Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Die perfekte Filterbubble in zehn Schritten

| 27 Lesermeinungen

Keine Gnade, keine Gefangenen, andere Meinungen stören nur: Mit der gezielten Auswahl von Freunden und Ausschaltung von Feinden erkämpft sich der moderne Nutzer die Lufthoheit über seine Netzexistenz.

Ich denke, niemand will hier noch den 2.485sten Beitrag über den Niedergang der Piraten lesen – nur ganz kurz, angesichts von Unterwanderungsversuchen radikaler Grüppchen aus Bereichen wie Antifa, Feminismus, Sozialutopie und Buchverträge kam es vorgestern zum grossen Knall: 3 der 7 Mitglieder des Bundesvorstandes der Partei sind zurückgetreten, und der nach eigenen Worten handlungsunfähige Restvorstand setzte sich zum kommissarischen Vorstand ein. Der will jetzt bis zum Juni weiter machen, und einen Parteitag in Ostdeutschland abhalten, wo viele der radikalen Mitglieder beheimatet sind, und die Anreise für westdeutsche, oft eher liberale und gemässigte Mitglieder besonders schwer ist. Weitere schelmdenkende Details entnehmen Sie bitte diesem und diesem und diesem Beitrag.

Im Rahmen solcher Entwicklungen kommt man als Journalist unweigerlich mit den neuen Kommunikationsmethoden des Netzes in Berührung, und den Filterbubbles der Protagonisten. Das sind Umfelder, die man sich in sozialen Netzwerken selbst baut, und die verhindern, was das Netz eigentlich ermöglichen sollte: Die grenzenlose, freie Kommunikation und der Austausch aller mit allen. An dessen Stelle liegt das selbst konzipierte, flauschige Umfeld, das einen komplett abschirmt und alles, was einem nicht gefällt, filtert. So eine Art usergenerierter, verblendeter Stammtisch im persönlichen Zuschnitt. Wer Piraten kennt, der weiss, dass der Betrieb einer Bubble gar nicht so einfach ist, und viel Zeit in die Entwicklung gesteckt wird – das ist eine echte Kunst! Die folgenden Regeln gelten besonders für Twitter, lassen sich aber problemlos auch auf Blogs, Tumblr, Facebook und sogar, falls vorhanden, weitgehend auf das reale Leben und die AfD übertragen. Alle beschriebenen Strategien hat der Verfasser im Rahmen der Pressebetreuung durch die linken Teile der Basis und ihrer Helfer selbst erlebt.

quelle: https://twitter.com/Riotbuddha/status/444200394621984769

1. Nimm nur linientreue Follower

Das Netz ist voll von Wischi-Waschi-Typen, die einfach nur quatschen, faven und über das bayerische Oberland reden wollen. Diese Personen sind meistens unpolitisch, haben keine klare Meinung und interessieren sich meist auch nicht für ehrenwerte politische Belange wie gendergerechte Schreibweise, die Weltrevolution, der Abschaffung des Datenschutzes oder was sonst noch die eigene Führungspersönlichkeit des Twitterers aus der dummen, apolitischen Masse heraushebt. Man folge also nur denen, die ähnlich denken und natürlich jenen, die aufgrund ihrer hohen Followerzahlen wichtig sind – vor deren Publikum kann man sich mit Gesprächen aufmerksamkeitsheischend in Szene setzen.

2. Verzichte auf Nebeninteressen

Zu einer beliebten Online-Persönlichkeit gehört natürlich ein klares Profil. Neben den üblichen Nichtigkeiten des Tagesablaufs und Dingen, die jeden interessieren (US-Fernsehserien, das schicke Leben auf 20m² in Berlin, Alkoholmissbrauch) sollte daher auf eine thematische Zuspitzung geachtet werden. Ein paar Themen, die mit provokanten Formulierungen auf 140 Zeichen Aufmerksamkeit erregen, sollte man täglich zur Schau stellen. Das sorgt dafür, dass einem vor allem jene folgen, die ähnliche Ansichten ihr eigen nennen. Und gerade mit denen sollte man in einen dauerhaften, freundschaftlichen Diskurs über diese Ziele eintreten, gern auch mit netten Emoticons.

quelle: https://twitter.com/martindelius/status/443380074050777088

3. Drücke Dich deutlich aus

Twitter hat 140 Zeichen und auch ansonsten liest keiner mehr, wenn das Thema nur polarisierend genug ist. Freundliche Ansprachen, konziliante Formulierungen, Höflichkeiten und gute Formen sind hier vollkommen kontraproduktiv, echte Argumentationen absolut unmöglich. Was allein zählt – weil es andere auch tun – ist Lautstärke. Wer brüllt, gewinnt und wer besonders fies ist, wird alle Aufmerksamkeit bekommen. Die Vergleiche seien immer leicht verständlich, so sei jeder nicht linientreue Journalist „schlimmer als die Bild“, jeder Sozialdemokrat ein Verräter, jeder Immobilienbesitzer ein Gentrifizierer, jeder normale Mensch ein Spiesser und die Berücksichtigung eventuell positiver Seiten grundsätzlich verzichtbar. Ganz im Gegenteil! Urteile und lache hart wie Augustinus von Hippo! Besser ist

4. Der gekonnte Nazivergleich

Natürlich ist jeder Gegner der richtigen politischen Einstellung auch Rassist, Sexist und Klassist, und dieses Kleingeld der Beleidigung sollte man gering schätzen: Die juristischen Gefahren sind bei solchen Vorwürfen nicht so gross. Allerdings besteht die Gefahr, dass das bis hierher aufgebaute Publikum etwas gelangweilt ist – zu normal sind diese Vorwürfe geworden. Natürlich zieht in Deutschland der Nationalsozialismus immer, dann knallt so ein Vorwurf natürlich noch besser. Also keine Scheu! Man beachte aber, dass direkte Vergleiche wie „Nazianwalt“, „Goebbels“ oder „Breivik“ vielleicht doch zu weit gehen und unschöne Folgen haben können. Ein ehrenwertes Mitglied des AGH Berlin macht das geschickter und unterstellt den anderen einen Wunsch nach „Endsieg“ – und redet sich dann darauf hinaus, dass der Begriff schon im ersten Weltkrieg verbreitet war. Direkte Vergleiche machen angreifbar, besser ist es, so allgemein zu reden, damit die Filterblase weiss, wer gemeint ist, und dann Wörter der NS-Zeit einzuflechten. Das zeigt der Gefolgschaft geistige Grösse, dann kommt sie gerne wieder!

quelle: https://twitter.com/deBaer/status/445588406496919553

5. Lasse andere für Dich reden

Manchmal, wenn man den anderen schon alles gesagt hat, fällt einem nichts mehr ein, was einen nicht grösseren Risiken aussetzen könnte. Aber in den meisten Filterbubbles gibt es ja auch noch Nachwuchs, der ebenfalls nach vorne kommen will, der inhaltlich auf einer Linie ist und sich erst im harten Kampf beweisen muss. Man muss also gar nicht sagen, der Gegner würde Lack saufen oder mit der NPD agieren – man kann es auch einen anderen, den man aufgehetzt hat, sagen lassen und dann als Retweet zitieren.Als Gunstbeweis gegenüber der eigenen Anhängerschaft wird das gern gesehen, denn wer wird nicht gern vom Anführer geadelt? Die anderen Follower sollen sehen, was zur dieser Auszeichnung und besonderen Aufmerksamkeit führt. Das ist die Währung, in der man bei Twitter bezahlt! Und wenn es dem Betroffenen nicht passt und Kritik kommt – dann sagt man notfalls, man favorisiere oder zitiere das nur, um es sich zu merken. Bundesvorstandserprobt!

6. Ignorieren, aber richtig!

Ja, die Kritik ist natürlich nicht schön. Da hat man also aller Welt mitgeteilt, wer alles Nazi, Masku und nicht Genderunterstrichmacher_in ist, und dann kommt da jemand mit weitaus weniger Followern und findet das nicht gut. Manchmal sind die eigenen Follower so nett, über ihn herzufallen, manchmal hat man dafür einen anonymen Trollaccount eingerichtet, aber man selbst sollte ihn besser nicht durch ein Gespräch aufwerten: Sonst bekommen die eigenen Follower noch mit, dass es andere Standpunkte gibt, öffnen vielleicht sogar ihre Gedanken dafür und werden dort auch Follower! Das kann nicht sein! Deshalb ignoriert man diese Leute. Vor allem sucht man auch nie, nie, nie bei Twitter nach seinem Twitternamen oder gar realen Namen: Da kommt dann nämlich oft noch mehr Kritik, und das ist wirklich nicht schön. Wenn man doch sucht, (und ich glaube, manche bringen damit den halben Tag zu) merkt man sich diese Verbrecher, und wenn das nächste Mal ein anderer über die herfällt, macht man empört mit. Immer auf eine günstige Gelegenheit und Freunde warten! Zusammen ist das viel lustiger.

quelle: https://twitter.com/mspro/status/444427641832374272

7. Die Säuberung unter Deinen Anhängern

Nun kann es natürlich sein, dass dieses Verhalten kritisch aufgenommen wird. Oder man macht missglückte Witze über Flugzeugkatastrophen. Oder mancher, dem man folgt, drückt Gedanken aus, die einem nicht gefallen. Das alles kann zu Kritik führen. Man muss sich klar machen: Das sind keine Menschen oder gar Freunde, das sind nur Feeds und eine Zahl, die angibt, wie viele Menschen in der Timeline sind. Einer mehr oder weniger, darauf kommt es nicht an. Die nerven doch nur und das wird auch nicht besser! Und bei Twitter kann man ohnehin nicht diskutieren, also weg damit. Die Filterbubble muss gereinigt werden, das hat bei den kommunistischen Parteien doch auch immer gut funktioniert.

8. Vernichtung von ehemaligen Followern und anderen Todfeinden

Aber nicht still und leise. Wenn man das still und leise macht, haben andere vielleicht den Eindruck, man könnte mit Kritik leben und wollte gar keine richtig gute Filterbubble. Das Verschwindenlassen von Leuten sollte man deshalb ab und zu wie einen Schauprozess organisieren, damit es auch jeder bemerkt. Also erstens: Öffentlicher Rauswurf, gerne mit Beleidigung. Zweitens klare Ansage an alle Follower: Wer es wagt, Kritik zu äussern oder gar Kritiker zu verlinken, fliegt sofort raus. Drittens: Und wird geblockt! Die Follower müssen wissen, dass hier jemand konsequent ist und für seine reine Bubble keinerlei falsche Rücksichten auf Verräter nimmt. Man verliert dadurch vielleicht ein paar zartere Gemüter, aber hunderte werden lieber schweigen, als sich dem Risiko auszusetzen, nicht mehr als Freund zu gelten. Und öffentlich vorgeführt zu werden. Hat da wer Omerta gesagt? Block!

quelle: https://twitter.com/Riotbuddha/status/445661691452604416

9. Der Rage Account

Dabei verläuft das Leben der Stars ohnehin hinter verschlossenen Mauern, in Rage Accounts. Das sind spezielle Profile, die die Öffentlichkeit nicht lesen darf, sondern nur die absolute Prätorianergarde all derer, die die gleiche Filterbubble haben. Das ist das eigentliche Elitenetzwerk, hier kann man sich in Ruhe absprechen, Aktionen planen, Feinde markieren und überlegen, wer sie aus dem Hinterhalt bekämpft. Der offizielle Account ist für die öffentliche Darstellung, da muss man hin und wieder auch über Ideale schreiben und Werte – aber im Rage Account, da kann man es krachen lassen. Dort ist das wahre Leben, dort gibt es keine Kritik und keine andere Meinung, und das gibt einem Kraft, wieder hinaus zu gehen und dort andere aus der Filterbubble zu eliminieren.

10. Berechtigtes Niedermachen jenseits der AGB

Sicher, das ist nicht so einfach, theoretisch hat Twitter auch Mechanismen, mit denen man sich gegen so ein – aus Sicht der Fehlgeleiteten und Verräter – Mobbing wehren kann. Damit es gar nicht dazu kommt, sollte man andere präventiv abschiessen. Dabei hilft eine griffige Titulierung wie „menschlicher Abschaum“, es hilft natürlich, sie – was sie nicht sind – als Spammer zu denunzieren, idealerweise auch gleich bei einem Internetpranger, wo genug Helfer nur darauf warten. Was dazu führen kann, dass Twitter die Accounts sperren. Und weil das Stören so einer Filterbubble leider noch nicht als Verbrechen verfolgt wird, kann man wenigstens den bei Twitter anwesenden Arbeitgeber auffordern, den Typen wegen seiner Vergehen zu entlassen. Ich glaube, es hat kaum ein Journalist über die Piraten – und namentlich deren Linksextremisten und ihre Handlanger – geschrieben, ohne dass es solche Versuche gegeben hätte. Das wäre natürlich die ultimative Reinhaltung der Filterbubble: Wenn auch jeder externe, kritische Bericht verschwinden würde. Aber allein wie sie es ohne jede Hemmung fordern, macht auch allen anderen klar, dass mit denen nicht zu spassen ist, diesen Königen der Filterblasen bei Twitter, da draussen im Netz.

quelle: https://twitter.com/Blockempfehlung

Man sieht also, das mit den anderen Meinungen und dem Austausch, das muss gar nicht sein. Carl Schmitt hätte sicher seine Freude an diesen kleinen Fürsten im Netz, Bert Brecht würde seine Radiotheorie um ein paar Fussnoten ergänzen, und manche von denen haben als Volksvertreter sogar echte Macht bekommen, und tun dergleichen aus dem AGH Berlin – wenn sie nicht gerade als Maulwürfe Journalisten um Kompromat gegen ihre innerparteilichen Gegner anbetteln. Es sind nicht alle so, eigentlich nur wenige – aber immer noch genug, damit die Filterblasen intakt und rein sind, und ohne inneren Schaden mit dieser Partei untergehen werden.

Schuld daran, das ist ja klar, sind nur die Nazis, die Rassisten, die Klassisten und die Sexisten, die fefe lesen und keine Genderunterstrich_innen machen.

quelle: https://twitter.com/mspro/status/442992022438567936

HINWEIS:

Es gibt dafür natürich auch ein unterstrichfreies Kommentarblog.

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27 Lesermeinungen

  1. Es geht mir gut ohne T.
    Und wenn man denen das „Twitter“ wegnähme (wenn die FIrma von heut‘ auf morgen schließen würde) , existieren diese gefährlichen(?) Spinner dann noch? Ist’s das einzige & ‚wertvollste‘, was die haben? Oder anders ausgedrückt: Haben die auch irgendwas – womöglich Sinnvolles – neben diesem Kinderspielzeug?

  2. ... ist mal gut jetzt?
    Pause, Pause, Pause – wie oft muss ich es noch sagen? Glauben Sie eigentlich irgend jemanden interessiert sich fuer Ihre daemliche Privatfehde mit Michael Seeman? Machen Sie endlich eine Pause, das tut Ihnen und faz.net gut.

    (Im Uebrigen sind die Einlassungen von Herrn Seemann zu diesem Thema – mit Verlaub – deutlich reflektierter – Berlin hin, Berlin her … )

    • Bitte, gehen Sie doch irgendwohin, wo es Ihnen gefällt und Sie mit dem immer gleichen Palaver nicht stören.

    • Titel eingeben
      q.e.d ?
      Jeder macht sich seine Bubble selbst?

    • nicht jeder
      Die Sprache, die Themen und vor allem das armselige Leben eines so unreifen wie vorlauten Herrn aus Berlin (allerdings auch nur’n kürzlich Zugereister aus der Provinz) ist nicht das, was man hier lesen oder gar miterleben möchte. Das kann man doch auf dessen Seite und seinem Niveau.

  3. Titel eingeben
    bei der Überschrift dachte ich, es geht um Feministinnen

  4. Luftblasen
    Ist doch ein ideales Medium für Desinformationen aller Dienste Art (the dark side of web). Und was wäre das Ganze natürlich ohne einen linkischen Verweis auf den Kunstmaler aus Österreich.

    Auch alle zwitschernde Smartphones dieser Welt können die banale Erkenntnis nicht übertönen, dass 1000 Follower die politische Arbeit vor Ort nicht retweeten können. Luftblasen sind zum Platzen da, falleri und fallera.

  5. email@example.com
    welche fehler sollten beim nächsten anlauf, eine partei für „die informationsgesellschaft“ zu gründen, vermieden werden?

    mir fällt als erstes das dogma der ideologiefreiheit ein. das nächste mal bitte ohne so’n scheiß.

    .~.

    • Titel eingeben
      Ideologien sind eine Illusion.
      Wissen ist nicht gleich einer Information.

      Eine Wissengesellschaft setzt Vielfalt und Offenheit voraus, denn nur durch Offenheit entsteht Wissen aus Informationen. mit dem Mittel der Logik, der Kunst des Folgerns:

      Vielfalt bedarf einer offenen Gesellschaft.
      Es gibt keine offene Ideologie.
      Es gibt keine ideologische Offenheit.
      Es gibt keine vielfältige Ideologie.
      Es gibt keine ideologische Vielfalt.
      Es gibt keine freiheitliche Ideologie.
      Es gibt keine ideologische Freiheit.
      All diese Aussagen beruhen auf der Erkenntnis, daß Ideologien und Freiheit/Vielfalt/Offenheit ein Widerspruch in sich sind.

      Der Begriff Ideologiefreiheit ist ein Widerspruch in sich. Ideologien beruhen auf Dogmen, dem Streben nach dem Ideal, dem Optimalen, dem Endgültigen.
      Ideologien beruhen auf der Behauptung im Besitz der einzig wahren Wahrheit zu sein. Das wird GLAUBE genannt. Für den GLÄUBIGEN ist die Kenntnis der einzig wahren Wahrheit ausreichend, Wissen ist da nur eine Behinderung.

      Mit Fäkalien hat dies nichts zu tun, sondern mit abstraktem Denkvermögen, das erst das Denken in größeren Zusammenhängen erlaubt.

    • Ideologie ist zumeist sehr praktisch!
      …denn ideologisch (im Sinne von verblendet) sind ja immer nur die anderen.
      ;-)
      Ich teile allerdings den Eindruck, dass das linksradikale Spektrum der Piratenpartei eine bemerkenswert enge Ideologie praktiziert, unter besonderer Berücksichtigung hochgradig einfältiger Sichtweisen.
      .
      Die Stil- und Stillosigkeitsblüten des „AntiFa“-Blocks der Piratenpartei sind wirklich ungemein beeindruckend. Beschränkt man sich hier nur auf diejenigen Linksradikalen (aus Berlin…), die Onkel Hö gelegentlich retweetet (das sind deutlich über 100 – eine ziemlich umfassende Landschaftspflegemaßnahme von Onkel Hö), wird man mit einem Ausmaß an menschlicher Dummheit und Ignoranz konfrontiert, das einem für einige Minuten tatsächlich den Glauben an die Menschheit nehmen kann. Nimmt man jedoch behelfsweise an, dass es sich hierbei vorzugsweise um Satireaccounts handelt (nicht völlig abwegig), dann kann man mit dem vorgefunden Material problemlos ganze Bücher füllen.
      .
      Und lachen. Zum Beispiel über „Demokratie als Brückentechnologie“. Und die wollen ernsthaft gewählt werden? Nicht weniger absurd wirkt der Otter-Darsteller aus Berlin, Christopher Lauer, der – gemessen am Schwerpunkt seines Wirkens – verblüffend adäquat „Polit-Clown“ genannt werden könnte. Er ist jedenfalls einer, der sich in der für ihn typischen narzisstischen Verblendung für unfassbar geistreich hält.
      .
      Tatsächlich ist er aber nur fad, demokratie- und bürgerfern, wie gleichfalls sein linksradikalisierender politischer Freundeskreis.

    • Platons Ideenlehre
      Die Grundlage einer Betrachtung ist die Frage nach einem unveränderlichem Ur- bzw. Vorbild. In einer Welt der stetigen Veränderung, ist dies ein Widerspruch. Das hat mit Verblendung nichts zu tun.

    • ...genau anders herum geht es auch
      Ich würde die Überlegung in die genau entgegen gesetzte Richtung führen: Gerade weil unsere Welt stark veränderlich ist, sind starre politische Ideologien fragwürdig. Ideologie ist ja, ich orienitiere mich hier an der zutreffenden umgangssprachlichen Bedeutung, und nicht dem Schindluder, den Philosphophen aus diesem Begriff machen, eine EINENGUNG der Betrachtung. Sei es, dass im schlimmsten Fall alles von „einem Punkte aus“ bzw. von nur wenigen Grundaxiomen durchdacht wird, sei es, dass nur das in der Wirklichkeit betrachtet wird, was ausreichend kongruent zur jeweiligen Ideologie ist, sei es, dass die aus der Ideologie resultirenden Handlungsmaximen schlicht unzureichend oder zu bergrenzt sind, um einer komplexen, veränderlichen sozialen Wirklichkeit gerecht zu werden. Je enger eine Ideologie gefasst ist, umso deutlicher treten diese Nachteile hervor.
      .
      Sollten Sie jedoch „klassisch“ philosophisch ge/verbildet sein, werden Sie mit meinen Vorstellungen (s.o.) so rein garnichts anfangen können. Denn aus „klassisch“ philosophischer Sicht ist ja bereits jegliches (!) Ideengebäude (z.B. auch der umfassende Versuch zur Orientierung an der Wirklichkeit und sicherem Wissen, wie dies u.a. typisch für Wissenschaft ist) unterschiedslos „Ideologie“.
      .
      Das halte ich zwar für eine völlig nutzlose und sogar denkhemmende Auffassung des Begriffes Ideologie – zumal für den Bereich politischer Ideologien, aber selbstverständlich lässt sich mit diesem begrifflichen Kunstgriff, auf den Sie vermutlich abheben wollen, alles (wirklich: alles!) grundsätzliche Nachdenken über die Nachteilige politischer Ideologisierung aushebeln.
      .
      Wer Begriffe aber gezielt so einsetzt (hier: den Begriff politischer Ideologien), zumal gegen jede umgangssprachliche und ausreichend allgemeine Bedeutung, dass damit das grundsätzliche Nachdenken erschwert oder gar unmöglich gemacht wird, der handelt meines Erachtens sogar anti-philosophisch: Denn jede gute Philosophie besteht aus nützlichen/hilfreichen grundsätzlichen Überlegungen.
      .
      Was ganz nebenbei meine Kritik an (rund 80 Prozent – nicht alles ist übel) der gegenwärtigen Philosophie zum Ausdruck bringt. Kurzum: Ihre überwältigende Nutzlosigkeit. In der daraus abgeleiteten Verachtung (tatsächlich: denn ich hasse schlampiges, irrlichterndes Denken) verachte ich auch all jene „Philosophen“, welche Begriffe entgegen ihrer tatsächlichen bzw. umgangssprachlichen Bedeutung ins Nutzlose verbiegen.
      .
      Auch wenn ich den sophistischen Spaß, der mit derlei Sprachtun verbunden ist, durchaus respektiere. Es kommt, auf die eine oder andere Weise, jedoch am Ende doch nur ein Anatol Stefanowitsch heraus, der geistig taub geworden, kein Empfinden für die Mängel seines Denkens hat, keine Begabung mehr zur Selbstkritik, und, was am schlimmsten wiegt, eigentlich nicht mehr dialogfähig ist.
      .
      Diese Unfähigkeit zum Dialog (oft ein Ergebnis von: Filterbubble!), z.B. mit gesellschaftlichen Mehrheiten, ist auch einer der Gründe, warum ich die Piratenpartei vor ideologisch extremistischen Vertretern warne, und zwar umso mehr, je stärke diese hordenförmig auftreten und inner halb der Partei als Machtfaktor agieren.
      .
      Mit diesen Leuten befördert sich die Piratenpartei ins politische Aus. Das kann sogar bedeuten: Aus und vorbei. Parteispaltung. Denn Kompromisse: Genau das vermögen Extremisten ja nun besonders schlecht. Mit politischen Extremisten ist weder ein Staat zu machen, noch eine Partei, welche in der Gesellschaft als gestaltende Kraft wirken möchte.

  6. Die Filterbubble namens Stützen der Gesellschaft
    Ich lese Ihre Artikel gern, werter Don.
    Dabei ist mir aber nicht entgangen – und Sie bestätigen es selbst -, dass hier nicht jeder Kommentar freigeschaltet wird, sondern dass Sie das vorher begutachten (ergo filtern).
    Und natürlich gibt es hier eine Kernszene von Kommentator/innen, die sehr gerne dem Glanze Don’scher Sprachgewandtheit die eigenen Bonmots hinzufügen.
    Fertig ist die Blase, oder nicht?

    Ansonsten merke ich, dass Ihr Abarbeiten an speziellen Hauptstadtmilieus mich als Unbeteiligten ermüdet.
    Wenn es da nicht um Deutungshoheit, sondern um Aufklärung im Diskurs ginge, würden die Beteiligten sich wechselseitig in den jeweiligen Blogs austauschen anstatt nur in ihrem jeweils eigenen Blog über den oder die anderen herzuziehen. Und ja, damit sind auch Sie gemeint, lieber Don Alphonso.

    Mit respektvollen Grüßen,
    Wolfram Jäger

    • Einerseits: Dass ich hier Kommentare vorher lesen muss, ist von der FAZ so vorgegeben, Ich habe da eine andere Auffassung, aber das ist nun mal in diesem Rahmen so.

      Andererseits: Löschen tue ich nur ganz, ganz selten, viel seltener, als es hier sonst üblich ist, Der letzte Bitcoim-Beitrag war eine Ausnahme, da wurde der Angriff von extern geateuert, was mich nicht wundert, wenn ich mir anschaue, um wen und was es da gibg. In solchen Fällen greife ich tatsächlich durch, aber das ist wirklich selten.

      Ansonsten habe ich kein Problem damit, andere Meinungen zu lesen, nur will ich auf meinem Blog einen gesitteten Umgang miteinander.

    • PirantiFa: kurz erklärt
      Wer sich vor dem Hintergrund einer PirantiFa-Filterbubble fragt, was das Ganze überhaupt soll, wie das funktioniert, und überhaupt, was das ist, PirantiFa:
      .
      https://www.youtube.com/watch?v=wxDCWk6W1ug
      .
      Leicht zu erkennen, dass derlei Betriebsamkeit für eine Bürgerrechtspartei, äh, echt toll ist.

  7. Bailey Button UGGs omvrt
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  8. Vielleicht hülfe
    hin- u. wieder ein wenig offene Musik, aus offenen Säälen? Unsere unendliche Toleranz die Mutter aller Vereinshäuser? Ok, begrenzt unendlich.

    http://www.youtube.com/watch?v=GMc7RhA4t4c

    Dialektik halt, die nahezu perfekte Kunst als Balancierstange, von bescheidenen Bürgern schweigend-still gemeinsam erkannt.

  9. Titel eingeben
    ich denke, dass viel an diesem Medium ‚Twitter‘ liegt. Es ist einfach nicht diskursfreundlich und steht für eine kurzatmige Hatz nach Aktualität und Bedeutung. Es mag ja sein, dass man den Inhalt mancher Doktorarbeit in einer Twitternachricht unterbringt, was in der Regel an der Arbeit liegen wird, umgekehrt bringen die paar Zeichen aber nie einen halbwegs duchdachten Gedanken rüber.

    • Es gibt durchaus gute Gedanken, für die 144 Zeichen genügen
      Text eingeben

    • Titel eingeben
      Mag sein. Ich habe so meine Zweifel, ob Twitter zum Austausch von Aphorismen benutzt wird. Es fördert doch eher Denken und Kommunizieren in ‚Schlagzeilen‘, gelegentlich offenbar auch im Wortsinn.

  10. Dieses Land hätte womöglich hier viel mehr zu verlieren - und wäre schon dabei - als anderswo zu
    „Gilbert-Sandblech“, irgendwo am Nordrand des Ruhrgebiets – oder: Ein Beispiel aus dem Bereich der weiten Vielfalt. Eines, welches eben so männlich-uranlagegemäß wunderschön eine „freie Engführung“ aufwiese – uns aber trotzdem alle gerne teilhaben ließe, nichts ausschlöße, nichts dominieren wollte:

    Man sehe in Ruhe, vielleicht ein zwar relativ antipodisches aber womöglich eben doch fast perfektes Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=Vm4j2VY0UD4

    Und man könnte auch versucht sein quasi psychologisch-ingenieurmässig mit Begriffen aus der Welt der Regelungstechnik zu operieren: Ein Mann stellt in sich einen Unterschied zwischen „soll“ und „ist“ fest, die Größe der zu konstatierenden inneren Abweichung korrespondierte mit einer gesunden seelischen Kraft, welche eben ausgleichend zu wirken beabsichtigte, weil wir Menschen nach den vorliegenden, auf uns überkommene Pläne so konstruiert wären – und so handelt er nach abgeschlossener Reflexion und Überlegung plangemäss.

    Und wie er das tut, nämlich absolut natürlich, gelassen, frei, unbehelligt, unbedrängt, souverän und wunschgemäß, das also gälte es durch diese Zeit zu – verlieren?

    Ein ähnlich erfolgreicher Mann wie andere übrigens, dessen späteren Videos auf „Tube“ – von Reiseabenteuern nach Abschluss aller Arbeiten – teils von 20-30T Leuten angesehen wurden – welches der gut informierten Werbeindustrie nicht unbemerkt bliebt.

    Wie es aussehen könnte, wenn einer einfach frei schaffte – ein abgeschlossener Hof im irgendwo, aber keine „Filterbubble“ – und sicherlich alles jenseits von Selbstentfremdung: http://www.youtube.com/watch?v=8-2vFgA8WpY

    Dieses Land hätte so viel zu verlieren – und ahnte es noch kaum?

  11. Ganz kurz:
    Auf Twitter gibt es Leute, die sehr wenigen oder auch ueberhaupt keinem folgen.
    Putin folgt nur einem, Chuck Norris keinem und das ist wirklich die absolute Haerte.

    Unser @Pontifex_de folgt genau acht anderen Pontifex-Avataren. Klone seiner selbst sozusagen! What the hell…?

    Mir persoenlich gefallen Putin´s Twittermeldungen ausserordentlich. „We are together.“ So ist es.

    Ein weiterer Zwitscherer, „Unser groesster Wichtigtuer in der EU“ mit 81 Millionen Followern, mithin 10 Millionen mehr als Putin, gluckt:
    „@MartinSchulz 14 de mar
    Habe sofort nach Wahl zu Spitzenkandidat auch bei Social Media für klare Trennung zw Funktion EP-Präsident u Spitzenkandidat gesorgt. 1/2“
    Bombastisch.

    PS:
    Ich bekenne offen, also nicht verdeckt, dass ich die letzte Zeit ganz gerne die Post von Wagner lese. Die hat sowas Twitterhaftes.

    „„I am God“, hast Du auf Deine Brust gepinselt. Du hast nur einen Slip an. Der Kardinal wird an diesem Tag 80.“

    „Gorbi hat uns die Hand gereicht. Ein Russe. Der Russe ist ein Mensch wie wir.“

    „Sie sind wie eine Cousine, die keinen Mann bekommen hat. Wahrscheinlich essen Sie gerne Ziegenkäse.“

    Das war´s.
    LG
    J.F.

  12. Filtermethoden für Weicheier
    Der Autor hat sich wohl nicht richtig recherchiert. Die genannten Filter-, Hetz- und Terromethoden sind doch für Weicheier und nehmen Twitterkleinkinder schon mit der Muttemilch auf.

    Richtig faschistisch-professionell beginnt die Hetz erst dann, wenn der Anwalt eingeschaltet wird!

  13. Der Humor scheint Ihnen vergangen
    Wenn ich ehrlich bin, lieber Don Alphonso, habe ich den Eindruck, dass Ihnen vor einiger Zeit (ich weiß nicht wann) der Humor vergangen ist. Das finde ich bedauerlich, weil das Ihr Markenzeichen war. Es hat mir gefallen, wie Sie den „Klassenkampf von oben“ inszeniert haben, um „denen da unten“ eine Handlungsmaxime ans Herz zu legen, die der „herrschenden Klasse“ abgeguckt scheint. Denn das fehlt diesen („da unten“ also uns allen) in aller Regel – ein wenig Skrupellosigkeit. Die Masse ist so furchtbar anständig. Ihre Fehde mit den „Linksextremen“ der Piratenpartei (mich hat das nie überzeugt, dass das wirklich Linksextreme sind; zumal das eine Zuschreibung der Herrschenden ist: ich selber bin Marxist und gelte daher vermutlich auch als Linksextremer) jedenfalls zerstört Ihr anarchistisches Image, das Ihnen doch ganz gut steht. Also was ist los? So wichtig ist diese Partei doch gar nicht, oder etwa doch?

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