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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Wir misstrauen uns zu Tode

| 54 Lesermeinungen

Häuser verpixeln, Deaktivieren von Ortungsdiensten, Recht auf Vergessen. Sind das Siege gegen Datenkraken und Überwachung oder Nägel in den eigenen Sarg? Warum Bewusstsein besser hilft als Verbote...

Heute war einer jener Tage, an denen eine Telefonkonferenz die nächste jagte und sich die Arbeit zwischendurch ständig Gehör verschaffte: Zur Zeit analysiere ich Netzwerkverbindungen und versuche, das Kommunikationsverhalten einiger modernen Smartphones zu verstehen. Zusammen mit Kollegen arbeite ich in einem Projekt für einen Kunden, den interessiert, wie sich die vier größten Mobilgeräteplattformen der Zeit verhalten, welche Daten sie wann und wie oft wohin transportieren, ohne dass der Nutzer eines Mobiltelefons dieses merkt. Der Kunde hat dafür eine stattliche Summe investiert, so dass wir praktische Tests durchführen und gleichzeitig auch Dokumente lesen, die man sonst eigentlich meidet: Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Dabei ist die Kunst, unklare Formulierungen zu finden und zu überlegen, welche Freiräume sich der Autor dieser Richtlinien lässt, um im Zweifelsfall auf die Daten des Anwenders zuzugreifen und diese gegen dessen Willen zu analysieren oder anderweitig zu nutzen. Bei 25 Grad Celsius fällt die Konzentration schwer und mehr als einmal träumte ich mich in ein Café – denn lesen kann man diese Dokumente schließlich überall – wie ich es erinnere:

Das Café am Grün nennt man selten bei seinem offiziellen Namen, mit dem man es beispielsweise im Telefonbuch einer kleinen hessischen Stadt finden kann. In der Umgangssprache trägt das Café den Namen der angeschlossenen Buchhandlung und heißt Roter Stern. Es liegt direkt hinter dem Buchgeschäft am Ufer des Flusses, der die Stadt durchzieht, und wird von einem Kollektiv betrieben, das zum Großteil noch aus den Menschen besteht, die ich von meiner Studienzeit kenne und die sich selbst vielleicht noch an mein Gesicht erinnern. Weil man sich kennt und vertraut, zahlen viele ihre Getränke nicht gleich, sondern beim Gehen. Das erfordert, weil an der Kasse nicht Buch geführt wird, dass sich jeder an seinen Konsum erinnert. Etliche Seiten in meinen Notizbüchern aus dieser Zeit sind gefüllt mit Strichlisten.

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Einmal in all diesen Jahren habe ich das Zahlen vergessen: Nicht ein Getränk, sondern für den gesamten Tag; ich bin gedankenverloren nach Hause gegangen und irgendwann in der Nacht fiel es mir auf. Und am nächsten Tag sprach mich die Eine vom Team, die wieder da war, darauf an. Sicher, ich hätte mich dumm stellen, ich hätte trotz meiner Strichliste die Hälfte der Getränke verschweigen können, aber so funktioniert der Rote Stern nicht und so funktionieren nicht seine Gäste. Natürlich war es gar kein Problem, wir haben später noch darüber gelacht. So funktioniert dieses Café, an das ich mich träume an Tagen wie diesen.

Ich arbeite im Bereich der IT-Sicherheit. Dort besteht meine Aufgabe darin, ständig zu misstrauen, zu überlegen, welche Angriffsmöglichkeiten es auf die Systeme und Daten der anderen gibt. Mein Job besteht darin, acht Stunden am Tag das Gegenteil dessen zu tun, weshalb ich den Roten Stern schätze. Und zu hoffen, das dies ohne Folge bleibt… Ich habe mir einige Gedanken gemacht, ob sich mein Bild der Menschen und der Gesellschaft geändert hat über die letzten drei Jahre. Ich kann das nicht mit Sicherheit sagen, ich kann nur beschreiben, was ich seit vielleicht letztem Jahr merke.

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Als letztens die neue ortsbasierte App Swarm von Foursquare veröffentlicht wurde, dauerte es keine fünf Minuten, bis bei Twitter jemand auf die Privatsphäreeinstellungen der App hinwies inklusive Screenshot seiner Einstellungen, in der das Teilen der Ortsinformation unterbunden wurde. Swarm tritt in gewisser Weise die Nachfolge des vor längerer Zeit eingestellten Google Latitude an, das es Benutzern in Echtzeit erlaubt, den eigenen Standort zu veröffentlichen und so von anderen Nutzern gefunden zu werden. Es ist ersichtlich, warum diese App daher ständig den eigenen Standort bestimmen und auf den Servern der Betreiber veröffentlichen will. Erlaubt dies niemand, kommt das System zum Erliegen und die App kann nicht funktionieren.

Dabei scheint die Standardstrategie zu sein, wenn man ein System nicht versteht und benutzt: Erst einmal blockieren! Und das macht aus Sicherheitssicht perfekten Sinn. Und Sicherheitseloquente freuen sich diebisch ob des eigenen Coups, wenn damit gute Ansätze schon im Keim erstickt werden: Wieder eine mögliche Innovation versenkt! Dabei ist es so, dass viele Technologien ihren Sinn erst enthüllen, wenn man sich als Anwender darauf einlässt und sie benutzt. Diese Möglichkeit nehme ich mir als Nutzer natürlich selbst, wenn ich all die Funktionalität deaktiviere, die sie unterscheidet von bereits Bekanntem. Wir wollen die neue Technologie nicht, denn wir sind unsere Eltern, und werden so zu Personen, denen selbst niemand mehr traut.

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Aus meinem Nebenfachstudium der Medienwissenschaften habe ich die Aussage im Kopf, dass es mindestens eine Generation dauert, bis die Menschen ein Medium und seine Möglichkeiten ausnutzen. Die vorhergehende Generation verwendet das Medium auf jene Weise, die es bereits von älteren Medien kennt. (Falls jemand die Quelle dieser Theorie kennt, würde ich mich sehr über einen Hinweis freuen und reiche die Quelle an dieser Stelle gerne nach.) Im Falle des Fernsehens zum Beispiel war das so: Das Radio als Vorläufer des Fernsehens bot eine unidirektionale Kommunikation. Mit dem Aufkommen des Fernsehens hat sich dahingehend nicht viel geändert, zu der Audio- kam nun auch noch die visuelle Ebene. Vom Prinzip her fanden sich stets Individuen auf der Senderseite, die von anderen Individuen auf der Empfängerseite wahrgenommen wurden. Hierdurch wurde Wissenstransfer ermöglicht oder in späterer Zeit der Voyeurismus mit drittklassigen Fernsehprogrammen befriedigt, indem diese einen Blick in das Leben Sendungswilliger erlaubten. Das Web 2.0 ist die Emanzipation von den festen Sender- und Empfängerstrukturen, denn ohne viel Aufwand kann jeder heutzutage einen Blick in sein Leben gewähren. Zum Beispiel mit einer unter anderem am MIT entwickelten App, in der man zwanzig Tage lang seinen Ort, seine Aktivitäten und seinen Tagesablauf mit einer anderen, unbekannten Person austauscht. Das Web 2.0 wird jedoch nur von einer digitalen Avantgarde exzessiv benutzt. Der Großteil unserer Generation ist noch immer dem Fernsehen verhaftet und experimentiert gerade mit der Anwendung jener neuen Technologien in Form des Second Screen, einem Versuch, die Unidirektionalität des Fernsehens weiter aufzulösen, diesem Medium aber weiter zu nutzen. Eine Evolution, wie man sagt, keine Revolution.

Man findet viel über mich im Internet und man findet einiges nicht. Schon zu meiner Schulzeit wurde die Entwicklung von Medienkompetenz angemahnt. Heute ist es elementar, dass Internetnutzer verstehen, dass Informationen, die veröffentlich wurden, dort sind und sich nicht mehr kontrollieren lassen. Dagegen hilft auch der Löschzwang nicht, den europäische Datenschützer gegenüber Google durchgesetzt und sich dafür einen Orden aufs Revers geheftet haben. Ich finde das Urteil auch nicht in diesem Sinne dramatisch, dass nun die manchmal postulierte Post-Privacy-Vision gewaltsam unterdrückt werden soll. Nur wird sich nichts ändern: Harmlose bei Facebook und Google veröffentlichte Informationen können aus den Suchergebnissen verschwinden (wie sie es heute schon tun), legt es ein Webseitenbetreiber jedoch darauf an, stehen die Server mit den Informationen eben nicht im Einflussbereich westlicher Regierungen und Gerichte, von denen wir hier gerade sprechen, sondern auf einer Inselgruppe fernab jedweder Jurisprudenz. Und diese Informationen bleiben auffindbar in den für sie bestimmten Kreisen. Und es hilft nicht, dieses Medium nicht zu nutzen; dann versteht man es nicht. Der einzige Weg ist das bewusste Veröffentlichen von Daten, zu unterscheiden, welche Daten im Web 2.0 unproblematisch sind und welche man besser nirgends publiziert.

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»Der deutsche Datenschutz als Standortvorteil« krakeelen jetzt Verkäufer und Politiker suchen den nächsten öffentlichkeitswirksamen Coup. Welchen Suchkatalog kann man als Nächsten zensieren, wie man damals Google Streetview verpixelt in Ketten gelegt hat?! Und wir starten Petitionen von unserem GMail-Account und wir rufen Freunde an mit unserem Android-Handy, denn wir glauben unsere Freiheit bedroht. Und als Generation Fernsehen verstehen wir nicht, wie symptomatisch das ist.

Wir sind unsere Eltern. Und wir sollten es dringend nicht sein.

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54 Lesermeinungen

  1. Bewusstsein...was ist das?
    Be-wusst-sein oder Be-weise-sein, Geist reif sein?!

    “Be”=Das Geist-Sein…das Mensch-Sein…das Personsein!
    Human…Menschheit…Personalunionsein!

    “wusst”= ?…wissen?…Ge(ist)-wissen-los?”…Geist unreif, unrund. “Schreihalsgeist”.

    “weise”= Vernunftwissen…Vernunftkenntnis…Vernunft-Geist-E”R”(und)-Kenntnis.

    “sein”=”(s)ein(s)”ehen…einsichtig handeln…Geist reif, rund. “Dialoggeist”.

    Beruht Ihre Bewußtseinforderung auf den von mir beschriebenen Zusammenhang
    mit Vernunft oder welche Basis, hat Ihr Bewußtseinbeitrag?

    Vernunft bedeutet bescheidenes Maß halten.
    Welches Maß haben Sie gewählt? Bescheidenheit und Dialoggeist kann ich nicht erkennen.

    Viele Menschen wissen genau wer und wie die anderen Menschen sind, wie sie sein sollten und was sie dazu brauchen.
    Dabei wissen die Meisten noch nicht einmal wer und wie sie selbst sind und was sie selbst brauchen.

    Wie soll der eigene Geist in Ruhe zur Vernunft reifen, wenn er sich, ständig unruhig,
    ausschließlich mit dem Leben anderer Menschen in und als Gesellschaft beschäftigt?

  2. Hm
    Die Kernthese (?), dass alles Teufelszeug sei, das man nicht versteht und man somit wie seine Eltern sei, ist halbwegs populärwissenschaftlich plausibel aber empirisch denoch nur mit “kommt darauf an” verifizierbar.
    Auch vermag ich ich den evolutionären Vorteil nicht zu erkennen, auf Twitter etc. zu erzählen, was man im Moment so treibt, sei es ein Marmeladenbrot zu goutieren, sei es neue Galaxien entdeckt zu haben, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und ich bin nun wirklich nicht altmodisch.
    Philosophisch kruder Text, deren Erkenntniswert gegen Null tendiert, deren Sinn sich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht erschließt und den ich innerlich in der Rubrik ein Kessel Buntes ablege.
    Second Screen, MIT, digitale Avantgarde, Unidirektionalität und dies und das und jenes.

    • Titel eingeben
      Bei Twitter Bilder eines Marmeladenbrots zu veröffentlichen, gehört zum Ausprobieren dazu. Wahrscheinlich ist dies aber nicht der Hauptnutzen, der vielen verschlossen bleibt. Denn läge er offen dar, dann wäre es wahrscheinlich kein neues Medium in dem Sinne, dass wir erst damit lernen müssen, umzugehen (und das mindestens eine Generation dauert). Dass wir diesen Sinn nicht erkennen (können), behaupte ich ja gerade, und da widersprechen Sie mir nicht.

      Und meine Aussage ist sicher nicht, dass man sich von dieser neuen Technologie fern halten sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Und man sollte nicht in die Falle tappen, sich selbst als versiert zu bezeichnen.

    • -
      “dessen”, nicht “deren”, die deutschen Artikel bereiten mir immer noch Probleme. Pardon.

      Ah okay, es ging Ihnen um die Versiertheit. Gut, das ist ein Punkt. Im weiteren Sinne also against Klicki-Bunti, sozusagen. Ja, da bin ich Ihrer Meinung.

    • Nicht altmodisch?
      Wer meint, er sei nicht altmodisch, isses erst recht.

  3. Vertrauen vs. Mißtrauen
    Natrülich wäre es wunderbar, wenn ich jede mich interessierende App durch einen kompetenten App-TÜV prüfen lassen könnte. Genau deshalb, Herr Fallenbeck, bezahlt Ihr Kunde Ihnen doch einen so hohen Aufwand, oder? Dass wir nicht so werden woll(t)en wie unsere Eltern: geschenkt. Aber heutzuitage ist auch außerhalb paranoider Sicherheitsexpertenzirkel ein gesundes Mißtrauen angebracht, aus meiner Sicht sogar über-lebensnotwendig. Insofern finde ich Ihren Text mindestens widersprüchlich.

    • Titel eingeben
      Genau deshalb tut er das. Und ja: Man sollte einiges dafür tun, den Standard zu erhöhen, den Zugriff auf private Daten auszuschließen, dem Nutzer die Wahl geben zu entscheiden, was mit seinen Daten passiert. Aber man sollte – so lange dieses Niveau nicht der eigenen Erwartung entspricht, denn im Zweifelsfall wird es das nie – den Fehler nicht machen, die Technologie nicht zu nutzen, deshalb nicht zu verstehen und dennoch darüber zu urteilen.

      Kritische Nutzer: Das ist wichtig. Nutzer, die verstehen, was passiert, wo die Probleme liegen und wie man sie löst. Aber eben Nutzer und nicht Verweigerer.

    • Vielleicht will Ihr Kunde ja eine "Vertrauensstruktur" aufbauen,
      aber die Sicherheitsstandards (wenn es sie denn gibt) von Apps und die Sicherheitsstandards von Autos oder Toastern werden derzeit noch auf sehr unterschiedliche Weise erzeugt: Bei der App muss ich mich auf – pardon – “anonyme Mächte” verlassen, bei Autos und Toastern (nur als Beispiele) gibt es reale Gesetze, Behörden, TÜVs. Ist das schon “elternhaft”, wenn ich Apps verlange, die sich transparent “benehmen” und denen ich auch auf die Finger klopfen kann, ohne dass sie gleich “beleidigt” den Betrieb einstellen? Ich bin schon im fortgeschrittenen Alter, und ich nutze gerne Apps und anderen “Schnickschnack”, wenn ich halbwegs sicher sein kann, dass mir nicht, während ich “vorne” spiele, “hinten” meine Daten oder was auch immer “geklaut” wird. Ist das schon Verweigerung?

    • Titel eingeben
      Wenn sie Apps nutzen, dann ist das keine Verweigerung. Gerade im Bereich App (und auch Cloud übrigens) ist das Bedürfnis nach einem ,,TÜV” (um das mal salopp auszudrücken) durchaus hoch. Toaster und Autos gibt es nun aber schon ein wenig länger als Apps.
      Wir stolpern uns empor. Es wird besser, aber es kann noch etwas dauern.

      Wenn Sie Apps verwenden, müssen Sie schließlich Menschen vertrauen. Und warum diese Menschen alles daran setzen, aus ihren Daten entweder Geld oder Informationen zu gewinnen, kann man einmal an anderer Stelle diskutieren.

  4. Dieses programmatische "Wir"...
    mag ich gar nicht. Wer ist “Wir”. Alle in der Wir-Haft?
    Dat Sibyllchen (Sibylle Berg) blubbert auch gern mit dem “Wir”. Das regt immer so hübsch auf, weil sich dann jeder gemeint fühlt. Und es auch so beabsichtigt ist.

    Zum Inhalt:
    Google-Streetview zu bremsen, war GOLDrichtig.

    Wenn das Verpixeln-Verbieten einer von gmail und Android aus tut, hat er halt eben den Gong noch nicht gehört, was er da eigentlich mit wem treibt.

    Dass Entwicklungen – derzeit das hohe Misstrauen gegen Datenmissbrauch – gerne höher schwappen und sich erst einpendeln müssen, dürfte aber auch klar sein. Ich verstehe das Misstrauen trotzdem sehr gut.

    Dass Verkäufer aus dem Nullservice Datenbremserey jetzt einen Verkaufs-Benefit zimmern, wer wollte ihnen das verdenken. In gesättigten Märkten sind viele froh, überhaupt irgendeinen Benefit zu finden, der das eigene Produkt gegenüber einem anderen auch nur irgendwie auszeichnet. Es wäre eher Zeit darüber nachzudenken, ob man nicht besser endlich mit dem humanistischen Verbrämen des Internets aufhört und es sachlich kühl als das betrachtet, was es – ursprünglich militärisch konzipiert als eindeutig identifizierter Fachaustausch wer mit wem – geworden ist: eine semi-anonyme Verkaufszone mit ein bisschen Beifang Unterhaltung, Wissen und Billig-Recherche. Mitohne Gewähr für den darob traurigen Sicherheitspantoffel-Liebhaber.

    Zum Misstrauen und wie es lähmen kann zwei Anekdoten aus “Kunden aus der Hölle”:

    “Ich: „… Super, dann schicken Sie mir bitte Ihre Postadresse, damit ich Ihnen ein Angebot zusenden kann.“
    Kunde: „Da man heutzutage schnell Opfer eines unseriösen Geschäftes wird, werde ich als Künstler und Musiker mich stets weigern, meine persönlichen Daten freizugeben!“
    Ich: „Oh … äh … aber Sie haben doch ein schriftliches Angebot für Ihren Internetauftritt angefragt, dafür bräuchten wir Ihre Anschrift.“
    Kunde: „Solche sensiblen Daten gebe ich nicht frei!“

    -/-

    “Kunde: „So, wie von Ihnen vorgeschlagen, funktioniert das nicht, das würde gravierend gegen unsere Sicherheitsvorschriften verstoßen!“
    Ich: „Oh, das war uns nicht bewusst. Wir wussten gar nicht, dass Sie so etwas haben. Wie lauten denn Ihre Sicherheitsvorschriften?“
    Kunde: „Das darf ich Ihnen nicht sagen, das würde gegen unsere Sicherheitsvorschriften verstoßen.“
    Ich: „…“

    -/-

    Jetzt abba ab ins Café, die Sonne scheint, was mache ich eigentlich hier.

    • Schöne zwei Beispiele
      aber dem Rest widerspreche ich. Ich nehme mit dem Wir auch Sie in Sippenhaft: Wir sind eine Generation.
      Das vorweg geschickt, geht es mir auch gar nicht darum, Sie zu ärgern, sondern das Beste aus der Situation zu machen. ;-)

      Wegen Google Streetview können wir uns streiten. Ich sehe den Sinn in verpixelten Häusern nicht, ja: Ich ärgere mich sogar manchmal, wenn ich so einen Pixelbrei in meinem Browser habe.
      Ich finde, wir (ja, auch Sie!) sollten uns einmal entspannen.
      Alles wird gut.

  5. Das www ist doch nicht "Der rote Stern" ?
    In dem Moment, in dem man es mit 100 Menschen zu tun hat, kann man davon ausgehen, das 1-2 Nasen dazwischen sitzen, die richtig merkwürdige Vorstellungen haben. Und im www fällt die soziale Kontrolle, die in so einem überschaubaren Bereich wie einem Café greift, unter den Tisch.

    Also, mein völlig subjektiver Eindruck ist, das die Post-Provacy-Idealisten gerade ziemlich über ihre eigenen Füße stolpern, dank steinalten Erscheinungen wie Gruppendynamik.

    Und wirklich, bevor man hingeht und “irgend etwas neues” ausprobiert, sollte man klar haben, das man schlimmstenfalls in der Lage sein muss, gut improvisieren zu können.

    Spontan eingeschätzt, würde ich sagen, man benötigt mindestens entweder gutes technisches know-how, alternativ, belastbare finanzielle Ressourcen oder eine gute Einbindung in eine Gruppe, in der man auf derlei zugreifen kann, um sich *leisten zu können*, online übermütig zu werden.

    Von wem stammt noch das Zitat, das man in der eigenen Gegenwart immer blind ist?
    Im Moment sehe ich keine Lösung für Probleme wie Geheimdienste mit chronischem Messie-Syndrom. Frau Bücker – eine andere Autorin hier – ist schon auf das Problem von ziemlich eigenwilligen Online-Dynamiken eingegangen.
    Insofern kann ich übergroße Vorsicht gerade jetzt wirklich ziemlich gut verstehen.

    • Genauso sehe ich das auch:
      1-2 Nasen sind immer dabei, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und persönliches offline-Leben ist immer noch das Beste aus den zwei Welten.

      Niels widerspreche ich deutlich.

    • @Moritz
      Vielleicht auch einfach eine Frage von halbwegs vernünftiger Balance?

      Ich kann mich an einige Projekte/Situationen – on- wie offline erinnern, bei denen ich rückblickend denke – da schau an, kaum zu glauben, eindeutig besser gelaufen als erwartet.
      Und gerade was das online-Leben angeht, würden mir die anderen 98 Nasen, über die ich offline mit Sicherheit nicht gestolpert wäre, ziemlich fehlen.

      Wo ich dem Herrn Fallenbeck auch mit Nachdruck widerspreche, sind irgend welche überhöhte Erwartungen an neue Apps oder dergleichen.
      ‘s sind ja immer noch Menschen, die davor sitzen, also auch genau dieselben Probleme, mit denen Menschen sich schon sehr viel länger als erst seit dem www herumplagen.
      “Nur” halt im neuen Gewand und in anderen Größenordnungen.

    • Ja, es sind immer noch Menschen, die davor sitzen ...
      …doch sie verändern sich in Blogs und Foren dank ihrer von ihnen vollkommen unberechtigt gefühlten Geschütztheit der Persona (wie im Fahrgastraum eines Autos) angelegentlich zum Schlechteren des Besseren. Will sagen, das Internet enthemmt, wie das Innere des geschützten Mutterbauchs des Autos Mobiles, um zu rasen und unerkannt zu pöbeln. Viele tippen schneller, als sie denken können.

      Soziale Kontrolle kann ja manchmal als Hemmnis empfunden werden und tatsächlich eines sein – Kater Moritz stammt daselbst aus der Provinz und weiß wovon er miaut), doch das gänzliche Fehlen sozialer Kontolle und des regionalen Zusammenhalts kann es auch nicht sein. Aber das ist das Internet: Kontrolle gibbet es schon, aber eher von oben, von den Aggregatoren und der NSA. Zusammenhalt? Tendenziell bis ordentlich weniger als im Regionalen des Offline-Lebens.

      Wenig attraktiv diese Gemengelage aus Abgehörtwerden und Blessuren von sozial Enthemmten oder Abzockern einstecken müssen. Das führt zu Misstrauen und zu Gated Communities. Oder zum ganz Rausgehen. Der “normale” Einzelne ist ein material girl: vorwiegend zum Shoppen im Netz, dann surft er marginal noch ein bisschen Umsonst-Nachrichten oder ob seine Freunde im Facebook wissen, wann die Kneipe in der besuchten Stadt aufmacht. Wenn er das nicht gleich selbst ersurft. Das Internet als Hort der echten Freundschaften und der echten vertrauensvollen Teilnahme ist völlig überschätzt.

      Dass der eine oder andere IT-Projektpartner auch im Netz wundervoll ist und konstruktiv – keine Frage.
      Mir kommt es vor, als wenn das was der Mensch nicht körperlich anfassen kann, den meisten immer ein wenig problematisch sein wird: es überfordert seelisch.

      Zur Zeit also eher negativ gestimmt, was das betrifft. Menschen brauchen Zeit für neue Dinge.
      Aber die NSA, so wie sie sich derzeit aufführt, braucht kein Mensch, auch nicht in der Zukunft.

      Gruß
      der Kater

    • Titel eingeben
      Ach, was heißt denn Erwartungen.
      Ich finde es nur spannend zu sehen, was passiert und wie Ideen, auf die ich vielleicht selbst nie gekommen wäre, funktionieren. Und ich hoffe, dass viele diese App ausprobieren werden – denn nur so kann Spannendes entstehen.

    • 20 day stranger
      @Moritz – jupp, in weiten Teilen Zustimmung, wobei ich das vielleicht nicht ganz so negativ einschätze. Gerade die Gated Communities im Netz können doch ganz hübsch funktionieren, denke ich. (Die FAZ Blogs zähle ich mal mit dazu.) Gut, klar, zu echter Freundschaft gehört sehr viel mehr, aber das muss es ja auch gar nicht immer gleich sein.
      Manchmal reicht mir da ein “gut zu wissen, das es noch so jemanden gibt” genau so wie ein “ok, bis auf weiteres wertneutral, aber immerhin Erkenntnisgewinn”.

      @Nils Fallenbeck – wirklich mit Einschränkung. So etwas wie diese App ist einfach nicht für jeden gut.
      Bei jemandem wie Ihnen (also, mit Ihrem Ausbildungshintergrund) hätte ich keine Bedenken, aber das besagte 1-2-Nasen-Problem kann sich schlicht nicht jeder *leisten* zu ignorieren.

      Und momentan – na, die Kanzlerin mit ihrem Neuland hat eigentlich gesagt, bis auf weiteres, muss man sich halt irgendwie selbst helfen. Die Exekutive hat, meine ich, in den letzten paar Tagen einige Häuser von Menschen durchsucht, die eventuell genau das zu tun versucht haben. (black shades heißt glaube ich das Programm, dessen Erwerb dann wohl illegal ist).

      Mit anderen Worten, je nun, die Situation ist gerade wirklich eigenwillig genug. Echte Experimente sind, denke ich, bis auf weiteres nur für Menschen mit vernünftigen Netzen.

  6. Verbote?
    Verbote?
    Wenn ich mich dagegen in der einzigen Art wehre, die mir zur Verfügung steht, bei Googles Abfilmen meines Hauses, so kann man das eine hilflose Notwehrhandlung nennen, aber nicht “Verbot”. Verbieten tun immer die, die die Macht haben.
    Auch wenn ich mich verweigere, sogenannte “soziale Netzwerke” zu benutzen, weil das nur Sammelstellen für private Daten (und der Bereicherung daran durch amerikanische Firmen) sind, ist das auch kein “Verbot”, das ich ausspreche.
    Wenn ich statt Google “ixquick” nutze und mich auch bei YouTube nicht anmelde, ist das alles kein “Verbot” sondern die logische Entscheidung eines denkenden Menschen.
    Wenn ich “Twitter” nicht nutze, dann nicht weil ich’s “verbiete” sondern weil’s in meinen Augen debiler Kinderkram ist; meinem Alter nicht angemessen; ich hör’ ja auch nicht die Musik der “Kelly Family” oder was immer heute bei 13jährigen angesagt ist.
    Und ich hab’ auch kein Taschentelefon, hatte noch nie eins. Erstens weil ich kein’s brauche (ich muss nicht wie ein Domestik permanent erreichbar sein) und zweitens weil ich beim Spazierengehen oder in Bahn und Bus all diese Leute sehe, die so ein Ding … und S O möchte ich nicht werden.
    Ansonsten bin ich ganz normal.

    • Titel eingeben
      Also kurz: Sie sind völlig unnormal. :-)

      Wissen Sie, was ich sage ist ja: Natürlich wird man den Sinn von Twitter nicht verstehen, wenn man es nicht nutzt. Das bezieht sich auf alle modernen Technologien.
      (Das Twitter ausschließlich Kinderkram ist, sehe ich anders.)

      Und dieses Argument ,,das Neue brauche ich nicht” sagen ja immer relativ viele, vor fünfzehn Jahren zum Beispiel über das Mobiltelefon, die heute dennoch eines besitzen.
      Davon abgesehen wird nach dieser Übererreichbarkeit in den letzten Jahren wahrscheinlich ein Trend auftreten hin zum Offlinesein, weil mancher merkt, dass die ständige Erreichbarkeit nicht für jedem gut ist.

    • Verweigerung von Sozialen Netzwerken
      schon etwas bigott: Die Verweigerung Sozialer Netzwerke herausstellen und dann im Leserforum posten. Foren sind nicht anderes als Soziale Netzwerke. Dort trollen sich stets die gleichen Leute, die sich in ihren Meinungen bekämpfen oder unterstützen. Süß finde ich auch, dass arg lustige Pseudonyme verwendet werden.

  7. der Sinn
    “Dabei scheint die Standardstrategie zu sein, wenn man ein System nicht versteht und benutzt: Erst einmal blockieren! Und das macht aus Sicherheitssicht perfekten Sinn.”
    .
    Ersten, zum “Sinn machen” siehe die ganz gute & verständliche Erklärung hier: bit.ly/RXass7 (falls an solche Sprachfeinheit Interesse besteht), zweitens ist diese Strategie so alt wie die Menschheit: Vor Neuem, Fremdem, Verstecktem… rennt man besser weg. Das ermöglichte früher das Überleben. Und oft hatte man recht und lebte weiter. War’s doch harmlos, hat man ja nix verpasst. Man kann ja zurückkehren.

    • Titel eingeben
      Guter Punkt. Mammuts und anderes, vor dem man damals weglaufen konnte, war jedoch ein stets lokal beschränktes Vorkommnis. Ich bin mir unsicher, ob und wie gut sich das auf Soziale Medien und eine Gesellschaft übertragen lässt, in der man auch einfach in einem Kaffee von Touristen fotografiert und auf Instagram publiziert werden kann.

      Es hat sich aber in der Geschichte auch gezeigt, dass Fortschritte oft durch disruptive Technologie ermöglicht wurden, die das bestehende System kräftig verwirbelt haben.

      (Danke für den Hinweis auf die Redewendung!)

  8. Sharing und so
    Dieser ganze kommunikative Digitalkram hat das zwischenmenschliche Verhältnis nicht zum Besseren verändert. Was auch nicht zu erwarten war. Zur Medienkompetenz gehört auch diese Einsicht und die stärkere Gewichtung des Analogen. Mimik, Gestik, also Körpersprache sind mir bei der Kommunikation sehr wichtig. Ich achte mehr darauf, wie jemand etwas sagt als darauf, was er sagt.
    Der Tag ist lang und es wird viel geredet, aber die bleibende Momente sind jene, an denen ich mit einem Menschen, den ich sehr mochte nur den Wind gespürt habe, am Wasser saß und solche Sachen. Dafür gibt es keine App.

    • Ja, stimmt.
      Zur Medienkompetenz gehört vielleicht auch, in solchen Momenten das Telefon in der Tasche zu lassen. Aber hinterher möchte ich dennoch Twitter benutzen. ;-)

  9. Eine Frage der Erziehung
    Ihre These Herr Fallenbeck basiert auf einer Bereitschaft zum lernen , in diesem Falle sich mit einem ziemlich technischen Gebiet zu befassen .

    Genau diese Bereitschaft wird uns doch aber seit Jahrzehnten vor allem im technischen Bereich aberzogen .
    Bei jedem neuen Gerät , ob Handy ,Computer oder Hifi Anlage oder meinetwegen noch spezieller bei Software steht an ziemlich erster Stelle eine angebliche Bedienerfreundlichkeit .
    Im Bereich IT seit Bill Gates sein Windows vorgestellt hat , wie war sein Hauptspruch noch sinngemäß , mit Windows könnten jetzt auch Menschen am Computer arbeiten , völlig ohne Vorkenntnisse und ohne es je vorher getan zu haben .

    Natürlich ist das maßloses Getrommel gewesen , aber Menschen haben das verinnerlicht , jede Generation Technik hat noch einfacher und mit noch weniger Vorkenntnissen zu funktionieren ,
    ob Hard oder Software .

    Für ihren Denkansatz muß man aber genau in die andere Richtung , weil das nicht nur Misstrauen ist , sondern des Menschen größte Angst , die vor dem Unbekannten ist .
    Eine Angst die man nur mit Wissen bekämpfen kann , die Bereitschaft dieses zu erwerben wird
    aber im technischen Bereich schon lange torpediert mit der Illusion , daß Wissen dort für den
    Nutzer gar nicht mehr notwendig ist .

    Ganz klar blockieren solche Nutzer alles was sie nicht kennen und nicht sofort verstehen und nachvollziehen können , weil laut Werbung alles worüber man nicht nachdenken muß ein gutes Produkt ist und alles mit dem man sich geistig vor der Nutzung beschäftigen muß ist schlecht ,
    undurchdacht ………misstrauenserweckend ……gefährlich ??

    Das ist so extrem, daß die Leute sogar tausendfach meinen , man müsste weder Bedienungsanleitungen oder Datenschutzbestimmungen oder Geschäftsbedingungen ,
    daß so genannte Kleingedruckte lesen .

    Diese Menschen regen sich über die NSA oder Facebookprofile auf , mit denen Geld verdient
    wird , weil man aus den Profilen eben Kundenprofile erstellen kann .
    Das aber nahezu jeder Onlineshop irgendwo im Kleingedruckten nur allzu oft einen
    Passus enthält , der einem zwar einen angeblichen Schutz seiner Daten garantiert aber
    eben mit der Freigabe zur anonymen Nutzung zu statistischen Zwecken , darüber stolpern
    viele gar nicht , weil sie nicht wissen was das ist .

    Eine Statistik ist auch ein Nutzerprofil oder besser eben die Zusammenfassung vieler
    solcher Profile in diesem Falle nach Kaufverhalten sortiert .
    Es ist dabei kaum kontrollierbar , ob die Anonymisierung solcher Daten tatsächlich
    vollumfänglich stattfindet .

    Wenn ich aber nach nem halben Jahr mal wieder die Site eines Onlineshops besuchen und
    ich werde gleich mit hallo , sie waren am xxxxxx das letzte Mal hier und haben sie xxx
    und xxx und xxx angeschaut , könnte da auch stattdessen stehen , wir wissen was sie das letzte
    halbe Jahr getan haben .

    Man muß schon ziemlich naiv sein , zu glauben , daß die Infos die man freiwillig preisgibt
    und bei denen man womöglich noch authorisiert sie zu verwenden , nicht auch verwendet werden .

    Um auf sowas zu kommen und vielleicht dadurch auch mal im Stande zu sein , die
    Infos , die man preisgibt , bewusst preiszugeben , muß man sich vergegenwärtigen ,
    wie das Ganze funktioniert und da stehen wir dann wieder am Anfang .

    • Titel eingeben
      Da haben Sie in gewisser Hinsicht recht. Nun halte ich allerdings ,,Usability” für einen großen Gewinn, denken Sie an das Durchschnitts-Linux vor 10 Jahren. Das war als alternatives Desktop-Betriebssystem zu Windows nicht zu gebrauchen.

      Ich glaube, dass Usability allein nicht die Ursache dafür ist, sich nicht mit den Details zu beschäftigen. Richtig ist, dass diese Technik immer komplizierter wird: Schreiben Sie einmal eine durchschnittliche Java-Anwendung – allein dafür können/müssen Sie auf dutzende Frameworks zurückgreifen, die Sie im ersten Moment nur schwer verstehen. Hier wäre weniger in vielen Fällen mehr.

      Aber man muss auch einen neuen Entdeckergeist wecken, Angst vor der Technik abbauen und Lust machen, die neuen Mechanismen zu verstehen.
      Das ist – natürlich – noch ein weiter Weg. Aber ich glaube, uns bleibt nichts anderes übrig.

    • Das sehe ich ganz genauso Herr Fallenbeck
      Dazu bräuchte es aber seitens der Hersteller und Entwickler eine neue Ehrlichkeit .

      Sie nannten das Schlagwort Usability , dieses Wort hat im deutschen mehrere Bedeutungen,
      einmal Bedienerfreundlichkeit gleichzeitig aber auch Gebrauchsfähigkeit .

      Benutze ich das Wort im Kontext der erstgenannten Bedeutung läuft es auf das Übliche hinaus ,
      die Menschen nutzen aber nur rudimentär , um ein Prudukt auch im zweiten Sinne nutzen zu
      können bedarf es erstens gewisser Grundkenntnisse des jeweiligen Bereiches und zusätzlich
      Detailkenntnisse .
      Die Hersteller müssten hier über ihren Schatten springen und gezielt und ehrlich die Nutzer
      über die Anforderungen zu informieren und klarzulegen , was für einen Mehrwert der
      Gebrauchsfähigkeit dies bringt .

      Zeigen sie den Menschen , was sie wirklich mit einem Produkt machen können , wenn sie sich
      damit befassen , dann wecken sie auch den Entdeckergeist und nehmen die Angst .

      Sie sind mir im IT Bereich zweifellos Lichtjahre voraus , beim mir ist das gesamte Interesse
      am PC aber gerade durch die Möglichkeiten der Nutzung entstanden .
      Außer dem Umstand , daß die Schule meiner Tochter einen PC als ein zukünftiges Muß ansah waren es tatsächlich nur die Möglichkeiten sprich die Gebrauchsfähigkeit , die mich bewogen hat , mich mit der Materie ein wenig zu befassen .

      Da eines meiner Hobbys eben Hifi und Heimkino samt Lautsprechbau lautet , können sie sich
      sicher denken , wo der Hase hinlief und als ich die Integrationsmöglichkeiten des PCs in
      dieser Hinsicht erkannt hatte , waren auch die Berührungsängste verschwunden .

      Erzählt hat mir das niemand , im Gegenteil war die Hifi Branche um 2002 herum ziemlich konträr zu allem eingestellt , was mit PC zu tun hatte , da ging ebenso die Angst um und mündete prommt in eine regelrechte Verweigerungshaltung mit behaupteten Qualitätsunterschieden , die technisch vollkommen absurd waren .

      Das geht zwar ein wenig von ihrem Thema ab , aber irgendwie auch nicht , weil es die von ihnen völlig richtig genannte Angst vor der Technik gut dokumentiert .

      Als Fazit kann ich ihrer These also durchaus zustimmen , es gibt viel zu tun , die Leute müßen in
      der Breite wissen worauf sie sich einlassen , dann sinkt auch das Misstrauen und die Ablehnung .

    • Titel eingeben
      Dann ist es nun an Ihnen, Ihren Bekannten und Freunden, die sich noch immer nicht mit einem Computer in ihrer HiFi-Kette anfreunden können, zu zeigen, dass es vielleicht doch Vorteile hat, nicht alle 20 Minuten eine Schallplatte umzudrehen oder eine CD. :-)

      Und zum Wissenstransfer empfehle ich Youtube: Es gibt wahrscheinlich kaum ein Thema, dem sich dort noch kein Video gewidmet hat. Oder um es mit den Worten eines Freundes zu sagen: Wenn Youtube abgeschaltet wird, verlieren wir die Hälfte des Weltwissens.
      Aber auch dieser Gral ist hinter der Hürde der IT verborgen. Es lohnt also immer, Grenzen zu überwinden.

    • Den richtigen Umgang lernen
      Es ist im Moment einfach nicht möglich, den richtigen Umgang mit Medien zu lehren, da in weiten Bereichen noch kein gesellschaftlicher Konsens entstanden ist, was richtig ist.

    • Ein richtig im technischen Sinne , braucht keinen Konsens Herr Nachtweh
      Ganz im Gegenteil lebt die Entwicklung neuer Techniken vom ständigen Dissens .

      Der einzig sinnvolle Konsens dabei ist , zu verstehen was man da macht , sprich für den Nutzer von Techniken und technischen Geräten ein solides Fundament von Grundwissen .

      Hört sich so ein wenig nach Erziehung an , bedeutet aber genau das Gegenteil , mit Basiswissen kann
      man mich nicht mehr erziehen , sondern ich entscheide bewusst selbst .
      Menschen die Aufgeschlossenheit gegenüber der Technik zu vermitteln bedeutet gleichzeitig
      Wahlmöglichkeiten zu schaffen , ebenso aber freiwillige Selbstkontrolle in diesem Falle
      über die Informationen , die ich bewusst preisgebe .

      In Bezug auf Datenkontrolle im Net ist der Ruf nach dem Staat , dem Gesetzgeber vollkommen
      sinnlos , wenn sie unsere Bundeskanzlerin zu dem Thema hören , die IMMER NOCH von einer
      neuen und jugen Technik redet , dann weiß man auch warum die Hoffnung auf staatliche insbesondere WIRKSAME Gesetzgebungen ziemlich unrealistisch ist .

      Mal abgesehen davon ist es , wenn man die meisten Leute doch so hört eher ein “den Bock zum Gärtner machen” , es werden wirksame Gesetze zum Datenschutz eben von dem Big Brother
      eingefordert , vor dem man die größte Angst hat , daß er einen ausspioniert .

      In Bezug auf Daten im Netz haben die Menschen vergessen, daß größtmögliche Freiheit
      immer auch größtmögliche Eigenverantwortung erfordert und der kann man nur gerecht werden ,
      wenn man selber bewusst filtert , was man veröffentlicht .

  10. geprägt durch die Umwelt
    Hallo,
    dieser Blogeintrag hat mich zu meinem ersten Kommentar auf FAZ.net überhaupt bewogen. Ich gebe Ihnen Herr Falkenberg durchaus Recht bei der These, dass unsere Generation die “neuen” Medien i.d.R. so nutzt oder so damit arbeitet, wie sie es von den alten und bereits bekannten Medien gewohnt ist. Ich denke, dass es vor allem die Gewöhnung auch an die äußeren Umständen und das liebgewonnene Vertraute ist, dass viele Menschen so misstrauisch macht. Ich für meinen persönlichen Teil nutzte zum Beispiel die Vorteile, die mir eine Cloud bietet, allerdings bin ich nicht damit einverstanden, dass meinen Daten durch die entsprechenden anbietenden Unternehmen mitgelesen und verwertet werden. Meine Reaktion darauf ist, dass ich mir einen eigenen Server aufstelle und die Schnittstellen selber schaffe/programmiere und oder sie aus diversen Open-Source-Lösungen zusammenbaue. Somit versuche ich die Vorteile der neuen Techniken zu nutzen ohne auf liebgewonnene Standards verzichten zu müssen.
    Was ich damit sagen will, wir sind ein Kind unserer Umwelt und ich finde es befremdlich, wenn Werbeplakate in Fußgängerzonen oder Einkaufszentren mir personalisierte Werbung zeigen. Ich bin misstrauisch, dass ob mir Informationsportale unabhängige Informationen bieten oder nur auf meine Interessen zugeschnittene Häppchen. Vielleicht ist es in 50 Jahren (fiktive Annahme) ganz normal, dass man in einem Supermarkt, wenn man ankommt gleich den gepackten Korb mitnehmen kann, weil der Kühlschrank, der Messenger, über den man mit dem Lebenspartner abgestimmt hat, was man essen möchte und was besorgt werden muss, und ggf. andere Geräte bereits an den Markt melden, was man kaufen wird. Ich persönlich möchte so nicht leben. Ich möchte über Soziale Netzwerke nicht wissen, welche der Personen, deren Leben mich nicht interessiert, Dinge tut, die mich auch nicht interessieren. Und vor allem möchte ich nicht, dass Firmen meine Daten verarbeiten, ohne, dass ich dafür einen für mich adäquaten Gegenwert erhalte. Vielleicht hält mich der ein oder andere für paranoid, weil ich google-scripte blocke, Proxy-Server verwende und mich in mein Handy hacke, nur um einen kleinen Teil meiner Daten unter meiner Kontrolle zu behalten. Vermutlich bin ich ein Kind der Vergangenheit, aber so wie ich die mediale Zukunft sehe und sie tagtäglich teilweise erlebe, bin ich das gerne.

    • Titel eingeben
      Freut mich, dass Sie nun hier mitdiskutieren, willkommen!

      Ihr Verhalten mit der Cloud finde ich zum Beispiel nachahmenswert, denn Sie setzen sich mit der Technologie auseinander, erkennen Probleme und versuchen diese zu lösen – indem Sie eine eigene Cloud betreiben. Sie verwenden diese Technologie und sind daher unterwegs, diese zu verstehen und zu verstehen, was sie für Vorteile bringt. Möglicherweise haben Sie erst während der Nutzung einige Vorteile entdeckt, die Ihnen verborgen geblieben wären, hätten Sie die Technik gemieden.

      Ich möchte den Aufruf zum Nutzen einer Technologie auch nicht falsch verstanden wissen: Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn irgendwer mit Daten arbeitet, mit denen er nicht arbeiten sollte. Aber wenn man das Problem eben nicht durch eigene Technik (wie im oben genannten Beispiel die Cloud) lösen kann – und dies ist beispielsweise bei großen sozialen Netzwerken der Fall – dann plädere ich immerhin dafür, wenige echte und nicht sensitive Daten zu verwenden, um dennoch ein Gespür für die Technik und die wirkenden Mechanismen zu bekommen. Und man muss auch nicht alles mitmachen (wahrscheinlich ist das ob der Vielzahl der neuen Technologien mittlerweile bereits nicht mehr möglich), man darf nur seine Offenheit und seine Neugier nicht verlieren.

  11. Sie sind wie Ihre Eltern - ganz anders, als Sie denken
    Nicht weil Sie misstrauisch sind, sondern weil Sie glauben, im WWW könnten Sie Ihre Beziehungen eigenverantwortlich bestimmen wie im Roten Stern.

  12. Das Gegenteil ist richtig: Wir vertrauensseeligen uns in eine Diktatur.
    Und wenn wir selbst nichts über uns preisgeben, stellen uns andere elektronisch bloß.

    Wissen Sie noch, wie eine Mausefalle aufgebaut ist?
    Ein Brett, ein Stück Speck, eine Feder, ein provisorisch hochgehaltener Metallbügel.
    Da haben Sie das Prinzip Internet: Viele schöne Sachen locken, zum Schluss ist man sozial tot.

    Googeln Sie vielleicht einmal mobbing, stalking, Identitätsdiebstahl. Enjoy!

  13. Datenschutz hat keine Lobby
    außer dem Bürger selbst.
    Die Politiker sind nicht “für Datenschutz”, allein der Bürger ist es.
    Mangelnder Datenschutz kann und wird von den Politikern (allen voran: Obama, der seine Wahlkämpfe hauptsächlich “online” bzw. mit extremem Aufwand in Sachen “Wählerforschung” betreibt) sehr gerne genutzt. Erst Recht, wenn sie im Amt sind: Die Kontrolle der Bevölkerung ist nur wegen Datenschutz noch nicht 1:1 möglich.
    Warum ist Datenschutz mit der Menschenwürde verknüpft? Schwierig, ne?
    Aber auch einfach: Lassen Sie doch “modern” auch die Toillettentür auf, wenn Sie Ihr großes Geschäft machen, dann merken Sie vielleicht ‘was?

    Vorsicht, meine ich: Unser Grundgesetz hat uns eine gute Basis gegeben. Derzeit arbeiten Milliarden gesponsorte Lobbyisten daran, zusammen mit unseren Politikern uns Bürgern diese Basisrechte (die 1949 als STAATSNOTWENDIG erkannt wurden) schleichend wieder wegzunehmen, weil sie ach-so-hinderlich sind: Den Politikern bei der Kontrolle der Bevölkerung, den Datenkraken beim Geschäfte machen.

    Wir haben nur eine Lobby: Uns selbst. Und – noch – die Gerichte.

    Was daran so toll sein soll, dass Google und facebook nun auch noch die letzten Gebiete, die noch nicht verkommerzialisiert waren, kommerzialisieren, entgeht mir. Es ist ein Tabu gewesen, wie das mit Pornografie Geld zu verdienen. Was daran toll sein soll, es zum Geschäft gemacht zu haben, also wie man mit dem Auswerten intimster Emails, Fotos, Chats, Dokumenten, Bewegungsprofilen, privaten Vorgärten und Wohnvierteln, Werbung optimal platzieren kann, erschließt sich mir nicht: Es ist schlicht ein Tabubruch, der zu Recht zu Widerstand führt und zum Entsetzen.

    Facebook möchte jetzt in die Gegend hineinlauschen, angeblich um Musik zu erkennen. Pervers? Ja.
    Googles Chrome möchte das auch: Lauschen. Pervers? Ja.
    Auch deutsche Akademiker schicken alltäglich tausende Stimmproben in die USA (per Siri und Android). Pervers? Eindeutig: Ja!

    Nein? Nicht einverstanden?

    Ok. Dann merken Sie auch nichts, wenn es zukünftig heißt, bitte lassen Sie Ihr Smartphone immer eingeschaltet und tragen Sie es immer bei sich. Durch die Analyse, der von Ihnen geführten Gespräche können wir unsere Werbung besser auf Sie abstimmen und Ihnen ein angenehmeres und aufregenderes Nutzungserlebnis bieten.

    Ooopss … das ist gar nicht pervers?

    Was dann? Meine Fantasie reicht nicht, für diese Kindergeneration … was könne wir denn noch verkaufen, damit auch der letzte Winkel unseres Intimlebens kommerzialisiert werden kann?

    Meine Gesundheitsdaten? Meine … Ihre … die von … ???

    Wo ist die Grenze? … der Prostitution? Ich nenne es nicht Datenprostitution, denn offenbar geht den Menschen ab, was das bedeutet. Es sind nicht nur Daten. Es sind Leben.

    Die Horden junger Menschen, die sich bereits bei Google und facebook ausgekotzt haben: Sie sind als verantwortliche Entscheider ebenso ausgebrannt wie eine zwanzig Jahre lang abgehörte Angela Merkel. NICHTS werden sie mehr ohne Zustimmung der USA bewirken.
    VÖLLIG unter Kontrolle der USA sind sie heute schon.
    Die haben nämlich eine Akte, ein Persönlichkeitsdossier.

    Ach … früher noch, hat das den Menschen Angst gemacht.
    Zu Recht.

  14. Theorie, dass neue Medien 1 Generation wie alte genutzt werden
    Verwechselt du das vielleicht mit dem Rieplschen Gesetz (“Ein einmal etabliertes Medium geht nie ganz weg”)? Für “Eine Generation, bevor wir’s kapieren” fallen einem zwar nach 5 Sekunden ein paar Beispiele ein, aber nach 10 Sekunden auch genug Gegenbeispiele.

    Beispiele pro: Das Kino fotographiert einige Zeit Theater, bevor es die Filmsprache entwickelt. Frühes Fernsehen hat was von bebildertem Radio oder abgefilmten Theater/Varieté. Schon hier scheint mir der anachronistische Gebrauch aber weniger als eine Generation zu dauern.

    Gegenbeispiele: Der Comic Strip bildet sich nicht lange ein, er sei ein fliegendes Blatt. Das Comic Book benimmt sich nicht eine Generation wie eine Sammlung von Comic Strips. Das Videospiel hat von Anfang an mehr zu tun, als Brettspiele, Flipperautomaten und Kreuzworträtsel zu elektrifizieren. Im Internet liegt zwar eine lange Entwicklung zwischen “Willkommen auf der Homepage der Meyer’s” und “Leute, die Foursquare im Rotlichtviertel anlassen #Servicetweet”, aber schon die Homepage der Meyer’s ist m. E. keinem früheren Medium nachempfunden.

    • Titel eingeben
      Danke für den Hinweis auf diese andere Theorie, allerdings meine ich tatsächlich nicht diese. Wir können wahrscheinlich eine erkleckliche Zeit darauf verwenden, zu diskutieren, was ein Medium ist und was nicht, wo die Grenzen sind und ob allein eine kleine Änderung ein anderes Medium zeugt…

  15. Ich will nicht meine Eltern sein.
    Die sind schon tot.

    • Es ändert sich nichts
      Auch die jetzige Elterngeneration wollte nicht sein wie ihre Eltern und die davor auch nicht.

      Auf dass sich nichts ändert.

  16. Sie arbeiten ihm Rahmen der IT-Sicherheit?
    Sie behrrschen aber vor allem die Kunst des Selbstbelügens oder wollten sie blos und belügen? Sie arbeiten im Rahmen der ‘IT-UNsicherheit’, also genau das Gegenteil von dem was sie meinen. Ob wir all die Überwachungen brauchen oder nicht, lässt sich so theoretisch wie sie meinen nicht beantworten. Die Antwort kann nur im Rahmen des sozial-politischen Kontextes einer Gesellschaft gegeben werden. Das heisst, es kommt darauf an, was mit den Informationen gemacht wird. Zur Zeit werden Menschen damit politisch und in ihrem Kaufverhalten manipuliert. Sprich die Informationen werden dazu missbraucht damit ‘organisierte Banden’ ihre politischen Ziele erreichen oder ihren Besitz mehren, wobei ersteres doch nur dem zweiteren dienen soll.

  17. Heilige und Händler
    “Uberreaktion” – mit Bezug auf die Taxi-App aber auch als Wortspiel mit dem Deutschen, das im Englischen seinen Umlaut eingebüßt hat – nennt Venkatesh Rao das, was Heilige und Händler in Bewegung setzt, die die Konfrontation suchen. Die Heiligen haben immer das Wohl der anderen im Sinne, sie kümmern sich um die Sorgen und Nöte der Menschen im Lande und suchen nach Steinen auf den Wegen, über die einer stolpern könnte und heben sie auf. Die Händler sind dagegen daran interessiert die Chancen und Wahlmöglichkeiten, ja die Freiheit an sich zu maximieren. Dagegen wendet Rao dann, nicht übermäßig originell, wie ich finde, die Logik des Verdachts an, derzufolge sich hinter jedem allgemeinen Interesse, noch ein spezielles, eigenes befindet. Ironischerweise bringt dieser Verdacht in der Praxis einen neuen Heiligen hervor, der aus dem Zyniker hervorgeht, den “Rechtspopulisten”, der endlich das eigene wieder akzeptiert und von überall her durch das verlogene Allgemeine bedroht sieht. Er wirbt dann mit der Allgemeingültigkeit des eigenen, seiner Gewöhnlichkeit und damit, dass andere sich darin erkennen mögen. Die “deutsche Angst” als Standortvorteil reicht das dann noch einmal weiter bis zum Händler, der natürlich keine Scheu hat, die Seiten zu wechseln und das Argument der anderen Seite zu spielen und dem Protektionismus zu frönen. Er ist kein heiliger Krieger, sondern Pragmatiker von Beruf und nicht sonderlich an Einheit und Widerspruchsfreiheit des Weltbilds interessiert.

    Das ist der Reigen der Metamorphosen und die Vernunft findet keinen Punkt, an dem er aufhört, denn sie artikuliert sich ja gerade durch den Heiligen und den Händler in verteilten Rollen.

    • ...
      Das ist mir zu spitzfindig und zudem dualistisch. Auch wenn das Reigen daraus dann ein Konglomerat macht, an dem die Vernunft keinen Punkt findet.
      ;o)

    • ... auch
      Es ist meta-dualistisch, kinky So und als Meta-Mystiker darf man auch so schreiben ;o)

  18. Jugendwahn
    An dem Text überrascht hat mich, wie negativ der Autor den Begriff “Eltern” konnotiert. Ob dies in seinem persönlichen Fall gerechtfertigt sein mag, kann ich nicht sagen.

    Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass das Gegenteil von Eltern Kinder ist und dass man erwachsenens Verhalten im allgemeinen als vernünftig und kindliches/kindisches Verhalten als unvernünftig wahrnimmt. Mein Ziel ist es, mich im Internet nicht wie ein Kind zu verhalten.

    Zwar sagt die Bibel (Mt 18,3):
    “Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.”

    Aber ich glaubr nicht, dass Jesus mit dem Himmelreich das Internet gemeint hat.

    • Jesus Ziele
      “Mein Ziel ist es, mich im Internet nicht wie ein Kind zu verhalten.”

      Was machen Sie, um dieses Ziel zu erreichen?

      “Aber ich glaube nicht, dass Jesus mit dem Himmelreich das Internet gemeint hat.”

      Das werden wir sehen, wenn Jesus wiederkehrt. Bis dahin halte ich mich in meinem Urteil darüber, was er gemeint haben könnte, lieber zurück.

  19. Weiter so.
    Herr Fallenbeck, viele werden hier Ihren Artikel zerreissen. Denn die in diesem Lande herrschende Paranoia ist nur schwer zu beseitigen. Macht nichts. Ich finde Ihern Artikel hervorragend. Bevor ich ins Ausland gehe, schaue ich gern in Streetview nach, wie ich fahren kann. Das ist in Deutschland wegen dieser blödsinnigen Diskussion nicht möglich. Nur ein kleines Beispiel davon, wie man sich hier gerne das Leben schwer macht.

  20. cabras y corderos
    Ich halte es mit Jeeves und Moritz und ggflls. anderen ähnl. Kommentaren.
    1. Geht mir auch dieser latente Gemeinschafthaftungszwang gehörig auf den Keks. Beim Bäcker gibts nur noch selten Butter auf dem Brötchen. Warum? Der Kunde will es doch so! Ach ja, wer ist DER Kunde?
    2. Vermisse ich Aufklärung – insbesondere von den ehemals seriösen Medienplattformen – über den Sinn und Unsinn der Nutzung von Datenkraken. Das schlimme ist, sie bewerben sie noch täglich. Und mein TV-Anschluß ist, ohne daß ich mich wehren konnte, bei Kabel-D. Ein Grund, den ohnehin alten analogen Fernseher ganz abzuschaffen. Bei denen kann man noch nichtmal anrufen ohne Kundennummer. Der Verkauf von Dienstleistung an Servicegesellschaften ein weiterer Schritt in die Apokalypse des normalen Miteinander. Für 3€ mtl. weniger Kabelgebühr. Es ist zum Kotzen.
    Offensichtlich ist die Degenerierung der Menschheit durch die Nutzung zunächst analog-videos, dann sms, jetzt smartphones. Herrscharen sitzen, gehen und joggen, fahren Fahrrad mit gesenkten Köpfen. Gestern in Stadtwald beim Joggen einer mit den dicken Kopfhörern, blieb stehen und schrieb auf dem smartphone…..Die USA vernimmt zunehmende Unfallzahlen durch steten Gebrauch der Dinger. Die mail/sms: wo bist du, hat schon viele das Leben oder Gesundheit gekostet beim Schreiben während des Fahrens. Überhaupt sieht man nur noch Mitmenschen bis ca. 40 – gefühlt insbesondere Frauen – mit Stöpseln in den Ohren, in einer Jahreszeit, die voll ist mit singenden Vögeln………Aber aus Gründen des Mitmachens, des coolseins, wird einfach jeder Knochen genommen, der von Kurzärmeligenbügelfaltenbadelatschenheinis vorgehalten wird. Aber mit Europa wird ja nun alles besser.
    Ziegen und Schafe hüten in Andalusien und deren Käse auf dem Markt tauschen erscheint attraktiver denn je.

    • Sie widersprechen sich Nico
      Unter Punkt 1 prangern sie einen Gemeinschaftszwang an und unter Punkt beklagen sie die Degeneration unserer Gesellschaft .

      Degeneration ist aber ein kollektives gemeinschaftliches Verhalten , niemand zwingt den einzelnen ständig sein Smartphone am Ohr zu haben , auf die Spitze getrieben so penetrant , daß die Umwelt kaum noch wahr genommen wird und man zur Gefahr für sich selbst und andere wird .

      Sie erwarten dabei Aufklärungen von Instanzen , die an Aufklärung wirtschaftlich oder staatlich
      gar nicht interessiert sind , weil die so freigiebig ins Netz posaunten Infos für sie nützlich sind .

      Ich für meinen Teil besitze mobil nur ein uraltes Nokia Handy mit dem man telephonieren kann
      und SMS verschicken/empfangen kann .
      Ich fühle mich dabei weder ausgegrenzt noch benachteiligt oder rückständig , denn die
      Möglichkeiten moderner Geräte sind mir durchaus bekannt , ich sehe für mich persönlich
      nur keinen Nutzen , der den Anschaffungspreis rechtfertigen würde .

      Man kann nicht einerseits Degeneration anprangern und andererseits eine Aufklärung
      durch andere in einem Maße erwarten , auf das einem die moderne Technik auf dem
      Silbertablett serviert wird , ohne das man selber denken muß dabei .

      Das Internet ist in vielerlei Hinsicht ein gewaltiges Kollektiv , inwieweit ich Daten in
      dieses Kollektiv einspeise , muß ich soweit es möglich ist selber kontrollieren und
      abwägen , ansonsten tun es andere für mich .
      Ebenso wie ich selber entscheiden muß , inwieweit ich welche Technik wie zum persönlichen
      Nutzen einsetze , wer sich dabei von Mode , Trends und Massenbewustsein lenken lässt ,
      der tut dies auf eigene Gefahr , er wird nicht gezwungen .

      Letztendlich bedeutet das wieder sich vom Nulldenken und Nullwissen zu verabschieden und
      sich selbst durch Wissen erstmal eine vernünftige Entscheidungsgrundlage zu schaffen , ansonsten
      ist man ab einem gewissen Punkt Opfer .

  21. Das Freiheitsversprechen von der sozialen Totalüberwachung des typischen Dorfes
    war für viele Jahrhunderte und bis gestern die Stadt. Ein Ort der Freiheit, auch und besonders durch die relative Anonymität ihrer Bewohner.

    Das Internet schrumpft die Welt wieder zum Dorf. Samt dessen Nachteilen – unaufhörliches und unabwendbares Generationengedächtnis, vollständige soziale Kontrolle und Privatsphäre ausschliesslich in den eigenen vier Wänden. Warum die Skepsis gegen diese Art der Entwicklung und das Feiern bescheidener kleiner Siege gegen den Wiedereinzug des Dorfmiefes jemanden zur “Generation Fernsehen” macht, verstehe ich nicht wirklich. Aber ich sehe schon seit Jahrzehnten kaum mehr fern.

    Gruss,
    Thrsten Haupts

  22. Die Verwandten des Epimetheus
    Für fast jede Wissenschaft gab es ein Ende der Unschuld.

    Berühmt da Ende der Unschuld für die Physik. Damals hielten sich die Physiker auch für einen Prototyp des besseren Menschen. Klar ein Einstein, Oppenheimer oder Heisenberg hätte niemals den jeweils anderen eine Atom-Bombe auf den Kopf geworfen. Trotzdem machten sie sich zum Steigbügelhalter der Politik und des Militärs. Den Befehl zum Abwurf der Bombe gab dann auch ein ehem. Bankangestellter.

    Big Data ist das Ende der Unschuld der Informatik. Selbstverständlich erscheint es erst einmal völlig übertrieben, seine Geodaten nicht ins Netz zu stellen. Spannend ist hier vor allen Dingen aber das Thema Auswertung dieser Daten.

    Was ist, wenn z.B. in diesem Roten Stern auch irgendwelche Cyber-Terroristen verkehren? Rein zufällig, ohne das der Autor davon weis oder gar Kontakt zu diesen haben müßte.
    Jetzt bewirbt sich der Autor auf eine neues Stelle und der potentielle Arbeitgeber läßt routinemäßig von einem Dienstleister einen Sicherheitscheck durchführen. Die Überprüfung ergibt über die Verbindung “Roter Stern” eine (dünne) Beziehung zu den Cyber-Terroristen und liefert einen Malus im Ranking.
    Vor die Wahl gestellt, hierzu genauere Untersuchungen durchzuführen bzw. den Bewerber hierzu auszufragen oder die Bewerbung abzulehnen, entscheidet sich der AG für letzteres, weil es genug “unbescholtene” Bewerber gibt.
    So verbaut etwas eigentlich völlig harmloses die Karriere.

    Wir leben in einer Zeit, in der der Mensch und seine Beziehungen immer mehr zur Massenware verkommt. Kennzahlen und Bearbeitungszeiten geben den Ton an.

    • .
      Was für ein Stuss. Die Informatik war noch nie an irgendetwas “unschuldig”, schließlich gilt sie ja auch als angewandte Wissenschaft. Sie ist ja gerade das Paradebeispiel für eine Wissenschaft, die aus dem Krieg hervorgegangen ist. Kryptographie, ballistische Numerik, Admiral Grace Hopper entwickelt COBOL und den ersten Compiler, die DARPA entwickelt das Internet usw.

  23. "The medium is the message"
    Marshall McLuhan.

  24. Selbstbewußtsein ist wichtig
    Thomas Mann hat einmal einem Briefpartner
    geschrieben — sinngemäß —:

    „ich habe nicht viel Zeit
    — deshalb fällt der Brief so lang aus.“
    —————–

    Ein n a c h-denklicher Satz!

    Und wenn der Schlußatz in obigem Artikel lautet

    „Wir sind unsere Eltern.
    Und wir sollten es dringend nicht sein“,

    so ist daran zu erinnern:
    —————–

    „Die Leute blicken immer so verächtlich
    auf vergangene Zeiten,
    weil die dies und jenes ›noch‹ nicht besaßen,
    was wir heute besitzen.

    Aber dabei setzen sie stillschweigend voraus,
    dass die neuere Epoche alles das habe,
    was man früher gehabt hat, plus dem Neuen.

    Das ist ein Denkfehler.

    Es ist nicht nur vieles hinzugekommen.
    Es ist auch vieles verloren gegangen
    im guten und im bösen.

    Die von damals hatten vieles noch nicht.
    Aber wir haben vieles nicht mehr.”
    (Kurt Tucholski)

  25. Unproblematische Daten?
    Gibt es unproblematische Daten? Und falls ja, welche Kriterien sollen sie erfüllen, damit sie unproblematisch sind – und bleiben? Denn sie bleiben, wie geschildert, an vielen Stellen gespeichert.

    Gemäß http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/einreise-in-usa-verweigert-kafkas-amerika-12955348.html wurde einem Individuum die Einreise in die USA verweigert, weil die Einreisebehörde so entschied. Die wahren Gründe kann der Artikel zwar nicht aufzeigen, liefert aber Hinweise auf ‘politische’ Aktivitäten der Person, die Jahrzehnte zurückliegen. Für eine Privatperson ist so ein Einreiseverbot zunächst nur ärgerlich. Falls die verbotene Reise beruflich veranlasst sein sollte (es soll solche Berufe geben), darf man die Problematik auch noch mit seinem Arbeitgeber diskutieren. Das ist dann mehr als nur ärgerlich, es kann sich schon existenziell auswirken.

    Ist das Bekenntnis einer Religionszugehörigkeit problematisch? Lässt sich diese Zugehörigkeit gegebenenfalls ein Leben lang verheimlichen? In den Niederlanden wurden in den Kriegsjahren weit größere Teile der jüdischen Bevölkerung als in den restlichen besetzten westeuropäischen Nationen verfolgt und getötet. Untersuchungen haben mehrere Ursachen benannt. Eine war sicherlich die Effizienz der damaligen niederländischen Verwaltung, die unter anderem darin bestand, dass in den Melderegistern zu jeder Wohneinheit nicht nur die Namen der Bewohner, sondern auch ihre Religionszugehörigkeit (handschriftlich!) verzeichnet war. Big Data im vorigen Jahrhundert.

    Zwischen Verfolgungswahn und Sorglosigkeit liegt die Realität. Dennoch: Während in früheren Zeiten das Abweichen von Mehrheitsmeinung und -verhalten relativ selten dokumentiert wurde und man sich schon öffentlich ‘erwischen’ lassen musste, bietet Big Data ganz andere Möglichkeiten. Die ‘Abweichung’ wird räumlich und zeitlich unabhängig vom gezeigten Verhalten analysiert, der Maßstab und die Konsequenzen willkürlich festgelegt UND angewendet. Regeln für die Analyse, Kontrolle der Anwendung? Fehlanzeige.

    Hätte Herr Fallenbeck sein Notizbuch, das seinen Konsum im ‘Roten Stern’ dokumentiert, lückenlos eingescannt und online gestellt, wäre die Parallele zum Web 2.0 hergestellt. Er müsste sich nicht einmal einverstanden erklären, dass seine Kranken-, Lebens- und Rentenversicherer und weitere Interessengruppen seinen Alkoholkonsum analysieren und bewerten. Und wenn er, aus nicht genannten Gründen, einfach keine Versicherung bekommt oder irgendwelche Sanktionen durch wen auch immer und wann auch immer erfährt, müsste er uns noch einmal erklären, welche Vorurteile wir aus welchen Gründen gefälligst abzulegen haben.

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