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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Geld her oder wir töten dieses Medienbaby

| 40 Lesermeinungen

Alles oder nichts - das Projekt Krautreporter macht Druck auf Kunden, Onlinejournalismus direkt zu finanzieren. Inzwischen mehren sich krirische Stimmen, die mit dieser Art der Vermarktung wenig anfangen können.

Unter normalen Umständen gibt es – um das Wort Omerta nicht zu verwenden – eine Art Burgfrieden unter Internetautoren, die es ernst meinen mit dem Geldverdienen im Netz. Die meisten kennen sich untereinander, und wenn sie sich auch nicht immer mögen, so schweisst sie doch die gemeinsame Überzeugung zusammen, beim digitalen Wandel ganz vorne mit dabei zu sein. Und ein Recht auf einem Platz an der Sonne zu haben. Das ist einer der Gründe, warum gewisse Namen und Personen immer wieder auftauchen, wenn neue Projekte angeschoben werden, denn manche garantieren auch dafür, dass andere mit etwaiger Kritik zurückstehen. Das erinnert ein wenig an den Umgang der echten Medien miteinander, die auch gerne mal für gemeinsame Ziele kleinere Differenzen übersehen, und es ist angesichts der Schwäche tragfähiger Erlösmodelle im Internet auch nicht sonderlich erstaunlich. Allein der Autor dieser Zeilen gilt diesen Kreisen gemeinhin als notorischer und zynischer Störenfried, der sich nicht an ungeschriebene Gesetze hält.

Insofern passiert gerade etwas Erstaunliches: Das Projekt Krautreporter, das seit über zwei Wochen versucht, 900.000 Euro für ein Jahr Journalismus von 25 Autoren einzusammeln, zieht inzwischen doch erhebliche Kritik auf sich. Und zwar von Personen, die nicht gerade dafür bekannt sind, sich vorschnell illoyal zu äussern. Das ist angesichts der Grösse und Grundausrichtung des Projekts erstaunlich: Krautreporter hätte angesichts des Umfangs durchaus eine zukunftsfähige Lösung für viele Probleme sein könnte. Denn die jungen, internetnahen Autoren haben ihre Probleme bei der Umsetzung der Idee, eine „Marke“ zu werden. Mit dem Selbstbewusstsein geht es schon recht gut, aber das Eintreiben von Geld ist seit inzwischen 15 Jahren immer noch ein ungelöstes Problem für die breite Masse der Insnetzschreiber. Krautreporter dagegen stellt die technische Infrastruktur zur Vorfinanzierung und Betrieb und hält – theoretisch und wenn alles gut geht – den Autoren den Rücken von unangenehmem Kram frei, der bei der Entwicklung allererstklassigster Leistungen des Wortes nur stört.

Es hätte also eine gute Sache werden können – aber zuerst brach die Seite zusammen, was nicht sehr für Internetkompetenz steht, dann konnte man nur mit Kreditkarte zahlen, dann konnte man sich mal mit Twitter anmelden und mal nicht, dann konnte man nicht beurteilen, ob die Transaktion geklappt hatte, dann stellte sich heraus, dass zwischen Krautreporter und Kunden noch eine weitere Firma ist, eine sog. 1-Euro-GmbH namens Sparker, die ein Nebenprojekt der Krautreporter-Gründer ist, und die AGB hätte man sich vorher auch noch einmal anschauen können. Grob gesagt hatte man für das Versprechen einer Ware – ein Jahr feinster Onlinejournalismus ab Herbst – keine richtig funktionierende Kasse. Und irgendwie schlich sich bei den Betrachtern das Gefühl ein, dass Krautreporter selbst noch nicht wussten, was sie da machen sollten. Erst nach dem Start wurde ein Blog online gestellt, das etwas konkreter wurde, aber auch mit Umfragen zeigte, wie wenig Substanz der versprochenen Umsetzung vorhanden war.

Jetzt, nach zwei Wochen, hat das Interesse an Krautreporter spürbar nachgelassen, Es gab eine Aktion zum Erreichen von 6000 Unterstützern, die erst gestern schleppend zu Ende ging. Auch die Medienberichte, die einen grossen Teil der potenziellen Kunden gleich zu Beginn erreicht haben dürfen, lassen deutlich nach. Zur Halbzeit liegt das Projekt klar unter den Erwartungen und weit hinter dem Vorbild aus den Niederlanden zurück, das in dem erheblich kleineren Land mit Geld überschüttet wurde. Allenfalls ein famoser Endspurt könnte Krautreporter noch helfen, aber für manche Kunden stellt sich inzwischen die Sinnfrage. Das Projekt selbst behauptet, die Autoren kämen aus den besten Redaktionen Deutschlands, und verweist mit Links auf deren Beiträge bei diesen Redaktionen – und behauptet gleichzeitig, der Onlinejournalismus sei kaputt, die Medien könnten es nicht wegen der Klickgeilheit nicht, und sie würden es jetzt besser machen. Da knirscht die Logik schon recht deutlich.

Kalt, arrogant, unfreundlich, aufgeblasen, weltfremd, unkommunikativ – das ist inzwischen der Eindruck, den das Projekt bei denen verbreitet, die von sich denken, sie könnten es nicht nur besser als die Medien, sondern auch besser als Krautreporter. Tatsächlich jedoch droht Krautreporter jetzt zu einem grandiosen Rohrkrepierer zu werden – und wie schon der ähnlich laut angekündigte Blogvermarkter Adical/später Adnation im Jahre 2007 verbrannte Erde zu hinterlassen. Das Ziel der maximalen Aufmerksamkeit wurde damals auch erreicht, die Umsetzung war eher schwierig, die Werbepartner ernteten teilweise wütende Proteste, und von den hochfliegenden Plänen, „alle reich“ zu machen, blieb nichts übrig. Das wirkt bis heute nach: Krautreporter wird nicht müde darauf hinzuweisen, wie gefährlich Anzeigen sind, und wichtig werbefreier Journalismus wäre. Dass ein führender Krautreporter früher schon bei Adical war, wird dabei nicht besonders erwähnt.

Das nächste Projekt wird es nach einem möglichen Scheitern sicher sehr viel schwerer haben: Die Mediensensation einer Gründung durch Vorauszahlung ist durch, die Kunden sind oft nur mittelbegeistert, und generell zeigt sich gerade bei manchen versprochenen, aber noch ausbleibenden Büchern, dass einige Crowdfundingprojekte eher schlecht laufen. Es bleibt der Eindruck kleben, da werde nur Geld eingesammelt, und zwar in einem sehr schwierigen Prozess. Ähnlich ergeht es einem anderen, mit Vorschusslorbeeren ausgezeichneten Projekt: Das Block Magazin brauchte Monate, um die ersten 1000 Käufer zu einem Zahlungsversprechen zu bringen, was auf etwaige Journalisten eher wie die Drohung einer prekären Existenz denn wie die Chance auf ein regelmässiges Einkommen wirkt. Dazu kommt dann auch der betont zurückhaltende Nichterklärstil dessen, was geplant ist: „Tobias Amslinger schreibt einen Versuch über den ironisierten Umgang mit der Natur. “ Äh. Also. Ja. Schön.

Mir, der ich mich nicht an die Omerta an den Burgfrieden gebunden fühle, kommt es ein wenig so vor, als versuchte man sich gerade ein wenig in Sicherheit vor dem Fallout zu bringen, den Krautreporter beim Implodieren hinterlassen wird. Denn als besonders schädlich könnte sich der leicht erpresserische Eindruck erweisen, der die Projekte durchwabert: Sie könnten so tollen Journalismus machen, da kämen so tolle Leute zu Wort, das wäre so wichtig – und wer nicht zahlt, ist nicht nur gegen guten Journalismus, er verkennt auch die Mission. Bevor das Geld nicht da ist, zeigt man auch nicht, was man kann. Der Punkt, ab dem bei mir die Schmerzgrenze überschritten ist, ist das Anpflaumen der Fans bei Facebook, derer Krautreporter 10000 hat: „Alles oder nichts. 10.000 Facebook-Fans. 5.276 Krautreporter-Mitglieder. Toll. Aber ein paar von uns haben da was total falsch verstanden! Jetzt Mitglied werden.“ Bei Krautreporter ist der Fokus längst von der Rettung des Onlinejournalismus zur Rettung des Projekts und der eigenen Einnahmen gewandert.

Es ist nur zu verständlich, dass man mit solchen „Wir Helden gegen die bösen Medien“ und „Wer nicht für uns ist ist gegen uns“-Methoden und einer Stimmung wie beim Heizdeckenverkauf nicht in Verbindung gebracht werden will. Zumal absehbar ist, wie sich die Macher beleidigt im Falle des Scheiterns äussern könnten: Die Kunden hätten das Produkt nicht verstanden und wenn sie keine Qualität wollen, dann gibt es eben keine. Folgerichtig jedoch wäre es, würden sie danach die Profession wechseln und etwa an der Supermarktkasse (mit funktionierender Kasse) oder als für den Kunden unvermeidliche Immobilienmakler in München arbeiten. Statt dessen wird man sie danach wieder bei genau den Medien sehen, die angeblich online nichts auf die Reihe bekommen und dort, so vermute ich, werden sie dann die Omerta beachten und beim Themenvorschlag nicht mehr ganz so laut betonen, dass nur sie es können und die anderen gefälligst die Kohle rausrücken sollen, wenn sie diese besondere Qualität von journalistischen „Querschlägern“ etc. haben wollen.

Andere betonen bei ihrer Kritik gerne, dass sie danach dennoch bereit sind, ihren Teil zu tun und zu bezahlen. Ich fürchte, so viel Ehrlichkeit muss sein, ich war nur in Kaltern und habe das Geld in Torte für meinen ausgehungerten Magen gesteckt. Denn ich tue nichts, was ich nicht kann und was ich kann, ist wenig, und das weiss ich.

HINWEIS:

Demütig möchte ich auch auf das Kommentarblog zur gleichen Sache hinweisen.

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40 Lesermeinungen

  1. Humildad?
    Geehrter Don, …Und ich weiß, daß ich wenig weiß, aber das wenige weiß ich meist besser als andere. Nun seien Sie mal nicht so bescheiden. Wenn doch alle nur das täten, was sie können, wäre die Welt ein Stück besser.
    „Kot und Köter“ hat doch noch via Krautreporter ganz gut geklappt.:-)
    .
    Meine Meinung: überall dort, wo ich mich mit facebook und twitter anmelden kann oder schlimmer muß, mach ich einen Bogen. Grundsätzlich stößt „das Internet“ wohl auch an seine Grenzen wegen der zunehmenden Reizüberflutung der Menschen. Was soll noch alles gehen und anders werden? Den Kanibalismus wird man nicht aufhalten können. Und der Online-Tag hat nunmal auch nur 24 Std.

  2. "Und ein Recht auf einem Platz an der Sonne zu haben." Hübsch, Recht auf einem Platz - sowas nann
    man ganz früher Thingstätte, gerne mit einer stabilen Linde, die zur Not auch einen Galgenstrick mit was dran tragen konnte. Später dann Circus Maximus, mit Löwen und so – bloß eine vollautomatisierte Daumensenkmaschine, die wie derzeit durch simplen, bewährten, heute durch Demografiefaktoren verstärkten Attentismus funktioniert, gab’s damals leider noch nicht.

  3. Titel eingeben
    Geht da jemand noch mal über den Text? #Qualitätsjournalismus

    • Titel eingeben
      Vertipper sind beim Don üblich. Wenn man so will, ’s ist (s)eine Art ‚Stil‘. Man muss manchmal eben etwas mehr mitdenken.

  4. Irgendwie fehlt mir der Hinweis auf die GEZ
    als ein seit Jahrzehnten funktionierendes Krautfunding Modell….

  5. 10 fantastische Gründe?
    Habe mich jetzt mal im blog.krautreporter.de umgesehen und dort einige Zitate zum krautigen Selbsverständnis eingesammelt: 10 fantastische Gründe, Krautreporter zu unterstützen.

    Frederik Fischer:
    Bei Krautreporter wird nicht in erster Linie Journalismus finanziert, hier wird der erfrischend größenwahnsinige Versuch finanziert, die erste Redaktion aufzubauen, die einzig und allein ihren Lesern verpflichtet ist. An deren Zufriedenheit – und nicht an Klickzahlen – lassen wir uns messen.

    Theresa Baeuerlein:
    Ich beschäftige mich unter anderen mit den positiven und negativen Einflüssen von Porno, weil ich die Ansicht der Porno-Regisseurin Erika Lust teile: “Porno hat einen enormen Einfluss auf unsere Kultur, und wir können das nicht einfach ignorieren, wir müssen daran teilnehmen.”

    Thomas Wiegold:
    Recherche mit dem Risiko, dass auch mal nichts herauskommt, dass man vergebens stundenlang über Land gefahren ist und auf einem kahlen Stück Heidelandschaft gewartet hat. Das mag für die schnelle, kurzfristige Geschichte ein Problem sein. Für die Stücke mit Hintergrund, die mir für Krautreporter vorschweben, nehme ich auch mal in Kauf, dass ich vergebens irgendwo hinfahre.

    Andrea Hanna Hünniger:
    Ich weiß, meine Fragen an Menschen sind oft dreist, ja übergriffig. Doch die zur Megamaschine mutierte Welt muss erklärt werden. Ich nehme es in Kauf frontal in sie reinzuknallen, wenn ich ihr nachspüre. Ich bin ein journalistischer Querschläger. Ich halte das aus. Ich bin Krautreporterin.

    So so, die Damen und Herren wollen also den subjektiven Journalismus neu erfinden – schade nur, dass mich ihre Selbstdarstellungen nicht zum Weiterlesen animieren: wir basteln uns ein schönes Legoland und lassen euch alle daran teilhaben!

    Dann doch lieber richtigen Krautrock auflegen: Can – Future Days, noch immer hörenswert!

    • Wie alt sind die Damen und Herren wohl?

    • U20
      Oder Spätentwickler?

    • Kraut-Projekt
      Ja, ich hatte auch mal reingeschaut und kann nur zustimmen.
      “ subjektiven Journalismus neu erfinden“
      Habe auch den Eindruck, das soll ein umfangreiches Mainstream-Themen Projekt werden.
      Nein, Danke! Die Autoren und Arbeitsproben sprechen für sich. keine 5 Euro monatlich dafür.
      Lieber 10 Euro für wirkliche kritische Beiträge. Es geht nicht drum unisono contra Mainstream zu stehen.
      Sondern zu beleuchten warum, bzw. der Mehrheit der Bevölkerung gegen die Mainstream-Agenda steht.
      Was dafür spricht, was nicht, Denkvertdrehungen lüften, Definitionen entzaubern.
      Aber dieses Projekt bringt es nicht.

  6. "Und ein Recht auf einem Platz an der Sonne zu haben." Hübsch, Recht auf einem Platz - sowas
    nannte man ganz früher Thingstätte, gerne mit einer stabilen Linde, die zur Not auch einen Galgenstrick mit was dran tragen konnte. Später dann Circus Maximus, mit Löwen und so – bloß eine vollautomatisierte Daumensenkmaschine, die wie derzeit durch simplen, bewährten, heute durch Demografiefaktoren verstärkten Attentismus funktioniert, gab’s damals leider noch nicht.

  7. Die Chancenverspieler
    Ich werde von Tag zu Tag skeptischer, was die Krautreporter betrifft. Da plant man von den 900.000 Euro (die das Projekt, pardon, per Crowd nicht bekommen wird, außer es tut sich noch eine größere Spende auf) stolze 5 Prozent für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs ein (sorry folks, Bankeinzug ist billiger, auch wenn man es nur mittelschlau anstellt) sowie rund 7 Prozent (das sind immerhin 60.000,- Euro) für Software.

    Diesen sehr hohen Anteil von Softwarekosten verstehe ich nicht. Von den Krautreportern wird das nicht erklärt, und auch nicht, warum man sich einseitig auf die teure Lösung mit (nur!) Kreditkartenbezahlung entschieden hat. Im ersten Moment mag das sehr bequem und aus Gründersicht smart wirken, aber das ist es nicht. Auch sind die hohen Buchhaltungskosten für mich nicht nachvollziehbar. Was sollen denn bei diesem ziemlich überschaubaren Projekt denn für Unmengen von Buchungssätzen anfallen?

    Ich kapiere es nicht. Den halben Ansatz dafür hätte ich gerade noch verstanden.

    Ich würde von den dafür eingeplanten Journalisten erwarten, dass sie – in Anbetracht einer sehr attraktiven Vergütung – ein Stück weit in Vorleistung gehen. Das heißt, die Kommunikation mit den Fans und Finanzierern könnte (zumal seitens der beiden sog. Geschäftsführer) schon deutlich üppiger ausfallen, als eine schlampig konzipierte und noch schlampiger ausgewertete Umfrage.

    Da antworten unter den Fans/Finanzierern, dass immerhin 1/3 sich vorstellen kann, eigene Beiträge zu verfassen (Hammer!) – das ergäbe bei 15.000 Crowdfundern und noch einmal in etwa genauso viele nichtfinanzierende Fans eine vieltausendköpfige Schreiber-Armee, und nicht zuletzt jede Menge fachspezifisches KnowHow, das sich eventuell nutzen ließe.

    Die Antwort der Krautreporter auf dieses Umfrageergebnis: „Nicht einmal jeder dritte Umfrage-Teilnehmer würde selbst Texte verfassen wollen. Zwischenfazit: Dieses Feature steht weit unten auf unserer To-Do-Liste.“

    Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Chancen verspielt.

    *Ächz*

  8. Sie haben drüben bei wordpress bloß 861 in der URL-Zeile stehen und (noch?) nicht
    geld-her-oder-wir-toten-dieses-medienbaby

    oder

    geld-her-oder-wir-toeten-dieses-medienbaby

    Gibt’s dort dann wieder eine Kommentarblogverdoppelung?

  9. BGE für die Mittelprächtige Journaille
    Über Krautreporter-Story wurde in den Medien lang und breit berichtet. Für ein neues Produkt entspricht das sicherlich einer Werbekampagne im Wert von einigen Zehntausend Euro – for free versteht sich. Dennoch haben bisher nur fünftausend unterschrieben.
    Anstatt der Wahrheit ins Auge zu blicken, nämlich dass diese Leute haben außerhalb ihrer Relevanzblase einfach keinen Impact haben, wird schon mal vorbeugend an den Ausreden gebastelt: der Mecker-Deutsche, der alles zerredet oder die Leute, die alles nur umsonst haben wollen im Internet. Selbstreflexion war eben noch nie eine Stärke der Journaille.

    Ich kaufe denen einfach nicht ab, dass sie etwas anders geschweige denn besser machen. Alleine wenn ich das Geschreibsel von Anne Philippi lese, überkommt mich das kalte Grauen.

    • alles besser machen?
      Wenn diese Journalisten ‚besser‘ sein wollen oder gar sind, wieso haben sie dann in ihren bisherigen Medien nicht gezeigt, was sie so Tolles drauf haben?

  10. Brauche weniger diesen verträumten subjektiven Geschichten-Journalismus ...
    … als endlich einen ordentlichen investigativen Journalismus.
    Der fehlt mir!

    Sowohl in Print als auch im Online-Bereich. Alles samtweiches Geschreibe! Ich will aber die wahren Hintergründe wissen unserer Lobbykratie und nicht von Geschichten eingelullt werden. Diese Geschichten gibt es doch bereits auf guten Blogs.

    Das ist nur mein persönlicher Bedarf. Der wird wohl von dieser privaten Initiative mittels 60 €/anno kaum erfüllt werden können. Weiß ich schon. Denn um ungefährdet so zu schreiben, braucht man ordentliche Kriegskasse (Scheckheft, Anwälte, die den jeweiligen Journalisten wieder raushauen, Anwälte, die das Geschriebene im Vorfeld prüfen …, einer der den Kopf hinhält, damit der Autor nicht in den Knast wandert oder teure Abmahnungen privat bezahlen muss), alles sehr sehr teuer. Ohne reichen Mäzen schwierig, Crowd hin oder her.

    Was aber bei krautreporter.de alle betrifft, vor allem alle Interessierten und eigentlich schon Zahlungswilligen, was sehr sehr sehr schade ist:

    Es wurden zwar die Grundzüge deer aufmerksamkeitsschaffung, nicht jedoch die Grundzüge des Verkaufs verstanden. Diese gelten auch und gerade für Crowdfunding.

    Regel No 1: Erst Vertrauen schaffen und etwas g-e-b-e-n. In Vorleistung gehen. * Kann eine Kleinigkeit sein. Ich sehe außer Versprechungen kaum was auf krautreporter.de. Muss mühsam in alten Artikeln von denen rumstöbern, die im blog verlinkt sind. Artikel, die doch noch unter den angeblich unfreien Dienstleistungs-Verhältnissen geschrieben wurden und doch gar nicht die Leistung widergeben können, die der Schreiber wirklich drauf habe.

    Es sollten also schon neue Artikel drauf sein. Fertig, aus!

    Es kann doch nicht so schwer sein für diese Eliteschreiber, im Dienste der Sache je einen neuen persönlichen Krautreporter-Artikel rauszuhauen mit Schmackes! Dann wäre ich dabei, wenn ich sehe, wie engagiert die wirklich sind. Dann könnte ich auch darüber hinwegsehen, dass nur Kreditkarte geht und die nicht immer. Denn für den, der was wirklich will, sind eine komische Kasse mit Bugs nur kleine Hindernisse. Wer will, der kann. Wer aber jetzt schon unschlüssig ist (wegen der dünnen Ansprache und der fehlenden Artikel), für den ist die noch ganz ausgereifte Bezahlfunktion das große Superhindernis. Dann wird zu Recht geschimpft und läutet das Ende einer guten Idee ein.

    -/-

    *In Vorleistung gehen ist in Branchen wie Design oder Architektur natürlich nicht ganz unkritisch. Gute Designer machen auch kein spec work, sie lehnen das ab. (Spec work: Der potenzielle Auftraggeber bekommt v-o-r dem Auftrag schon einen fertigen druckreifen Entwurf.) Spec work ist für einen Einzelkämpfer nicht nur ein großer Kostenfaktor, das Schlimme ist, dass ein beliebiges, austauschbares Werk entsteht ohne je zuvor ein Briefing gesehen zu haben. Für Auftraggeber in diesem Bereich sind Referenzen, Arbeiten für andere Kunden daher angeraten und ein guter Anhaltspunkt füßr die Qualtität des Gestalters. Ein Journalist aber, der sagt, er hätte in unfreien Verhältnissen das und das geschreiben, tut nicht genug. Denn man weiß ja dann immer noch nicht, wie er denn schreiben würde, wäre er frei und ungezähmt. Das muss er jetzt neu zeigen, sorry!

  11. Analyse?
    „Zur Halbzeit liegt das Projekt klar unter den Erwartungen und weit hinter dem Vorbild aus den Niederlanden zurück, das in dem erheblich kleineren Land mit Geld überschüttet wurde.“

    Kann jemand eine Analyse anbieten, weshalb es denn bei den Niederländern mit ihrem decorrespondent.nl besser-anders lief?

    • tv hilft
      Ich glaub, die war’n mal im Fernseh’n. Das hilft ungemein.
      .
      Ich kenn‘ ’nen ähnlichen Fall: der Macher eines kleinen (ebenfall: holländischen) Musik-Fanzines hatte seit Jahren immer etwa 200 zahlende Abonnenten. Dann war er an einem Sonntag vormittag in einer kleinen Fernsehsendung, die ihn kurz vorstellte und interviewte. Ein paar Tage später hatte er bereits 2000 Abonnenten. Er war damals völlig baff, dass das SO SIMPEL funktioniert. (Das ist aber schon etwa 20 jahre her).

  12. Mich haben auch so einige Dinge abgeschreckt
    einerseits schließe ich kein Abo ab, wenn ich nur mit Kreditkarte bezahlen kann bzw. darf. Ich verteile meine Daten nicht wahllos übers Netz. PayPal wäre noch ok gewesen. Die kennen meine Daten eh. Aber dies wird da ja nicht angeboten. Zum anderen hat mich auch deren Facebookaffinität abgeschreckt. Wenn ich Facebook lese, summe ich inzwischen immer „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ vor mich hin.

    Ansonsten finde ich das Projekt so interessant, dass ich zum Start auch ein Jahresabo abgeschlossen hätte, vorausgesetzt die Krautreporter würden ihr Bezahlsystem ändern.

    Die bis jetzt abgeschlossenen Abos würden zumindest für ca. 5 Monate reichen. Zeit genug um zu zeigen, was in ihnen steckt, und ganz ohne Druck nach Außen weitere Abonnenten zu finden.

  13. Immer dieses deutsche Kleinklein und Gehacke. So geht das:
    „In einer der größten Talkshows der Niederlande wirbt Wijnberg damals für sein Projekt. Er trägt ein dunkelblaues, seidig glänzendes Hemd, die obersten Knöpfe sind offen. Er sagt: „Wir brauchen unabhängige Journalisten, die nicht jedem Hype hinterherrennen.“ Seine Haare rutschen nach vorne, er streicht sie wieder zurück. Er schaut jetzt an dem Moderator vorbei, sucht den Blickkontakt mit den Zuschauern. „Ich brauche keine Investoren, sondern Mitglieder.“ Und die Menschen glauben ihm. 1,3 Millionen Dollar sammeln er und sein Team allein in den ersten Wochen, am Ende sind es 1,7 Millionen.“

    Quelle: ZEIT

    In einer der größten Talkshows der Niederlande.
    So geht Reichweite.

    Was die Deutschen machen ist – wieder mal – Erbswurst.
    Und dann sich gegenseitig niedermachen. Darin sind sie anscheinend allerdings dann wieder … groß.

    Rumerbs
    Der Kater

    -/-

    Die 5 Phasen eines Projektes:

    Euphorie
    Ernüchterung
    Suche nach den Schuldigen
    Bestrafung der Unschuldigen
    Auszeichnung der Unbeteiligten

    Quelle: unbekannt

  14. Nur nebenbei
    Das ganze kann wohl erst funktionieren, wenn die etablierten Print-Medien nichts mehr kostenlos online stellen, oder liege ich da falsch? Solange wird man wohl den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Man nehme bspw. das Online-Versandgeschäft und die Gebühren für zurückgesandte Ware. Hier muß der ungebändigten Bestellwut Einhalt geboten werden, indem das Zurücksenden ordentlicher Ware auch dem Besteller berechnet werden kann. Und das zunächst aus wirtschaftlichen und Umweltschutz Gründen. Tausende von Zustellern, die zu Hungerlöhnen auf Subunternehmerbasis durch die Gegend heizen, überbringen Ware, die von pubertierenden, infantilen facebook-Jüngern offenbar ohne Nachzudenken bestellt wird, in dem Wissen, dit kost ja nischte. Welcher Unternehmergeist wird da denn befriedigt und was beschädigt?

    Vielleicht sollte man lieber sammeln für die ausblutenden Pensionskassen und Altersvorsorgen, die privaten KK, angezettelt durch Niedrigzinspolitik der EZB. Schon wieder leihen sich Staaten Kohle, um Konjunkturprogramme anzufahren, bezahlt letztlich vom Bürger……und der Sparbuch-Normalo wird immer ärmer. Sammeln wir für etwas Konkretes, für eine Kavallerie. Und nicht für noch mehr Datenmüll, …die nur dem Leser verpflichtet ist. Was heißt das?
    Oder man sammelt schon mal in vorauseilendem Gehorsam für die nächste Finanzkatastrophe, die durch mögliche Insolvenz der großen Energieversorger ausgelöst werden wird. Badbank auch hier ein Thema. Die Atomkraft war ein Schwindel, der Zeit geschuldet, billigen Strom zu liefern. Nun aber wird den Versorgern bewußt, daß es eine Finanzapokalypse werden wird, AKWe zurückzubauen und den ganzen strahlenden Müll irgendwann-,wie – und wo zu entsorgen. Höchstrealistischer Artikel über das Verursacherprinzip in der SZ heute.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ausstieg-aus-der-atomenergie-wer-anderen-kosten-aufhalst-muss-dafuer-gerade-stehen-1.1979306
    Was braucht es da ein neues Medienbaby? Brauchen wir mehr Taxifahrer?

    Crowdfunding also für die Rettung der Energieversorger- und Versorgung. Die einwandige Energiewende im Geleitzug der vier havarierenden Stromriesen.
    Ein neues Medienbaby ist natürlich wichtiger.

  15. Projektmanagement
    @Moritz – Die Phasen eines erfolgreichen Projekts sind: Planung, Planung, Planung. Ich plane heute was ich in drei Monaten tue und führe heute mit linker Hand durch, was ich vor drei Monaten sorgfältig geplant habe. Mein Gehirn ist immer drei Monate im Voraus – außer wenn es drei Jahre im Voraus ist. Was heute geschieht, braucht meine Aufmerksamkeit nicht, weil ich schon vor Jahren im Groben und vor Monaten im Detail alles antizipiert habe.

    • Lieber Tiger,
      Text eingeben

    • Lieber Tiger, ...
      … Sie haben schon verstanden, dass es ein satirischer (und dennoch nicht weniger wahrer) Abriss eines Projektablaufs in der Praxis war?

      Gruß
      der Kater

      _____________________________________________________
      Wie töricht ist es, Pläne für das ganze Leben zu machen, da wir doch nicht einmal Herren des morgigen Tages sind. Seneca

  16. Leselust
    Habe nichts gegen den Versuch der Krauts, guten Online-Journalismus zu betreiben. Nur decken sich leider Dons Schilderungen mit meinem Besuch auf ihrer Website. Nette Ankündigungen mit guten Absichten entfachen halt keine große Leselust auf Zukünftiges, da fehlt es noch sehr an leckeren Pröbchen.
    Vielleich sind ja auch die vielen Köpfe etwas verwirrend für das positive Kunden-„Feeling“ in der angepriesenen Feinkostabteilung. Oder etwa doch nur ‚Kraut und Rüben‘, bringt es der Name wirklich?

  17. Anmerkung
    Und außerdem 95% übervorbereitet. Von 100 möglichen Problemen, die man im Voraus durchexerziert gehabt haben muss, werden nur 5 eintraten —- aber da man nicht weiß, welche unter den 100, muss man für alle 100 einen durchsetzbaren Plan haben, um sofort vernünftig reagieren zu können….. Mann kann es natürlich auch wie Mutti machen, alternativlos und gänzlich ohne Plan. Aber die Geschichte hat über Muttis alternaivlose Kanzlerschaft noch kein Urteil gefällt.

    • Nicht alle Probleme sind so einfach, wie Sie sich das vorstellen.
      @ Der Tiger:

      Wenigstens steht Ihr Urteil über „Mutti“ schon fest. Gerne würde ich aber von Ihnen erfahren, wie Sie den Fall Juncker/Cameron lösen würden. Daß es schon Pläne gibt, können Sie z.B. in der „Welt“ nachlesen, aber Sie haben als bewährter Planer sicher bessere Ideen.

    • Nach meinem dafür halten...
      Ist die BK ein wohl geplantes Projekt, dass allen Ihren Vorstellungen entspricht, werte Der Tiger.

      Wer kennt die Planer, nennt die Projektleiter…

    • @Herr Weiß
      Wo ist das Problem. Frau Merkel löst das in gewohnter Weise:
      wait and see
      Sie beobachtet die Machtverhältnisse ( das kann sie hervorragend) und schlägt sich auf die
      Seite derer, die sich durchgesetzt haben.

      Frau Merkel ist seit 2005 BK, seither hat sie ihren Stil nicht verändert und wenn sie meint
      Etwas sei alternativlos, dann hat sie aus ihrer Sicht recht.

  18. mehr davon
    http://www.erneuerbareenergien.de/crowdfunding-finanziert-solar-highway/150/477/79195/

    1.8Mio. über indiegogo eingesammelt. Zukunftstechnologien erforschen und fördern heißt die Devise.

  19. Qualität ist Subjektiv
    Wow. Danke für den Artikel, bringt er den Krautreportern genau die Aufmerksamkeit, die sie brauchen! Der Autor hat sich vor den Karren spannen lassen und einen FB-Post mit sage und schreibe einem einzigen upvote als Aufhänger für diesen Artikel genommen.
    Hat sich vorher kein Schwein für die Krautreporter interessiert, lockt der Autor mit diesem Text vielleicht noch ein paar spendenwillige hinter dem Ofen hervor.
    Danke für die kostenlose Aufmerksamkeitsproduktion für eine tolle Sache und den Schuss ins eigene FAZ-Abo-Knie.
    Jeder der schon mal was von dem Autor gelesen hat muss ich eigentlich fragen, wieso man immer nöch Bären für deren Dienste engagiert.
    Fallen aufstellen und selber hintapsen, das ist doch nicht der Sinn dieses Artikels gewesen, oder?

    • Ich habe jetzt mal geschaut und es sieht nicht so aus, als würde dieser Text den grossen Schub bringen. Krautreporter dümpelt bei 100-200 neue Käufer am Tag dahin und das ist klar zu wenig, wenn es jetzt schon an die 700 sein müssten.

  20. Fehlende Reife, fehlender Stil, fehlende Kenntnisse, mangelhafte Herkunft
    und noch sei ein paar sachenwuerde der beim eine faz-leser vermutlich annehmen.

    z.b. die dolchstosslegende zum scheitern gibt man sich nicht, schon gar nicht unreflektiert, weil so unangenehm kleinbürgerlich. ‚ich wars, der versagt hat – und keiner sonst‘, alles andere knecht- nicht unternehmerpsyche.

    und wie alle wissen wollten die leipziger nach dem systemwechsel endlich auch eine geänderte volksstimme, aber keinen völlig neuen und anderen zeitungsansatz – und Internet ist genauso. und der so hoffungsvoll blöd dagegen kämpfte, der bekaeme im scheitern durch den markt vermutlich nur sein dummes kleinbuergerego besiegt, notwendigerweise.

    und wirkt wie scheitern Deutschlands einmal mehr, denn was sagte das alles über deren herkunftsfamilien 70 Jahre nach Omaha Beach?

    zum glueck also ist die freiheitsordnung, innerhalb derer auch grandios gescheitert werden darf, vorfindlich. aber gestandene verleger fehlen trotzdem.

  21. Und wirken alle so unangenehm kleinbürgerlich diese Versuche - wie von immer schon vom Eltern-
    einkommen finanziell verwöhnten Kindern von Eltern aus der Toskakanfraktion – jetzt grad immer so infantil-verwöhnt weitermachen zu wollen. Dabei wäre das Leben nicht so. Jedenfalls nicht neu & bottom-up.

    Vielmehr wäre es wohl eher so gewesen, dass das Hotel Lux auch keinen Stern im Michelin gehabt hätte, wie Herbert Wehner wahrscheinlich argumentiert haben würde, vielmehr hätte das Hotel Lux die Toskanafraktionangehörigen mit allen Roten Sternen solange frontal zwischen die Hörner gehauen, bis es auch der letzte Belgrader oder Gelsenkirchner Bergwerksverein begriffen hätte.

    Aber „Internet-Jogurette-Journalismus“? Hier und heute? Könnte gehen, hätte es nicht vermutlich den Web-Fehler, dass hier die Macher nichts weiter als die Jogurette vor allem gewohnheitsmässig weiterhin für sich selber wollten, ggfls. sogar sozial exklusiv – und für die anderen auch weiterhin vermutlich eher nichts. Aber wohl bestimmt nicht harten Lebenskampf á la „Roter Stern Belgrad“, „Training, mehr Training“ statt Prämie.

    Denn das wäre ja ihr ganzes junges Leben lang schon immer so gewesen: Als Toskanafraktion-Kids hätten sie zumeist hoch und trocken – und mit allen Edelspeiserestauranterlebnissen immer schon wohlversorgt – gefült schon fast wie lebenslang wunderbar im tollen Süden gesessen, während Bergmänner im dunklen Schacht im deutschen Norden, das waren derweil meist eher doch die anderen gewesen.

    Wie gesagt: Ungefähr soweit das gewisse Vorurteil.

    Und darüber hinaus wüsste jeder General oder Feldherr auch schon mal vorher, welche Schlacht auch mit noch soviel Verzichts- u. Opfereinsatz vermutlich so oder so nicht zu gewinnen wäre. Aber auch daher schon waren Feldherrn oder Generäle in der Vergangenheit in den meisten Fällen auch nicht kleinbürgerlicher Herkunft, wie man weiß.

    Mal sehen also, ob sich in absehbarer Zeit wenigstens einer der Macher noch mal ein paar lustige Zeilen selbstironisch-einsichtsvollen Feuilleton-Stücks abringen könnte, so ungefähr nach dem Motto „Wir hellen Krautreporter hoch zum Licht – gegen die Monsanto-Großverleger dieser Welt – das dunkle Scheitern unter den Herbiziden geht weiter“. Dabei waren doch bloß die fehlenden Leser schuld.

  22. Titel eingeben
    Als leidenschaftlicher Crowdfunder ist es immer schade wenn ein Projekt scheitert. Ich habe bisher 5-6 Projekte finanziert (und ja auch ein Buch das dann sehr lange brauchte ^^), ein einziges Projekt ist nichts geworden – das Geld wurde mir zurückerstattet. Ich verstehe nicht wie man mit Plattformen wie Kickstarter oder auch Startnext überhaupt Probleme mit einer „nicht“ funktionierenden Kasse haben kann. Es scheint mir, auch wenn das jetzt ein oberflächlicher Eindruck sein kann, ein hausgemachtes Problem zu sein. Bei Crowdfunding geht es um Vertrauen und das haben die Macher verspielt.

  23. Titel eingeben
    Zitat: „hier wird der erfrischend größenwahnsinige Versuch finanziert, die erste Redaktion aufzubauen, die einzig und allein ihren Lesern verpflichtet ist. An deren Zufriedenheit“

    Ich hätte mir gewünscht das es möglich ist einen Versuch zu finanzieren, eine Redaktion aufzubauen die einzig und allein ihrem Berufsethos und einer objektiven unabhängigen Berichterstattung verpflichtet ist.
    Wenn ich mir einige Namen der Involvierten ansehe und ihr agieren in der näheren Vergangenheit(die Ukraine Krise als aktuelles Beispiel), dann fehlt mir trotz einigen anderen durchaus interessanten Beteiligten der Glaube das dieses neue Format hält was so vollmundig versprochen wird.

  24. Sauerkrautreporter
    Eigentlich ist es schade, dass Niggemeier und Schader, beide wohnhaft im Prenzlauer Berg, ihre Miete nicht von 15.000 edlen Spendern bezahlt bekommen. Denn würde das Projekt starten, würden sie sich richtig gründlich blamieren. Weil es scheitert, können sie sich und uns einreden, hätte man sie machen lassen, wäre der Qualitäts-Journalismus gerettet worden.

  25. 60 Euro und nur Kreditkarte
    Ich denke die größten Fehler sind das Abomodell und die Kreditkarte. Mindestens 60 Euro sollte mir der tolle Journalismus schon wert sein? Aufs Jahr gerechnet wahrscheinlich schon. Aber nicht auf einmal und ins Blaue hinein. Mit 5 Euro in den Hut werfen, kein Versprechen, schauen wir mal, wäre ich zufrieden gewesen.

    Achja: eine Kreditkarte besitze ich übrigens auch nicht.

  26. Geld her - Und ein Paradox
    Ich komme aus der Techniksphäre, und ich möchte mal die Situation der Zeitungen mit einem Problem vergleichen, das sich zu Beginn der 90er Jahre stellte: Damals wurde es möglich, hochwertiges Audio über eine simple ISDN-Leitung in Echtzeit zu senden. Alle Firmen in diesem Bereich versuchten, mit ihren Geräten sich gegenseitig vom Markt zu halten oder zu drängen, und zwar mit proprietären Protokollen. Im krassesten Fall führte es dazu, dass zwei verschiedene Geräte derselben Firma nicht miteinander kommunizieren konnten. Irgendwann merkte man, dass diese Produkte zur Kommunikations- nicht zur Deskommunikationssphäre gehören (Sic! Wie die Zeitungen, nur ein wenig anders).
    So jedenfalls ließ sich schlecht ein Geschäft machen, mit dauerhaft verärgerten Kunden. Man verstand, dass die Vorteile etwa der DIN von früher auch in der neuen Welt Sinn hätte und verständigte sich auf Standards. Die gab es vorher auch schon, aber kaum einer hatte sich daran gehalten. Nun begann man, Teams von Beteiligten aller Gewerke zusammenzubringen, um die echten Probleme in den Griff zu bekommen. Interessant daran ist auch, dass nun, mit Beginn einer neuen technischen Etappe (IP-basierte Technologien) Normen nicht mehr umstritten sind.

    Was hat das nun mit den Zeitungen zu tun? Wie kann es sein, dass der gesamte Sachverstand nicht ausreicht, um ein brauchbares Bezahlmodell für die Onlinepresse zu finden, seit vielen Jahren? Wenn man einmal bedenkt, dass der Markt für deutschsprachige Zeitungen global gesehen recht klein ist, ist es schwer zu verstehen, dass sich die „Player“ nicht auf Standards einigen können, bei denen das Bezahlen nicht nur per Abonnement, sondern für die Netzaffinen per Artikel möglich wäre. Ich bin überzeugt: wenn 80% oder 90% der deutschsprachigen Blätter sich auf einen virtuellen Kiosk verständigen würden, könnte es funktionieren. Denn dann könnte man nicht mehr einfach auf ein anderes Medium ausweichen. Warum also nicht eine DÖSON, eine deutsch-österreichisch-schweizerische Onlinenorm? Innerhalb dieses Rahmens kann jeder immer noch machen was er will. Es ist halt ein Paradox, es kann viel individuelle Freiheit geben mit einer sinnvollen Kooperation.

    Die Engstirnigkeit in dieser Weltgegend ist manchmal schon äußerst schmerzhaft. Die Techniker haben gelernt, dass sie neben den normierten Funktionen zusätzlich proprietäre Features anbieten können oder bessere Usability etc. um zu verkaufen. Anderes Beispiel: Die BBC hat einen Medienplayer entwickelt, mit dem man ohne Schwierigkeiten auch auf alle privaten Station Zugriff hat. Begründung: der content holt die Hörer. Man stellt sich der Konkurrenz. In Deutschland hat alles schnell einen strafenden Charakter – Paywall, Abonnement – statt die Wünsche der Leser ernstzunehmen.

    Was in dieser Debatte auch fehlt, ist die Tatsache, dass finanziell rentable Zeitungen wie z.B. El Pais, durch Investoreninteressen ruiniert werden können. Hier stellt sich mir die Frage (an die Politik), ob es nicht für die Presse gewisse Einschränkungen bei solchen Entscheidungen geben müsste.

  27. Pingback: Der Mindestlohn als Traditionenmord | Stützen der Gesellschaft

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