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Wer ist der Maßstab – wir oder der Rest der Welt?

15.07.2013, 17:20 Uhr  ·  Obwohl es nie einfacher als heute – in Zeiten von Computern und Globalisierung – war, fremde Kulturen zu erforschen, sind wir offenbar immer noch selbst unser liebstes Studienobjekt.

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Vor einiger Zeit war ich für Recherchen in historische Archiven. Ich habe durch statistische Jahrbücher von 1920 und parlamentarische Berichte geblättert, ehrfürchtig die Akten des Auswärtigen Amtes um 1900 befingert und viele Meter Mikrofilm gesichtet. Das war in vieler Hinsicht aufschlußreich. Die antiquierten Formulierungen und Floskeln waren eine Freude; die darin hübsch verpackte Bigotterie hingegen ein Graus. Natürlich war mir auch schon vorher bewußt, wie anders der damalige Standpunkt gegenüber fremden, fernen Ländern und ihren Einwohnern war, aber die Akten haben einen sehr unmittelbaren und ungefilterten Eindruck davon vermittelt, wie egozentrisch das damalige Weltbild und Wertegefüge waren, sogar in intellektuellen, wissenschaftlichen Kreisen.

Man würde gerne glauben, daß diese Zeiten lange passé sind, aber ein kritischer Blick auf die heutige Forschung zeigt, daß das mitnichten der Fall ist: wissenschaftliche Forschung ist hochgradig industrieland-zentristisch – aber den Forschern war das lange Zeit nicht bewußt. Einer der Grundsteine sozialwissenschaftlicher Forschung ist das “dictator game” oder auch “ultimatum game”, ein Experiment, das Aufschluß über menschliche Maßstäbe von Fairness und deren Durchsetzung geben soll. Im ersten Schritt wird dabei einer Person ein bestimmter Geldbetrag zur Verfügung gestellt, von dem die Person einen beliebig großen oder kleinen Teil einer zweiten, ihr unbekannten Person abgeben soll – was zeigt, wie die Person über Fairness, Gerechtigkeit, Großzügigkeit, und Teilen denkt. In einer Erweiterung des Spiels bekommt die zweite Person die Möglichkeit, das Angebot abzulehnen, in welchem Fall beide Personen gar nichts erhalten – es wird also die Möglichkeit eingebaut, als unfair wahrgenommenes Verhalten zu bestrafen, wenn man dafür auf seinen eigenen Anteil (wie klein der auch sein mag) verzichtet.

© Eigenes Bild 

Der durchschnittliche Deutsche, Brite, Italiener oder Amerikaner, den man dieses Spiel spielen läßt, bietet ungefähr eine Teilung des Geldbetrags 50:50 an, vielleicht auch 60 für sich, 40 für den anderen – er weiß nämlich, der durchschnittliche deutsche, italienische oder amerkanische Mitspieler ist durchaus willens, als unfair wahrgenommene Angebote zu sanktionieren. Das, so dachte man lange Zeit, sei halt typisch menschlich, entwicklungsbiologisch geprägt, gewissermaßen eine der Grundkonstanten menschlichen Verhaltens. Bis ein Doktorand dasselbe Experiment mit Amazonasindianern in Peru durchführte und feststellte, daß dort der erste Spieler keinerlei Anlaß sah, ein Geschenk mit anderen zu teilen – und der zweite ebenso dachte und den Egoismus keineswegs abstrafte, sondern auch die kleinsten Beträge gutwillig akzeptierte.

In anderen Gesellschaften wiederum mit ausgepägter Geschenk- und Teilkultur wurden sehr hohe Angebote gemacht, und dann vom zweiten Spieler abgelehnt, möglicherweise, weil dabei automatisch die zukünftige Schuld bzw. Verpflichtung mitschwingt, der man lieber entgehen möchte – selbst wenn das Spiel anonym ist. Das zumindest ist ein gemeinsamer Nenner vieler Kulturen: solche Verhaltensweise sitzen offenbar so tief, daß sie auch be anonymen, einmaligen Spielen funktionieren. Um den offensichtlich eklatanten Unterschieden auf den Grund zu gehen, ging der Doktorand mit seinem Experiment (und verbesserter Finanzierung post-Dissertation) auf Weltreise, und versuchte, herauszufinden, woher die Unterschiede stammen.

© Eigenes Bild 

Im Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen und je nach Integration einer ethnischen oder gesellschaftlichen Gruppe stellte sich heraus, daß die Anhänger der großen Weltreligionen (Christen, Muslime, Juden) offenbar sehr viel eher westliche Vorstellungen von Fairness und Bestrafung an den Tag legen. Vor allem aber scheint es auch einen deutlichen Zusammenhang mit der Globalisierung zu geben: je intensiver Völker miteinander handeln, desto ausgeprägter Fairness und Bestrafung. Möglicherweise also bildete sich diese ganz spezielle Vorstellung von Fairness über Jahrhunderte in Europa heraus, wo es mit zunehmender wirtschaftlicher Interaktion nach der eher vom Faust- und Gewohnheitsrecht geprägten Epoche des Mittelalters immer sinnvoller wurde, auch länder- und nationenübergreifend im Umgang mit Fremden ein gewisses Maß an Fairness an den Tag zu legen.

Möglicherweise haben also wir spezielle Vorstellungen – und nicht der Rest der Welt? Es gibt nur wenige Studien, bei denen Europäer und Amerikaner mit einer nennenswerten Anzahl anderer Kulturen verglichen werden, aber die Ergebnisse sind frappierend, sogar bei ganz grundlegenden Dingen. Zum Beispiel erliegen Europäer im Allgemeinen (und Amerikaner im Besonderen und am meisten) der Müller-Lynn Illusion, daß zwei gleichlange Striche mit unterschiedlichen Pfeilen an den Enden unterschiedlich lang seien. Den getestens afrikanischen Stämmen hingege passierte das nicht – vermutlich weil sie nicht in viereckigen, geschlossenen Räumen aufwachsen und sich die Wahrnehmung dabei anders entwickelt. Solche Unterschiede scheint es auch in Sprachen zu geben: in vielen westlichen Sprachen werden Objekte im Raum als links und rechts klassifiziert, was sehr häufig eine subektive (buchstäblich “ego-zentrische”) Einordnung ist, während in anderen Sprachen bei kleinen Kulturvölkern räumliche Zuordnungen häufiger mit vor, hinter, westlich, oder östlich beschrieben werden.

© Eigenes Bild 

Insgesamt zeigen viele Puzzleteile sozialwissenschaftlicher Forschung, daß westliche Kulturen sich in vielen Dimensionen von Kulturen in Afrika, Asien und Lateinamerika unterscheiden: wir sind sehr analytisch, Objekte werden eher individuell als im Kontext ihres Umfelds wahrgenommen. Wir haben allerdings eher abstrakte Vorstellungen unseres natürliche Lebensraumes, und das spiegelt sich auch in kognitiven Test wider – von denen viele eben gerade unsere Maßstäbe messen. Würden unsere Intelligentests Punkte für unsere Wahrnehmungsschwächen (z.B. der oben genannten Müller-Lynn Illusion) abziehen, sähe die Datenlagen zum Thema Intelligenzforschung möglicherweise auch anders aus. Möglicherweise sind also nicht die anderen alle etwas rückständig und dumm im Vergleich zu uns, sondern wir nicht nur im Akronym – western, educated, industrialized, rich and democratic (WEIRD) – sondern buchstäblich sonder-bar.

Statt dessen jedoch: 68 % der Teilnehmer von Studien in psychologischen Journals kommen aus den USA und ganze 96 % aus westlichen Industrieländern – deren Bevölkerung jedoch nur 12 % der Weltbevölkerung darstellt. Der offensichtlichste Grund liegt natürlich darin, daß die meisten wissenschaftlichen Autoren ihre Studienteilnehmer aus dem eigenen Kulturkreis rekrutieren, das ist nicht nur naheliegend, sondern auch einfacher und günstiger. Trotz Globalisierung, Computern, Datenverarbeitung, billigen Flügen und ganz ohne schwarze Flecken auf den Landkarten, scheint es dennoch immer noch schwierig, solche Hürden für die Forschung zu überwinden. Immerhin: zumindest die Volkwirtschaft ist sich der Tatsache bewußt, daß das naheliegendste Studiensubjekt (der Bachelorstudent der VWL an der eigenen Uni) wenig repräsentativ ist. Hinzu kommen moralische Probleme damit, Studienteilnehmer in armen Ländern als Versuchskaninchen für Studien zu nutzen, ebenso wie die Kosten, Teilnehmer gegebenenfalls zu entlohnen, und das Studiendesign unter Umständen auf die fremde Kultur maßzuschneidern. In ähnlichen Studien in Afrika ist offenbar eine beliebte Aufgabe, die Teilnehmer gegen Entlohnung Bohnen sortieren zu lassen – was sich für uns absurd und sinnfrei anhört, vor Ort aber in manchen Regionen eine ordentlichen, übliche, und entlohnte Tätigkeit in der Nahrungsmittelverarbeitung.

© Eigenes Bild 

Eine Rolle mag auch spielen, daß die Evaluierung von Unterschieden zwischen Ethnien und sozialen Guppen mittels quantitativer Methoden in mancher Hinsicht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts desavouiert wurde, und daher bis heute bei Anthropologen und Ethnographen eher unbeliebt ist – während Ökonomen (siehe das obige Beispiel) sich darauf eher einlassen.

Bedenkenswert ist jedenfalls die Erkenntnis, wie sehr menschliches Verhalten kulturell geprägt ist – und daß die meisten sozialwissenschaftlichen Studien nur Aufschluß über die studierte kulturelle Gruppe geben, nicht aber über die Menschen an sich. Übrigens ist auf diesen Trugschluß sogar auch die medizinische Forschung hereingefallen: erste Studien mit bildgebenden Verfahren zu neuronalen Prozessen im Gehirn, zu frühkindlicher Entwicklung, oder auch aus der Psycholinguistik zeigen ebenfalls, daß andere Kulturen anders ticken. Aber das ist ein anderes, weites Feld.

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (34)
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Hallo, ich grüße Sie. Können Sie aus dem...

religös, kulturell bedingtem 50:50 oder max. 60:40 Ergebnis, die reale
Vermögensverteilung von ca. 80:20, in der Welt erklären. Also 20% der
Menschen aus o.g. Gruppe besitzen 80% des Weltvermögens und
80 % nur 20% des Weltvermögens. Die reale Verteilung erklärt wohl Kriege
und das reale Zeitgeschehen. Warum wird nicht 50:50 oder 60:40 "geteilt",
dann wäre laut dem Experiment das Ergebnis Frieden...und meiner Meinung nach auch.
Wo ist "Falle"?

Im voraus vielen Dank für die Antwort.

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0 Tyler Durden Volland 16.07.2013, 05:10 Uhr

Bitte um Erläuterung....

„Wer ist der Maßstab – wir oder der Rest der Welt?„

Irgend wie fehlt mir da was, und zwar während des ganzen Artikels:

Wenn sie was genau messen wollen?

Denn wie wesentlich diese Frage ist, bemerkt man erst beim Nachdenken und vor allem ist die Antwort dann sehr unterschiedlich. Denn das Einzige, das es wohl wert ist überhaupt verglichen zu werden, das wäre die Lebensqualität des Individuums in verschiedenen Ländern.

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Herr

Die tatsächliche Verteilung lässt sich etwa so erklären:
Da der durchschnittliche Deutsche, Brite, Italiener oder Amerikaner weiß, dass wenn er gegenüber einer Person aus der ersten Welt eine unfaire Teilung vorschlägt gar nichts bekommt, spielt er fair.
Er gleicht sich den Gegebenheiten an, sieht dies jedoch weiter als Spiel an.

Da er aber auch weiß das in der dritten Welt 20% akzeptiert werden, während er sich 80% nehmen kann, außerdem mit anderen (Maklern?) aus der ersten Welt in Konkurrenz steht und nach dem Goldmannprinzip schöne Statistiken zeigen möchte, verhält er sich ausbeutend.

In der dritten Welt geht es schließlich ums Überleben und nicht um unmoralische Vergleiche/Wettbewerbe, die werden schon einlenken...

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0 Matthias Mersch 16.07.2013, 11:24 Uhr

Gratuliere aufrichtig zum Erkenntnisgewinn!

Werte Sophia,

wieso denn "sogar"? Ich würde sagen "gerade" und "bevorzugt":

"... aber die Akten haben einen sehr unmittelbaren und ungefilterten Eindruck davon vermittelt, wie egozentrisch das damalige Weltbild und Wertegefüge waren, sogar in intellektuellen, wissenschaftlichen Kreisen."
"Ich fand es hingegen faszinierend, wie sehr wir davon überzeugt sind, daß unsere Maßstäbe die richtigen sind und dabei völlig ausblenden (sogar in der Forschung), daß andere Wege denkbar wären."
Sie wandeln erfreulich Ihre Auffassungen, denn neulich konnten Sie den ulkigen Untersuchungen von Jason Richwine noch das eine oder andere Quentchen Glaubwürdigkeit abgewinnen. Heute jedoch:

"Würden unsere Intelligenztests Punkte für unsere Wahrnehmungsschwächen (z.B. der oben genannten Müller-Lynn Illusion) abziehen, sähe die Datenlagen zum Thema Intelligenzforschung möglicherweise auch anders aus."

Es ist kein Spott: Bemerken Sie gerade, wie erfolgreich Sie in die Tugenden und Laster einer quantifizierenden Sozial- und Wirtschaftsforschung sozialisiert worden sind und wie unzureichend für eine schlüssige Klärung Ihrer Fragen an die Welt diese gläubig bestaunten Werkzeuge Ihnen nun erscheinen?

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0 aristius fuscus 16.07.2013, 12:22 Uhr

Werte Frau Infinitesimalia, für die...

Werte Frau Infinitesimalia,
für die Erkenntnis, dass Westler eher analytisch (ein besseres Wort wäre vielleicht reduktionistisch) an die Welt herangehen und Objekte für sich und nicht in ihrem Kontext betrachten, hätte es jetzt keiner aufwändiger Studien bedurft. Interessanter wäre die Frage, woher das kommt. Hat sich das zufällig entwickelt und sich in unerer Denkweise durch die unbestreitbaren Vorteile dieser reduktionistischen Arbeitsweise festgesetzt (Technik und Naturwissenschaften gehen mit einem ganzheitlichen Ansatz nicht wirklich zusammen) oder war das schon immer in uns angelegt und daher die Grundlage für die westlich dominierte Naturwissenschaft?
Ich neige ein bisschen zur ersten Variante und kann mir auch nicht vorstellen, wie man dieses Henne-und-Ei-Problem lösen könnte, aber einiger Anstrengung wäre diese Fragestellung schon wert.

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0 Thorsten Haupts 16.07.2013, 12:52 Uhr

Sophias Artikel führen direkt oder indirekt immer zu besseren Erkenntnissen,

und sei es nur, dass sie (wie hier) der Ausgangspunkt einer ausgedehnten Internetrecherche sind.

Ohne dass der Befund Sophias Anmerkungen zum Einfluss von Kultur direkt widerspricht, so ist es eine auch wissenschaftlich gemachte Beboachtung, dass alle sich entwickelnden Gesellschaften auf der Erde sich bisher in Richtung des westlichen auf den Weg gemacht haben, der in den Schlagworten Demokratie, Rechtstaat und Marktwirtschaft zusammengefasst werden kann.

Wenn aber die drei genannten Beschreibungsmerkmale weitgehend oder ausschliesslich spezifisch kulturgebunden sind, wirft das die Frage auf, wieso sich dann in Asien oder Afrika europäische Entwicklungen wiederholen?

Und etwas ratlos lässt mich der Abschnitt über Fairness zurück - bis tief ins 20. Jahrhundert hinein gab es in keiner Region der Erde mehr interregionale, bewaffnete Konflikte als in Europa (z.B. Jared Diamond hält das ausdrücklich für einen der wichtigsten Gründe für die europäische Dominanz des 19. Jahrhunderts). Das heisst, einer Fairness begünstigenden Entwicklung (Handel) lief eine andere entgegengesetzt (Krieg). Und wäre Handel für Konzepte von Fairness entscheidend, müssten nicht die arabischen Staaten Nordafrikas eher ein Konzept für Fairness entwickelt haben als die Europäer? Ihre interkontinentale Handelstradition ist weit stärker und früher entwickelt als die Europas?

Wie auch immer - danke für den gelungenen Gedankenanstoss.

Gruss,
Thorsten Haupts

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0 Wolfgang Hennig 16.07.2013, 15:49 Uhr

Als kurze Antwort auf die Frage...

wer "Maßstab" ist, würde ich sagen: Die Geistreife(ren).

MfG W.H.

:-)

0 axel greve 17.07.2013, 02:36 Uhr

Schön geschrieben.

Weiterhin lässt sich beobachten, dass allein das Fragen und damit verbunden mindestens heimlich auf definitive Antworten hoffen - ein Merkmal unserer Kultur ist.

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0 Uwe Gattermann 17.07.2013, 07:15 Uhr

Westliche Vorstellungen von Fairness und Bestrafung

"Im Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen und je nach Integration einer ethnischen oder gesellschaftlichen Gruppe stellte sich heraus, daß die Anhänger der großen Weltreligionen (Christen, Muslime, Juden) offenbar sehr viel eher westliche Vorstellungen von Fairness und Bestrafung an den Tag legen. Vor allem aber scheint es auch einen deutlichen Zusammenhang mit der Globalisierung zu geben: je intensiver Völker miteinander handeln, desto ausgeprägter Fairness und Bestrafung."
___________________________________________________________________________

... teilen die mohammedanischen Staaten weder gegenüber dem Westen noch gegenüber den Glaubens-"Brüdern"!

Wieviel Geld haben die reichen ölfördernden Länder für die letzte europäische Hochwasserkatastrophe gespendet? Null! Was sie "spenden", sind Moscheen in unseren Städten, die keiner will!

Ich erinnere mich noch recht lebhaft an die letzte Katastrophe im mohammedanischen Pakistan. Da kamen die reichen Saudis an letzter Stelle. Da Pakistan selbst unter den mohammedanischen Staaten den geringsten Sympathie-Faktor hat, sprudelten die privaten Spenden nicht so üppig wie zuvor und erwartet. Also wurde der westliche (speziell deutsche) Steuerzahler schlicht zu Zwangsspenden verdonnert.

Hätten sich unsere Altvorderen fair verhalten, wären viel weniger Steuern in die Entwicklungsländer geflossen und mehr Eigenverantwortung gefordert worden. Dann wäre uns der Youth bulge dieser Länder erspart geblieben und sie wären den einen oder anderen Schritt weiter. Ein Vergleich der Entwicklungen in Südost-Asien und Afrika genügt um zu verstehen, worauf ich hinaus will.

Nur leider fehlen die Quellenangaben

Ein lehrreiches Märchen, das man den Kindern häufiger vorlesen sollte. Es ließe sich sicherlich auch noch moralinfreier formulieren. So, wie man häufiger das Kinderspiel 'Stille Post' revitalisieren sollte.

Nein, nein, daß hier sachlich gearbeitet wurde, will ich nicht abweisen. Die hohe Plausibilität ist es, die immer Argwohn weckt.

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1 Heinrich Ebbers 17.07.2013, 13:02 Uhr

Biologismus

"Das, so dachte man lange Zeit, sei halt typisch menschlich, entwicklungsbiologisch geprägt, gewissermaßen eine der Grundkonstanten menschlichen Verhaltens."

Geht's noch? Abgesehen davon, dass mir fremd ist, dass die Entwicklungsbiologie überhaupt menschliches Verhalten zu ihrem Gegenstand hat, wer soll denn hier bitteschön "man" sein? Aufgeklärte Menschen jedenfalls seit je eher nicht. sie wissen, dass Menschen in erster Linie gesellschaftliche und nicht biologisch determinierte Wesen sind und wissen von den manifesten Verhaltensunterschieden unterschiedlicher Kulturen. Davon zeugen ganze Bibliotheken, die in den letzten Jahrhunderten dazu entstanden sind, und zwar vor den glorreichen "Zeiten von Computern und Globalisierung". Die bringen offenbar, wenn man diesen Artikel zum Maß nimmt, vorwiegend ideologisch geprägte Trivialitäten hervor, wie den hier zugrunde liegenden primitiven Biologismus.

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0 Reinhart Gruhn 18.07.2013, 09:36 Uhr

Interkulturelle Steinzeitforschung

Dass interkulturelle Forschung zu ganz neuen Ergebnissen und Bewertungen geschichtlicher Epochen führen kann, zeigen diese Berichte der Kölner Uni:
http://www.portal.uni-koeln.de/trackingincaves.html

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0 Herold Binsack 18.07.2013, 13:03 Uhr

Seien wir intolerant, aber nicht lächerlich!

Die Ethik steht in einem gewissermaßen dialektischen Verhältnis zu der ihr zugrundeliegenden gesellschaftlichen Formation. Mich überrascht es nicht, dass bei indigenen Völkern u. U. ein (durch uns) nicht vermuteter Egoismus vorzufinden ist. Erklärt man sich die Ethik als das was sie nicht ist – nämlich anerkannte Norm –, dann begreifen wir es vielleicht. Möglicherweise ist sie nur Ausdruck des schlechten Gewissens ob der gesellschaftlich-üblichen Norm, ob der gesellschaftlichen Realität. Je schlimmer diese Realität, könnte man also schlussfolgern, desto „besser“ die ethischen Bedenken (dagegen). Und wo kranker Egoismus sich durchgesetzt hat, da kommt auch der sog. gesunde Egoismus nicht zum Zuge, den dieser ist gleich mit desavouiert. Deswegen plädiert ja z.B. Slavoj Zizek für die „Intoleranz“ (Ein Plädoyer für die Intoleranz, Passagenverlag Wien, siehe auch: http://blog.herold-binsack.eu/die-illusion-ins-grenzenlose-getrieben/). Und wo eine Gesellschaft nur noch „Gutmenschentum“ heuchelt, da herrscht in Wirklichkeit das Grauen der Gleichgültigkeit. Also der wahrhaft böse Egoismus.
.
Wenn wir also solche gesellschaftlich bedingte Deformationen bei gewissen indigenen Völkern nicht vorfinden, dann finden wir vermutlich auch gar keine Vorstellung von Egoismus vor. Egoismus ist dort identisch vielleicht mit Lebenswille, vielleicht aber auch nur mit gesundem Humor. Egoismus ist ja auch bei uns kein klar definierter Begriff, er subsistiert quasi nur – als philosophische Kategorie (meist in idealistischen Kontexten), oder als psychologische, welche irgendwie mit dem „Ich“ verbunden scheint (hier den „Lebenswillen“ antizipierend). Im Alltag regiert der Egoismus gewissermaßen begriffslos, als etwas Ausgeschlossenes, Imaginäres, denn Böses.
.
Daher würde ich, und dabei mich an Zizek anlehnen wollend, schlussfolgern: Gestehen wir uns ein, dass w i r der Maßstab sind, doch tun wir das nicht im chauvinistischen Sinne, sondern selbstkritisch bescheiden. Denn auch wo wir Maßstab sind, sind wir nur ein kleiner. Seien wir „intolerant“, aber nicht lächerlich.

0 Peter Mohler 18.07.2013, 15:31 Uhr

Auch die "westliche Ausbildung" der WissenschaftlerInnen spielt eine Rolle

M.H. Bond (fuehrend in der Cross-cultural Psychology (http://en.wikipedia.org/wiki/Cross-cultural_psychology) und in Hongkong lehrend bemerkte einmal in einer Diskussion, dass die westlich orientierte oder gar im Westen erfolgte akademische Ausbildung "lokaler oder einheimischer" ForscherInnen verstelle deren Blick auf ihre eigene Kultur einschliesslich von lokalen Forschungsergebnissen oder philosophischen Ueberlegungen zu grundlegenden Konzepten.
Das ist nun schon eine Weile her. Inzwischen werden sogar bislang als fast bombenfest geltende Konstrukte in Frage gestellt. Neueres Beispiel sind die "big five personality traits", die kuerzlich von van de Vijver and Leung kritisiert und erweitert wurden (^ Cheung, F. M.; Vijver, F. J. R. van de; Leong, F. T. L. (2011). "Toward a new approach to the study of personality in culture". American Psychologist 66: 593–603).

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

0 Peter Mohler 24.07.2013, 10:39 Uhr

etwas off topic

haben Sie das schon gelesen? (New York Times, lets schake up the social sciences
http://www.nytimes.com/2013/07/21/opinion/sunday/lets-shake-up-the-social-sciences.html?smid=li-share&_r=0

Ich wundere mich immer ...

... mit welcher Munterkeit aus solchen Laborexperimenten unbesehen Schlüsse gezogen werden, als ob das menschliche Verhalten ebenso determiniert wäre wie das Verhalten von Partikeln in der klassischen Physik.

Solange der Einfluss der experimentellen Situation nicht hinreichend geklärt ist pfeife ich auf alle daraus gezogenen Schlüsse und bilde mir lieber mein persönliches Vorurteil :p

0 klaus Schmidt 29.08.2013, 18:42 Uhr

Müller-Luer

Müller-Lynn gab's 'nicht. Müller-Luer war Wahrnehmungspsychologe: Es gibt optische Täuschungen, auf die fällt jeder erst mal rein. Unsere westliche Industriegesellschaft hat ihren historischen Anfang und wird ihr Ende haben. Dann lassen wir uns von chinesischen Ethnographen nach deren Wertmaßstäben untersuchen. Lesen Sie doch mal das Buch
über die DOGON "Die Weißen denken zuviel".
Ich kenne niemand der widerlegt hätte, daß Intelligenz normalverteilt ist. Auch in Kulturen,
die ihren Grips zum Sammeln und Jagen brauchen. Dort muß der Test halt adäquat konstruiert
sein. Aber warum noch Völkerkunde ? Wer ist denn noch nicht westlich infiziert ?

wurde schon frühzeitig von einem Magister der Mathematik bescheinigt, sie möge ob ihrer Unfähigkeit im Umgang mit Zahlen und Formeln nicht allzu betrübt sein, es gebe reichlich schöne Berufe ohne dieselbe, insbesondere ein Broterwerb als Kammerjungfer oder Hausfrau wurde ihr nahegelegt.