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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Jede Woche 1000 Dollar und kein Nachdenken

| 41 Lesermeinungen

Maximales Einkommen, minimale Kosten und üppige Vorteile: Fern von Regulierung und Sicherheit versprechen Internetkonzerne wie Uber, Amazon und AirBnB Wohltaten, und viele wollen daran glauben.

Es ist das Natürlichste von der Welt: Kaum verbietet Berlin den Mitfahrdienst Uber, regen sich meine Berliner Freunde (und Feinde) auf. Bei Twitter hagelt es Proteste und die üblichen Anschuldigungen, die Verwaltung habe sich mit der „Taximafia“ verschworen und würde mit juristischen Tricks überkommene Strukturen retten. Sie sehen nicht die Probleme des Dienstes, sie denken nicht an Haftungsfragen, an Gewerbevorschriften und an die fehlende Sicherheit. Was sie sehen ist, dass mit dem Navigationsgerät jeder in der Lage ist, jedes Ziel anzusteuern, und die hohen Preise der Taxis, gemessen am Berliner Lebensniveau. Von den Folgen eines Unfalls und dem Umstand, dass am Ende eine Versicherung für Schäden nicht aufkommt, weil Fahrzeug und Fahrer für solche Dienste nicht abgedeckt sind, wollen sie nichts wissen. Es geht doch, ein wenig Risiko gehört in ihren Augen dazu. Und außerdem, nehme ich an, finden sie Taxis einfach zu teuer und wollen gern sparen.

Uber ist nicht die einzige Firma, die Menschen dazu bringt, im Graubereich der Legalität zu arbeiten. Da sind Vermieterportale wie AirBnB, die den Wohnungsmarkt durcheinander bringen. Auf der einen Seite begrüßen die Kunden die Möglichkeit, schnell und ohne großen Aufwand flexibel Wohnungen auf Zeit zu finden. Die gleichen Personen jammern auf der anderen Seite darüber, dass die Mietpreise nach oben und die bezahlbaren Angebote nach unten gehen. Da gibt es an manchen Orten durchaus einen Kausalzusammenhang: Denn bei diesen Portalen vermieten oft nicht die Wohnungsbesitzer, deren Immobilien eine Weile leer stehen, sondern geschäftstüchtige Personen, die Wohnungen günstig dauerhaft anmieten und dann kurzfristig teuer vermieten. Dass sie dabei mitunter gegen Hausordnungen, Verordnungen und Gesetze verstoßen, dass bei so einem Treiben die Wohnungen ruiniert werden und ein neuer Zweig des Mietnomadentums entsteht, mag den Besitzer ärgern und schädigen – aber andere sehen nur ihre Vorteile.

Vorteile sahen viele auch bei Groupon. Ist doch super, wenn man überall Rabatte bekommt und Schnäppchen machen kann, sagten die Kunden, und damit schaffte es Groupon trotz schwieriger Erlössituation an die Börse, als sei die New Economy wiedererstanden. Dass die Geschäftspraktiken von Groupon nicht immer schön waren, dass solche Portale durch den Preisdruck zu Dumping und zu Dumpinglöhnen führen können, störte kaum jemanden. Die gleiche Gruppe bestellt auch weiter munter bei Zalando und Amazon, obwohl diejenigen, die in den Lagern für die Zusendung der Produkte arbeiten, nicht gerade die Art Beruf haben, die sich die junge, technikaffine Schicht wünschen würde. Im Gegenteil, die Freunde des Fortschritts sind oft genug auch jene, die Hartz IV und jenen zweiten Arbeitsmarkt kritisieren, der solche Firmen erst über die Gewinnschwelle bringt.

Und es finden sich auch genug Freunde von Amazon, die der Meinung sind, die Verlage seien an ihren Problemen ganz allein schuld – hielten sie doch am unnötig gedruckten Buch fest, während Amazon so freundlich wäre, nicht mehr lieferbare Bücher ganz selbstverständlich auf Kundenwunsch zu liefern. Dass Amazon jetzt den Mindestbestellwert für kostenlose Lieferungen anhebt, spielt für sie keine Rolle, denn am besten kommt das Buch ohnehin auf das Lesegerät. Es geht ihnen um einfachen Zugang, simple Beschaffung, und wenn das nicht geht, sind sie eben weg. Oder sie regen sich darüber auf, wenn man ihnen die gewünschten Möglichkeiten nicht zur Verfügung stellt, weil es zwar technisch, nicht aber rechtlich oder betriebswirtschaftlich möglich ist. In vielen Bereichen des digitalen Daseins gehen sie auch keinerlei Risiken ein, die Folgen der Umwälzungen treffen ohnehin andere, die sich in ihren Augen nicht anpassen wollen, und damit an ihrem Schicksal selbst schuld sind.

Dass so ein System sich letztlich auch gegen sich selbst wendet, erleben im Moment die Kleidungsversender, deren Kunden die Lieferung nicht nur kurz daheim anprobieren, sondern ein paar Tage tragen und dann in jene Lager zurück schicken, in denen schlecht bezahlte und vielleicht ähnlich zynisch denkende Mitarbeiter wenig Grund haben, dieses Treiben zu beenden. Und solange es nur darum geht, diese Firmen mit schön dargestellten Umsätzen an die Börse zu bringen, muss das auch keinen wirklich stören – solange sich keiner Gedanken macht, wie solche Geschäftsmodelle letztlich die Umverteilung und die Monopolisierung fördern. Ausgerechnet diejenigen, die jedes Internet-Meme zur sozialen Gerechtigkeit mitmachen, werden blitzschnell zu Marktradikalen, wenn sie etwas nur ein klein wenig bequemer oder billiger bekommen. So mies kann kein Konzern sein, dass er wegen eines schnelleren Kaufsystems nicht Freunde finden würde. Und es ist vollkommen absehbar, dass sich unter diesem Artikel, spätestens bei Facebook, Kommentare finden werden, die mir unterstellen, ich würde das nur schreiben, weil ich Propaganda für die alten Kartelle mache, die keine neuen Freiheiten zulassen wollen.

Und es ist bei weitem nicht so, dass sich dahinter nur die sporadisch auftretenden Mietmäuler von Google und Amazon verbergen. Die radikalen Strategien der Konzerne, sich das Internet und die immateriellen Güter unter den Nagel zu reißen, so lange die Politik nicht die Entwicklung versteht oder reglementierend eingreift, gefallen besonders jenen, die selbst keine Beständigkeit und keine Verankerung in klassischen Strukturen kennen: Freiberufler, Prekäre, Dauerpraktikanten, Berliner Piratenabgeordnete, Leute, die sich mit Crowdfunding durchschnorren, die menschliche Verschiebemasse derer, die zwischen kurzfristigen Beschäftigungen wenig Einkommen haben, aber viel Zeit, ihren Unmut im Netz loszuwerden. Bejubelt wird dagegen der Umstand, dass eine Firma wie Uber aufgrund der Finanzierung in der Lage ist, die Strafen bei Nichtbeachtung des Verbots aus der Portokasse zu bezahlen. Vor einigen Tagen herrschte noch Empörung, dass sich ein Ecclestone bei Gericht freikaufen kann, bei Uber freut man sich, dass sich deren Marktmacht über das Rechtssystem erheben kann.

Es ist der gleiche Zynismus und das gleiche kurzfristige Denken, die der Praktikumswirtschaft zugrunde liegen: Da ist immer ein Praktikant gewesen, der es für weniger macht, und so weit, dass nicht einer darauf einging, konnten die Firmen die rechtlichen Möglichkeiten gar nicht ignorieren. Wenn Mitarbeiter von Startups auf dem Fußboden im Büro schliefen, war das kein problematisches Verhalten eines Arbeitgebers, sondern lässige Realität einer in England registrierten Ltd.. Wer selbst erfahren hat, dass berufliche Sicherheit und verlässliche Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch Ausleseverfahren und Optimierung ersetzt werden, wer brutal abgebaut wurde, weil die Firma nach dem Verkauf an einen Konkurrenten nur als Marke erhalten blieb, wird dadurch nicht zwangsweise zum sozial bewegten Menschen, der tarifferne Kettenverträge in der ostdeutschen Provinz vehement ablehnt.

Das Lauern auf schnelle, kleine Vorteile, die Konditionierung durch Profitmaximierung, der Kult des Egos und die Probleme, im Netz auch nur minderkomplexe Zusammenhänge, wie den fehlenden Versicherungsschutz im Mitfahrgeschäft zu vermitteln, weil das Interesse am schnellen Sparen größer ist: Das mag nicht unbedingt gefallen. Aber so wurde es vorgelebt, so wird es im Moment mit dem sog. Freihandelsabkommen auch propagiert, so wird die Ablehnung staatlicher Regelungen gefeiert. Was für Banken, Chlorhuhnzüchter und Datensammler Recht oder zumindest gnadenlos ausgenutzter rechtlicher Freiraum ist, ist für das durch den Wandel entstandene Prekariat nur billig. Übergreifendes Denken und Handeln macht nicht satt, ein Döner für 1,50 Euro dagegen schon. Und wenn Amazon erst einmal alle Rechte an vergriffenen Büchern hat, müsste bei den niedrigen Transaktionskosten doch auch was bei seinen Kunden hängen bleiben. Soviel haben sie von der Marktwirtschaft zumindest verstanden.

HINWEIS:

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41 Lesermeinungen

  1. Das lohnt nicht einmal für eine Minute irgendeine Form von Aufregung.
    Was der Don beschreibt, ist nur eine Ausprägung einer allgemeingültigen Regel, die ein ehemaliger alter Sozialdemokrat mir gegenüber ganz richtig so beschrieb: Unternehmer wollen deutsche Preise und chinesische Löhne, Arbeitnehmer chinesische Preise und deutsche Löhne … Und das ist eine Menschheitskonstante.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Können Sie drüben bei wordpress "und Datensammler Recht" bitte noch nachverlinken?
    Danke!

  3. Taxis
    Man könnte dem Jammern vllt. etwas mehr Glauben schenken, wenn die Taxizentralen selbst nicht

    – Hungerlöhne zahlen
    – Ortsunkundige durch Extra Routen abzocken
    – Steuern hinterziehen (Fixpreis ohne Taxameter)
    – Durch eine viel zu schnelle und riskante Fahrweise die restlichen Verkehrsteilnehmer bedrohen

    würden.

    • Lange kein Taxi mehr gefahren, oder?
      Fixpreis fährt kaum noch ein Taxifahrer, weil es sich nicht lohnt….für alles was nicht über die Uhr läuft müssen die separat Bücher führen, die Anzahl der Kilometer pro Monat, die das Finanzamt ohne Taxameter toleriert ist mittlerweile sehr gering. Sind dann zu viel Kilometer ohne Taxameter auf dem Tacho, dann schlägt das Finanzamt gnadenlos zu und parallel die Aufsichtsbehörde, die die Konzessionen einzieht…

      Das Problem mit den Hungerlöhnen resultiert an den viel zu viel herausgegebenen Konzessionen….die Fahrer fahren doch kaum noch sondern stehen in der Reihe und warten…..dementsprechend kommt grade tagsüber kaum noch Umsatz in die Kasse….

      Im Prinzip müsste man vielmehr mit Teilzeitkonzessionen arbeiten, die nur am Wochenende oder an Feiertagen gültig sind….dann würden auch unter der Woche die Fahrer mehr Fahrten haben und könnten besser entlohnt werden…

  4. Brutalst mögliche Wahrheit und Klarheit
    Dieser Bericht ist längst überfällig. Er trifft das Problem mit der brutalst möglichen Wucht. Jeder sollte sich diese Worte 2 und 3 mal durchlesen. Wenn er dann immer noch nicht begriffen hat, dass es auch ihn betrifft, sollte er den Bericht ein 4-tes Mal lesen.
    Zu hoffen ist, dass es viele Leute lesen, kapieren und eigene Konzequenzen daraus ableiten.

  5. Der Artikel geht an den Problemen vorbei.
    Diese sind: Nirgendwo in der Welt ist Taxifahren so teuer wie in Deutschland. Wer seine Wohnung jemand anderem überläßt – gegen Geld oder umsonst – kann sofort in Schwierigkeiten kommen. Die Versicherungsmafia nimmt die Taximafia aus, indem sie die Haftpflichtversicherung für Taxiunternehmen in ungeahnte Höhen treibt. Die Möglichkeit, jemanden im seinem Auto mitzunehmen, wird als illegal verschrieen obwohl das nicht stimmt, wenn man Geld dafür nimmt. Das Anhalterwesen ist in Deutschland inzwischen ausgestorben. Die Taxiunternehmen zahlen ihren Fahrern – Studenten und arbeitslosen Akademikern und Türken – miese Löhne, verlangen aber für den Kilometer 1,20 €. ( Die Fahrt von Oldenburg zum Flughafen in Bremen, das sind 50 Kilometer, kostet z.B. 70 €). Einen Urlaub in Deutschland kann sich kaum noch einer leisten und wegen des Euros auch bals keinen Urlaub mehr am Mittelmeer.
    Lösungen: Die Haftpflichversicherung muss auch die Haftung gegenüber den Insassen einschließen.
    Das Weitervermieten von Wohnungen muss durch ein Gesetz eindeutig erlaubt werden. Die Mehrwertsteuer muss für Hotels und Restaurants auf den Satz von Lebensmitteln = 7% gesenkt werden.

    • Gemischt
      Da haben Sie mal Fakten und Vorurteile bunt durcheinandergemischt,Herr Wurtz.Nur ein Beispiel:Taxifahren hierzulande ist sicher teuer,doch es gibt etliche Länder,in denen es noch teurer ist.Die Recherche kann man leicht per Suchmaschine erledigen.Tipp:Eines dieser Länder grenzt unmittelbar an Deutschland an.

    • Weitervermieten
      „Das Weitervermieten von Wohnungen muss durch ein Gesetz eindeutig erlaubt werden.“

      Nö, muss es gar nicht. Ich habe keinen Bock auf Wechselgäste in meinem Miethaus. Lärm, Dreck und Unruhe ist alles was dabei rauskommt. Ihre Einstellung finde ich asozial! Die MwSt gehört wieder erhöht, so wie sie vor der durch die FDP Parasiten gelenkten Senkung lag.

      Wenn sie sich keinen Urlaub leisten können, dann gehen sie doch arbeiten. Mit dem so verdienten Geld ist dann eine Reise kein Problem.

    • Niergendwo ist Taxifahren so teuer wie in Deutschland
      Lieber Herr Wurtz, ich glaube Sie sind noch nicht in der Schweiz Taxi gefahren. Hier zahlen Sie für eine Fahrt von weniger als 10km locker 22 EUR.

    • Titel eingeben
      Wo ist der Zusammenhang? Man verdient Geld und dann kann man Urlaub machen? Grotesk. Es gibt eine nicht geringe Anzahl von Mitbürgern, die zwar eine monetär entlohnte Beschäftigung haben, aber bei denen das Einkommen nicht reicht, um sich mal eben Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände zu „gönnen“. Daran wird auch der propagierte Mindestlohn nichts ändern. Das von Ihnen abgegebene statement ist schlicht borniert = dumm.

    • Ein Witz
      Text eingeben

  6. Aber was spricht denn noch gegen das BGE?
    Von der Gesamtentwicklung sind es ja nicht nur die Journalisten, die getroffen werden.
    Über Artikel, die wirklich realistisch darlegen, das geschätzte 50 % aller Arbeitsplätze wegfallen, bin ich in letzter Zeit immer wieder gestolpert.
    Das wird sich durch alle Branchen – Gesundheitswesen, Produktion, Handel, und natürlich auch Transport – ziehen.

    Also wäre es da langfristig gedacht nicht vielleicht klüger, wenn sich Journalisten für das BGE einsetzen würden, statt quasi im Alleingang zu versuchen, vom Google-Kuchen ein Stück abzubekommen?

    Dass das nicht einfach und witzig wird, ist mir schon klar, aber langfristig sehe ich da momentan keine bessere Lösung.

  7. um was?
    „Es geht ihnen …“
    …um Bequemlichkeit.
    Die Welt wird dereinst nicht an der Bosheit der Menschen zugrunde gehen, sondern an deren Bequemlichkeit.

    • Stimmt, denn um boshaft zu sein ...
      … ist der Mensch einfach viel zu dumm.

      Schließlich diskutiert man nicht mit einem Ebola-Erreger über die moralische Komponente seines Tuns, oder?

  8. Es geht nur um Adressen abgreifen, nicht ums Befördern.
    Geehrter Don, vortrefflich analysiert! Diese Internetkultur wird langsam unerträglich. Die Leute, die dieses Uber schönreden, sind wahrscheinlich jene, die auch Pizza bestellen via Bringdienst, deren Fahrer mit dem eigenen, Reparaturstau versehenen Fahrzeug von Kunde zu Tankstelle gondeln, in der Hoffnung, daß von den gerade von Lieferkönig für pizza.de bezahlten 290Mio. auch was beim Fahrer hängenbleibt. Und beim Verschlingen der Pizza mit allerlei Belag-Müll wird dann noch schnell bei facebook der gerade aufgenommene Müll eingekotzt äh gepostet natürlich – eine Art Wiederkauung 2.0. Mich wundert, daß die apps von Uber und pizza.de noch nicht verquickt sind. Der Fahrer kann doch praktischerweise beim Abliefern der Pizza gleich noch Fahrgäste befördern, muß nur seine Fahrstrecke online stellen. Also Ideen haben die wirklich nicht….

  9. Starker Artikel!
    Mehr weiß ich dazu auch nicht zu sagen …

    Die Kombination von Gier und Dummheit, die bei unserer Spezies immer mal wieder durchscheint, macht mich fassungslos.

  10. Es gibt immer einen, der "noch billiger kann"
    Das nenne ich Fortschritt: irgendwann werden regulär arbeitende (Steuer und Sozialabgaben zahlende) Taxifahrer / Hoteliers / Gastwirte durch uber- / airbnb-Unternehmer abgelöst. Am Ende eines derartigen Arbeitslebens liegen diese Menschen dann der Allgemeinheit auf der Tasche, da diese Schwarzgeld-Einkommensbezieher sicher keinen Penny in die Sozialversicherung abzweigen (von Steuern und Abgaben wollen wir schon gar nicht reden).

    Herrlich: Hat ein verdienter Unternehmer wie z.B. Würth relativ zu seinem Einkommen und der Unternehmensgröße einen geringen Steuervorteil herbei getrickst, dann ist der Aufschrei riesig.

    Wird jedoch dank Uber und Airbnb zum systematischen Steuer- und Abgabenbetrug aufgerufen und Behörden wehren sich dagegen, dann wird D als technikfeindlich gebrandmarkt.

  11. Titel eingeben
    Don ist mal wieder zur Hochform aufgelaufen. Nach der leicht aussehenden Plauderei der letzten Tage (die indes nicht leicht ist – jedenfalls nicht in dieser flockigen Leichtigkeit) kommt hier, nun, ein perfekt sitzender Fausthieb von Analyse. Das ist nicht das Werk eines schlecht gelaunten Grantlers, sondern von jemanden, der die Menschen kennt, ihre Marotten und der aus vielen eigenen Erfahrungen nur zu genau weiß, wie hässlich die Gier das Angesicht des Menschen zur Fratze verzerren kann, wenn sie ungehemmt (oder gar als Rufmord-marodierende Twitterhorde) auftritt.

    Beifall und Danke dafür!

  12. geiz ist geil
    qed

  13. Titel eingeben
    Einerseits, um es jedermann ganz klar zu machen, Rechte für meine Geschichten hat Amazon nicht. Hätten sie wohl gerne, um nur das zu veröffentlichen, was den Amis und gewissen Deutschen passt. Aber als Niederländerin fallen meine Copyright Rechte unter niederländisches Recht, und ich habe überhaupt kein Problem damit, diesen Amazonenverein hier vor Gericht zu zitieren.
    .
    Andererseits, die deutsche Angst vor den Chorhühnern des Freihandelsabkommen halte ich für typisch deutsch. Man regt sich über kleine Hühnchen auf, um nicht über größere und selbstgeschaffene Schwierigkeiten reden, schreiben und entscheiden zu müssen.

    • Sie finden bestimmt auch Fracking geil?
      Sie finden bestimmt auch Fracking geil? Ich würde ihnen dann gerne mal eigenhändig diese Flüssigkeit in den Hals kippen, sie haben doch nichts dagegen, oder etwa doch? Ist doch alles so easy und gesund, was aus Drecksusa kommt.

  14. Der Beitrag ist eine perfekte Zusammenfassung...
    … dessen, was Frank Schirrmacher in seinem Buch Ego – Das Spiel das Lebens auf so eindruchsvolle Weise beschreibt.

  15. Schön, daß in der FAZ auch mal das TTIP richtig beleuchtet wird.
    Obwohl, CETA fehlt hier noch.

    Bis auf Amazon und die Verlage stimme ich auch zu, aber die Verlage haben es nun wirklich selbst in der Hand, einen eigenen Vertrieb zu schaffen. Die können sich das leisten.

  16. Schon alles richtig,
    was hier so wortreich geschrieben wird. Nur: Der Autor möge sich an die Wirtschaftsredaktion der Zeitung wenden, bei der solche tollen Geschäftsideen verlangt werden, wir leben ja vor allem gegenüber den USA sehr rückständig – und vor allem ausführlich vorgestellt und gelobt werden.

  17. Schnappermentalität
    Allzuwahr werter Don, die nur auf den eigenen Vorteil bedachte Schnappermentalität und das „ein-klick-zum-kick“-Surfen mit den neuesten Smartphone-Apps. Jetzt auch im Urlaub ein Dauergespräch: Kennst du die Amazon-App für den Preisvergleich beim Schoppen im Erlebnis-Center? – Und heute gibt es das Album von x kostenlos als mp3.

    Gedanken darüber, welche Nebenwirkungen diese Klickereien auf Andere haben, werden schnell hinweggewischt, denn die nächste App wartet schon. Politische Vorgaben sind da nur illusorisch, denn wie sie zutreffend schreiben:

    „Die radikalen Strategien der Konzerne, sich das Internet und die immateriellen Güter unter den Nagel zu reißen, so lange die Politik nicht die Entwicklung versteht oder reglementierend eingreift, gefallen besonders jenen, die selbst keine Beständigkeit und keine Verankerung in klassischen Strukturen kennen“.

    Und unser IT-Kompetenzteam im Bundestag schweigt dazu noch immer.

  18. Ansprüche
    Die globalen Veränderungen rollen über uns hinweg und manche bei uns wollen den Stillstand, sich in einer kuscheligen Bundesrepublik verkriechen mit Ansprüchen,Salären,Renten und Urlaubsritualen ohne, dass Ihnen klar werden will, dass der Lebensstand von immer weniger Menschen von immer mehr Menschen getragen wird. Drei Löhne in einer Firma für dieselbe Arbeit? Nichts ungewöhnliches. Abstoßende Selbstbereicherung von selbsternannten „Leistungsträgern“ und Hungerlöhne bei der Maloche am Bau, während der Manager für Nichtstun mit Millionen abgefunden wird?! Da wundern Sie sich über die Raffkes, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, über den Verfall der (öffentlichen) Moral? Wenn wir uns nicht endlich – fünf vor (nach?) zwölf wieder gemeinsam verantwortlich fühlen und nicht einen Bösen suchen (DEN EURO z. B. ), der für alles schuld ist, dann können wir vielleicht wieder Gerechtigkeit in einer Gesellschaft umsetzen, die solchen Ausgeilungen ein Ende bereitet.

  19. so sind halt die Gesetze des Lebens ..
    wenn meine Alte mal einen Besseren finden sollte werd ich auch auf dem Fußboden schlafen müssen …

  20. "Die radikalen Strategien der Konzerne, sich das Internet und die immateriellen Güter...
    … unter den Nagel zu reißen, so lange die Politik nicht die Entwicklung versteht oder reglementierend eingreift“

    Was soll die Politik denn tun, wo das Internet doch lt. Mutti „Neuland“ ist…? ;-)

  21. Titel eingeben
    Das ist doch grober Unfug.
    Zum einen sind die Alternativen auch nicht besser als ihre Konkurrenz aus dem Internet. Der Buchhandel und die Verlagsbranche sind im Gegensatz zu Amazon auch keine Ausgeburt sozialer Gerechtigkeit oder eine Utopie für Arbeitnehmer. Zalando, Primark und Co fertigen unter den gleichen Produktionsbedingungen wie Markenlabels. Das Chlorhühnchen auch nicht unappetitlicher als das Wiesenhof Kotvieh.
    Zum anderen sollte man Konsumentscheidungen von Privatpersonen auch nicht überbewerten, außer man lebt im Wolkenkuckucksheim und meint, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Wer als Konsument die Verantwortung für Herstellungsbedingungen, Verwertungsketten und Folgen eines Produktes übernehmen will, kann eigentlich nur noch in einer Höhle hausen.

    Die Angst vor Neuem und der snobistische Ekel vor Menschen, die sich keine handgenähten und mundgeblasenen Kleidungsstücke oder die Bio-Öko-glückliche-Wiesenkuhmilch leisten können, steht hier wohl im Vordergrund.

  22. Wenn ich beim Freund mitfahre, bin ich dann versichert ???
    Wenn ich bei einem Freund im Auto mitfahre, und ihm ein bisschen Spritgeld gebe, da er ja auch Geld fuer Benzin berappeln muss, bin ich dann denn nicht versichert wenn es zu einem Unfall kommt?

    Darf ich ueberhaupt noch in ein Auto eines Freundes steigen?

    Wie dehnbar ist der Begriff Freund??

  23. Den Zeitgeist sehr gut beobachtet, "alles lauter kleine doofe Peer Steinbrücks" sagt man hier daz
    seid einiger Zeit auch, „und wenn die eben keine 10.000 schnell für eine Vortrag bekommen, dann versuchen sie sich – petit noblesse oblige – aber 1000 oder 100 oder zumindest noch 10 „schnell für irgendwas“ zu bekommen – schnell und unverbindlich. „Hauptsache es ist mein!“ und die Augen funkeln. Triumpf und Erfolg fallen ins eins zusammen.“

    Und klar setzt der Teil des öffentlich beobachtbaren Verhaltens das so ggfls. erreichte dann wohl auch genauso schnell – und billig und nutzlos – wieder um in Selbstbelohnung und Kurzfrist-Befriedigungsstrukten: „Schnell mal weg nach Hurghada oder Bali oder Playa del Ingles! Man gönnt sich ja sonst nichts – und außerdem ist hier ja auch alles so blöde!“ Stimmt – und woher das wohl käme?

    Und „zäumte man des Denkers Pferd von der anderen Seite her auf“, könnte man evtl. argumentieren: Es handelt sich recht eigentlich noch um gar keine „Schnellbelohungssysteme emotionaler Unreife“ – sondern vergleichsweise immer noch nur um „Langsambelohnungssysteme“ (1) – denn wenn die sich „schnell belohnen“ wollten, dann würden sie ja direkt gleich und erfolgreich zum guten alten Kokain greifen müssen, nicht? Nase hoch – und fertig!“

    (1 – denn am Flughafen oder bei der Autovermietung oder an der Hotelrezeption am Zielort müssten sie ja ggfls. auch geduldig und ausdauernd wartend in der Schlange stehen, *g*)

    Es ist Zeitgeist, wir ändern es nicht.

    (Oder was wollte man machen, gleich „Lager für den Staatsdienst“? (Denn bei Teilen eines sich auch wie oben beschrieben verhaltenden kleinbürgerlichen Staatsdienstes finge es evtl. schon an?) Nein, „Lager“ schiede heute aus, für alle, darum lässt man es besser laufen, wie es läuft, „aber die Märkte richten es (irgendwann) schon, dafür haben wir schließlich die Marktwirtschaft!“

    Wie heute das Ansprechen von Problemen überhaupt vollkommen aus der Mode wäre: Wer zuerst darüber redete, würde auch so gleich gefragt, „was er denn bitteschön bisher schon dagegen getan hätte?“ Klare Abwehr von (Mit-)Verantwortlichkeit – und darum ließen es die meisten inzwischen vollkommen sein, das Ansprechen von Problemen.

    „Beckenbauer und andere tun ja immer auch nur schnell von da wegziehen, wo es Probleme gibt, oder wechseln ganz einfach ihr 5-Sterne-Hotel, hin nach wo was anderes, mit ohne Probleme wieder, die Leute wie der Herr Beckenbauer haben ja gar keine Zeit sich um sowas alles selbst zu kümmern, Probleme bei sich um die Ecke, die lasssen da höchstens was tun – und bei mir ist das heute nämlich inzwischen schon ganz genauso! Ich lasse das nämlich auch von den anderen machen, die dafür bezahlt werden – und fliege in der gesparten Zeit dann endlich mal wieder weg, mich von all dem Stress hier erholen!“)

    Jede Woche 1000 Dollar – und kein bißchen Mitdenken. Aber wofür auch?

    Immerhin schreibt Herr Don Alphonso hier immer noch umsonst.
    .

  24. Und für den Beckenbauer, da müsste man womöglich einen Fernseher für haben, dann wüsste man evt
    mehr, wie es so ist? Also so, wie voranstehend beschrieben – und auch, warum Frau Kraft so überhaupt keine Lust hätte – und Freude – dies NRW zu regieren?

    Zum Glück sendet zumindest der WDR noch, auch auf WDR II. Der letzte Rundfunksender auf unserer Titanic. Soviel steht fest?

  25. Uberreaktion
    http://www.ribbonfarm.com/2014/05/20/the-logic-of-uberreaction/

    „I recently made up a word: uberreact. To uberreact is to insist that regulations which exist for the benefit of incumbent producers in a market (and their political patrons) are there to protect the interests of consumers.“

    „Saints appeal to consumer insecurities and are vulnerable to the charge of paternalism and overstating the importance of their own expertise. Traders appeal to consumer overconfidence and are vulnerable to the charge of pandering to consumer vanities about their own amateur judgment.“

  26. Uberreaktion in der Pharma Branche
    Uberreaction bzw. Protektionismus mit all diesen Sekuritätsargumenten zum Schutz der Kunden ist übrigens nicht, wie man erwarten könnte, eine typisch deutsche Gewohnheit, eine Folge von German Angst, wohingegen in den USA das freie Unternehmertum und der wilde Westen regieren.

    http://slatestarcodex.com/2014/08/16/an-iron-curtain-has-descended-upon-psychopharmacology

    „The FDA won’t approve a treatment unless some drug company has invested a billion dollars in doing a lot of studies about it. It doesn’t count if some foreign scientists already did a bunch of studies. It doesn’t count if millions of Russians have been using the drug for decades and are by and large still alive. You’ve got to do the research right here in red-blooded American laboratories, then have the entire thing rejected at the last second because someone in the FDA was in a bad mood that day.“

    Ich hoffe dass keiner von Ihnen einen psychisch Kranken in der Familie hat, den die Medikamente, die ihm helfen, drogenabhängig gemacht haben. Sollte es aber doch so sein, geben Sie dem Gedanken, dass die Märkte fair sind, dass gnadenlos konkurrierende Produzenten auf globalen Märkten schon das Optimum herausholen werden, einen zweiten Gedanken.

  27. Uberreaktion in der Verlagsbranche
    Eine Frage an all die ideellen Sozialdemokraten mit ihrer Gemeinwohlorientierung, die sich zum letzen Gefecht gegen die Marktradikalen rüsten und mit dem Geruch von Büchern die, gute alte Kultur assoziieren.

    Wann ist es Ihnen zuletzt gelungen ein Buch zu erwerben, dass sie gerne lesen wollten, dass vor mehr als 50 Jahren erschienen ist und das nicht von den Verlagen als „Klassiker der Weltliteratur“ oder ähnlichem pompösen Schmu beworben wird? Oder falls 50 Jahre zu kühn sind, zu weit ausgreifend, vielleicht vor 20 Jahren [1]? Mit zunehmendem Alter stelle ich fest, dass das Wiederlesen von Büchern, die ich vor 20 Jahren einmal faszinierend fand, enorme Schwierigkeiten bereitet, nicht weil mein Hirn nun auf niedrigerer Taktfrequenz arbeitet, sondern weil sie am Markt nicht mehr verfügbar sind und auch nicht in den Leihbibliotheken. Letztere haben die ganzen Nachteile der materiellen Aufbewahung von Information ohne ihre Vorteile.

    Was Buchläden betrifft, so erfasst mich zunehmend ein Schwindel, ob des Schunds, der da vertrieben wird. Ich bin fassungslos, was es alles so gibt und was wohl auch verkauft wird. Das ist natürlich eine lebenspraktische Erkenntnis, die ich nicht missen möchte und die ich so in meiner ganz privaten Filterbubble eher nicht mache. Andererseits muss ich das auch nicht ständig haben.

    [1] Neoreaktionäre mögen das ganz anders sehen und sich fragen, warum ich mich überhaupt mit der kortikalen Flachheit und den Sophismen von Autoren herumschlage, die nach 1900 geboren wurden. Darauf kann ich höchstens antworten, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt und ich keine Lust habe mich persönlich zu verändern.

    • Und wie sieht's mit der Fernleihe aus? Bibliotheken am Erscheinungsort des Schmökers
      müssen Pflichtexemplare aufbewahren, die Deutsche Nationalbibliothek auch.

  28. Titel eingeben
    Nur so ein paar Gedanken zum Text und den Kommentaren:

    Uber rechnet immer per Kreditkarte ab – da dürfte der Steuerbetrug schwerer sein als in der klassischen Taxibranche

    Die Generation Smartphone wir nicht bereit sein eine Taxizentrale anzurufen – entweder stellt sich die Taxibranche auf diese Kunden ein oder sie wird untergehen

    Wer über Uber spricht sollte erwähnen dass die verschiedene Dienste anbieten – nur einer davon ist rechtlich fragwürdig

    Und zu zum Schluß: „Die Zerstörung von Arbeitsplätzen ist seit über 300 Jahren der Grund für unseren Wohlstand“ – ja, dieser Prozess muss gesellschaftlich gelenkt werden um den sozialen Frieden zu erhalten – aber nicht alles kann verboten werden !

  29. Seine Allmacht des Westens
    War es nicht auch so, dass Amazon in Deutschland keine Steuern zahlt (sondern in Luxemburg – wenn überhaupt)? Es gibt nur wenig Gründe, dort zu kaufen.

  30. -
    Ja, auch im moralingestärkten (Verbal-)Kapitalismuskritiker steckt am Ende doch der alte homo oeconomicus, der bereit ist, auch für einen noch so kleinen, geldwerten Vorteil alle Regelungen und Absicherungen in den Wind zu schießen! Dass sich neoliberale Marktradikalinskis und prekär beschäftigte Hipster derart die Hände reichen würden, war im schlichten Rechts-Links-Weltbild unserer Berufspolitik nicht vorgesehen…l’extremes se touchent! Und mit TTIP gibt sich der Staat endgültig preis, dann diktieren Konzerne wie Amazon das Geschehen…wenn nötig, auf dem ihnen dann prächtig gebahnten Klageweg wg. Behinderung ihrer Monopolprofite. Goldene Zukunft!

  31. Es sind nicht die Geschäftsmodelle...
    …die die Umverteilung fördern. Es sind die Kunden, die diese Geschäftsmodelle erfolgreich machen.

    Es liest sich immer hervorragend, wenn die bösen Unternehmer an allem schuld sein sollen, was in dieser Welt falsch läuft. Der Konsument ist ein armer Tropf, der am besten per Gesetz vor allem geschützt werden soll. Nein! Ist er nicht!

    Wenn ein Idiot einen Handyvertrag abschließt, den er sich nicht leisten kann, dann ist der Idiot dran schuld, nicht der Mobilanbieter. Es sei denn, man will den gläsernen Kunden. Aber den will man auch nicht, weil der Idiot dann nämlich als Idiot bei allen Anbietern bekannt ist, und nicht mal mehr Verträge abschließen kann, die er sich vielleicht sogar leisten könnte…

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