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Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

15. Dez. 2014
von Marco Settembrini di Novetre
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Völlig eingekreist

Dieser Tage hüpften diverse Fürbitten-Vorleser und Oberministranten der Netzgemeinde mal wieder schier im Dreieck: Das europäische Parlament hatte es gewagt, eine (rechtlich nicht bindende) Resolution zu verabschieden, wonach Suchmaschinenbetreiber dazu verpflichtet werden sollten, ihr Suchgeschäft von anderen Unternehmensbereichen wie Social Networking abzuspalten. Der in weiten Teilen der Welt dominierende Suchmaschinenkonzern Google war in der Resolution nicht explizit genannt. Aber dass es den Parlamentariern nicht so sehr um Yandex in Russland oder den in China dominierenden Suchriesen Baidu gegangen sein dürfte, war schon klar.

Entsprechend gab Jeff Jarvis, der prominente Netz-Evangelist und Guru aller Google-Versteher, Alarmstufe Rot: Es drohe nichts Geringeres als „die Beschädigung des Internets, seiner Freiheiten und seiner Zukunft“, weil Deutschland ganz Europa mit seiner Internet- und Technologiepanik angesteckt habe. So würden „die Möglichkeiten beschnitten, die ein freies Internet allen Menschen überall bieten kann.“ In Deutschland läuft aus Sicht von Jarvis ja ohnehin einiges schief, Google Streetview wurde sabotiert, der Taxi-Konkurrent Uber zurückgepfiffen – und außerdem steht der dystopische Roman „The Circle“ von Dave Eggers in den deutschen Bestseller-Ranglisten ziemlich weit vorn.

###© FAZ 

Grund genug, das Buch mal zur Hand zu nehmen und zu prüfen, ob darin tatsächlich Technophobie oder gar Google-Hass geschürt wird. Der Circle, diese hippe und mächtige Internetfirma, deren Innenleben den Romanstoff liefert, hat sicherlich manches mit Google gemein: die innovationsfreundliche Unternehmenskultur, die ultramoderne Firmenzentrale und die für amerikanische Standards geradezu sensationellen Sozialleistungen und Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Und selbstredend verfolgt der Circle, der die Geschäftsfelder von Google, Facebook, Twitter und zum Teil auch Apple und Amazon unter einem Konzerndach vereint, keine sinistren Unternehmensziele. Nicht nur möchten die Circler das Internet zu einem besseren Ort machen, sie sind der festen Überzeugung, mit ihrer Arbeit und ihren technologischen Tools die Welt zu verbessern.

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15. Dez. 2014
von Marco Settembrini di Novetre
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30. Nov. 2014
von Don Alphonso
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Reden und Schweigen über Rundungen

Als ich bei der FAZ angefangen habe, erschien ein Portrait über mich in einer Medienzeitschrift. Der Autor wollte weg von den weithin bekannten Urteilen über meine Person als schnell entflammbarer Raufbold, und verglich mich von meiner Art her mit dem pfälzischen Politiker Kurt Beck. Er schrieb nicht „fett“ oder „adipös“, er sah da nur eine gewisse Ähnlichkeit im Typus. Seitdem hält sich unverbrüchlich das Gerücht im Internet, ich sei ziemlich fett, und mitunter rede ich selbst auch vom „dicken Don“. Die Wahrheit sieht etwas anders aus – ich war vor dem Interview anderthalb Jahre in Berlin, konnte dort keinen Sport treiben, und kam damals in jene Lebensphase, in der man nicht mehr so leicht und schnell abnimmt. Man versucht es, es geht nicht so richtig, man merkt, dass man kämpfen muss, und bis sich Erfolge einstellen, dauert es etwas. Inzwischen fahre ich die Strecken meiner Jugend auf dem Rennrad wieder mit der Geschwindigkeit meiner Jugend.

fettb

Ich bin nicht dürr. Ich war aber nie ein Kurt Beck. Und langsam beginnt auch das Netz zu ahnen, dass echtes Dicksein nicht ganz mit Touren zusammenpasst, die an einem Tag drei Alpenpässe überwinden. Offen gesagt, und als Blogger sage ich das immer sehr offen, bin ich danach zwar tot, aber was ich damit ausdrücke, ist nicht meine Schwäche, sondern meine Bereitschaft, mich über meine Grenzen hinaus zu quälen, wenn oben nur ein Kaiserschmarrn auf mich wartet. So, wie der Vergleich mit kurt Beck Interpretationsspielräume für Freund und Feind schafft, schafft es auch meine Selbstbeschreibung. Weiterlesen →

30. Nov. 2014
von Don Alphonso
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25. Nov. 2014
von Don Alphonso
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Im Fuchsbau, den Laptop im Anschlag

Ein Gastbeitrag von Katharina Nocun, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei und Aktivistin bei Campact für den Wunsch, Snowden nach Deutschland zu bringen.

Genau an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bei Borgholzhausen liegt ein unscheinbarer Hügel, durchzogen von jahrhundertealten unterirdischen Gängen. Seit Generationen brechen von hier aus Dachse und Füchse zu ihren Jagdzügen in den Teutoburger Wald auf.

Knochen und Federn von Fasanen verraten: die Population wächst und gedeiht. Kein vernünftig denkender Mensch würde jemals seinen Hund in eines dieser schwarzen Löcher schicken, eine Begegnung mit den Hausherren würde er nicht überleben. Nach der Ausrottung der Wölfe und Bären hat diese verschworene Gemeinschaft der Hügelbewohner keine natürlichen Feinde mehr – von den Metallkutschen auf der Bundesstraße einmal abgesehen.

kataa

Als ich ankomme, ist der der Hochsitz noch leer. Die anderen Jäger warten noch, erst wenn es schneit, lohnt sich die Jagd. Erst im Schnee verdichten sich die Hinweise. Erst dann werden die Jäger eingepackt in dicke Wollsachen hier am Hügel auf der Lauer liegen. Stundenlang in bitterer Kälte. Bis der Abschussplan erfüllt ist.

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25. Nov. 2014
von Don Alphonso
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