Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Was tun gegen die Säkulare Stagnation?

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Larry Summers macht Vorschläge. Nicht für alle muss sich der Staat verschulden.

Adam Posen, Janet Yellen und Larry Summers (von links) beim ASSA-Treffen in San Diego (Foto: ASSA)

Die Wirtschaft und die Löhne wachsen kaum noch – kein Wunder, denn auch die Produktivität steigt nur noch langsam. Die Inflation ist seit Jahren niedrig, und die Zinsen sehen die Nulllinie allzu oft von unten. Was ist da los?

Es gibt viele Erklärungen, die einander nicht unbedingt ausschließen. Der Harvard-Ökonom und ehemalige amerikanische Finanzminister Larry Summers spricht seit Jahren von einer „säkularen Stagnation„: Die entwickelte Welt stecke in einer dauerhaften Wachstumsschwäche – auch weil die Bevölkerung altert (also beispielsweise weniger junge Leute Häuser bauen) und neue, digitale und dienstleistungsgetriebene Geschäftsmodelle weniger Kapital erfordern als die großen Industrieanlagen des vergangenen Jahrhunderts. Diesen Betrachtungen schloss sich beim amerikanischen Ökonomen-Jahrestreffen in San Diego auch Janet Yellen an, die ehemalige Chefin der Notenbank Federal Reserve (die Diskussion im Webcast). Aber was nun tun?

Yellen hält daran fest, dass die Notenbanken noch mehr tun könnten. Auch sie glaubt, dass die Zinsen nicht sehr weit unter die Nulllinie fallen können. Dann aber müssten die Notenbanken die Zinsen länger niedrig halten. „Lower for Longer“ (Länger niedrig) heißt diese Strategie. Die Idee: Die Notenbank verspricht, dass die Zinsen in Zukunft länger niedrig bleiben, als sie es unter normalen Umständen täten. Dann dürfe die Inflation auch mal überschießen. Darum haben die Investoren Sicherheit, dass die Zinsen lange niedrig bleiben. Die Zinsen für längerfristige Kredite, die die Notenbank mit traditionellen Maßnahmen nur schwer beeinflussen kann, sinken. Für Unternehmen wächst der Anreiz, Kredite aufzunehmen und das Geld zu investieren.

Weil dann wieder die Gefahr wächst, dass die falschen Kredite vergeben werden, müsse die Kreditregulierung besser werden (es geht nicht zuletzt um die so genannte makroprudentielle Regulierung). Auch der Staat könne etwas tun: In der aktuellen Lage könne er höhere Schulden tragen, ohne dass er viele Zinsen zahlen muss. Ja, der Staat könne sogar die Steuern erhöhen und das Geld selbst investieren.

Der Ökonom Adam Posen, Präsident des „Peterson Institute for International Economics“, erinnerte an eine Strategie aus Japan: Direkte Zielzinsen für Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten vorzugeben und entsprechend Staatsanleihen zu kaufen. Das beeinträchtige die Unabhängigkeit der Notenbank nicht, findet Posen: Sie könne solche Programme schließlich jederzeit beenden. (In Europa allerdings wird darüber diskutiert, was ein Ausstieg der Notenbank aus ähnlichen Programmen für die Staatshaushalte in finanzschwachen Staaten bedeuten würde.)

Vorschläge von Larry Summers

Larry Summers sieht Abhilfe auf anderen Wegen als Janet Yellen. Mit der „Lower for Longer“-Strategie müsse Amerikas Notenbank in der nächsten Rezession praktisch dauerhafte Nullzinsen versprechen. Niedrige Zinsen könnten Nebenwirkungen haben; in einer Welt, in der nicht viel investiert werde, fließe das Geld vor allem in bestehende Geldanlagen und treibe die Vermögenspreise in die Höhe. Wer die Nebenwirkungen durch Regulierung begrenzen wolle, begrenze gleichzeitig die Wirkung der niedrigen Zinsen. Summers plädiert eher für Staatsschulden, da schloss er sich Yellens Vorschlägen an: In einer Welt niedriger Zinsen müssten die Maastricht-Verschuldungskriterien deutlich lockerer werden, meinte er.

Allerdings hatte auch beim ASSA-Treffen Kenneth Rogoff auf Grundlage seiner Finanzkrisen-Forschung davor gewarnt, wie hoch das Verschuldungsniveau der Staaten schon ist.

Der Staat könne aber auch einiges tun, ganz ohne sich zusätzlich zu verschulden, meint der ehemalige Minister Summers.

  • Er könne zum Beispiel neue Sozialversicherungen einführen, die direkt durch Beiträge gezahlt werden – in einer Welt niedriger Zinsen sei das sowieso attraktiver als die Vorsorge am Kapitalmarkt. Das hätte gleich einen zweiten Vorteil: Je besser die Sozialleistungen, desto weniger müssten die Menschen sparen – auch das bringt die Zinsen tendenziell nach oben.
  • Wenn der Staat seine Infrastruktur gut wartet, braucht er jetzt Geld, aber spart auf Dauer viel.
  • Im von Demokraten vorgeschlagenen „Green New Deal“ seien viele Vorschläge enthalten, die mit Klimaschutz nichts zu tun hätten. Aber Investitionen in neue Energien und Energieeffizienz könnten einiges helfen. Wenn beispielsweise Kohlekraftwerke abgeschaltet werden müssen, befördere das die Investitionen in Ersatzanlagen.

Offen: Wie investieren Unternehmen mehr?

Was in der Wirtschaft geschehe, könne man ganz leicht sehen: „Jedes Smartphone hat heute mehr Rechenkraft als ein 50-Millionen-Dollar-Supercomputer aus den 90ern“. Und: „Man muss sich bloß mal Apple und Google angucken, Tech-Unternehmen, die kaum noch wissen, was sie mit dem Geld machen sollen, das sie verdienen.“

Kaum diskutiert wurde auf diesem Panel allerdings die Frage, wie die Produktivität an sich wieder gesteigert werden kann. Summers wies nur darauf hin, dass wachsende Produktivität die Preise erst mal senkt und zu noch lockerer Geldpolitik führen müsste – in der Realität und in den neukeynesianischen Modellen, die Notenbanken immer wieder verwenden. Welche neue Entwicklungen Unternehmen dazu bringen könnten, mehr zu investieren, blieb offen.

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