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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Die Zukunft wie eine überfahrene Ratte wegwerfen

| 99 Lesermeinungen

Als Bayer muss ich sagen: Respekt, meine Herren. Der Kongress des Chaos Computer Clubs war trotz der Lage am Nordpolarmeer gut.

Aber die wahre Zukunft habe ich draussen vor dem Kongresszentrum in Hamburg gesehen. Die Zukunft ist aus billigem Plastik, blau, und nur zehn mal zehn Zentimeter gross. Darin blinkt eine LED, wie man das aus Filmen kennt, bei denen gleich eine Bombe hochgeht, und im daneben liegenden Dammtorbahnhof könnte man damit sicher eine Räumung verursachen: Das Ding sieht aus wie ein militärischer Zünder. Es ist aber etwas viel Schlimmeres: Es ist ein funkgesteuertes Alarmmodul in einem Coffee Shop, das einem mitteilt, dass das Essen fertig ist. Es ist nicht normaler Terror, es ist Alltag.

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Ich hätte gern einen Flug dorthin, wo der Erfinder lebt, und der denken mag: Menschen kosten Geld, wenn sie Essen zum Tisch tragen, Kommunikation kotzt die junge Generation eh an, also entwickle ich etwas, das den Gast wie ein dummes Stück Vieh einfach anblinkt und ansurrt, wenn das Essen fertig ist, und er holt es sich dann selbst. Dafür entwickeln wir einen wirklich scheusslichen Plastikkasten, der angefunkt werden kann, und dann schlurfen Datenzombies hocherfreut zur Theke, an der sie zu feige sind, dem Personal Danke zu sagen, Trinkgeld zu geben oder sonstwie menschlich zu interagieren. Diese Person würde ich gern treffen und sagen, was ich mit seiner kranken, asozialen Erfindung gemacht habe: Ich habe sie zwischen zwei Fingern gehalten, wie man eine tote, klebrige, mehrfach überfahrene Ratte halten würde, sie mit einem für wirklich jeden erkennbar angewiderten Gesichtsausdruck am weit ausgestreckten Arm zur Theke getragen, und den Bedienungen zum Trinkgeld – übrigens in einen Topf und nicht direkt, menschliche Interaktion ist wohl nicht so geschätzt – mein Beileid ausgesprochen, nur noch ein Funktionsanhängsel so eines widerlichen Stück Technikdrecks zu sein. In der menschlichen Kommunikation stecken zigtausende von Jahren voll mit Erfahrung und Zuneigung – das sollte für die Übergabe eines Tellers reichen.

Und dann würde ich ihm einige der in diesen Zigtausenden von Jahren erfundenen Bezeichnungen nahebrimgen, die das frühere Treiben seiner leiblichen Vorfahren in kritischem Lichte sehen. Denn die digitale Ratte ist nur der erste Teil einer Invasion. Solche Leute werden sicher auch dereinst auf die Idee kommen, die Übergabe von Essen mit Gesichtserkennung sicher zu machen – nur wenn das bestellende Gesicht zum abholenden Gesicht passt, bekommt es Essen. Eine Servicekraft ist dann gar nicht mehr nötig, statt dessen wird auch gleich erkannt, wer der Besteller ist. Seine Krankenkasse wird informiert, und wenn der Fettgehalt im Pesto zu hoch ist, wird gleich mal die Risikoanalyse in Gang gesetzt. Die fordert dann entweder als Ausgleich eine Stunde überwachten Sport oder einen neuen Tarif. Dem Nutzer dieses Drecks wird während der Verarbeitungszeit Werbung einer anderen Krankenkasse mit Wechselrabatt eingespielt, und der Erfinder kassiert von allen. Von den einen Geld und von mir dann hoffentlich eine Darbietung des beliebten bayerischen Volksstücks „Der Watschenbaum ist umgefallen und seine Blätter waren beilförmig“. Ich habe zwar keine Ahnung von Computern, aber hacken kann ich solche Rattenzüchter auch analog.

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Weil wir gerade in diesem Rückblick auf die Zukunft über Bayern gesprochen haben: Während draussen vor dem Kongress ein freudloses Fortschritt droht, herrscht drinnen unter dem Rautenhimmel ein dem Bergbewohner sehr vertrautes Klima. Man muss sich das wie die Datenschutzversion der Leonhardifahrt in Bad Tölz vorstellen: Irgendwann sind recht viele mordsberauscht, man ist sich in den meisten Punkten eh einig, und wo man in Tölz während der Predigten Reliquien sieht, sieht man hier Powerpointfolien. Vieles ist normalen Menschen ähnlich unverständlich wie der tridentinische Ritus, aber auf dem Höhepunkte treten zwei Kardinäle auf, Monsignore Franciscus Rigorosus und Monsignore Felix della Scala, und verpassen der Welt einen allgemeinen Sündeneinlaufablass mit dem Namen „Die Fnord News Show“. Der Jubel ist dann so, als würde der Papst auf dem Petersplatz den Gebirgsschützen zwei Wochen Freibier verkünden.

Natürlich ist dem Gebirgsschützen nichts näher als seine alte, hirschlederne Trachtenhose, die er schon auf Dutzenden von Bierbänken und Beichtschemeln blank gewetzt hat. Das Loch dort stammt von einer Messerstecherei mit dem Toni, der Fleck hier von einem Masskrugweitwurf auf sie Grattler vom Nachbardorf, und Kundige wissen anhand der aufgestickten Motive schon von weitem, welcher ruhmreichen Kompanie der Träger angehört. Auch ich trage hier bei uns im schönen Bayern natürlich eine Tegernseer Hirschlederne, die nach zig Jahren immer noch besser als die alten T-Shirts vergangener Chaos-Circhweih-Congresse aussieht, die hier, ausgeblichen und zerfetzt, dem Besucher von den scheinbar alten Hasen vorgeführt werden.

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Da waren also junge Hüpfer dabei, die stolz vier Jahre alte Logos auf der Brust trugen und zeigten, dass sie oldschool dazu gehören zu einer elitären IT-Welt, in der ich damals schon Profiblogger war – aber so ist das halt. Jede Kultur erfindet sich gern ihre historische Legitimation und Codes. Blaue Haarmobs bei den Queerfeministinnen, die auch bei jedem Haberfeldtreiben mitspielen könnten, alte Hoodies bei lustigen Holzhack0rZbuam, und die Vorträge beginnen erst um halb zwölf zwengs den vorherigen Vollräuschen, halt so wie bei uns auf dem Barthelmarkt, wo vor zwölf auch nicht die Blasmusik spielt. Oh, und die Männer tragen derartig wilde Wildererbärte, dass ich nächstes Jahr hier einen Stand mit Stöpselhüten. Hirschfängern und Jennerweindevotionalien aufmachen werde. Weil, so ein Wildschütz ist ja auch nur ein freigeistiger Real Life Hacker überkommener Jagdvorschriften und der Feind aller Förster und Gendarmen gewesen.

Der Kongress blickt auf eine stolze, lange Geschichte zurück, manche Besucher fühlen sich in ihrer einzig richtigen Art sehr sicher und glauben sich auf einem Weg in eine Zukunft, in der sie zum wichtigen Faktor werden – da kann so eine historische Credibility, basierend auf den Mythen der Berge, die Computer und Drei-D-Drucker nun mal nicht ausspucken, nur helfen. Das ist bei uns in Bayern auch nicht anders, und in vielen Punkten ist man sich hier eh so einig wie die CSU-Fraktion. Man will genauso unabhängig sein, ein eigenes Reich in diesem Staat haben, in dem die grosse Koalition in Berlin nichts zu melden hat, in dem man die Regeln selbst bestimmt, und den eigenen Lebensidealen huldigt – und mag Hamburg auch weit im Norden liegen, so habe ich doch keinen Zweifel, dass Dukes-of-Hazard-Fans auch Gefallen an einem Dirndl finden werden. Gut, vielleicht ist es strategisch etwas mangelintelligent, an dieser Stelle strukturelle Ähnlichkeiten von Subkulturen aufzuzeigen. Aber kennt man eine Leonhardifahrt, kennt man alle. Es gibt ab und zu auftretende Kritik von Queerfeministinnen, Immernochpiratinnenabgeordneten und Postprivaschisten, sie klingt wie die Ermahnung der katholischen Landfrauenbünde. Da, wo bei Leonhardi die geschmückten Kutschen stehen, wartet beim Cameradschaftlich Congressualen Classentreffen die beleuchtete Rakete.

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Und die wahre Zukunft, die Zukunft der kleinen, überfahrenen, blauen Plastikratten, ist hässlich genug, dass man um Alternativen wirklich froh sein kann. Diese Zukunft, die im Congresszentrum analysiert, beurteilt und auseinander genommen wird, geht draussen weiter, verbittet sich Kritik und tut, was Märkte und Politik fordern. Da ist es gut, wenn ein paar Tage offen diskutiert, genörgelt und debattiert werden kann, als wäre es am Stammtisch von Kloster Reutberg.

Foads ruig hi, Leid. Einzig echtes Manko: Es gibt keine Eisbären in Hamburg, die man des Felles wegen jagen kann. Oh, und Vorsicht, was sie als Franzbrötchen verkaufen, ist kein Baguette, sondern ein Fladen aus Strychnin. Da sollte man vorbereitet sein und besser die eigenen Schweinshaxn mitbringen. Dann hat man beim Essen auch keine blauen Ratten um sich.

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99 Lesermeinungen

  1. Don'sches Feuerwerk zum Jahreswechsel.
    Guten Rutsch wünsche ich Don…und
    vielleicht schaffe ich es 2016 zum Fingerhakeln nach Bayern…
    Don-Hennig…der Sieger bestimmt die Anzahl der, vom Verlierer
    zu bezahlenden und von beiden zu trinkenden, Maß Bier?!
    Es kann nur einen (Sicherheit-Daten-Sicherheit)blutrünstigen Feuerwerker geben:=)

    • Schönes neues Jahr – ich werde vor allem in den Bergen sein und wie schon erwähnt, auf dem Reutberg am Stammtisch, Bier trinke ich als geborene Opposition gegen alles und jeden und auch gegen mein Volk nicht, aber Holerschorle sehr wohl.

  2. Titel eingeben
    mal wieder schön zu lesen. Jetzt ist aber gut mit Hamburg, odr?

    • Ja, natürlich, ich bin wieer daheim und habe auch schon echt mittelscharfen Haxensenf vom Bräustüberl Tegernsee gekauft.

  3. Beinahe 2016
    Sehr geehrter Don! Wer wird denn die Zukunft gleich einer überfahrenen Ratte wegwerfen bloß weil einem der CCC auf die Nerven geht? In meiner Studentenzeit konnte man zwischen den linken Rattenfängern der 68ern und Algol 68 wählen. Manchmal ging mir das Programmieren mit den IBM-Lochkarten auch schwer auf die Nerven. Aber die Zukunft liegt und lag nicht in den linken 68 Rattenfängern. Damit wünsche ich Ihnen und allen Kommentatoren ein gutes, erfolgreiches neues Jahr!

    • Der CCC-Kongress ging mir gar nicht auf die Nerven – ich freue mich zu sehen, dass alte Kulturtechniken in neuem Gewander bruchlos weiter laufen. Inhaltlich bin ich da auch mit sehr vielen Punkten einig. Ich sehe halt nur die archaischen Muster unter den neuen Drei-D-Ausdrucken der Gesellschaft.

  4. Buzzer
    Wo haben Sie denn das letzte Jahrzehnt verbracht? Die Buzzer gibt es schon ewig, etwa bei der (nur noch furchtbaren) Gammelfoodkette Vapiano.

    • In den Bergen, in richtigen Wirtschaften mit Bedienungen, die so viel wiegen wie drei Coffeeshop-Grischperl zuammen, die Dirndl tragen und die einen anstrahlen, wenn sie in einem Dialekt sprechen, den in Hamburg keiner versteht. Kurz: In besseren Kreisen.

    • "... Bedienungen, die so viel wiegen wie drei Coffeeshop-Grischperl zuammen..."
      Die Götzfried Girls:

      https://www.youtube.com/watch?v=5BPdbUTD4oM

  5. die überfahrene Ratte ist wirklich tot
    Da sich die Kosten für die
    Krankenkassen auch durch voll fitte Mitglieder nicht
    wesentlich senken lassen
    ( siehe Kostenvergleich Flüchtlinge vs. Einheimischen)
    ist die Ratte mit allen Datenabgreif-und Weiterleitungsmöglichkeiten ein toter, sehr teurer Hund.

    Kein Eisbär, nirgends …

    • Ja, aber genau das wird och zu vermitteln versucht – weg vom Solidarprinzip, hin zum eigenen Vorteil. Die Ideologie der blauen Ratte selbst leben.

    • ...
      Entsolidarisierung gut und schön, es bringt nur nichts.

      Selbst wenn man die Systemkosten von 80% auf 100% erhöht
      und der Versicherte schauen kann wo er bleibt, ist das System tot.

      Und durch noch soviel PC und Apelle an Moral und Ethik nicht am
      Leben zu halten.

  6. Elch in Hamburg? Klar doch: Als Historiker müssten Sie das aber wissen!
    E-Learning-Consortium Hamburg (ELCH) : DFG-Projekte …
    http://www.geschichte.uni-hamburg.de › … › Forschung › DFG-Projekte
    Die Edition mittelalterlicher Quellen im Internet. http://www.geschichte.uni-hamburg.de/forschung/gw-net/Projektergebnisse.html#Edition. Laufzeit: 1.5.

    E-Learning-Consortium Hamburg (ELCH) – Projekt : DFG …
    http://www.geschichte.uni-hamburg.de › … › Forschung › DFG-Projekte
    E-Learning-Consortium Hamburg (ELCH) – Projekt.

    und

    http://www.e-learning-hamburg.de/

    (zu http://blogs.faz.net/deus/2015/12/30/niemand-hat-die-absicht-eine-ueberwachung-zu-hinterfragen-3058/#comment-30903 )

    • Ich meinte ein Tier mit Fell für den Boden und Geweih für die Wand.

    • Titel eingeben
      Also in Deutschland hab ich als „Elche“ immer nur die Autos aus Schweden so bezeichnet gehört. Die, von denen eine ganze Menge an SUV durch die Gegend fahren, auf dem Weg zur Schule oder von dort kommend.

  7. Ernster kann man den Kindergarten wohl auch kaum nehmen.....
    Gut getroffen, diesen 32C3.
    Da muss man dem Staat dankbar sein, dass er selbst solchen Hackern noch immer nichts Kompetenteres als lediglich ein paar Partei-Karrieristen entgegenzusetzen hat, was auch 11jährigen erlaubt sich als Nerd, und ganz, ganz toll zu finden.
    Seien wir froh, dass es bisher nur die Amis sind, die ein paar tatsächliche Fachleute der Torrent Szene mit Drohungen von ein paar Jahrzehnten Knast umgedreht und klammheimlich auf ihre Seite gezwungen haben.

    Sehr lehrreich übrigens „Die Fnord News Show“ für alle, die in Fefe bei allzu vielen Themen und allzu oft den hohlen Dummschwätzer erkennen. Wenn man sich diese nahezu ausnahmslos peinlichen Witzchen anschaut, die die im zahlendem Publikum sitzenden Konsumenten trotzdem begeistert bejohlen, und diese dann mit der Realität vergleicht, die uns ein Volker Pipers oder ein Urban Priol zum vergangenen Jahr erzählen, dann erkennt man leider wieder mal, was von der Zukunft zu halten sein wird, wenn solche Leute alles sind, was das Volk dem Überwachungsstaat entgegenzustellen hat….

    Das Dilemma für den Endverbraucher ist, dass seine „Interessenvertreter“, also die Lobos und Fefes der Republik in erster Linie am eigenen Lebensunterhalt interessieren sein müssen, was man ihnen ja nicht übel nehmen darf, und die deshalb stets nur beschränkt gegen die eigentlichen Probleme anschreiben, von der manchmal mehr als nur peinlichen politischen Korrektheit der beiden mal abgesehen.
    Ich befürchte jeglicher Widerstand gegen die wohl unvermeidlich kommende Totalüberwachung durch den Staat, wird auf dem bekannt lächerliche Niveau der Piratenpartei stehen bleiben.
    Das erklärt wohl auch warum man den zwei Blogs hier gerne und folgenlos ihre Narrenfreiheit belassen kann…

    • Nun – Fefe ist im Gegensatz zu den schwätzenden Lobos und denen, die sowas in die Öffentlichkeit hieven, wirklich ein Crack, der nebenbei noch sein eigenes Medium betreibt und werbefrei hält. Er ist umstritten, aber ich würde eher auf ie Süeutsche verzichten, denn auf Fefe.

    • „Interessenvertreter“ Lobo, gutes Stichwort: Bouc émissaire et bouc responsabe
      und die nur „peinlichen politischen Korrektheit“ züchtet aktuell Böcke, Sünden-B. und Verantwortungs-B. („Macht- und Empörungskonzept“, sagt er)
      „Politik als Verantwortungs-Sündenbock würde immer und überall verantwortlich gemacht. Weil es so angenehm sei, dass jemand hauptberuflich Schuldträger ist, die da oben natürlich in Berlin, wahrscheinlich auch in Brüssel, jedenfalls nicht man selbst.“

      Also ich für meinen Teil bin derweil vollkommen zerknirscht dass ich mich Lobos Sichtweise gegenüber bisher noch nicht aufgeschlossen gezeigt hatte und überlege mir bis zur BT-Wahl 2017 welcher Anteil an Schuld an der aktuellen Malaise ich zu schultern hätte.

      Der Mann wird es noch zu was bringen, vielleicht sollte ihm die Grande Dame einmal den Arm um die Schulter legen, wie einst HaPe Friedrich dem Bushido. Allerdings für ein anschließend schlichtes BT-Praktikum finde ich Lobo vollkommen überqualifiziert. Für den ist das Neuland altbekanntes Terrain.

    • ???
      @Don
      „…aber ich würde eher auf die Süddeutsche verzichten, denn auf Fefe.“

      Kann man die Latte noch tiefer legen?

      @KaBalz

      „Der Mann wird es noch zu was bringen…“

      Ja, der Mann repräsentiert die Zukunft wie kein Zweiter.
      Schon der Harrschnitt beseitigt jeden Zweifel daran, dass der Mann NIEMALS für die bösen Staat/Überwacher arbeiten würde….

    • Ich lebe im Verbreitungegebiet der Süddeutschen, und die ist mir im letzten Jahr viel zu ideologisch verblendet gewesen. Keine Debatte mehr, nur noch Durchmarsch an Merkels Seite. Was soll ich da lesen? Jetzt sagt Refugeebejubler Beise, dass man für eben jene Refugees den Mindestlohn aufweichen soll. Eine wirklich tolle Linke haben die da. Da lobe ich mir den Fefe.

    • Titel eingeben
      @TDV: Pispers und Priol sind freilich auch nur Nörgler, wenngleich natürlich auf sehr unterhaltsamem Niveau.

      Und: die eigentliche Überwachung ist m.E. nicht das Problem. Das ist Symptom. Welches eine Gesellschaft anzeigt, die zu bequem ist, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern, und die Auseinandersetzung mit sich selbst scheut, wo es denn hingehen sollte. Und stattdessen gerne Verantwortung delegiert, an überstaatliche Institutionen, an angeblich alternativlose Sachzwänge, an „die Gesetzte“ die man freilich selber schuf, und an schlechtes Personal. Denn dieses kommt, wie bei jeder kriselnden Unternehmung, mit immer tollkühneren Versprechungen aus seinen Löchern.

    • Gerade las ich in der taz die Forderung, auf Pegida einen eigenen Spezialgeheimdienst zu hetzen. So wenig ich von Pegida halte – das zeigt sich dann, dass auch Linke für Kontrollwahn empfänglich sind.

    • Ächt ?
      Jetzt schon ein Spezialgeheimdienst für Pegida? wie süß!

      Das Eis wird wohl immer dünner auf dem sich die Refugeewelcomer
      bewegen.
      Von alleine hätte ich dieser „Bewegung“ nicht soviel Bedeutung
      beigemessen. Ist halt peinlich und für mich verstörend, wenn genau das eintritt, kaum das es von den Pegiden an die Wand gemalt wurde.

      Immer dieses dumme, dumpfe Pack aber auch.

    • Es zeigt halt, wie die Denke recht allgemein so ist.

    • Titel eingeben
      @greenbowlerhat
      Also als Nörgler würde ich die beiden nicht bezeichnen, manchmal sicher übertrieben aber im Prinzip niemals fern der tatsächlichen Wahrheit.
      „Und: die eigentliche Überwachung ist m.E. nicht das Problem. Das ist Symptom.”
      Da bin ich ganz bei Ihnen… Ich wollte halt nicht schon wieder schreiben, dass die Blödheit der Massen das eigentliche Problem ist, und man daher im Prinzip jegliche Hoffnung sowieso aufgeben kann… Aber jene kleine, meist schweigende Minderheit derer, die tatsächlich selber denken und den nahe liegenden Schluss gezogen haben, in Zeiten der Diktatur des Mittelmasses lieber nicht aufzufallen, denen bleibt halt die Möglichkeit sich mangels Alternative mit dem Symptom Überwachung auseinanderzusetzen und wie man damit am besten umgeht….
      Nur ich bekomme jedes mal Beschwerden, wenn ich das mit der Blödheit zu deutlich schreibe. Hier sind halt viele FAZ Leser und da fühlen sich welche zu Recht persönlich angesprochen…. ;-)

      @Don
      „taz“….? Wirklich?

      „…dass auch Linke für Kontrollwahn empfänglich sind.“

      Linke und rechte Spiesser sind weder Links noch Rechts, sondern schlicht und einfach dumpfes Mittelmass. Die taz ist seit Jahrzehnten im Überlebenskampf, da darf man im redaktionellen Teil nicht allzu wählerisch oder anspruchsvoll sein, sondern muss das schreiben, was die zahlende Kundschaft gedruckt sehen will.
      Die einzige Zeitschrift die in meiner Welt je als wirklich links durchging war in grauer Vorzeit Cohn-Bendits Pflasterstrand.
      Ende der 60er und Anfang der 70er waren zugegebenermassen einfachere Zeiten, als Nazis im Bundestag sassen und sogar Kanzler werden konnten.

      Wenn sie bei der Gründung Der Grünen oder dem Zusammenschluss der linken Blätter zur taz dabeigewesen wären, hätten Sie gesehen, dass bei beiden tatsächliche Linke von Anfang an ausgeschlossen waren.

  8. Kaffehausketten
    Zu der ‚blauen Ratte‘: Ich stimme den Ausführungen voll und ganz zu. Ich will nur zu bedenken geben, dass es so etwas nicht erst seit gestern gibt. In Südkorea sind sie mir schon vor mehreren Jahren begegnet, z. B. in den Kaffeehausketten A Twosome Place, Coffee Bean & Tea Leaf, Angel-in-us usw. usf. Eine große Ausnahme ist Starbucks. Die rufen einen an die Theke. Neu ist das, wie gesagt, also nicht. Es ist vielleicht neu für die, die nicht nur über eine entsprechende Sozialisation, sondern auch über so viel Geld verfügen, dass sie ihre Sozialisation ausleben können und sich daher bisher nie in solchen Etablissements aufgehalten haben/aufhalten mussten.

    Diese ‚blauen Ratten‘ sind aber nichts anderes als eine Folge unseres Systems, das darauf aus ist, Kosten, so weit es nur geht, zu drücken. MBAs everywhere. BWL-Denken überall. Man kann ja auch mal anfangen zu fragen, wie viele Festangestellte in solchen Kaffehausketten es noch gibt und wie viele von denen Schüler und Studenten sind, die einen bedienen. Die Ersetzung von ausgebildetem Personal durch Mini- und Midi-Jobber kam schon vor den ‚blauen Ratten‘.
    Immerhin sind wir aber noch nicht so weit wie im Roman „Cloud Atlas“, wo die Bedienung für Restaurants extra gezüchtet werden. Oder: Wir sind da schon, doch läuft das heutzutage noch nicht ganz so effizient. Aber Hartz IV ist auch eine Form von social engineering.

    Tony Judt hat in seinem mit Timothy Snyder gemachten Gesprächsband einige sehr kluge Dinge gesagt, die die Abfertigung des Packs/der Unterschicht mit ‚blauen Ratten‘ sehr schön erklärt. Die Reichen haben die Solidarität mit der Gesellschaft, in der sie sich bisher aufgehalten haben, aufgekündigt. Sie haben das Geld für gutes Wasser, gute Bildung, Sicherheit usw. usf. Aber warum sollen sie in etwas einzahlen, von dem auch andere (wie eben die Unterschichten/das Pack) profitieren? Warum Steuern zahlen?

    Die ‚blaue Ratte‘ ist aus meiner Sicht ein Symbol dafür, wie gut es uns als Gesellschaft geht: eben nicht gut!

    Ich habe heute den Mitarbeitern der Starbucks-Filiale heute Morgen ein frohes neues Jahr gewünscht und ihnen ein kleines Milchkännchen voller Schokolade aus der Schweiz gegeben. In dem Sinne: Ein frohes Jahr 2016!

    • Für mich war das wirklich die erste Begegnung mit diesem System. Ich kann elektronische Bestellungen verstehen, weil das eine Arbeitsablauferleichterung ist. Es macht die Vorgänge praktisch besser umsetzbar, Fehler werden vermieden, aber der menschliche Faktor bleibt. Aber auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass es tatsächlich für die Kunden einen preislichen Unterschied macht. Es ist also auch eine Entscheidung der Kundschaft, die sich da anpasst. Und die vielleicht auch genau diese blauen Ratten will. Damit wäre es auch eine aufkündigung der Solidarität innerhalb einer Klasse. Ausserem glaube ich nicht, dass der Tip beim Essen abholen so gross wie das Trinkgeld danach ist. Da sind die Vermögenen wohl immer noch erfreulicher.

    • Titel eingeben
      “ ich würde eher auf die Süeutsche verzichten, denn auf Fefe.“
      .
      Genau das tun‘ ich (neben anderem) seit geraumer Zeit. ’s ist ja nicht nur Fefe, es sind ja auch die Links die er setzt…

  9. For someone who was never meant for this world...
    Sorry Don,

    da draußen, in der Realität, da herrscht Sozialismus. Da ist die Frau dem Mann eingeebnet, da ist ein Rentner wertvoll wie eine Flüchtling und auch die Besitzenden müssen sich ihre Pizza auf Blinkzeichen selbst abholen.
    Natürlich ist dies keine angenehme Erfahrung, wenn man nicht mehr mittels Trinkgeld die Dienerschaft steuern kann, sondern vielmehr zum Diener der Dienerschaft mittels technischen Fortschritt deklassiert wird.
    So sehr Sie dieses revolutionäre Element der Technik auch angehen, so wenig wird Ihnen mehr gelingen, als der Rückzug hinter die Wände des Eigentums.

    BtW: Frohes neues Jahr bzw. brave new world.

    • Doch, das wir sehr wohl gelingen und meine Privilegien verteidige ich bis zur letzten Patrone. Die Leute werden halt irgendwann begreifen, dass der Weg kein guter war, und ann setzt eben eine Gegenbewegung ein.

      Man sieht das ja sehr schön am Untergang der Apple Watch.

    • Es wäre übrigens fein, wenn man hier inhaltlich beim Thema bliebe und nicht versuchte, die Debatte zu kapern… gerade den ersten Kommentar des Jahres gelöscht.

    • Everyone, everyone, everyone. Everyone is waiting for the mac.
      Das Problem mit der Apple Watch ist, dass sie als Watch gestaltet wurde. Fitnessarmbänder hingegen laufen wie blöde. Wäre Apple ein bisschen weiter gesprungen und hätte es ein wie-auch-immer-Armband herausgebracht, so wäre die Welt schon eine andere. Kommt aber noch. Der Trend zur Fitness und damit zur Kontrolle des eigenen Körpers ist unaufhaltsam. Mehr und mehr wird der Körper und damit das Menschsein ansich als ein Problem empfunden. Das es zu bekämpfen gilt…

    • Mich verstört das auch sehr. Ich schraube an allen Rädern die Computer weg, ich will das einfach nicht haben.

    • ....apple watch....
      Das „Problem“ ist der frei Markt, und die ihn liebenden Konsumenten.
      Da sind primitivere Zeitgenossen wie Zuckerberg oder Jobs (die Filme sind da aufschlussreich) nun mal die Helden der Angehörigen der schönen neuen Welt. Und leider ist man gegen Ego-Booster machtlos. Die Leute sind die Mehrheit und solange Neo-liberlaismus und Kapitalismus nicht ein bedeutenderes Land als nur Griechenland & Co i die Verlensdiung schicken, wird sich an den Werten der Doofen nichts ändern, die sind werden die Mehrheit bleiben.

      Sehr schön der Satz „Ich schraube an allen Rädern die Computer weg, ich will das einfach nicht haben.“ Tja, mehr geht halt nicht….

      Mal sehen wie lange das dauert, bis man auf die staatliche Gesamterfassung der Bürger einen Algorithmus anwendet, der die sich auf diese Verweiger-Weise erst recht verdächtig machen?

    • Ich glaube ja, dass die unwichtigeren länder gerade daran arbeiten, das deutsch-neoliberale Jahrzehnt zu beenden und seine Profiteure mit Appleklapprechnern, Egosozialismus, Privilegiencheck der anderen und Genderideologie zu verabschieden. Bei uns ist ein Problem, dass viele Journalisten genau aus dieser Gruppe kommen, aber auch hier hilft eine Reise über das flache Land bei der einordnung. Digital ist ein Kiezhobby. Der Rest nutzt es halt ohne Bedeutung.

    • @Don
      „Ich glaube ja, dass die unwichtigeren länder gerade daran arbeiten, das deutsch-neoliberale Jahrzehnt zu beenden und seine Profiteure mit Appleklapprechnern, Egosozialismus, Privilegiencheck der anderen und Genderideologie zu verabschieden.“

      Möglich, aber sicher bin ich mir da keineswegs. Allzu oft klingt das alles nur nach „sauren Trauben“. Wenn die Leute in solchen Länderen eine Chance sehen selber so zu konsumieren werden die ganz schnell mitmachen, so schnell kann man gar nicht apple sagen, wie da gekauft wird. Ich habe 15 Jahre in Indien gelebt, da lernt man das ganz schnell zu durchschauen.

      In der Zeit 1/2016 gibt es im Feuilleton S.48/49 einen wirklich hervorragenden Artikel „In der Nacht der Götterferne“ über konservative Schriftsteller der Gegenwart… Die Globalisierung besteht im Grunde aus dem weltweiten Siegeszug des Konsumerismus. Rechte, Lnke, die sind sich alle gleich… der einzige wirkliche Unterschied den es noch gibt, ist der zwischen Menschen die Geld haben, und denen die keines haben.

  10. Archaische Muster
    So “ein freigeistiger Real Life Hacker“
    kommt in Kalabrien ziemlich anders daher.
    http://www.sueddeutsche.de/sport/italien-warum-die-ndrangheta-ein-frauenfussballteam-bedroht-1.2801538

    Die Ndrangheta hat sich seit dem 18. J. EU-kompatibel entwickelt, während die Kirche sich (zu) wenig aus den dunklen Epochen gelöst hat.
    Kommt der Angriff gegen einen Vorstand einer Mädchenmannschaft gar aus solch alten Verbindungen?

    Im Übrigen…Starbucks (Systemgastronomie) ist ein Steuerbetrüger.
    Und Ikea kauft über ein Ringsystem altes Buchenholz aus Rumäniens Nationalpark.
    Das faire-trade-Getue überdeckt mafiöse Strukturen.
    http://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/studie-fairtrade-laesst-hilfsarbeiter-im-stich-thread-127464-1.html

  11. Wer in so einen Kaffeladen geht tut das ja wohl freiwillig.
    Und dann die kleinsten und schlechtbezahltesten Angestellten anpissen wollen wegen des Abwicklungsservices ist ja wohl ein starkes Stück. Schlage Don Alphonso vor, die Redakteure der FAZ, die dieses Ausbeutungssystem von Menschen im Sinne des Professors (H.W. Sinn) aus München verteidigen bzw hochjubeln, anzupinkeln – haste dazu die Traute D.A.?

    • Wenn sie dieses Blog und mein anderes länger lesen würden, dann wüssten Sie, dass ich in der Sache meine eigene Haltung sehr wohl zu verteidigen weiss – und von Sinn gar nichts halte. Es geht nicht um das Personal, das zu so einer Arbeut gezwungen wird, sondern um den menschlichen Umgang.

  12. Danke
    Hallo,

    bis auf die blaue Ratte stimme ich nicht oft mit dem überein, was Sie schreiben. Aber Schreiben tun sie gut. Und mit Haltung. Dafür mal ein großes Dankeschön!

    Schönen Gruß ins bayrische Paradies und frohes neues Jahr!

  13. Die Ratte und ihre Vergangenheit
    Die unmittelbare Vergangenheit der Ratte ist nicht etwa die persönliche Bedienung, sondern eine Prozedur, wie man sie von Behördengängen kennt: Zettel ziehen, auf den Aufruf warten und dann an die Theke laufen, um das Essen abzuholen. Bezahlt wird bei Bestellung, nicht bei Erhalt der Ware. In Deutschland ist das nicht so üblich, in anderen Ländern, Australien etwa, aber schon.

    Behördengänge wären übrigens auch mal ein schönes Thema für die Stützen. Wie weit lässt sich die Kommunikation mit den Behörden / dem Staat überhaupt durch Delegation reduzieren? Im Kern geht es mir um die Suche nach Privilegien. Ich halte das Bürgertum ja für egalitär verfasst, weswegen es den materiellen Vergleich/Unterschied herausstellt, der aber immer nur graduell und nicht kategorisch ist, wie der Unterschied zwischen Kasten bzw. Ständen. Es gibt nur Privilegien-als-ob, aber das ist unübersichtlich, um nicht zu sagen, ein wenig beliebig.

    • Australien ist nach meinen Informationen so eine Art Freilandgefängnis der Briten auf der anderen Erdhalbkugel und wenn ich das hier ausbreite, fliege ich doch wegen Rassismus.

    • Oooops... Don....
      Das haben sie wohl was nicht konsequent durchdacht…

      Australien ist bei allen Nachteilen, die woanders liegen als sie vermuten, das Land mit der höchsten Lebensqualität.
      Saubere Luft, sauberes Wasser, sauberer Boden, saubere Nahrungsmittel, herrliches Klima, Weine der ersten Kategorie, usw, usw. Vor allem: Jede Menge Platz für jeden einzelnen, was automatisch ein wesentlich stressiges Leben mit sich bringt.
      Leider eine ganze Kategorie grössere Inkompetenz bei Regierung und Volk als in DE, was in dem Fall aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.
      Eine friedliche Insel am A… der Welt. Das war mal ein Nachteil als es noch kein Internet gab… (deswegen hab ich es wieder verlassen)

    • Nun, ich pflege halt meine Vorurteile. Mir reicht wirklich alles, was 2000 Kilometer sülich ist, als Lebensraum vollkommen aus, Gerade finde ich Italien sehr schick – im Gegensatz zu den deutschaktivistischen Netzbewohnern finden dort auch ganz normale Linke die deutsche Asylpolitik völlig irre. Sehr entspannend.

    • @ Dreamtimer
      Jawohl, so ist das da organisiert – und es ist sehr anstrengend, weil man einfach nicht in Frieden am Tisch sitzen und auf seinen heißen Kaffee (die Kaltgetränke bestanden aus Eispampe, die so kalt war, dass sie während der Mittagspause nicht schmolz und man am Ende wieder durstig im Büro saß und im Wind der Klimaanlage der sicheren Halsentzündung entgegen bangte) warten konnte, sondern in der Hitze Schlange stehen musste (wie in einem anderen Freilandgefängnis, bloß ohne Nostalgiefaktor) und dann seine Daten angeben sollte, die die Australier beim Ausrufen des Kaffees sowieso nicht aussprechen können. Mit der Zeit stimmt einen das irgendwie missmutig: Denn erst versucht man höflich zu buchstabieren und kann den Ruf dann nicht einfach zuordnen (geht also des Kaffees verlustig), dann gibt man sich einen ganz schlau einen ortstypischen alias und hat auf einmal fünf Konkurrenten um den Kaffee am Hals und schließlich verlassen einen die Nerven und man nennt der freundlichen Dame hinterm Tresen ein deftiges deutsches Schimpfwort. Das man immerhin in seiner australisch verstümmelten Form wiedererkennen kann! Der bis dahin erlittene Flüssigkeitsmangel wirkte sich dennoch aus – aber das ist eine andere Geschichte. Trotz allem denke ich gerne daran zurück, ohne Einschränkungen. Ich war danach gerne wieder hier.

  14. Das blaue Blinkdings ...
    kenne ich aus einem asiatischen Schnellrestaurant in der Preisklasse von McD, wo die Alternative wäre, vor dem Tresen auf die Bestellung zu warten. Ich würd das eher als Serviceverbesserung denn als Anlass für kulturkritische Betrachtungen sehen. Trinkgeld gebe ich trotzdem, weil das Essen gut ist.

    • Ich muss dazu sagen, dass es am Tegernsee meines Wissens keinerlei Schnellrestaurants dieser Art gibt. Dafür mehr Biergärten und ähnliches.

    • Titel eingeben
      Die logistische Herausforderung beim Biergarten ist, dass man je nach Karte eine große Menge an Speisen gleichzeitig vor- und warmhalten muss, weil eben jedermann jederzeit jedes Gericht auf der Karte haben wollen könnte, und kaum bereit ist, darauf länger als zwei, drei Minuten zu warten. Was im Ergebnis dazu führt, dass meistens die Speisenauswahl bei kleineren Biergärten nicht so groß ist und auch nicht so fein, und bei den großen Biergärten, nehmen Sie z.B. den Augustiner am Bahnhof oder den Hirschgarten, solche Massen produziert werden, dass es auch nimmer passt.
      Die blinkenden Dinger ermöglichen es dem Wirt, das Gericht zuzubereiten, während der Gast sitzt, am Tisch beim Getränk und angenehmer als in der Schlange. Viele Edelburger-Läden oder Systemgastronomien die mit frisch zubereiteten Speisen werben – Oh Julia z.B. – nutzen das dafür, und wenn dann dafür auch alle Nudeln und Pizzen und Burger usw. gleichzeitig auf den Tisch kommen – auch so eine Herausforderung – bringt es auch was.
      Aber für das normale Wirtshaus mit einer überschaubaren Anzahl von Gästen und Gerichten, ob jetzt mit kleinem aus der Hauptküche heraus bedientem Biergarten oder nicht, braucht es das nicht. Und schon gar nicht für Kaffee, wie es wohl hier war.

    • Ich sage es mal anders: Ich bin bereit, mir Menschen durchaus etwas kosten zu lassen. Ih will einfach nicht maschinengesteuert essen. Ich finde das gruslig.

    • Schnellrestaurants
      Lieber Don,
      auch ich liebe Italien, besonders das Piemont.
      Hier am Ortasee gibt es auch keine (schrecklichen) Schnellrestaurants.
      Lieber esse ich nichts…
      Herzliche Grüße und ein erfolgreiches 2016: Und lassen Sie sich nicht unterkriegen!

  15. Franzbrötchen
    „Oh, und Vorsicht, was sie als Franzbrötchen verkaufen, ist kein Baguette, sondern ein Fladen aus Strychnin.“

    Diese Strychnin-Fladen sind übrigens auch schon in in die bayrische Wirklichkeit – o.k. vielleicht auch nur die schadmünchnerische – eingedrungen. Ich muss gestehen, als gestandener Franzbrötchen Fan, ist mir die Zimt&Hefeteiginvasion der gebietsfremden Art in alle möglichen Landesteile durchaus recht, zumal ich nicht so der Zuckerguss- und Krapfentyp bin.

    • Ich habe das wirklich zum ersten Mal jetzt in Hamburg gesehen. Aber mit den Klimaflüchtlingen aus dem Norden kann das natürlich auch an die Isar gelangen.

  16. Vom Aussterben der blauen Ratte...
    Lieber Don und alle treuen Lesevasallen, lassen Sie mich Ihnen ein frohes, neues Jahr wünschen und auch nicht vergessen, Ihnen Dank für das Geschreibsel in Ihrer Kolumne – hier Blog – zu sagen. Möge Ihnen allen das neue Jahr Glück, Gesundheit und die Erfüllung geheimer Wünsche bescheren.

    In den letzten Tagen habe ich eifrig Ihre Ausführungen zum Kongress studiert und betrachte mich nun auf einer Meta-Ebene als gutinformiert.

    Eines muss jedoch kritisiert werden, und das gleich am Anfang, das ist Ihr bedauerlich schlechtes Verhältnis zur schönen Stadt Hamburg und der sie dort umgebenden norddeutschen Tiefebene. Ich gestehe, ich bin parteiisch, Generationen meiner Vorfahren wurden dort als echte Hanseaten geboren, große Teile meiner Verwandschaft lebt dort noch heute und kümmert sich beflissen um die Gräber der Altvorderen.

    Ich gebe zu, auch ich wäre auf einer Eisbärensafari in Hamburg gescheitert, man hätte das Fell kaufen müssen, bevor man jemanden dort hineinsteckt, um dann dieses Imitat quasi zu erlegen, aber das hätte sich mit heutigen Menschenrechtskonventionen möglicherweise nicht gedeckt.

    Nun gut, hätten Sie einen fähigen Stadtführer gefunden, wäre ihr Urteil sicher nicht ganz so hart ausgefallen, und ich gebe zu, es ist manchmal in den verschiedenen Provinzen unseres deutschen Heimatlandes nicht ganz einfach, das zu erhalten, was man bestellt hat, wenn man es in heimatlichem Vokabular bestellt. So wie in Bayern die Semmel des Hamburgers sein Brötchen ist, möchte die Berliner Bäckereiverkäuferin sich gewiss sein, nur Schrippen über die Ladentheke zu veräußern. Es wundert mich übrigens, dass noch kein findiger Verleger auf die Idee gekommen ist, ein Fremdwörter-Lexikon Deutscher Dialekte bezüglich der verschieden benannten und bekannten Wurst- und Fleischsorten auf den heimischen Buchmarkt aufzubringen, aber was nicht ist… .

    In Bayern leben Experten für Fleisch- und Wurstwaren, dass wissen wir nicht erst seit Ulli Hoeneß, dies ist allgemein bekannt. In Hamburg isst man am besten Fisch, dort sind schon Menschen zu Fischgenießern geworden, die diesen frischen Geschmack aus Ihrer Heimatprovinz gar nicht kannten, da der Fisch in Restdeutschland immer ein, zwei Tage unterwegs ist, bis er geschmaklich verbrämt und alt auf dem Teller landet. Dementsprechend schlecht schmeckt Fisch jenseits von Hamburg. Aber das ist nur ein leckerer Aspekt dieser schönen Stadt, die Mensch und Meer vereinigt und (Ironie-Anfang) nicht häßliche, ältliche und faltige Gebirgszüge bildet, in derern Schatten sich nur schwer spazierengehen und radfahren lässt, weil stets ein Gebirgszug die Menschen zu Höchstleistungen antreibt. (Ironie – Ende) Wer gerne morgens sieht, wer abends zu Besuch kommt, ist mit der norddeutschen Tiefebene gut bedient und auch diese kann man schätzen und lieben lernen, gerade als ambitionierter Radfahrer. Im übrigen sprechen meiner Erfahrung nach die Menschen nirgendwo Deutsch außer in Hannover, der Rest der Republik übt noch.

    Doch nun zur aussterbenden blauen Ratte. Als Spökenkieker ((norddeutscher Begriff für ein geisterhaft-vorausahnendes Talent, welches in der Persönlichkeitsstruktur angelegt ist, vielleicht ungenau mit „Geisterspukseher“ ins Hochdeutsche zu übersetzen)) biete ich hiermit eine divinatorische Leistung an: Die blaue Ratte wird wie das US-amerikanische Automatenrestaurant in Europa aussterben. Nach einer „Chic“-Phase werden vor allem Menschen ohne Mietvertrag und weitere Dusch- und Wohngelegenheit derartige personalsparende und warme Aufenthaltsbereiche frequentieren. So war das bisher zumindest in der Vergangenheit. Man hätte schon zu analogen Zeiten ein Glühbirne fest an die Tische montieren können, und wäre dann auf Lichtsignal hin zu seiner eigenen Bedienung mutiert. Aber die Menschen wollen ja nicht nur essen, sondern auch ein bißchen Unterhaltung und Vergnügen, es gibt ganze menschliche Charakterabteilungen, die sich nur mit der psychischen Qual von Bediensteten emotional über Wasser halten können, was soll diese Spezies dann machen, etwa der eigenen Lebensabschnittspartnerin oder ewigen Ehefrau die eigene Störung vorexerzieren? Das will doch kein Mensch! Die blaue Ratte wird den Weg der gescheiterten technischen Neuerung gehen, wie all der Quatsch, der wirklich unnötig und lästig ist und noch nicht einmal für Spaß und Unterhaltung sorgt, sondern nur Verdruss bringt.

    Lassen Sie mich noch anmerken, dass ich den schönen neuen Ausweis mit der Abbildung des Brandenburger Tores – in einer Ihrer letzten Kolumnen gezeigt – äußerst gelungen fand. Damit kann man sicher sehr viel Spaß haben, mein gerade frisch erhaltener Personalausweis hat auch so ein Brandenburger Tor auf der Rückseite abgebildet, ist aber farblich leider in häßlichem schweinerosa gehalten, Ihr Ausweis ist viel schöner. Kann man so einen Ausweis auch im Internet bestellen? Für eine Quelle wäre ich dankbar, ich schwöre hiermit feierlich, dass ich diesen nur für mich verwenden möchte und nicht als Verkaufsschlager für arbeiten wollende, zugezogene Neubürger ohne Legitimation nutzen werde.

    Ein letztes Wort sei mir noch gegönnt: Da auch ich als Anwender schon seit über zwei Jahrzehnten mit Internet und Computern befasst bin, erlaube ich mir hier, an alle Leute, die sich mit Sicherheit von Daten befassen, eine Empfehlung aufzuschreiben: Behandeln Sie Ihre Daten und die Weitergabe von Daten so, als hätten Sie es mit einer altmodischen Postkarte, die quasi jeder lesen kann, zu tun. Alles andere ist Lug und Trug und kann heute, morgen, nächste Woche oder im nächsten Monat oder vielleicht schon gleich von einem begabten Teenager oder einer gemeinen chinesischen Berufshacker-Gemeinschaft ausspioniert werden. Für Daten, die so einfach über uns und unser Computer-Maschinen-Verhalten erhoben werden, können wir nichts, außer sie zurückfordern und hoffen, dass Sie uns bei der nächsten Diktatur nicht allzu sehr

    • Mun, die Quelle ist direkt im Text verlinkt – bei digital courage in Bielefeld gibt es die Lichtbildausweise.

      Bei Hamburg habe ich mich auf die Legenden verlassen, die man bei uns in den Gebirgsdörfern erzählt. wenn es um den Jennerwein, die Durchwinkwochen beim Finanzamt, den Woipertinger und ie Absentia des Mannes von der Annamirk geht, sind die ja auch präzise. Das Fehlen der Eisbären hat mich verstört, aber vielleicht kann man ja welche züchten – wir würden Famburg dann auch grosszügig für die Jagdrechte entschädigen. Generell denke ich jedoch, dass ganz Deutschlan so fortschrittlich und mondän wie unser Bergdorf ist, und da schien es mir durchaus angemessen, meine eigenen Erfahrungen brühwarm so zu servieren, wie sie jeder andere Mensch von Stand und Herkunft erleben würde.

  17. Strychnin-Fladen
    Bitte, nichts gegen Franzbrötchen. :-P Man darf sie nur nicht bei den überteuerten Allerwelts-Bäckern im Dammtorbahnhof kaufen.

    • Irgendwie habe ich im Noren noch nie Brot wie in Bayrn bekommen. Das ist immer irgendwie – anders. Für den Spross einer Bäckerynastie ist das schon ein Problem.

    • Hinweis
      Also lieber Don,
      gerade im Dammtor-Bahnhof hätte es eine Lösung gegeben: Effenberger hat dort eine gläserne Bäckerei installiert. Eine Hofpfisterei haben wir hier natürlich nicht, wir hatten ja nie einen Hof.
      Am Hbf. gibt es Yorma’s (sic!), die wohl eine bayerische Kette sind. Und sonst kann man es natürlich auch wie die Holländer machen und seinen Proviant mitbringen, die alten Zollstellen (Ochsenzoll, Zollenspieker usw.) sind schon lange nicht mehr in Betrieb.
      Schöne Neujahrsgrüße aus der Frohen und Hansestadt
      Kalchas

    • Bei Effenberger war ich.

      Das nächste Mal lasse ich Apfelstruel vorbacken. Oer ich fahre über Sterzig und hole dort apfelstruel. Oder ich nutze meine Kontakte in den CCC, um denen das Kongresszentrum in Siena unterzujubeln.

  18. Offene Frage
    Lieber Don,

    Um Ihre Urheberfrage zu beantworten – Ken Lovegreen, Gruender von Longe Range Systems, im Jahre 1993. Soweit ich es erlebt habe, werden die Geraete allerdings hauptsaechlich dafuer eingesetzt, um Gaste ueber einen freigewordenen Tisch zu informieren, nicht um sie das Essen aus der Kueche holen zu lassen.
    Die groessere „Gefahr“ ist eher, dass die naechste Generation dieser Geraete vernetzt sein wird, um Informationen ueber Sie, den werten Gast, an die Bedienung weiterzuleiten, z.B. Essensvorlieben basierend auf facebookeintraegen etc.- dann wird dann der mittelscharfe Senf mitgeliefert, auch wenn Sie ihn vergessen haben sollten.

    Also, nicht verzweifeln, der Fortschritt wird uns auch 2016 nicht hinterherrennen lassen.

    Gruss
    Der Onkel

    • Danke für die Informationen – aber ehrlich gesagt, finde ich nicht, dass meine Essensvorlieben Gegenstand von Datenspeicherungen sein sollten. Facebook habe ich eh nicht.

  19. Es klingt nicht gut, gebe ich zu, ...
    … aber jetzt wäre DIE Gelegenheit da, tote „blaue Ratten“ durch echte syrische Flüchtlinge zu ersetzen – könnte ein win-win werden!

    Gewerkschaften, Gutmenschen, und Andere in Deutschland fänden das aber wahrscheinlich nicht korrekt …

    • as ist tatsächlich so eine Frage – ich denke schon darüber nach, dass die Einstellung von Hausienern mehr Ärger verursachen würde, als sie einfach dem Staat und HartzIV zu überlassen. Ich weiss schon jetzt, ass mich so ein Beitrag jede Menge Sympathien kosten würde, aber genau das sind doch die Arbeiten, die man auch geringer Qualifizierten anbieten könnte, die zudem leichter integriert werden.

      Aber da höre ich jetzt schon das Gebrüll, ich sei ein Zyniker, ein rechter Demagoge und warum ich nicht einfach mein Vermögen verschenke.

    • nur Migranten aus dem Osten arbeiten im Haushalt,
      Text eingeben

    • Kellner, Paketzusteller, Taxifahrer - ja,
      bei Arbeiten in Privathaushalten (Kinderfrau, Putzfrau, Heimhilfe, Gärtner, Hausmeister) allerdings findet man bei uns so gut wie nie Muslime. Ich kenne Syrien nicht, denke aber daß, ähnlich wie in der Türkei, kleine Selbständigkeit in Gastronomie und Handel bevorzugt wird. Bei Muslimen aus Pakistan und Bangladesh mag das eventuell anders sein.

    • Das gälte es zu versuchen, aber as gäbe sicher einen Aufschrei. Un so wichtig ist das letztlich auch nicht.

  20. Der Mindestlohn frisst seine Kinder
    Der Grund, warum sich auf solchen Veranstaltungen und im erweiterten Dunstkreis des längst toten CCC sowieso zu 90% völlig derangierte Gestalten versammeln, liegt nicht zuletzt an der krampfhaft politisierenden und ideologisierenden Attitüde, die so ziemlich jeden ernsthaft in dieser Branche Arbeitenden mit Befremdung, wenn nicht eher mit Fremdscham erfüllt. Wer großkotzig eine sozialere Gesellschaft postuliert, die die Errungenschaften der modernen Technik mit sozialadäquatem menschlichem Handwerk ersetzt, möge doch bitte auch ein ökonomisches Modell vorlegen, woher genau wir die Heerscharen an Lohnsklaven bekommen sollen, die dann solche trivialen Tätigkeiten – auf gut Deutsch Drecksarbeit – für uns erledigen. Und bitte mit einer näheren Erläuterung, was genau daran jetzt sozialer sein soll.

    • Nun, das „Soziale“ wäre nochmal ein eigenes Thema – das ist dort nach meiner Beobachtung schon an die eigenen Privilegien geknüpft. Sozial ist, das iphone4 an Flüchtlimge zu verschenken, um sich ein Neues kaufen zu können. Solche Leute laufen da auch rum, aber man sollte sie nicht über einen Kamm scheren. Viele sind einfach nur kompetente, lösungsorientierte Forscher und Techniker.

  21. interessant und höchst vergnüglich zu lesen,
    danke für die Berichte aus HH!
    .
    Hoffentlich behalten Sie mit der Apfeluhr recht und sie gerät nicht doch zum erschwinglichen Miniminiminiporsche für Postklimakterielle…
    http://amidprivilege.com/2015/11/review-apple-watch-retired-59year-woman/

    • Gern geschehen.

      Wolgang Blau, der sonst auf alles Technische scharf ist, hat seine Applewatch verschleudert -das ist ein gutes Zeichen für ihr Versagen.

  22. neues/altes
    Ob mit Keule oder Smartphone, der vernunftbegabte Zweibeiner brauchte schon immer seine Stammestreffen für das Wir-Gefühl. Ausweis war in den Sechzigern die lange Matte auf den Festivals, heute sind es der Fundibart und die Nerdbrille (Fünfziger Jahre Style).

    You may ask yourself, „Where does that highway go to?“
    You may ask yourself, „Am I right, am I wrong?“
    You may say to yourself, „My God! What have I done?“

    Same as it ever was, same as it ever was. (Talking Heads)

    In diesem Sinne ihnen und allen Lesern ein gutes neues/altes Jahr!

    • Ich war da so, wie ich immer bin. eindeutig Fremdkörper, aber das macht mir nichts aus.

      Ein schönes neues Jahr.

  23. Hirnrissiges Geplapper
    ein Gott, kann denn niemand diese Plappertante stoppen ? Schon der erste Absatz über das „blaue Kästchen“ zeugt von einer antiquierten retrospektiven Haltung, die nur noch lächerlich ist. Das Ding kenne ich inzwischen seit zehn (10 ) Jahren – willkommen in der Gegenwart. Sollte das ironisch gemeint sein, finde ich das nur peinlich. Genau so wie der krampfhafte Versuch, die Hamburger Veranstaltung aus der Sicht eines bayrischen Seppel zu erklären. „Mir san mir“ als Motto der dumpfen Bierbayern, die glauben dem Rest der Landsleute überlegen zu sein, doch nicht mal richtig Hochdeutsch reden können. Society-Geplapper über die Veranstaltung des CCC statt Informationen, wie überflüssig.

    • Das mit dem Stoppen versuchten während der letzten Jahre recht viele Leute – das Ergebnis sehen Sie ja. Nichtanklicken und schweigend übergehen hilft.

      Und natürlich ist es nicht irponisch gemeint. Ja glauben Sie denn, wir sind auf der Brennsuppn dahergeschwommen, dass wir uns anbrummen lassen würden?

    • Tja, so ist das nun mal....
      Ich befürchte die Mehrheit der Bürger wird Sie wohl nie ins Herz schliessen…. wenn Sie einem von denen widersprechen wird demokratisch abgestimmt!

      Was die besagten „Alarmanlagen“ angeht, so sind diese in Japan recht weit verbreitet. Was angesichts der dortigen Menschen nicht überrascht. John Updike meinte sie seinen „Robot Monkeys“ und General McArthur nannte sie ein Volk von 5jährigen.
      Niemand in Japan käme auf die Idee, dass an solch nützlichem Fortschritt durch Technik etwas auszusetzen sein könne.

      Die Einzigen die sich beharrlich weigern sowas zu benutzen sind übrigens… McDonalds. Da rennen die Angestellten noch mit einem Tablett in der Gegend rum und servieren… sie werden es nicht glauben, aber McD ist die einzige Kette die zumindest in Japan mehr und mehr Filialen schliesst, den Mehrheitsanteil auf den Markt schmeisst und in ein paar Jahren Pleite sein dürfte. Liegt wohl am altmodischen Service.

      Gadgets sind anscheinend zukunftsträchtig…
      Service hingegen ist Mittelalter….

      Wenn man da aufgerufen wird, dann ist wohl so wie ein „Like“ auf Facebook, auch der Allerletzte weiss dann wieder frei nach Descartes: „Ich blinke, also bin ich!“
      Dafür steht man dann gerne auf und holt sich sein Zeug.

    • Furchtbar. Zum Glück ist das bei uns anders und wird auch so bleiben.

    • @ Mandis Tran
      Wie – überflüssig?! Die sorgsame Pflege unserer Feindbilder hat schließlich eine Funktion – sie entlastet das Gemüt! Sollten Sie viel öfter tun, statt Yoga zu turnen.

  24. Titel eingeben
    So sehr ich diese Vibratoren verabscheue, weil ich mich vor ihnen ekele und sie mir durch ihre Existenz die Maschinerie vor Augen führen und natürlich ihrer widerlichen Audiosignatur wegen, kann ich nicht verhehlen, dass ich an diesen Orten meine innere Ruhe verflixt schnell finde. Ich will dort essen – und mit niemandem kommunizieren, gerade mit so Leuten nicht, die sich freiwillig einen solchen Platz zum Speisen ausgesucht haben, wobei ich zu meinem Beispiel noch als Negativattribut das typisch japanische Mobiliar hinzuzählen will, das Bequemlichkeit aus einem anderen, holistischen Blickwinkel definiert. Letzteres tatsächlich einschränkend erwähnt, sind diese Orte also durchaus wie geschaffen für so Existenzen wie mich. Wobei, ein Haupteinwand ist hier bereits eingepreist: Selbstverständlich kann ich mich maßlos aufregen über diejenigen, die all das dulden, ja noch nicht mal den kleinsten Anstoß daran zu nehmen scheinen. Passend dazu das Folgende: Bei meinem letzten Besuch in einem Ableger einer solchen Restaurantkette, die diese Vibratoren in ihr Inventar aufgenommen hat (im Gegensatz zum vorherigen System, wo es Zettel mit Nummern waren und Monitore in allen Ecken, die die fertig gewordenen Aufträge anzeigten) und die sich nicht zuletzt auch deswegen rühmt, weil sie es in der Vergangenheit nicht hat an Befragungsinitiativen missen lassen, woraus nun manches geschlossen werden kann, war es trotz Weihnachtsmarktes, der das gesamte Areal dieses Etablissements regelrecht abgesperrt hat, was mir im Vorwege verheissungsvoll vorkam, dennoch proppevoll und ich fand nur noch einen Platz an, um nicht zu sagen: hinter der Tür. Und wie ich da nun saß und letztlich aß, ging mir die Tür so gehörig auf den Senkel – und das nicht etwa, weil sie auf und zu ging, das haben Türen so an sich, sondern weil sie quietschte, hundserbärmlich quietschte, und es zudem eine große Tür ist und so große Türen halt ein wenig brauchen, wodurch das Geräusch nahezu andauernd zu vernehmen war und bedingt durch die chaotische Fluktuation auch leider nie so etwas wie den Charakter japanischer Klassik annehmen konnte, was womöglich erholsam gewesen wäre gegenüber dem heillosen Gejammere, das durch ihr permanentes, jedwede Rhytmik unterbindendes Durchkreuzen in realiter hervorgerufen wurde, weil: kaum endlich zugegangen, wollte auch schon wieder irgendjemand anderes durch diese Tür hindurch, entweder um den LADEN zu betreten oder, was mehr und mehr auch mein Ziel wurde, zu verlassen –, dass ich schliesslich nicht umhin kam, mich mal umzugucken und mein erlittenes Schicksal durch das Auffinden etwaiger Schuldiger in den Reihen und Gängen vor mir, wenigstens versuchsweise, zu kompensieren. Dass ich hierdurch nun aber sowas wie Zutrauen in die Kompetenz des Personals vor Ort gefasst hätte, durch eine Mitteilung von meiner Seite dem für die Ohren der ihm angehörenden scheinbar völlig unhörbaren Quälgeist den Garaus machen zu lassen – mitnichten. Und? Bei meinem nächsten Besuch eine halbe Woche später, hungrig wie meistens und dadurch auch schon mal leidlich kompromissbereit und noch dazu im Bunde mit einem neuerlich geweckten Appetit auf deren Küche, machte ich dann augenblicklich kehrt an dieser Stelle – auf dem Absatz ebendieser Tür.

    [Und ja, ich habe mich online an die gewandt, aber eine Antwort sind sie mir schuldig geblieben. Und einen weiteren Test habe ich nicht gestartet, da mir das gesamte Areal zuletzt als meiner Gesundheit grundsätzlich abträglich erschienen ist.]

    • Seitdem ich Coffee shops kenne, weiss ich bayerische Langasthöfe zu schätzen.

    • Selbst ist der Mann oder die Frau
      wenn die Tür Sie so genervt hat, warum haben Sie nicht nach einer Ölflasche verlangt? Hätte ich gemacht und das blöde Ding bzw. die Scharniere kräftig mit Salatöl eingesaut, auf dass es aufhöre zu quietschen.

      Man kann ja blöd sein, aber man muss sich immer zu helfen wissen ;-)

    • Nudelbox
      „Bei meinem nächsten Besuch eine halbe Woche später, hungrig wie meistens und dadurch auch schon mal leidlich kompromissbereit und noch dazu im Bunde mit einem neuerlich geweckten Appetit auf deren Küche, machte ich dann augenblicklich kehrt an dieser Stelle – auf dem Absatz ebendieser Tür.“

      Ich hätte vielleicht eine Nudelbox mitgenommen und mit Stäbchen im gehen gegessen.

  25. Das gibt es auch am Ammersee
    Verehrter Don,

    Ihren Ärger über dieses nutzlose Stück Elektronik kann ich gut verstehen. Mir ist es zum ersten mal in meinem Leben in einem Biergarten am Ammersee begegnet. Ja, Ammersee – gleich hinter München. Auch Bayern ist schon „verseucht“.

  26. Licth fuer eine duestere Zukunft
    Eine Variante der blinkenden Blauen Ratte die Sie, werter Don bei den Computer Chaoten begeistert hat, haben wir schon lange in den Parkgaragen der Shopping Malls. Allerdings blinken die nur Rot, wenn ein Parkplatz besetzt ist, oder Gruen wenn frei. Das ist gut wenn mehrere Fahrer ihre Holding Patterns in den Garagen fliegen/fahren in der Hoffnung einen freien Parkplatz in der Naehe des Eingangs zu ewischen. Nicht einfach wenn aufgeregte Shopper ueberall herum rennen.. Ich habe gelernt dieses System zu lieben und bin ganz gut geworden mit anderen Fahrern zum naechsten „Gruenen“ Platz zu rasen. Winner takes all. Nachteil ist, manchmal sind die Verlierer boese. Selbst freundliche Gruesse, wie Merry Christmas, oder Have a nice day, helfen kaum. Aber so ist es mit der Zukunft. Live with it, raten Freunde.May the best man or woman win.
    Alles Gute zum Neuen Jahr.

    • Danke. Ich habe ja eine eigenen TG-Platz und einen oberirdischen Parkplatz und kenne solche Probleme nicht. Meine Hotels sind eigentlich immer ruhig gelegen, und die Tiefgaragen in Italien haben immer viel frei, weil für Italiener oft zu teuer.

  27. Titel eingeben
    Vielleicht könnte es sein, dass die Versammlung des CCC in Hamburg von Seiten der nicht mehr existenten Normalarbeitsverhältnisse nichts weiter ist als die Neuauflage des Arbeiterstrichs im Hafen? Ich meine den Bis Mitte der 70er Jahre vor Einführung der ISO-Container. Bei IBM nennt sich das ja heute „liquid workforce“. Also Tagelöhner an der Tastatur. Gibt es dazu Erkenntnisse?

    • Appletipsendes Prekariat rennt da auch rum, aber auch jede Menge alte IT-Spezialisten, die sicher nicht sparen müssen.

  28. Ich bin nicht sicher, ob Sie mich meinten,
    ich finde meinen Text jedenfalls nicht im blog.
    Ihre Gedanken regen an und lassen meine in die verschiedensten Richtungen spazieren – dennoch meine ich mich zu erinnern, die Ratte im Text lebendig gehalten zu haben.
    Nichts liegt mir ferner als die Debatte kapern zu wollen – würde mich auch interessieren, wie das denn wohl vonstatten gehen soll.

    Das mich viele nicht hören wollen kenne ich ja nun schon durch die Jahrhunderte – nur 2016 habe ich es nicht mehr erwartet.

    Don Alphonso sagt:
    1. Januar 2016 um 11:30 Uhr

    Es wäre übrigens fein, wenn man hier inhaltlich beim Thema bliebe und nicht versuchte, die Debatte zu kapern… gerade den ersten Kommentar des Jahres gelöscht.

    • Es geht hier einfach nicht um Ihr Thema. Und ich werde nicht zuschauen, wie das hier dann plump missbraucht wird.

  29. ???
    Gab es zum letzten SdG-Blog wirklich nur 74 Leser-Kommentare/Beiträge?

    Wünsche im übrigen dem werten DA, eine guten Rutsch gehabt zu haben – und weiter so auf allen Kanälen!

  30. folgernd
    gibt es doch im geiste keinen unterschied zwischen dieser wegwerf ratte, die unnötige Bedürfnisse weckt und diesen ganzen androidspielen, die die zeit unserer jugend vergeuden, angeblich umsonst daher kommen, um dann das Bedürfniss einmal geweckt, mit zahlbaren extras und immensem zeitdiebstahl die jugend zu willenlosen konsumenten miterziehen…

    • Man sollte alles verbieten, was die Jugend zu willenlosen Konsumenten erzieht!
      Und sich dabei nicht von der inzwischen jahrtausendelang empirisch bestätigten Wirkungslosigkeit abschrecken lassen. Irgendwann und irgendwie wird sich der neue Mensch schon einstellen. Gedankenschwer, rücksichtsvoll, altruistisch, humanistisch und antimaterialistisch. Behutsam gelenkt durch die selbsternannte geistige Avantgarde. Das klappt schon noch :-).

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  31. "Bei uns brummt es..."
    wohl im Oberstübchen… Dieses schwachsinnige Stück Blödsinns-Technik ist mir selbst noch nie begegnet.

    Der Schriftzug darauf (siehe Post-Titel)… zeugt gut von der von Don Alphonso aufgeworfenen These zur Geistes-Haltung.

    Da piept es eben wohl.

    Wenn ich auch einige Erklärungen hier, für diesen elenden Plastikkasten, interessiert gelesen habe… und somit einen Rest-Nutzen nicht auszuschließen vermag, wirft das Ding, und dessen Erfinder allesamt, Fragen auf.

    Bei uns sind Brummer jeder Art, Lebewesen jeglicher Colleur… und diese gehören in die freie Wildbahn (bestenfalls) und nicht auf den Tisch (-;

    Frohen Urlaub, Don Alphonso.

    Grüße aus der Metropol-Region Rhein-Neckar.

  32. Also,
    blaue Ratten gibt es, wie festgestellt, vor allem in sog. Lifestil-Abfütterungsstationen. Die einzige blaue Ratte mit der ich (wir) Zufallskontakt hatten ist so eine. Das Motto der gastronomischen Einrichtung ergibt auch den Namen der Kette, der in südländischer Sprache zu einer langsameren Gangart anrät. Übrigens kürzlich durch angeblich angegammelte Lebensmittel im Gespräch. Die Nachhaltigkeit suggerierende in Papiertüten bevorratete Pasta steht dem Klientel da ordentlich vor Augen, bei der Zubereitung geht es zu wie beim urban gardening auf dem Tempelhofer Feld, nur schneller. Das H&M-Publikum ist bei der Verpflegungsaufnahme meistens mit ihren eigenen blauen Ratten beschäftigt und würdigt den halb-Stehtisch-Nachbarn allerhöchstens mit den bekannten kalt-flüchtigen Blicken die nun mal der überwiegend universitären Anwärterschaft zu eigen ist. Dass hier ein Gespräch sich anbahnen könnte, wie ich es aus den von uns bevorzugten rattenfreien Besen-und Straußwirtschaften (überwiegend ohne Kartenzahl-Elektronik) in Baden und Württemberg wage ich zu bezweifeln.

  33. Autor
    … ich entdeckte diese „Pager“ im Sommer 2010, als ich am Schuhsee nach einer Wanderung einkehrte. Du konntest die Getränke vom Tresen mitnehmen, bestelltest ein Essen und wurdes angeblinkt bzw. anvibriert. Damals dachrte ich: DAS wäre mal ein Dokumentarfilm! Den Weg zur Herstellung dieser vermeintlich sinnfälligen Appaturchen aufzuzeigen! Welche Ressourcen in den Dingern verschwinden! Wie viel Geld die Erfinder damit machen können! Mehr an Kapitalismus, dachte ich, kann man an so kleinem Ding nicht exerzieren! (Freilich sagte der Selbstzweifel: Ist in die Gegen-Richtung nicht alles gesagt, gelabert, gezürnt, verteidigt, widerrufen, wieder gezürnt; der Film ist Idee geblieben.) Dazu die (Wander- und Lebens)wege derjenigen, die zu den elektronischen Ratten greifen … Über Freiburg, zwei Jahre später, bestellte ich per „Pager“ meinen Flammkuchen. Und nun lese ich, dass es die in Norddeutschland – vermutlich überall in Deutschland – auch gibt. Es ist, wie Sie schreiben; und das schreibe ich Ihnen, obwohl ich, Widerspruch, claro!, Leser-Kommentare im Digitalen „normalerweise“ nicht verzapfe. Danke.

  34. Titel eingeben
    Auf der FAQ zum Kongress (https://events.ccc.de/congress/2015/wiki/Static:FAQ#What_about_videotaping.2Ftaking_pictures_at_congress.3F) steht unter anderem, dass alle fotografierten Personen vorher um ihre Zustimmung zu bitten ist. Auf dem Kongress selbst war dies auch an vielen Stellen noch einmal ausgeschildert.

    Ist für das dritte Bild belegbar, dass hier alle Zustimmungen eingeholt wurden?

    • Ich will Sie jetzt nicht mit einem Exkurs zu Bildrechten nerven, aber ich bin Hournalist, Abbildungen von Gruppen und Szenen sind generell erlaubt und auf dem Bild ist niemand identifizierbar.

  35. Rattengerät
    Mich wundert eigentlich nur, weshalb diese Alarmgeräte noch nicht durch eine App ersetzt worden sind. Ich kann es mir nur so erklären, dass man sich bemüht, dem System einen analogen pfandmarkenartigen Anstrich zu geben, der über jeden Verdacht der technologisch bedingten Wegrationalisierung von Servicepersonal erhaben ist.

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