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Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Ihr Konto ist sicher, und Haie können fliegen.

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Wie Sie vielleicht gelesen haben, liegt Hamburg in meiner Vorstellung in einer eisigen Tundra nahe des Polarkreises. Derartig mit echt bayerischen Geographiekenntnissen ausgerüstet, habe ich den Polarexpress am Hauptbahnhof verlassen, statt eine Station weiter zum Dammtor zu fahren, wo mein Arktishotel und das Kongresszentrum liegen, und wo der Kongress des Chaos Computer Clubs stattfindet. Meinen Fehler habe ich beim Überqueren eines Gletscherausflusses namens „Binnenalster“ verstanden. Ausserdem konnte ich keinen einzigen Eisbären erlegen, dessen Fell eine schöne Ergänzung für meine Liegenschaft in den bayerischen Bergen gewesen wäre – aber egal. Ich sah statt dessen drei Junkies im Eingang eines grossen Warenhauses. Sie waren in ihren Schlafsäcken ganz hinten windgeschützt vor den verschlossenen Toren, und ganz vorne standen die Pappbecher für die Münzen der Passanten. Die Bedürftigen achteten nicht darauf, sondern beschäftigten sich mit ihren Mobiltelefonen.

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Ich werde vermutlich mal so ein altmodischer Landstreicher wie jener an der zugigen Binnenalster, der Leute noch analog anspricht und Hunde streichelt. Es wird ja oft über die digitale Kluft in unserer Gesellschaft gesprochen – vor dem Kaufhaus wird sie radikal ausgelebt. Digital Natives überbieten sich in Verzicht, sie brauchen keine Küche mehr, keine Bücher, keine Stereoanlagen, und Rasierapparate werden rituell verbrannt. Büros werden zu öffentlichen Coworking-Spaces und alles, was das Leben ausmacht, wird auf der mobilen Device getan, während das ganze Leben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Erwartung des nächsten Kicks ist. Die Digitalkultur ist eine grosse Absage an Klassen, Regeln, Besitz und Herkunft, für das Recht auf Rausch und gegen den Zwang zur Erwerbsarbeit, eine totale Absage an die überkommenen Regeln der Gesellschaft, wie mir manche Hipster mitteilen.

Und sollte ich so dreist sein, die drei Junkies mit ihren Mobiltelefonen als gelungene Umsetzung dieser standes- und besitzfeindlichen Vorstellungswelt zu preisen, und gar erwähnen, dass sie im Verdrängungswettbewerb mit dem analog fahrenden Volk fraglos die Zukunft sind, würden sie mir vermutlich etwas über das bedingungslose Grundeinkommen in Finnland und die Legalisierung von Drogen erzählen. Dabei sind die Leute mit ihren Schlafsäcken im geschützten Eingang möglicherweise von ihnen nur einen Klick entfernt, wenn sie im Netz leben. Es ist die digitale Gesellschaft mit Internetteilhabe für jeden – nur ich bin so altmodisch, mit offenen Augen durch die Strassen zu gehen und Internet-lucet-omnibus-Veränderungen zu erkennen, die andere mit Dauerblick auf ihr Handy gleichzeitig ignorieren und leben. Dabei ist die totale digitale Durchdringung auch solcher Lebensbereiche das Kommende. Ich bin alt – und werde, zugegeben, für das Ausformulieren solcher zynischer spannender Digitalthemen von der FAZ besser als von jungen Leuten belohnt – und halte am zweiten Tag des Kongresses lieber das Schandmaul den Mund und schaue mir brav weiter Vorträge an.

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Das sagt Netzpolitik.org in einem umjubelten Heimspiel als eine der Konsequenzen aus dem Landesverrat-Skandal. Es ist der Rückblick auf einen grossen Sieg gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner, den ein kleines Blog mit dem Rückhalt von Tausenden, Zehntausenden gewonnen hat. Endlich wurde einmal wieder über Netzpolitik bundesweit gesprochen, endlich konnte die Szene ihre Forderungen an ein grösseres Publikum bringen: Whistleblowerschutz. Presserechte für Blogger. Begrenzung der Überwachung. Sicherheit vor Ausspähung. Stets kommt der Jubel von tausenden begeisterten Zuhörern. Das ist es, was die Leute auf dem Kongress hören wollen, das sind tatsächlich vernünftige Forderungen von den Stars der Szene. Tausende sind hier, aber Millionen schalten am Abend bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ein. Im ZDF läuft dann ein Krimi, in dem es unter anderem darum geht, dass Nazis für ihre Massenmordpläne die gleiche Verschlüsselungssoftware wie die islamischen Extremisten benutzen sollen, und sich über das Internet und Blogs radikalisieren.

Über derartig platte Schuldzuweisungen kann man in Frankreich nicht mehr lachen. In ihrem Überblick zum Niedergang der Zivilgesellschaft in einem Land, in dem der Ausnahmezustand herrscht, berichteten französische Aktivisten über die Anti-Terror-Gesetze, mit denen der Staat auf eine kleine, klar definierte Gruppe von Terroristen reagiert: Verfolgt werden können auch jene, die die Planung solcher Anschläge oder die Kommunikation von Extremisten ermöglichen. Es sind Gesetze, wie sie sog. Sicherheitspolitiker und Geheimdienstler lieben: Schwammig, unpräzise und offen für weitreichende Interpretation gegen alle. In Frankreich kommt dazu noch das Problem, dass die Regierung die Gewaltenteilung umgeht, und als ihr eigener Kontrolleur agieren kann. In diesem Fall sind dann die Kryptographie und ihre Entwickler betroffen: Sie rücken zunehmend in den Fokus der Überwachung. Dass die Attentäter von Paris ihre Kommunikation vor den Anschlägen ganz offen und unverschlüsselt über normale Handies abwickelten, spielt da keine Rolle – weder bei den Politikern in Frankreich noch bei denen, die mit Gebührengeldern finanziert klandestine Propaganda in deutschen Wohnzimmern betreiben.

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Geradezu bescheiden und primitiv nehmen sich dagegen die Versuche des Regimes im Iran aus, seine Bürger dumm und unmündig zu halten. Als nur fast lupenreine Demokratie kann das Ministerium für Information, Computer und Technologie in Zusammenarbeit mit einem Gremium der Revolutionswächter freihändig entscheiden, welche Informationen über das „Filternet“ ins Land gelangen dürfen. Mahsa Alimardani von den Global Voices Iran hat sich vier Jahre lang wissenschaftlich mit den Methoden des Landes auseinander gesetzt und berichtete im restlos überfüllten und leider viel zu kleinen Saal eindringlich über den Stand der Dinge in einem Land, in dem die Fähigkeit zur Internetregulierung zum Glück noch schwächer als der Wille zur Repression ist. Zwar interessieren sich die gottgläubigen Mullahs für Zensursoftware aus dem gottlos-atheistischen China. Momentan wird aber vor allem versucht, den Menschen nahe zu legen, doch lieber Dienste zu nutzen, die der Regierung passen, teilweise in ihrem Auftrag entwickelt wurden, und entsprechend halal sind. Ausländische Chatsoftwareanbieter haben mit staatlich gelenkter Propaganda wie beim ZDF zu kämpfen, wenn etwa behauptet wird, ein grosser Teil der Daten werde von ihnen auf iranischen und damit kontrollierbaren Servern gespeichert. Dass die Angst der Iraner vor der Internetkontrolle nicht sonderlich gross ist, führt Alimardani auf den Umstand zurück, dass die eigentliche Gefahren für Blogger und Regimegegner immer noch ganz real die Verhaftung und staatliche Unterdrückung an Leib und Leben sind.

Es sind derartige Blicke über den Tellerrand, die mit dem eigenen Land versöhnen, in dem ungestraft vor Tausenden gezeigt werden kann, wie man die mobile Überweisungstechnik der Sparkassen hacken kann. Vincent Haupert aus Erlangen hatte erkennbaren Spass daran zu erklären, dass die gleich wertlos werdenden Apps bis vor zwei Stunden noch auf dem Stand gewesen sind, den er hier vorführt. Danach sieht das Publikum, wie ein einziger, junger Mann mit ein paar Überlegungen zur Sicherheitsstruktur in der Lage ist, die Vorkehrungen eines Milliarden schweren Bankenverbandes auszuhebeln. Haupert geisselt damit die Bequemlichkeit der Nutzer, alles mobil mit einem einzigen Endgerät machen zu wollen, und die fehlende Kompetenz der Banken, die mit ihrer Software zu schlampig umgehen und nicht weit genug denken. Sein Fazit: Apps für Überweisung und zur Bestätigung mit TAN-Nummern, die sich auf einem einzigen Gerät befinden, seien einfach nicht sicher. Das sei ein Katz-und-Maus-Spiel, das die Banken nicht gewinnen könnten.

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Draussen vor dem Saal schwimmt ein schwarzer Hai durch die Luft und stupst Leute an. Es kann sein, dass es in Hamburg vielleicht doch keine Eisbären gibt, und Haie können vermutlich nicht fliegen – aber der hier kann es, und ist eigentlich auch ein sehr schönes, bildhaftes Symbol für den Kongress. Man glaubt an Sicherheit, wenn sie einem doch von Banken und Politikern versprochen und beworben ist, und man glaubt nicht, dass Haie in der Luft schwimmen können. Das ist die Realität, in der man zu leben glaubt, bis dann eben ein Hai fliegt, eine Überweisung zu falschen Empfängern geht, ein Terrorist den Behörden wohlbekannt, aber nicht ausreichend überwacht ist. Der Kongress ist da noch die freundlichste Form der Realitätsdurchbrechung, während in den Massenmedien behauptet wird, Kryptographie in Privathand nutze nur dem Terror, das mobile Leben sei bequem und sicher, und Haie könnten nicht in Luft schwimmen.

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48 Lesermeinungen

  1. Sharknado!
    Wie angenehm, zum Jahreswechsel mal wieder ein Text, bei dem man nicht befürchten muss, in den Kommentaren einer Vielzahl von Foristen bei jedem zweiten Satz „Mutti“, „Lügenpresse“, „DDR 2.0“, „real existierender Sozialismus“, „Urnenpöbel“, „Gutmenschen“ etc. pp. überscrollen zu müssen.

    2015, das erste Jahr ganz ohne F.S. – es muss sehr mühsam gewesen sein. Es ehrt Sie, werter Don, dass Sie gleichwohl die Fahne weiter hochhalten. (Sein Publikum kann man sich bekanntlich nicht immer aussuchen.)
    Meinen Dank dafür. Kommen Sie gut in das neue Jahr; vielleicht ja sogar auf dem Rodel! Dann bitte die Bilder nicht vergessen!

    • Danke.

      Es sind halt aufregende Zeiten, fürchte ich, und die Alternative, die mir aus progressiven Kreisen nahegelegt wird – Maul halten – ist halt nicht so meins. aber es wird schon ganz nett werden, keine Sorge.

  2. Wer den Vernunftmangel anderer (auch geplanter)Lebensweisen sieht und verkündet;
    wenn auch intelligent untermauert, der beweist damit nicht notwendigerweise Vernunftgehalt seiner eigenen Lebensweise?!

    • Nein, natürlich nicht. Das wird mir auf dem Kongress auch klar: So ein Leben wie meines muss man sich wirklich erst mal leisten können. Und selbst dann würden andere es kaum überleben. Man muss schon das Gift leben, das man versprüht.

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      @Wolfgang Henning: Der Arzt, der vor dem Rauchen warnt, hat ja nicht deshalb unrecht, weil er selber raucht.

    • Stimmt auch wieder…

  3. Haben Sie wenigstens...
    …die Nordwestpassage gefunden?

    • Ich war in so Kolonnaden, die Richtung Nordwesten gehen, beginnend am Jungfernsteg. Meinen Sie das? Da kommt man tatsächlih durch, aber Eisbären hat es da auch nicht.

  4. Talk to the bomb. You have to talk to it, Doolittle. Teach it PHENOMENOLOGY.
    Aha:

    Die Typen, die ihr Geld mit Internet Sicherheit verdienen, zeigen auf, wie unsicher die Internet Sicherheit der Konkurrenz ist. Und man genau deshalb auf Typen wie sie zurückgreifen muss, um die wahre Sicherheit zu gewährleisten. Und das ganze dann noch unter dem Label „Gegen die totale Überwachung“ ohne den Zusatz, dass Sicherheitssysteme ja nicht anders machen als zu überwachen.
    Wo ist da eigentlich der Unterschied zu den Gendertröten, geehrter Don?

    • Ich denke, man muss bei der Security wie auch beim Feminismus zwischen berechtigten Anliegen und Bigotterie entscheiden. Die Frage kam heute gleich zweial auf; Wenn wir weniger überwachen, was soll man statt dessen tun? Da kommen die Leute ann schnell ins Rutschen. Das wäre vielleicht auch ein gutes Generalthema.

  5. Guter Überblick
    Guter Überblick und flott geschrieben, besten Dank dafür. Ist/war Snowdens begrenztes Wirken dort auch ein Thema?

    • Ja, wobei man schon merkt, dass die Szene jetzt ohne neue Enthüllungen doch sehr im Nebel stochert. Man weiss zwar, dass weiter abgehört wird, aber welche neuen Methoden eistieren, ist unklar, Ich glaube, dass die Erkenntnis, dass vor allem Politik und Wirtschaft betroffen sind, eine grosse Bedeutung hat – im Sinne von: Trifft eh die Richtigen. Ansonsten, Krypto, Krypto, Krypto.

  6. Alles Glück dieser Welt
    Lieber Don, ich sags ja seit Jahren, gefühlt seit Jahrzehnten: Der Mensch ist für die Wahrheit nicht geschaffen, sie macht ihm Angst. Oder warum fallen Menschen auf noch so günstige Internetangebote rein, überweisen im voraus, ohne den Gegenstand je in Augenschein genommen zu haben. Was früher unabdingbar war, scheint heute obsolet. Und deswegen kommen Leute von paypal daher und reden schon das Bargeld in die Vergangenheit auf dem Nährboden der Online-Denke. Und an den Kassen stehen Ochsen, die 2,78€ mit Karte und demnächst per smartphone zahlen – nach Indien outgesourced wird ausgewertet. Alles, weil Wischen so viel Spaß macht – oder das smartphone die Bibel ersetzt und unerwarteten Halt bietet. „Ego“ wird jeden Tag von der Realität eingeholt – und vermutlich bald übertroffen.

    A proposito: kommt Hamburg jetzt etwas besser bei Ihnen weg?

    • Naha, das ist halt die Zukunft, die aus Afrika zu uns kommt – da ist man schon sehr viel weiter. Vielleicht sollte man den Leuten mal erklären, dass es eigentlich eine Technologie der Diskriminierten ist – die Reichen hatten dort schon immer ein Konto, nur die Armen müssen wischen.

      Allerdings, solange man schwarzgel hortet, wie in vielen Ländern Europas, wird es weiter Echtgeld geben.

  7. aber...
    …die hier mitlaufenden 8-14 Tracker haben ja auch ihren Zweck. So ist es halt. Schöne neue Welt. 2016 mehr offline sein!

  8. Gipfeltreffen?
    Wird es denn ein Gipfeltreffen mit Fefe geben?

  9. hm,
    die industrielle Revolution hat die schlimmsten Kriege entfesselt und das ist ja noch nicht ausgestanden. Ich weiß nicht, ob der Begriff „digitale Revolution“ nicht ein wenig hochgegriffen ist. Eigentlich kann ich das nur hoffen; ich hab´s scheinbar nicht so mit Revolutionen.

    • Das geht mir genauso – aber es gibt halt zu viele, die sich überschätzen und nie glauben, dass sie am Ende doch bzu den Verlierern gehören. Die bilden das Brennmaterial.

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      Ach, ich denke schon, dass der Begriff „digitale Revolution“ berechtigt ist. Und wir erst ganz am Anfang dessen stehen, was Software uns ermöglichen wird. Oder eben anrichten wird.

      Die wahre Herausforderung wird dabei sein, herauszufinden, was man denn alles damit sinnvolles tun könne. Hat die industrielle Revolution es noch erfordert, dass Menschen zuerst für, dann mit Maschinen arbeiteten, ermöglicht es Software, dass immer mehr Maschinen selbständig für die Menschen arbeiten, und immer weniger Menschen mit Maschinen. Eigentlich ein ungeheures Potential an Schaffenskraft, welches frei wird.

      Ich stimme Ihnen aber zu, dass bei weitem die meisten „digital Natives“ und sonstige Personen, die meinen, durch fortdauerndes Befingern ihrer Mobiltelefone würden sie zumindest zum Weltenlenker, ein gewisses Übergeschnapptsein nicht zu verneinen ist. Es ist diese eitle Selbstbezogenheit, dieser Wahn, man schwimme oben, und man schwimmt doch eigentlich nur mit. Ähnlich wie bei den Religionen, wo sich der bei Verstand gebliebene schon fragen muss, warum denn ein kleines Würstchen von Mensch ernsthaft der Überzeugung sein kann, dass der angebetete Gott, der für die Welt und überhaupt alles zuständig ist, sich ausgerechnet für eben dieses Würstchen und dessen Befindlichkeiten interessieren soll.

    • Mir machen so viele Menschen mit igitalgeräten auch ein wenig – Sorge. Ich fühle mich beklemmt und merke schon, dass ich da nicht Teil bin.

      Mal ganz abgesehen davon, dass heute sehr negativ über soziale Privilegien gesprochen wurd, direkt hinter mir, von einem Mansplainer, der seiner blonden Bekannten die richtige Sicht der Dinge auf den Weg geben wollte. Das war schwer zu ertragen. Und man merkt schon, dass für viele dort die Weltrevolution eine gute Lösung unserer Probleme wäre.

    • Die Digital-Naiven
      Und die Digital-Naiven fragen sich nicht: Wer verkauft uns denn all die schönen Smart-Tools, Apps und Gerätschaften, damit wir von der virtuellen Revolution träumen/blubbern können?

      War schon sehr erstaunt, welche Apps auf meinem Android-Phone alle „nach Hause“ senden wollten, die Sammel-Zentrale bleibt jetzt meistens abgeschaltet.

    • @greenbowlerhat
      Die industrielle Revolution hat uns kompetenter gemacht, die digitale inkompetenter, meinen Sie? Das ist gut möglich. Ich habe Werke über Elektrotechnik zu Hause – nicht, dass ich davon etwas verstünde – die um die hundert Jahre alt sind. Wenn Sie die neben heutige „Fachbücher“ legen, fällt Ihnen der Rückgang an Informationsdichte pro Seite sofort ins Auge, da brauchen Sie keine Zeile gelesen zu haben. Ich habe immer wieder von neuem Respekt davor, was man alles wissen kann und – eigentlich muss, um bestimmte Techniken zu beherrschen, also eine ernsthafte Vorstellung davon zu haben, wie sie im einzelnen funktioniert und überhaupt nur eine individuelle Fehlersuche vornehmen zu können. Und wie erbärmlich wenig davon heute noch vermittelt wird; vermittelt werden kann an junge Leute, die ihre Zeit schon von klein auf mit Tastendrücken vergeuden! Man sagte mir neulich, dass die Zahl derjenigen, die bestimmte Technologien noch autonom reproduzieren könnten, wären sie im Ernstfall von den Zulieferern abgeschnitten (mal unabhängig von der Frage, wie man zu den Grundkomponenten, also den seltenen Erden kommt) mittlerweile doch recht klein sein muss. Also – in welches gruselige Abhängigkeitsverhältnis begeben wir uns da bitteschön hinein?

      Den Glauben von Menschen sollte man übrigens nicht verspotten (übrigens geht es dabei darum, dass sich die Menschen bitteschön für etwas Höheres interessieren sollen und nicht etwa umgekehrt; alter Irrtum!) Schon gar nicht vor dem Hintergrund eines Szenarios, das uns womöglich in Abhängigkeit von drei bis vier verrückten Nerds bringt, wenn wir der bequemen Versuchung, in die sie uns kraft ihrer Wassersuppe bringen, erliegen sollten.

      Gute Nacht.

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      Ach ja, dieser komische Begriff, „Mansplainer“, den sollten Sie man erläutern. Man liest das allenthalben, und sucht man eine Erklärung, findet man eigentlich nur so selbstreferentielle bis hin zu paranoiden Aussagen im Sinne von „Kritik von Männern an den Äußerungen oder dem Verhalten einer Frau ist unabhängig von deren Inhalt oder Form immer böse und daher sind alle diese Kritiker herabzusetzen und lächerlich zu machen, ohne dass es eines Eingehens auf den Inhalt der Kritik bedarf. Wo kämen wir denn da hin“.
      So mancher Ihrer Twitterlinks führt da ja auch in einschlägige Ecken dieses Dienstes, wo das Wort in seiner Häufigkeit gleich nach „und“ kommt.

  10. Titel eingeben
    „… altmodischer Landstreicher“: die heißen in der Stadt „Stadtstreicher“. Muss man als Landei aber nicht wissen.

    • Wie gesagt, Hamburg liegt in der Tundra und wenn es mal wieder überschwemmt wir, was wohl einmal pro woche passiert, dann gehen sie auch aufs Land, nehme ich an.

  11. Titel eingeben
    Gnadenlos guter Artikel. Saugut geschrieben, macht Spass zu lesen. Ich habe Wifi auf meiner Pack Eis Scholle. Ich pack mir mal ein Eis, lenke meinen Hai weiter. Das Jahr geht zu Ende. Die uns ueberwachen ueberwachen immer die Falschen. Schon Brecht wusste, ja die Haie sieht man nicht. Ich meinen schon, der grinst grade, mal sehen

  12. kurz, bündig und gut dieser Beitrag
    Die schöne analoge Technik des Augen offen halten, verlernen leider zu viele in den heutigen Tagen. Schön dass sie diese noch beherrschen. Überwachung und die Machtkonzentration diese Überwachung auf wenige Personen zu konzentrieren birgt Probleme die in einen Überwachungsstaat enden können. Dass Regierende die nun mal auch nur Menschen mit ihren stärken und schwächen sind, die Gefahren die von ihnen für andere ausgehen herunterspielen ist auch Menschlich. Solange es aber ein derart großes Sicherheitsrisiko durch Menschen gibt die sich mit Gewalt ihren Zielen zu nähern versuchen wird der natürliche Schutzreflex greifen.

  13. 'tschuldigung
    herr porcamadonna,
    wir machen nicht gleich männchen, bloß weil eine bloggerberühmtheit an unserem basementloft vorbei kommt. aber steck uns doch beim nächsten mal einfach einen schein in den becher, dann kommen meine pennbrüder und ich auch aus unserer filterblase. und leuten, die nicht nur über uns bloggen, sondern sogar freundlich mit uns reden, denen bieten wir sogar gastfreundschaft an – einen sitzplatz am fußende der penntüte und einen großen schluck aus der lambruscoflasche.
    >>>sent from my iPhone<<<

  14. Digitalkultur
    Das schrieb ich in einen anderen Blog, lange her.

    Mann begeht kein Verrat an seiner Art, keiner nimmt den Stern der Wahrheit, vom Banner!

    Snowden hat´s getan. Mit Recht die Lüge gestraft; ihm gewährt keiner das Recht was das Gewissen ihm eingestand. Er wird als Verräter den Massen zelebriert…als Übeltäter der amerikanische Geschichte ausradiert; was er Tat, es braucht Mut. Es gibt keine Helden der Geschichten mehr, nur erfolge der menschliche Gemeinheit!

    Ich wollte, ich tat nicht genauso!

    Aber Dann! Gut einen Versuch hatte ich. Ich habe es getan für ein Tag; meldete mich von der Welt ab, um zu sehen was geschieht, ich wusste es, Nichts… Irgendwer hätte Snowdon retten können und die Welt, wäre nicht mal zerstört… nur wer will das Snowdon ohne Recht ist? Die Welt braucht sein Übertäter, Verräter.
    Dann geht es den Menschen gut, so!

    Genügt hätte, eine Mail mit einen Wort, von einer Millionen Freundschafts-Mails, mal an, von Gut einer Millionen Teilende-Freuden dir mit, zu einer Algorithmisch- Bewusstseins- Adresse, wir hätten die Welt einer Tat besser gemacht; für mich ist die Welt nur der Augenblick, im dem sie sich zeigt was sie ist; was hält der Lehrsatz von der Ethik offen; ihm gehören alle Best möglichen Disziplinen wie alle wertschöpfende Wissenschaften an; was bewirkt es? Nichts!

    Die Welt ist mir nichts! Drum!
    Die Welt ist alles was ich habe!

    Snowdon hat nur eine Chance zurücklaufen, überlaufen oder untergehen; was er auch tut er hat mein Mut, dazuverdient.

    Danke

  15. Lieber Don Alphonso,
    Sie haben in 48 h zwei große Texte und ein kleineres Résumé geschrieben, dazu aktuelle Tweets sowie Repliken Ihrer Leserpost, die Ihnen vor der Freischaltung selbst bei flüchtigster Kontrolle auch noch Zeit nimmt. DAZU kamen in diesen zwei Tage die zu besuchenden Vorträge, Gespräche, Stimmungserhebungen usw. usf. und wenn Sie vielleicht auch schlaflos durchkamen, umgezogen haben Sie sich sicher.

    Ein den meisten wenig sagendes Thema mussten Sie besonders aufbereiten und verdichten um von den 99% Normal-Usern überhaupt verstanden zu werden, wobei ich Ihre Zusammenfassungen besser und in der Botschaft eindringlicher als die Referate vermute.

    Sie müssen also komplett fix und fertig sein und so klingt die Rebellen- Melancholie auch.

    Gelungen sind Ihnen wieder diese eigentümlich leichten und doch so präzisen Erzählungen, auf die Sie im Feuilletonbetrieb ein Alleinstellungsmerkmal haben. So ist über Hamburg, das ich gut kenne und sehr liebe, mit der Junkie- und Obdachlosenszene am Hauptbahnhof alles gesagt. Genau das ist diese Stadt.

    Sie werden dort niemals, niemals landen, dafür sind Sie zu fit, zu professionell und natürlich viel zu gut (es ist übrigens ohne falsches Understatement, denn Qualität erkennt man immer, unsagbar peinlich einem exzellenten Stilisten zu schreiben, weil alles dagegen so jämmerlich ist, darum setze ich jetzt auch aus).

    Ihr Wirklichkeitssinn ist so überfeinert, da passiert Ihnen nichts, wenn man die Gefahren von übermorgen schon im heute sieht.

    Sie werden das berühmte Bernhard Heldenplatz-Zitat kennen: „Die Wirklichkeit ist so schlimm, dass sie nicht beschrieben werden kann.“ Sie widerlegen das.

    • Danke – es ist eigentlich ganz einfach, ich enke beim Schreiben niht so viel. ann geht das auch. Gerade haue ich den nächsten Beitrag raus. Allerdings war ich gestern auch nur auf rei Vorträgen.

  16. Open Plan
    „Büros werden zu öffentlichen Coworking-Spaces und alles, was das Leben ausmacht, wird auf der mobilen Device getan, während das ganze Leben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Erwartung des nächsten Kicks ist.“

    Die Ent- und Wiederverbürgerlichung der technischen Intelligenz wäre mal ein interessantes gesellschaftlich-politisches Thema. Dabei wäre auch zu fragen, warum es gerade der einstmals als menschenscheu und introvertiert geltende Nerd geschafft hat, einen eigentümlichen semi-Kommunismus zu etablieren, der ihn jetzt in Gestalt von Open Plan Offices auch räumlich-materiell heimsucht und zwangsvergemeinschaftet. Vielleicht ist das schon die Rache der sozialen Wirklichkeit an ihrer Virtualisierung? Diejenigen, die sie zu verantworten haben, geraten schon zu Lebzeiten in die Hölle der Dauerkommunikation im Bakteriensupraleiter. In gewisser Weise ist das natürlich auch eine Alternative zur staatlichen Überwachung: manifeste, permanente soziale Kontrolle.

    • Die meisten machen das ja nicht dauern, sondrn ziehen sich auch oft ängstlich wieder zurück -> Safe Spaces.

  17. Titel eingeben
    Über die launige Eröffnungsrede des 32C3, „Keynote“ genannt, gibt’s eine detaillierte Demontage bei Danisch.de: „Die einweichende Piratisierung…“

  18. Titel eingeben
    Wie haben denn die anderen Congressbesucher auf die Anwesenheit des Dons reagiert? War es wie bei Fefe, der kaum frei herumlaufen kann, ohne von allen Seiten belagert und getrollt zu werden, oder gab es keine Zwischenfälle/Konflikte?

    • Wir sassen gestern eine Weile mit anderen zusammen und hatten Spass. Ich kenne halt mehr so die alten Mitglieder.

  19. SSL / "Certificate Pinning"
    Was wir baruchen ist ne Domain „.BANK“ die nur an Banken zugeteilt wird. Genausomuss es eien OFFFIZIELLEN IP Addresbereich geebn der nur von Regierungen genutzt wird in den untrenhmen ihre Domaisn und dei Fingerprints bekanntgeben – eienArt elektronsiches Handeslregister.
    Das Restnetz kann beliebn wie es ist und nur für diese IP Adressranges gelten dann ehröhte Sicherheitsanforderungenudn Regularien. Deshalb müssen diese Berichte einfach zu merken sein. (Siehe etwa 8.8.8.8 für den google DNS). Wir brauchen solche Verzeichnisse von SSL-Fingeprints in eienr art elektronsichem handeslrecgister, denn:

    Welcher Nutzer weiss schon wer sich hinter „Sparkassen-Informatik.de“ verbirgt?

    http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Frankfurter-Netzaktivist-legt-sich-mit-EZB-an;art675,1460709

  20. KaBalz sagt zum Gast aus Wien
    der Elogen jetzt genug, denn diese müssen vor der Freischaltung auch erst einmal quergelesen sein. Don wird ja gewiss kein Volontärs-Streichquartett zur Seite stehen wie der Arbeitgeberin.

    Zu Dons Themen allgemein und deren Verdichtung auf das Wesentliche für 99% der Teilnehmer wäre zu sagen, dass diese Aussage nicht auf jeden zutrifft. Und leider versäumt es Don bei dem ganzen Stress den er sich macht, hin und wieder sich mit den „Nachbrennern“ zu Artikeln zu äußern die einen step nach hinten getan haben. Wäre da nicht Eile mit Weile angesagt? Oder ist er gar vertraglich Frankfurt zu hoppla-hopp verpflichtet?

    So äußerte sich kürzlich mit solch einem Nachbrenner ein gewisser Dr. M. (M. ohne Zusatz wie M.-Wohlfahrt oder M.-Piepenbrinck) dahingehend, dass er sich wundere in der F.A.Z. „…solch zusammenhangloser hinschwadronierter Texte ohne roten Faden oder gar eine Geschichte lesen zu müssen. Für den unkundigen Leser sei das alles nicht nicht fassbar. Den Autoren vermutete er augenscheinlich in der Gesellschaft abgehängter Männer vorgerückten Alters. Und zu allem Übel, die Kommentatoren eiferten ihm nach und versuchten sich in wirren Kommentaren zu übertrumpfen“

    Da haben wir den Salat, verehrte Herrschaften. Don, schon mit dem nächsten Artikel vollbeschäftigt, konnte nicht einmal um Satisfaktion bitten. Ich hätte da ein paar Antworten parat. Auf ein Neues.

  21. Liebe Frau KaBalz,
    die schlimmste Kritik im Kulturbetrieb ist nicht wahrgenommen zu werden. Ich gehe nicht im entferntesten davon aus, dass meine Meinung den Autor interessiert, sehr wohl aber, dass seine Arbeit beachtet wird.
    Leserbriefe sind keine Form selbst zu publizieren sondern um Dank, Unterstützung und Ermutigung auszudrücken.
    Außerdem schreib ich doch hier eh nicht mehr mit. Also alles gut.

    • KaBalz fragt besorgt,
      lieber Gast aus Wien, woos is äahnen wderfoan? Warum schreibans ned mea mid?
      Dank, Unterstützung, Ermutigung-das hat der Don nicht nötig, schätze ich mal. Daher kann er sich auch erlauben derart nobel über Kritik von Doktorchen hinweggehen.
      Ein gutes neues Jahr Ihnen und allen in Austria.

  22. Pingback: Tausende und Millionen : Burks' Blog

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