppe in 2008 mehr Hospitalisierungen dieser Art hätten auftreten sollen. Möglicherweise erklärt das (neben anderen Gründen, die die Autoren anführen), warum die von ihnen identifizierten positiven Effekte schwächer ausfallen als in anderen Studien.

Während es sich bei der Studie um ein nettes Stückchen wissenschaftlicher Forschung handelt, ist der Umgang damit durch die Medien meiner Meinung nach skandalös. Kaum eine Zeitung, die nicht aus der „Korrelation mit mutmaßlicher Kausalität“ eine handfeste Ursache konstruiert. Nicht, daß in diesem konkreten Fall der Weltfrieden von der Unterscheidung abhinge, aber in anderen Fällen wird vermutlich genauso leichtfertig argumentiert – und dann geht es eben doch mal um mehr. Zum Beispiel Atomkraft und Leukämie bei Kindern, oder den Aufkauf von Schuldenbergen und das praktisch nicht vorhandene Risiko des Totalausfalls. Dann will es vermutlich niemand mehr gewesen sehr, der zuerst die zwei K-Wörter verwechselt hat.

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48 Lesermeinungen

  1. Ich erinnere mich wie die...
    Ich erinnere mich wie die Sache der gleichen (somit älter werdenden) Untersuchungsgruppe als Kohortenanalyse gepreist wurde. Für Leute ohne Statistikkenntnis heißt das wohl „ganz doll wissenschaftlich“.

  2. "Kohorten..." hat immer...
    „Kohorten…“ hat immer irgendwas mit Gruppenbildung zu tun. Im genannten Fall muß man zweierlei Übel abwägen: nimmt man eine fixe Gruppe, wird diese im Ablauf älter. Nimmt man eine nachwachsende Gruppe, kommen verändernde Einflüsse hinzu, die möglicheweise Ergebnisse verzerren – einen Tod muß man halt sterben, die Autoren konnten nur wählen, welchen.

  3. @sophia

    Mir ging es darum,...
    @sophia
    Mir ging es darum, daß dieser einfache (auch für nicht Statistiker) Sachverhalt wegerklärt wurde. Das, dachte ich, würde schön Dein Thema Korrelation und Kausalität für Nicht-Statistiker ergänzen.
    Zur sachlichen Angemessenheit: Mir scheint die Studie wurde so angelegt, daß diese ganze Fehlinterpretation nicht mehr ganz zufällig war.

  4. @Sophia, danke für den...
    @Sophia, danke für den Beitrag.
    .
    „Wer ursächliche Zusammenhänge so demonstrativ in die Welt schreit, hat meistens
    Unrecht…Wie übrigens auch die Autoren der zitierten Studie finden würden.“
    .
    Sie finden nicht nur, sie wissen genau wie ihre Studien verwendet werden.

  5. sven, ich glaube durchaus,...
    sven, ich glaube durchaus, daß die Interpretation am Ende stimmt… aber der Weg dahin führt nicht über Beweise, sondern über guten Glauben und gesunden Menschenverstand.
    .
    E.R. Binvonhier, die Pflicht des Wissenschaftlers beschränkt sich darauf, die Grenzen seiner Forschung deutlich zu machen – das haben die Autoren durchaus getan. Wenn Journalisten ihre Quellen nicht lesen, kann man das schlecht den Forschern anlasten, nein?

  6. Vielen Dank für diese...
    Vielen Dank für diese Richtigstellung. Es ist schon erstaunlich, wie unreflektiert Studien übernommen werden. Hauptsache die Fachtermina stimmen, denn kaum jemand wird da nachfragen.
    Ein viel banaleres, im Vergleich, Phänomen sind die Umfrageergebnisse in der Werbung – x Prozent geben an, dass dieses oder jenes Produkt eine Wirkung hatte. Auch mit oberflächlichem Wissen sind diese Aussagen haltlos, aber sie werden anscheinend geglaubt, leider.
    Zum Thema Nichtrauchen hier eine kleine Geschichte (nichtkommerzieller Link) –
    http://goodnewstoday.de/gute_nachrichten/2010/11/11/10-tage-nichtraucher-eine-bestandsaufnahme/

  7. Ist das die richtige Studie,...
    Ist das die richtige Studie, auf die im Artikel verlinkt wird? Laut telepolis, die das Thema auch aufgegriffen haben, ging es letzte Woche um die Studie „Smoking restrictions and hospitalization for acute coronary events in Germany“, http://www.springerlink.com/content/nl62j0383013g079/, und in der wird zumindest in der Kurzzusammenfassung der Schluss gezogen, dass ein kausaler Zusammenhang besteht.

  8. Die Hilfshypothesen sind...
    Die Hilfshypothesen sind wackelig, das Untersuchungsdesign der Fragestellung nicht angemessen und über die Willkürlichkeit der Interpretation von statistischen Kennziffern braucht man gar nicht erst reden. Die Deutung, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt, ist schon intendiert wenn man sich überhaupt darauf einlässt so eine „Studie“ durchzuführen. Ehrlicherweise muss man doch sagen, dass diese Studie die Frage überhaupt nicht beantworten kann. Weder positiv, noch negativ.
    .
    Eine Wissenschaft, die kein Wissen schafft.

  9. Raoul, die Zeitungs-Headlines...
    Raoul, die Zeitungs-Headlines fand ich erschreckend… ich habe heute gar nicht mehr alle wiedergefunden, vermutlich bereits in gesperrten Archiven verschwunden, aber es war kaum einer dabei, der nicht kausale Zusammenhänge insinuierte.
    .
    flups, vielen Dank, richtig! Habe ich geändert. Die Auotren stellen allerdings ziemlicht am Ende in der „Discussion“ die nicht vorhandene Kausalität klar.
    .
    Veil of Ignorance, als Interpretation würde ich Kausalität auch akzeptieren. Sozialwissenschaftliche Forschung kann fast immer nur Indizienbeweise erbringen, die über Glaubwürdigkeit, viele ähnliche Ergebnisse etc. funktioniert – aber diese Grundlagen muß man schon klarstellen, wenn man in dem Bereich forscht. Dann kann jeder glauben, was er möchte.

  10. Sophia, ein klares...
    Sophia, ein klares Jein!
    Erinnere mich noch an die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bevölkerungsforschung,
    die prompt nach der Einführung des Elterngeldes eine Studie vorlegten, nach der die
    Geburten stiegen und den entsprechenden Trend voraussagten. Ebenso prompt
    wurden die neuesten Geburtenzahlen für das Land Niedersachsen veröffentlicht –
    im weiteren Verlauf bestätigte sich der Trend nicht.
    .
    Da weiß ich als Zuschauer nicht mehr wer die Henne und wer das Ei ist.

  11. <p>Danke, genauso siehts aus....
    Danke, genauso siehts aus. Und das schon seit Jahren. Und auf dieser Desinformation beruht dann eine „demokratische“ Entscheidung. Nicht nur bei Nichtraucherschutzgesetzen, sondern auch auf anderen Ebenen!

  12. <p>Sehr verehrte weise...
    Sehr verehrte weise Sophia,
    ich verstosse gegen alle Regeln des Bloggens und schreibe Ihnen wegen Ihres kompetenten Interesses an Wirtschaft und Buchfuehrung: Bitte, bitte lesen Sie die Januar – Maerz – Ausgabe von ‚World Economics‘ (Vol. 13) (www.world-economics-journal.com) mit lange ueberfaelliger Kritik an: Government Accounting, PPP und PFI, ‚Quantitative Easing‘, amerikanische wirkliche Schulden und deren Folgen, diesmal von Autoren aus dem jeweils eigenen Stall.
    Dieses Heft sollte Ausbildungs- und Pruefungsmaterial fuer jeden werden, der Verantwortung ueber oeffentliche Gelder uebernimmt.
    Bitte, bitte, gehen Sie der Saache nach, die jetzige Krise ist der ideale Moment dafuer, bevor die Giesskanne an die Waehler wieder laeuft,
    Ihr
    M. H. Carl
    (Neffe des ersten deutschen Sparkommissars (!) unter Ebert, Dr. Fritz Carl)

  13. E.R. Binvonhier, später wäre...
    E.R. Binvonhier, später wäre besser, aber auch in der Wissenschaft ist der Publikationsdruck groß und da ist früher manchmal strategisch besser.
    .
    mobbischer, das macht mir auch Sorgen. Und Politiker, die sowas simplifiziert als Entscheidungsgrundlage vorgesetzt bekommen.
    .
    Dr. Michael H. Carl, Weisheit würde ich für mich niemals in Anspruch nehmen, aber ich fasse das als Kompliment auf – danke!. Ich schaue es mir gerne mal an und vermerke das Thema auf der Wunschliste – ob ich mich dazu berufen fühle, werden Sie dann ja sehen.

  14. Ich wehre mich gegen die...
    Ich wehre mich gegen die Auffassung, dass Forschung überhaupt etwas beweisen kann. Forschungsergebnisse kann höchstens falsifizieren.
    .
    Da muss man wohl nur der Autorin Komplimente machen, schon erhält hat man Zugang zu einer Wunschliste. So ist das also :)
    .
    Die Studie kann man auch kostenlos auf Deutsch anschauen. Hat ja schließlich die DAK bezahlt. Auf dem Titelblatt steht zum Glück: Interessenskonflikte der Autoren: Keine. Wenn das nichtmal beruhigend ist. Da wird mir gleich von Beginn an gesagt was ich denken darf: http://www.dak.de/content/files/NichtraucherSchutzgesetze_Deutsche_Zusammenfassung.pdf

  15. Veil of ignorance, natürlich...
    Veil of ignorance, natürlich bin Komplimenten zugänglich, aber Wunschlisten sind für alle da: http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/07/21/mathematik-eine-stuetze-der-gesellschaft.aspx
    Im übrigen war Popper zwar der Meinung, man solle falsifizieren, aber der „publication bias“ der Fachzeitschriften sieht das anders.

  16. @Sophia, erlauben Sie bitte...
    @Sophia, erlauben Sie bitte einem Wortklauber einen Einwand. Sie stellen die beiden Begriffe Korrelation und Kausalität als „Zwillingsschwestern“ dar, also als „fast“ deckungsgleich, nur für Eingeweihte unterscheidbar, aber sind sie das wirklich? Korrelation ist als „Wechselbeziehung“ (z.B.: Gatte – Gattin) ein eher horizontales Verhältnis, zwei oder mehr Umstände/Dinge/Subjekte, die alleine stehen, aber „auch“ durch Gemeinsamkeiten in Beziehung zueinander gesetzt werden. Kausalität aber ist ein vertikales Verhältnis, ein Umstand/Ding/Subjekt(/-e) begründet Etwas, steht also eher aufeinander als nebeneinander. Die beiden Begriffe stehen also geometrisch gesehen nicht zueinander sondern voneinader, das ist für eine Zwillingsposition ein zu grosser Unterschied, wie ich finde. Zwillingsbegriffe zu Korrelation sind eher Relation, Komplementarität, Kompositum, oder eben die deutschen Begriffe Wechselseitig(-keit), Zusammenhang, Bezüglichkeit, Gemeinsamkeit. Bei der Kausalität ist es jedoch die Ursächlichkeit, keine blosse Abhängigkeit. Ich sehe die Begriffe Korrelation und Kausalität, wenn überhaupt in ein Bild gesetzt, eher als Bruder und Schwester, als sprachliche Produkte auf einer Ebene, aber ziemlich deutlich unterscheidbar. Aber gut, vielleicht nur übergrosse Genauigkeit … und nur Nebenthema. Guten Abend.

  17. Oliver-August Lützenich,...
    Oliver-August Lützenich, Metaphern sind Auslegungssache… und mir ging es darum, daß die beiden Begriffe im Alltag oft verwechselt werden, obwohl sie eigentlich sehr unterschiedlich sind. Eine Frage der Perspektive, wie ich finde, aber ich kann auch Ihrer Argumentation folgen.

  18. Oha! So viel Blograuch um rein...
    Oha! So viel Blograuch um rein gar nichts.
    Es braucht keine einzige Studie der Welt – egal, wie wackelig oder interpretiert oder verfälscht oder „whatnot“ diese sein mag – um zu beweisen, dass Rauchen absolut schädlich für alle Organe ist. Es lebe der Blasenkrebs. Der mag das giftige Zeug ganz besonders gern. Da geht es nicht nur ums Herz und seine Infarkte. Zu dumm. Stupid is as stupid does.

  19. Genau genommen ist die Annahme...
    Genau genommen ist die Annahme einer Kausalität hinter einer Korrelation ein logischer Fehlschluss nach dem Modus der Abduktion. Hier stehts recht verständlich geschrieben: http://michael-zabawa.suite101.de/abduktion-ein-waghalsiger-logischer-schluss-a132169

  20. Allerdings scheinen die...
    Allerdings scheinen die Autoren selbst diese Studie zu schönen und machen so den Medien eine Steilvorlage. Ein Zitat aus der Conclusion der Studie: „Strengthening the laws could further reduce morbidity and costs from acute coronary syndromes in Germany.“ Dieses zielt ja nun unmissverständlich darauf ab von einer causality und nicht einer correlation auszugehen. Als ein „netter Stückchen wissenschaftlicher Forschung“ würde ich das ganze nicht unbedingt bezeichnen!

  21. Die Wahrheit ist immer eine...
    Die Wahrheit ist immer eine andere, als die Wahrscheinlichkeit davon. Man muss die Studien und die Zeitungsartikel darüber gar nicht lesen, um zu wissen(!), daß Raucher aufgrund ihres Nikotinabusus exkommuniziert werden müssen. Der offenkundige Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität ist trivial. Hingegen wird gerade mit Durchschnittswerten in Politikerreden, und leider auch in manchen Zeitungsberichten datüber oft grober Unfug verbreitet, finden Sie nicht ?

  22. Innerhalb der Wissenschaft...
    Innerhalb der Wissenschaft würde ich mit Feyerabend für „anything goes“ plädieren, nur eben außerhalb nicht.
    .
    Ich finde den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation überhaupt nicht trivial. Immerhin gibt es kein statistisches Verfahren um Kausalität nachzuweisen, Man kann nur danach fragen wie sich etwas verteilt, für Kausalität muss man noch die Frage nach dem Wann beantworten. Das Design des Experimentes entscheidet letztlich darüber, ob man einen kausalen Zusammenhang feststellen kann, oder nur Korrelation.
    .
    @Logiker: Ne Abduktion ist doch wenn man von sich auf etwas anderes schließt oder? Der Fehlschluss hier heißt nicht Abduktion, sondern http://de.wikipedia.org/wiki/Cum_hoc_ergo_propter_hoc

  23. Sie kennen den Begriff der...
    Sie kennen den Begriff der „Kontingenz“ nicht. Leider. Sollte man aber, wenn man sich dem Thema auch nur nähert. Dann könnten Sie sich des hier nicht ganz hinhauenden Begriffs „Korrelation“ entledigen.

  24. Die Nichtrauchergesetze sind...
    Die Nichtrauchergesetze sind nicht alle gleichzeitig eingefuehrt worden – daher kann auch eine Kohortenstudie aufschlussreich sein. So sind zB 50-jaehrige in Berlin bereits vom Nichtraucherschutz betroffen aber im Saarland noch nicht. Das ist ein ziemlich gutes Forschungsdesign, solange der Zeitpunkt der Einfuehrung in den Laendern „zufaellig“ war. Klingt plausibel. Kausalitaet kann nie wirklich bewiesen werden, aber immerhin ist es ein gutes Design.

  25. "Daß die Autorin ..."

    daß?...
    „Daß die Autorin …“
    daß? Manche lernen’s nie.

  26. <p>Danke.  H. Gr....
    Danke. H. Gr. A.M.

  27. Dounia Moon, vielen Dank für...
    Dounia Moon, vielen Dank für diesen konstruktiven und reflektierten Beitrag.
    .
    Logiker, noch eine Perspektive: wir hatten bereits horizontal vs. vertikal, statistisch (meine) und nun also die logische Sicht… auch charmant. Vielen Dank!.
    .
    Christian, zusammen mit all den anderen Studien zum Thema und der Intuition für den Sachverhalt würde ich sagen, die Schlußfolgerung der Autoren ist gut möglich – wenn auch eine „leap of faith“.

  28. Æthelred, Durchschnitten...
    Æthelred, Durchschnitten waren irgendwann auch schon mal Thema in diesem Salon, ist aber länger her… . Der Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation ist ganz offensichtlich nicht trivial, sonst würden die Medien sich damit nicht so schwer tun. Davon abgesehen halte ich viel von der Mündigkeit jedes Bürgers, auch in seiner Unvernunft, auch beim Rauchen. Solange andere dabei nicht geschädigt werden.
    .
    Veil of ignorance, es gibt sehr smarte „research designs“, also Studien, die durch die Wahl von Fragestellung, Daten und Timing sehr nah an Kausalität heranreichen können, das erfordert dann aber mehr gedanklichen Einsatz als eine simple vorher-nachher Studie.

  29. Cum hoc non est propter hoc,...
    Cum hoc non est propter hoc, Kontingenz in welchem Kontext? Relevant für die Studie wäre wohl die statistische Kontingenz…. da die Autoren der Studie allerdings ohne auskommen, sehe ich mich da auch nicht in der Pflicht.
    .
    bjung, die Autoren haben alle Einführungszeitpunkt in den Daten übereinander geschoben auf t=0. Warum sie die Varianz in der Einführung nicht nutzen – keine Ahnung. Habe mich allerdings auch gefragt, wie wohl die Effekte in den Ländergrenzregionen waren.
    .
    Modest, was lerne ich nie? Neue Rechtschreibung? Nein, den Ehrgeiz habe ich auch gar nicht.
    .
    Anton Mayerhofer, immer gerne!

  30. Modest21. März 2012,...
    Modest21. März 2012, 02:53
    „Daß die Autorin …“
    daß? Manche lernen’s nie.
    Die Dummdeutschreform ist auf Schulen beschränkt. Wer meint, sie sei per Gesetz für alle vorgeschrieben, ist auf die Propaganda reingefallen.
    Bitte weiter in bewährter (nicht: „alter“) Rechtschreibung veröffentlichen. Danke.

  31. ...daß...
    Wo doch gerade die...

    …daß…
    Wo doch gerade die Regel zum ß in der NR ganz einfach und eingängig ist (außer vielleicht für die jetzigen Schüler, die die alten Regeln nicht kennen und dann halt auswendig lernen müssen, daß man Bus mit nur einem s schreiben, muss aber mit zweien):
    Man schreibt -ss immer dann nach einem kurzen Vokal, wenn dort früher ein -ß stand…
    Der Gebrauch mathematischer Modelle in den „Humanities“ (wer kennt eine gute deutsche Entsprechung?) ist meistens schon von Anfang an problematisch. In den Naturwissenschaften geht man davon aus, daß es eine „externe“ Gesetzmäßigkeit gibt, die auch Kausalitäten enthält und die sich prinzipiell finden läßt. Bei Medizin, Soziologie, Ökonomie etc. läßt sich eine Trennung zwischen Forschungsobjekt und -subjekt nur schwer herstellen (wenn überhaupt), und ebenfalls problematisch ist die isolierte Betrachtung einzelner Aspekte, die z.B. in der Physik viele Erfolge ermöglicht hat.
    Da die meisten aber lieber nur die Schlagzeilen lesen, einfache Merkzahlen bevorzugen und mit bereits leichter bis mittlerer Komplexität überfordert sind, werden wohl solche „Kurzschlüsse“ immer wieder gerne produziert und weitererzählt.
    Obwohl z.B. die „Mainstream“-Modelle der Ökonomie als Axiom setzen, daß zukünftige Ereignisse in keiner Weise von der historischen Entwicklung abhängen, verwenden wesentliche Teile (auch der regulatorisch vorgeschriebenen) Rechenverfahren zwingend die Historie als Vergleichsmaßstab.
    Überspitzt formuliert wird hier sogar aus einer vorausgesetzten nicht-Korrelation eine Kausalität abgeleitet.

  32. Riesenschecke, vielen Dank...
    Riesenschecke, vielen Dank für die Schützenhilfe!

  33. @ Veil of ignorance: von sich...
    @ Veil of ignorance: von sich auf etwas anderes schließen, das ist entweder analogie (falls auf ein konkretes anderes eigenschaften übetragen werden), oder induktion, falls auf Allgemeinheit geschlossen wird. Beides auch Fehlschlüsse durch „Verdrehung“ der Deduktion, der einzig sichere Argumentationsform. Siehe http://michael-zabawa.suite101.de/logische-schlussarten-und-ihre-rolle-beim-erkenntnisgewinn-a124511

  34. @Dounia Moon:
    Irgendetwas muss...

    @Dounia Moon:
    Irgendetwas muss auch Nichtrauchern die Synapsen verkleben. Der Beitrag äusserte sich sehr klar zur Schädlichkeit des Rauchens. Die diskutierte Frage war einzig und allein, ob man aus den vorliegenden Daten bereits den Schluss ziehen kann, das Rauchverbot in Kneipen hätte die Anzahl von Herzinfarkten pro tausend Einwohner in Deutschland deutlich gesenkt. Lesen bildet ungemein, bei Rauchern wie Nichtrauchern gleichermassen …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  35. @Sophia:
    Das wirklich...

    @Sophia:
    Das wirklich gefährliche solcher Studien – für das die Verfasser nichts können – ist deren Vereinnahmung für Propagandazwecke durch Medien oder Politik. Es scheint ein konstantes Paradox moderner Gesellschaften zu sein, dass diese immer stärker auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen sind, aber die zahl von leuten mit einem echten Verständnis wissenschaftlicher Grundlagen bestenfalls gleichbleibt.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  36. astroklaus, wie gesagt: ich...
    astroklaus, wie gesagt: ich habe null Ehrgeiz bezüglich der NR.
    .
    ThorHa, ich frage mich ja immer, ob die Verdrehung im politischen Prozess gewollt ist, weil bequem, oder aus Unwissenheit und Bequemlichkeit entsteht.

  37. @Sophia:
    Getreu meiner...

    @Sophia:
    Getreu meiner Lebenserfahrung, nie Absicht zu unterstellen, wo Dummheit als Erklärung ausreicht – letzteres natürlich :-).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  38. Thorsten Haupts, so sehe ich...
    Thorsten Haupts, so sehe ich das auch… aber manchmal kommen mir Zweifel.

  39. @Sophia:
    Verstehe ich gut,...

    @Sophia:
    Verstehe ich gut, auch wenn zunehmender Zweifel sehr leicht zu den Verschwörungstheoretikern führt. Bei Licht betrachtet ordnen sich Studien für alle Politiker in ein ganz einfaches Schema ein – in irrelevante, in potentiell nützliche und potentiell schädliche. Die beiden letzten Kategorien existieren überhaupt nur dort, wo Politiker Interessen haben. Und allen kategorien gemeinsam ist, dass Politiker meist nicht die Zeit haben, sich überhaupt mit den Studien zu betschäftigen. Bestenfalls mit der Zusammenfassung – und schon die wird nur unter dem Blickwinkel gelesen, ob sie dem eigenen Standpunkt dienlich sein könnte.
    Ich sehe noch nicht einmal, dass man ihnen das vorwerfen könnte. Die Anforderungen moderner Mediendemokratien an Politiker sind eigentlich mit einem Wort zusammenzufassen: Unmöglich. Und das gilt zuallererst für deren Zeit.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  40. Sophia, Sie schreiben im...
    Sophia, Sie schreiben im Artikel;
    “ Ergebnis: die Anzahl von Angina Pectoris-Einlieferungen war vor der Gesetzeseinführung relativ konstant und fiel danach leicht (aber deutlich) ab. Die Anzahl von Herzinfarkten zeigte in der Vorher-Periode sogar eine steigende Tendenz, die nach Einführung des Gesetzes verschwand. Bei beiden Krankheitsbildern stellten die Autoren also fest, daß die Anzahl der Fälle nach Einführung des Nichtraucherschutzgsetzes zurückging. “
    Dazu möchte ich Ihre Aufmerksamkeit lenken auf das Dokument:
    http://www.passiv-rauchen.de/zur%20DAK%20Studie.pdf
    Besonders interessant sind die Quellangaben auf den Seiten 3&4.
    Demnach wird in dieser zweckgebundenen Auftragsstudie nicht nur Korrelation und Kausalität vermischt, sondern mir scheint, dass sie eher glatter Betrug ist.

  41. Das Medium der Politik ist...
    Das Medium der Politik ist Macht. Nur so lassen sich kollektiv verbindliche Entscheidungen treffen (Luhmann). Wäre die Wahrheit das Leitmedium, hätte man noch die Wahl zwischen Monarch oder Messias.
    .
    Dass Politiker gemeinhin keine Ahnung von Studien haben stimmt natürlich. Aber sie treffen schließlich auch keine Entscheidungen selbst. Die werden in Think-Tanks und ähnlichen Kltischen gefällt, Politiker kommunizieren sie meistens nur noch. Dafür kritzelt ein Politikberater einen Schmierzettel der auswendig gelernt werden muss und das war es. Luhmann würde vielleicht sagen, dass diese Fixierung auf Personen und Ämtern der Komplexitätsreduktion dient :P
    Humankapital getrennt werden.

  42. @Veil of ignorance - Politik...
    @Veil of ignorance – Politik ist Macht:
    Stimmt. Nur ist eine Mehrheit von „Bürgern“ inzwischen so realitätsfern, dass selbst das Aussprechen dieser simplen Tatsache Ihnen heute einen Shitstorm einbringen würde.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  43. Naja es ist schon immer so...
    Naja es ist schon immer so eine Gretchenfrage, ob man jetzt die Makroebene (das pol. System) oder die Mikroebene (das handelnde Subjekt->dummer Politiker) stärker gewichtet.
    .
    Die meisten Menschen meiner Generation sind so abgeklärt, dass sie wahrscheinlch nur gelangweilt wären durch diese „Tatsache.“

  44. @ Logiker: von sich auf etwas...
    @ Logiker: von sich auf etwas Anderes schließen, das ist bei mir Introspektion. γνῶθι σεαυτόν ist kein logischer Trugschluss, sondern eine durchaus erstrebenswerte Maxime. Für einen Forscher ohne Budget der beste Ansatz überhaupt. So bleibt man unabhängig!
    Deduktion ist nur so sicher wie die Prämissen, von denen man (Sie) ausgeht. Woher kommen Ihre Prämissen?

  45. Da kaum jemand, wegen des...
    Da kaum jemand, wegen des großen Umfangs des Beitrags und der unüberprüfbaren Informationsqualität darin, auf die vorgebrachte Argumentation eingehen kann, bleibt jedem nur sein gesunder Menschenverstand oder die Ignoranz.

  46. Zu diesem Thema empfehle ich...
    Zu diesem Thema empfehle ich den Gesundheitsbericht 2012 anzusehen. Die Daten dort sprechen ein ganz anderes Bild!!
    http://www.presse.dak.de/ps.nsf/Show/6E88C38D87E76D22C125799D00478C87/$File/120214_DAK_Gesundheitsreport_2012_10.2.12_DAK.pdf

  47. Muss mann eigentlich studieren...
    Muss mann eigentlich studieren um zu erkennen das hier einfach solange gedichtet wird bis die Wahrheit stimmt. Ich denke kaum!!!
    Wen es interessiert in dem Jahresgeschäftsbericht der DAK steht.
    Auf Seite 53. in einer Tabelle folgendes das die stationnären Krankenhausbehandlungen von 104 Jahr 2009 auf 115 2010 nach oben gegangen sind. Könnte, könnte, könnte auf die nicht Erwerbstätigen zurückgegangen!!!!!!!
    Herzinfarkte sind sehr stark stressabhängig. ..Abbildung 21 Stationäre Behandlungsfälle erwerbstätiger DAKVersicherter
    mit der Hauptdiagnose Herzinfarkt (ICD-10: I21 und I22) im Alter
    von 25-65 Jahren (standardisierte Werte, je 100.000 Versichertenjahre),
    2005-2010
    http://www.dak.de/content/files/NichtraucherSchutzgesetze_Deutsche_Zusammenfassung.pdf

  48. Sind nun die Dampfer von e...
    Sind nun die Dampfer von e Zigaretten die Kriminellen, oder sitzen die Kriminellen auf der anderen Seite?

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