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Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Die Echtzeit, auf der wir alle talwärts fahren

| 16 Lesermeinungen

Abenteuer in der Todeszone, spektakuläre Bilder, Tracking der Helden am Achttausender: Onlinemedien haben zwar gelernt, wie man Extremsport in Klicks umsetzt, aber bei Katastrophen sind sie überfordert.

Gestern zeigte mir Spiegel Online zum Abschied, ganz unten, als Bild des Tages, einen Basejumper aus Kuala Lumpur. Als wäre nichts geschehen, liegt da scheinbar entspannt ein Mann in der Luft über all den Hochhäusern, und an seiner Stirn hat er eine GoPro-Kamera, die den Fall aufnehmen wird. Und natürlich ist die Presse dabei: Basejumping ist wegen der grossen Gefahr für die Springer zwar eigentlich verboten, aber es liefert spektakuläre Bilder, und deshalb verfügt diese Szene über Sponsoren, sorgsam geplante Medienaktionen und dankbare Abnehmer wie Spiegel Online, die dazu beitragen, dass diese Springer so eine Art Sprayer2.0 der urbanen Kultur sind. Und natürlich muss man bei solchen Bildern ganz nah dran sein. Ob sich der Fallschirm letztlich öffnet, ob der Jumper sicher landet oder von den unberechenbaren Winden gegen einen Wolkenkratzer gedrückt wird, sieht man natürlich nicht. Hauptsache, die Leute klicken.

In diesem Beitrag geht es aber um Sebastian Haag und Andrea Zambaldi, die letzte Woche im Himalaya ums Leben kamen. Sie wurden 100 Meter unter dem Gipfel des 8013 Meter hohen Shisha Pangma von einer Lawine erfasst und verschüttet. Einer ihrer Kollegen konnte sich zum Glück selbst aus den Schneemassen retten. Die – dafür gibt es in den Medien ein eigenes, klickträchtiges Wort – Extrembergsteiger waren auf dem Weg zu einem anderen klickträchtigen Wort; ihr Ziel war ein Weltrekord und der Versuch, zwei Achttausender direkt hintereinander zu besteigen und die Strecke dazwischen mit dem Rad zu fahren. Achttausender ist übrigens auch so ein heisses Wort, denn in der Klickwährung des Internets muss es immer das Höchste sein. Siebentausender sind uninteressant. Ein Achttausender ist gut, aber zwei sind natürlich besser, wenn dabei Extrembergsteiger einen Weltrekord aufstellen.

Führender Medienpartner war Spiegel Online. Für die Expedition war das vermutlich ein Volltreffer, denn solche Touren müssen gegenfinanziert werden, und dabei spielt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit im Alpinismus seit jeher eine grosse Rolle. Spiegel Online liess sich nicht lumpen, brachte die Geschichte ganz groß in Vorberichten, stilisierte die Bergsteiger zu Helden, und zeigte sie angereichert mit allen Möglichkeiten, die das Netz so bietet. Das ist im Alpinismus nicht neu: Die übelsten Auswüchse gab es während des Nationalsozialismus an der Eiger-Nordwand und am Nanga Parbat im Kaschmir, dem sog. Schicksalsberg der Deutschen. Schicksalsberg ist vermutlich auch so ein Wort gewesen, das sich prima auf den Extrablättern machte; allerdings waren die Nachrichten aus der Schweiz und aus Kaschmir nicht schön, und das Publikum erfuhr recht schnell, dass die vorher sorgsam aufgebauten Berghelden das Wagnis nicht überlebt hatten. Das war eine andere Zeit, da galt der Heldentod propagandistisch noch etwas. Heute schreibt man ein zerknirschtes „In eigener Sache“ und bringt einen Tag später einen KLICKDASAN-Basejumper.

Das sagt einiges über die Lernfähigkeit von derartigen Onlinemedien. SPON beharrt darauf, dass sie nur Medienpartner waren und mit den Entscheidungen für den letztlich verhängnisvollen Aufstieg nichts zu tun hatten, und dass die Verstorbenen Profis waren, die nach idealer Vorbereitung genau wussten, was sie taten. Was SPON unerwähnt lässt, ist der Umstand, dass die gängigen Achttausender nicht umsonst als Todeszone gelten und kein Fun Park für lustige Actionvideos sind, und auch mit den heutigen Möglichkeiten nicht berechenbare Risiken darstellen. Eine Todesmeldung ist das Übelste, was man bringen kann, aber ein normaler Abbruch des Versuchs, weil das Wetter zu schlecht und das Risiko zu hoch war, wäre im Hinblick auf die Klicks auch nicht perfekt gewesen. „Weltrekordabfahrt – erleben Sie exklusiv das Video“ hätte die Kunden in Scharen angezogen, es wäre die Krönung all der Daten gewesen, mit denen das Medium unterhalten wollte. Darauf arbeitete man in Hamburg und im Himalaya hin. Auch nicht anders als bei „Wetten dass“, wo es der Sprung über das fahrende Auto sein musste.

Nun muss man beim Thema Schuld sehr vorsichtig sein, zumal, wenn man als Journalist selbst seine Tage nicht im Redakteurssessel beenden will. Der Autor dieser Zeilen hat sich mit fast schon unfairen Mitteln darum gerissen, in die Zona Rossa des Erdbebens in Oberitalien zu reisen, und stand einmal vor einer halb eingestürzten Kirchenfront, als ein paar Kilometer direkt unter ihm die Erdplatten brachen. Das war in einem lieblichen Ort nahe dem einstmals schönen Concordia sulla Secchia, und auch ich wusste, was ich tat und hatte da schon viel Erfahrung, mit der ich sehr schnell gerannt bin. Ich schreibe hier über Abfahrten von hohen Alpenpässen, bei denen besser keine Speiche brechen und kein Schlauch platzen sollte. Aber das sind auch die Gründe, warum ein wenig Distanz besser ist. Wenn ich allein 15 Kilometer ins Tal rase, kann ich mir bei jeder Kurve sagen: Langsam. Der Berg kennt keine Gnade. Du musst gesund ankommen. Das geht, ich gebe es zu, mit nicht ganz ehrlichen Bildern, denn bei der Abfahrt sorgen allein lange Belichtungszeiten und extreme Weitwinkel dafür, dass der Eindruck der Geschwindigkeit entsteht. Ich photographiere bei Tempo 20, und nicht mit 90 Sachen Wenn aber eine GoPro am Helm ist, fährt immer der Gedanke mit, ob das denn nun auch schnell genug aussieht. Das fängt bei den Amateuren an, die vom Material im Netz angeregt werden, und das setzt natürlich auch die Medien unter Druck, noch härteres Material zu liefern. Und natürlich auch ihre Partner, die keine Journalisten mehr sind, sondern professionelle Datenlieferanten. Daten, die möglichst oft zum Klicken animieren sollen.

Für das Klicken sollte man eine direkte Beziehung zum Helden haben, Nähe, Intimität, Wiedererkennung, aber auch Leistung, Extreme und Besonderheiten. SPON ist bekannt dafür, alles zu übergeigen, Reisen müssen wie gestern „irrwitzig“ sein, und jede Banalität wird mit Anspielungen auf Bekanntes und Popkulturelles aufgeladen. Wenn ich so hektisch und sensationsgeil den Jaufenpass runterfahren würde, wie SPON seine Seite befüllt, würde ich nicht lange leben. Aber dass so ein Medium dann auf eine Expedition einsteigt, in der Speedkletterer über Gletscher mit Ski abfahren und sich dauernd per Satellitentelephon – auch darunter geht es nicht – melden, ist kein Zufall. Haag und seine Leute wussten nicht nur um die Risiken, sie wussten auch, warum sie damit zu Spiegel Online wollten. In Hamburg sah man die grosse Geschichte und die Möglichkeit, das als Event umzusetzen. Kommen Sie morgen wieder und checken Sie den Aufstieg, würzen Sie ihren faden Büroalltag mit einem Blick auf den Himalaya, seien Sie hautnah dabei – heute beim Bergsteiger und morgen gibt es hoffentlich wieder neue private Nacktbilder von irgendwelchen Stars, und dazwischen noch einen Base Jumper unter der Frage, wie man beruflich das Maximum, das MAXIMUM herausholt. Bis dann der Mega-Burnout droht.

An einer Lawine ist niemand schuld – das ist Schicksal wie ein Speichenriss, eine Flut oder ein Erbeben. Es sterben die Sportler und die Journalisten, und jede Woche in meinen Bergen irgendwelche Idioten, die denken, das sei ein Spielplatz für Erwachsene und kein Problem, weil ihre Klamotten Peak Performance heissen. Man vermittelt gerade in Onlinemedien den Eindruck, das sei alles machbar. Red Bull macht es mit seiner Actionmarke vor, und SPON zieht zwangsweise nach, und Youtube ist voll mit den GoPro-Videos derer, die auch mal 15 Minuten Stars sein wollen. Für jeden – pardon – hirnverbrannten 70-jährigen Sprayer, dessen Tod auf Hamburgs Schienen zum Medienevent wird, klettern 100 andere Deppen auf Gleisanlagen, weil Medien die Sensation wollen, und keinesfalls, dass wir mal darüber nachdenken, was zum Teufel wir da eigentlich tun. Und wenn doch das Unvermeidliche passiert? Zwei tote, gerade erst aufgebaute Helden im Himalaya? Oh guckt mal, ein Base Jumper in Kuala Lumpur!

Man kann auch mit Print übel daneben liegen – die dunkle Seite des Alpinismus ist von Anfang an durch Medien und ihren Erwartungsdruck geprägt, wie auch die frühe Geschichte des Autos, des Flugzeugs und anderer mit vielen Toten erkauften Errungenschaften. Im Print jedoch hatte man zumindest noch einen Tag, um nachzudenken, was tote Kinder an einer Rennstrecke bedeuten. Man konnte einen Tag bis zum nächsten Druck überlegen, was da gerade passiert. Mit all den Echtzeitmöglichkeiten der Daten kann man die Betrachter in einen Stream einbinden, und wenn der Stream aus dem Himalaya weg ist, bringt man schnell einen anderen. Man könnte wirklich schöne, ruhige Geschichten über das Paddeln im Altmühltal machen, aber das ist nicht die Sensation, von der das Geschäft lebt, selbst wenn andere dabei sterben.

HINWEIS:

Auch im Kommentablog kann man kommentieren.

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16 Lesermeinungen

  1. Die Spaßgesellschaft
    Fun ist ein Stahlbad.

  2. Paddeln im Altmühltal
    Sie schreiben: „Man könnte wirklich schöne, ruhige Geschichten über das Paddeln im Altmühltal machen, aber das ist nicht die Sensation, von der das Geschäft lebt,“ – – – Gegenfrage: hat’s denn ein Journalist, ein Magazin wirklich schon mal ernsthaft versucht? Fallen nicht Journalisten auf sich selbst rein, weil sie glauben, sie machen nur gute Magazine, wenn sie so sind, wie sie sich selbst risikofreudige Journalisten bei geilen Magazinen vorstellen …. ?

    • Eigentlich ist die Antwort ja einfach....
      Eine solche Nachricht hätte eine völlig andere Zielgruppe, eigentlich sollte ihnen das doch klar sein?

      Und dann sind die beiden Zielgruppen ja auch um ganze Zehner-Potenzer grössenmässig verschieden, oder?

      Medien sind Konsum Produkte und gehören zu Konzernen, die mit ihren Erzeugnissen Gewinn machen wollen. Das ist völlig legitim.
      Wie auch die Stupidität der Konsumenten…. oder gar die der Extrem-was-auch-immer…

  3. Lärm allein ist nicht genug
    Vor drei Wochen im jährlichen Urlaub am Jaufenpass: reichlich viele Motorradfahrer mit dieser kleinen Kamera auf’m Helm gesehen, wie sie da runterrasen. Meine Gattin fragte mich, was das ist, was die da aufm Kopp haben.
    „Das sind alles Deppen, denen ihr Krach allein nicht mehr reicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“

  4. Sponsoring
    Die sogenannten Ausrüster sind mitverantwortlich für solchen Actionismus. Sebastian Haag hatte 2006 zusammen mit seinem Freund Benedikt Böhm den Achttausender Gasherbrum II in Rekordzeit bestiegen. Danach meldete die Website „gore-tex.de“ in ihrer Rubrik „News und Sponsoring“:

    „Ausgestattet mit den Materialien ihrer Sponsoren Dynafit und GORE-TEX® Products kamen nur die neuesten High-Tech Produkte zum Einsatz: »Wir sind begeistert von den Materialien, die uns unsere Sponsoren zur Verfügung gestellt haben. Ohne eine perfekte Ausrüstung wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen«, so Benedikt Böhm. Mit Hilfe ihrer extrem leichten und technisch absolut hochwertigen Materialien haben sie gezeigt, dass man nicht nur ausschließlich in dicken Daunenjacken am Gipfel eines Achttausender stehen muss.“

    • Genau so läuft das.
      Zustimmung. Die Ausrüster mischen neben der einschlägigen Blender-Presse kräftig mit.
      Diese Extrem-Sportler sind aber Thrill- und Sensation-Seeker. Ein Psychiater kennt sich da bestimmt aus, welche Dopamin- und Adrenalin-Struktur bei diesem Typus vorherrscht. Schändlich nur, dass die Presse wie der SPEIGEL ^^ da noch einen zusätzlichen Turbo reinbringt.

      Ich weiß von ähnlichen Sponsor-Verhältnissen bei Bike-Hersstellern für Spezial-Wettkampfbikes (die Jungs, die gewagte Jumps über die Wipfel machen mit speziellen Wettlkampfrädern, die nichts aber auch gar nichts mit Dons Altherren-Dackelspaltern zu tun haben. Saß mal kurz selbst neugierdehalber auf so einem Ding, Madonna! … Nix für mich, will noch ein bisschen leben…)

      Der nächste heiße Scheiß nach der Helmkamera:

      Damit nicht genug: Demnächst sollen Armband-Minidrohnen für (Sport?)-Selfies auf den Markt kommen. Wenn man mehr aufs Bild kriegen will als nur unscharfes Zeug auf Armlänge mit vergröberten Nasen wegen der falschen Zoomweite. Procedere: Man hängt z. B. am Felsen (freeclimbing was sonst), oder Minimum an der Eiger Nordwand, macht eine schüttelnde Armbewegung (hoffentlich nicht die falsche…), das Ding löst sich vom Handgelenk, fliegt als Minihubschrauber mit Kamera nach oben, macht einen Selfie in der Totale der kompletten Gebirgslandschaft und kehrt wieder an den Arm des Armbandträgers zurück. Man glaubt es kaum: Die Fangemeide gewisser Verrückter fiebert schon und wartet auf den Marktbeginn. Für mich sind das …, ähm lassen wir das.

      Gruß
      Der Kater
      Mehr als über den Gartenzaun wird nicht gehupft,
      bin zu alt für diese Dinge.

  5. Unnoetiger Nazivergleich...
    Der Artikel thematisiert ein durchaus wichtiges Problem, dass viele Menschen fuer ein bisschen Aufmerksamkeit ein hoeheres Risiko eingehen als wenn keiner zuschaut. Ich trage beim wenn ich im Kayak auf dem Meer underwegs bin zum Beispiel bewusst keine GoPro, um nicht um des Video’s willen ein zu hohes Risiko einzugehen. Insgesamt also ein interessanter Kommentar, dem ich in manchem zustimme, und in manchem nicht.

    Soweit so gut. Aber der Vergleich mit der Nazipropaganda am Eiger und am Nanga Parbat ist ja nun wohl wirklich voellig unnoetig, und traegt absolut nichts zu diesem Thema bei…

  6. Kommentar zum Kommentarlos
    Original: „HINWEIS: Auch im Kommentablog kann man kommentieren.“
    HINWEIS: Kommentablog schreibt man „Kommentarblog“ :-) *grins*

  7. Deus_te_exculpe
    Was für einen zusammenhangslosen und banalen [Text] man sich da wieder angelesen hat..
    Das Trauma des Existenzverlustes ist scheints vorüber.

  8. Schweigen ist Gold
    Da hat dann wohl mal wieder der Markt irgendetwas geregelt. Ich war erst völlig irritiert von dieser verdrucksten In-eigener-Sache bei Spon, weil ich das gar nicht verfolgt (angeklickt) hatte zuvor, mangels Interesse. Lieber Don, seien Sie doch froh, dass niemand übers Paddeln im Altmühltal schreibt, oder sind Ihnen da noch zuwenig Leute unterwegs? Ich kenne selber ähnliche stille Perlen, und würde den Teufel tun, die Orte auch nur hier hinauszutrompeten. Stürzte sich da gar Spon drauf mit einer den Leser mitreißenden Geschichte und Foto-Klickstrecke, wärs das gewesen mit dem Paradies eine Stunde von der Stadt. Ich brauch die GoPro-Helden nicht auch noch da. Und im Gegensatz zu den Rekordejägern, denen es wohl ziemlich wurscht ist, auf was genau sie da wo klettern, hauptsache hoch und so-noch-nicht-dagewesen, interessieren mich fast alle Dimensionen solcher Orte, ausgenommen vielleicht deren zum Glück noch unverwirklichtes wirtschaftliches Potenzial. Daher bin ich auch öfters mal ganz langsam unterwegs oder halte an. Würde ich die selbst auf die eine oder andere Art zu Geld machen wollen, hätte ich dabei mehr verlieren als gewinnen. Eine einfache Rechnung. Ich will es niemandem offerieren, zeigen, mit ihm teilen, sharen twittern und facebooken. Das schöne ist, dass man da fast alleine ist. Sollen sie lieber alle in Gore Tex zum Nanga Parbat fliegen oder sonstwohin, und ihre Bilder schicken, Malediven, Südtirol, Rocky Mountains, mit dem Kanu über den Pazifik, ist mir alles recht.

  9. Alles muß raus!
    Die Evolution spielt derzeit mit uns ihre technische Karte aus.
    Es ist allerdings noch offen, ob diese wirklich sticht.

  10. Abwärts - oder doch meist nur in größerer Zahl horizontal?
    Der Mensch möchte lernen durch Nachahmen – und Anerkennung erfahren durch mitteilen. Da gäbe es vermutlich besser nichts zu unterdrücken daran. Und die mediale Vervielfältigung der Welt vervielfältigte auch die Nachahmung – was wiederum zur weiteren Verbreitung von Fähigkeiten führte.

    Bernd Rosemeyer verunglückte als einziger auf AutoUnion und Autobahn – heute führen viele frei und verantwortlich in Audis abgeriegelt bis zu Tempo 250.

    Aber in der Tat, „vor dem Casino-Journalismus aus finanziellen Gründen“ sollte es besser nicht geben. http://www.youtube.com/watch?v=kYGGCVE2lKY – Journalisten berichten, aber stiften nicht an.

    Ansonsten womöglich die Art des journalstischen Angebots teils auch lediglich Zweifepflanze der vorhandenen Nachfrage, und da ginge es teils auch heute schon an sovielen Arbeitsstellen so hektisch und überdreht und rastlos zu, dass die Leser, welche zu Konsumenten wurden, auch überdreht-rastlos weitercklickten, würde nicht ein ihren vorfindlichen inneren Zuständen gemäßes Angebot gebboten? (Aber warum müsste ausgerechnet der Spiegel das mitmachen, dem unbewusst Vorschub leisten? Man weiß es nicht.)

    Aber man lebe heute doch mal auch nur halbwegs öffentlich für sich versuchsweise mittendrin „Entschleunigung“ – oder gar halbwegs bei sich selbst angekommene Kontemplation – also solche versuchsweise zwischen Montags 7 und Freitags 18 Uhr und überhapt nicht unverantwortlich, und wären es nur stundenweise Einsprengsel – was da die öffentliche Meinung um einen herum von halten wollte, ein „Meinung-habendes Umfeld“ – „schlechtes Vorbild für Allgemeinheit“ wäre noch das wenigste.

    Ansonsten fiel auf, dass auch hier der Verunglückten anscheinend nicht gedacht wurde, auch hier wären sie nur Folie gewesen, für eigenes?

    Herzliches Beileid den Hinterbliebenen, sie haben unermeßlichees Leid erfahren, es waren frühe und sinnlose Tode, ja. Auch wir beten zur Nacht und entzünden eine Kerze für sie mit.

  11. Narzissmus als Kanonenfutter
    Man muss das verstehen: Diese ganzen lächerlichen Geschichten dienen in ihrem Spektakel der Profilierung eines Nobodys und beinhalten durch den Irrsinn ihrer Natur die Möglichkeit, als Somebody dem Vergessen entrissen zu werden. Bedauerlicherweise liegt es wiederum in der Natur der Rezeption als Snack der Sensation bereits während des Konsums schon wieder vergessen zu haben, wer und was da war. Exakt dies aber verlangt immer höhere Stimulantien für das Erinnern.

    Narzissmus als mediales Kanonenfutter. Der Mensch snackt halt gern, weil er sich dabei an nichts erinnern muss.

    • Nicht nur
      Es sind schon handfeste ökonomische Interessen, die diesen Narzissmus instrumentalisieren und seine Inszenierung erst ermöglichen, auf dass er zum spektakulären Snack werde. Siehe weiter oben der Hinweis auf „Sponsoring“: ohne gore-tex kein speed-bergsteiging.

    • S.W.H.
      Wie lange dauert es eigentlich noch bis diese „Schnell-Weiter-Höher“ Hysterie aus dem letzten Jahrhundert endlich passé ist?

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