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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Liebesgrüsse aus Moskau für mich, die Lügenpresse und Pegida

| 142 Lesermeinungen

Selena70007 tut mir nichts. Im Gegenteil, Selena mag meine Bilder. Jetzt ist es Winter, und als ich ein besonders schönes Winterbild meiner bayerischen Heimat verbreite, mit Schnee, blauem Himmel und viel Sonne, ist Selena entzückt und retweetet das, damit ihre 2.997 Follower das auch sehen. Es ist ein hübsches Bild und passt jetzt nicht ganz optimal zu den anderen Interessen von Selena. Sicher, sie bringt auch schöne Bilder ihrer russischen Heimat, Sonnenuntergänge, Holzkirchen, Störche, Tundra, Natur. Habe ich schon gesagt, dass Selena sexy ist, soweit man das auf dem verschwommenen Profilbild erkennen kann?

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Jedenfalls, Selena hat auch noch andere Interessen ausser Natur, Holzkirchen und leicht rausgfressne FAZ-Autoren vom Tegernsee. Sie mag zum Beispiel auch russische Rüstungsprojekte wie die Armata-Panzer, die demnächst auf der Siegesparade in Moskau vorgestellt werden. Hat ein dickes Ding, dieser Panzer, eine 152 mm Glattrohrkanone, und Selena findet, das sei der stärkste Panzer der Welt. Über Finanzierungsprobleme des geplanten Vorgängers – der Armata ist eher eine abgespeckte Version einer gescheiterten Konstruktion – verliert sie kein Wort. Selena ist nämlich russische Patriotin: Sie will auf Twitter laut Eigenaussage die Gegner nicht schlecht machen, aber die Helden unterstützen. Und Helden gibt es jede Menge.

Da wären neben den historischen Helden des grossen vaterländischen Krieges und den Erbauern von Schiess- und Bombardierungsgerät vor allem die russischen Patrioten, die sich im Osten der Ukraine in jenem Krieg wehren, den ihnen der Westen und das von ihm an die Macht geputschte Regime der Ukraine aufgezwungen hat. So sieht das Selena. Es ist ein Krieg wie jene, die der Westen in Libyen und Syrien angezettelt hat. Selena sorgt sich natürlich um die Verwundeten, sie verweist auf die ukrainischen Opfer dieses Konflikts, die für ihr prowestliches Regime leiden müssen, und feiert ausgiebig die Erfolge der Separatisten, egal ob vor oder nach den Verhandlungen von Minsk. Und sie freut sich über Heldenfeiern in „Novorussiya“ und natürlich auch über die Anti-Maidan-Demonstrationen in Moskau und Paris.

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Im schönen Paris hat Selena selbstredend auch Freunde, aber von denen verbreitet sie keine Winterbilder, sondern politische Parolen. Es sind Parteigänger der rechtsextremen Front National, die von ihr hervorgehoben werden, und dankbar nimmt sie zur Kenntnis, wenn Frau Le Pen einen prorussischen Standpunkt vertritt. Über die freundliche Finanzierung mit einem 40-Million-Kredit, den Moskau der Front National gewährt haben soll, schweigt sich Selena allerdings keusch aus. Bei so viel Völkerverständigung muss man es wohl verstehen, wenn sich die polyglotte Selena auch mit dem Hashtag #JeSuisDonbass schmückt, wenn es um die Bestrebungen der Separatisten geht. Wenn es gegen den verhassten Hollande geht, der wegen der Sanktionen die Auslieferung zweier Kriegsschiffe nach Russland stoppt und auf den Kosten sitzenbleibt, wird das natürlich auch erwähnt. Die Franzosen sollen schliesslich wissen, was da in ihrem Namen passiert.

In Deutschland ist Selena angeblich gerade auf einer Konferenz und bei ihren Quellen nicht sonderlich wählerisch – neben dem dicken Knaben, den sie mit mir umschmeichelt, hält sie es gleichermassen mit friedensbewegten Linken über Krone-Schmalz und Pegida-Anhängern und freut sich narrisch auf Deutsch, wenn dieselben ihre Meinung bestätigen: EU, wach auf, ruft sie uns zu und das klingt immer noch netter als eine 152 mm Glattrohrkanone oder in ihren Ohren die Lügenpresse, der Selena ihre deutschen Lieblingsmedien entgegensetzt: Sputnik und Russia Today nämlich liefern ihr die Hauptinformationen. Andere Medien kommen auch vor, neben den Deutschen Wirtschafts Nachrichten auch seriöse Häuser, wenn etwa Frau Wagenknecht mehr Distanz von Amerika fordert. Überhaupt, Amerika, das schätzt Selena überhaupt nicht, denn Amerika führt dauernd Kriege und die Verbindung von Islamischer Staat, Saudi Arabien und Uncle Sam wird auch gern betont – da haben wir sie alle beeinander. Zum Glück kommt aber auch Zyperns Ministerpräsident in Moskau vorbei und betont, wie wichtig die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist.

armac

Und noch ein Europäer mag der adretten Blondine zusagen: Der Brite Graham Phillips, der vor Ort in „Novorussiya“ den Krieg auf Film bannt und per eigenem Youtubekanal verbreitet. Phillips gilt als abweichende Stimme des Westens, und er hat einen guten Einblick: Aus der Ukraine hat man ihn wegen seiner Parteinahme für die Separatisten ausgewiesen, jetzt rückt er mit ihnen vor und macht Berichte vom russischen Siegeszug, die wiederum bei Russia Today grossen Anklang finden.

Eventuell ist die junge, hübsche, hochgradig internetaffine Selena mit famosen Kenntnissen in Französisch, Englisch und Deutsch nicht echt, sondern vielleicht ein unterstützendes Propagandavehikel aus Moskau, das versucht, neben den normalen und als Angebote Moskaus erkennbaren Projekten die Brücke zwischen Russland und den russlandfreundlichen Kräften im Westen zu schlagen. Damit ist sie nicht allein, unter ihren Followern sind auch noch andere Accounts, die sehr bewusst einseitige Berichte verbreiten. Das Schema ist immer das gleiche, zu Wort kommen die strategischen Partner der Russen, kritische Stimmen des Westens, gerne auch aus angesehenen Medien als Feigenblatt, sofern es inhaltlich passt, und reinrassige Verschwörungs- und Propganadaseiten. Dennoch, die Follower sind nicht alle nur Bots, sondern auch Partner für jene Gruppen im Westen, von denen uns „Lügenpresse“ entgegenschallt. Die müssen sich ihr Weltbild nicht mühsam zusammensuchen und international Partner finden. Selena macht das für sie und garniert das mit einer Rakete für Obama und einem entzückenden Winterbild meiner Person. Selena bedient sich überall, man muss sich nicht schämen, sie zu lesen, schliesslich ist sie jung, hübsch und mag auch die FAZ und den Tegernsee. Können diese unscharfen Augen lügen? Fragen sich manche, und folgen ihr.

armad

Das sind nicht so viele, wird man als Beobachter vielleicht denken, aber auch aus anderen ideologisch-toxischen Kampfgebieten von Bitcoins über Gender bis zu Vorratsdatenspeicherung zeigt die Erfahrung, dass zwei, drei Dutzend verbissene Netzkämpfer und Trolle schon ausreichen können, um einem ein Thema grundsätzlich zu verleiden. Denn die Selenas dieser Welt liefern Berichte und Argumente dagegen. Man muss ihnen nur folgen und hat Hunderte von Beiträgen, Videos und Bilder verfügbar, die beweisen sollen, dass die USA schuld sind, die wahren Opfer die Russen sind, und der Westen ein zynisches Spiel um die Weltbeherrschung betreibt, während die von den Medien eingelullte Öffentlichkeit nicht erkennt, was für ein dreckiges Spiel da gespielt wird. Selena und ihresgleichen liefern das geschlossene Weltbild, das mir und vielen anderen in die Kommentare gehämmert wird, und ich stehe vor der Frage: Lasse ich mich auf eine Debatte ein oder trete ich die Propaganda in die Tonne und die wüsten Kommentare, ich würde zensieren und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit beschneiden, gleich hinterher.

Dass Selena wirkt, dass sie bei manchen funktioniert – das ist wie Pegida, Front National und was da sonst noch alles Putin als Befreier feiert eine Erscheinung, mit dem man in einer pluralistischen Demokratie leben muss. Man muss auch mit derartigen Operationen leben, und mit Selena.

Mit dem Umstand, dass die Leute dahinter möglicherweise nicht so hübsch sind, sondern eher wie Rosa Klebb aussehen, müssen dagegen zum Glück nur Selenas notgeile Pegidaanhänger klarkommen.

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142 Lesermeinungen

  1. ach Don
    hätten Sie der Mondgöttin nicht ein besseres bild rausleiern können? Sie schrieben doch: Russinen haben oder nicht haben

    • Ich persönlich habe es nicht so mit Blondinen – der Kreml sollte vielleicht etwas besser schauen, wen er auf mich ansetzt.

    • .
      lieber don, seien sie beruhigt – zumindest das blond wird vermutlich nicht echt sein.

  2. Ein weiterer Tiefpunkt ...
    … wurde mit diesem Text unterschritten, herzlichen Glückwunsch, aber das wird der Lügenpresse auch nicht helfen.

  3. ...jung, sexy, Russin...wird immer wieder gerne genommen Don...
    beobachten Sie die Menschen und ihr Treiben von außen, als
    Außerirdischer vom Sonnensystem Ratio, da bleibt Ihnen die Spucke weg…mindestens.

    • Ich bin Historiker. Da geht man immer mit ganz niedrigen erwartungen an die Menschen ran. Man findet schon seine Methoden, dass nicht mal die einen enttäuschen können.

  4. Nehmen Sie es leicht
    Pegida, AfD, Ukip, FN werden den Lauf der Geschichte nicht dadurch
    ändern, dass sie sich verkehrt herum auf’s Pferd setzen.

  5. Selena gibt wenigstens zu, Russin zu sein,
    anders als viele bei FAZ.Net

    • Russen sind mir bei der FAZ bislang wirklich nicht begegnet.

      Ansonsten ist die Redaktion durchaus pluralistisch – es ist halt nur so, dass Geschichten wie die Besetzung der Krim wenig Spielraum bei der Interpretation zulassen.

    • Die Besetzung der Krim war eine völkerrechtswidrige Agression
      und das habe ich von Anfang an so gesagt.
      .
      Aber dass sie keinen Interpretationsspielraum zulässt ist falsch. Das gilt nur, solange man (aus Trägheit) den Grundkonsens des späten 20. Jh. zugrundelegt, den unsere Eliten (mit frivoler Beteiligung unserer „pluralistischen Medein“) seit den späten 90ern mutwillig zerstört haben.
      .
      Willkommen im Barock.

    • Also, ich habe nach Schirrmachers Tod meine Kündigung angeboten und die wurde abgelehnt – so schlimm kann es also dann doch nicht sein. Ich sehe auch, dass manches in den Medien nicht optimal läuft, aber auch da muss man zwischen Meinungsmache. Inkompetenz und Druck unterscheiden. Teilweise ist das Problem auch nicht dass es keine Gegenstimmen gäbe – sie sind manchmal nur enorm schlecht. Und am Beispiel Griechenlan kann man auch zeigen, wie wenig andere Standpunkte von den Lesern gewünscht werden.

  6. HansMeier555
    Und sie mag den Tegernsee?
    .
    Oder ist das einfach Anfütterei: Ich retweete Dich, und Du dann mich. Bestimmt klappt das erschreckend of.

  7. Titel eingeben
    ja, mann und frau könnte sich auch mal fragen, ob das nicht etwas einseitig ist………die kritik an solchen machenschaften ist mehr als berechtigt, aber bald lesen wir wohl hier auch noch berichte, dass der vietnam-krieg nicht von kennedy sondern von putin angezettelt wurde und die mönchsverbrennungen nur russische fakes waren. siehe dazu ergänzend auch die meldungen zu aussagen des schweizer internatszöglings und handelsprotektionisten kerry in der FAZ heute, was die usa dringen brauchen, sind neue praxistext ihrer waffen, nachdem afghanistan ausfällt und bei der ISIS nur die luftwaffe getestet wird.
    der immer positive usa-bias und das laufende putin-bashing in den deutschen staatsmedien ist schon erschreckend, nur sollten wir auch bedenken, dass trotz aller untaten der roten armee auch diese uns von den nazis befreit haben. nicht nur das allied bomber command unter britischer führung mit seinen glanztaten in dresen, pforzheim, würzburg, wesel, potsdam und weitern städten.
    in diesem sinne, klar das internet wird als propagandamaschinerie missbraucht, aber auch von denen, die uns friedliebende trojaner senden.

    • Die Gesamtlage ist natürlich nochmal ein anderes Thema – mir geht es konkret um die Mittel, die genutzt werden, um derartige Ziele durchzusetzen bzw. wie versucht wird, Allianzen zu schmieden. Was mir da besonders auffällt, ist die Neigung, wirklich alles zu nehmen, was man kriegen kann, selbst wenn zwischen französischen Rechtsextremen und deutschen Baumküssern politisch Welten sind. Rechts und Links ist da gar nicht mehr so wichtig – und es funktiniert auh offensichtlich.

      Ansonsten ist die Auffassung von Kerry natürlich eine Nachricht – was man daraus macht, kann man selbst entscheiden.

  8. Titel eingeben
    So die Qualitätsmedien bieten natürlich mehr Kontent, haben aber
    letztlich dasselbe Glaubwürdigkeitsproblem.
    .
    Seit einem Jahrzehnt leide ich unter meinem Bedürfnis, immerzu Positionen erklären zu müssen, von denen ich früher mal angenommen hätte, dass sie in einer aufgeklärten Demokratie so was wie den unhinterfragten Konsens darstellen sollten.
    .
    Aus meiner Sicht betehen die Redaktionen der FAZ (Politik+Wirtschaft) auch nur eine Ansammlung von Fake-accounts, wo die einzige Aufgabe des Personals darin besteht, den Spin der Lobbyisten als Sprechblasen zu verbreiten.
    .
    Ist das jetzt „zu undifferenziert“? Na, vielleicht verbirgt sich ja auch hinter 700007 eine authentische, intelleigente Person, die aus eigener Überzeugung russische Propaganda verbreitet. Tun wir der nicht auch Unrecht, wenn wir ihr einfach mal so das Gegenteil unterstellen?

    • Ich sage nicht, dass das ein vom Kreml eingerichteter Bot ist – das kann wirklich jeder selbst entscheiden, aber der Verdacht liegt natürlich nahe, dass hier eine Pseudoauthentizität geschaffen werden soll, wie man es manchmal eben auch in der Werbung tut.

      Mir ist durchaus bewusst, dass nicht jede Linie eines Mediums ger gesehen wird, aber es kann auch nicht die Aufgabe der Medien sein, Nachrichten unsortiert und unbewertet durchzureichen. Der Unterschied ist, dass man für eine abweichende Meinung nicht unter Druck gesetzt wird, wie in Russland und und Ukraine. Prinzipiell gibt es da auch eine Offenheit für Debatten. Aber wenn man ein Abkommen macht, das dann sofort gebrochen wird, umm den nächsten Ort zu besetzten, kann man eigentlich kaum davon sprechen, dass man da noch einen normalen politischen Prozess hat. Das heisst nicht, dass ich mich an Amerika anlehne. Ich bin einfach kritisch, das ist alles.

    • Zweifel erlaubt - und nötig!
      „…aber es kann auch nicht die Aufgabe der Medien sein, Nachrichten unsortiert und unbewertet durchzureichen.“

      Völlig richtig, geehrter Don!

      Nur bekomme ich halt auch meine Zweifel, wenn ich zu bestimmten Vorgängen sowohl in der FAZ wie auch der Süddeutschen und (z.B.) den Nürnberger Nachrichten EIN UND DENSELBEN Text vorgesetzt bekomme. Offensichtlich unredigiert und unhinterfragt – so wie er halt aus dem Ticker (?) kam.
      Leider schon oft erlebt…
      MfG

    • Tickertexte sind hier wirklich selten. Bei mir sowieso nicht existent, und das hat auch seine Gründe.

    • Agenturmeldungen
      Ehrlich als solche gekennzeichnete Agenturmeldungen sind doch immer noch besser als rein sprachlich umformulierte. Bei DPA und Konsorten arbeiten auch „richtige Journalisten“, und veraenderte Formulierungen verfuehren nur zum falschen Schluss, koherente Informationen aus unterschiedlichen, von einander unabhaengigen, Quellen zu beziehen.

  9. HansMeier555
    Mein subjektiver paranoider Eindruck: Seit 20 Jahren führen unsere Eliten (Politik, Wirtschaft, Medien) einen offenen Kampf gegen die Demokratie und das Völkerrecht.
    .
    Es war von Anfang an klar, dass sich das irgendwann rächen würde.
    .
    Dass einzig erstaunliche an der russischen Politik ist doch, dass sei mit ihren Retourkutschen so lange gewartet hat. Irgendwann werden auch die Chinesen nachziehen und irgendwelche Länder besetzen und sagen, das sei jetzt halt ihre legitime Interessen-Zone.
    .
    Das alles habe ich seit 1999 kommen sehen. Nur die Politiker, Medien und Staatsintellektuellen alle irgendwie nicht. Wie kommt das denn? Bin ich wirklich so schlau und die so blöd? Da gibt es doch sinnvollere Erklärungen: Ohne Völkerrecht und Demokratie fühlen sich unsere viel wohler. Eine Welt, wo immer alles in Bewegung ist und immer irgendwelche Filetstücke neu verteilt werden und wo hundert Kriege vor sich hin köcheln, die man je nach dem anheizen oder wieder beruhigen kann — eine solche Welt gefällt unseren Eliten viel viel besser als eine, die endlch mal in Ordnung käme. So war es zu Zeiten des Feudalismus im 17. Jh. und so wollen sie es jetzt auch wieder haben.
    .
    So ein schriller russischer Fake-Account ist natürlich nicht das barocke Deckengemälde, das ich mir als by-product wünschen würde. Mal schaun wann es den Russen gelingt, auch repräsentationsmässig an Katharina die Grosse anzuknüpfen. Die hatte sich auch schon den Diderot und den Voltaire gekauft und alles warauf wir unsere abendländische Demokratie gegründet sehen…

    • Also, erstens machen die Chinesen das schon – Taiwan – und zweitens ist Besetzen wirklich nicht mehr nötig und auf Dauer viel zu teuer. Das geht heute anders.

    • Nicht nötig und zu teuer?
      Drei Eigentschaften, die den Fetisch ausmachen:
      — Unnötig
      — Viel zu teuer
      — Sie erzeugen den unbezähmbaren Wunsch, dass man ihn haben will!

    • Ja, aber da sind dann auch Menschen drin. Ich würde ja auch viel nehmen, aber nur ohne Leute.

    • Ohne Menschen?
      Natürlich „mit Menschen drin“ mit echten, lebendigen!
      .
      Mit dem Kopf verstehen Sie viel von Politik, aber manche Dinge kann man halt nicht rational erklären, man kann sie nur spüren. Da geht es nicht um materiellen Besitz, sondern um Macht, natürlich um Macht über Menschen (wen sonst)?
      .
      Wir lieben die Menschen…

    • "Manche Dinge"
      Wenn Sie etwas zu erkennen glauben, dass sich rational nicht erklären lässt, sollten Sie zumindest in Erwägung ziehen, dass Sie auf dem Holzweg sind.

  10. Diese Verwunderung
    Was mich so fassungslos macht, so halb amüsiert und halb entsetzt, das ist diese völlig aufrichtige moralische Empörung, diese Kränkung darüber, dass die Gegenseite von unserer Propaganda innerlich nicht so überzeugt ist wie wir.
    .
    Und dass sie dann auch noch dieselben dreckigen Tricks anwendet! Uns ins Gesicht lügt!! Hat denn dieser Putin wirklich gar kein Gewissen?!
    .
    Wenn es nicht so traurig wäre und die Refeudalisierung nicht realen Blutzoll fordern würde, könnte man ja drüber lachen.

    • Ich finde das alles ja auch eher amüsant, aber es hat nun mal auch ernsthafte Kosequenzen, speziell bei der FPÖ und der Front National.

  11. Natürlich finden solche Leute in Deutschland genügend Anhänger.
    Und die Gründe dafür sind erschreckend einfach: Deutschland hat erstens den USA die Befreiung von den Nazis nie wirklich verziehen. Zweitens haben viele Deutsche einfach Angst – Russland hat in Europa das Gespenst von echten Kriegen um territoriale Grenzen wieder real werden lassen. Da macht man dann lieber die Augen zu und schwafelt etwas von Faschisten in Kiew, um die Realität nicht sehen zu müssen. Und drittens ist in der Bevölkerung (nicht nur der deutschen) das Grossmachtdenken des 19. Jahrhunderts viel präsenter, als modernes VBölkerrecht – jeder hält es für völlig nachvollziehbar, dass eine grossmacht eine Einflussphäre hat, innerhalb derer sie machen kann, was sie will.

    Eine angemessene Reaktion auf dieses Denken wäre morgen die Besetzung Kubas durch die USA. Die natürlich nicht stattfinden wird- die Amis mögen ja bescheuertsein, aber so bescheuert wie die Russen können sie gar nicht werden.

    Und wenn dieser Propagandakrieg nicht letztlich auf dem Rücken von vielen, vielen Toten in der Ukraine ausgetragen würde, könnte man darüber ja lachen. So bleibt mir das Lachen im Halse stecken, wie auch beim Lesen in deutschen Kommentartspalten, wo Handelsverträge (EU-Ukraine) exakt dasselbe sein sollen, wie der Einsatz schwerer Waffen in einem Nachbarland (Russland-Ukraine).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Naja, ein komnsequenten Handeln wäre so unangenehm, dass man es hierzulande gar nicht laut sagen könnte. Das macht es auch so schwierig, zusammen mit dem Umstand, dass es hierzuulande auch in der Wirtschaft genug Bremser gibt. Putin hat es da mit seinem Nationalismus sehr viel leichter.

    • Nur leeres Gerede... oder selber dankbar ?
      ?

      Sind Sie den Amerikanern dankbar für die Beendigung der Deutschen Regierung von 1933 – 1945

      ?

    • Monsieur 100kv
      ich kann nicht für Herrn Haupts antworten, nur selbst:
      Ja, ich bin den Amerikanern sehr dankbar, das Regime 1000jähriges Reich beseitigt zu haben. Ein Besuch im Nürnberger Dokuzentrum sollte den meisten Menschen klarmachen, daß sie (ich) auch mitgelaufen wären. Von Innen wären wir die Verbrecher und ihre menschenfeindlich, kinderfeindliche Ideologie nicht losgeworden.

    • Ich bin ja dankbar allein schon um den Austausch und dass er zivilisiert ist. Mehr erwarte ich mir nicht und ich will auch keinen überzeugen.

    • Befreiung
      „Deutschland hat erstens den USA die Befreiung von den Nazis nie wirklich verziehen. “

      Eine steile These.
      Oder meinen Sie all die in die USA mitgenommenen Nazis, weil sie dort nützlich waren und tatsächlich Karriere machten ?
      Denn „befreit“ – mit viel mehr Opfern – haben Deutschland doch wohl eher die Russen. Nur waren die nicht so schick wie die Amis. Musik! Kleidung!

  12. Tarnung
    Eine addrette, patriotische, russische Agentin, die Russia Today liest, den Front National bezirzt und ihr Herz an alle hängt, die auf der Seite Russlands stehen und alle anderen dafür umwirbt. Na, dann wollen mir mal hoffen, dass ihre Tarnung nicht auffliegt.

    • Ich glAUbe, da wird zutreffend davon ausgegangen, dass die Adressaten eh zu weit weg von jeder westlichen Übereinkunft sind. Das macht denen überhaupt nichts aus, selbst wenn es nur ein Fake ist.

  13. Putin tut, was Gauck gerne täte
    Er „übernimmt Verantwortung“. Er „ist nicht von der Venus“. Er ist kein „müder alter Kulturrelativist“. Er ist genau so, wie die transatlantischen Edel-Denker uns gerne hätten.
    .
    Nur kämpft er halt leider auf der falschen SEite. Tja.
    .
    Auch das müssen wir erst wieder lernen: Respekt vor dem Gegner! Im christlichen Abendland war das eine ritterliche Kerntugend.

  14. Russophile Bots
    Nur Putin und seine Bots können für Russland sein.

    Die westliche Presse versucht seit Jahr und Tag, neue russische Dissidenten zu identifizieren, die leider wirklungslos blieben. Anders als im Kalten Krieg, wo die Losung ausgegeben wurde, dass immer gut über das russische Volk und immer schlecht über dessen Regierung gesprochen werden sollte, ging dies bislang nicht auf. Insofern wären russophile Bots eine mögliche Lösung des Problems, allerdings nur, wenn sie gelegentlich enttarnt würden, wenn sich also zeigte, dass die pro-russische Meinung, fingiert ist. Die wahre Meinung dahinter, wird natürlich unterdrückt, ganz anders als in unserem freiheitsliebenden Westblock. Bleibt noch das Problem, dass es keinen eisernen Vorhang mehr gibt, sich also jeder prinzipiell selbst ein Bild machen kann. Aber wozu haben wir einen Überwachungsstaat, eine praktisch gleichgeschaltete Presse und gelegentlich ein paar Promis, die man öffentlich zerstört, damit jedem im Volk gezeigt wird, was mit ihm passieren kann, wenn er aus der Reihe tanzt. Also ich würde mich nicht in die Bresche werfen, jedenfalls nicht für Russland.

    • Naja, bei uns werden Dissidenten wie Krone-Schmalz in die Talkshows gelassen – das ist schon noch ein Unterschied. Dass Putin erfolgreich von Russlands neuer Grösse redet, mag so sein und das bringt auch die Leute hinter ihn. Aber ich kann das genauso doof finden wie ich Bush doof fand. Das ist der kleine Unterschied.

  15. Bisher
    bekomme ich nur mit, dass die äh- sozialen Medien die Glaubwürdigkeit
    von allen und jedem zerstören.

    So kann man eine Epoche auch abräumen.

    • Ja, das ist wirklich so ein schräger Effekt – sie bauen nichts auf und machen doch vieles kaputt, gerade bei der differenzierten Betrachtung.

    • Das haben sie mit 68er Bewegung, starken Formen von Wirtschaftsliberalismus,
      der Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung oder radikaleren Formen des Feminismus gemeinsam. Seit den sechziger Jahren wurde und wird gesellschaftlich weitgehend nur noch zerstört. Bindungen, Traditionen, Glaubwürdigkeit. Das entwickelt sozusagen schon eine ganz eigene, aber notwendig kurzlebige, Tradition.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Da mögen Sie recht haben – vielleicht sind wir hier alle zu alt und zu sehr im früherwarallesbesser gefangen, aber ich sehe es ähnlich – in meiner Wahrnehmung war die Anstrenung zur Mondlandung eines der letzten großen Projekte mit auch gesellschaftlichen Auswirkungen.

      Seither ist nicht nur ein Abbau von Strukturen zu beobachten, ein fast Zwanghaftes Verstoßen und Auflösen von früheren Tabus, sondern es kommt nichts nach.

      Und das gilt auch für die Presse. Mein persönlicher Moment der Erkenntnis war damals gekommen, als es damals bei Wüstenkrieg des ersten Bushs, als es um Kuweit ging, die von PR Agenturen lancierten Berichte über Frühgeborenenstationen gab, die angeblich von irakischen Soldaten zerstört wurden. Seither sehe ich viele Meldungen zu Konflikten sehr kritisch bzw. nicht ohne Weiteres als glaubwürdig an, und meine, dass diese einem immer öfter Schlussfolgerungen aufdrängen, aufsuggerierten wollen.
      Dabei ist doch ganz vieles ganz banale Machtpolitik, Risiko, Schach und Malefiz in einem. Sei das jetzt eine NSA, sei das ein Putin. Traurig ist dann nur, zu sehen, wie stümperhaft so manche hier im Lande dabei mitspielen wollen.

    • Es wirkt stümperhaft
      Manchmal habe ich den Eindruck, unsere Spitzenpolitiker bekommen
      die Chose mental nicht auf die Reihe.

  16. Der russische Modus Operandi
    Alle manipulieren alle und die Wahrheit löst sich vollständig auf. Übrig bleibt ein Informationsbrei, den niemand mehr richtig deuten kann. Woran man die Russinnen erkennt, auch in Kommentarforen? Ganz einfach: An ihrem unterschwelligen Pathos. Und dem sanft aber klar durch schimmernden Autoritarismus. Mit der Orthografie nehmen sie es auch nicht so genau. Und in Stilfragen tun sich manchmal Abgründe auf. Bei der ZEIT reicht auch ein Blick auf die Kommentatoren-Historie: Neue Mitglieder, die seit etwa einem Jahr auffälliger weise nur zu einem einzigen Thema etwas schreiben.

    • Ja, das ist genz eindeutig zu erkennen – wobei ich durchaus den eindruck habe, dass sich solche Gruppen auch in Deutschland finden lassen, die dann den Job authentisch liefern. Das merkt man bei jedem Beitrag über Pegida, da mache ich gerade einen fertig und ich weiss jetzt schon, wie die Reaktion sein wird, obwohl der gar nicht zwingend negativ ist, sondern nur zeitgeschichtlich analysierend. Aber genau das geht dann in der Debatte leider unter.

    • Uralte Vokabeln
      Die Verwendung altmodischer, deutscher Vokabeln- wohl aus Dostojewski oder Chekhov-Romanen (oder Bulgakow)- ist auch ein sehr gutes Erkennungsmerkmal.

  17. "Aus der Ukraine hat man ihn wegen seiner Parteinahme für die Separatisten ausgewiesen"
    Soviel zur Presse- und Meinungsfreiheit auf der anti-russischen Seite. Einen ähnlichen Artikel kann man auch wahrheitsgemäß über einen Twitteraccount-Inhaber schreiben, der nur anti-russisch tweetet, teilt usw. Diese gibt es ebenso. Ihr Artikel ist genauso einseitig wie Serenas Twitter-Verhalten. Gleich und gleich gesellt sich bekanntermaßen gerne – auch wenn man gegensätzlich Ansichten hat.

    • Selena bitte.

      Graham an sich wäre ein interessanter Fall – ist das wirklich noch ein Reporter im sinne eines ausgewogenen Standpunkts oder ein Mitarbeiter einer Propagandaorganisation? Je nachdem müsste man seinen Status beurteilen. Es ist sicher nicht leicht, aber vielleicht wäre das auch mal ein Thema.

      Mein Artikel beschreibt lediglich, was sie tut, und welche Folgen solche Channels auf meine Arbeit haben. Ich überlasse die Beurteilung ihres Accounts gern Ihrer eigenen Betrachtung. Aber machen Sie sich mal etwas locker, ich versuche das ja auch.

    • Aber generell habwn sie natürlich recht: Der Rauswurf und das Festhalten von Graham war nicht sonderlich weise. Gerade weil es solche „die sind genau die gleichen Schurken“-Aussagen erlaubt. wie es da wirklich ist? Nun, sie und ich, wir sind nicht dort, und ich versuche, mich hier von den Rändern des Problems zu nähern. Ich denke, man wird übereinstimmen, dass „Selena“ jetzt nicht ganz die gewünchte Form des diskurses ist und daraus kann man etwas für den eigenen Diskurs lernen.

  18. Demokratie ist im Prinzip zerstörerisch
    Schon seit dem 18. Jahrhundert wurde gesellschaftlich nur zerstört — ja man könnte sogar bis zur Reformation zurückgehen. Was haben diese religiösen FAnatiker gemacht? Kunstschätze zerstört und Klöster aufgelöst, um das Land an adlige Magnaten zu verteilen.
    .
    Was haben Voltaire und Diderot gemacht? Sie haben sich vom schwulen Preussenkönig und der gattenmordenden russischen Despotin bezahlen lassen, um mit ihren witzigen Blogs die geistigen Grundlagen des westlich-aufgeklärten Absolutismus kaputtzuschreiben.
    .
    1789 wurde dann Marie Antoinette geköpft und ein irrer Trittbrettfahrer überzog die ganze Welt 20 Jahre lang mit sinnlosen Kriegen.

    • trittbrettfahrer
      endlich wird das hier mal benannt, was nach Marie Antoinette kam war wirklich die apokalyptische sintflut der gewalt in europe, schade nur, dass die württ. könige diesem blutigen geisterfahrer auch noch soldaten und kanonenfutter gegen geld für ihre schlösser zur verfügung gestellt haben. dafür hält dann komm. oettinger wieder einen schönen vortrag zum feudalgeburtstag im land.

    • Das sind so die Fragen… die Schilderung des „Kabinettskriegs“ bei Voltaires Candide liest sich auch nicht gerade freundlich. Bürgerliche Kriege sind seltener. Aber auch erheblich schlimmer. Aber wie ein Adelskrieg heute aussehen würde? auch das müsste man fragen.

  19. fair and balanced
    „… ist das wirklich noch ein Reporter im Sinne eines ausgewogenen Standpunkts oder ein Mitarbeiter einer Propagandaorganisation? Je nachdem müsste man seinen Status beurteilen.“
    .
    Diese Unterscheidung halte ich für undurchführbar. Nach meinem Empfinden betreibt z.B. die FAZ keinen Journalismus „im Sinne eines ausgewogenen Standpunkts“ und könnte sehr wohl als „Propagandaorganisation“ bezeichnet werden, und der REst der Medienlandshaft (Springer, Murdoch, Fox TV) ja wohl erst recht.
    Aber genau deren Mitarbeiter sind es ja, die nach unserer Meinung frei berichten sollen.
    .
    Zur Erinnerung: Die westlichen Qualitätsmedien haben sich in den drei Jahren vor der Ukraine-Krise zu 90 Prizent auf Pussy Riots konzentriert.
    Ob die die russische Opposition glaubwürdiger repräsentiert haben als Pegida die deutsche? (Lesen Sie ruhig noch mal all die Blog-Texte von Kerstin Holm seit 2008).
    .
    So leid es mir tut: Die sozialen Medien haben mit Sicherheit nicht mehr kaputtgemacht als FAZ, SPON und Co. seit 1999.

    • Bei Pussy Riot bzw Femen würde ich auch sagen, dass man da einen zu verengten Blickwinkel hatte, aber das hat auch viel mit mediengerechter Inszenierung zu tun. Ist das unser Problem, oder das des Publikums?

  20. eine kluge Frau
    Sie nennen Frau Krone-Schmalz eine Dissidentin, die offensichtlich froh sein muss, noch in eine deutsche Talk-Show eingeladen zu werden. Ich nenne sie eine kluge Frau.

  21. Das ist das Problem der Medien
    Die FAZ z.B. kann es wirklich nicht aufs Publikum schieben, wenn sie ein ganzes Jahrzehnt dabei versagt hat, die russische Innenpolitik seriös darzustellen.
    .
    Sie wollte es nicht. Man brauchte es nicht. Die deutsche Wirtschaft wollte es ebenfalls nicht. Und so hat man zur Ablenkung ein pseudokritisches Kasperletheater aufgeführt.
    .
    Im Grunde hat das Putin genutzt. War das wirklich nur naives Unvermögen?
    .
    Nach meinem subjektiven Eindruck haben die Qualitätsjournalisten in D-land ein echtes Problem: Sie wollen selber Papst sein. Sie wollen kein aufgeklärtes Publikum haben sondern hörige Schäfchen, die ihre Predigt schlucken. Darum immer diese kindischen beleidigten Reaktionen. Für-uns-oder-gegen-uns …
    .
    DAs Gejammer über die ach so brutalen, dummen und menschenverachtenden Trollkommentare klänge für mich persönlich glaubwürdiger, wenn nicht Dutzende meiner Beiträge zensiert worden wären. Ich vermute ja, dass die nicht mich meinen, wenn sie von tumber Menschenverachtung reden — aber woher soll ich es wissen?

    • Also, hier im Blog wurde Hansmeier m.W. noch nie zensiert und manchmal lag es schlichtweg an der Überforderung der Onliner – sogar meine Kommentare unter meinen eigenen Nichtblogbeiträgen kamen manchmal nicht.

      Medien sind zudem mitunter abhängig von dem, was sie aus zweiter Hand haben, und das macht anfällig für „Das ist so“-Beiträge. Aber da kann ich auch nur jedem empfehlen. selbst zu denken. Das ist heute mit Google ja ganz einfach.

    • Hart erarbeitet
      hier wurde ich noch nie zensiert, aber der Blog hier war auch nie der Hauptort für Russlandberichterstattung.
      Im Politikteil habe ich vor 8 Monaten aufgehört mitzulesen und mich von den Edelfedern (nicht persönlich) als Putinknecht beschimpfen zu lassen.
      .
      Noch vor 20 Jahren hatte ich enormes Vertrauen in die Politik und die Medien und deren demokratische Grundüberzeugungen. Dass hätte ich nie für möglich gehalten, dass ich einmal so denken könnte wie jetzt.
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      Da hat die FAZ-Redaktion hart daran gearbeitet, dass ich sie für eine chauvinistischen Agitproptruppe halte, die genau weiss, was sie tut.

    • Man kann journalisten schlecht vorwerfen, dass sie Sichtweisen haben und vertreten – dass man uns dafür verachtet, ist eteas, an das man sich gewöhnen muss. Mir fliegen hier ja auch gerade die Russlandfreunde um die Ohrem, die Selena toll finden. Ich wäre da wirklich für mehr Gelassenheit.

      Denke auch, dass Putin es einem extrem schwer macht, da irgendwas Positives zu sehen und natürlich gibt es da Abwehrreflexe. Auch gegenüber manchen Debatten unter den Kommentaren. Man sieht da ja nur das, was freigeschaltet wird. Normalerweise komt da aber auch enorm viel, das einem wirklich zu weit geht. Nicht nur bei Russland. Ih kann gern mal die Screenshots der Fakes zeigen, auf denen so getan wird, als würde ich über die FAZ herziehen. Oder die Seiten, die meine Entlassung fordern. Das ist nun mal die Wahl der Waffen.

    • Sichtweisen kann man niemandem vorwerfen?
      Die Abgrenzung ist schwierig, aber was ich der FAZ vorwerfe, ist nicht die russlandkritische „Sichtweise“, sondern die bekannte Doppelmoral. Dass sie alle ihre Werte (Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Christentum, was auch immer) beliebig an- und ausknipsen können, mit der einzigen Ausnahme des westlichen Überlegenheitsanspruchs: Der bleibt immer stabil angeknipst.
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      Niemand ist von Selbstgerechtigkeit frei und niemand kann alles, was er von andern fordert, zu jedem Zeitpunkt selber erfüllen. Aber zumindest das Bemühen müsste ja erkennbar bleiben.
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      Nach meinem Eindruck aber versucht die FAZ ja gerade, auch ihrem Publikum denselben Chauvinismus anzutrainieren: Durch kleine Stromstösse soll der Untertan dazu konditioniert werden, bestimmte Fragen gar nicht zu stellen. Etwa: „Bricht die NATO nicht ebenfalls das Völkerrecht?“ Antwort: Keine, sondern ein Stromstoß: „Du Putinknecht, du alter Stasi, geh doch rüber“.
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      Was ich der FAZ vorwerfe, ist diese Haltung der schwarzen Pädagogik, wie man sie früher vielleicht in jesuitischen Internaten oder bei DDR-Staatsbürgerkundelehrern womöglich häufiger antraf. Da wird immerzu an die Loyalität appelliert und eben gerade nicht an die Bereitschaft, sich mit ihrer Sichtweise auseinanderzusezten. Lesen Sie die Kommentare: Da wird immer schon im zweiten Satz der Knüppel ausgepackt, mit dem man auf die eindreschen will, die die Sichtweise der Obrigkeit nicht übernehmen wollen.
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      P.S.:
      (Natürlich nur verbal, wir sind ja nicht in Saudi-Arabien! Pardon, ähem.)

    • Titel eingeben
      Ich empfinde es auch ein wenig so. In meiner Jugend in den 70ern, 80ern, war es ganz klar, da im Osten ist das Böse, die Teufel wohnen im Kreml, und um jeden toten Russen ist es nicht schade. Wer nach Russland will, ist Diplomat, ein Spion, oder ein Spinner – erinnert sich noch jemand an M. Rust? Diese Haltung schwang anfangs sogar bei Tschernobyl noch mit, war halt blöd, dass der Wind dann anders stand.
      Putin hin oder her, in den letzten Jahren hat es sich doch so entwickelt, dass man heute in Russland Urlaub machen kann und die Russen hier, dass Russen hier auch arbeiten können und umgekehrt, man macht auch ohne einen FSJ oder Schalck-Golodkowski oder Kashoggi Geschäfte miteinander und in München war es wohl eine Zeitlang so, dass die Russen praktisch in den Geschäften rund um die Maximilianstraße lebten.
      Während man nie vergessen darf, dass das Land weiterhin einer der größten Spieler auf dem Schachbrett der Weltpolitik ist. Mit Atomwaffen, Flugzeugen, Interessen. So wie auch die USA. Und wenn wir, manche schmerzhaft und nur durch Snowden, gelernt haben, die USA kritischer zu sehen als manche von „unverbrüchlicher Freundschaft“ lallende bundeskanzler, und (wie immer stümperhaft) verkannten, dass es auch bei dne USA nur Interessen gibt, so sollte das doch keine Leistung sein, dies auch für Russland zu erkennen. Die sind weder die Bösen noch sind die USA die Guten.

      Und die FAZ? Den Kommentatoren fiel vor einem Jahr nichts weiteres ein als reflexartig in ein „Das ist doch das Böse und im Kreml sitzt der Teufel“ zurückzufallen. Endlich schien wieder alles wie früher, wo es so schön einfach war. NOT. Die Welt war schon immer komplizierter, der Gegensatz von Ost/West in seiner vermeintlichen Dualität der Systeme und Simplizität der Loyalitäten eine Ausnahmeerscheinung.

      Und wenn man diese komplizierte Welt dem Leser erklären, vermitteln will, darf man eben nicht an alten Mustern festhalten. Oder anders ausgedrückt: kann es denn für eine Zeitung wie die FAZ sein, dass ich wirklich interessante und differenzierte Ansichten nur noch in den Blogs und den Kommentaren zu den Blogbeiträgen finde, sonst aber immer öfters den Kopf schütteln muss? Und zwar selbst dann, wenn lauter Olgabots und Pegidabots posten und (dafür auch mal ein „Danke“) das Rausfischen der schlimmsten Fäkalbrocken mittlerweile richtig Arbeit zu sein scheint.

  22. Spam von Lesermeinungen
    Vor Jahren ist mir bei einigen radikal Politischen Themen aufgefallen
    dass es sehr starke Analogien zwischen einigen Profilen auf unterschiedlichen Seiten gibt.
    Die erste und billigste Variante ist die, mit 1 zu 1 dem selben Profil auf unterschiedlichen Seiten Provozierende Meinungen zu vertreten. Dazu werden meistens noch auffallende Namen genommen.
    Bei der zweiten Variante wird ein entsprechendes seriöses Profil erstellt inklusive Foto. Dieses Profil wird dann auch nicht auf anderen Seiten benutzt. Für diese wird ein Neues Profil erstellt. Auffallend ist jedoch häufig die Analogie in Rechtschreibfehlern, Wortwahl, Grammatik, Argumente etc.
    Genau das beobachte ich momentan unter anderem sehr Stark auf einer Vielzahl von Nachrichtenseiten. Dort sind angeblich Lesermeinungen von mehreren Personen die jedoch wie oben gennant starke Gemeinsamkeiten aufweisen. Dies geht so weit dass ein Unpassendes Wort (andere Bedeutung) bei mehreren Autoren im selben Kontext verwendet wird oder der selbe Rechtschreibfehler von 10 Leuten wiederholt wird.
    So langsam kann ich es mir echt vorstellen dass ganze Organisationen sei es Staatlich oder Privat im Auftrag Russischer Entscheidungsträger arbeiten. Und/ Oder es Patriotische Gruppierungen gibt die Sich am Sontag zum Schreiben von Kommentaren treffen.
    Denn was ist besser als ein Land in dem Starke politische Unstimmigkeiten in der Bevölkerung herrschen und die Politik somit nicht schnelle handlungsfähig ist. Und mistrauen zwischen einzelnen Ländern herrscht.

    • Solche Konflikte werden naturgemäss auf allen Ebenen geführt und solche Dienste kann man sich – mit eingeführten Charakteren – auch kaufen. Ist halt riskant, wenn es auffliegt.

    • stimmt
      ein besonders aktives Exemplar dieser Leserschaft verwendet zum Beispiel auffaellig oft das Wort „ecklig“ (das soll eklig heissen) und setzt Kommata vor Vergleichen (besser, als…).

  23. Ex und hopp!
    Um mal wieder auf meinem Schlagwort „Zombiekapitalismus“ herumzureiten – die Komplexität unserer verschiedenen Abhängigkeitssysteme begünstigt automatisch kleine informelle Lobbykreise, die mit einem Anruf oder einer BungaBungaParty oder einer diskreten Überweisung auf Grand Cayman etc. ganz leicht ein paar Entscheidungen nach links oder rechts fallen lassen können.

    „Bindungen, Tradition, Glaubwürdigkeit“ schön wärs – bei einer differenzierteren Betrachtung waren aber auch zu goldenen Wirtschaftswunderzeiten gewaltige Mengen Fäkalien in der Umlaufbahn schnell drehender Raumbelüftungsvorrichtungen.

    Mossadegh. Die Abschaffung von Bretton Woods zur Finanzierung des Vietnamkriegs. Die Nichtachtung russischer Interessen nach der Wiedervereinigung, weil man die Schnapsnase Yelzin und die verschiedenen translegalen Selfmade-Oligarchen nicht ernst nahm. Nur ein paar Beispiele.

    So wie der unsägliche AH zum Teil eine Antwort auf Kurzsichtigkeiten von Versailles war – so sind Khomeini, Finanzkrise, Putin auch in gewisser Weise Antworten auf Strategien kurzfristig vorteilhafter Lösungen unter Verkennung ihrer Langzeit-Folgen.

    Und jetzt flattern wir mit nackten Fledermausflügel-Speichen über dem Abgrund, hoffentlich noch mittelfristig erfolgreich!

    Aber bei aller komfortablen Elektronik in unseren Autos und der Fähigkeit, Zellkerne in Eizellen umzutauschen, um für ein paar arme Schweine ein gesundes Dreielternbaby zu basteln – ein bisschen ist mir schon unwohl bei dem Gedanken, wie lange unsere höchst fragilen, recht dekadenten Strukturen dem Ansturm der immer grösser werdenden Zahlen von Unzufriedenen und Verzweifelten stand halten.

    In gewisser Weise war die traditionelle „Dummheit=Nichtinformiertheit“ „unentwickelter“ Völker früher oft mit ziemlich viel Empathie und einer grossen Portion Gastfreundschaft vermischt; dass man auf Kopfjäger traf, war eine eher rare Ausnahme.

    Heute weiss man im letzten Kaff Afrikas längst, wie es anderswo zugeht, spätestens beim Computerkabelgrillen am Traumstrand.

    Wieweit da die Position Chandran Nairs moralisch höherwertig ist, wenn er eine saubere Toilette über die Meinungsfreiheit setzt, wenn er die chinesische Position der kollektiven Menschenrechte stützt – bleibt eine wirkliche Frage, wenn man sieht, wie schlecht „unser meinungspluralistischer Westen“ mit den ganzen Flächenbränden und Sauhäufen in der Welt klar kommt.

    Und schnell ist man dann bei Apologien für Putin, Tianamen-Platz, FN und dem Gefühl, das Blaise Pascal beim Anblick der unendlichen Weiten des Kosmos überkam.

    • Es fällt mir nicht ganz leicht russland wirklich auf dem Weg zu imperialer Grösse zu sehen – vielmerh ist das mehr „Ablenken von innenpolitischen Problemen mit Hilfe des Nationalismus“. Die Sache ist nur die, dass die Vernetzung im Zombiekapitalismus tatsächlich so ist, dass der Nationalismus da nur noch wenig Platz hat. Ich glaube, dass Putin kurzfristig erfolgreich ist – langfristig diese Strategie aber Russland in die nächste Krise stürzen wird.

    • Sie haben REcht -- Russland ist schwach
      Putins Ukraine-Abenteuer ist auch eine Flucht nach vorne. Es gibt da den Reflex, einen „Laden zusammenzuhalten“, der 1991 schon mal auseinanderflog. Und sein Neo-imperialismus ist auch eine Disziplinierungsstrategie nach innen. Putin würde seinen „Laden“ gerne modernisieren (dessen Probleme, Schwächen, Elend) er nur allzu gut kennt, aber er weiss halt auch nicht wie.
      .
      Auch das ist übrigens ein Komplex, der ja in den Medien nie angemessen dargestellt wird. Wenn von Russlands Schwäche(n) die Rede ist, dann immer mit triumphaler Überlegenheitsgeste: Schaut her, wir im Westen haben eben doch die bessere Zivilisation, die stärkere Wirtschaft, und Ihr macht nur Murks“.
      .
      Der (leider nicht lustige) Witz ist ja, dass Putin es irgendwo genauso sieht, und gerade darum wieder auf Rüstung und Diktatur setzt. Denn er ist nun mal für sein eigenes REich verantwortlich, in das er ja auch hineingeboren wurde und das er von seinem Amtsvorgänger so übernehmen musste wie es halt war.
      .
      „Was würden Sie an meiner Stelle denn tun?“
      .
      Wie könnten die US-Denkpanzer auf so eine Frage Putin schon antworten?

    • Fairerweise muss man sagen, dass die Probleme der USA, die seit der Finanzkrise nicht vorbei sind, auch nicht gerade unter den Teppich gekehrt werden.Die Menschen mögen nun mal kein dauerndes Gejammer, sondern Nachrichten, dass es aufwärts geht, und das liefert Putin. Aller bröckelnden Infrastruktur zum Trotz.

  24. Gut abgeguckt, Selena!
    Wer sagt, dass nur der Westen diese Form der subtilen Beeinflussung beherrscht? Russland hat sich eben ein paar Tricks abgeschaut.
    Merke: „Propaganda“ machen nur die Anderen, bei uns heisst das „Aufklärung“.

    • so doof würde ich das offen gesagt nicht machen, da gibt es sicher schonendere Ansätze, die weiter kommen.

  25. Das Problem sind nicht...
    … die Bots oder irgendwelche Trolle, sondern die realen Menschen, die sich dann Selena und Konsorten bedienen. Wäre das alles ein Forenproblem, welches auf nach Aufmerksamkeit gierenden Frührentner oder Angestellte des Kreml zurückgeführt werden könnte, ok. Ich habe jedoch bereits mit einigen „Bekannten“, die ich – dachte ich jedenfalls – wirklich „kannte“, ziemlich entwaffnende Gespräche geführt: es wird schwierig, zu argumentieren und sich zu konstruktiv zu streiten, wenn die Axiomatik bzw. die Gesprächsgrundlage komplett unterschiedlich ist. Am Ende der Diskussion war ich oft derjenige, der sich dann fragte: Vielleicht bin wirklich ich es, der im falschen Film spielt. Der Eindruck verflog dann allerdings recht schnell wieder bei genauerer Betrachtung dessen, was sich zumindest mir derzeit als „Sachlage“ darstellt.

    Wie auch immer, ich frage mich, was man da tun kann… dagegen andiskutiere? Auch wenn es nichts bringt? Schweigen, auch wenn man der Meinung ist, sich im Recht zu befinden? Ein ähnliches Problem stellt sich, wenn ich in der U-Bahn sitze oder vor die Haustür gehe und von rechts und links Kommentare wie „Boo, guck mal, das Video hier Youtube ey, diese Zionistenschweine wieder!“ oder mit Hass verzerrte Bärtige, die jungen Leuten Predigten à la „Wennu nicht fünfmal betest am Tach, dann is das schlimmer als Deine Mudder zu verachten!“ etc. halten Nein, das ist nicht bereits Alltag hier im Ruhrgebiet, aber es ist etwas, was selbst ich in den letzten Monaten öfter habe wahrnehmen dürfen. Und ich wohne normalerweise selbst im „Elfenbeinturm“. Tja.. der Klügere gibt nach? Oder diskutiert gegen eine Wand? Zieht sich aus der Welt zurück? Oder war das vllt. schon immer so, also keine Panik, es läuft schon irgendwie weiter?

    • Ich neige dazu, das dennoch positiv zu finden – eine Meinung hätte man nur in einer Diktatur. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass man andere Sichtweisen und deren krude Webprojekte zu einfach abtut – deshalb wollte ich das hier an einem Beispiel mal zeigen. Ich bin mir aber nicht so sicher, inwiefern da wirklich repräsentativ ist.

    • ...
      Ja, überzeugender Punkt – also das Ganze mal positiv zu sehen. Werde es mal versuchen.

      Über die Repräsentativität kann ich quantitativ auch keine Aussage machen, sondern lediglich auf meine Erfahrung zurückgreifen (jaja, tolles Argument, ich weiß *hüstel*): 9/11 Theorien, „Zeitgeist Gucker“, „CIA schießt Passagiermaschine über Ukraine ab“, „Israel versteckt Bomben unter Häusern von Palästinensern, um diese zu beschießen“ usw.usw. finden sich nicht nur in Foren oder bei Leuten, „die es halt nicht besser wissen können“ (sondern auch bei Leuten, die von Berufs wegen eigentlich „in komplexen Zusammenhängen denken können sollten“).

      Lustigerweise scheint gerade die „amerikanische Populärkultur“ bedeutend an diesem Trend mitgearbeitet zu haben, baut doch gefühlt jeder zweite Hollywood Film auf dem Muster „kleiner Mann entdeckt riiiiiesen Verschwörung (natürlich in der Politik)“ auf (Staatsfeind No.1, Illuminati, Sherlock Holmes Filme usw.). Die größten Schweine sind immer die im Nadelstreifenanzug – mittlerweile so dumpf wie vorhersehbar.

    • Es ist in der kulturgeschichte oft so, dass gleichzeitig mit den Möglichkeiten der Aufklärung auch die Verschwörungstheorie blüht – und perverserweise mitunter auch von der „richtigen“ Seite benutzt wird. Ich denke da vor allem an „Die Nonne“ von Denis diderot, ein gigantischer Erfolg und eine Fälschung – durch den Betreiber der Encyclopedie. Vielleicht liegt es einfach daran, dass der Mensch mit einer aufgeklärten, nachvollziehbaren Wahrheit unterversorgt ist.

    • -
      Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.
      (Marie von Ebner-Eschenbach)

      Die Wahrheit in den von Ihnen beschriebenen Faellen ist doch eher, dass derjenige resigniert, der bislang ein zu gutes Bild von der Menschheit hatte. Den Elfenbeinturm bewohne ich auch ganz gerne, aber die Fahrt dorthin mit dem OePNV (von Ihnen ja erwaehnt) hilft, Illusionen klein zu halten.

  26. Syrien ebenso
    Ob die Ladie aus Russland echt ist, weiß ich nicht. Definitiv sind aber mehrere Pro Assad Accounts attraktiver Damen authentisch.
    Grundsätzlich muss man wohl festsstellen, dass sowohl in der Ukraine wie auch in Russland nicht das Ideal gilt, dass eine Polit-Aktivistin wie Frau Nahles aussehen müsse. Wer würde hier schon auf die Idee kommen, sich Tigerkrallen-Nails mit patriotischen Motiven zu besorgen – gibt es aber in Kiew und in Moskau

  27. Titel eingeben
    Wahre Worte,

    werter Don. Der Ausgewogenheit halber erlaube ich mir an dieser Stelle aber, auf das alte Prinzip von Ursache und Wirkung hinzuweisen. Die von vielen Bürgern wahrgenommene Einseitigkeit der Berichterstattung eines ganz überwiegendenden Teils der Medien in der Ukraine-Krise, insbesondere der mit qua Zwangsabgabe üppigst alimentierten Staatsmedien in diesem Land hat doch erst den Boden für RTDeutsch, Sputnik und die von Ihnen trefflich sezierten Twitter-Phänomene bereitet.

    Indirekt sind die Transatlantiker mit ihrer Schützengrabenmentalität von Anfang an somit auch für die Stärkung des äußersten rechten und linken Randes der Gesellschaft verantwortlich. Die Grundlage dafür hat wie so oft jedoch die Politik gelegt, welche – wiederum durch Einengung vieler Diskurse durch die Medien – elementarste Fragen gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Außenpolitik schlichtweg ignoriert hat.

    Ohne die inkohärente Flüchtlings- und Asylpolitik und das Schönreden oder Verdrängen aller hässlichen Auswüchse des Islam hätten wir so eine Situation wie in Dresden heute doch nicht. Zusammen mit den häufig berechtigten Propagandavorwürfen an einen Teil der Medien in Sachen Ukraine und vor allem auch dem unwürdigen Vasallentum unserer gewählten Volksvertreter gegenüber eines völlig außer Kontrolle geratenen US-Imperiums würden die Menschen sich nicht derart aufhetzen lassen.

    Insgesamt ist leider auch zu beobachten, dass man sich immer weniger zuhört. Dies erinnert zunehmend an die Situation in den USA, wo sich die verfeindeten politischen Lager im Grunde nur noch gegenseitig anzuschreien scheinen.

    Das Resultat wird wie dort eine immer fragmentiertere Gesellschaft sein.

    • Also, ich hatte beruflich mal mit der Atlantik-Brücke zu tun und die ist, wie Sie vielleicht wissen, aus den Verschwörungsszenarien nicht wegzudenken. Es liegt vielleicht auch daran, dass die nicht offen kommunizieren, aber mein Bild von denen ist, pbwohl ich ganz sicher kein Transatlantiker bin, ein deutlich anderes. Natürlich wird da strategisch gesprochen, aber dennoch zahlen die die Presse nicht und wenn man die interviewt, kann man auch frei fragen und die Hintergründe benennen.

      Was icz weniger knusprig finde, sind die Aktionen der Amerikaer gegen Venezuela und das Anfüttern von Regierungen, damit die dann ihre genehmen Medien füttern. Natürlich muss ich aufpassen und nachdenken, wenn ich sowas lese. Aber den Sack zuzuschnüren und dann auf alle draufzuhauen – was Lügenpresse ist – ist einfach der falsche Weg der Konfrontation.

  28. "Notgeile Pegida-Anhänger"
    Ich zöge meinen Hut, wenn ich einen hätte, vor dem Gipfel der Alphonsischen Argumentationskunst, wenn es einer gewesen wäre. Beste Grüße auf Ihren Maulwurfshügel, Charlie.

    „Notgeile Pegida-Anhänger“.
    Wahnsinn.

  29. Lieber Don
    Ich habe keine Zeit für Twitter und kann dies Phänomen kaum beurteilen… sicherlich werden die Russen da auch einiges steuern, genauso wie der Westen. Und ich finde es befremdlich, wie oft auch in sogenannten „seriösen“ Medien Berichte sich zunehmend auf Twittermeldungen „abstützen“. Aber sie machen es sich zu einfach. Den Begriff „Lügenpresse“ musste sich die FAZ und andere schon früher anhören, aber da kam es halt eher von links. Jetzt kommt es aus der Mitte, die aber von Ihnen wie rechtsaussen dargestellt wird…. rechts von der CDU darfs ja nicht geben, und diese ist mittlerweile schon links von der Mitte. Der „Verlust der Kommentarfunktion“, die AFD, Pegida, die „Putinversteher“, die „Lügenpresse“-Vorwürfe sind alle nur Facetten eines grundsätzlichen Prozesses der sich immer mehr beschleunigt… die völlige Entfremdung des medial-politischen Mainstreamsystems von seiner Bevölkerung. Öffentliche und veröffentlichte Meinung unterscheiden sich zunehmend. Die Illusion in einer Demokratie zu leben, nur weil man alle 4 Jahre ein Kreuz bei einer von 4-5 Parteien machen kann die im Grunde eh das Gleiche vertreten, verflüchtigt sich zusehends. Von den Parteien ausserhalb des Promillebereiches betreiben nur noch die Linke und die AFD eine Art Opposition. Niemand innerhalb der „etablierten“ Parteien und Medien stellt Eurorettung, Multikultipflicht, Asylwesen, NATO, EU-Gleichmacherei und Integrationszwang, Genderwahn etc grundsätzlich in Frage… ausser das Volk selbst, dass die Auswirkungen dieser Dogmen täglich spürt, ungleich der Chefredaktoren und Parlamentarier in ihren Villenvororten. Und niemals begegnen Politiker und Medien diesen kritischen Bürgern mit Argumenten und Respekt, sondern immer nur mit Hohn und Verächtlichmachung, der moralische Herrenmensch in der Redaktionsstube muss sich nicht auf Augenhöhe mit dem Leservieh begeben. Wie schön ist diese Haltung in Ihrem letzten Satz über die „notgeilen Pegidaanhänger“ ausgedrückt worden. Gerne kann ich Ihnen noch viel detaillierter Erläutern, warum die FAZ und andere von grossen Teilen der deutschen Bevölkerung zunehmend nicht mehr als seriöses Medium wahrgenommen wird, die von Ihnen verächtlicht gemachten DWN dagegen zunehmend als Alternative populär wird.

    • Na, es ist doch recht offensichtlich, dass sich Selena als hübsche, junge, blonde Frau anbietet, und das ist natürlich für die Pegidazielgruppe gleich mal besser als ein mittelalter, weisser Grossbürger, der Berlin für einen Fünfer an die Russen verkaufen würde. Wenn ich bei Pegida ankommen wollen würde, würde ich mir auch so ein hübsches Frauenbild zulegen.

      Das ist das eine. Das andere ist, dass – so kommt es zumindest mir so vor – Pluralität nicht mehr akzeptiert wird. es gibt hier zum Beispiel auf der einen Seite zu ein Genderblog. Ich halte das fürreichlich daneben und schreibe auch manchmal darüber. Die Reaktion der Interessierten ist aber stets, dass entweder alles Genderideologie ist, oder alles Maskus – auf die Argumente geht gar keiner mehr ein.

      Für manche Bereiche ist es dann super, wenn ein glattgebügeltes Russia Today auftaucht. In anderen Bereichen hat man es dann mit Idioten zu tun, die einen mit Breivik vergleichen oder mit Himmler und die Entlassung fordern, nur weil man eine andere Ansicht hat. Man macht halt weiter, aber viele haben auch keine Lust und suche sich nur noch nette Themen wie Katzen und Studien, die sie abschreiben können. Am Ende ist keiner zufrieden.

  30. Die wahre Selina
    Der Verfasser dieses Textes ist die wahre Selina. Er druckt somit die Ängste des westlichen Kapitals vor zunehmend kritische Masse der Menschen in Europa, besoders in ‚Alt-Europa‘. Eine Tatsache die die imperialistischen Pläne des Obengenannten, zunehmend gefährdet.

    • Der Verfasser des Textes musste mal breit und mal maliziös beim Schreiben lächeln, weil Selina es so hübsch einfach macht, das Problem dartzustellen. Ansonsten gehöre ich zur bundesrepublikanishen Oligarchie und Russland ist mir da egal, solange die Hauspreise steigen und die Mieter zahlen. Von mir aus können die russen gern Berlin haben, wenn sie nur sauber zahlen. Hauptsache sie räumen italienische Hotels und Villen, da bin ich empfindlich.

  31. Mein Glaube.....Mein Nachrichtendienst
    Mit derartigen Operationen und Selena Leben ?

    «Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weisst von mir….Du umschliesst mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.» (Psalm 139) Mein tägliches Gebet an BND und NSA. Sie werden mich auch vor Selena beschützen.

    Solche Angriffsversuche gab es schon immer:

    „Es genügt nicht, die feindliche Propaganda als Ausgeburt völkischer Entartung abzutun […] Als die ersten Beweise von der Gehässigkeit der feindlichen Propaganda vorlagen, war es […] das Ergebnis einer Beratung bei der Zentrale für Auslandsdienst im Auswärtigen Amt, einen Psychiater als Sachverständigen zuzuziehen, der den anormalen Geisteszustand des Feindes aus den Erzeugnissen seiner Propaganda nachweisen sollte.“ (Walter Nicolai, Nachrichtendienst, Presse und Volksstimmung im Weltkrieg, 1920)

    Ich vertraue da ganz auf unsere Geheimdienste, die kennen mich und meine Sorgen.

    «Alles liegt nackt und bloss vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.» (Brief an die Hebräer 4, 13)

  32. Ausgewogenheit
    ob unsere „Medien“ wirklich so russlandkritisch sind, wage ich doch zu bezweifeln. In so ziemlich jeder Talkshow saß ein Vertreter der Kremlperspektive, wobei ich selbst meine Zweifel habe ob das auch die Perspektive des russischen Volkes ist, es wäre das erste mal in der Geschichte dieses großen Volkes. Eher selten zu sehen waren Vertreter der baltischen Länder oder Polens, die könnte man ja mal fragen ob sie Russland eingekreist haben oder ob sie sich im Natobündnis sicherer fühlen. Ich selbst fühle mich als bekennender Christ im dekadenten Westen sicherer als im dritten Rom. Noch eine kleine Gegenüberstellung: Litwinenko / Snowden
    Vielen Dank an den Don für seinen Artikel, hoffentlich gefällt er nicht jedem.

    • Danke. Ich freue mich ja auch über andere Sichtweisen, und everybodys darling ist bekanntlich everybodys Hinterteil.

  33. Und wenn man Putin richtig eingeschätzt hätte?
    Was hätte die Schlußfolgerung sein müssen?
    Die Nato mehr auf Verteidung auszurichten? Selbst um den Preis, dass man dann gleichzeitig auf den Drohnenkrieg am Hindukusch hätte verzichten müssen?

  34. Politische Bildung
    Früher erwarb man sich seine politische Bildung eher mühsam durch die Lektüre wichtiger (oder auch weniger wichtiger), teilweise schon sehr alter Bücher, durch lange Diskussionen in der Familie und mit Freunden, durch die Zeitungslektüre (insbesondere der großen Wochenendausgaben von FAZ, SZ und Zeit). Der SPIEGEL im gedruckten Format war auch sehr hilfreich.

    Heute herrscht da eine große Oberflächlichkeit, die dem Rhythmus der update-Frequenz auf dem Bildschirm folgt. Man erfährt so viel mehr, aber fast nichts davon ist wirklich relevant. Auch hier gilt, was man schon vor Jahrzehnten beim Fernsehen erkennen musste: Es macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer.

    Aber es gibt auch erfreuliches: Beiträge wie die von Don Alphonso sind unterhaltsam und regen das Nachdenken an. Das gilt übrigens sogar für den russischen Propagandasender RT: Wo sonst wird so viel Unsinn so professionell vorgebracht, und das von Menschen, die dem Begriff „intellektuelle Prostitution“ eine völlig neue Bedeutung geben. Man darf dankbar sein, in diesen Zeiten zu leben.

    • Danke für das Lob. Ich habe mal mit jemandem gesprochen, der die in meiner Schulzeit enorm wichtige Reihe rororo aktuell hat einstampfen lassen. Der meinte, die Leute wollten das einfach nicht mehr. Das hat also schon vor dem Internet angefangen – ich sage nur „Focus“.

    • Inzwischen würden sie es vielleicht wieder wollen.
      Die Schwelle zur Rentabilität lag bei Büchern damals um die 3.000 Exemplare und soviel konnte man von denen doch allemal absetzen.
      Vielleicht hätte man das Konzept ein wenig auffrischen müssen?
      Wenn man weiss was sonst alles gedruckt wurde, dann fällt es schwer, an eine rein kaufmännische Entscheidung zu glauben.
      .
      Das soll jetzt keine Verschwörungstheorie sein.

    • Es gibt sie noch, die guten Dinge

      http://blogs.faz.net/deus/files/2015/02/iphone.jpg

    • Das ist seinerseits eine oberflächliche Beobachtung:
      Trennt man in der deutschen Qualitätspresse (ganz grob taz, SZ, FAZ, WELT, ZEIT, SPIEGEL) Meinung von Information, wird man zu dem Schluss kommen müssen, dass die reine Information gar nicht so übel ist und häufig genug auch ihre vermutete Verlässlichkeit eingepreist bzw. offen thematisiert wird.

      Anders sieht es aus, betrachtet man die überhandnehmenden Meinungs- und Einordnungsartikel. Und deren pure Masse kann leicht dazu führen, dass die Berichterstattung als einseitig empfunden wird, weil das hier zelebrierte Meinungsbild zu Russland ziemlich eindeutig und ziemlich einförmig ist.

      Lustigerweise haben viele derjenigen, die genau das in genau diesem Fall beklagen, mit der Verengung der öffentlichen Diskussionen ansonsten kein Problem. Vereinfacht und in böswilliger Absicht zusammengefasst, ist es das Weltbild linksliberaler Spiesser, das die Medien beherrscht. Als akzeptabel gilt alles von knapp linksradikal (Gewalt gegen Sachen unschön, aber hinnehmbar) bis hin zu rechtssozialdemokratisch als akzeptabel, alles ausserhalb davon (echter, verbaler, Linksextremismus genauso wie z.B. das konservative Leitbild von Familie, Heimatdorf und Kirche, ganz zu schweigen von rechtsradikalen Ansichten) als nicht mehr verbalisierbar.

      Diese Verengung ist aber keiner bösen Absicht geschuldet, sondern eine Folge der Homogenisierung der Journalistenlaufbahn kombiniert mit typischer Gruppendynamik.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  35. Selenarobot
    Mich würde ja mal interessieren, ob dahinter echte Menschen stecken, die tatsächlich manuell reagieren oder um Robots, also Software.

    Man könnte sich mal ein paar Tests ausdenken, z.B.: Einen Tweet mit vollkommen identischem Inhalt zwei Mal im Abstand von ein paar Stunden/Tagen verschicken und schauen, ob die Reaktion ebenso gleichförmig aussieht.

    • Ich glaube nicht, dass das ein echter Bot ist, das macht schon ein echter Mensch und ich meine auch, dass man Fakes erkennt und unemotionalen Wesen nicht folgt. vor kurzem bettelte sie um 3000 Follower. Mensch und vermutlich Frau.

  36. Jeder weiß doch
    dass Agitation und Propaganda die zentralen Mittel
    der politischen Beeinflussung im Kommunismus
    waren. Jeder weiß, dass Putin und seine Machtclique
    im kommunistischen Herrschaftsbereich groß geworden
    sind und alle diese Strategien der russischen Geheimdienste
    internalisiert haben, ja noch schlimmer davon initiiert
    wurden. Ihre Persönlichkeitsdeformationen und damit verbundene
    Menschenverachtung sind ohne Skrupel. Der Raketenhagel
    nach Minsk 2 auf Debalzewe ist dafür symptomatisch.

  37. Da wird der kalte Krieg
    Als Echo neuinszeniert.

    Wenn die Begleitumstände nicht so jenseits wären, könnte man
    im alten Europa auch stolz sein über diese Aufmerksamkeit, die
    wir neuerdings generieren – waren wir doch schon sowas von
    abgeschrieben.
    Selbst ö Russland möchte nicht abseits stehen und
    Sich „einbringen“.
    US-Investoren möchten sich einkaufen.
    Koste es was es wolle.

    Leider interessiert weder Russland noch die USA, dass uns wohler wäre
    blieben sie etwas auf Abstand.

    • Lustigerweise ist für Westdeutschland der kalte Krieg die gute, alte Zeit gewesen – vielleicht sollte man auch mal die Vorteile des neuen kalten Krieges unter diesen Gesichtspunkten sehen. „Ja, der Russ war in der Ukraine aber das Benzin war billig“.

    • Heimatfront
      Nur dass man diesmal den Krieg an der Heimatfront schon verloren hat, bevor er richtig losgeht. Das Problem dabei ist die Propaganda selbst, die Propaganda als Medium. Gegen Leute, die offene Kommunikation anbieten, bietet sie nur den Vorteil der Reichweite, aber wie man an den Meinungsbildern schon heute erkennen kann, genügt das nicht mehr. Man kann die Öffentlichkeit nicht mehr zurückgewinnen, indem man den Herrschaftsdiskurs erneuert.

      Einige Leute, wie H.Seifert von der NZZ haben das erkannt und ich vermute, die werden auch einen langfristigen, selektiven Vorteil haben, in der Medienwelt:

      ‚Die Aufklärer, die hier auftreten, reden im Gestus strenger Kolonialoffiziere, die ihren noch immer nicht diskurshygienisch stubenreinen Eingeborenen die Leviten lesen, aber auf keinen Fall zuhören wollen. «Die Ansage muss lauten: ‹Jetzt hört ihr mal zu. Und zwar richtig.›» Das argumentative Inventar, mit dem hier ein Deutungsmonopol verteidigt wird, ist mit seinem phrasenhaft erstarrten, abstrakten moralischen Universalismus nicht nur bemerkenswert ausgezehrt, sondern zeigt gelegentlich Züge unfreiwilliger Komik. So erregt sich der Leitartikler der «Süddeutschen Zeitung» darüber, dass Sigmar Gabriels Dialogstrategie gerade jene Demonstranten durch besondere Beachtung auszeichne, die «mit fragwürdigen und provokativen Parolen auf sich aufmerksam machen. Haben normale Menschen, die nicht demonstrieren, deshalb keine ernstzunehmenden Interessen?» Derlei las man früher bevorzugt im «Bayernkurier» des Franz Josef Strauss, wenn es zum Beispiel um Polemik gegen linke Protestaktionen ging.‘

      http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/aerger-mit-der-luegenpresse-1.18484768

  38. Also ich bin gerade mit einer Valeria in Kontakt..
    ..die versucht, in ihrem Hotel noch ein Zimmer mit Blick auf die Militärparade am 09.Mai in Moskau für mich zu bekommen.

    In puncto erotischem Thrill werden wir den Supergau erleben, wenn die Nato-Speerspitze allwöchentlich in Bataillonsstärke blitzschnell in die Rotlichtbezirke des Baltikums eindringt. Vorausgesetzt, sie kann die Nicht-Nato-Staaten Schweden und Finnland von dort vertreiben.

  39. Russischer und US Geheimdienst in einem Paket
    Unter den vielen Nachbarn, die bei uns ein- und ausziehen, war auch mal ein schöner junger Mann russischer Abstammung (mit blondgefärbter Frau und zwei Kindern). Er sah aus wie Putin 20 Jahre jünger. Ich habe sie mal zum Abendessen eingeladen, ganz harmlose Fragen gestellt und freundliche Bemerkungen fallen lassen über die Schwierigkeiten, Russland zu regieren.
    .
    Aus deren Antworten schloss ich: er arbeitet für den russischen Geheimdienst, sie für den amerikanischen. Er weiß, dass sie für die Amis arbeitet, aber sie weiß nichts von seinen russischen Auftragsgebern. Nach einem weiteren Jahr, als sie nicht mehr merkten, als dass ich eine ganz harmlose Bürgerin bin, sind sie weitergezogen.

  40. Wo sind eigentlich die vielen Bilder die wir nie gesehen haben?
    Heute hat jeder mit seinem Handy eine komplette Filmausrüstung dabei, auch jeder Soldat. Er kann diese Filme mit einem Click an die ganze Welt veröffentlichen. Wir haben da in dem Kriegsgebiet also Heerscharen potentieller Reporter inklusive „Fernsehanstalt“.
    Wie kommt es, daß man trotzdem noch über Fakten ernsthaft streitet ? Wie kommt es, daß russische Politiker trotzdem noch behaupten, daß Russland nicht aktiv in diesen Konflikt eingreift ?
    Nicht die russischen sondern die westlichen Medien versagen hier doch total, es müsste so einfach sein Fakten so zu präsentieren, daß kein noch so dreister Propagandist diese mehr in Frage stellen kann.

    • In Debalzewo soll es gerade mit dem Handynetz etwas schlecht sein..
      ..außerdem sollen schon einige „Investigativ“ – Journalisten auf gefälschtes Bildmaterial aus sozialen Netzwerken hereingefallen sein, dem prowestlichen bellingcat wird sogar vorgeworfen, ganze Blogger zu faken und so falsche Bilder in Umlauf zu bringen respektive sich die Arbeit mit ukrainAtWar zu teilen.

  41. Warum müssen Sie mit dem Osten flirten?
    Guten Tag Don Alphonso,

    bei Ihrer Spekulation, ob Selena vielleicht nur aus propagandistischen Zwecken erfunden ist, hätte ich noch einen weiteren hypothetischen Gedanken anzumerken.

    Mit ihrem hübschen Gesichtchen und ihrem gekonnten, mehrsprachigem Auftreten würde das Propagandainstrumentarium all jene nicht erreichen, die sich der „amour socratique“ zugeneigt fühlen.

    Aber möglicherweise ist das ja ein statistisch vernachlässigbarer Anteil?

    So wie in Rußland liebenswerte Menschen, die in Beziehungen der Art von Jupiter & Ganymed verfolgt werden, wäre dies auch nachvollziehbar.

    Mit ideologiefreien, Kapital orientierten Grüßen

    ObjectBe

    • Stupender...
      … Gedankengang! Besonders das naturgegebene Sprachdefizit der volkskörperzersetzenden Schlingel ist direkt einleuchtend und konnte auch von mir bereits des Öfteren festgestellt werden!

      Gaye Grüße
      Aristogeiton

  42. Die große Kunst der Algorithmen
    @tester – Die Reaktion würde nicht automatisch genauso aussehen, insbesondere wenn sie von einem Algorithmus produziert worden ist. Ein Computer kann mit Leichtigkeit Millionen von schon gegebenen Antworten speichern und immer wieder auf Wiederholung abchecken und damit jede Antwort variieren. Bei einem Mensch dagegen ist durchaus zu erwarten, dass er denselben Text ein zweites Mal eingibt. Ein Mensch wäre wahrscheinlich sogar stolz darauf, effizient zu sein und seine Ideen und Texte wie Bausteine zu benutzen.
    .
    Ein Algorithmus kann darüber hinaus auch Millionen Kommentare aus anderen Quellen (menschlich und/oder algorithmisch) systematisch speichern und leicht variiert oder im Original wiedergeben. Sein Repertoire ist also viel größer als das eines Menschen.
    .
    Ich würde mir nicht zutrauen, allein auf Grund von Antworten darauf zu schließen, ob sie von Menschen oder Algorithmen produziert worden sind. Nur Leute, die mir bei der Kreation dieses Kommentars zugeguckt haben (und gleichzeitig mit Sicherheit wissen, wer ich bin) wissen, dass dieser Kommentar von dem Tiger stammt.
    .
    @Rabe – Ein Bild sagt überhaupt nichts, denn jede Bildkombination kann (in real-time) computerretuschiert sein. Mein Kopf auf dem Körper der Frau X, die gerade in Berlin zur Postbank geht und Geld abhebt, wird als Video gewisse Leute sicherlich erfreuen, bedeutet aber nichts.

  43. lasciastare
    Don,
    Lass den Scheiss und die Selena, es wird bald Maerz. Reinige die Weber 40er und komm ‚rueber, am Samstag machen wir Pizzocheri.

  44. Don (off topic)
    Was ist eigentlich aus der Ankuendigung geworden, dass jetzt auch bei der FAZ rechts die Leiste mit neuen Kommentaren erscheinen soll? Aufgeschoben oder aufgehoben?

  45. Den Konflikt um die Ukraine
    gehört schon in die Kategorie kann man nach Belieben ein
    und ausschalten. Es sei denn, in der Ukraine sind alle so verbittert,
    Dass alle Akteure es bis zur Selbstzerstörung treiben.

    Damit unterscheidet sich dieser Bürgerkrieg von denen in Afrika.
    Aufgrund der dort stattgefundenen Bevölkerungsexplosion sind Bürgerkriege
    zeitlich nicht zu begrenzen. Jeder Versuch dort etwas aufzubauen oder nur
    Zu begütigen- wer und von
    wem auch immer – wird an der Gier der Clans scheitern.

    Z.B. Syrien. Die Zahl der Menschen die dort auf der Flucht sind
    Entspricht exakt dem Bevölkerungswachstum der letzen 30 Jahre.
    Oder der Hälfte der Bevölkerung.

  46. Schon wieder so ein erster Satz
    „Die Geschichte über den „Gemalto-Hack“ bestätigt die Skeptiker, die Snowden nicht immer gleich alles glauben.“
    .
    Zitat FAZ-Leitartikel, Satz 1.
    .
    Ja, der Snowden hat viele fanatisch blinde Verehrer, die ihn für den Erlöser halten und ihm „alles glauben“. Aber zum Glück gibt es ja noch das kleine Häuflein der „Skeptiker“, die immer erst die Fakten prüfen.
    .
    Ja das ist schon krass, wie hier die Dinge auf den Kopf gestellt werden. Denn eigentlich ist es doch eher die Staatsmacht, der die Presse „skeptisch“ gegenüberstehen und der sie „nicht alles glauben“ sollte.
    Stattdessen tut die Qualitätspresse so, als ginge die Gefahr von Snowden aus.
    .
    Schon in diesem ersten Satz positioniert sich der Autor so parteiisch auf Seiten der Mächtigen, dass ich gar keine Lust habe, mich auch noch mit dem Rest auseinanderzusetzen und jetzt sorgfältig zu prüfen, ob es wirklich 100prozentige Propaganda ist oder vielleicht auch noch ein paar
    sinnvolle Einschränkungen folgen?
    .
    Wer seine Leser tagaustagein mit so was bombardiert braucht sich wirklich nicht zu wundern, wenn die irgendwann nur noch „Lügenpresse“ brüllen.

  47. Ach der Altenbockum. Die personifizierte Ansammlung von Altherrenvorurteilen,
    leider ohne eine damit einhergehende Haltung, ohne Konsistenz und ohne eine halbwegs plausible Herleitung von seinen wechselnden Standpunkten.

    Dass man „der Staatsmacht“ skeptisch gegenüberstehen sollte, finde ich als Forderung lustig. Als wäre das nicht die Grundhaltung von 95% aller Menschen in Deutschland, also Eulen nach Athen tragen. Der Abweichler ist doch derjenige, der ab und an daran erinnert, dass und wozu man einen Staat braucht.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Die Leser daran zu erinnern, dass die den Staat brauchen.
      Auch Ludwig XIV war ja irgendwie ein „Abweichler“.
      .
      Mit Haltung, Konsistenz und plausibler Herleitung gleichbleibender Standpunkte. Und hatte nicht nur eine Zeitung, sondern sogar jemanden wie Molière auf seiner Gehaltsliste.

  48. Vielleicht ist der aufgeklärte Machtstaat die beste aller möglichen Welten.
    Und das Problem sind ja nicht die Plädyoers für den Machtstaat, sondern eben das Ausbleiben von Kritik.
    .
    Mir geht es nicht ums Rumkritteln. Ich frage mich im Ernst wo das hinführen soll, so superreiche und hochgerüstete Machtapparate ohne jede Opposition und ohne kritische Öffentlichkeit. Aber vielleicht bin ich nur paranoid sollte lieber enifach nur der Exekutive und ihren Pressesprechern vertrauen. Wenn man einen Diktator hat, der so kompetent und christlich ist wie unser Schäuble, dann braucht es vielleicht gar keine Gewaltenteilung?

    • ... schreibt einer, der sonst zum 145-Millionen-Einwohner-Staat
      … in seinen Kommentaren ausschließlich den Namen Putin erwähnt, wie es mir scheint, lustvoll – so etwa in SED-Altkader-Art. („Eine Station, zu der geringere Geister mit weniger Mühe gelangt sind.“) Trotzige zweite Kindheit, bissige dritte Zähne, zerbröselnde vierte Gewalt.

  49. Und Herrschaftskritik meint ja nicht das Verbreiten von "Haltungen"
    Sondern um zutreffende Informationen, die eine kritische Meinungsbildung erlauben. Skepsis und Kritik sind nicht dasselbe wie Ablehnung, auch wenn es den narzisstischen Naturen natürlich immer so vorkommt.
    Diese faulen, undankbaren Untertanen immer, die sich ja gar nicht vorstellen können, was der König für einen schwierigen Job hat.

    • Echte Kritik: Ich finde dieses aus jenen Gründen falsch.
      Kommentar- und Internetkritik: Alle, die diese Schweinerei verbrechen, decken oder nicht täglich anprangern, sind (beliebiges Schimpfwort einsetzen). Fortsetzung des Stammtisches in der Öffentlichkeit.

      Die zweite Form ist bei öffentlich schreibenden Menschen der Normalfall.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  50. Man kann diesen Link nicht oft genug wiederholen:
    http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/aerger-mit-der-luegenpresse-1.18484768
    .
    ZU:
    http://blogs.faz.net/deus/2015/02/24/liebesgruesse-aus-moskau-fuer-mich-die-luegenpresse-und-pegida-2434/#comment-25848
    .
    Baiazzo sagt:
    25. Februar 2015 um 12:54 Uhr:
    Ich habe keine Zeit für Twitter ….
    ….Niemand innerhalb der “etablierten” Parteien und Medien stellt Eurorettung, Multikultipflicht, Asylwesen, NATO, EU-Gleichmacherei und Integrationszwang, Genderwahn etc grundsätzlich in Frage…
    .
    Twitter wird sogar im Morgenmagazin
    als Nachricht verkauft.
    Als NACHRICHT.
    Man stelle sich das vor.
    Ergüsse von irgendwelchen Hanseln.

    • Die westl. Medien
      machen es wie wie die Saudis.

      Ja nicht, in quantitativ überversorgten Märkten durch Drosselung
      der Produktion, Marktanteile verlieren.

    • 2 Dumme, aber derselbe Gedanke:
      Ich schrieb am 26. Februar 2015 um 15:13 Uhr hier in den Kommentaren ähnliches. Es gibt eine erkennbare Verengung der veröffentlichten Meinung.

      Mich amüsiert das fassungslose Erstaunen von Journalisten immer wieder, wenn sie irgendwo zufällig feststellen müssen, wie weit sie in manchen Bereichen von dem entfernt sind, was grössere Teile der deutschen Bürger so denken.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  51. Der Fünfermeier imponiert mir diese Nacht
    Zitat:
    „Noch vor 20 Jahren hatte ich enormes Vertrauen in die Politik und die Medien und deren demokratische Grundüberzeugungen. Dass hätte ich nie für möglich gehalten, dass ich einmal so denken könnte wie jetzt.“
    .
    Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

    • Mit Irgendwas
      …müssen die medialen Feldherrnhügel doch bestückt werden.

      Für das Senden von Testbildern oder das Abliefern weißer Seiten
      wird keiner bezahlt.

    • Das hätte ich bloß hinzuzufügen:
      Dass seither auch Ihr zwanzig Jahre älter geworden seid, altersweise.

  52. Jeder scheint besorgt zu sein, um das bisschen, was man ihm noch erlaubt zu sagen
    „Nur bekomme ich halt auch meine Zweifel, wenn ich zu bestimmten Vorgängen sowohl in der FAZ wie auch der Süddeutschen und (z.B.) den Nürnberger Nachrichten EIN UND DENSELBEN Text vorgesetzt bekomme.“ Richtig, Kurzweil. Und das gilt auch in Puncto Zensur. Wenn ich ein und denselben Text als Kommentar gleich in mehreren Medien zensiert, bzw. geblockt bekomme, wie diesen zum Beispiel
    .
    „Ein und derselbe V-Mann in unvereinbaren Milieus!?
    .
    Verdächtig auch der Einsatz von V-Männern in eigentlich unvereinbaren Milieus. So wäre zum Beispiel die türkische islamistische Szene auch mit der türkischen rechtsradikalen Szene in „Aktionseinheit“ zu beobachten, wenn sie sich nicht in der Drogenszene als Konkurrenten gegenüber stehen, doch wohl eher weniger mit der deutschen. Dass der V-Mann „T“ offenbar in der deutschen rechtsradikalen Szene als auch in der eher nicht so deutschen „islamistischen“ eingesetzt wird, ist ein weiteres Indiz dafür, wie diese beiden Szenen von Staats- und Verfassungsschutz, wie auch von BND und MAD, gegeneinander so ausgespielt wie miteinander instrumentalisiert werden. Und so bleibt es nachwievor merkwürdig, wie ein und derselbe Akteur des türkischen Auslandsgeheimdienstes MIT, namens „A“, mal der „islamistischen“ Sauerlandtruppe die Zünder liefert, dann dem NSU-Trio eine Schusswaffe.“
    .
    erkenne ich ein und dieselbe Angst vor den Lesern, bzw. den langen Arm unserer Staats- und Verfassungsschützer – http://blog.herold-binsack.eu/2015/02/ein-und-derselbe-v-mann-in-unvereinbaren-milieus/.
    .
    Es wird Putin sehr leicht gemacht, sich sowohl bei den Rechten, wie bei den Linken als Verteidiger der „Rechte der Massen/des Selbstbestimmungsrechts der Völker“ anzudienen. Richtig, es gibt immer noch einen Unterschied: Man kommt hier im Westen nicht dafür ins Gefängnis, für das, was das Unliebsame, das man sagt, bzw., woran man gehindert wird zu sagen; doch wie lange noch? Die Gleichschaltung der Medien läuft hier nicht über das Innenministerium, und auch noch nicht über die GEZ, aber über die Konzentration des Kapitals. Und seid Schmidt-Eenbooms „Undercover“ wissen wir auch, wie das mit den „IMs“ hier ist.
    .
    Und auch die Blogs in der FAZ werden zum Teil repressiver. Jeder scheint besorgt zu sein, um das bisschen, was man ihm noch erlaubt zu sagen.

  53. Pingback: Jeder scheint besorgt zu sein, um das bisschen, was man ihm noch erlaubt zu sagen

  54. Korrektur
    Sorry, im vorletzten Absatz muss es lauten: „für das Unliebsame, das man sagt…“.

  55. ... ist auch nur ein Mensch
    Also, auf mich trifft das nicht zu: “Jeder scheint besorgt zu sein, um das bisschen, was man ihm noch erlaubt zu sagen.” Ich sage und schreibe immer (noch), was ich will. Allerdings kann ich nicht alles schreiben und sagen, weil der Tag nur 24 Stunden hat und ich mir jeden Kommentar, jede E-Mail, jede Aussage, jede XXX selbst ausdenken muss. Ich habe keine Sekretärin oder Assistenten aber im Moment habe ich 6 – 8 verschiedene Ideen im Kopf, alle halb gar, für diese oder jene Anwendung…… aber ich bin halt leider auch nur ein Tiger (Mensch).

  56. Wiederholt sich das Immergleiche?
    Anstatt die Verdummungsprämie auszuschöpfen oder sich von der SonntagsFatz ins BILD setzen zu lassen: Lest mal wieder, z.B
    Umberto Eco, Der Friedhof in Prag

  57. Selena ???
    .
    Народы слышит сигналы !!!
    .

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