Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Die neuen Haffelohers und ihre armen Knechte

| 48 Lesermeinungen

Das war ein sehr aufregender Monat in der Medienzukunft.

Früher kam einmal im Jahr die Drückerkolonne vorbei, und versuchte, einem irgendwelche Abos zu vermitteln. Dann kam die Phase der Probeabos und Werbegeschenke, mit denen man wöchentlich konfrontiert wurde. Und heute vergeht kein Tag, da mich nicht jemand auffordert, seine publizistischen Leistungen finanziell zu unterstützen. Ich weiss nicht, wie oft ich in den letzten Wochen Vorschaltseiten bei taz und Neuem Deutschland weggeklickt habe, die mich darauf hingewiesen haben, dass Journalismus kostet und ihre Werbeabteilungen offensichtlich schlecht arbeiten. Und sobald ich auf Twitter gehe, möchte hier jemand per Patreon gefördert werden und da ein Crowdfunding, und überall sehe ich einen Flattr-Button und Amazon-Wunschlisten. Sinnstiftende Projekte drohen zu schliessen, wenn ich mich nicht beteilige, und alle arbeiten doch für einen guten Zweck, weil es die Guten sind.

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Zu sagen, dass es in letzter Zeit ziemlich Überhand genommen hat, wäre eine deutliche Untertreibung. Gestern habe ich mir mal das Programm der Internetkonferenz Re Publica angeschaut, deren Referenten früher recht oft diejenigen waren, die ihr normales Leben nicht geregelt kriegten: Auch heute noch ist da eine hohe Quote von Leuten an den Mikrophonen, die ihr Dasein nicht gerade als Erfolgsgeschichte verkaufen können. „Arm bleiben mit politischem Aktivismus, der nur wenige wirklich bewegt“ könnte eine ganze Subkategorie heissen. Und alle reden sie im Netz von den erfolgreichen Crowfundings und niemand mag so recht darüber reden, dass viele Versuche gescheitert sind. Einfach, weil die Kombination aus vielen Angeboten und finanziell relativ schlecht aufgestellter Kundschaft wenig tragfähig ist.

Und – da kann ich auch bei mir selbst anfangen – weil das Publikum inzwischen reichlich zynisch ist. Die taz etwa geht mit schon seit zwei Jahrzehnten auf die Nerven – seit der Zeit, da ich noch Bürgerradio machte und gezwungen werden sollte, deren Propaganda auch noch einzusprechen und zu senden. Im Gesellschafterkreis des Radios war ein pensionierter, grünalternativer Lehrer wie aus dem Bilderbuch, der in seinem spanischen Bauernhaus sass und die Redaktion per FAX mit Anweisungen schikanierte, was aus der taz vorzulesen und zu senden sei: taz bringst Du, oder Du bist raus. Das waren die Ansagen, und dahinter standen viele Ausrufezeichen. Das sind die echten Fans: Übergewichtige, staatsfinanzierte Bartträger, die nicht mehr nach Wackersdorf fahren, sondern nach Spanien fliegen und von dort aus befehlen, was zu verbreiten ist. Und zwar nicht für das Geld, das Generaldirektor Haffeloher verspricht.

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Der Haffeloher aus Kir Royal, gespielt von Mario Adorf, gilt nicht umsonst als eine der Sternstunden der deutschen TV-Unterhaltung. Er war damals schon ein universelles Rollenmodell. Wenn man die Sache mit dem Geld, der Villa und dem Ferrari weglässt, den Pool und die Luxusrestaurants, und das alles durch billige Kekse und zusammengewürfelte Einrichtung ersetzt, hat man in etwa das Klima, das all die guten, linken Projekte schon früher aufwiesen. Damals konnte eben nicht jeder selbst ein Blog aufmachen und sein eigenes Glück versuchen: Damals war man abhängig von denen, die die linke Infrastruktur besassen. Heute ist man einen Schritt weiter, die Kosten für ein Onlinemagazin, eine Radiosendung, ein Video gehen gegen Null – deshalb gibt es auch weitaus mehr, die es versuchen. Und die wiederum stossen dann, nach der geöffneten Tür den Netzes, gleich auf die nächste Wand: Den Umstand, dass sie Geld für den aktivistischen Lebensunterhalt brauchen, und damit Leute, die zahlen. Zwischen Baby Schimmerlos und den Generaldirektor Haffeloher schiebt sich als vermittelnde Ebene wenigstens noch die Chefin der Zeitung. Im Netz ist man direkt dabei.

Im Netz gibt es deshalb beim Funding solche Ansagen – und das ist noch die freundlichste Variante:

Liebe @EditionF_com, ich verdopple mein Invest, wenn ihr in Zukunft auch im generischen Femininum oder anderen inklusiveren Formen schreibt!

Ihr kriegt doppelt so viel, wenn ihr schreibt, wie ich das will. Das ist schon eine ganze und sehr nette Menge nach den letzten Wochen, wo es angesichts der Streitereien um Tilo Jung und Luise Pusch auch um die Frage ging, wie man ihre Medien Krautreporter und Emma finanziell austrocknet, weil sie nicht den Wünschen entsprechend reagieren. Für einen, der das Bürgerradio überstanden hat, sind solche „guten“ und „richtigen“ Aktionen nichts Neues. Wir können gern in den Kommentaren diskutieren, aber ich bin heilfroh, dass es zwischen denen, die im Netz plärren, denen, die die Zeitung finanzieren und jenen, die entscheiden, was gebracht wird, keinerlei Verbindung gibt. Was man halt so als „journalistische Unabhängigkeit“ bezeichnet.

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Trotzdem wird im Netz versucht, eine Verbindung zu erzwingen: Diverse selbst ernannte Netzgrössen – genau solche übrigens, die versucht haben, sich über Nutzer und Netzaktivitäten zu finanzieren – wurden hier auch schon mit bislang stets unerfüllten Wünschen nach Gegendarstellungen vorstellig. Man muss sich das bewusst machen: Es ist heute üblich geworden, bei unerwünschten Meinungen im Netz den Anwalt in Gang zu setzen. Keine Woche vergeht ohne Entlassungsforderung, weil Texte nicht linientreu sind, andere Ansichten verbreiten oder kritisch Stellung beziehen, und wenn das nicht geht, werden Leser und Autoren schon mal als „Abschaum“ und „Schaben“ bezeichnet. Andere Meinungen interessieren da nicht, und Aufrufe, sie nicht zu lesen, zu verlinken und zu verbreiten, gelten auch unter Leuten normal, die sich als Internettheoretiker bezeichnen. Es heisst längst nicht mehr „Verstaatlicht Springer“. Sondern „lasst den verhungern, der mir mal mit Argumenten widersprochen hat“. Folglich funktioniert dann Finanzierung nur, wenn man genug eigene Gefolgschaft hat. Die ist dann aber im tragfähigen Umgang erstaunlicherweise nicht so sehr auf der linken, richtigen Seite, sondern bei den Pirinccis. KenFMs und Ulfkottes dieser Welt. Was auch damit zu tun haben mag, dass die thematische und ideologische Zersplitterung und Selbstbekriegung der Linken sehr viel weiter fortgeschritten ist. Parolen wie „Ausländer raus“ sind nun mal verbindender als die heiß debattierte Frage, ab welchem Argument man einem anderen Linken unterstellen darf, er wäre ein Querfrontler, ein Reaktionär oder ein Nazi. Oder Ungeziefer.

Werbung hat natürlich Nachteile. Werbung ist kommerziell und kann vom Kunden der Medien nicht gesteuert werden – wer, so die Grundüberlegung des Crowdfundings, möchte schon freiwillig helfen, die Bildzeitung zu finanzieren? Schöner ist es doch, das Geld denen direkt zu geben, die es wirklich für sich und ihre Aufgabe nutzen, für die klugen Inhalte und guten Debatten im Netz. In der Praxis wurde daraus ein ziemlich hässlicher und mit unschönen Mitteln öffentlich ausgetragener Verteilungskrieg: Aus der ab und zu mal zurückgezogenen Werbekampagne der Firmen wurde ein Belauern von Konkurrenten um die Zuwendung der Nutzer, denen vorgeschrieben wird, was sie für gut, verzeihlich oder inakzeptabel zu finden haben. Überraschungen oder abweichende Standpunkte sind dabei so wenig erwünscht wie bei den Konsumenten der Boulevardmedien – die Leser selbst sorgen dafür, dass ihnen ein „angenehmes publizistisches Umfeld“ garantiert wird. Gleichzeitig gibt es aber auch nur wenige Alternativen zum ideologisch verminten Territorium: Der Mainstream wird ohnehin schon von existierenden Angeboten abgedeckt.

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Und dann ist da noch der Umstand, dass Gebildete und sozial Bessergestellte in Deutschland das Medium Soziales Internet eher meiden. Die Zielgruppe, die einen wirklich finanzieren könnte, hat eine zwar erschreckend, aber nicht überraschend schlechte Meinung vom Internet. Und so trifft man sich eben auf Konferenzen, um sich das Netz, die Zukunft und die Gesellschaft zu erklären, und hadert danach mit der Reisekostenabrechnung und dem leeren Konto. Aber „zuscheissen“ und zum „Knescht“ machen wie der Haffeloher können sie natürlich trotzdem. Nicht mit Geld oder einer Villa, sondern mit sozialer Kontrolle und Denkanweisungen, die direkt und öffentlich kommuniziert werden.

Und solange das so ist, wird das vermutlich auch nie ein Massenmarkt. Natürlich geht es den Medien heute schlecht und die Nutzer suchen Alternativen. Aber wir sehen diese Revolution nun schon seit zehn Jahren, und die ernüchternden Ergebnisse jedes Jahr wieder auf den üblichen Konferenzen. Dort wird dann über Totholz – also Zeitungen – gelacht und nicht überlegt, warum das Internet gerade mal für den Pappbecher zum Geldsammeln bei höchst unerfreulichen Leuten reicht.

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48 Lesermeinungen

  1. High five Don, nur Ihre Perspektive möchte ich ein wenig erweitern:
    Den ganzen Blödsinn gab es auch in den achtzigern und neunzigern schon. Von der gleichen Art von Figuren für die gleiche Klientel. Nur musste damals noch per Flugblatt, Lautsprecher oder Kleinanzeige für Waffen nach Nicaragua, kunststoffreie Windelgruppen oder autonome Hausbesetzerprojekte geworben werden, deshalb bekam Otto Normalverbraucher davon wenig bis nichts mit, das spielte sich im Umfeld der Unis ab.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Wie man leider feststellen muss, ist das heute ja überall: Es ist auch nicht schlimm, über solche Tehemen zu reden, allein, hier wird nicht nur beschallt, sondern anderen der Mund verboten. Das fängt beim grundlegenden Demonstrationsrecht an und endet dann eben beim Versuch, Leute wie Martenstein mundtot zu machen.

    • Seufz. Leider ist auch das Mundverbieten nicht neu.
      An der Uni Hannover z.B. schlichen Leute beim Flugblattverteilen hinter mir oder damaligen Kollegen her und sammelten die ausgelegten Flugis wieder ein. Auf die (ich war damals neu an der Uni, sorry) erstaunte Nachfrage, was das denn solle, kam die Erwiderung, man müsse unschuldige Kommilitonen vor solchem Müll schützen. Antwort aus dem Munde eines Spartakisten (das passte schon, wie ich später erfuhr).

      Ein anderes mal versuchten drei Basisgrüppler (Mit-Vorläufer der GRÜNEN bzw. heutigen Linksautonomen), mir mit der Androhung von Schlägen das Plakatekleben unmöglich zu machen. Etc. usw. Der Typ „Blockwart“ ist universell, weit verbreitet und nicht an die Nazis gebunden.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ich glaube, an den Unis hat sich da einfach aufgrund des Leistungsdrucks sehr viel geändert. schon zu meiner Zeit konnte man frei entscheiden, ob man links dabei oder lieber ideologiefrei sein wollte, und der RCDS war auch nicht gerade friedfertig. Wichtig erscheint mir er Diskurs, und momentan ist da eher in der grossen Politik das Schweigen und an den Rändern das Schreien.

    • Zusammenhänge ggf.?
      Schön beschrieben – dieser auffällige Parallellauf zwischen Schreien und Schweigen. Bzw. merkelianischem Weglächeln, bei gleichzeitigem Ausweichen vor fast jeder gesellschaftlichen Debatte.

      Vielleicht liegt es auch daran, dass diejenigen, die gerne Debatten bestreiten würden (auch: radikallinke etc.) zunehmend in eine Art Schreihaltung geraten. Wobei ich persönlich auch eine gewisse Infantilisierungstendenz annehme, die sich dann halt auch an den politischen Rändern zeigt. Und zwar nicht zu knapp…

      Wie auch immer, Demokratie braucht Debatte. Und an genau dieser Stelle versagt Merkels Kanzlerschaft massiv – und zum Schaden unserer Demokratie. Denn eine gehaltvolle und gewinnbringende (bzw. Entscheidungen herbei führende) politische Debatte: Das will geübt sein (nicht zuletzt in den höflichen Formen!) und lässt sich leider auch verlernen. Wie halt fast jede kulturelle Errungenschaft.

      Ich denke, bei diesem Zustand des Entlernens trägt unsere oberste Debattenvermeiderin eine gewisse – und nicht einmal geringe – Verantwortung.

    • Das komische ist doch, dass es die Deabatte weder in der Groko gibt, da gibt es nur Befehle, noch an den rändern, da gibt es nur Forderungen. Das eine macht das andere möglich und profitiert davon.

    • Ein kurzes Wort
      zu Martenstein. Der singt und lacht unbehelligt, von Mundtotheit doch keine Spur. Mir persönlich singt und lacht er ein bißchen zu eintönig. Drei mal gelesen, schon stellt sich Langeweile ein. Unbehagen aber bereitet mir, dass er auf seinesgleichen (ganz gleichc, ob ehemals oder gegenwärtig) dreinzuschlagen behauptet, doch die häufig wehrlosen Ärsche ganz unten triftt. Das finde ich schäbig. Und billig.

    • Agesichts dessen, was ich so in den Medien sehe, würde ich Martenstein zuerst mal als hinterfragenden Nonkonformisten sehen. ein Beispiel sind die Strassenumbenennungen, bei denen sich der Antifaschismus heute austobt. Da gibt es dann gar keine Chance mehr zu fragen. was da eigentlich passiert – einer trägt etwas vor und daraufhin sind die Hommentare in den Medien absehbar. Bei den Nazis war das noch vollkommen nachvolziehbar, aber inzwischen hat man da Verbände, die über den ersten Weltkrieg inzwischen beim Kolonioalismus angekommen sind und dann gern unaussprechbare afrikanische Namen haben wollen. Da geht es nach meiner Meinung um den Versuch, Leute zu beschämen und da bin ich auch froh, wenn es einen Martenstein gibt, der das mal hinterfragt. Es ist nicht bequem für die Linke, die der Meinung ist, dass man ihr angesichts der ungeheuren Verbrechen da nicht widersprechen darf. Martenstein allein wäre vielleicht auch nicht toll, aber ich lese ihn im Kontext.

      Das würde ich übrigens auch bei meinen Artikeln empfehlen, und deshalb verlinke ich ja auch die Gegenseite intensiv.

    • @John Dean: Eine bei Wahlen erfolgreiche Regierungschefin soll ihr Erfolgsrezept
      ändern, damit der demokratische Diskurs wieder lebendiger wird? Eine bedingungslosere Kapitulationserklärung einer Demokratie kann ich mir schwer vorstellen. Regierungen sind – aus vielen Gründen – zwangsläufig und unabwendbar schon immer die schlechtesten Hüter streitbarer Diskurse gewesen und das wird sich auch nie ändern. Deshalb nennt sich das Teil „Exekutive“.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Zur Lage der Demokratie
      Dem Hinweis auf die schlechtestmögliche Wahrung der Demokratie durch die Regierung möchte ich hinzufügen, dass dies zum grossen Teil auch unserer allgemein zunehmenden Bequemlichkeit geschuldet zu sein scheint. Outsourcing allenthalben. Wir lassen kochen, die IT wird vom indischen Dienstleister gemanaged, und was die Auslagerung von Verstand und Anlageentscheidungen an Banken bedeutet, haben viele auch bereits erlebt.

      Und wie auch sonst bei diesen Dienstleistern, wenn man sie nicht kontrolliert und ab und an dem Wettbewerb aussetzt, austauscht, dann werden die Leistungen schlechter bis hin zur Bildung monopoler Strukturen. Alternativlos halt. Für mich immer schon ein Synonym für „dreiste Dumbräsigkeit“.

    • Um auf den Kern zurück zu kommen: Gerade das Netz sollte ja da Bewegung reinbringen. Dass am Ende Krautreporter, Vergleichsportale und Gutscheinsysteme stehen, war halt nicht so toll.

  2. verblüfft
    Die verlinkte Statistik: „in Deutschland verhältnismäßig viele Deppen nutzen Twitter und Facebook“ hat mich weniger überrascht (als bewusster Nichtnutzer eher etwas stolz gemacht) …als der Fakt, dass es in den anderen europäischen Ländern genau andersrum ist.

    • Es kann natürlich auch an der Verteilung der abschlüsse liegen. Oder auch daran, dass man in Deutschlan einfach weniger interesse an Vernetzung hat, wenn man zur Oberschicht gehört. ausserdem habe ich aus dem Französischen den eindruck, dass es da zivilisierter zugeht.

  3. Titel eingeben
    A propos Martenstein:
    Humor hassen all die diversen „…isten“ (immer noch) am meisten.
    Ich vermute, manch‘ Witz verstehen sie schlicht nicht.

    • Humor und charme, damit können sie nicht umgehen.

      Bei Martenstein kommt dazu, dass er in der DLP war und daher auch weiss, wie die Linke funktioniert. Bei ihm kommt die Kritik nicht aus der Gegnerschaft, sondern aus dem eigenen Lager, und da wollen sie dann einen Schauprozess.

  4. Crowdfunding etc.
    advocatus diaboli:

    Es gibt durchaus vielversprechende „neue“ Finanzierungskonzepte, die speziell auf das Netz zugeschnitten sind. Warum diese nicht nutzen bzw. darüber diskutieren? Ja, einige werden zu aggressiv beworben bzw. nerven schlicht und einfach. Es geht aber auch anders. Ich finde bspw., dass die Computerspielbranche ein Vorbild in dieser Hinsicht ist: twitch.tv, riot games etc. haben allesamt aus eher unkonventionellen Bezahlmodellen relativ erfolgreiche Finanzierungsstrukturen entwickelt, ohne sich dabei für den „Kunden“ zu prostituieren.

    Natürlich, Computerspiele sind keine journalistischen Beiträge, trotzdem. Man kann entweder *blink-blink* ein riesen Pop-up launchen, das bei jedem Seitenstart einen Epilepsie-auslösenden Aufruf zur Förderung des eigenen Projekts anpreist und der Welt sozial-medialisiert die eigene Wichtigkeit durch jedes Mikro und von jedem Pult, das einem angebotenen wird, entgegentröten – oder man macht einfach gute Arbeit und fügt unter den eigenen Beiträgen einen stilvollen und schmalen „Donation“ Button ein, der es dem User erlaubt, unter möglichst vielen Bezahloptionen eine auszuwählen (ja, ich will bspw. nicht immer mit meinen Kreditkartendaten um mich werfen, sondern präferiere paypal oder paysafe Codes), um dem Autor die Anerkennung für seine Arbeit auszudrücken (oder eben auch nicht). Noch schöner wäre es natürlich, wenn ich dafür noch ein kleines Extra bekäme – und nein, ich will ja gar nicht, dass Sie dann das schreiben, was ich gerne lesen würde, sondern vielleicht… eine Sammel-PDF mit Ihren Beiträgen? Ein lustigen Avater neben „Nasenbaerchen“ in der Kommentarfunktion? Keine Werbung mehr auf der Seite? Sehen Sie, es kann alles so einfach sein. *hach*

    Und richtig, unsere großartige Mittelschicht, die uns alle so aufopferungsvoll nährt, hegt & pflegt, also Peter L. (56, Dipl.-Ing.) aus München und Berta G. (76, Prof. em.!!! Ja, als Frau.. das war damals gar nicht so einfach, sag ich Euch), könnten mit dieser Option wahrscheinlich nichts anfangen, Kevin S. (29) und ich (13) aber vielleicht schon.

    • Das ist durchaus richtig und ich sehe schon auch die Fälle, wo so etwas erstaunlich gut läuft – auch das hatten wir mehrfach. Nur häuft sich halt in den letzten Monaten die Strategie des Aushungerns, und so ein wenig habe ich den Eindruck, dass das einknicken von Krautreporter die Laune nicht gebessert hat. Man will mehr Opfer sehen und man kann nie wissen ob sie nicht vielleicht morgen vor einer anderen Tür stehen. Das macht mir halt etwas Kopfzerbrechen. Und gerade die Games sind für solche attacken besonders anfällig.

    • Don, ich habe leise Zweifel daran, dass z.B. die Fans, die Divinity Original Sin
      finanziert haben, eines der erfolgreichsten Rollenkampfspiele von 2014, sich von den Drückerkolonnen der was auch immer Gerechtigkeit beeindrucken liessen. Viel wahrscheinlicher sind veritable, lautstarke und weitgehend bandagenfreie Proteste gegen jede Art von Sekte, von der die Spieler glauben, sie wollten ihnen ihr Vergnügen ruinieren (einer der Gründe für den sichtbaren Hass bei gamergate).

      Ach so – das Spiel ist eine persönliche Empfehlung für Interessierte. Ca. 100 plus Stunden Grundspielzeit, Minimum, für einen kompletten Durchgang.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Zu viele Entscheidungen
      Ich glaube, diese ganzen Mikrofinanzierungskonzepte scheitern daran, dass man sich wieder und wieder entscheiden muss, ob man was geben will oder nicht. Die nötigen einem diese Entscheidung auf. Es gibt zu viele, jeden Tag, jederzeit, die meine Aufmerksamkeit und meine Zeit wollen, da will ich nicht noch entscheiden, dass ich der taz was zahle. Und zumindest ich geh dann weiter.

      Wohingegen ruhige, konstante, in ihrer Gestaltung verlässliche Information – dazu würde ich das hier zählen, aber auch das fefe Blog (nicht unbedingt im Content verlässlich, aber in der Form) – die suche ich gerne auf. Wenn ich die Wahl hab zwischen Focus und Spon, inhaltlich nehmen die sich nichts, geh ich zu Spon, weil es da ruhiger ist. Zwischen Spon und Faz? Faz, weil die Seite ruhiger ist – wenngleich durch das stellenweise Beharren auf Serifenschrift schwerer lesbar.

      Und Cowdfunding, nein, das ist nichts für mich. Zu viel Stress, zu viel Konsum, zu blöd das Zeug. Crowdinvesting wäre da schon eher was, das ist aber im Moment nichts weiter als das Fonds-Prinzip auf den grauen Kapitalmarkt angewendet.

    • Das ist die nächste Frage – wie mache ich mich im Überangebot notwendig. Das ist eben bei vielen die Nische, zumal dann da auch die Aktiven sind – Natzpolitik mit Datenschutz, Bildblog mit Medienkritik etc.. Aber das bringt ja auch das Risiko mit sich. als Mainstreammeium wird es wirklich schwer, da streiten sich SZ. Zeit und FAZ und dann sind es da halt auch die Ausnahmen, die über die Leser entscheiden, nicht aber, ob man dann zahlt. Es ist schwierig, aber ich bin froh, dass die finanzierung doch mehr über werbung läuft.

  5. Aufregung gab es bei mir nicht
    Interessanter Artikel! Bei mir kommt nie jemand virtuell vorbei, um nach Unterstützung zu fragen. Bei mir klingelt es aber sehr oft an der realen Tür. Einzig die NZZ hat mich im Januar elektronisch daran erinnert, dass mein e-Abo ausläuft. Und die Papier-Faz hole ich mir jeden Tag persönlich ab und kann damit täglich entscheiden, ob ich Sie noch weiter lesen will.
    .
    Jetzt frage ich mich dann doch, ob es Leute gibt, die der NZZ oder der FAZ vorschlagen: „Ich verdoppele oder verzehnfache oder verhundertfache oder…. meine Unkostenbeitrag, wenn Sie fortan über XYZ mehr und über ZYX weniger berichten.“

    • Das würde man kaum tun, weil jeder wüsste, dass es keinen Zweck macht. weil das so oder so Minimalbeträge in der bilanz sind. Aber bei so einem Startup oder einer Einzelperson ist das ganz anders. zumal, wenn der Patron dann auch noch ungehalten wird und seine Kumpels mitbringt. Dann ist das mehr Mafia als Freund-

    • Einflussnahme
      Reicht denn nicht schon der sanfte Druck der Werbeannoncen?

    • Davon habe ich hier noch nichts gemerkt. Im Prinzip wissen alle, dass man es sich mit der Leserzufriedenheit nicht verscherzen darf. Es gibt auch mischformen wie Beilagen etc., aber das ist nochmal ein ganz anderer Komplex. Wer wirklich schleichwerben will, fidet formate, wo das viel effektiver geht.

  6. _
    Ich habe nicht den Eindruck, dass die Finanzierung der FAZ noch überwiegend über Werbung läuft. Mein Papier-Abo kostet inzwischen merklich über 500 Euro im Jahr.

    Ich habe auch noch die Zeiten erlebt, wo samstags der Stellenmarkt der FAZ dicker war als der Rest der Zeitung. Aber inzwischen sind das maximal vier Seiten.

    Wirklich unzufriedene Leser, wenn sie den in großer Zahl auftreten, kann sich auch die FAZ nicht mehr leisten.

    Ich habe übrigerns den Eindruck, dass die Ukraine-Berichterstattung der FAZ in den letzten Monaten etwas ausgewogener geworden ist. Hony soit …

    • Mit Ukraine habe ich nichts zu tun, zum Glück. Gemessen an anderen Häusern geht es der FAZ noch gut, und ich glaube auch nicht daran, dass alle nachwachsenden 70-jährigen noch immer bei Facebook sind. FAZ.net jedenfalls ist nur Werbung, aber man bemüht sich natürlich. Mein eindruck bei den Lesern ist, dass sie nicht alles immer richtig finden, aber man muss halt auch mal zuhören können.

  7. Diesen Spezial-Mikrokosmos ...
    … der Knechte des – ach so toll frei von aufdringlicher Werbung seienden – Crowdfundings betrachtend …
    kann man auch flott gleich zum Schluss kommen,

    dass das Internet generell ein sauberer Schlach ins Wasser ist.

    Uuuups, uiuiui. Ne. oder?
    Böse!!

    Das ist zwar eine nicht ganz stubenreine – da vom Kleinen aufs Große schließende – Herleitung, aber was solls.

    Die praktische Lebenserfahrung plus mittlerweile 20 Jahre Internet (von wegen Neuland liebe Politiker, für euch halt nur …), sagen einem nur Mittelintelligenten (mehr Intelligenz ist echt nicht nötig) trotz dieser nicht ganz stubenreiner Herleitung, dass etwas dran ist.

    Komme mir auch keiner mit dem Super-Argument, dass im Internet trotzdem gut verdient wird. Ja was. Wo denn? Bei Amazon? Bei Zalando? Da, bei diesen angeblich Großen wird nur eben mal erfolgreich der normale Klein- und Mittelhandel platt gemacht. Wie immer, wenn „die Märkte“ sich längst zum ausgesprochenen Käufermarkt gedreht haben und die Preisspirale nach unten samt Billig-Herstellung und Personaleinsparung oder -knechtung fast schon zwangsweise einsetzt.

    Warum sich Sascha-Loboisch gestrickte Internetfans dieser Logik seit Jahren wiedersetzen, erschließt sich mir ums Verecken nicht. Man sieht es doch. Man muss nur hinschauen wollen. Das ist auch der Grund, warum „Bessergestellte“ und sonstwelche attraktive „Premium“-Zielgruppen sich längst nicht oder lange nicht mehr dort tummeln, wo diese unberatenen oder beratungsresistenten Geschäftsmodell-Erfinder es tragischerweise gerne hätten: Sie sehen es. Jetzt schon. Dass das Ganze ein großer Irrtum ist.

    Und dazu braucht es wirklich nur mittelgroße Intelligenz.
    Welche bei den Bessergestelten generell weit verbreitet ist. So super schlau sind die gar nicht. Mittel -. Mehr braucht es nicht, es reicht auch so zu sehen, was nicht zu übersehen ist.

    • Was ich durchaus sehe ist, wie das alles zerbröselt und mit den diversen Kanälen der Aufwan enorm ansteigt. Früher dachte man, ein Mensch, ein Kanal. Heute müsste man viele Kanäle bespielen und der Aufwand rechtfertgt das eigentlich nicht – nur gibt es halt auh haufenweise unnützes Personal, das sich dort tummelt. Deshalb würde ich auch Print nicht abschreiben.

    • Print ...
      … wird es immer geben. Ja.
      Grad auch, weil sich die Digitalen so bekloppt anstellen.

      Was ich nur nicht verstehe, ist dieses Einschießen (… scheißen hätt ich bald geschrieben) auf dieses krude Klein-Milieu, Zille sein Milieu ist es ja nur fast. Die gehen doch auch ohne dieses Zutun unter. (Ich kenne solche wie Vögel an den Federn, wenn sie als „Kunde“ flockig-frech aber ohne jedes Kleingeld – und schlimmer noch: ohne jede Ahnung – bei mir anfragen …). Das ist nicht Alphonsisch. Das ist zu klein.

      Ich wünsche mir endlich wieder große Leichen. Man wird ja wohl noch wünschen dürfen. Mind. zwei Ausrufezeichen.
      StudiVZ, das waren noch Zeiten; diese verlogenen Startup-Kokser zu detecten, das war groß.

      Und nicht diese Kleingeister, die sich bereits toll fühlen, wenn sie dem Krautreporter (diese Zeitung nur als pars pro toto jetzt …) großmäulig ihre Zwomarkfuffzich vorenthalten und sie treten wollen, wenn sie nicht spuren will – und damit nur ihre kleinkarierte Hausmeister-Mentalität beweisen. Die sind doch nicht ernsthaft stilvoll (oder auch straußig-wortgewaltig) diskutierbar, da sie nicht einmal im Ansatz journalistische Freiheit verstanden haben. Die nicht.

      Ich würde arroganterweise meine kostbare Arbeits- und Freizeitzeit nicht damit vertun, seit zwei gefühlten Jahren jetzt gegen solche religiös verbiesterten Kleinkrämer zu kämpfen. Sisyphos lässt grüßen. Geht so Markenbildung im Journalismus? (Ich lass mich ja gerne eines Besseren belehren …, vielleicht geht es ja sehr gut so …)

      Diese Ideologie-Hausmeisterlein gibts doch in jedem West- und Ostviertel seit Jahrhunderten und werden immer dann erst frech, wenn die Zeitläufte ihnen in die Hand spielen. Derzeit sieht es nicht so aus, derzeit sind und bleiben sie Loser. Schon alleine, weil sie kein Geld und keinen funktionierenden Plan haben – Geld heute so oberwichtig wie noch nie, sonst ist ein Niemand und laare Hosn … – und ihre Theorien/Modelle nicht tragen.

      Das ist doch Ding. Um es mit Brenner zu sagen.

      Nix zu danken.

    • Ich bin mal gespannt, wann es Faebook derbröselt – allein, die gesellschaftlichen Veränderungen werden niht von den Netzwerken gemacht, die halten sich da eher raus. die grossen Leichen sehe ich eher in der Politik, namentlich die sozialdemokratie, und den Umstand, dass vor lauter Linksschielen rechts ganz andere Kaliber hochkommen. Die paar Aktivistinnen sind von ihrem Impact her gar nichts gegen die Ulfkottes. Das ist das eigentliche Drama.

    • Zwengs dem Kampf der Kanäle:
      Den gewinnt man als Kleiner nicht mehr.
      Da muss massiv mit Werbung und allem geklotzt werden (siehe heiß umfochtener App-Markt), um vorne zu sein.

      Der Mensch, der Nutzer an sich, will es einfach haben. So sehr viele Dinge will der gar nicht nutzen. Es ist doch jetzt schon alles zu viel.
      Doch es ist heut schon zu kompliziert mit den vielen hier und das.

      Das wird gerne übersehen. Wer will und kann schon seine zig Mini-Investments dauernd im Auge behalten. Die Zahl derer ist nicht beliebig skalierbar, die ist irgendwann zu Ende. Nur die Skalierwütigen, die endlich einen Silberstreif raus aus ihrer Armut sehen, sehen das nicht.

      Oder um es anders zu sagen: Wer nur einen Hammer hat, für den besteht halt die Welt nur aus Nägeln, die einzuschlagen sind.

    • Nun ja, ein jeder versucht natürlich, zu überleben und da zählt vor allem Grösse und aufmerksamkit, und weniger Dauerhaftigkeit – das ist das eigentliche Problem. aus dem sich viele Erscheinungen ableiten lassen. Der einzelne Nutzer wird dadurch wieder auf seine Rolle zurückgedrängt, und das ist sicher auch massgeblich für die aktuellen Verwerfungen – wie das wird, wenn es sich eingerenkt hat, muss sich erst noch zeigen.

  8. @do alpho so
    Haffenloher hatte genug Klebstoff für das „n“.

    • OK, Point taken.

    • DA 19:28 1. April
      Udo Ulf ist schon nicht mehr grenzwertig. Weshalb werden seine Bücher so gut verkauft? Zum einen, weil so wenige Menschen FAZ lesen. Die „Dummen“ bleiben ihrer SZ oder Nordbayern oder WAZ treu und suchen nach unterdrückten Wahrheiten woanders.
      Zum andren, weil selbst die FAZ nicht so schreibt, wie es viele Menschen erleben. Die Enteignung der Sparer kommt zu Wort. Doch nicht so, wie es goldseiten oder hartgeld liefern. Das kann ein Zeitschriftenhändler sein, der seinen Lottoladen verkauft oder ein Arzt mit dem Erlös für die verkaufte Praxis. Es gibt kaum „sichere“ Erträge für beide.
      Was ist mit den empfundenen 50% Mitschülern mit MiHiGru? 8% Ausländer im danz Deutschland können wahr in der FAZ stehen. Die „Wahrheit“ in der Altersklasse 10-14 Jahre steht selten geschrieben und über die Folgen steht auch nichts.
      Sprechverbote und der Versuch der Volkserziehung treiben den Leser zu alternativen Informationsquellen. Davon profitieren auch abstruse Autoren.
      Dies beschränkt sich nicht auf den Journalismus. Auch andere kanonisierte Wahrheiten werden nicht von allen akzeptiert. Früher wurden weitere Bücher Mose angepriesen, heute sind es die Evangelien der, des……

      Eroti und Porno waren früher vorbehalten den SdG. Sauberen Stoff, Koks ungefährdet zu konsumieren ist vorbehalten den Einflußreichen. Die hoi polloi sollen sich bitte an die Regeln halten.
      Die intelligenten, mittel-informierten Leser verlangen nach Ergänzung des offiziellen Kanons. Udo Ulfs können Sie nur durch breite Information mit nachvollziehbarer Einordnung bekämpfen. Nicht durch Dekret.

  9. Unsichtbar & unwichtig im Netz
    Lieber Don, vielen Dank für diesen Artikel, so wie eigentlich immer.

    Erschreckend, was sich im Netz so abspielt. Doch zum Glück kriegt man davon nichts mit. Wozu braucht/nutzt man Twitter & Co.? Genauso wenig wie Unterschicht-Privatsender im TV.
    Wie schön und friedlich sind meine Tage, ohne dass ich derart schlecht gelaunten und erzogenen Personen meine Aufmerksamkeit widme. Aber anscheinend leben Manche nur, um sich gegenseitig aufzuregen. Wie armselig.

    • Danke – Nichts mitkriegen ist so eine sache, gerade versucht der Frauenrat NRW Plasberg zu demontieren, begleitet von den üblichen Namen im Netz. Im schlimmsten Fall ist dann halt eine Stimme weg, oder das nackte Grausen in Form eines Blogs installiert, in dem auch die letzte „Wissenschaftlerin“ belegen kann, das Quoten ohne Qualifikation sinnlos sind.

  10. Was erlauben Twitter
    Eine Frage die mich seit langem beschäftigt:
    Was ist die Motivation Twitter zu nutzen?
    Ich nutze selbst das Internet täglich seit den Neunzigern und habe auch Spass an allerlei niveaulosem Zoigs das da kreucht und fleucht, aber Twitter? Hat man jemals etwas positives, irgendwie nützliches davon vernommen? Ich höre von Twitter nur, wenn mal wieder jemand hanebüchenen Unsinn verzapft.
    Das ganze scheint mir eine Spielweise für Wichtigtuer, Querulanten, Besserwisser und selbstreferentielle Randgruppen zu sein, die sich ob der Genialität und Unangreifbarkeit ihrer Ansichten selbst auf die Schulter klopfen. Natürlich auf Twitter, weil ihnen sonst nirgendwo jemand zuhört.
    Selbst Albernheiten wie Krautchan scheinen mir da niveauvoller.
    Wie sieht es hier im versammelten Kommentariat aus? Eifrige Zwitscherer an Bord?

    • Twitter, wenn man das ganze Bild sieht, ist by and large nichts als ein grosser
      Chatroom. Der – das ist meine Beobachtung – zu 80/90% zu nichts anderem genutzt wird, als private Erlebnisse/Gefühle und Beobachtungen auszutauschen. Der Ersatz für Klatsch unter Nachbarn oder Vereinskollegen.

      Die ganze Politik spielt da eine vollständige Nebenrolle, Dons Fokus auf die Randelemente hat den nichtintendierten Effekt, eine sehr kleine Minderheit in einer Filterblase für repräsentativ zu halten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      „Twitter“ übersetze ich kopfintern mit „Blubber“. Alle schreien, keiner hört zu. Dazwischen belangloses Zeug. Während eine Unzahl von Drittanbietern dort herumschnorcheln und Profile bilden, vermeintliche Trends analyiseren, und als „Wahrheit“ verkaufen, was die Blubberer dort gerade als Wahrheit empfinden.
      Mein Schlüsselerlebns war es, als ich mal beim Loohntsch der neuen Marke eines nur mittelmäßig erfolgreichen und sich daher umbenennenden Unternehmens zu Gast war. Der „Erfolg“ der Aktion wurde ernsthaft nicht in der Kundenakzeptanz, in der Unterscheidungskraft, in der Verkörperung irgendeiner neuen Vision, sondern vor allem in Tweets gemessen. Begleitet wurde das von einem eingekauften Wichtigtuer und Internetmedizinmann, der Harry Hirsch-mäßig live vom Raum mit den Twtterterminals (ja, genau…) berichtete, der auf kläglich-pathetische Weise dem Internet-Lagezentrum des BSI nachempfunden war…

      Der Sinn von Twitter scheint sich für Nicht-Beknackte darin zu erschöpfen, ab und an mal einen vernünftigen Gegenpunkt zu setzen, damit die Beknackten dort nicht komplett freidrehen.

      Ich kann das leider nur noch polemisch beschreiben, nachdem mir mal unterstellt wurde, ich hätte das einfach nicht verstanden. Klar. Anderer Meinung sein = der versteht nichts. Alternativlos-Logik. Der gleiche rethorische Trick wie ihn, wie neulich im Fernsehen zu sehen, Flinten-Uschi anwendet, bei der Meinungsabweichler auch immer „noch nicht da“ sind.

    • Herrr Haupts
      In diesem großen Prügel-und Winsel-Chatroom Twitter versuchen dann freie Journalisten aus sich eine Marke zu machen. Don auch. Grad der.

      Glaumse alle nich?
      Dann geben Sie einfach „Lousy Pennies“ ein in die Suchmaske Ihres Nichtvertrauens und auch noch das „Die Marke Journalist“.

      Oder gleich hierher, falls das nicht gelöscht wird, urgs:
      http://www.lousypennies.de/2013/01/31/wie-journalisten-heute-zu-marken-werden/

  11. .
    lieber Yog. Sothoth, Esq., wenn sie so nachfragen, nun denn, also…
    zwitschern würde ich das nicht gerade nennen, eher vög-

    vorhang. wieso vorhang? wieso nicht.

  12. ?
    Nun, Leute, die für sich einen exklusiven Zugang zu höherem Wissen reklamieren, die gab es schon immer. Gefährlich wurden sie nur, wenn sie sich organisierten und normalen Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen, also Religionsgemeinschaften, Parteien und dergleichen. Mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten kann die (halb-)akademische Surpluspopulation sich sehr einfach wechselseitig der Exklusivität versichern. Früher nannte man das bei Politologens „anproblematisieren.“ Dann wurde stundenlang irgendein Stuss geplappert. Glücklicherweise war mit der akustischen Verlautbarung der Stuss auch verschwunden, heute bleibt er im Internet stehen und trägt zur Vermüllung desselben bei. Aber: es ist Besserung in Sicht: sie werden alle aussterben. Die „Landlust“ hat gerade das Anfertigen von Möbeln aus alten Euro-Vierweg-Paletten propagiert. Dass die Dinger voll mit Methylbromid sind, wissen die Leute nicht. Und wie M. wirkt, auch nicht. Es wird also besser. Wir sollten alte DIN 15146 Blatt 2 an die Plappermäuler verschenken. Vorrat in Europa ist genug da: rund 350 Millionen Stück.

  13. Folkher Braun: Nur keine Panikmache
    Euro-Paletten gibt es neu und unbegast unter 10 € pro Stück. Im Handel sind auch Aufsätze und Rahmen erhältlich. Wem also IKEA zu teuer ist, kann sich ohne Risiko Möbel im modischen Shabby-Look selber bauen.

  14. ??
    Und wie stelle ich das fest, dass die nur mit Heißdampf behandelt wurden?- Die Debatte hatten wir mit der EPAL-Truppe schon vor 20 Jahren. Es gibt keine Sicherheit. Aber die Landlust-Schurnalisten sind zu faul, das zu untersuchen, bevor sie ihren Lesern diesen Mist andrehen.

  15. Das Barmen
    In der Tat, das Barmen (hassu ma’n Euro) von manchen Netz-Publikationen geht auf die Nerven. Ist allerdings doch nicht so erbärmlich, wie der Kniefall des Qualitätsjournalismus vor den Anzeigenkunden. Gerade gestern berichtete mir ein Redakteur eines großen Wohnmagazins von so einem Fall, der ihm gerade untergekommen war: Ein freier Autor hatte einen, wie es sich gehört, lobpreisenden Beitrag über das Thema „Smart Home“ geliefert, allerdings ungezogenerweise in zwei Zeilen darauf hingewiesen, dass sich so ein vernetzter Haushalt auch hacken ließe. Folge: Die Chefredaktion intervenierte und bestand auf Streichung – erklärtermaßen der Anzeigenkunden wegen.
    Das ist nur ein harmloses Beispiel für die Korruption im real existierenden Journalismus. Da ist die offene Bettelei doch wenigstens redlicher.

    • Das ist oft ein Spezialproblem von genau solchen Sparten. Mode, Auto, Spiele, Reise nehme ich überhaupt nicht ernst. Null. Und wenn die damit aufhören und wirklich ihre Kunden angehen würde, wäre ich auch eher zu haben als beim Gefühl, dass die auf Kundenseite mehr wollen und von der Werbung genausso viel wie früher, oder noch mehr, wegen „Stickyness“.

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