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Wired oder Das wäre nicht nötig gewesen

08.09.2011, 15:13 Uhr  ·  Mit "Wired" versucht die deutsche Abteilung von Conde Nast nach der Pleite von Vanity Fair erneut, einen amerikanischen Erfolgstitel auf deutsche Bedürfnisse auszurichten, Diesmal sollen vor allem technikbegeisterte Internetfreunde zugreifen, und wahrlich: Darin finden sich Perlen, die den Strategien des Verlages vorgeworfen wurden.

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Man wäre zu gern bei der Redaktionskonferenz gewesen, die über das Titelblatt der deutschen Erstausgabe der Zeitschrift Wired befunden hat. Wired aus dem Verlagshaus Conde Nast steht in den USA – oder zumindest in der Eigenwerbung – für hochwertigen Journalismus der digitalen Ära, aufgeschlossen, mutig, offen und immer bereit, die Leser zu überraschen. Manchmal hat Wired die Zukunft verkündet, und manchmal groteske Fehleinschätzungen, und es hat sogar die New Economy überlebt. Dieser Dinosaurier des Digitalzeitalters also kommt nach Deutschland. In München bei Conde Nast sassen sie also zusammen, die Vordenker und Blattmacher, und überlegten, welches der Themen auf den Titel durfte. Der Umgang mit Kalorien? Ein Frauenthema vielleicht? Kunst? Visionen? Es gab viele Optionen. Am Ende aber muss jemand gesagt haben: Schluss damit, wir machen das, was sich verkauft. Sex. Drogen, Autos. Und unseren Lesern – den technikaffinen Geeks – soll Deutschland gehören. Darunter machen wir es nicht, denn was die Bild kann, können wir auch.

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Teetischbar

So wurde es gedruckt. So liegt seit heute an den Kiosken dem inoffiziellen Zentralorgan der hauptschulabgebrochenen Muckibudenbesitzer namens GQ bei. Und der nicht ganz so geekige Betrachter fragt sich: Soll man dieses Land wirklich einer Zielgruppe anvertrauen, für die Sex, Drogen und neuartige Autos die richtigen Kaufanreize sind? Ist der Geek der studienabgebrochene Coderbudenbesitzer des Internets?

Der Geek ist das Leitmotiv des Heftes. Er ist die nach Meinung von Conde Nast und Chefredakteur Thomas Knüwer bislang etwas vernachlässigte Zielgruppe, die in Deutschland noch niemanden hat, der sie als cool, gewitzt und die Zukunft des Internets und des Landes darstellt. Das trieft bei Wired Deutsch aus allen Poren, dieser Wunsch, auch wer zu sein, Teil einer Jugendbewegung, und dazu ist sich Thomas Knüwer zusammen mit anderen auch nicht zu schade, die alte Verschwörungstheorie der deutschen Technikfeindlichkeit hervorzuholen. Gruppen definieren sich nun mal über Gemeinsamkeiten und gemeinsame Gegner. Wenn die Gemeinsamkeiten bei technisch interessierten Internetnutzern nicht allzu gross sind, müssen eben gemeinsame Feinde her. Wenn sie in einem Hochtechnologieland wie Deutschland eher selten sind, muss man sie erfinden: Die Internetausdrucker, die Kritiker, die Spiesser, die die neue Generation behindern. Das sind junge, gut ausgebildete und verdienende Menschen, die neben Werbung vielleicht auch etwas Selbstversicherung dankbar annehmen.

Die grosse Selbstversicherung kommt vom amerikanischen Autors Jeff Jarvis, und sie ist auf dem Niveau einer Motivationsrede für angehende Internetsexabovertriebler. Jarvis erklärt Johannes Gutenberg in krasser Unkenntnis der Geschichte zum Vorläufer der Geeks und damit zum „ersten Technologieunternehmer”, was frühere Vertreter kapitalintensiver Branchen wie Bergbau und Textil und die Erbauer von Kathedralen eventuell bestritten hätten (Jarvis kommt aus einer vormals britischen und heute chinesischen Kolonie, in der viele glauben, dass die Welt in 7 Tagen erschaffen wurde, da spielen chronologische Feinheiten keine Rolle). Da war bei Wired keiner, der nach all der Dreistigkeit bei der optischen Erscheinung des Magazins noch das Fünkchen Mut hatte zu sagen: Du, Jeff, mit solchen Tschacka-Plattitüden machen wir uns lächerlich. Man hatte die Gegner definiert, man brauchte jetzt nur noch die Tradition, die man sich selbst unterstellte.

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Lesbar

Zwischen diesen und anderen ideologischen Festlegungen sind die Sachthemen, soweit es sich nicht um Produktvorstellungen wie eine Lampe mit 16 Millionen Lichtfarben und eine Skibrille mit Display handelt. Es gibt im Heft, das zu mehr als zwei Dritteln von deutschen Autoren gefüllt wurde, genug Beispiele, wie man die postulierten Ansprüche eines jungen, technikbegeisterten Publiukums erfüllen kann. Es finden sich viele kreative Ideen, die mit Liebe zum Detail umgesetzt sind. Es gibt einen spielerischen Umgang mit alten Traditionen des Magazinjournalismus. Es gibt vor allem von Autorinnen Texte, die den Leser gewinnen und nicht anschreien wollen. Mitunter gelingt das auf einer halben Seite selbst mit auf den ersten Blick abseitigen Themen wie Gehörlosigkeit so gut, dass man auch vier oder fünf Seiten davon lesen möchte – nur ist dafür im deutschen Heft, im Gegensatz zum amerikanischen Original, nicht genug Platz. Es gibt Selbstironie in Wort und Bild und nette Überraschungen, wie die sehr stimmigen und amüsanten FAQs auf den letzten Seiten – etwa, wie man daheim die DNA einer Banane extrahiert. Aber die vollmundig angekündigten und über mehrere Seiten dahinplätschernden Kernstücke über Drogen, Sex und die Zukunft des Verkehrs sind weder besonders informativ noch sprachlich hinreissend, sondern platt, langweilig und belanglos: Menschen bestellen Drogen und Sexualpartner im Netz und manche überlegen, was nach dem Benzin kommt. Sensationen sehen anders aus.

Es ist daher nicht schlimm, dass Layout und Graphik, dezent wie Internetwerbung, das Lesen längerer Stücke erschweren. Mitunter hat man den Eindruck, die Buntheit von modernen Gehhilfen und Prothesen vor sich zu haben, die das Elend von Verlust und Behinderung kaschieren. Das Bunte ist die einzige echte Klammer zwischen höchst unterschiedlichen Themen, die dem Bemühen geschuldet sind, den Lesern gerecht zu werden, die technikaffin sind, aber sonst nicht viel gemein haben. Manchmal werden Augen geöffnet. Manchmal, wenn mal wieder die Gäule des digitalen Lebensstils durchgehen, schaut man betreten weg und findet, dass man der GQ Unrecht getan hat. Besonders dann, wenn bei Wired der redaktionelle Teil und die Werbung von Autobauern optisch ineinander gleiten und deren PR-Phrasen dann in einem Beitrag als „exklusiv” verkauft werden. Hier schreit Wired weniger nach Lesern denn nach Werbekunden, die von einem, höflich gesagt, angenehmen publizistischen Umfeld angetan sein könnten. Zumal auch die in wirre Graphik eingebetteten Texte oft schon beim ersten Hinsehen nicht dazu angetan sind, von all den hübschen Werbebildern abzulenken. Obwohl die Bilderflut mitunter lichte und den Text fördernde Momente hat, dominiert sie so stark, dass sogar die Versuche einer inhaltlichen Einteilung daran scheitern: Das geht bis hin zur praktischen Unlesbarkeit, weil sich die Farben von Text und Hintergrund zu wenig Kontrast bilden.

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Unlesbar

In diesem Farbenbrei schwimmen dann die Artikel- und Einfallsbrocken. Manchmal ist das schade. Machmal eine Gnade.

Für Conde Nast ist Wired nach dem schmerzlichen Debakel von Vanity Fair vor allem ein weiterer Versuch, eigene Erfolgsprodukte den deutschen Verhältnissen anzupassen. Vanity Fair ist hierzulande gescheitert, weil man prollige Journalisten neureiche Promis mit dem verwechselt liess, was man wirklich als deutsche Elite bezeichnen könnte. Diesmal geht man wirtschaftlich vorsichtiger zu Werke; die Erstausgabe soll vorerst nur den Markt für das Magazin testen. Erst anhand der Reaktionen wird entschieden, ob das Projekt in Serie geht: Wer sich für „Drogen shoppen im Web” interessiert, kann sich vielleicht auch für den Kauf dieses Printprodukts erwärmen. Aber ob das reicht, eine Zielgruppe zu binden, die man mit einer Mischung aus Gejammer über Benachteiligung und Hybris der Selbstbeurteilung definiert hat, muss sich erst noch zeigen. Vielleicht versucht man es bei Wired No. 2 einfach mal mit mehr guten Texten zu ansprechenden Themen – diese Anlagen sind durchaus vorhanden.

Offenlegung: Ich kenne etliche Leute, die bei Wired mitgemacht haben, mehr oder weniger gut und/oder sie sind auch bei FAZ tätig. Ich finde, manche von denen haben eine gute Arbeit abgeliefert, und andere eher nicht.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (44)
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0 Gerrit Imsieke 08.09.2011, 15:17 Uhr

Nach dieser für Deine...

Nach dieser für Deine Verhältnisse fast euphorischen Kritik (und ähnlicher Meinungen von gleichfalls eher positiv überraschten Gewährsleuten) werde ich mir das Heft auf jeden Fall mal besorgen. Das will was heißen. Wann habe ich das letzte Mal schon ein Printprodukt gekauft (die LVZ beim Bäcker am Samstag zählt nicht).

0 donalphonso 08.09.2011, 15:57 Uhr

Ich würde mir eher ein gutes...

Ich würde mir eher ein gutes Buch kaufen: Vita Sackville West, Zwölf Tage in Persien zum Beispiel, die beschreibt, wie es ist, wenn man vollkommen "unwired" ist. . Die Kritik von Christian Stöcker beim SPONschleim ist gar nicht so weit weg von meiner: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,785188,00.html

0 perfekt57 08.09.2011, 16:36 Uhr

Worte brauche keine Bilder....

Worte brauche keine Bilder. Eher nicht jedenfalls. Hier, die ersten 46 Sekunden kann man gut auch ohne jede optischen Sensationen haben. Wurde so jedenfalls schon verschiedentlich empfunden. . http://www.youtube.com/watch?v=UqUecXceQqE . "Es gibt Kranke, die machen bei jedem Anfall die Tür auf, denn je kränker einer hier oben ist, desto höher steigt er im Ansehen" (Wer möchte höre den Origionaltext und bedenke warum einer auch schon mal 3000 und mehr Tage schreibt an 1000 Seiten.) (Es gibt Masstäbe, z.B. für Westviertel würden wir meinen) . Und auch er betätigt sich als Psycholog, heute vielleicht sogar ausführlicher als sonst schon mal, fällt auch angenehm auf. Und Knüwer kam im Radio symphatisch rüber. Insofern gut ausgewählt von den Kapitalgebern könnte man meinen.

0 Rainersacht 08.09.2011, 17:09 Uhr

"...die alte...

"...die alte Verschwörungstheorie der deutschen Technikfeindlichkeit" Ich würd das nicht verharmlosen, denn Knüwer & Konsorten haben schon eine Agenda: Die des entgrenzten Konsumismus der besserverdienenden Schnösel (die sie "Geeks" nennen, weil sich das irgendwie niedlich anhört). Das ist so politisch wie das dauernde Postprivacy-Geschwafel des Jarvis from hell... Wer diese Positionen vertritt, träumt von einer neuen Klassengesellschaft und synthetisiert sich eine sozialverträgliche Begründung: technologische Arbeitsplätze für Deutschland. Ich finde das in jeder Hinsicht gefährlich.

0 donalphonso 08.09.2011, 18:29 Uhr

Sicher, Wired fordert für...

Sicher, Wired fordert für eine gewisse Sorte Mensch einen Platz an der Sonne aus dem Grund heraus, dass es eben solche Menschen sind. Der Geek-Teil hatte enorme Ähnlichkeiten mit einer FDP-Broschüre. Oder eben so einem Tschakka-Motivationsvortrag. Neben dem Autowerbedingens der Tiefpunkt des Heftes.

Der Geek - cool, gewitzt ??...

Der Geek - cool, gewitzt ?? Quatsch, imo. The 4 definitions of "Geek" (in The MacMillan Dictionary of American Slang), a copy of which I have at home: 1. A sideshow freak esp. one who does revolting things like biting off the heads of live chickens. 2. In the 1920s , a snake charmer 3. A pervert or degenerate esp one who will do disgusting things to slake deviant appetites. 4. A drunkard. fionn

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 08.09.2011, 19:09 Uhr

@fionn: Von wann datiert Ihre...

@fionn: Von wann datiert Ihre Lexikon-Ausgabe? In den Zusammenhängen, von denen hier die Rede ist, steht "geek" im weitesten Sinne für "technologically advanced person". . @rainer: Einen dezidierten Klassenstandpunkt sehe ich hinter der Technik- und Konsumbejubelei nicht - jedenfalls nicht unbedingt pro Besserverdiener. Es geht da mehr um Standortbestimmung im Sinne von "wo wir sind, da ist vorne" - verbunden mit einer gehörigen Dosis narzisstischer Kränkung, weil die selbsternannte Digital-Avantgarde hierzulande nicht die Anhängerschaft und den Applaus hat wie in Amiland. Gemessen an dem entsprechenden Rumgekrampfe und Gebarme in Knüwers Blog (Einschub: Ich halte T.K. persönlich für einen knorken Kerl, aber sein Blog kann ich kaum noch ohne Krämpfe lesen) finde ich den Ansatz in wired aber halbwegs erträglich - inklusive des Versuchs vom unvermeidlichen Jeff Jarvis, Gutenberg für die Geeks und Startupper zu vereinnahmen. Eine gewisse Originalität ist diesem Dreh jedenfalls nicht abzusprechen.

Ich würde mal sagen: Endlich...

Ich würde mal sagen: Endlich mal was Vernünftiges zu lesen beim Friseur. Klingt vielleicht böser als es am Ende klingen sollte. Würd ich's kaufen? Wohl kaum, weil ich eh keine Zeit habe zu lesen. Braucht noch jemand gefühlte 5 Gigabyte interessanter Artikel und Texte bei ReadItLater und Evernote?

0 dunnhaupt 08.09.2011, 19:31 Uhr

Da es für jede Sorte Mensch...

Da es für jede Sorte Mensch von Kakteenfreunden, Kanufahrern, Kreuzwortfanatikern bis zu schwulen Katholiken eine eigene Zeitschrift gibt, also warum nicht auch für Geeks? Wer sich im Verlagsgeschäft auskennt, weiss längst, dass das Geld mit den Inseraten verdient wird. Ob jemand die Zeitschrift kauft, ist belanglos. Man kann sie ja immer noch gratis in Zahnarztwartezimmern auslegen.

Another MacMillan definition...

Another MacMillan definition of geek (more recent in the MacMillan dix) Seomone "who is boring because he is only interested in computers".

0 rhizom1234 08.09.2011, 19:40 Uhr

hä ?...

hä ?

0 KarolaKettenhemd 08.09.2011, 19:50 Uhr

Ein 'Geek' ist doch eher ein...

Ein 'Geek' ist doch eher ein eitler, selbstverliebter Fatzke (nein, nicht FAZke), der die Welt um seinen eigenen Bauchnabel kreisen lässt, berühmtes Beispiel wäre Oscar Wilde. Da gibt's genügend, die Zielgruppe ist garnicht mal so exclusiv und zeichnet durch geradezu religiös verzückten Eigenbeifall aus. Aber warum 'Wired' jetzt in Deutsch? Damit es sich einreiht in die Garde reichlich erfolgsloser Adaptionen wie Intersection oder selbst Classic & Sportscar, deren ursprünglicher Stil, meinetwegen auch deren national geprägte Arroganz im Deutschen ziemlich verloren geht? Bin mal gespannt.

0 staff aureus 08.09.2011, 20:25 Uhr

Was sind das für Leute, die...

Was sind das für Leute, die Hefte von CondeNast kaufen? Den GQ/Wired-Typen sehe ich hier, bei einer Heftkritik: http://netzfeuilleton.de/2011/09/wired-die-interaktive-blattkritik/ Knisterklar eingetütetes Doppelheft, damit die Bananen-DNA nicht ausläuft? Ach nee, Folie als Distinktionsmerkmal: ich kann es mir leisten zu kaufen, auch wenn ich den Inhalt nicht kenne. Da platzt das Großraumbüro vor Neid, und die Folie bleibt zu. . AD kaufen träumende Doppelhaus-Bauträger, die sich die WOI nicht leisten können, die edle Vogue abonnieren mittelgealterte Doppelhaus-Damen, die noch träumen von einem Zahnarzt-Zweitmann, die Glamour kauft die Doppelhaus-Tochter, träumend vom Liebhaber der Mutter. Haushalts-Nettodurchschnittseinkommen 3072 EUR, davon gibt es in Deutschland rund 14 Mio, Auflage 450 Tsd., Reichweite also 3%. Wo wirbt eigentlich Westerwelle? Kein Wunder, daß das neue Heft schwarz-gelb ist. Alphonsos Farbsymbolik! . Nur schade für Dame und Tochter, daß ihr Zielmann GQ liest und jetzt noch Weired, mit paarungsstörendem Resulat: wierd sexual life. . (offtopic: Westermanns Monatshefte will ich wieder, statt werbeverseuchtem Merian-Abo, regt mich jeden Monat mehr auf).

Oder geht so etwas in...

Oder geht so etwas in Deutschland mangels Masse nicht? Hätte ich den Plan gehabt, Wired auf Deutsch zu machen, wäre Knüwer meine erste Wahl gewesen. Einfach, weil eine zweite wäre mir nicht eingefallen.

Ich kenn mich da jetzt nicht...

Ich kenn mich da jetzt nicht so aus, bin aber durch Zufall über folgenden Artikel gestolpert...http://www.wired.com/threatlevel/2011/07/how-digital-detectives-deciphered-stuxnet/all/1 Bin der Meinung, das Original kann was. Vorallem ist das auch mal ein schön langer Artikel(edit/ grade gesehen, wurde bereits erwähnt). Warum man das deutsche Knock Off allerdings nicht bei heise/c't angesiedelt hat, oder irgendjemanden der sich in dem Bereich vielleicht etwas auskennt wundert mich schon. Mich würde ja mal Ihre persönliche Meinung zu BrandEins interessieren. Werde immer stark kritisiert wenn ich was gegen die Zeitschrift sage. Leider stark unterrepräsentiert, aber mit vielen coolen Sachen wie dem "world guide" (so hieß das glaube ich ) sind die Sachen von Le Monde. @staff aureus Viel schlimmer sind meiner Meinung nach, die Vielzahl an Menschen (hiervon vorallem Studenten, junge Paare) die Druckerzeugnisse wie Neon und Nido lesen, auch gerne im Doppelpack. Menschen die sich ganz klar über Bildzeitungsleser echauffieren würden. gruß Kaktus

Auch hier gilt: Im Zweifel...

Auch hier gilt: Im Zweifel lieber die Brigit...

0 Yog Sothoth, Esq. 09.09.2011, 07:35 Uhr

"Heute ist es soweit: Thomas...

"Heute ist es soweit: Thomas Knüwer betätigt sich als moderner Martin Luther hervor und übersetzt die amerikanische Nerd-Bibel WIRED endlich ins deutsche." Wenn ich so einen ersten Satz lese vergeht mir die Lust auf den Rest.

0 soulstewmartin 09.09.2011, 07:58 Uhr

Sorry, KarolaKettenhemd, aber...

Sorry, KarolaKettenhemd, aber Oscar Wilde war ein Dandy - und das ist nun wirklich "something completely different" und darf nicht mit dem Hauptthema in Verbindung gebracht werden....

0 donalphonso 09.09.2011, 07:58 Uhr

Bevor hier die Verschwörungstheorien im Netz losgehen, ein kurzer Abriss in die Entstehung dieses Beitrags:
.
1. war vorgestern klar, dass man zu Wired machen müsste.
.
2. Habe ich dann bei den anderen von Deus Ex Machina gefragt, ob sie das kurzfristig übernehmen könnten. Konnten sie aus unterschiedlichen Gründen nicht.
.
3. Habe ich dann bei zwei anderen Stellen in der FAZ angefragt, ob sie das machen. Die Antwort war einmel ein "Nein" und einmal ein "Ja eigentlich schon, aber ich habe keine Zeit, Könnten Sie da was machen?"
.
4. Habe ich dann zugesagt und mir das früheste Exemplar besorgt, das ich kriegen konnte, es gelesen und diese Besprechung für Print und erweitert für das Blog geschrieben, und ich möchte hier sagen: Da wäre durchaus noch was gegangen. Allein die Behauptungen von Sixtus zum Steinzeitgehirn und zu bdenkenden Netzleuten sind so unsagbar blöd, dass man eine ganze Seite über die Frage schrieben könnte, warum diese Form der Eugenik2.0 geduldet wird, und in diesen Kreisen der netzherrenmenschen üblich ist. Aber das war nicht Ziel der Arbeit.
.
5. So kam das in den gedruckten Teil. Der dafür zuständige Herausgeber war nicht involviert und wusste von nichts.

0 Klaus Jarchow 09.09.2011, 08:12 Uhr

Weshalb glauben eigentlich...

Weshalb glauben eigentlich Männer der Alterskohorte '40 plus', dass sie auf ewig jung, knackig und die ideale Zielgruppe wären?

0 Rainersacht 09.09.2011, 08:15 Uhr

@Verschwörungstheorien: Und...

@Verschwörungstheorien: Und trotzdem frage ich mich: Warum die Schonung gegegnüber diesem Konsum-Porn der üblichen Konsorten, lieber Don? Immerhin keine Gefälligkeitsrezension bzw. kein Kumpelinterview, mit denen das Netz seit vorgestern voll ist... Na gut, da das Machwerk maximal 160.000 Menschen in die Hirne fällt, kann es nicht viel Schaden anrichten. Zumal es auf Denkapparate trifft, die ohnehin geekisch verseucht sind.

0 donalphonso 09.09.2011, 08:19 Uhr

Nun, ich bin an den Tegernsee...

Nun, ich bin an den Tegernsee gezogen und habe mir einen Salzburger Hut gekauft: Ich bin ganz sicher nicht mehr jung und knackig. Diese Leute zerfallen gemeinhin in zwei Gruppen: Die Ignoranten (Sixtus etc.), die denken, sie sind immer noch ganz vorne dran in der Entwicklung, und die Weinerlichen, die gerade merken, dass sie rausfallen. . Yog Sothoth, Esq., so läuft das im Netz nun mal. Kleines Grüppchen, gute Verbindungen.

0 donalphonso 09.09.2011, 08:23 Uhr

Rainer, weil ich im Print 4200...

Rainer, weil ich im Print 4200 Zeichen Platz hatte und abwägen musste, und auch hier überlegt habe, worauf ich den Fokus lege, Und so weit, dass ich einfach alles pauschal runtermache, möchte ich auch nicht gehen. Die Frage nach dem Geek als neuen Herrenmenschen kann man sicher stellen, aber das wäre dann schon ein Schritt weiter, und sollte nicht bei der Zeitung alleine bleiben. . muscat, die Intelligent Life ist grandios.

0 donalphonso 09.09.2011, 08:27 Uhr

kaktus, Brand Eins ist nicht...

kaktus, Brand Eins ist nicht so mein Ding, das ist eher BWL-Studenten-Bravo. Es fällt mir immer enorm scheer, mich da reinzudenken, und inzwischen glaube ich auch, geht denen ein wenig die Luft aus. Das Konzept greift nicht mehrt richtig. . schusch, das Problem in Deutschland ist: Es gibt nicht so arg viele kompetente leute, die Kreise sind zu klein, jeder kennt jeden und keiner will dem anderen weh tun, und man will ja positiv sein, da stört Kritik nur.

0 donalphonso 09.09.2011, 09:42 Uhr

Das...

Das hier . http://www.ankegroener.de/?p=13965 . ist übrigens der komplette, auf dem 2. Bild zu sehende Beitrag von Anke Gröner, der sich im Heft ganz nett liest, aber halt furchbar in Richtung Geek gedreht ist - in der Originalversion war er richtig, richtig gut, und dann haben sie den Einstieg und die interessanten Informationen, die nicht zum Geektum passen, einfach gestrichen. Schlimm.

0 Rainersacht 09.09.2011, 09:51 Uhr

@Don: Das ist...

@Don: Das ist nachvollziehbar. Ich würde auch zustimmen, dass die Agenda der Geek-Herrenmenschen wirklich als politisches Problem und weiträumig behandelt werden sollte. Das scheuen die aber wie der Jarvis die Privatsphäre - die wollen das bloß technologisch, steilisch und irgendwie ironisch belabert haben.

Also ich finde ja, dass der...

Also ich finde ja, dass der komplette Artikel mehr mit Geektum zu tun hat, also der Ausriss, der dann in der Wired stand. Ich habe mehr so das Gefühl, dass in der Wired krampfhaft versucht wurde, den Begriff Geek umzudefinieren, ihm einen Spin zu geben, den er haben kann, aber nicht muss. Das ist das eigentlich schlimme an der Geek Strecke.

Auch in meinem "Dictionary of...

Auch in meinem "Dictionary of American Slang" ist der "Geek" genau so beschrieben, wie "fionn" oben zitiert: circus and carnival, sideshow freak, sensationally disgusting acts, snake charmer, Hühnerkopfabbeißer, und letzlich: degenerate (& alles sehr ausführlich mit Belegen). Das gebundene, englisch/amerikanische Wörterbuch ist von 1967 (George G. Harrap & Co.). . Kann man vergleichen? = Tattoos, Piercing, vormals äußerst negativ belegt, wurden plötzlich Mainstream. Die Mode geht manchmal (oder schon immer?) seltsame Wege, denn man verdient auch Geld damit. Bei "Punk" hat man (ja, wer eigentlich?) die Kurve nicht so recht gekriegt. Nun soll eben der "Geek" ein positives Image bekommen, q.e.d. .

Anke Gröner hat auf ihrem...

Anke Gröner hat auf ihrem Blog einen Artikel von sich für dieses Heft. http://www.ankegroener.de/?p=13965 Der hat mich offen gesagt ein wenig geärgert. Sie schränkt zwar ein, dass es sich bei dieser Schokolade um ein Luxusprodukt handelt, 50 g für 30 Euro, vergisst aber zu erwähnen, dass es schon seit ewigen Zeiten fair gehandelte und sorgfältig hergestellte Schokolade zu vernünftigen Preisen kaufen gibt. Insofern ist ihr Artikel nur Werbung für eine bestimmte Firma. Ich lese auch lieber Bücher. z.B. Sybille Bedford: Am liebsten nach Süden: Unterwegs in Europa.

Ich krieg immer noch kein Bild...

Ich krieg immer noch kein Bild vom Geek. Ist das ein Elektro-Hipster? Ein Fundstück behauptet, des isser: http://www.supamichi.com/images/picofthemonth/geek.jpg . Wenn das so ist, kommt das hin, dass er die GQ mit Kusshand dazu nimmt. Ein paar heiße Girls drin, die sonst nicht in seinem Leben vorkommen, plus über die TOP-100-Frauen abstimmen dürfen. Die Seiten mit den Situp-Übungen kann er ja überblättern.

Lisa sits on the couch reading...

Lisa sits on the couch reading the magazine "Wired" when Homer comes in and takes it from her, thinking it is the magazine "Weird". Homer: Heh-heh-heh. I love their hilarious send-ups of hit movies. Lisa: Dad, it's not-- Homer: "Gigabyte"! [laughs] They've done it again. Gigabyte. Wait, this isn't "Weird"! [looks at cover] Why, there's no magazine *called* "Weird", is there? Lisa: [takes magazine] This is *"Wired"*. It's about computers and technology.

0 wow, thx! 09.09.2011, 20:56 Uhr

Danke. Tatsächlich ein Spagat...

Danke. Tatsächlich ein Spagat zwischen FAZ, Wirtschaftswoche und C't und das mit Kultur ist schön. Auch Sozialnetze wie http://www.academia.edu/ stünden zur Verfügung.

0 KarolaKettenhemd 09.09.2011, 23:21 Uhr

@Soulstewmartin: Sie haben...

@Soulstewmartin: Sie haben völlig recht mit Oscar Wilde, hab den Satz nicht vollständig rübergebracht, sollte nicht heißen: "Beispiel Oscar Wilde" sondern: "Beispiel die ahnungslosen Nachahmer von Oscar Wilde" (um das ganz deutlich zu machen). Die 'Geeks' in Wired sind nichts anderes als die sattsam bekannten 'Nerds', deren Image ja nun wirklich am Boden ist, leider versucht man ganz eitel einen Etikettenschwindel par excellence, wahrscheinlich wird man irgendwann sogar behaupten, die Gattung der 'Geeks' erfunden zu haben. Tut mir leid, die Gruppe der 'Geeks' per definitionem umfasst eher ganz, ganz schlimme Beispiele von herumstolzierenden tuntigen Pfauen (siehe Samstagnachmittage in afrikanischen Citys), candyappelrot lackierten Fünfziger-Jahre-Cabriolets, merkwürdigen Modeschöpfern, neureichen Rappern und ähnlichen Skurrilitäten. Von allem etwas zu viel, oder, wo Geld und Geschmack keine Rolle spielen. Ich amüsierte mich vor Jahren über amerikanische Manager in der Autobranche, die einen deutschen Kollegen (verblüffend erfolgreich als Chef einer von der Idee her exclusiven Tochterfirma) per übler Nachrede als 'Geek' mobben wollten, dabei aber übersahen, daß der Mann tatsächlich Geschmack und Überblick besaß und mit einer bemerkenswerten Arbeit gerade auch im Detail Hervorragendes leistete. Der Mann hatte auch Charakter, als das Schmierentheater abartig wurde, ging er einfach und setzte seine erfolgreiche Arbeit in einer anderen Branche fort. Dies als Umschreibung, was ein 'Geek' eben nicht ist. 'Geek' ist und bleibt für mich ein übel besetztes Schimpfwort. Sicher gibt es Beispiele, in denen ein Gattungs-Schimpfwort kokett übernommen wurde und nachher anders besetzt war (angefangen bei den Sansculottes), aber das mit dem 'Geek' zu versuchen, ist eine Attitude, sonst nichts. Ich frage mich, welcher Marketingfuzzi den Wired-Leuten das eingeredet hat. Auf die Gefahr hin, als Raciste abgestempelt zu werden.

Das heißt: Reklamefuzzi und...

Das heißt: Reklamefuzzi und nicht (das viel zu angeberische) "Marketing".

Das mit den schlimmen Bezügen...

Das mit den schlimmen Bezügen auf Urwald- und Savannenbewohner ist also nich jemandem aufgefallen. Gut. http://www.ring2.de/archives/hotwired-de/

0 KarolaKettenhemd 10.09.2011, 22:58 Uhr

@ Klaus: Klar doch. Aber wie...

@ Klaus: Klar doch. Aber wie bringt man das einem selbsternannten Marketingfuzzi bei?

0 donalphonso 11.09.2011, 13:07 Uhr

Schwierig, da lernresistent....

Schwierig, da lernresistent.

0 volltechnoproll 12.09.2011, 15:01 Uhr

mhh das marketing hat da...

mhh das marketing hat da nichtmal so unrecht. in teilen der zielgruppe ist geek tatsächlich recht positiv besetzt, da es in abgrenzung zum "nerd" gebraucht wird. . geeks sehen sich wohl eher als soziale nerds, die wenig mit dem autismus mancher kellerkinder anfangen können, aber trotzdme einen hang zu Technik oder "sonderinteressen" haben, sich also auch in spezialthemen "hineinnerden". . die üblichen twitterfratzenbuchblogswebzwonullgalore verdächtigen bedienen sich aber wohl etwas frech bei den "geeks" und deren selbstverständnis, da passt das digitale hipstertum wohl besser. wer demonstrativ auf obst tippt, kann keinen besonderen hang zur technik haben ;) von der seltsamen marotte dem jeweils neusten "hostshit" kopflos hinterherzurennen wolle mer ma lieber garnet schwätze ..

0 gewappnet 12.09.2011, 15:17 Uhr

Interessant ist ja, dass sich...

Interessant ist ja, dass sich diese wie auch alle anderen Besprechungen der deutschen Wired ausschließlich auf die gedruckte Form als Beilage der GQ beziehen. Die Tatsache, dass es das Heft auch völlig selbständig in digitaler Form für das iPad zu kaufen gibt, wird entweder ganz verschwiegen oder nur am Rande erwähnt. Dabei muss man bei so einer Zeitschrift die digitale Ausgabe doch eigentlich als die primäre ansehen, die man als noch nicht im digitalen Zeitalter angekommener GQ-Leser halt ebenfalls in gedruckter Form bekommen kann.

0 KarolaKettenhemd 12.09.2011, 22:59 Uhr

@gewappnet: abgesehen davon,...

@gewappnet: abgesehen davon, daß ich in den Besprechungen der digitalen Ausgabe (wieso eigentlich immer ipad?) eher Entsetzen als Zustimmung registrierte, frag ich mich, wieso eine digitale Version nun die primäre sein soll und eine gedruckte Version - wenn ich Sie richtig verstanden habe - nur ein sekundäres Abfallprodukt? Reden wir von zwei verschiedenen Zeitungen? Kann doch wohl nicht sein! . Ich halte diese grobmotorische Fingerwischiwaschifastfood-Variante für recht modisch (äh, steilisch), aber doch nicht für kulturell bedeutend! . Wer einmal in einer Lagerverwaltung diese seit längerem üblichen bruchfesten Notizbretter im Einsatz gesehen hat (absolut okay), selbst auf den Rollfeldern der hiesigen Flughäfen (sehr praktisch), versteht weder den schnöseligen Kampf dieser Obstfirma um irgendwelche angeblich bedeutenden Urheberrechte (jede Pizzeria in New York hatte schon vor fünfzehn Jahren eine Touch-Screen-Kasse für ihre analphabetischen Bedienungen) noch den ahnungslosen Jubel ihrer Adepten. . Eine gedruckte Ausgabe kann ich bekritzeln, zerschneiden und im Zweifel sogar zerreißen. Dadurch werd ich sie definitiv besser und emotionaler im Kopf behalten als jede flüchtige Bildschirmdarstellung. . Sollte man in einigen Jahren einen Nachruf auf Wired (und hoffentlich auch der 'Geeks') schreiben, wird man bei bedrucktem Papier sicher korrekter (und vorsichtiger) urteilen können als bei einer schon lange verdampften Digitalversion. . @volltechnoproll: Klar sind die Piepels, die Sie beschreiben, echte Geeks. Keine wirkliche Ahnung von der Materie, aber gut trainierte Selbstdarsteller mit Hang zum kulturellen Größenwahn. Religiös veranlagte Early Adaptors.

0 volltechnoproll 13.09.2011, 16:26 Uhr

@ karola ... nun genau diese...

@ karola ... nun genau diese betrachtugnweise ziehe ich in zweifel. die "geeks" denen ich bisher über den weg gelaufen bin waren eher das gegenteil von der von Ihnen beschriebenen Mischpoke. . der "echte" geek: in seiner Thematik auf jeden fall versiert und auf keinen fall auf der hatz nach dem neusten krempel. wenn es etwas neues gibt, wird es erstmal kritisch beäugt und auf nutzbarkeit geprüft. hat seine mit sicherheit seine marotten spleens/sonderinteressen*, richtet aber nicht sein komplettes "rl" darauf aus. . *können auch technikferne dinge sein, handarbeiten z.B, oder Seifen, ... Schokolade .

0 KarolaKettenhemd 13.09.2011, 20:18 Uhr

@ volltechnoproll: Das ist die...

@ volltechnoproll: Das ist die Krux mit unvorsichtig ausgeliehenen (ich könnte auch sagen: gedankenlos und schamlos okkupierten) Begriffen wie 'Geek', deren ursprüngliche Definition mit dem gewünschten Erscheinungsmuster überhaupt nicht zusammenpasst. . Ich bezog mich mit 'meinen echten Geeks' aber hauptsächlich auf Ihren dritten Abschnitt 'die üblichen twitterfratzenbuchblogswebzwonullgalore', ich glaube, da ist unsere Betrachtung ziemlich synchron. . Fragt sich also, was sich im Definitionsoberstübchen abspielt, wenn jetzt auch noch Ihr 'echter Geek' in Konkurrenz zu meinem 'echten Geek' in's Spiel kommt. Dann fehlt nur noch der 'lupenreine' und der 'in der Wolle gefärbte Geek', aber das sollten wir spätestens dann den Flügelkämpfern überlassen. Zu viel Verwirrung. Der von Ihnen auf's Schild gehobene 'echte Geek' ist mir bekannter als 'Smart Buyer', der Schrecken aller Hard Seller und Aussauger der 'werberelevanten Zielgruppen'. . Es soll ja auch schon mal Politiker gegeben haben, die als 'lupenreine Demokraten' bezeichnet wurden, und das wich bekanntermassen auch stark von der ursprünglichen Definition ab. Mit der Folge, daß der Begriff vom Kompliment zum Schimpfwort mutierte ...

0 volltechnoproll 14.09.2011, 12:16 Uhr

nun um Verwirrungen...

nun um Verwirrungen vorzubeugen hab ich ja versucht dem "geek" den "digitalen Hipster" gegenüberzustellen. bezüglich der Eigenschaften der jeweiligen gruppen sind wir uns idt sehr einig. . nuja die lufthoheit überm begriffsdschungel ist wohl noch nicht asugefochten ;)

0 volltechnoproll 14.09.2011, 16:25 Uhr

wie immer kommt man zu spät...

wie immer kommt man zu spät und der passenden Begriff samt definition macht schon eine Weile die Runde Zitat von Sp0n (die finden halt auch ma nen korn): +++Digital Natives+++. "Diese sind jung, durch eine zeitintensive, aber eher oberflächliche Nutzung des Internets geprägt und vor allem mit der Kultur Sozialer Netzwerke sehr vertraut." trifft die sache ganz gut wie ich finde ...

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.