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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

30. Jan. 2015
von Don Alphonso
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Die feministische Aktivistin im Bett mit dem Nazi

“kann man der nicht mal was mitgeben“

Weev ist das Letzte.

Sagen Feministinnen und führen den Hacker gern vor, wenn sie Gesetzesverschärfungen für Onlinebelästigung und Stalking verlangen. Denn Weev, bürgerlicher Name Andrew Auernheimer, ist nicht nur ein Hacker, der für seine Taten im Gefängnis sass, sondern auch ein Frauenhasser, Rassist und gefährlicher Diskriminierer, der nicht davor zurückschreckt, Frauen aus dem Netz zu vertreiben und dann zu sagen: I did it for the Lulz, ich machte das zum Spass. Weev prahlt mit seinen Taten gegenüber Medien, betrieb eine Seite mit Neonazi-Inhalten, bezeichnet sich als Fan von Massenmördern und ist, alles in allem, die Verkörperung allen Übels, das das Netz davon abhält, zu einem sicheren Ort des korrekten Austauschs und der diskriminierungfreien Sprache zu werden. Weev hat keine Skrupel, anderer Leute Privatadresse im Netz zu verbreiten und andere auf sie zu hetzen.

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Weev ist das Letzte und gehört ins Gefängnis, sagen sie, und nehmen ihn als Beispiel, wo es hinführt, wenn andere für sich die Freiheit der Rede in Anspruch nehmen: Es führt in den verbalen Missbrauch, in die Unterdrückung, in die Schweigespirale und ins Trauma für die Opfer. Weev mag ein Extrem sein, aber das Netz ist voll von Leuten, die in seinem Windschatten ebenfalls die Aussagen von „Überlebenden“ von Belästigungen bezweifeln, Vergewaltigungsanklagen nicht allein aufgrund der Aussage des angeblichen Opfers glauben, gar ein faires Verfahren fordern oder ihre Texte nicht mit Triggerwarnungen zum Schutz traumatisierter Menschen versehen.

Ich sehe gerade, das ich habe das auch vergessen, obwohl das hier noch übel wird. Aber jetzt ist es zu spät.

Na wie auch immer, das Netz ist jedenfalls voll von solchen cisheterosexuellen, mittelalten weissen Privilegienmännern, die ihre Machtposition schamlos ausnutzen, um das Patriarchat weiterhin in seiner Funktion als Rape Culture im Krieg gegen die Frauen einzusetzen. „War on Women“ ist der amerikanische Begriff. Er wurde im letzten Wahlkampf häufig benutzt, als die Demokraten besonders Akademikerinnen mit Themen wie schlechter Bezahlung oder dem sog. „Campus Rape“, einer besonderen Gefährdung von Studentinnen, für ihre Sache gewinnen wollten. Naturgemäss ist das die Seite des Lichts und der Toleranz – auf den Seiten der Finsternis stehen dagegen die Republikaner mit dem Fernsehsender Fox, Webprojekte wie das rechtsgerichteten Nachrichtenportal Breitbart News, oder das Independent Women’s Forum, in dem den Konservativen nahestehende Forscherinnen Zweifel an den Erkenntnissen der Genderforschung formulieren und verbreiten.

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In diesem mit allen Tricks und Hinterhältigkeiten ausgetragenen Krieg des Patriarchats gegen die Kräfte von Wahrheit und Fortschritt wird kein Bereich ausgespart. Weil die dritte Welle des Feminismus besonders stark im Netz vertreten ist, werden auch die erfolgreichen Tech-Firmen des Silicon Valley und ihre meist männlichen Gründer, Finanzierer, Chefs und Manager an ihre Verantwortung für Diversität, Gleichberechtigung und diskriminierungsfreie Sprache erinnert. Diese Aufgabe hat das Projekt „Model View Media“ übernommen. Auf einer Webseite, und vierteljährlich als hochwertig gedrucktes Magazin Model View Culture, beschäftigt es sich mit allem, was im Silicon Valley falsch läuft: Zu wenig Rücksicht auf Minderheiten, Netzwerke weisser Männer, Diskriminierung von Frauen, mangelnde Akzeptanz der diversen Gender, warum Code sexistisch ist und wie man sich dagegen wehren kann. Geschrieben werden die Beiträge von den jeweilig betroffenen Aktivistinnen und Aktivisten, derer es im Silicon Valley wohl genügend gibt, dass die Webseite und das Leben der Herausgeberin finanziert wird. Das Projekt ist einseitig und möchte als Gegenstandpunkt auch so sein. Als Gründerin, CEO und Herausgeberin firmiert Shanley Kane, seit dem Beginn von MVM ein neuer, gefeierter Stern am Himmel des Fortschritts.

Und tatsächlich hat Shanley Kane mehr im Sinn, als einfach nur jede Woche ein paar lange Anklagen gegen das System zu veröffentlichten. „Tech Critic“ wird sie genannt, und diese Kritik äussert sie vor allem auf Twitter: Kaum ein Tag vergeht, da sie nicht in rüden Worten Rücktritte oder Entlassungen fordert und Menschen persönlich obszön angreift, egal ob sie nun ihre Firmen anders als gewünscht führen oder einfach nur eine leicht abweichende Meinung vertreten. Kane geht an die Grenze der Meinungsfreiheit und verbreitet mit ihren Followern ein Klima der Angst spätestens seit dem Tag, da der Shitstorm auf das Ausgraben alter, von derbem Humor geprägter Tweets die Karriere eines Reporters zerstörte. Allerdings reichte ihr auch schon ein harmloser Versuch eines Portraits über sie vollkommen aus, um einen veritablen Shitstorm gegen die Autorin zu starten – nur weil diese gesagt hatte, sie würde auch mit anderen sprechen. Kanes letztes Opfer war im Dezember der Linuxgründer Linus Torvalds, der sich unsensibel über die Frage der Diversität in der Softwareentwicklung äusserte – sie und im Gefolge viele andere forderten, dass die Linuxcommunity ihren verdienten Chef wegen dieser Äusserung rauswerfen sollte.

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Man kann diese Tweets heute nicht mehr anschauen, weil der Account von Kane geschlossen ist. Denn kurz nach dem Angriff auf Torvalds erschien bei eben jener verrufenen, rechten Seite Breitbart ein Artikel, der es in sich hatte. Verfasst wurde er von dem auch nicht gerade durchwegs sympathisch erscheinenden Autor und Gamergate-Aktivisten Milo Yiannopoulos, den nach Eigenaussage Gott schwul gemacht habe, damit er Feministinnen jagen könnte. In diesem Beitrag bestätigte ausgerechnet der berüchtigte Weev, dass Shanley Kane nicht nur früher seine Geliebte war, sondern auch noch seine Umtriebe teilte. So absurd die Geschichte klingen mag – die bejubelte Diversityaktivistin als Rassistin, die an der Seite des übelsten Trolls des Internets über genau jene herzog, die sie nun zu fördern vorgab – sie stimmt. Kane hat ihre Sicht der Dinge inklusive der Bestätigung, „mentally ill“ zu sein, selbst aufgeschrieben, sich zum Opfer gemacht und daraufhin ihren Twitteraccount auf privat gestellt.

Damit nicht genug: Im Gegensatz zu ihren Angaben hat Kane Model View Media nicht allein gegründet. Unter den Tisch fiel die Feministin Amelia Greenhall, die bald ohne genauere Begrünung ausgeschieden war. Jetzt aber legte sie nach und beschrieb ihre Erfahrung mit Kane: Sie habe sich leider ohne genauere Überprüfung ihrer Partnerin sehr blauäugig auf das Abenteuer eingelassen, das sich wie eine Art „abusive Relationship“, eine Missbrauchsbeziehung anfühlte. Damit eskalierte der Konflikt endgültig – es gab nicht mehr nur die extremen Seiten von Weev, Yiannopoulos und Kane, sondern auch noch eine feministische Kritik an der Frau, die kurz davor noch als schärfste Waffe des Feminismus im Kampf gegen das Patriarchat galt. Weil Kane im Laufe des Konflikts auch noch die private Telefonnummer von Yiannopoulos veröffentlicht und ihren Anhängern mitgeteilt hatte, wird sie nun auch noch des „Doxxings“ bezichtigt – ein Verhalten, das Feministinnen ansonsten besonders gern ihrem Ex-Freund Weev unterstellen.Mittlerweile haben sich Autoren von Model View Media öffentlich losgesagt.

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Der Vorfall kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, denn schon in den Wochen davor hatten linksgerichtete Aktivisten schwere Niederlagen im Kampf um die öffentliche Meinung erlitten. Ein sensationeller, aber nur angeblicher Fall von ritueller Massenvergewaltigung an der University of Virginia hat sich, obwohl sich sogar Deutschlands Vorzeigefeministin Anne Wizorek mit der Anklägerin solidarisch erklärte, nach Recherchen der Washington Post und Untersuchungen der Polizei als frei erfunden herausgestellt. Und der Medienliebling Lena Dunham, deren Autobiographie auch dank der Darstellung einer erlittenen Vergewaltigung viel Aufmerksamkeit bekam, musste mitsamt ihrem Verlag einräumen, dass die Geschichte so nicht stattgefunden hat. Auch hier hatte ausgerechnet Breitbart vor Ort recherchiert und die Schauspielerin und Feministin, die einen Unschuldigen ans Messer des Internetnobs geliefert hatte, erst nach langem Schweigen zu dem Eingeständnis gezwungen. Und es waren Forscherinnen des Independent Women’s Forum, die in den letzten Wochen die Behauptung der Demokraten entkräfteten , eine von fünf Frauen werde an den Universitäten Opfer sexueller Gewalt – die Linke hatte sich bei dem plakativen Vorwurf auf eine sehr fragwürdige Studie berufen.

Möglicherweise wären vor dem Internet solche Konflikte in geordneten Bahnen verlaufen. Ein Weev hätte kein rechtsradikales Gedankengut veröffentlichen können, eine Kane hätte sich im normalen Medienbetrieb für ihre Anliegen mässigen müssen, niemandes Adresse wäre veröffentlicht worden, und Personen, die nicht zum Helden taugen, wären Spongebobunterhosenverkauferinnen geblieben. „Im Internet weiss niemand, dass Du ein Hund bist“ ist so ein alter Spruch, und speziell im Bereich des politischen Aktivismus kommen besonders viele Hunde an Positionen, an denen sie nichts verloren haben – die Geschichte der linksbizarren Unterwanderung der Piratenpartei legt davon trauriges Zeugnis ab. Wenigstens, könnte man denken, bleibt man in Deutschland ansonsten von solchen Auswüchsen verschont.

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Das ist ein Irrtum. Denn Yiannopoulos hat schon im Dezember bei Breitbart kritisch über die Vorgeschichte von Kane geschrieben. Und ein Redakteur der deutschen Welle hat das im Twitteraccount retweetet, als Gegenposition zu einem ebenfalls verlinkten, sehr schmeichlerischen Interview mit Kane. Daraufhin wurde von Freunden und Mitarbeitern der Feministin Anne Wizorek ein Shitstorm gegen den Autor angezettelt. Die Berlinerin und kleinerdrei-Mitarbeiterin Lucie Höhler schwärzte ihn direkt und öffentlich beim Mutterhaus an. Ein Autor, der für Kane arbeitet, verlangte  eine öffentliche Entschuldigung für den Link. Mit Jürgen Geuter, Martin Pittenauer, Helga Hansen und Michael Seemann beteiligten sich weitere bekannte Gesichter des Aufschrei-Umfelds und teilweise Mitarbeiter von Anne Wizorek an der Hatz, damit kein unerwünschtes Wort über Shanley Kane von so einer „rassistischen“ Webseite weiterverbreitet wird. Sofort war die Rede vom „Staatspropagandasender“, der „ultrarechtskonservative Verschwörungstheoretiker retweetet  – man muss nicht zu Pegida gehen, um den Hass im Internet zu finden.

Das sollte man vielleicht wissen, wenn sich Frau Wizorek öffentlich zum Thema Stalking äussert. Auf eine Entschuldigung wartet man jedenfalls von ihr, von Shanley Kane oder anderen AktivistInnen vergeblich. Und morgen wird Frau Wizorek dann in der Böllstiftung erzählen, wie das mit dem Internetaktivismus geht. Man wird sehen, ob sie dort auch klare Worte über die Machenschaften ihres eigenen Umfelds findet.

30. Jan. 2015
von Don Alphonso
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22. Jan. 2015
von Don Alphonso
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Warum ich für Schiedsgerichte im Freihandelsabkommen bin

Ich war einer der ersten deutschen Nutzer von Napster. Ich machte damals Radio; ein Bekannter war im Winter des Jahres 2000 in den USA und schickte mir den Link. Ich müsste das unbedingt ausprobieren, das sei genial. Nie mehr in den Sender fahren, um CDs herauszusuchen, nie mehr in Kisten wühlen und feststellen, dass das gewünschte Material nicht da ist – das war in den Zeiten vor der Totaldigitalisierung, das Nachtprogramm wurde mit einem riesigen CD-Wechsler gestaltet, Brenner waren fast unerschwinglich und wer dann eine CD mitnahm, musste sie daheim mühsam als .wav-Datei extrahieren und damit die 9-GB-Festplatte beim Bauen der Beiträge schwer belasten. Bei Napster gab man den Titel ein und hatte, was man brauchte, auf dem Rechner. Das war grossartig.

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So grossartig, dass wir darüber Sendungen machten und dazu auf der Webseite des Senders eine kommentierbare, einheitlich gestaltete Kolumne hatten, die man heute als Blog bezeichnen würde – zum Umbruch auf dem Musikmarkt, über das Glück der Nutzer und ob es da eine gemeinsame, gute Zukunft geben könnte. Wie die meisten wissen werden, sollte es zu dieser Zukunft nicht kommen, Napster wurde verklagt, von Bertelsmann übernommen, und man wanderte weiter zu Kazaa, eDonkey oder Bittorrent. Wer sich dumm anstellte, wurde mit Abmahnungen überzogen und ansonsten musste man eben argumentieren, wie man das mit der fairen Nutzung unter einen Hut bringen wollte.

Ich bin aus eigener Erfahrung und durch den Umgang mit klassischer Musik sehr wohl der Meinung, dass solche Dienste insgesamt der Musikindustrie, oder wie sie im Internet bekannt ist, der Content-Mafia helfen. Meine Interpreten haben gar nichts gegen bei Youtube hochgeladene Videos und Audiodateien einzelner Sätze. In meinem Metier ist das eine Art, Präsenz zu zeigen, und wenn ich jemanden von der Qualität meiner bevorzugten Sängerin Roberta Invernizzi überzeugen will, ohne die CDs weiterreichen zu können, verlinke ich das hier. Die Leute kaufen dann schon. Der Bereich der Klassik ist voll von generösen, älteren Menschen, die genau wissen, dass ihre Tonmöbel von Audiodata und Duevel zum Preis eines Kleinwagens nicht mit billigem Stoff aus dem Internet befüllt werden wollen. Wer für einen guten Platz in der Oper mehr als hundert Euro bezahlt, hat auch einen Mahagonischrank für CDs in hochwertiger Aufmachung. Die Argumentation in meinem Bereich lautet seit weit über zehn Jahren: Gebt uns etwas zum hören, stört Euch nicht, wenn wir mal eine Datei verlinken, und wir sind dankbar und kaufen. Tatsächlich gibt es im Klassikbereich auch keine Debatten um Digital Right Management, Kopierschutz und Abmahnungen.

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Insofern finde ich Einlassungen wie “hätte die scheiß polizei bloß bescheid gesagt, bevor sie piratebay runtergenommen hat, hätte ich mich noch mit serien eindecken können“ nicht hilfreich, um nicht zu sagen, zum Kotz. Getätigt wird sie von einem sog. Internetaktivisten, dem sie angesichts seines sonstigen Schaffens mit offen zur Schau getragenen Ablehnung geregelter Arbeit und Vorliebe für ein bedingungsloses Grundeinkommen durchaus zuzutrauen ist. Für alle, die an einem vernünftigen Ausgleich Interesse haben, ist das ein Schlag ins Gesicht: Es geht allein um die mit Serien gefüllte Festplatte, es geht weder um die rechtliche Problematik, noch um das Schicksal der Plattform Piratebay und ihrer Gründer. Und schon gar nicht um die amerikanischen Bezahlsender, die diese von ihm bevorzugten Serien produzieren. Es ist die Sorte Downloader, die keine Lobbyarbeit der Rechteinhaber für ihre Propaganda besser erfinden könnte: Es geht nicht um das Teilen oder die faire Benutzung, sondern einfach um die eigenen Interessen. Gesucht wird kein Dialog oder gar gesellschaftlicher Konsens, sondern die nächste Möglichkeit, das Material zu beschaffen.

Es geht darum, herauszuholen, was möglich ist, und zwar ohne Belästigung durch die Regeln der Gemeinschaft. Wenn einer dann wegen Urheberrechtsverletzungen den Job verliert oder haftbar gemacht wird, mag das für ihn unerfreulich sein – aber der Rest der Gesellschaft besteht nun mal aus denen, die zahlen, Leistungen erbringen und wissen, dass mit dieser Haltung der Gesellschaft kein Dienst erwiesen wird. „Ich will das bequem einmal anhören können, um mich zu informieren und den Erwerb zu überlegen“ könnte gesellschaftlich akzeptabel sein. “Ich will alles jetzt sofort und umsonst und der Rest ist mir egal“ ist dagegen nicht mehrheitsfähig,

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Und deshalb finde ich die Schiedsgerichte im Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP auch so toll. Dieser einklagbare Investitionsschutz vor Gerichten, die allein durch Absprachen zwischen von Lobbyisten schwer beeinflussten Staaten und undemokratischen Kommissionen ins Leben gerufen werden sollen, ohne dass die Öffentlichkeit informiert wird. Diese pseudojuristischen Plattformen, zu denen niemals ein Bürger befragt wurde, über die wir nicht entscheiden können, die dem Volk hier unter der Ägide einer skandalösen Figur reingedrückt werden, mit Hilfe von Politikern und Funktionären, die später gern auf lukrative Posten in der Wirtschaft wechseln. Ich mache keinen Hehl daraus, diese Gerichte sind meines Erachtens das “Ich will alles jetzt sofort und umsonst und der Rest ist mir egal“ von Wirtschaft und einer Politik, der man nach dem Atomausstieg und der möglichen politischen Klagebeihilfe alles zutrauen sollte. Ich finde es grandios, dass die Schiedsgerichte beim TTIP geplant sind.

Denn wenn das TTIP einfach so käme und die sehr weitreichenden Rechte der amerikanischen Content Mafia schützen würden, wie das bei ACTA geplant war, würde sich kaum jemand darüber aufregen, ähnlich wie bei Einschnitten beim Datenschutz und der Netzneutralität. Das würde einfach so durchrutschen, wenn man den Verbrauchern nur verspricht, dass Chlorhühner gekennzeichnet werden müssen. Es gibt viele ähnliche, kleine Punkte bei diesem Abkommen, die immer nur kleine Bereiche betreffen, die alle keine laute Stimme und effektive Lobby haben. Die Internetnutzer sind da, nach dem von Personen wie dem Downloadfreund mitbefeuerten Niedergang der Piratenpartei, mit die schwächste aller schwachen Gruppen. Aber bei den Schiedsgerichten geht es um Konflikte zwischen Firmen und ihren Eigeninteressen und ganzen Staaten, die in Streitfällen traditionell miserabel vertreten werden – Eurofighter. Eurohawk, LKW-Maut und Bankster, die Banken in den Ruin führen und dennoch auf Gehälter und Boni klagen, lassen grüssen. Das spürt jeder. Da geht es gegen alle, gegen die Finanzierung des Kindergartens, um die Steuerlast, um Folgen, die nicht abschätzbar sind. Natürlich auch um Folgen beim Urheberrecht und seiner liberalen Auslegung. Wie wenig zimperlich das Konglomerat von USA und Unterhaltungsindustrie ist, sah man bei Megaupload.

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Natürlich macht es keinen Spass, mit einer den Ausgleich suchenden Vorstellung vom Urheberrecht direkt neben einem begrenzt Einsichtigen zu stehen, der einfach nur seinen abendlichen Bodycount saugen will. Aber im Vergleich zu den Schiedsgerichten ist das ein winziges Elend. Und dieses grosse Elend muss die EU-Kommission gegen den Willen der grossen Mehrheit der Bevölkerung dieses Kontinents durchsetzen. Niemand lässt sich gern unverschämt behandeln und wehrlos ausplündern. Ich muss vermitteln, dass es leider auch mal solche Figuren gibt, aber keinen Grundrechteabbau, keine Einschnitte in die Demokratie und keine Kapitulation vor wirtschaftlichen Interessen. Wenn das TTIP scheitert, dann am Widerstand gegen die Schiedsgerichte.

Und danach sollte man nicht einfach die nächste Plattform für den Download suchen, sondern wirklich überlegen, wie ein Urheberrecht aussieht, das der Gesellschaft nutzt, die Interessen der Beteiligten berücksichtigt. Und zwar ohne den Glauben, dass der Angriff Steiner das BGE das alles schon in Ordnung bringen wird.

22. Jan. 2015
von Don Alphonso
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16. Jan. 2015
von Don Alphonso
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Nagelbombenargumente für die Vorratsdatenspeicherung

Ich hätte mich heute Nacht mit Vorratsdatenspeicherung ziemlich verdächtig gemacht – ich habe nach automatischen Maschinengewehren und Rohrbomben gesucht, nach Terrororganisationen und Taktiken im Untergrundkampf. Meine Browserhistory umfasst Informationen zu Organisationen wie jener, deren Mitglieder gestern Abend in Belgien erschossen oder heute Nacht in Berlin festgenommen wurden. Von aussen betrachtet sähe es so aus, als hätte sich da erst jemand für Sprengstoffattentate in Deutschland interessiert, und sich danach intensiv mit der Ermittlungstaktik von Behörden auseinander gesetzt. Ausserdem habe ich Mails mit verdächtigen Wörtern empfangen und verschickt, und mein Handy, das man zu meiner Ortung benutzen könnte, ist seit Monaten ausgeschaltet. Das liegt lediglich daran, dass ich das Ladegerät im Oktober in Italien vergessen und bislang kein Interesse hatte, ein neues zu beschaffen – aber man könnte auch eventuell vermuten, ich sei untergetaucht und würde mir nun überlegen, wie man idealerweise mit einer Rohrbombe effektiv der Verfolgung durch staatlichen Behörden entgeht.

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Aber eigentlich geht es mir nur um die anlasslose Vorratsdatenspeicherung, die uns dank der Überwachungsfreunde der CDU, ihrer Unterstützer bei den Medien und der Verräterpar  redewilligen SPD droht. “Round up the usual suspects“ ist alt, “speichert erst mal alles, was ihr kriegen könnt, danach sehen wir weiter“ ist das neue Credo der Organisationen und Parteien, die eigentlich dazu da sein sollten, die Freiheit des Individuums und seiner Privatsphäre zu sichern. Und das obwohl, wie gezeigt, im Fall des Anschlags auf Charlie Hebdo genau dieses Mittel vorhanden war und nicht zur Verbeugung eingesetzt wurde, wie auch all die anderen Erkenntnisse, die man schon längst über die Täter hatte. Nach neuesten Berichten konnte man sich sogar auf der Strasse als Islamist rüde nach dem Büro von Charlie Hebdo erkundigen, dafür der Polizei zur Kenntnis gebracht werden und damit unbehelligt davon kommen. Es ist also absehbar, dass es in Frankreich noch längere Debatten um das Versagen der Behörden geben wird. Weiterlesen →

16. Jan. 2015
von Don Alphonso
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09. Jan. 2015
von Don Alphonso
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Wehrhaft gegen Twitter, wehrlos gegen Kugeln

Wie immer die Jagd nach den Brüdern Chérif (32) und Said K.(34), den mutmasslichen Attentätern auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo ausgehen wird – eines ist jetzt schon offensichtlich: Eine reflexhafte Debatte um die Vorratsdatenspeicherung, wie sie in Deutschland gerade wieder von der CSU begonnen wird, wird es in Frankreich nicht geben. Ebenso wenig wird man über Antiterrordateien sprechen, oder über Internetsperren für Terrorpropaganda ohne richterlichen Beschluss, einfach auf behördliche Anordnung an Internetprovider oder Firmen. Nicht etwa, weil das möglicherweise fundamentalen Prinzipien des Abendlandes wie der Meinungsfreiheit und Gewaltenteilung widerspräche, sondern weil Frankreich das alles längst hat. Erst im Juli des letzten Jahres passierte mit grosser Zustimmung die jüngste Verschärfung der Antiterrorgesetze die Parlamente im Schnelldurchgang – und mit dabei war vieles, was sich die Verfolgungsbehörden auch in totalitären Staaten wünschen würden. Speziell der Richtervorbehalt wurde, für einen Rechtsstaat fragwürdig, massiv zurückgenommen, etwa beim Entschlüsseln persönlicher Daten von Verdächtigen.

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Anlass für das neue Gesetz war der Erfolg des Islamischen Staates im Nahen Osten und die Sorge, deren europäische Kämpfer könnten sich nach ihrer Rückkehr als Terroristen betätigen. Im Mai des Jahres 2014 hatte ein derartiger Heimkehrer mutmasslich ein Massaker mit vier Toten im jüdischen Museum von Brüssel angerichtet. Tatwaffe war, wie im Fall von Charlie Hebdo, eine automatische Waffe vom Typ Kalaschnikow, die in Deutschland unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen würde. Der mutmassliche Täter Mehdi Nemmouche selbst hat, ähnlich wie die Brüder K., eine schwere Jugend hinter sich, und war bei seinem langen Weg in den Terrorismus ins Visier der Behörden geraten. Deshalb kam er schon bei seiner Rückreise aus den Terrorgebieten nach Deutschland unter Beobachtung des Bundesgrenzschutzes, wurde aber bei seiner Reise zum Tatort nicht aufgehalten. Nemmouche setzte sich nach der Tat nach Frankreich ab, und wurde dort festgenommen – weil man bei ihm Drogen vermutete und statt dessen das Sturmgewehr und weitere Waffen fand. Das detaillierte Wissen um die Einstellung des Täters, seine Reisen im Mittleren Osten und alle technischen Massnahmen, über die die Franzosen seit den ersten Antiterrorgesetzen von 2006 verfügen, haben weder den Anschlag verhindert, noch bei der Festnahme geholfen. Weiterlesen →

09. Jan. 2015
von Don Alphonso
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02. Jan. 2015
von Don Alphonso
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Vorsatz für das neue Jahr: Keiner Statistik mehr glauben

Einleitung: Auch dieses Blog hat einen Vorsatz für das neue Jahr: Junge Autoren schreiben lassen. Isabell Prophet ist ein zentralniedersächsisches Kleinstadtkind, das sich in Hamburg verirrt hat. Das ist aber in Ordnung, denn sie haben dort WLAN und eine Nannenschule, die sie besucht hat. Studiert hat sie davor VWL, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsgeschichte, und beschäftigt sich gern mit Zahlen, Studien und was man uns sonst noch aus mehr oder weniger niedrigen Motiven als wissenschaftlich erwiesen nahe bringen möchte.

Neues Jahr, neues Ich: Das und nicht weniger verspricht mir heute Apples App-Store. Mein etwas derangiertes Ich, noch reichlich verschlafen von der Silvesternacht, protestiert spontan: Es will lieber nicht ersetzt werden.
Und obwohl es irgendwie keiner mehr hören kann oder lesen will: Vorsätze für das neue Jahr werden wie Böller und Raketen beworben. Alle Medien tun es. Aber eigene Vorsätze? Ich weiß wirklich nicht, wann ich zuletzt welche hatte. Wahrscheinlich hatte ich vor Jahren irgendwann mal vor, weniger zu rauchen. Hat nicht funktioniert. Am Ende siegte aber die Angst vor Falten über meine Hassliebe zur Zigarette.

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Apple verkauft mit den gutgemeinten Vorsätzen Apps und bietet mir gleich die Generalüberholung an, komplett mit Yoga, Finanzplanung, Einschlafübungen, Sieben-Minuten-Training, Gehirnjogging, Sprachtrainern, ToDo-Listen und Zeitmanagement. Wenn ich alles runterlade, dann brauche ich mir künftig weder über meine Finanzplanung noch mein Zeitmanagement Gedanken machen: Ich werde pleite sein und meine Tage ausschließlich mit dem iPad verbringen.

Erste Erkenntnis: Diese Apps kosten ein Schweinegeld. Die teuerste gibt es für 26,99 Euro, dafür zerhackt sie jeden Tag in kleine Stückchen; fürs Lesen, Musikhören und andere Hobbys gibt es Erfolgsmesser. Ein Kommentator empfiehlt, vorher am Besten das Begleitbuch zu lesen. Ich habe ein bisschen Angst vor dieser App. Weiterlesen →

02. Jan. 2015
von Don Alphonso
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30. Dez. 2014
von Don Alphonso
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Reden, koksen und untergehen mit Pegida

Vielleicht sollte man sich einmal das Logo von Pegida anschauen. Das Logo zeigt ein eigentlich aus der linken Szene bekanntes Piktogramm. Bei den Linken wirft eine Figur ein Hakenkreuz in den Mülleimer. Bei Pegida kommt zum Hakenkreuz auch noch eine Flagge der militanten Antifa, eine Flagge des Kommunismus und eine Flagge des Islamischen Staates dazu.

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Nun werden manche vielleicht sagen, dass angesichts der Ausrichtung der Demonstrationen das weggeworfene Hakenkreuz so eine Art bildhaftes „Ich bin kein Nazi, aber“ ist. Ich meine jedoch, dass man die anderen beiden, nicht so oft erwähnten Zeichen auf jeden Fall ernst nehmen sollte. Denn die erklären vielleicht, warum Pegida speziell in Dresden so gut läuft. Dass eine Bewegung in einer Stadt der ehemaligen DDR und des Ostblocks den Kommunismus ablehnt, ist leicht verständlich. Dass so eine Bewegung aber auch speziell die Antifa im Müll sehen will, dürfte gerade hier viel mit den Auseinandersetzungen wegen der Bombardierungen der Stadt Ende des Zweiten Weltkriegs zu tun haben: Immer im Februar wird Dresden Schauplatz der Konflikte zwischen Neonazis und linksextremen Gruppierungen. Deren Aktionen – beispielhaft der „Thanks Bomber Harris – Antifa Action“-Protest durch zwei Vertreterinnen von Femen und Antifa – machte bundesweit Schlagzeilen, und zeigte den Dresdnern, dass sie aus Sicht der Linksextremisten als die Schuldigen dastehen. Weiterlesen →

30. Dez. 2014
von Don Alphonso
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24. Dez. 2014
von Don Alphonso
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Versagen im Bett mit Pegida

Es ist warm an diesem Augustabend des Jahres 2005, deshalb tragen die meisten Herren auch kurzärmlige Hemden, als sie sich draussen vor der Gaststätte des Münchner Nockherbergs zum Gruppenphoto versammeln. Die meisten kannten sich vor diesem Treffen nicht, aber nun waren sie zusammen gesessen, hatten die Reden der Prominenten gehört und nichts weniger geplant, als das Wertesystem des Westens zu retten. Hoch waren die Erwartungen im Vorfeld, vielleicht sollte gar eine neue Bewegung, eine neue Partei gegründet werden. Soweit kam es nicht, aber man hatte sich vernetzt, Strategien besprochen und überlegt, wie man im Internet dem damals, in Zeiten des Irakkrieges nicht gerade amerikafreundlichen Mainstream etwas entgegen setzen könnte. Mit dabei bei diesem „prowestlichen Heimatabend“ waren das Autorenduo Maxeiner und Miersch, der Welt-Autor Hannes Stein und der damals für den Spiegel arbeitende Henryk M. Broder. Auf dem Bild sticht er unter all den Recken heraus, denn er ist klein, weissbärtig und trägt eine Kappe. Neben ihm steht ein Mann mit einem blauen Hemd. Auf den Aufklebern steht sein Name; Stefan Herre. Und der Name seines Blogs: Politically Incorrect. Ein kleines, unbedeutendes Blog, das damals seit neun Monaten auf der ansonsten eher von Teenagern frequentierten Plattform Myblog vor sich hin dümpelt.

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Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme weiss noch niemand, wo die Reise hingeht. Getroffen hat man sich vor allem wegen der Störungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Man möchte Schröder und das Feindbild Rot-Grün weg von der Macht haben, und an deren Stelle Angela Merkel, die mit Bush in den Krieg ziehen wollte. Man will amerikanischen Liberalismus in der Wirtschaft verteidigen, man will etwas gegen den islamistischen Terror und für Israel und die Juden tun, einige Liberale möchten die FDP dabei in Szene setzen und andere nur konservative Werte vertreten: Jeder hier hat so seine Wünsche und zugleich die Hoffnung, dass man zusammen Grosses erreichen kann. Leider kommen zu dem Treffen auch zwei Leute, die sich nicht ideal verhalten: Ein Knipser, der unvorsichtigerweise all seine Bilder dieses Treffens mit lesbaren Namen im Internet veröffentlicht, und damit die Tarnung etlicher anonym agierender Blogger auffliegen lässt. Damit ist die geplante Vertraulichkeit des Treffens dahin. Und es kommt ein Vertreter von Campo de Criptina, einer Organisation, deren Gründerin Tanja Krienen durch allerlei Extravaganzen, um es höflich zu sagen, aufgefallen ist. Nach dem Treffen platzt deshalb die Bombe: Broder stellt klar, dass er mit Campo und Krienen nichts zu tun haben will. Der pro-westliche Heimatabend löst sich in Streit und gegenseitigen Schuldzuweisungen auf, und zwischen Broder und Krienen kommt es zu einem erbitterten Rechtsstreit. Weiterlesen →

24. Dez. 2014
von Don Alphonso
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15. Dez. 2014
von Marco Settembrini di Novetre
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Völlig eingekreist

Dieser Tage hüpften diverse Fürbitten-Vorleser und Oberministranten der Netzgemeinde mal wieder schier im Dreieck: Das europäische Parlament hatte es gewagt, eine (rechtlich nicht bindende) Resolution zu verabschieden, wonach Suchmaschinenbetreiber dazu verpflichtet werden sollten, ihr Suchgeschäft von anderen Unternehmensbereichen wie Social Networking abzuspalten. Der in weiten Teilen der Welt dominierende Suchmaschinenkonzern Google war in der Resolution nicht explizit genannt. Aber dass es den Parlamentariern nicht so sehr um Yandex in Russland oder den in China dominierenden Suchriesen Baidu gegangen sein dürfte, war schon klar.

Entsprechend gab Jeff Jarvis, der prominente Netz-Evangelist und Guru aller Google-Versteher, Alarmstufe Rot: Es drohe nichts Geringeres als „die Beschädigung des Internets, seiner Freiheiten und seiner Zukunft“, weil Deutschland ganz Europa mit seiner Internet- und Technologiepanik angesteckt habe. So würden „die Möglichkeiten beschnitten, die ein freies Internet allen Menschen überall bieten kann.“ In Deutschland läuft aus Sicht von Jarvis ja ohnehin einiges schief, Google Streetview wurde sabotiert, der Taxi-Konkurrent Uber zurückgepfiffen – und außerdem steht der dystopische Roman „The Circle“ von Dave Eggers in den deutschen Bestseller-Ranglisten ziemlich weit vorn.

###© FAZ 

Grund genug, das Buch mal zur Hand zu nehmen und zu prüfen, ob darin tatsächlich Technophobie oder gar Google-Hass geschürt wird. Der Circle, diese hippe und mächtige Internetfirma, deren Innenleben den Romanstoff liefert, hat sicherlich manches mit Google gemein: die innovationsfreundliche Unternehmenskultur, die ultramoderne Firmenzentrale und die für amerikanische Standards geradezu sensationellen Sozialleistungen und Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Und selbstredend verfolgt der Circle, der die Geschäftsfelder von Google, Facebook, Twitter und zum Teil auch Apple und Amazon unter einem Konzerndach vereint, keine sinistren Unternehmensziele. Nicht nur möchten die Circler das Internet zu einem besseren Ort machen, sie sind der festen Überzeugung, mit ihrer Arbeit und ihren technologischen Tools die Welt zu verbessern.

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15. Dez. 2014
von Marco Settembrini di Novetre
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30. Nov. 2014
von Don Alphonso
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Reden und Schweigen über Rundungen

Als ich bei der FAZ angefangen habe, erschien ein Portrait über mich in einer Medienzeitschrift. Der Autor wollte weg von den weithin bekannten Urteilen über meine Person als schnell entflammbarer Raufbold, und verglich mich von meiner Art her mit dem pfälzischen Politiker Kurt Beck. Er schrieb nicht „fett“ oder „adipös“, er sah da nur eine gewisse Ähnlichkeit im Typus. Seitdem hält sich unverbrüchlich das Gerücht im Internet, ich sei ziemlich fett, und mitunter rede ich selbst auch vom „dicken Don“. Die Wahrheit sieht etwas anders aus – ich war vor dem Interview anderthalb Jahre in Berlin, konnte dort keinen Sport treiben, und kam damals in jene Lebensphase, in der man nicht mehr so leicht und schnell abnimmt. Man versucht es, es geht nicht so richtig, man merkt, dass man kämpfen muss, und bis sich Erfolge einstellen, dauert es etwas. Inzwischen fahre ich die Strecken meiner Jugend auf dem Rennrad wieder mit der Geschwindigkeit meiner Jugend.

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Ich bin nicht dürr. Ich war aber nie ein Kurt Beck. Und langsam beginnt auch das Netz zu ahnen, dass echtes Dicksein nicht ganz mit Touren zusammenpasst, die an einem Tag drei Alpenpässe überwinden. Offen gesagt, und als Blogger sage ich das immer sehr offen, bin ich danach zwar tot, aber was ich damit ausdrücke, ist nicht meine Schwäche, sondern meine Bereitschaft, mich über meine Grenzen hinaus zu quälen, wenn oben nur ein Kaiserschmarrn auf mich wartet. So, wie der Vergleich mit kurt Beck Interpretationsspielräume für Freund und Feind schafft, schafft es auch meine Selbstbeschreibung. Weiterlesen →

30. Nov. 2014
von Don Alphonso
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25. Nov. 2014
von Don Alphonso
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Im Fuchsbau, den Laptop im Anschlag

Ein Gastbeitrag von Katharina Nocun, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei und Aktivistin bei Campact für den Wunsch, Snowden nach Deutschland zu bringen.

Genau an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bei Borgholzhausen liegt ein unscheinbarer Hügel, durchzogen von jahrhundertealten unterirdischen Gängen. Seit Generationen brechen von hier aus Dachse und Füchse zu ihren Jagdzügen in den Teutoburger Wald auf.

Knochen und Federn von Fasanen verraten: die Population wächst und gedeiht. Kein vernünftig denkender Mensch würde jemals seinen Hund in eines dieser schwarzen Löcher schicken, eine Begegnung mit den Hausherren würde er nicht überleben. Nach der Ausrottung der Wölfe und Bären hat diese verschworene Gemeinschaft der Hügelbewohner keine natürlichen Feinde mehr – von den Metallkutschen auf der Bundesstraße einmal abgesehen.

kataa

Als ich ankomme, ist der der Hochsitz noch leer. Die anderen Jäger warten noch, erst wenn es schneit, lohnt sich die Jagd. Erst im Schnee verdichten sich die Hinweise. Erst dann werden die Jäger eingepackt in dicke Wollsachen hier am Hügel auf der Lauer liegen. Stundenlang in bitterer Kälte. Bis der Abschussplan erfüllt ist.

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25. Nov. 2014
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