Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Metternich wäre stolz auf dieses Netz

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Nehmen wir einmal diese Aussage als Beispiel:

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Zusammengebunden und draussen wie Müll, so mag Jessica Valenti ihre Männer.

Ist das Satire, eine Aussage zu Vorlieben, die von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, oder eine menschenverachtende Aufstachelung zum Hass? Es gibt verschiedene Sichtweisen dazu. Es kann Satire sein, die sich auf die Vorstellung von Sheryl Sandberg bezieht, Männer hätten grosse Vorteile, wenn die in der Familie besser mit den Frauen zusammenspielten – für die Hardcorefeministin Valenti ein viel zu netter Ansatz. Es kann auch sein, dass es vor diesem Hintergrund mehr als nur ein Gran Wahrheit enthält. Oder es kann auch eine grob abwertende Bemerkung sein, die Menschen mit Müll vergleicht. Wie auch immer, der Text kam gut an, und darunter überboten sich ihre Anhängerinnen in ähnlichen Vergleichen.

Passiert ist Valenti deshalb nichts. Als Kommentatorin für Genderfragen darf sie weiterhin auf der Website des Guardian Stellung beziehen und die Lage der Frau beklagen.

Noch.

Das könnte sich aber schnell ändern, denn Twitter plant einschneidende Regeländerungen. In Zukunft soll es nicht nur leichter sein, Verstösse zu melden, sondern auch gleich juristisch verfolgen zu lassen: Twitter spuckt eine Zusammenfassung aus, die man dann nur noch an die Behörden übermitteln muss. Ganz leicht soll das werden und die Nutzer zivilisieren: Die Anzeige ist immer nur einen Klick entfernt und, den richtigen Ermittler vorausgesetzt, möglicherweise auf Dauer kein Spasss für Valenti und ihre über 88.000 Follower, die sich von solchen Aussagen unterhalten lassen. Für die Masochisten unter der Leserschaft hier ein weiterer Debattenbeitrag zur Frage, ob sich ein Mann zum Sex schrubben kann.

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Die Behörden werden sich sicher freuen, wenn jetzt jeder Konflikt bei ihnen auf dem Schreibtisch landet – sie haben auch nichts Besseres zu tun, als zu überprüfen, was jetzt Scherz, sexueller Übergriff oder brutale Traumatisierung eines Opfers war. Twitter ist grosszügig genug, das komplexe Problem der Abwägung in die Hände von empörungssüchtigen Nutzern und staatlich finanzierten Angestellten zu legen, statt selbst eine Lösung für das Problem zu finden, dass dort auch Stars und Wortführer über die Stränge schlagen. Aufmerksamkeit ist die Währung bei Twitter, und Überschreitungen aller zivilisierten Formen sind an der Tagesordnung.

Das Problem wird sich früher oder später auch in Deutschland stellen, wo in sozialen Netzwerken ein nicht minder übler Ton herrscht. Aber während man in Amerika das Problem anderen aufbürdet, sind in Deutschland die Medien selbst eher unfreiwillig die Vorreiter: Der deutsche Presserat, bekannt durch Rügen und Beschwerden über journalistische Fehlleistungen, hat sich nun auch für Nutzerkommentare zuständig erklärt und Richtlinien erarbeitet, die zu befolgen sind. Das Problem landet damit auf den Schreibtischen derer, die für die Freischaltung der Kommentare zuständig sind. Bislang bestimmt jedes Medium, teilweise auch jedes Ressort oder jeder Blogger seine eigenen Regeln. Während die Zeit vergleichsweise früh regulierend eingreift, lässt die Süddeutsche Zeitung Kommentare nur noch bei bestimmten Themen zu. Bei Springermedien bin ich erstaunt, was da alles durchgeht, und bei mir verläuft es zum Glück in zivilisieren Bahnen. Aber es ist jede Menge Arbeit, die man leisten muss, um allen Beitragenden gerecht zu werden.

Ungeachtet dessen sind beide Vorgehensweisen – Presserat und Twitter – ein Paradigmenwechsel: Es wird reguliert, weil die Situation vom gewünschten Verhalten der Nutzer zur Arbeit mit problematischen Aspekten mutiert ist. Früher galt der Teilnehmer an einer Debatte als achtenswerter Zeitgenosse, der sich besonders engagiert, heute ist er unter Generalverdacht, und deshalb allgemein gültigen Regeln unterworfen. Die Frage, die sich momentan bei grenzwertigen Kommentaren stellt – lasse ich ihn drin in der Hoffnung, dass er die Debatte anregt – wird ersetzt durch ein Schema, das ich vielleicht ab und zu geschickt und auf eigenes Risiko nutzerfreundlich auslegen kann. Dabei bin ich dann gezwungen, wirklich jeden Kommentar ganz und aufmerksam zu lesen. Es geht dann nicht mehr darum, dass man einem alten Bekannten viel rausgehen lässt, sondern um jeden einzelnen Satz, um jede einzelne Behauptung. Ich müsste nachrecherchieren und bewerten und mit den Regeln vergleichen. Das mag zu meiner Wissenserweiterung beitragen, kann aber auch die Hölle sein, wie etwa bei Pegida und anderen emotionalen Themen. .Meine Prognose ist, dass man den Regeln und dem nötigen Aufwand dadurch begegnen wird, dass man wie die Süddeutsche den Aufwand lieber begrenzt, als jedem Satz hinterher zu kriechen. Wo kein Anwendungsgebiet ist, gibt es auch keine Regeln, die anzuwenden wären.

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Das hilft auch dabei, einem weiteren Komplex zu entgehen, der momentan unter dem Begriff Hate Speech Karriere macht: War vor einer Dekade noch Kinderpornographie ein beliebtes Argument für restriktive Vorhaben, ist heute der eher unbestimmte Begriff der Hassrede ein Scheinkriterium für massive Eingriffe. Vorreiter ist da Facebook, das auch seinen ganz andere Freiheiten gewohnten amerikanischen Nutzern strenge Regeln verordnet und dazu schwammig sagt:

Facebook entfernt sämtliche Hassbotschaften, d.h. Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt angreifen: Rasse, Ethnizität, Nationale Herkunft, Religiöse Zugehörigkeit, Sexuelle Orientierung, Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität oder Schwere Behinderungen oder Krankheiten.

Da täte sich natürlich schon bei amüsanten Autoren deutscher Medien wie Harald Martenstein ein weites Betätigungsfeld auf, und der Verfasser kann froh sein, dass sein Lieblingsthema „Klasse“ noch kein Kriterium ist, sonst könnte man wegen Dicta vom Reichshauptslum Berlin und Grattlern gegen die Verbreitung seiner Texte bei Facebook vorgehen. Aber schon die bestehenden Kriterien sind nachgerade eine Einladung, nur auf den richtigen Moment zu warten und dann Nutzer zu melden. Wo die Grenze zwischen Kritik, Witz, Satire und Angriff ist, wird nicht erklärt. Facebook hat da eigene Kriterien, und wer einmal schaut, was es alles an Aktionen gegen Hate Speech im Netz gibt, wird überrascht sein, wie viele publicitygeile, überempfindliche, dauerbesorgte, interessengesteuerte, grossmäulige, mit angeblichen Erfolgen protzende, steuergeldverlangende, jugendschützende Figuren es da gibt. „Hate Speech“ ist auf bestem Wege, zu einer Art doppelten Boden der allgemein gültigen Rechtslage zu werden: Man ist zwar vom Gesetz nicht zu belangen, aber irgendeine Gruppe findet sich immer, die über einen trotzdem herfallen kann.

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Mir ist das die Tage passiert, bei einem Projekt namens Publikative, das als NPD-Watchblog begann und nun seine Aktivitäten in Richtung anderer unschöner Dinge – oder was die Macher als solche empfinden – erweitert. Dort wurde ein Kommentator meines Beitrags zur Empörungswelle über Tilo Jung in der FAZ nicht nur öffentlich vorgeführt, sondern seine Kritik gleich mit Argumentationen von Rechtsaussen verglichen. Das geht ganz schnell, wird auch gern im Netz verlinkt und gelesen, auch wenn man diesen Vergleich als Verharmlosung des Rechtsextremismus auffassen könnte. Hinter Publikative steht in diesem Fall ein Journalist, der eigentlich wissen sollte, wie unpassend solche Vergleiche sind – und die Amadeu-Antonio-Stiftung von Anetta Kahane. Als dortige Fachreferentin für Hate Speech wiederum wird die Ex-Piraten-Politikerin Julia Schramm genannt, die früher solche Denkwürdigkeiten twitterte: „Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer Frei.

Da gibt es also auf der einen Seite Bestrebungen, regulierend zu wirken, und auf der anderen Seite Leute, die sich mit mehr oder weniger Qualifikation dazu berufen fühlen. Verlierer ist der Nutzer, der nie weiss, welche Plattform welche Aussage wie auslegt – und ob etwas, das im Rahmen der FAZ eine legitime, nicht beanstandete Meinungsäusserung ist, eine Seite weiter durch den braunen Dreck gezogen wird. Bei diesem Spiel können Toleranz und Meinungsfreiheit, die vor allem vom Erreichen und Ausloten der Grenzen leben, eigentlich nicht gewinnen. Das Netz wird zu einer unberechenbaren Kleinstaaterei des Metternichschen Zeitalters mit Sondergesetzen und willkürlichen Zensoren, und die Unsicherheit für die Nutzer ist zumindest etwas, das achselzuckend in Kauf genommen wird, und vielleicht sogar Absicht. Facebook und Twitter wollen schliesslich keine radikalen Denker, sondern brave Kunden, die klicken, Werbung anschauen, und heimtückisch bei missliebigen Äusserungen auf den Meldeknopf drücken, um den Konzernen die Arbeit abzunehmen. Und irgendwelche Organisationen loben dann, dass das Netz dadurch sicherer, schöner, besser und sauberer wird.

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52 Lesermeinungen

  1. Wenn man sonst nichts hat,
    Geld, Witz, Charme, Schönheit, Können, reicht es halt noch für eine Karriere als Sittenwächter. Was gibt’s sonst Neues unter der Sonne?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Ja. In Saudi Arabien hat man eine Freu zu Prügelstrafe verurteilt, weil sie einen Mann auf Whatsup beleidigt hat. Da ist von uns aus noch ein Stück hin, aber ich habe nicht den eindruck, dass der Abstand mit unseren eigenen Ideologiewächtern grösser wird. Und das ist das Problem.

    • Wenn man sonst nichts hat
      … kann man sich immer noch in die Vorstellung umwerfend sexuell
      attraktiv zu sein, hineinsaufen.

  2. reiche Vielfalt
    ob die Websites Geld einspielen für die Zeitungen? Können sich speziell im Netz mehrere Publikationen behaupten? Ich weiss es nicht. Doch sz lese ich nicht – inhalt und vor allem Tenor der Artikel sind so vorhersehbar. Taz und vor allem FAZ überraschen immer wieder.

    Das Komentariat bei SdG, Deus und Rebellmarkt hat mir viele Anregungen gebracht, die ich in den Artikeln nicht fand.
    Bitte versuchen Sie, Ihre Linie weiterzufahren. Wie wäre es mit einer gemeinnützigen Tegernmannstiftung? Sitz der Stiftung in Island, der Server in Nigeria

    Guten Morgen wünscht mel urs

    • Machen Sie sich um mich und das, was hier geschieht, keine Sorgen. Das ist gut eingefahren und ich mache Kommentare aus Leidenschaft. eng wird es dort werden, wo kein Diskurs zwischen autor und Publikum stattfindet. Mir würde ohne kommentare viel, wenn nicht alles fehlen: Internetschreiben ohne kommentare macht einfach keinen Spass. Die Zeiten werden nicht besser, aber auch zu Metternichs Zeiten gab es ja Orte der Liberalität.

  3. I see.....
    Nur die erste Zeile…….
    In Wikipedia……
    Welches ich normaler und weise nur mit der Kneifzange zu berühren pflege, ob der ach so sachlichen und korrekten Einträge….

    „Anetta Kahane (* 1954 in Berlin, DDR) ist eine deutsche Journalistin und ehemalige Stasi-Mitarbeiterin.“

    Danke, das reicht mir. Jedwede moralische Wertung gleich welcher Art von solchen „Journalisten“ und Ihrem heutigen femifacistischen Umfeld sind ja wohl weit unter der Grenze dessen was man, in besseren Zeiten, als Satisfactionsfähig bezeichnete…..

    Zitat MEINER Großmutter:
    „Leute kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten“.

    Das so was dann noch steuerlich begünstigst durchgefuettert wird…. Traurig….

    Ich will mein Usenet wieder haben, da war der IQ IMHO weit höher….

    • Der Fall ist wohl recht kompliziert, und ich tue mir schwer, da den Stab zu brechen – zumal sie ja auch aus einer kommunistischen Familie kommt. Den Umstand kannte ich selbst nicht, in meiner Berliner Zeit bekam ich nur Gemunkel aus der jüdischen Gemeinde mit und die empfehlung, da insgesamt vorsichtig zu sein.

      Jetzt ist es so, dass bei no-nazi, das sich eigentlich mit Nazis auseinander setzte, auch ein Beitrag über Aufschrei und Co. aufgetaucht ist. Meines Erachtens ist der Sektor einfach einer, der zusätzliche Aufmerkamkeit und Mittel verspricht.

  4. Titel eingeben
    Alles d’accord- aber was ist daran zumindest in Deutschland neu? Da gibt es seit 10, 12 Jahren eine ausufernde Rechtsprechung zur Forenhaftung, die sich eigentlich zwanglos auch auf Beiträge auf Twitter oder FB anwenden lässt, auf Beiträge unter Online-Zeitungsartikeln sowieso.

    Dank „fliegendem Gerichtsstand“ war das Landgericht Hamburg, welches ja schon früher ganz bemerkenswert seltsame Richter hervorgebracht hat, auch in dieser Hinsicht sehr aktiv, stark geprägt von einer ganz bestimmten Person, die mit ans Absurde grenzenden Rechtsansichten nur manchmal vom Oberlandesgericht und Bundesgerichtshof gebremst wurde.

    Insofern ist es vielleicht nur der reinen Masse und der Wurschtigkeit vieler Menschen heute zu verdanken, dass da nicht längst gerichtlich was passiert ist. Eigentlich ein Wunder, wäre das doch ein unbeackertes Feld für die ganzen Massenabmahner. Wegen Nichts beleidigt zu sein, gelingt bislang eigentlich immer nur Polizisten, und die verfolgen damit ja eigentlich andere Ziele.

    Neu ist wohl nur, dass komplementär dazu eine Kultur der fortlaufenden, fast schon hysterischen, und vor allem veröffentlichten Betroffenheit und Beleidigtheit entstanden ist – letztlich leben diese Menschen das pubertäre Verhalten von 14 Jährigen im infantilen Dauerzustand. Emotion ersetzt das Argument, und das perfide daran ist, dass die Politik immer geneigter scheint, eigentlich nicht justiziable Gefühlsduseleien eben den Gerichten zur Entscheidung zuzuweisen. Die Gerichte als „Eltern“ oder „Lehrer“ einer ansonsten infantilisierten Gesellschaft – großartige Perspektive.

    Wo war jetzt übrigens nochmal der Unterschied zwischen der getretenen Frau und dem als Müll bezeichneten gefesselten Mann, der auch mal auf allen vieren Nacktputzen soll? Es gab mal Zeiten, da sind wegen solcher Bemerkungen Minister zurückgetreten und die Frage der Gruppenbeleidigungen – wer erinnert sich nicht an „alle Soldaten sind Mörder“ wurde vor die höchsten Gerichte getrieben.

    • .
      „letztlich leben diese Menschen das pubertäre Verhalten von 14 Jährigen im infantilen Dauerzustand. Emotion ersetzt das Argument“ – da sagen sie etwas, lieber greenowlerhat. schon der berühmte privatgelehrte mit dem pudel vermutete für den grossteil der menschen die religion als trefflicheres mittel denn die philosophie, die sich ihnen nie erschliessen würde; vielleicht nicht sehr freundlich, darum jedoch nicht unwahrer.
      dieser von ihnen erwähnte betrübliche umstand der emotionalen nervösität mag unter anderem auch damit zusammenhängen, dass gewissheiten – wie man sich in gesellschaft zu verhalten habe, welche rolle einem zukommt – weggebrochen sind und wegbrechen und weitere wegbrechen werden, man diese frage selbst tätigerweise beantworten sollte, und es mitnichten gewiss ist, wohin die eigene reise geht, und dies unter den vorzeichen der kommerziell beförderten und genutzten optimierungsversprechen, dass nur das beste gut genug sei, und man selbst das beste aus seinem leben herausholen sollte (selbst wenn es da nicht sei). dies stiftet letztlich eine unbotmässige unruhe, die jedoch ganz gut geeignet scheint, den ewigen lauf des hamsterrades zu gewährleisten, was – auch ob seiner kalkulierbarkeit – immerhin sehr praktisch ist, wenn man zwischen den sprintratten und den almosenempfängern kaum noch jemanden auszumachen weiss (jetzt in aller nicht ganz eingehaltenen, aber dennoch gebotenen kürze fast schon strafwürdig verkürzt gesagt).

      die aufgabe, seine position(en) in der gesellschaft zu überdenken, kommt einem aber als mitglied der gesellschaft zu, und so wie auch nationen oder staatengebilde sich ebenso selbst immer wieder mobilegleich sich neu sortieren müssen:

      πάντα ῥεῖ – vielleicht unbequem, aber deshalb nicht falsch.

    • "...zwischen der getretenen Frau..:"
      …wobei die Frau gar nicht „getreten“ wurde, sondern die Serie war gestellt und freiwillig. Und nicht von Jung.
      Irgendwo gibt’s ein Interview mit dem angeblichen „Opfer“, suche unter „Kontext is Queen“.

    • Ja, das hat sich inzwischen ziemlich in Luft aufgelöst.

  5. Mich erinnert
    …das Bild des bärtigen Putzmann an die Bilder, die man aus
    Abu Ghraib zu sehen bekam.

    Muss sich um ein verbreitetes Bedürfnis halten.

    Wie unterscheidet man das?
    Einmal Missbrauch und Folter, dann freie Meinungsäußerung.

  6. Der Untertan ? - Don Alphonso und sein Teil der Spieltheorie ?
    Der Autor bemüht sich hier darzustellen, daß aufgrund von Nichteinhaltung von moralischen und ethischen Grundsätzen eine Kontrolle, bzw. Überwachung von Blogbeiträgen zwingend notwenig erscheint, um die Einhaltung eines Mindestmaßes von Moral und Ethik zu gewährleisten.

    Moral und Ethik sind nicht gottgegeben, sondern Konstrukte der Gesellschaften zu Erhaltung des inneren Friedens und werden in der Regel nicht hinterfragt, werden im Sinne der politischen Führung und deren Organe zum Selbstläufer und von Eltern zu Kind einfach weitergeben.

    Der Bürger hat diese ethisch- moralischen Grundsätze, in weiten Kreisen, so verinnerlicht, daß sie nahezu zu persönlichen Gesetzen geworden sind.

    In den vergangenen Jahren haben viele Staaten ihre Grundsätze zu Ethik und Moral weitgehend aufgegeben, indem sie mit staatlicher Überwachung die Privatsphäre der Bürger aufgekündigt haben, mit dem Angsttotschlagargument der Terrorismusbekämpfung.

    Der Widerspruch besteht in dem Ungleichgewicht, daß Milliarden von Menschen sich widerspruchslos ihre Privatsphäre rauben lassen, um angeblich eine Handvoll Terroristen, durch Überwachung dingfest zu machen.

    Der Bürger wird stets an die Einhaltung von ethisch- moralischen Grundsätze erinnert, was ja bisher durchaus einen Sinn ergab, jedoch gelten diese Grundsätze für politische Personen und staatliche Organe nicht mehr.

    Die staatliche Aufkündigung des Gesellschaftsvertrages.

    Das ist im Grunde nichts Neues, denn bereits 1997 beschäftigte sich die Bundeswehruniversität München, in einem Forschungsprogramm „Verhaltensnormen als Spielregeln der Gesellschaft“ im Rahmen der Spieltheorie damit, wie Menschen in ihren ethisch- moralischen Grundsätzen, im Sinne des politischen Staates erfaßt und „geführt“ werden können.

    Was ist unter diesem Gesichtspunkt Ethik und Moral noch wert ?

    Die geradezu rührigen Bemühungen „Don Alphonsos“, unter Berufung auf den Presserat, um die Einhaltung gewisser ethisch-moralischer Sprach-und Gedankengrundsätze, in einem kleinen Blog der FAZ, erscheint in einem großen Kontext betrachtet als Beschäftigungstherapie.

    Mit freundlichem Gruß
    B.Klingenberger

    • Wenn es nach mir ginge, würde ich die Kommentare nach einer Erstbestätigung wegen Spamgefahr dann konsequent offen halten. Vertrauen gegen Vertrauen.

  7. Tapfere neue Welt der Klagen
    Metternich moege wohl stolz auf das Netz sein, aber mir grausts wenn dann jeder Jack und jede Lisel sich als Moral Apostel sieht und ueber dies und jenes klagt. Satire scheint schon auf dem Weg zur Klagebank, und wer weiss was fuer neue Bureaukratien sich entwicklen die die Offentliche Moral verwatlen?. Wann kommt das Ministerium des Guten Geschmacks? Verwaltet von Richtern mit „impeccable taste“ und sonstigen Qualificationen die wir Normalo Sterblichen anscheinend kaum besitzen? Nur die Justiz Industrie duerfte gluecklich sein, denn deren Zukunft ist sicher, denn jeder leicht Beleidigte, oder sonstiger Malcontent kann dann jammern und klagen. Nur die noch ueberlebenden Satiriker muessen ihre Werke mit dem Label „Vorsicht Lebernsgefahr — Moegliche Satire“ bestuecken um den Beleidigten etwas zu helfen. Was kommt naechst? Die Gedanken Polizei?

  8. Titel eingeben
    Hat ein Blog eine gewisse Qualität und behandelt Themen abseits von „jedem Jack und jeder Lisel“, werden die nicht mitlesen und schon gar nicht kommentieren, weil sie sich a) langweilen und b) blamieren würden.

  9. juristische Urteile dazu
    Zu dem „Beileidigung auf Facebook“-Thema gibt’s ein „Stiftung Warentest“-Bericht: http://bit.ly/1CwPrch

  10. Auch China kann sich freuen
    Der Westen hat innovative Erfindungen, China kopiert sie dann.
    Ohne Royalties zu zahlen versteht sich.
    .
    (Eigentlch seltsam, dass die Neolibs darauf noch nicht gekommen sind: Gesetze zu patentieren und unter Urheberrecht zu stellen).

  11. " Probleme des Internets -Regeln für die schöne neue Welt "
    ¦
    Ich teile durchaus, daß es freudiger wäre einen positiven Gedankenaustausch auf einer gepflegten sprachlichen Ebene zu führen, doch während hier diskutiert wird ob das eine oder anderen Wort, was junge Menschen in ihrem Geltungsbedürfnis in die Welt setzen, noch akzeptabel ist, versuchen auf der Titelseite der FAZ die ernstzunehmende Gegner der würdevollen Freiheit mit Worten zu manipulieren um Fakten zu schaffen.

    In dem heutigen Artikel der FAZ “ Regeln für die schöne neue Welt“, schreibt David Omans:“ Der Einzelne muss dafür (das Internet) auch bereit sein, Freiheiten aufzugeben.“

    Das kann man ja noch als die persönliche Meinung eines Professors hinnehmen.

    Doch dann: „Unsere Rechte auf Privatsphäre und freie Meinungsäußerung müssen respektiert werden, auch wenn sie keine absoluten Rechte darstellen.“ hört, hört…

    Die Achtung dieses Professor vor dem deutschen Grundgesetz ist schon bemerkenswert, wenn er unsere Rechte auf Privatsphäre und freie Meinungsäußerung als keine absoluten Rechte dazustellen versucht. Da stelle man sich doch die Frage von wem dieser Herr bezahlt wird?

    Herr Omans Behauptung:“Der britische Geheimdienst führt weder Massenüberwachung in der britischen Bevölkerung durch noch – lassen Sie mich das betonen – in der irgendeines anderen Landes.“ löst letztlich eigentlich nur noch Heiterkeit aus, wenn auch eine schmerzliche.

    Um mit Karl Kraus zu sprechen:“Die Zukunft wird schrecklich werden, ich befürchte es wird ein ständiges Sichdiewanddeslebensentlangdrücken, damit ich auf dem Trottoir von keinem dieser Trottel angesprochen werde.“

    Mit freundlichem Gruß
    B.Klingenberger

  12. Titel eingeben
    „Wo die Grenze zwischen Kritik, Witz, Satire und Angriff ist, wird nicht erklärt.“

    Weil es diese Grenze nicht gibt.

  13. Klage als Ersatzhandlung
    Donna Laura hat den alten Herrn ja schon erwaehnt. Diesem moechte ich mich auch anschliessen und zu einer Abkehr von der elendigen dauerbeleidigten Wortklauberei aufrufen:

    „Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
    Ich muß es anders übersetzen,
    […]
    Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
    Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

    Dazu passt ja auch ganz wunderbar die herrliche Posse um Varoufakis Mittelfinger.

    Aber um einmal ein wenig Ursachenanalyse der anscheinend zuehmenden Empfindlichkeit zu betreiben: Frueher pflegten unterschiedliche Bevoelkerungsgruppen einen sehr unterschiedlichen Sprachgebrauch (fast schon folkloristisch ist die proletarische Beleidigungs“kultur“ eines koelschen Koebes‘); erst das Internet hat aber diese unterschiedlichen Schichten in Forenform zusammengebracht. Waehrend sich niemand ernsthaft ueber die Dumpfkommentare in der Bildzeitung aufregt, ereifert sich mancher wohl vor allem dort, wo die Grenzen verschwimmen.

    Vielleicht hat auch ThorHa recht, und wir muessten nur wieder das Duell wieder erlauben, nur fuerchte ich, dass die Mehrheit der Beleidiger nicht wirklich satisfaktionsfaehig waere. Fuer die muesste man dann wohl die gepflegte Jahrmarkstrauferei wieder entkriminalisieren (keine Waffen – wie im idyllischen Lonneberga!).

    • .
      lieber T.I.M., war ihr zitat nicht etwa von goethe („ich kann die kraft unmöglich so hoch schätzen, drum sitz ich hier und muss so ätzen“?

      mein gedanke zielte eher in richtung eines misantropen, auf alle fälle stark misogynem griesgram. man versteht aber die verwechslungsgefahr – doch vielleicht hat sich dieser um weniges jüngere herr nur deshalb einen pudel zugelegt – ob er schwarz war und des mephistos andere hülle, mag nun dahingestellt bleiben, allein: -, da er den pudels kern zu suchen im begriffe sein wollte. und jeweils wurde er, der pudel, atman genannt. jeweils? nun, starb der eine, kam der andere.

    • Früher...
      gab es auf der Kirmes Boxbuden.

    • Schlägerei
      Die Jahrmarksschlägerei zu entkriminalisieren ist ein Gedanke, der mir, bösartig und hasserfüllt schon einmal bei Fußballfans kam. Man erkläre einen Ort, zu einer gewissen Zeit, zur Kampfarena in der sich die Fußballfans austoben dürfen. Jeder muss bestätigen, dass er für erlittene Schäden an Leib und Leben niemanden, auch nicht die Gesellschaft über die Sozialversicherungen, in Anspruch nehmen wird. Für eventuelle medizinische Versorgung haben die Teilnehmer aus eigener Tasche zu sorgen.

      Gut, das weicht jetzt zu weit vom Thema des Gastgebers ab, also lassen wir es dabei.

    • .
      seit einiger zeit nennt sich das fight club.

    • -
      Werte Donna, Sie haben Recht, Ihren „berühmte[n] privatgelehrte[n] mit dem pudel“ habe ich tatsaechlich fuer Faust gehalten (Wer von einem ‚ehemaligen deutschen Politiker mit Oberlippenbart und Seitenscheitel‘ hoert denkt auch nicht zuerst an Hermann Otto Solms ;-).
      Sogar „vermutete für den grossteil der menschen die religion als trefflicheres mittel denn die philosophie“ koennte man mit Goethe-Exegese halbwegs rechtfertigen. Schopi passt aber zugegebenermassen besser…

      Name, das Abweichen vom Thema hat hier frueher nicht nur nicht gestoert, sondern war erweiterter Selbstzweck!

  14. I like my wife
    tied up and outside.
    das wäre das Äquivalent dazu und würde wohl zu einem „Aufschrei“ führen. Leider haben sich die Fronten zum Thema Feminismus soweit verhärtet, dass jeder, der nur entfernt dazu schreibt und nicht alles toll findet, ein sehr dickes Fell haben muss.

    Schon ein Beitrag darüber, dass manche Vergewaltigung eben nicht so stattfand wie behauptet und dies u.a. auch den wirklichen Opfern schadet, wird da zum Anlass genommen zu konstatieren, dass der Autor oder schlimmer noch die Autorin nur über solche Fälle schreibt, den Frauen schaden und sich beim Mann anbiedern will usw.

    Keine Frage – mancher Forent hat imho starke Probleme. Ich weiß bei wenigen genau ob es sich um Mann oder Frau handelt (auch bei Pseudonymen kann sich dies ja wandeln usw.), daher benutze ich mal die Form „Forent“ (was dann auch schon wieder zu Angriffen führen würde). Da gib es die Frauenhasser, die dann meinen, die Tatsache, dass nicht dauernd willige Weibchen da sind, würde zu Kriegen führen und wäre Körperverletzung oder die hinter jeder Frau gleich die männerbelügende, Schwangerschaft herbeiführende, Unterhalt abzockende usw. Schlampe sehen, da gibt es die Männerhasser, die hinter jedem Mann gleich einen Vergewaltiger sehen oder jemanden, der wenn er nicht gleich jedes „hallo, Huebsche“ verdammt, auch dafür wäre,d ass Vergewaltigung straffrei bleibt usw. Aber es gibt eben auch viele, die das Ganze eher neutral angehen. Und imho hilft letztendlich immer nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und ruhige Diskussion. Aber chon der sachlichste Artikel usw. wird sofort Angriffsfläche und ich kann die Minuten zählen bis die heftigsten Angriffe per Mail u.a. eintrudeln. Die Freunde und Helfer haben da schon aufgesteckt und meinen, man könnte nichts machen, man müsse halt „andere Themen aufgreifen“ bzw. „sich halt selbst verändern“ als wäre es ok, dass man Vergewaltigungsdrohungen usw. bekommt.

    Solch Menschenverachtung wie bei den Themen Kinderschutz und vermeintlichem Opferschutz, Feminismus und nicht zuletzt Tierschutz erlebe ich selten bei anderen Themen, auch wenn die Gräben überall tiefer werden.

    Gerade auch Frauen, die sich gegen sexistische Kommentare wheren, machen oft auch welche oder meinen, sie haben „im Sinne des Guten“ das Recht, auf jemanden (verbal) einzudreschen. Ich halte nichts davon, das jetzt unter dem Hasspredigerparagraphen zu subsumieren, aber ich denke, dass es sinnvoll ist, den Spiegel weiter hochzuhalten.

    • Und du lieferst gleich ein Beispiel mit, dass der Druck wirkt
      A hat B vergewaltigt. C hat D fälschlich der Vergewaltigung beschuldigt. Wir sind nicht mehr in der Lage, das Auftreten von Fällen wie C-D zu diskutieren ohne darauf hinzuweisen, dass dies ja auch im Interesse von B ist.

      Dabei haben diese beiden Fälle erstmal nichts miteinander zu tun. B und D sind beide Opfer von Straftaten. Beide haben Anspruch auf unser Mitgefühl und faire Behandlung durch Medien und Rechtstaat. Und doch meinen wir uns bereits für die Erwähnung, dass es die Fälle C-D gibt, mit Verweis auf die Leiden der Bs dieser Welt entschuldigen zu müssen.

      Falls Sie, wie ich vermute, die Autorin sind die sich unter gleichem Nick auf Telepolis bereits häufiger mit dem Thema auseinander gesetzt hat: Bitte weitermachen. Wenn ich über einen Beitrag mit Ihrem Namen dran stolpere, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn lese, um mehrere hundert Prozent. Das haben Sie sich erarbeitet.

  15. Die Tugend
    Mir kam beim lesen Büchner in den Sinn der Danton sprechen lies: „Robespierre, Du bist so empörend rechtsachaffen. Ich würde mich schämen, dreißig Jahre lang mit der nämlichen Moralphysiognomie zwischen Himmel und Erde herumzulaufen, bloß um des elenden Vergnügens willen, andere schlechter zu finden als mich.“ Auch passend wäre der Pharisäer der betet: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lukas 18,11 für die nicht so Bibelfesten) Hoffen wir, dass so schnell keiner seinen Kopf verliert.

  16. Titel eingeben
    Viel wahres dran, lieber Don Alphonso.

    Aber wenn es um den üblen Ton geht, der die Sittenwächter erst angestachelt hat, sollten Sie vielleicht mal im Archiv Ihrer Blogbar-Texte und den Kommentaren Ihrer Fans dort nachlesen. Vielleicht überlegen Sie dann, ob Sie den Stein nicht von innen gegen die Glaswand schmeißen.

  17. Metternich wäre evtl. fast stolz gewesen -
    auf sich selbst, so weit ersichtlich. Denn zunächst haben er und die seinen ja grade versucht eher wenig dem Zufall – oder schlimmer noch – der Kraft von unten nach oben drängender „Freiheitsmärkte“ – zu überlassen, sondern gerade den Effekt für die herrschenden Schichten so weit als möglich auszuschalten.

    „Den Entscheidungen darüber, welcher Staat welche Territorien abzugeben hatte bzw. welche Territorien ihm zugeschlagen wurden, lagen Vorarbeiten einer „Statistischen Kommission“ zugrunde. In dieser Kommission hatten Fachleute, darunter Geographen, Ökonomen und Bevölkerungsstatistiker in aufwendiger Kleinarbeit den jeweiligen „Territorialwert“ veranschlagt, in den vor allem die Größe des Territoriums, seine Einwohnerzahl und dessen Ertragskraft einflossen. So ließen sich abgehende und gewonnene Territorien, Forderungen und Zugeständnisse näherungsweise miteinander verrechnen.“

    Wie schön also, dass immerhin wir in Person unseres Don A. auch weiterhin nichts gegen Anteile des radikalen Denkers einzuwenden haben müssen.

    Ansonsten wirkte manches kleinbürgerliches Territorialgehabe in der Tat vor allem ungezogen und unerzogen, geradezu kindisch-unreif (1):

    Bauten wir irgendwo in den üblichen Industriegebieten irgendwo im Kleinstadt-Vorortbereich in geeigneter Lärmschutzentfernung soetwas wie eine „Disco“, dann könnten wir auf die übliche Klientel von Männern – schmales Hirn, unbegründet breite Reifen, ggfls. vergleichsweise schlechte Manieren – die sofort erkennen würden „hier aber unserer Territorium, müssen wir verteidigen!“ – sicherlich nicht allzulange warten. Die kamen von alleine.

    Und nun stellte sich heraus: Weiblich-analoges, virtuelles Territorialgehabe gäbe es grad so auch? Und erst durchs Netz würde es dankenswerter weise so deutlich sichtbar?

    Auch falls es schwer fiele: Annehmen. So ist es nun einmal. (Denn deren innere Welten waren vermutlich ganz sicher schon immer so da gewesen.)

    Und bliebe am Ende auf dem Niveau der Urtriebe wohl nur eins: Ein Mann hätte potent zu sein. Und dazu gehört, dass er nicht freiwillig oder kostenlos gibt. Er läßt sie bezahlten, sonst gilt er nichts. Denn sie will das ja auch so. Ein leerer Mann ohne Geld verlangt und fordert -ihre Hinwendung zum nächsten. Bei dem das noch anders wäre. Vermutlich.

    Ohne dass sie bezahlt, nimmt man keine mit (nach draußen). Dahin wo es gefährlich ist – und sie Schutz braucht. (Und die Tatsachen zu leugnen – „bei uns ist es aber draußen nicht gefährlich, und außerdem haben wir am draußen ja auch überhaupt kein Interesse“ – klar ein kluger Trick – auch schon mal Männer zu berauben, im Kleinen wie im Großen.)

    Emanzipation hat immer zwei Seiten – die einen haben das Geld – die anderen können reden, oder halten sich für attraktiv.

    (1 – aber eine bestimmte soziale schicht von Jungfrau wäre auch schon mal so: die stellten ihre behautete Unreife auch schon mal (psychologisch unreflektiert) öffentlich – damit die gesuchte Stärke eines (hoffentlich doch vorhandenen?) Männergesellschaftanteils sich so dann und darauf hin herausgefordert meldete – und zwar um sie erfolgreich einzuengen? Wir antworten frau überhaupt nie mehr, sorgen auch klug emanzipiert (und unauffällig!) für keine mehr – und lassen sie alle selber hart arbeiten gehen. und gehen auf keine jammerei noch klage ein. die können schon selber, wenn das jammern nichts bringt.)

    „Im Lande und in der Welt tritt immer deutlicher ein Zwei-Parteien-System, her vor, dass alle anderen Parteiungen abzulösen bestimmt ist. „Einander gegenüber stehen: die Partei der geistigen Menschen und die der ungeistigen, gegengeistigen … Die Feindseligkeit der Partei der Ungeistigen gegen die unsrige – ich sage die unsrige, junge Leute, ohne Unterschied von jung und alt! – ist kaum noch einer Steigerung fähig“. Wenn auch die Welt des Geistes nuancierter, weniger einheitlich ist als die der „Gemeinheit“, wenn wir auch sehr Verschiedenes wollen und können – wir aber alle zusammen eines nicht wollen: „dass die Dummheit unser spotte und das Leben ihrem wüsten Griff überantwortet werde oder bleibe“

    Ja, „wir wagen es wieder, Worte wie Freiheit, Wahrheit und Recht in den Mund zu nehmen.“

    Denn Metternich wäre ohne die Erfahrung Thomas Mann auch heute noch bei den gebildeten Menschen Mitteleuropas unvorstellbar.

    Don Alphonso auf der Seite Thomas Manns? Da wäre er nicht erst seid gestern, ja die ganze FAZ wäre anders, als dauerhaft und unverückbar an der Seite von Herrn Mann, vermutlich undenkbar. Daher auch Herr Don Alphonso da, man freute sich immer über jeden Beweis dafür.

  18. Wir brauchen einen Nietzsche!
    Das Web wird immer mehr zu einem Riesenkindergarten voller 3-jähriger, die bei jedem kleinen Furz austicken und sich benehmen, als ob ihnen gerade jemand beide Arme und Beine gleichzeitig gebrochen. Und diese Kinder sollen nun also noch einen „1-Klick-Klage“-Knopf bekommen, damit sie ihre vorher schon verbohrte Antireflektiertheit den Gerichten ans Leder drücken können. Aber man wird da vielleicht schnell lernen unter den besonders humorlosen Dauerechauffierten, wenn dann mal die Rechnung von der Gerichtskasse kommt.

    Festzustellen bleibt, wir brauchen einen Nietzsche des 21. Jahrhunderts, der über den Moralisten so viele Kübel boshaftester Wahrheiten ausschüttet, daß die Hälfte jener gleich an einem Infarkt dahingeht oder blitzartig mit dem öffentlichen Ausmasturbieren der eigenen Mimosenhaftigkeit aufhört und im Kloster verschwindet.

  19. Netter Versuch
    Ein netter Versuch, der aber dem Bemühen ähnelt, die Reiskörner zu zählen, die beim Umfallen in China aus dem Sack fielen.
    Ignorieren ist auch beim Hundeflüsterer das erste Mittel der Wahl.

    • Nein, weil auf diesem Trip momentan viele bei der Politik angekrochen kommen und Geld wollen, um ihre Ziele durchzusetzen.

  20. CNN macht's vor
    Bis vor so einem Jahr konnte man bei den online-Kommentaren auf cnn.com so ziemlich alles von krud bis wirklich schlimm lesen. Inzwischen ist aus rechtlichen Gruenden die Kommentarfunktion de facto abgeschaltet worden. – Auch bei der FAZ gab/gibt es Autoren, die keine Kommentare zulassen, weil sich die Verfasser eben die Arbeit sparen wollen, diese durchlesen zu muessen. Sie kennen natuerlich die ueblichen Uebeltaeter hier :)! – Ein boeser Vorschlag um die online revenues der FAZ aufzubessern: nur noch Abonnenten duerfen kommentieren :) und natuerlich gibt diese Moeglichkeit kein Anrecht, dass die vorgeschlagenen Kommentare auch freisgeschaltet werden. Ich bin mir sicher, so koennte man einen nicht unbedeutenden revenue stream erschaffen!!

    • Das ist überhaupt nicht mein Ansatz und wird es auch nie werden. Ich mag die offene und schnelle Debatte und wenn es ginge, würde ich hier die Kommentare komplett freigeben. Ein jeder soll ja das Recht haben, die Stimme zu erheben und zu reden – wie es nicht läuft, zeigen die diversen Leute in den Schützengräben der Debatte.

  21. Hater
    Der Text erinnert mich an meine Auszubildenden. Die bezeichnen jeden, der eine abweichende Meinung hat, als „Hater“. Derjenige, der so eine Klassifizierung erhält, ist damit unten durch.

    Das Phänomen ist wohl aus den USA zu uns rübergeschwappt. Dort hat jemand das Meme „Haters gonna hate“ geprägt um Kritik pauschal abzutun und zu entwerten.

    Bisher habe ich das eher als normalen kindlich-jugendlichen Blödsinn gesehen. Das übliche Wiederkäuen von Sprüchen und Parolen. Vielleicht sollte ich das nochmal überdenken. Nur, wenn ich was sage, bin ich vermutlich ein „Hater“, was zumindest eine Abwechselung wäre zum üblichen „.rschl.ch“.

    • Ach, da gibt es noch ganz anderes, Abuser, wenn man über sie schreibt, Stalker, wenn man ihre Texte liest – sie sind immer die Opfer. immer ist da jemand, der sie unterdrückt. Aber es ist natürlich schön, so ein geschlossenes Weltbild zu haben und sich gegenseitig zu verstärken.

  22. Titel eingeben
    Nun, solche Weltbilder haben den Vorteil, dass sie dem Einzelnen in einer polynormativen, hyperindividualistischen Gesellschaft den Vorteil einer scheinbaren Sicherheit bieten. Sich keinen Zweifeln mehr ausgesetzt zu sehen, und sich in einem gut geordneten Denksystem zu befinden, das ist doch schon was. Man mag das als Reflex auf das sehen, was Luhmann 1992 unter dem Stichwort „unverzichtbare Normen der Gesellschaft“ thematisierte – wenn einer, einem zutiefst menschlichen Bedürfnis folgend, seinen Platz in dem sozialen System „Gesellschaft“ sucht, aber dort nichts mehr verbindlich und nichts mehr geordnet scheint, dann ist ein System ein Fluchtweg. The easy way out.

    Und ist es nicht das gute Recht der anderen, sich dabei nicht von diesen Fluchten belästigen zu lassen? Vom Geist, der stets verneint, einfach mal in Ruhe gelassen zu werden?

    • .
      es gibt ja stets etwas, das sich dem eigenen zugriff entzieht.

      durchaus kann man sich vom geist, der stets vereint [sic] vereinnahmen lassen. das recht auf ruhe kann man sich auch selbst einräumen, denn irritieren kann nur, was man irgendwie an sich heranlässt. das irritationspotential kann dabei ganz enorm sein. nur darf man sich dann nicht darüber wundern und darüber lauthals beschweren, wieso um himmels willen die anderen so kompliziert leben und worüber sie sich den kopf zerbrechen und wieso man etliches einfach nicht versteht, und verlautbaren, dass man die ganze philosophie für ausgemachten blödsinn hält. alles bereits einmal vernommen. bitter, aber ja nun gut. der mit den pudeln tanzte, war wohl schon nicht ganz im unrecht (nicht, was sie wieder denken mögen, lieber Mediensegler).

  23. Die Dinge sind, wie sie sind.
    Eigentlich passt das hier so gut wie im „weissen Salon“…

    Mit der Diskussionskultur dort, mit der Reichweite der FAZ könnte mit etwas mehr Schnelligkeit schon eine ganz spannende Kommunikation entstehen.

    Aber ich fürchte, die Verhältnisse sind wahrscheinlich doch so kritisch, dass etliche Geisterfahrer die Glasfaserbahn bevölkern, die man wohl wirklich eher aussieben muss.
    Und da wird es dann kompliziert: Wer entscheidet nach welchen Kriterien?
    Und gibt es vielleicht relativ höflich und harmlos vorgetragene Argumente, die diesen Affen Zucker geben und sie zu Höchstform auflaufen lassen?

    Der Nachteil – siehe das Stubenreinheitsgebot von Faith Buch und Kollegen – ist eine „alternativlos“ vorgetragene Regierungspolitik, mit ein paar „Dagegen“-Stimmen, die sauber einstudiert die „Alternativlosigkeit“ nur noch weiter untermauern.

    Weil sie eben nicht wirklich durchdacht sind.

    Solange der Opposition nichts besseres einfällt, als Flüchtlinge zumindest verbal zu verprügeln, oder, auf der anderen Seite, Polizeiautos abzufackeln und ihre Insassen zu verletzen, bleibt alles ein grosses Ballett, eine tragikomische Oper, in der niemand die Autorität „der grossen Finanzakteure“ wirklich fachlich qualifiziert in Frage stellt.

    Auch einem Varoufakis fällt nichts besseres ein, als von unbedeutenden Liquiditätsproblemen abzulenken, und die heilige Idee von Europa zu beschwören.

    Hoffen wir, dass das manische Geflatter mit den nackten Fledermausflügelspeichen noch möglichst lange über den Abgrund trägt.

  24. Publikative
    Oho, Jemand beschäftigt sich mit den Reaktionen auf Tilo Jung und meint, ihr in ihrem Komentar sehen sie Gespenster wo keine sind? Skandalös! Öffentlich vorgeführ! Ist das dieser Internetpranger von dem immer Alle reden?

  25. "Assholes"
    hier ist eine der Bewerbungen der arbeitslosen und bei SZ nörgelnden Frauenrechtlerin_innen die man als HateSpech ansehen könnte.
    https://twitter.com/Tugendfurie/status/510737458510954497

  26. Metternich
    Metternich hat nicht als Erster ein Spitzelsystem etabliert.

    So etwas findet sich in jeder Organisationsform.

  27. Variationen desselben: Verstoss gegen die Richtlinien für Lesermeinungen..?
    Man mache mal den Versuch in die umgekehrte Richtung:

    I LIKE WOMEN LIKE MY GARBAGE: TIED UP AND OUTSIDE.

    Oder variantenreicher:

    I LIKE BLACKS LIKE MY GARBAGE: TIED UP AND OUTSIDE.

    I LIKE JEWS LIKE MY GARBAGE: TIED UP AND OUTSIDE.

    I LIKE TRANSSEXUALS LIKE MY GARBAGE: TIED UP AND OUTSIDE.

    So. Mit etwas Pech verstösst das gegen die Richtlinien für Lesermeinungen hier: Q.e.d.

  28. Petzen
    Das „ha detto“ und die Ausweichseite fand ich übrigens netter.

    Und die Plattentipps.

  29. Was ist Hatespeech?
    Ich gehöre zu ein paar der betroffenen Gruppen, denen gerne vorgeworfen wird, dass sie sich ja bloß künstlich aufregen; das nur vorneweg.
    Die vorgestellten Methoden finde ich trotzdem nicht gut; das ist zuviel Denunziantentum und vorschnelle Zensur.
    Trotzdem würde ich mir wünschen, dass Leute endlich verstehen würden, was strukturelle Benachteiligung ist und warum daher z.B. „Reverse Racism“ keinen Sinn ergibt oder es Sexismus gegen Männer nicht gibt (wohl aber Vorbehalte, Demütigung, Aggression usw.).
    Ich bin es ehrlich gesagt ziemlich leid, ständig Nicht-Betroffenen erklären zu müssen, warum und wie sie gerade gemein zu Betroffenen (egal ob Behindert, Transgender, Schwarz, Vergewaltigungsopfer usw.) waren und sind und warum das nicht okay ist. Jeder macht mal solche Fehler und muss deswegen noch lange kein schlechter Mensch sein. Trotzdem wird ständig so getan, als wenn Leute wie ich z.B. alle Männer hassen würden, jeden Menschen, der einen Fehler macht, auf ewig verdammen und Zensur und Gedankenpolizei wollen.
    Nein, ich und viele andere wollen einfach nur einen respektvollen Umgang miteinander und nicht ständig beschimpft oder lächerlich gemacht werden wollen.
    Daher kann ich verstehen, wenn einzelne Blogbetreiber Hasskommentare löschen – bin aber wie gesagt gegen eine allgemeine Richtlinie.

    • Kim Reiter, wegen nachweislicher Dummheit fände ich eine Debatte mit Ihnen
      reichlich unspannend.

      Empört? Ich habe dasselbe gemacht, wie Sie (nur kürzer und drastischer): Eine Annahme als Fakt gesetzt und eine Debatte nur auf Grundlage dieser Annahme zugelassen. Ihre nicht diskutierbaren Annahmen waren a) „strukturelle Benachteiligung“ und b) „Sexismus auf der Basis struktureller Benachteiligung kann es nicht geben“. Man kann a) mit guten Gründen bestreiten und selbst bei Akzeptanz von a) kann man noch immer b) logisch widerspruchsfrei bestreiten.

      Ich muss nämlich in einer offenen Debatte gar nichts „endlich akzeptieren“, alleine diese Forderung ist zutiefst illiberal, würde aber von der ehemaligen katholischen Inquisition begeistert gefeiert werden.

      Wenn Sie das also ernst gemeint haben, wollen oder können Sie nicht verstehen, was Freiheit ausmacht – sie beginnt damit, dass ich Axiome des Gegenübers als Grundlage schlicht nicht akzeptiere.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  30. mensch ist nie müll
    das Problem ist nicht die medienkontrolle, die das ohnehin nie in den griff kriegt – zum glück; sondern der Feminismus, der Menschen zu müll erklärt. hier kann man nur abwarten, dass der wahn verschwindet. prof. bellers

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