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Essen – lassen: über Gesellschaft und Gewicht

31.03.2013, 18:57 Uhr  ·  Seit Jahren befassen sich Medien und Forschung mit dem Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Körpergewicht. Dabei wäre Forschung im naturwissenschaftlichen Umfeld möglicherweise aufschlußreicher.

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Mit Mitte zwanzig mußte ich – höchst unfreiwillig – meinen Fernseher aufgeben. Ich hatte soeben das Studienfach gewechselt, kam in eine neue Stadt, in eine neue Wohnung, mit all dem Sress eines Umzugswochenendes. Meine Eltern und ich trugen den Fernseher ins Zimmer, meine Mutter wollte uns in die Nähe des Kabelanschlußes dirigieren – allein, es gab keinen. Bei der Wohnungsbesichtigung war mir der Gedanke überhaupt nicht gekommen, es könne noch Behausungen ohne Kabelanschluß geben, aber genauso war es. Die öffentlich-rechtlichen Programme konnte ich mit der Antenne gerade noch empfangen, Kabelanschluß verlegen zu lassen war zu teuer, und am Ende habe ich zwei Jahre damit verbracht, viele Bücher zu lesen, was auch nicht verkehrt war.

Ob Bücher dick oder dünn machen, ist nicht bekannt – aber Fernsehen macht angeblich dick (und Computer und Internet auch). Unzählige Studien, vor allem mit Kindern, versuchen den Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Körpergewicht nachzuweisen, und gerne wird dabei der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität unterschlagen. Bei komplexen Phänomen greifen monokausale Erklärungen fast immer zu kurz, so auch hier. Es gibt unzählige Gründe, die alle dazu beitragen, daß der durchschnittliche Bürger eines Industrielandes immer schwerer wird.

Die moderne Wirtschaft ist vom tertiären Sektor, also Dienstleistungen, geprägt, und solche Tätigkeiten sind typischerweise weniger bewegungsintensiv als das Jagen und Sammeln von früher, oder die harte Arbeit auf dem Acker.

Veränderte Ernährungsmuster spielen ganz sicher auch eine Rolle. In Entwicklungsländern muß man Tütensaucen und Fertiggerichte im Supermarkt mühsam suchen, in der Schweiz ist die Auswahl  begrenzt, in Deutschland erheblich größer, und in den USA sucht man eher die unbehandelten Nahrungsmittel. In der Schweiz ist eine Mahlzeit auf dem Sofa nahezu undenkbar, in Deutschland eine von mehreren Optionen und in amerikanischen Familien oftmals die einzige. Über die biologischen Mechanismen, die einen Zusammenhang zwischen der Art der Lebensmittel und Übergewicht herstellen können, weiß man – wie so oft – auch nicht genug. Glutamate machen dick, richtige Fette machen satt, Zuckerersatzstoffe hingegen regen den Appetit an – viele Korrelationen, Kausalität nachzuweisen ist hingegen mühsam.

Abgesehen vom reinen Erkenntnisinteresse, das man an solchen Fragen haben kann, ergibt sich aus unserem unzureichenden Verständnis der Zusammenhänge aber noch ein weiteres Problem: die Politik mischt sich immer öfter in solche privaten Entscheidungen der Menschen ein – das allerdings häufig im wissenschaftlichen Blindflug, weil so viele Mechanismen völlig unklar sind. Ob die New Yorker wirklich alle abnehmen würden, wenn 1-Liter-Colabecher verboten würden? Ob bunte Lebensmittelampeln tatsächlich jenen bei der Ernährung helfen, die Hilfe bräuchten? Und wo bringt man auf der von mir geliebten Weihnachtsgans das dunkelrote Schildchen an?

Wer sich schon mal mit Diäten versucht hat, weiß, wie schwierig abnehmen ist. Selbst bei optimaler Anleitung, ohne absurde Essenspläne à la “nur Weißbrot” oder “nur Kohlsuppe”, in Kombination mit einem sportlichen Ausgleichsprogramm, gelingt es doch nur wenigen, dauerhaft das Gewicht zu reduzieren. Als weitgehend gesichert gilt, daß der Körper, wenn man plötzlich weniger isst, den Grundumsatz reduziert – also den Kalorienverbrauch im Ruhezustand wie auch für Aktivitäten vermindert. Das war in früheren Zeiten sinnvoll, um Hungersnöte zu überbrücken – zumal zum Beispiel mangelernährte Kinder einen Teil des Entwicklungsrückstands relativ schnell wieder aufholen können. Studien zeigen, daß Kinder, die während Hungersnöten zu wenig wachsen, dafür umso schneller wachsen, sobald sie wieder angemessen ernährt werden. Der Rückstand wird zwar nicht völlig aufgeholt, aber zumindest teilweise. Die Evolution hat dem Menschen zusätzlich sogar noch einen psychologischen Hilfsmechanismus mitgegeben: bei Hunger werden Serotonine ausgeschüttet, zum Teil auch Endorphine, so daß Hungern glücklich macht (und Anorexie eine besonders fatale Eßstörung).

In Industrieländern hingegen sind die Hungersnöte für die meisten Menschen eine selbstgewählte Kasteiung – umso frustrierender, wenn man nicht ans Ziel gelangt, wenn die Gesellschaft trotz aller flankierenden politischen Maßnahmen immer schwerer wird. Dabei ist das Gewicht vermutlich zu wesentlichen Teilen von den Genen bestimmt – und gegen seine Gene anzuhungern ein aussichtsloses Unterfangen.

Bei den oben erwähnten Studien zu Fernsehkonsum und Kindergewicht ist die logische Lücke offensichtlich: Eltern, die den Fernsehkonsum ihrer Kinder begrenzen, achten vermutlich auch auf gesunde Ernährung und fördern sportliche Aktivitäten. Das ist mitnichten Kausalität, sondern Korrelation. Solange man den biologischen Mechanismen und Genen nicht im Labor zuleiberücken kann, bleiben nur beobachtende, statistische Studien. Das Ideal wäre, dieselben Kinder in veschiedenen Familien beobachten zu können: solchen, in denen auf gesunde Ernährung und Sport geachtet wird, solchen, wo der Fernseher der Babysitter ist, aber die Ernährung ausgewogen und solchen, wo das Abendessen von der Fastfoodkette serviert wird. Unterschiede im Gewicht wären dann tatsächlich auf die unterschiedlichen Umstände zurückzuführen – aber ein derartiges Experiment ist erstens unrealistisch und zweitens unethisch, daher ausgeschlossen. Studien mit ein- und zweieiigen Zwillinge deuten darauf hin, daß das Erbgut eine entscheidende Rolle für das Gewicht spielt – können allerdings die Umwelteinflüsse des familiären Umfelds kaum von den Genen trennen.

Ungleiche Umstände wie oben beschrieben künstlich herzustellen, wäre fragwürdig, aber das Leben beschert Forschern annähernd ähnliche Umstände, wenn Zwillinge zur Adoption freigegeben werden und in unterschiedlichen Haushalten aufwachsen. Schweden hat einen der am häufigsten verwendeten Zwillingsdatensätze jeden Alters (insgesamt 25.000 Zwillingspaare geboren zwischen 1886 und 1958). Die Zwillinge sind im Durchschnitt 60 Jahre alt, weil in der Zeit vor 1930 Zwillinge häufiger getrennt aufwuchsen als heute. Auswertungen dieser Daten zeigen, daß das Gewicht (und folglich auch Übergewicht) bis zu 80 % genetisch beeinflußt ist und die Umweltumstände nur eine begrenzte Rolle spielen. Dabei gibt es allerdings nicht das eine Gen, welches dick macht.

Ein aktuelles Forschungsprojekt hat in verschiedenen Menschen und Tieren über 1.700 Genorte festgestellt, die mit dem Gewicht in Zusammenhang stehen (und auch interessante Überschneidungen zwischen Menschen und Tieren gefunden). Außerdem gibt es noch die Interaktion zwischen Genen und Umwelt, die Epigenetik. Diese befasst sich damit, wie frühe Außeneinflüsse, zum Beispiel frühkindliche Traumata, die Chromosomen verändern können und damit die zukünftige Entwicklung eines Menschen mitbestimmen. Im Zusammenhang mit dem Gewicht scheint es, als würden Kinder, die im Mutterleib signalisiert bekommen, daß Nahrung knapp ist, später zu Übergewicht neigen – möglicherweise weil der gesamte Stoffwechsel frühzeitig geprägt wird und damit auf reichhaltige Nahrung im weiteren Leben anders reagiert – nämlich mit Übergewicht.

Tröstliche Erkenntnis für all jene, die mit ihrem Gewicht unzufrieden sind, und auch jene, die abends lieber Fernsehschauen als noch drei Stunden auf dem Laufband zu schwitzen. Andererseits ein weiteres Beispiel dafür, wie wenig wir eigentlich über uns selbst und die Grenzen unserer Möglichkeiten wissen.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (51)
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Eine Assoziation(!) zwischen Fernsehen und...

Eine Assoziation(!) zwischen Fernsehen und Übergewicht (und auch anderen Endpunkten, die mit mangelnder Bewegung assoziiert sind), findet man jedoch in vielen Studien. Der verlinkte Stern-Artikel scheint keine spezifische Studie zu zitieren (zumindest finde ich keine), aber eine kurze Literaturrecherche bringt einige Daten zu Tage: und dort versucht man, zahlreiche andere Faktoren eben auch mit einzubeziehen (zum Teil auch Ernährung und Bewegung). NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey - die amerikanische Version der DVS), erfaßt zum Beispiel nicht nur die Stunden Fernsehkonsum, sondern auch Bewegung (beruflich und in der Freizeit) und die Ernährung, inklusive Information dazu, wo gegessen wurde (Tisch, Wohnzimmer, Sofa) und mit wem. Man kann mit den vorhandenen Daten also durchaus auch Kinder mit ähnlicher Ernährung und unterschiedlichem TV Konsum vergleichen.

Aber ein wichtiger Punkt - der regelmäßig gerne vergessen wird - ist, daß es sich bei den angegebenen Daten ja um eine Abschätzung für die gesamte Bevölkerung handelt. Für den Einzelnen mögen die Ergebnisse aus verschiedenen Gründen nicht relevant sein, aber wenn die gesamte Bevölkerung z.B. auf eine Stunde TV pro Tag verzichten würde, so wäre der Einfluß auf die gesamte Bevölkerung durchaus beachtenswert.

PS: Ich möchte mich sehr herzlich für Ihre Texte bedanken, die ich immer sehr interessant finde (zumal ihre Tätigkeit anscheinend manche Gemeinsamkeiten mit meiner hat).

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4 fresssack 31.03.2013, 23:39 Uhr

man sollte die umwelt aber auch nicht...

man sollte die umwelt aber auch nicht unterbewerten. mit genetischen faktoren lassen sich beispielsweise unterschiede zwischen den populationen verschiedener industrieländer nicht erklären (zb USA vs EU vs JP).
Erbgutdifferenzen taugen fraglos um Unterschiede zwischen Individuen zu erklären (warum kann DIE alles essen, das ist ungerecht blablub), für gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge sehe ich da keine große Relevanz. Als Argument gegen staatliche Einmischung taugts damit auch nicht, sry

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1 Fritz Schruff 01.04.2013, 14:20 Uhr

Also die Gene!

Aber wir hatten doch ähnliche Gene in den 50gern und 60gern. Und damals war doch die deutsche Bevölkerung recht schlank. Letztlich ist es doch die falsche Ernährung und der Mangel an Bewegung was uns fett macht

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Viel richtiges...

was hier beschrieben ist, vor allem der Unterschied Kausalität und Korrelation ist gut erklärt. Hier werden oft Fehler gemacht und unsinniges "verzapft", Ursache und Wirkung miteinander vertauscht. Widerspruch jedoch in dem Punkt, der suggeriert, es gäbe Gene, die dick machen. Das ist nur in wenigen extrem seltenen Fällen nachweisbar aber dann als pathologisch einzustufen. Wohl aber gibt es Gene, die "falsche" Verhaltensmuster prägen und somit zu falscher Ernährung und zu wenig Bewegung führen. Am häufigsten aber wird das aber als Ausrede benutzt, "schützt" es doch den Einzelnen vor Veränderungen.

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eine gute balance zwischen innen und außen...

eine gute balance zwischen innen und außen zufinden in der tat nicht immer leicht. also auch zwischen energien, die uns selbst gehören, oder eben nicht. und auch als funktion der zeit biographisch nicht konstant. häufig gibt es objektive äußere zwänge. eigene kleine kinder sind ein gutes beispiel. und auch die frage nach dem nutzen oft in einem vollkommen manipulativen spinnennetz von wiederstrebenden kräften. welche mutter oder welcher chef sind schon objektiv? oder welcher coach? oder welche urlaubsbekanntschaft? oder welches talent? am beispiel pavarotti sähe man womöglich überdeutlich, dass ein langes leben nicht errreicht wurde. jedenfalls bei weitem nicht das maximal mögliche talentfreie alter. also, wenn er nicht gesungen hätte, stattdessen aber sicht stets optimal ernährt, mit viel möhren und so, und nie in der öffentlichkeit gestanden. oder jedenfalls nicht so. könnte man womöglich auch noch nett drüber resümieren, was ihn anteilig mehr früh zugrunde richtete: die eigene seele inkl. talent, oder der ständige externe fokus auf ihn. und trotzdem hat er sich verdient gemacht. um uns alle. für manche sogar auf herausragende art und weise. und was eigentlich früh heißt. und warum eine soziale entetität breit aufgestellte vielfalt anscheind (aus kurz- u. langlebern abgemischt) mehr brauchte. und welche feigen und dummen davor angst hätten. eher zur mitte, zur reinen mitte tendierten. anstatt wahlfreiheit plus gleichgewicht zu kombinieren, wo immer möglich.

1 Tyler Durden Volland 02.04.2013, 02:59 Uhr

Die Freuden der politischen Korrektheit, oder, Warum so kompliziert?

„Wenn das individuelle Gewicht tatsächlich 80 % determiniert ist…“

Ja, aber nur: „Wenn“ (bzw: „Falls“….)
Heutzutage ist ja auch die Wissenschaft schon längst politisch korrekt, und hat für jeden der eine braucht, eine Ausrede parat. Alkoholismus ist eine Krankheit und auch Ritalin gibt’s nur für ganz, ganz ernsthaft erkrankte Kinder. Alles, nur bitte nicht banale Realitäten und Wahrheiten. „Dabei ist das Gewicht vermutlich zu wesentlichen Teilen von den Genen bestimmt….“, vermutlich reicht also heute bereits? Nicht wissen ist nun mal nicht wissen, und warum sogenannte „Erkenntnis“ nun mal von „Interesse“ geleitet wird, sollten wir auch schon seit dem Habermas der 70er Jahre wissen.
Einfach mal nachzuzählen wie oft die Betreffenden und ihre weniger fette Vergleichsgruppe bei McDonalds, oder zu Hause Fast Food fressen, das wäre politisch nicht korrekt genug oder, wie sie es umschrieben haben „ein derartiges Experiment ist unethisch“.
Nicht das Ergebnis, aber das unverblümte Aussprechen desselben wird in der heutigen, verdummt, politisch korrekten Welt als unethisch gesehen.
Glauben sie wirklich, jemand der 8 Stunden vor der Glotze sitzt, oder bei den Jüngeren, wer die meiste Zeit seines Lebens vor dem Monitor sitzt, der kocht sich dann eine Gemüsesuppe zum bewussten Essen?

„Ob die New Yorker wirklich alle abnehmen würden, wenn 1-Liter-Colabecher verboten würden?“

Es wäre nicht darum gegangen alle weniger dick zu machen, es wäre darum gegangen etwas zu tun, das tatsächlich möglich ist. Aber ein Gericht meinte ja, es sei ein US Grundrecht, sich selbst und so ganz nebenbei auch die eigenen Kinder in kleine fette Schweinchen zu verwandeln.

„Ob bunte Lebensmittelampeln tatsächlich jenen bei der Ernährung helfen, die Hilfe bräuchten?“

Nein, das würden sie sicher nicht, aber sie würden uns Anderen dabei helfen sich den Betrügereien und Lügen der Konzerne bei der Inhaltsangabe etwas leichter zu entziehen, und letztlich auf simple Art und Weise seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Ein kleiner Tip, eine jener Wahrheiten zum Thema die man nicht aussprechen darf wäre: Meist ist es nur Dummheit, die dick macht!
Sie umschreiben diese banale Wahrheit nur weniger provokativ:
„Eltern, die den Fernsehkonsum ihrer Kinder begrenzen, achten vermutlich auch auf gesunde Ernährung und fördern sportliche Aktivitäten.“

So einfach ist das nämlich wirklich.

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0 Herr Klamm 02.04.2013, 11:26 Uhr

Auch interessant: Über eine Korrelation von Schlafmangel und Übergewicht

"Five years ago, already aware of an association between sleep apnea and diabetes, Dr. Eve Van Cauter discovered a “neuroendocrine cascade” which links sleep to obesity. Sleep loss increases the hormone ghrelin, which signals hunger, and decreases its metabolic opposite, leptin, which suppresses appetite. Sleep loss also elevates the stress hormone cortisol. Cortisol is lipogenic, meaning it stimulates your body to make fat. Human growth hormone is also disrupted. Normally secreted as a single big pulse at the beginning of sleep, growth hormone is essential for the breakdown of fat. It’s drilled into us that we need to be more active to lose weight. So it spins the mind to hear that a key to staying thin is to spend more time doing the most sedentary inactivity humanly possible. Yet this is exactly what scientists are finding. In light of Van Cauter’s discoveries, sleep scientists have performed a flurry of analyses on large datasets of children. All the studies point in the same direction: on average, children who sleep less are fatter than children who sleep more. This isn’t just here, in America—scholars all around the world are considering it, because children everywhere are both getting fatter and getting less sleep. Three of those studies showed strikingly similar results. One analyzed Japanese first graders, one Canadian kindergarten boys, and Australian young boys the third. They showed that those kids who get less than eight hours sleep have about a 300% higher rate of obesity than those who get a full ten hours of sleep." (zitiert aus: Nurtureshock: Why Everything We Thought About Children is Wrong)

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0 Tyler Durden Volland 03.04.2013, 05:20 Uhr

@Gast X und @Sophia

@Gast X

Man kann natürlich alles missverstehen wenn man sich ein wenig Mühe gibt, sehr hilfreich ist dabei wenn man mit einer politisch korrekten Grundeinstellung an ein Thema herangeht.

Selbstverständlich gibt es eine Wechselwirkungen von Genen und Umwelt, aber wie bedeutend die letztlich ist weiss KEINER! Aber als politisch korrekte Ausrede kann man das ja trotzdem erst mal benutzen, oder?
Ich hingegen habe mich gegen die heute ach so beliebte Methode gewendet, für alles und jedes eine Ausrede anzuführen, statt in erster Linie mal das eigene Verhalten zu beobachten, und ich dachte ich hätte das deutlich getan.

Genauso wenig geht es mir um den Konsum von fast food. Es geht um bewusstes Einkaufen, Kochen und Essen. Wer zwischen diesem und dem Fett-sein keinen Zusammenhang sehen will, der soll es halt bleiben lassen und seine bösen, bösen Gene beklagen.
Und natürlich hat es nichts mit Schuld, sondern mit Konditionierung zu tun, wenn man mit angemessenem „Einkaufen, Kochen und Essen“ überfordert, aber es hat nun mal was mit Dummheit zu tun, oder was wäre Dummheit ihrer Meinung nach denn sonst? Will hier irgendjemand behaupten es gäbe gerade in Zeiten des Internets keine Informationen zum Thema?

Sie fragen: „Paternalistische Methoden um Menschen zu einer gesünderen Lebensweise zu erziehen sind immer ein Problem, denn Sie schränken die Wahlfreiheit ein. Darf man Menschen gegen ihren Willen zu ihrem Wohl zwingen?“

Dabei hatte ich doch extra sarkastisch angemerkt, dass man schon Amerikaner sein muss, um einen verwerflichen, staalichen Eingriff in die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit darin zu erkennen, dass einem verboten wird, ein Zuckergesöff in einem 1 Liter Becher kaufen zu dürfen.
Was genau kann man denn daran missverstehen?

Erfreulich, dass wir bei der Ampel einer Meinung sind. Aber lassen sie mich auch bei dem Thema noch mal politisch unkorrekt werden. Sie haben darauf hingewiesen, dass es die Merkel/Aigner Regierung war, die diese Regelung in Brüssel verhindert hat.
Diese Regierung wurde von einem Volk gewählt, das, dank der fürsorglichen Nachhilfe durch die Medien, damit überfordert ist zu sehen, wer seine Interessen vertritt, und dieses Volk scheint sich, trotz permanenter entgegengesetzter Hinweise auf das Gegenteil, selber für die Klientel der fünf Einheitsparteien des Landes zu halten….
Womit wir, wie gesagt, wieder beim Thema Dummheit wären.

Sie sprechen von Ethik für Grossversuche.
Ich spreche nur davon sich in Supermärkte zu stellen und Einkaufsgewohnheiten in Beziehung zu Körperumfang zu stellen, oder die Besucher von McDonalds mit den Besuchern einer Salatbar oder eines vegetarischen Restaurants zu vergleichen, und die Beobachtungen dann quantitativ zusammen zu fassen.
Aber das Ergebis wäre dabei natürlich niemals politisch korrekt genug….

@Sophia

Ich missverstehe sie keineswegs, aber ich weise darauf hin, dass man eben nicht „wissenschaftlich tragfähige Ergebnisse“ sucht, sondern Thesen dazu benutzt Mangel an Eigenverantwortung zu entschuldigen.

„Die aber zeigen meiner Meinung nach sehr deutlich, daß die Gene eine erhebliche Rolle spielen.“
Genau das "Deutlich" tun sie eben nicht, wenn sie genau nachlesen.
Es reicht heutzutage simple Allgemeinbildung um zu wissen, dass dieses Verhalten selbstverständlich eine Mischung aus Genen, Konditionierung und eben nun mal dem, das ich „Dummheit“ nenne ist. Gene konditionieren nämlich noch dazu in den seltensten Fällen zwingend, sie schaffen bestenfalls eine Veranlagung.
Was ist denn ihrer Meinung nach sinnvoller, Leuten das eigene Verhalten aufzuzeigen oder ihnen nur eine weitere Ausrede zu liefern?
Selbstverständlich habe ich nichts dagegen wenn sich einer im Prinzip totfressen will, also einen früher als nötigen Tod in Kauf nimmt.
Man gibt dieses Verhalten aber nun mal nicht nur mit den Genen, sondern in allererster Linie als Vorbild, an die eigenen Nachkommen weiter.

Ich schliesse auch nicht generell von dick auf dumm, aber das Wort macht unmissverständlich klar, was ich ausdrücken will.
Dass es dem politisch korrekten „Denken“ (welche ein Oxymoron!) widerspricht, freut mich allerdings.

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0 Heike Schneider 03.04.2013, 07:41 Uhr

Das Schlimmste....

...Armut durch Eltern, die den ganzen Tag mit den Kindern zu Hause sind. Dafür braucht man gar keine Forschung, das sind Alltagsbeobachtungen. Früher wurden solche Sachen ebnen von der Stasi dokumentiert. Heute kriegt man sich Gegenseitig mit. Und dann stehen sie da, jammern, klagen, betteln, kriegen weiter Kinder, rauchen Cannabis, gehen allen Nachbarn auf die Nerven und warten darauf noch mehr Geld für sich und die Kinder zu bekommen, vom Staat natürlich. Ethisch nicht vertretbar ist, sich sein Leben lang darauf einzustellen, das andere zahlen, und das ist aber die Einstellung die dahinter steckt. Das da nämlich kein Zufall hinter steckt sondern das Verhalten und die mentale Einstellung der Leute ist doch klar. Und das ganze hat auch was mit Menschenkenntnis, Psychologie und Forschung zu tun.

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Liebe Sophia, ich habe mir - aus reiner...

Liebe Sophia, ich habe mir - aus reiner Neugierde - die 2009 NHANES Daten besorgt um nach Korrelationen zwischen BMI und TV Konsum zu schauen. Daten zum TV Konsum sind für 2226 Personen zwischen 2 und 11 vorhanden.

Da der BMI in dieser Altersgruppe leider mit dem Alter zunimmt, läßt sich kein einfacher Vergleich machen; eine simple Regressionsanalyse (BMI ~ Alter + TV) zeigt keinen signifikanten Effekt für den TV Konsum, und auch wenn ich mir jeden Jahrgang einzeln anschaue, gibt es keinen (statistisch signifikanten) Unterschied zwischen Kindern mit mehr, und Kindern mit einer oder weniger Stunde Fernsehen pro Tag (der BMI ist durchschnittlich höher in Kindern mit mehr TV Konsum, der Unterschied ist aber nur in einer Altersgruppe signifikant, und das auch nur knapp). Es scheint also so zu sein, daß in diesem Datensatz der Fernsehkonsum keinen starken Einfluß hat; gleiches gilt für die Verwendung von Computern.

Anderseits haben Bewegung (-0.05 kg/m2 pro 60 Minuten/Tag) und das Einkommen der Eltern einen ganz klaren Effekt.

Wenn man jedoch schaut, inwieweit TV Konsum mit dem Risiko für Adipositas (definiert als BMI über p95 für das entsprechende Alter) korreliert, so findet man in der Tat, daß das Risiko pro Stunde/Tag um etwa 8% zunimmt.

Was sagen diese Ergebnisse: es kommt ganz darauf an. Die Analyse ist natürlich nur ad hoc (oder quick & dirty), und insofern werden sich einige Fehler eingeschlichen haben. Meiner Meinung nach deuten die Werte darauf hin, daß der TV Konsum in der Tat einen (leichten) Einfluß auf den BMI hat, und man wohl bessere Daten und bessere Methoden braucht, um genauere Informationen zu finden. Andererseits zeigen die Ergebnisse aber auch, daß der Effekt wohl eher klein ist und nicht so stark, wie man es vielleicht gerne hätte.

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wurde schon frühzeitig von einem Magister der Mathematik bescheinigt, sie möge ob ihrer Unfähigkeit im Umgang mit Zahlen und Formeln nicht allzu betrübt sein, es gebe reichlich schöne Berufe ohne dieselbe, insbesondere ein Broterwerb als Kammerjungfer oder Hausfrau wurde ihr nahegelegt.