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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Im Hamsterrad – Online-Aktivismus brennt aus und bewegt wenig

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Die Piratenpartei ist vielleicht nur ein Zusammenschluss von Aktivisten, die sich organisieren wollten und dafür die falsche Form gefunden haben. Auch andere Onlineaktivisten geben erschöpft auf.

Die Piratenpartei liegt in Scherben. Die immer noch junge politische Gemeinschaft ist politisch nicht mehr handlungsfähig, im Netzrauschen fällt sie nur noch über Hashtags auf, hinter denen sich meist ein Gate verbirgt: ein Minieklat oder eine große Dummheit. Die Partei wirkt erratisch, ihr fehlen gemeinsame Werte, eine Strategie, der Wille zu Überleben und Personen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten können. An diesem Punkt scheint sich eine frühe These über die Partei zu bestätigen: Sie war und ist vielleicht mehr ein loser Zusammenschluss von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich organisieren wollten und dafür die falsche Form gefunden haben. Doch selbst als Aktivisten sind die Piraten nicht erfolgreich, denn auch politischer Aktivismus braucht einen gewissen Grad der Organisation und zu allererst ein Verständnis über die Anliegen der Gruppe und deren Priorisierung. Eine Partei, die für digitalen Aufbruch stehen wollte, aber ihren Mitgliedern über gezieltes Online-Mobbing das Selbstbewusstsein und die Lust auf Politik nimmt, beraubt sich selbst ihrer Grundlage für Glaubwürdigkeit. Sie beherrscht das Spielfeld nicht, was sie politisch gestalten wollte. Die Absurdität der parteiinternen Querelen gipfelten in einem „Warnstreik“ der IT-Abteilung, die aus Unzufriedenheit mit der Arbeit der Partei und dem jüngsten #Bombergate die digitale Infrastruktur der Partei vorübergehend außer Betrieb setzte.

Eine Bestandsaufnahme des Online-Aktivismus in Deutschland fällt zurzeit nicht besser aus. Es ist kaum messbar, was hängen bleibt von Kampagnen auf Twitter und Online-Petitionen. Dem Stillstand in beispielsweise der NSA-Affäre verleiht der Spiegel-Online-Redakteur Christian Stöcker, der seit Monaten den gleichen Tweet wiederholt in die Timelime gibt. „Immer noch wahr“, schreibt er vor den Link, der auf seinen Artikel „Global Surveillance: The Public Must Fight for its Right to Privacy“ führt, der Ende Juni auf Spiegel Online erschien. Die Autorin Anne Roth kritisierte in der vergangenen Woche Petitionsaktivismus am Beispiel der Hebammen, bei dem seit Jahren massenhaft Menschen ihre Unterschrift leisten, weil sie den Berufsstand der Hebammen erhalten wollen, sich jedoch politisch kaum etwas bewegt. Petitionen könnten nur ein erster Schritt sein, so Roth, doch weitergehende Strategien zeichnen sich derzeit nicht ab.

 

Spürbar sind auch für Aktivistinnen und Aktivisten zunächst nicht die Veränderungen, die sie mit anstoßen, sondern vor allem Frust und Anfeindungen. Ein Frust, der sich unter der Großen Koalition ausweiten wird, denn auf die Forderungen von Netzaktivist_innen, die eher im linken Spektrum zu verorten sind, werden in dieser Legislatur keine fortschrittlichen Antworten zu erwarten sein. CDU-Gesundheitsminister Gröhe ist der ‚last man standing’, der sich gegen die Rezeptfreiheit der „Pille danach“ stemmt, obwohl sie in 28 anderen EU-Staaten freigegeben ist und sich WHO und Pro Familia dafür aussprechen. Das gespielte Entsetzen von Regierung über die NSA-Massenüberwachung und das Festhalten an der Vorratsdatenspeicherung wirken schizophren. Online-Aktivist_innen, die sich in Deutschland vor allem zu netzpolitischen und geschlechterdemokratischen Fragen organisiert haben, können von dieser Koalition nicht viel erwarten. Sie müssen aktiv bleiben ­– aber vor allem ihre Strategien überdenken.

Wo beginnt Aktivismus?

In den zahlreichen Möglichkeiten sich im Netz zu artikulieren und aktiv zu werden, sind zudem die Grenzen verwischt zwischen Meinungsäußerungen, Debatten und Aktivismus. Ist eine Person, die einen Tweet mit einer politischen Forderung ins Netz tippt, bereits Aktivist? Rauben inflationär eingesetzte Instrumente wie digitale Petitionen dem Aktivismus eine politische Ernsthaftigkeit? Zudem stellt sich die Frage, inwieweit Menschen die Selbstbezeichnung des Aktivisten wählen, und inwieweit Fremdzuschreibungen als Aktivist auch Delegitimierung bedeuten, damit Personen abgegrenzt werden können von anderen politischen Akteuren, Autoren, Experten und Wissenschaftlern. Ist eine Soziologin, die sich über Twitter in gesellschaftliche Debatten einmischt, schon eine Aktivistin? Wertet sie ihr politischer Einsatz auf, oder diskreditiert ihr Engagement ihre wissenschaftliche Expertinnenstellung?

Das Time-Magazin wählte 2011 „The Protester“ zur Person des Jahres. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr nicht an einen einzelnen Menschen, sondern an politische Bewegungen, an viele. An die Menschen, die auf der Straße für ihre Rechte und gegen Missstände demonstrierten: Sie trugen den Arabischen Frühling in die ganze Welt, sie okkupierten die Wall Street, marschierten gegen Atomkraftwerke, für digitale Bürgerrechte mit der „Freiheit statt Angst“-Demonstration. Anfang 2012 wurde Europa von großen Protesten gegen ACTA überrascht, die „Slutwalks“ holten Menschen auf die Straßen, die ihre Stimmen gegen sexualisierte Gewalt und Sexismus erheben wollten. Der #aufschrei-Protest blieb hingegen in sozialen Netzwerken und journalistischen Medien. Auseinandersetzung und Engagement fanden vorrangig virtuell statt.

 

Im Dialog mit Menschen, die zu einer Zeit ihr politisches Engagement begonnen, als es noch keine Möglichkeiten zur digitalen Vernetzung und Publikation gab, höre ich oft abschätzige Sichtweisen auf Online-Aktivismus, Zweifel an seiner Wirksamkeit und Unverständnis für die Motivation, sich genau hier – in den Weiten des Internets – zu engagieren. Dass es weniger junge Menschen auf die Straßen zieht oder in Parteien, wird als politisches Desinteresse interpretiert. Doch Aktivismus im Netz ist nicht gleichzusetzen mit „Aktivismus light“.  Dieses Verständnis macht den Fehler, die Welt in eine analoge und eine digitale Erfahrungswelt zu unterteilen: Physische Orte, an denen Menschen auf dem Boden der Tatsachen stehen, und virtuelle Orte, an denen alles gleich weniger Gewicht hat. Diese starke Trennung wird jedoch vorrangig von Menschen aufrecht erhalten, die erst in einer späten Lebensphase Kontakt mit digitalen Medien hatten und die Selbstverständlichkeit, mit der sich digitale Kommunikation in den Alltag integrieren lässt, nicht sehen wollen oder ihr Leben auch ohne Zugang zum Internet organisieren können. Dass darüber eine Abwertung der Lebensweisen mit dem Netz geschieht, ist schade, da diese Sichtweise vor allem Offenheit vermissen lässt.  Generationendialog, an dessen Anfang die Abwertung der jeweils anderen Lebensweisen stehen, kann nur schwer gelingen.

Virtuelle Kämpfe mit Folgen

Als Mensch, der mit Zugang zum Internet aufgewachsen ist, gibt es für mich die Trennung zwischen online und offline nicht mehr. Somit betritt eine Aktivistin keine separate Sphäre, wenn sie als Ort für ihre Aktivitäten digitale Medien auswählt. Gesellschaftliches Engagement im Internet ist real: Es bedeutet Aufwand und Anstrengung, die zusätzlich zu anderen Tätigkeiten anfallen. Online-Aktivismus in Vollzeit gibt es selten. Für ihn bleibt Zeit nach dem Tag im Büro, nach Vorlesungen, nach dem das Kind ins Bett gebracht ist.

Weiterhin erleben Menschen auch digitale Reaktionen unmittelbar, sie bewirken Gefühle. Seien es nun Erfolgserlebnisse, vermisste Wertschätzung oder gewaltsame Übergriffe ­– all das, was Aktivist_innen im Zuge ihres Engagements im Netz erfahren, ist echt und wirkt auf sie ein. „Stell dich nicht so an, es sind nur Kommentare“, mag für manchen funktionieren, für andere sind sie schmerzhaft. Eine digitale Öffentlichkeit, aus der Handlungsmöglichkeiten erwachsen können, muss anerkennen, dass auch virtuelle Verletzungen real sind und Menschen schaden.
Der Raum für Reaktionen ist zudem theoretisch größer als der Raum in der physischen Welt. Sie sind schriftlich fixiert, indiziert für Suchmaschinen, sie finden im Lebensraum statt, in dem außerdem Kommunikation mit Familie und Freunden sowie berufliche Aktivitäten stattfinden. Demonstration und Gegendemonstration haben im Netz kein klares Ende. Online-Aktivismus wird für viele, die sich entscheiden mitzumachen, zum Hamsterrad.

Communitys müssen lernfähig sein

Über das Netz können Menschen heute länderübergreifend, mehrsprachig und rund um die Uhr in Teilöffentlichkeiten organisieren und austauschen. Die neuen Netzwerke vergrößern das Potenzial für soziale Bewegungen. Gruppierungen bilden sich nicht nur entlang von Interessen, sondern finden ihren Ursprung ebenfalls in den spezifischen Kommunikationsmustern sozialer Netzwerke. Über das Hashtag #aufschrei entstand beispielsweise eine neue Community von Menschen, die heute als abgrenzbare Gruppe nicht mehr zu verorten ist. Das Hashtag brachte sie als temporäre, lose vernetzte und doch wirkungsvolle Gruppe zusammen. Die Erfahrungen, die Beteiligte hier gemacht haben, sind unterschiedlich ausgefallen. Ob Nutzer_innen etwa, die sich im Zuge der Sexismus-Debatte einen Twitter-Account anlegten, um ihre Geschichten zu teilen, heute noch aktiv sind oder inwieweit sie nun dauerhaft politisch engagiert sind, könnte Ansatz für weitere Forschung sein. Auch ob eine virtuelle Community, wenn sie doch Gemeinschaft mit Gleichgesinnten schafft, ein durchweg positives Phänomen ist, muss untersucht werden. Wirken digitale Communities für ihre Mitglieder emanzipatorisch? Können sie die geschützten Orte sein, die Aktivist_innen brauchen? Treten sie in Austausch mit anderen Gemeinschaften? Bilden sie Ausschlüsse? Sorgen sie für ein Mehr an öffentlicher Meinungsbildung?  Unterdrücken sie einander? Bewirken sie kritisches Denken, Innovation oder Konformität? Wachsen sie zu stabilen Gruppen heran, die dauerhaft Einfluss nehmen können oder wollen? Eine wichtige Unterstützung für Onlineaktivist_innen könnte aus diesem Grund in wissenschaftlichen Arbeiten zu politischen Engagement im Netz sein. Sie brauchen diese Perspektiven von außen.

 

Der Frust, den Aktivist_innen erleben, setzt an mehreren Stellen an: Ihre Forderungen zielen eher auf große gesellschaftliche Veränderungsprozesse ab, die Zeit brauchen. Kurzfristige Erfolge lassen sich kaum messen. Zudem fehlt es oft an Wissen und Zeit, um den anfänglichen Aktivismus zu einer tatsächlichen sozialen Bewegung oder politischen Arbeit auszubauen. Infrastruktur, Geld, verlässlichen Netzwerke und damit Wertschätzung sind unzureichend vorhanden. Aktivist_innen sollten daher ihre Erfolge füreinander und auch öffentlich messbar und sichtbar zu machen, um die Bewegungen trotz aller Heterogenität innerlich zu festigen. Dann kann sie auch nach außen hin Einfluss gewinnen. Des Weiteren müssen Wege gefunden werden, die Vorteile der losen Netzwerke mit den Erfahrungen funktionierender politischer Arbeit zu kombinieren, was  insbesondere durch Erfahrungsaustausch mit anderen Gruppen und älteren Generationen gelingen könnte.

Burnout der Aktivisten

Digitale Aktionsformen wie #aufschrei und #schauhin haben auch schmerzhafte Seiten von Aktivismus gezeigt. Eine Person, die öffentlich agiert wird angreifbar. Öffentlichkeit wird im Netz auch unter Pseudonymen hergestellt, sie schützen nicht vor Angriffen. Dabei gewinnen Hassattacken und Drohungen über das Internet leicht ein Ausmaß, das mit Alltagserfahrungen nicht vergleichbar ist und die Betroffenen unvorbereitet trifft – ohne Schutzschild und Strategie die Erfahrungen zu verarbeiten. Gerade in Onlinebewegungen, die nur lose organisiert sind, gibt es kaum etablierte Sicherheitsnetze oder Gruppen, die sich in jedem Fall solidarisieren und Hilfe leisten. Mit Pech steht eine Person allein im Shitstorm.

Netzaktivist_innen berichten jedoch nicht nur von Hassmails,  sondern auch von Vergewaltigungs- und Mordandrohungen. Diese Anfeindungen und die psychische Gewalt wegstecken zu können, hängt meist von ganz persönlichen Ressourcen ab. Die Aussichten auf erfolgreiche Strafverfolgung sind gering, die entstandenen seelischen Verletzungen bleiben. Dass Gewalterfahrungen und Ausgrenzung im Internet die Vielstimmigkeit und Gleichberechtigung einer demokratischen Öffentlichkeit effektiv verhindern, unterstreicht, wie wichtig es ist, eine gesellschaftliche Sensibilisierung für virtuelle Gewalt zu erreichen und juristisch wirksame Umgangsweisen damit zu finden. Internetfreiheit bedeutet mehr als die Freiheit von Überwachung und Zensur.

Die Spontanität und Offenheit, von der Online-Aktivismus zunächst profitiert, stellt sich als Hürde heraus, wenn es darum geht, geschützte Räume und verlässliche Beziehungen zu schaffen. Wie jedes politische Engagement erfordert Online-Aktivismus einen hohen Zeiteinsatz, der seelisch und körperlich anstrengend sein kann. Aktivismus birgt das Risiko, sich zu verausgaben und schließlich erschöpft oder krank zu sein. Aktivist_innen sprechen dann vom Activist oder Feminist Burnout. Die Identifikation als Aktivistin oder Politikerin bei den Piraten kann insbesondere unter Druck zerbrechlich und damit dauerhaft nur schwierig aufrecht zu erhalten sein. Nutzer_innen unterbrechen oder beenden ihr Engagement: Accounts in sozialen Netzwerken und Blogs verschwinden. Die Revolution frisst ihre Kinder oder: In der digitalen Revolution löschen sich ihre virtuellen Kämpfer_innen selbst. Das ist auch das Schicksal der Piratenpartei.

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32 Lesermeinungen

  1. Die Überschrift war besser, als der ihr nachfolgende Text. Als abschliessende Zusammenfassung.
    Dabei hätte ein engerer Fokus des Blogartikels herausarbeiten können, warum die Bilanz von Netzaktivismus so negativ ausfällt.

    Nehmen wir die Piratenpartei pars pro toto für die grosse Mehrheit der im Netz politisch Aktiven. Dann macht ihr exemplarisches Scheitern mehr als deutlich, warum Netzaktivisten zum Ausbrennen verurteilt sind, wenn sie ihr Engagement emotional, geistig und zeitlich ernst nehmen:

    1) Es fehlen Struktur und Organisation. Beides sorgt dafür, dass die absolut irrelevanten Dinge nicht von den relevanten ablenken, Ansprechpartner für die eigenen Anliegen bekannt und sichtbar sind, ähnliche Ziele erkannt und die Bemühungen zu ihrer Erreichung koordiniert werden, ein Orientierungsrahmen für sinnvolle Handlungen entsteht (was mache ich wo und wann wie, um X zu erreichen), Engagement gleichzeitig langfristig und verstetigt wird.

    2) Es fehlt Professionalisierung. In einer Mediendemokratie (und ich sage: in einer systematisch verrückten) muss jemand, der sich öffentlich bewegt, wissen, wie Meinungsäusserungen wirken können, sollen und effektiv eingesetzt werden. Wie und wo man vereinfacht und zuspitzt. Er/sie muss wissen, wer bzw. welche Organisation in Europa, in Deutschland, in einem Bundesland für was zuständig ist, wie man diese erreicht und wo man ihre Vertreter treffen kann. Er/sie müssen das Mandat und die Zeit bekommen, sich kundig zu machen, zu koordinieren, Aktionen zu planen und zu kommunizieren. Kurz – bekannte und mit Themen verbundene Gesichter, die für ihr Engagement deshalb bezahlt werden, weil es nur in Vollzeit zu leisten ist.

    3) Es fehlt selbst am minimalen Respekt für die Person des anderen. Ich bin nicht für mein Zartgefühl beim Umgang mit meinen entgegengesetzten oder von mir als dumm wahrgenommener Meinungen bekannt. Versuche aber in jeder Kritik zumindest, zwischen Person und Meinung zu trennen. Was ich im Piratenumfeld bzw. beim #Aufschrei etc. und auch nur sporadisch an zutiefst persönlichen Angriffen mitbekommen habe, natürlich häufig (aber nicht immer) im Schutze der Pseudonymität, würde mich fluchtartig das Weite suchen lassen. Mit Menschen, die routinemässig so mit anderen umgehen, möchte ich nicht einmal temporär einen Raum teilen müssen, geschweige denn zusammenarbeiten.

    Sind die dauerhaften Verstösse gegen diese drei Selbstverständlichkeiten Betriebsunfälle der Piratenpartei, nichtintendierte Nebenwirkungen anderer Entwicklungen? Mitnichten! Sie sind nach meiner Beobachtung typisch für eine Gruppe (Netzaktiisten), die sich durch folgende gemeinsame Merkmale auszeichnet:
    – Ich, ich, ich!
    – Fehlgeleiteter Transparenz- und Wahrheitsanspruch. Ist doch okay, sich über Twitter öffentlich zu bepöbeln, besser als die Gerüchtestreuung hintenrum, oder?
    – Ablehnung langfristig bindender Selbstverpflichtung
    – Extrem kurzfristiger Erfolgsanspruch

    Solange das alles so bleibt und solange die Netzaktivisten ebenso deutlich in der Minderheit wie von „normal“ politisch Aktiven getrennt bleiben, werden Erfolge von Netzaktivismus völlig zufällig bleiben. Auf Dauer brennt diese Art von vorhersagbarer Erfolglosigkeit jeden aus …

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Die Zeit schätzen
    Ich würde es nicht als ein originäres Problem des Online-Aktivismus sehen. Politischer Aktivismus, gleich welchen Couleurs, ist nicht mehr cool, oder hipp, oder was auch immer. Was dem Aktivisten bleibt – Online oder nicht –, ist die Möglichkeit seine Aktivitäten nicht dem Tagesgeschehen zu unterwerfen. Es somit der Bewertung derer zu entziehen, deren Zeithorizont in etwa 3 Sekunden beträgt, um mal jenen berühmt-berüchtigten und in Singapur auf vermutlich lange Zeit einsitzenden (und darin liegt die Ironie eines solchen Wegsperrens: da lernt jemand wieder die Zeit zu schätzen, wenn auch sehr wahrscheinlich zunächst noch als Hassobjekt) Ex-Börsenmakler Nick Leeson zu zitieren. Solche Leute haben natürlich ein Problem mit der Zeit, wo sie doch die Nahezu-Lichtgeschwindigkeit des Datenverkehrs zum Gegner haben.
    .
    Doch genau das ist es, was wir alle lernen müssen, wieder lernen müssen: Zeit haben. Trotz aller anderslautenden Behauptungen, tickt die soziale Uhr immer noch erheblich langsamer als uns die Ökonomie glaubt aufzwingen zu können. Hier wirken andere Kräfte. Kräfte, die man vielleicht mit dem Beharrungsvermögen der Masse gleichsetzen darf. Und Bewegung gibt es nur ob des Antagonismus‘ der darin wirkt, ob des entgegengesetzten Beharrens zweier beinahe gleichstarker Kräfte. Und wer da glaubt, politische Bewegungen, progressive gar, aus dem Boden stampfen zu müssen, ohne das Kräftegleichgewicht, wenn auch nur geringfügig vielleicht, verändern zu müssen, der fällt automatisch der Kraft zu, die im gegebenen Moment die stärkere ist.
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    Die Piraten haben vor allem deswegen keine Zukunft, weil sie nie eine Gegenwart hatten. In den Fußstapfen der Liberalen erscheinen sie mal linksliberal, mal rechtsliberal; und es würde mich nicht wundern, wenn sie morgen schon Ultrarechte wären, so wie heute ultralinks, zum Teil. Es spiegelt sich darin die Metamorphose (oder auch Pseudometamorphose, von links aus betrachtet) all derer, die ähnlich wie sie glaubten, ohne klare politische Haltung, also ohne Bekenntnis zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Interessenlagen in der Gesellschaft, also ohne eine klare Haltung zu den Klassen in der Gesellschaft, „politische Geschäfte“ machen zu können. Ebenso wie die Liberalen das heutzutage machen. So gibt es nichts in-homogeneres als die „Internetgemeinde“. Es zeigt sich darin des Kapitals letzte Subjektbewegung. Und die Illusion ob derselbigen, stellt ebenso ein „notwendiges Phantasma“ (Marx) dar, wie alle warenförmigen Subjektbewegungen.
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    So erhoben die Piraten den Opportunismus zum Programm. Machten etwas zum Fetisch, wofür sich andere gelegentlich noch zu schämen bemühen. Die revolutionäre Kritik hingegen hat Zeit. Sie weiß, dass immer nur in wenigen Momenten der Geschichte überhaupt Geschichte von Bedeutung gemacht wird. Und dann erst wird es Zeit den Zeithorizont zu raffen, diesen Moment dann nämlich nicht zu verpassen. Wie kurz dieser Moment dann sein wird, erfahren wir früh genug; vermutlich wird er länger sein als 3 Sekunden. Doch er wird so kurz sein, dass man diesen, ohne eine klare politische Haltung zu haben, eine, die man vom Prinzip her auf Jahre oder Jahrzehnte durchzuhalten vermag, ohne sichtbare Erfolge, ganz sicher verpassen wird. Doch lange davor, werden Parteien wie die Piraten Geschichte geworden sein.

  3. Online Aktivismus - Mann/Frau kann es auch optimistischer sehen
    Ich bin @Fraeulein_Tessa dankbar dafür, dass sie eine Debatte, die schon seit längerer Zeit im Bereich des internationalen Online Aktivismus geführt wird, endlich mit der Platzierung im Traditionsmedium der FAZ auch breiteren Leserschichten hier in Deutschland gegenüber bekannt macht. So hatten wir (www.futurechallenges.org und http://www.irrepressiblevoices.org) gerade erst vorletzte Woche auf der Social Media Week Hamburg, die Gelegenheit, dieses Thema in der anwesenden Community zu diskutieren (https://socialmediaweek.org/hamburg/events/?id=139777#.UxSLodyouXE). Das Dilemma des kurzatmigen Clicktivism ist aber natürlich schon deutlich älter. Bereits vor 4 Jahren hatte bspw. der Guardian das Problem der fehlenden politischen Nachhaltigkeit problematisiert (http://www.theguardian.com/commentisfree/2010/aug/12/clicktivism-ruining-leftist-activism).

    Wenngleich ich die grundsätzliche Interpretation der Problematik, wie sie hier im Text gesehen wird, teile, so würde ich doch die zukünftige Perspektive etwas optimistischer sehen als es die Autorin hier angedeutet hat. Vielleicht liegt die scheinbar pessimistische Sichtweise aber auch an der leider sehr starken Fokussierung auf feministische Themenbereiche. So hat sich #Aufschrei (allein der Begriff an sich deutet schon die Einmaligkeit des Aktivismus an) sehr schnell in eine gegenteilige Richtung als der ursprünglich intendierten entwickelt. Schnell wurde die Begrenztheit der Betroffenheit auf einen relativ kleinen Personenkreis deutlich, der Hashtag wurde teils umgedeutet, teils auch von männlichen Opfer von Sexismus verwendet; ein Fakt, der den ursprünglichen Aktivistinnen nicht gelegen kam. Schnell kehrte sich in der Summe all dieser Entwicklungen der positive Schwung in sein Gegenteil um, und #Aufschrei wurde gerade eben zum Synonym für kurzatmige Betroffenheiten.

    Der Blick auf Online-Aktivismus (so auch das Ergebnis unserer Session auf der Social Media Week) wird jedoch optimistischer, wenn:
    – die Begrenztheit des Tools bzgl. seiner zeitlichen Relevanz von Anfang an akzeptiert wird,
    – die Anschlussfähigkeit an tradierte Bereiche offline geführter Debatten beachtet wird,
    – Themen im Fokus stehen, die einen großen Teil der Bevölkerung emotional bewegen (TTIP, Fracking) und als relevant erachtet werden (was beim Feminismus anscheinend nicht der Fall ist)
    – es mehr um Informationsbeschaffung als weniger die Lösung komplexer gesellschaftlicher Konflikte geht und schließlich
    – der gesamtgesellschaftliche Kontext und die Kultur der Nutzung sozialer Medien berücksichtigt wird.

    Von daher kommt es letztlich auf die Erwartungshaltung an, die man/frau bzgl. des Online Aktivismus hat. Eine ePetition allein ändert nahezu gar nichts. Erst wenn sie die genannten Bedingungen erfüllt, kann sie als Teil einer größeren Kampagne einen sehr großen Nutzen haben.

    • Titel eingeben
      @olewin Vielen Dank für die weiterführenden Links und die spannenden Ergänzungen. Auch Anne Roth sprach ja in dem verlinkten Text schon an, dass Online-Petitionen nur ein Anfangspunkt sein können. Nachdem die Unterschriften ausgedruckt und übergeben sind, versandet der Protest dann oft. Von daher erachte ich es hier für wichtig, Transparenz herzustellen und eine Plattform zu haben, über die weiter informiert werden kann. Ganz wichtig ist dabei sicherlich auch, Unterstützung offline zu organisieren und nicht zu unterschätzen, wie viel politisches Engagement hier stattfindet. Gerade lokale Anliegen organisieren sich häufig so. Ein Thema, das sicherlich gerade aktuell ist und noch an Fahrt aufnehmen könnte, ist der Genmais. Das werde ich persönlich weiter beobachten, um weiter zu lernen.

    • span....
      Ohne das Modewort für alles & jedes: „spannend“, geht’s wohl auch hier nicht.

  4. Feminismus und Netzpolitik sind nicht dasselbe
    Warum eigentlich müssen hier (und in der Piratenpartei) Technikfolgenprobleme/Netzpolitik mit feministischen Anliegen zu „Online-Aktivismus“ verrührt werden? Das einzig zwingend verbindende dürfte doch die Wahl der Mittel sein, eben Online-Aktivismus. Wenn aber eine Unterscheidung Online/Offline keinen Sinn mehr macht, wo ist dann das Verbindende?
    Und sollte man die Probleme beider Anliegen nicht getrennt betrachten? Es liegt sicher nicht nur an der Wahl der Mittel.

    • Hallo lh,
      ich ziehe Parallelen, da ich als Problem der Piraten u.a. sehe, dass sie eher Aktivisten sind, los zusammengewürfelt, als als eine Partei arbeiten zu können. Aus meiner Sicht lohnt sich daher zu betrachten, warum weder die Piraten noch Online-Aktvismus vom Fleck kommen.

    • "zusammengewürfelt"
      Eine Analyse der Probleme der Piraten werden wir hier nicht schaffen. Aber ich tendiere eher dazu, dass deren Schwäche (vor allem bei Wahlen, die Organisationsfindung ist ein anderes Problem) auch viel damit zu tun hat, dass die technik- und technikfolgenproblembezogenen Kernthemen dort nicht mehr stattfinden, jedenfalls nicht wahrnehmbar. Vielleicht stehen sich beide Anliegen gegenseitig im Weg und die Vermischung schreckt jeweils zu viele ab, um die kritische Masse hinter die Anliegen zu bekommen? Vielleicht läuft unsere Analyse da auch auf dasselbe hinaus: „zusammengewürfelt“?

    • Feminismus war praktisch der Tod der Netzpolitik bei den Piraten
      Theoretisch sind Feminismus und Netzpolitik nicht dasselbe, praktisch bestehen sehr spezielle, um nicht zu sagen inverse Zusammenhänge.

      Die Piraten waren vor ca. 3 Jahren in der Pole position für alle netzpolitischen Themen, das war noch die Postgender-Zeit. Unter dem Druck der Presse und mit dem Standard-Argument, frauenfeindlich zu sein, wurden dann Scharen von feministischen und/oder linksradikale Politprofis in Machtpositionen gehievt, wo sie den Laden in einem atemberaubenden Tempo umkrempelten. Inzwischen werden Antifa-Flaggen auf Versammlungen gehißt und der Genderfeminismus ist Parteidoktrin. Bedingungsloses Grundeinkommen, Frauenquoten und Transsexuelle sind inzwischen wichtiger als Netzpolitik.

      Der Warnstreik der IT-Abteilung war einer der seltenen Lichtblicke, wo die ursprünglichen Mitglieder, die nicht der genderfeministischen Gehirnwäsche zum Opfer gefallen sind, versucht haben, sich zur Wehr zu setzen. Der Versuch war in der Tat absurd, weil chancenlos gegen die Antifa-Politprofis.

    • Da würde ich widersprechen. Feministischer Aktivismus und Netzpolitik weisen sehr hohe Schnittmengen auf, zB beim Thema Datenschutz, Freiheitsrechte, mehr Demokratie. Das hätte die Piratenpartei auch sehr klug kombinieren können, und die Partei braucht mehr als ein thematisches Standbein. Aber an Begriffen wie „Genderfeminismus“ sieht man sehr schnell, warum Teile der Partei quasi imkompatibel sind. Unterschiedliche Positionen und Schwerpunktsetzungen können ja in einer Partei debattiert werden. Ihnen per se feindlich und ablehnend gegenüber zu stehen und sie lieber ganz kippen zu wollen, hat mit zur Lähmung der Partei geführt. Und ja: In der Piratenpartei existiert unheimlich viel Frauenfeindlichkeit, was schlicht unklug ist, wenn die Partei politischen Erfolg sucht.

    • Zur Frauenfeindlichkeit von Piraten, Nerds und ähnichem ...
      empfehle ich folgenden Bericht eines weiblichen Insiders:
      http://www.linuxjournal.com/content/girls-and-software

    • @mitm: Zur Männerfeindlichkeit in der PP
      empfehle ich Ihnen die Lektüre des Twitter-Accounts von Julia Schramm (kürzlich ausgetreten). Eine Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in einem bestimmten Gebiet ist KEIN Nachweis von Benachteiligungen. Wie sieht es denn Ihrer Meinung nach denn dann bei Kita-Erziehern oder Grundschullehrern aus? Männerbenachteiligung? Ach was, die Männer wollen bloß nicht…

    • Es gibt viele Seiten
      Sicherlich gibt es frauenfeindliche Tendenzen bei einigen Piraten. Allerdings bringt es uns auch nicht weiter die krasse Feindlichkeit vieler Feministinnen gegenüber anderen Sichtweisen auf das Genderthema zu ignorieren. „Maskuarschloch“ ist da so ein Begriff, für jemanden, der es wagt Extremfeministinnen (wie zB. Frau Schramm, seid kurzem nicht mehr bei den Piraten) zu wiedersprechen.
      Man sieht es ja auch am ‚Bombergate wie leichtfertig unliebsame aber gemäßigte Aussagen in die Naziecke gedrückt werden.
      Und ich möchte bestehende Rassismus- und Sexismusprobleme damit nicht herunterspielen.
      Das Problem ist wohl eher der Narzismus vieler Netzakteure. Das gegenseitige Hochushen innerhalb der immer kleinerwerdenden Filterbubble bestärkt das eigene Ego nur zusätzlich.

    • Die Darstellung bezüglich Julia Schramm halte ich für völlig überzogen. Die Piraten haben aus meiner Sicht sogar sehr gute Ideen zum Thema Geschlechterpolitik, es gibt fähige Leute in der Partei, die dazu arbeiten. Dass feministische Perspektiven für parteiinterne Streitigkeiten und Mobbing herangezogen werden, ist wirklich Kindergartenniveau, um es mal salopp auszudrücken. Die Piraten beschäftigen sich viel zu sehr mit Personalien und persönlichen Befindlichkeiten gegenüber Personen. In der Politik muss man auch mit Leuten fachlich zusammenarbeiten können, die einem vielleicht nicht immer sympathisch sind.

    • Frau Bückner, Überzogen?
      Frau Schramm war eine DER Hauptakteurinnen des #Aufschrei. Das Blog <3, dem sie nach ihrem Abschied gerne gedankt hat, dürfte Ihnen, Frau Bücker, ja ein Begriff sein. Ist Ihnen das Blog "Society for cutting up many" auch ein Begriff ( cuttingupmany.wordpress.com ) ? Auf dieses hat Frau Schramm mehrmals verwiesen. Die Tatsache, daß die Piraten (ausser der Ortsverband Giessen), die Wahlprüfsteine von MannDAT und AGENS zur BTW 2013 mit dem Hinweis auf angeblich rechtsradikales Gedankengut NICHT beantwortet haben, zeigt jedem, daß die Piraten zu keinem Zeitpunkt in der Lage oder bereit dazu gewesen sind, eine, vom Genderfeminismus entferntere, Sichtweise einzunehmen.
      Auf die Schließung der Mailingliste der AG Männer und daraus resultierendem Austritt von Hr. Fuchs aus der PP kann ich dazu auch noch hinweisen ( http://ef-magazin.de/2011/06/20/3045-piratenpartei-die-katze-ist-endlich-aus-dem-sack ).

      Ich finde die Darstellung von Frau Schramm in keinster Weise überzogen – im Gegenteil. Die Piraten haben sich lange genug (zu lange) nicht kritisch mit solchem Gedankengut auseinandergesetzt.

    • Wer Julia Schramms Meinung als Beleg für oder gegen irgend etwas heranzieht,
      wird mit Häme nicht unter 6 Monaten bestraft. Bei der Geschwindigkeit ihrer Positionswechsel meint sie doch schon um 11 nicht mehr, was sie um halb elf abgelassen hat. Schramms Zwitschern ernstzunehmen ist ungefär so, wie sich von Uli Hoeness Steuerehrlichkeit erklären zu lassen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ich finde es schwierig, eine Person nur aufgrund von Tweets einzuschätzen und wundere mich ein wenig, warum so viele der hier Kommentierenden sich so auf Julia Schramm einschießen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich gerade nicht einmal weiß, wie der Bundesvorstand der Piraten namentlich heißt. Außer Marina Weisband, Julia Schramm und Stephan Urbach sind wenig Namen hängengeblieben.

    • Frau Bücker....Einschätzungen und andere Mißgeschicke
      #Aufschrei hat anhand von angeblich 60k tweets von unterdrückten und misshandelten Frauen einen Grimme-Preis erhalten, die öffentlich-rechtlichen Medien haben sich aufgrund dieser tweets nahezu überschlagen, Frau Schwarzer hat dies in de Medien waidlich ausgeschlachtet. Das der #Aufschrei nur heiße Luft war, hat ein anderer Kommentator ja bereits gezeigt. Die Medien und die Politik haben es somit geschafft, eine ganze Bevölkerungsgruppe (die der männlichen Menschen) anhand von einer Handvoll tweets einzuschätzen. Hinzu kam die verlogene 23%-Lohnlüge der SPD und der Gewerkschaften. Sogar die ZDF-Heute-Nachrichten haben dies verbreitet (obwohl mir bisher niemand einen Beweis erbracht hat, daß im Kapitalismus Frauen die billigeren Arbeitskräfte sind und wir keine männliche Massenarbeitslosigkeit haben…) die SPD hat ihren gesamten Wahlkampf genderfeministisch gestaltet (Frauenquote, Hamburger Programm mit dem Willen zur Überwindung der männlichen Gesellschaft (2007), Gender-Mainstreaming als Maxime im Regierungshandeln (Regierungsprogramm) )

      Und jetzt sagen Sie nochmal, daß man anhand von einigen tweets etwas nicht richtig einschätzen kann. :=) Und ich bin mir sicher, daß wir in einigen Jahren ähnlich über die SPD schreiben und lesen werden, wie heute über die Piraten.

    • @Hr. Haupts Häme - davon können die Piraten gerade nicht genug bekommen
      Wenn Frau Schramm denn so verzichtbar ist/war, warum haben sich die Piratinnen dann nicht schon vor längerer Zeit von ihr getrennt? Haben Sie sich mal auf „Cutting up many“ umgeschaut? War Frau Schramm als Feministin in der Piratenpartei eine Vorreiterin, als sie sich per twitter (im Sinne des weiblichen Selbstbestimmungsrechtes bei Schwangerschaften) für die Abtreibung bis zum neunten Schwangerschaftsmonat aus“sprach“?
      Frau Schramm schien für die Piraten wichtig gewesen zu sein.

    • Sie bringen mich zum Lachen. Die SPD hat einen feministischen Wahlkampf geführt? Die SPD verzeichnet gerade bei jüngeren Frauen bei jeder Wahl schlechtere Ergebnisse.

    • Naja, Frau Bücker....
      Ursache und Wirkung. Anscheinend sind die jungen Frauen von heute wohl noch nicht so durchgegendert, wie die SPD dachte….

    • Parallelen
      Sie ziehen die Parallelen nicht etwa, weil Ihr Herz für den Feminismus schlägt und Sie diesen Ismus an alles, was irgendwie hoffnungsvoll in die Zukunft schaut, anhängen wollen? Und nun ist eine dieser (auch mal meiner) Hoffnungen – die Piraten – implodiert und hat sich als ahnungsloser kindischer Krawallhaufen entblößt.

  5. #aufschrei als Astroturfing-Kampagne
    „Über das Hashtag #aufschrei entstand beispielsweise eine neue Community von Menschen, ….“

    Die für ein SPD-Mitglied wohl unvermeidliche genderfeministisch gefilterte Weltsicht zeigt sich nicht nur an der ständigen Verwendung Gender-Tiefstrichen (von denen jeder normale Mensch Augenkrebs bekommt), sondern auch in der Fehleinschätzung der #Aufschrei-Kampagne und weiterer Vorgänge.

    Die #Aufschrei-Kampagne gilt inzwischen als klassischer Fall von Astroturfing, bei dem es vor allem darum ging, das feministische Mantra von der Frau als immerwährendem Opfer zu festigen und auf dieser Basis das Definitionsmacht-Konzept (s. http://maninthmiddle.blogspot.de/p/definitionsmacht) politisch zu verankern. Die Protagonistinnen übertrieben schon damals bei ihren Auftritten in den Medien die Größe dieser „Community von Menschen“, die sich da zu Worte meldete. Eine statistische Analyse der ersten ca. 60.000 Tweets (s. http://maninthmiddle.blogspot.de/p/aufschrei.html) zeigt das Offensichtliche: Die Angaben waren maßlos übertrieben. Allerdings fällt das innerhalb der Filterblase, in der sich die Protagonistinnen bewegen, kaum auf.

    Man kann trotzdem heilfroh sein, daß es die Aufschrei-Kampagne gab: sie hat unglaublich vielen Menschen die Augen geöffnet, wie absurd die Gender-Theorien sind und mit welchen hinterhältigen Methoden die feministischen Aktivisten demokratische Prinzipien aushebeln wollen.
    Und man hat einmal mehr gemerkt, daß man Twitterkampagnen nicht ernstnehmen sollte – die sind so etwas ähnliches wie die Bildzeitung. Medienkompetenz 2.0 sozusagen. Wegen dieser gestiegenen Medienkompetenz halte ich die These „Online-Aktivismus … bewegt wenig“ sogar durchaus für richtig,

    Den beklagten Feminist Burnout schätze ich dagegen anders ein. Er erinnert mich den Burnout eines Möchtegern-Ingenieurs, der versucht, ein Perpetuum mobile zu konstruieren. Wenn man eine falsche Theorie hat, wie ein System – hier die Menschen und die Gesellschaft – funktioniert, kann man sich noch so sehr plagen, alle Mühen sind vergeblich. Leider strotzt die feministische Gendertheorie nur so vor Fehlern, erkennbar an zentralen inneren Widersprüchen. Wenn man inkonsistente Theoriene verbreitet bzw. auf deren Basis Macht beansprucht und den zu erwartenden Widerspruch notgedrungen als Haßattacke rationalisiert, kommt man in der Tat nicht mehr aus seiner Burnout-Falle heraus.

  6. Neue Studien zu Online-Slacktivismus: Viralität versus Nachhaltigkeit
    Noch etwas Aktuelles: https://netzpolitik.org/2014/neue-studien-zu-online-slacktivismus-viralitaet-versus-nachhaltigkeit/

  7. Virtualität
    „Die neuen Netzwerke vergrößern das Potenzial für soziale Bewegungen.“

    Das ist schlicht und ergreifend falsch. Internet- und Netzwerkgerede bewirkt überhaupt nichts. Es bleibt selbstreferenziell und wird von denjenigen, die was zu sagen haben, schlicht ignoriert, wo es lästig ist, oder instrumentalisiert, wo es ihnen gerade einmal passt.

    Alles was wichtig ist, ereignet sich in der wirklichen Welt. Jede ernstzunehmende politische Bewegung muß sich dort bilden, nicht im „Netz“. Das haben mittlerweile eben auch die Piraten eingesehen.

    • Jedes Medium kann Gemeinschaften unterstützen. Ohne Telefone ist es auch nicht einfach, sich zu Demonstrationen zu verabreden. Was das Netz u.a. ermöglicht, ist für Menschen, die bislang keinen Anschluss für ihr Interessensgebiet vor Ort gefunden haben, andere zu finden, die mit ihnen an den gleichen Themen arbeiten wollen. Am besten funktioniert Engagement sicher aus einer Kombination von online & offline.

    • Vielleicht
      liegt ein Hauptproblem von Online-Aktivismus in der zugrundeliegenden Fehlannahme, das Netz als Werkzeug müsste schon für irgendwas garantieren, Erfolg, Weltrettung, was auch immer. Da haben wir einen ähnlichen Internet-Zentrismus, wie ich ihn auch schon im Zusammenhang mit dem arabischen Frühling (und den sogenannten Facebook- und Twitter-Revolutionen) thematisiert hatte: http://blogs.faz.net/deus/2011/02/06/jeder-twitt-ein-tritt-286/

      Wenn sich Leute per Telefon zu Demos und ähnlichen Freizeitvergnügungen verabreden, wird man ja auch nicht von einem Telefon-Aktivismus oder gar Fernsprech-Umsturzversuch sprechen. ;-)

    • "Ohne Telefone ist es auch nicht einfach, sich zu Demonstrationen zu verabreden."
      Das ganze Leben ist nicht einfach.
      Sogar einen Kuchen backen: muss man können und man braucht Zutaten.
      .
      Achja: die wichtigen „Demonstrationen“ der Weltbevölkerung (also weder Hanfparade, CSD oder Fasching), in England, Frankreich, Amerika, Deutschland … alle natürlich ohne Telefon. Es gab noch keins.

  8. Pingback: Online-Engagement: unverzichtbar, aber auch ein reissender Mahlstrom › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  9. Online-Engagement: unverzichtbar, aber auch ein reissender Mahlstrom
    Ganz so negativ sehe ich das alles nicht – aber wahr ist, dass das Netz die MÖGLICHKEITEN des Engagements potenziert. Einerseits ist das toll (und es hat ja auch Wirkung und Erfolge!), andrerseits kann es ein ziemlicher Stress sein, indem man sich leicht verliert.

    Mehr Resonanz auf diesen Artikel, mit etwas anderem Tenor‘:

    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2014/03/04/online-engagement-unverzichtbar-aber-auch-ein-reissender-mahlstrom/

  10. Eiskunstläufer
    Gute Einschätzung von ihnen, es fehlte den Piraten wirklich der Entstehungsprozess einer örtlichen Bürgerinitiative mit anschließender Öffentlichkeitsarbeit vor Ort.

    Dagegen drehten die Eiskunstläufer im Piratenkostüm ihre Pirouetten auf einer von den üblichen IT-Verdächtigen gesponserten Oberfläche, und sie ist nicht im Besitz des selbstverlieben Personals (remembering Ponader). Das Spielen auf geilen Techniktools kann niemals das mühsame Erarbeiten eines verbindlichen Programms ersetzen.

    Als Informationsmedium bleibt das Internet unschlagbar, auch zur Kontaktaufnahme und zum ständigen Austausch von Arbeitsmaterialien. Doch dann ist ein persönliches Kennenlernen und daraus folgend ein kontinuierlicher realer Arbeitsprozess unabdingbar.

    Bleibt es dagegen überwiegend im virtuellen Twitter-Raum, werden alsbald Tolle und andere ungebetene Gäste sich des Diskurs bemächtigen und so ein zielgerichtetes Arbeiten verhindern.

  11. Schwurbel schwurbel
    Online-Aktivisten: Leute die Katzenfotos posten, Fotos von ihrem Mittagessen und wie sie vor dem Toilettenspiegel stehen.
    Wehrmacht denn sowas?

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