Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Die Glotze guckt zurück

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Smarte Fernseher, Set-Top-Boxen und Digital-Recorder sollen das Publikum zuhause vor dem Gerät ausspähen, um passende Werbebotschaften für jede Lebenslage senden zu können. Oder geht es dabei doch um mehr?

Der Televisor war gleichzeitig Empfangs- und Sendegerät. Jedes von Winston verursachte Geräusch, das über ein ganz leises Flüstern hinausging, wurde von ihm registriert. Außerdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Es bestand natürlich keine Möglichkeit festzustellen, ob man in einem gegebenen Augenblick gerade überwacht wurde.  (aus dem Roman „1984“ von George Orwell)

Als dieser Tage die Meldung die Runde machte, dass neueste TV-Geräte des Herstellers LG permanent sekundengenau aufzeichnen, welche Sendung gesehen wird und wann um- oder ausgeschaltet wird, hielt sich die Überraschung der Fachwelt in Grenzen. Selbst die von einem Techniker und Blogger herausgefundene Tatsache, dass ein sogenanntes smarter TV-Apparat dieses Herstellers versucht, diese Aufzeichnungen unverschlüsselt an den Gerätehersteller in Übersee zu senden, sorgte nicht für einen nennenswerten Aufruhr.

Anders als mit totaler Abstumpfung angesichts immer neuer Horrormeldungen von Überwachungsskandalen, Datenpannen und der schleichenden Erosion jeglicher informationeller Selbstbestimmung ist diese relative Gemütsruhe eigentlich kaum zu erklären. Zugegeben, es ist ja nicht zu erwarten, dass Sondereinsatzkommandos die Bude stürmen, wenn man regimekritische Sendungen guckt. Es geht dem Hersteller nach eigenem Bekunden doch nur darum, dem werten Publikum passgenauer personalisierte Werbebotschaften überbringen zu können, dagegen kann doch keiner was haben, oder?

© FAZ 

Dieses hehre Ziel haben sich auch andere Gerätehersteller auf die Fahnen geschrieben. In den vergangenen Monaten haben diverse Hersteller von TV-Geräten, Set-Top-Boxen und Digital-Rekordern Verfahren patentieren lassen, um mit Hilfe von Kameras, Mikrophonen und Sensoren in die Wohnzimmer zu spitzeln. Der US-Kabelnetzbetreiber Verizon etwa möchte mit Hilfe seines sensorstarrenden Kabeltuners nicht nur feststellen, wie viele Personen vor dem Gerät sitzen, sondern auch, was diese so treiben und wie die Stimmung der Personen im Raum ist. Streite etwa ein Paar vor dem Fernseher, könnte Werbung für eine Eheberatungsstelle eingespielt werden, heißt es in der Patentschrift. Oder wenn es auf der Couch immer zärtlicher zugeht, könnten Commercials für Verhütungsmittel laufen. Und sind Kinder vorm Gerät, wäre gewährleistet, dass keine Werbung für allzu erwachsene Produkte und Dienstleistungen über den Schirm flimmert.

Im Grunde, so der Branchen-Newsletter fiercecable.com, ähnele das System von Panasonic der kontextualen Werbung, wie sie Google basierend auf Textanalysen in Gmail-Benutzerkonten ausspielt. Wobei dieser Vergleich mehr verharmlost als sonstwas, denn Tante Gu horcht und guckt (meines Wissens zumindest) nicht in mein Zimmer, während ich Mails schreibe. Allerdings hat Google TV auch schon Patente angemeldet auf Systeme, die mit Hilfe von Bild- und Tonerkennung feststellen, wie viele Zuschauer vor einem entsprechend ausgerüsteten Gerät sitzen. An diesem Thema tüftelt übrigens auch Microsoft, und in dankenswerter Offenheit begründet der Software-Riese aus Redmond diese Anstrengungen nicht mit dem Versprechen interessanterer, weil personalisierter Werbebotschaften für das Publikum. Vielmehr sorge der eingebaute „License Manager“ dafür, dass nicht mehr Zuschauer einen ausgeliehenen Film gucken oder ein Computerspiel spielen können als es die jeweiligen Ausleihkonditionen und Nutzungsbedingungen erlauben. Einen Bedarf für solche Technik sieht Microsoft bei allen Unternehmen, die audiovisuelle Inhalte befristet (und gegen Entgelt) anbieten, denn wie oft und von wie vielen Personen ein Inhalt konsumiert wird, ist für den Anbieter durchaus tarif- und umsatzrelevant.

© FAZ 

Es ist somit keine allzu verwegene Annahme, dass das Bestreben der Werbewirtschaft, die potenzielle Kundschaft mit deutlich weniger Streuverlusten zu erreichen, nur einer von mehreren Treibern der Entwicklung hin zu smarteren Gerätschaften ist – und womöglich nicht mal der bedeutendste. Grundsätzlich freuen sich Werbeplaner über jeden neuen und erfolgversprechenden Weg, ihre Zielgruppen zu erreichen. Aber die Aussicht, das bewährte Massenmedium könnte komplett zum personalisierten 1:1-Kanal umfunktioniert werden, über den man mühsam jeden einzelnen Kontakt einsammeln muss, ist aus Werberperspektive durchaus zwiespältig. Und wie hat man sich das überhaupt konkret vorzustellen, müssen Nestlé, Procter & Gamble, Unilever und Coca Cola sowie ihre Schaltagenturen dann nicht mehr nur mit den Vermarktungsabteilungen der Fernsehsender über Spotpreise und Buchungskonditionen verhandeln, sondern auch noch mit sämtlichen Herstellern von Fernsehgeräten, Kabelboxen, Digitalrekordern und Spielekonsolen? Google mit seiner reichhaltigen Erfahrung und Marktmacht im Bereich der kontext-gesteuerten Online-Anzeigen darf man einiges zutrauen, aber Gerätehersteller wie Samsung oder Panasonic werden mit ihren Personalisierungsbemühungen nicht unbedingt zu dominanten Playern auf dem Fernsehwerbemarkt der nahen Zukunft werden. Panasonic ist mit heutiger Technik der Nutzererkennung zumindest so weit, Familienmitglieder wiederzuerkennen und das Startmenü mit der Auswahl von Programm -Favoriten und Web-TV-Shows entsprechend anzupassen, je nachdem, wer vor dem Gerät sitzt. Auch ist die Fernbedienung in der Lage, verschiedene Stimmen im Wohnzimmer zu unterscheiden.

© FAZ 

Aber selbst wenn das Gerät erkennen würde, dass da auch ein Hund im Wohnzimmer ist, wäre es noch ein weiter Weg bis dahin, dass in der Werbepause eines Spielfilms dann auch nur noch Werbung für Hundefutter und nicht etwa für Katzen- oder Fischfutter läuft. Das hohe Lied der ach so zielgenauen Werbung hören wir von den Onlinern schon seit Jahren, wir haben schon Daten genug im weltweiten Netz hinterlassen, dass es eigentlich längst bekannt sein müsste, wofür wir zu begeistern sind und wofür nicht. Und da schert sich doch auch kaum einer drum, warum sollte das Personalisieren im Fernsehen, das noch viel mehr als das Internet ein Massenmedium ist, mehr Erfolg versprechen?

Hinzu kommt: Vertrauen in die guten Absichten von Panasonic, LG, Samsung & Co. kann man ja vielleicht haben. Aber Geräte, die ständig nach Hause telefonieren ohne Wissen und explizite Einwilligung des Besitzer, öffnen auch Einfallstore für ungebetene Besucher. Da überlegt man sich vielleicht doch, ob man sich ein strahlungsdichtes Käppi aus Alufolie faltet die Webcams solcher Gerätschaften nicht lieber mit einem Stück Klebeband zuklebt.

Bildnachweis: Screenshots von Youtube und Daily Mail

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82 Lesermeinungen

  1. Fuck yeah, maßgeschneidert.
    Wenn eine immer größer werdende Schicht keinen Unterschied mehr macht, zwischen privater und öffentlicher Kleidung, warum sollte sie dann daheim die Linsen abdecken?
    Die „maßgeschneiderte“ Angebote sind doch voll cool. Zu den turbogeilen Sandaletten die schwer angesagten Chipsletten oder so. Win-win.

    • Ach,
      ginge es doch nur um Kleidung. Groß leuchten wollen auch viel kleine Lichter, und wer weiß, vielleicht empfindet mancher insgeheim ja einen kleinen Kitzel bei der Vorstellung, es könnten sich die Mächtigen für sein unbedeutendes Treiben interessieren. Wie Winston Smith im Roman weiß man ja nicht, ob und wann jemand durch die Webcam heimlich in die Butze linst.

    • ...
      Es geht immer um Kleidung.
      .
      AliceNotely Listening to Her Poetry, George Segal, 1970

      Auch eine Möglichkeit der Bildung eines Rückkanals der besonderen Art.

    • Danke für das Stichwort,
      das mich (mit Wegweisung von Tante Gu) zu dem digitalen Abbild jenes Bildes von der Frauengestalt vor dem Transistorradio führte. Kannte ich nicht, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.

      Aber wo nehmen Sie die Auffassung her, es ginge immer um Kleidung? In dem Teilausschnitt, den ich halbwegs überblicke, geht es darum wenig bis nahezu überhaupt gar nicht.

    • ...
      Kleidung als kultureller Indikator. Das Visuelle als Ausdruck einer Zeit. Nonverbaler Habitus. Etc. Oft ist der visuellen Ausgestaltung mehr zu trauen. Insofern.
      Anders: Man verliebt sich selten beim Telefonieren. Es sei denn, AliceNotely Listening to her Poetry.

    • Nun gut,
      wenn man den ostentativen „Es soll so aussehen als ob mir mein Aussehen egal sei“-Look mit einbezieht (oder die Kleidung stellvertretend für das Visuelle schlechthin stehen lässt), mag das tendenziell sogar angehen. Aber wie Max Goldt mal so richtig beobachtete, die meisten Leute kaufen in der Stadt, was die Kleiderstangen in den Läden halt grad hergeben ohne sich die geringsten Gedanken darum zu machen, ob ihre Kleidung „ein statement“ abgibt oder gar welches. Der „selfie“ an sich ist das statement, nicht der jeweilige style, würde ich sagen.

  2. Aus der Traum?
    Auch diesmal wieder eine informative Darstellung von ihnen, Marco. Senden und empfangen, die dem Medium Internet innewohnenden Möglichkeiten krallen sich leider Social-Media-Unternehmen und die Unterhaltungsindustrie, sicher nicht im basisdemokratischen Sinne von Bertolt Brecht. So könnte es bald heißen: „Schon die Google-Brille aufgesetzt? Nichts mehr verpassen, coole Tipps und Trips, speziell für dich, wo immer du bist.“

    Im Gespräch ist ja auch, den einfachen TV-Empfang über die Stummelantenne abzuschaffen. Was uns jetzt fehlt, ist eine echte Nutzer-Interessenvertretung gegenüber den Lobbyverbänden in Zeiten einer sich anbahnenden Kungel-SPD-CDU-Regierung.

    Und die Info „dieser Film könnte ihnen auch gefallen“ möchte ich mir verbitten, denn Nepper, Schlepper und Bauernfängern haben auch in meiner virtuellen Privatsphäre nichts zu suchen. Dagegen hilft dann wohl nur noch eines: Einfach mal abschalten!

    • Das Stichwort Brecht/Radiotheorie
      hatte ich auf dem Zettel, im Erzählfluss die Kurve dahin aber dann nicht mehr gekriegt. Irgendein kluger Kopf, dessen Name mir nach all der Zeit nicht mehr erinnerlich ist, hat in der Digitalisierungsdebatte vor 20 Jahren (die noch mehr von Stichworten wie interaktives Fernsehen, Multimedia und Datenautobahn geprägt war als von Internet, Online etc.) ganz lapidar festgestellt, dass der ganze Aufwand der Rückkanal-Verkabelung Ganze nicht der Demokratisierung diene und dazu, jeden Empfänger auch zu einem Produzenten und Sender zu machen, sonden schlicht und einfach zur größtmöglichen Absenkung von technischen und praktischen Hemmschwellen für Kaufimpulse. Die Asymmetrie zwischen Download- und Upload-Kapazitäten eines normalen DSL (das A für asymmetrisch hat man aus dem Buchstabensalat mal irgendwann raussortiert, um es den Leuten nicht so explizit auf die Nase zu binden) macht schon deutlich, dass wir Endkunden mehr als Konsumenten denn als Produzenten betrachtet werden.

      Die Unlust der Sender, weiter über Antenne ins Haus zu liefern ohne weitere Bestellmöglichkeiten per Rückkanal passt da ins Bild, da haben Sie völlig recht. Bislang hat allerdings nur die RTL-Gruppe angekündigt, sich aus diesem Verbreitungsweg zurückzuziehen, Pro7Sat1 wird nach einer gewissen Anstandsfrist womöglich nachziehen. Aber die Öffis kommen mit ihrem Grundversorgungsauftrag aus der Terrestrik wohl nicht so schnell raus. Und damit ist mein Grundbedarf eigentlich schon gedeckt, aufs Jahr gerechnet läuft die Glotze hier keine zehn Stunden. Jetzt mit dem Rundfunkbeitrag ist es eh egal, da lohnt sich auch das Abschaffen nicht mehr. Solang die Kiste noch tut, wird ab und zu mal eine DVD geguckt und alle paar Jahre ein paar Länderspiele.

    • Titel eingeben
      Interessanterweise läuft in Italien alles über DVB-T; auch Silvios Qualitätssender der Mediasetgruppe!

    • Ja,
      aber nicht ausschließlich, oder? RAI 1-Programme und die Mediaset-Sender laufen doch über Satellit hierzulande in jeder Pizzeria, die nicht in indischer Hand ist. Kabel ist wohl auch deswegen dort nie so das große Ding geworden, weil die italienische Post da keine Aktien drin hatte, anders als der hiesige „Gilb“ unter der Regie von Schwarz-Schilling und dessen Nachfolgern. Das war ja von der Kohl-Regierung politisch so gewollt, und wäre es nach den Postlern gegangen, hätte es nie freien Satellitenempfang für Endkunden gegeben. Und als es nicht mehr aufzuhalten war, hat man noch den DFS1 Kopernikus ins All geschossen und dafür einen eigenen digitalen Sat-Radio-Standard entwickelt. Oder sagt das Stichwort D2MAC hier irgendeinem noch etwas? Über die netzpolitischen Fehlleistungen heutiger Regierungen kann sich eigentlich nur wundern, wer die medienpolitischen Flops der der Jahrzehnte davor nicht so recht mitbekommen hat. ;-)

  3. Titel eingeben
    Hm, Herr Settembrini, ich müßte mich ja pflichtschuldigst empören. Warum tue ich es nicht? Einfach deshalb, weil ich schon seit Jahren kein TV mehr schaue, was weniger mit Paranoia denn mit Überdruß zu tun hat. Ich glaube, die letzte „Tagesschau“ sah ich 1998 und die Zukunft war damals auch nicht besser als heute. Ich meine, ich weiß es auch nicht besser. Ich hock gerade auch der Couch mit Karl Krausens „Letzten Tagen der Menschheit“ (Ill. Ausgabe von A. Holzer) und habe dessenthalben gerade keine gute Meinung von uns Menschenwesen. Andererseits gibt es 1984, Schöne neue Welt und Fahrenheit 451. Niemand wird meinen, daß dies lustige Bücher sind. Und trotz dem und alledem… Wer ist eigentlich Herr Samsung?

    • Der werte asiatische Gentleman
      baut auch smarte Telefone, wie man so hört und liest. Ach ja, mein Fernsehgerät ist 2002 kaputtgegangen, und ich habe das Experiment gestartet, wie es ist ohne. Geht total super ohne diesen Zeit- und Stromfresser. Nun hat meine Frau, mit der ich später zusammenkam, ein Gerät mit in den Haushalt eingebracht, aber das staubt die meiste Zeit unbenutzt vor sich hin. So gesehen könnte ich das Thema auch mit den Worten einer Wilhelm-Busch-Figur abhandeln: „Höchst fatal, bemerkte Schlich, hehe – aber nicht für mich.“

      Und trotzdem. Gerade weil ich mit Werbeplanern, der Marketingfachpresse und dem ganzen Zirkus beruflich befasst bin, nervt mich die kolonialistische Landnahme des Kommerzes im, Datenland unter der Flagge des „Du willst es doch auch, und wenn Du Dich nur nackig genug machst, kriegt Du noch Werbung, die Dich interessiert.“ Oder paar mickrige Rabattpunkte bei Payback, das sind die Glasperlen von heute für die planlosen Ureinwohner, die keine Ahnung haben, welche Gewinnmargen die Abnehmer mit den arglos gelieferten Datenrohstoffen erzielen, und zwar umso höhere, je mehr die Erkenntisse aus diesen Daten gegen diejenigen verwendet werden, die sie geliefert haben.

      Das ist kein reines Fernsehthema, das alles läuft online ja schon länger und gründlicher, nur halt nicht so plakativ wie ein Fernseher, der anfängt, ab 5 uhr 45 zurückzuglotzen. Ich könnte mich, je älter ich werde, grad noch mehr aufregen, wo ich eigentlich abgeklärter werden sollte…

    • weiter so
      …wie Hildebrandt, er empörte sich unaufhörlich bis zum letzten Atemzug. Das ist wichtig und unerläßlich, diesem Wahnsinn entgegenzutreten. Mit LG las ich gestern im Cafehaus, gewundert hat es mich nicht. Vermute aber, nicht eine Glotze wird weniger gekauft. Was da so alles bei apple läuft und lief mit Bewegungsdaten etc….Kann man sich gleich die Emails von Datendieben laden und Links anklicken. Kommt in lezter Zeit immer häufiger vor. Und die Neugier läßt auch viele draufklicken – ins finanzielle Unglück!
      Und die GEZ wird ann auch noch umstellen, wenn nicht beim BBVG gekippt wird, von haushaltsbezogenen Gebühren auf personenbezogen: smartcharging! Man wird also zukünftig allein vorm TV sitzen.

    • ...
      Besser als ein Magengeschwür zu bekommen. :)
      Sehen Sie es, werter Marco Settembrini di Novetre, doch mal so: Da wo alle nackig sind, ist der Badehosenträger ein Revoluzzer. Ich halte das beim FKK immer so…
      Und auf die orwellsche Frage, wie viele Finger ich denn sehe, antworte ich immer viereinhalb. Wo der restliche halbe Finger ist, die Erklärung erspare ich Ihnen und dem Leser.

    • nicht allein
      Ich hab hier auch noch so ’nen dicken großen, schweren Kasten (Röhre und ein Meter Diagonale-Bildschirm, hat mal ein kleines Vermögen gek…) der will und will einfach nicht den Geist aufgeben. Einzig die liebe Gattin macht die Kiste ab und zu an, um sich ein Video in ihrer Muttersprache anzusehen. Färnsäh (Fritz Weigle) tu ich damit -und auch sonst- seit zig Jahren ebenfalls nicht mehr. Ich glaube, wir sind da nicht mehr so ganz alleine mit diesem Verzicht. Wobei – „Verzicht“, das klingt so negativ, als ob man was vermisst. Dem ist beileibe nicht so. Einzig manche TV-Kritik in FAZ oder SZ les‘ ich manchmal mit einem Lächeln.

    • Verzicht war es,
      mir das Rauchen abzugewöhnen, aber die Lücke, die das Nicht-mehr-Fernsehen gerissen hat, war erstaunlich klein. Ich habe in der ersten Zeit ab und zu die Harald-Schmidt-Show vermisst, die aber auch schon längst nicht mehr jeden Abend so doll war, dass man was verpasst hätte.

      Ich glaube, wenn ich es wirklich wollte, könnte ich auch heute noch ab und zu Sendungen finden, die mich eventuell interessieren. Aber warum ich nicht wieder reinkomme ins Medium ist die Tatsache, dass mich das fremdbestimmte Erzähltempo nervt. Im Kino kann ich mich alle Jubeljahre mal darauf einlassen mit etwas Mühe, aber das Gequatsche bei irgendwelchen Sachthemen in Magazinen ist wirklich lahm im Vergleich dazu, wie schnell man sich das Transskript/Manuskript durchlesen könnte und damit alle wesentlichen Infos hätte.

  4. Titel eingeben
    – wie ich einer bin – der den Apparat stumm stellt, wenn Werbung laeuft, von der Couch aufsteht und was sinnvolles tut. Lernt der Apparat dann, dass ich keine Webung anschaue?

  5. Hmmm, wenn ich jetzt paranoid wäre, könnte ich das Aufzeichnen von Zuschauerdaten
    als clevere Möglichkeit sehen, die potentiellen Revolutionäre zu identifizieren – wer keine Daten hat, guckt nicht fern und ist verdächtig.

    Ansonsten wird es der Markt richten: Wenn es einen Bedarf nach aufzeichnungsfreien Geräten gibt, wird er bedient werden. Die Preisfrage ist – gibt es ihn überhaupt, legt also eine relevant grosse Gruppe noch Wert auf ein Privatleben?

    Und manchmal lohnt es sich, daran zu erninnern: In Deutschland wäre nach meinem Verständnis eine Bild- oder Tonaufzeichnung vom grundgesetzlich absolut geschützten Lebensraum (eigene Wohnung) strafbar. Wie lange das so bleibt, wird von der Gesellschaft selbst abhängen.

    Ich bin da gar nicht soooo pessimistisch. Technik entwickelt sich schneller, als gesellschaftliche Reaktionen, die setzen meist erst ein, wenn eine Technik massenhaft unerwünschte Nebenwirkungen hat. Hindert mich nicht daran, die Techniker und Manager, die derartige Systeme entwickeln, umstandslos für Perverse zu halten. Das passt zu einem Teil ihres Publikums – wer sich Pro 7 oder RTL II antut, braucht auch keinen Schutz für sein Privatleben :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  6. Der Käufer entscheidet!
    Da kann Microsoft sich nur mit durchsetzen, wenn der Käufer bereit ist, für den Mist zu bezahlen. Übrigens hat Microsoft Anti Google T-Shirts im Angebot, auf denen hingewiesen wird, dass Google spioniert. Ha ha ha, wir haben jetzt eine Runde gelacht. Die Gesichtserkennung von Google-Picasa zeigt, wie schnell ein Digitales Bild personalisiert sein kann, wer garantiert uns, dass diese Technik nicht von Staat und Polizei sowie der NSA ausgenutzt werden. Unser lieber Innenminister und seine Schergen sind doch garantiert jetzt schon voll geiler Vorfreude, die Personen in den Wohnzimmern zu bespitzeln und festzustellen wer, wan, mit wem u.s.w.! Das ist alles nur noch abartig! Aber wie am Anfang geschrieben, die Kunden entscheiden, also brauch sich nachher niemand zu beschweren!

    • Microsoft
      sollte da mal ganz stille sein, denn das exzessive Nachhause-Telefonieren der XBox 360 sorgte ja auch schon für Verdruss. Aber ich würde nicht darauf wetten, dass alle, die sich diesen Apparat angeschafft haben, wirklich vollumfänglich wissen konnten, was sie sich da für eine Wanze einhandeln. Dieser LG-Fernseher, von dem in dem Beitrag die Rede ist, hat ja die Nutzungsdaten übrigens weiter aufgezeichnet und gesendet, nachdem die Funktion angeblich auf off gestellt war. Insofern scheint mir das Argument, der Käufer entscheidet, dann doch etwas zu kurz gesprungen, auch wenn es natürlich nicht völlig falsch ist.

  7. Das Bewusstsein befindet sich im Zentrum der Angriffe
    „Zugegeben, es ist ja nicht zu erwarten, dass Sondereinsatzkommandos die Bude stürmen, wenn man regimekritische Sendungen guckt.“ Da wäre ich mich nicht so sicher. Alles eine Frage der Zeit, bzw. der Hemmungen, die Stück für Stück mit plausiblen Argumenten zu überwinden sind. Beginnend damit vielleicht, dass man vor einem illegal via Kinox/to geladenen Film sitzt. Schon möglich, dass das ein Sondereinsatzkommando fürs erste Mal wert wäre.
    .
    Wie auch immer. Die Grenzen zwischen einer Manipulation im kommerziellen Interesse und dem politisch begründeten Profiling sind längst fließend. Wer die Weltherrschaft anstrebt, und an einem diesbezüglichen Anliegen des Kapitals gibt es ja wohl keinen Zweifel mehr, dem muss jedes Mittel recht sein. Und die Weltherrschaft setzt die kommerzielle Herrschaft voraus. Setzt voraus, dass jeder Befreiungsversuch des Subjekts als „Aggression“ definiert wird und automatisch eine Art „Terminator“ in Bewegung setzen lässt.
    Im Kontext der immer neuen Veröffentlichungen um den NSA-Skandal wird deutlich, dass solches längst keine Science Fiktion mehr ist. Es scheint finstere Realität zu sein. Und wir müssen lernen, uns zu wappnen.
    .
    Und die Alufolie um das Webcam ist eine Selbstverständlichkeit.
    Dennoch werden auf das Bewusstsein (http://blog.herold-binsack.eu/2013/11/die-rolle-des-bewusstseins-und-der-mut-aus-dem-optimismus/) die Hauptangriffe gestartet.
    Solange dieses Bewusstsein nicht völlig kontrolliert ist, im Stile eines Projektes namens „Mind Control“ (http://blog.herold-binsack.eu/2012/03/%E2%80%9Emind-control%E2%80%9C/), bleibt es die Hauptwaffe gegen die Weltherrschaftspläne des Kapitals. Was die Paranoia des Kapitals (http://blog.herold-binsack.eu/2013/11/die-paranoia-ist-berechtigt/) als „berechtigt“ erscheinen lässt.

    • So ist es,
      die Grenzen sind längst fließend, und wer sich (wie zum Beispiel diverse datenschutzkritische Spackeristi) an diesem Scheingegensatz zwischen kommerziellen Interessen und obrigkeitsstaatlicher Räson noch festklammert, hat entweder den Schuss nicht gehört – oder WILL nicht sehen, wie da eins ins andere greift.

  8. Alles nur Übergansstümperei, was wir brauchen ist der fest eingebaute
    Gedankenlese- und vorallem Gedankensteuerungschip. Mit Hochdruck gesundheitsunschädlich am Hinterkopf unter der Haut implantiert, betreiber ist eine NSA Unterabteilung und Unternehmen können für entsprechende finanzielle Zuwendungen das Recht erwerben Kaufimpulse an eine definierte Anzahl von Konsumenten zu senden. Politische Parteien werden nach einem von einer anderen NSA Unterabteilung erstellten Wählerprofil aufgeteilte Stimmenimpulse erhalten.

    Jegleiches Verbrechen kann damit verhindert werden. Und wenn doch eins stattfindet kann der Täter identifiziert und per hochfrequentzsignal paralysiert werden, Fertilitätsprobleme können ebenfalls je nach Bevölkerungsplanung behoben oder erzeugt werden.

    Zahlungen werden natürlich mit einer entsprechenden Identifikationskennung geleistet und direkt abgebucht ebenso wie Steuern, Mautzahlungen und Unterhaltsleistungen.

    Alles ganz automatisch und zum Wohle des Volkes.

    Doch zurück zur Stümpertechnik mit der wir uns einstweillen zufrieden geben dürfen, steckt mehr dahinter? WIE NAIV kann man Fragen den noch formulieren, Natürlich steckt mehr dahinter, die Bestrebungen nach einer Totalüberwachung. Der Fernseher ist nur ein weiteres Gerät.

    • Die ersten Freiwillgen
      mit dem RFID-Chip als Universalzahlungsmittel unter der Haut sind schon längst auf Sendung, und auch alles andere ist nicht so weit weg, wie man sich das wünschen würde.

      Aber die richtige Tonalität für einen Vorspann zu finden, ist kein leichte Spagatübung, wenn der eine schon meint, hier würde „Wolf“ gerufen, wo noch keiner zu sehen zu sei und der andere meine (rhetorische) Fragestellung naiv findet, wo doch sonnenklar auf der Hand liege, dass es um nichts geringeres als die Totalüberwachung gehe.

  9. Hm, was will man noch dazu sagen ...?
    … außer das, was die Haushälterin in „Monaco Franze“ immer sagt bei sowas:
    „Machts nur so weida!!“ (Tonfall beileidigt aggressiv)

    Aber sogar dann, wenn alles nach Hause telefoniert, sogar deine Microwelle und dein WC, deien Klobürste, wird es keinen mehr stören. Man ist dann daran gewöhnt. Die alte Sache mit dem Frosch und dem langsam sich erwärmendem Wasser …

    Was mich aber richtig ärgert, dass diese Big-Data-Sammlerei und -Stalkerei richtig Rechnerzentrum-Ressourcen verbraucht. Es hilft auch dann nichts, = auch dann ärgere ich mich dunkelschwarz, wenn Google oder sonsteine angeblich not evil sein wollende Firma dann behauptet, stattdessen neue Serverzentren zu bauen, die „ökologisch“ wären. Ganz tolle Wurst. Woanders fehlt einfachstes sauberes Trinkwasser, die Leut verecken an Cholera und Typhus – aber diese greenwashing „Öko“-Heiner verbrauchen die wertvollen Ressourcen der Natur für geistigen Abfall.

    • ...
      At the end of the day ist so eine vernetzte elektrische Zahnbürste durchaus liebesfähig und berechenbar und wird auch wiedergeboren. Again and again and again.

    • Lasset uns beten
      – zum Gott der kleinen Dinge, amen!

    • ...
      Zu etwas mehr Pathos könnten sie sich schon aufschwingen, „de Novembre“.
      .
      Ich bin dazu noch fähig und möchte Moritz ein kleines Geschenk machen.
      Weil Sie Woyzeck mögen und weil mir Ihr Idealismus sehr gefällt.
      (Wenn man genau hinsieht, steht sie manchmal an der Donnersberger Brücke, neben den kalten Bänken.)

      http://www.revsmag.com/wp-content/uploads/2012/06/REVS_BIRTH_issue3_001.jpg

    • Hm.
      Dabei bin ich gar nicht idealistisch.
      Sondern ärgere mich nur. Das aber richtig.

      Der Woyzeck is a arme Sau, wird von jedem bedüppelt. Mögen ist übertrieben, man leidet mit ihm mit. Jeder ist Woyzeck.

    • ...
      Manchmal ist man auch die Marie, der Hauptmann, der Doktor oder der Tambourmajor.
      Schade, dass Ihnen das Mädchen mit dem kleinen schwarzen Vogel nicht gefällt.

    • Hm.
      Wie kann man sich ohne Idealismus ärgern. Das geht doch garnicht.
      Ich ärgere mich nie. „Ärger ist ungesund, unwissenschaftlich.“ (Büchners Doktor)

  10. Tja..
    Jetzt weißt du, warum das Teil bei mir zugeklebt ist.

  11. Titel eingeben
    Im Feuilleton geht mal wieder das Abendland unter.
    Was könnte denn alles sein in Zukunft. Wehret den Anfängen. Totale Überwachung, Orwell, alles am Beispiel eines Smart TV`s. Der heißt Smart TV, weil er Daten senden und empfangen kann. Aber wehe er sendet welche, dann ist in meiner Relevanzblase aber Polen offen. Aber warum protestiert denn keiner außerhalb meiner peer group? Äsop: Der Junge, der Wolf schrie.

    • "Wehe er sendet welche"
      Wenn Ihnen das so gleichgültig ist, was genau die Kiste zum Hersteller funkt, steht es Ihnen frei, Ihr smartes Gerät auch im Schlafzimmer aufzustellen und in Betrieb zu nehmen. ;-)

      Nicht der Junge, der Wolf schrie, ist hier die passende Fabel, sondern der sprichwörtliche Frosch im Kopftopf, wie einer der Vorredner dankenswerterweise erwähnte. Die Temperatur wird gerade immer nur soweit erhöht, dass die Abwiegeler sagen können, jaja, da geht mal wieder das Abendland unter, noch ist es doch völlig erträglich, nur halt bisschen arg hier drinne, das muss der Klimawandel sein, von dem man so viel hört…

    • Titel eingeben
      Im Garten einen Raketenabwehrschild installieren, Atombomben in der Küche lagern und Militärkasernen im Wohnzimmer. Dann mit der Nachbarschaft eine Haftungsgemeinschaft bilden, nachdem diese das gesamte Vermögen gegen Spielgeld getauscht haben. Aber wenn die Glotze im Schlafzimmer aufzeichnet wie der Herr Popstars klotzt, um sich ex ante über die Prolls echauffieren zu können, ist das Maß voll.
      Was sagen Sie? Das hat alles nichts mit miteinander zu tun. Die NSA späht alle aus, nicht die USA. Die USA ist auch weiterhin unser Freund, unser Ideal, unser kulturelles Zentrum. Wir brauchen nur zwei drei Gesetze mehr, damit die pax americana wieder die beste aller Welten ist. Ok, wer ist hier der Frosch?

    • Raketen, Popstars? Proll-Echauffage?
      Ich kann Ihnen da nicht so recht folgen, ist vielleicht jetzt nicht mehr so ganz meine Uhrzeit für solche rasanten Gedankengänge. Ich glaube, Sie wollten mir sinngemäß sagen, in Afrika hungerten Kinder, während wir hier… Und was soll ich sagen, das ist nicht völlig von der Hand zu weisen.

    • ...
      Ich finde nicht, dass Sie unnötigerweise Wolf rufen. Bei der Vorstellung der Xbox One ging ein Aufschrei durch die komplette Gamer Community. Bestimmt nicht, weil irgendein Vollpfosten Wolf rief, ohne das da einer gewesen wäre. Das sind technikversierte junge PC-Frickler, Konsoleros, Hardcorezocker, die sich auskennen.

    • Eben.
      Und diese LG-Kiste ist erst aufgeflogen, als mal einer, der sich auskennt, geguckt hat, was da eigentlich läuft. Das stand ja nicht in der Gebrauchsanweisung, was das Gerät alles an seinen Hersteller zurückfunkt. Und wenn es bei LG jetzt heißt, „wir nehmen diese Hinweise sehr ernst“, dann darf ich das mal in Klartext für Normalsterbliche übersetzen: „Zu blöd, dass das aufgeflogen ist.“

    • Titel eingeben
      Nein, es ging nicht darum den Bericht zu relativieren nach dem Motto „es gibt wichtigere Probleme.“ Mein Punkt ist, dass Überwachung/Totalitarismus nur zu einem sehr kleinen Teil mit dem Datensammeln zu tun hat und schon längst nicht jedes unerlaubtes Datensammeln ein Baustein zur Orwellschen Dystopie ist, sondern oft nur ein Ärgernis.
      Das nimmt in manchen Kreisen langsam Züge an, wie bei pi-news. Jede Nachricht wird so lange entkontextualisiert, bis es zum eigenen Weltbild passt.

    • Leider wissen wir nicht so genau,
      welche Datensammelaktion direkt in die totalitäre Dystopie führt und welche in diesem Kontext eine nebensächlichere Spielerei bleibt. Dass ein perfider und perfekter Unterdrückungsapparat etwa vital darauf angewiesen sein sollte, meine Einkäufe über die Kundenkarte der Denn’s Biomarktkette oder meinetwegen das Payback-Punktekonto meiner Frau zu überwachen, scheint mir persönlich auch eher weithergeholt. Aber wenn selbst ein Technikblog wie „ars technica“ (das jetzt nicht mit übermäßiger Paranoia aufgefallen wäre), diese Spähpatente von Verizon & Co. „creepy“ nennt, bin ich nicht der Auffassung, in meinem Beitrag zu laut und heftig auf die Alarmglocke gehauen zu haben.

    • ...
      Ich denke, das ist auch ein Zeichen des Niedergangs einer Kultur. Kulturen enden selten mit einem Big Bang, sondern der Verfall ist schleichend, ähnlich wie mit den „Broken Windows“.
      Wer mit offenen Augen durch Großstädte geht und ein wenig seine Sensibilität bemüht, kann das sehr offensichtlich feststellen.
      Es ist keine Zeit des Umbruchs, sondern eine Zeit des Verfalls, die wir erleben. Das ist die neue Qualität der Ereignisse. Das ist ist nicht Punk, nicht Grunge, nicht Mach-kaputt-was-dich-kaputt-macht – nein, es ist die komplette Ratlosigkeit einer Kultur, die am Ende ist.

    • ...
      Zum Schluss – denn ich habe nach einer langen Pause sehr viel, fast zu viel geredet – möchte ich den Künstler Jeff Wall empfehlen, falls Sie ihn nicht schon kennen. Er thematisiert das, was ich ungenügend und der Kürze verpflichtet anriss, visuell.
      Seine Bilder sind von so herausragender Qualität, dass einem der Atem stockt. Es lohnt sich.
      Es ist ein Kunstgenuss, trotz des Unwohlseins, das es auch beschert.
      Danke für Ihr Blog und die Gespräche, Marco!

    • Ah, Spengler, Kali Yuga, Endzeit!
      Wie lange gucken Sie denn schon Großstädte, wenn die Frage nicht zu indiskret ist? Haben Sie das allgegenwärtige Elend und den Mief der 60er noch bewusst gesehen? Falls nicht, gucken Sie alte „Kommissar“-Folgen, wenn die wieder mal auf 3Sat laufen. Selbst in einer Schnöselstadt wie Düsseldorf habe ich in Mitte der 90er noch Viertel gesehen, in denen ich mich in der Peripherie von Bukarest oder Tirana wähnte, das ist längst alles wegplaniert, auch andernorts ist viel von dem Elend in die Randbezirke hinausgedrängt worden. Ich war voriges Jahr nach 20 Jahren mal wieder in Paris, und ich war baff, wie sauber, geradezu geleckt das alles innerhalb der Peripherique geworden ist im Vergleich zu vor 30 Jahren. Einen generellen Verfall sehe ich da nicht unbedingt, eher eine immer breitere Kluft zwischen denen, die noch mitschwimmen und denen, die vom System irgendwie mehr oder weniger abgekoppelt wurden. Wenn Sie einigermaßen abgesichert sind, können Sie den Verfall der abendländischen Kultur noch eine ganze Weile lang ignorieren, solange Ihr Konzert-Abonnement der Philharmoniker noch läuft und Sie auf dem Weg dahin nicht über allzuviele Schnaps- und Frostleichen steigen müssen.

    • ...
      Wirke ich auf Sie, wie eine Kulturabonnentin oder Bildungshuberin aus dem Mittelschicht? Jetzt haben Sie mich zum Lachen gebracht. Herrlich.
      Nein, ich bin nur ein einfaches Mädchen, das Großstädte gucken tut.

    • Oh,
      da hatte ich meine Antwort schon abgeschickt, als Ihr letzter Kommentar noch in der Warteschleife hing.

      Soviel noch auf die Schnelle, bevor meine Ofenkartoffeln zu Graphit werden: Das Vergnügen ist ganz meinerseits (und wenn ich manchmal bisschen arg bodenständig argumentiere, sehen Sie es mir bitte nach, ich bin halt Berufsrealist). ;-)

      Bis denne!

    • Ah,
      ich wunderte mich schon. Da ist man nett und der haut einem so ein Ding rein.
      Das hat echt gesessen, Mista. No, no, no, no – aber ich musste wirklich sehr lange lachen.
      Das hat gut getan. The end is near, so war das nicht gemeint, auch will ich Erik Ode nicht zurückhaben. A bissi komplizierter is des scho. (Retourekutsche)
      Aber wem sage ich das. Ofenkartoffeln könnte ich auch mal wieder machen. Mit Sauerrahm und zerlassener Butter. Yummi yummi.

  12. es kommt darauf an, wer
    das land regiert, wer souverän ist, und wer das sagen hat. mehr denn je wird deutlich, dass eine eindeutige staatlichkeit mit eindeutigen grenzen und eindeutiger gesetzgebung durch den souverän, ggfls. auch mit der klaren ansage „wir sind die demokratische mehrheit – und wir wolen das nicht!“ große vorteile hat, resp. für eine gesunde bürgerlichkeit unverzichtbar ist. (den etwas unscharfen begriff „gesunde bürgerlichkeit“ weit gefasst gemeint.)
    .
    die frage ist doch ganz einfach: sind wir ein staat in dem auch gewirtschaftet und konsumiert wird usw.. oder sind wir vor allem konsumenten oder arbeitnehmer oder sonstige (selbstständige) zuträger von arbeitskraft – und damit eher bloß anhängsel an eine globalisierte wirtschaft – und deren zunehmend für die menschen fremdbestimmte selbst-entwicklung – die halt in unterschiedlichen staaten stattfindet, wobei die staatlichkeit zunemend unbedeutender und austauschbarer wäre.
    .
    mal sehen, wie lange es noch ohne grundsätzliche richtungsentscheidung in dieser frage weiter so geht, wie im moment, und wie oben beschrieben. oder wer die frage, ob und wann es eine andere richtungsentscheidung geben sollte oder könnte aktiv aufs tapet brächte.
    .

    • Ist diese Richtungsentscheidung
      nicht in vielen Einzelschritten und implizit längst getroffen, in EU-Verträgen, transatlantischen Abkommen wie den GATT-Verträgen und zuletzt mit dem ESM-Stabilitätspakt? Wir kommen nicht mal mehr in einer brunzbanalen Nebensächlichkeit wie etwa der Abschaffung der dämlichen und kontraproduktiven Sommerzeit auf nationalstaatlicher Ebene aus dem eropäischen Schlamassel heraus, das sollte Ihnen einen realistischen Eindruck davon vermitteln, welche Spielräume für weitergehende Richtungsentscheidungen überhaupt noch zur Verfügung stehen. Wohin die Reise ohne Richtungswechsel – der wohl nicht ohne, öhm, Disruptionen im System zu bewerkstelligen wäre – geht, da haben wir hier im Kommentariat zwei vordergründig unterschiedliche Thesen: Der eine (nehmen wir hier mal stellvertretend Thorsten Haupts) sagt, der Markt wirds schon richten, und der andere (der Einfachkeit halber hier mal Herold Binsack genannt) sieht den Griff des Kapitals nach der Weltherrschaft. Und jetzt eine kleine Denksportaufgabe für alle, die noch wach sind: Sagen die beiden nicht mit unterschiedlichen Worten mehr oder weniger das selbe? ;-)

    • Titel eingeben
      Dazu passend: der amerikanische Geheimdienst sieht sich in seiner zukünftigen Rolle auch als Unternehmen. So verwischen sich die Grenzen, ist wirklich lesenswert, die Analyse von Patrick Bahners.

      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/ein-strategiepapier-der-nsa-das-goldene-zeitalter-der-signals-intelligence-12678781.html

    • ...
      Ich bin noch wach und ich denke, unsere Zeit lässt sich nicht befriedigend mit den dialektischen Handwerkszeug des 20. Jahrhunderts beschreiben. Zumal dieses Werkzeug schon damals nur ein Versuch war, Wirklichkeit abzubilden oder zu erklären.

    • @sambossa:
      Man hätte es noch ein bisschen deutlicher herausarbeiten können, dass der Versuch, das behördliche Ausspähen wie ein Business zu betreiben und zu deklarieren, auch darauf abzielt, es als „business as usual“ darzustellen – oder anders gesagt, die Monströsität der Aktivitäten herunterzuspielen. Das steuert schon auf einen Punkt zu, an dem das neoliberale Paradigma „überlasst das Verwaltungshandeln der freien Wirtschaft“ ins Neofaschistoide umschlägt, dergestalt, dass Business und Politik auf eine neue Art verwoben sind, aber nicht minder eng und effektiv als zu Zeiten von IG Farben und NS-Zwangsarbeitern in der Kriegswirtschaft…

      @kinky So: Das ist natürlich alles richtig (Plato, Höhlengleichnis), aber sämtliches Dekonstruieren ändert nichts daran, dass die Tischplatte hart ist, wenn ich mit dem Kopf darauf knalle. Das wird nicht erst qua Diskurs so festgelegt. ;-)

    • ...
      Bien sûr. Jedoch fragten Sie, ob die beiden Positionen nicht das dasselbe sagen.
      Auf eine eklektische Weise vielleicht. Kant und Hegel eklektisch zu vereinen, ist mir jedoch noch nie gut gelungen. Daher muss ich die (rhethorische?) Frage/Denksportaufgabe weiterreichen.
      Vielleicht kann Herr Haupts es als Frau mit 30 um 10 vor 8 beantworten.

    • Wenn Mensch als Verbraucher wie Bürger nichts gegen die Weltherrschaft des Kapitals hat,
      dann allerdings wird meine Position mit der von Binsack deckungsgleich. Deswegen nannte ich ja die Preisfrage (für demokratische Staaten): Wie viele Leute gibt es heute wie in 25 Jahren, die auf den Schutz ihrer Privatsphäre noch irgendeinen Wert legen?

      Ich sprach dabei nicht von den Reichen und Mächtigen. Die werden ihre Privatsphäre auch weiterhin schützen können. Und es auch tun.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ein Gedankennachtrag: WENN es heute oder morgen eine Mehrheit für Privatsphäre gibt,
      wird sie gleichzeitig marktwirksam und politisch wirksam. Mit dem Überwachen ist es, allen Unkenrufen zum Trotz, letztlich wie mit dem Stehlen. Wirksam durchgesetzte Gesetze helfen in beiden Fällen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  13. Der Käufer entscheidet.......den Trend!
    Der Smart TV von LG ist jetzt aktuell das böse Gerät, wenn ich schreibe, der „Käufer entscheidet“, bezieht sich das natürlich nicht ausschließlich auf die LG Glotze! Sondern darauf, dass der Käufer Trends setzen kann. Microsoft möchte mit Intel nur noch UEFI-Mainboards im PC-Sektor etablieren. Damit hätten die Redmonder die Allmacht über jeden PC dieser Welt. Offiziell soll es für den Kunden sicherer werden, aber jeder versierte Nutzer weiß, wie damit in Zukunft der Kunde entmündigt wird. Siehe Apple Vertriebsmodell! Es ist der plumpe Versuch ,die Apple-Abzocke auf jeden PC zu übertragen. Oder eben die Tablets und Smartphones, Samsungs Regionalcodes oder Apples Zensur im Appstore. Der Käufer entscheidet! So wird es auch mit dem Microsoft Licensmanager und den Filmverleiern sein. Wenn ich eine DVD ausleihe, um einen Filmabend im Kreise meiner Kumpels zu machen, zahle ich einmal für den Film und nicht pro Kopf! Sollte es nur noch solche Abspielgeräte geben, gibt es mich als Kunden nicht mehr! Auch da bestimmt der Kunde, er muss sich dem Wert und der Macht seines Geldes nur bewusst sein.

    Grüße

    • Der Käufer entscheidet.
      Wirklich?
      Er weiß es meist nicht einmal.
      (Dass das Zeug nach Hause telefoniert, dass man das Mikro auch „zupappen“ muss, dass das Smartphone eine Wanze ist …, all das erfuhren sie wenn überhaupt erst hinterher.)

      Und dann kommt jemand und hupt: „Der Käufer entscheidet!“. You made my day.

    • Informationquellen nutzen!
      Nicht immer gleich so bissig! Ich hupe nicht! Sie brauchen sich nicht einmal anzustrengen, um all diese Sachen vorher zu erfahren. Jede Woche wird neu darüber Berichtet und jede Woche betrifft es einen anderen Hersteller. Seit JAHREN. Wenn Sie hier den Ahnungslosen heraushängen lassen, reihen Sie sich in das große Heer der gewollt Unwissenden ein. Die Mehrzahl verdrängt doch alles Negative. Wie bei der Bundestagswahl, selbes Spiel! Die haben doch vorher gesagt die Steuern steigen nicht…………………………

    • Alles fein und gut ...
      … mit diesem „die Informationsquellen nutzen“.

      Erstens sind sie nie da, wenn man sie braucht. (Mein heißer Dank geht an dieser Stelle an die Journaille, die selber extrem uninformiert ist und System-blind noch dazu.: Sie berichtet, wenn überhaupt, immer erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist … und dann mit viel Empörung und wenig Sachinhalt.)

      Zweitens ist die Klientel, die aufgeklärt ist oder sich aufgeklärt gibt, allzu klein.
      Beispiel: Selbst hier wähnte jemand, dass es reiche das Webcam-Spionloch zuzupappen. Hatter aber das Micro vergessen, das überträgt noch fleißig aus seiner Wohnung
      Bamm!! q.e.d.

      Wie aufgeklärt sind wir hier also? Wieviel Aufklärung sind wir in der Lage, uns aktiv und richtig zu beschaffen? Für Info muss man ja wissen, welche Info wichtig ist und welche ein Pflüftel; es verlangt also Hintergrund- und Systemwissen, alles nicht so einfach für den Normalo-Verbraucher, der nicht zwingend in jedem Fall dem geliebten FAZ-Konservativ-Klischee des Hartzers im Fallschirmseide-Turnanzug vor Plasma-Färnsäh entspricht.

      Wenn das Micro-Ding die Spitze des Eisbergs an Wissen ist:
      Null.

    • Jawohl,
      aber sie vergessen, dass „das Kapital“ so assimilierungs- und transformationsfähig ist, dass es Streetfashion und auch Prêt-à-Porter in Haute Couture verwandeln kann.
      Bei der Jogging-Hose ist dies bereits geschehen. Auch andere Beispiele könnte ich anführen.
      Meine Begeisterung für die Unterschicht hält sich sehr in Grenzen. Ich definiere den Begriff jedoch nicht anhand des Einkommens einer Person. Meine Begeisterung für Schichten jeglicher Couleur hält sich generell in Grenzen. Warum? Wegen der jeweiligen Hack- und Beißordnungen und weil mir die Freiheit des Geistes und der Ästhetik schon am Herzen liegt. Call me a dandy , aber so viel Adel muss erlaubt sein. Auch in Zeiten des Niedergangs.

    • @kinky So:
      Man muss mit Schichten auch nicht sympathisieren, schlimm genug, dass man selbst auch nicht davor gefeit ist, Mitmenschen entsprechend zu taxieren, einzusortieren und entsprechende Erwartungen zu haben, die sich oft genug erfüllen. Mit zunehmendem Alter besteht die Kunst darin, offen dafür zu bleiben, sich noch überraschen zu lassen, so schwer das auch manchmal fällt.

      Ansonsten erkenne ich mein jüngeres Ich in dieser Art von Dandytum ein Stück weit wieder. Aber ich will hier jetzt nicht „die Papa erzählt, wie er die 80er mit ihrer Atomkriegspanik, dem Waldsterben und der Reaktorkatastrophe von Tscherbobyl dank der Lektüre von Walter Serners ‚Handbrevier für Hochstapler‘ überlebte“-Schallplatte auflegen. ;-)

  14. Warum diese Verharmlosung, Settembrini?
    Ich wundere mich bei jedem Artikel zu diesem Themat über die Naivität die so ziemlich jeder Autor dabei an den Tag legt. Da tut jeder ausnahmslos immer noch so, als gäbe es da was zu diskutieren, etwas zu ändern, über irgendetwas die Kontrolle wieder zu erreichen. Während die banale Wirklichkeit so aussieht, dass dieser Zug längst abgefahren ist.

    Dieser ganze Daten-Markt ist erst am Anfang, und das Internet und seine Daten sind der grösste denkbare Wachstumsmarkt. Was dort alles noch auf uns zukommen wird, ist nicht mal annähernd vorstellbar.
    Unbedingt verstehen muss man, dass dies dadurch ermöglicht wird, dass diejenigen, die sich für „rechtschaffende“ Menschen halten, also zwei Drittel, deshalb auf dem Gebiet keinerlei Problem erkennen können!

    Die Idee, dass eine den Nutzer ansehende Glotze mit hyper-super-mega HD immer noch nichts anderes als ein TV ist, ist unbedeutend verglichen mit dem Image Gewinn durch seinen Besitz. Solche und andere Elektronic Geräte haben zur Folge, dass ein ganz anderes Netz entsteht, ausserhalb dessen ein Leben immer schwieriger wird. Man kann heute morgen Berichte in den Medien über Menschen lesen, die sich weigern eine Daten speichernde Gesundheitskarte zu benutzen. Die benötigte Technik existiert noch überhaupt nicht, aber die Aussicht auf den Zugriff der Daten von Millionen Menschen, und dem Business Potential das dadurch entsteht, sorgte für überstürzte Einführung eines Zwangsproduktes für alle, obwohl viele damit verbundenen Probleme wie gesagt nicht mal ansatzweise gelöst sind.

    Eine noch deutlichere Sprache spricht „unser“ Europa Parlament. Wer bis gestern noch so naiv war zu glauben, dass die Empörung „unserer“ Regierungen tatsächlich gegen die NSA Lauscherei gerichtet war, der kann heute endlich offiziell nachlesen, dass sich dieses Geblöke lediglich dagegen richtete, dass man selber, von Merkel bis Hollande, nicht in der Lage war die technischen Möglichkeiten ebenso uneingeschränkt für die eigene Macht ge- oder miss-brauchen konnte. Den Zustand selber will NIEMAND ändern.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-Affaere-EU-Kommission-will-transatlantische-Datenfluesse-nicht-stoppen-2053516.html

    Natürlich schauen uns die Geräte an, nicht nur der LG Fernseher! Und natürlich wird all dies weiterentwickelt werden und nichts wird zurückgefahren!
    Nur mal als Beispiel: Es ist, oder besser: es WAR kein grosser Aufwand einen Trojaner zu schreiben und zu verbreiten, der es erlaubt von aussen die Kameras in unseren Computern einzuschalten, ohne dass der Computer Nutzer dies merkt.

    Was getan werden kann, wird getan werden.
    Da die Mehrheit mitspielt, gibt es nichts was man dagegen unternehmen kann.
    Man kann nur den eigenen Konsum einschränken. Kein neues, bzw überhaupt kein Smartphone. Keinen neuen Computer mit Rundumausstattung, oder gar neue MS, oder Google oder apple Software voller Wanzen.

    Aber ich weiss, ich weiss, jetzt kommen die Ausreden.
    Uninteressant… jeder hat genau dieses eine Leben, hat die freie Wahl und ist für die Konsequenzen seines Handelns selber verantwortlich.
    Auf politischem Wege etwas erreichen zu wollen ist reinste Volksverdummung. Gerade da sollte man sich keinerlei Illusionen hingeben.

    • Verharmlosung?
      Ja, kann man so sehen. Um es (mal wieder) mit dem früheren Disney-CEO Michael Eisner zu sagen: „Wir retten hier nicht die Welt – wir machen Familienunterhaltung!“ ;-)

      Wissen Sie, ich muss die Leute ja da abholen, wo sie sind, und da hilft es auch niemandem (außer Ihnen vielleicht), wenn ich hier alle zwei, drei Wochen mal wieder mit nichts geringerem als dem unabwendbaren Weltuntergang im Gepäck aufschlage. Stattdessen wird hier mehr nach dem Motto gepredigt „wer Ohren hat, der höre“ – und den Zuhörern, die sich bei der jetzigen Lautstärke schon die Ohren zuhalten, werde ich nicht noch mit dem Megaphon hinterherbrüllen, bis es auch der Letzte geschnallt hat. Dinge noch weiter zu kontextualisieren und einzuordnen, dafür ist ja auch die Diskussion in den Kommentaren da.

    • Da kann man nur zustimmen.
      So ist es! Ob beim iPhon seit Jahren über die Datensammelwut von Apple berichtet wird oder nicht, aus dem Gefühl „dazu zu gehören“ und „einen Status zu symbolisieren“, ist die Kaufwut ungebrochen. An Argumenten dagegen fehlt es nicht! Das war aber nur das prominenteste Beispiel. So ist es mit vielen Produkten, bis zur neuesten BMW Generation. Letztendlich lenken Konzerne nur bei Umsatzeinbußen ein. Aber wie Sie richtig erkannt haben, die große Mehrheit spielt eben gerne den „Überraschten“. Um auf „unseren“ Fernseher zurück zu kommen, an meinem PC hatte ich noch nie dauerhaft eine WebCam oder ein Microfon (wegen der beschriebenen Möglichkeiten der Spionage). Warum sollte ich so etwas an einem internetfähigen Fernseher haben? Klar könnte ich mich jetzt wie Moritz herausreden: „Das habe ich nicht gewusst!“ Die Frage ist aber: „Wollte ich es wissen?“ . Nun kann man zu seiner und der Verteidigung vieler anderer sagen: Ich wusste nicht, dass ein Smart TV ein Computer ist, der Programme ausführen kann. Da frage ich mich dann aber, warum brauche ich denn dann einen Smart TV? Da sind wir wieder bei dem Prestige.
      Noch eine Anmerkung zum iPhon: Die Datensammelwut von Apple ist nicht größer als die von Google, Microsoft, Samsung etc., es ist für mich nur darum ein gutes Beispiel, weil Apple es mit einer unschlagbaren Werbe- und indirekten Werbekampangne geschafft hat, solche Begehrlichkeiten zu wecken, dass ein Großteil der Kunden sogar Schulden macht, um sich ausspionieren zu lassen.

    • Titel eingeben
      Webcams zu kapern ist Stoff aus den 90ern. Selbst Netbus und back orifice konnten bereits Cam`s ansteuern. Das hat vor 15 Jahre keine Sau interessiert……
      Dabei war das ein urkomisches Gimmick, besonders in Verbindung mit der Funktion das CD-Laufwerk ausfahren zu lassen. In einschlägigen Foren hat man dann die Bilder und Videos von seinen Vics geteilt und gemeinsam gelacht. Hach, das waren noch witzige Zeiten :)

    • Dumm Tüch
      „Klar könnte ich mich jetzt wie Moritz herausreden: „Das habe ich nicht gewusst!“ Die Frage ist aber: „Wollte ich es wissen?“ .“

      Tumm Tüch, euer Ehren.
      Nicht ICH will mich rausreden, ich wüsste von nix. Wo steht das.
      SIE verkennen in Ihrem Übereifer die Realität.
      So rum.

    • Na dann ist ja alles in Ordnung!
      Ich habe mir wirklich Sorgen um Ihren Informationsstand gemacht! Ehrlich!
      Aber jetzt lese ich, dass alles seine Richtigkeit hat und Sie einfach nur ein bisschen
      sabbeln wollen. Ihre aufgesetzten englischen Floskeln und die Hamburger Frechheiten
      seien Ihnen verziehen, aber Sie sollten eigentlich wissen, dass Sie sich mit ihrer Angriffslust und diesen billigen Filmzitaten auf dem Niveau der Leute mit den“Fallschirmseide-Turnanzügen“ bewegen.

  15. Wär doch supa,
    wenn mir dazu noch eine Einbruchsversicherung angeboten würde. Eventuell kann ich Bilder aus em Schlafzimmer gleich auf einem Pornokanal vermarkten. Und warum soll mein Fernseher dümmer sein, als mein X-Box? Möglichkeiten ohne Ende! Privatleben haben nur Loser. Oder so.

    • Sie sind ja witzig....
      „Eventuell kann ich Bilder aus em Schlafzimmer gleich auf einem Pornokanal vermarkten.“

      Wissen sie wirklich nicht, dass dies tagtäglich zig-Millionen mal passiert?

  16. Zielgruppe
    ist nicht der Intellektuelle, den das, was der Fernseher hergibt beim Denken stört –
    nein, es ist die Masse.
    Nur dann rechnet sich der Einsatz.
    Darum geht es in allem.

    • Ja, nur....
      Das Problem ist nicht, dass Firmen dies tun. Profite einzufahren ist legitim und kurzfristige Profit-Maximierung ist nun mal seit einiger Zeit der höchste unserer Werte.

      Das Problem ist, dass es nahezu reibungslos funktioniert!

    • ...
      Intellektuelle sind Kleinbürger mit ersteigerter B&O-Anlage.
      Sie reden über Feminismus und finden es gut, wenn ihre Frauen sie Bärchen nennt.
      Fahrradhelmträger, die denken, dass man für 200 Euro gute Schuhe bekommt.

    • That is it....
      … in a nutshell.

  17. Sie machen ungerührt weiter. Warum? Because they can. Und weil es unendlich Geld bringt.
    Heute Einladung von Adobe bekommen:

    „Neue digitale und mobile Kanäle, neue Verhaltensmuster – Unternehmen müssen ihre Kommunikation mit Kunden und Konsumenten neu erfinden. Phil Winters, Experte für Strategien aus Kundenperspektive und „Datenflüsterer“, Franz Achatz und Andreas Helios zeigen Ihnen, welcher tiefgreifende Wandel sich gerade vollzieht und wie Unternehmen die Herausforderungen erfolgreich annehmen.“

    Hach.

    Auch die GULP-Knowledge Base war heut gut (ähm „gut“):

    „Strategisches Big Data

    Ausgerufener Trend:
    Immer mehr Unternehmen werden Big Data zum Data Warehouse und zur Datenintegrations-Infrastruktur hinzufügen. CIOs müssen die Analyse von großen Datenmengen in die strategische Informationsarchitektur integrieren. “

    Nur 71% der GULP-IT-ler halten das für heiße Luft, sondern nehmen das ernst.

    Die Geschäfte laufen gut, nehme ich an

  18. Den Namen der stibitzten Videodatei
    zu ändern nutzt nicht viel. Ähnlich wie es ein Kinderspiel ist ein Musikstück durch Datenabgleich zu erkennen (ist ja so geil alle Infos sofort zu haben) funzt das auch mit Videos. Und wenn die Cam noch so übel und beschnitten ist. Wunder der Datenbank. Was Orakel mit Daten alles kann haben sie sehr eindrucksvoll gerade mit dem Americas Cup in San Francisco bewiesen. 8 Rennen in Folge gewonnen und nicht einmal in ein Windloch gefahren dabei… Schon erstaunlich was die richtige Analyse so alles bringt… Nein, mogeln tun die nicht.

  19. Bevor ich es vergesse:
    Mein Neffe hat Schilder und Aufkleber an seiner Tür. Top secret und danger und viele gruselige Totenköpfe; ich trau‘ mich gar nicht mehr hinein.

  20. Titel eingeben
    Natürlich haben sie da Recht, es aber muss schon auch Klartext reden. Die Öffentlichkeit muss die Realität zumindest zur Kenntnis nehmen können! Zwei Drittel werden sich sowieso nicht daran stören.
    Was man nicht wirklich sehen will ist erstens, dass die Schnüffelei keine Grenze kennt ausser den derzeitigen technischen Möglichkeiten, die ständig erweitert werden.
    Und, dass das was da abläuft nicht verhindert werden kann.

    Ich beschreibe ja auch keineswegs einen Weltuntergang, sondern möchte, dass man auf der Basis realistischer Beschreibung der Realität des Internets selber darüber nachdenkt und zu eigenen Schlüssen kommt. Damit endlich die absurden Missverständnisse verschwinden, zB die täglichen Lügen der Politiker und Firmen wie der Telekom. Habs gerade wieder auf frontal21 vom Di gesehen. Dort konnte man erfahren, dass die NSA einen eigenen, niemand ausser ihr selber zugängigen Raum in der Telekom Zentrale hat, in dem ALLE Daten die bei der Telekom durchgehen, kopiert werden.
    In der Öffentlichkeit fordert diese Firma dann ein europaweites Netz unter seiner Führung um unsere Daten zu „schützen“. Und die Regierung stimmt ihr zu… anstatt die Bürger aufzuklären.

    Wie wenig das begriffen wird, sieht man doch auch hier im Blog.
    Ein naiver(?) Kommentar fragt doch allen ernstes „Die Gesichtserkennung von Google-Picasa zeigt, wie schnell ein Digitales Bild personalisiert sein kann, wer garantiert uns, dass diese Technik nicht von Staat und Polizei sowie der NSA ausgenutzt werden“.

    Die LG Geräte sind seit einiger Zeit auf dem Markt und erst vor ein paar Tagen wurde tatsächlich bekannt gemacht, dass das Gerät keineswegs eine Einbahnstrasse ist. Aber ein Kommentator hier besteht darauf „Sie brauchen sich nicht einmal anzustrengen, um all diese Sachen vorher zu erfahren.“… Richtig, denn wer sich von LG reinlegen liess, dem wird mit so einem Satz klar gemacht, dass er selber Schuld ist, wenn er so dumm ist, denn alle anderen ausser ihm, die wussten es ja alle– er wird sich also anpassen und seine Kritik zurückziehen…

    Als Beispiel heute im Spiegel:

    „Uno-Ausschuss verabschiedet Resolution zu Spähaktionen einstimmig“

    Toll! Alles wird gut….

    • "...zumindest zur Kenntnis nehmen können"
      Ja sicher, aber auf völlige Unkenntnis dieser unbequemen Tatsachen kann man sich doch auch nicht mehr ernsthaft zurückziehen, wenn man nicht unter einem Stein oder oben in den Baumwipfeln lebt. Ich sehe meine Beiträge hier ja durchaus im Kontext der Tatsache, dass auch Frank Rieger und Constanze Kurz vom CCC regelmäßig zu diesen Themen auf faz.net schreiben, das Thema NSA ist in dieser Zeitung jetzt auch nicht gerade stiefmütterlich behandelt worden, ich selber habe hier in ziemlich genau drei Jahren eine ganze Latte von Überwachungsthemen beackert, von Bewegungsdaten aus Navis über Indect und diverse Precrime-Projekte in den USA, Instore-Kameras, die in Schaufenster-Puppen versteckt sind und bis hin zu ich weiß nicht was noch alles. Wer das einigermaßen aufmerksam verfolgt, kann eigentlich kaum zu einem anderen Schluss kommen als dass noch jeder Dreh, auf den jemand mit unseren Daten kommt, auch tatsächlich ausprobiert wird. Was hatte ich alternativ zu diesem Fernsehthema noch auf dem Zettel: „Intelligente“ Straßenlaternen, die für den Laien nicht als Kamera- und Mikrophonträger erkennbar sind oder eine britische Supermarkt-Kette (oder wars Tankstellenkette), die Gesichtserkennung flächendeckend in ihren Filialen zum Einsatz bringen will. Es ist, als ob für jeden Datenkrakenfangarm, den man abwehrt, zwei neue nachkommen.

  21. Titel eingeben
    Ist diese Verwanzung ekelhaft.
    Aufhören wird das erst, wenn mit einer anderen Technik andere Geschäftsmodelle möglich sind.
    Es ist schnell gegangen mit der Vernetzung, vom Spaß zum Ekel.
    Wir leben in einer Zeit, in der Propaganda und soziale Kontrolle ganz neue Stufen erklimmen, indem sie einzeln verabreicht werden können.

    Als es an unsrer Schule den ersten Kopierer gab, waren wir Schüler ganz begeistert davon. Und meine Sympathie für das Gerät hielt lange an. Scanner waren zunächst auch ganz brauchbar, allerdings werden diese zunehmend suspekt, etwa was ihre Datenspuren, die Abgreiffähigkeit übers Netz, und besonders der Bug, den fefe mal verlinkt hat, daß bei Verkleinerung Zahlen verfälscht werden, angeht.
    Die Geräte werden immer aufdringlicher, und man kann keine nichtaufdringlichen Geräte mehr erwerben.

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