Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Wie man den Hass im Netz beendet

| 196 Lesermeinungen

Ich kenne kaum eine Wohnung von bekannteren Netznutzern.

Ich mein, ich weiss vergleichsweise viel über sie. Mit wem sie schlafen und welchen Beischlaf sie nachträglich nicht so gut fanden. Das schreiben sie nicht offen, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, Hashtags wie #whyIsaidnothing erlebt, und sich etwas in diesen Kreisen auskennt, weiss natürlich, wer gemeint ist. Und warum man vielleicht auch nicht mit ihnen schlafen sollte. Ich sehe ihre Wach- und Schlafzeiten, ich sehe ihren stolz verkündete Tätigkeit im Netz, und kann in etwa einschätzen, wo sie beruflich stehen. Ich sehe Veränderungen in ihrem Umfeld, wer in ihrer Gunst aufsteigt, und wer mehr oder weniger brutal weggeschoben wird. Kennt man einen Streit um Einfluss und Geld, so scheint es mir nach anderthalb Jahrzehnten Bloggerei, kennt man alle.

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Aber ich kenne die Wohnungen nicht. Das liegt nicht an einem besonderen Hang zum Datenschutz, denn der existiert in Kreisen nicht, die ganz offen über Partnerbeschaffung bei Tinder sprechen – was auch etwas über die Einstellung zu Freundschaften aussagt. Sie zeigen mir viel, wenn sie etwas schön und gut finden, und oft hat es mit “Wohlgefühl“ und “Zufriedenheit“ zu tun. Bei mir und vielen anderen, die ich nicht aus dem Netz kenne, stehen da an erster Stelle die eigenen vier, acht oder mehr Wände. Was ich davon selten im Netz zu sehen bekomme, ist mehr funktional denn schön, mehr Ikea denn wertvoll und, von ein paar Restaurierungsbloggern einmal abgesehen, schlicht und ergreifend austauschbar. Nicht das, was man will, sondern nur das, was verfügbar ist.

Gründerin, mal auf der Titelseite eines Magazins und jetzt auf der re:Publica Vortragende: Graue, niedrige Stahltische auf grauem Industrieteppich. Internetvordenker, Buchautor: Berg mit ungewaschener Kleidung. Leute, die sich von Grossindustrie und Reiseveranstaltern einladen lassen: Seit Jahren die gleiche Mietwohnung und Essen vom Inder, weil die Töpfe noch nicht ausgepackt sind. Promovierte Aktivistin, die anderen zeigen will, wie man voran kommt und selbst damit hadert, dass die Bude einfach nicht passt und zu teuer ist. Katzenbilder, so zurecht geschnitten, damit man nicht das Ambiente erkennt. Viel, sehr viel Berlin, natürlich, und alles in Folge der Preisexplosion in Mietverhältnissen. Nebenkostennachzahlung ist ein Thema, Innenarchitektur nicht.

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Es sind Wohnverhältnisse, die man aus Büchern wie “Neuromancer“ und Filmen wie “Blade Runner“ kennt. Es sind Lebensformen, für die Batterieleistung und WiFi-Verbindung entscheidend sind, und die erwarten, dass diese Bedürfnisse immer befriedigt werden. Es ist ihnen vollkommen egal, ob Gläser geschliffen oder gepresst sind. Sie haben keine Tasse und Untertasse, sondern Becher mit Werbeaufdruck und schwarzen, festgetrockneten Resten. Sie sind abgelenkt und fixiert auf das, was auf Bildschirmen abläuft. Es gibt nichts, was sie von aussen ins Netz tragen könnten, das sie nicht vorher daraus bezogen hätten. Ihre Lebensblickachse richtet sich auf den Screen und ignoriert, dass es um sie herum weniger gut aussieht. Das trifft auf die AfD-wählende Studentin mit islamophober Einstellung und Dauerfacebook genauso zu wie auf den Refugee-Welcome-Aktivisten, der das Netz wissen lässt, was er am Lageso tun wird.

Und sie alle fühlen sich wie Stars. Sie haben Follower und Anhänger, Gleichgesinnte und Verehrer. Sie könnten kaum jemand in ihre Wohnung lassen, aber jeden, der will, in ihre Gefolgschaft. Das Internet ist nicht nur eine Wohnung, es ist für sie ein ewiges Walhall, ein dauerhafter Volkskongress, in dem sie die Richtung vorgeben. Das erzeugt Autoblogger, die wirklich glauben, ihr geschmierter Beitrag würde etwas am Gang der Industrie ändern. Es erschafft einen Aktivismus, der sich vor allem damit beschäftigt, im Netz aktiv zu sein. Das bringt mir täglich eine lächerliche Petition von Change.org in das Postfach, deren Autoren bar jeder Selbstkritik sind. Und viele erwarten, dass man sich an ihren Crowdfundings wie bei Krautreporter beteiligt, oder via Patreon zu ihrem Treiben beiträgt, dem jede externe Qualitätskontrolle fehlt. Warum auch Qualität, es finden sich einige, die dafür zahlen, das Beispiel Krautreporter mag als Vorbild gelten. Es gibt nicht genug für den Bau eines Hauses, aber solange die Batterie hält und die WiFi-Verbindung steht, sind sie genügsam.

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Vor 10 Jahren haben Sascha Lobo und Johnny Häusler nicht nur die re:Publica auf den Weg gebracht, sondern auch versucht, 30 Blogs zu kommerzialisieren. Sie wollten mit “Adnation“ einen Vermarktungskanal für Blogwerbung schaffen, und haben sich bei der Gelegenheit mit vielen Leuten – unter anderem auch mit mir – überworfen. Wer die Kommerzialisierung nicht wolle, so Lobo damals, sollte doch ein “Praktikum bei einer nordkoreanischen Staatszeitung“ machen. Die Wirtschaftsgeschichte der Blogger hat danach allerdings gezeigt, dass es sich auch hier um einen eher nordkoreanischen Arbeitssklavenmarkt mit niedrigen Einstiegshürden und noch niedrigeren Erfolgsaussichten handelt; manche der damals Vermarkteten haben ihr Heil längst in der Flucht zu öffentlich-rechtlichen Häusern gesucht. Stefan Niggemeier, damals mit Bildblog dabei, versucht es nach einem Gastspiel bei Krautreporter jetzt – durchaus ehrbar – mit Übermedien. Das Netz ist keine üppige Weide: viel Platz, aber wenig Möglichkeiten, etwas abzugrasen. Man kann sich damit durchschlagen, und hängt dann fest zwischen den schlechten Aussichten und schwindenden Alternativen. Das ist meines Erachtens der Grund, warum die re:Publica so erfolgreich ist: Drei Tage lang dürfen sich die Anwesenden so geehrt fühlen, wie sie die restliche Zeit des Jahres nicht sind.

Dort sprechen sie momentan vor allem über den Hass und dass das Netz nicht so wurde, wie sie es sich gewünscht hätten. Es klingt für mich wie der Streit in einem Wohnblock, der einstmals als Luxusdomizil geplant wurde und nun heroinsüchtige Exrockstars, Immernochhalbstarke und Selbstbewunderer aller Art beherbergt, während im geleerten Pool die Ratten quietschen. Der Aufzug streikt, die Keller sind an die AfD vermietet, die Klimaanlage stinkt nach verbrannten Insekten, und in den Gängen urinieren ein paar betrunkene Piraten-AGHler auf den abgetretenen Teppich und grölen die Internationale. Für ein paar Scheine würde jeder alles tun. Ich bin gerade in Siena, aber das Gemaule und die Reklamationen dringen bis zu mir, und alle beklagen sie den Hass, der im Netz virulent und ganz schlimm sein soll. Es kann schon sein, dass in so einer verkorksten Sozialmediawohnanlage die Stimmung nicht sonderlich gut ist. Aber die Klagen sind verständlich. Ich kenne ihre echten Wohnungen nicht, weil das Netz ihre echte Wohnung ist. Und die entspricht einfach nicht ihren Erwartungen. Per Nonmention werde auch ich bei den Konflikten bedacht – bittschön, ich wohne in einem Palazzo bei Siena, und wenn ich hier den Schlüssel abziehe und radeln gehe, schaltet sich auch das WLAN unter den jahrhundertealten Balken ab.

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Wer nichts anderes als das Netz hat, nimmt es zu wichtig. Da unterscheiden sich Netzaktivisten nicht im Mindesten von der Raserszene, für die mangels Alternativen der aufgemotzte BMW 318 das Versprechen eines Lebens ist, das anderen eher peinlich erscheint. Die Konflikte sind so gehässig, weil die Leute wie türkischstämmige Halbstarke von ihrem Ansehen, oder wenn man so will, ihrer Ehre leben, auch wenn das in der Szene “digitale Reputation“ heisst. Das ist nicht materiell, das kann schnell verschwinden, und entsprechend verbittert wird darum gerungen. Offen geben solche Leute dann den ehrlichen Rebellen, hintenrum schicken sie weinerliche Gegendarstellungswünsche an die Herausgeber. Es wird mit allen Mitteln gearbeitet, und das Rauskegeln von Andersdenkenden aus den Berufen gilt mittlerweile als Anlass für Belobigung. Das Netz ist das Crystal Meth, auf dem recht viele in dieser Szene sind, und genau so erbittert und brutal wird darum gehasst, gekämpft und ausgegrenzt: „Du schreibst was bei X also kenne ich dich nicht mehr.“ Wie so oft, wenn es um moralische Anliegen geht, ist schon sehr wenig Geld dann ein grosser Grund für Untaten.

Wer das ändern will, sollte ihnen die Sinnlosigkeit ihrer Erwartungen vermitteln. Oder, wenn das zu unmenschlich sein sollte, nicht nur drei Tage, sondern das ganze Jahr Aufmerksamkeit und üppige Löhne für ihr Treiben zukommen lassen. Das würde den Hass mit Sicherheit reduzieren, denn sie würden sich gewürdigt und angemessen beachtet fühlen. Sie wären zufrieden in ihrem Haus, das das Internet ist. Sie könnten vielleicht eine Putzfrau einweisen oder mal in Ruhe abspülen, ihre Krankenkassenrückstände begleichen und nach einer schöneren Wohnung suchen. Mit Balkon. Und darauf Blumen anbauen. Sie müssten nicht dauernd dem nächsten Auftrag oder marginalen Job hinterher laufen, was der Stimmung schadet. Sie hätten sowas wie ein richtiges Leben und könnten anfangen zu überlegen, wie aus dem Internet wieder eine Ergänzung des Lebens wird. Dann nimmt man das alles nicht mehr so ernst. Vielleicht redet man dann auch mal mit Freunden, wenn sie eine andere Meinung haben, statt sie gleich zu Feinden umzuwidmen. Es wäre auch interessant zu sehen, ob mit einem in dieser Szene propagierten bedingungslosen Grundeinkommen die Streitereien vielleicht nachlassen würden.

Ich glaube an das Gute im Menschen. Und an schöne Häuser in der Toskana. Auch ohne Internet.

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196 Lesermeinungen

  1. Don Alphonso,
    Chapeau! Ihr Stil, Ihr Durchblick, Ihre Fähigkeit zur Pointierung und Ihre Gelassenheit machen Sie zum Riesen unter Zwergen im Reiche der Blogs.

    Danke und weiterhin viel Vergnügen in Italien!

  2. Meine Stimme...
    für die erste Alternative (Vermittlung der Sinnlosigkeit ihrer Erwartungen).
    Wer mag für sowas schon üppige Löhne bezahlen?
    Wir haben schon genug Demokratieabgabe.

    • Das gäbe aber einen Shitstorm.

    • Frösche fragen?
      Das würde dann beweisen, dass die betreffenden Personen nur Sch… produzieren. Vielleicht sollten die sich mal bei der EU für Landwirtschafts-Subventionen anstellen.. ;0)

  3. Titel eingeben
    „Es gibt nichts, was sie von aussen ins Netz tragen könnten, das sie nicht vorher daraus bezogen hätten.“

    Ein einziger Satz – besser kann man diese Szene u n d ihre Bereiche des Netzes nicht beschreiben. Menschen, die kein richtiges L e b e n haben, machen ihr Netz zu einem Perpetuum mobile, das ausschließlich selbstreflexiv ist, nur noch um sich seber kreist, gespeist aus dem unerschöpflichen Quell ihres grenzenlosen Narzissmus!

    • Damit ews mir nicht so geht, kommt bald ein Beitrag von der l’Eroica.

    • Titel eingeben
      Sehr geehrter Wanderer,

      genau diesen Satz wollte ich auch gerade loben. Ein wunderschöner Satz! Die Analyse von Don ist sehr treffend, denke ich. Und ich bin wirklich froh, dass ich zwar politisch aktiv und interessiert bin, jedoch etwas ordentliches gelernt habe. Um diese Bloggergemeinde würde ich einen grpßen Bogenmachen. Sie brauchen Geld und sind schwach. Sie fügen Menschen nur Schaden zu. Man sollte sie meiden. Und zum Grundeinkommen: Hier wird sich zeigen, dass Deutschland doch noch keine Sovietunion ist. Ich kann mir zwar mittlerweile viel vorstellen, aber das lassen die Werktätigen nicht zu. Bald ist wieder Arbeitskampf. Das Wort Arbeit sollte man unterstreichen.

    • Ein wenig arg kurzsichtig, Herr Wanderer, oder?
      Während früher alles ganz anders war, KEINER hat irgendwelche Quellen verwendet, jeder hat ganz sein eigener Goethe sich alles aus den eigenen Fingern gesogen?
      Auch JWvG hat seine Faust übrigens von anderen abgekupfert….

      Das Abkupfern ist also keineswegs das Problemn, sondern das Niveau.

      Und deshalb ist so, dass sich NICHTS geändert hat, so war es nämlich immer. Früher war ein JWvG halt gezwungen das Geld für den Wewrther Druck irgendwo aufzutreiben, heute gnügt die einmalige Investition in einen Computer und wer meint er sei was Besonderes legt einen Tausender obendrauf und konsumiert apple, damit die Steuern in der Karibik landen.

  4. Zurückhaltung würde helfen
    Deshalb bin ich all jenen dankbar, die nicht meinen, sich jederzeit gegenüber allen zu allem möglichen äußern zu müssen. Wer meint die Vernunft auf seiner Seite zu haben, ist auch nicht vernünftiger als der Rest. Ich arbeite noch daran, diese Erkenntnis zu verinnerlichen.

    • Nur ist Schweigen eben der Selbstmord im Netz.

    • Wort und Tat und das Fehlen der Tat als beständige Suizidgefahr
      Ein Missverhältnis zwischen beidem bemängelte man früher des Öfteren bei politisch Engagierten. Bei Netzaktivisten stellt sich diese Frage gar nicht mehr. Die Tat jenseits des virtuellen Raumes fehlt und das Wort beschränkt sich auf 140 Zeichen. Ich halte ja nicht viel von Marx. Aber immerhin hatte er erkannt, dass die Marxisten nicht dabei haltmachen können, die Welt zu interpretieren, sondern weitergehen müssen, um sie zu verändern. Wort und Tat mit viel Wort im Netz fallen derzeit bei der AfD und Donald Trump recht gut zusammen. Man erkenne einmal mehr den Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit als objektive Ironie. Eine beruhigende Konstante der menschlichen Natur. Hannah Arendt postulierte, dass das Handeln die einzige Tätigkeit ist, in welcher der Mensch im eigentlichen Sinne zu dem werden kann, was er ist. Darüber sollten Netzaktivisten mal nachdenken.

    • Ach, wenn Sie die genauer kennen, dann lernen Sie auch einiges über Depression als logische Folge von Naturprallheit.

  5. Titel eingeben
    So, der Hass im Netz ist also Thema auf der re:Publica 10?

    Ich finde das recht befremdlich. Denn ein Netzbewohner sollte wissen, dass das Internet letztlich nur der Spiegel der ganz schnöden Gesellschaft da draußen vor der Haustür ist. Deswegen findet man im Netz auch fast alles, was man sonst so „da draußen“ finden kann.

    Allerdings gibt es den einen oder anderen eklatanten Unterschied: Man redet zu häufig von Hass, weil man nicht in der Lage ist, Abneigung, andere Meinungen etc. entsprechend zu differenzieren. Das, was man im täglichen Leben auf der Straße allgemein als Abneigung erfährt, wird im Netz prompt als „Hass“ wahrgenommen. Das macht es einfach, mit dem Problem umzugehen. Wer Ablehnung erfährt, muss sich fragen, warum das so ist. Erfährt man aber Hass, ist man ein armes Opfer, dem geholfen werden muss und man muss nichts und niemanden hinterfragen – schon gar nicht sich selbst. Das ist bequem.

    Ein weiter Unterschied ist die Hemmschwelle. Es ist altbekannt, dass es einem Menschen (dessen Sozialisation geglückt ist) mehr oder weniger schwer fällt, einen Menschen zu beschimpfen oder verbal zu verletzen, wenn er dessen Reaktion sieht. Vor dem Rechner sitzend, fällt diese Möglichkeit der sozialen Wahrnehmung weg und offensichtlich ist so etwas wie Empathie bei zu vielen Menschen eher schlecht ausgebildet; denn wenn sie nicht sehen, wie sehr sie ihrem Gegenüber auf die Füße treten, kennen sie keine Hemmung. Das ist in der Tat ein Problem.

    Doch wenn man genau hinsieht: Treffe ich jemanden auf der Straße, den ich nicht mag, grüße ich ihn vielleicht dennoch – das ist diese Sache mit der Höflichkeit. Das wird mich aber nicht daran hindern, über diesen Menschen (tief in meinem Inneren) schlecht zu denken und ihn (immer noch tief in meinem Inneren verborgen) mit nicht weiter zitierfähigen Worten zu belegen. Im Netz hingegen scheint es Menschen sehr leicht zu fallen, genau diese Haltung des allgemeinen Umgangs über Bord zu werfen und tief in die Kiste der Verbalinjurien zu greifen und fröhlich damit um sich zu werfen.

    Ist das jetzt ein Fehler des Netzes – muss man sich als Netzbewohner nun weniger im Netz zu Hause fühlen? Ich denke nicht. Ja, es ist oft genug unschön zu sehen, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie ihren (ansonsten wohl gehüteten Abneigungen) freien Lauf lassen.

    Ich hingegen finde es sehr spannend zu sehen, welche Abgründe in den Menschen lauern, die in der Gesellschaft da draußen brav domestiziert sind und im Internet ihre freie Entfaltung finden. Es sagt so viel über diese Menschen aus.

    Wer über den Hass im Netz weint, weint am Ende – wenn er genau hinsieht – doch nur über den Hass, der ansonsten tief in den Menschen verborgen ist.

    • Nun, ich bin ja ein einziger Abgrund, das ist kaum zu übersehen.

      Aber erstaunlich finde ich, dass einerseits über das fraglos vorhandene Problem geklagt wird, um dann sofort gleich jemanden reinzutauchen. Erkenntnis und Anwendung sind keine 20 Buchstaben auseinander. Und ich denke dass, wenn die Leute insgesamt zufriedener und nicht abgehängt wären, die Sache angenehmer verlaufen könnte. nicht unbedingt bei manchen AGHlern, aber beim Normalnutzer durchaus.

    • Liebe, Streit, Hass, Versöhnung
      Darum dreht sich die Welt, darum verändert sie sich.

      Nur wer liebt kann hassen, sich versöhnen und hat eine Zukunft. Wenn er das Versöhnen auch noch beherrscht, kann er am Morgen in seiner Netzwohnung mit einer Geliebten und in der italienischen Villa mit Syphilis aufwachen oder auch nicht mehr.

    • Drachenrose...
      Ja, es mag manchmal unangenehm sein zu was die (bergrezte) Anonymität ausufert, aber mich hat noch keiner gezwungen an Facebook oder twitter & Co teilzunehmen. Sich dem auszuliefern, aber dann drüber jammern ist einfach nur lächerlich!
      Aber übersehen sie trotzdem lieber nicht, dass die Menschen sich damit ja letztlich ehrlicher zeigen. Sie schreiben das. was sie meinen, nicht weil sie bösere Menschen geworden sind, sondern, weil sie die Schnauze voll von der all-gegenwärtigen Heuchelei haben, zB der Lügenpresse.
      Im täglichen Leben ist man gezwungen im Umgang mit allem von Verkehrspolizisten bis zur Merkel ungewollt gewisse Grenzen einhalten zu müssen, weil der Rechtsstaat so nebenbei ja auch noch jede noch so perverse Machtkonstellation schützt! Und es ist ja auch nicht so, dass einem die ganze Welt heutzutage rücksichtsloser, neo-liberaler, perverser vorkommt….. Sie IST es ja auch und so werden Umgangsformen die vor ein paar Jahrzehnten noch angemessen waren, heute einfach zur Seite geschoben.
      Diese Entwicklung ist keineswegs nur negativ. Karrieren in der Politik wie sie von Bernie oder Trump, und die enorme Ablehnung die jener widerlichen Politics-as Usual Clinton entgegen schlägt sind deshalb äusserst positiv zu bewerten!

      Eine wachsende Mehrheit, die Kategorien wie Links oder Rechts ignoriert, will diese ganzen Sauereien in Politik und Wirtschaft nicht mehr! Und das Net, bei all seinen Fehlern, ermöglicht den Leuten ihr NEIN rauszuschreien. Dass nach all der Zeit da der aufgestaute Hass auch mal an falscher Stelle mit rauskommt, das sollte einen nicht wundern!

      Sollte es der Politik nicht gelingen das Internet unter seine Kontrolle zu bringen, so werden ganz unfassbare Änderungen kommen…
      Der Wunsch des Staates nach Total Überwachung ist der Wunsch zur Beibehaltung des Status Quo. Viele in der Politik haben das bereits vestanden, aber auch noch sehr viel mehr Bürger…

    • Klaus
      Was meint „AGH“?
      (Arbeitsgelegenheit? Abgeordnetenhaus? der Rest, den Wiki anbietet, kommt wohl nicht in Frage)

      Übrigens: nicht recht beachtet/beschrieben sind auch Kommentatoren in fremden Blogs, vor allem die sehr langen und lästigen Kommentare mit vielen Links, die nix zum Thema schreiben die dann doch gelöscht werden (müssen. Wegen der Hygiene). Auch die scheinen kein gemütliches Zuhause zu haben, sondern nur ein „perfekt“es (ja, der Rebellenblog ist schon wieder vollgekotzt).

    • Abgeordnetenhaus Berlin, wo die Piraten ein paar politclowns statt Menschen hinschickten, die die Üartei fast im Alleingang ruinierten.

    • Der erste "Twitter-Präsident"
      @ TDV
      „Karrieren in der Politik wie sie von Bernie oder Trump, und die enorme Ableh-nung die jener widerlichen Politics-as Usual Clinton entgegen schlägt sind des-halb äusserst positiv zu bewerten!“

      Was an Trump bzw. seiner Politiker-Karriere „äußerst positiv“ zu bewerten sei, ist wohl Ihr Geheimnis. Entweder mögen Sie einen verkappten Nazi à la „white supremacy“, der seine Zeit damit verbringt, derbe insults zu twittern, oder Sie haben sich mit ihm und seiner Politik nicht näher beschäftigt. Ihn mit Bernie im gleichen Atemzug als „äußerst positiv“ zu erwähnen ist ein Schmarrn.

      Trump, der Milliardär *ist* Establishment. Das ist sein dritter Versuch, Präsident zu werden. Er hat Jahre lang Politiker geschmiert und sich von denen geschäftliche Vorteile erkauft. Bei Korruption sind *beide Parteien* Täter! Woher wollen Sie wissen, ob er besser ist als Hillary Clinton? Ich traue ihm alles zu.
      Hier Kostproben für das Niveau
      http://edition.cnn.com/videos/politics/2016/02/20/trump-general-pigs-blood-deter-muslims-sot.cnn/video/playlists/donald-trump/
      https://www.armstrongeconomics.com/international-news/north_america/2016-u-s-presidential-election/trumps-reading-of-the-snake-is-going-viral-in-europe/
      Gestern auf WDR
      http://www.wdr.de/programmvorschau/alle/uebersicht/2016-05-04/

    • @Tamarisque
      “Was an Trump bzw. seiner Politiker-Karriere „äußerst positiv“ zu bewerten sei, ist wohl Ihr Geheimnis“

      Ist es keineswegs… ich habe dies hier mindestens zweimal erklärt, sogar mit den dazugehörigen Links.
      Ich dachte es hätte sich mittlerweile rumgesprochen…
      Ich werds mal so kurz wie möglich machen. Trump ist der einzige Kandidat der die banale Wahrheit erkannt hat, dass Kriege mehr kosten als sie einbringen. Wer also nicht die Verbrecher bei Haliburton & Co reicher machen will, der fängt im Gegensatz zu Obama und Clinton (die ja bekanntlich FÜR den Iraq Krieg war, DIES UND NOCH IST!) keinen Neuen an. T. hat wörtlich gesagt, dass er sich mit Putin an einen Tisch setzen wird.
      Wer die US Politik verfolgt weiss, dass der Verlust der #1 Stellung für die USA nicht mehr aufzuhalten sein wird… Wenn überhaupt, dann durch einen Krieg NATO/EU gegen Russland, den Clinton, wie Nuland/Stratfor ja fordern, im Gegensatz zu Trump anstrebt.
      Diejenigen die meinen Kommentar zum Thema vor Wochen gelesen haben die wissen, dass dies das einzig Gute an Trump ist, dass es zu finden gibt. Es ist gut FÜR UNS, die widerliche Kriegstreiberin, die ja nichts als eine Angestellte von Big Money ist, hingegen ist schlecht für Europa.
      Als ehrlicher Mensch füge ich stets gerne noch hinzu, dass Trump möglicherweise für die USA ein Debakel sein könnte.

      Und genau deshalb ist Trump für mich (und Europa) eine win-win situation…..

      „Trump sei Establishment“ ist ein Satz den ich in dieser Dummheit nicht von ihnen erwartet hätte. Tun sie sich mal ein paar Studen CNN an, da folgt eine Diskussion auf die andere, welche Möglichkeiten man denn hat Trump durch einen tatsächlichen Establishment Kandidaten bei der Rep Convention zu ersetzen und die Nominierung zu stehlen. Als Alternative wird von der Republikanischen Partei völlig offen darüber gesprochen einen Third Party Kandidaten aufzustellen um Trump zu verhindern, damit Hilary an die Macht kommen kann.
      Lieber gibt man das Weisse Haus auf, um die Partei zu retten!
      Kasich zB hat seine Kandidatur keineswegs beendet, er hat deutslich geasgt, er liesse sie ruhen!
      In deutschen Medien wo Nachrichten eine Angelegenheit für kostenfreie Volontäre und Praktikanten sind, fallen solche Unterschiede natürlich unter den Tisch…

    • Titel eingeben
      @TDV
      Trump wird von CNN, genauso wie von der NYT, mit Samthandschuhen angefasst, das sind eher Fan Clubs. Sie sollten Politico, Daily Beast, Huffington Post, Salon und Washington Post lesen.

      Trump will die USA als unangefochtene Führungsmacht der Welt etablieren. China soll nach seiner Pfeife tanzen. Er will das Militär, das sich heute laut sei-nen Worten in einem jämmerlichen Zustand befinde, massiv aufbauen, damit die ganze Welt vor ihm kuscht und vor Angst zittert.

      Trump selbst war anfangs *für* den Irak-Krieg, dafür gibt es genug Beweise in den kritischen Medien.

      „T. hat wörtlich gesagt, dass er sich mit Putin an einen Tisch setzen wird.“

      Was T. wörtlich sagt, bedeutet wenig, weil er seine Meinung dauernd ändert.
      Wenn diese beiden Riesenegos clashen, dann gnade uns Gott!
      „Trump Says U.S. Should Shoot Russian Planes If Diplomacy Fails“
      http://europe.newsweek.com/trump-says-us-should-shoot-russian-planes-if-putin-calls-fail-454902?rm=eu

      Trump lässt wiederholt kriegslüsterne, aggressive Sprüche fallen, über Atomwaffen waren seine Äußerungen unverantwortlich.
      „Bobby Knight compares Donald Trump to Harry Truman, who had the ‚guts to drop the bomb’“ und lobt Trump dafür, dass er den ebenso Mut hätte, eine Atombombe zu aktivieren.
      http://www.businessinsider.de/bobby-knight-donald-trump-harry-truman-2016-4?r=US&IR=T
      Truman authorized the nuclear bombing of Hiroshima and Nagasaki, Japan, in 1945 — the only nuclear weapons ever to be used in warfare. More than 120,000 people were killed between the two bombings during World War II.
      „Such a great guy. Wow,“ Trump said after Knight’s comments. „How do you top that? How do you top that? What a great guy.“

      „[…] die widerliche Kriegstreiberin, die ja nichts als eine Angestellte von Big Money ist, hingegen ist schlecht für Europa.“

      Trump selbst *ist* Big Money! In seinem schriftlichen Wahlprogramm kündigt er Steuergeschenke an seine Milliardär-Buddys bzw. an sich selbst an, will sogar die Estate Tax (Erbschaftssteuer für Millionenvermögen) abschaffen.

      „Trump sei Establishment“ ist ein Satz den ich in dieser Dummheit nicht von ihnen erwartet hätte.“

      Natürlich ist er Establishment, denn er gehört zum 1 % der reichsten Amerikaner.
      Trump ist zwar [noch] nicht Washington Establishment, aber er war bisher mit den Clintons befreundet, spielte Golf mit Boehner, hatte beste Beziehungen zu Pelosi. Ist das kein Establishment?
      Ich hätte von Ihnen nicht erwartet, dass Sie so naiv wären, Trump für das republikanische Pedant von Bernie Sanders zu halten.

      Wer ein Endorsement des KuKluxKlan nicht eindeutig ablehnt, sondern erst, nachdem die Medien scharfe Kritik äußern, ist für mich eine indiskutable, unberechenbare Person, egal, welchen „Nutzen“ man von ihm erhoffen will.
      Empfehlenswert WDR Doku vom 4.5.16 22.10 Uhr, abrufbar als Video:
      „Donald Trump – Milliardär ohne Tabus“.

    • @Tamarisque
      Ich bin ein wenig überrascht, dass sie sich von dieser lächerlichen Propaganda so einwickeln lassen… das hätte ich bei ihnen nicht erwartet.

      Ich habe gesagt was zu sagen ist, wenn sie lieber ihren „Quellen“ glauben, bitte, no problem für mich….

    • Krumen
      Es gibt sie, glücklicherweise auch hier, die Leute, die aufsammeln was die Herde zurückgelassen hat.
      Immer wenn ich mal Zeit habe, schaue ich durch die hektisch verlassenen Weidegründe. Hektisch, wenn es einen neuen Blog von Don Alphonso gibt, weil ‚man‘ weiterziehen muss um dort prominent zu posten. Ja, ich auch. ;-)

      Es ist nur von der Struktur des Blogs so unnötig aufwendig, zu navigieren. Die vielen Kommentare machen die Seiten so lang, es gibt nichts zum Aufklappen, keinen Link an der Seite zu einem anderen Blog … .
      Also bleibt mir jeweils nur, manuell zu den jeweiligen Blogs zu navigieren und dann nach den Tagen des Postens zu suchen. Schade.
      Manche Juwelen brauchen zu ihrer Reifung.

  6. Großartig
    Das war ein Highlight. Hut ab.

  7. Das Leben ist analog, sonst nix.
    Wenn es denn wirklich so schlimm ist, wie DA es beschreibt,bin ich froh, das alles nicht zu kennen. Bei uns ist keiner bei Twitter und Co. Trotzdem sind wir der Meinung, doch das Wesentliche mitzubekommen.Eigentlich können einem die Leute leidtun.Auch die, denen nun die Bodenampeln einfielen.Warum lässt man denen, die zurück wollen zum gebückten Gang und den aufrechten verlernen, nicht die Selbstverantwortung, sich die Birne anzustoßen oder nicht?

    • So ist halt die Elite. sie leben wirklich im Netz und machen es anderen schwer.

    • Titel eingeben
      Ich bin manchmal auch nicht sicher, ob wir uns hier über eigentlich kranke Menschen amüsieren, also über Internet-Psychos. Eigentlich sollte man meinen, mei, so bekloppt und verstrahlt kann keiner sein der recht bei Trost ist, und ist so jemand bekloppt und verstrahlt, dann ist er (meistens ja: ist sie) dann tatsächlich nicht bei Trost.

      Soziale Bindungen sind eben ein Korrektiv, Soziale Kontrolle nannte man das mal. Ein Twitter Userinterface hat das nicht, verzieht nicht die Miene, wenn Blödsinn herausgespuckt wird in die Internetwelt.

  8. . You called me a bitch on the Internet, Mark.
    Wir schreiben das Jahr 25 des Internetzeitalters und der Don beschwert sich , dass noch keine Kathedralen und Konzertsääle erschaffen wurden.
    Bitte etwas Geduld .Im Gegensatz zum Wilden Westen läuft das doch alles sehr zivilisiert.

    • Mir würde es schon reichen, wenn mir keiner die Hütte anzünden wollte.

    • Titel eingeben
      Es gab auch Zeiten, da wurde eine Stadt erst dadurch groß, weil man zunächst einmal eine riesige, wunderschöne Kathedrale errichtet hat, die dann mit entsprechender Anziehung verbunden war.

      Das könnte man ja auch mal wieder ausprobieren – nur so als Idee :)

    • : Look, you've got your land
      Vielleicht ist das hier der Platz für eine Kathedrale…

    • Kathedings
      Nun, die Kathedrale hat man erschaffen, sie heisst Internet. Und nun kommen die Schweinepriester und sagen kommt alle herein und betet unseren Gott die Meinungsfreiheit an, betet zu uns und zahlt Kirchensteuer dafür das wir Euch vorbeten…

      Nun, es soll ja auch durchaus interessante Priester geben, die nicht vor vollkommen eingeschlafenen Gläubigen reden und damit die Euronen machen, so wie hier. Doch das sind die wenigsten… Und diese wenigen, das ist wie im richtigen Leben, die überleben in der Masse der hirnlosen Blogs…

      So gibt es den Dom, das Münster oder die Kathedrale schon, und rundherum ein paar Kirchen. In einigen Kirchen ist es so voll das kaum noch Platz ist, in anderen ist ganz viel Platz…

      War es nicht auch dieser Lobo der mal fand das RealLive das Ding der Zunkunft ist, der zu NSA sagte dass er damit nicht gerechnet hat dass Geheimdienste nur ein paar billige Suchalgos erstellen mussten, wie sie auch bei Yourporn zu finden sind, um den Wissensdurst dieser Dienste zu stillen? Da konnte nun auch keiner mit rechnen, wirklich nicht… Ein Internetexperte wie er im Buche steht, der dann aber heult wenn man ihm SEIN Internet kaputt macht…

  9. Das wäre auch eine Erklärung
    In den letzten Monaten haben sich ja unübersehbar, nun ja, ein paar moralisch befriedigende kollektive Wahnvorstellungen etabliert. Diese widersprachen dem gesunden Menschenverstand, der allgemeinen Lebenserfahrung, dem Augenschein und der wissenschaftlichen Erkenntnis.
    Vielleicht ist so etwas nur möglich durch ein selbstbezügliches System wie das Bloggernetzwerk. Und das gewinnt seinen Einfluss daher, dass andere seinen Einfluss überschätzen. Denn am Ende stellt sich womöglich heraus, dass die Entscheidungsträger und Meinungsforscher die Welt auch nur noch aus dem Netz kennen, statt mal mit ihrem Briefträger oder Bäcker zu plaudern …

    Und die Blogger selbst haben ja fast keine andere Wahl als sich auf eine vermeintlich höhere Moral zu berufen. Was haben sie denn sonst ? die echten Erkenntnisse mehren sich nicht so wie die trüben Netzexistenzen, welche sie verwerten müssen.
    Also wurde die Moral als publizistisches Perpetuum Mobile genutzt. Ohne Anschaffungskosten und unverbindlich, allerdings auch schwer verkäuflich durch Überangebot.

    • Genau das war gestern meine Erkenntnis aus einer Podiumsdiskussion unter
      anderem mit unserm Justizminister Maas in Bonn zu dem Thema „Arena ohne Regeln – Streitkultur im Internet“. Nur die, die sich anscheinend viel zu oft nur über facebook und co ein Bild der Welt machen, beschäftigt der „Hass“ in diesen Medien wohl etwas über Gebühr. Die letzte, für mich wichtige Zuschauerfrage, in welchem Maße dieser „Hass“ im Netz denn vorkäme, wurde von Maas nicht beantwortet.
      Live ging er in Zwickau am 1. Mai etwas rascher zu seiner in der Nähe wartenden schwarzen Limousine zurück, nachdem das Volk wohl eher friedlich etwas laut und lang gepfiffen hatte.

    • kdm
      A propos Einfluss überschätzen. Das ist auch bei den Veganern so: gerade mal 1 (ein) Prozent, aber Propaganda wie die AfD & die mitspielenden Medien.

    • Prinzipiell ist es ja gut, wenn der Fleichkonsum begrenzt wird – aber Extremismus hilfdt da keinem. Das ist das Problem der Debatte.

  10. Pressglas...
    …ist durchaus schätzenswert. Frühes Pressglas, also bis ca 1830, war handarbeitlich sogar aufwändiger als manche Schleifarbeit.

  11. Psychoszene
    Die Beschreibung jener obskurer Internetszenen erinnert weniger an politische Ausdrucksformen als an eine gigantische Therapiegruppe (ungefähr Typ „Urschrei“), an einen Chor von Unbefriedigten, die auch schönere Wohnungen nicht glücklicher machen würden, da bereits die Vorstellung von einem gutem Leben sie noch unglücklicher machen würde als sie es ohnehin schon sind.

    • Schön, Saki, schön!
      Und ganz richtig. Ich weiss nicht, ob Don Alphonso das richtig sehen kann. Der Text ist mal wieder sehr beruhigend, die Schlussfolgerung scheint nicht unbedingt zielführend.

      Es ist wohl doch mehr ‚Psycho‘. Es gibt sie, diese Leute deren Selbsthass grösser ist als ihr Ego, auch wenn anders herum auch nicht zwangsläufig ideal wäre. Aber was kann jemand machen, der unter einem überschattenden Selbsthass laboriert, außer sich narzisstisch ins Getümmel stürzen um sich selbst nieder zu machen. Um dabei überhaupt den Kopf über Wasser halten zu können, müssen eben die anderen untergetaucht werden. Und dafür gibt es dank Internet und XYZ-App heute die Möglichkeit, seinen Hass an sich selbst stellvertretend an andere und über andere hinaus zu schreien.
      Da gibt es dann die Bewertungen für Artikel bei Amazon, auch bei ebay, auch über die Personen, und Restaurants und Hotels. Und natürlich bei facebook, twitter, und wie sie sonst noch alle heißen. Warum nicht auch über den privaten Sex, so wie im Text oben insinuiert?

      Da wird dann der /dev/hate eingebunden, und alles, alles, so wie es von dort kommt hinausgejagt in die Welten. Und ‚Rassismus‘. Das scheint ein besonderer Device im Betriebssystem zu sein, ein /dev/racist, der kontinuierlich „Rassismus!“ und „du Rassist!“ abliefert, und zwar in der bevorzugten Systemsprache.

      Und statt Schwimmbewegungen gibt es dann einen kontinuierlichen Strom von moralischer Überlegenheit, der vom Untergehen abhält. Ein Strom, der sich mit oder aus all dem speist, was derzeit jeweils fashionable ist, politisch korrekt, und sich aus unerfindlichen (?) Gründen ja auch überall in den Massenmedien findet.
      Nicht unerheblich ist dabei eine quasi-Massenhysterie, die bisher einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – wenn auch überhaupt nicht einmalig in der Geschichte Deutschlands – ein ganzes Land zu ergreifen scheint, und fast alle Herzen im Gleichklang schlagen lässt – natürlich außer denen der Rassisten! – .
      Ein Gleichklang trotz aller anderen Verschiedenheiten, dass der Islam indiskutabel zu Deutschland gehört, Griechenland endlich einen Schuldenerlass braucht, und vor allem alle menschen gemachten Grenzen von jedwedem überquert werden dürfen, der den dringenden Willen dazu in sich spürt. Und noch ein paar solcher Wunderkerzen.

      Wie, Don Alphonso, sollte denn so ein Mensch Zeit, oder wenigstens die Offenheit haben können, sich alten Stuck anzusehen, oder seinen Kronleuchter zu polieren, oder gar eine italienische Reise durchführen, wenn hier das endgültige Tor zum Eldorado aufgestoßen werden kann, durch eine kollektive Anstrengung eine neue Menschheitsepoche eingeläutet werden kann, mit komplett geschlechtslosen, kollektiv selbstbestimmten und gleichen Menschen?
      In etwa so:
      https://www.youtube.com/watch?v=4x_37i79QGg
      ?

    • Nein, im Ernst, ich glaube, da gibt es keine Lösung. sie verteidigen ihre vorstellungen wie der Faschist die arische Rasse und der Stalinist GuLag und Holdomor und die türkische Nationalistin das Verbot, über den Genozid an den Armeniern zu sprechen. Es gibt eben einen Internetextremismus, unreflektiert, entgrenzt, unsympathsch. Nicht alle sind so. Aber ich finde das schon erstaunlich, was für ein leichtes Spiel die haben.

    • Leichtigkeit
      Diese Leichtigkeit überrascht mich nur wenig.
      Der Mensch ist ein Rudeltier, und es gibt wohl deshalb Massenhysterie. Es gibt einen Punkt, an dem wir über andere Menschen in Massenpanik hinwegtrampeln, sei es in Mekka oder Duisburg.

      Es gibt aber auch diese Zustände eines kollektiven ‚High‘, wahrscheinlich mit Adrenalin- oder Morphinausschüttungen.
      Es gab vor wenigen Monaten eine ganze Anzahl von Berichten der Helfer, z.B. in Berlin, die bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe, und darüber hinaus, ohne zu schlafen durch Tage hindurch sich für die Flüchtlinge einsetzten.

      50 Jahre lang hatte ich das Phänomen ‚Drittes Reich‘ nicht verstehen können, seit letztem Jahr bin ich da dichter dran. Kognitiv erschließt sich wirklich nicht, wie oder warum die grosse Mehrheit der Deutschen bis zur totalen Erschöpfung und auch unter Opferung ihrer Angehörigen auf einen ‚Endsieg‘ hinarbeiteten. Und nicht nur äußerlich motiviert, und unter Zwang oder einer Drohung mit dem KZ, sondern aus Überzeugung, aus vollstem Herzen. Alles war nur wegen des letzteren möglich.

      Und so sind Leute mit glühenden Überzeugungen und wüsten Hasstiraden im Netz eben keine ‚astroturfer‘, die das für Geld machen, sondern Überzeugungstäter in kollektiver Hypnose.
      Vielleicht erscheint es deshalb so ‚leicht‘. Und wahrscheinlich ist es deshalb so gefährlich. Es handelt sich nicht um argumentative Überzeugungsarbeit, nicht um Fakten. Es ist vielmehr ein ‚Muss‘, eine Überzeugung beinahe prophetischer Art weitergeben zu müssen, die eine kühle Analyse und Pragmatismus auszuschließen scheint.


  12. „Hütte anzünden“
    Das ist auf alle Fälle gehässig, aber es schreit gleichzeitig die Ahnungslosigkeit der sich so Äußernden heraus. Ich meine, die Gemäuer, in denen Sie sich gewöhnlich aufhalten, wurden gewiß über die Jahrhunderte schon x-mal „brandgetestet“. Und da sie immer noch stehen, muß man sich wohl damit abfinden, daß die nicht so leicht abbrennen wie ein Zelt.

    • Hütte anzünden
      Ich hatte aus dem Kontext heraus eher an DDOS und ähnliches gedacht statt an konkrete Gemäuer.

    • konkret arbeiten einige externe Gruppen an meiner Entlassung.

    • Cervello tedesco
      Wenn diese ihr Ziel erreichten, hätten sie weniger Öffentlichkeit, denn gegensätzliche Meinungen sind auch immer eine Art Publicity. Man sieht daran eine gewisse Menge mente capta, die neue deutsche Version von cervello.
      Bevor diese also ihr Ziel erreichen, tun Sie ihnen den Gefallen und ignorieren Sie sie eine Zeitlang. Es mag ja ein schlechtes Licht auf mich werfen (eines der vielen), aber bevor ich hier davon las, kannte ich die pinkstinks z.B. nicht.
      Mir selbst machte mal jemand eine hübsche Schlägerdrohung, und das in so was normalerweise relativ Unwichtigem wie comments. Ich dampfte eine Zeitlang ab, und das Problem erledigte sich. Schon für Darts braucht man die Zielscheibe. Ist keine mehr da, kein Darts. Man muss das so rauf und runter fahren, dass man damit leben kann, vor allem, ohne sich zu entschuldigen, also ohne Kriechgang. Aufrecht. Aber ich bin sicher, dass Sie das besser können als ich.
      Die armen Irren, die sich im Netz aufheizen lassen, gehören in die Nussbaumstraße München oder deren Pendants anderswo. Jugendliche unter ca. 16 ausgenommen. Die muss man etwas schützen.

    • @D.A.
      konkret arbeiten einige externe Gruppen an meiner Entlassung

      Weshalb? Naja, ich überlas das „extern“. Soweit ich beobachten konnte, haben Sie jedenfalls ein ererbtes Gespür dafür, welche Standpunkt sich eben auf Dauer HALTEN LASSEN. So jemanden wegzuschicken, wäre die reinste Tölpelei; irgendwer muss die Dinge im Blick behalten, auch wenn sie einem mitunter weniger gefallen. Außerdem sind Sie nicht zu spröde, um als Bindeglied zu dienen, also bitteschön … Jedenfalls freue ich mich für Sie, dass Sie in Italien hinter schönen Mauern sind und der Ärger Sie wenigstens nur dann anspringen kann, wenn Sie den Rechner hochfahren.

    • Titel eingeben
      „Don Alphonso sagt: 5. Mai 2016 um 12:44 Uhr
      konkret arbeiten einige externe Gruppen an meiner Entlassung.“

      Sind sie sich sicher, dass das nur extern ist?
      Ich bin seit einiger Zeit allmorgendlich erfreut, dass die Seite noch auftaucht, wenn ich sie anklicke…

      Die Freude darüber, dass an dem Tag an dem das nicht mehr der Fall sein wird, einige der Foristen meine Beiträge für doch ein bisschen weniger übertrieben halten werden als sie bisher immer dachten, wird mir ein arg schwacher Trost sein….

  13. Wie Hammett. Schön.
    Danke für den Text. Bilde ich mir ein oder merkt man die Entspannung, die aus Italien herrührt, dem Text an? Auf jeden Fall ist der Absatz des Wohnblocks groß. Wie Hammett.

    Gruß,

    Spätburgunder.

  14. Die Stilrichtung
    Die beschriebene Stilrichtung nennt sich „Sperrmüllromantik“

    • Titel eingeben
      …die aber nur dann cool ist, wenn sie als „shabby chic“ in der Wohnung eines alternden Rockstars oder eineer ebenso alternden Pamela Anderson stehen (über deren shabby Einrichtung es mal weiland in der BUNTEN sogar eine Homestory gab).

      Herrje, dabei sind heute die Preise für alte Möbel so ins Bodenlose gefallen, dass man sich vermutlich fast günstiger mit nicht-so-shabby Antiquitäten einrichten kann als bei IKEA.

    • aber damit kann man kaum umziehen. Deshalb kaufen sie es nicht.

    • mit Ikea umziehen?
      Eher nicht … das lässt man hinter sich. Und – nächste Horrorstory aus Berlin – als ich sowas Belangloses wie Nachtschränkchen haben wollte, da sollte ich für ganz unsensationelle Teile einen Haufen Geld hinlegen, weil in Berlin nämlich der Markt für alte Möbel (Antiquitäten will ich das mal nicht nennen, aber andere Menschen sind schon erfreut, wenn sie mal was aus den 20ern bekommen) von – naja, einer gewissen Menschengruppe professionell bespielt wird, mindestens seit 7 Jahren. Die Sachen werden aufgearbeitet und sind dann gar nicht mehr so billig. Wochenlang habe ich irgendwelche Lampen gesucht – und es dann aufgegeben und bin demütig wieder bei Ikea eingekehrt. Ist halt so. Und was ich in meinem Leben aufgearbeitet habe, hätten andere sofort weggeschmissen; objektiv war es auch nichts wert. Ein weiterer Aspekt: Man muss die Sachen auch stellen können. Die meisten Leute leben ja nicht in besonders großen Wohnungen, sondern die Sachen müssen irgendwie zusammenpassen. Was will man da mit einem Barockschrank, und sei er noch so schön, wenn daneben Beddinge steht (nein, ich hab kein Beddinge mehr)? Hilft nix …

    • @greenbowlerhat
      Da mal reinschauen: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/antiquitaeten-ausverkauf-zeigt-gesellschaftlichen-wandel-14146418.html

      Eigene Erfahrung: Antik, namenlos, ist billiger als IKEA und auch billiger als Shabby Chic.

      Kommt sehr zu pass, wenn man nicht auf MDF steht, sondern Vollholz bevorzugt.

  15. Jeder macht sein Eigenes und sonst nichts - in Belgien
    Inspiriert von Don Alphonsos fröhlicher Feder soll mein bunter Blog-Bericht rasch diese Kommentare bereichern:
    http://n0by.blogspot.be/2016/05/jeder-macht-sein-eigenes-sonst-nichts.html

  16. Titel eingeben
    Es war mal ganz normal, andere Meinungen auszuhalten. Eine „Filterbubble“ konnten wir uns nicht leisten. Die Jungs mit Strauß-Aufkleber auf dem Ordner spielten selbstverständlich Fußball mit den Stoppt-Strauß-Kindern. Die Clubfans sprachen mit den Färddern.

    Als ich begann Don Alphonso zu lesen, erschien er mir charmant, interessant und links. Fefe scheint mir links zu stehen. Doch lese ich auch ihn gern. Ich könnte mich als cis und het umschreiben. Dabei verkehre ich oft und gerne mit cis Homosexuellen. Ich verkehre auch mit Linken, mit Katholen. Die Homosexuellen betrachte ich mittlerweile als unser aller erste Verteidigungslinie, als Kanarienvögel der Freiheit.

    Wie arm im Geist ist ein Seemann, ist eine Dr. Dornheim!
    „Jeden blocken der DA verbreitet oder zitiert“ Das ist nicht mehr lächerlich oder kindisch, das ist Selbstverarsche. In richtigen Vereinen, Verbänden, Gemeinden sind die wohl nicht tätig. Auch nicht in einer Firma. Da könnten sie sich einen Ausschluß aller Andersdenkender nicht leisten.
    Natürlich ist es bequemer, den Umgang im Golfclub vorzusortieren. Im teuren Hotel, in der Ersten Klasse ICE wird man seltener mit Hartzern konfrontiert. In der Kirche aber schon. Und das kann man aushalten.

    Ja, ich habe Kind auf gute Grundschule geschickt, dann auf beste Gymnasium in der Region. Aber Kind kommt in UBahn oder beim Sport in anderen Kindern in Kontakt. Im Biergarten weiss es sich zu benehmen und im Freibad.

    In der Gesellschaft ähnlich fühlender, ähnlich situierter Menschen zu wohnen bringt wohl ruhigeren Nachtschlaf. Doch am Tag, gar im Net, da halte ich ein bisschen aus. P57? Drüberlesen. TDV? Oft ist doch eine Rosine in seinen Sentenzen. Colorcraze oder Diktionaftis? Viel zu selten lese ich die im Moment.

  17. Ohne Iphone mit dem Rad unterwegs
    @Spaetburgunder – Zum römischen Entspannen braucht man nicht nach Italien zu fahren. Siena ist etwas weit für uns hier in den Niederlanden – wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Aber dicke Ruinen des alten römischen Reichs kann man auch schon im belgischen Tongeren bewundern. In jedem Hotel auf dem Weg dahin letzte Woche haben sie an der Rezeption gesagt: „WLAN ist im Preis inbegriffen“. Es war mir jedes Mal eine sehr große Genugtuung zu antworten: „Danke schön. Aber ich brauch kein Internet. Ich habe meine Iphone nicht mal mitgenommen.“

  18. Und wenn sie alle gern Diktator wären?
    Wahrscheinlich bin ich inzwischen zu pessimistisch geworden, aber ich fürchte, dass die Leute, die sich da im Netz austoben, im echten Leben noch viel mehr Schaden anrichten würden. Narzissten sind im Netz besser aufgehoben als im Café. Eine verbale Beleidigung ist mir immer noch lieber als eine tätliche. Beim Benehmen einiger SJWs wünsche ich mir immer sehr, dass sie das im Internet ausleben. Die Aktivisten in Idomeni würden auch weniger Leid verursachen, wenn sie daheim am Rechner wären…

  19. Bordell und Netz könnten etwas gemeinsam haben,
    zumindest wenn man der Aussage zustimmt, daß es deutlich mehr Vergewaltigungen gäbe, gäbe es die Bordelle nicht. Wie sähe es dann ohne das Netz wohl auf den Straßen aus?

    An einem Punkt möchte ich aber widersprechen. In meinen Augen führt erst das Leben außerhalb des Netzes zu Auswüchsen im virtuellen Leben des Netzes. Das Netz hat quasi religiösen Charakter bekommen, ersetzt das Warten auf das Paradies. Selbst die graueste Maus kann dort zum Gott werden.

    Während das Paradies aber geschlechtsneutral und vom weltlichen Status unabhängig ein/e finale/r Gleichmacher/in ist, so wie auch die Hölle, ist das Netz doch eher eine virtuelle Parallelwelt. Das Netz kann ausgleichend zum realen Leben wirken, es kann aber auch die positiven und negativen Aspekte des realen Lebens potenzieren. Es kann so oder so süchtig machen und zu Kontrollverlust führen. Es ist Pardies und Hölle in einem. So mancher vergißt darüber das reale Leben, wähnt sich bereits im Paradies oder in der Hölle, obwohl doch auch das Netz nicht mehr als nur ein Teil des Weges dorthin, wo und was es auch immer sein mag, ist.

    • Ich glaube es ist viel banaler....
      Es gab immer eine kleine Minderheit Denkender und eine grosse Masse Mnaipulierter, Verdummter.

      Was sich geändert sind die Möglichkeiten für Letztere, die durch das Internet, das digitale Zeitalter entstanden sind.

    • Es ist sehr einfach, TDV, Menschen zu manipulieren.
      Die Werbung lebt davon. Und es geschieht andauernd und mit Erfolg. Ich selbst frage mich permanent, ob ich gerade Gefahr laufe, manipuliert zu werden. Im Grunde wurden und werden wir ja alle manipuliert. Denn die Manipulation beginnt bereits im Säuglingsalter. Alles ist so gesehen Manipulation. Und daher sind alle Manipulierten auch irgendwie verdummt. Kommt eben nur auf den Grad und die Art der eigenen Manipuliertheit an.

    • Ganz so schlimm ist es in der Praxis nicht....
      Werbung hat ja ein Ziel. Politische Werbung zB soll so viele Leute wie möglich an die URnen treiben und sie dazu bewegen bei der eigenen, oder zumindest bei einer der fünf Einheitsparteien ihr Kreuzchen zu machen. Die Wahlpropaganda richtet sich also an die INtelligenz der Masse, denn NUR die entscheidet. Die 10% Nicht-Verblödeten kann man vernachlässigen, die meisten von denen wählen ja gar nicht, und wenn, dann sowieso eine Partei die ihre Interessen vertritt, und das ist werbe-unabhängig.
      Ich muss gestehen, ich selber werde nahezu nie mit Werbung konfrontiert. Im Web habe ich ABP installiert, Filme und TV lade ich aus dem Web werbe-frei runter.
      Wenn ich also irgendwo Werbung entdecke ärgere ich mich höchstens.

      Besonders angenehm ist es in einem Land zu leben, dessen Sprache man zwar ein wenig versteht, die man aber nicht lesen kann. Es ist nach den Menschen hier, mit das Beste was Japan zu bieten hat.
      Stellen sie sich eine Welt vor, in der sie keine Zeitungen lesen können und keine Nachrichten verstehen. Pure Bliss !

  20. Ein BGE als großer Streitschlichter
    wäre zumindest vorstellbar, erweitert um das soziale Netz und von politischer Willkür befreit, als bedingungslose Grundversorgung (BGV), sogar recht wahrscheinlich.

    Nicht jeder braucht die Insignien der Macht oder des Wohlstandes um glücklich zu sein. Vielen genügte vermutlich schon die Abwesenheit existenzieller Sorgen, Ängste und Probleme.

    Eigentlich sollten das auch die Reichen der Gesellschaft gut verstehen, die ja nicht selten auch von Verlustängsten geplagt sind. Angst ist nie ein guter Ratgeber und kann nicht nur zu Wut und Haß führen, sondern noch viel schwerwiegendere Folgen haben. Nur wer ohne Angst ist, kann mit sich und seiner Umwelt in Frieden leben, im Reinen, zufrieden und auch glücklich sein.

    Aber wie so oft, so ist auch die Frage nach einem BGE (BGV) eine Frage nach dem Menschenbild. Wer den Wert von Menschen nur nach ihrem Nutzwert beurteilt, kann nie ein BGE gutheißen. Ebenso verhält es sich mit denen, die dem Menschen grundsätzlich unterstellen, von Natur aus faul zu sein. Fördern und Fordern entspricht solchem Menschenbild, das ohne Zwang nicht auszukommen meint. Wer allerdings davon ausgeht, daß sich nur ein freier Mensch wirklich voll entfalten kann, der muß ein Befürworter des BGE (BGV) sein, denn nur das beinhaltet größtmogliche Freiheit, unabhängig vom gesellschaftlichen Status.

    • Dann muss das Geld nur noch beschafft werden. Es gibt da einen Spinner, der denkt an 100% Erbschaftssteuer – würde ich auch machen, wenn ich das Geld meiner Eltern in Berlin durchbrennen würde.

    • Das Geld ist nicht wirklich das Problem
      Allerdings ist die Finanzierung über die Erbschaftssteuer ebenso abwegig wie eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer. Da ich ein BGE nicht annähernd für wirksam und ausreichend halte, beziehe ich mich auf eine BGV, BGE in Höhe von Hartz-IV plus Bismarcks Soziales Netz mit einer Ausnahme. Renten und Pensionen würden entfallen, da ja lebenslang ein Grundeinkommen gezahlt würde. Wer mehr möchte, muß arbeiten und privat vorsorgen.

      Zunächst einmal stelle ich fest, daß die Kosten sich kaum von den heute bereits anfallenden Kosten unterscheiden würden, denn die Leistungen würden ja dieselben sein. Besser noch, durch die Bedingungslosigkeit würde die Verwaltung extrem verkleinert werden können, was die Kosten bei gleichen Leistungen sogar senken würde. Wer das bestreitet, würde damit gleichzeitig einräumen, daß die Sozialleistungen nicht ausreichend sind, nicht der Vorgabe des BVerfG – des bedingungslosen soziokulturellen Existenzminimums – entsprächen. Faktisch ist das zwar so, aber um einen neutralen Vergleich vornehmen zu können, berücksichtige ich das nicht.

      So gesehen gibt es also überhaupt kein Finanzierungsproblem, da eine BGV kostenneutral wäre, im Vergleich zu heute sogar Kosten sparen würde.

      Allerdings würden die Kosten zumindest kurzfristig aus dem Grund steigen, weil nicht nur in den Verwaltungen viele Stellen gestrichen werden könnten, sondern ebenso in der Wirtschaft. Es gäbe deutlich mehr Bezieher einer BGV. Die Finanzierung über heutige Beiträge und Steuern könnte daher zu Ungerechtigkeiten im Bereich der zahlenden Bevölkerung führen. Das jedoch nicht durch die BGV, sondern durch die dem heutigen System innewohnende Ungerechtigkeit und gänzlich fehlende Solidarität. Eine Veränderung dieses Systems wäre also sinnvoll und wünschenswert, ist aber auch ohne BGV auf Dauer sowieso unausweichlich. Die der Vorteilsnahme dienende künstliche Komplexität stößt ja bereits heute an ihre Grenzen.

      Daher sollten alle Steuern, Beiträge und Abgaben entfallen. An ihre Stelle sollte eine einzige prozentual gleich hohe Steuer auf alle Einkommen und Gewinne ohne jede Art der Vermeidung treten. Das wäre dann die einzige Einnahmequelle des Staates, Zölle, Strafen etc. mal ausgenommen. Auch das würde immense Verwaltungskosten einsparen. Es würde aber auch zu einer Ausgabenkontrolle des Staates führen, die dann im allgemeinen Interesse läge.

      Nicht zu verachten wäre auch die soziale Kontrolle, die auf allen Ebenen der Gesellschaft durch eine BGV stattfände.

      Selbstverständlich kann hier nicht mehr als eine sehr grobe Skizzierung des Möglichen stattfinden, nicht mehr als ein Denkanstoß. Und ja, es gibt sicherlich noch Aspekte, die ich nicht berücksichtigt habe. Bislang steht solchen Überlegungen jedoch immer noch ein vornehmlich neoliberal geprägtes Menschenbild entgegen. Sich ernsthaft mit solchen Ideen zu beschäftigen, scheint vielen einfach zu utopisch, zu gefährlich. Und ja, ich räume ein, das Land wäre danach ein anderes. In meinen Augen jedenfalls ein besseres, da ich immer noch an den Menschen glaube.

    • @Otto Meier
      Zwei Dinge:
      „Nur wer ohne Angst ist, kann mit sich und seiner Umwelt in Frieden leben, im Reinen, zufrieden und auch glücklich sein.”
      Leider ist dieser wahre Satz zu spirituell um der grossen Masse in seinem eigentlichen Sinn vermittelbar zu sein.
      Aber schon die Wegnahme existentieller materieller Ängste zB durch ein BGE, würde eine bessere Lebensqualität mit sich bringen. Ob auf Dauer… weiss ich nicht. Neid und Gier sind ja Grundeigenschaften der Menschen, und von (relativer) materieller Sicherheit unabhängig.
      Aber vor allem können weder der Staat, noch jene deren Interessen er vertritt, am BGE ein Interesse haben.
      Profit erfordert Bürger voller Angst. Oder wie der Staat zur Kirche sagte: „Halt du sie dumm, ich halt sie schwach!“

      Dass Don Alphonso so eine Art Weihwasser/Teufel Beziehung zum BGE hat, ist verständlich.
      Selbstverständlich gäbe es in einem „normalen“ Staat, also einem in dem die Regierung die Interessen der Bürger vertritt, eine ganz massive Erbschaftssteuer, und auch die Einkommensteuer, würde, oh Schreck, gar auf den Level erhöht, den dieser Kommunist Ronald Reagan im neo-liberalen Paläozän noch für normal hielt!
      Es ist gar keine Frage, dass das finanziert werden kann, allein eine eigentlich normalste Sache der Welt, die Versteuerung der Profite der Multis in den Ländern, in denen diese Profite erwirtschaftet wurden, gäbe ganz enorme Mehr-Einnahmen! Aber dafür jaben wir ja Merkel/Schäuble als diejenigen, die das entscheiden könnten, und die können es sich auf Grund des Wahlverhaltens des Urnenpöbels verständlicherweise leisten, kein Interesse an einer Änderung perverserster Zustände zu haben. Und zwar solange dies möglicherweise droht die Einnahmen ihrer Klientel zu tangieren. Umverteilung ist nur dann gut, und anscheinend im Sinne des Grundgesetzes, wenn sie von unten nach oben erfolgt. Etwas das dem Urnenpöbel anscheinend voll einleuchtet!

      Zu ihrer Idee eines neuen Besteuerungssystems, hab ich keine Meinung, da ich Zeit zum Durchdenken benötige, und dies kein Thema ist, das in meinem Leben Bedeutung hätte.

      Das andere:
      So wahr dies ist: „Wer allerdings davon ausgeht, daß sich nur ein freier Mensch wirklich voll entfalten kann, der muß ein Befürworter des BGE (BGV) sein, denn nur das beinhaltet größtmogliche Freiheit, unabhängig vom gesellschaftlichen Status”,….. so wahr ist auch die pessimistische Ansicht, dass die Masse keineswegs frei sein will. Freiheit, tatsächliche Freiheit, ist untrennbar mit der Übernahme der kompromisslosen Verantwortung für das eigene Handeln verbunden.
      Ich befürchte, eine Masse die aus Neid und Gier funktioniert, mit Brot und Spielen zufrieden zu stellen ist, und konsumieren will, aber so wie die Reichen, die bleibt lieber unfrei…
      Ich befürchte auch, die anschliessende Entwicklung würde angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Weltlage, plus BGE, sowieso bald zu einer Ernährung mit einer Art von Soylent Green führen würde.
      Sie sehen also, ihrem Hoffen auf das prinzipiell Gute im Menschen, kann ich mich auf Grund meiner Erfahrung und meines Wissens grundsätzlich nicht anschliessen.

    • Kürzlich, TDV, stolperte ich über die Postwachstumsökonomie von Niko Paech.
      Er kritisiert den Glauben an das Wirtschaftswachstum und ruft zu einem anderen Lebensstil auf. Das kam mir in den Sinn, als ich bei Ihnen wieder von Neid und Gier las. Das aber nur am Rande.

      Der Staat, das ist so ein Begriff mit dem ich nicht viel anfangen kann. Der Staat, das sind letztlich seine Bürger und das, wie sie ihre Gesellschaft gestalten. Die Bürger oder auch die Gesellschaft delegieren ihre Macht an Vertreter, das Parlament und die Regierung. Und das sicherlich in der Erwartung, daß das Handeln der Regierenden im Sinne der Mehrheit ist. Und da scheiden sich eben die Geister. Es ist ja nicht falsch, eine starke Wirtschaft als vorteilhaft für die Bürger anzusehen, wenn diese Stärke den Bürgern auch zugute kommt. Sobald wirtschaftliche Stärke aber zum Selbstzweck wird, hat sie ihren Sinn verloren.

      Daher sehe ich den Staat grundsätzlich als Sozialstaat an und beurteile ihn entsprechend. Dabei ist der Umgang mit den Schwächsten der Gesellschaft das entscheidende Kriterium, dem ich alles andere unterordne. Und damit wären wir dann beim BGE und der Frage, warum ich ein BGE für sinnlos halte.

      Was spräche dagegen, Hartz-IV bedingungslos zu stellen und die Leistungen dem Warenkorb der ehemaligen Sozialhilfe unterzuordnen? Was spräche gegen einen Mindestlohn, der keine lebenslange Dauerarmut zur Folge hätte? Bräuchte es dann noch ein BGE? Ein BGE in politischer Hand würde genau diesen Fragen unterliegen und ich kann mir nicht vorstellen, daß das Ergebnis dadurch besser würde. Die Argumente und Interessen blieben dieselben, der Streit um die Höhe eines BGE und dessen Finanzierung würde zu keinem sinnvollen Ergebnis führen.

      Ein BGE müßte jedenfalls durch eine neutrale Instanz vertreten werden und unter der direkten Kontrolle durch die Bürger sowie über der Politik stehen, gleiches gilt auch für eine BGV. Der Sozialstaat müßte die ultima ratio sein, ihm müßten alle anderen Interessen untergeordnet werden.

      Und damit wären wir dann wieder bei der Frage nach dem Sinn und Zweck des Staates, der Frage nach Gesellschaft und Gemeinschaft (Toennies), der Frage nach den Rechten und Pflichten des Staates. Sinn und Zweck des Staates im Sinne eines Sozialstaates wurden immer schon durch die „Eliten“ pervertiert, die Möglichkeit einer Änderung dieses Zustandes sehe ich nicht, nicht einmal durch eine Revolution, denn das haben doch alle Revolutionen bislang eindeutig bewiesen. Gesellschaft und Gemeinschaft scheitern immer wieder an Partikularinteressen, zerfallen immer wieder in Parallelgesellschaften und Parallelgemeinschaften. Die Frage nach Rechten und Pflichten des Staates wird wohlweislich erst garnicht gestellt, sie könnte nur im Primat des Sozialstaates enden.

      Die Frage nach Rechten und Pflichten des Staates beginnt zwar schon mit der Frage nach dem Recht auf einen Staat, darauf will ich aber hier nicht näher eingehen. Brisanter, auch ohne Staat, ist doch die Frage nach der Abhängigkeit zwischen Rechten und Pflichten. Das Recht zum Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger durch den Staat kann in meinen Augen nur daraus resultieren, daß der Staat seine Staatsbürger bezüglich ihrer Lebensumstände mindestens so stellt, wie diese Lebensumstände auch ohne Staat wären. Das ist seine Pflicht, ohne die er kein Recht haben kann. Das ist letztendlich das Recht der Bürger auf ein BGE bzw. eine BGV, ansonsten müßten ihnen alle Ressourcen, die der Staat durch Privateigentum etc. den Staatsbürgern entzogen hat, zur freien Verfügung stehen. Denn das entspräche der durch den Staat entzogenen Freiheit, dem, was sich hinter den Menschenrechten grundsätzlich verbirgt.

      Was nun die Finanzierung betrifft, so habe ich das ja bereits grob umrissen. Eine Erbschaftssteuer wäre dann auch nicht nötig, ist in meinen Augen sowieso rechtswidrig. Die Erbschaftssteuer etc. gibt es doch nur, weil die Besteuerung der Einkommen und Gewinne so ungleich war und ist und weil die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nie wirklich umgesetzt wurde. Nur so konnten sich derartige Vermögensunterschiede ergeben, deren Resultat Erbschafts- und Vermögenssteuer waren.

      Was den Wunsch nach Freiheit und davon untrennbarer Selbstverantwortung betrifft, so bin ich da doch deutlich positiver gestimmt, auch was Neid und Gier betrifft. Ich bin auch nicht der Meinung, daß sich arbeitende Menschen mit einem am soziokulturellen Existenzminimum orientierten BGE in die „soziale Hängematte“ zurückziehen würden. Der Mensch ist immer auf der Suche nach Bestätigung durch andere. Ob das nun durch seine Arbeit oder was auch immer ist. Der Mensch braucht das, um sich selbst wertschätzen zu können. Dem Selbstwertgefühl würde es sicherlich nicht schaden, wenn existenzielle Ängste wegfielen. Angst steht der Selbstverwirklichung immer im Wege.

      Leider ist die Angst aber nicht das Ende, sondern Angst hat Folgen. Die können sogar positiv sein, nicht nur in Gefahrensituationen, sondern auch im Bemühen um Leistung. Betrachten wir aber die Verlierer der Gesellschaft, so mündet die Angst überwiegend in Frustration, Frustration dann in Resignation und letztlich in Lethargie, falls kein Ausweg aus der Situation des Verlierens erkennbar ist, auch objektiv nicht. Da hilft dann auch kein BGE mehr, darüber sollte man sich klar sein. Da müßte andere Hilfe her, trotz großer Wahrscheinlichkeit von Fehlschlägen. Daran hat unser Staat aber wenig Interesse, er setzt auf Schuldzuweisung und Zwang. Das aber bewirkt nichts als Ablehnung und Festigung des Status Quo.

      Der Mensch ist, abseits seiner Gene, vor allem das Produkt seiner Umwelt. Hat diese das Gute im Menschen erst einmal nachhaltig zerstört, ist es schwierig, das ungeschehen zu machen. Es ist wie immer, Wartung ist einfacher und preiswerter als Reparatur, verringert die Zahl notwendiger Reparaturen. Das gilt auch für den Menschen. Bei Autos versteht und akzeptiert das jeder, warum nicht auch beim Menschen?

      Oh je, schon wiede

    • Titel eingeben
      “Der Staat, das ist so ein Begriff mit dem ich nicht viel anfangen kann. Der Staat, das sind letztlich seine Bürger und das, wie sie ihre Gesellschaft gestalten.”

      Was gäbe es denn mehr was man zum Thema Staat unbedingt wissen müsste, denn genau diese Bürger sind es, die sich ihre Regierungen wählen. Diese Kombination sagt ihnen alles über ein Land was sie wissen müssen, allerdings politisch inkorrekt müssen sie schon denken können. Jedes Volk hat die Regierung dié es verdient

      „Und das sicherlich in der Erwartung, daß das Handeln der Regierenden im Sinne der Mehrheit ist.”
      Wie unfassbar dumm das ist, können sie derzeitig in den USA ganz wunderbar beobachten. Da haben die führenden Republikaner eine Art Ballhausschwur getan, nicht zu ruhen, bevor man verhindert dass ein vom Volk gewollter der Kandidat wird, und zwar entgegen den Wünschen der Partei! Gegen Hilary haben sie natürlich nichts, warum sollten sie auch?
      Aber wenn das Volk sein Wahlrecht missbraucht, dann muss man es ihm wegnehmen. Eine uralte, banale Regel!

      „Dabei ist der Umgang mit den Schwächsten der Gesellschaft das entscheidende Kriterium, dem ich alles andere unterordne.”
      Da sind wir ganz beieinander. Profite müssen erwirtschaftet werden können, dann SINNVOLL besteuert, und davon als ALLERERSTES die ganz unten auf ein Minimum an Lebensqualität gehoben werden.
      Auch wenn sie Nazis, Gendertussen oder DummDoofBlogger sind!

      „Was spräche dagegen, Hartz-IV bedingungslos zu stellen und die Leistungen dem Warenkorb der ehemaligen Sozialhilfe unterzuordnen? Was spräche gegen einen Mindestlohn, der keine lebenslange Dauerarmut zur Folge hätte?”
      Wenn man das tut und damit zeigt, dass es problemlos immer schon so hätte gehen könnte, verärgert man die Doofen und die Wahlbeteiligung fällt noch weiter. Es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass noch mehr begreifen, dass „ihre“ Regierung keineswegs in „ihren“ Interessen regiert. Deswegen bin ich ja schon so gespannt wie die Masse auf das rücksichtslose Durchziehen von TTIP reagieren wird. Heute habe ich schon irgendwo gelesen, dass die CDU gegen Greenpeace vorgehen will, weil die das veröffentlicht haben…

      Irgendwo glimmt anscheinend auch in mir noch ein Flämmchen der Hoffnung, die mögen alle nicht ganz so doof sein, wie ich immer behaupte und eine Masse täte sich zusammen, würde einen auf schwarzen Block machen und den Richtigen an die Gurgel gehen!
      Alte Scheisser wie ich erinnern sich noch an 1965, an die Aufstände in Watts, heissa! da brannte die Hütte aber mal richtig….

      Im Normalfall aber betrachte ich die Gesellschaft und die meisten Menschen lieber aus einer gewissen Distanz und zerbreche mir den Kopf nicht mehr darüber, wie deren Staat organisiert sein sollte oder könnte. Mir ist meine Zeit mittlerweile zu kostbar. Ich sehe und beobachte gewisse Entwicklungen und überlege wie diese in mein Leben eingreifen (werden). Mein nahezu einziges noch von meiner Jugend verbliebenes Ziel ist es dieses Eingreifen so minimal wie möglich zu halten. Notfalls war und bin ich immer bereit meine Koffer zu packen, die Welt ist gross und schön.
      Deswegen interessieren mich auch Leute kaum, die meinen sich in Familien und Karrieren verwirklichen müssen. Mich interessieren Leute die an Freiheit und Lebendigkeit interessiert sind, nicht jene die stets nur mehr auf von aussen vorgebene Zwänge reagieren, Kinder brauchen eine gute Schule, und das Häuschen muss abbezahlt werden. „Normale“ Menschen begeben sich ohne Zwang, freiwillig oder aus Ignoranz in eine Schablone von Abhängigkeiten und jammern dann über ihr Leben….

    • Wählen Bürger wirklich Regierungen, TDV?
      Also angesichts der letzten beiden Bundestagswahlen hege ich da so meine Zweifel. Beide Wahlen hätten eine rot/rot/grüne Koalition zugelassen. CDU/CSU und SPD sahen im Wählervotum aber die eindeutige Aufforderung, eine „große Koalition“ zu bilden. Das hat, wie in einigen Landtagswahlen, mehr als deutlich gezeigt, daß auch Koalitionsfragen durch den Wähler entschieden werden müßten, soll eine Wahl wirklich Sinn machen. Denn wenn die Parteien im eigenen Interesse über Koalitionen entscheiden dürfen, dann ist das sicher nicht demokratisch. Inwieweit sich also die Bürger ihre Regierungen selbst wählen, ist in meinen Augen zumindest zweifelhaft.

      Ach die USA. Wer dort schon alles wie und warum gewählt wurde. Wer genug Geld besitzt, hat dort große Chancen. Der Wahlzirkus dort ist doch im Sinne demokratischer Überlegungen nicht wirklich ernst zu nehmen. Das ähnelt doch eher einer großen Show. In den USA regiert nicht der Präsident, sondern der Lobbyist. Und der hat andere Interessen als die, die Präsidenten wählen. Auch wenn immer so getan wird, als sei der amerikanische Präsident der mächtigste Mann auf dieser Erde, so ist er bei Lichte betrachtet und verglichen mit dem deutschen Bundespräsidenten doch nicht mehr als ein Grüßaugust.

      Zu TTIP. Der gläserne Greenpeace-TTIP-Leseraum vor dem Reichstag mußte jedenfalls schon entfernt werden. Leider scheinen die Gegner von TTIP vom rechten Pfad abzukommen. Paralleljustiz und Investorenschutz sind die zwei Punkte, die es abzulehnen gilt. Und zwar generell und absolut. Alles andere, soziale und sonstige Folgen (Gentechnik) können nur bedrohlich werden, wenn diese zwei Punkte nicht ersatzlos gestrichen werden. Gegen ein Handelsabkommen selbst hat ja niemand etwas. Gegen die Abschaffung der Demokratie sollte das Volk allerdings alle Register ziehen, solange noch Zeit dazu ist. Ein Blick auf die Folgen von NAFTA sollte dazu ausreichend sein.

      Koffer packen und nichts wie weg? Nun, wenn das keine Abhängigkeit ist. Auch das ist schließlich ein Reagieren auf Einflüsse von außen, oder? Davon mal ganz abgesehen, daß sich das die Mehrheit der Menschheit nicht leisten kann bzw. daran gehindert wird, ist mit Weglaufen keinem wirklich geholfen. Und, werden die Fluchtpunkte weltweit nicht auch immer weniger? Ich habe zumindest den Eindruck.

      Richtig ist aber wohl, das bemerke ich auch bei mir, daß mit zunehmendem Alter und schwindender Restlebenserwartung nicht nur die Lust auf Revolutionen abnimmt, sollen doch die anderen mal ran, sondern der erreichte Status noch so lange es geht positiv im Sinne von unbeschwertem Leben genutzt werden will. Das senkt den Blutdruck und beschert inneren Frieden. Übrigens auch so eine „Gerechtigkeitsfrage“. Als junger Mensch habe ich mich immer über die Opas in ihren Porsche geärgert, denn was wollten die denn noch damit. Mir hätte so ein Porsche doch viel besser gestanden. Jung und dynamisch wie ich war. Und heute? ;-)

    • o.m.
      Jetzt enttäuschen sie mich aber… Ich dachte wir sind weit jenseits von kindischen Fragen wie “Wählen Bürger wirklich Regierungen, TDV?”

      JEDER der sich dazu hergibt bei diesen Farcen von Wahlen zu beteiligen, macht sich mitschuldig, denn er legitimiert damit alle folgenden Verbrechen dieser Regierungen. Auch die gegen sich selbst!
      Ich hoffe muss die jetzt nicht einzeln aufzählen?
      Ich hab auch nie behauptet, dass Merkel „die Macht“ hat, bei Themen bei denen drauf ankommt entscheiden selbstverständlich andere.

      Beispiel? Von heute?

      „Die Wahrheit in der Euro-Rettung ist gekommen: Im Mai dürfte der erste Schuldenschnitt beschlossen werden. Damit werden die Milliarden, die in die Rettung der Banken, des IWF und der EZB gegangen sicher, von den europäischen Steuerzahlern geschluckt.”

      Was die USA angeht, so hat der höchste, durch demokratische Wahl legitimierte Republikaner, John Ryan, ehrlich und wörtlich gerade gesagt, dass ein Donald Trump, egal mit welcher Mehrheit der gewählt wird, so nicht als Rep Präs Kandidat für die Partei akzeptabel ist. Wenn das Volk nicht so wählt wie es soll, dann müssen halt andere eingreifen.

      ALLE Völker sind Schuld an den Konsequenzen die sich aus der Legitimation von „Wahlen“ ergeben!

      „Koffer packen und nichts wie weg? Nun, wenn das keine Abhängigkeit ist.”
      Sie dürfen das sehen, wie sie wollen. Ein Problem ist das bestenfalls wenn sie tatsächlich von etwas abhängig sind, von dem man ihnen eingeredet hat, es sei „Heimat“. Ich kann ihnen aus dem effeff vier Länder nennen in denen man konkret besser leben kann, und da ist Skandinavien noch nicht mal dabei, weil es mir persönlich da auf die Dauer zu kalt wäre….
      Und, glauben sie mir, ich bin der Letzte der sich wünscht, dass dort wo ich hingehe, alle möglichen Anderen auch hingehen um dann dort dieselben Sauereien zu installieren die sie zu Hause auch hatten. So weit mir bekannt ist da Mallorca das abschreckendste Beispiel, von den mir persönlich bekannten, Goa, Koh Samui, Bondi…

      Ich freue mich über jeden der seine Koffer nicht packt!
      Egal aus welchen Gründen.
      Ich erinnere halt gern gelegentlich daran, dass mich Ausreden von allen dummen Reden am allerwenigsten interessieren. Im Extremfall so wenig wie bei den an Anfang der 30er Jahre in DE lebenden jüdischen Mitbürgern.
      JEDER kann seine Koffer packen und weggehen, oder halt dableiben und mit den Konsequenzen leben und jammern. Und sich in BLogs darüber Mitleid heischend von anderen Heuchlern Zustimmung erbeten!

      Bitte…. aber ich gehöre zu denen die man mit Ausreden nur langweilt ! Es ist ihr Leben und ihre Verantwortung, niemand hindert jemanden daran sich jeden Dreck schön zu reden.

    • Ich will Sie doch nicht enttäuschen, TDV,
      aber das Wählen ist nunmal ein demokratisches Instrument, auch wenn es in meinen Augen durchaus noch Verbesserungsbedarf gibt. Aber niemand legitimiert in einer parlamentarischen Demokratie durch Wahlen die Verbrechen der gewählten Regierung. Denn, nach der Wahl hat der Wähler kaum noch Einfluß auf das Handeln der Regierung. Mir stellt sich daher eher die Frage nach der Demokratie an sich, die ich eben nicht für gegeben halte, solange sie sich in Wahlen erschöpft.

      Nicht nur in den USA werden mißliebige Kandidaten aus dem Verkehr gezogen, das kennen wir hier, Mißtrauensvotum und Vertrauensfrage, doch auch.

      Sie sind wohl Single und Privatier, anders läßt sich Ihr Rucksacktourismus kaum erklären. Allerdings sollten Sie schon anerkennen, daß Ihre Lebensumstände keine Allgemeingültigkeit besitzen. Es kann nicht jeder seine Koffer packen und gehen. Das hat auch nichts mit Heimat, Ausreden oder Heuchelei zu tun. Vielmehr mit Verantwortung für Kinder, pflegebedürftige Eltern usw. Manche möchten auch nicht auf ihre Freunde oder ihre Arbeit verzichten, möchten nicht in einer fremden Umgebung bei Null anfangen.

      Was aber überhaupt nicht geht, ist, die Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, die Kritiker verächtlich zu machen. Das erinnert denn doch zu sehr an das Verhalten kritisierter Politiker.

  21. Was ist nun tatsächlich anders als im normalen Leben?
    Alfred Tetzlaff hat doch schon vor Jahrzehnten gezeigt, was das Volk denkt. Er hat geschimpft, geflucht und seine Frustration über das zu ihm so ungerechte Leben am Ende an seiner Frau ausgelassen (heute wären in einer vergleichbaren Sendung eher der LebenspartnerIn oder gleich beides die Opfer – aber das ist letztlich ein marginaler Unterschied).

    Das Gute dieser Jahrzehnte war der Fernseher … er ermöglichte nur eine Richtung der Wahrnehmung. Der Unterschied zu heute ist – davon abgesehen – recht klein.

  22. Oh lieber Don
    Mit „Es gibt nichts, was sie von aussen ins Netz tragen könnten, das sie nicht vorher daraus bezogen hätten.“ haben Sie eine große Misere unserer Tage schön komprimiert in einen Satz gepackt.
    Diese Menschen, die sich nur aus den ewig selben Quellen informieren, damit das Weltbild nicht gestört wird; die sich über den Fraktionszwang in der Politik beklagen, aber sich ihre soziale Medienwelt auf Linie löschen, blocken und mobben.

    Sie kreisen nur um sich selbst und ihren Mikrokosmos. Oder sagen wir so: meist kreisen sie, bisweilen kreißen sie; und gebären dann einen flauschigen Hashtag.

    • Hashtags sind auch nur der Mist, der die Journalistenfleiegn anziehen soll. Ausser bei #ausnahmslos, da war der staatssender ZDF schon im Vorfeld involviert. Selbstgleichschaltung mit der neuen Internethorde.

  23. Das Netz ist doch
    nur eine Analogie zu anderen Lebensformen. Da sehe ich viele, die in ihren Büros die triste Situation ihres unterbezahlten Tuns mit unzähligen Überstunden veredeln und sich dann einreden sie wären gefragte Karrieremacher. Sind sie aber nicht. Die Karriereleiter ist eben auch dort – von außen betrachtet – nur ein Hamsterrad.

  24. das ist nicht unser Stil!

  25. why don´t we fall into the waves - can´t you see that my heart yearns to misbehave ...
    https://www.youtube.com/watch?v=im5qOhUs96w

    Sehen Sie, ein nicht hasserfüllter, sondern sehr poetischer Beitrag. Schöner kann man das ganze Dilemma wohl kaum besingen. Naja – aus der Berliner Perspektive.

  26. Affektion
    Es ist immer wieder amüsant zu sehen, wie die Bürgerlichen oder Großbürgerlichen von dem Anderen, dem Devianten magisch angezogen sind, so wie Prousts Charlus, Powells Nick Jenkins, Waughs Basil Seal etc. Oder die Besessenheit des in den sublimsten Details der mittelalterlichen Ikonographie bewanderten Don von dem Mist, der im Internet grassiert. Ja, die schöne wohlerogene bürgerliche Dame auf der Chaiselongue ist nicht selten fad im Vergleich zur frechen, kessen Göre auf der Matratze in ihrem WG-Zimmer.

    • Nein, wirklich nicht. Mein Frauengeschmack ist wirklicb stark klassengeprägt.

    • na, endlich
      gibt es der Don mal zu (hätte ich aber aus marketingtechnischen Gründen unterlassen)! In dem Zusammenhang habe ich mal eine Frage: Was ist denn eigentlich „naturprall“ und wieso besteht ein Zusammenhang mit Depressionen? Und – ist der ein-eindeutig?

  27. Berückende Landschaft
    Sind alle herrlich, doch das Bild die Gasse runter mit dem Rennrad an der Mauer ist besonders gut. Obwohl ich Auto mehr schätze, darunter auch italienische Autojuwelen vom alten Giulia Super bis zum Ghibli von heute, 1 Alfa, 2 Maserati, und Fahrräder mit einer gewissen Distanz betrachte, schätze ich die Ästhetik, hoffend, dass der kommende Bericht von l’Eroica entfernt an Mille Miglia erinnert.
    Das Netz bringt sichtlich jede Menge kleine Diktatoren hervor. Plus ihre -Innen.
    Mit dem Influx heute weiß man nicht, ob man, selbst wenn man könnte, noch einsam auf einem Hügel leben möchte wie in Bild 1, nur bewacht von Zypressen. Doch vielleicht. Mit vier bis fünf cani di pastore abbruzzesi e maremmani. Dann ja. Buona serata.

    • Das Bild ist in Lecchi entstanden, etwas nördlich von Siena, und da geht es wirklich brutal hoch. Ich habe es gerade so geschafft und hätte auch gern ein Auto gehabt.

    • Unterländer zum Oberländer
      als alter Kartenhirsch kleine Hilfestellung, per favore. Lecchi, eigentlich Lecchi di Staggia, liegt einige Kilometer östlich von Colle di Val d´Elsa unweit der Bahnstation Staggia im Tal des kleinen Nebenflusses der Elsa, der Staggia. Lecchi (Borgho ?) ist ein Ortsteil von Poggibonsi. Die Via Francigena (Via Cassia) der alte Pilgerfernweg (Canterburry-Frankreich-Rom) führt ganz in der Nähe vorbei.

      Die Villa Lecchi ist ein 4-Sterne Hotel in einer alten Villa aus dem 19. Jh. , zurückgehend aber auf das 15. Jh., im Besitz der Familie Venturi-Ginori. Die Villa kann den Stil einiger Medici-Villen als Vorlage nicht verleugnen.

    • Sehr hübsch da oben, wirklich. einer meiner Lieblingsplätze. Ist aber deutlich näher an Staggia denn an Poggibonsi.

  28. Klasse! Danke für diese Einsicht oder Innensicht
    „Berühmt auf Facebook ist wie reich bei Monopoly“

    • Schöner Spruch.

    • Erinnert mich an Günter Grass
      In einem seiner letzten Interviews erzählte er, wie er seiner Enkelin auf deren „Ich habe 587 Freunde. Bei Facebook!“ antwortete: „Wer 587 Freunde bei Facebook hat, der hat nicht einen einzigen Freund.“
      Vielleicht war die Zahl eine andere, und ich zu faul, das Original herauszusuchen, aber es war so ähnlich.

    • ????
      Ich befürchte eher, dass solche Phrasen reines Wunschdenken sind… und die tatsächliche Beziehung zum Internet und seine Bedeutung auf sehr, sehr gefährliche Weise unterschätzen!

      Der Reichtum bei Monopoly endet mit dem Spiel, die eigene Bedeutung wird am nächsten Morgen nach dem ersten Blick auf Facebook noch geglaubt.
      Ich halte es für gefährlich die künftige Bedeutung solcher Entwicklungen zu unterschätzen.
      Das ist etwas was mich das Internet eindrücklich gelehrt hat!

  29. Narzissmus
    Verfolgt man die Diskussionen bezüglich „Hass im Netz“ kommt mir nur in den Kopf, daß es eines Sigmund Freud des Internetzeitalters bedarf. Die Eliten, und die, die sich dazu zugehörend fühlen, leben im Netz für mich in einer erstrahlten Glaskugel und drehen sich schwirrend und sirrend um sich selbst und scheinen jeden Bezug zur analogen Welt verloren zu haben. Denn die analoge Welt hat gar nicht die Zeit 24/7 online zu sein. Denn irgendjemand muss auch noch produktiv tätig sein, denn von bits und bytes ist noch niemand satt geworden.

    • Allein der Umstand, dass der Kongress von Montag bis Mittwoch geht und die Leute Zeit haben, spricht Bände.

    • Titel eingeben
      Bei Danish kann man nachlesen, dass etwa nur 20% „arbeiten“, zehn Prozent mit der Hand und 10% mit dem Kopf.
      80% müssen durchgefüttert werden. Und zwar von diesen 20%.
      Es gibt nun mal keine Arbeit für jeden. Schon gar keine, die sich finanziell lohnt (mit der man selbst Miete, Krankenversicherung etc. bezahlen kann).
      Und das wird sich auch nicht ändern. Eher noch enger werden.
      .
      Achja, was ich sagen wollte: Diese 80% haben natürlich Zeit für diese Veranstaltung.

    • Naja, Albert, dann ein kostenloser Tip für sie...
      Sagen sie ihren Arbeitgeber Freunden, dass sie es ja selber waren, die um ihrer Profitmaximierung Willen „normale“ Arbeitsplätze millionenfach zerstört haben!

      Und was den Unsinn von Klaus angeht so ist es doch wohl bekannt, dass nahezu 95% der Leute jene 20% sind die nalle anderen durchfüttern.

      Ein bisschen viel BILD Niveau in letzter Zeit hier….

    • Titel eingeben
      Warum spricht es Bände das der Kongress Montag bis Mittwoch ist? Natürlich Wochentags, ist bei engineering Kongressen auch durchaus üblich

      http://www.cleoconference.org/home/
      http://www.mrs.org.sg/icmat2015/public.asp?page=home.asp
      http://www.gdceurope.com/

      Und da laufen definitiv nicht nur unterbezahlte Leute die nix zu tun haben rum (naja auf der gdc vielleicht…).

      Von daher wenn der „job“ von jemandem nun „Netzaktivist“ ist, ist es daher nur folgerichtig sowas auch wochentags zu veranstalten.

  30. Weiß Don Alphonso wirklich - wovon er redet!?
    („… Wohnverhältnisse, die man aus … Filmen wie “Blade Runner“ kennt… Lebensformen, für die Batterieleistung und WiFi-Verbindung entscheidend sind, … Es ist ihnen vollkommen egal, ob Gläser geschliffen oder gepresst sind. Sie haben keine Tasse und Untertasse … Das trifft auf die AfD-wählende Studentin mit islamophober Einstellung und Dauerfacebook genauso zu wie auf den Refugee-Welcome-Aktivisten …“). Keine Ahnung, woher der Don diese generalisierenden Insider-Informationen zur hier niedergemachten Zielgruppe hat. Ich jedenfalls würde es mir nicht zutrauen, mit solch – bildungsbürgerlich-snobistisch herablassend formulierten – Verallgemeinerungen an die Öffentlichkeit zu treten, es sei denn, ich könnte es guten Gewissens mit einer seriösen wissenschaftlichen Studie – also etwa keiner Auftragsarbeit des Familienministeriums – belegen …

    • Einer muss es halt wagen.

    • @Luecke
      Mein lieber Herr Lücke,

      ich denke, der Don kokettiert eher mit dem, was er angeblich nicht weiß, als mit dem, was er angeblich weiß. Das ist letztlich eine Stilfrage.

  31. digitale Boheme
    lebt in Ideen, erhebt sich so über die bedrängten Lebensumstände, so wie es Generationen von Bohemiens vor ihr taten; sie hat halt mehr Zugriff auf Informationen und Bilder, hat mehr Reichweite als etwa die Studenten vor 1848, die Gedichte und Manifeste verfassenden Hauslehrer der Zeit und die Revolutionäre nach 1907 hatten. Prekär lebende Kleinbürgerkinder, gebildet aber nicht unbedingt kultiviert.
    .
    Dieser Generation wird Verbürgerlichung wahrscheinlich nicht möglich sein, also keine großen Wohnungen, keine Putzfrau, keine großen Reisen, kein bei ebay zusammengekauftes Besteck, keine indischen und chinesischen Antiquitäten, keine im Ausland post-grades absolvierenden Einzelkinder, keine Schaukocherei in Edelküchen.

    • Die Rufe nach Grundsicherung im Alter kommen ja nicht ganz zufällig aus genau dieser Ecke.

  32. Tja, Berliner blubbern
    gerne im Kollektiv ihren alternaiven Tango. Sicher wäre Böhmermann dort die ideale Besetzung für eine abendliche Insider-Bespaßung: Tools and Fools.

    „Ich glaube an das Gute im Menschen“
    Als unmoralischer Blogger Don, sind sie doch schon längst vom Glauben abgefallen, oder?

  33. meh. reine Anmassung
    von wegen res publica. Diese Menschen sind halt nicht „die Gesellschaft“ und auch nicht „das Internet“ genausowenig wie Berlin Deutschland, Europa oder die ganze Welt ist.

    Und genau so wie der Berliner „Umgangston“ (zum Glück) nicht in ganz Deutschland, ganz Europa oder der ganzen Welt gepflegt wird, geht es auch im Internet nicht überall so ungesittet, unästhetisch und unproduktiv (auch im nicht ökonomischen Sinne) zu.

    Reine Nabelschau aus einer Blase einer vernachlässigbaren Minderheit heraus. Kein Grund das dem Medium anzulasten.

    Spätestens die Generation „Kopf unten“ für die digitale und analoge Welt fliessend ineinander übergehen, ohne dass das einen besonderen Hippness Faktor hätte wird dieses Phänomen beenden.

    Man wird sie dann als das sehen was sie sind. Rückständige, eitle und unhöfliche Menschen, die unsere Gesellschaft nicht weiterbringen.

    • Was da keiner machen will, ist der Rückblick und der Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen. Wer nicht irgendwo bei einer Stiftung oder beim Staat unterkriecht – Gender, Antirassismus, ARD, Uni – schaut halt nicht wirklich gut aus. Bei denen, die programmieren können, ist das anders – aber die gehen eher zum CCC.

    • Aus dem Leben eines Taugenichts
      Die große Industrie plus Banken plus Edelmedien, diese drei, haben sich immer die Besten geholt, heute auch gern aus anderen Ländern. Wenn zu viele Abitur machen und „was mit“ studieren, kommt das dabei raus.
      Abitur oder sogar Mittlere Reife plus Handwerk oder dualer Bildungsweg hat immer noch eine Chance. Somit schlägt man sich auch rum mit Leuten, die zum Dreier-Abi getrieben wurden. Irgendwo steht dann das Stop-Schild. Nach der vierten/fünften/sechsten Klasse ist es besser plaziert. Kenne da einen interessanten Verlauf. In Bayern natürlich. In Ländern mit Sozis an der Spitze ist es undenkbar, dass einer nicht Abi macht. Später kommt dann der Internet/Twitter/FB-Allrounder mit politischer Agenda dabei raus, der natürlich auf bedingungsloses Grundeinkommen steht, das seine früher abgegangenen Klassenkameraden, Handwerker oder Bürofachleute, für ihn erwirtschaften sollen. Früher nannte man das übrigens Taugenichts, auch schon mal beschönigend Globetrotter. Nur ernährten die sich selbst und hassten weniger.

    • Titel eingeben
      und ich habe mich bei dem CCC meeting immer gefragt wieso da Leute mit wirklich großem Talent und neben totalen Lachnummern auftreten. Die technischen talks sind da wirklich gut.

  34. Hass den Hass
    Nach Berlin zieht es mich so sehr wie es Heiko Maas nach Zwickau zieht.

  35. (re-publica und die arbeitslose Sklavencrowd) Race to the bottom
    Das Problem ist doch, dass auch Akademiker verflixt wenig kapieren, warum das Netz nur gute Verdienstmöglichkeiten für den Aggregatinhaber bietet, der so tut, als ob er anderen bequeme Jobs gibt. Gibt halt auch viele Dummstudierte, das muss man einsehen …

    In Wirklichkeit – und das weiß jeder Handwerksbursch eigentlich seit Jahren – sind das doch Klecker- und Klickerjobs, wo für den Netz- und Schreibsklaven nichts bei rumkommt – nur beim Inhaber, der seine Prozente bei diesem Kleinvieh kassiert. Nennt man skalieren. Freelance.com, Uber, Helpling, textbroker.com und derlei mehr, wo sie, die Jobkraller, sich mittlerweile gegen ‚Kuhdorf-Inder mit Internetanschluss‘ – vorsicht Rassissimus – anstellen müssen, die schneller und findiger sind als sie.

    Dazu muss ein Aggregatplanender ziemlich schnell ziemlich viele Ressourcen haben und investieren, international sein, alle Weltsprachen in seinem Portal nutzen um beim Klienklickvieh profitabel genug zu sein, ähm präsent zu sein. Statt nur in Germany und alles auf deutsch, deutsch ist nur ein lächerlicher, fürs Netz kaum funktionierender Nischenmarkt, wenn es um Klickprozente geht. Dann richtig Klotzen statt kleckern und dann schnellstens wachsen, um andere zu überrollen, das Momentum nutzen, wie es so schön heißt. (Dieses E-Bookportal von Sascha Lobo war das wohl alles nicht. Was es bei aller auch zum Teil selbst verschuldeten Erfolglosigkeit schon fast wieder sympathisch macht.)

    Wer das nicht kann, nicht die Gerissenheit eines Hais der Samwerbrüder hat und dazu über kein ordentliches Kapital von Haus aus verfügt, und wer nicht geerbt hat, der muss im Netz der merveillösen Neuland-Merkel halt schauen, wo er bleibt. Der verarmt noch mehr, als er schon verarmt ist.

    ‚Race to the bottom‘, wie es bei SPON oder und anderswo jemand treffsicher genannt hat.

    Wir werden wunderbare Jahre kriegen.

    Nochmal: Ich verstehe zum Teufel nicht, warum ach so gescheite Leute, die nicht unbedingt nicht nichts studiert haben, diesen Umstand permanent vor sich selbst geleugnet haben und weiterhin so tun, als ob Jobs per Internet eine tragfähige Sache wären für ein nettes Bohème-Leben. Und erst ab dieser re:publica anfangen es endlich einzusehen.

    Dieses Gezische und intrigante Gehate, ob das davon kommt, dass sie materiell nicht zufrieden sind …, möglich, ich weiß es nicht.

    Auf alle Fälle fallen bei Benutzung des Netzes anscheinend folgende innere Mechanismen rascher aus als bei der Zischerin und Intrigantin Else Kling wie: Anstand, Empathie und andere gelten lassen.

    Don mischt da auch leider fleißig mit, schürt zusätzlich Öl ins Feuer, indem er im Netz ostentativ und überoft würzigst seine Silberausstellungen mitsamt Gemälde-Essig-und-Öl preist, den wohlhabenden Dandy gibt, der im Schlaf – zumindest angeblich mit lausig wenig Einsatz und einer ausreichenden Zahl von Tippfehlern – behaglich sein Geld verdiene, damit aktiv den von ihm vemuteten Neid schürt und diese Leute provoziert. Das erzeugt möglicherweise, freilich, zusätzlich Gehate. Was sie natürlich auch genügend ohne ihn haben.

    Um angeblich das Gehate im Netz wegzukriegen, hat nun hier der zum Gärtner gemachte Bock euch ein feines Artikelchen geschrieben. ;-)
    Wohl bekomms.

    Es ist die Arbeitslosigkeit, die kaum selbst eingestandene Perspektivlosigkeit, das rat race, und nicht unbedingt das Netz allein, you stupid, was bei den Leuten ob im Netz oder anderswo die schlechteren Seiten hervorquellen lässt.

    Wie gesagt, wir werden in interessanten Zeiten sein. Wenn TTIP von Neuland-Merkel, diesem ferngesteuertem Industrieroboter, durch gewinkt werden wird, wird es noch interessanter. Der TDV kriegt schon feuchte Augen vor Freude. Ich nicht.

    • Moment – einerseits mache ich aus meiner Herkunft keinen Hehl, und andererseits bin ich natürlich privilegiert. Andere sind es übrigens auch, und Schirrmacher und ich haben uns oft gewundert, wie diese Leute ihre Chancen dann selbst ruinieren. Ich bin kein Vorbild, für gar nichts.

    • Selbst und ständig
      Schon, schon; das ist ja auch schon längers bekannt.
      Aber man muss es doch nicht mehr bei jeder neuen Gelegenheit betonen und neu widerkäuen. Das meinte ich.

    • @D.A.
      Was meinen Sie denn genau mit „privilegiert“? Oder haben Schirrmacher und Sie mit angesehen, wie altes Vermögen durchgebracht wurde? Eher nicht, oder?

      Ich habe so den Eindruck gewonnen, dass Sie vielleicht und möglicherweise keinen Begriff von Ihrer eigenen Freiheit haben. Sie können an dieser Position, an der Sie sind, offenbar authentisch sein, das macht ja den Spaß und den Charme ihrer Texte aus. Und Sie wundern sich, warum andere nicht genauso sind? Na, weil das für die eben nicht – authentisch wäre, die müssten das fabrizieren, das ist nicht kreativ, sondern es wirkt auf Dauer toxisch auf auf die Kreativität – wie Sie selber mal schrieben (jedenfalls so ungefähr). Denn andere haben nunmal nicht dieselben Randbedingungen. Das ist kein Vorwurf – nur eine Feststellung.

      Also kann man eben nicht schreiben wie der Don, wenn man eben nicht in der der wundervollen Toskana sitzt, weil man ja eben nur authentisch über das schreiben kann, was man sieht (es sei denn, man heißt Karl May und nutzt den Umstand aus, dass der Rest der Welt genauso dumm ist wie man selbst) – das zum einen.

      Zum anderen: Und wenn man dreimal in der Toskana säße, wäre das ja immer noch keine Garantie, schreiben zu können wie der Don, weil man dort im Zweifel nicht dasselbe erführe und erleben würde wie der Don. Die Kulisse reißt es halt auch nicht, das wissen Sie aus Ihrer Berliner Zeit.

      Aber wem erzähle ich das eigentlich. Sie wissen das doch, Sie haben doch genug Leute scheitern sehen und müssen wissen, woran es gelegen hat, oder? Der Mensch ist … kein Bausatz, wenn Ihr (Mentor?) Schirrmacher wirklich so gut war, wie Sie sagen, dann hat er auch gewusst, dass er sich selber nicht zum Maßstab machen darf.

    • Ganz kurz und ehrlich: es gab bei der Bloggerei im Profimodus bundesweit einige Leute, die erheblich besser als ich bezahlt wurden. Die sind jetzt alle mW weg. Praktisch alle über die eigene Hybris gestolpert, auch nach der 2. Chance. Ich bin noch da, weil ich Leistung bringe. Das ist der einzige Grund.

    • Das rat race und seine Folgen: die Hybris, der Untergang, der Kontrollverlust
      Don,
      ich würde behaupten, das rat race um eine vernünftige Lebensbedingung
      veranstaltet in den Menschen inzwischen eben auch genau diese unangemessene Hybris.

      Sie glauben, nach einiger Entbehrung und einiger Existenzangst vor ihren Stadtwerken und ihren Gerichtsvollziehern, es endlich auf – für ihre Begriffe – goldene Sessel geschafft zu haben und fallen flugs der Hybris anheim.

      Weil sie keinen Umgang mit Erfolg gelernt haben.
      Weil sie keine Konsistenz gelernt haben.
      Weil sie Bildrechte aus Kontrollverlust fröhlich ignorieren

      Oh nein, ich will das um Himmels Willen nicht verteidigen.
      Es ist nur ein Erklärungsansatz.

    • @D.A.
      „Ich bin noch da, weil ich Leistung bringe.“

      Kreativität also nicht als Spieltrieb, sondern als Leistungssport – kein Wunder, dass das die meisten ausbrennt. Nun weiß ich genau, woran ich scheitern würde. Vielen Dank für die Antwort.

    • So schlimm ist das bei mir nicht, ich schreibe halt oft über – für mich – ganz normale Sachen, die so normal nun nicht sind.

    • @der andere Gast
      Alles richtig, inkl. der feuchten Augen, aber Sie vergessen eines….

      „Ich verstehe zum Teufel nicht, warum ach so gescheite Leute, die nicht unbedingt nicht nichts studiert haben, diesen Umstand permanent vor sich selbst geleugnet haben und weiterhin so tun, als ob Jobs per Internet eine tragfähige Sache wären für ein nettes Bohème-Leben.“

      Ich weiss nicht wie alt sie sind, aber als ich zum Geld Verdienen auf Arbeit angewiesen war, konnte man nach etlichen Urlaub problemlos wieder nach DE kommen und sofort bezahlbaren Wohnraum und einen angemessenen Job finden.

      Dieser Arbeitsmarkt ist aber nicht mehr existent! Deswegen, und nur deswegen, muss man ein wenig mehr Verständnis für die Leute heute haben. Es dauert halt ein wenig bis man begreift, dass man sich da zum nützlichen Deppen macht… und dann muss man auch erst mal was anderes finden.
      Um es sich leisten zu können, wie ich das tat, zu allem „Nein!“ zu sagen, wenn man Nein meint, das würde ein BGE voraussetzen, deshalb weigert man sich ja auch das zuzulassen.
      Es nähme der besitzenden Klasse Macht

  36. MATTHÄUS Kapitel 23 Vers 1
    Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.

    Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. Sie sitzen gern obenan bei Tisch und in den Synagogen und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

    Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.

    Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er’s geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

    Weh euch, ihr verblendeten Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden. Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht? Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden.

    Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht? Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

    Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!

    Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird!

    Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und die Gräber der Gerechten schmückt und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! Damit bezeugt ihr von euch selbst, dass ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben. Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll! Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

    Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen.

    Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Siehe, »euer Haus soll euch wüst gelassen werden« (Jeremia 22,5; Psalm 69,26).

    Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

  37. Denn ein Narr ist, der ewig nur um sich selber kreist.
    Werter Don,

    gut und wahr gesagt. Danke dafür.

    Zu Matthäus: Möge er mir den langen Textauszug verzeihen. Selbiger (ich) fand keine Stelle zum kürzen.
    Selber wollt er (ich) nichts texten: Denn ein Narr ist, der ewig nur um sich selber kreist.

    Herzliche Grüße aus dem Vorallgäu
    Dr. Seltsam

    • Bitte, gern geschehen.

    • Seltsam
      Wo liegt denn das „Vorallgäu“? Mir sind nur Unter-, Ost-, West- und Oberallgäu bekannt, das man allerdings auch schon Hochallgäu genannt hat.
      Ein Holladio vom Hoch ins Vor.;))


    • Vorallgäu
      Naja, vor dem Allgäu.
      Nicht im Allgäu.

  38. Asyl für Obdachlose
    „Es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein.“ Das gehört zu Adornos bitteren Erkenntnissen aus den Jahren des Dritten Reichs. Die Parallelen zur Weimarer Republik und ihren Folgen sind auch beim Thema Hass bedrückend.

    • Das Amüsante ist ja, dass die re:publica mit Laurie Penny dann jemanden auf die Bühne lässt, die selbst zu den erstaunlichsten Gestalten des internethasses gehört- und bezeichnenderweise vor allem in Deutschland Erfolg hat.

  39. Titel eingeben
    Wie man es gewohnt ist, ein wichtiges Thema….

    Im Grunde hat sich ja nur das Medium geändert, das Grundproblem: Inkompetenz und Ignoranz, bleibt stets bis zum Anschlag erhalten. Lobo ist ein Furcht erregend abschreckendes Beispiel dafür wie sowas Karriere machen kann…. man schaudert.
    Man freut sich über alles nicht Verblödete, auf das man im Netz per Zufall stösst, und erwischt sich dann doch wieder trotz besseren Wissens dabei, dass man wieder mal wertvolle Zeit an eine Recherche verschwendet hat, die auch wieder nur zu neuem, altem Stumpfsinn führte.
    Man kommt sich im Net zu oft vor wie ein Opal Sucher im australischen Outback. Man hofft….

    Und doch finde ich, stimmt da heute im Blog etwas nicht wirklich….
    „Es sind Wohnverhältnisse, die man aus Büchern wie “Neuromancer“ und Filmen wie “Blade Runner“ kennt. Es sind Lebensformen, für die Batterieleistung und WiFi-Verbindung entscheidend sind, und die erwarten, dass diese Bedürfnisse immer befriedigt werden. Es ist ihnen vollkommen egal, ob Gläser geschliffen oder gepresst sind. Sie haben keine Tasse und Untertasse, sondern Becher mit Werbeaufdruck und schwarzen, festgetrockneten Resten.”

    Denn, zwar ist das ja so, nur… was soll so einer denn tun, wenn er weder Sohn noch Erbe von Beruf ist? Wenn Staat und Gesellschaft eine Arbeits“karriere“ wie in den 6oer/70er Jahren im neo-liberalen Lande nicht mehr ermöglichen?
    Wohnverhältnisse wie bei William Gibson findet man allerdings sehr selten, das ist masslos übertrieben, und vor allem überschätzt es die Mitglieder dieser Gesellschaftsschicht ganz ungeheuerlich. Da sitzen meist nur Bubis (jeden Alters) vor zwei, drei Bildschirmen und bestätigen sich in Masturbations Pausen gegenseitig, dass Fast and Furious, Teil 13, einen Oscar verdient.

    Ich bin heute morgen bei Frühlektüre auf TF auf einen Artikel von Peter Sunde gestossen. Der Mann, der mal Pirate Bay geschaffen hat versucht heute sein Geld damit zu verdienen, dass er bei Leuten die ABP benutzen, trotzdem Werbung auf den Monitor bringt, wenn sie nicht seiner neuen Firma einen Obulus überweisen, der sie davon befreit, weil er einen „Teil“ dieser Einnahmen dann den nicht-Werbern zukommen lässt. Geschäftsmodelle der Neu-Zeit halt…..
    Es ist diese unfassbare Peinlichkeit sich für aber auch gar nichts zu schade zu sein, um ein paar Kröten hier oder da mit-abzuzocken, was die diese ganze Bagage letztlich so widerlich macht.
    Versuchen sie nur mal auf einem FireFox- oder Linux- Forum eine ganz banale Frage zu stellen. Da kommen dann diese ganzen Wanker, die sie da beschrieben haben und erklären ihnen in jeder Menge Beiträge welch ein Depp sie doch sind, wenn sie das nicht selber wissen. Mit viel Glück kommt dann doch einer und beantwortet schlicht und einfach die Frage.
    Wehe, sie schreiben eine Replik (ohne ausfallend zu werden!)(ehrlich!) zB an die Linux Gläubigen, da werden sie schneller gesperrt als bei der Zeit oder dem Spiegel.

    Man muss einfach abwarten, denn die Entwicklung ist ja erst am Anfang

    • Noch schöner ist ja piqd.de – da mache ich demnächst mal was dazu. Labern über die Leistung anderer Leute und Geld vkassieren.

    • Stilvoll arm
      @TDV
      Zitat: „Denn, zwar ist das ja so, nur… was soll so einer denn tun, wenn er weder Sohn noch Erbe von Beruf ist?“

      Lieber besäße ich ein einziges wunderschönes Kristallglas als zwei Kartons gepresste Dekoladen-Gläser. Wer kreativ ist und etwas Zeit investieren will, kann sich in Deutschland stilvoll einrichten, ja, sogar preiswerter als bei Ikea. Kein Geld zu haben ist oft nur eine Ausrede für schlechten Geschmack.

    • ...
      Ich glaube sie übersehen, dass dies eine andere Zeit ist, wie die in der „wir“ jung waren….
      Ein weiser Mann hat mir mal gesagt: There is no home, there are only houses! Noch nicht mal ein Don Alphonso kann sich sicher sein, dass seine Umstände bis an sein Ende so bleiben werden. Was soll da ein prekär Beschäftigter oder jemand mit Zeitvertrag sagen? Auch ich habe es vorgezogen über zwanzig Jahr meines Lebens in WGs so zu leben, dass alles was ich besitze in einen grossen Koffer passt, und ich in 24 Stunden überall weggehen kann, wenn ich will.
      Menschen wie ich (ich wurde tatsächlich enterbt!), wir leben in Karawansereien, es gibt keine Sicherheit, keine Kontrolle der Zukunft. Das Anhäufen von Dingen ist letztlich nichts anderes als das Zählen der Likes und Klicks auf den Facebooks im Net.
      Ja, es gibt „Essentials“ und die zu kennen hat Bedeutung. Das mag bei den „Stützen der Gesellschaft“ anders sein.
      Ich freu mich, dass ich weiss, jederzeit ins Berner Oberland, nach Thailand oder Australien abdüsen zu können.
      In meiner Lage ist der Inhalt eines Weinglases sehr viel wichtiger als sein Preis…. ;-) Dazu brauch weder ein Dutzend von Ikea noch eines aus teurem Kristall

    • No home,only houses...
      @TDV
      Ich meinte hier neulich gelesen zu haben, dass Sie in Japan in einem schönen Haus leben. Sie haben doch dann wohl auch ein Zuhause und nicht nur ein Haus, gell.

      Sonst erinnern mich Ihre Worte an Mr. Berggrün, der laut Berichten überall und nirgends auf der Welt zu Hause ist und in Luxushotels aus den Koffern lebt, ein wahrer Weltenbummler.

      Natürlich gibt es keine 100% Sicherheit, ich kann ja schon morgen tot sein. Aber ich richte mein Leben nicht danach, sondern lebe im Hier und Jetzt und genieße den Anblick der schönen Dinge, von denen ich umgeben bin, und vieles mehr, so lange ich kann.

      Es geht nicht um den Preis, nicht ums Geld, sondern um einen gewissen Stil. Selbst im bescheidensten kleinen Raum würde ich Wert darauf legen, mir die Umgebung möglichst schön und behaglich zu gestalten.

      Auf dem Flohmarkt kann jeder, auch prekär Beschäftigte, schöne geschliffene Gläser für sehr wenig Geld finden. Für Möbel und andere Dinge gibt es Secondhand-Läden, Auktionen, Kleinanzeigen, eBay und andere Portale. Aber das Volk rennt halt lieber zum Möbel-Discount und kauft dort Sperrholz-Möbel und gepresste Gläser …

    • @Tamarisque
      Ich will ihnen ihr Leben nicht erklären, aber in meiner Welt ist dies nur ein Haus in dem ich jetzt gerade lebe, ein vorübergehendes Zuhause. Die Bedeutung des englischen Home im Gegensatz zu House ist ihnen ja bekannt.
      Ich werde kaum in diesem Hause sterben und weiss aus Erfahrung, dass ich selbst jetzt noch keine Ahnung habe was das Leben in Zukunft so bringen wird ,und wohin ich als nächstes gehe. Meine Form der Spiritualität sagt mir (so sehr es mir möglich ist) im Hier und Jetzt zu leben. Das hat sich sehr bewährt.
      Die Hilary-Amerikaner werden um des eigenen Vorteils willen Japan früher oder später in einen Krieg mit China treiben, und so benutze ich lieber ganz banale Weingläser mit japanischem Rotwein (brrrrrr!!!!) und schaue Daniil Trifonovs Recital vom letzten Donnerstag auf 3sat.
      Keine Kristallgläser zu haben stört da wenig und spart mir auch Zeit wenns ans Einpacken der „Essentials“ geht…. Lausanne oder Perth…. Das seh ich dann schon.

      Was den Flohmarkt angeht, bin ich ganz bei ihnen.
      Zum Einkaufen war ich nie bei IKEA, gibt’s übrigens hier in Yokohama auch, leider Zeitverschwendung.

      Obwohl auch mir, als in dieser Beziehung normalem Menschen die Habgier nicht unbekannt ist, so hab ich sorgsam darauf geachtet sie nicht zu meinem Lebensinhalt werden zu lassen, wie jener „Herr“ Berggrün, dessen Wirken dem Anti-Semitismus in DE Nahrung geboten hat.
      Ich habe in meinem jetzigen Alter eine grosse Freude an einem Garten in dem gerade ein Rosenbusch am Blühen ist, den ich aus einem einzelnen extrem schönen Exemplar selbst gezogen habe. Man lernt nie aus… Wenn man ein Foto einstellen könnte, würde ich das…

      Wenns sein muss, pack ich EINEN Koffer und bin auch hier in 48 Stunden wieder weg. Meiner Erfahrung nach hab ich zwar kein Home, aber ein Paradies wird vom nächsten angelöst… Dinge wie zB Kristallgläser spielen dabei keine Rolle, solang ich nicht auf Papp-Becher angewiesen bin

  40. "Makes me think" dachte der Fisch im Aquarium
    Ich bin zwar gerade nicht in der Toskana (schade eigentlich), aber eine Runde mit dem Rad drehe ich gleich trotzdem ;-)

  41. Liebe und Hass, zwei Seiten einer Medaille
    Ob Don Alphonso bei Sienna weilt und wohnt, ob meine rollende Hütte auf Rädern heute hier, morgen dort steht, ob das Internet heute Daten liefert oder morgen nicht, der Mensch bleibt sich selbst der Nächste mit allen Gefühlen, Gedanken. Was sich als Nutzen rechnet, was als Schaden zu meiden ist, bestimmt das Beziehungsgeflecht von Liebe und Hass. Blogger plaudern von beidem und entwickeln Sprache, Stil, Syntax, füllen Formen mit Farben und kommentieren Zeit und Gesellschaft: Ein Bild lügt mehr als 1000 Worte.
    http://n0by.blogspot.be/2016/05/jeder-macht-sein-eigenes-sonst-nichts.html
    Jeder macht sein Eigenes, sonst Nichts!

  42. Pingback: Wenn Werbung im Netz einfach nur noch anstrengend ist | Health Care meets Social Media...

  43. Angebot und Nachfrage
    Im Internet-Journalismus gilt wie überall auch das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wer so schön und/oder interessant schreibt, dass ausreichend Leser bereit sind, sich ein Abo zu leisten, wird Geld verdienen. Wer nicht in dieser Liga mitspielt eben nicht. Das ist genauso wie mit Musikern und anderen Künstlern. Die einen treten für eine satte Gage in Konzertsälen auf, die anderen müssen sich mit einem Hut in die Fußgängerzone stellen.

    Der Bedarf an voll alimentierten Leitartiklern/Kolumnisten/bezahlten Bloggern ist nun mal begrenzt. Alle anderen müssen für ihr eigenes Vergnügen schreiben – und sich einen Job zum Brotverdienst suchen oder eben von der Stütze leben. Das war schon bei Leuten wie Horaz so und wird sich nicht ändern.

    • Leider wird das in der Öffentlichkeit aber anders dargestellt. Man muss sich nur mal die Vorgeschichte von Johnny Häusler anschauen, der mit der re:publica einen Hit gelandet hat – aber mit dem Verkauf von Werbung und seinem Spreeblick-Verlag eher nicht so gut abgeschnitten hat. Ergebnis: Ein Buch bei einem klassischen Verlag und Beratertätigkeit für die Industrie und mimimi, wenn jemand das erwähnt. Trotzdem wird so getan, als sei das die Revolution gegen das System. Das mag 2005 noch so gewesen sein. Viele Werbeblogger da draussen halten sich heute mit Tätigkeiten über Wasser, die andernorts journalistische korruption heissen.

    • Marketing uns Selbstbetrug
      Natürlich wird das nicht so dargestellt. Komponisten die Jingles schreiben und Schauspieler die sich mit Werbespots über Wasser halten, stellen sich selbstverständlich als aufstrebende Künstler da, genauso wie die studentische Gelegenheitsprostituierte natürliche keine Nutte sondern ein selbstbestimmtes Escort Girl ist.

      Ohne Selbstbetrug geht es im Leben nun mal nicht und in der Wirtschaft nicht ohne Marketing. In neuen Industrien ist viel Schall und Rauch und die Pioniere sind fast immer eine Mischung aus con-men und robber barons. In den USA wird das verstanden, in D eher nicht. Und deshalb lacht man dort auch über dumb German money, das seit Jahren ein geflügeltes Wort in der Finanzwelt, Silicon Valley und Hollywood ist.

    • Titel eingeben
      Ach, Schmidt…

      Im ersten Kommentar erklären sie und die alte Weisheit, dass Millionen Fiegen die alles Sch**** fressen, nicht irren können und im zweiten gar „Ohne Selbstbetrug geht es im Leben nun mal nicht…“

      In IHREM vielleicht nicht, aber andere sehen nun mal genau das Gegenteil als Zweck des Lebens.

      Dass die USA ihr Niveau sind, das hätten sie nicht erst noch zu erklären brauchen, das versteht sich doch von selbst. Jemand dem der Unterschied zwischen Quantität und Qualität nicht einleuchtet, der gehört dorthin.

  44. Das Gute im Menschen
    Wie können Sie nach einer solchen Analyse an das Gute im Menschen glauben? Ich glaube an das Gute, aber nicht im Menschen, sondern außerhalb unser selbst.

  45. Vielleicht sollte man aber auch bedenken, ...
    dass nicht jeder einen Palazzo bei Siena haben kann, selbst wenn er oder sie wollte. Man kann jahrelang in der gleichen, innenarchitektonisch uninteressanten Mietwohnung leben und gelichzeitig ein buntes, interessantes Leben ausserhalb des Internets und ausserhalb geschliffener Gläser haben. Glauben Sie mir, ich weiss das aus erster Hand. Und jetzt geh ich radeln.

    • Nein, natürlich nicht, und darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass ein Lebensstil, der eigentlich prekär und auf Dauer ungesund ist, als cool propagiert wird.

  46. Dankt für diesen schönen Text.
    Gnadenlos sauber filetiert. Da wird man wohl spucken, äh, shitstormen/empören/moralisieren.
    Dumm nur, das sich ein ganzes Land anschickt, dem sich so anzupassen.
    Refugees welcome war nichts anderes. Gepuscht von Aktivistas und Feministas im Netz. Sicher eine Minderheit, doch zahlen muß der Steuermichel. Man spricht ja von 12,5 Mrd./a oder auch 50 Mrd/a. Je nach Quelle.
    Unser kleiner „Bundesminister für Vorratsdatenspeicherung, genderistische Werbeverbote“ , seines Zeichens ausgewiesener Experte für Blogwesen, Zensur, Hass-Speech, Propaganda und Twitter, ist wohl wie kein zweiter dafür empfänglich oder gar viraler Replikator.
    Und ein großer Teil der Medienwelt lebt auch in dieser Twitterblase und meint, ein Twitter-Zitat eines vorlauten Parteistrategen oder besser Propagandisten sei Jornalismus oder gar ordentliche Recherche. Ja und genau hier gilt dann auch die äußerst gelungene Sentenz des DA für manche Journalisten: „Es gibt nichts, was sie von aussen ins Netz tragen könnten, das sie nicht vorher daraus bezogen hätten.“

    • Danke. Nein, sie werden das einfach ignorieren und hintenrum lästern. Diskurse sind da so erwünscht wie bei der KPDSU Debatten über den 5-Jahres-Plan.

    • Kümmert sich dieser Bundesminister eigentlich auch um hatespeech
      in Sprachen, die von Zugezogenen genutzt werden?
      Bei den sicher vorher ausgemachten Zusammenrottungen an Silvester schien das eher an ihm und den die Bürger schützen sollenden vorbei gegangen sein…
      Ist einfach schade, wenn man nur mit einem Auge halbwegs sehen kann.

  47. "üppige Löhne für ihr Treiben zukommen lassen"?
    „Sie hätten sowas wie ein richtiges Leben und könnten anfangen zu überlegen, wie aus dem Internet wieder eine Ergänzung des Lebens wird“

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/australien-studentin-lebt-nach-millionenkredit-in-saus-und-braus-14216724.html

    Mmmh …
    Handtaschen?!?
    Schuhe?!?

    Mit Marx, hat heute Geburtstag und immer noch eine Menge Follower, die – wie er seinerzeit – von spärlicher journalistischer Tätigkeit und finanzieller Unterstützung durch großzügige Mäzene leben: „Der Mensch muss zuerst gut essen, gut wohnen und gut gekleidet sein, erst dann wird er auch gut arbeiten“

    Ob nicht in umgekehrter Reihenfolge ein Schuh, eine Handtasche oder gar ein brauchbares Gesellschaftsmodell daraus werden könnte?

  48. Alternative zur selbstgefälligen Ursachenbeschreibung
    Naja, den gegenseitigen Umgang von Netzwerken im Netz auf leere Existenzen zurückzuführen, und nebenher selbstherrlich auf die vermeintliche Fülle der eigenen hinzuweisen („Post-Materialisten“ würden das als Leere betrachten), kann man zwar nicht als Hass einstufen, aber wenigstens als Verachtung.
    Ironischerweise machen Sie sich damit selbst zum Teil des von Ihnen verachteten Netzwerks von Internetaktivisten. Ironie dabei? Der Blogeintrag erscheint subtil wie ein Versuch sich anhand einer Auswahl eigener Kriterien von diesem amüsanten Biotop abzugrenzen.

    Ich kann Ihnen aber beipflichten, dass man das alles nicht zu ernst nehmen sollte. Der Grund dafür liegt aber eher in einem meiner Kriterien für politischen Extremismus. Hass und Verachtung für anderer Leute Überzeugungen halte ich für relativ normal (weil sich vieles gegenseitig ausschließt, Stichwort: widerstreitende Interessen). Wenn aber die Person nur noch über ihre Überzeugung identifiziert wird und dementsprechend die Verachtung auf die Person übergeht, dann hat man es mit Extremisten zu tun – von welchen ich mich persönlich lieber fernhalte (weil verschwendete Lebenszeit). Das gilt virtuell wie auch real. Virtuell äußert sich dieses Phänomen nur sehr viel klarer (und wird daher anscheinend als Hass aufgefasst), weil die Person hinter der geäußerten Überzeugung unbekannt ist / die geäußerte Überzeugung das einzige Identifikationsmerkmal ist. Anonymität ist ursächlich für „Hass“ im Netz, nicht leere Existenzen (oder sonst irgendwelche selbstgefälligen Ursachen). Läßt sich empirisch auch ganz gut im halb-anonymen FAZ-Kommentarbereich nachvollziehen. Der Tonfall ist ein vollkommen anderer als im Kommentarbereich von bspw. SPON.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Ihre Selbstgefälligkeit verachtender, anonymer Blogleser ;-)

  49. Angebot und Nachfrage auf einer anderen MilieuPlattform
    Irgendwo, auf einem deutschen Flohmarkt am letzten Wochenende. Inmitten des übervölkerten Geländes ein hingeworfener Haufen Lumpen, in dem ein altes Männlein steckte, mit ungepflegter, eingefallener Visage, die beim Sprechen ein paar leonardoeske Zahnruinen zeigte. (Kein eigentliches Sprechen, eher was mit einsilbigem, kratzigem Grunzen im heiseren Befehlston.) Offenbar ein Türke plus knappen Deutschkenntnissen.

    Vor ihm etwa 20 ordentlich in Reihe platzierte Bananenkartons, aufgefüllt mit VinylSchallplatten. Viel Klassik und viel Schlagerpampe, vom Zufall unsortiert belassen.
    Eine bescheiden wirkende Frau befragt die unscheinbar eingewanderte Lumpenansammlung vom Bosporus, was denn die Scheibe, die sie ihm vor die Nase hielt, kosten solle. »Zwei Euro« war die fühllos uninteressierte Antwort. Rückfrage der Frau: »ein Euro auch okay?« Prompte Erwiderung: »vier Euro! « mit dezent, aber bestimmten Nachdruck mürrisch rausgeheisert. Sie legte die Platte melancholisch wieder zurück und ging wortlos von dannen.
    Ich kaufte diesem Synonym eines belanglosen Menschen anschließend, ohne es an freundlicher Sachlichkeit fehlen zu lassen, in nahezu neuwertigem Zustand die Concerti a Cinque con Violino, e Violincello obligato di Benedetto Marcello nobile Veneto Dillettante di Contrapunto, eine Elgarsinfonie, Gluck’s Le Cinesi und die Fantasias von Purcell, für indiskutable acht Euro ab. Einer Rabattanfrage mit Risiko auf jäh verteuernde Widerworte, enthielt ich mich.

    Bestimmt hätte ich die Raritäten auch im INetz ziehen können, hätte dann aber nicht die Erfahrung gemacht wie runtergekommen viele Flohmarkthändler inzwischen geworden sind, die keinen Gedanken an ihr Auftreten verschwenden.

    • Ein grandioses Beispiel dafür,
      daß nicht das Netz die Menschen formt.

    • Dsa stimmt so nicht...
      Auch vor über dreissig Jahren ging es auf Flohmärkten bereits ganz genauso zu. Man entwickelte schnell ein Auge für tatsächliche Flohmarkt Verkäufer, die einfach nur überflüssiges Zeug loswerden wollten, und jene Abzocker die man überall weltweit antrifft.

      Und es stimmt natürlich, dass nicht das Netz die Menschen formt.
      Aber deshalb darf man nicht den schweren Fehler machen die Bedeutung zu unterschätzen die es hat, dass das Internet, im Gegensatz zu den früheren, persönlichen Beziehungen, niedrigsten Instinkten keinerlei Hemmschwellen mehr entgegenstellt…

      Vor allem sind die Konsequenzen die das mittel- und langfristig haben wird, noch überhaupt nicht abzusehen!
      Sind sie sich sicher, dass sich dieser Hass und diese Aggressivität nicht eines Tages auch im Normalverhalten in der Öffentlichkeit den PLatz nehmen, von dem diese meint er stehe ihnen zu???

    • Nein, TDV, ich bin mir nicht sicher.
      Aber ich wollte und will in meiner Antwort auf ferry auch nicht deutlicher werden.

      Irgendwann wird die jetzt im Netz sichtbare Wirkung des realen Lebens sicher auch im realen Leben Wirkung entfalten. Aber die Ursache ist eben nicht das Netz, sondern das reale Leben. Da bin ich mir ganz sicher.

    • ?????
      „Irgendwann wird die jetzt im Netz sichtbare Wirkung des realen Lebens sicher auch im realen Leben Wirkung entfalten.“

      Jetzt versuchen sie aber mir eine Freude zu machen, oder?

    • Ob das eine Freude sein wird, TDV,
      wage ich zu bezweifeln. Allerdings kommt es dabei wohl darauf an, welche Wirkung man sich wünscht.

    • Aber OM....
      Ich meinte natürlich „Freude für mich“, nicht für die Beteiligten…

  50. Kleiner Nachtrag
    Artikel der mir aus der Seele spricht. Danke!

    Allerdings fehlt mir noch eine Facette. In meinem sächsischen Städtchen bspw. fragt die überregionale Presse nicht nach dem Kondensat dieser Netznarzissten-Ergüsse, sondern berichtet ebenso dankbar wie schlecht recherchiert darüber, weil es so hübsch in die eigene Filterbubble passt und wieder ein paar Zeilen fertig sind. Anstatt die Junkies von der Nadel zu nehmen, werden sie noch als nützliche Idioten parasitär ausgesaugt. Verständlich, aber schade.

    • @ Mindtrap
      „Anstatt die Junkies von der Nadel zu nehmen, werden sie noch als nützliche Idioten parasitär ausgesaugt.“

      Die überregionale Presse ist ja auch nicht Mutter Teresa, die Junkies rettet.
      ;-)

      Journalisten sind auch keine Psychologen, sondern diplomierte Haie.

  51. Zur Ehrenrettung des Pressglases
    Einfach schön: http://www.musee-lalique.com/de/rund-ums-museum/werk-des-monats/vase-bacchantes-bacchantinnen . Der Herr Maas und die Genderistas möchten das wahrscheinlich zensieren wollen…

  52. Geschmack
    Selbst ihr Frauengeschmack ist klassengeprägt? Sie ärmster! Dann muss man natürlich übers Netz sublimieren.

  53. @ Don
    Zitat: „Bei mir und vielen anderen, die ich nicht aus dem Netz kenne, stehen da an erster Stelle die eigenen vier, acht oder mehr Wände.“

    Jep. My home is my castle – und Heimat.

  54. In Sorge
    Hoffentlich weiß die Faz um eines ihrer letzten Alleinstellungsmerkmale, den kritischen, historisch gewachsenen Blick auf die Blog-Szene, durch den Don-Alphonso-Blog in seiner einmaligen literarischen Art.
    Und auch noch interaktiv – ganz ohne Maaz & Victoria.

    • Ich hoffe doch. Kündigungsangebote – ich mache das aus Prinzip jedes Jahr, man will ja keinem zur Last fallen – wurden nie angenommen.

  55. Dekadente Komtemplation
    Man kann sich über Sumpfblüten ereifern oder nach ihren Wurzeln suchen, um sie zu auszureissen, um schöneren Pflanzen wieder eine Chance zu geben.

    Sanders. Trump. Le Pen. AfD. Erdogan. Alles Folgen, dass man fast überall die Schnauze voll hat, von Schulden, Wachstum und prekären Arbeitsplätzen. Soweit geschenkt.

    Die Nerds und ihr schlechtes Benehmen – tja, es reicht halt nicht bei jedem, sich ein kultiviertes Hobby zuzulegen, zu dem gewisse höfliche Umgangsformen einfach dazu gehören, um es geniessen zu können. Vergleichen sie mal den Umgangston in einem US-Krawall-Car-Club und dem britischen Lagonda-Club – oder einen Fussballclub aus der zweituntersten Liga mit einem Zirkel, der alliierte Kampfflugzeuge des Zweiten Weltkriegs in der Luft hält.

    Wenn man in einem durchaus stilvollen Cabrio am Schweizer Bodensee-Ufer bei schönem Wetter die Zahl der entgegenkommenden Ferraris mit der Zahl der Oldtimer vergleicht, hat man eine angenehm kontemplative Grundstimmung, in der es einem dennoch neben der normalen Ungerechtigkeit der wirtschaftlichen Verhältnisse auffällt, wie extrem wenige Insekten heute noch an der Windschutzscheibe zerschellen.

    Es wird eng in jeder Hinsicht.

    M.Miegels Artikel zur Migration neulich in der FAZ nennt die Zahlen, die jedes Gezeter um „optimale Flüchtlingspolitik“ zur Lachplatte stempeln: Zwischen 1970 und 2100 wird sich Afrikas Bevölkerung verachtfachen und dann werden sie achtmal so viele sein wie Europäer. Zu Beginn des 20. Jh. waren Europäer 25% der Weltbevölkerung, 2100 werden es noch 4 % sein.

    Ab jetzt mag es nur noch Joghurt-Gutscheine für Migranten geben statt lachendem Barem; trotzdem verkaufen reihenweise Taxiunternehmer in Westafrika ihr Business, um sich in ein lybisches Flüchtlingsboot einzukaufen. Jetzt jammert weiter von Bewahrung der deutschen völkischen Identität durch Stacheldraht. Und dann war ja da noch der Klimawandel…

    Ist es da die beste Schlussfolgerung, sich weitab in eine fremde (ziemlich nette, bei allen Relativierungen) Kultur einzukaufen/einzuheiraten, und dem ganzen Elend aus der Ferne zuzusehen?
    (Komisch, TDV, ihre Trefferquote bei zutreffenden Beobachtungen schlägt die meisten Mitkommentatoren)

    Oder sich in dandyhafter Witzigkeit nach Italien zu Architektur und Barockgemälden zurück zu ziehen, oder als hedonistischer Ferrarikommunist in die Schweiz, und zu grinsen, wenn sich ein Flügeltürer im Rückspiegel des 25 Jahre alten Porsches zeigt?

    • ....
      Wir hatten im vorigen Thread ja die Geschichte mit dem „Kinder-in-díe-Welt-setzen“ und wie immer gibt es Disksussionen über was was eigentlich Banalitäten sein sollten: Mir scheint einfach schon immer, je öfter man im Leben falsch abbiegt, desto unfreier wird man und umso weniger steht es einem frei sich den ändernden Umständen entsprechend zu verhalten. Viele Menschen halten es eigenartigerweise für eine Tugend völlig verfahrene Situation „durchzustehen“, ich habe immer schon das Koffer Packen, Umdrehen und weggehen für angebrachter gehalten, wenn etwas auszuarten droht. Die Welt ist gross und wunderschön und das Leben ein Spiel. Gerade Letzteres mag der Deutsche so gar nicht.

      Sie haben ganz recht…. bei Bregenz über die Grenze, die lange Steigung hinauf entlang des Ufers des Bodensees… man vergisst zu Atmen vor lauter Schönheit. Es gab dort mal einen Parkplatz auf dem ich im VW Camper etliche Male übernachtet habe, dann für ein paar Wochen ins Berner Oberland, runter zum Genfer See, ein Konzert in Montreux und Cafe wo Nabokov wohnte, dann über Santa Maria Maggiore nach Italien hinein…
      Oder halt Ayer’s Rock, oder gar die Blütenpracht im menschenleeren Hokkaido Frühling. Ganz ohne Kristall-GLäser… ;-)

    • A fool thinks himself to be wise, but a wise man knows himself to be a fool.
      Potent sein und einen aktuellen AMG auf Deutschlands noch freien Autobahnen zu fahren ist da doch etwas attraktiver als in einer alten Karre mit 80 km/h durch ein Rentnerparadies zu schleichen und beim Anblick anderer Rentner in anderen Rentnerautomobilen eine Illusion bezüglich der eigenen Wertigkeit zu generieren. Wie damals die alten Damen auf der Kö, die sich all den teuren Schmuck um den Hals legten um sich gegen die Natur der jungen Hüpfer zu erwehren.

      Die Moderne bitte jedem eine Währung, in der er seinen Platz finden kann: Sex, Geld, Freiheit, Macht, Wahrheit. Und die, die nix haben, denen bleibt noch die Moral.

      So lebt jeder in seiner eigenen Blase der Wichtigkeit:Die eine beim Oralverkehr in der Berliner Clubtoilette, der andere auf einem alten Fahrrad zwischen zwei Bauernhöfen, der andere im Stuttgarter Stau, und alle anderen bei der Suche nach Anerkennung mittels Darstellung des Selbstbewusstseins auf Instagramm und Facebook und….

    • Passt schon..
      Die Karawane ist längst weiter gezogen, aber das sehe ich wie Sie.

      Bevor man sich aus lauter rechtschaffen auswegloser Depression umbringt, könnte man es ja mit Australien oder einem Swingerclub versuchen…

  56. Pressglas und Nerd-Frust
    Eine köstliche, sehr gelungene Metapher des Internets als Haus, brillant formuliert von Don Alphonso. Ich mag auch die thematische „Chronologie“ seit dem letz-ten Blog.

    Dazu ein paar Kommentare von mir:
    „Gründerin, mal auf der Titelseite eines Magazins und jetzt auf der re:Publica Vortragende: Graue, niedrige Stahltische auf grauem Industrieteppich“.

    Deutsche sind mehrheitlich selten Individualisten. Beim Auto duldete man Jahre lang keine andere Farbe als schwarz – jedenfalls hier am Nordpol nicht. Der kühle Minimalismus beherrscht den Inneneinrichtungsstil, bei strikter Nichtduldung von Farben – außer Schwarz, Grau und Weiß. (Höchstens akzentuiert durch ein Bild der modernen Kunst mit Farbklecksen.) Wenn die meisten mehr oder weni-ger gleich eingerichtet sind, kann man nichts falsch machen. Genauso, wie man nichts falsch macht, wenn „wir“ die Raute wählen, in Muttis kuscheliger Wohl-fühloase, wo es keine Probleme gibt, die nicht verdrängt werden könnten, um oh-ne Konsequenz zu bleiben…

    „Essen vom Inder, […]“
    Indisch mag ich, wenn authentisch und gut zubereitet.
    Die syrische Küche soll gut sein. Die orientalischen Vorspeisen mit den vielfältigen vegetarischen Häppchen sind köstlich. Das Tor zur Integration: ein Internet-Lieferportal für die syrische Küche…?

    „Es ist ihnen vollkommen egal, ob Gläser geschliffen oder gepresst sind. Sie ha-ben keine Tasse und Untertasse, sondern Becher mit Werbeaufdruck […]“

    Habe mir mal wunderschöne Gläser in einem Dekoladen gekauft. Sonst meide ich Dekoläden. In denen sind etliche Frauen, die ich kenne, dauernd unterwegs, lassen dort viel Geld, weil es immer wieder zu neuen Trends kommt, bei welchen man mithalten muss. Wer einen klassischen Geschmack à la Don Alphonsos „The World of Interiors“ hat, ändert seine Einrichtung bzw. Wohnaccessoires nicht alle Nase lang, sondern ergänzt und komplettiert. Nun, ich habe mich trotzdem das eine Mal verführen lassen, war völlig verblendet wegen der Optik (wunderbar tief bordeauxrot, extra für Weihnachten), aber aus den gepressten Gläsern mochte ich nachher nicht trinken. Der Wein schmeckt nicht, das Glas fühlt sich unangenehm an, also kommen die Gläser bei mir nicht auf den Tisch.
    Einen Becher akzeptiere ich im Alltag, wenn er aus Porzellan ist und ein hübsches Motiv hat, handbemalt.

    Von dem Absatz, der mit diesem Satz anfängt, war ich besonders angetan:
    „Dort sprechen sie momentan vor allem über den Hass und dass das Netz nicht so wurde, wie sie es sich gewünscht hätten. […]“

    Tja, die IT-Szene der ersten Stunde gerierte sich wie eine eingeschworene Ge-meinschaft, ähm, Community, eine die sich rühmt, im Besitz Geheimwissens zu sein, für den Normalsterblichen unzugänglich. Dass sich das grundlegend verändert hat, macht diese Menschen halt verbittert. Es ist lustig zu beobachten, wie sie z.B. im SPON-Forum ihr Vorrecht verteidigen und z.B. behaupten, dass die Nachzügler keine Ahnung vom Internet hätten und sie es deswegen gar nicht richtig nutzen könnten. Diese Nerds werden schnell ganz giftig, wenn man denen in die Quere kommt.

    Anfangs herrschte die Überzeugung, dass man keine besondere Qualifikation bräuchte, böte das Netz doch die optimalen Möglichkeiten, die wahren Talente zu entdecken und zu entfalten. Aus Laien wurden Experten. Habe die Karriere-entwicklung eines jungen Pärchens mitverfolgt. Er: eine solide, traditionelle Ausbildung als Journalist, seine Lebensgefährtin, ein Studium seltener Spra-chen. Aber sie ist vor allem eine gewiefte Geschäftsfrau, ein self-made IT Whi-zzkid, ein Tausendsassa, eine Netzwerkerin. Sie hat sich selbstständig gemacht, in einer Branche, von welcher sie vorher keine Ahnung hatte, hat ein schickes Büro und verdient viel Geld. Er sitzt zu Hause, kämpft um Aufträge und kümmert sich um das gemeinsame Kind.
    Tja, es gibt Gewinner und Loser in jenem gläsernen Haus der Eitelkeiten. Manche Enttäuschten können dann eine Menge Frust entwickeln.

    An den social media hatte ich nie Interesse. Die Hunderten „Freunde“, die man dort offenbar braucht, nun, das machte mich von vornherein misstrauisch. Das Wort „Freund“ besitzt für mich eine andere Bedeutung. Selbst meine Töchter sind keine Fans, sondern benutzen nur WhatsApp.

    @ Don Alphonso, noch zum vorherigen Blog: Ihr Biker-Foto in der toskanischen Landschaft ist phantastisch. Dank dafür nachträglich!

    • @Tamarisque
      Nicht missverstehen, ich will da nichts kritisieren, aber ist es nicht so, dass sich die Arbeitswelt grundsätzlich geändert hat?
      Dass es viele ins Netz und Ähnliches zieht, weil „normale“ Angestellten Verhältnisse nicht mehr angeboten werden ?
      Ich bín sicher der letzte der Dummheit verteidigen würde, aber auch ich frage mich manchmal was würde ich tun, wenn ich heute 20 wäre?
      (…und nicht mit dem Wissen das ich heute habe, selbstverständlich…)

    • Tamarisque, schwarze Autos und anderes Zeug
      Ich habe es seinerzeit gewagt, als ich meinen ersten Firmenwagen bekam, mir einen roten Mazda auszusuchen… Was habe ich mir zwei Jahre lang von einem meiner Chefs anhören müssen, der selbst nur schwarze Porsche fuhr.

      Ich hatte mir 2002 ein Büro eingerichtet, das von einer Biedermeier-Kommode aus 1820 bis zur Neuzeit alles bot. Ohne Plan hatte ich Möbel gekauft, zielstrebig reingestellt und jeder meinte, das passt alles super zusammen, aber das hätte ich mich so nicht getraut.

      U.a. ein bei ebay erstandenes gebrauchtes sonnengelbes Sofa, flankiert von einer großen Kentiapalme, darüber ein altes Ölgemälde einer Landschaft, in der man träumend wandern konnte. Ein quadratischer Esstisch, noch mit Ausziehplatte, von 1890 als Besprechungstisch mit verschiedenen Jugendstilstühlen, eine schwenk- und ausziehbare Artemide-Lampe drüber, ein alter, riesiger Weichholzschreibtisch usw.
      Es war funktional, gemütlich und einfach schön. Wenn ich mir dagegen das Zeug anschaue, das jüngere Nachbarn in den Keller für den Sperrmüll tragen, um genauso schlimmes neues Zeug in die Wohnung zu holen, bekomme ich regelmäßig meinen Seelenschmerz, wie man denn so wohnen kann.

      Heute sitze ich an einem alten, nicht sehr großen Nussbaum-Schreibtisch aus irgendwelchen Militärbeständen, in dessen Schubläden man Ordner versenken kann, frei im Raum stehend und ich mit Blick nach draußen. Die Nachbarkinder schauen sich jedesmal bei mir staunend um, aber ob’s mal hilft, ich glaube nicht.

    • IT-Szene der ersten Stunde
      @TDV
      Ich redete von der IT-Szene der ersten Stunde. Damals war die Welt noch nicht so, wie Sie es beschreiben. Den von mir beschriebenen Fall verfolge ich seit Ende der 90er Jahre, als das Pärchen zusammenzog. Bis zum Dotcom Crash in 2000 herrschte in der IT-Szene die reinste Euphorie.

      Diese Whizzkids hatten die neue IT Welt mitgestaltet und später die politischen „Reformen“ kritik- und widerstandslos angenommen. Hartz-IV-Gesetze wurden erst in 2002-2003 ratifiziert. Die IT Szene hatte also ihren Anteil dazu geleistet, dass die Zustände so geworden sind, wie sie sind. Sie konnten sich im Traum nicht vorstellen, dass sie selbst jemals Opfer des neuen Systems werden.

    • Schwarze Autos etc.
      @ Renate Simon
      Die Beschreibung Ihrer Einrichtung hört sich schön an.
      Selbst wenn man die Einrichtung aus unterschiedlichen Quellen sammelt, trägt sie doch eine einheitliche Note der geschmacklichen Richtung. Selbst, wenn die einzelnen Teile unterschiedlich wirken, ergibt sich ein roter Faden, ein einheitlicher Stil, der sich in ein harmonisches Gesamtbild zusammenfügt. Es gibt Menschen, die dafür keinen Sinn haben, daher trauen sie sich nicht. Man muss auch Interesse haben und sich damit etwas beschäftigen.

      Mein Mann teilt zum Glück das Interesse, und wir haben einen ähnlichen Geschmack. Manchmal ist es amüsant zu beobachten, wie entweder jeweils die Frau oder der Mann allein bei der Einrichtung „das Sagen hat“, sodass der Stil z.B. durch zarte Farben im kleinen Blümchenmuster betont verspielt und sehr feminin ist oder aber streng maskulin. Riesige moderne, schwarze Ledermöbel wären für mich z.B. ein Zeichen für die männliche Dominanz in der Einrichtung, in welcher ich mich nicht wohl fühlen würde.

      Unsere Töchter haben unseren Einrichtungsstil in etwa übernommen, also haben sie sich offensichtlich in ihrem Elternhaus wohl gefühlt.

    • @Tamarisque
      Tamarisque sagt: 8. Mai 2016 um 01:33 Uhr
      IT-Szene der ersten Stunde

      …. da hatte ich sie missverstanden. Ich hatte damals ein völlig anderes Leben und habe die neue digitale Welt völlig ignoriert. Zu Beginn der 80er hat mir ein Bekannter aus dem alljährlichen Gtsaader Krishnamurti Treffen angeboten mich mit nach New York zu nehmen, es waren die C Entwickler…. aber da war mir Indien noch lieber und wichtiger… Irgendwann hatten wir Indien dann unsere Macs mit Netscape und die erste e-mail adresse.
      Mein Leben in digitale Welt zu verlegen kam mir bei all den Verdienst Möglichkeiten nie in den Sinn.
      Heute sieht man ja wie gross die gefahr und wie übel die Konsequenzen sind wenn sich die Weltbevölkerung von Computern benützen lässt, anstatt sie benutzen.
      Gerade in diesem Blog hat Don Alphonso ja ziemlich deutlich beschrieben wie die grosse Masse der digitalen Herrschaften lebt.
      Ich hatte da wohl grosses Glück…

  57. ach so
    so soans die Leit. So bekommt endlich etwas Sinn, was ohne den Kontext wie eine ultimative Sozialschmonzetten-Bubble wirkte: Die Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen.
    Es ist nicht nur der feuchte Traum vom Nehmen, das seliger als Geben ist. Wo man die Geber zuvor mit rechtgläubigem Antikapitalisten-Agitprop erledigt, um sie ansclhließend politisch-korrekte auszunehmen.
    Es ist viel mehr als das. Es ist Notwendigkeit. Treibstoff mit ausreichender Oktanzahl für die Bloggerszene.

    • Immer amüsant....
      … dieses ehrlich Spiesser Gezeter.

      Früher konnte man das ja nur am Stammtisch hören.
      Ah! Das Potential des Computers !

  58. Das Internet wird überschätzt, weil überschätzte Medien es überschätzen.
    Das Leben findet immer noch auf der Straße statt.

    ——————————————————————————–

    Mittlerweile werden in der „Presseschau“ im WDR5-Morgenecho, die jetzt „Medienschau“ heißt, neben den üblichen Presseartikeln auch die Blogbeiträge und Tweets der hier wohl diskutierten „Internet-Ikonen“ wiedergegeben.

    Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ein Herr Lobo, ein Herr Augstein, eine Frau Stokowski und die Feminist_*innen-Szene so viel Raum und Aufmerksamkeit bekommen? Sind es die Texte, die eigentlich so unbeschreiblich gut sind, oder sind es die mehrheitlich linksliberal besetzten Redaktionskonferenzen, die sich hier noch ein paar hippe Texter_*innen gönnen, weil sie dann selbst doch nicht ganz so radikal sein wollen, nur so ein ganz klein wenig ….? Man könnte ja sonst doch die zahlende Print-Leserschaft verschrecken, die den Online-Spaß ja irgendwie quersubventioniert.

  59. Flexibel
    Es ist vielleicht nicht nett, was ich schreibe. Es trifft wahrscheinlich auch nicht auf 100% der Leute zu, die Don Alphonso in seinem Blog beschreibt. Meiner Ansicht aber, schaut man sich die Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse an, handelt es sich bei diesen Netzaktivisten/Krautjournalisten um nichts anderes als um einen Teil des akademischen Prekariats. Inwiefern sie die ungesicherten Verhältnisse als freelancer wirklich super finden, sei einmal dahingestellt. (Ich weiß nur, dass Einjahresverträge ******* sind.) Erfunden haben sie diese nicht. Zum einen gab es sie bei Ärzten und Rechtsanwälten und und und auch schon immer in ähnlicher Form. Neu ist jedoch, dass diese Formen von Beschäftigung auf immer mehr Bereiche übertragen werden – eingeführt von Leuten mit einem Abschluss in BWL. Dabei nutzen diese BWLer auch die Freiheitsrhetorik der 68er, zugegeben. Doch ist es nicht mehr als Mittel zum Zweck, Rhetorik eben, um Festangestellte ‚freizusetzen‘ (in die Freiheit zu entlassen). Und der Unbehaustheit in der Arbeitswelt folgt dann die Unbehaustheit generell.
    Wenn ich nur einen Vertrag über ein Jahr/ein Projekt habe – was soll ich mit Immobilienbesitz?
    Ein Vorreiter bei der Durchsetzung prekärer Verhältnisse waren/sind übrigens Universitäten – in Deutschland und anderswo.Wirklich schade, dass man hier keine Bilder posten kann. Ich würde sonst Wohnungsbilder posten, die die Wertschätzung offenbaren, die eine südkoreanische Universität ihren ausländischen Mitarbeitern gegenüber zeigt. (Wer jetzt meint, Bruchbuden seien in Südkorea normal, weil es sich bei Südkorea um ein Land der 3. Welt handelt, schaue sich noch einmal genau an, wo Südkorea wirtschaftlich steht. Und ja, es handelt sich bei der Universität um eine der sogenannten Flaggschiff-Universitäten.) Menschen sind Kosten. Und Kosten müssen reduziert werden. – Wie viele Festangestellte hat die FAZ heute noch? Wie viele waren es vor 10, 20 Jahren?
    Was schrieb Markus Wehner in der FAS über Parteien? Sie sollten nicht mehr auf ihre Mitglieder hören, sie sollten sich professionalisieren, sprich: noch mehr Leute in Führungspositionen bringen, die außer BWL und Marketing nichts können. Wäre es da aber dann nicht eine grandiose Idee, wenn Zeitungen immer weniger auf ihre Mitarbeiter hören würden, weil sie sich professionalisieren, indem sie mehr und mehr Artikel von Programmen schreiben lassen würden? Da würde sich dann auch jede Frage nach Wohnform und Inneneinrichtung der Schreiber/innen erübrigen.

  60. 2 mal @Tamarisque
    [Es gibt hier keine sogenannten PMs, deshalb muss alles in die Öffentlichkeit]

    TDV sollte vielleicht für sich selbst sprechen, dennoch kann ich hier sagen, dass seine Formulierung komplett in Ordnung ist. Deutschland ist zwar das Land des Erfinders, oder wenigstens Formulierers von Dialektik, hat aber dieses Erbe rundum schnell verkauft.
    Man (also ich) kann doch Trump als unterbelichtete und gefährliche geföhnte Hamsterlocke bezeichnen, und es dennoch genauso gut finden, dass die (mir) widerlichen eingesessenen aufgeblasen moralistischen Etablierten, denen es ausschließlich um ihre eigene wohldotierte Weiterexistenz geht, und null um das zu regierende Land, derzeit einen anständigen Gegenwind erfahren. Ob der Trump, AfD, FN, PVV heisst, ist mir egal. Ohne die würden wir, Sie und ich, einfach nur noch wehrlos von einer Gleichschaltungsmaschine überrollt werden, und so enden wie ich es oben bei Fritz Lang zitiert habe.

    Zweitens, und damit in engem Zusammenhang, ihr Kommentar zu Ihrer komplett richtigen Beobachtung im möglicherweise besten Kommentar zu diesem Artikel bisher: Individualismus. Alles was uns das zwanzigste Jahrhundert als Individualismus zugestanden hat – auch wenn es oft oder gar meistens nicht richtig angewendet wurde – wird doch hier versucht, zurückzurollen. Individualismus ist eine grosse Gefahr für die herrschende Elite, grösser vielleicht als alle anderen. Deshalb wird vereint gegen alles, auch in gutem Sinne Unterscheidende, die Planierraupe eingesetzt.
    Eine einzige Weltkultur, eine einzige lingua franca, Möbel von IKEA überall zwischen Nord- und Südpol, (die überall gleichen Smartphones gibt es schon, ebenso wie die gleichen Autos, die früher auch mal ganz unterschiedlich aussehend aus der Ferne leicht unterscheidbar waren), Starbucks und Co., mir vor 20 Jahren noch unbekannte cupcakes mittlerweile überall zwischen Malaga und Jakarta als staple diet serviert, Aufhebung der nationalen Grenzen, Entbargeldisierung, alle Menschen sind gleich, müssen einen Hochschulabschluss haben, sehen die gleichen Nachrichten, hören die gleiche Musik, haben die gleichen individuellen Vorlieben geformt durch omnipräsente gleichgeschaltete Medien.
    Ich weiss nicht, wie TDV das sieht mit den Unterschieden der Angebotspaletten und Traditionen in Thailand und Tokio. Kuala Lumpur und Oberhausen sind sehr viel gleicher als vor 20 Jahren.

    Mir persönlich machen die Schwachmaten im Netz nicht halb so viel Angst wie die konzertierte Aktion, uns alle Menschen auf Vordermann zu bringen, so wie oben zitiert.
    Re-engineering der schwarzmalenden Geschichten des Science Fiction trifft sich sehr gut mit einer Extrapolation der realen Situation.

    • Titel eingeben
      Es ist wahr…. „the elephant in the room“ ist die Frage, will man etwas von ausserhalb des Systems probieren, also Bernie, Trump, Afd, (eigenartigerweise, bzw typisch deutsch ist, dass Die Linke mal wieder keinerlei Rolle spielt), oder will man Politics as Usual. Mein soeben Vater gewordener Neffe, Ingenieur bei Siemens will Hilary, und wer könnte es ihm verübeln.
      Ich hingegen beobachte die nicht enden wollenden Sauereien seit 50 Jahren und hätte rein gar nichts gegen das Kollabieren des Existierenden. Für meinen Standpunkt spricht, dass täglich weltweit mehr und mehr für eine grundlegende Änderung sind und derjenige dem man dafür am dankbarsten sein muss, ist dieser verlogene Verbrecher im Weissen Haus. Am peinlichsten für die Normalen ist, dass uns im neuen politischen System der Post-Demokratie Russland mit Putin mindestens einen Schritt voraus ist. Der Mann tut gar nicht erst so, als sei er der Gute. Das bringt ihm Respekt, wie man ihn auch Trump oder Marine le Pen entgegenbringt.

      Einschub: Bei dem Russen Konzert in Palmyra konnte man deutlich sehen, dass Gergijev dirgierte. Ich konnte weder in der Parntlhausener noch in einer anedern deutschen Zeitrung eine Meldung dass der Chef der münchner Phiharmoniuker für Putin dirigierte…

      Das einzige Argument, das für solche Aussenseiter spricht ist, dass tagtäglich mehr und mehr Leute sehen, dass die Merkel, Obama, Hollande oder Cameron tatsächlich nackt sind und ganz bestimmt keine neuen Kleider anhaben!
      Sollten die Änderungen kommen, und sollte, was durchaus möglich ist alles mehr oder weniger den Bach runtergehen, dann bitte bei denen beschweren die das verursacht haben, nicht bei denen die als Symptom nachgefolgt sind!
      Verursacht haben das alles die bürgerlichen Parteien, ihre Anführer UND ihre Wähler. Die Frage ist, wie weit diese Fraktion des dumpfen Mittelmasses gehen wird um sich die Macht nicht zu entreissen lassen….

      Was Thailand und Tokyo angeht, werter Uwe, so ist in der grösste Unterschied, dass der Polizist der ihnen das Gras in Bangkok abnimmt, es ihnen anschliessend wieder verkauft, während sie im ach so zivilisierten Erste-Welt Land Japan zu 20 Jahren Gefängnis für den Besitz von 5 Gramm verurteilt werden. Seit Australien vor fast 50 Jahren weiss ich, dass man unter den Ahnungslosesten am ungestörtesten lebt, die halten nämlich jeden anderen für mindestens genauso dumm wie sie selber sind…

    • Konform gleichgeschaltet
      @ Uwe Dippel
      „Man (also ich) kann doch Trump als unterbelichtete und gefährliche geföhnte Hamsterlocke bezeichnen, und es dennoch genauso gut finden, dass die (mir) widerlichen eingesessenen aufgeblasen moralistischen Etablierten, denen es ausschließlich um ihre eigene wohldotierte Weiterexistenz geht, und null um das zu regierende Land, derzeit einen anständigen Gegenwind erfahren.“

      Ja, wenn denn dabei etwas herauskommt. Doch der Glaube fehlt mir, s. meinen heutigen Post an TDV.
      Ich möchte jetzt schon Wetten eingehen, dass Trumps Amtszeit, wenn er denn gewählt wird, das Volk keinen Schritt vorwärts bringt und dass seine Außenpolitik ein Desaster wird. Ich würde mir wünschen, dass ich mich irre.

      „Ob der Trump, AfD, FN, PVV heisst, ist mir egal. Ohne die würden wir, Sie und ich, einfach nur noch wehrlos von einer Gleichschaltungsmaschine überrollt werden, und so enden wie ich es oben bei Fritz Lang zitiert habe.“

      Bis die einmal in der Regierung mitregieren und entzaubert werden.

      Bzgl. Individualismus bedanke ich mich für Ihr Kompliment und stimme Ihren Ausführungen zu. Die Vereinheitlichung des Geschmacks und des Lebensstils liegt sicher daran, dass das Angebot an Konsumgütern bzw. Kleidung, Schuhe, Einrichtung etc. in immer wenigeren Händen konzentriert ist. Schon in den 90er Jahren sah die City der Großstädte einheitlich aus: Überall im Stadtbild dominierte die Präsenz der gleichen Filialisten. Das Internet-Angebot hat das Sortiment inzwischen bunter und vielfältiger gemacht. Das finde ich wiederum positiv.

      Was ich für besonders gefährlich halte, ist die steigende Manipulation der politischen Meinungsbildung durch die Medien. Der Pluralis Majestatis wird immer öfter als meinungsbildender Stilmittel eingesetzt, im Sinne „Wir“ sind die „Guten“, „wir“ vertreten die „richtige“ Meinung, während im nächsten Satz Andersdenkende angegriffen und diffamiert werden.

      Das Volk der DDR war eine graue, gesichtslose Masse, das sich allem fügen musste, was ihm von den politischen Eliten vorgeschrieben wurde. Abweichler wurden verhaftet und verhört, eventuell sogar zur Gefängnisstrafe verurteilt.

      Hierzulande wird eine Abweichung von der Mainstream-Meinung nicht geahndet, jedoch inzwischen psychisch abgestraft. Der Kritiker wird aus der omnipotenten kuscheligen „Wir“ ausgeschlossen, wird zum Störfaktor. Akzeptiert wird nur eine kritiklose Unterwerfung unter die Meinungshoheit; selbst differenzierte Abweichung gilt als Verrat.

      Zudem bedienen sich die „Guten“ inzwischen einer besonders aggressiven Wortfindung, als ob sie mit den rechten Hetzern darum wetteifern wollten, und zwar nicht nur in den social media, sondern auch in journalistischen Kolumnen und politischen Artikeln, wie z.B. auf SPON. Das trägt inzwischen Früchte. Vor ein paar Monaten las ich in einem SPON Post, was die „Guten“ aus der „Wir“-Fraktion inzwischen von der Meinungsfreiheit halten, Zitat:
      „Die Aussagen einiger Foristen zielen darauf ab, den Staat zu destabilisieren und die Regierung zu schwächen.“
      Hört sich beinahe nach Erdogans Türkei an.

    • @Tamarisque
      „Ich möchte jetzt schon Wetten eingehen, dass Trumps Amtszeit, wenn er denn gewählt wird, das Volk keinen Schritt vorwärts bringt und dass seine Außenpolitik ein Desaster wird. Ich würde mir wünschen, dass ich mich irre.”

      Genau das habe ich doch geschrieben! Trump wird gut für Europa und fürchterlich für die USA sein.
      Man nennt das win-win!

      Hilary wird den Niedergang der USA um zwei Jahre rausschieben können und bis dahin versuchen den von den USA so lang ersehnten Krieg NATO/EU gegen Russland zu provozieren

      „„Ob der Trump, AfD, FN, PVV heisst, ist mir egal. Ohne die würden wir, Sie und ich, einfach nur noch wehrlos von einer Gleichschaltungsmaschine überrollt werden, und so enden wie ich es oben bei Fritz Lang zitiert habe.“

      Bis die einmal in der Regierung mitregieren und entzaubert werden.„

      Keiner hat etwas anderes behauptet!
      Die Alternative ist AUSSCHLIESSLICH ein weiter-so, mit Mutti und den fünf Einheitsparteien.
      Ich finde es den einzig möglichen Schritt nach vorne, die Schnauze voll zu haben und sich weigern weiterhin Teil dieses Drecks zu bleiben!
      Wenn sie lieber den Status Quo behalten wollen (und ihre Kristall Gläser) dann werden sie ein böses Erwachen erleben. ;-)

    • @Tamarisque
      „Das Volk der DDR war eine graue, gesichtslose Masse (…)“

      Sehen Sie, Tamarisque, und das ist der Grund, weshalb ein Gespräch mit Ihnen so sinnlos ist. Und wenn Sie auf dem Mond gelebt hätten …! Was von Ihnen kommt, ist regelmäßig in einem Maße … – also, das ließe jeden GOL-Sekretär erbleichen. Nein, nein – wir sind kein Volk, wenn Sie das beruhigt.

  61. Trigger warning!
    Ich habe zunehmend das Gefühl, dass viele Menschen im Westen, und besonders Blogger und Aktivisten, absolute Mimosen geworden sind. Sie wollen sich heldenhaft der großen Themen annehmen, aber dann werden sie hysterisch, wenn jemand mal eine andere Meinung hat. WEnn man sauber, logisch und direkt argumentiert gilt man schon als Hetzer oder Vergewaltiger. Vergewaltigung durch Logik. Gibts nicht? Dann schauen Sie mal nach. Allein wie Begriffe wie „radikal“, „rechts“, „Hetze“ usw. mittlerweile verwendet werden läßt die Menschen abstumpfen. Wenn diese Bergriffe so inflationär verwendet werden, dann kümmert es am Ende eben auch keinen mehr.

    Und zum Thema diversity: Es ist in den Medien egal ob man schwarz, weiß, schwul, hetero, männlich, weiblich, deutsch, eingewandert etc. ist. Hauptsache man denkt stramm links. Die einzige Vielfalt die es im Medienbetrieb und an den Universitäten nicht gibt ist die einzige auf die es eigentlich ankommt: Intellektuelle Vielfalt, Vielfalt an Ideen. Mir ist doch egal, ob jemand aus Syrien kommt oder schwul ist. Auf das Menschen- und Gesellschaftsbild und den Anstand, den Intellekt kommt es an. Aber da gibt es nur Einheitsbrei in Deutschland. Wie sollen denn die schlechten Ideen aussortiert werden, wenn sie nicht im Wettstreit mit besseren bestehen müssten? Wir bauen Schutzbiotope für schlechte Ideen auf. Gut nur, dass wir uns das nicht mehr sehr lange leisten können.

    • Kleine Korrektur?
      „Hauptsache man denkt stramm links. “

      Hauptsache man denkt das, was Leute wie sie (und diese Kasperles selber) für links halten.

      Selbst wenn es sowas wie rechts und links noch gäbe, lägen sie (wie üblich) weit daneben.

  62. große Quasten
    Ich bin ja hier nur der k.u.k. Hymnenschreiber für dieses Schutzbiotop für gute Ideen und wahrscheinlich denke ich jetzt nur wegen der Unkenrufe bezüglich externer Sägerei an Rorty und Larkins Gedicht und idiosynkratische Inventarlisten.
    Im Übrigen lohnt sich ein Schlenkerer über Motta di Livenza und Messer Michelins Villa Bertoja samt Hugo auch für Abstinenzler.

  63. Digital Natives vs. The Real Life
    Ich habe für diese twitternde, snap-chattende und Facebookende Mischpoke aus dem verkommenen Berlin nur Verachtung übrig. Kein wirklicher Mensch, der seine 35 Stunden beim Daimler am Band abreisst und mit einer hohen, vierstelligen Summe nach Hause geht, nimmt die ernst. Das Geweine der Digital Natives über ihre Finanzen ist lächerlich. Es gibt reichlich Jobs – teilweise gut bezahlt. Nur halt nicht in Berlin. Raus auf’s Land! Rabotti, Rabotti!

  64. Titel eingeben
    Fefe schrieb gerade (zu GenderAufschreierinnen, die gleichzeitig Lobbyismus auf der Re:publica betreiben):
    „Und angesichts dieser Filz-Recherchen muss ich mich ja fragen, ob der Don Alphonso nicht doch die ganze Zeit schon Recht hatte.“

  65. @TDV
    Nur weil die von mir verlinkten Artikel ein anderes Bild über Ihr „Idol“ Trump zeigen, soll es gleich „Propaganda“ sein. Ein billiges Argument.

    „Wenn sie lieber den Status Quo behalten wollen (und ihre Kristall Gläser) dann werden sie ein böses Erwachen erleben. ;-)“

    Dass Sie sich nicht zu schade sind, ausgerechnet mir solch einen Schmarrn zu unterstellen, sorry, das ist traurig und da hilft der Smiley auch nicht.

  66. House >< Home
    @ TDV
    Im Laufe meines Lebens bin ich 16 Mal umgezogen. Mit 18 zog ich das erste Mal nach Helsinki um, wegen des Studiums. (Okay, zwei Mal weniger, die beiden Praktika in Schweden während des Studiums zählen nicht.) Allein innerhalb Asiens waren es einige Umzüge, z.B. zwei innerhalb Indonesiens, dann nach Deutschland, von dort wieder nach Hong Kong. In Deutschland habe ich in zwei Städten gelebt. Den Unterschied zwischen Haus und Zuhause müssen Sie mir also nicht erklären. Also bin auch ich ziemlich viel herumgekommen in der Welt. Deshalb schätze ich mein Zuhause umso mehr.

    Ich habe in Asien zuhauf Expats erlebt, die dort wie in der Bahnhofswartehalle lebten, in einem Apartment oder einem Haus, das kein Zuhause war. Das verspürt man. Sie waren mental nicht präsent dort. Sie hatten nur deutsche Freunde, und obwohl sie dort manchmal Jahre lang lebten, sprachen sie die Landessprache nicht, welche z.B. in Indonesien sehr leicht zu lernen ist. Sie lebten dort abgeschottet in ihrem Little Germany. Das fand ich traurig, eine verlorene Zeit. Für mich ist das Leben zu kostbar, um „auf dem Sprung“ zu sein und mich nicht auf das Land einzulassen, wo ich lebe.

    Ein Zuhause, the home, ist ein emotionaler Begriff. Wenn Sie diesen emotionalen Zustand, sich innerhalb Ihrer vier Wände zu Hause zu fühlen, nicht nachvollziehen können bzw. nicht besonders schätzen, weil es für Sie spirituell „unterentwickelt“, zu bürgerlich oder vermutlich sogar spießig sei, so bleibt das Ihnen unbenommen.

  67. Pingback: Unser aller blinder Fleck

  68. Unser aller blinder Fleck
    Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Welt (die Leute) danach beurteilen sollen, wie sie sich im Netz darstellt (darstellen), und wenn sie sich dort noch so üppig/omnipotent präsentiert/präsentieren. Noch sehe ich eine Menge echte Menschen; und die machen mir Sorgen genug. Ich weiß nicht, ob das Zufall ist, oder ob es an meiner gesteigerten diesbezüglichen Sensibilität liegt, dass mir in letzter Zeit so viele Real-„Gestörte“ begegnen. Da sich einige darunter als solche sogar offen outen, kann es nicht nur Zufall sein, bzw. meiner persönlichen Perspektive geschuldet. Nicht wenige darunter bezeichnen sich unumwunden als „Borderliner“.
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    Ich weiß nicht, ob ein solches Outing als kokette Angepasstheit an den Zeitgeist zu bezeichnen wäre, oder ob es diesen Zeitgeist nicht tatsächlich repräsentiert? Letzteres wäre erstaunlich, denn kaum ein Borderliner erkennt sich als solcher selber (http://blog.herold-binsack.eu/2013/12/der-unerkannte-borderliner/). Wie auch immer: einige darunter müssen echt sein. Und die allertypischste Erscheinung scheint mir eine ganz spezielle Abwesenheit zu sein. Nicht die „autistische“ (das wäre ein weiteres Phänomen), sondern die Abwesenheit von etwas, das wir gestern noch „Empathie“, Sehnsucht, oder gesunde Triebe nannten. Diese Menschen machen mir Sorgen. Es sind die, die die Kinder von heute und morgen machen oder nicht, erziehen oder nicht, und: die sich lieben oder hassen, oder eben nicht. (Schon meine Sorge um das, dürfte von diesen Menschen vermutlich gar nicht mehr verstanden werden; denn in dieser Zukunft werde ich ja nicht mehr sein!)
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    Es sind Leute, deren wichtigster Partner eigentlich der Psychiater sein sollte, wenn dieser nicht selbst gestört wäre. So kenne ich da ganz persönlich eine Person, die, nach ihrem eigenen Bekunden, sich weigert, als Psychotherapeutin und Psychologin, Borderliner zu therapieren, weil die „absolut keine Krankheitseinsicht hätten“; dabei aber nicht registriert, dass sie selber ein Borderliner ist.) Und darin zeigt sich eben nicht nur ein ganz besonderer Witz, in Bezug auf das Verhältnis zwischen sog. Normalen und Gestörten, sondern auch und besonders in Bezug auf uns alle: in Bezug nämlich auf unser aller blinder Fleck. Vielleicht bin ich gar nur der einzige „Gestörte“ hier?

  69. Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen
    Ob es wirklich Hass ist oder doch nur Frust, was sich da überwiegend im Netz entlädt, das lasse ich mal offen. Ob sich die emotionalen Eruptionen irgendwie beenden lassen, wage ich jedoch ernsthaft zu bezweifeln. Es ist halt leichter, sich im Netz zu echauffieren denn im realen Leben, da im Netz nicht die Gefahr körperlicher Folgen droht, sieht man von erhöhtem Blutdruck einmal ab.

    Jeder Mensch hat nunmal zwei Seiten, eine gute und eine weniger gute. Welche wann die Oberhand gewinnt, ist von der jeweiligen Situation und auch von der generellen Lebenssituation abhängig. Es ist eben nicht jeder dazu in der Lage, sich jederzeit unter Kontrolle zu halten.

    Sich im Netz mal so richtig Luft zu verschaffen, kann sich allerdings auch positiv auf das reale Leben auswirken, gleichsam als Ausgleich wirken, weshalb das Treiben im Netz auch nicht überbewertet werden sollte. Nur wenn virtuelles und reales Leben deckungsgleich sind, ist das wirklich von Bedeutung. Welches Leben letztlich tonangebend ist, überwiegt, das Handeln bestimmt, hängt wohl eher davon ab, welche Anlagen der Mensch an sich mit sich bringt, wie er sozialisiert wurde, wie seine Lebensumstände sind.

    Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wäre der Wald die Gesellschaft, dann wäre wohl alles gut. Es scheint aber so, als sei der einsame Rufer die Gesellschaft, während der Wald nur aus wenigen Menschen, den so genannten Eliten, besteht. Ein Grund, warum Demokratie nicht wirklich existiert, warum sich Hass, überwiegend noch im Netz, breit macht. Denn so langsam scheint der Wald zu verstehen, wie und wo der Hase läuft. Nicht zuletzt ein Verdienst des Netzes, welches der wahre Spiegel der Gesellschaft zu sein scheint.

    • Das Problem beim Guardian und anderen eher linksliberalen Postillen ist, dass man einen liberalen Mainstram nicht ohne des Joch des Linksbizarren bekommt. Wer dort A sagen will, muss auch B sagen. Linientreue ist wichtig. Das regt viele auf, nicht umsonst gibt es dann als Antwort Heatstreet und Breitbart, bei denen es wohl recht gut laufen soll.

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