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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Rilke, Voltaire und Amok

| 319 Lesermeinungen

Ich persönlich glaube nicht, dass man etwas gemacht haben muss, um darüber reden zu können. Insofern beisst sich der Freund gepflegter Morde am Bildschirm, vulgo Ballerspiele, an mir die Zähne aus, wenn ich mir hier das Recht herausnehme zu erklären, warum ich absolut kein Problem hätte, wenn es den ganzen Dreck nicht gäbe. Oh. Sagte ich Dreck? Wie unfein. Trotzdem. Und ich möchte das nicht nur auf das Spiel, sondern auch die Hersteller, die Profiteure, die Süchtigen und die blöden Kicherer bezogen wissen.

Das Aggressionsverhalten ist noch nicht so weit gereift, dass es zum reinen Angriff kommt; dies geschieht erst viel später, wenn das Kind seiner selbst sicher und seiner körperlichen Fähigkeiten bewusst geworden ist.
Desmond Morris, Der nackte Affe

Es gibt nach Amokläufen keine Vorfreisprechung, die sich im Internet, in Blogs und Foren so schnell verbreitet wie die Behauptung: Mit gewalttätigen Videospielen hat das natürlich nichts zu tun. Getrieben von der Ahnung, dass sich im Zimmer des Mörders wie bei so vielen anderen eine umfassende Sammlung an Gewaltverherrlichung in Ton, Bild und Waffen findet, wird vorbeugend klargestellt, dass man bei Videospielen wie Counterstrike auf Seiten der guten Polizei anderen aus dem Hinterhalt das Gehirn aus dem Kopf schießt, und dass es zentral um Strategie gehe, keinesfalls aber um das Vergnügen bei der Betrachtung mannigfaltig verstreuten Kadaver. Die Gemeinde der Spielfreunde ist sich da so sicher wie der NPD-Mann, dass die Hetzreden nicht zu Brandanschlägen führen, sie vertreten ihre Überzeugung wie der Spirituosenhersteller, der keinen Zusammenhang seiner Produkte mit Komasaufen erkennen kann. Journalisten, die dergleichen nie nächtelang gezockt haben, kennen sich ohnehin nicht aus.

Bild zu: Rilke, Voltaire und Amok

Das stimmt. Ich habe keine Ahnung, wie das ist, nächtelang mit Freunden vor einem Rechner zu hängen und sich mit Bier und schlechtem Essen die Zeit über das Lösen von Tasks und sich in den Weg stellenden menschlichen Hindernissen – seien es nun bewaffnete Figuren aus dem Rechner oder genervte Eltern – zu vertreiben. Ich gehörte eher zu denen, die gern gelesen haben, und besitze keinen Fernseher und kein Videospiel. Ich pflege eine Bibliothek. Und weil ich so absolut keine Ahnung von all der modernen Lust an Mord und Totschlag habe, habe ich ein paar Frage:

Warum legt kein Freund von Rainer Maria Rilke den Gedichtband weg, greift zur AK-47 und läuft Amok? Warum brechen höhere Töchter nicht die Triosonaten von Telemann ab, legen die Instrumente beiseite und erstechen ihre Mitschülerinnen? Ja, warum tendieren sogar Besucher eines Leistungskurses Deutsch nach dem Lesen der problematisch-mörderischen Stelle in den Verliesen des Vatikan von Andre Gide – der Held wirft grundlos einen Katholiken aus dem Zug – nicht dazu, in der Pause den Religionslehrer im Waschbecken des Lehrerklos zu ertränken? Warum werden trotz aller Gewalt in der alten Literatur nur Verbrechen begangen, deren Vorlagen Gewaltvideos und Ballerspiele sind? Kurz, warum sind Menschen, die den modernen Unterhaltungsangeboten mit extensiver Gewalt entsagen, andauernd nicht unter denen zu finden, die Massenmorde begehen?

Bild zu: Rilke, Voltaire und Amok

Man mag, wenn man ab und an noch etwas anderes gelernt hat, als am Bildschirm mutierte Monster durch atomar verstrahlte Städte zu verfolgen, durchaus einwenden, dass es nicht immer so war, und nichts könnte das besser als all die jesuitische Literatur in meiner Bibliothek belegen, die dort neben Voltaire und Diderot auch zu finden ist, und die einen bedingungslosen Krieg mit allen Mitteln gegen Andersartige fordert. Ja, man kann mit Büchern Menschen zu Verbrechern machen und Nationen ins Unglück stürzen. Das allerdings ist in Mitteleuropa reichlich lange her, und sogar Taliban und Hisbollah setzen heute auf Youtube, MTV-Ästhetik und Videobotschaften.

Tatsächlich also bleibt da diese Frage: Warum metzelt niemand, der gerade Heines anzügliche Gedichte gelesen hat, ein Mädchen nieder, und warum erschießt jemand nach Monaten von Horrorvideos und Ballerspielen ihm vollkommen unbekannte Menschen mit zynischen Sprüchen? Warum greifen Waffennarren zu Waffen und Büchernarren nur zu Büchern? Wieso erscheint es uns so absurd, würde man annehmen, jemand würde nach der erfreulichen Lektüre von Schloss Gripsholm auch nur grundlos jemanden schlagen, und warum ist man so überhaupt nicht überrascht, wenn jemand nach einem Tag zocken sich auch im realen Leben nicht mehr angemessen zu benehmen weiß? Und wieso ist es nicht absurd, den Ballerspielen genau diesen Effekt abzusprechen?

Bild zu: Rilke, Voltaire und Amok

Eine Frage kann ich mir jedoch sehr wohl beantworten: Lese ich vierzig mal ein Gedicht von Erich Mühsam, ist es mir ein Leichtes, ein Cafe aufzusuchen und einer Frau ins Ohr zu säuseln:  „An der Dichter Niederlagen lässt der Dichter Lieder nagen.“ Ich übe es, es geht über, ich folge Mühsams Esprit und Koketterie nach, ich lerne von ihm das Warme und Freundliche, und lerne aus anderen Werken, dass es weise und erfolgversprechend ist, mich dergestalt einer Frau zu nähern. Angeblich jedoch soll es vollkommen absurd sein zu glauben, dass jemand Tage damit zubringt, Erfolgserlebnisse beim Abschlachten virtueller Gegner zu haben, sich damit vor seinen Artgenossen brüsten und vergleichen zu können, und dann dieser Welt  als freundliche und angenehme Bereicherung erhalten bleibt, die das gelernte Töten auf keinen Fall, unter keinen Umständen jemals auch nur irgendwie fortführen würde. Das ist dann den Verteidigern des Ballerns immer etwas anderes, die Familie, die Schule, aber nicht, unter gar keinen Umständen eine verkommene Industrie mit zynischen Machern, die Milliarden mit dem Raubbau an einer zivilisatorischen Kruste verdient, die andere mit viel Mühe, Geld und Opfern aufgebaut haben.

Ich bin eigentlich sehr froh, in einer Epoche zu leben, in der die Gewalt zwischenzeitlich weit zurückgedrängt war. Ich mag die Vorstellung nicht, dass sie jetzt durch die Hintertür einer „Spieleindustrie“ wiederkommt, und den Umstand, dass sich zwischen Bücherlesern und Videospielern eine Kluft auftut – die einen lernen, Konflikte verbal zu lösen, die anderen, sie bestenfalls strategisch, schlimmstenfalls mit purer Gewalt anzugehen. Kulturgeschichtlich ist das ein klarer Rückschritt.

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Ich mag es nicht, wenn unten eine Mama ihre Tochter bei der Schule abholt und auf ihrem Auto Werbung für einen Kickboxer ist, der Einsteigerkurse für „militärischen Nahkampf“ gibt. Ich bin reichlich froh, nach über anderthalb Jahrtausenden der privatisierten Gewalt und der täglichen Brutalität in einer Welt zu leben, in der klares Gewaltmonopol gibt. Niemand käme heute wieder auf die Idee, eines meiner jesuitischen Hetzstücke gegen Libertins in die Hand zu nehmen und mit Geistesgenossen einen Mob zu formen, um die Verbrennung der Bücher der Aufklärung und ihrer Autoren nachzuspielen –

solange es kein Videospiel ist. Da geht das alles. Da kann man das problemlos haben, in allen Varianten, klare Feindbilder, antimoderne Mythen, jedes Schlachtfeld des zweiten Weltkriegs, so realistisch wie möglich, mit immer neuen, noch besseren, noch krasseren Sinneseindrücken, man stumpft schließlich ab nach dem 10. Gehirn an der Wand, also holt man sich eben den nächsten Kick, das nächste Level, auf dem Schulhof von den Kumpels oder vielleicht doch gleich superrealistisch in der Klasse. Pardon, ich wollte ja nicht polemisch werden. Aber solange niemand auf die Idee kommt, zwischen der Lektüre des Candide und dem Zadig grundlos seine Nächsten zu ermorden, möchte ich meine persönliche empfundene Abscheu für die Verteidiger und ihre platten Ausflüchte für den Dreck der Ballerspiele hier keinesfalls verhehlen.

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319 Lesermeinungen

  1. Werter Don Alphonso,
    ich teile...

    Werter Don Alphonso,
    ich teile ihre Abneigung gegen die Ballerspiele und habe mich damit auch immer zurück gehalten. Es vernebelt einem tatsächlich die Sinne. Eines Wintersfuhr ich mit meinem Bayerisch gefertigten Automobile über die Autobahn und beim Laster vor mir löste sich von der Plane eine große und ziemlich dicke Eisplatte und segelte durch die Luft auf mich zu. Mein Gedank: Wow tolle Grafik. Eine milisekunde später: Upps, das hier is real und kein Game! Mir passierte nichts, aber von dieser sekunde war ich von Games geheilt. Das machte mir klar, dass zu langes Zocken am PC das Gehirn so prägt, dass der Kontakt zur realen Welt verloren geht! Eindrücke aus der Spielerwelt schwappen in die reale Welt über.
    Außerdem ist für jeden Kopf ein gutes Buch das beste Kino!! Also Chapeau an Sie werter Don zu einer wunderbaren Bibliothek! Ich träume auch von eine großen und gut bestückten.
    Lieben Gruß
    Blackjack

  2. Ich glaube, Videospiele sind...
    Ich glaube, Videospiele sind in 99,9999% der Fälle ein Gewalt-Ventil genauso wie Bücher, Filme, (Kampf)Sport, Sex, uvm.
    Wenn man die Spiele verbieten sollte, dann wird die Jugend noch ungemüdlicher, darauf würde ich wetten.
    Was den Amoklauf betrifft, kenne ich keine Antworten für dessen Ursachen. Und niemand sollte sich anmaßen diese zu kennen, vor allem wenn sie so einfach gestrickt sind wie im Videospiel-Vorwurf. Privaten Waffengebrauch zu erschweren wäre weitaus naheliegender, aber zugegeben kein alleiniges Mittel Dramen zu verhindern.

  3. Sie erliegen einem...
    Sie erliegen einem Anfängerfehler der Statistik. Assoziation ist ungleich Kausalität. Mag sein, dass Amokläufer häufiger Ego-Shooter spielen als nicht-Amokläufer. Aber ist das jetzt Ursache oder Symptom ihrer Neigung?

  4. Und was, wenn Sie bei Tim K....
    Und was, wenn Sie bei Tim K. jetzt Volksmusik-CDs finden… wird die dann verboten?! Ich frage mich, warum man nicht einfach den privaten Waffenbesitz verbietet. Schließlich ist der Junge mit einer Pistole und nicht mit einer Tastatur in der Hand losgezogen.

  5. die Freunde von Rilke haben...
    die Freunde von Rilke haben das Gewehr in die Hand genommen und mit jedem Schuss einen Russ und mit jedem Tritt einen Brit erledigt. Was soll also das bildungsbürgerliche Gesülze?

  6. Da Amok-Läufe älter sind als...
    Da Amok-Läufe älter sind als Videospiele wirken die reflexhaften Verbotsforderungen von Videospielen unmittelbar nach solchen Ereignissen auf mich ziemlich unglaubwürdig. Was du „Vorfreisprechung“ nennst, nenne ich eine Antizipation der chronischen Vorverurteilung.

  7. Was war denn mit der Wirkung...
    Was war denn mit der Wirkung der Leiden des jungen Werthers?
    Gabs da nicht Nachahmer, die sich umgebracht haben?

  8. Vielleicht liegt es ja auch...
    Vielleicht liegt es ja auch daran, dass auf Bibliotheksbesitzer weniger rumgetrampelt wird als auf den Schülerinnen und Schülern der heutigen Zeit?
    Wir leben in einer Leistungs- und Verdrängungsgesellschaft und wer da nicht reinpasst oder keine „Höchstleistungen“ bringt, der wird eben abgedrängt und gedemütigt.
    Das ist auch die Erklärung für andere Phänomene:
    Unsere Gesellschaft ist in den letzten 20 Jahren in eine Leistungsgesellschaft umgebaut worden. Es zählt nur noch Effizienz und das Diktat der Ökonomie.
    Mich wundert nur, dass unsere Eliten offensichtlich so naiv sind zu glauben, dieses Denken würde bei den Schülerinnen und Schülern (die ja keine andere Gesellschaft als diese kennen) nach dem Unterricht aufhören.
    Weswegen geht es denn nur noch darum, das coolste Handy und die teuerste Jacke zu haben? Warum saufen sich die Jugendlichen um die Wette zu Tode?
    Weil es eben um Konkurrenzkampf geht, um Verdrängen und um die Angst, ein „Verlierer“, ein „Versager“, ein „Opfer“ zu sein.
    PS: Vielleicht waren ja auch die Computerspiele nicht schuld, sondern etwas anderes! Angeblich hat der Attentäter DHMO in nicht geringen Dosen zu sich genommen – und diese Chemikalie steht ja im Verdacht, die Gewalttätigkeit zu fördern!
    http://www.dhmo.de/fakten.html (nach unten Scrollen)

  9. Tausende junger Menschen...
    Tausende junger Menschen spielen alle möglichen Computerspiele und erschiessen niemanden. Tausende von Jägern und Mitgliedern von Schützenvereinen besitzen Waffen und erschiessen niemanden.
    Es ist doch viel mehr so, dass gerade die Leute, die später einmal Amok laufen, wohl vorher schon geneigt sind, sich mit derartigen Themen zu beschäftigen.
    Ein Beispiel: Fast alle Menschen mit Hautkrebs hatten vorher schon relativ viele Leberflecken. Bekommt jeder Mensch mit Leberflecken daher Hautkrebs?

  10. peter drescher, wenn Sie den...
    peter drescher, wenn Sie den Beitrag aufmerksam lesen, stelle ich absolut nicht in Abrede, dass Bücher früher durchaus nicht prohibitiv waren. Aber da hat sich offensichtlich etwas geändert. Wollen Sie hier reden? Dann lesen Sie nochmal.
    .
    Robob, so kann man sogar das Trinken von Wasser als Beitrag zum Amoklauf begreifen. Ich gehe mal davon aus, dass zu einer gewissen Übung mit der Waffe auch sowas wie eine Art Übung von Situationen kommt. Nichts gegen strengere Waffengesetze. Lieber wäre mir aber die Ächtung von Gewalt ein Ende ihrer Funktion als Entertainment.

  11. Ich sehe Massen von...
    Ich sehe Massen von Jugendlichen in den Gängen der Unterhaltungselektronik unserer Elektromärtke und Millionen von ihnen betrachten Videos darüber eben auf Portalen wie youtube, ihre wahre Anzahl lässt sich daraus einigermaßen vorstellen.
    Die Lyrikabteilungen der lokalen Buchhändler sind allerdings selten besucht von Männern unter 20 Jahren. Und selbst dann haben sich die meisten wohl eher verlaufen.
    Mag das ihren Blick für die Kausalität vielleicht ein wenig trüben?

  12. Liebte nicht der größte...
    Liebte nicht der größte Massenmörder der Menschheitsgeschichte Wagners Opern? Und war er nicht Künster, bervor er zum Gröfaz wurde? Nach Ihrer werten Logik sollten also alle Wagnerianer und Künster in Vorbeugehaft genommen werden – schließlich gilt es ja, den III. Weltkrieg zu verhindern!

  13. Ich glaube nicht, dass Spiele...
    Ich glaube nicht, dass Spiele alleine Grund für diese Tat sind. Meiner Meinung nach sind es eher die von der Politik zerstörte soziale Strukturen. Als Folge: kein Zusammenhalt mehr,
    Verarmung, keine psychische Balance mehr, die auf Kinder übertragene elterliche Depressionen.

  14. In besseren Gesellschaften...
    In besseren Gesellschaften existieren keine Amokläufer? Oder versteckt man diese nur besser? Seis drum, viele der „besseren“ Gesellschaft verstehen es mit Stil zu meucheln, wie man die Vernichtung von Leben mit einem bürokratischen Fingerzeig wohlwollend bezeichnet – gemeinhin spricht man dabei gerne auch von Schreibtischtätern. Ich werde gewiß keine Lanze brechen für Gewaltorgien jedweder Natur, aber man macht es sich doch recht einfach versucht man denn klare Grenzen zu ziehen und mit geradezu herbeigeflehten Auffälligkeiten die Untiefen der menschlichen Psyche zu beschreiten.

  15. Auch wenn ich Ihre Freude am...
    Auch wenn ich Ihre Freude am Kanon des Wahren, Guten und Schönen teile und Ihre Frage für berechtigt erachte, warum es nicht die Rilke Leser sind, die Amok laufen, so befürchte ich auch, dass Sie Symptome mit Ursachen verwechseln. Wer läuft Amok? Es sind häufig Außenseiter, Menschen mit gestörter sozialer oder psychischer Entwicklung, „Verlierer“. Wer – Sie schreiben es selbst – scheint dagegen resistent: „Gedichte-Leser“, „höhere Töchter“, Besucher des „Deutsch Leistungskurs“. Kurz: die kulturell Privilegierten und Erben eines Bildungskanons, der sowohl Kennzeichen der, als auch Eintrittskarte in die „gehobene“ Gesellschaft darstellt. Ganz im Gegensatz zu den Computerspielen als Medien von geringem symbolischen Wert.
    Vielleicht sollte man die Frage nach der sozialen und psychologischen Genese von Amoktätern nicht dermaßen unterkomplex auffassen, wie Sie sie zuspitzen. Horrorvideos und Spiele mögen ein Bildinventar, ein Vor-Bild, für solche Taten zur Verfügung stellen. Aber durch sie allein wird keiner zum Täter, wie auch niemand allein durch Gide, Bataille oder gar de Sade zum Monster wird.
    Nebenbei sei angemerkt, dass Ihre Argumentation nicht ohne historisches Vorbild ist: mit welchem großen Klagen und welchen Sorgen hat man im 19. Jahrhundert die Auswirkung von „Romanen“ auf das Gemüth der „höheren Töchter“ und der Heranwachsenden betrachtet. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, das diese Romane heute gegenüber anderen Medien als Quell einer pazifistischen Kultiviertheit angeprießen werden. Eine solche Ironie ist jedoch bei einem derartigen Thema absolut unangebracht.

  16. Auf mir wurde sehr viel...
    Auf mir wurde sehr viel herumgetrampelt, da kann ich Sie beruhigen. Von denen, deren Eltern damals Videorekorder und diese komischen Schlägerfilme da hatten.
    .
    Fragezeichner, es stimmt, Amokläufe sind so alt wie die Menschheit. Neu ist aber die Stilisierung von Gewalt, und das ist gerade in einer Zivilgesellschaft, in der jeder froh sein sollte, dass sie nicht üblich ist, doch erstaunlich. Und zu sagen: da macht einer den ganzen Tag Ballerei und das hat aber nichts damit zu tun, wenn er es im realen Leben… also bitte. Na.

  17. Ich denke das mehr ein...
    Ich denke das mehr ein Kausalzusammenhang ist, Menschen die sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen flüchten.
    Aber wohin soll man vor der Gesellschaft flüchten, wenn man doch ein Teil von ihr ist. Man sucht einen Ausweg, man geht dahin wo einen niemand kennt und wo man nicht nach dem Aussehen beurteilt wird. Das Internet und Computerspiele bieten dem Menschen die Möglichkeit vor der Gesellschaft zuflüchten. Wenn jemand mit seinem Leben nicht zufrieden ist, dann ist es wahrscheinlich das er einen Ausweg daraus sucht, einer dieser Auswege ist es zum Beispiel seine Freizeit im Internet zuverbringen und dort Ego-Shooter zu spielen.
    Das Problem liegt meines Erachtens mehr darin das Menschen aus der Gesellschaft oder aus der Gemeinschaft fallen und nicht darin das Menschen dann einen ausweg aus ihrer Situation suchen, auch wenn dieser meist ein Teufelskreis ist.

  18. Wie schade, dass Don Alphonso...
    Wie schade, dass Don Alphonso keinen Fernseher besitzt. Dort konnte man heute morgen einen Psychologen über eine Fall aus dem Jahre 1913 referieren hören in dem ein bis dahin unauffälliger Lehrer zuerst seine Frau und seine 4 Kinder tötete und dann Feuer an ein Wirtshaus legte um die daraufhin daraus flüchtenden Besucher kaltblütig zu erschießen.
    Welche Gewaltviedeos und brutalen Computerspiele mag der arme Mann nur konsumiert haben?

  19. Statt Ursachenforschung zu...
    Statt Ursachenforschung zu betreiben und auf diesem Weg die Lösung des Amokläufer-Problems zu suchen, wird in diesem Artikel eine Schuldzuweisung konstriert, die einen Zusammenhang zwischen Ballerspiel als Auslöser und Amoklauf als Folge darstellt. Das Resultat heißt: kein Ballerspiel – kein Amoklauf! Und genau das ist der erste Schritt zum Mißerfolg! Zum einen wird nicht jeder, der am PC Counterstrike u.ä. spielt (so wie ich!) zum Mörder, zum anderen findet ein Irrer bzw. psychisch Kranker bei entsprechend vorhandenem kriminellen Potential immer den Weg zum Verbrechen! Der in diesem Artikel angebotene Lösungsweg, nämlich Verbot der Ballerspiele, beruhigt einige Zeit unsere Gemüter, aber spätestens beim nächsten Amoklauf stehen wir wieder vor dem ungelösten Problem.

  20. So weit ich aus den Medien...
    So weit ich aus den Medien erfuhr, war der Täter Softairpistolenschütze, Schützenvereinsaspirant, Tischtennisspieler und – Opernfan. Tja nun. Vielleicht wars ja der „Freischütz“, oder was von Wagner. Der Ballerspielreflex, geäussert von neuen und alten Konservativen, die über die Gewalt in Bibel und Märchen aber jetzt nicht reden wollen, rührt m M. nach daher, dass stets (verachtete) mediale Populärkulturen „schuld“ zu sein haben, denen die eigene Wählerklientel ostentativ NICHT anhängt („Ballerspiel“, „Gewaltvideo“). Schützenverein und Waffenrecht hingegen seien Horte der sozialen Kompetenz und Ausweis größter Bürgerlichkeit, die auch hier beschriebene Hochkultur eine Trutzburg gegen verbrecherische Anwandlungen. (Wie ja auch beispielsweise deutsche Soldaten im WK 1 ihren Goethe im Tornister mit sich führten, der sie dannn entsprechend vor allem Rohen und Schlechten bewahrte… äh… streiche letzten Satz wieder.)
    So verhält man sich dann spiegelbildlich zu den, mutmaßlich auch sozial im Status meist unter einem selbst rangierenden, Ballerspielfans, und fühlt sich ihnen gegenüber nochmals erhaben: Ein schönes Gefühl, das man, auf der Sonnenseite der Konkurrenzgesellschaft gelandet, sich doch nicht von irgendwelchen Lan-Gamern vermiesen lassen möchte. Verbieten, den Kram. So, weiter mit Voltaire.

  21. Mennschen, die in unserer...
    Mennschen, die in unserer Gesellschaft solch eine pseudoelitäre, arrogante und herablassende Einstellung gegenüber anderen Mitmenschen an den Tag legen, sind eher Ursache für Amokläufe als jedes noch so menschenverachtende Computerspiel.

  22. Die Eltern des Attentäters...
    Die Eltern des Attentäters gehören zu „Ihren Kreisen“.

  23. Ich Danke den letzten drei...
    Ich Danke den letzten drei Kommentaren! Nicht nur kulturkritsch-bildungsbürgerliche statistische Naivität kommt hier zum Vorschein, sondern auch ein Kindergarten-Denken mit Ein-Faktoren-Erklärungen: man unterscheidet nicht zwischen notwendigen und hinreichenden Bedingungen, die zumeist in Kombinationen vorkommen. Anders: Müssen Amokläufer immer Computerspieler sein? Werden aus Computerspieler immer Amokläufer? Und wenn dies offensichtlich verneint werden kann: welche Kombinationen erzeugen denn einen Amokläufer? Wie viele Amokläufer hat der Autor untersucht, um sicher zu gehen, dass nicht Gedichtbände ein gemeinsames Merkmal waren … Nein man erkennt, dass die Forschung zu Amok noch am Anfang steht. Der Rest ist Meinung

  24. Wie kommt es dann, dass, ich...
    Wie kommt es dann, dass, ich sage mal, 80% aller Jugendlichen Ego-Shooter spielen (auch genannt: Killerspiele, Gewaltspiele) und dennoch nicht Amok laufen? Richtig! Sie sind nicht der Auslöser für Amokläufe sondern können maximal schon vorher bestehende Verhaltensstörungen verstärken. Und das kann ein Computerspiel genauso wie ein Film, wie ein Buch (ja, wegen den Leiden des jungen Werthers haben sich Menschen umgebracht) oder ganz simpel, ein Streit in der Familie. Idiotischer Post.

  25. Wie oben schon in der...
    Wie oben schon in der Einleitung gesagt: Es ist alles, aber NIE NIE NIE die Spiele. Wie Kinder im Sandkasten, denen man die Förmchen nimmt.
    .
    Mercutio, ich hätte absolut kein Problem, was Wagner angeht, tausende von Rentnern sterben in diesen Opern wegen der schlechten Luft, der Langeweile und der unerträglichen Gesellschaft, die Wagneropern mit sich bringen. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema sind diese Kids mit der Gewaltästhetik und dem in Ballerspielen erprobten Verhalten. Wenn Sie Mut haben, nehmen Sie dazu Stellung und kommen raus aus dem Verweigerungsloch. Oder was sind das für Spiele, in denen man sich feige davonmacht?

  26. Sehr geehrter Don...
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    bisher war das Lesen Ihres Blocks eine Bereicherung. Leider hat sich das mit der heutigen Ausgabe geändert.
    Sicher möchten Sie, wie wir alle, nur Ihr Unverständnis über solch grausame Taten ausdrücken. Allerdings beschreiben und verurteilen Sie ein Jugendphänomen, mit welchem Sie sich nach eigenen Angaben nicht näher beschäftigt haben und dies auch nicht wollen. Sie schreiben also, trotz totaler Unwissenheit, über „das Vergnügen bei der Betrachtung [von] mannigfaltig verstreuten Kadaver.“, welches Jugendliche Ihre Meinung nach zum Spielen bewegt. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung mitteilen, das dies garantiert kein Beweggrund ist solche Spiele zu nutzen.
    Des Weiteren möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, das Robert Steinhäuser im Deutsch Leistungskurs war. Wollen wir hoffen das die Bücher keinen Einfluss gehabt haben, sonst sollten wir Sie und Ihre Bibliothek in Zukunft im Auge behalten.
    Hochachtungsvoll
    Stefan

  27. "Neu ist aber die Stilisierung...
    „Neu ist aber die Stilisierung der Gewalt“ ? – Die Litaratur(!)geschichte des 20. Jahrhunderts quillt gradezu davon über.

  28. Hochwertgeschätzter Don,
    nach...

    Hochwertgeschätzter Don,
    nach Ausblenden einer wenig virtuell vorhandenen Geisteskrankheit des Täters komme ich mir Ihrer Argumentation völlig überein.

  29. Ob Assoziation oder...
    Ob Assoziation oder Kausalität, wer weiß das schon. Wenn aber immer keine Ernst Mosch CDs unterm Bett des Delinquenten gefunden werden, sondern immer Chrysis DVDs im Rechner desselben, dann spricht vieles für die Kausalität.
    Und was mich wirklich erstaunt und für die Kausalität spricht ist die Vehemenz mit der Spielefreaks ihre Metzeleien verteidigen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, da verhalten sie sich wie die Junkies an der Nadel.
    Wer aber käme auf die Idee einen Junkie für klar im Kopf zu halten.

  30. Es ist das erste Mal, dass ich...
    Es ist das erste Mal, dass ich einen Artikel kommentiere.
    Ich bin überzeugt, dass ‚Friedel‘ recht hat. Denn ich habe als Schüler und Student selber oft Ballerspiele am Computer gespielt und bin trotzdem nie Amok gelaufen – und das, obwohl ich durchaus Zugang zu den Jagdwaffen meines Vaters gehabt hätte.
    Ich leite daher daraus ab, dass es nicht darauf ankommt, ob jemand Ballerspiele spielt oder nicht, sondern dass es darum geht, ob man von seinen Eltern geliebt und der Umgebung ernst genommen und respektiert wird.
    Im Übrigen sind sehr belesene Menschen in der Vergangenheit für die allerfürchterlichsten Gräueltaten verantwortlich gewesen.
    Daher halte ich es auch für falsch, Belesenheit mit Friedfertigkeit gleich zu setzen.
    MfG
    CHN

  31. Peter Drescher

    Sie haben...
    Peter Drescher
    Sie haben völlig recht. Was ist ein Amoklauf gegen einen Weltkrieg ?
    Die Jungmänner – Amokläufer sind immer Männer, meistens junge – gehen nicht mehr zu „Preußens“ und werden gedrillt. Kadettenanstalten mit ihrer alltäglichen Quälerei („Törleß“) sind Geschichte.
    Dennoch sollte der Gesetzgeber Verkauf und Vertrieb dieses Spiele-Mülls verbieten. Herstellung zu verbieten , wird scheitern.

  32. Oliver, man kann solche...
    Oliver, man kann solche Fragestellungen natürlich aufmachen, aber die bekämpfung geht nur unten am Problem selbst. Soziale Ungleichheit ist fraglos auch hochgradig folgenreich, aber jedes Problem bitte seine individuelle Lösung. In dem fall war es sicher nicht Hartz IV.
    .
    Und was den schulischen Leistungsdruck angeht: Ich habe ein bayerisches Abitur aus der Zeit, als es noch wirklich hart war. Wir haben im Grundkurs Physik Sondereinheiten bis zum Nobelpreis des Jahres gemacht, weil der Stoff nach einem Jahr Kollegstufe durch war. Wir haben das alles überlebt. Heute ist Schule powerpointgespielter Pädagogenkinderkram gegen das, was wir hatten. Unsere Lehrer kamen buchstäblich noch aus SS und Wehrmacht, es war absolut kein Spass, aber wenn man das als Linker in Bayern überlebt, gibt es keinen Grund, nicht auch woanders durchzukommen.

  33. Nur mal so gefragt:
    Warum gibt...

    Nur mal so gefragt:
    Warum gibt es einen sogenannten ‚Werther-Effekt‘? Auch durch Literatur kann man zu Gewalt angestiftet werden, wenn auch gegen sich selbst.

  34. Wie historische unbedarft muss...
    Wie historische unbedarft muss man eigentlich sein, um nicht zu berücksichtigen, dass Hölderlin-Leser und Richard-Wagner-Hörer durchaus zu Massenmördern wurden?

  35. Sehr verehrter Don Alphonso,...
    Sehr verehrter Don Alphonso, nun muss man wohl doch ein wenig Geschmackloses heran ziehen in der Kritik Ihrer These, dass Kulturmenschen keine Amokunmenschen werden. Denn gerüchteweise hört und liest (!) man immer wieder, dass auch so unappetitliche Ex-Zeitgenossen wie der böhmische Gefreite sich sehr enthusiastisch mit Bruckners, Wagners und Strauss‘ Werken beschäftigte. Und der Schreihals mit Propagandafunktion aus nämlicher Zeit und nämlichen Regime promovierte gar die Literaturwissenschaft und verehrte dazumalen seinen jüdischen Doktorvater Max von Waldberg, welcher sich u.a. mit Renaissance-Lyrik beschäftigte… Alles keine Unkultur, wie es scheint. Und dennoch waren es historische Monster, welche also Bruckner hörten und frühneuzeitliches Gedichtswerk studierten und welche in ihrer Abartigkeit gleichzeitig Schulamokläufer von heute wie Amateure aussehen lassen. Ursache ist wahrlich – wie Friedel schon trefflich bemerkte – nicht mit Symptom der Neigung zu verwechseln. Aber sicherlich wäre eine Welt ohne Ballerspielnächte, entzündete Augen und fettig dazu konsumierte Zweckspeise keine schlechtere Welt. Glaubt: J. Mense

  36. lieber max, wunderbare...
    lieber max, wunderbare nachkommastellen. ballerspiele sind kein ventil sondern schüren eine lust. deine zahl mag vielleicht auf folgendes zutreffen: nicht jeder, der im videospiel hirne an die wand klatscht, verspürt diese lust auch im privaten und wird zum exzessiven mörder. so wie nicht jeder der kampfsport betreibt, mit seinen praktiken mitmenschen krankenhausreif tritt. und so wie nicht jeder, der sex liebt, gleich zum sexbesessenen wird oder gar zum sexualverbrecher. na klar. du sprichts von gewalt-ventil. ich denke aber, dass gewaltszenen zu sehen die hemmschwelle senken lässt, selbst gewalttätig zu werden. Vielleicht, um in deiner zahlenwelt zubleiben, überschreiten nur 0,0001% der menschen die linie. die vergangenheit hat gezeigt, dass sie es tun. und es war, da bin ich der ansicht des don, nicht die schuld irgendeines buches.

  37. PS: Ich sorge mich ein wenig...
    PS: Ich sorge mich ein wenig um das Niveau des Blogs. Und damit meine ich in erster Linie die Qualität der Kommentare, die auch schon mal höher war…

  38. ist schön und schlecht, aber...
    ist schön und schlecht, aber erklären sie damit die Amokläufe aus den Jahren 1913, 1927, 1938, 1949, 1964, 1966, 1967, 1973, 1982, etc. ?
    Das gehäufte Auftreten dieser Taten in den letzten Jahrzenten ist auf die unverantwortliche „journalistische“ Berichterstattung durch sensationsgeile Medien zurückzuführen. Da werden die Vorbilder für Nachahmungstäter frei Haus geliefert, vom frühen Morgen bis in den späten Abend.
    Im Moment sehen wir wieder das Wirken, einer erbärmlichen Koalition von Schützenbrüdern, die von schärferen Waffengesetzen ablenken wollen, von Journalisten, die immer noch nicht den Vormarsch anderer Medien akzeptieren, und von Politikern wie Herrn Schäuble*, Herrn Beckstein, und Frau von der Leyen, die sagen wir mal ein gespanntes Verhältnis zu Freiheit, Demokratie und diversen Grundrechten haben.
    Von solchen Pseudowissenschaftlern wie Herrn Pfeiffer, der gegen andere Meinungen ankeift wie ein HB-Männchen, brauchen wir erst gar nicht zu reden.
    Solange der seinen politischen Gönnern nach dem Mund redet brauchen er und seine im Institut beschäftigten Angehörigen nach nicht um ihre Jobs zu fürchten.

  39. Sehr ruhige Menschen, die nie...
    Sehr ruhige Menschen, die nie etwas rauslassen, da habe ich immer Respekt vor. Wenn sie eruptieren, dann meist gewaltig. Werden viele ähnlich bestätigen, die so jemanden (Freund, Kollege) in ihrem näheren Umfeld haben. Ein sehr ruhiger junger Mann, dessen einziges Ventil die Beschäftigung mit Gewalt ist… Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man doch grinsen, wie gerne nach solchen Geschichten gebetsmühlenhaft beteuert wird, man hätte nie etwas gemerkt, er/sie wär doch völlig normal gewesen. Irrtum: Man kann es durchaus merken, ohne Psychologie studiert zu haben, wenn es in jemandem brodelt. Wenn bei jemandem der „Hund begraben“ ist, wie man sagt. Die Beteuerungen sind ein Witz, die fehlende Menschenkentnnis (zu der es nicht viel braucht) auch. Ich bin selber ein Bücherwurm, Bücher helfen auch wirklich viel, zur Kultur, aber auch zur Menschwerdung. Die meiste Literatur beschäftigt sich mit den Unbilden menschlicher Freude und verzweiflung, arbeitet sie auf. Ein Ventil. Löblich. Was ich an Bücherwürmern aber manchmal vermisse: den Kopf aus den Seite raus tun und mal den Mitbruder wirklich anschauen. Wie er ist, wie er sich fühlt. Wir gehen alle nur zu gerne oberflächlich an anderen vorbei. Ob das jetzt Schulfreunde sind, der „komische“ Nachbar oder jemand aus der Familie, der austickt. Wir warten doch nur, bis er sich wieder einkriegt, damit wir „normal“ weitermachen können. Es stört nur. Helfen? Ansprechen? Teilnahme? Wir wollen immer business as usual. Also kriegen wir business als usal. Ist leider so.

  40. Noch etwas: Zur Zeit eines der...
    Noch etwas: Zur Zeit eines der letzten Amokläufe vor 2, 3 Jahren wurde medial gerade die „gewachsene internationale Verantwortung“ Deutschlands diskutiert. Und so kam es zu einem bizarren Erlebnis an einem Zeitungskiosk, wo der Spiegel auf dem Cover einen posierenden vermummten KSK-Soldaten in vollem Ornat brachte, mit irgend einer entsprechen markigen Titelzeile dazu.
    Daneben lag dann die Bild, mit scheinbar fast genau dem gleichen Foto. Allein, die Bild schmückte, bei näherem Hinsehen, das tagesaktuellere Selbstportrait des jugendlichen Amokläufers, der sich die martialische KSK-Aufmachung offenbar zum Vorbild genommen hatte.
    Die Ballerspiele machen sicher nichts besser dabei, aber es ist alles wohl doch ein wenig komplizierter, mit der Schuld, der Verantwortung, und all den Fragen, die sich die Gesellschaft nun sonst stellen könnte. Die Spiele sind eher Symptom.

  41. Lieber Don...
    Lieber Don Alphonso,
    „Gewaltspiele“ als Alleinschuldige für dieses Drama auszumachen ist ebenso absurd wie die leidige Diskussion darüber.
    Wir alle könnten nun natürlich wie Herr Beckstein damals in blinden Aktionismus verfallen und den Herstellern solcher Gewaltspiele Ihre Arbeit verbieten, da der Vertrieb an Minderjährige aufgrund des Internets sowieso nicht ausgeschlossen werden kann.
    Aber dadurch würde sich gar nichts ändern, da 1. die Spiele nach wie vor in anderen Ländern erhältlich sind (downloadbar) und 2. sich solche Amokläufe dadurch nicht verhindern lassen.
    Wenn hier schon gemutmasst wird, dann trage ich auch noch meine Mutmassung zu diesem Drama bei. Würde es keine Gewaltspiele geben, hätte sich diese Massaker genauso zugetragen – es sind nicht (nur) die Videospiele, es sind:
    1.der Zugang zu (realen) Waffen und Munition,
    2.eine verkorkste Kindheit/Elternhaus/Erziehung/Bildung und
    3.reale Vorbilder wie Columbine oder Erfurt die zu solchen „Nachahmungstaten“ führen (siehe Youtube).
    Ich schlage vor, nicht die mannigfaltigen Symptome dieser Schandtaten, sondern die Ursachen der Morde zu bekämpfen.
    Deshalb: bekämpft die Rüstungsindustrie, schliesst die Waffenfabriken, verklagt die Hersteller!
    Entschuldigen Sie diese Polemik, aber:
    keine Waffen – keine Tote.
    Gott gib den Angehörigen und Ihren Freunden Kraft!

  42. die trefferquote war nicht von...
    die trefferquote war nicht von schlechten eltern. das kann man nicht aus büchern lernen. das monatelange situationstraining im ballersimulator am pc macht den unterschied zwischen schuss ins leere und massenmord.

  43. Leider verstehe ich Ihre...
    Leider verstehe ich Ihre Argumentation nicht. Auf der einen Seite würde niemand nach der Lektüre von Andre Gide etwas Bösartiges tun, auf der anderen Seite ist es Ihnen ein Leichtes nach der der Lektüre von Erich Mühsam einer Frau charmant in Ohr zu säuseln. Verleiten Bücher nur zu guten, (Computer-)Spiele nur zu schlechtem Verhalten?
    Auch muss ich mich meinem Vorredner Friedel anschließen dass das Problem der Kausalität hier von entscheidender Bedeutung ist. Potentielle Amokläufer lieben mit Sicherheit Gewaltspiele, aber sind damit Spieler generell potentielle Amokläufer? Um es etwas provokanter auszudrücken: Hat Tim K.‘s Liebe zum Tischtennis zu dieser Tat geführt? Amokläufer= Tischtennisspieler, ergo alle Tischtennisspieler= potentielle Amokläufer?
    Meines Erachtens sind es nicht die „Killerspiele“ die unsere Gesellschaft zu dem gemacht haben was sie ist, eher bilden die (neuen) Medien die existente Realität ab. Folglich machen Medien die Welt nicht schlimmer, die Medien passen sich der Welt nur an.

  44. @Lee.Monade:

    Warum? Weil...
    @Lee.Monade:
    Warum? Weil nicht alle Mitkommentatoren ihren Vorurteile teilen? Aber ist es nicht so, das ich alles ablehne,was ich nicht verstehe? Warum stellt eigentlich niemand die Schützenvereine oder die Bundeswehr in Frage? Warum kommt der Vater wohl ungeschoren davon (strafrechtlich)? Das sind Fragen, die sich hier mal einige stellen sollten. Da pflegen wir halt lieber unsere persönlichen Animositäten. Es ist halt einfacher so.

  45. geschenkt, nicht jeder...
    geschenkt, nicht jeder gewaltvideospieler wird zum massenmörder. aber wenn er loslegt, wird er der bessere massenmörder, weil er besser trifft, schneller nachlädt, reflexartig schiesst, etcetera pp.
    terrorcamps in afghanistan sind verboten, warum nicht auch die killerausbildung zu hause?

  46. Verehrter Don, dass...
    Verehrter Don, dass Zivilisierung oder Kultivierung nicht Moralisierung bedeutet, wie es im Anschluss an Aristoteles noch die britischen Moralisten des 17. und 18. Jahrhunderts um Shaftesbury, Hutcheson und Hume behauptet haben, hat schon Kant gesehen. Auch Menschenschlächter können Feingeister und Kunstliebhaber sein, so furchtbar das auch sein mag.

  47. <em>So, Freunde der Blasmusik,...
    So, Freunde der Blasmusik, eine sache: Persönliche Ablehnungsaussagen an meine Person bringen hier gar nichts, das ist mir schlimmstenfalls egal und bestenfalls einfach weniger Arbeit.
    .
    Und nachdem der Rest hier reichlich reflexhaft offensichtlich nicht zu lesen in der Lage ist, empfehle ich nochmalige genaue Lektüre dessen, was da oben steht. Summarisch hier nochmal die Kurzversion für strukturelle Analphabeten, die zwischen zwei Levels zu wenig Zeit haben:
    .
    – Natürlich kann alles mögliche auslösend wirken. Bei den nichtfreigeschalteten Hitlereien von Ballerspieltotalistaristen löst es in mir einen Brechreiz aus. Kann alles sein. Hier aber stellt sich die Frage: Was ist es heute. Nicht gestern, Nicht vor hundert Jahren. Wir, hier, heute. Erkennbare Linien. Marinetti, Jünger und der Erste Weltkrieg gern wann anders.
    .
    – Kurze und nicht ausdifferenzierte Einwürfe in Bezug auf die ebenfalls nicht gewaltfreie Literatur wurde oben bereits nachhaltig geantwortet. Wenn Sie Gide noch nicht gelesen haben, kaufen Sie ihn. lesen Sie ihn anstelle Ihres Ballerspiels, und kommen Sie wieder, wenn Sie es haben. Ich bin auch in drei Monaten noch hier.
    Generell: ich kehre hier mit dem eisernen Besen durch die Kommentare. Also halten Sie Ihre Tastaur im Zaum. Keine historischen Body Counts.

  48. Das bleibt sicherlich...
    Das bleibt sicherlich Spekulation, aber was hat wohl Raskolnikow gelesen, bevor er die Wucherin mit dem Beil erschlagen hat? Und er tut das ja nicht im Affekt, sondern in der festen Überzeugung, die Wucherin sei „eine Laus“ und hätte es nicht anders verdient. Ist er von selbst auf die Idee gekommen oder hat er das irgendwo gelesen? Ich würde sagen, das Töten beginnt so oder so im Denken.
    Was die Spiele angeht, gibt es da auch unter den Ballerspielen ein breites Spektrum und nicht nur die, in denen das Gehirn spritzt. Die Wirkung von Spielen ist aber mit Sicherheit stärker und unmittelbarer als die von Büchern. Und der Propagandaeffekt wahrscheinlich auch, denn man liest ja nicht nur ein Buch oder sieht einen Film, sondern man ist mittendrin im Geschehen und so auch weniger in der Lage, zu reflektieren und sich schlechten Einflüssen zu entziehen.
    Nicht zu vergessen ist die Illusion der Macht, die einem Spiele vermitteln können. Hier üben allerdings Strategiespiele eine viel größere Sogwirkung aus als Ballerspiele. Und wer weiß, was passiert, wenn einem jemand dieses Machtgefühl vermiesen will.

  49. "Auf mir wurde sehr viel...
    „Auf mir wurde sehr viel herumgetrampelt, da kann ich Sie beruhigen. Von denen, deren Eltern damals Videorekorder und diese komischen Schlägerfilme da hatten.“
    > Also auch Videorekorder verbieten, damals? Und die Schlägerfilme?
    > Und wieder die Kausalität: Wurde auf ihnen rumgetrampelt, weil die Viderekorder und Schlägerfime hatten?
    Und warum sind es IMMER, IMMER, IMMER die Spiele?
    Es kommt doch darauf an, WER sie spielt.
    Und ist es in ihrem Universum nicht möglich, dass jemand Rilke liest UND Counterstrike spielt…?

  50. Wer sich ein bisschen mit...
    Wer sich ein bisschen mit Gehirnforschung beschäftigt, wird feststellen, dass Computerspielen die Gehirnaktivität des Frontallappens senkt. Letzteres hat u.a. die Nebenwirkungen die Gewaltbereitschaft zu steigern und soziale Kompetenzen generell zu senken. Eine Diskussion, ob Computerspiele schaden, ist völlig überflüssig, da es dort nichts mehr zu diskutieren gibt. Es ist die Zeit gekommen, darüber zu diskutieren, was dagegen getan werden kann und ich hoffe, dass die Politik jetzt endlich mal beginnt in diesem Punkt durchzubringen. Es gibt wenig Themen, die für unsere Zukunft so wichtig sind.

  51. Ich habe Rilke gelesen und...
    Ich habe Rilke gelesen und Counterstrike gespielt.
    Uff, bin ich froh, dass ich nicht auch das Argument mit der Selbstmordwelle nach dem Werther gebracht habe. Das verbreitet sich ja wie eine Seuche durchs Netz.

  52. "Lesen ist der größte Feind...
    „Lesen ist der größte Feind der Dummheit.“ (Ich)

  53. Man mag es bedauern, aber die...
    Man mag es bedauern, aber die Zahl der Rilke-Leser in der problematischen Altersgruppe und sozialen Stellung dürfte so nahe bei Null liegen, dass allein deswegen sich kein Rilke-Amokläufer finden läßt.

  54. Müsste man dann nicht auch...
    Müsste man dann nicht auch konsequenterweise diverse literarische Werke wie etwa „Der Fänger im Roggen“ von Jerome David Salinger, Joseph Conrads „Der Geheimagent“ oder auch Goethes „Werther“ verbieten? Das wäre dann aber wohl der wahre „kulturgeschichtliche Rückschritt“, nämlich in das Jahr 1933.

  55. So, jetzt habe ich mal 10 der...
    So, jetzt habe ich mal 10 der dümmeren Kommentare gelöscht und hoffe auf eine gewisse Zivilisierung der Debatte.
    .
    Herr Jansen, natürlich mag es Überschneidungen geben. Blöderweise gibt es diese Ballerspielübschneidungen aber auch bei denen, die dann losziehen und das umsetzen. Und das irgendwo oben geäusserte Genöle, das sei alles nur Beckstein oder Stammtisch, ist sowas von dummer Stimmungsmasche: Gewöhnen Sie sich alle dran, es gibt sehr viele Menschen, die keine Lust mehr auf solche Kiddies haben. Noch 10 Jahre, und dann wissen die auch, wie man das bremst. Es geht einfach vielen Menschen – auch jung, links, internetaffin – tierisch auf die Nüsse, dass da eine Horde zu keinem Moment in der Lage zu sein scheint, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass so ein Zietvertrib vielleicht eher unschöne Folgen haben kann. Und wer das nicht kapieren will, der kriegt am Ende die von der Leyen, die er verdient. Nach den diversen Kommentaren bei dem Thema kann ich wirklich nur sagen: Da kriegen sie endlich mal das Level, das zu ihnen passt.

  56. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    das Thema ist zu ernst, um die übliche Ironie mit einfließen zu lassen.
    Ich muß Ihnen heute komplett recht geben, und das hat nichts mit gesellschaftlicher Zugehörigkeit oder ähnlichen, amüsanten Petitessen zu tun.
    Aus meiner Sicht haben Sie völlig recht, mögen auch aus Wagner-Hörern Massenmörder geworden sein und aus Dante-Lesern veritable Folterknechte, der auch nur ansatzweise humanistisch erzogene und gebildete Mensch ist in der Regel zu einer solchen Tat nicht fähig.
    Das mag den Chancengleichheits-Apologeten und den Sozialpädagogen weh tun, aber es ist so.
    Allerdings: Mir stellen sich noch weitere Fragen: Was ist das für ein völlig durchgeknallter Vater, der 18 Feuerwaffen besitzt? Was haben offensichtlich hirntote Eltern, gelangweilte Lehrer und kaltherzige Mitschüler in diesem Menschen zerbrochen, daß er so eine Tat begehen konnte? Wie konnten Eltern ihr Kind so dermaßen geistig verwahrlosen lassen, daß sie nicht wahrgenommen haben, daß er mit Horrorvideos und Waffen seine Zeit totschlägt?
    Hinter den weißen Fassaden des kleinbürgerlichen Mittelstands im Schwabenland ist der Verlust der bürgerlichen Werte eben genauso zuhause wie hinter den Mietskasernenfassaden des Prekariats in Neukölln.
    Sorry, ich klinge jetzt sehr konservativ (bin ich auch…), aber wenn man Kinder in die Welt setzt, ist man auch verpflichtet, sich um diese zu kümmern, und nicht nur, bis diese in die Obhut lustloser Lehrer gegeben werden!

  57. Und hier nochmal -...
    Und hier nochmal – unangebrachte Polemik gänzlich außer Acht lassend – eine Kurzversion des inzwischen mehrfach geäußert Einwands: die von Ihnen (nicht zu unrecht) zur Diskussion gestellte Kausalrelation zwischen gewaltverherrlichenden Medien und Amoktätern greift teilweise zu kurz, läuft dadurch Gefahr, nicht sauber zwischen Symptomen und (sozio-psychologischen) Ursachen zu trennen und blendet folglich gekonnt alle anderen möglichen Hintergründe aus. Hier wird wohl fast niemand behaupten wollen, dass Medien (ganz allgemein!) keinen negativen Einfluss auf labile Persönlichkeiten haben können. Was an Ihrer Argumentation m.E. zurecht angekreidet wird ist der Hang zur plakativen Monokausalität.

  58. Kaffee statt Lee.monade, als...
    Kaffee statt Lee.monade, als Antwort wähle ich mal ein Zitat: „Meißel und Schlägel können ganz wohl dazu dienen, ein Stück Zimmerholz zu bearbeiten, aber zum Kupferstechen muß man die Radirnadel brauchen.“

  59. Darf ich vielleicht kurz...
    Darf ich vielleicht kurz darauf hinweisen, dass das Thema „Nachfolgeselbstmord“ in der Psychologie einen ganz anderen Stellenwert einnimmt und oft unter Menschen auftritt, die sich kennen, als der „Nachahmungstäter“? Abgesehen davon war das Wertherfieber schon damals reichlich aufgebauscht.
    .
    Und dann würde mich bei diesen Leuten mit dem Werther-Meme mal was interessieren: Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Mord und Selbstmord, oder ist das alles eins, weil sowieso bei der Ballerei am Ende alle tot sind?

  60. Hallo Don,

    sie schreiben "...
    Hallo Don,
    sie schreiben “ Tatsächlich also bleibt da diese Frage: Warum metzelt niemand, der gerade Heines anzügliche Gedichte gelesen hat, ein Mädchen nieder, und warum erschießt jemand nach Monaten von Horrorvideos und Ballerspielen ihm vollkommen unbekannte Menschen mit zynischen Sprüchen? “
    Gegenfrage:
    Wieso laufe ich nicht Amok, ich der seit Mitte der 90er Jahre Computerspiele (bevorzugt „Shooter“)spielt?!
    ich bin nun Ende 20 und gehöre vermutl. zu der Generation die schon halbfix mit brauchbaren PCs aufgewachsen ist. Ich stehe seit Jahren im Berufsleben, liebe meine Umgebung und pflege soziale Kontakte kurzum ich stehe Mitten im Leben, mir geht es gut, auch mit „Ballerspielen“ zum abschalten und entspannen.
    Vielleicht liegt es ja tatsächlich an dem Menschen selbst was er tut? Äußere Einflüße wie z.B. Gewaltvideos und sicherlich auch Spielen, spielen eine Rolle jedoch spielt die Persönlichkeit eines Menschens meiner Meinung nach eine viel größere Rolle bei solchen Taten!
    Hinzu kommt, dass der Typ in stationärer psychischer Behandlung wegen Depressionen gewesen ist. Diese er dann in seinem Heimatort nicht mehr ambulant fortgesetzt hat.
    Warum sollte ich der Shooter spielt jemals es in Betracht ziehen ein SPIEL (!) welches fiktiv ist, in die Realität umzusetzen? Es gibt keinen!!!
    Aber mit engstirnigen und intolleranten Egomanen braucht man nicht in einen kreativen konstuktiven Dialog zu treten. Diese haben ihre kleinbürgerliche egoistische und intollerante Meinung bereits gebildet.
    So und damit ich mich nicht noch mehr über ihren egomanen Artikel ärgere, werde ich erstmal eine Runde F.E.A.R.2 spielen. ;-)

  61. Könnte es übrigens sein,...
    Könnte es übrigens sein, dass die Lebenswelt von Jugend und „älteren“ Menschen im Vergleich zu früheren Zeiten sehr viel stärker auseinanderklafft? Generationenkonflikte gab es ja immer, aber heute spricht man vielleicht noch weniger miteinander, weil es so viele Möglichkeiten gibt, sich vom realen Leben abzulenken.

  62. Mein Sohn ist im Wii Bowling...
    Mein Sohn ist im Wii Bowling einsamer Meister, obwohl er selten spielen darf. Im realen Bowling bekommt er die Kugel kaum bis zu den Pins. Sie haben sicherlich noch nicht Egoshooter gespielt. Das hat mit einer realen Waffe absolut nichts zu tun. Meinen Sie nicht, dass die hohe Trefferquote vielleicht doch etwas mit seinen Übungen im Schießklub zu tun haben könnten?

  63. Lieber Don,
    Ihr heutiger...

    Lieber Don,
    Ihr heutiger Beitrag ist wieder einmal von superber Qualität, und ich danke Ihnen herzlich. Viele, die hier Negatives darüber äußern, haben halt nur gelernt, Buchstaben und Wörter zu lesen, auch Sätze — aber das Wesentliche steht halt stets zwischen den Zeilen, die durch das heute übliche (gerade durch das Internet beschleunigte) Überfliegen eines Textes unmelodisch und mechanisch bleiben. Buchstaben sind halt abstrakte Zeichen, die erst im Hirn des Lesers zu Worten gedeihen; dort die Worte zu Bildern, die Sätze zu Emotionen, die schließlich auch Seelen zum Klingen bringen. Das erfordert Zeit, Ruhe und die Bereitschaft, sich unvoreingenommen zu öffnen … Und so wird ein eBook nie in Konkurrenz zu einem knisternden, stockfleckigen, nach Druckerschwärze duftenden Buch treten können, das man auf eine Wiese liest, einen Grashalm zwischen den Zähnen, während der Herrgott lächelnd und zeitlos auf den Leser schaut.
    Verweise einiger Poster auf Massenmörder, die einst Kunstfreunde waren, zeugen vom hastigen Querlesen Ihres kleinen Essays, der auf diese Weise nur „mal mitgenommen“, aber keineswegs verstanden werden kann.

  64. @bergstutzer:

    Zu Ihrer...
    @bergstutzer:
    Zu Ihrer Information – wenn Sie schon darüber diskutieren möchten – in einem „Ballerspiel“ braucht es zum nachladen einer Waffe genau eines: den Druck auf eine Taste auf der Tastatur.
    Bilden Sie sich wirklich ein, auch wenn Sie 20 Jahre 24h am Tag Ballerspiele spielen, dass Sie danach erlernt haben, wie man eine reale Waffe lädt, zielt und schrecklicherweise auch noch trifft?
    Das kann ja wohl nicht ihr Ernst sein.
    Aber trotzdem amüsant, diese Ansicht.

  65. An alle, die glauben, hier...
    An alle, die glauben, hier solchen Müll wie Horrorvideos und -spiele verteidigen zu müssen:
    Fahren Sie einfach mal in Hamburg, München, Frankfurt oder Berlin regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmittel und lauschen hinter Ihrer FAZ oder Süddeutschen den Gesprächen der zwölf-achtzehnjährigen!!!
    Ich sitze oft genug statt in der Splendid Isolation meines Autos auch im Bus oder in der S-Bahn. Was dort zu sehen, hören und zu fühlen ist an Gewaltbereitschaft, mangelndem Gefühl und fehlendem Mindestmaß an Menschlichkeit können sich die wenigsten intellektuellen Schönschwätzer hier vorstellen!!!

  66. "Kommt immer drauf an, wer sie...
    „Kommt immer drauf an, wer sie spielt.“
    Ein bisschen scheinheilig und kurzamig deucht mir diese Argumentation. Immer wieder gehört von Ego-Shooter-Verteidigern und Spielern. Aber: Diese Spiele lösen einen Sog aus, dem zwar ein „Gesunder“ halbwegs widerstehen kann. Ich bin jedoch auch da sicher, dass es abstumpft. Bei klinisch Depressiven wie ihm (und vermutlich auch bei nicht diagnostizierten Depressiven) ist das jedoch ungefähr genauso Gift, wie wenn man ihnen gleich Drogen zum Abdrehen auf den Tisch legt. Wieso wird das nicht begriffen? Wieso ist man da so scheinheilig libertinär? Ungefähr jeder 10te unserer Bevölkerung ist oder war irgendwann einmal depressiv oder psychotisch. Es gibt hochgerechnete Zahlen, die gehen noch höher und behaupten, dass bis zu 60% aller depressive Episoden durchmachen. Bei Jugendlichen weiß man, dass sie verstärkt zu melancholischen Verstimmungen pubertätsbedingt neigen. Wieso will man nicht begreifen? Die Spiele sind einfach für diesen Personenkreis sehr bedenklich, ihre Sogwirkung für labile Menschen ist groß. Wenn ich in die Apotheke gehe und eine bestimmte Substanz fürs Schreibtinte Mischen kaufe, muss ich doch auch Adresse und Unterschrift hinterlegen und kriege keine großen Mengen. Die Spieleindustrie und ihre Verteidiger hingegen dürfen alles. Ich denke schon, dass Verbote allein nichts nützen, dass aber ein Zeichen gesetzt werden muss: „Dieses Spiel kann Ihre seelische Gesundheit gefährden!“ Allein reicht es natürlich nicht. Wie wäre es mal mit etwas weniger Rummobben in den Schulen, mit etwas weniger Vorverurteilung and oberflächlicher Abgrenzung. Wir sind alle verwahrlost. Geistig, seelisch.

  67. Liebe Christa, auch ich bin...
    Liebe Christa, auch ich bin der Ansicht es war nicht die Schuld eines Buches. Mit exakt gleicher Logik ist es auch die Schuld eines Videospiels nicht.
    Um etwas allgemeiner zu werden: mir ist die obligatorische Schuldsuche an Dritten Personen oder Objekten stehts zuwieder, ob das nun Terror, Amok oder sonstige Verbrechen sind.
    Um den Kriminalpsychologen Thomas Müller zu zitieren, der wiederum George Bernard Shaw zitiert hat: „es gebe keinen Menschen, der nicht in eine Situation kommen kann, in der er einen anderen umbringt. “
    Das sollte allen bewußt sein, besonders jenen die auf andere (zb. videospieler) zeigen. Eine positivere Konsequenz wäre es dagegen mit uns selbst und unserem Freundeskreis noch positiver umzugehen als es viele eh schon tun. Aber die Medien (und Don Sie zählen hiermit dazu) cashen lieber die Klickraten mit Hilfe unserer moralischen Sozialreflexe und provozieren 100.000 wegen der Taten einzelner.

  68. Lieber hugoservatius, wer auch...
    Lieber hugoservatius, wer auch nur ansatzweise humanistisch erzogene und gebildete Mensch ist in der Regel zu einer solchen Tat nicht fähig? Ich bitte Sie. Glauben Sie denn, die ganzen KZ-Aufseher waren alles ungebildete Proleten?

  69. @Don Alphonso
    Bei dem...

    @Don Alphonso
    Bei dem Werther-Argument geht es nur um den negativen Rückkopplungseffekt zwischen Literatur und Leben, der dem zwischen PC-Spiel und Leben nicht unähnlich ist. Es soll einfach nur zeigen, dass auch Bücher schädlich sind. Und gerade die von Goethe!

  70. Es gibt natürlich einen...
    Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen Mord und Selbstmord. Ich darf allerdings daran erinnern, dass auch Selbstmord pflichtwidrig (die Verletzung einer Pflicht gegen sich selbst) und damit ein Verbrechen ist.

  71. Eine klare Differenzierung ist...
    Eine klare Differenzierung ist notwendig.
    Ich stimme dem Artikel zumeist zu, jedoch ist es so, dass jedes Medium mit fataler Intention Massen und auch Einzelne Verbreiten kann.
    Es gibt Bücher die „schlecht“ (schlecht im Sinne von gewaltverherrlichend u.ä.) sind, es gibt Videos die „schlecht“ sind und es gibt auch PC-Spiele die „schlecht“ sind.
    Dies denke ich bringt der Artikel nicht ausreichend zur Geltung.
    Es ist klar, dass kein Naturgedicht jemanden zum Amoklauf bewegt, genausowenig bewegt aber auch ein Spiel wie z.B. „Die Sims“ dazu, Amok zu laufen.
    Ich kenne mich bei Counterstrike und co nicht aus. Aber, es gibt Bücher, die nicht zugänglich sind, warum sollte es nicht auch PC-Spiele geben, die zum Schutz der Jugend verboten werden?
    Ich möchte nur sagen, dass, bei aller Kritik, diese nur für auf „schlechte“ angewandt werden darf.
    Es wäre sehr restriktiv, alle neuen Medien pauschal zu verurteilen.
    Und einseitige Erklärungsmuster sind sowieso verhängnisvoll.
    MFG
    H.H.

  72. Unsägliches Leid, unfassbare...
    Unsägliches Leid, unfassbare Tat, auffällig unauffällige Täter, Menschen eben mit Ihrem gesamten Potential.

  73. <p>Ohne hier alle Kommentare...
    Ohne hier alle Kommentare gelesen zu haben:
    Ich finde Ihren Bericht doch etwas zu einseitig.
    Ihr Einstieg gefällt mir und ich hoffte eigentlich auf einen differenzierte Sichtweise auf die „Sachlage“ doch leider war meine Hoffnung verfrüht.
    Sie stellen zu recht Fragen über die Problematik von Ego-Shootern (Das Boulevardword Killerspiele sollte in einer ernstgemeinten Diskussion nicht vorkommen). Aber ihr Vergleich mit der Literatur hinkt doch deutlich.
    Ja, der Täter hat PC Gewaltspiele gespielt, JA in Erfurt auch und ich unterstelle Ihnen einfach mal, dass sie sich durchaus bewusst sind, dass sehr viel Jugendliche diese Spiele spielen ohne das etwas passiert.
    Aber hinter ihrer Fasade der Literatur verhalten sie sich leider auch als Trittbrettfahrer des PC SPiele-Bashings.
    Andere Medien (auch Bücher) wurden ausgeplendet. Wenn in einem Kinderzimmer nur Tom Clancy Bücher gefunden werden, würden diese nicht als Tatauslöser herangezogen werden, da sind wir uns hoffentlich einig. Obwohl diese Bücher durchaus auch Gewaltszenarien beschreiben und auch eindeutige Feindbilder geformt werden. Bücher werden in der Berichterstattung garnicht erwähnt. Ob ein Täter eine kleine Bücherrei mit alten Poeten hat interessiert die mediale Welt nicht. Wer sagt uns denn, dass Attentäter XY nicht Goethe, Schiller und Lessing liest und daraus zitieren kann?
    Natürlich visualisieren Bücher nicht so stark wie PC Spiele. Und natürlich ist die PC-Spiele Industrie kein Unschuldslamm und muss sich teilweise zurecht die Vorwürfe der Gewaltverherlichung gefallen lassen. Und einen EInfluss haben diese PC Spiele mit sicherheit auf den Täter gehabt. Diese Einflüsse nun aber zu DEN Einfluss hochzupuschen, der eine Diskussion über ein Verbot rechtfertigen würde, ist doch etwas kurzsichtig.

  74. Hier werden aber wirklich...
    Hier werden aber wirklich viele Kinder sehr böse, weil man ihnen ihr liebstes Spiel wegnehmen will….Und natürlich sie haben ja so recht: Wenn man am Bildschirm hunderttausend mal das Erschiessen geübt hat, hat das überhaupt nichts mit der Möglichkeit zu tun, es im wirklichen Leben zu tun. Da sind aber die Pilotenschüler, die im Simulationsraum das Fliegen üben, ganz anderer Meinung. Das Geldverdienen mit der Produktion und dem Verkauf dieser kranken Spielen sollte verboten werden. Und natürlich sollte auch der Besitz von Waffen noch strenger reglementiert werden.
    Und jetzt zu den eigentlichen Ursachen von Amokläufen: …….

  75. Folgt man der Argumentation...
    Folgt man der Argumentation des Schreibers, fragt man sich, wer eigentlich die ganzen Straftaten im Stile der geschehenen vor der Erfindung von „Killerspielen“ begangen hat.
    Mag sein, dass sogar der ein oder andere mit bayrischem Abitur dabei war … Was sollte man also Ihrer Meinung nach tun? Sich – wie es in vielen Kommentaren absolut konstruktiv bemängelt wurde – darauf verlassen, dass es für „eine“ Tat auch nur ebenso viele Lösungen gibt? Seinen Unmut über das anscheinend ohnehin verachtete („neue“) Medium kanalisieren, um das Gemisch aus Aspekten, Einflüssen und Widrigkeiten, welches einen Menschen in solche Taten führt, zu ignorieren? Das generische Videospiel als Ansatzpunkt: Schon aus moralischer Rücksicht mag man Ihnen damit Erfolg wünschen und auch verstehen, zugleich tolerieren, dass es verschiedene Hobbys und Zeitvertreibe gibt, die weder der eine noch der andere gut finden – was sie aber trotzdem bestehen lässt und nicht pauschal verteufelt. Könnte mich für einen Schützenverein nicht erwärmen, aber ihn als alleinigen Faktor für Gewalt darzustellen, läge mir fern.
    Ich soll ich meinem sicherlich intelligenten und gebildeten Gegenüber nun wirklich abnehmen, dass wir die Schuld einzig in den modernen Erzeugnissen der Spieleindustrie suchen und dabei alles andere, speziell das Soziale, ausblenden müssen? So weit reicht meine persönliche Toleranz leider nicht, denn dann müsste ich Menschen die Return-Taste verbieten, ihnen SMS sperren ihre Bildschirme überkleben, um zu denken, dass sie dann wieder mehr aufeinander achten.

  76. Ach lieber Hugoservatius, was...
    Ach lieber Hugoservatius, was Sie fordern, tue ich ständig. Da drängt sich mir aber doch jedesmal eher die Frage auf, was das denn für eine Gesellschaft ist, die jahrelang bedauernd erklärt, es sei leider kein Geld dafür da, Lehrer einzustellen, Schulen zu reformieren, die lieber privatisiert und kommerzialisiert, und den Markt zum Gott erhebt. Die Wettbewerb verklärt, und Verlierer verspottet. Jeder kann es doch alleine schaffen. Nur für die Banken sprudeln dann plötzlich Milliarden.
    Oder das vielgescholtene Rambo-Tutti-Frutti-DSDS-Privatfernsehen etwa – das wurde von CDU-Spezis eingeführt, dank Kohl. Das war der „freie Markt“, das Recht, Schund zu verkaufen und darin zu wetteifern. Die Schundverbreiter wie die Klingeltontypen sind alles „tüchtige Unternehmer“. Die dümmliche Bild ist bevorzugtes Verlautbarungsblatt und fester Verbündeter dieser Sorte Politiker.
    Aber wenn man dann unter sich ist, in den feineren Kreisen, dann lästert man ab über diesen (verarmten, überarbeiteten, gehetzten) „Pöbel“, der diese, von einem selbst produzierten und vermarkteten, medialen Werke goutiert. „Diese Idioten, selber schuld.“ Die Doppelmoral der Konservativen, eben.
    Einige der „Gewaltvideos“ befinden sich inwischen übrigens in der Sammlung des MOMA. Kunst ist nicht immer „schön“, den Geist erhebend, oder entspannend. Das sind rührende Vorstellungen des 19. Jahrhunderts.

  77. Werter Don Alphonso. Eine...
    Werter Don Alphonso. Eine Empfehlung für Ihre Bibliothek: Wolfgang Sofsky’s Traktat über die Gewalt. Gewalt ist seit menschengedenken Bestandteil unserer Kultur. Die Römer genossen über Jahrhunderte die Kampfkünste der Gladiatoren. Christen veehren einen zu Tode gefolterten als Heilsbringer…

  78. Werter Don Alphonso, wenn Sie...
    Werter Don Alphonso, wenn Sie den Blick in die Geschichte verwehren wollen, dann verwehren sie ja genau auf das, was Sie gepflegt und kultiviert wissen wollen. Denn Kultur ist ja Geschichts-begründet. Und ein Gide und ein Heine und ein Kästner leben allesamt nicht mehr und sind – wie ein Teil Ihrer Bücher (wie mir scheint) und wie ein ebensolcher Teil meiner Bücher – schon längstens… ja, eben Geschichte. Deshalb ist der Verweis auf das, was früher einmal war, als es noch keine Ballerspiele gab, schon durchaus nicht falsch. Von struktureller Legasthenie jedenfalls kann ich da nichts entdecken. Ich gebe Ihnen zwar voll und ganz recht, das Gewaltverherrlichung brechreizauslösend ist. Weshalb viele Filme aus der Hollywoodschmiede einfach nicht schaubar sind, denn sie wirken wie frisch aus der Propagandapresse des US-Pentagons. Egal ob eine Naturkatastrophe naht oder ein Virus sich pandemisch auszubreiten droht: Immer fliegen ‚Army‘-Hubschrauber, springen Camouflage-Typen herum und scheinen Kanonen und Granaten die Welt retten zu können. Was dort propagandistisch mitschwingt in der Bildsprache ist, dass nicht Krankenschwestern und Feuerwehrleute die Helden sind, sondern Generale und ‚Mörder in Uniform‘. Und weil man im Kino gemeinhin auch den Ton nicht ausdrehen kann, sind Platitüden wie die Einteilung der Welt in Gut und Böse, in Helden und Schurken, in Lebens- und Vernichtungswert auch nicht zu überhören. Leider jedoch scheint die Unkultur der Gewaltverherrlichung im Menschen zu stecken. Denn egal ob Wilhelm II. oder ein x-beliebiger barocker Schlachtengemäldemaler – immer hat man dem Gemetzel gehuldigt und huldigt ihm immer noch. Früher sehnte sich eine ganze männliche Jugend in das Gemetzel der 1.-Weltkriegs-Schlachtfelder und die weibliche klatschte kräftig dazu in die Hände. Bevor die Jungs Amokläufe begehen konnten, waren sie schon hinweg kartätscht aus Hindenburgs oder Moltkes oder Frenchs Gnaden. Heute ballert man sich durch virtuelle Welten und hat in der Mehrzahl das Glück, gemeinhin die sinnlos durchwachten Nächte zu überleben (und nicht in Stalingrad oder Gallipolli oder Flandern zu verrecken). In jedem Fall jedoch, werter Don Alphonso, wäre es mir auch gemütlicher zu Mute, wenn es diesen ganzen Blutrausch-Dreck nicht gäbe rundherum um uns!

  79. Stanley Kubrick hat es uns...
    Stanley Kubrick hat es uns doch mit Clockwork Orange aufgezeigt : Der Mensch giert nach Gewalt. Da brauchen wir nichts schönreden.
    Und war der Protagonist Alex nicht großer Freund der Klassischen Musik? Warum nur mussten es Wagners Opern sein frage ich mich, und nicht die, zu der damaligen Zeit gerade aufkommenden Heavy Metal musik die doch so gut in das Bild der unverständigen gepasst hätte ? Ob sich der Stanley dabei was gedacht hat – ich bin mir ziemlich sicher.
    LeeMonade : Die Qualität ihres Beitrages dagegen ist ja sehr hochwertig.
    Hilfe der Pöbel meldet sich zu Wort…….

  80. Simon, pardon, aber genau das...
    Simon, pardon, aber genau das erwähne ich doch in Bezug auf Andre Gide: Da geht es um jemanden, der nur zum Spass einen Menschen umbringt, einen armen, zufällig ausgewählten Tropf, trotzdem eine Identifikationsfigur ist, die obendrein mit dem Mord auch noch davon kommt. Die Verliese des Vatikans ist vielleicht das beste Buch zur Frage, inwiefern ein Mörder in uns allen stecken kann, und nicht umsonst ist es so verrufen, weil es die Frage so eindringlich stellt – und man sie am Ende, von sich selbst betroffen, verneint. Ich meine zumindest, dass man es tat. Das ist eine moralische Ambivalenz, die sich über hunderte von Seiten entwickelt, und es als ethisches Problem dem Leser überlässt.
    .
    Wo ist die moralische Ambivalenz beim Ballerspiel?

  81. Nachtrag: Ja, ich setze...
    Nachtrag: Ja, ich setze voraus, dass sie das ein oder andere der erwähnten Bücher kennen. Falls nicht, kaufen Sie. Und wenn nicht: Bildungsscheue Leser werden bei mir wenig Freude haben. Mit ein paar Brocken Kultur aus der 11. Klasse ist man hier deutlich unterversorgt, wie die gelöschten Herrschaften mit ihrem NS-Krempel schon erfahren haben.

  82. Hallo Lieber Don,

    ich gebe...
    Hallo Lieber Don,
    ich gebe dir insoweit recht…wie du gewissen Schund gern in der Tonne hättest,wie schlechte Bücher auch.
    Ballerspiele..sicher,es gibt viel Blödsinn heutzutage der völlig unbrauchbar ist,aber….
    ich kann mir nicht vorstellen das Jemand allein aufgrund eines Ballerspiels loszieht und Leute tötet..dazu noch Unbekannte..- ohne eine fehlende Verankerung in der Gesellschaft und..nun kommts..deren Werten.
    ………………………
    In einer Gesellschaft in der Respekt- und Ehrlosigkeit beinahe Erfolgsgaranten sind ,kann das Ballerspiel wohl ein schlussendlicher Auslöser sein…aber die geistige Verwahrlosung setzt woanders ein.
    ………………………………….
    Ich würde mir wünschen wir hätten noch Ehrenmänner/frauen,Bildung im TV und als Gesellschaft mehr Anstand im Umgang miteinander..die Realität sieht leider anders aus…
    Die Realität sind die Zumwinkels,Madoffs und Ehrenmänner wie Kohl,denen ein Ehrenwort mehr gilt als das Gesetz….
    dazu..Fernsehen mit Talkshows des Wahnsinns,sowie Serien die kein Mensch braucht und ein Umgang mit Menschen wie er in Dsds von bestimmten Personen gebracht wird,Dschungelcamps usw .
    Dazu ein Internet in dem jede Geistige Sülze vertickt werden darf.
    Schulen in denen Mobbing an der Tagesordnung steht..ob von Mitschülern oder Lehrern..wie im Berufsleben.
    Das sind die Vorbilder und Abgründe heutzutage…für einen Bücherwurm kaum fassbar und für Eltern der Horror….
    Man kann Kinder ermutigen zum Lesen und Anstand vorleben..gegen die Berieselung der Respekt und Ehrlosigkeit bleibt nur einkerkern.
    ……………………………………

  83. Ich frage mich wirklich, warum...
    Ich frage mich wirklich, warum nur männliche Jugendliche / junge Männer Amok laufen. Ich als weibliches Wesen spiele schon seit 15 Jahren regelmäßig Rollenspiele, auch War Craft (hin und wieder online). Ich habe bisher keine Probleme, zwischen Realität und Spiel zu unterscheiden und habe mir bisher auch gedanklich nicht vorgestellt, jemanden umzubringen. Mir macht das Spielen Spaß, in seltenen Fällen kann man auch mal Frust aus der realen Welt abreagieren. Aber das Spiel in die Realität zu übertragen? Da hier in der Debatte auch die soziale Einstufung wichtig zu sein scheint: ich entstamme der Arbeiterklasse, bin Großstadtkind und habe Rilke nicht gegelesen ;-D Lese aber immerhin Zeitungen online.
    Ein Verbot der Computerspiele würde ich für mich auf jeden Fall als Einschränkung sehen, aber wenn das eben der auslösende Faktor wäre / ist, muss man verzichten können (wie auch die in meiner U-Bahnstation rauchenden Trolle eigentlich verzichten sollten!). Ich bin aber ehrlich gesagt sicher, dass ein Verbot in unserem good old Germany genausowenig durchgesetzt werden kann wie das Rauchverbot *lol*

  84. Zielsicher geht dieser Eintrag...
    Zielsicher geht dieser Eintrag auf die 300 Kommentar-Marke zu, me thinks – wobei Quantitaet und Qualitaet nicht immer zusammenfallen. Ich traue dem Autor durchaus zu, zwischen Korrelation und Kausalitaet zu unterscheiden, allerdings kann niemand bestreiten, dass beide oft als Paar auftreten.
    .
    Ohne jede eigene Erfahrung mit Ballerspielen (bei uns gab es nur paedagogisch wertvolle Computerspiele) mal eine Frage an alle Verteidiger des Metiers: was ist daran gut, wertvoll oder erhaltenswert? Ich bitte darum, aus der Defensive herauszukommen und mir zu erklaeren, warum es diese Spiele geben soll oder muss? Argumentation, bitte… und konstruktiv, gerne!

  85. Von 80 Millionen Affen, die...
    Von 80 Millionen Affen, die sich seit den letzten Zwischeneiszeiten nicht wesentlich in Verhalten und Moral geändert haben benimmt sich halt manches Mal ein Jungtier daneben, wird dann aus dem Genpool rausgemendelt, gestern 200 Meter von mir weg. Der Rest der Horde fühlt sich dann immer gut, er war ja selbst nicht so böse und irgendein Grund für Überlegenheitsduseleien findet sich immer. Aber Vorsicht: es steckt auch in Euch, in jedem Einzelnen, es ist ein Teil eurer Persönlichkeit, und dass man nicht tief unter die Kulturpatina kratzen muss, damit das in der Wolle gefärbte Raubtier mit Lust am Töten zum Vorschein kommt, zeigt sich immer wieder.

  86. Gewalt, bedaure, aber was die...
    Gewalt, bedaure, aber was die frühe Kirchengeschichte und ihre Legenden angeht: Wir können gerne über die Problematik der Martyrerberichte von Eusebius reden. Dann aber richtig und nicht nur so mit einem Satz. Es gubt massive Unterschiede zwischen Gewalt und Gewaltdarstellung. Nie war der Westen so wild wie in Cinecitta in den 1970er Jahren. Nie.
    .
    CoolP, dass es andere Faktoren gibt, schliesse ich absolut nicht aus. Sie können der Einleitung ja entnehmen: es ist ein Versuch darüber zu reden, ob die üblichen Hassmobs, die sie da oben teilweise ja auch finden, recht haben, wenn es alles ausser der Ballerspiele ist. Alles, nur nicht die Ballerei. Das sehe ich anders. und hätte auch absolut kein Problem, wenn man dort ansetzen würde. Einfach, um Gewalt ein wenig mehr öffentlich zu ächten.

  87. @hugoservatius
    Ich fahre fast...

    @hugoservatius
    Ich fahre fast täglich Busstrecken durch Berlin Schöneberg und kenne das Gesabber besonders der dort ansässigen Jugend. Was das Gequäke der auf laut gestellten Handys übertönt, sind oftmals menschenverachtende, primitive und gewalttätige Gesprächsbrocken. Das ist aber kein Resultat gewalttätiger Medien. Das ist das Resultat der heutigen Gesellschaft, der Erziehung und der gesamten Misere, in der die Jugend heute steckt.
    Dass die bewussten Spiele daran einen Anteil haben, mag sein. Aber auf keinen Fall haben sie die Bedeutung, die ihnen von den meisten besonders älteren Kritikern, die sich nie damit beschäftigt haben, beigemessen wird.
    Jetzt melden sich alle die zu Wort, die ihre Vorurteile bestätigt sehen wollen, die die Verrohung der Jugend durch die Medien befürchten. Dann betrachten Sie aber alle Medien, z.B. auch das Spektakel, das wir hier veranstalten. Nichts kann mehr Vorbild und Anreiz für einen kranken Spinner sein, als die Wirklichkeit, wie sie im Fernsehen, im Internet und den übrigen Nachrichtenmedien dargestellt wird.

  88. Herrlich diese...
    Herrlich diese Hobbypsychologen und möchte gern Weltverbesserer. Von „Adolf“ bis „Zeugnis“ ist wohl nichts zu schlimm, um dieses schreckliche Ereignis zu (er)klären?!
    Meine Wenigkeit ist in einer Grosstadt zur Schule gegangen. Von klein auf war ich „Naturmensch“(jagen, angeln, Landwirtschaft etc.), was glauben Sie, was ich in der Schule durchgemacht habe?! Das war nicht schön, dass können Sie mir glauben, weil Kinder die ehrlichsten Menschen sind und das sagen, was Sie denken!! Also ich war allein, hatte keine Freunde und meine Schulkameraden waren immer „ehrlich“ zu mir!!
    Bevor ich laufen konnte, habe ich mit Kimme und Korn des Luftgewehres ins Schwarze getroffen und habe mit acht Jahren ein Kleinkaliebergewehr zur Raubzeugbejagung erhalten! Zusätzlich habe ich auch die Anfänge des „Zockens / Daddelns“ miterlebt und mitgespielt. Zugegeben die Spiele waren nicht ganz so gut illustriert wie in heutigen PS3, X-BOX360 Zeiten, aber es hat auch schon ordentlich „gesplatert“.
    Meine Schulnoten, außer Biologie, waren miserabel (Abi: 3,4)!!! Und mit all diesen Komponenten stehe ich bestimmt nicht als einziger da und bestimmt gibt es Menschen in Deutschland denen es um einiges schlimmer ergangen ist und die trotzdem keine so schreckliche Tat begangen haben.
    Wir müssen einsehen, dass der Mensch und Seine Gesellschaft kaputt ist! Warum verprügelt eine Gruppe von sieben Menschen einen Einzelnen und filmen das dabei? Warum säuft man sich ins Koma (habe ich auch gemacht, nur in anderen Massen)? Warum trifft man sich vorm Fußballstadion und haut sich die Köpfe ein? Warum lassen wir Menschen verhungern?
    Weil Wir und unsere heutige Zeiten kaputt sind!!! Spiele verbieten, Waffengesetz verschärfen, mehr Psychologen, alles purer Aktionismus!
    So etwas Schreckliches wie am Mittwoch wird es immer wieder geben, traurig, aber wahr!!!

  89. Es ist mir unverständlich,...
    Es ist mir unverständlich, wie man glauben kann, dass ein, sicherlich problematischer, Zweig der Medien, für solche Taten verantwortlich sein kann. Nieman kommt auf die Idee, Alkohol zu verbieten, obwohl er jährlich Tausende von Toten fordert, im Gegensatz zu sog. „Killerspielen“. In Deutschland gibt es die USK. Sie ist für die Einstufung von Spielen verantwortlich. Wenn nun ein Jugendlicher, die Spiele (darunter fallen das oft gescholtene Counterstrike: Source, als auch GTA IV), die für Erwachsene gedacht sind spielt, so ist es ein Fehler, der im Handel, als auch im Elternhaus entsteht. Wenn Eltern nicht mehr wissen, was ihr Kind da macht und einfach davon ausgehen, dass es nicht so schlimm ist, ist dies ein viel größeres Problem, als ein Spiel vom Kaliber eines GTA IV: nämlich Desinteresse am eigenen Kind bzw. an seinem Tun. Die Art und Weise des Konsums gewalttätiger Computerspiele bzw. Filme ist Ausdruck eines tiefergehenden gesellschaftlichen Problems. Aber leider ist es so, das man dagegen nicht so einfach Gesetze fordern kann, weil man sicher selber bemühen müsste.
    Was sie hier betreiben sehr geehrter Don Alphonso ist schlimmste Polemik. „Pardon, ich wollte ja nicht polemisch werden.“ Das glaube ich Ihnen nicht. Dafür ist der Artikel viel zu lang und bissig. Meiner Ansicht nach, lag es von Anfang an in Ihrer Absicht. Zu einem wird ihr Beitrag ganz bestimmt nicht führen: Jugendliche, die sich plötzlich entschließen, ein Buch in die Hand zu nehmen.

  90. Count, blöderweise hat sich...
    Count, blöderweise hat sich niemand gefunden, der bereit gewesen wäre, Alex in seiner Einstellung in der Realität nachzufolgen. Insofern hilft die Fiktion da nicht wirklich weiter.

  91. Zitat: "Warum legt kein Freund...
    Zitat: „Warum legt kein Freund von Rainer Maria Rilke den Gedichtband weg, greift zur AK-47 und läuft Amok?“
    Weil Rielke kein Jugenphänomen ist! Der Täter wird neben dem Spielen von Killerspielen auch viele andere Dinge getan haben, die für seine Altersgenossen typisch sind. Was gerade ihn zu solch einer Tat veranlasst hat muss in etwas anderem begründet sein. In etwas das ihn von seinen Altersgenossen unterscheidet.

  92. Ein paar ungeordnete Gedanken,...
    Ein paar ungeordnete Gedanken, hoffentlich jetzt zensurfrei
    … Sie suchen ihre Bestätigung sicher nicht nur, aber auch und gerade in Büchersammlung und
    Konsumption. Die Parallele liegt darin, ein bestätigendes Feld von Unterhaltung gefunden zu
    haben, in dem man zum Einen die Langeweile ablegen kann und zum Anderen einen Grund
    findet, weiter zu leben, der über das bloße Existieren qua Selbstläufer hinausgeht, dem
    Genießen und der Bestätigung als wertvolle Person. Der gemeine Computerspieler, behaupte
    ich einfach mal, wird diesen Genuss in Künsten wegen einfacherem Geist nicht nachvollziehen
    können, wird anderen Genuss und andere Bestätigung suchen. Was früher in „politscher“
    Aktivität oder Sauftouren gipfelte, gipfelt heute in Pc Gewalträuschen.
    Zweitens: Man muss verstehen, dass das Pc „Spiel“ gerade dadurch, dass es in der realen
    Welt gewaltlos abläuft, die moralische Katharsisfunktion, wie beispielsweise bei einem
    Theaterspiel, perfekt durchlaufen kann. Der Unterschied mögen Sie sagen sei nun, dass
    früher, wer Werther gelesen hat, sich umgebracht hat, weil er sich identifizierte mit dem
    Protagonisten, heute jedoch die Identifikationsleistung noch einfacher wird, dadurch, dass man
    teilhat am Theaterstück und sogar qua Programmierung sich identifizieren soll mit dem
    Mörder. Nun gut. Zusätzlich wird dieser Prozess unbewusst von Spieleprogrammierern
    gefördert, die nach neuesten psychologischen Erkenntnissen Suchtfaktoren in die Spiele
    einbauen. Erst durch überstarkes Konsumieren wird dann eine Weltverschiebung stattfinden,
    die Beispiele erlaubt, wie den Versuch, vor einer Prügelei das Spiel zu speichern etc..
    Dennoch: Der Schritt von solch einer Weltverschiebung zu einem Amoklauf bleibt schwer
    überwindlich, denn reale Gewalt ist für den Pc Spieler, der ja gerade vor sozialer Interaktion
    (sic!) geflüchtet ist, wesentlich schwerer als für jeden, sagen wir einmal Soldaten. Natürlich ist
    sie möglich, aber so etwas dauert extrem lange. Dafür muss zuerst einmal der Konsument
    sehr lange allein gelassen werden und das kann nur weiterhin geschehen, wenn Pc- Spiele als
    Sucht nicht akzeptiert werden. Eine Gehirnwäsche mit dem Endergebnis Massenmord ist
    wesentlich schwerer, als das konservative Politiker uns glauben machen wollen. Nun denn.
    Schauen wir einmal herüber nach Irland, in dem die gleichen unzufriedenen Leute, die schon
    mehrere Weltkriege angefangen und ausgeführt haben, sich auf traditionelle Weise ihrer Wut
    entledigt, ohne jemals ein Pc Spiel angefasst zu haben. Schauen wir nun zu Ihnen, die Sie
    Ihre Bibliothek weiter anfüllen.

  93. Noch ein Hinweis: Ich habe es...
    Noch ein Hinweis: Ich habe es absolut nicht mit hingeworfenen Falschbehauptungen und lösche da mit grösstem Vergnügen. Bevor also der nächste was faselt, dass man ja gar nicht erforscht habe, was bei Spielern passiere und deshalb jeder, der diese Dinge nicht schätzt, ein Schäuble ist, gehe los, informiere sich und versuche es dann nochmal. Als ich die letzte grosse Sendung zum Thema gemacht habe, schrieben wir 2002, und es gab einen unglaublichen Wust an Forschung.

  94. "...modernen Lust an Mord und...
    „…modernen Lust an Mord und Totschlag habe, habe ich ein paar Frage(n!):..“
    Sorry aber bei so einem provokanten Schreibstil stört jeder Rechtschreibfehler unheimlich beim „Lesegefühl“.

  95. Es ist sicherlich richtig,...
    Es ist sicherlich richtig, dass Ego-Shooter die Hemmschwelle herabsezten und abstumpfen, aber es ist nicht so dass häufiges spielen irgendwie Übung im töten echter Menschen bringt. Bei Ego-Shootern scheißt man mit der Tastatur. Auch nach vielen Jahren des Spielens ist man deshalb aber trozdem nicht in der Lage eine echte Waffe zu handhaben. Man kann nicht zielen(am PC macht man das mit der Maus), nachladen(am PC ist das ein Tastendruck) oder den Rückstoß kontrollieren (gibts am PC garnicht). Wie oben schon erwähnt ist hier die Mitgliedschaft in einem Schützenverein weitaus hilfreicher.
    @Wessinger hier besteht eben der Unterschied zu Pilotenschülern, die simulieren nicht an der Tatatur, sondern in einem Cokpit.
    Nach drei Jahren Counterstrike spielen können Sie genauso wenig mit einer echten Waffe umgehen, wie nach drei Jahren Flugsimulator spielen am PC mit einem echten Flugzeug.
    Das ändert selbstverständlich nichts daran, dass diese Spiele die Hemmschwelle herabsetzen und einen abstumpfen lassen.

  96. Ich halte diese ganzen Horror-...
    Ich halte diese ganzen Horror- und Ballerspiele für unappetitlich, aber dass sie jetzt als „smoking gun“ herhalten müssen, ist für mich ein weiteres Beispiel für das Maß an Verlogenheit und Selbsttäuschung, das wir als westliche Gesellschaft mittlerweile erreicht haben: die Einflüsterer der „Enthemmung“ wirken doch heute von allen Seiten auf die Heranwachsenden ein, von der Werbung, über die Nachrichten, über die Pop-Kultur und die diversen anderen sozialen Errungenschaften der Postmoderne. Worin bestünde der pathologische Unterschied der Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ und den Amokläufern von Emsdetten und Winnenden, will mir das mal bitte einer erklären? – Unsere konformistische Gesellschaft und ihre politischen wie medialen Spitzen staunen und sind sprachlos ob der leidenschaftlichen Enthemmtheit einer neuen Generation von „Tätern“, seien es WTC-Terroristen, durchgeknallte Investmentbanker oder eben Amokläufer. Dabei ist deren Botschaft immer wieder ein- und dieselbe: „Wir taten es, weil wir es konnten!“. – Sloterdijk nannte den globalen Terrorismus und den Neoliberalismus „recto und verso ein- und derselben Medaille“, und ich sehe keinen Grund, warum man das nicht analog auch auf Amokläufe von Schülern anwenden sollte, so sie denn plannvoll durchgezogen werden (Affekthandlungen sind was anderes). Freiheit, hier: „innere Freiheit“, ist ein zweischneidiges Schwert. Wir bekommen zwar immer wieder vorgekaut, wie toll die positiven Aspekte der Überwindung traditionalistischer Schranken und kollektiver Normen und Werte ist, da sind Werbung wie Politik ganz groß darin, aber über die negativen Aspekte redet kein Mensch. Voilà: ein gewisser Tim K. war gerade so frei, uns darauf sehr eindringlich hinzuweisen.
    Freud sagte: „Die Gesellschaft ist krank“, es war ihm aber aus seiner Sicht der Dinge heraus egal. Fromm sagte: „Die Gesellschaft ist krank“, es war ihm nicht egal, aber dafür hat es kaum jemand sonst interessiert. Und wir selber plätschern so fröhlich dahin in unserem selbstgefälligen „Nein, die sind krank!“, und sind froh, dass es sowas wie „Counterstrike“ gibt, damit wir uns daraus ein Feigenblatt basteln können.
    Nebenbei bemerkt: ein paar der größten Schlächter der Menschheitsgeschichte waren ausgesprochen belesene und kulturell interessierte Menschen.

  97. Wenn ich so frei sein darf,...
    Wenn ich so frei sein darf, würde ich allen die hier so schön spekulativ ihren Gedanken freien Lauf gelassen haben, nahelegen, sich den Beitrag von „Flusskiesel“ nochmals anzuschauen, da dieser meiner Meinung nach das wirkliche Problem und den potenziellen Auslöser des Amoklaufs anschaulich macht. Es handelt sich hirbei nähmlich eindeutig um ein gesellschaftliches Problem. Die kapitalistischen Strukturen unserer Gesellschaft tendieren dahin den Menschen als Arbeitskraft bzw. als Rädchen im Getriebe zu betrachten. Wenn neben diesem Blickwinkel auf den Menschen der menschliche Aspekt verloren geht, der ein Individuum als denkendes und vorallem fühlendes Wesen darstellt, kann Einsamkeit (und ich meine nicht Einsamkeit im konventionellen Sinne sondern emozionale Unverstandenheit) die Folge Sein. Aus der Einsamkeit resultiert dann eine Gleichgültigkeit für seine Mitmenschen. Man fühlt sich durchweg unverstanden und vermisst, von wem auch immer, die Anstrengung sich in den gegenüber hinein zu versetzen. Man nimmt dann die Umgebung als eine kalte Realität ohne Emozionen wahr. Da man selbst aber so viele Emotionen in sich trägt, die man allerdings in einer vermeintlich Emozionslosen Gesellschaft nicht frei äußern kann, sucht man nach einem Weg diese Emozionen so radikal anschaulich zu machen, dass man danach sagen kann: Guck was ihr aus mir gemacht habt! Dieser Amoklauf war für mich ein Hilferuf, den unsere, was menschliche Emozionen angeht, „blinde“ Gesellschaft nicht in der Lage war zu hören, bzw. preventiv zu verhindern. Dazu kann ich nur sagen: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“ Was den Versuch impliziert sich über alle Vorurteile hinwegzusetzen und sich in den gegenüber hinenzuversetzen und ihn und seine Handlungsweise verstehen zu lernen und ihn dann und das ist das wichtigste Wert zu schätzen, auch wenn man mit ihm nicht übereinstimmt. Was meiner Meinung nach der Auslöser des Amoklaufs hätte sein können war mangelnde Wertschätzung, die aus den oben genannten Gründen resultiert ist.
    Mit freundlichen Grüßen der Chillman

  98. Der Website...
    Der Website http://www.spreekillers.org/ ist zu entnehmen, dass die meisten und auch schlimmsten Amokläufer stattfanden, bevor es Computerspiele und erst recht Counterstrike gab. Vielleicht ist wenn nicht schon Rilke, so doch zumindest Nietzsche Schuld daran?

  99. Bevor hier 300 Kommentare...
    Bevor hier 300 Kommentare stehen, ziehe ich den Stecker. Irgendwann lohnt sich das nicht mehr. Und schon gar nicht bei der Qualität weiter Strecken dieser Debatte.
    .
    Shaola, Sie haben Recht. Vielen Dank.

  100. Don Alphonso, Ihr Artikel ist...
    Don Alphonso, Ihr Artikel ist einfach nur amüsant…
    Vor allem Ihr Argument, dass Sie und Ihre Generation dem schulischen Leistungsdruck standgehalten haben und es auch noch überlebt haben, ist grandios. Wenn Sie das schaffen, dann schafft es natürlich jeder. Ganz klar…
    Ich zitiere: „Heute ist Schule powerpointgespielter Pädagogenkinderkram gegen das, was wir hatten.“
    Zum Kreischen.
    Man sieht: Sie kennen sich aus!

  101. Warum tötet ein ...
    Warum tötet ein Suizidgefährdeter, vorher wahllos Menschen, anstatt in den Wald zu gehen und sich dann zuerschiessen.
    Die Idee beliebig Menschenleben auszulöschen, kommt doch irgendwo her.
    Vielleicht kam sie früher aus der Literatur, aber heute wohl eher aus den Medien wie Fernsehen,Videospiele und Internet. Schließlich verwenden junge Erwachsene mehr Zeit mit schnell lebigen Medien als mit Literatur (geht mir ja auch so!).

  102. Don, Sie haben die Hand...
    Don, Sie haben die Hand hoffentlich schon an der Steckdose…

  103. Thomas Strobl, was Literatur...
    Thomas Strobl, was Literatur und Mörder angeht: Da wäre ich vorsichtig, denn um in die Position zu gelangen, muss man auch Intelligenz mitbringen, und das ging lange Zeit nur mit Büchern, Ich glaube, in dreissig Jahren werden wir Schlächter mit riesigen Downloadservern und Youtubeprofilen haben.

  104. " "Lesen ist der größte...
    “ „Lesen ist der größte Feind der Dummheit.“ (Ich)“
    Na da gehen Sie mal in die Bahnhofs Bücherhandlung und blättern durch das 1€ Regal. (Im übrigen gibt es dort auch vertextete Pc Spiele, für die denen das Spielen zu gefährlich ist)

  105. Zunächst dem Don eine...
    Zunächst dem Don eine Gratulation: ich lese diesen Blog in der letzten Zeit und zunehmend gerne und bildete mir zuletzt ein, dass die Kommentare zu den Artikeln regelmäßig aus einem gewissermaßen überschaubaren Kreis üblicher Verdächtiger stammen. Sollte es die Absicht gewesen sein, diesem Blog neue Schreiber zuzuführen, wäre dies nach Sichtung der bisherigen heutigen Einträge jedenfalls ein voller Erfolg (oder die „üblichen Verdächtigen“ geben sich nicht zu erkennen).
    Ich selbst bin Computerspieler. Ich spiele gern, häufig und – nach Auffassung meiner Frau, die ich hier einmal unkommentiert in den Raum stelle – zu oft. Meine liebste „Bibliothek“ besteht nicht aus Rilke, Heine und Goethe, sondern aus Counterstrike [sic!], Crysis usw. Dass ich nicht Amok gelaufen bin und auch noch nicht beabsichtige solches zu tun, will ich hier nicht weiter ausführen, solches haben schon Vorredner getan (wenn sie auch mich hierbei nicht im Sinn hatten).
    Rückschlüsse von Einzelfällen auf Statistiken und vice versa halte ich in politisch-sozialen Diskussionen für regelmäßig verfehlt (plakativ hierzu mein liebstes Argument für das generelle Verbot des Verzehrs von Backwaren: „90 Prozent aller Verbrechen geschehen 24 Stunden nach dem Verzehr von Brot“). Auch unsere Spitzenpolitiker (bzw. das was sich dafür hält) verfährt nur nach der Devise: zitiere keine Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
    Dessen ungeachtet will hier für meinen Teil nicht bestreiten, dass die Gewaltspiele und -filme auf gewisse Personen kalatytisch wirken können, und dass Welt und Gesellschaft wohl vermutlich bessere wären, wenn man Gewaltfilme und -spiele abschaffen könnte. Die Welt wäre übrigens auch besser ohne Zigaretten, Alkohol, Erderwärmung und – hier muss ich dem Don zustimmen – wohl auch Opel.
    Allein, wie soll das gehen (mit den Gewaltspielen, meine ich, das mit Opel regelt sich gerade von selbst) ?
    Anhebung der Altersgrenzen des Verkaufs? Sonstige Beschränkungen des Zugangs ? Generelles Verbot ? Wirkt im Zweifel ohnehin nicht, schon gar nicht bei denjenigen fehlgeleiteten Gestalten, die wir hier alle als schützenswert im Sinn haben. Folge wäre lediglich eine Beschränkung der Freiheit sowie im Falle des Verstoßes schlimmstenfalls eine Kriminalisierung aller anderen. Nutzen für die Gesellschaft: null.
    Natürlich mag und wird man – gerade in Zeiten heranziehenden Wahlkampfs -über eine Neujustierung von Regeln und Grenzen reden und vielleicht das Zulassungssystem der Altersfreigabe etc. modifizieren, aber im Kern wird die Situation doch dieselbe bleiben: Wer krank im Kopf ist oder dies werden möchte, wird auch in Zukunft Zugang zu allerlei Unfug haben oder sich verschaffen können.
    Jede Freiheit, die eine Gesellschaft ihren Mitgliedern gewährt, kann potentiell missbraucht werden. Dies wird man nur durch die Abschaffung der Freiheit selbst verhindern können, was aber wohl keiner von uns wirklich will (und vom Don auch keineswegs gefordert wurde, der nur seiner Abscheu Ausdruck gab).
    Insofern ist das schreckliche Vorkommnis der Preis, den eine liberale Spaßgesellschaft zum Erhalt ihrer selbst auf Kosten der Opfer zahlen muss. Ich weiß, es klingt zynisch, aber: ich denke wir hatten schon schlechtere Gesellschaftsformen…

  106. Schönes Stück...
    Schönes Stück Kulturpessimismus .)
    Aber im Ernst. Ich glaube viel von dem was du beschreibst hat damit zu tun, dass wir über die Jahrhunderte gelernt haben, mit dem Medium Buch umzugehen und es in seinen vielen Ausprägungen einzuordnen. Das zum einen.
    Zum anderen möchte ich behaupten, dass es genug Leute gibt, dich sich an kulturellem Hochgenuß genauso erfreuen, wie auch an (zugegeben) kulturell bisher eher belanglosen, gewalthaltigen Videospielen (es gibt da Ausnahmen, die Aussage kann man generell schon so treffen). Beides muss nicht im Widerspruch zueinander stehen.
    Es ist nunmal leider Fakt, dass es die Schnittmenge zwischen Amokläufern und Ballerspielen gibt. Aber ich glaube, dies ist der Zeit geschuldet. Videospiele sind heute eines der hauptsächlich „konsumierten“ Medien von Jugendlichen. Allerdings lernen weder sie, noch wissen ihre Eltern/ Lehrer/ ihr Umfeld, wie man sie einordnen muss (um auf den ersten Punkt zurückzukommen). Das ist ab einem gewissen Alter alles kein Problem, wenn die Leute dann allerdings gestörte Persönlchkeiten haben (was auch so ein Merkmal der letzten Amokläufe war), kann auch ich mir als Spieler vorstellen, dass Ballerspiele da mehr Schaden anrichten. Aber das tun Alkohol, die falschen Bücher oder falsche Vorbilder auch.
    Bei dir schwingt ganz stark die Frage mit, warum solche Spiele überhaupt sein müssen, obwohl es doch so viel schöneres gibt. Kurz würde ich sagen, weil sie mir Spaß machen. Ich könnte auch länger antworten, aber das würde deine Meinung auch nicht ändern, denn dein ästhetischer Anspruch ist dann doch ein anderer.

  107. @Vroni
    Sehen Sie nicht etwas...

    @Vroni
    Sehen Sie nicht etwas zu schwarz, gnädige Frau? „Wir sind alle verwahrlost. Geistig, seelisch“, schreiben Sie. Freilich schweben wir alle in der Gefahr, geistig und seelisch in den Auspuff des Zeitgeists zu geraten, aber man kann ihr und ihm so manchen Haken schlagen. Was nicht immer mühelos ist, aber funktioniert. Man muss sich selbst (und den Kindern, so man welche hat, was ich nur empfehlen kann) halt eine Gürtellinie verordnen, unterhalb der man sich und die Seinen und die Ihren niemals orten will. Das funktioniert: nicht mit negativen Kasteiungen, sondern mit positiver, neugieriger Erkundung eines Lebens, in das man hineinspringen sollte wie eine Ratte ins kalte Buffet.

  108. Lee.Monade, momentan eher am...
    Lee.Monade, momentan eher am Löschknopf. Das nächste Mal bringe ich sowas später am Abend in der Hoffnung, dass manche auch das lesen, was sie kommentieren. Es gibt Tage, da wundert einen gar nichts mehr.
    .
    Abgesehen davon ist das nur ein Randthema, morgen werden wir uns wieder erfreulichen Themen widmen.

  109. Hier verteidigt keiner...
    Hier verteidigt keiner Horrorvideos oder Computerspiele aus der „Ballerecke“. Über die ethisch und moralisch fragwürdigen Inhalte einiger Machwerke ist ja schon viel berichtet worden, teilweise in absichtlich sinnentstellender und verfälschender Art und Weise. Und auch in den nächsten Wochen werden wir wohl wieder genug „Reportagen“ sehen, in den Laiendarsteller, Reportern vorgegebene Sätze ins Mikrofon sprechen, um die Vorurteile des Publikums zu befriedigen und die Unkenntnis der Materie auszunutzen. Was in diesem Zusammenhang in den letzen Jahren da auch in öffentlich rechtlichen Sendern abgeliefert wurde hat sicherlich nicht dazu beigetragen das Niveau des Journalismus oder der Diskussion zu heben.
    Es geht in diesem Fall darum, das sich auf einen möglichen Katalysator konzentriert wird und alles andere ausser Acht gelassen wird, mit teilweise öffensichtlicher Motiv und Interessenlage der jeweiligen Akteure.
    Wir brauchen nichts zu tun, wir haben ja unseren Alleinschuldigen ist die Devise. Komplexe Zusammenhänge sind schwer zu durchschauen, noch schwerer zu „beweisen“ und dem „gemeinen Volk“ überhaupt nicht zu vermitteln. So werden dann halt simple Ursache-Wirkung Schemata konstruiert, die mit der Realität nichts mehr viel zu tun haben aber schön einfach vermittelbar sind.
    Ich kann ihre Eindrücke aus dem öffentlichen Nahverkehr übrigens durchaus bestätigen., aber wie gesagt, in dieser Debatte machen es sich viele zu einfach.

  110. Nun kommt es mir doch, zum...
    Nun kommt es mir doch, zum ersten Mal hier einen Beitrag zurück zu lassen.
    Auch ich bin, seitdem ich nicht mehr 17 bin, kein Experte der aktuellen Spiele. Dennoch fühle ich mich als Zeitgenosse verpflichtet hier zumindest kurz die formale Gegenrede zu führen.
    Pubertäre und postpubertäre Gewalt ist Teil jeder (männlichen) Biographie möchte ich behaupten. Und ja, ich halte die Scham, jemandem mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben für erträglicher als der nie wieder gut zu machende Schaden der Autoaggression (welche Form diese auch annehmen mag).
    Mir ist es zu peinlich, die Lieblingsautoren der geistigen wie militärischen Zivilisationsschlächter aufzuzählen, um Ihrem Kontrast zwischen Leser und Spieler zu widersprechen.
    Ich möchte aber behaupten, dass jede Epoche ihre eigene Form findet, einen Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu setzen. Mag das im intellektuellen Raum die Romantik während der Industriellen Revolution sein oder der Militärpatriotismus der neutralen Schweiz im eher außerintellektuellen Raum.
    Ich widerspreche nicht, dass Counterstrike und Age of Empire funktional im von Ihnen beschriebenen Sinne sind. Desavouieren wir dieses „aggression outlet“ jedoch, müssen wir uns, und wenn es der olympische Fünfkampf ist, um eine legitime Form der Aggressionsäußerung kümmern.

  111. Dem Plädoyer für die Bücher...
    Dem Plädoyer für die Bücher schließe ich mich natürlich grundsätzlich an. Immer.
    .
    Jedoch: es gibt auch genügend Bücher, in denen exzessive Gewalt dargestellt wird. Man denke nur an die griechische Tragödie: Mord, Verstümmelung, Inzest, Vergewaltigung, Menschenopfer und Ströme von Blut, menschliches Leiden bis zum Äußersten. Bis jetzt scheint nur niemand nach der Lektüre der Orestie seine Mutter erdolcht zu haben, auch sind Griechisch LKler & Gräzisten bis dato nicht überproportional als Amokläufer aufgefallen.
    .
    Ich frage mich deshalb, ob es nicht der unterschiedliche Darstellungsmodus ist: möglicherweise löst das bildhafte Erleben und die unmittelbare Teilnahme an den virtuellen Gewalteszessen bei Computerspielen etwas anderes aus als bei der Lektüre. Findet etwas unterschiedliches im Gehirn von Lesern und Computerspielern statt? (Gibt es vielleicht einen Hirnforscher in dieser digitalen Plauderrunde, der dazu Erhellendes sagen kann?)

  112. Die Diskussion um die so...
    Die Diskussion um die so genannten „Killerspiele“ muss – besonders aus Sicht der Spieler – als nahezu unerträglich dumm und kurzsichtig wahrgenommen werden. Schlimm ist dabei vor allem das mangelnde Bewusstsein vom Diskussionsgegenstand und speziell den Dingen, die in eine solche Diskussion schon allein kunsttheoretisch münden.
    Dabei ist der Diskurs so alt wie die Geschichtsschreibung der Menschheit: Er findet sich überall, sogar schon im antiken Athen:
    Wenn Gelehrte wie Aristoteles die Dichter von Vorwürfen der Gesellschaft freisprechen mussten, die sie als Lügner brandmarkte – in diesem Punkt unterscheidet sich bei allen Gemeinsamkeiten Platon von Aristoteles, da ersterer die lügnerischen Dichter aus seinem idealen Staat verbannen wollte.
    Wenn die höfische Literatur den Machbereich der Kirche einzuschränken drohte und infolgedessen die Dichter kritische Textstrategien „gut verstecken“ mussten.
    Wenn im 17. Jahrhundert konservative Kräfte eine „Lesesucht“ propagierten, die der zunehmenden Alphabetiesierungsrate und dem damit verbundenen Strom an neuen Lesern, der nun mehr als „das eine“ Buch las und dem Buchhandel Auftrieb verlieh, versuchte den Untergang der Kultur in die Schuhe zu schieben.
    Wenn zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Film als vermeintlich „volksverrohendes, dummes“ Medium auf Widerstand in jener Schicht stieß, die sich nach wie vor euphemistisch als Bildungsbürgertum bezeichnete.
    Wenn etwa zeitgleich der Comic für den „Untergang der sittlichen Traditionen“ verantwortlich gemacht wurde.
    Und eben jetzt, wenn das neue Medium des Videospiels – zugegeben mit ein wenig mehr Angriffsfläche als die Vorangegangenen – ein breites Publikum erreicht.
    Es ist überdies wirklich interessant, wie hier der schöngeistige Rilke als Verkörperung der „Harmlosigkeit“ der Literatur herhalten muss, die dereinst etwa zeitgleiche Strömung des Naturalismus mit seiner Gewalt und damals wohl schockierenden Zerstörungswut ausgespart wird.
    Außerdem ist es interessant, dass – wenn man schon so weltfremd wie hier die „alte Kunst“ als das einzig wahre stilisieren muss – der freilich immer noch lebendige Diskurs über die Menschen(un)würdigkeit eines Friedrich Nietzsche nicht erwähnt wird. Es gab Leute, und gibt sie wohl immer noch, die diesen auch gerne verboten hätten, aufgrund seines negativen Einflusses.
    (Nicht zu vergessen der bereits in einem Kommentar erwähnte Werther, der Menschen reihenweise in den Selbstmord trieb.)
    Vermutlich würde der geneigte Autor des obigen Artikels nun skeptisch aufhorchen, wenn ich Spiele als neues Kunstmedium charakterisiere, doch nichts anderes sind sie. Zur näheren Beschäftigung gebe ich ein paar Hausaufgaben an Nichtspieler: Beschäftigt euch mit folgenden Spielen:
    Bioshock
    Fallout 3
    Grand Theft Auto 4
    Half-Life 1 & 2
    Mafia
    Dead Space
    Silent Hill
    (und ich habe mit Absicht nur „Killerspiele“ genannt: FSK 18; dies ist eine spontane Liste, für Verbesserungsvorschläge bin ich offen.)

  113. Lieber Don,

    die Qualen unter...
    Lieber Don,
    die Qualen unter denen du nun leidest,wegen unserer Kommentare, kannst du mit einem guten Buch schmerzfrei beseitigen ;-)
    Mein schlechtes Gewissen plagt mich nun…….danke

  114. Dann werde ich mich outen,...
    Dann werde ich mich outen, allein für Sie Herr Alphonso:
    Ich spiele gerne Computerspiele, bin selbst im mittleren Erwachsenenalter und tue jenes seit frühester Jugend. Unter den zahlreichen Spielen waren etliche „Killerspiele“ sogar welche, die in Deutschland auf dem Index landeten.
    Als „Hitman“ überlegte ich mir die „sauberste“ und „unauffälligste“ Methode mein virtuelles Opfer zur Strecke zu bringen (bevorzugt ließ ich es wie einen Unfall aussehen).
    In „Condemned“ schwenkte ich Brechstange, Eisenrohr und Papiermesser um mich der aufdringlichen Meute anstürmender Psychophaten in menschgeschaffenen Kloaken zu erwehren und im „Dead Space“ zielte ich mit futuristischem Arsenal besonders sorgsam auf die Gliedmaßen mutierter Gräßlichkeiten, die einst Menschen waren, da mir sonst ein Töten nicht gelänge. Die aus den wunden Stümpfen emporschießenden Fontänen zeichneten ein spitzbübisches Lächeln auf meine Lippen; bis ich mich wieder meinen anderen, mir sehr lieben und wichtigen Tätigkeiten und Neigungen widmete. Nein nein, es sind keine Horrorfilme, auch wenn ich einigen ausgewählten nicht abgeneigt bin. Auch keine Waffen…
    Vielmehr meine ich Heine, Schiller und Hölderlin. Mozart, Beethoven und Pärt. Meine ich Dostojewsky, Turgenjew und Puschkin; Tool, Godspeed You Black Emperor und Omega Massif. Meine ich Bresson, Tarr und Tarkowsky. Meine ich Lautréamont, Nerval und Rimbaud. Meine ich Blechen, Friedrich und Elsheimer. Dürer, Cranach und Dix. Meine ich Adorno, Kleist und Wilmot. Meine ich Schopenhauer, Benn und die geliebte Bhagavad Gita. Und glauben sie mir, diese Liste ließe sich weiterführen. Im Übrigen ist meine Profession die Malerei.
    Ich bemühe mich um Aufrichtigkeit, Fürsorge, Rücksicht und Zurückhaltung. Um Kultiviertheit, Einfachheit, Ernsthaftigkeit und Mitgefühl. Ich kann nicht behaupten, dass ich diesen Ansprüchen immer gerecht werde. Hege allerdings den tiefempfundenen Wunsch diesem Ideal soweit als nur möglich nahe zu kommen.
    Auf den Punkt gebracht: Dieser anonyme „Seelenstriptease“ dient nicht meiner Selbsdarstellung, vielmehr möchte ich Sie Herr Alphonso und Gleichgesinnte anregen ihre Position zu überdenken, zu reflektieren und vor allem zu differenzieren. Denn alle „Killer-Spieler“ als unreife Vorboten der Barbarei, ausgestattet mit schlechtem Geschmack und fehlendem Wertgefühl zu pauschalisieren, denen nur mit einem schnellen, radikalem „Killerspiel-Verbot“ Einhalt geboten werden könne ist ähnlich fehl am Platz wie die Behauptung der häufige Konsum gewaltherrlicher Medien hätte grundsätzlich keinerlei Auswirkung, auch nicht auf die Gefühlswelt eines empfänglichen Wesens.
    Die Psyche eines Menschen ist doch ein seltsames Ding, manchmal ist sie härter als Granit, manches Mal fragiler als ein Fädchen Safran.
    Wie auch von einigen anderen angedeutet sehe ich ebenfalls die Ursachen in der heutigen Gesellschaftsstruktur samt ihres „wissenschaftlich belegten“ Wertekanons.
    Die menschliche Gesellschaft wankt nicht erst seit gestern, sie tut dies bereits die letzten tausenden Jahre. Ein wie auch immer geartetes Verbot wird sie kaum stabilisieren.
    Ehrliche Werte, Wahrhaftigkeit und vor allem Sinn im Sein. Das könnte ihren Stand festigen. Und würde zudem gründlich und effektiv jenes „Problem“ mit den Gewaltspielen lösen.
    Vielleicht sollten wir lieber darüber diskutieren, nicht streiten, sprechen.
    PS: Zum Thema besonderer Verrohung des Heute. Denken Sie bitte an das Amphitheater Roms, welches wir heute mit ach so viel Begeisterung für Geschichte und die Größe der Antike besichtigen. Gegen die damalige Unterhaltungskultur ist so manches von heute recht harmlos. Was keine Rechtfertigung ist, aber diesem latenten „nie war es so schlimm wie heute“ etwas entgegenwirken dürfte.

  115. Georgiana Darcy, ich empfehle...
    Georgiana Darcy, ich empfehle Ihnen Platons Politeia, insbes. die Bücher II-III und X; ob der dort geäußerten Medienkritik zuzustimmen ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Die Lektüre zeigt allerdings: Die Diskussion ist nicht ganz neu…

  116. Danke für diesen Blog, Don...
    Danke für diesen Blog, Don Alphonso!
    Allein der Ablauf der Diskussion nach dieser unfaßbaren Tat sagt viel über die Ursache aus. Groß ist das Entsetzen und schon werden die „üblichen Verdächtigen“ verhaftet: Gewaltvideos und Killerspiele. „Experten“ wissen schon wenige Stunden nach der Tat, wieviel Millionen Euro nötig sind, um das Problem zu lösen und welche Gesetze dringend verschärft werden müssen. Ursache und Wirkung, Krankheit und Symptom – alles eins. Jetzt kommt es auf die ultimative medienwirksame Erklärung an. „Die“ Ursache muss gefunden werden. So wie man Erkältungskrankheiten nicht dadurch ausrotten kann, dass man den Leuten das Husten verbietet, so wird auch ein Verbot von Gewaltvideos und Killerspielen nicht viel bringen. Beides sind nur Symtome einer Gesellschaft, in der es heißt: „Anything goes!“ und wenn man damit auch noch viel Geld verdienen kann sowieso. Die menschliche Würde, das Recht auf Leben, alles nur Worthülsen für Sonntags- und Trauerreden. Warum stehen die höheren Töchter nicht mitten im Streichquartett auf, um den Musiklehrer zu erstechen? Warum klappt der Rilke-Leser nicht das Buch zu, um seinen Nachbarn mal eben mit Blei vollzupumppen? Weil man als Streichquartett-Mitglied und Rilke-Leser ein besserer Mensch ist? Wohl kaum. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wer heute bereit ist, sich unter Einsatz von „Sekundärtugenden“ mit Kunst, Musik und Literatur auseinanderzusetzen, der hat wohl ein anderes, differenzierteres Welt- und Menschenbild als ein auf bequemen schnellen Konsum ausgerichteter Mensch, der im Dumm-TV gelernt hat, dass vor allem Materielles zählt – nur bares ist wahres. Eine säkularisierte Welt, die Gott nur noch als Staffage für ergreifende „Trauergottesdienste“ braucht, in der der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, in der man mehrheitlich Beifall bekommt, wenn man dafür Eintritt, „unheilbar“ Kranke zu töten, weil sie ja doch keinen Spaß am Leben mehr haben können, eine solche Welt kann einem Tim K. keinen Halt geben. Doch das ist nicht das ganze Problem. Diese Fälle hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das Erschrecken gilt wohl auch nur vordergründig dieser Tat. Ich glaube, dass in diesen Momenten vor den Augen vieler Menschen wie in einem Blitzlicht die böse Fratze einer Gesellschaft aufleuchtet, die ohne Maß und Ziel ist. Die glaubt, ihre Kinder ohne Werte und Vorbilder erziehen zu können. Die sich auf nichts mehr einigen kann und in der deshalb nur noch das zählt, was gezählt werden kann – Geld.

  117. Werter Don Alphonso,
    Nun,...

    Werter Don Alphonso,
    Nun, geradeheraus, ich bin anderer Meinung und beziehe mich dabei direkt auf ihren Beitrag. Sie übersehen neben zahlreichen anderen, sich aufdrängenden Hinweisen (z.B. Tim K.s Behandlung mit Psychopharmaka, sportliche Aktivität mit Luftschusswaffen), dass die von ihnen bemängelte Tatsache wahrscheinlich einfach der Statistik entspringt. Seit den 90ern gehören Videospiele einfach zur Jugendkultur und wie in der Literatur und im wirklichen Leben auch, ist Gewalt in ihnen Thema (das Thema Sexualität scheinen diese noch nicht entdeckt zu haben). In dieser Altersstufe ist es somit schlicht und ergreifend wahrscheinlicher und damit auch ‚normaler‘, einen „Killerspieler“ zu finden, als einen „Heineliebhaber“. Mag die These von der virtuellen Einübung von Handlungsabläufen und Szenarien auch bestechend sein, so verweise ich als Gegenbeispiel auf einen historischen Amoklauf ohne direktem implizit unterstelltem Zusammenhang zwischen medialer und wirklicher Gewalt: Ernst August Wagner (1913) war immerhin selbst Lehrer und späterer Literat. Dieser hatte seinen Goethe sicherlich gelesen.
    Um nicht missverstanden zu werden: auch ich bin Literaturliebhaber samt noch junger Bibliothek und so nobel ihre zwischen den Zeilen gebrochene Lanze für die Lektüre von Rilke und Gide auch sei, so enervierend finde ich den angeschlagenen Ton ihrer Kritik. Der mentale Rückzug auf ein bildungselitäres Besserwissertum kann auch als distanzierende Bewältigungsstrategie gewertet werden.
    Mit freundlichen Grüßen
    D.W

  118. Die richtige Frage wäre: Wer...
    Die richtige Frage wäre: Wer begeistert sich warum für diese idiotischen Games, anstatt für Bücher oder Musikinstrumente? Ergänzungsfrage: Warum sind ausgerechnet Schulen die gewählte Lieblingsscenerie? Restfrage: Wäre es besser, wenn Amokläufe wie als Demo angemeldet würden, um dann blanken Haß gewalttätig an braven Polizisten abzureagieren? Sind die Zielobjekte der Amokläufer so unschuldig an ihrem Haß wie die Polizisten, oder wären sie es nur gerne?

  119. An einen Kausalzusammenhang...
    An einen Kausalzusammenhang glaube ich nicht. Wenn ich richtig gelesen habe, wird das ja auch nicht von Don behauptet.
    Ich muss Don zustimmen, eine Korrelation besteht durchaus!
    Und das man selbst diese Spiele spielen muss, um sich eine Meinung bilden zu können, ist auch nicht richtig.
    Schließlich weiss ich ganz genau, dass Komasaufen nicht gesund ist. Das kann ich behaupten, ohne es selbst getan zu haben!
    Oder etwa nicht?

  120. Ich glaub eher was fehlt sind...
    Ich glaub eher was fehlt sind Vorbilder bzw. Anleitung und Aufsicht durch Erwachsene. Gewalt ist ansich ja nichts schlechtes sondern teil unseres Wesens und unserer Geschichte, aber sie richtig geleitet werden. Daher sehe ich die von dir gezeigt Heckscheibe der Kickbox-Mama positiv und nicht negativ.

  121. Nun, m.E. hat sich eine ganze...
    Nun, m.E. hat sich eine ganze Generation von Bildungsbürgertum mit wenigen, statistisch nicht relevanten Ausnahmen in einen kollektiven Amoklauf führen lassen, den wir heute als Drittes Reich bezeichnen. Geholfen hat dabei die Kenntnis der Klassiker nicht, allenfalls hat Marc Aurel Helmuth Schmidt das Überwintern erleichtert.
    Werthereffekt und heutige Amokläufe haben eins gemeinsam, einen verhaltensgestörten Täter. Dieser entnahm damals das Vorbild dem Werther und heute dem Ballerspiel / der Berichterstattung über andere Amokläufer die diese Ideenquelle nutzten.
    Eine Prägung der modernen Amokläufe durch die Ballerspiele ist nach meinem Dafürhalten offensichtlich. Allein die daraus gezogene Handlungsanforderung: „Verbieten“ ist nicht zweckdienlich. Damit wird der Abgrenzungseffekt der Spiele verstärkt und die Spieler können sich noch weitergehend als verschworene Gemeinschaft sehen.

  122. Falsch, Günni Kologne.
    Das...

    Falsch, Günni Kologne.
    Das war eben das Anliegen meines Kommentars oben: Sie haben keinen Begriff von Videospielen und mit dem Komasauf-Vergleich geben sie eindrücklich eine Beleg hierfür!

  123. Ihr Artikel, Don Alphonso, ist...
    Ihr Artikel, Don Alphonso, ist schon verdammt gut geschrieben. Und ich glaube auch, dass Sie in der Sache recht haben, zumindest was die negative Beeinflussung Jugendlicher durch Killerspiele angeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen jungen, noch unausgereiften Menschen psychisch unbeeinflusst lässt, wenn er sich in seiner Freizeit Stunde um Stunde gedanklich mit brutalster Gewalt beschäftigt. Andererseits ist es tatsächlich so, wie hier schon mehrfach dargelegt wurde, dass auch Schöngeister wie etwa Reinhard Heydrich, der virtuos Geige spielte, zu Gewaltverbrechern werden konnten. Was mich erschreckt, sind die vielen Befürworter der Gewaltspiele. Auch die vielen gewaltverherrlichenden Spielfilme im Fernsehen sind ausserordentlich ekelhaft. Optimal wäre es, wenn man in Kultur und Freiteitbusiness ohne Verbote zu einer Reduzierung der Gewalt kommen könnte. Aber wie?

  124. Den Amoklauf in diesere Form...
    Den Amoklauf in diesere Form gab es schon vor Internet und Ballerspielen:
    http://ballmann.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf/

  125. Auch wenn es hier um die...
    Auch wenn es hier um die gegenwärtige Wirkung von Games geht, hier eine kritische Anmerkung zur Wirkung von Romanen aus dem 17. Jahrhundert:
    „Die Romans setzen das Gemüth mit ihren gemachten Revolutionen, freyen Vorstellungen, feurigen Ausdruckungen und anderen bunden Händeln in Sehnen, Unruh, Lüsternheit und Brunst, nehmen den Kopf ganz in Arrest, setzen den Menschen in ein Schwitzbad der Passionen, verderben folgens auch die Gesundheit, machen Melancholicos und Duckmauser, der Appetit vergeth, der Schlaff wird verhinderet und walzt man sich im Beth herum, als wie die Tür in der Angel…“
    (Aus: Gotthard Heidegger: Mythoscopia Romantica)
    Damit begann der Amoklauf der Moderne…

  126. Ah, jetzt wird es etwas...
    Ah, jetzt wird es etwas klarer, ab 14,34 war hier eine grössere Quakecommunity draufgeschaltet.
    .
    Die „Habe gehört, es gibt ein Video, vom letzten Schusswechsel. Kann man das irgendwo sehen?“-Fraktion. Da wundert einen dann auch die fragwürdige Rechtschreibung einiger feiger Kommentare nicht mehr. Wenn Ihr schon aus so einem Loch gekrochen kommt, Freunde, dann schreibt wenigstens dazu, was und woher ihr seid.

  127. <p>Wahnsinn, in welcher Dichte...
    Wahnsinn, in welcher Dichte sich hier die Kommentare angehäuft haben. (Sogar der unfreiwillig komische Bandwurmfasler Oliver von FIXMBR ist dabei. Don Alphonso, heute lassen Sie aber auch jeden hier aufschlagen.)
    Ich habe mich über den Eintrag von Don Alphonso zu dieser Sache gefreut. Und die reflexartigen Reaktionen waren ja eigentlich zu erwarten. wie billig das doch ist. Und wieder wird dem Kritiker von exzessiver Gewaltverherrlichung die alte Rhetorik entgegengesetzt: Die meisten, die so etwas spielen, gehen doch nciht gleich raus und knallen deshalb Leute um. Ja nee, super, tolles Argument! Der Scheiß regt aber die Fantasie mächtig an und bringt Leute auf Ideen, die sie andernfalls nie gehabt hätten. Und wenn es die Schwelle zur Tatbereitschaft statistisch auch nur geringfügig senkt, dann wäre das schlimm genug!
    Wie mich das ankotzt, dieses reflexhafte, möchtegernaufgeklärte Auftreten, das nichts mehr fürchtet als die Möglichkeit, vom angepassten Mainstream für autoritär und rückständig gehalten zu werden.

  128. Ich habe mir gerade ueberlegt,...
    Ich habe mir gerade ueberlegt, warum ich Buecher fuer erhaltenswert halte. Sie regen die Phantasie an, unterhalten mich und machen Spass. Das sind keine Alleinstellungsmerkmale. Mir faellt aber noch mehr ein: nach der Lektuere eines Buches habe ich meistens etwas gelernt: ueber eine andere Zeit, andere Laender, andere Gesellschaften. Mein Verstaendnis fuer die Welt ausserhalb meiner direkten Wahrnehmung ist erweitert, ich kann andere Medienbeitraege besser einordnen und mich mit anderen Menschen ueber neue Themen unterhalten. Ich erhalte Einblicke in die (fiktive) Gedankenwelt anderer Menschen, was meiner Empathie zutraeglich ist. Ausserdem ist lesen gut fuer Wortschatz und Ausdrucksvermoegen und hilft mir im sonstigen Leben weiter. Ich habe also gute Gruende, warum Buecher nicht verboten werden sollten.
    Jetzt zu Ballerspielen: Welche Vorteile ausser Unterhaltung bieten sie? Und wenn keiner dieser Frage konstruktiv beantworten kann, dann steht dem Verbot zumindest argumentativ nichts mehr im Wege, finde ich. Dann werde ich mich ganz entspannt zuruecklehnen und mich im Glanz meiner Rechthaberei sonnen.

  129. Was die Diskussion um Romane...
    Was die Diskussion um Romane des 17. und 18. Jahrhunderts angeht, ein Hinweis: Das war eine verschweindend kleine Minderheit der Reaktionen, zusammengetragen von späteren Germanisten. Man hat sie allgemein schnell aufgegriffen und für die jeweiligen Belange verwendet. Der Vergleich hinkte schon bei Blogs, bei Videospielen ist es nochmal eine ganz andere Dimension, die ausgeblendet wird. Umgekehrt, wenn man das erste Kapitel von Candide liest, war Gewalt damals eben nicht künstlich, sondern sehr real und präsent.

  130. Noch eine Vorfreisprechung,...
    Noch eine Vorfreisprechung, die geflissentlich unterschlagen wird: Wieviel Mitschuld am Phänomen Amokkauf in der Schule tragen alle die, die wie die Irren umgehend auf allen verfügbaren Kanälen losquieken, wie unendlich beeindruckt sie von der Tat des vorher in der Regel alles andere als prominenten IchBinBöseHelden sind?
    Nebenbei: wer hält den Weltrekord?

  131. M.M.

    Wir leben in der...
    M.M.
    Wir leben in der Zwischenzeit eines Epochenbruches.Die Welt von gestern.Dann muss der Mensch wieder sterben.Die Deutschen müssen wieder lernen zu töten.(NATO)Dafür geht das alles noch.Es wird eine stürmische Zwischenzeit geben,da müssen wir alle durch ;ob wir wollen oder nicht.Nur die Zuckertüte-da wird keiner von gesund.Für Abenteuer,Action und Krieg wird es immer Liebhaber geben:wie war das noch mit dem Herrenmenschen,denn sich Deutschland in seiner Not gebiert.Für grosse Worte sind die Zeiten noch nicht klein genug..
    .
    .

  132. Was sich hier trifft sind zwei...
    Was sich hier trifft sind zwei Gegensätze die sich nicht vereinen lassen.
    Die absoluten Anhänger der „Killerspiele“ und die Gegner, die diese für das Ende der abendländischen Kultur halten. Weder die Gefährlichkeit noch die Ungefährlichkeit dieser Spiele lassen sich beweisen. Was bleibt ist eine Kritik der Ästhetik und des Geschmacks…
    Aber schlechter Geschmack und Ästhetik liegen im Auge des Betrachters und lassen sich nicht verbieten und dürfen es auch nicht.
    Ist Jüngers „Stahlgewitter“ schlechter Geschmack und gefährlich? Darüber lässt sich streiten, ein Verbot kann man damit aber nicht rechtfertigen…

  133. Wahre Worte vom Tucholsky für...
    Wahre Worte vom Tucholsky für Arme! Ich will noch nicht mal bestreiten, dass bestimmte Spiele bei bestimmten Menschen in bestimmten Situationen affektverstärkende Wirkung haben.
    Aber mich regt ja hauptsächlich auf, das der Disskussionsgegenstand nicht erkannt wird. Das hier ist eine kunsttheoretische Debatte, und das wollen viele – vor allem, diejenigen, die sich auf ihre Bildung etwas einbilden (schönes wortspiel..) – nicht wahrhaben.

  134. "Was Platon in der Antike...
    „Was Platon in der Antike über das Griechische Theater geschrieben hat, deckt sich ja zum Teil mit den Argumenten der Gefahrendebatte um die Computerspiele: Dass das Theater die Emotionen in unguter Weise aufwühlt. Dass es den vernunftbegabten Teil des Menschen schwächt. Ich denke, dass diese Gefahrendiskussion eine Routine der Mediengeschichte ist. Wenn sie nachlässt, ist das ein Zeichen von kultureller Integration“
    aus der telepolis
    via

  135. Außerdem: Wer will denn auf...
    Außerdem: Wer will denn auf einer Seite mit dem bayerischen Innenminister sein. Wir sind doch hier im Feuilleton, oder? Da fang ich ja an zu lachen…

  136. @Lee.Monade: ich hätte...
    @Lee.Monade: ich hätte eigentlich mehr Interesse, etwas über neuronale Verschaltungen zu erfahren. Meines Wissens nach äußert sich Platon dazu in der Politeia nicht;-)

  137. Flay, Sie werden um den...
    Flay, Sie werden um den bayerischen Innenminister noch froh sein. Der sperrt nur die Läden zu, möglicherweise zurecht, und macht etwas für die Änderung der Einstellung, was gar nicht doof ist. Das Problem ist die Familienministerin, die verstanden hat, dass es Internet gibt – und dass man chinesische Verhältnisse machen kann.

  138. Bei den Kommentaren von...
    Bei den Kommentaren von „bergstutzer“ fällt mir auch noch Folgendes ein:
    Nur, wer noch nie eine echte Waffe in der Hand gehabt hat, der glaubt, man könne das Schiessen am Computer lernen!
    Das geht nicht!
    Das muss man in „echt“ lernen!
    Auch das „schnelle Nachladen“ kann man nicht mit Hilfe von Spielen am PC lernen!
    Seltsam, dass dieses „Argument“ in der Spielediskussion immer wieder kommt … von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten (weil sie als CDU-/CSU-Politiker höchstwahrscheinlich ihren Wehrdienst abgeleistet haben).

  139. ..glaube auch nicht, dass...
    ..glaube auch nicht, dass Kampfanzug, Bewaffnung und gezieltes Vernichten durch Kopfschüsse beim „einer gegen alle“ – Lauf des Amokschützen irgendein ein Bezug zu Ego-Shooter Spielen hat. Glaube aber fest an den Osterhasen und den Weihnachtsmann.

  140. Meinung, Meinung Du muhuhusst...
    Meinung, Meinung Du muhuhusst wandern. TV + Radio sind seit gestern schon aus, gleich folgt der Rechner. Sagt Ihr mir bitte Bescheid, wenn sich die Debatten auf allen Kanälen wieder gelegt haben? So sehr ich sonst Kulturpessimismusjaoderneindebatten liebe und so differenziert + wichtig die Beiträge sein mögen, wenn ich jetzt nicht ausmache, zettel ich eine Medienhassdiskussion im allgemeinen an. Vielleicht bin ich ignorant, aber irgendwas sträubt sich.

  141. Morgen wieder stimmungsvolle...
    Morgen wieder stimmungsvolle Unterhaltung vom Tegernsee.

  142. Ich empfehle jedem, der sich...
    Ich empfehle jedem, der sich mit dem Thema näher auseinandersetzen möchte, sich mit den Werken von Dave Grossman (googlen) zu beschäftigen. Er sollte wissen, wovon er spricht. Ich jedenfalls kann es nicht nachvollziehen, wenn sich auch Erwachsene mittleren Alters stundenlang mit solch sinnentleerten Massakrier-Spielen beschäftigen. Nach einem anstrengenden Tag brauche ich nicht noch weiteren Streß. Da lese ich lieber, was mich interessiert, hole mir ein Glas Wein und lege eine gute Schallplatte auf. Der Fernseher bleibt auch seit Jahren aus, Informationquellen gibt es heute bessere. Respekt Don, daß Sie dieses brisante Thema anschneiden und weiter so mit Ihrem hochinteressanten Blog!

  143. Nehmen wir einmal die ...
    Nehmen wir einmal die sogenannten „Amok-Läufe“ der letzten 10 Jahre. Dann läßt sich denke ich empirisch beweisen, dass öfter der Fall vorkommt, dass der Täter „Killer-Spiele“ spielt, als wenn er keine spielt. Dieser Tatsache stimme ich voll und ganz zu.
    Allerdings ist im obigen- ich nenne es mal- Gedankenergußes auch nicht mehr als diese Tatsache und eine akribische Auflistung der Lektüre, die man sich die letzten Jare gegönnt hat, als Information enthalten. Hinzu kommt nur noch der verzweifelte Versuch, zu belegen- oder viele eher sogar nur zu spekulieren-, dass Spieler von Ego-Shootern und der gleichen zu Tätern gemacht bzw. ihre Gewaltätige Seite erst freigesetzt durch die Speile freigesetzt wird.
    Hierbei wird Missachtet, dass das Spielen von so genannten „Ego-Shootern“ und das Durchführen eines Amok-Laufs zwei verschiedene Ckaraktereigenschaften sind.
    Ob nun Charaktereigenschaft A abhängig von B ist, oder es genau umgekehrt ist, kann zum heutigen Tage weder wissenschaftlich noch empirisch nachgewiesen werden.
    Um es auf die im Text genannten Beispiele zu beziehen: ob „Amok-Läufer“ Bücher meiden und lieber Videospieler sind, können wir leider weder sagen, noch beweisen.
    Und genau dieser Aspekt lässt den obigen Artikel (natürlich außer der Informaion, dass wir es mit einem gebildeten Herren zu tun haben) in seiner eigenen Sinnlosigkeit versinken.
    Denn selbst die Meinung, dass Videospiele keine Vorteile besitzen, ist meines Erachten nach falsch. Eine Hauptaufgabe in Videospielen ist es Probleme zu lösen. Ich bin der Meinung, dass ich durch diese Lösungssuche, ein tiefgreifendes Verständiss für das Lösen mathematischer Probleme erworben habe.
    Oder um mich in meiner eigenen Argumentation zu verrennen:
    Ob ich Videospiele mag, weil ich mathematisches Verständniss besitze oder es erst durch die Videospiele besitze, vermag ich nicht zu sagen.
    In diesem Sinne: Herzlich Willkommen im Teufelskreis dieser Diskussion!

  144. Werter Don Alphonso,
    ich habe...

    Werter Don Alphonso,
    ich habe mich noch kaum in diesem Medium bewegt, da mich der bisweilen aggressive Tonfall in diesen Foren meist davon abgehalten hat. Trotzdem äußere ich mich, weil ich das hier angesprochene Thema sehr wichtig finde.
    Sie kritisieren m.E. zu Recht den Punkt der „Vorfreisprechung“ dieser Art von Computerspielen. Ihre starke Abneigung gegen diese Spiele wird auch deutlich. Das führt mich weiter zu der Frage – auch wenn man diese Art von Beschäftigung ablehnt – warum Menschen, damit Zeit verbringen, was die Lust daran begründet, einmal ganz unabhängig von dem jetzt wieder thematisierten Kurzschluss vom Konsumieren dieser Spieler auf Gewaltakte.
    Einige haben schon angesprochen, worauf man, glaube ich, mehr achten sollte: Gefühle. Ich glaube die Motivation, intensiv solche Spiele zu spielen oft mit jeweiligen, als problematisch erfahrenen Lebenslagen zusammenhängt. Nun könnte man sagen, dass sie von Leuten gespielt werden, die sich einfach mal abreagieren wollen oder bewusst oder unbewusst in emotionale Problematiken verstrickt sind (Verzweiflung, Depression, Gefühle der Isolation, Überforderung, Selbsthass, überstarke Gefühle von Ärger, Wut, Angst etc.) und diese nicht etwa damit sublimieren, dass sie Gedichte schreiben, sondern sie in diesen Ego-Spielen beständig (re)inszenieren, was zeitweilig das subjektive Befinden verbessern mag. Beide Motive könnten sich wohl durchaus auch in einer einzigen Lebensgeschichte beobachten lassen. Außerdem ist auch das sogenannte Abreagieren ein Prozess, in dem etwas Emotionales passiert. Ob jemand deshalb nach außen geht mit extremer Gewalt, ist dann ein anderer, weder davon ganz abhängiger noch völlig unabhängiger Aspekt. Und es scheint mir eher eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, von ermöglichenden Faktoren als von harten, ganz direkten Kausalbeziehungen. Das heißt eben auch, dass diese Deutung, wie ich sie hier vortrage, keineswegs auf alle zutreffen muss, die solche Gewaltspiele konsumieren.
    Nun: Spiele zu spielen, in denen ich Monster erschieße, wahlweise mit Pistole oder Scharfschützengewehr oder mit der Kettensäge zerteile, als Bearbeitung von als unangenehm erlebten Gefühlen, die Lustgewinn beschert? Und wenn an dieser Deutung etwas dran ist: Was wäre damit anzufangen? Es könnte vielleicht zu mehr Verstehen führen, was ja nicht bedeuten muss, das Ganze zu rechtfertigen oder gar zu mögen. Und vor allem würde es Gespräche ermöglichen über etwas, das man gemeinsam hat: Gefühle und den nicht zu vermeidenden Umgang mit ihnen. Anstatt letztlich wieder auf verschiedenen Arten auf „die anderen“ zu zeigen, wäre es vielleicht produktiver, weiter zu fragen, wie in unserer so ironischen Leistungs- und Null-Fehler-Gesellschaft über Gefühle und den Umgang mit ihnen nicht in einer klebrigen oder ironisierenden, intellektualisierenden, psychologisierenden oder sonst einer letztlich entfremdenden Art und Weise, sondern auf mehr am einzelnen Menschen interessierten, empathischen Art gesprochen werden könnte. Diese Idee würden sicher viele als sentimental oder gutmenschenhaft bezeichnen. Auch ist es natürlich ein schwieriges Feld, da Gefühle als etwas sehr Intimes erlebt werden und es nicht um öffentliche Entblößung gehen kann. Ich würde es dagegen als Idee einer souveränen Lebensführung bezeichnen, die diesem Teil des Menschen – dem Emotionalen – eben Rechnung trägt. Die häufig ausschließlich intellektualisierende öffentliche Diskussion jener Spiele vernachlässigt das emotionale Wissen, das ja durchaus Teil unserer Kultur ist, und verfehlt damit m.E. ein vertieftes Verständnis des Phänomens. Es wäre für mich die Frage, wie man dieses Wissen, das ja ganz stark ein Reflexionswissen ist, also nichts zum „Einpauken“, sondern etwas, das sich im Gespräch findet, wieder stärker als Teil einer Lebenskunst und damit als Teil der Gesellschaft, ihrer Diskussionskultur etc. einbringen könnte (etwa in der Schule als einer enorm wichtigen Sozialisationsinstanz).

  145. Mahkus, Sie können wie...
    Mahkus, Sie können wie etliche offensichtlich nicht lesen und auch nicht abstrahieren, wollen aber mathematisch begabt sein. Kommen Sie auch aus diesem Quake-Forum?
    .
    Was dieser Beitrag versucht ist, der ewig gleichen – und wenn ich das so sagen darf, ewig gleich dummen – Argumentation, dass nicht jeder Freund des Ballerns ein Mörder wird, etwas entgegenzusetzen, bei dem reichlich offensichtlich wird, wo das Problem liegt – bei einer Gewaltaffinität. Wo und bei wem die dann überspringt, ist erst mal egal, das ist, wenn man so will, ein wenig wie beim Lungenkrebs und rauchen. Man muss schon ziemlich simple Spielstrukturen als Lösung erachten, wenn man nicht mehr auf die Reihe bekommt, als anderen dann Sinnlosigkeit zu unterstellen.
    .
    Wo machen Sie eigentlich Mathematik? Als ich ungefähr in Ihrem Alter war machten wir das mit so einem Buch, auf dem stand „Algebra 1“. Grau mit roter Schrift.

  146. Woher wollen Sie wissen, was...
    Woher wollen Sie wissen, was ein Amokschütze so alles auf der Kommode liegen oder im Bücherregal stehen hat? Aus den Nachrichten? Ich kanns natürlich nicht belegen, aber ich habe da so eine Vermutung: zur Schlagzeile gemacht wird Gefundenes nur, wenn es bereits vorhandenes Misstrauen bestätigt. Killerspiel? A-ha! Schwarzer Mantel? Wusst ichs doch! Jeans, Fantasyroman, Luftmatraze? Unwichtig. Was man ja daran sieht, dass sowas auch etliche Andere haben, die nicht um sich ballern. Was ja auch stimmt.
    „Vergessen“ wird dabei nur, dass genau das auch für die bewussten Spiele gilt: etliche Andere spielen Ballerspiele, ganz ohne hernach tatsächlich um sich zu ballern. Fazit: selbst als Korrelation steht ein Zusammenhang zwischen Spiel und Amok auf höchst fragwürdigen Beinen. Und daraus wird dann auf Kausalität geschlossen.
    Falls da überhaupt irgendetwas existiert, dann halte ich, was Ursache und Wirkung angeht, was ganz anderes für wahrscheinlich: nicht das Killerspiel macht den Killer, sondern der Killer in spe versucht eventuell erstmal sich mit Killerspielen abzureagieren. (woraus sich eben nicht umgekehrt folgern lässt, dass, wer sich mit Killerspielen abreagiert, wahrscheinlich schon ein Killer in spe ist). So ein krankes Hirn findet schon irgendwo ein Ventil, wenn es eins sucht. Statt Monster am Bildschirm zu jagen, hätte er sich vielleicht irgendeiner Gang angeschlossen, anderswo vielleicht einer Miliz. Vielleicht hätte er auch „einfach nur“ täglich Frau und Kind blutig geprügelt, (auch hier nochmal der Hinweis auf die Gefährlichkeit von Umkehrschlüssen!) Bis all das, was auch immer es ist, eines Tages nicht mehr reicht.

  147. Don Alphonso, jetzt bin ich...
    Don Alphonso, jetzt bin ich wirklich enttäuscht, es ist eine Sache hart zu argumentieren, aber im Moment versuchen Sie Diskussionspartner persönlich herabzuwürdigen
    Und jedem Benutzer gewalttätiger Computerspieler eine persönliche Affinität zur Gewalt zu unterstellen bewegt sich auf dem Niveau jedem Pfarrer eine sexuelle Vorliebe für kleine Jungs zu unterstellen. Das Niveau des angewandten Kausalitätsprinzips bewegt sich zumindest auf der gleichen Ebene.
    Das haben sie nicht nötig.

  148. Ganz unabhaengig vom...
    Ganz unabhaengig vom Zusammenhang zwischen Computerspielen und Amoklaeufen: wozu braucht man diese Ballerspiele? Ich frage noch mal ganz naiv all jene, die hier so vehement gegen das Verbot protestieren: Welche Vorzuege haben solche Spiele? Wozu sind sie gut? Was macht sie wertvoll? Mir fallen viele gute Gruende fuer die Existenz von Buechern ein, aber keine fuer daemliche Gewaltspiele. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren… und nehme dann auch das „daemlich“ zurueck.

  149. @Damenwahl
    Eigentlich haben...

    @Damenwahl
    Eigentlich haben sie sich die Antwort bereits gegeben.
    Niemand würde auf die Idee kommen dämliche Bücher (auch Gewaltbücher) zu verbieten, weil diese eine Frage des Geschmacks sind und unter die Meinungsfreiheit bzw Kunstfreiheit (inkl. Schranken) fallen und als Medien haben Computerspiele das gleiche Recht.
    Es geht hier um Grundrechte und nur weil die Zielgruppe eine Andere ist, kann man diese nicht unter den Tisch fallen lassen, so sehr manche sich das auch wünschen.

  150. Sorry, lesen Sie sich nochmal...
    Sorry, lesen Sie sich nochmal durch, was ich geschrieben habe. Und dann vergleichen Sie es mit dem Unsinn, der dort in dieser Unterstellung steht. An keiner Stelle sage ich, dass jeder Gamer prügelt. Was ich sage ist, UND DAS STEHT OBEN, dass all die Freaks und Spielsüchtigen nicht anders können und zu behaupten, es gäbe da keinen Zusammenhang, oder Counterstrike wäre ja pro Polizei.
    .
    Was ja wohl offensichtlich ist und keiner weiteren Debatte bedarf ist, dass jemand, der Rilke liest, eine andere Haltung zum Thema Gewalt als ein Gamer hat. Darum geht der Beitrag. Wenn ich Gewalt toll finde, spiele ich dieses Zeug, wenn ich keine Lust auf Gewalt habe, mache ich was anderes. Natürlich versucht sich Mahkus wie alle anderen Trolle aus dem Quakeforum rauszureden – indem er was von Strategie faselt und den Beweis antrett, dass er das oben nicht gelesen hat, denn genau das ist, mit Verlaub, der Blödsinn, den Gamer immer vorschieben. Es ist IMMER Strategie. Die ganzen Monster platzen nur zufällig. Sie schauen auch weg, wenn einer umfällt. Und sie suchen ganz sicher keine schäbigen Ausreden und versuchen anderen nebenbei noch was zu unterstellen. Vermutlich, weil viele von denen glauben, Wahrheit sei auch nur so´n geiles Stetegiegame und jeder sei so blöd wie Mutti daheim.
    .
    Und mit so jemandem soll ich ernsthaft reden? Aber bitte.

  151. Eine Belehrung für...
    Eine Belehrung für Damenwahl:
    Hören Sie, es ist weitaus zu komplex, um in diesem beschränkten Rahmen eine Erklärung des Mediums Videospiel zu liefern, deshalb nur einige angerissene Aspekte.
    Es gibt gerade in letzter Zeit einige Spiele, deren fiktive Welt denen in Filme oder Büchern in nichts nachsteht. In einem Post von mir weiter oben habe ich eine kleine Liste solcher Spiele zusammengestellt.
    Die Ego-Perspektive in so genannten Ego-Shootern etwa können sie als Videospielform des Ich-Erzählers in Büchern ansehen. Zum Beispiel im Spiel „Bioshock“ durchlaufen sie als eine solche Person in Ich-Perspektive eine fiktive, und verlassene Unterwasserstadt namen Rapture. Diese Stadt wurde während des kalten Krieges für die reiche Bildungsbürgerschicht errichtet, um ein künstlerisches, freies Utopia abseits kapitalistischer wie kommunistischer Ideologien bereitzustellen. Ich denke allein in dieser Grundstruktur läßt sich der ach so sinnlose Gewalthorizont durchaus differenziert betrachten.
    Das Erleben etwa in dieser Stadt ist unglaublich intensiv durch die EIGENSTÄNDIGE Erkundung. Sie erleben Dinge in dieser Welt – mögen sie speziell inszeniert oder aufgrund der KI zufällig sein. Aufwendigste Soundtracks, die mittlerweile den Kinosoundtracks in nichts nachstehen unterstützten spezielle emotionale, spannende wie erschütternde Momente. Das Zur-Wehr-Setzten gegen verrückt gewordene alte Einwohner (meistens Künstler, die sich mittels neuer Forschungen genmanipuliert haben) erfolgt aus der Geschichte heraus und hat so viel mit sinnloser Gewalt zu tun wie ein Kafka-Roman.
    Dies ist nur ein Anstoß für Sie, sich damit näher auseinanderzusetzen. Viel Vergnügen.

  152. Die Imagination des Films hat...
    Die Imagination des Films hat Grenzen, die der Geist nicht hat. Das ist der Vorteil des Buches: Man ist kein Sklave anderer Leute Bilder. Und wenn es einem nicht passt, macht man ein eigenes.

  153. @Don
    Ihr vollständiges...

    @Don
    Ihr vollständiges Zitat:
    „Was dieser Beitrag versucht ist, der ewig gleichen – und wenn ich das so sagen darf, ewig gleich dummen – Argumentation, dass nicht jeder Freund des Ballerns ein Mörder wird, etwas entgegenzusetzen, bei dem reichlich offensichtlich wird, wo das Problem liegt – bei einer Gewaltaffinität“
    Nun wie kann man das denn anders interpretieren?
    Und mit ihrer Argumentation, kann ich auch sagen:
    Sie lesen doch die Bibel oder auch mittalterliche Kirchentexte? Na ja, ich hoffe doch sie lesen eine geschwärzte Version oder überblättern die gewalttätigen Stellen, man könnte ihnen sonst einiges nahelegen.
    Wie gesagt ich halte entsprechenden Computerspiele für ästhetisch fragwürdig, aber gefährlich genug um ein komplettes Verbot zu rechtfertigen? (Und die Gesetze zum Schutze der Jugend greifen ja bereits heutzutage)
    Da muss man als Liberaler (im klassischen Sinne) aufpassen auf welche zweifelhafte Spur man geraten würde.

  154. Danke, danke... aber das...
    Danke, danke… aber das ueberzeugt mich nicht. Medien sollten meiner Meinung irgendwie sinnvoll sein. Wenn ich ein Buch lese, lerne ich etwas ueber fremde Menschen, fremde Laender, vergangene Zeiten, Geschichte, oder politische Zusammenhaenge. Selbst wenn ich einen Groschenroman konsumiere, lerne ich, mich in die Gefuehls- und Gedankenwelt anderer Menschen hineinzuversetzen, was meine Empathie foerdert. Von den Anregungen fuer Wortschatz und Ausdrucksvermoegen gar nicht zu reden. Was bieten hingegen Computerspiele, in vergleichbaren Kategorien, das irgendwie gut, sinnvoll oder nuetzlich ist? Und was sagt es ueber Menschen aus, wenn Erleben nur noch interessant ist bei medialer Rundumunterstuetzung durch bewegte Bilder und „aufwendige Soundtracks“?

  155. @Damenwahl:
    also, ich glaube...

    @Damenwahl:
    also, ich glaube die Kurzversion der Antwort von Flay ist: „Weils halt Spaß macht“. In freiheitlichen Gesellschaftsordnungen ist dies regelmäßig Grund genug dafür, dass man sowas dann auch macht (was vielleicht etwas über die Vor- und Nachteile der Gesellschaftsformen aussagt).
    Ähm, eine Frage noch an Sie: Was war nun noch gleich der praktische Nutzen der Gedichte von Herrn Rilke ?
    … Nichts für ungut….^^

  156. Danke, Don Alphonso, fuer die...
    Danke, Don Alphonso, fuer die wunderbare Formulierung!

  157. @don alphonso:
    Sie haben...

    @don alphonso:
    Sie haben Recht, wenn es nur um Strategie ginge, wäre nicht Schach das viel angemessenere Spiel?
    Trotzdem kann ich Ihren Beitrag nicht gut finden, er schlägt genau in die selbe Kerbe, wie es nach jedem Amoklauf passiert ist – „Weg mit den Ballerspielen“ – ohne dass sich jemand wirklich darum kümmert, ob ein kausaler Zusammenhang besteht. Sie machen es natürlich geschickter, indem Sie den Anschein erwecken, eben dieses Nicht-Nachfragen kritisch zu sehen…
    Meiner Meinung nach wäre ein guter Ansatz, die Menschen ausfindig zu machen (das sollte doch möglich sein), die dem Jungen im Forum noch geschrieben haben, dass „sie das erst glauben, wenn sie es sehen“ und wegen Anstiftung zu Mord (oder was auch immer das korrekte juristische Äquivalent wäre) anzuklagen….
    Und an alle zukünftigen Amokläufer: Wie feige sich am Ende selbst umzubringen/erschießen zu lassen, so dass man das Elend das man angerichtet hat, nicht mehr ertragen muss…

  158. Was muss geschehen damit ein...
    Was muss geschehen damit ein Mensch seine eigene Art beginnt zu hassen?
    Computerspiele?
    Medien?
    oder seine Mitmenschen?

  159. <p>Mariechen, keiner muss mir...
    Mariechen, keiner muss mir zustimmern. Worum es geht, und was zu verstehen sich ziemlich viele und noch mehr gelöschte sich standhaft weigern, ist der Umstand, dass es da eine absolut offensichtliche Nähe gibt. Kann sein, dass man das anders wahrnimmt, wenn man seit zehn Jahren zockt, aber bei de Sade fängt auch eine Justine dauernd an, sich zu langweilen, und braucht neue Aufregungen, die noch übler sind. Meines Erachtens überreissen viele von denen gar nicht mehr so richtig, was da eigentlich in den Spielen läuft. Und natürlich kann man denen so einiges zutrauen. Ich weiss gar nicht, was es da noch zu reden gibt: Wenn ich einen Nachmittag mit Gamern verbracht habe so wie heute, ist mir im ersten Moment auch nicht mehr nach den freundlicheren Kapiteln von Jane Austen. Man wird kein besserer Mensch, man trainiert Ausnahmesituationen mit psychisch reichlich schrägen Typen. Morgen mache ich ganz sicher was anderes.
    .
    Nachtrag: Die Meldung mit dem Forumsgespräch ist wahrscheinlich eine Fälschung.

  160. Die Freiheit des einzelnen...
    Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit anderer beschneidet. Und konkurrierende Gueter muessen in ihrem Nutzen abgewogen werden. Vielen Menschen macht die Jagd im Wald Spass, trotzdem ist Waffenbesitz gesetzlich eingeschraenkt – weil er die Freiheit einer Mehrheit gefaehrdet. Nichts gegen ungefaehrlichen Spass oder individuellen Spass. Ballerspiele jedoch muessen sich seit Jahren gegen den Verdacht verteidigen, Gewalt zu foerdern – also koennte man sie doch zum Schutz der Mehrheit verbieten (ganz unabhaengig von der technischen Machbarkeit, die ich auch bezweifle). Wo ist das Gegengewicht, der gesellschaflich Nutzen? Und vor allem: warum wehren sich die Anhaenger dieser Spiele so vehement gegen eine konstruktive Diskussion? Was macht Ballerspiele schuetzenswert?

  161. Dieser Artikel macht, sehr...
    Dieser Artikel macht, sehr geehrter Don Alphonso, soweit es mich betrifft, vieles wieder gut, was sich an latentem Unmut aufgebaut hat, nachdem Sie Ihre Ansichten über Generationenfolge, Aussterben und Erben dargelegt hatten. Da Sie also ohne Fernseher und Videospiele leben, sind Sie doch schon beinahe zum Aufziehen von Kindern qualifiziert; vielleicht kommen Sie ja doch noch drauf, daß man der Gesellschaft, in der man lebt, durchaus mehr schuldet als das Ausgeben vorgefundenen Geldes und das Verfassen von Blogeinträgen. Ich habe andererseits durchaus Verständnis dafür, daß es Ihren Kreisen an Motivation zum Kinderzeugen gebricht, seit man diese nicht mehr von Privatlehrern unterrichten lassen darf, sondern gemeinsam mit Counterstrikespielern und anderen potentiellen Amokläufern zwangsweise dem öffentlichen Gleichschaltungssystem überlassen muß. Aber daran leidet man selbst in meinen Kreisen*.
    Das von Ihnen gelobte Gewaltmonopol des Staates können Sie mittlerweile freilich de facto vergessen, es gibt Bevölkerungsgruppen, für die dieses nicht mehr so richtig gilt, wie man z. B. letztens in Duisburg erleben konnte: http://tinyurl.com/bacfq8
    Aber solche Geschichten hören Sie ja auch wieder nicht so gern, wie ich mich zu erinnern meine.
    *Also bei den Leuten, die man gemeinhin als »christliche Fundamentalisten« bezeichnet. Postscriptum: Was ich nicht verstanden habe in Ihrem Artikel: Was für eines Grundes bedarf es denn, um einen Katholiken aus dem Zug zu werfen? [Hier hämisch grinsendes Emoticon hindenken.]

  162. Meine Güte, Damenqual, Sie...
    Meine Güte, Damenqual, Sie wollen doch nicht allen Ernstes alles verbieten, was zu nichts nutze ist? Videospielen ist erlaubt, weil man damit der äußeren (!) Freiheit eines anderen keinen Abbruch tut.

  163. Es tut mir leid: Ich habs...
    Es tut mir leid: Ich habs lange im Guten probiert, aber jetzt muss ich die Diskussion (oder was davon übrig geblieben ist, nachdem die leichenfleddernden Kleingeister sich darüber hergemacht haben und nichts als ihren unbegründeten Standpunkt dumm hinausposaunen) verlassen.
    Ich glaube langsam Don Alphonso ist der größte Quake-Spieler, so oft wie er deren Forum zitiert.
    Danke, fallt über mich her, ich bin ein echter „Killerspieler“, der gleichzeitig Kafka, Alan Moore, Goethe, Dante und Wolfram von Eschenbach-Fan ist. Rilke ist übrigens einer der größten Lyriker, die wir hatten. Und Bioshock eines der besten Spiele. Ich gehe jetzt weiter Tarantino-Filme gucken und esse Pizza.
    Ihr ergebener Kulturverderber.

  164. (Liebe Freunde von Quake und...
    (Liebe Freunde von Quake und andere Trolle und Wasauchimmer: Sorry, ich schalte das einfach nicht frei, selbst wenn es ziemlich schön zeigt, was Games aus Menschen machen können.)

  165. ich glaube, mit verlaub, dass...
    ich glaube, mit verlaub, dass ihre angst und abneigung gegen die so genannten „baller“spiele in erster linie von ihrer völligen unwissenheit bezügliche dieser thematik herrühren. ich will nicht sagen, dass diese debatte nicht geführt werden sollte, aber überlassen sie die argumentation doch bitte leuten, die ahnung haben.

  166. Da gehts dahin - das Idyll vom...
    Da gehts dahin – das Idyll vom Tegernsee. Selbst die vorgezogene re-feudalisierte Romantik versagt ob der wirklichen Wirklichkeit. Bezugnehmend auf Baudrillards letztem Aufsatz (Warum ist alles nicht schon verschwunden?) Verlag Matthes & Seitz ehemals München, jetzt Berlin, bleibt der schale Geschmack an das Erinnern der vormals gelebten und empfundenen Wirklichkeit. Wir sind privilegiert. Die nach uns kommen – können das nicht wissen… Es ist kein Unterschied mehr zwischen Counterstrike und Counterstrike.

  167. Nahein, natuerlich will ich...
    Nahein, natuerlich will ich nicht alles verbieten was unnuetz ist, das waere ja langweilig. Aber man sollte schon diskutieren duerfen, ob eine moeglicherweise gefaehrliche Sache verboten werden sollte, wenn es keine guten Gegenargumente gibt – und auf die warte ich immer noch.

  168. Don, wen sie mir noch eine...
    Don, wen sie mir noch eine abschließende Bemerkung erlauben würde ich gerne noch auf gefährliche Bücher/Texte zurückkommen.
    Ich habe gerade Texte J.P. Marat`s aus dem Regal genommen, sowie Texte von Wladimir Iljitsch Uljanow. Diesen fehlt vielleicht die schlichte Dumpfheit von „Killerspielen“, aber gesellschaftsgefährdender (zumindest für die Unsrige) sind sie sicherlich.
    Ich bin mir sicher das einige Gesellschaftsschichten in Deutschland und auf der Welt beruhigter schlafen, wenn sie wissen das sich die heutige Jugend mit „Killerspielen“ beschäftigt statt mit diesen revolutionären Texten.
    Auch wenn Sie und ich als gelegentliche „Salonrevolutionäre“ das bedauern mögen.

  169. Aber bitte, Sandmann, warum...
    Aber bitte, Sandmann, warum sollte man denn keine Fragen stellen dürfen? Und bislang konnte mir kein Verharmloser, kein Selbstanlügner, kein GarnichtsogeilaufGewaltler erklären, warum das Telemann-Trio nicht tötet und das Rilke-Gedicht keinen Mörder macht. Ich habe nur enorm viel Relativierung gelesen. Man muss sich wirklich fragen, nach all dem, wieso da überhaupt diese Gewaltszenen in der Werbung sind, diese Monster, diese Waffen, wo es doch nur um Strategie geht.
    .
    Ich verstehe aber sehr viel von Bürgergesellschacht, die darunter leidet, dass es dort so viele Heuchler und Lügner gibt. Und ich denke, während diese Leute früher die Religion der Christen bevorzugten, schätzen ihre Enkel die Religion von Ubisoft. da ist objektiv jede Menge Gewalt, die gewollt, gekauft und genossen wird. Und alle sagen: Das ist doch nichts. Und darüber soll man nicht mal erstaunt sein dürfen? Oh je.

  170. Don da stimme ich dir zu,...
    Don da stimme ich dir zu, diese picklige geschmackloses Gummiessen mampfende pubertierende Meute, aus denen sich in trauriger Regelmäßigkeit die Amokschützen rekrutieren, hat in den Ballerspielen, vulgo Egoshooter, ihre Kunstform entdeckt!
    Das Ausblenden von Realität mag an – und ausschaltbar sein, das ist wohl möglich, aber diese Hingabe an eine virtuelle Form von Gewalt, mit der doch immer mehr steigenden nicht -Toleranz von Frustration scheint ein gefährlich Cocktail zu sein, und ich meine nicht zu viele Martinis.
    Ich gebe dir recht, wer heutzutage!!! Rilke liest, tut das eben mit der Erfahrung der zivilisatorischen Katastrophen des letzten Jahrhunderts, deswegen erhebt er sich nicht zum gepflegten Grillen.
    Diese Ästethisierung von Gewalt, das Erlebbar machen von Töten, dieser Wettbewerb um die meisten Leichen und realistischsten Szenen, all das mag zwar eventuell nicht causa sein, doch bleibt es eine fragwürdige Beschäftigung für Heranreifende.
    Ach die Waffen, die sollten man auch verbieten ( ich persönlich fände ein Verbot von Schützenvereinen auch erstrebenswertes, allein der Gedanke an solche;ich führe das jetzt nicht aus)

  171. Lieber Don,
    etwas zu einseitig...

    Lieber Don,
    etwas zu einseitig aber nahezu unerreicht gut provokant ,wenn man sich dazu die Menge der Kommentare anschaut die sich nun angehäuft hat.
    Drei tendenzielle Meinungen prallen hier aufeinander….Die Progamer,die Gegner und eine Minderheit die in der heutigen Gesellschaft die geistige Verödung ausmacht.
    Auf jeden Fall interessant und zeigt das Menschen die Tat doch umtreibt.
    Eine Kleinigkeit die mich noch umtreibt…irgend ein Kommentar stellte fest,das es sich bei Amok um eine männliche Erscheinung handelt,ist das so? Gibt es typische Geschlechtsverbrechen?
    @Damenwahl
    Nicht die Spiele sind schützenswert,aber fragen sie mal die Liberalen ;-)
    Der gesellschaftlichen Nutzen von Silberkannen hat sich mir aber auch noch nicht erschlossen…..sowie diversem anderen Zeugs.
    Der Gesellschaftliche Nutzen als Kriterium….mei mei…da gehört ne Menge entsorgt, include der halben Gesellschaft….oben wie unten.

  172. <p>Sehr geehrter...
    Sehr geehrter Herr,
    es ist bedauerlich, daß die Gattung Blog offenbar Kommentatoren mit mangelndem Sortierungsvermögen zur Stellungnahme provoziert und sich einige Leser zur Darstellung ihrer Wohnzimmeranschauungen (hier gelegentlich Spielkonsolenintimitäten) berufen fühlt. Da reisen alle Dämme der Vernunft.
    Angelegentlich der Monströsität dieser Verbrechen ist es kaum zu ertragen, wenn der offenbare Zusammenhang zwischen der diesen Tätern gemeinsamen virtuellen Massenmorderfahrung, gleichviel ob durch Film oder Spiel im Interesse der Verteidigung eigener Lebenswirklichkeit geleugnet wird.
    Freilich hatten Sie keine direkte Kausalität behauptet, sondern einen offenkundigen Bedingungszusammenhang räsonniert.
    Es wird auch ihr Hinweis auf ein sorgfältiges Lesen Ihres Beitrages dem Grundübel der fehlenden Abstraktion zwischen dem Eigenen und dem stattgefundenen Ereignis nicht Abhilfe schaffen.
    Ich persönlich halte es für gefühlskalt und Ausweis mangelnder Herzensbildung in der direkten Erfahrung preiszugeben, daß man selbst ja wohl nicht, trotz eigener einschlägiger Erfahrung etc. Mordgelüste auslebe und so fort.
    Aus diesen Gründen fühle ich mich bemüßigt, was Ihnen bekannt ist auch Anderen mitzuteilen, daß es Leser gibt, welche den Blog mit Gewinn, vielleicht nicht immer Übereinstimmung oder Billigung zu lesen vermögen und private Vorlieben nicht glauben verteidigend in die Runde werfen zu müssen, sondern statt dessen die persönliche Haltung im Stillen zu überprüfen.
    Mit vorzüglichen Grüßen,

  173. Auch wenn ich aus ihrem...
    Auch wenn ich aus ihrem Kommentar herauszulesen glaube,dass sie nur noch wenig Interesse an Diskussionen mit Gamern haben,möchte ich doch noch das ein oder andere loswerden.Zum einen fragen sie in ihrem Blog,warum denn alle Gamer so unglaublich laut schreien,dass gerade die Spiele nicht Schuld sind.Ich denke das diese Frage relativ einfach durch einen Selbstversuch zu beantworten ist:Stellen sie sich einfach vor,der werte Herr Steinbeck würde sich vor die Presse stellen und sagen: Die Werke von Wagner und Goethe sind an den Amokläufen schuld.Dann würde die Presse das umgehend aufgreifen.Und die gesamte Jüngere Generation,weil sie mit Büchern eh nur noch Strebertum und langeweile verbindet,überspitzt gesagt.Und plötzlich hören sie in jeder Ecke:“Ja,Bücher sind an diesen schrecklichen Taten schuld.Und nur sie.Die gehören allesamt sofort verboten!“Was würden sie denken?Was würden sie tun?Würden sie demütig den Kopf senken und sagen:Ja,sie haben recht,ich bin die Ausnahme,weil ich viele Bücher lese und trotzdem nicht Amoklaufe.Oder würden sie nicht eher sagen:Nein,Bücher können daran nicht schuld sein,denn ich kenne dutzende Büchernarren mit riesigen Bibliotheken,die niemals etwas getan haben.Und es gibt noch Millionen weitere Leser,die auch noch nie Amok gelaufen sind.
    So,wenn sie sich das vorstellen können,und alles richtig gemacht haben,können sie jetzt vielleicht nachfühlen,warum sich die Gamer so aufregen darüber,dass sie ihr Lieblingshobby als Ursache für Wahnsinnstaten sehen.
    Ich meine im Grunde kann ich die Reaktion von der Politik und den Medien ja durchaus verstehen.Es ist bedeutend einfacher zu sagen „Es wurde Counterstrike gefunden“ als sich mit dem Umgebung des Jungen auseinander zu setzen,als Studien durchzuführen und ähnliches.Ein weiterer großer Vorteil für die Politik:Nichts ist einfacher als Videospiele zu verbieten,das Wahlvolk sieht sofort das was getan wird.
    Und ich bin eigentlich sogar ein großer Freund des Verbotes.Denn ich möchte dann gerne die dummen Gesichter unserer Politiker sehen,wenn sie dann beim nächsten Amoklauf(was Gott verhüten Möge!) wieder nach dem Motiv gefragt werden.Wenn dann in 20-30 Jahren auch ehemalige Gamer die aktuelle Generation in der Politik ersetzt hat,wird man das Verbot vielleicht wieder aufheben und richtig nach den Ursachen forschen und selbige zu beseitigen versuchen.
    Nur noch eine Sache bevor ich zum Schluss komme: Man spricht immer von der Gewaltexzess bei Videospielen,und wie Kinder da das töten lernen.Ich für meinen Teil muss sagen,dass ich das töten nicht in Videospielen erlernte.Nein,die dahingehend effizienteste Ausbildung habe ich während meines Wehrdienstes direkt beim Staat erhalten.Dort lag ich,in einer äußerst realistischen Übung in einem Schützengraben,Übungshandgranaten detonierten überall,und ich blickte durch ein Zielfernrohr,mit einer echten Waffe,bestückt mit scharfer Gefechtsmunition auf einen Pappkameraden.Und drückte ab.Mit meinem Zeigefinger,ich hörte den Knall äußerst realistisch an meinem Ohr und spürte den echten Rückstoß.Zugegegeben,ich sah kein Blut.das kann man aber auch gut auf die 500 Meter entfernung schieben.Die gleiche,äußerst realistische Erfahrung machen jährlich zehntausende deutsche Jugendliche.Trotzdem hätte ich bislang noch von keinem Amoklaufenden Soldaten gehört,der mit einem Sturmgewehr eine Kaserne stürmt,weil sich in seinem Kopf das soeben beschriebene Manöver wiederholt,dass er bedeutend realistischer erlebt hat als irgendeiner Computerspiel.
    Somit steht für mich fest,dass Computerspiele möglicherweise tatsächlich eine Mitschuld tragen.Aber nicht im Ansatz eine größere als die tägliche Berichterstattung im Irak,oder über Amokläufe.Aber ich fürchte damit stehe ich relativ alleine da.Sie sollten beim nächsten Besuch des freundlichen Informatikstudenten von nebenan übrigens vorsichtig sein.Wir haben zu 90 % irgendwann mal Counterstrike gespielt.Wir könnten gefährlich sein.

  174. TfA, vor uns hat man in der...
    TfA, vor uns hat man in der Schule das „Werk“ der RAF versteckt. Ich habe es mir dann, weil ich im LK Geschichte wissen wollte, was die wirklich so alles gesagt haben, in München beschafft. Da hat man das gleiche Gefühl wie bei Lenin oder Hitler: Schlechte Comedy, vollkommen unverständlich, wenn man mehr als nur ein paar Sätze liest. Mein Gott. Was für Pfeifen. Meine eigene Politikphilosophoe endet mit dem letzten Satz des Candide, mehr ist nicht zu sagen, und so gesehen weiss ich nicht, ob ich froh sein soll, wenn die wegen ihrer Ballerei meinen Garten nicht stören, oder aber traurig, weil man auch in Zukunft Leute brauchen wird, die Gärten bestellen, ohne nochmal eine Runde zu doomen (Berater reagierten sich früher am Abend mit sowas ab).

  175. Nun, jemand der eine gesunde...
    Nun, jemand der eine gesunde Psyche und gutes Selbstbewusstsein hat, der wird wohl bei der extensiven Nutzung eines Computersiels, in dem das Ziel ist, andere umzubringen den Realitätsbezug nicht verlieren. Das mag dann auch in den meisten Fällen so sein und es geht keine Gefahr aus von der Nutzung solcher „Spiele“. Jemand der allerdings einen schwachen Realitätssinn hat und so oder so schon ein stark beschädigtes Selbstwertgefühl, der mag ggf. durch die Nutzung der Spiele zu entsprechender Gewalt neigen, bzw. diese mag gefördert werden. Nun kann man leider nicht in den Kopf eines Menschen reinsehen und entscheiden, „Du ja, Du darfst die Spiele spielen“ und „Du nein, Du bist mordgefährdet“.
    Mich würde aber einmal grundsätzlich die Beantwortung der Frage interessieren, was um alles in der Welt daran so toll ist, einem einen solchen Adrenalinkick oder Befriedigung gibt, in einem Computerspiel zu töten? Was ist so toll daran bewusst auch nur in einem Spiel der Killer zu sein? Und diese Frage geht an alle, insb. auch die, die gerade ein gesundes Selbstwertgefühl haben und bei denen von den Spielen keine Gefahr ausgeht. Was gefällt Euch daran, ein Spiel nur zum Spass zu spielen, in dem ihr tötet, abschlachtet, etc. bzw. warum habt ihr Spass daran?
    Gleiche Frage gilt übrigens auch für extreme Horrorfilme.
    Es scheint, als ob unsere Gattung doch noch nicht soviel weiter entwickelt ist, als 10 Minuten nach dem Zeitpunkt, an welchem wir uns entschlossen haben von den Bäumen zu klettern. Ja, ich unterstelle diesen Personen, die an so etwas Spaß haben oder damit ihr Zeit verbringen, einfach mal eine Portion Dummheit oder mangelnde Intelligenz. Oder alternativ: Sie sind wirklich krank, haben kein Selbstwertgefühl und ihnen sollte schnellstmöglich geholfen werden.
    Zu allen anderen: Generation Doof heißt ein neues Buch. Ohne dieses im Detail zu kennen ist alleine die Verbreitung solcher Spiele ein guter unterstützender Indikator für die Korrektheit des Titels dieses Buches.

  176. Michael, ich habe nichts gegen...
    Michael, ich habe nichts gegen Gamer. Ich habe was gegen Zusammenrottungen, die entweder die Story vom Pferd erzählen und die Gewalt kleinstreden, was lächerlich ist – sonst würden sie alle noch Pacman spielen. Und ich habe was gegen die Sorte Kommentator, die die grosse Freiheit hier nutzt, um Dinge loszuwerden, die sie nie sagen würden, wenn Sie auch nur ihre Emailadresse angeben müsste. Dann habe ich dann noch etwas gegen die Haltung, andere anzuschwärzen a la „Aber in der Bibel steht doch auch gewalt“, was in etwa so koscher wie der Altnazi ist, der dem Amerikaner den Indianer vorhält. Letztendlich habe ich etwas gegen die Herrschaften, die unten Argumente anführen, die oben schon besprochen wurden und beweisen, dass sie den Beitrag nicht gelesen haben. Leider gab es nicht viele Gamer, die nach diesen Ausschlusskriterien noch übrig waren.

  177. @lusitano:

    Das "gepflegte...
    @lusitano:
    Das „gepflegte Grillen“ Fake-Posting war das Werk irgendeines mehr oder weniger gestörten Menschens, das dann von der Meute der Journalisten übernommen wurde und auch als Falschmeldung durch die Polizei verbreitet wurde. Insofern würde ich auf den Wahrheitsgehalt der anderen Behauptungen der Beamten in Bezug auf Fundsachen auf den (heimischen) Rechnern nicht unbedingt einen Cent wetten wollen. Noch nicht einmal einen „britischen Peso“.

  178. Mein einziges Computerspiel...
    Mein einziges Computerspiel ist „Red Baron“. Eine Kampf- und Jagdfliegersimulation aus dem 1. Weltkrieg.
    Meines Erachtens macht so eine Simiulation geradezu pazifistisch. In den Büchern vom Roten Baron (v. Richthofen) über Sperrfort Rocco Alta (Louis Trenker), und in den vielen Landserheftchen, Western-, Abentheuer- und Kriegsbüchern meiner Jugendzeit bis zu Sun Tzu’s The Art of War (2300 Jahre alter chinesischer Klassiker) war Krieg letztlich immer ein großartiges Abentheuer, das nicht live zu erleben ich immer sehr bedauert habe.
    Gut, nachgedacht habe ich früher auch schon in dem Sinne, dass der schönste reale Krieg für mich schon am ersten Tag mit dem Tod oder einer schweren Verwundung enden könnte, was ziemlich uncool wäre.
    Aber es war erst dieses Videospiel, dass ich mit über 40 gespielt habe, und das bisheute mein einziges Computerspiel ist, dass mich wirklich betroffen gemacht hat – eben weil ma da auch selber abgeschossen wird. Die Vorstellung mit zerschossenem Motor oder Leitwerk aus über tausend Meter Höhe auf die Erde zu stürzen oder zu trudeln und zu wissen, dass man damit im realen Krieg nun tod wäre, obwohl es erst einer der ersten Feindflüge war, nimmt dem Krieg mit richtigen Kriegswaffen doch sehr seinen Reiz.
    Selbst eine realistische Afghanistansimulation wäre eher abschreckend, weil diese Taliban überall sein können und letztlich unbesiegbar sind, während die Verwundungen durch ihre Anschläge furchtbar und oft tödlich sind. Egal wie viel man da mit seinen modernen High-Tech-Waffen rumballert.
    Mit anderen Worten, ich meine das gerade Kampf- und Kriegssimulationen eher von Gewalttaten abschrecken – zumindest diejenigen die im Leben auch noch andere Möglichkeiten haben.
    Was man Jungs wie diesen Amokläufern geben müßte wären zunächst Schulen und Berufe in denen es keine Mädchen und Frauen gibt. Die Taliban sind uns da kulturell inzwischen weit überlegen weil sie die Rollen von Männern und Frauen klar definieren und Frauen letzlich als Konkurrenten rücksichtslos ausschalten. Gerade Männer die nicht wirklich mithalten können werden durch die Emanzipation der Frauen und durch deren allgegenwärtige Konkurrenz zu Gewalt angestiftet – was am Ende allen schadet. Die fliegen dann z.B. im Team große Verkersflugzeuge im Rahmen einer logistisch, terroristischen Meisterleistung gegen Wolkenkratzer fliegen oder sie schießen halt als einfach nur ein paar Mitschüler(innem!) und Lehrer in ihrer alten Schule ab. Oder sie konvertieren zu einem fundamentalistischen Islam und werden Selbstmordattentäter, auf die im Paradies 78 die Männlichkeit und Leistung des im irdischen Schul- und Wirtschaftleben versagenden Helden bewundernde Jungfrauen warten.
    Die Waffen beim großen Amoklauf mit den Flugzeugen vom 11. September 2002 waren übrigens nur ganz normale Teppichmesser, und mit Ballerspielen haben die Meister des Amoklaufs sich wohl eher auch nicht abgegeben.
    Selbstmordattentate und Amokläufe sind meines Erachtens jedenfalls eher eine Folge unserer westlichen Normen und der Emanzipation der Frauen.
    Aber sollten wir das Ändern? Ohne Emanzipation wäre unser Lebensstandard viel geringer und die Männer könnten sich weder Computer zum Spielen noch Pornos oder flotte Autos und Motorräder leisten.
    Und war es nicht so, dass die Rabauken und zu kurz gekommenen früher als Landsknechte und Seeleute Verwendung fanden und massenhaft von der Obrigkeit verschlissen wurden? Heute haben wir denen nur noch Hartz IV, die große Langeweile, RTL und Computerspiele zu bieten. Keine besonders prikelnde Lebensperspektive Männer die gerne richtige Männer wären.

  179. @damenwahl: Wenn Sie unbedingt...
    @damenwahl: Wenn Sie unbedingt etwas verbieten wollen, was den Ausübenden und die Allgemeinheit um ihn herum nachgewiesenermaßen schädigt, dann fangen Sie doch mit dem Rauchen an.
    Aber diese Diskussionen ufern erfahrungsgemäß noch viel weiter aus, als diese, und da finden sich die Verteidiger quer durch alle Gesellschaftsschichten und so viele entdecken da, dass man doch die Freiheit des Einzelnen schützen muss und vergessen, dass sie laut Verfassung dort endet, wo sie die eines anderen beschneidet.
    Wenn Sie mir den Nachweis der Gefährlichkeit von Egoshootern für andere genauso erbringen, wie den der Gefährlichkeit von Passivrauch, dann schmeiße ich meine Spiele weg und trete hinter Sie, beim Kampf dagegen. Bis dahin nutze ich sie, wie bisher, als Ablenkung und zur Entspannung und hoffe, dass mein Aikidotraining mich davor rettet, dem Wahn zu verfallen.

  180. "...fifty-seven channels and...
    „…fifty-seven channels and nothing on.“
    Bruce Springsteen
    Lieber Don Alphonso,
    auch wenn ich gern und oft völlig anderer Meinung bin als Sie, ziehe ich vor Ihrem Stil meinen Hut (nur heute hätten Sie den Text noch einmal lesen sollen, die Fehlerquote war vergleichsweise hoch) – doch genug der einleitenden Floskeln und zum Inhalt:
    Ich schließe mich zunächst einmal einer hier schon sehr früh in den Kommentaren gelesenen Hypothese an: die aktuelle Haltung der Verteidiger der Spiele, um die es geht, ist eine ‚Vorwärtsverteidigung‘ – die entsprechende Szene hat sich nach den letzten Verbotsdebatten recht formidabel organisiert, zum Teil nicht nur mit T-Shirts sondern auch Argumenten gerüstet und ist nun entsprechend vorbereitet.
    Dass allerdings Medien (da bleibe ich mal allgemein) keine Wirkung auf den Rezipienten haben, ist freilich nicht belegbar – welche Wirkung sie nun haben, aber ebenso wenig (ich persönlich hänge hier Ellul an). Und: wer handelt hier? Gibt das Medium Ideen ein, oder sucht ein Mensch mit bestimmten Ideen nach einem passenden Medium und versorgt sich so mit Selbstbestätigung? Meinem Kenntnisstand nach keine klar zu beantwortende Frage. Andererseits auch nicht die Frage, die im Zentrum der Abwehrhaltung der Spieleverteidigung steht: da geht es doch vielmehr darum, ob sich Spieler kriminalisiert fühlen, beleidigt sind, wenn man ihr Hobby als ‚Dreck‘ tituliert. Wer das von ‚früher‘ kennt, weiß was kommt, kann es nicht nachvollziehen (will es nicht), erinnert sich daran, dass die Gegenseite ebenso wenig argumentiert (und Studien gibt es für beide Seiten) und viel pauschalisiert – und legt los. Das wäre meine Meinung zu ihrer Eingangsbeobachtung. Nun habe ich allerdings noch eine Frage an Sie:
    Wir sahen in den letzten Tagen ein Verbrechen dieser Art hier, eines in den USA. Derartige Parallelen sah man schon ein paar Mal (zumindest medial konstruiert) und meinem leitmedienbasierten Kenntnisstand nach sind sie auch prominent vor allem in Deutschland und den USA zu grausiger Häufung beobachtet worden. Flapsig gesagt, in dem Land mit dem laxesten und dem strengsten Gesetz was Gewalt und Jugendschutz und auch Waffenbesitz angeht. Da liegt dann ja wohl weder Grund noch Lösung – wo aber dann? Was führt hüben wie drüben zu diesen Taten? Ihre Ideen?
    Es grüßt,
    Cg

  181. Sehen jetzt komm ich von ihrem...
    Sehen jetzt komm ich von ihrem Blog doch nicht los.
    Aufgrund meines Studium durfte/musste ich mich mit politischer Philosophie etwas tiefer gehender befassen.
    An die Zeiten des Giftschrankes von Schul- und Stadtbibliothek kann ich mich auch noch erinnern. Manch Diskussion mit den Bibliothekaren war die Folge.
    Faszinierend, trotz meiner persönlichen Ablehnung der Schriften Lenins und Hitlers, war für mich der gesellschaftliche Kontext in dem sich Leute (quer durch alle sozialen Schichten) davon überzeugen ließen ihr Heil in diesen Schriften zu suchen.
    Im Moment weiß ich noch nicht, gerade weil ich Sie durchaus zu schätzen weiß, ob ich Sie/uns bedauern soll, wenn sie die Gartenbestellung Dritten überlassen wollen.

  182. Ich finde den Artikel von Don...
    Ich finde den Artikel von Don Alphonso sehr berechtigt. Schließlich leben wir in einem Land der freien Meinungsäußerung. Außerdem scheint es mir nur all zu legitim, seine Mitmenschen zum Nachdenken anzuregen.
    Die sich in den Kommentaren empörend erhebenden Stimmen sagen mir, dass Don Alphonso in ein Wespennest gestochen hat. Die Verbreitung von Gewalt verherrlichenden Medien in jeglicher Form hat in unserer Gesellschaft eine schier unglaubliche Akzeptanz gefunden.
    Als Vater frage ich mich gerade, ob ich nicht vielleicht sogar selbst einen Teil dazu beigetragen habe, diese Gewaltbereitschaft zu fördern. Ich versuche mich zu erinnern… habe ich nicht auch, zusammen mit meiner Tochter im zarten Alter von 7 Jahren, Filme angesehen, die laut FSK eigentlich erst ab 12 Jahren geeignet wären?! Und verdammt, die Videogame-Abende mit meinem Sohn… nie habe ich ernsthaft in Zweifel gezogen, ob die Spiele für ihn überhaupt geeignet sind. Ist doch nur ein Game (guck, sieht aus wie ein Comic!) habe ich oft zu meiner Frau gesagt, die sich darüber beschwert hat.
    Don Alphonos Text stimmt nachdenklich – und das ist gut so! Denn viele der Kommentatoren verbreiten Todesangst. Hier spricht eine Generation, die sich als Kanonenfutter fühlen muss. Und wir sollten alle wissen: WER ALS LEBEWESEN KEINE WERTSCHÄTZUNG ERFÄHRT, DER SCHÄTZT AUCH ANDERES LEBEN NICHT WERT.

  183. @lügen hat kurze Beine

    die...
    @lügen hat kurze Beine
    die wette mit dem britschen Peso halte ich, der muss sehr wertvoll sein, da sehr selten!
    Weder habe ich behauptet der Forumseintrag sei von Tim K noch verlasse ich mich vorschell auf Polizeipressekonferenzen.
    Ein gewisse Zuneigung für zugespitzte Formulierungen, da bekenne ich mich schuldig.
    Strebehafte Besserwisserei hat wohl schnelle Finger

  184. das ist es doch gerade, herr...
    das ist es doch gerade, herr don: sie behaupten, rilke mache keine mörder. implizit meinen sie: würden die jungs rilke lesen statt am pc virtuelle figuren umzunieten, würden sie nicht amok laufen. davon abgesehen, dass beide aussagen kaum beweisbar sein dürften, wird doch, denke ich, auch deutlich, warum dieser gedankengang viel zu kurz greift. ich will nicht abstreiten, dass es KEIN zufall ist, dass die amokläufer häufig auch counterstrike-spieler sind. das ist meine theorie:
    ein amoklauf ist fast auch ein selbstmord, bei dem aber der täter zusätzlich gewaltige aggressionen auslebt und zudem eine riesige mediale aufmerksamkeit auf seine tat lenkt. auch beim counterstrike spielen im internet kann man aggressionen abbauen und dabei aufmerksamkeit gewinnen. DAS ist kein zufall.
    es ist aber falsch, anzunehmen, die aggressionen, die sich bei amokläufern aufstauen, kämen vom computerspielen. die spiele waren zuvor ein ventil für den druck, dem die jugendlichen in ihrem umfeld ausgesetzt waren. fast alle menschen lernen irgendwann, mit diesem druck zu leben. nur wenige schaffen es nicht. und noch viel weniger laufen amok.
    die sache mit rilke ist auch eher gewagt. der sunnyboy, der hiphop und house hört, markenklamotten trägt und party macht liest bestimmt nicht rilke. der außenseiter mit brille, schlecht sitzenden klamotten und merkwürdigem musikgeschmack schon eher. der potentielle amokläufer.

  185. @Damenwahl
    ein gutes Argument...

    @Damenwahl
    ein gutes Argument gegen das Verbot von Killerspielen ist meiner Ansicht nach, dass man den Menschen selbst entscheiden lassen sollte was er tut. Um auf ein beliebtes Beispiel zu verweisen. Autofahren an sich ist auch sehr gefährlich und das nicht nur bei hohen Geschwindigkeiten,auch bei 30 km/h kann schon sehr viel passieren. Nun ist Autofahren zu recht nicht verboten. Es gibt aber sinnvolle Einschränkungen(Tempolimit, kein Fahren unter Drogeneinfluss etc.). Ähnlich sehe ich das bei den Killerspielen. Diese sind sicherlich an sich schon recht fragwürdig, aber ein generelles Verbot halte ich für zu weitgehend. Man sollte lieber die schon bestehenden rechtlichen Möglichkeiten nutzen(Altersbeschränkung, Indizierung BESONDERS gewaltätiger Spiele), obgleich auch ich an der technischen Möglichkeit der Umsetzung zweifele.
    Ein komplettes Verbot hat für mich aber mehrere Nachteile.
    1. Wird es sich kaum mit der Verfassung vereinbaren lassen. So steht zB. die schon genannte Kunstfreiheit dem entgegen. Zudem ist Ihr Argument, dass man zum Schutze der Mehrheit diese Spiele verbieten sollte sehr fraglich, denn die Mehrheit der Spieler begeht ja nun gerade keine Amokläufe. Sie werden ja auch nicht wollen, dass das Autofahren generell verboten wird, nur weil einige besoffen fahren.
    2. „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“
    Ein Verbot von nicht per se und komplett gefährlichem, sondern von nur moeglicherweise (wie Sie selbst schreiben) und auch nur in Einzelfällen gefährlichem(der Großteil der Spieler begeht ja keine Amokläufe) ist meiner Ansicht nach etwas, das sehr tief in unsere Wahlfreiheit eingreift. Wir als aufgeklärte Menschen haben eben die Wahl, in diesem Fall ob wir so etwas spielen oder nicht. In diese Freiheit sollte man als Staat aber nicht eingreifen, denn dies würde einen sehr großen teil der Gesellschaft entmündigen. Die Leute hätten eben nicht mehr die Wahl ob sie das Angebot nutzen oder nicht und ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass es ja sehr viele Spieler gibt die keine Amokläufe begehen.
    3. (Jetzt wirds entgültig gesellschaffts/rechtsphilisophisch)
    Es besteht sowieso schon die Tendenz einer viel zu weit gehenden Gesetzgebung. Sie müssen sich nur mal anschauen, was in Deutschland an Verbraucherschutzgesetzgebung herrscht.( Da sehen Sie übrigens auch sehr gut das die Politiker uns für reichlich geistesschwach halten.)
    4. Verbote bedeuten auch immer Bestrafung bei Nichteinhaltung, zumindest dann wenn sie wirksam sein sollen. Halten Sie es wirklich für strafwürdig Ego-Shooter zu spielen?
    Das hat jetzt zwar wenig mit der eigentlichen Diskussion zu tun, deshalb habe ich auch versucht mich kurz zu fassen, dennoch halte ich bei demRuf nach Verboten, das oben gesagte für sehr beachtenswert, auch wenn man nicht zustimmt.

  186. Damenwahl sagte:
    "Ich frage...

    Damenwahl sagte:
    „Ich frage noch mal ganz naiv all jene, die hier so vehement gegen das Verbot protestieren: Welche Vorzuege haben solche Spiele? Wozu sind sie gut? Was macht sie wertvoll?“
    .
    Lasset uns Staatsbürgerkunde treiben.
    Es ist nämlich so, Damenwahl, dass nicht diese Spiele ihren Nützlichkeitsausweis Ihnen vorzeigen müssen, um sich zu legitimieren. Vielmehr haben Sie zu begründen, wodurch Sie ein Verbot rechtfertigen wollen. Im liberalen Rechtsstaat hängt die Meßlatte dafür aus guten Gründen hoch. Mir scheint, dass eher da Ihr Problem liegt.
    Wie meinen Sie, Damenwahl, sieht eine Gesellschaft aus, in der verboten wird, was „keine Vorzüge hat“, zu nichts „gut ist“ und nicht „wertvoll“ ist?
    Alles soll „meiner Meinung irgendwie sinnvoll sein“, sagen Sie, einen „gesellschaftlichen Nutzen“ muß es haben. Tut mir leid, aber Nützlichkeitsfetischismus in Verbindung mit Verbotsphantasien läßt Sie in eine Nähe geraten, in der Sie möglicherweise nicht sein möchten.
    Ihr völliger Unverstand in die bürgerlichen Freiheitsrechte zeigt sich in Ihrer Denkfigur, welche Sie mit einer Art Wollust und im Stil einer Schallplatte mit Sprung stets aufs neue präsentieren: “ … ob eine moeglicherweise gefaehrliche Sache verboten werden sollte, wenn es keine guten Gegenargumente gibt – und auf die warte ich immer noch.“
    Die Freiheit selbst ist das Gegenargument, das Sie nicht begreifen. Die Beweislast, Damenwahl, tragen Sie, wenn Sie etwas verbieten wollen, nicht der Gegenstand des von Ihnen intendierten Verbots. Denn im Rechtsstaat, den zu verstehen ich Ihrer Nacharbeit anempfehle, müssen immer die Einschränkungen der Freiheit begründet werden. Sie aber möchten, dass gefälligst die Freiheit vor Ihrer Rancune sich ausweist, und das ist nicht tolerierbar.

  187. "Was gefällt Euch daran, ein...
    „Was gefällt Euch daran, ein Spiel nur zum Spass zu spielen, in dem ihr tötet, abschlachtet, etc. bzw. warum habt ihr Spass daran?“
    Ich beantworte das mal.
    Für mich ist das Spielen von Egoshootern ein Wettkampf, eine Herausforderung, gegen andere und mit anderen anzutreten und mit meinem Team zu gewinnen. Ich mache das manchmal, so, wie ich früher mit meinen Freunden zusammen gegen eine andere Gruppe mit Erbsenpistolen und Schleudern gespielt habe. Das war Verstecken, Anschleichen, schneller und schlauer sein und hat uns öfter blaue Flecken eingebracht, obwohl es garantiert gesünder war als Computerspielen, denn wir waren an der frischen Luft.
    Das Spielen ist für mich kein Abschlachten von Menschen, wenn mir das gefafllen würde, würde ich mir Bloodpatches installieren, die das Ganze „authentischer“ machen und meistens in Deutschland auf dem Index stehen. Wenn jemand das macht, dann finde ich das schon bedenklich, denn spritzendes Blut muss meiner Meinung nach nicht sein.
    Wenn ich jemanden erwische, dann weiß ich, dass das keine reale Person sondern eine von einer realen Person gesteuerte Spielfigur ist. Ein Kollege, der im Jemen seine militärische Ausbildung gemacht hat, erzählte mir, dass sie in Schützenlöchern gehockt und für ihre Kameraden die Zielschieben in die Höhe gehalten haben. Diese Zielscheiben sind für mich die Gegner im Spiel, nur dass beim Spiel nicht die Gefahr besteht, dass ein Querschläger einer AK47 den Halter der Scheibe verletzt.
    Jemand sprach von Schach als Taktikspielalternative. Haben Sie schon mal Battlechess als Computerspiel gesehen? Da wird dem König beim der Niederlage auch der Kopf abgeschlagen. Ich halte nichts davon, die normalen Figuren gefallen mir besser, aber so ein König ist beim Shooter für mich die gegnerische Spielfigur.
    Ich kann nicht für andere sprechen und manchmal begegnet man auch Spielern, die den Eindruck hinterlassen, dass es für sie nicht gut ist, Egoshooter zu spielen. Das ist mir aber bisher sehr selten passiert und sie wurden auch von anderen recht schnell erkannt und vom Server geschmissen.

  188. AnKro, es gibt 101...
    AnKro, es gibt 101 Moeglichkeiten der Entspannung, die fuer den Rest der Menschheit weniger riskant waere als Ballerspiele (und rauchen zaehle ich nicht dazu). Aber noch keiner hier ist in seiner Argumentation fuer Ballerspiele ueber ein stumpfes „Weil es Spass macht“ hinausgekommen – bei sowenig argumentativer Munition fange ich langsam an, Rueckschluesse ueber die Klientel zu ziehen…

  189. Für was sollen Gewaltspiele...
    Für was sollen Gewaltspiele eigentlich gut sein? Für Jugendliche sind sie sehr bedenklich.
    Warum aber Erwachsene sie gerne spielen und ihre Existenz verteidigen, würde mich interessieren. Macht es wirklich Spass virtuell Menschen zu töten? Ich käme mir blöd vor zuzugeben, dass mir das gefällt.
    Die Schule ist, wie Don richtig sagt, vom inhaltlichen her einfacher geworden. Altnazis und prügelnde Lehrer gehören auch der Vergangenheit an. Aber die Schüler sind untereinander gemeiner. Da gibt es eine zunehmende Verrohung.
    Kinder brauchen andere Kinder. Aber sie sind oft genug allein. Da bleibt nur der Computer. Es ist einfach für sie da abzutauchen. Man kann virtuell nicht lernen mit anderen Menschen umzugehen, Konflikte auszutragen oder Frust auszuhalten.
    Wenn die Leute nicht fähig sind, ihre Waffen, wie vom Gesetzgeber verlangt, wegzusperren, muss man sie ihnen wegnehmen. Dann haben halt nur Leute, die beruflich eine Waffe brauchen, z.B. Förster, diese zuhause.

  190. Jeder Mensch hat ein gewisses...
    Jeder Mensch hat ein gewisses Gewaltpotzenzial in sich.
    Bei einigen ist es so gering dass sie ihr ganzes Leben damit leben ohne dass es jemals zu (von ihnen selbst provozierten) Gewaltsituationen kommt, andere stehen ständig unter Dampf, immer kurz davor zu explodieren.
    Wenn ein solcher Mensch vor 300 Jahren (bitte Geduld die Überleitung zum aktuellen kommt) gelebt hat, dann hat er sich einen Leibeigenen gegriffen, diesen verprügelt und weil er grad so schön dabei war gleich noch die minderjährige Tochter vergewaltigt.
    Und heute?
    Nun heute sind wir zivilisierter, wir bauen das Aggressionspotenzial anders ab, Sport zb, gemeinsam die eine oder andere Party veranstalten, den Psychiater des Vertrauens besuchen etc….
    Und ich wage die These (ich seh das Augenrollen) auch Computerspiele helfen dabei Aggressionen abzubauen.
    Vielleicht wäre der Amoklauf ohne Computerspiele nicht passiert, aber genausogut hätte es sein können dass er schon wesentlich früher passiert wäre.
    Das weis keiner, auch die Gamer nicht.
    Wir reagieren nur mittlerweile schon sehr sarkastisch, weil uns von vorherein klar ist wenn so ein Amoklauf passiert, landen wir mit im selben Topf.
    Und niemand wird gern mit Amokläufern in einen Topf geworfen.
    Wenn die Menschen nach einer Begründung für diesen Amoklauf suchen, dann muss ich ihnen leider sagen: es gibt keinen Grund.
    Sie werden die EINE Ursache mit der alles hätte verhindert werden können nicht finden.
    Und jeder der Ihnen eine Antwort gibt und sagt dieses eine Ursache ist schuld der versucht ihre Trauer für sich auszunutzen und sie zu einer bestimmten Handlung zu überreden.
    So wie jeder Politiker der im Moment nach einem Waffenverbot schreit eigentlich nur seine nächste Wahl im Kopf hat.
    @Don Alphonso es geht nicht darum wer mehr leiden mussste, wer mehr gehänselt wurde oder wessen Schulzeit härter war.
    Das alles wird völlig sekundär wenn man einen guten Rückhalt hat.
    Das können die Eltern sein, aber auch Freunde.
    Ich habe auf dem Weg zum Erwachsen werden alles mitgenommen, Hänseln, Mobbing, echt fiese Lehrer und einen Minderwertigkeitskomplex so groß wie der Mount Everest und ich danke Gott auf Knien für meine Eltern sonst würde ich heute nicht hier sitzen und ewig lange Kommentare schreiben.

  191. <p>Oh, Sandmann: Seit 100...
    Oh, Sandmann: Seit 100 Jahren gibt es bei besseren Töchtern nichts besseres als eine profunde Kenntnis des Werks von Rilke. Keine Tochter eines Dresdnerchefs könnte einem jungen Mann im Smoking in einer lauen Sommernacht widerstehen, wenn er Rilke zitiert, während der Gamer in der Kammer mal schnell zu den japanischen Videos switcht.

  192. @Damenwahl warum haben Sie Sex...
    @Damenwahl warum haben Sie Sex obwohl sie keine Kinder zeugen wollen?
    …. Weil es Spaß macht.
    Das ist das ganze Argument mehr steckt nicht dahinter.
    Und ganz ehrlich ob da nun Blut spritzt oder nicht ist völlig egal, das fällt beim ersten mal auf und danch ist das völlig egal man sieht das dann eh nicht mehr.
    Genauso gut könnte der Avatar anstelle eines Menschen ein Huhn sein oder eine fliegende Tasse, hauptsache mein Mann schreit empört auf wenn ich ihne rausgeworfen habe.
    So eine Art „Mensch ärgere dich nicht“ in bunter Grafik und mit Teamplay Modus
    Und genauso sehen das 99% aller Gamer.

  193. Vielleicht hat Tim K....
    Vielleicht hat Tim K. Counterstrike gespielt, weil er in den Medien gehört hatte, dass das zu einem Amokläufer einfach dazugehört?
    Aber mal im Ernst: Die ausschweifende und detaillierte Berichterstattung in den Medien einschließlich FAZ ist doch viel gefährlicher und regt mehr zum Nachahmen an als es die fiesesten Computerspiele jemals könnten.

  194. Lieber Noergler, sie haben ja...
    Lieber Noergler, sie haben ja voellig Recht! und die von Ihnen verfochtenen Konzepte will ich gar nicht ernsthaft in Frage stellen. Die Diskussion ist aber in meinen Augen von Beginn an in einer Schieflage: das Volk schreit „Verbieten!“ und die Spieler selbst sind in der Defensive und argumentieren vorwiegend entlang der Linie „Ich spiele und laufe nicht Amok, also ist es nicht gefaehrlich“ oder „die Gesellschaft ist schuld, nicht die Spiele“. Ich habe – zunehmend provokativ – nach einer anderen Perspektive gesucht, weil es sich aus der Defensive heraus immer schlecht argumentiert. Die massiven Proteste lassen mich vermuten, dass diese Spiele irgendeinen Reiz haben – und mich verlangt es nach Erkenntnis (mangels eigener Erfahrung), was an diesen Spielen gut, toll, spannend ist – ueber Spass am Ballern hinaus. Angefragt habe ich erstmals gegen 17h00 – jetzt gerade wurde meine Frage ansatzweise von AnKro beantwortet. Dafuer Danke!
    Christoph, mir ist voellig klar, dass ein Verbot utopisch ist. Ich habe auch schon mal Kant gelesen. Die Abwaegung zwischen Freiheit und Schutz ist eines der schwierigsten Themen ueberhaupt, weil nicht alle Menschen in der Lage sind, mit Freiheiten verantwortungsvoll umzugehen – und dem das Schutzbeduerfnis anderer Menschen entgegensteht. Das ist aber ein weites Feld… wollen wir den Topf hier wirklich aufmachen?
    Alisea: das eine Prozent macht mir dennoch Angst. Und die anderen 99 Prozent auch, wenn sie das einfach ausblenden…

  195. ...und noch eine Äußerung,...
    …und noch eine Äußerung, nachdem die Kommentare durch das Neuladen um einiges zahlreicher wurden.
    @Damenwahl:
    Wir unterscheiden uns, das schicke ich vorweg, in der grundsätzlichen Haltung Verboten gegenüber. Ich bin der Ansicht, dass verboten werden darf, was erwiesenermaßen keinen einzigen nicht schädlichen Aspekt hat, sie fragen, welchen Grund es gäbe, etwas nicht offenbar sinnvolles nicht zu verbieten. Meine erste (die prinzipielle) Antwort lautet demgemäß, wie schon oft gelesen: der Grundsatz der freiheitlichen Gesellschaft.
    Nun imaginieren Sie bitte als zweite (die wissenschaftliche [sollten Sie diese Kategorisierung ablehnen, empfehle ich ein wenig einschlägige Lektüre auf bundespruefstelle.de]) all die standardisierten Antworten (Reaktionsvermögen, Kommunikation, Teamgeist, taktisches Denken – bla, bla, Sie kennen das aus der Evaluierung Counterstrikes, die vor einigen Jahren im Lichte der Medienöffentlichkeit vorgenommen wurde).
    Nachdem dies an uns vorübergegangen ist, nun meine dritte (die persönliche) Antwort: Computerspiele verbinden ein klassisches Motivationselement von Gesellschaftsspielen, die Interaktion (zu Beginn der Branche vor allem mit virtuellen Mitspielern, inzwischen vermehrt realen) mit einem ebenso klassischen aus dem Buch- und Filmmarkt: der Geschichte. So gut wie jedes Computerspiel erzählt eine Geschichte, die die Spielerin oder auch der Spieler nicht nur passiv verfolgen (bei aller freiheitlichen Ausmalung der Details in der Phantasie) sondern aktiv beeinflussen können (oder solches zumindest vorgegaukelt bekommen). Allein diese beiden Elemente zusammengenommen, ergänzt um eine immer faszinierendere bildliche Umsetzung und teils hochkarätige, in der Regel aber zumindest ‚atmosphärisch stimmige‘ akustische Untermalung, generieren je nach Genre Spannung, Furcht, Freude – die gesamte emotionale Bandbreite, die wir auch aus der Literatur kennen, allerdings multisensorisch. (Zu real vielleicht? Ich denke, dass, das nicht der Fall ist, der Grad an ‚Realismus‘ nahm im Grunde im Laufe der Geschichte immer zu, und das entsprechende Bestreben wird sich kaum durch ein Gesetz in einem Land auf diesem blauen Ball ändern lassen). Die Spiele bieten, ebenso wie gute Bücher, einen Rückzugsort aus dem Alltag, einen Wettkampfplatz und vieles andere für unterschiedliche Personen. So, wie es für jeden, der das Medium nicht per se ablehnt, ein Buch gibt, gibt es auch für jeden ein Spiel. Für manche sind dies Ego-Shooter, für andere ein Zahlenrätsel. So wie manch einer Heine liebt, liebt der nächste Rowling, oder Horaz. Aber nur, weil ich der Meinung bin, dass alles, was nach 22 n. Chr. geschrieben wurde geistlose Wiederholung ist, unterstütze ich kein Verbot. Und ich möchte Sie ersuchen, das ebensowenig zu fordern. Wir können alle nur die Fische fangen, die größer sind als die Maschen unserer Netze.
    Es grüßt,
    Cg

  196. Gamer haben kein Erotikleben...
    Gamer haben kein Erotikleben :-) : Ich gebe zu, es ist eine Minicase-Study, doch ich weiß von einem jungen Mann in der Nachbarschaft, das ganze Programm: Gamer, Schule unlustig, Schule geschwänzt, Sozialphobie (er hatte Angst in Busse zu steigen, weil da Leute drin waren), Ausbildung dann doch geschafft, zu Hause bei Muttern, Games bis über den Hals, frustriert, Kriegsdienst nicht nur nicht verweigert, sondern einfach auf den Einzugsbefehl nicht reagiert, jetzt angestellt in einem Waffen-Shop, zuhause liegt das Softair-Gewehr einfach so rum auf Mutterns Sesseln, schoss bei einem Besuch die Krautköpfe der Oma mit einem langen Luftgewehr (Plastikgeschosse) zu Klump – und alle fanden das lustig (die Oma war grad im Haus und hat das nicht mitgekriegt…) Bei DEM Kerlchen kann es mal rumsen – und alle werden sagen, das konnte man doch nicht voraussehen… manchmal glaube ich, es fehlt manchen Umgebungen einfach an sozialer Intelligenz.

  197. hugoservatius

    Auch wenn ich...
    hugoservatius
    Auch wenn ich für keinen meiner Kollegen die Hand ins Feuer legen will: Es gibt auch noch andere als „gelangweilte“ und „lustlose“ Lehrer. Es ist jedoch immer ein Erlebnis der besonderen Art, bei Elternsprechtagen die Erzeuger auf offensichtlich exzessives „Zocken“ der 14-Jährigen Sprösslinge oder auf deren Konsum von FSK 18-Videoware aufmerksam zu machen: die Reaktionen reichen von ungläubigem Staunen über Desinteresse (machen doch eh alle, haben wir doch auch gemacht, ja ja die Pubertät…) bis hin zu lautstarkem Protest, angesichts der Einmischung in die elterliche (Nicht-)Erziehung.
    Im Übrigen möchte ich an dieser Stelle auch auf Neil Postman verweisen, dessen Thesen vom „Verschwinden der Kindheit“ und dem „Ende der Erziehung“ man sich noch mal in aller Ruhe ansehen sollte!

  198. Nun Damenwahl den Topf wollte...
    Nun Damenwahl den Topf wollte ich nun eigentlich nicht aufmachen, deshalb ja auch nur die Kurzfassung. Ich bin aber froh, dass Sie sich der Problematik offensichtlich bewusst sind. Mir wurde das aus ihren vorigen Beiträgen nicht klar, deshalb der Hinweis darauf meinerseits.

  199. don, das will ich gar nicht...
    don, das will ich gar nicht anzweifeln. nur leider ist dieser junge mann im smoking eine aufs ärgste bedrohte spezies…
    und ich wette, selbst der hat auch schon mal eine runde unreal tournament death match gespielt. davon wird er keiner dresdnercheftochter etwas erzählen, aber direkt schämen tut er sich deswegen auch nicht!

  200. "Wenn die Leute nicht fähig...
    „Wenn die Leute nicht fähig sind, ihre Waffen, wie vom Gesetzgeber verlangt, wegzusperren, muss man sie ihnen wegnehmen.“
    Naja, das hat was von ‚Wenn die Leute nicht fähig sind, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten, dann muss man ihnen die Autos wegnehmen.‘
    „Dann haben halt nur Leute, die beruflich eine Waffe brauchen, z.B. Förster, diese zuhause.“
    Klingt schon besser.
    Allerdings würde ich mir eine generelle Schützenvereinsschelte verkneifen wollen. Wenn ein Sportschütze bei Olympia Gold für Deutschland holt ist die ganze Nation auch wieder stolz und freut sich (zurecht, wie ich meine!).

  201. Ich frage mich, ob sich eine...
    Ich frage mich, ob sich eine Debatte mit Typen, die wertvolle Lebenszeit dahingeben, um sich beim Computerspielen – anders als in der Echtwelt – mächtig und stark zu fühlen, überhaupt lohnt. Egal aus welchem Anlass.
    Fehlt bloß noch der notorische Horx, der ja seinerzeit den Trend ausgegeben hat, Egoshooter würden Kinder fürs Leben schulen – bloß weil es seine einzige Chance war, mit der Jugend Kontakt zu halten.
    Ganz offen: Ich verachte Menschen, die regelmäßig Egoshooter und ähnliche Baller-Games spielen – auch wenn sie vorwiegend verhaltensunauffällig bleiben.

  202. Sandmann, das sehe ich nicht....
    Sandmann, das sehe ich nicht. In meiner Altersklasse gibt es viele Eltern mit Kindern im kritischen Alter, und die Eltern kennen sich mit dem Thema sicher nicht schlechter als ihre Kinder aus. Vielleicht sogar besser. Und der Druck ist da seit meiner Zeit schon nochmal härter geworden. Eine Bekannte zum beispiel hat ihre Schule gehasst, weil sie so fies streng waren. Und wohin hat sie ihre Tochter gesteckt? Na?
    .
    Wir sterben nicht aus. Hier werden gerade die letzten 68er-Reste geschleift.

  203. Cg, heissen Dank fuer die...
    Cg, heissen Dank fuer die Erkenntnis, genau darauf habe ich gewartet. Wie bereits zugestanden, fehlt mir der Zugang, aber Ihrer Darstellung kann ich durchaus folgen. Genau diese Perspektive vermisse ich in der allgemeinen Debatte: jemand der Spielen etwas gutes abgewinnt und nicht nur gegen das Verbot ist.
    .
    Christoph, das Medium hier bietet sich einerseits wenig an zur ausfuehrlichen Darlegung balancierter Ansichten, gleichzeitig besteht der Reiz auch darin (wie ich von Umverteiler gelernt habe), gelegentlich ironisch oder provokativ jenseits der privaten Ansichten zu sein.

  204. Es ist ja wohl so, dass...
    Es ist ja wohl so, dass wahrscheinlich mehrere Ursachen bei einem Amoklauf zusammenwirken und man nicht eine einzige allein dafür wird namhaft machen können. Es trifft also ebensowenig zu, dass gewalttätige Computerspiele zu realer Gewalt führen müssen wie sich das von vornherein ausschließen lässt, wie manche Verteidiger der Spiele mantrahaft wiederholen. Wenn ich Don Alphonso richtig verstehe, dann wendet er sich vor allem dagegen, dass man Computerspiele von vornherein exkulpiert. Im Fall von Tim K. scheinen zumindest eine psychische Erkrankung (Depression mit entsprechenden Minderwertigkeitsgefühlen), die Herabsetzung der Tötungshemmung in der Fiktion des Spiels und die Schulung als Sportschütze auf sehr unglückliche Weise zusammengetroffen zu sein. Er ist wohl von seinem Vater in den Schützenverein mitgenommen worden und hatte auch im Keller des elterlichen Hauses eine Schießanlage, auf der er mit Luftgewehren o.ä. seine Treffgenauigkeit schulen konnte, was der einschlägige Spiegelbericht als normale Beschäftigung für Jugendliche einstuft.
    Die Computerspielbefürworter scheinen mir ähnlich wie die Waffenlobbyisten in den USA zu argumentieren, die im Blog der New York Times den Amoklauf von Winnenden als Beleg dafür benützen, dass auch in einem Land mit restriktiven Waffengesetzen derartiges passiert. Die deutschen Waffengesetze mögen ja restriktiver als die der USA sein, aber solange es hier zwei Millionen Sportschützen gibt, ist der Zugang potentieller Amokläufer zu Waffen sichergestellt. Auch der Erfurter Täter hatte Verbindung zu einem Schützenverein und liebte Ballerspiele. Die Spiele alleine mögen ja noch nicht gefährlich sein, aber der Cocktail aus psychischer Erkrankung, realen Schießübungen im Verein und gespielten Tötungsfantasien kann sich rasch als explosiv erweisen.

  205. Gute Fragen zu überforderndem...
    Gute Fragen zu überforderndem Sachverhalt. Zunächst: Das zu rasch immer wieder vergessene Milgram-Experiment wie auch letzte Kriege lassen nicht daran zweifeln, dass auch der Unbescholtenste in bestimmten Konstellationen zu grausamen Gewalttaten fähig ist. (Beeindruckend beim Milgram-Experiment war weniger das Maß der Gewaltbereitschaft als die Erschütterung der Versuchpersonen realisieren zu müssen, wie leicht entgegen bisheriger Selbstüberzeugung sie zu Grausamkeiten zu verleiten waren.) „Und führe uns nicht in Versuchung“ wird hier in seiner Weisheit und Notwendigkeit fassbar.
    Literarisch vermittelte Gewalt – Gewaltvideos – Gewaltvideospiele, da muss die Stufung bezüglich der Einbezogenheit nicht gesehen werden. In letzterem bin ich realitätsnah beteiligt, die Wirkungen eigenen Handelns steuern mich und werden mir unmittelbar erlebbar, „ich bin dabei, bin gepackt“. Die Ursache der Amokläufe ist damit nicht ausgemacht, eine förderliche Wirkung kann aber meiner Meinung nach in speziellen Fällen nicht abgesprochen werden. Begründend dazu folgende Ausführungen:
    H. Davanloo, ein kanadischer Psychotherapeut, behandelt seelische Verletzungen mit einem speziellen Vorgehen. Gezielt befragt er den Betroffenen intensiv in einer Weise zu seinem Erleben, das diesen ahnen lässt, dass seine schmerzlichen Bereiche untersucht werden sollen. Der Patient entwickelt (verständlich) Widerstand, der in gleicher Weise nachforschend beantwortet wird. Dem ansteigenden Druck und der Herausforderung durch den Behandler geht eine (verständlich) wachsende Wut auf den Therapeuten parallel, dessen Kunst es nun ist, diesen dann zur Mordswut gewachsenen Affekt auf das Reichweite der Patientenfäuste imaginierte Abbild des Behandlers zu lenken. Diese außerordentlich intensive Phase so sichtbar werdender mörderischer Wut wird so lange ermunternd begleitet, bis diese Wut völlig verraucht ist (und der virtuelle Therapeut tot am Boden liegt). Unter Führung kann der Patient jetzt realisieren, dass seine Wut mörderisch war. Obgleich dem Behandler in Wirklichkeit kein Haar gekrümmt wurde, überwältigt ihn zunächst ein tiefes Schuldgefühl, das bald von einem minutenlang andauernden tiefen außerordentlichen, die ganze Person füllenden Schmerz abgelöst wird. Und offenbar ist es erst das Durchstehen dieses unbeschreiblich starken Schmerzes (in haltgebender Atmosphäre), das eine deutliche seelische Befreiung einleitet. Die Erfahrung zeigt nun, dass erst das Wiedererleben und somit bewältigende Durcharbeiten dieses Schmerzes bei diesem Vorgehen Heilung bringen kann.
    Nun ist es fast Allgemeinwissen, dass schwere seelische Verletzungen unbehandelt zu seelischen Störungen führen können, deren Besonderheit es oft ist, dass die seinerzeitige Ursache, wie auch immer, ins Vergessen gedrängt wurde. In solchen Fällen nun können Gewaltvideospiele fatale Wirkung dadurch entfalten, dass so gegebene Annäherung an tiefe Betroffeneheiten momentaner Entlastung etc. wegen fast suchtartig aufgesucht wird, eine gleichzeitige Abwehr des tiefen Schmerzes jedoch eine Lösung (s.o.) verbaut. Außerdem vertieft diese Kontaktnahme per Computer erfahrungsgemäß die soziale Abschottung. In diesen Fällen also wirkt eine gefährliche Droge.

  206. @lusitano:

    Das mit dem...
    @lusitano:
    Das mit dem „britischen Peso“ (extra in Anführungszeichen) kann ihnen am besten der Hausherr hier erklären ;-) Fragen Sie ihn doch mal bei Gelegenheit nach seinen Ansichten über Englands Finanzen im Zeichen der Bankenkrise.

  207. @Damenwahl, ich hoffe Sie sind...
    @Damenwahl, ich hoffe Sie sind noch on (ihr war es einige Zeit nicht).
    „Freiheit ist immer die Freiheit der anderen“ – zugegeben Große Worte, die aber auch hier, beim „Recht auf Computerspiel“ in gewisser Weise passen.
    Gegen Personen, die mir aufgrund ihrer persönlichen Wertung und Abwägung aufoktroyieren wollen, welche nützlichen und vorteilhaften Hobbies mir erlaubt sein sollen, sind mir von Natur auf suspekt. Solche Argumentationen sind archetypisch für Medien-, Kunst- und Gesellschaftspolitik in nicht sehr freiheitlichen Staaten.
    Und Ihr Beispiel mit der Freude an der Jagd und der Beschränkung des Waffenbesitzes (welches zugegebenerweise schon einige Stunden zurückliegt) – hinkt: die Jagd ist ja gerade erlaubt, lediglich ist der Waffenbesitz beschränkt. Das zeigt, wo in der Verbotsdiskussion sinnvoller Weise anzusetzen ist.

  208. Wenn der junge Mann im Smoking...
    Wenn der junge Mann im Smoking in einer lauen Sommernacht hingegen eine Tochter aus Hartz 4-Kreisen betören möchte, kann er ebenfalls Rilke zitieren: „Armut ist ein stiller Glanz von innen.“
    .
    Einen Dichter, der es über sich bringt, so etwas hinzuschmieren, den hätte ich gerne in einem Ballerspiel vor der Flinte, gleich neben ein paar christlichen Fundamentalisten, aber bitte mit Supergrafik, Spitzensound und gaaanz realistisch!

  209. Don Alphonso :

    Was ich zum...
    Don Alphonso :
    Was ich zum Ausdruck bringen wollte : Der Mensch giert nach Unterhaltung und das am leibsten in Form von Gewalt – Das war schon im alten Rom schon so und hat sich durch die Epochen weiter fortgesetzt – nur die Darbietungsformen haben sich eben geändert, je nach verfügbarem Medium.
    Ich bin zufällig auf Ihren Blog gestoßen – warum nur? weil die FAZ online uns mit allem versorgt wonach wir trachten, Bilderserien, Videos Exklusivberichte – kurzum Unterhaltung für den Pöbel. Ich darf doch Stark annehmen das ihr Blog an normalen Amokfreientagen weniger post haben, richitg?

  210. Damenwahl, dass sich das...
    Damenwahl, dass sich das Medium (Internetforum) nicht zur ausführlichen Darlegung balancierter Ansichten eignet möchte ich doch bestreiten, dieses Forum ist für die angeklungene Diskussion allerdings sicher verfehlt.
    Im Übrigen haben Sie mich erfolgreich provoziert. Umverteiler hat sich also als guter Lehrer erwiesen.
    [Dieser Beitrag hat jetzt schon gar nichts mehr mit der eigentlichen Diskussion zu tun, deshalb soll es auch mein letzter sein, der sich nicht auf das ursprüngliche Thema bezieht.]

  211. Rainersacht, der hier 22:30...
    Rainersacht, der hier 22:30 kommentiert, beschreibt auf seinem Blog eine üble Erfahrung mit einem üblen Typen, der ein Gamer war. Leider kann R. nicht unterscheiden, dass der Typ übel war als Mensch und nicht als Gamer.
    Eine Frage, Rainersacht: Wenn Du mal eine schlimme Erfahrung mit einem Juden machst, wirst Du dann Antisemit?

  212. Schlecht beantwortet: Wenn es...
    Schlecht beantwortet: Wenn es nur ein Wettkampf ist, warum dann nicht ein Sport Computerspiel, ein Autorennen, oder eines der zig tausend anderer Wettkampfspiele, bei denen überhaupt niemand getötet wird. Es gilt ja hoffentlich nicht die gleiche Gleichung Wettkampf = Killen.
    Irgendwas scheint das computertechnische Töten doch noch mehr zu bieten, als ein „normaler“ Wettkampf. Und hier meine ich, dass der stumpfe Trieb bei manchen einfach noch nicht durch die Intelligenz besiegt wurde und wir unsere geistige Entwicklung in den letzten 10.000 Jahren noch nicht weit vorangetrieben haben.

  213. Was ich traurig finde ist,...
    Was ich traurig finde ist, dass die Diskussion bei Maischberger hochwertiger war als dieser Beitrag. Immerhin hat in der Sendung Frau Familienministerin ausgemacht, wo das Problem liegt. Nämlich im Internet. Da bräuchte man „etwas, wo man anklicken kann, und sich dann jemand drum kümmert“ so sagt die Bundesmami, vielleicht etwas wie „eine 110 fürs Internet“.
    Herr Alphonso, sie wollen doch nicht etwa dieser Kompetenz widersprechen?

  214. @ Das Goldene Vlies

    (sorry,...
    @ Das Goldene Vlies
    (sorry, jetzt erst gesehen, kein Wunder…)
    „Sehen Sie nicht etwas zu schwarz, gnädige Frau? Wir sind alle verwahrlost. Geistig, seelisch, schreiben Sie. “
    Das „Wir“ ist sehr schwarz, ja. Es ist böse Absicht und soll zum Nachdenken bringen, denn ich finde es müßig, Schuldzuweisungen zu verteilen. Schuldzuweisung ist etwas, wenn etwas systemisch nicht kapiert worden ist, das komplett kontraproduktiv ist eigentlich. Was ich mit dem „Wir“ sagen will ist, dass sich jeder an seine eigene Nase fassen soll, wo er seinen Anteil hat. Keiner ist frei davon. Da sind für mich alle dabei, vom feigen „liberalen“ Schein-68er, der alles Mögliche gelten lässt, liberalité ist für den alles, bloß keine Grenzen ziehen – und die Wohlstandsverwahrloser, die die Kinder alleine lassen bis zur Schulpolitik, die die Kinder auf blanke Effektivität trimmt, statt ihre Persönlichkeiten zu würdigen und ihnen Zeit zum Reifen zu lassen. (Kindergarten multilingial, das Gedöns mit den Überbegabungen, Mathe mit 3, und Gymnasiumzeiten verkürzen, das sind so Dinger. Das ist Überforderung pur. Plus der von Leyen’schen Religion, dass Muttersein mit 8 Kindern doch easy zu wuppen sei – Kunststück, wenn man sich Nannies leisten kann… ) Es ist alles sick, unehrlich, kalt und pseudo.

  215. Rainersacht, ich habe mal kurz...
    Rainersacht, ich habe mal kurz auf Ihre Webseite geschaut und meine nur auf Ihrem kurzen Posting beruhende Meinung von Ihnen bestätigt bekommen.
    Ich verachte Leute, die ihre vorgefasste Meinung an jeder Stelle kundtun und weder auf die Diskussion eingehen, noch Argumenten mit Gegenargumenten antworten.
    Die Postings, die Don Alfonso hier freigeschaltet hat, sind fast durchgängig vernünftige Darstellungen der Meinungen beider Seiten.
    Wenn Sie so miese Erfahrungen mit EINEM WoW Spieler gemacht haben, der sich nicht mehr sicher war, in welcher Welt er lebt, wieso schließen Sie da auf alle anderen.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie in Ihrer Freizeit auch Sachen machen, die ich als Verschwendung wertvoller Lebenszeit ansehen würde. (seien Sie sich sicher, lesen gehört nicht dazu.)
    Da ist halt jeder anders und mir würde es im Traum nicht einfallen, sie für Ihre Freizeitgestaltung zu verurteilen.
    Ich kenne jemanden, der hat vor 20 Jahren andere dafür verurteilt, weil sie ihren Abend mit dem Spielen von Canasta verbrachten und nicht mit philosophischen Diskussionen. Jetzt guckt er abends das Musikantenstadl. Nunja, die Zeiten ändern sich.

  216. <p>Jedenfalls habe ich heute...
    Jedenfalls habe ich heute wieder was gelernt: Viele Gamer gamen, weil sie für alles andere einfach zu feige sind. Mit dem Dreck, der hier heute kam, hätte man fünf Eltern unter normalen Bedingungen des deutschen Rechtssystems jeden teuren Ánlass geben können, ihren psychisch kaputten Nachwuchs bis zur Volljährigkeit vom Rechner zu trennen.
    .
    Das letzte Mal, dass ich mit einer derartig verbohrten Bande von Trollen zu tun hatte, war bei StudiVZ-Stalker-Zeiten. Da wundert einen offen gesagt gar nichts mehr.

  217. ob diese rotzlöffel nun vor...
    ob diese rotzlöffel nun vor dieser oder jener kiste ruhig gestellt werden oder pornorap-hörend mit ihren altersgenossen durch den randbezirk ziehen und mülleimer kaputttreten läuft alles mehr oder minder aufs gleiche hinaus. und ich weiß immerhin aus meinem umfeld, dass eine ganze reihe von denen irgendwann noch die kurve kriegt. so geht (prä)pubertät heute halt ab.

  218. @morrissey:
    derzeit am...

    @morrissey:
    derzeit am beliebtesten an online-spielen dürfte dank WoW der rollenspiel bereich sein. shooter und strategiespiele geben sich meines erachtens spielerzahlmäßig nicht viel.
    es wurde schon treffend formuliert: wie es auch bei film und literatur für jeden was gibt, gibt es auch ein spiel für (fast) jeden. und wer hat eigentlich den kindergartenkindern beigebracht, krieg zu spielen („peng, du bist tot“)? krieg ist was aufregendes, gefährliches, unbekanntes, also spannendes… ist meiner meinung nach relativ klar, was da die faszination ausmacht. und dann noch die gelegenheit, daran teilzunehmen, ohne tatsächlich in die schusslinie zu geraten – voila!

  219. narf

    Das Thema...
    narf
    Das Thema Amok/Gewalt-Gaming hat soo’nen Bart und greift viel zu kurz ist dämlich und stammtisch und sowieso.
    Bei Amokläufen geht es immer um psychische erkrankungen und nicht um deren konsum von irgendetwas.
    http://www.ndr4.de/media/amok108.html <--kurzes 5 Minuten Interview auf NDR Info mit nem kundigen Menschen um mal etwas die Spannung aus der Diskussion zu nehmen :) Grüße

  220. die meinung dass spiele...
    die meinung dass spiele vorschnell freigesprochen werden – geschenkt, geschenkt.
    aber dann der blitzartige uebergang zum schuldspruch? naja. elegant geht anders.

  221. Glücklicherweise leben wir ja...
    Glücklicherweise leben wir ja in einem Land, in dem niemand mal eben Verbote erlassen kann, sondern Entscheidungen durch demokratische Verfahren getroffen werden – aber irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, an dem man den verschiedenen Faktoren auf dem Weg in solche Bluttaten einen signifikanten Einfluß nachweisen kann. Dann wird diese Debatte sicherlich fortgesetzt werden. In der Zwischenzeit bin ich verwundert, wie Menschen eine bestimmte Tätigkeit mit großer Leidenschaft verteidigen, aber eigentlich gar nicht recht wissen warum – das nenne ich unmündig und unaufgeklärt, derart reflektionslos durchs Leben zu gehen, ohne jemals die eigenen Prioritäten zu hinterfragen.

  222. Don Alphonso hat recht. Lesen...
    Don Alphonso hat recht. Lesen ist besser als Egoshootern und auch besser als ins Kino gehen. Counterstrike, Quake oder Doom wiederum sind besser als Seven, Saw oder Hostel u. ä. abscheulicher Dreck. Trotzdem zieht uns eine heimliche, perverse Ader immer wieder in derartige Filme. Ich fordere saftige Schutzzölle.

  223. ..seit einiger Zeit verfolge...
    ..seit einiger Zeit verfolge ich Ihren Blog und in diesem Beitrag gefallen Sie mir mit am besten.
    Jedoch ist die Frage nach Zusammenhängen zwischen Kulturgütern und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen auch, natürlich, älter als vorgestern (hier kann man mal wieder den deutschen Nationalsozialismus als Bezugspunkt anführen). Es lässt sich nicht einfach mit der Andersartigkeit des Mediums erklären und so manches Buch in Ihrer Bibliothek musste sich auch erst seinen Weg durch Verächtung und Verbote in den Bildungskanon erarbeiten, weil ihm unheilvolle Wirkung nachgesagt wurde (vielleicht alsbald ihre Jesuitenschmöker?).
    Andererseits geh ich mit Ihrer (unterschwelligen) Forderung konform, den Schutz möglicher Opfer über den Wunsch nach subliminaler Gewaltauslebung zustellen und einen klaren Standpunkt zu beziehen (obwohl Freiheitseinschränkungen auch in Form von Verboten mir fremd liegt). Das Umfeld und die Gesellschaft versagen, wenn es darum geht diesen Menschen beizubringen mit ihren Problemen umzugehen und ihnen klar zu machen, für welche Werte man als Gesellschaft, auch gegen jeden Spinner, gewillt ist konsequent einzustehen..
    Interessant und diskussionswürdig bleibt, dass Deutschalnd nach Amerika das Land mit den meistem „Amok“ ist..

  224. Ich habe es mir gespart alle...
    Ich habe es mir gespart alle Kommentare zu lesen, möchte aber anmerken, dass sich unter 10 Millionen Ballerspielern mit Sicherheit ein gewisser Anteil an zu Amokläufen neigenden Personen befindet, unter den vielleicht 10 000 17-jährigen, die regelmäßig und gerne Heine lesen bestimmt weniger potentielle Amokläufer sind, wahrscheinlich gar keiner.

  225. Sehr geehrter Don

    eine...
    Sehr geehrter Don
    eine Provokation par … (ach Mist, ich bin halt aus der Unterschicht) Haste nen Renner gelandet, wa?
    Wer sich hier alles aufregt … ich hab ab dem 20. Kommentar ausgemacht.(2h später, ich les eh alles nach, trotzdem, werden wenige Beiträge mich überraschen)
    .
    Bücher .. Ansammlungen von Büchern ohne Klappentext, der was verrät, ne Kurzversteheranleitung gibt, … wo? Wer? Am See?
    .
    Silberfisch ist ne Lebensform die prima klar kommt mit mir… Goldfische, Hunde/Katzen, Kinder nicht … nicht in dieser Welt, hier …. Hier ist das langsame Verstehen nicht mehr gefragt .. Kant verstehen in 3 Wochen (Univeristy of Chicago, Ausfang ca 1992, gesehn mit eigenen Augen)
    .
    Wo alles Verdinglicht wird, alles nur noch auf „Geld“ (bei Weisgarnix nachzulesen, wenns wen interesiert – und dann hier auch ein Hoch auf „nanuk“), wer was wert ist, Verwertung, also nur noch kapitalistisch geguckt wird ,,, da müßen wir uns einfach an nen paar Ausraster einstellen. Mich wunderts nur, das es nicht mehr sind. Klar wer liest, der kann nicht rumrennen.
    Aber genau da gerate ich selber ins stottern, wenn wer liest … ich kenn persönlich locker 5 Personen aus meinem Bekanntenkreis, die nicht lesen …. keine Blogs, keine Zeitungen (außer Überschriften) und schon garnicht Bücher ohne Klappentext … und? Die rennen leider nicht los, die sind ruhig, die geben jeden Monat ihren Antrag ab und sind ansonsten voller Begeisterung auf Jobsuche … für 2 ct um die Ecke denken, das System gegen sich selber wenden … Pustekuchen! ….
    .
    alles was die machen, macht der Chemiker mit Dr-Titel und 3.4 im Monat auch .. sich verkaufen! (ok, darfs 2 mehr sein? Nee mitlerweile nicht))
    .
    Wo bleibt …. (mein Gott (ich als Gottloser) … ok . Naturalistischer, die Erkenntnis „Allein geht es nicht“, wo werden endlich Steuern als Investition in die Allgemeinheit und damit verbundenem Interesse an „MEINEM“ Geld? – Ich geb doch gerne 90 0/0 und mehr ab, wenn damit meine Bedürfnisse befriedigt werden, und vor allem, man / (immer wenn „man“ kommt setze „ich “ ein) mit so einer Haltung? Wo ist man da? …. Doof!
    ,
    Looser! Nicht lebenswert tönts mir in den Ohren.
    Wir setzen diesen Druck unseren Kindern aus, als Bücherleser haste da verloren, dein Handy muß cool, neu und die Klamotten auch noch richtig sein….
    WGNX hat nen schönen Beitrag dazu geschrieben … 24 Std davor, da steht viel zum Verstehn drin… wir werden nicht verarscht! Das besorgen wir selber, … ich hab kein TV … kein RSS-Feed … und kein Twitter … und auch kein Handy, das kotzt mich alles an, aber in nem Onlinespiel mit netten Leuten nen Übermonster zu legen, das ist nen gutes Teil … für mich! … und mit denen ich das tu, das sind Menschen, die haben wie ich ein Hobby, da entflieht man auch mal der rellen Idee, so blöd sich das anhört. Ich bin da mal besser, akzeptierter ….
    .
    Aber spieglen tut sich da auch nur die reale Welt, … nur der eigene Vorteil zählt ….
    Von daher versteh ich unseren Don als Revolutionseinforderer, Wenn wir in so einer Welt leben wie er beschreibt, liegt es an uns sie endlich zu ändern ….
    .
    PS: Neid: Ich bin etwas neidisch auf Deine Rodeltour, … geringfügig, … ist ja mit nem Berg verbunden :)

  226. Lieber Don,

    aufgrund der...
    Lieber Don,
    aufgrund der hohen Anzahl an Beiträgen verspürte ich nur wenig Lust, mir alle zu Gemüte zu führen. Ich hoffe dennoch, dass ich Ihre Kernaussagen verstanden habe.
    Wenn ich richtig liege, geht es Ihnen primär darum, ihren Abscheu gegenüber der „Vorfreisprechung“ seitens der Videospielgemeinde zum Ausdruck zu bringen, die keine Zusammenhänge zwichen Gewaltspielen und Amokläufen erkennen will und ihre Freizeitbeschäftigung reflexartig und mit den immer gleichen Argumenten verteidigt.
    Es geht Ihnen dabei wohl auch weniger um eine Abwertung der Videospiele gegenüber anderen Medien wie der Literatur, sondern vielmehr um gewaltverherrlichende/-stilisrende Inhalte, egal in welchem Medium diese verbreitet werden. (Will ich zumindest schwer für Sie hoffen.)
    Kommen wir damit zu meiner Kernfrage: Wem wäre denn damit geholfen, wenn Spieler von Egoshootern zugäben, dass ein Zusammenhang zwischen ihren Spielen und einer Affinität zur Gewalt bestünde? Ihrem persönlichen Wohlempfinden, lieber Don Alphonso?
    Dann sei dies hiermit getan: Ich bin selbst Spieler und der Meinung, dass es genügend meiner Zeitgenossen (mich eingeschlossen) gibt, die Egoshooter nicht nur unter strategischen Gesichtspunkten spielen, sondern auch, um Gewalt zu konsumieren oder gar zu genießen, so wie Menschen dies seit Anbeginn der Zeit getan haben.
    Klar ist ebenfalls, dass Menschen, die eine solche Affinität zur Gewalt besitzen, eher zu einem solchen Konsum neigen mögen. Klar ist aber auch, dass sich dieser nicht nur auf das Medium Computerspiel oder (Horror-)Film beschränkt, sondern genauso im Konsum gewaltverherrlichender/-beinhaltender/-stilisierender Literatur niederschlagen kann. Klar sollte des weiteren sein, dass der Umkehrschluss jedoch nicht gelten darf, sprich dass nicht jeder, der solche Medien konsumiert, gewalttätig agiert. Man sollte dem gesunden Menschenverstand schließlich unterstellen, zwischen Werken der Fiktion und der ihn umgebenden Realität unterscheiden zu können.
    Welche Konsequenzen ziehen wir nun aber daraus?
    Sollte man alle gewaltverherrlichenden/-stilisierenden Medien verbieten? Dafür gibt es bereits den Jugenschutz (und diesen kann man umgehen).
    Keine gewaltverherrlichenden Medien mehr produzieren? Doch was würde dies bewirken? Würde menschliche Gewalt dadurch vom Erdboden verschwinden? Würde es psychisch kranke Täter vom Amoklauf abhalten? Würde es in einer Welt ohne fiktional dargestellte Gewalt gar überhaupt keine Amokläufer mehr geben? Wohl kaum.
    Würde ein Mangel an „konsumierbarer“ und „erlebbarer“ Gewalt in Form ihrer fiktionalen Aufbereitung nicht viel eher zu mehr Gewalt im realen Leben führen, da eine Läuterung von diesen Affekten fehlte?
    Eins ist sicher: den Tätern muss geholfen und ihre Probleme müssen frühzeitig erkannt werden. Doch diese banale Erkenntnis trifft auf alle psychisch Kranken zu. Ein generelles Verbot von „Killerspielen“ wird dabei nicht die Lösung sein.
    Doch das wird Ihnen, lieber Don Alphonso, hoffentlich schon vorher bewusst gewesen sein. Dann frage ich mich allerdings, warum Ihr Blog so umfangreich ausgefallen ist. Um sich lediglich über die „Vorfreisprechung“ zu beschweren, hätten es auch einige Zeilen weniger getan. (Wie sicherlich auch einige Zeilen weniger meinem Beitrag nicht hätten schaden können.) ;-)

  227. Ich möchte eine ketzerische...
    Ich möchte eine ketzerische Frage stellen:
    Inwieweit macht sich unser geschätzter Gastgeber Don Alphonso zu einem Profiteur des Amoklaufes, wenn er durch einen Beitrag zu diesem Thema seinem Blog über 300 Kommentare verschafft?
    LG Franz

  228. <p>Franz, ich werde pro...
    Franz, ich werde pro Beitrag bezahlt. Der Beitrag dauert alles in allem 2 bis 3 Stunden. Wenn kein Kommentar kommt, dann ist mein Stundenkohn recht hoch. Mit jedem Freischalten sinkt mein Stundenlohn, mit jeder Beantwortung, mit jeder Kommentarprüfung. Ketzerische Gegenfrage: Sind Sie vielleicht gar kein Ketzer, sondern einfach nur ein billiger und feiger Provokateur?
    .
    Lieber F.m di Folgefrage wäre dann doch nur logisch, und wurde im Beitrag und in vielen Kommentaren doch schon gestellt: Wie schafft man es, eine zivilisatorische Entwicklung hinzubekommen, die Gewalt nicht mehr als cool und geil darstellt? Was wiederum das Grundproblem der Spiele ist, denn deren Industrie ist grösser als Hollywood und hat massenhaft Geld, Gewalt als toll und erstrebenswert darzustellen. Es muss ja nicht jeder nur noch Tetris spielen, und ich weiss auch um den Reiz der Verbote, aber eine Zivilgesellschaft, in der die meisten deren Werte schätzen und nicht 1/4 der Wachzeit negieren, wäre schon nett. Das betrifft im Übrigen auch die Diskrepanz zwischen dem öden und schmutzigen Spiessermoloch Berlin und der Stadt von Gewalt und illegalität, zu der sie von Aggro Berlin, MTV und anderen Abzockern hochstilisiert wird, um Kindern in den Westvierteln einzureden, dass sie unbedingt ein Messer in der Schule brauchen. Je weniger Menschen Gewalt erstrebenswert finden, desto besser ist es für alle. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber eben nicht für Gamer.

  229. Ich wollte eigentlich gestern...
    Ich wollte eigentlich gestern noch eine Frage stellen, die leider in der Deaktivierung der Kommentarfunktion hier unterging, drum wiederhole ich sie nun:
    Lieber Don,
    worin liegt die Korrelation zwischen (vielen) Spielern und Feigheit, die Sie beobachtet haben?
    Grüße,
    Cg

  230. im selbstversuch: die wirkung...
    im selbstversuch: die wirkung der fotos oben-
    ich möchte über die alten „ledernen“ buchrücken streichen, über die neuen unten nicht.
    ich stimme absolut überein, dass softdrinks,videokills etc. unablässig
    an der triebkontrolle jugendlicher rütteln,bis sie das vorgesetzte, der reflextätigkeit genügsamen reize,wiederstandslos inhalieren.
    das großhirn reicht als willenslose ausstülpung des rückenmarks.
    in büchern habe ich auch noch keinen warnhinweis bezüglich epilepsieauslösender gefahren gefunden-bei computerspielen ja.

  231. Ironischerweise wurde das Buch...
    Ironischerweise wurde das Buch gleich rechts neben dem Voltaire als eines der gefährlichsten Bücher des Barock gebrandmarkt, verbrannt und weitflächig verboten… man fürchtete, Jesuiten könnten es zum Anlass nehmen, Könige umzubringen, denn genau das ist ein Teil der inneren Logik dieses Buchs.
    .
    Feige sind Leute, die die Anonymität nutzen und hier Dinge zu verbreiten versuchen, für die man auch die Staatsanwaltschaft in Bewegung setzen könnte. Manche Gamer scheinen wirklich nicht mehr zu begreifen, dass es ausserhalb der Spiele ein Gewaltmonopol des Staates gibt. Aber es ist ja nicht so, dass es mich überrascht. Insofern sehe ich mich durchaus bestätigt und wünsche ihnen herzlichst eine von der Leyen an den Hals.

  232. <p>Und nachdem sich die...
    Und nachdem sich die Debatten hier inzwischen im Kreise drehen und ich keinen Anlass mehr sehe, die ewig gleichen Phrasen der ewig gleichen Leseunfähigen zu überprüfen, darf ich Ihnen hiermit mitteilen, dass Sie natürlich noch Kommentare schreiben können, aber ich, wenn es nicht gerade wirklich kluge und inhaltlich angemessene Überlegungen enthält, es sicher nicht freischalten werde. Man rechne also damit, dass hier nicht mehr viel kommt.

  233. Bezug auf Ihren letzten...
    Bezug auf Ihren letzten Post
    Wenn sie einmal GTA gespielt haben dann werden sie sehen, dass man dabei zwar Passanten erschiessen kann, aber wenn sie einen Funken Menschlichkeit in sich tragen, erscheint ihnen das im Nachhinein sicher unfair und armselig…. So gesehen hält ein solches Spiel dem Spieler einen Spiegel vor, in dem er die Resultate seiner Handlungen ohne jeden Schaden an echten Mitmenschen überprüfen und dann überdenken kann.
    Ohnehin ist kein Spiel so real wie die beklemmend realistische Schilderung des Grauens solcher Amokläufe in den Medien! Wer wirklich auf Angst und Schrecken aus ist, dem verschafft es mehr Kick am Tag danach die BILD zu lesen…. Gegen die schon fast gewaltpornographische Darstellung des Geschehens in den Medien ist jedes Spiel ein Witz, selbst wenn sie einen Mitschnitt ihres Amoklaufes in GTA anfertigen, es kommt nicht an den Kick des Realen heran.

  234. Experiment mißlungen!
    .
    Mein...

    Experiment mißlungen!
    .
    Mein Kommentar hier, der Beitrag in meinem Blog und der Trackback haben nicht den gewünschten Erfolg gehabt, denn leider ist die Gamer-Lobby nicht über mich hergefallen.
    .
    Ich wollte testen, ob die alten Reflexe der Egoshooter-Befürworter und der Ballergame-Gegner noch funktionieren. Scheint so, als wäre das nur bei den Gegnern der Fall. Deshalb habe ich den Artikel auf meinem Blog soeben wieder entfernt.

  235. ich möcht nochmal.
    vroni sagt...

    ich möcht nochmal.
    vroni sagt was zum bildungsirrlauf,dem ich so zustimme.
    auf deutschlandfunk wird über so etwas gesprochen-dass eltern in osnabrück ihre eineinhalbjährigen kinder kilometerweit zum englischunterricht fahren-
    damit die dort“old mc donald had a farm…..“lernen.
    da möcht ich für umweltverschmutzungsabgaben plädieren, schreien und ins kissen beissen,weil ich mit drei kindern hier täglich mit auf die geistige
    schleimspur gezogen werde.

  236. Ein Hinweis: Lassen Sie sich...
    Ein Hinweis: Lassen Sie sich die aufschlussreichen Lesermeinungen zum Beitrag von Prof. Lukesch (FAZ „Aggressive Spiele müssen verschwinden“) nicht entgehen!
    Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. … So konnte nur träumen, wer im fernen Königsberg nachsinnend seine Geisteskräfte entwickelte, bis ihm in der Weite des bestirnten Himmels über ihm das moralische Gesetz in ihm fassbar wurde. Ein im eigentlichen Sinne Weltfremder (?).

  237. Nur der Vollständigkeit...
    Nur der Vollständigkeit halber: Theodore Kaczynski hatte keinen Fernseher oder Videospielkonsole, dafür aber „Les Misérables“.
    Die durchgeknallten Bücherwürmer scheinen es eher mit Bomben oder faschistischen Regimen zu haben.
    Das ein Amokläufer heute solche Spiele spielt, scheint mit nur logisch. „GTA IV“ (Amoklaufsimulator) war letztes Jahr eines der meist verkauften Spiele.

  238. Unterschiede zwischen Menschen...
    Unterschiede zwischen Menschen lassen sich immer bewaffnen: Sei es, dass sich einer, der sich sich von vielen umstellt fühlt, loszieht und den Kampf, den er schon im Geist oder im Schützenverein oder im Computerspiel geübt hat, in einem letzten Gefecht ausagiert. Oder sei es, dass selbst ernannte europäische Kulturnationen Menschen in anderen Regionen der Welt ausgebeutet und, wenn es zur Machterhaltung dienlich war, auch massenhaft ermordet haben. Bücher, schöne Literatur und andere Künste konnten ebenfalls dazu dienen, auf der eigenen Seite Überlegenheit festzustellen, bei den anderen eine Minderwertigkeit, die keine Rücksichtnahme mehr erfordert. Und das unabhängig davon, was tatsächlich in diesen Büchern gesagt war.

  239. Lieber Don,

    Ihre Fragen sind...
    Lieber Don,
    Ihre Fragen sind auch meine Fragen. Im Zuge der schrecklichen Ereignisse der letzten Tage ist eine kleine Meldung im medialen Rauschen untergegangen, die mich aber nicht weniger entsetzt hat: In einer benachbarten Kreisstadt waren zwei Polizisten gerade dabei, einen Dieb zu verhaften, als sie (einschließlich des Diebes) von einer Jugendgruppe angegriffen und schwer verletzt wurden…
    Woher kommt diese Lust an der Gewalt? Wie kann es sein, dass für diese Leute die körperliche Unversehrtheit ihrer Mitmenschen anscheinend keinerlei hochstehendes Gut ist und selbst die Vertreter des Staates, denen die Gesellschaft das Gewaltmonopol zugesprochen hat, keine Respektspersonen mehr sind? Wie begegnet man solchen Auswüchsen? Welche Konsequenzen zieht man für sein Leben daraus? Sicher, in meinen Kreisen ist derartiges Verhalten schlicht unakzeptabel. Das heißt aber noch lange nicht, dass man nicht auch eines Tages Opfer solcher Gewalt werden kann. Soll ich mich weiter der Lektüre des Turmes widmen und sehnsuchtsvoll den immer mehr errodierenden Werten einer Turmgesellschaft nachweinen? Oder ist jetzt doch der Zeitpunkt gekommen, den Einsteigerkurs für militärischen Nahkampf zu besuchen?
    Mit besten Grüßen ein Rat- und Fassungsloser

  240. Hm, vielleicht seid ihr alle...
    Hm, vielleicht seid ihr alle viel zu alt, um den Unterschied zwischen Fiktion und Realität zu verstehen. Unterhaltet euch mal mit 14 oder 15-jährigen. Würde es zutreffen, dass Videospiele Menschen zum Töten verführen, hätte auch das Lesen von Thrillern die selben Folgen. Diese Pauschalurteile sind mir zu einfach.

  241. Foucault hat mal auf den...
    Foucault hat mal auf den interessanten Zusammenhang hingewiesen, dass in modernen westlichen Gesellschaften zwar reale physische Gewalt immer stärkere Ablehnung erfährt, zugleich aber die Produktion von Gewaltdarstellungen kontinuierlich zunimmt. Natürlich kann man nicht hieraus rückschließen, dass ein Verbot von Gewaltdarstellungen zu einem Anstieg von Gewalttaten führen würde. Aber vielleicht sollte man es in Betracht ziehen, dass Gewaltdarstellungen tatsächlich in den allermeisten Fällen eine kompensatorische Wirkung haben. Amokläufe sind Ausnahmen, nicht die Regel.

  242. Ich weiß nicht, ob das mein...
    Ich weiß nicht, ob das mein Kommentar klug und inhaltlich angemessen ist oder was neues enthält – ich hatte nicht die Nerven, alle vorherigen Kommentare zu lesen -, aber ich versuche mein Glück trotzdem mal:
    1. Killerspiele werden von der US Army in der Ausbildung von Soldaten eingesetzt, um eine Abstumpfung gegenüber Gewalt herebeizuführen. Sagt das nicht schon alles? Abgesehen davon, dass es massenhaft Material aus der Gehirnforschung gibt, das eben diesen Effekt (und auch einen gewissen Realitätsverlust) wieder und wieder dokumentiert. Und auch, wenn natürlich nicht alle Spieler zu Mördern werden (die Umstände, die zu so etwas führen, sind doch zu vielfältig, und Menschen und ihre Lebensumstände sind viel zu individuell), ich möchte auch nicht, dass wir gegenüber Gewalt immer abgestumpfter werden und sie im Resultat einfach zulassen und als normal hinnnehmen, wenn sie uns begegnet – dann können wir das mit der Zivilgesellschaft nämlich gleich ein für alle Mal vergessen!
    2. Diese reflexartige Leugnung jeglicher Kausalität findet sich interessanterweise immer nur bei Ballerspielen und Pornographie, ebenso wie die längst widerlegte Behauptung, diese Dinge würden im Gegenteil dazu beitragen, „Dampf abzulassen“ und ohne sie gäbe es noch viel mehr Gewalt. Warum behaupten wir dann nicht das gleiche zugunsten von rassistischen oder Nazi-Inhalten? Also: wenn ich im Videospiel Schwarze abschlachten kann, baue ich meine Aggressionen ihnen gegenüber ab und lasse sie im wirklichen Leben in Ruhe, und wenn ich Musik über das Vergasen von Juden anhöre, schwächt sich mein Antisemitismus ab. Klingt absurd? Ist es auch – und zwar auch, wenn es um Ballerspiele oder Pornographie geht. Same rules apply.
    3. Was die Sache mit den Grundrechten, der freiheitlichen Gesellschaft usw. angeht: ein weites Feld, aber grundsätzlich ist die Sache bei uns so geregelt, dass eine Abwägung zwischen verschiedenen Gütern und deren Schutzwürdigkeit allgemein und im Einzelfall stattfindet. Zum Beispiel muss das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, worunter der Konsum von Killerspielen möglicherweise fällt, gegen die schützenswerten Interessen anderer Menschen und der Gesellschaft als Ganzes abgewogen werden. Man könnte auch von einer Kosten-Nutzen-Rechnung sprechen. Also: was ist der Nutzen von Killerspielen? Macht einigen Leuten Spaß, dient zur Unterhaltung. Ist also nicht lebensnotwendig, und Unterhaltung und Spaß kann man sich auch anders verschaffen. Das behauptete Erlernen/Üben von strategischem Denken? Kann man auch durch Schachspielen oder andere Spiele erreichen.
    Kosten? Nachgewiesene Abstumpfung und Veränderung der Hirnstrukturen. Steht das im Verhältnis zu dem angesprochenen Nutzen? In keiner Weise. Es wäre schon unverhältnismäßig, wenn Killerspiele tatsächlich die einzige Form der verfügbaren unterhaltung wären; da dies nicht der Fall ist, wird die Unverhältnismäßigkeit noch größer.
    Was passiert, wenn etwas schiefläuft, wie bei den Amokläufern? Wenn auch nur die Chance besteht, dass der Konsum solcher Spiele zumindest zu der Entwicklung beigetragen hat (wofür die Tatsache, dass die Amokläufer diese Spiele konsumiert haben, zumindest ein schwerwiegendes Indiz ist)? Viele unschuldige Menschen werden ermordet. Stehen diese Kosten im Verhältnis zu einem etwaigen Nutzen? Muss ich diese Frage wirklich beantworten?!
    Sind Ballerspiele von der Meinungsfreiheit geschützt? Dann wäre zunächst einmal der Beweis zu erbringen, dass diese Spiele überhaupt eine Meinungsäußerung darstellen, was ich stark bezweifle, und dann wäre die Frage, ob diese Meinungsäußerung von dr Meinungsfreiheit noch gedeckt ist (siehe Nazi-Inhalte).
    Der zwingend logische Schluss wäre, dass die Risiken und Nachteile die Vorteile bei weitem übersteigen, und dass das Freiheitsrecht der Spieler hier hinter andere, wichtigere Rechtsgüter zurücktreten muss.
    4. Warum wird die Geschlechterfrage ausgeklammert? Sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht oder wird bewusst verschleiert, dass gewalttäige „Jugendliche“, Ballerspieler und Amokläufer überwiegend Jungs und junge Männer sind? Solange das verschwiegen wird, kann dieser Teil des Problems auch nicht angegangen werden, da er ja offiziell gar nicht existiert.

  243. Kommentare und Geschreibsel in...
    Kommentare und Geschreibsel in der schönen web2.0-Landschaft reden Bände vom Bildungsnotstand und damit von der intellektuellen Armut in den Köpfen der Leute; wer seine eigene Muttersprache so schlecht beherrscht, dass, gesprochen wie geschrieben, nicht ein einziger Satz fehlerfrei ist, hat kein Recht zur Entrüstung über etwaige soziale Benachteiligung aufgrund von Bildung, denn die Grube gräbt sich in einem Land, in dem die Schulpflicht gilt, jeder selber.
    Das endlose Abfeiern von Gaming-„Siegen“, die von entsprechenden Entertainmentformaten bis zum Würgen zelebrierte und idolisierte Mittelmässigkeit von ansonsten rotzdummen Kids und Teens ist das Problem, das der Gesellschaft auf den Schultern lastet. Wo es zum guten Ton gehört, auf Bildung, Intelligenz und Wissen zu pöbeln und zu spucken, kann etwas nicht stimmen.
    Dabei ist die Ächtung von Wissen und Bildung keine Erfindung der Internetkultur; die Wurzeln reichen weiter zurück, aber meines Wissen ist die kollektive Verachtung von Bildung und Intelligenz von einer Generation zehn- bis zwanzigjähriger nie so fanatisch und gewalttätig zelebriert worden wie in den letzten zwanzig Jahren – Tendenz steigend.

  244. Mhm, wäre schön wenn da...
    Mhm, wäre schön wenn da nicht mehr viel kommt…denn es gibt keine allumfassende Erlösung von diesem Tag, selbst wenn sich etwas ändert, wenn Eltern ihre Kinder wieder besser kennenlernen, wenn Kinder lernen, über Probleme zu sprechen und wenn die Gesellschaft wieder menschlicher wird (sehr unwahrscheinlich), dann sind diese Kinder, Lehrer und Passanten immer noch tot. Dann wurden Familien zerstört, die ihr Leben lang diese Wunde des Verlusts tragen.
    Über Stuttgart und der Umgebung liegt eine schwere Ruhe.
    Leider hält die Welt nicht an für einige wenige Minuten, damit man wenigstens Zeit hat zu begreifen. Sie dreht sich einfach weiter, unbarmherzig irgendwie.
    Ich weiss immer noch nicht, ob die Kinder aus meinem Musicalkurs alle okay sind. Wer von ihnen war auf der Schule? Sind alle gesund? Haben sie Freunde und Lehrer verloren?
    Wenn man die räumliche Distanz nicht hat, wie einige von Ihnen hier, wenn die persönliche Distanz zum Geschehen völlig fehlt, dann ist es nicht so leicht zu sagen, der oder dies ist Schuld.
    Dann kann man schwer rational diskutieren.
    Auch wenn es naiv klingt, aber ich wünsche mir, dass dieses Leid uns verändert und wachrüttelt.
    Dass wir nicht nur darüber reden, was man alles verbieten muss, welche Sicherheitskontrollen an Schulen nötig sind und so weiter. (und da bin ich absolut für klare politische Reaktionen in Bezug auf Ballerspiele und Waffenbesitz) Wenn die Gesellschaft sich ändern soll, dann müssen wir uns ändern. Denn wir sind ja die Gesellschaft. Wie kann ich also anders, besser mit Menschen umgehen? Was kann ich konkret tun? Welche Projekte für Gewaltprävention könnte ich zum Beispiel finanziell unterstützen, wenn ich nicht mit Kindern arbeite oder nicht so der soziale Gutmensch bin?
    Ja, hauen Sie mich meinetwegen für diesen IchWillDieWeltVerändernAnsatz, aber was hiflt es in Rage zu geraten und uns gegenseitig eins reinzuhauen, wir alle stehen solchen Taten hilflos gegenüber. Aber unserem Alltag, unseren Mitmenschen stehen wir nicht hilflos gegenüber, oder? Wenn man wirklich will, könnte man etwas ändern… man müsste halt ersteinmal sich selber ändern, wahrscheinlich das Schwerste an der Geschichte…

  245. Nachtrag, diesmal aber zum...
    Nachtrag, diesmal aber zum Thema:
    Den letzten Gedanken in Nicoles Beitrag halte ich für ertragreich, Amokläufe entstehen aus dem Scheitern einer mänlichen Motivation, „die Welt erobern zu müssen“, weibliche Amokläufer sind -wenn Frau Göbbels nicht mitzuzählen ist, und die mordete wohl aus falschem Kalkül- nicht verzeichnet.

  246. golo 42, die von Ihnen...
    golo 42, die von Ihnen zitierte Passage als Beleg für Kants angeblichen Utopismus akzeptieren kann nur, wer Denken mit dem freien Spiel von Assoziationen verwechselt!

  247. drei stunden durch den schnee...
    drei stunden durch den schnee bergan zu laufen,strengt an.
    danach aber ist der genuß von torte und kaffee ungleich größer.
    alltag heute,ist für viele,viele anstrengend-
    belohnung ist das abhängen vor fernseher,spielkonsole, computer-
    ich sehe das so: beim laufen wird energie verbraucht,die mit der torte wieder zu-
    geführt wird.
    im alltag wird energie verbraucht-
    wer aber weiß was der fernseher,die spielkonsole an notwendigem zurückgibt?

  248. Da hier jetzt schon mehrmals...
    Da hier jetzt schon mehrmals die Grundrechte angesprochen wurden und die meisten Kommentare den Tenor hatten diese Spiele seien nicht schutzwürdig, möchte ich auf mehreres Hinweisen:
    Erstens auf den Kommentar von Nörgler gestern um 21:49, der sehr treffend schreibt, dass die Freiheit selbst ein Argument gegen das Verbot ist.
    Diesen Kommentar sollten sich alle Vertretter eines Verbots sehr genau durchlesen.
    Zweitens, Sie schreiben alle, dass die Grundrechte gegeneinander abgewogen werden müssen. Das stimmt, bei der Abwägung machen Sie aber erhebliche Fehler. So lassen Sie zum einen die Freiheit so etwas zu spielen völlig außer Acht(siehe Erstens)
    An Grundrechten kommen meines erachtens hier folgende in betracht.
    Artikel 2 II Allgemeine Handlungsfreiheit
    Artikel 5 III Kunstfreiheit
    und eventuell (auch wenn ich es ablehne)
    Artikel 5 I Meinungsfreiheit
    Artikel 2 II hat folgenden Inhalt:
    „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetzt verstößt.“
    Bei der schon oft angesprochenen Abwägung ist folgendes zu beachten.
    Zuerst die Freiheit jedes Einzelnen, wenn er will ein solches Spiel zu spielen. Dem gegenüber steht das Schutzinteresse der möglicherweise von einem Amoklauf betroffenen. Wie in Art 2 II schon steht darf sich der Einzelne frei enfalten sofern er nicht gegen Rechte Dritter verstößt (das Sittengesetzt lasse ich außen vor, da es heutzutage kaum möglich ist hier zu einem Konsens zu kommen). Das Spielen von Ego-Shootern verstößt nun aber gerade nicht gegen die Rechte Dritter. Erst das Töten beim Amoklauf tut dies. Die Argumente gegen Ego-Shooter, u.a. sie setzen die Hemmschwelle herab etc. (denen ich ja auch zum großen Teil zustimme) rechtfertigen ein Verbot aber noch nicht. Denn, die Merheit der Spieler läuft nicht Amok. Die Amokläufer machen nur einen verschwindent geringen Prozentsatz aller Spieler aus. Es ist also nicht so das Ego-Shooter spielen eine per se Gefahr für Dritte darstellt. Hier muss noch sehr viel mehr hinzukommen(psychische Erkrankung, Zugang zu Waffen etc.). Um auf das Beispiel Autofahren aus meinem früheren Kommentar zurückzukommen. Autofahren ist gefährlich. Die meisten Menschen sind aber in der Lage diese Gefahr zu kontrollieren, wie auch die meisten Spieler in der Lage sind mit der dragestellten Gewalt umzugehen. Es wird ja wohl jedem einleuchten, dass das Autofahren nicht verboten werden sollte, nur weil einige es nicht gut können.
    Das Argument Ego-Shooter seien nicht sinnvoll und deshalb nicht schützenswert,insbesondere da es Alternativen zu den von Spielern vorgetragenen Vorzügen gibt, ist auch völlig falsch. Autofahren ist auch nicht sehr sinnvoll und es gibt Alternativen: Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel(es schont die Umwelt, es ist sicherer etc..). Es hat nun aber jeder das Recht, sofern er will Auto zu fahren.(Die von Nörgler dargestellte Freiheit.) Genauso hat jeder Spieler das Recht Ego-Shooter zu spielen, wenn er dies möchte. Die Gefahr die von Ego-Shooter ausgeht ist bei weitem nicht hoch genug um ein Verbot zu rechtfertigen. Die Gefahr die von echten Waffen und deren Besitz ausgeht ist weitaus höher es wäre also weitaus sinnvoller hier über ein Verbot nachzudenken(dem ich im übrigen auch kritisch gegenübestehe), denn Schusswaffen sind per se gefährlich und nicht erst, wie Ego-Shooter in Zusammenspiel mit einer sehr großen Reihe weiterer Faktoren.

  249. Christoph, man koennte...
    Christoph, man koennte durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass Ballerspiele gegen das Sittengesetz verstossen – haengt wohl von der persoenlichen Definition von „Sitten“ ab. Halten Sie es ernsthaft fuer sittlich, virtuell Menschen umzubringen? Das macht mir Angst.
    Was nun das Verbot von Autos betrifft: Das Autofahren wurde auch deshalb nicht verboten, weil es in der Abwaegung der Gueter einen besonderen Nutzen stiftet, die rasche Fortbewegung. Die Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, dass dieser Nutzen die potentiellen Gefahren aufwiegt. Wenn wir irgendwann in ferner Zukunft den Nutzen gegen die potentielle Gesellschaftsgefaehrdung von Killerspielen abwaegen, welchen Nutzen wird die Spielerfraktion dann ins Feld fuehren?

  250. Es ist paradox. In einer...
    Es ist paradox. In einer Gesellschaft, in der, glaubt man der veröffentlichten Meinung, Gewalt in jeder Form geächtet ist, wächst eine Jugend heran, die bereit ist, Gewalt völlig unverhältnismäßig einzusetzen. (Die Pauschalierung sei mir nachgesehen, aber sonst wird der Text hier zu lang).
    Es besteht wohl Konsens darüber, dass Aggressivität zu einer der Grundeigenschaften des Menschen zählt. Jeder Mensch ist grundsätzlich fähig zu rücksichtsloser (körperlicher) Gewaltanwendung. Gewalt dient als Mittel, den eigenen Willen durchzusetzen. Diese Gewalt kontrollieren zu können, jeder Mensch für sich, aber auch die Gesellschaft für sich, ist eine Schlüsselaufgabe der Erziehung. Ein Kind lernt schon im Sandkasten, dass es dem anderen nicht eiinfach das Förmchen wegnehmen darf. Im Erziehungs- und Bildungswesen wird Gewalt in jeder Form geächtet. Verantwortungsvolle Eltern sind Stolz auf ihre gewaltfreie Erziehung. Alles Militärische wird in Deutschland mit spitzen Fingern angefaßt. Die Polizei, der zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und Ordnung das Gewaltmonopol des Staaates im Inland übertragen wurde, muss sich für jeden Gewalteinsatz fragen lassen, ob er nicht vermeidbar oder zumindest verhältnismäßig war. „Keine Gewalt!“ ist ein Mantra dieser Gesellschaft. Trotzdem kommt es vor allem bei Jugendlichen, vor allem männlichen, aber auch zunehmend weiblichen, immer wieder (immer häufiger?) zu Gewaltexessen, die „eigentlich“ nach den obigen Beobachtungen nicht passieren dürften. Was finden Hooligans, die gerne als „gewaltbereite Fußballfans“ in den Medien verharmlost werden, so reizvoll daran, sich anläßlich eines Fußballspiels brutale Straßenschlachten mit gegnerischen „Fangruppen“ oder ersatzweise mit der Polizei zu liefern? Verschafft es ihnen Lustgewinn „eins auf die Fresse zu kriegen“? (Von „gewaltbereiten Fans“ der Berliner Philharmoniker ist mir nichts bekannt, aber auch nicht von Michael-Schumacher-Fans, die Fernando-Alonso-Fans regelmäßig krankenhausreif schlagen). Warum werden Schulhof-Prügeleien heute mit einer Brutalität und Unfairness ausgetragen, die fassungslos macht? Müssen wir vielleicht den Umgang mit dem Gewaltbegriff und der Gewalt überhaupt überdenken? Lassen wir Kindern vielleicht zuwenig Raum, ihre natürliche Aggressivität auszuprobieren – und damit kontrollieren zu lernen? Unterdrücken wir Gewalt so gewaltsam, dass sie sich auch für das Individuum unberrschbar plötzlich entlädt? Mangelnde Bildung spielt hier vielleicht insoweit eine Rolle, als es vielen Jugendlichen schlicht an sprachlicher Ausdriucksfähigkeit fehlt, Konflikte aggressiv verbal austragen zu können. Wer „sprachlos“ ist, dem bleibt nur noch der Körpereinsatz.
    Ein anderer Ansatz. Kinder und Jugendliche haben zunehmend Schwierigkeiten, Grenzen zu erfahren. Wo sie Widerstand erwarten finden sie „Verständnis“. Konflikte werden im Ansatz unterdrückt und sofort „geregelt“. Es belibt nur der Weg, die letzten Tabus zu verletzen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gewalt gegen Menschen und Sachen auszuüben, je sinnloser desto deutlicher fällt die erzwungene Reaktion der „Erwachsenen“ aus. Gesteigert wird das Ganze noch durch Verwendung rassistischer und nazistischer Vorzeichen. Besprühe ich das Haus meines Nachbarn so hoch mein Arm reicht, mit „Graffiti“ und „Tags“ ernte ich höchstwahrscheinlich Verständnis und eine Diskussion über einen erweiterten Kunstbegriff – wenn auch nicht beim nachbarn selbst. Schmiere ich aufs Trafohäuschen ein Hakenkreuz – notfalls auch seitenverkehrt – bringe ich die Alten richtig auf Trab.

  251. Lee.Monade Kant ein Utopist ?...
    Lee.Monade Kant ein Utopist ? Vielleicht ist das „Projekt Aufklärung“ eher der Traum eines klugen Realisten, dessen Verwirklichung darauf angewiesen ist, dass das von ihm beispielhaft vorgelebte Bemühen um Verstehen und Gedankenschärfe in seiner Nachfolge allgemeine Verbreitung fände. Letzteres lag nicht in seiner Hand.

  252. Damenqual: Ich weiß, es hat...
    Damenqual: Ich weiß, es hat vermutlich keinen Sinn, aber schließlich ist ja fast Wochenende. In der Moral spielen Nützlichkeitsüberlegungen überhaupt keine Rolle, weder in der Ethik noch im Recht. Beide Sphären — also Recht und Ehik — sind im Übrigen streng voneinander zu trennen; deshalb hat auch das Sittengesetz (insofern sich dieser Begriff auf die Ethik im engeren Sinne bezieht, was zumindest der Intention der Mütter und Väter des Grundgesetzes entspricht, wie sich anhand einiger Debattenmitschriften einigermaßen gut belegen lässt) im Grundgesetz nichts verloren. Recht ist „die Einschränkung der Freiheit eines jeden auf die Bedingung ihrer Zusammenstimmung mit der Freiheit von jedermann, insofern diese nach einem allgemeinen Gesetze möglich ist“ — das sollten Ihnen womöglich bekannt vorkommen, schließlich haben Sie ja angeblich auch schon mal Kant gelesen; obgleich ihre bisherigen Einträge die Befürchtung nahelegen, dass davon nicht besonders viel hängengeblieben ist.

  253. golo42, da bin ich natürlich...
    golo42, da bin ich natürlich ganz bei Ihnen! (Sollte ich Ihren vorangegangenen Eintrag falsch verstanden haben?)

  254. Für mich als Spielerin stellt...
    Für mich als Spielerin stellt sich auch die Frage, wo man die Grenze zwischen Killerspielen und „den noch erlaubten Spielen“ zieht, bzw. wie Killerspiele definiert werden. Und da sich sich einige hier ja fragen, was an PC-Spielen so interessant ist, gehe ich auf ein paar für mich wichtige Punkte ein:
    Ich spiele inzwischen nur noch selten Spiele, deren Handlung „auf der Erde“ spielt (rümpfen jetzt manche Leser die Nase?), sondern bevorzuge vor allem Fantasy-/Rollenspiele. Dazu zähle ich World of Warcraft, Diablo, The Witcher oder Gothic, Teile 1-3. In diesen Spielen muss man eine fremde Welt entdecken und sich mit den dort lebenden Wesen/ Menschen auseinandersetzen (manche Nebencharaktere verraten mich, andere helfen usw.). Das Entdecken (bei Gothic bis hin zur eigenartigen Tier- und Pflanzenwelt) ist für mich ein wichtiger Faktor, außerdem eine ausgefeilte Handlung, die Spaß macht. Gute Spiele erlauben auch, dass meine Entscheidungen den Handlungsverlauf verändern. Ein zugegeben nicht alltägliches Beispiel ist „The Witcher“: Das Spiel basiert auf einer Buchreihe des polnischen Fantasy-Schriftstellers Andrzej Sapkowski und hat die dichteste Handlung, die ich kenne. Manchmal sind also Bücher und Spiele gar nicht so weit auseinander (wenn man Fantasy-Bücher als richtige Bücher werten kann jedenfalls)… Bei Gothic wiederum sind mittelalterliche Elemente eingebaut, sogar eine reale Mittelalter-Band hat hier einen virtuellen Auftritt.
    Trotzdem kommt man in der Handlung nur durch Erfüllen von Quest´s, d. h. meist das Töten der Bösewichter voran. Genauso häufig ist bei diesen Spielen eine Steigerung des Charakters (also Level Up´s, Verbesserung der Fähigkeiten, Erfinden von Zaubersprüchen) mit dem Töten von Gegnern verbunden. Bei Diablo II geht das so weit, dass in das Spiel „seltene“ Gegenstände eingebaut sind, die magische Eigenschaften besitzen und die die getöteten Gegner verlieren. Hier wird eindeutig der bei den meisten Menschen vorhandene Sammeltrieb bedient!! Durch Verschmelzen von Gegenständen und Runen kann ich außerdem selbst magische Gegenstände erschaffen, diesen Namen geben und mich so kreativ im Spiel verewigen, z. B. wenn ich einen solchen Gegenstand online tausche. Trotzdem gehören bei Warcraft auch „Siedler-Elemente“ zum Spiel, d. h. als allererstes muss man eine funktionierende Siedlung aufbauen, alles fängt mit Holz hacken und Steine klopfen an, technischer Fortschritt gehört ebenfalls zum Spiel. Daher die Farge, wo ist die Grenze?

  255. Lieber DA,

    Mit ihrem Artikel...
    Lieber DA,
    Mit ihrem Artikel beantworten Sie sich doch selbst. Sie lassen sich eben von Lyrik und Prosa in einen Geisteszustand versetzen, mit dem Sie einer Dame Wortspiele ins Ohr gurren können. Der Mehrzahl der Jugendlichen dürfte so etwas nicht passieren, da ihnen der entsprechende Geschmack und die Erziehung fehlen und nicht zuletzt auch die Dame, die es bei solchen Worten auf dem Stuhl hielte.
    Die Mehrzahl der Jugendlichen läuft aber auch nicht Amok und lässt sich von dem Überangebot an Gewalt um uns herum also nicht so stark geistig beeinflussen, dass es eines Verbots bedürfte. Es kommt auf die Fähigkeit zur distanzierten Rezeption von konsumierter Gewalt an und auf die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
    Vielleicht stimmt Ihre Assoziation ja deshalb, weil Bücherleser im Allgemeinen dazu eher in der Lage sind als Spielekonsumenten.

  256. Sehr geehrte/r...
    Sehr geehrte/r Damenwahl,
    selbstverständlich kann man zu dem Ergebniss kommen, dass Ego-Shooter gegen das Sittengesetz verstoßen, deshalb habe ich es ja gerade ausgeklammert. Alle die diese Spiele spielen werden das virtuelle töten für sittlich halten. Sehr viele andere dagegen nicht(u.a. Sie selbst). Ein Konsens ist hier also nicht möglich und die Diskussion ob soetwas sittlich ist oder nicht würde sich endlos im Kreis drehen, da man heutzutage (zum Glück wie ich finde) kein allgemein gültiges Sittengesetz mehr hat, sondern jeder für sich selbst entscheiden muss was er für sittlich hält oder nicht. (In meinen Kommetaren finde ich übrigens keine Stelle aus der hervorgeht, dass ich Ego-Shooter für sittlich halte, aber ich möchte das nicht diskutieren, da das nur zum im Kreise drehen führen würde, wie oben ja gesagt.) Deshalb halte ich es auch äußerst fragwürdig bei Verboten auf das Sittengesetz zu rekurrieren, was Sitte und Moral ist sieht nämlich fast jeder anders. Wie Sie ja auch an den Debatten zu Sterbehilfe und Abtreibung sehen können.
    Objektivere Kriterien habe ich im vorherigen Beitrag ja schon genannt, so z.B. die meiner Ansicht nach geringe Gefährlichkeit von solchen Spielen allein.
    Um zum Autofahren zukommen, oder der von ihnen so häufig angeführten Nützlichkeit:
    Sie vergessen wieder die WahlFREIHEIT selbst als Argument, wir leben in einem Staat in dem jeder das Recht selbst zu entscheiden was er tut. Diese Freiheit darf (und sollte) ihm auch nur genommen werden,wenn die Belange anderer entgegenstehen. Der Nutzen von Dingen oder Tätigkeiten spielt bei der Abwägung eine nur sehr geringe Rolle. Die Nützlichkeit mag ein Punkt sein, der dafür spricht etwas NICHT zu verbieten, fehlende Nützlichkeit ist aber keinesfalls ein Grund etwas zu verbieten. Ein solcher Grund ist allein in den Rechten Dritter und in der Verfassung zu sehen. Ihre Versteifung auf die fehlende Nützlichkeit von Ego-Shootern ist völlig verfehlt. Sie sollten darstellen, warum es in die Rechte Dritter eingreift, wenn jemand daheim vorm PC sitzt und auf Dinge schießt die aus 1 und 0 bestehen und warum es gerchtfertigt ist ihm die Freiheit zu nehmen dies zu tun.
    PS: Im vorigen Kommentar ist mir ein Fehler unterlaufen. Die allgemeine Handlungsfreiheit ist in Art 2 I GG und nicht in Art 2 II GG festgelegt.

  257. Lee.Monade - Nuetzlichkeit...
    Lee.Monade – Nuetzlichkeit spielt in der Ethik keine Rolle? Das wuerden die Herren Hobbes und Mills aber anders sehen. Sittlichkeit ist ein Begriff, der in vielen Konzepten verwendet wird (Tischsitten, Rechtsgeschaefte, Anstand). Und das Wort Sittengesetz taucht im Grundgesetz auf – siehe Christoph – also bitte, wo ist Ihr Punkt? Die von Ihnen zitierte Passage von Kant sucht die grundlegende Vereinbarung von staatlichem Zwang mit dem Konzept der Freiheit – da sind Sie ziemlich weit weg von meinem Versuch, von der Spielerfraktion eine Erlaeuterung zu erhalten, was an Killerspielen so toll ist. Erstaunlicherweise erhalte ich Antworten darauf jedoch erst, seit ich in militanter Verachtung aller staatsbuergerlichen Grundsaetze argumentiere.
    Felida: ich kannte Andrzej Sapkowski nur als Autor der Narrenturm Romane – vielen Dank fuer den Hinweis. Bleibt aber immer noch die Frage offen, was diese Spiele attraktiver macht als die harmlose Version der Siedler.

  258. Ach Du heilige Einfalt! Hier...
    Ach Du heilige Einfalt! Hier tun sich ja ungeahnte Abgründe auf. Es gibt kein allgemeingültiges Sittengesetz, weil man sich heutzutage auf keines mehr einigen kann? Zum Glück? O tempora, o mores…

  259. <p>Das mit dem nicht mehr...
    Das mit dem nicht mehr existierenden Sittengesetz sollte man weder dem durchsuchungsfreudigen Schäuble noch dem Neonazi mit seiner Haltung zu Juden erzählen, auch nicht dem Madoff mit seinem Milliardenklau und schon gar nicht den enteignungswilligen Lafontaine. Ich mein, wenn das jeder sagen könnte… gar nicht auszudenken.
    .
    (Mit übrigens auch nicht. ich wüsste da auch so manchens, was ich gern ausserhalb der Sittengesetze sehen würde. Nehmen wir nur mal den Jaguar MKII meines Nachbarn am Tegernsee)

  260. Na da habe ich ja was...
    Na da habe ich ja was angefangen…
    Um das klarzustellen und etwas zurückzurudern:
    Ich bin keinesfalls der Meinung es gibt kein Sittengesetz mehr, man kann sich sicherlich darauf einigen, dass es sittlich verwerflich ist jemanden zu vergewaltigen oder jemanden aufgrund seiner Religion abzulehnen, Aber würde in der Gesellschaft breiter Konsens über Sitte und Moral herrschen hätten wir keine Diskussion über Sterbehilfe und Abtreibung.
    Das Problem um das es mir ging ist folgendes:
    Wenn Sie etwas das abgesehen von Grundlegendem jeder anders interpretiert in das Recht einfließen lassen bekommen sie ein ziemliches Problem und bei der Sittlichkeit von Ego-Shootern ist das so. Manche sehen es als sitllich/moralisch verwerflich an andere nicht. Etwas zu verbieten, weil einige es für nicht sittlich halten ist äußerst fragwürdig. So ist es heute nichtmehr strafbar nicht verheirateten Pärchen ein Zimmer zu vermitteln (das brachte auch durchaus einige Eltern vor Gericht) einige werden das nächtliche zusammensein unverheirateter aber immer noch als sittlich verwerflich ansehen, ein Verbot halten Sie aber hoffenbtlich auch für falsch.
    So nun noch ein mea culpa beim nochmaligen Lesen viel auch mir auf, dass das von mir geschriebene äusserst fragwürdig ist. Die Hitze des Gefechts, ich hoffe sie entschuldigen…

  261. <p>Damenwahl, mag sein, dass...
    Damenwahl, mag sein, dass andere Leute (was Mill angeht, stimme ich Ihnen zu, bei Hobbes bin ich mir da nicht so sicher, schon allein deshalb, weil letzterer sich zu ethischen Fragen nur sehr fragmentarisch geäußert hat) der Auffassung sind, dass utilitaristische Prinzipien in der Ethik eine Rolle spielen. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass dem auch so ist. Dass der Begriff „Sittengesetz“ im Grundgesetz zu finden ist, geht aus meinem vorherigen Eintrag, auf den Sie sich ja immerhin beziehen, eindeutig hervor. (Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.) Ihren „Deutungsversuch“ von Kants Rechtsdefinition zu kommentieren, erspare ich mir, möchte aber doch dringend anraten, noch einmal etwas tiefer über die ganze Sache nachzudenken bzw. gründlicher nachzulesen. (Hilfestellung gäbe es u.a. bei J. Ebbinghaus, K. Reich, J. v. Kempski, M. Baum, H. Wagner.) Ich begreife auch ehrlich gesagt ihre Intention nicht so ganz. Sie interessieren sich für die Gründe, aus denen irgendwelche Zeitgenossen gerne Ballerspiele spielen? Warum denn, um Himmelswillen?

  262. Wie wäre es, das ganze tiefer...
    Wie wäre es, das ganze tiefer zu hängen.
    Um dann mit der gebotenen Ruhe und Sachlichkeit festzustellen, dass es sich bei Amokläufern um junge Männer handelt, die sich nicht nur recht einfach, bei ihren Vätern nämlich, Waffen und Munition verschaffen konnten, sondern auch im Umgang damit geübt waren.

  263. Ich kann jedem der wirklich...
    Ich kann jedem der wirklich etwas tiefer in die Ursachen einsteigen will die Artikel von John Katz „Voices of Hellmouth“ von Slashdot empfehlen.
    http://slashdot.org/articles/99/04/25/1438249.shtml
    Wenn man sich vor Augen führt was an Ausgrenzung und Erniedrigung gerade intelligente, eher „nerdige“ junge Männer in der Schule erleben und wie wenig Interesse viele Lehrer an den ruhigen Aussenseitern haben, kann man froh sein das relativ wenige Zugang zu Waffen haben. Dass die Amokläufe nach einem extrem ähnlichen Schema ablaufen ist das Symptom, Gewalttätige Spiele sind aber nicht der Auslöser. Was nicht heisst das sie kein Ärgernis sind, allerdings eher auf Florian Silbereisen Niveau, sprich ätzend aber allein nicht gefährlich.

  264. Es hat sicher etwas mit...
    Es hat sicher etwas mit Videospielen und Gewaltfilmen zu tun. Dass es den Täter beeinflußt hat, steht für mich außer Frage.
    Das Handeln eines Amokläufers wird von einer Vielzahl an Einflüßen bestimmt, die alle wirken oder zumindest ihre Wirkung bereits hinterlassen haben, wenn er zur Tat schreitet.
    Der Focus auf Videospiele reduziert die Ursache des Problems, wobei wir, da können wir noch spekulieren und diskutieren, dieses nie genau bestimmen können, da er nun mal tot ist.
    Es war halt ein Suizid. Ich frage mich, was der stärkere Drang war, sich umzubringen oder möglichst viele Menschen mitzunehmen. Meiner Meinung nach ist das Erstere die Hauptmotivation seiner Tat.

  265. Lieber Don,
    danke für die...

    Lieber Don,
    danke für die Antwort.
    Liebe Damenwahl,
    bitte fahren Sie doch ihren Zynismus zurück.

  266. Lieber Don,

    da haben Sie mich...
    Lieber Don,
    da haben Sie mich wohl falsch verstanden. Vielleicht habe ich mich auch nicht deutlich genug ausgedrückt. Eine Affinität zur Gewalt zu besitzen, habe ich nicht auf das „reale“ Leben bezogen. Stilisierte Gewaltdarstellung in einem fiktionalen Medium zu genießen, heißt somit noch lange nicht im Umkehrschluss, diese Gewalt in der Realität anzuwenden geschweige denn als „erstrebenswert“ anzusehen. Auch wenn es für Sie villeicht schwer nachvollziehbar sein mag, ist es mir durchaus möglich, meine Freude an Gewaltdarstellungen in jeglichem fiktionalen Kontext zu genießen, ohne Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung erstrebenswert zu finden. Schließlich kann ich zwischen Realität und Fiktion prima unterscheiden. Auch Pazifisten (zu denen ich mich zähle) können schließlich Kriegsfilme und „Killerspiele“ lieben, kommt in ihnen letztendlich niemand zu Schaden.

  267. Lee.Monade - dass Sie meine...
    Lee.Monade – dass Sie meine Intention nicht verstehen, ist mir auch aufgefallen. Warum mich die Gruende interessieren, aus denen einige Mitmenschen Ballerspiele spielen? Es scheint derer ja eine ganze Menge zu geben und es schadet in keiner Debatte, die Motivation der anderen zu kennen. Ich habe selbst nie gespielt, bin aber immer bereit, mich belehren zu lassen. Wobei ich fuerchte, schon wieder einem Fall von versteckter Ironie aufgesessen zu sein…
    Was nun das Sittengesetz im Grundgesetz betrifft: Sie finden, es gehoere da nicht hin, sie glauben, auch die Grundgesetzeltern fanden, es gehoere da nicht hin, trotzdem steht es da? Entweder ich verstehe Sie falsch, oder aber Sie unterstellen den Autoren des GG, dass sie nicht wussten, was sie taten. Und wo bitte ist die Relevanz fuer unsere Debatte? Das Wort steht im GG, also kann man es doch wohl auch beruecksichtigen – alles andere ist Sterndeuterei.

  268. Ja, das Thema bewegt! Und die...
    Ja, das Thema bewegt! Und die Ausführlichlkeit vieler Kommentare und Ihrer Erkärungsversuche zeigt eigentlich nur eins: Fassungslosigkeit! Angesichts einer solchen Tat bleiben Erklärungsversuche eben nur Versuche, welche letzlich scheitern müssen. Denn niemand ist im nachhinein in der Lage in den Kopf dieses jungen Mannes zu blicken und seine Beweggründe zu erfahren.
    Die diskutierten Maßnahmen mögen teilweise Sinn machen und vieleicht auch umgesetzt werden, die Diskussion wird sich beruigen und es kehrt wieder Ruhe ein im Land.
    Bis zum nächsten Amoklauf, Messerstecher, Autobahnbrückensteineschmeißer,… und dann geht die ganze ratlose Debette von vorne los. Leider hab auch ich kein Patentrezept zur Vermeidung solcher Trägödien.

  269. Ein Hinweis: Es reicht, wenn...
    Ein Hinweis: Es reicht, wenn Sie Ihren Beitrag einmal abschicken. Das System kommt bei 250+x Kommentaren natürlich an seine Grenzen, aber ich erhalte die Kommentare trotzdem.

  270. MrCg, lassen Sie mich bitte...
    MrCg, lassen Sie mich bitte wissen, wo Sie mich als zynisch wahrgenommen haben? Nichts liegt mir ferner, es muss also ein Missverstaendnis sein.

  271. Johannes F. 22 Jahre,...
    Johannes F. 22 Jahre, Darmstadt.
    Im Internet finde ich nun leider nur die Aussage „ordentliche Familienverhältnisse“. Nicht besonders Aussagekräftig, aber ich erdreiste mir mal die Aussage, dass auch ich ordentliche Verhältnisse hatte.
    Klassische deutsche Familie. Etwas mehr Kinder als der Schnitt, aber dafür kein Fernseh der mehr als 5 öffentlich/rechtliche Programme ausstrahlt, was in den 90igern hieß, in der Schule immer derjenige zu sein, der nicht mit reden kann. Dazu noch ein Name, auf den sich das Geschlechtsteil des Mannes reimt und dass perfekte Mobbing Opfer ward geschaffen.
    So kam es dass auch ich den ein oder anderen Tag keine Lust auf Schule hatte, mich rechtfertigen wollte, warum meine Mama mir uncoole Bücher und keine „Games“ schenkt und doch, nie hatte ich lust jemandem zu verletzen. Liegt vll auch daran, dass kleine dicke Kinder eher unten auf der Leiter stehen.
    Mit 14 dann vom Konfirmationsgeld meinen ersten PC gekauft, der natuerlich, Internet hatte ich nicht, zum spielen sinnloser Spiele genutzt wurde. Nicht nur, aber vorwiegend. Das tat ich bis 16 und dann kam das Netz. Foren, Chatten, Spielen. Nebenbei die erste Freundin, aus dem Netz! meine soziale Isolation hielt an.
    Und doch, nun sitze ich hier heute, studiere recht erfolgreich, habe einen ausgeprägten Freundeskreis, real, aber auch noch ein paar wenige virtuell, und habe es, obwohl auch ich Zugang zu Waffen gehabt hätte, nie geschafft Amok zu laufen. Alle Vorraussetzungen die Tim K. hatte, abgesehen von den Depressionen treffen zu.
    Moment, Depressionen – ob nicht viel eher die, sowie der leichte Zugang zu einer Waffe und die vorrausgegangene Tat in Alabama seine Fantasie beflügelten?
    Was hätte die Nachwelt getan, wäre ich Amok gelaufen? Folgerichtig hätte Karl May verboten werden müssen, dessen Werke ich in großen Mengen besitze – aber Ballerspiele? Derer waren es 2, mehr konnte mein kleiner PC nicht schlucken.
    Also – war es das Ballerspiel oder die Depression, in Kombination mit leicht zugänglichen Waffen?
    Ich, ohne jetzt noch einem Ballerspiel anzuhängen, tendiere doch eher zu zweiterem und unterstelle Ihnen, lieber Don, wie sie es schon prophezeit haben und wie es viele vor mir taten, ein gewisses Wissensdefizit.
    Denn, keiner meiner Freunde die WoW spielen, vermuten hinterm nächsten Baum ein Ork.
    Nun denn, Ihre Blogs werde ich mir aber auch zukünftig nicht entgehen lassen!
    Wohl an, ein schönes WOchenende.

  272. Offengestanden bin ich mehr...
    Offengestanden bin ich mehr als skeptisch, ob Don auf die Fragen, mit denen er seinen dritten Absatz eröffnet, tatsächlich
    Antworten hören möchte – nicht nur die ziemlich offenkundig absichtliche Schwammigkeit (und – pardon – Selbstgefälligkeit)
    dieser Fragen lassen mich da zweifeln, sondern auch sein bestenfalls oberflächlich höflicher, aber trotzdem herablassender
    Umgang mit vielen Kommentatoren, die sich trotz dieser undankbaren Vorgabe um eine differenzierte Auseinandersetzung bemühen.
    Ob Antworten auf diese Fragen die Diskussion tatsächlich weiterbringen (na gut, sie dreht sich eh munter im Kreis),
    ist dann auch nocheinmal mehr als fragwürdig. Aber sei’s drum:
    Am 25. August 1830 brach nach einer Vorstellung
    der romantisch-nationalistischen Oper La Muette de Portici („Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber) in der
    Brüsseler Oper im Publikum der Ruf vive la liberté los [sowie auch „Aux armes! aux armes!“ (Zu den Waffen!)]. Nach dem Ende der
    Aufführung zog das Publikum aus dem Theater und ließ die Menschenmasse […] außer Kontrolle geraten. Gemeinsam stürmte man den
    Justizpalast. Am späten Abend wurde das Haus des
    Verlegers Libry-Bagnano geplündert (möglicherweise auf Agitation französischer Geheimagenten) und das des Ministers van Maanen,
    der treibenden Kraft hinter der Sprachpolitik des Königs, in Brand gesteckt. Die amtliche Druckerei wurde zerstört. Als die
    herbeigeeilten Ordnungskräfte von der Schusswaffe Gebrauch machten, gab es Tote.


    Jaja, ich weiß schon, gefragt war nach Rilke, ein Amoklauf ist das auch nicht und überhaupt geht es ums Hier und Jetzt und
    nicht um das finstere Mittelalter des 19. Jahrhunderts, etcetera, etcetera… (was, auch noch französische Oper?!?)
    Eins noch: natürlich hat Don mir die vollständige Lektüre des Candide voraus, und doch habe ich mitunter das Gefühl,
    daß der Garten, von dem Voltaire spricht, von uns allen gemeinsam bewohnt und bearbeitet wird, während – wiederum pardon – der
    von Don imaginierte Garten, zumindest in Dons schwächeren Momenten, ein abgeschiedenes Privatgrundstück ist, bewohnt von der
    „besseren Gesellschaft“ und versehen mit einem hohen Zaun mit Schildern, auf denen zu lesen steht „Herumlungern verboten“ / „Der
    Pöbel muß draussen bleiben“ / „Geschlossene Gesellschaft“ und ähnliches. Ich lasse mir da aber auch sehr gerne widersprechen.

  273. Das mit dem Garten bei...
    Das mit dem Garten bei Voltaire ist hochkomplex, weil man dafür die ganze Geschichte erzählen müsste. Im Prinzip ist der Garten nur ein Stück Land in einer gerade noch akzeptablen Diktatur, „die beste aller möglichen Welten“, die man aufbauen muss.
    Ich kann nur jedem raten, das Buch zu lesen, es ist ein Parforceritt durch die Geschichte des 18. Jahrhunderts, in der der Held mit seinem Philosophen von einem Ort zum nächsten eilt, überall auf der Flucht und angesichts entsetzlicher Gräuel, und sich am Ende in einer kleinen Existenz in Istanbul wiederfindet und sich aufmacht, sein eigenes, kleines Ding zu machen. Davor werden alle Philosophien, Religionen und Herrschaftssysteme vorgestellt und hinweggefegt. Voltaire hatte eine klare Haltung für sein Privateigentum, war aber auf seinen Gütern ein, wie man weiss, mustergültiger Herr und Sozialreformer.

  274. Um es einfach zu sagen: der...
    Um es einfach zu sagen: der täter war krank, sein vater ein waffennarr und er handelte unverantwortlich.
    Amokläufer hat und wird es immer wieder geben. Waffennarre auch.
    Die verfügbarkeit von schusswaffen stellt eine besondere gefährdung für uns alle dar. Schützenvereinsmitglieder benutzen waffen aus leidenschaft. Ein scharfschütze, z.b. bei der polizei, fühlt sich berufen, ein jäger schießt aus lust.
    Für den umgang mit der waffe gibt es bei der polizei strenge regeln, (was nicht einen amoklauf eines polizisten ausschließt) die eingehalten werden müssen.
    Dies ist verantwortlich.
    Für mitglieder in schützenvereinen gibt es ebenfalls regeln; auch für die jäger.
    Wer kontrolliert dort, dass die regeln eingehalten werden.
    Dies ist fahrlässig.
    Einen Amokläufer kann man nicht hindern, amok zu laufen. Mit dem messer, der gabel und dem licht kann er auch schlimmes anrichten. Mit der schusswaffe immer aber ein massaker.
    Wichtiger, als die diskussion um videospiele, ist die diskussion um die kontrolle der einhaltung von waffengesetzen; besser noch, privat sollte kein schusswaffenbesitz möglich sein – ohne ausnahme.
    Die zustände in den usa hinsichtlich der verfügbarkeit von schusswaffen, sollten uns ein abschreckendes beispiel sein.
    Die Diskussion um videospiele in diesem zusammenhang ist verfehlt. Es lohnt sich aber den Film „Bennis Video“ anzusehen.
    Es kommt darauf an, ob man auch bei videospielen regeln setzt und sich kritisch auseinandersetzt.
    Erkrankungen, vereinsamungen, vernachlässigung sind ursachen, die voranstehen und mit waffen oder videos zunächst nichts zu tun haben.
    Das wissen um die gefahr, die von schusswaffen ausgeht, ist natürlich so alt, wie es schusswaffen gibt.
    Die gefahr oder besser gefährdung, die von videos ausgeht, wird diskutiert und ist nicht jedem und umfassend einsichtig. Die einsicht fehlt denen zunächst, die selbst nicht spielen. Aber auch die verfechter von videospielen, die hiervon profitieren, weil sie daran verdienen, haben zunächst nur die eine einsicht, die des des profites.
    Die kinder und die jugendlichen, aber auch die erwachsenen sind zu fragen, die selbst spielen. Diese besitzen wohl die meiste eisicht, auch wenn sie nicht immer klar und verständlich ausgesprochen werden kann.
    Ich stimme zu, dass sucht und verblödung durchaus im bereich des möglichen gefährdungspotentials liegen. Und bücher sind auch mir lieber.
    Gerade das buch ist aber ein beispiel, welches als neues medium seiner zeit umwälzendes bewegte und die gesellschaft veränderte.
    Aber darum geht es nicht.
    Wir wissen um seelische erkrankungen. Wir wissen auch, dass es formen von gewaltausbrüchen aufgrund seelischer erkrankungen gibt.
    Wir werden aber deshalb amokläufe nicht immer verhindern können,.
    Die schrecklichsten auswirkungen können wir aber evtl. dadurch verhindern, indem wir verantwortlich handeln und den privaten besitz von schusswaffen verbieten.
    Dies liegt in unserem verantwortungsbereich. Wir haben also eine nicht unerhebliche handlungsmöglichkeit und nach all diesen massakern, die pflicht hierzu.
    maultasche

  275. Liebe Damenwahl,
    der Eindruck...

    Liebe Damenwahl,
    der Eindruck entstand bei mir durch Ihr Beharren auf dem aus Ihrer Sicht offenbar genau bekannten, zumindest aber abzusehenden, Grad der Nützlichkeit gewisser Spiele. Diese Frage nach dem Nutzen erinnert mich sehr an die Fragen nach der wirtschaftlichen Nützlichkeit, dem Wert, der so oft zum Beispiel gestellt wird, wenn es darum geht, ob unsere Universitäten neben zukünftigen Investmentbankern und Ingenieuren auch noch Literaturwissenschaftler ausbilden sollen. Was sollte denn schon deren Wert, deren Nutzen sein? Die von Ihnen hier vertretene Position scheint zwar um Erkenntnis bemüht, im Kern aber klar kalkulierend. Was Ihre Argumente dem Spiele, sind die anderer den Literaturwissenschaften. Ich halte beides für verfehlt – und zynisch (frei nach Oscar Wilde).
    Es grüßt,
    Cg

  276. ich bestreite nicht, dass...
    ich bestreite nicht, dass computerspiele einflussfaktoren für solche gewalttaten sind. jedoch denke ich auch, dass es allenfalls nahrung für einen menschen ist, der einen anderen mangel erleiden musste. eine klare wirkung wird auch das verbot von solchen spielen nicht erzielen. ein gärtner, der sein unkraut immer nur abschneidet, darf sich halt nicht wundern, wenn es immer wieder nachwächst. für mich ist eines immer klarer geworden. wenn unsere kinder nicht zu starken menschen heranwachsen können, um eine eigene selbstachtende persönlichkeitsstruktur entwickeln zu können, wird es immer wieder solche katastrophen geben. das problem liegt in uns selbst. wieviele opfer-täter situation gibt es wohl an einem tag? taten, die wir gar nicht als solche sehen, weil wir nicht spüren wollen, weil wir nicht wahrnehmen dürfen, dass es eine verletzung darstellt. die gesellschaft lebt diese verdrängung und will auch nichts davon wissen, fürchtet sich vor dem schmerz, der dahinter verborgen bleibt. aus erfahrung weiss ich, dass es äusserst schmerzhaft ist, sich mit seiner vergangenheit zu beschäftigen, aber nur daraus kann heilung folgen, die „vererbung“ auf das kind unterbrochen werden. ein mensch mit selbstwertgefühl wird erkennen, dass ein computerspiel nur ein spiel ist, nichts weiter, eben keine nahrung für eine labile psyche.

  277. Lieber MrCg,
    ich verstehe...

    Lieber MrCg,
    ich verstehe durchaus, daß man mich in diesem Sinne mißverstehen konnte. Grundsätzlich fasse ich mich gerne kurz, weil ich lange Kommentare selber nicht schätze, aber damit habe ich mir wohl selbst ein Bein gestellt. Ich kann aber auch anders, und damit hoffentlich meine Intention deutlicher machen.
    Erstens: Ich sehe einen fundamentalen Unteschied in der Argumentation „contra Verbot“ und „pro Ballerspiele“. Der erste Fall ist ein reiner Abwehrreflex und folgt völlig anderen Argumentationslinien als der zweite – wobei ich Zweiteres für schwieriger halte. Ich habe in der Diskussion Positionen vermisst, die das Eintreten für Ballerspiele positiv begründen – und die wollte ich gerne hören. Sozusagen aus akademischem Interesse an der Debatte und Neugier auf eine Motivation, die mir selbst fremd ist.
    Zweitens: Ich bin mir völlig der Tatsache bewußt, daß wir in einem Staat leben, in welchem Verbote begründungsbedürftig sind, so daß die Bringschuld der Rechtfertigung beim Verbietenden liegt, und das zu Recht. Mit ein bißchen Phantasie stelle ich mir aber vor, daß in einigen Jahren Studien vorliegen, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Ballerspielen und medialer Gewalt einerseits und Gewalttendenzen unter Jugendlichen andererseits nachweisen (und da gibt es ja auch diesseits des Amoklaufs reichlich Monstrositäten). Zu diesem mehr oder weniger fernen Zeitpunkt wird die Verbotsdiskussion neu aufgerollt werden und die Gesellschaft wird – so denke ich mir – eine pragmatische (und keineswegs moralische oder ethische, kantische oder utilitaristische) Abwägung der Güter vornehmen. Potentielle Gefährdung gegen die Freiheit der Spielerfraktion. Und genau meine Frage stellen: Was, außer der Spielfreude, spricht gegen das Verbot?
    Meine Einlassungen nennen Sie kalkulierend – ja, ich rechne hier mit einem bestimmten Ablauf der Debatte, den ich gewissermaßen vorwegzunehmen versucht habe. Und derartige Nutzenabwägungen – da stimme ich Ihnen zu – sind zynisch. Dem entgegen stehen die Realitäten der gesellschaftlichen, politischen und medialen Mechanismen, mit denen es sich auseinanderzusetzen gilt. Da kann es hilfreich sein, seine Leidenschaften mit etwas mehr als nur dem allgegenwärtigen Spaßargument verteidigen zu können. Wenn ich die Kommentare hier noch mal querlese, scheint mir die argumentative Munition jedoch recht dürftig zu sein. Aber bitte, ich wünsche gutes Gelingen, eines fernen Tages.
    .
    Ach ja: Ich bin die allerletzte, die die Geisteswissenschaften abschaffen möchte – diese Unterstellung kann ich selbst unter anonymisierten Bedingungen nicht auf mir sitzen lassen. Einspruch. Distanziere mich davon. Ganz weit.

  278. Liebe Damenwahl,

    danke für...
    Liebe Damenwahl,
    danke für die Erklärung – und bitte verzeihen Sie mir die Unterstellung.
    Gruß,
    Cg

  279. ,,Es gibt nach Amokläufen...
    ,,Es gibt nach Amokläufen keine Vorfreisprechung, die sich im Internet, in Blogs und Foren so schnell verbreitet wie die Behauptung: Mit gewalttätigen Videospielen hat das natürlich nichts zu tun.“
    Das ist falsch. Es war umgekehrt. Nach diesem Amoklauf gab es zuerst eine Art uneingeladenes ,,Gutachten“ der Polizei:,,Der Polizeisprecher Klaus Hinderer hatte heute morgen gegenüber der dpa bestätigt, was viele Kommentatoren in den Diskussionsforen gestern schon frühzeitig als Verarbeitungsthema des unbegreiflichen Traumas prognostizierten – den Zusammenhang zwischen der Tat und Computerspielen…“ http://www.heise.de/tp/blogs/8/134473
    Der Autor dieses Artikels ist kein politisch unerfahrener Grünschnabel. Wenn er an diesem Tag in diesen Kontext solch einen Artikel stellt wird er wissen was er macht. Weil der Stier auf das rote Tuch losgeht und nicht auf den Matador halten wir ihn für dumm. Achten wir also lieber auf den Matador.
    Kommen wir zum politischen Kernpunkt zurück: der einzigen Konsequenz, die wir unabweisbar jetzt aus diesem Amokdilemma ziehen können. Das ist die Bekräftigung des Gewaltmonopols des Staates, indem der private Besitz von Feuerwaffen, zumindest deren Aufbewahrung zuhause, sofort untersagt wird. Das sollte eine überparteiliche Allianz der Vernunft über die Generationsgrenzen und Parteigrenzen hinweg sofort umsetzen können. Wer sich dem nicht verweigert darf dann auch in Zukunft über Fragen der Sicherheit mitreden, wer nicht – dann eben nicht. Im Wahljahr mögliche Bedenken gegenüber Schützenvereinen stellen wir notgedrungen ganz hinten an, damit wir glaubwürdig bleiben.

  280. Um den Tunnelblick einmal...
    Um den Tunnelblick einmal etwas zu erweitern, hier eine Parallele.
    Die Metalszene hat seit ihrer Geburt mit ähnlichen Diskussionen zu kämpfen. Monster, Schädel, Satansfiguren, Todessymbole, düstere Texte, manchmal psychotische Ausdrucksformen.
    Die Extremformen sind nicht von Pappe. Die durchgedrehten Satanisten, die Morde in Norwegen, die Nazimetaller und rechten Okkultisten.
    Und ja, ein Robert Steinhäuser hat Slipknot gehört.
    Und nun setze man sich hin und erkläre, *der Metal* sei Dreck, führe zu Mord und Psychose, das müsse nun endlich mal gesagt werden.
    Damit hat man drei Parteien am Hals: Einmal die tatsächlichen Psychoten, die losdreschen. Zweitens die zahlreichen übrigen Freunde des Metal. Drittens die Ordnungspolitiker an Stammtisch und Schreibtisch, die sich vor Eddie, dem Maskottchen* schon immer erschreckt haben. Letztere verstärken abermals ihren Ruf nach allgemeiner Zensur.
    Keine Rede wäre davon, welche Funktion die Symbole und Texte haben, keine Rede davon, dass der größte Teil der Metaller zu den friedlichsten Zeitgenossen überhaupt gehört.
    Es ist eben *widerlicher Dreck*, und auch da würde ein ästhetisches Urteil das moralische begründen.
    Ich persönlich vermute eine kathartische Funktion in beiden Fällen. Die Themen Tod, Kampf, Krieg, Psychose, Zerstörung stecken im Unbewussten der Gesellschaften und der Menschen.
    Theater wurde erfunden als mythologische Horrorstory. Sport war ein Kriegsersatz.
    Die für mich interessante Frage wäre nicht: Können Shooter Gewaltphantasien verstärken, kann Metal Todesgedanken verstärken? (Natürlich können sie.) – Sondern: Wie kommt es, dass diese Themen derart breiten Zuspruch finden? Welches Bedürfnis wird da erfüllt? Keine Industrie entsteht ohne Markt, kein Markt entsteht nur aus Werbung.
    Gruß von stellasirius
    *von Iron Maiden

  281. Selbst nach der Lektüre der...
    Selbst nach der Lektüre der ersten achtzig oder so Kommentare (fleißig, fleißig, das Thema scheint die Gemüter ja wirklich zu erregen), komme ich nicht umhin, Don Alphonso à la longue recht zu geben. Pro-Gamer scheinen sich wie die Pro-Lifer in längst überwunden geglaubten Grabenkämpfen auf eherne und Mir-kann-niemand-Wahrheiten zurückzuziehen (Zusammenhänge! Kausalität vs. Korrelation! Noch besser: Statistik!), während der Autor dieses Blogs lediglich – und in einem feuilletonistischen Zusammenhang! – sein tiefes Unbehagen über die um sich greifende Unkultur sog. Ego-Shooter und anderer Serienkillerspiele ausdrückte. (Übrigens exakt in der noch recht kurzen Tradition dieses Blogs, in dem es genau um solche Fragen geht: Anstand, Common Sense, kultiviertes Benehmen, Stilempfinden – und der schleichende Verfall all dieser Werte und Einstellungen.)
    Das Herbeizitieren von Nazigrößen als vermeintlich kulturbeflissene Zeugen der Verteidigung (nur weil Hitler ein Wagner-Fan war… meine Güte!) ist nichts anderes als das hierzulande immer wieder gern praktizierte Zücken der Faschismus-Keule, das schon immer dem Zweck diente, jede Diskussion im Keim zu ersticken – und insofern schon von seinem Wesen her nicht problemlösend motiviert ist. Die Frage bleibt: wem nützen diese Ballerspiele? Wer würde ihren Verlust beklagen? Was tragen sie zu unserem Zusammenleben, zu unserer Verfasstheit, ja: zu unserer Kultur, bei? Nichts. Nichts. Und, äh, nichts. Wie formen sie einen jungen Menschen? Machen sie aus ihm einen besseren Menschen? (Jetzt bitte nicht mit den Eltern kommen! Selbstredend tragen diese auch eine Verantwortung für solche fatalen Entwicklungen; die Familie ist schließlich die Keimzelle der Gesellschaft – wusste bereits Engels. Nur: Eltern kann man nicht abschaffen; Spiele, in denen Kinder Mörder mimen, hingegen schon.)
    Also: wie bilden diese Spiele einen jungen Menschen? Was vermitteln sie ihm? Was bilden sie in ihm aus? „Duck“ & „Run“ & „Hide“? Kann man auf der Straße, dem Feld oder einem aufgelassenen Fabrikgelände viel besser. Oder vielmehr doch: „Kill, kill, kill“? Die Desensibilisierung nach stundenlangem Ballern kann jeder, der sich dem ausgesetzt hat, am eigenen Leib erfahren (von den sexistischen und rassistischen Kommentaren anderer Gamer bei vernetzten Spielen ganz zu schweigen) – wo es am Ende nur noch darum geht, möglichst effektiv zu töten, mit dem geringstmöglichen Aufwand, immer gleich auf den Kopf, denn das Spiel geht weiter, und man ist ja längst kein „Noob“ mehr, hat sich und anderen was zu beweisen… WAS BITTE, soll das alles sein?? Wozu, frage ich, braucht man dieses Dreckszeug? Welche Werte vermitteln diese Spiele?
    Ein Kommentator hat hier angemerkt, daß Tim K. im Deutsch-Leistungskurs war, doch dies besagt gar nichts (außer eben, daß er im Deutsch-Leistungskurs war); ich war es nicht, trug sogar zum Verdruß meiner Eltern regelmäßig Vierernoten in Deutsch nach Hause. Und? Who cares? Was für ein Argument soll das sein? „Counterstrike“ hat Tim K. nicht zu der Tat angestiftet (das behauptet auch niemand), aber ebensowenig hat der Besuch des Deutsch-Leistungskurses ihn davon abgehalten. DAS ist nicht das Problem. Das Problem ist, daß diese Spiele Szenarien vorvisualisieren, Möglichkeiten zeigen, blutspritzende, stupende Gewaltorgien vor-abbilden, und IMMER ist der Spieler der Akteur, der Täter, der Mörder. (Und das, liebe Zeitgenossen, ist auch der Unterschied zu Kinofilmen – selbst noch zu den härtesten, neumodischen Folterexzess-Streifen: die Interaktivität, die Ich-Perspektive. Filme sind ein reproduzierendes Medium, Produkt der Fantasie eines anderen, Ego-Shooter hingegen ein produzierendes. Leichenberge produzierend.)
    Doch selbst wenn allenthalben nach schnellen Lösungen gerufen wird (und diese wiederum leidenschaftlich angefochten werden), ist mir klar, daß das Problem tiefer, viel tiefer in unserer Gesellschaft verwurzelt ist – doch eine schnelle Lösung ist immer noch besser als gar keine, und ein SOFORTIGES Verbot von Gewaltspielen tut niemandem weh und ist schon mal ein guter Anfang. Wir werden sie nicht missen.

  282. Eine ganze Reihe von mehr oder...
    Eine ganze Reihe von mehr oder weniger dummen und beleidigenden Kommentaren von Gamern sind hier jetzt nochmal gelöscht worden, teils, weil sie eigentlich ein schönes Bild einer kaputten und kranken Gesellschaftsecke lieferten, die hier nichts verloren hat, teils, weil sie unfähig sind, Texte zu verstehen und teils, weil der Blödsinn anderer Kommentatoren nicht besser wird, wenn die ihn nochmal neu erzählen. Sie können gern weiter schreiben, aber meine Neigung, mit solchen Leuten zu debattieren, ist inzwischen auf dem Nullpunkt angekommen. Auch, weil ein ziemlich grosser Teil dieser Leute exakt die Art Mensch sind, mit der man Verbote solcher Dreckspiele problemlos begründen kann. Ich finde es sehr bezeichnend, dass von den sicher über 200 Gamern hier kein einziger hier nochmal aufgeschlagen ist, um zu sagen, dass der Ablauf beim letzten Massenmord – erst zwei Stunden Far Cry zocken, am nächsten Morgen Menschen umbringen – doch ziemlich heftig ist. Bei 200 ziemlich oft pöbelnden, hassenden und beleidigenden Figuren ist das ein sehr trauriger Schnitt, insofern: Unbelehrbar, peinlich unbelehrbar.

  283. So, nachdem ich rund die...
    So, nachdem ich rund die Hälfte aller Kommentare gelesen habe, und mich einer ca. 13 Jahre langen Selbststudie unterzogen habe (ich bin gerade 19 und habe mit 6 zum ersten Mal PC gespielt; und zwar Wolfenstein 3D!) müsste ich der perfekte Amokläufer sein. Zumindest sollte ich mindestens perfekt eine Waffe bedienen müssen! Aufgrund einer Expidition war ich letztens bei der Polizei und durfte da mit einer Pistole Zielschießen machen. Was soll ich sagen: 10 Schuss abgegeben, 2 mal getroffen. Das Nachladen hat auch ca. 1 Minute gedauert. ABER: In Call of Duty, Counterstrike etc. bin ich in 2 Sekunden mit dem Nachladen fertig und bereit den nächsten Kopfschuss zu verteilen. Dies gelingt mir im Spiel sehr gut!
    Ich komme aus einem guten, ländlichen Umfeld, bin ein lebensfroher Mensch.
    Und ich stehe nicht auf Gewalt. Um ehrlich zu sein verabscheue ich körperliche Gewalt! Und ein Spiel ist nunmal nur ein Spiel! Ich verletzte dort niemanden, niemand kommt zu Schaden. Daher habe ich nichts gegen Killerspiele. Mir ist dabei wichtig mit Freunden zusammenzuspielen! Wie ein Abend in der Kneipe, wo man ein Gesellschaftsspiel spielt, jedoch übertragen zum Computer. Ohne Freunde spiele ich die Spiele kaum, es macht mit Freunden einfach mehr Spaß als ohne! Über Teamspeak kann ich mich wunderbar mit ihnen unterhalten, über Politik, die Welt, Sex, worüber wir halt reden wollen. Wir reden nicht darüber wie cool eben erziehlte Kopfschuss war.
    PS: Killerspiele als Simulator: Die US Army hat versucht ihre Soldaten mit Egoshootern zu trainieren. Leider finde ich das Zitat nicht mehr, ich versuche es wiederzugeben: „Unsere Rekruten sind nach dem Training im Simulator kein bisschen besser geworden. Sie sind immer noch wie Zivilisten, sie können keine Waffe bedienen und haben kaum taktische Erfahrung gesammelt“
    Mit freudlichen Grüßen

  284. <p>sitzen ein paar Trolle und...
    sitzen ein paar Trolle und lachen sich scheckig. Die finden das toll, zu „schocken“ und zu provozieren. Am besten so etwas einfach kommentarlos löschen und wenn wirklich etwas strafrechtlich relevantes, oder gar noch eine Amokdrohung dabei ist:
    .
    An die Polizei weiterleiten. Wenn den Eltern das SEK-Kommando die Tür eintritt und nachher die Rechnung kommt werden die Jugendlichen schon ihren „Spass“ bekomment, wenn es heisst Rechnungen im 5 bis 6-stelligen Euro-Bereich zu zahlen.
    .
    Danach können sie sich entspannt zurücklehnen und im Tonfall der Dämlacks von den Imageboards sagen:
    .
    I DID IT FOR THE LULZ!
    .
    P.S.:
    .
    Sie behaupten doch wohl nicht allen Ernstes, das sie nicht gewusst haben, was für eine „Reaktion“ sie da provozieren. Ich glaube der Artikel war „Trollbait“ vom feinsten, der seine Wirkung nicht verfehlt hat. Sie haben die Deppen aus ihren „Höhlen“ gelockt und sie am Nasenring durch die Manege gezogen. Freuen sie sich über ihren „Erfolg“, wenn sie wollen.
    .
    Die einzige Frage, die ich mir stelle ist, die was als Sündenbock herhalten muss, wenn nach dieser unterirdischen „Orgie der Berichterstattung“ der nächste Idiot mordend durch die Gegend gezogen ist. Das wird nämlich passieren. Die perverse Berichterstattung sorgt dafür, das es an Nachahmern nicht mangeln wird.
    .
    Den Politikern und Medien sei Dank.

  285. Irgendwo, das hier ist die...
    Irgendwo, das hier ist die deutlich abgemilderte Form des Originals. Der andere Beitrag wäre ein Trollbait gewesen. Das hier ist nur eine Anregung für haufenweise Gestörte.
    .
    Ich habe schon andere Sachen durchdiskutiert, der längste Thread hatte 1100 freigeschaltete Kommentare und 3-400 gelöschte, und auf der anderes Seite sassen so an die 100 , die sich abgesprochen haben. Damals ging es um StudiVZ, und da sind wir hier noch weit drunter. Aber natürlich lernt man. Sehen Sie, ein Haufen der gestrigen Trolle ging derzeit auf den Teilzeit-PRler für Games Rene Walter von Nerdcore und Spreeblick zurück. Das ist jemand, der zwar erklärtermassen einen Sozialneid auf mich hat, hinter dessen Themen ich mich mal geklemmt habe. Oder das Gulli-Board, dessen Mitarbeiter hier seinen Beitrag über Kommentare zwangsverlinkt sehen möchte. Das sind alles Leute, bei denen ich früher dachte: Es ist wichtig, für deren Rechte einzutreten. Ich weiss nicht, ob die Sammlung an Ausfällen jemand interessiert, aber die Antworten sind in meinen Augen die beste Munition, wenn es um eine Forderung nach einem Verbot dieser Spiele geht.
    .
    Ein oft wiederkommendes Argument an mich, der ich jahrelang unter ziemlich karrieregefährdenden Umständen Dinge geschrieben habe, die Firmen verheimlichen wollten, ist, dass ich verstehen müsse, wie sehr das doch Schäuble und Co. in die Arme arbeite. Dabei seien Gamer jetzt doch ein bedrohter Ort der bürgerlichen Freiheit, schon morgen könne mir Ähnliches passieren.
    .
    Nachdem ich hier gerade eine Welle von Dropins habe, die den Text gar nicht mehr lesen und Brocken von Gulli und anderen einfach in die Kommentare schmieren, sehe ich das anders. Oder: Ich würde den Schwerpunkt anders legen. Die Gewaltandrohungen, die angebliche Anzeige wegen Volksverhetzung, die keiferei, das alles ist natürlich eine Art individuell ausgelebte Freiheit, aber der Oret, aus dem das kommt, diese spezifische Region vom Gamistan, ist eben nicht der Hort der Freiheit, sondern der Vorposten der Barbarei in der Gesellschaft. Vorgestern gab es so eine Phase zwischen Kommentar 2000-260, da gab es noch sowas wie einen Austausch, aber inzwischen ist das hier zu (auch bei anderen) einem derartigen Brüll- und Awarenesswettbewerb geworden, dass man hier nur zustimmen kann.
    .
    http://www.bissige-liberale.net/2009/03/14/die-beliebtheit-von-strohmaennern-oder-die-vergeblichkeit-im-internet-zu-diskutieren/
    .
    Wie gesagt: Früher war ich der Meinung, dass man diesen Hetzenden und ihrem Mob eine Gelegenheit geben sollte, sich frei zu äussern. Aber inzwischen hätte ich Probleme, Argumente zu finden, warum ich solchen Leuten nochmal helfen sollte, wenn diese Art mal wieder in die Hosen geht.

  286. Gewaltfreie Gamer melden sich...
    Gewaltfreie Gamer melden sich zu Wort Folge 249, heute: Der Mann, der von Gulli kam:
    .
    „Natürlich trägt dieser Kommentar nicht zu ihrer angestrebten „erwachsenen“ Diskussion bei, aber seien sie doch froh dass ich meine Wut über diesen Schund gleich virtuell austoben kann, andernfalls würde ich es höchtswahrscheinlich vorziehen, ihnen ganz nüchtern das Gesicht einzuschlagen.“
    .
    Games sollen ja angeblich nichts damit zu tun haben, dass Leute brutal werden. Jaja. Machen Sie ruhig weiter.

  287. "Ein oft wiederkommendes...
    „Ein oft wiederkommendes Argument an mich, der ich jahrelang unter ziemlich karrieregefährdenden Umständen Dinge geschrieben habe, die Firmen verheimlichen wollten, ist, dass ich verstehen müsse, wie sehr das doch Schäuble und Co. in die Arme arbeite.“
    .
    Ihnen das vorzuwerfen und dabei Herrn Schäuble und Frau von der Leyen selber den Strick zu reichen an dem sie die „Gamer“ juristisch „aufhängen“ können, ist schon dermaßen unbeschreiblich dämlich, das sich mir der Verdacht aufdrängt der durschnittlich IQ dieser Leute ist höchstens halb so hoch wie ihr Durchschnittsalter.
    .
    Jetzt fehlt nur noch das irgendwer behauptet das seien „Agents Provocateurs“ die der Bundesregierung die Argumente zum Verbot dieser Machwerke liefern sollen.
    .
    Angesichts dieser Intelligenzabstinenzler die da versuchen marodierend durch die Kommentare zu ziehen nur noch Fassungslos mit dem kopf schütteln.

  288. endlos seltsam wie wieder...
    endlos seltsam wie wieder jeder nach irgendeinem grund sucht, nur nicht nach dem fehlern.
    dieser junge war, da kann man sich ja wohl sicher sein, nicht in der lage konfliktsituationen -ob im innern oder äußern- zu lösen. mehr als 2/3 der männlichen jugendlichen spielen in ihrem leben cs oder unreal. wie viele davon laufen amok? hm, vllt ein so geringer teil, dass man in der mathematik von einer größe sprechen würde, die man als kürzungsfehler oder verschwindend geringer menge, die außer acht gelassen werden kann. ich denke nicht, dass die toten vergessen werden sollten und ich denke auch, dass man etwas tun muss. in meinen augen ist es jedoch der falsche weg, dass man ursachen suchen muss. ursachen die sich nicht in computer welten zu finden sind, sondern im sog. „real-life“. dass der vater die waffen ungeachten rumliegen ließ, dass er wohl oft alleine und verlassen war und -ich denke jetzt kommt der wichtigste punkt- dass niemand erkannt hat wie schlecht es ihm ging. jahrelang hat sich ein aggresionspotential aufgebaut, das sich in dieser tat entlud. aber das potential wurde nicht durch computerspiele oder das lesen von „die leiden des jungen werther“ ausgelöst. nein, er wurde von seinen mitmenschen geradezu ausgestoßen, gleichzeitig versagte er über jahre in der schule und im nachhinein fidnet man plötzlich ganz viel schlechtes an ihm.
    grauenhaft, wie menschen urteilen. alle amokläufer hatten probleme in ihrem leben. zurückblickend gab es auch schon vor jahrzenten amokläufer. die hatten weder gewaltverherrlichende pc-spiele oder ähnliches.
    warum versucht man nicht endlich einmal menschen zu helfen, die ein problem haben? – weil sich niemand traut. schöne feige welt. jetzt müssen fadenscheinige gründe herhalten. statt dass man sagt: „wir als gesellschaft haben versagt.“

  289. Nun, ich gebe zu, ich bin...
    Nun, ich gebe zu, ich bin faul, es ist mir zu anstrengend die seitenlangen Kommentare zu lesen. Ein Paar – und die jeweiligen Antworten – haben doch gereicht, um meinen Eindruck zu bestätigen. Genau die Kommentare die hier zu lesen sind, wolltest Du erreichen, nicht wahr?
    Zu einem Kommentar noch eine Info… „Bei 250+x […] an Grenzen […]“: 255!
    Zur Sache:
    Du beschreibst zwei völlig richtige Dinge.
    Erstens:
    Von den besagten Amokläufern an Schulen usf. in den letzten Jahren spielten 84,6% Computerspiele. Von diesen nochmal ~90% „Ballerspiele“, „Killerspiele oder – wie Du sie nennst – „Dreckspiele“.
    Zweitens:
    In letzter Zeit gab es überaus wenige Amokläufer/Massenmörder, die belesen waren. (Betrachtet werden darf hier zwar nur ein Zeitraum von weniger als 40 Jahren, aber das reicht ja für Deine Zwecke.)
    Nur musst Du bedenken, dass die menschliche Psyche hochkomplex ist.
    Ich will nicht verhehlen, dass gewaltlastige Spiele, Filme, Musik, usf. psychisch labile Menschen zu bereits genannten Grausamkeiten führen, aber Bücher könnten das auch. Und das haben sie auch schon, aber das ist ein anderes Thema. Auch wenn ich in der Gemeinde der „Killerspiele-Spieler“, zu der ich ab und zu auch gehöre, dafür oft beleidigt werde, sage ich schon seit Jahren, dass eine psycchologische Untersuchung dem Verkauf o.g. Spiele vorausgehen sollte. Den neusten Ereignissen Rechnung tragend, muss ich dies auch auf den Beitritt in Vereine, die welche Form von Gewalt auch immer zum Sport machen, ausweiten.
    Gegen ein generelles Verbot muss ich mich aber verwehren. Oh ja – ich spiele solche Spiele… manchmal wenn ich mir kein neues Buch kaufen möchte/kann. (Ich stamme nicht aus bestem Hause, wie Du das offensichtlich tust und muss neben den Abiturvorbereitungen mein Geld verdienen…)
    Aber ich lese auch. Auch deshalb ist Philosophie (von Informatik abgesehen) mein bestes Fach und das seit fünf Semestern.
    Die neuen Medien sind nichts teuflisches – Du benutzt sie ja selbst, wie man merkt – sie bedeuten nur beinahe uneingeschränkte Freiheit bis an die Grenzen der Technik und diese Freiheit darf man nur jenen geben, deren Geist mit dem umgehen kann, was sie bieten.
    Labile Menschen mögen auch durch die Lektüre wie „Der Sandmann“, kafkaesken Werken oder expressionistischer Lyrik durchdrehen und diese sind Pflichtstoff in der Schule. (Und das nicht ohne Grund.)
    Ich hoffe du wirst meinen Beitrag nicht ganz so „trollig“ finden, ich gebe dir ja -wenn auch nur eingeschränkt- Recht.

  290. "Der Begriff geht zurück auf...
    „Der Begriff geht zurück auf das Auftreten einer Suizidwelle nach der Veröffentlichung von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers im Jahr 1774 und seiner zahlreichen Nachahmungen (Wertheriaden). In der Forschung wurde lange kontrovers diskutiert, ob solche Werther-Suizide tatsächlich stattgefunden haben; neuere Studien belegen ein halbes bis ein Dutzend historische Suizide. Einige der Suizidenten kleideten sich ebenso wie die Figur des Werther in der so genannten Werther-Tracht (bestehend aus blauem Tuchfrack mit Messingknöpfen, gelber Weste, Kniehosen aus gelbem Leder, Stulpenstiefeln und rundem, grauem Filzhut, getragen auf ungepudertem Haar), andere trugen bei ihrem Freitod Goethes Buch bei sich. Damals wurde allerdings noch nicht vom Werther-Effekt gesprochen, sondern vom „Wertherfieber“. Die genaue Zahl der Suizide im Zusammenhang mit Goethes Werther lässt sich nicht beziffern, da es damals keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu gab. In den überlieferten Quellen ist auf jeden Fall eine zweistellige Zahl in mehreren Ländern belegt, es könnten auch weitaus mehr gewesen sein.
    Goethe selbst hatte mit einer solchen Wirkung seines Werkes nicht gerechnet. Er schrieb später: „So verwirrten sich meine Freunde daran, indem sie glaubten, man müsse die Poesie in Wirklichkeit verwandeln (…) und sich allenfalls selbst erschießen: und was hier im Anfang unter Wenigen vorging, ereignete sich nachher im großen Publikum“.
    Der Stadtrat in Leipzig verbot die Verbreitung des Werther im Januar 1775 nach den ersten bekannt gewordenen Suizidfällen mit der Begründung „es wird hier ein Buch verkauft, welches den Titel führt Leiden des jungen Werthers. Diese Schrift ist eine Empfehlung des Selbst Mordes“. Auch das Tragen der Werther-Tracht wurde verboten. Das Verbot galt in Leipzig bis 1825. Auch in anderen Städten wurde die Verbreitung des Briefromans untersagt, um Nachahmungstaten zu verhindern.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt]

  291. 0x0D, manche haben halt ein...
    0x0D, manche haben halt ein Blog, deshalb gibt es diese Spalte. Sie ist nicht verpflichtend, nur eine Option.
    .
    Was ich hier ausmiste, hat ein ganz anderes Kaliber. Im Gulliboard verlangt einer nach „verbalem Waterboarding“, und der Rest findet das ok. Und das landet hier mit einem frundlichen Grinsen ob des Umstandes, dass die ihre Zeit verschwenden, im Müll.
    .
    Ich bin Kulturhistoriker. Würde man daran glauben, dass sich irgendwas über all die Jahrhunderte wirklich verbessert hätte, müsste man verzweifeln. Ich denkel, dass das Internet eine Art Verstärker für alles mögliche sein kann, und darüber und die Folgen kann man auch reden. Ein Verbot von Ballerspielen – „Killerspiele“ ist eines der Wörter, die ich nicht verwende, fordere ich da oben nicht, aber einen differenzierteren Umgang durchaus. Allerdings habe auch ich das, was man als steile Lernkurve bezeichnen könnte, und die Reaktionen aus dem Umfeld derer, die entweder süchtig sind, oder davon profitieren, gehen schon in eine Richtung, die Aussenstehende erstaunt, wenn sie sich nicht gleich abwenden. Man kann das machen – aber das Problem ist, dass die Reglementierungsdebatte es dann natürlich reichlich, reichlich einfach hat.
    .
    Dass Literatur Leute zu Blödsinn anstiften kann, will ich nicht bestreiten, tue ich auch an keiner Stelle, aber ich kenne beispielsweise auch die Debatte um die Zensur und das Verbot von Büchern in demokratischen Gesellschaften, und die wird trotz extremer weltanschaulicher Gegensätze ganz anders und relativ zivilisiert geführt. Da geht es um weitaus mehr als die Frage, wo man zwischen Far Cry und Rabbids eine Linie für 16-jährige zieht. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Diskurs um Ballerspiele für die Verteidiger über weiter Strecken nichts anderes als ein Ballerspiel ist, und so gesehen vielleicht mit das beste Einfallstor für Verbotsbestrebungen. Mit der Begründung, dass man irgendwo anfangen muss. Und ein Spieleverbot ist zumindest schnell und billig umzusetzen, und wird ganz sicher von einer grossen Mehrheit als richtig empfunden werden. Gerade weil die Frontstellungen kein Entweder-Oder zulassen. Das mag politisch billig und simpel sein, aber genau diese Anforderungen werden von der Gegenseite ideal erfüllt.
    .
    Ich werde in den nächsten Tagen für die FAZ (erst mal gedruckt) noch einen weiteren Beitrag schreiben, in dem ich mich mit der Frage auseinandersetze, was dieses Gebiet der Gamer nun eigentlich ist: Der Grenzposten der Zivilisation, mit dessen Freiheit meine Freiheit auch bedroht ist – was man durchaus glauben kann, wenn man sich Verbotsblödsinn wie „Die Ärzte“ anschaut – oder aber der Vorposten der Barbarei in der Gesellschaft. Ich bin politisch reichlich weit auf der Linken angesiedelt (und damit heute schon wieder fast reaktionär, so ändert der Neoliberalismus die Welt), und man muss im politischen Diskurs schon sehr, sehr weit in die Ränder oder nach unten gehen, um Gruppen zu finden, in denen Sager wie, siehe oben, als akzeptabel gewertet werden, und es keine Entsolidarisierung mit solchen Extremen gibt. Es ist jedenfalls nicht mehr das, was man als „auf dem Boden der Verfassung“ bezeichnen würde, und wenn man die Kriterien dafür auf die Gamer anwendet, wäre die Frage zu beantworten, ob es neben dem politischen Extremismus nicht auch einen Extremismus gibt, der keine politische Ausrichtung hat, sehr wohl aber jenseits von der Debatte um Gewalt und Amok eine tiefere Analyse verdienen würde.

  292. Noch ein Ding: Ich kann und...
    Noch ein Ding: Ich kann und werde auch noch so gut gemeinte Beiträge nicht freischalten, die gröbste sachliche Fehler enthalten. Wer sich partout zum aktuellen Fall äussern möchte (der oben keine allzu grosse Rolle spielt), mag das bitte so tun, dass er seine Fakten beinander hat.

  293. @0x0D

    Es gibt eine Anzahl...
    @0x0D
    Es gibt eine Anzahl psychologische Untersuchungen zu dem Thema.
    Die abstracts sind frei einsehbar:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez
    Ich habe mir oberflächlich die Untersuchungen angesehen, weiter unten einige gefundene Artikel.
    Mir scheint die Mehrzahl ist der Meinung ist dass es einen Zusammenhang gibt, oder zumindestens die Ergebnisse dahin weisen dass es einen Zusammenhang geben könnte.
    Ich habe wenige gefunden die diesen Zusammenhang abstreiten, z.B. Ferguson CJ (weiter unten).
    J Adolesc. 2004 Feb;27(1):113-22.
    Anderson CA.
    An update on the effects of playing violent video games.

    This article presents a brief overview of existing research on the effects
    of exposure to violent video games. An updated meta-analysis reveals that
    exposure to violent video games is significantly linked to increases in
    aggressive behaviour, aggressive cognition, aggressive affect, and
    cardiovascular arousal, and to decreases in helping behaviour. Experimental
    studies reveal this linkage to be causal. Correlational studies reveal a
    linkage to serious, real-world types of aggression. Methodologically weaker
    studies yielded smaller effect sizes than methodologically stronger studies,
    suggesting that previous meta-analytic studies of violent video games
    underestimate the true magnitude of observed deleterious effects on
    behaviour, cognition, and affect.“
    ————
    Minerva Pediatr. 2005 Dec;57(6):337-58
    Gentile DA, Stone W.
    Violent video game effects on children and adolescents. A review of the
    literature.
    „The review includes general theoretical and methodological considerations
    of media violence, and description of the general aggression model (GAM).
    The literature was evaluated in relation to the GAM. Published literature,
    including meta-analyses, are reviewed, as well as relevant unpublished
    material, such as conference papers and dissertations. Overall, the evidence
    supports hypotheses that violent video game play is related to aggressive
    affect, physiological arousal, aggressive cognitions, and aggressive
    behaviours. “
    —————
    Psychiatr Q. 2007 Dec;78(4):309-16.
    Ferguson CJ.
    The good, the bad and the ugly: a meta-analytic review of positive and
    negative effects of violent video games.
    Results from the current analysis did not support the conclusion that
    violent video game playing leads to aggressive behavior. However, violent
    video game playing was associated with higher visuospatial cognition. It may
    be advisable to reframe the violent video game debate in reference to
    potential costs and benefits of this medium.
    ———–
    Child Care Health Dev. 2008 Nov 12.
    Mitrofan O, Paul M, Spencer N.
    Is aggression in children with behavioural and emotional difficulties
    associated with television viewing and video game playing? A systematic
    review.
    „We did a systematic review of studies that examined such associations,
    focussing on children and young people with behavioural and emotional
    difficulties, who are thought to be more susceptible. “

    One study on video game use found that young people with behavioural and
    emotional difficulties viewed more minutes of violence and played longer
    than controls.

    All studies had significant methodological flaws. None was based on power
    calculations. Conclusion This systematic review found insufficient,
    contradictory and methodologically flawed evidence on the association
    between television viewing and video game playing and aggression in children
    and young people with behavioural and emotional difficulties. If public
    health advice is to be evidence-based, good quality research is needed.
    —————
    Pediatrics. 2009 Feb;123(2)
    Anderson CA, Sakamoto A, Gentile DA, Ihori N, Shibuya A, Yukawa S, Naito M,
    Kobayashi K.
    Longitudinal effects of violent video games on aggression in Japan and the
    United States.
    „RESULTS. Habitual violent video game play early in the school year
    predicted later aggression, even after controlling for gender and previous
    aggressiveness in each sample. Those who played a lot of violent video games
    became relatively more physically aggressive. Multisample structure equation
    modeling revealed that this longitudinal effect was of a similar magnitude
    in the United States and Japan for similar-aged youth and was smaller (but
    still significant) in the sample that included older youth. CONCLUSIONS:
    These longitudinal results confirm earlier experimental and cross-sectional
    studies that had suggested that playing violent video games is a significant
    risk factor for later physically aggressive behavior and that this violent
    video game effect on youth generalizes across very different cultures. As a
    whole, the research strongly suggests reducing the exposure of youth to this
    risk factor.“

  294. ist jedenfalls, das sich die...
    ist jedenfalls, das sich die Schützen mindestens ebenso uneinsichtig verhalten wie die Gamer, wenn auch nicht auf einem ganz so unterirdischem Niveau:
    .
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schuetzenverein-Sportwaffen-Winnenden-Amoklauf;art270,2751823
    .
    Ich darf mal aus den Kommentaren zitieren:
    .
    „Es ist schade, das die Krakeeler aus der Pazifistenecke ein tragisches Ereignis mit 15 Toten zum Anlass nehmen, um ihre alten, aber nicht nachvollziehbaren Argumente gegen Waffen vorzubringen. Nur weil ein paar tausend Menschen in Deutschland Angst vor Schußwaffen haben, soll eine wesentlich größere Anzahl von Menschen auf ihr Hobby verzichten? Wohl kaum!“
    .
    Da kann man nur mit Freude vom Nachwuchsmangel lesen, unter dem diese Herrschaften anscheinend zu leiden haben.
    .
    Ohne jetzt irgendeine Seite besonders ansprechen zu wollen, haben die letzten Tage nach der schrecklichen Tat tief in geistige Abgründe blicken lassen. Da kann man fast nur noch sprachlos daneben stehen, angesichts der intellektuellen Tiefen in die einige herabgestiegen sind, wenn sie nicht vorher schon dort länger verweilten.

  295. @ aftonsky:

    Wie gesagt, ich...
    @ aftonsky:
    Wie gesagt, ich selber bin mit 6 Jahren zum ersten Mal mit „Killerspielen“, und zwar Wolfenstein 3D, in Kontakt gekommen, und bin heute weder agressiv, noch in sonst einer Form belastet.
    Vielleicht bin ich da aber eine Ausnahme, ich würde meinem Kind (unter 18) vermutlich keine „Killerspiele“ in die Hand drücken.
    Ich spiele diese Spiele, mindestens zwei Abende die Woche, jedoch sollten Kinder (alles unter 16) keine Kontakt zu diesen Spielen haben.
    Ist bei mir jetzt zwar auch nicht so gewesen, aber in der Regel sollte es schon so sein, da „Kinder“ einfach noch nicht damit umgehen können.
    Ab 16 (oder individuell, je nach Entwicklung des Kindes) sollte man schon mit solchen Dingen umgehen können, ebenso mit Gewaltfilmen! (Ausgeschlossen diesen perversen Filmen wie SAW oder Untraceable)
    Fazit: Killerspiele sind okay, aber nur für Jugendliche die auch wirklich damit umgehen können und Fiktion von Realität unterscheiden können!

  296. Hallo Don Alphonso,
    du fragst...

    Hallo Don Alphonso,
    du fragst nach dem gesellschaftlichen Nutzen von „Ballerspielen“ – im weiteren Sinne wohl genrell der Darstellung von Gewalt/Burtalität zu Unterhaltungszwecken – angesichts ihrer, von dir unterstellten, schädlichen, „dezivilisierenden“ Auswirkungen. Im Gegensatz zu viele anderen Kommentatoren will ich nicht den unredlichen Versuch machen, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Gewaltkonsum und Gewaltausübung von vornherein auszuschließen. Dennoch sei dem Tenor deines Blogs entschieden widersprochen: Die Gewaltdarstellung ist ein Genußmittel. Ein durchaus problematisches, aber das sind Alkohol und Zigaretten auch. Dennoch wird seit den Erfahrungen der Prohibition niemand mehr ernsthaft auf den Gedanken kommen, ein Totalverbot derartiger Genußmittel sei dem Wohl der Gesellschaft förderlicher als eine mehr oder weniger scharf reglementierte Zulassung. Dass du ein gutes Glas Wein vermutlich mehr zu schätzen weißt als einen virtuellen Ausflug in den Schützengraben, ja letzteren sogar als „Dreck“ bezeichnest, ist dein persönliches Geschmacksurteil. Ich kann dir versichern, dass je nach Neigung beides zur abendlichen Entspannung gleichermaßen positiv beitragen kann, auch durchaus bei ein und derselben Person. Beides kann in bestimmten Situationen katastrophale Auswirkungen haben bzw. mitverursachen. In einer offenen Gesellschaft ist diesen jedoch nicht durch Verbote beizukommen.

  297. Amoklauf, Familiendrama,...
    Amoklauf, Familiendrama, Geisterfahrer
    Bezeichnungen für eine Tat, die die jeweiligen besonderen Merkmale herausstellt. Reduziert auf Gemeinsamkeiten, wird oft der Begriff des erweiterten Suizides erkennbar. Ursachen liegen im psychosozialen Bereich (mehr z.B. unter: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/suizid1.html ). Weder ein Verbot von Gewaltspielen noch der Privatlagerung von Waffen, wird weitere dieser Taten an sich verhindern können. Sondern nur die Art und Weise verändern. Die wahren Ursachen liegen wie beschrieben anders bzw. tiefer. Ob Verbote oder Verschärfungen, damit die Einschränkung von Freiheit, trotz dieses Wissens sinnvoll sind, wird unser demokratisches System unter Einbeziehung aller Interessengruppen entscheiden müssen.
    Desweiteren ist auch auf, die in den Medien kaum wahrnehmbare, Verantwortung dieser bürgerlichen Eltern, letztendlich auch unsere Eigene hinzuweisen. Die nicht nur darin liegt Kinder vor Anderen, sondern auch vor sich Selbst zu schützen. Damit zu kontrollieren wer welche Computerspiele kauft, spielt und wie lange spielt. Sowie Waffen aller Art kindersicher aufzubewahren. Sind wir als Gesellschaft allerdings nicht in Lage dies zu leisten, stellen sich tiefgreifende und existenzielle Fragen.
    Aber vielleicht beantworten unsere Medien gerade diese Fragen, erkennbar an der Berichterstattung. Die sich in keiner Weise an entsprechende Empfehlungen hält um Identifikation mit dem Täter und Nachahmung zu verhindern (siehe: http://www.suizidpraevention-deutschland.de/Download/P-Ethik13.6_aktuell.pdf ).

  298. @ComboCraft

    Mein Beitrag war...
    @ComboCraft
    Mein Beitrag war auch nur als Hinweis gedacht auf die weiter oben geäusserte Forderung nach wissenschaftlichen Studien. Meine kurze Suche in Medline ergab dass es eine Anzahl dieser Studien schon gibt.
    Es werden uns diese Studien keine Ja/Nein Antwort zu der Frage geben können, ob Computerspiele aggressives Verhalten erhöhen. Bestenfalls sind es Hinweise, ob es einen signifikanten statistischen Zusammenhang Spiele/Aggression gibt.
    Ich mache auf das Wort „statistisch“ aufmerksam. Jede glaubwürdige Studie wird eine ausreichende Gruppengrösse and Probanden berücksichtigen müssen. Dein Einwand „ich selber bin ja auch nicht aggressiv“ ist daher nicht wirklich stichhaltig. Ich selber habe in meiner Jugend auch gerne gespielt (das alte Doom) und bin auch noch nicht Amok gelaufen. Aber die von mir erwähnten Studien scheinen anzudeuten, dass bei einer grossen Anzahl von Menschen diejenigen, die Computerspiele spielen, zu einer grössere Wahrscheinlichkeit aggressives Verhalten an den Tag legen werden.
    Wie gesagt habe ich mir dies nur oberflächlich angesehen, und es interessiert mich auch nicht besonders. Für mich geht es in dem Blogbeitrag auch nicht nur um die Spiele, sondern um eine allgemeine Glorifizierung der Gewalt heutzutage. Die Spiele sind da auch nur ein kleiner Baustein.

  299. @ Günter Weber: "In einer...
    @ Günter Weber: „In einer offenen Gesellschaft ist diesen jedoch nicht durch Verbote beizukommen.“ Vollkommen richtig. Wir sprechen hier aber nicht über eine (in dieser idealisierten Form eh nicht existenten offenen Gesellschaft), sondern über den Nukleus Familie. Minderjährigen gesteht man nun mal – aus gutem Grund – nicht alle Rechte zu, die Erwachsene haben, und werden – aus gutem Grund – auch nicht allen Medien, Drogen, Einflüssen usw. ausgesetzt, denen sich Erwachsene aussetzen wollen. Insofern ist eine Indizierung – ungeachtet der tatsächlich relativ leichten Verfügbarkeit durch illegale Kanäle – ein Schritt, der a) den Zugang zu solchem DRECKSZEUG zumindest erschwert, und b) – was noch viel wichtiger ist – die Eltern bei einem Verstoß mal eben ganz schwer in die Pflicht nimmt. Diese sollen sich verdammt nochmal mehr um ihre Bälger kümmern, und wenn dies bedeutet, daß dies erst ex post durch das Gesetz geahndet wird, dann ist schon mal viel gewonnen.
    @ sämtliche „Werther“-in-die-Pflicht-Nehmer: zwischen Suizid nach Werther-Lektüre und Amoklauf nach aggressionsförderndem Aufpumpen durch Ballerspiele gibt es einen feinen Unterschied: erstere brachten sich selbst um, letztere alle anderen.

  300. Also Jungs... lernt lesen und...
    Also Jungs… lernt lesen und fertig.
    Mein Artikel sagt nicht, dass da KEIN Zusammenhang besteht, nur dass man sich dort nicht den ULtIMATIVEN Grund suchen soll. Labile Psychen können durch solche Medien „aktiviert“ werden, schaffen können sie solche Psychen aber nunmal nicht. Noch eins: Studien und Forschungen werden von jemandem bezahlt…
    .
    Wie gesagt. Das USK/FSK/Schutzsystem für schwache Geister, sollte auf Tests des Geistes basierenn, nicht nur auf dem Alter. Und dass für Spiele, Musik, Filme und BÜCHER!
    .
    .
    .
    Demagogisch gegen die dritte Meinung vorgehen… das kenne ich als BILD-Niveau… dachte die FAZ-Leser wären intelligenter.

  301. Das ist doch ein Beitrag nach...
    Das ist doch ein Beitrag nach FAZ-Niveau. Viel dickes Geschwafel und nix dahinter. Dass die Kommentare länger als er eigentliche Text sind, zeigt, dass man hier mit wenig Zeit viel Aufmerksamkeit erreichen wollte. Polemik verkauft sich, das weiß jede Zeitung.

  302. Darf ich fragen, von welcher...
    Darf ich fragen, von welcher Seite Sie hier angeschwemmt wurden? Als Hausherr, werter Afrokaracho, möchte ich Ihnen mitteilen, dass sie auf dem Blog „Stützen der Gesellschaft“ gelandet sind,
    .
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/default.aspx
    .
    einer kleinen, irrelevanten Ecke der FAZ, die allerdings mit der Erscheinung aufwartet, dass bei wirklich allen Beiträgen die Kommentare mindestens doppelt so lang wie der Beitrag sind. Das ist also vollkommen normal. Was möglicherweise daran liegen könnte, dass Ihre Auffassung von „FAZ-Niveau“ einfach falsch ist. Es erfreut sich einfach grosser Beliebtheit, und man geht hier pfleglich im Gespräch miteinander um. Anders als Sie.

  303. @Jaques B.
    Ich denke nicht,...

    @Jaques B.
    Ich denke nicht, dass von staatlicher Seite Dinge vorgeschrieben werden sollten, deren Einhaltung ueberhaupt nicht effektiv zu kontrollieren ist, ja deren Uebertretung gar zu alltaeglichen Verrichtungen bedeutender Teile der Bevoelkerung gehoert. Mit solchen „Gut-meint-aber schlecht-gemacht“-Regelungen gibt sich staatliche Autoritaet der Laecherlichkeit preis und nimmt inkauf, dass die Trennlinie zwischen „verboten“ und „erlaubt“ in der Lebenswirklichkeit zunehmend verwischt wird. In dieser Beziehung stellt das Internet aufgrund seiner Anonymitaet und Schrankenlosigkeit natuerlich eine gewaltige Herausforderung dar. Eben darum muessen die knappen Ressourcen der Strafverfolgungsbehoerden in diesem Bereich auf die Vergehen konzentriert werden, die tatsaechlich unverhandelbar sind, also z. B. Kinderpornographie oder Terrorismus. Ein Verbot bestimmte Spiele auf dem Rechner zu haben oder gar eine Pflicht von Eltern, die PCs ihrer Kinder dahingehend zu ueberwachen, wuerde schlichtweg den Rahmen sprengen. Ein Staat, der solche Dinge fordert, ohne sie auch nur stichprobenartig effektiv durchsetzen/kontrollieren zu koennen (eben aufgrund unserer „offenen Gesellschaft“), schneidet sich selbst ins Fleisch, indem er das Rechtsempfinden seiner Buerger desensibilisiert.

  304. @Guenter Weber
    ,,....ohne sie...

    @Guenter Weber
    ,,….ohne sie auch nur stichprobenartig effektiv durchsetzen/kontrollieren zu koennen (eben aufgrund unserer „offenen Gesellschaft“), schneidet sich selbst ins Fleisch, indem er das Rechtsempfinden seiner Buerger desensibilisiert.“
    Ganz genau! Und deshalb wählen wir jetzt Alle diejenige Lösung, bei der diese Gefahr nicht besteht und die zur Zeit von 80% der Bevölkerung (Umfrage von heute) auch akzeptiert wird: Schußwaffen werden ausschließlich im gesicherten Depot eines Schützenvereins zu lagern sein. Niemand wird so etwas zuhause haben. Ein Überwachungs- und Akzeptanzproblem gibt es dann nicht.

  305. @ Guenter Weber: "Ein Verbot...
    @ Guenter Weber: „Ein Verbot bestimmte Spiele auf dem Rechner zu haben oder gar eine Pflicht von Eltern, die PCs ihrer Kinder dahingehend zu ueberwachen, wuerde schlichtweg den Rahmen sprengen.“ … Neinnein, nicht, daß wir uns da falsch verstehen: natürlich ist ein Verbot, Killerspiele auf dem Rechner zu haben, illusorisch. (Und auch gar nicht von mir gefordert.) Das Verbot setzt früher, beim Vertrieb an. Wo nichts (legal) erworben werden darf, darf auch nichts (legal) installiert sein – das ist der Hebel. Erstens. Und zweitens sollten – mit Verlaub – die Eltern SEHR WOHL ihre Kinder dahingehend überwachen. Was denn bitte sonst??? Wenn Eltern noch nicht einmal den Medienkonsum ihrer Kinder zumindest kanalisieren, dann versagen sie schlicht in ihrem Erziehungsauftrag und vergehen sich mittelbar an ihren Schutzbefohlenen. Ich durfte als Kind noch nicht einmal Comics lesen (von ganz wenigen Ausnahmen wie Asterix mal abgesehen – aber das ist eine andere Geschichte), und meine Mutter hatte sehr effektive Methoden, dieses Verbot auch durchzusetzen – wie z.B. „unangekündigte Zimmerdurchsuchungen“. Und wissen Sie was? Ich bin ihr im Nachhinein dafür dankbar. Dieser Dreck, der die Kinderhirne nur verkleistert und sie von ihrer eigenen Fantasie abnabelt, gehört genauso in die Tonne wie der überwiegende Teil des Fernsehprogramms, Handys, Ballerspiele, allzu realistisches Kriegsspielzeug, Transformers-Figuren und all der andere blinkende und piepende Müll, mit dem amerikanische und japanische Hersteller von China aus die Welt verpesten. Natürlich führt dies früher denn später zu Auseinandersetzungen, aber hey: da müssen die Eltern eben durch! Erziehung war noch nie ein Zuckerschlecken. Wem das als Elternteil zuviel „trouble“ ist, der hätte sich das mit dem Nachwuchs eben vorher überlegen müssen.

  306. Nachdem die Schockstarre...
    Nachdem die Schockstarre überwunden ist, beginnt nun die Trauerarbeit
    im Rems Murr Kreis.
    Die Journalisten sind zum größten Teil abgezogen und widmen sich nun
    anderen Themen. Das ist gut so, denn die Menschen in Winnenden wollen
    unter sich sein, endlich zur Ruhe kommen und mit dem Verarbeiten der
    Ereignisse beginnen, soweit dies möglich ist. Der mobilisierte Pressetrupp, hinterlässt nicht nur
    die Reifenspuren der Übertragungswägen in den Grünstreifen und Grünflächen
    der Albertville Realschule, sondern auch Spuren des ungehemmten Voyerismus.
    Dieser Vorfall war zu Spektakulär, um ihn nur der Korrespondenz der
    führenden Nachrichtenagenturen zu überlassen. Aus aller Welt kamen sie
    nach Winnenden angereist, die Großen und die Kleinen Stimmungsmacher,
    auf der Suche nach den besten Bildern und der besten Story. Am Ort des
    Geschehens angekommen, formierten sich diejenigen die zuerst am Tatort
    eintrafen und sich die besten Plätze sichern konnten, zu einem Halbkreis direkt
    vor dem Eingang der Schule.
    Die anderen Fotografen und Journalisten die nicht soviel Glück hatten, und ein
    weniger bekanntes Logo auf der Parabolantenne hatten, rauchten oder
    schlenderten über den verlassenen Schulhof, und der ein oder andere machte ein
    Foto von den am Vortag zurückgelassen Fahrrädern.
    Vielleicht in der Hoffnung, ein Bild eines Fahrrads zu machen, das einem der
    Opfer gehörte, denn die waren in der Nacht zuvor schon abtransportiert worden.
    Ich erinnere mich an einen französischen Kameramann, der neben mir stand
    als ich die mitgebrachten Kerzen anzündete. Er versuchte seine Kamera so zu
    positionieren, das er von unten nach oben in die Gesichter deren Menschen filmen
    konnte, die Kerzen anzündeten und Blumen ablegten, oder einfach nur still vor
    dem Blumenmeer verharrten. Plötzlich stellte sich ein weinender Junge
    unabsichtlich vor den Kameramann. Dieser zischte leise und entnervt „merde“
    und verschwand.
    Am Abend las ich dann in der Taz noch von der Bemerkung eines Bildreporters,
    der zu einem Zeitpunkt als noch die Leichen in den Klassenzimmern und in den
    Gängen der Schule lagen seine Sachen packte und meinte „er gehe jetzt, hier sei
    alles abgegrast“!
    Ich weiß nicht ob sich das so zugetragen hat, aber nach dem Bild das ich mir Vor
    Ort machte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das es zutrifft.
    n den ersten Tagen eines Journalismus Studiums, bzw. eines J. Lehrgangs, werden
    einem die Grundregeln des Journalismus beigebracht und eingebläut.
    Zu diesen gehört unter anderem: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“!
    Doch wie es scheint spielt dies keine Rolle, denn sie ist bezahlbar in Form eines
    Honorars für ein gutes Bild und die passende Story. Selbst der Grundsatz der
    „Tatsache“, kann bestenfalls belächelt werden, wenn
    Journalisten sich an den Computer setzen und mit Photoshop ein Bild des Täters
    zusammenbasteln. Es interessiert nicht die Bohne, das der Amokläufer am Tag der Tat,
    die selbe Kleidung trug wie tausende andere auch. Nein, schnell wird ihm eine
    Kugelsichere Weste, eine Armeehose und Kampfstiefel per Cut-Copy & Paste,
    am Bildschirm verpasst und dem Millionenpublikum in aller Welt präsentiert.
    Auch wenn sich später heraus stellt, das dies alles nicht der Wahrheit entsprach,
    sind die Rufe nach Stellungnahme zu so einem Mist einfach nicht hörbar.
    Es gibt aber auch unzählige gute Journalisten, welchen Ethik und der Hang zur
    Realität noch nicht abhanden gekommen ist.
    Meist sind es diejenigen, die erst Monate oder manchmal Jahre nach so einer Tat
    ihren Lesern, durch eine ausführliche Berichterstattung helfen, das Geschehene
    so darzustellen, wie es sich auch in Wirklichkeit zugetragen hat.
    Das es die Bild Zeitung war, die den Täter wie einen Elite Soldaten hat aussehen lassen,
    muss man kein Geheimnis machen. Diese Zeitung verstößt ständig gegen die Grundregeln
    des Journalismus und es interessiert die wenigsten, was sich durch die Auflage des Blattes
    zeigt. Das Resultat sind grausame Bilder und verblödende, teils hetzerische Texte, welche
    jeden Abgrund aufzeigen, nur nicht die Realität.
    Natürlich ist es Real, wenn man ein Bild sieht auf dem 2 Leichenbestatter einen Sarg
    aus der Schule tragen. Wozu braucht man dann noch 3-D Karten des Schulgebäudes und
    den virtuell nachgestellten Weg des Amokläufers durch die Klassenzimmer?
    Reicht unsere Vorstellungskraft nicht mehr aus zu erkennen, dass dies zu den schlimmsten
    Ereignissen gehört, die man sich nur im entferntesten Vorstellen vermag?
    Die Bild Zeitung erfand den Begriff „Killerspiele“, doch sie verschafft mit ihresgleichen,
    den Menschen Gehör, denen es bei so einer Tat um Geltungsbedürfnis im öffentlichen
    Rahmen geht. Sie macht die Täter zu Stars, wie sie sich selbst in ihrer Verzweiflung sahen.
    Das ist das „Killerspiel“ gespielt von einer „Killerpresse“!

  307. mann oh mann wird hier ein...
    mann oh mann wird hier ein dünnschiss verbreitet! ich bin nun absolut kein anhänger der ballerspiele, meinetwegen weg damit, aber diese vorgetäuschte intellektualität, mit der dieser don-spinner hier seine thesen verbreitet, und dann seine möchtegern-eleoquenten jünger drauf anspringen… dieser blog ist genauso ein auswuchs und geschwür unserer ach so schlechten modernen zeit.

  308. Na und? Es können ja nicht...
    Na und? Es können ja nicht alle schreibunkundige Grossmäuler und andere Sorten feiger Mobber aus dem Internet sein. Irgendjemand muss halt noch mit seinem Wort und Namen für seine Meinung einstehen, Sie Wurst.

  309. Da begründete hier doch einer...
    Da begründete hier doch einer glatt, ein Computerspiel wäre ja nur eine untaugliche Simulation, ersetze sie doch nicht das Zielen, die Handhabung und den Rückstoß der Waffe? Ist das ernst gemeint? Zynismus? Oder Dummheit? Da denke ich doch glatt eine eine erklägliche Anzahl von jüngsten Kindern, die es schaffte mit der aus dem Schrank gewühlten Waffe vom Vater den mit 8 Jahren nur ein Jahr älteren Bruder aus nächster Nähe zu erschießen. Da ist der Schützenverein von großer Hilfe? Vielleicht sollte man dann scharfe Waffen frei handeln? Dann gäbe es bei Laienamokläufen nicht so viele Tote wie bei Egoshootergamern mit Schützenvereinserfahrung? Vielleicht sollten wir dann im Tausch die Schützenvereine verbieten? Weniger Ahnung von Waffen, weniger Tote? Hat jener Verfasser seiner Zeilen vergessen, dass bei nahezu allen Amokläufen dieser Art, die Schützen ihre Opfer aus allernächster Nähe erschossen hatten?
    Es sich sicher fragwürdig, ob alleine die Spiele diese Gewaltphänomene erzeugen. Es ist eine Mischung verschiedener gesellschaftlicher Faktoren.
    Ich halte Gewalt für vergleichbar mit Sprache. Lerne und übe ich sprachliche Tabus zu brechen und ermangelt es mir dabei an Möglichkeiten der Reflektion, werde ich sie gegen jeden brechen. Ist der Begriff „Bitch“ nicht nur ein Wort das ich kenne, sondern auch täglich benutze, ist er auch ein Teil meines Denkens gegenüber Frauen im Allgemeinen und meinem persönlichen Umfeld.

  310. Gratuliere zu dem gelungenen...
    Gratuliere zu dem gelungenen Artikel und dem ebenfalls gelungenen empirischen Beweis ihrer These(durch die Kommentare), dass es immer alles sein darf, bloss nie die Ballerspiele. Ich war bisher eher ein Verteidiger dieser Spiele, aber beim Lesen hat es irgendwie klick gemacht. Es scheint ja bei dieser Problematik weniger darum zu gehen, ob es sinnvoll ist Computerspiele zu verbieten oder nicht, sondern eher um die Frage was für Menschen wir sein wollen. Geübt in Poesie oder geübt in strategisch, gewalttätigem Denken. Was ich lange genug tue wird sich als Gewohnheit verfestigen, auch wenn ich damit „reflektiert“ umgehe. Natürlich ist Lernen komplexer als das, aber wenn es so auf den Punkt gedacht wird, wie in diesem Artikel, muss man schon mit wenig Lesekompetenz hergekommen sein, um zu behaupten, das eine hätte nichts mit dem anderen zu tun.
    Die Frage nach der Kausalität wäre vielleicht eine andere und würde nicht unbedingt die aggressiv, gewalttätigen Spiele als Ursache finden, sondern eine aggressive, gewalttätige Gesellschaft, aber irgendwo muss auch mal mit der Ursache für einen Wandel begonnnen werden, sonst wird es ihn nicht geben. Das Spiel ausmachen und ein Buch in die Hand nehmen ist ein so kleiner Schritt, dass er sich geradezu aufdrängt.
    Nebenbei: schöne Bücher.

  311. Vielleicht ein bisschen...
    Vielleicht ein bisschen „over-the-top“, da auch Erwachsene dann nichts mehr kaufen können, aber sei’s drum – ein Anfang ist gemacht:
    http://www.heise.de/newsticker/Kaufhof-verbannt-Medien-ohne-Jugendfreigabe-aus-dem-Sortiment–/meldung/134787
    PS. Lieber Don, dieser Kommentar muss nicht veröffentlicht werden; ist nur als Info gedacht.

  312. Ballerspiele führen nur in...
    Ballerspiele führen nur in sehr seltenen fällen zu solchen reellen Übergriffen. Ich kann zum Beispiel zocken und mich dann ins Bett legen um ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Bei solchen Amokläufen kommen meist mehrere Faktoren zusammen. Oft wurden die betreffenden Personen in der Schule gehänselt. Manchmal leiden sie an Minderwertigkeitskomplexen oder haben Eltern die zu gewaltsamen Bestrafungen neigen. Wenn sie dann noch den ganzen Tag vor „Counter-Strike“ sitzen ist das nur noch das Sahnehäubchen. Dann denken sie das sie in der realen Welt doch auch dass tun können, was sie am Computer tun, doch das ist wirklich selten.

  313. Nachdem aber "aftonsky" die...
    Nachdem aber „aftonsky“ die Ergebnisse einiger psychologischer Studien präsentierte, sei an dieser Stelle auf eine aktuelle Metastudie von 27 wissenschaftlichen Studien hingewiesen, zu finden in der aktuellen Ausgabe von „The Journal of Pediatrics“.
    Das Fazit: „Results from the current analysis do not support the conclusion that media violence leads to aggressive behavior. It cannot be concluded at this time that media violence presents a significant public health risk.“
    Bevor kritische Leser nun einwenden mögen, „Media Violence“ wäre allgemein, Videospiele aber etwas viel spezielleres – 15 der untersuchten Studien hatten Videospiele zum Thema.
    Doch zurück zum eigentlich Interessanten: Nach Meinung der Autoren besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der Einhaltung wissenschaftlicher Kriterien und der dargestellten Korrelation zwischen Mediengewalt und persönlicher Aggressivität. Mit anderen Worten, je wenigen sich die Studien an wissenschaftlichen Vorgaben orientieren, etwa der Verwendung anerkannter Messskalen oder der intersubjektiven Überprüfbarkeit, umso höher viel der Einfluß von Mediengewalt auf tatsächliche Aggressivität aus. Böse Zungen könnten an dieser Stelle behaupten, hier bestimmte der Wunsch oder der Auftraggeber die Resultate (an dieser Stelle sei auf die Studien des Christian Pfeiffer verwiesen oder das unsagbar populistische „Vorsicht-Bildschirm“-Werk von Manfred Spitzer).
    Nun ist in der Diskussion häufig zu vernehmen, die Gamer und die ihnen Nahestehenden würden das Offensichtliche missachten und sich blind in der Vorwärtsverteidigung versuchen. Das gleiche möchte ich für deren Gegner feststellen: Hier wird wider besserer Fakten von einem „erwiesenen“ Kausalzusammenhang zwischen Bildschirmgewalt und realer Gewalt gepredigt. Ein solcher scheint mir nicht vorhanden und es wäre wünschenswert, wenn dies beide Seiten zur Kenntniss nehmen könnten.

  314. Na na na... wenn nur 15 von 27...
    Na na na… wenn nur 15 von 27 Studien sich mit Videospielen beschäftigen, ist es ziemlich hahnebüchern, einen Trend über 27 Studien auf 15 Studien umzulegen. Im Prinzip ist dieser Kommentar ein ausgesprochen untauglicher Versuch, eine generelle Aussage auf einen Teil umzubiegen und dann daraus zu schliessen, dass, je wissenschaftlicher es wäre, desto weniger gäbe es einen Zusammenhang, bis zum Ende, dass die pure Wissenschaft absolut keinen Zusammenhang sehen würde. Um im Satz „Ein solcher scheint mir nicht vorhanden und es wäre wünschenswert, wenn dies beide Seiten zur Kenntniss nehmen könnten.“ zu enden.
    .
    Die Pressemitteilung, die reisserischen Gamefeinden in nichts nachsteht, ist hier:
    http://www.tamiu.edu/newsinfo/3-12-09/article2.shtml
    .
    Bedaure, aber das hier ist nicht das Forum der geistig Ballerspielgeschädigten. Ich finde es ja putzig, wenn mit Brocken aus Studien so eine Art Pseudoauthorität erheischt wird, es ist auch gar nicht schlecht gemacht, aber ganz blöd bin ich auch nicht. Ich mag es gar nicht, wenn man sich aus einer einzigen, man kann noch nicht mal Studie sagen, Analyse wäre zutreffender, derartige Schlussfolgerungen zusammenbastelt. Zwei Typen in Texas behaupten das. Die Gameindustrie findet das prima. Deren PR, ob nun gekauft oder nicht, freut sich darüber. Aber bitte nicht mehr hier.

  315. Ich musss mich hier leider als...
    Ich musss mich hier leider als ein regelmäßiger „Zocker“ von Ego-Shootern outen. Bin ich deshalb ein gewalttätiger Mensch? Weiss ich deshalb nicht ein gutes Buch zu schätzen? Ich lese sehr gerne und würde mich auch als friedlichen Menschen bezeichnen. Es geht mir nicht darum mehr und mehr Blut zu sehen. Wenn ich nun z.B. Counterstrike spiele geht es nicht darum mich an „Kadavern“ zu erfreuen. Es geht einfach darum, besser zu sein als ein anderer, ohne ihn dabei physisch zu verletzen. Dieses Verhalten wird, meiner Meinung nach, von unserer heutigen Gesellschaft bestimmt. Uns wird schon als Kind eingetrichtert, besser zu sein als die anderen. Wir leben nun einmal in einer knallharten Leistungsgesellschaft, die von Benotungen und Wettbewerb regiert wird.
    Verstehen sie mich nicht falsch. Ich möchte hier nicht im Namen der Game Industrie jegliche Verantwortung abstreiten. Doch ich glaube, dass ein generelles Verbot der falsche Weg ist. Das Mittel heisst Aufklärung. Eltern sollten darauf achten was ihre Kinder am Rechner, im Netz oder an der Konsole tun. Es fehlt oftmals die Komunikation zwischen den Generationen. Auch dies liegt an unserer Leistungsgesellschaft. Eltern sind heutzutage beide Berufstätig, geschieden oder haben 2 Jobs um sich über Wasser halten zu können. Dabei bleibt einfach keine Zeit mehr für die Kinder. So flüchten sie sich in digitale Welten, die natürlich im Entwicklungsstadium und ohne wirklichen Kontakt zur „realen“ Welt, schnell in die Wirklichkeit mit einfließen können.
    Abschließend möchte ich noch anmerken, dass Videospiele nicht die Ursache, sondern die logische Folge von Gewaltpotiential sind.

  316. Lieber Don,

    drei Einwände...
    Lieber Don,
    drei Einwände gegen Ihre (wie sonst manchmal auch vortrefflich formulierte) Polemik:
    A) „Ich habe keine Ahnung“. Wer sich öffentlich zu einem Thema äußert, sei es Videospiele oder Triosonaten von Telemann, sollte Wissen über diesen Bereich besitzen. Die anderen können Fragen stellen und die eigene Ahnungslosigkeit behalte man bitte für sich. Mir ist entgangen, warum ausgerechnet bei Thema Videospiel dieses Prinzip nicht gelten sollte; Leute, die bei einer Diskussion aufstehen und erklären, dass sie keine Ahnung zum,Thema hätten, aber jetzt mal gerne etwas sagen würden … man weiß, was dann kommt. Sie befinden sich jedoch in bester Gesellschaft; Christian Pfeiffer spielt laut eigener Aussage auch keine Videospiele. Und: ja, Spiele sind Erfahrungswelten, die man gespielt haben muss. Darüber gelesen haben reicht nicht aus – Bibliothek hin oder her.
    B) Die Verwechslung von Videospielen und sog. „Killerspielen“ Dies kommt meistens von Leuten, die sich selbst unter A) einordnen. Oh welch‘ Überraschung. Filme sind selbstverständlich Horrorfilme, Musik ist Death Metal und Bücher sind Krimis.
    C) Statistik: Es wird heutzutage kaum mehr Rilke gelesen unten den Jugendlichen. Darüber kann man traurig sein; es bleibt dennoch Fakt. Eine große Zahl männlicher Jugendlicher spielt dagegen Counterstrike. Wenn nun einer dieser männlichen Jugendlichen eine Amoktat begeht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Counterstrike spielt, nun mal höher, als dass jener gerade Rilke gelesen hat. So ist sie, die Mathematik. Nimmt keine Rücksicht auf erregt geführte Debatten.
    Einen schönen Tag.

  317. Wie schon mal weiter oben...
    Wie schon mal weiter oben erklärt, ist das mit der Ahnung ein klein wenig Koketterie. Tatsächlich ist die Sachlage etwas anders.
    .
    Und ich rede bewusst nicht von Killerspielen, sondern von Ballerspielen.

  318. Bei einem Mord wird im...
    Bei einem Mord wird im Gerichtssaal immer auch darüber spekuliert, weshalb der Mord begangen wude. Gesucht wird jeweils das Motiv. Ich behaupte nun mal, dass eines der Motive die Berichtserstattung der Medien ist. Jeder Amokläufer weiss, dass tagelang nichts anderes in der Presse erscheint. Dadurch werden solche Leute in „ihren Kreisen“ zu Helden. Weshalb verbietet man nicht die Berichterstattung bei Amokläufen? Dann wüsste jeder der so was Krankes macht, dass er nicht mal mit einer Zeile erwähnt wird. Dann wäre mindestens ein Motiv weniger. Denn dass ein Killerspiel das Motiv für einen Amoklauf ist, kann ich nur schwer glauben. Zumal die ersten Amokläufe begangen wurden, als es noch nicht einmal TV gab. Doch die Presse, die sich auf solche Storys stürzt um die Auflagen zu steigern, die existierte schon damals!

  319. Ok, nach stundenlangem Lesen...
    Ok, nach stundenlangem Lesen in diesem Thread bin ich zum Schluss gekommen, dass ich beiden Seiten Zustimmen muss.
    Das Problem ist weiterhin der Mensch und seine komplexe Gefühlswelt…
    Es gibt Menschen in Drittweltländern die haben den realen Horror gesehen und kommen niemals auf die Idee dasselbe Irgendjemanden anzutun…. weil Sie „erlebt“ haben!!
    Menschen welche solche Szenen nur von Digitalen Medien kennen, können nicht nachemfpinden was sich das anfühlt. Der Typische Gamer kennt nur Sieg oder Niederlage. Ein „Hoch in der Gefühlswelt beim gewinnen und ein „Tief beim verlieren… aber es bleibt z.B. kein schlechtes gewissen beim spielen, die meisten Menschen überlegen sich sowas gar nicht oder verdrängen es einfach.
    Ich für meinen Teil spiele gerne, auch Ballergames! Doch lesen tue ich auch gerne und zwar alle Genres, doch mit Vorliebe Krimis, Thriller und anderes.
    Alle Bücherwürmer welche Ihre „bessere“ Welt verteidigen sollten sich vielleicht mal fragen fragen, weshalb Literarische Kunstwerke wie „Das Parfüm“ so bekannt sind… eventuell weil Sie gewalt enthalten? Einmal mehr der Mensch will sich an Dramen und Gewalt erfreuen… wenn auch „unbewusst“. Und dass man selbst betroffen ist von schlimmen Ereignissen jeglicher Art, dass möchte wiederum niemand!!! Die Erziehung und die ermahnung an Erwachsene, diese durchzuziehen muss einfach wieder einmal mehr in Erinnerung gerufen werden.

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