Monatliches Archiv: Februar 2009
Das Buchsbäumchen der Apokalypse
Wie eine Naturgewalt erscheint die alles verschlingende Finanzkrise, ohne Anfang und Ende und ohne greifbare Verantwortliche; erdacht in fernen Banktürmen und erduldet vom Einzelnen, der sich gezwungen sieht, Gold zu raffen oder die Schweiz zu besuchen, um sein Erspartes zu retten. In Wirklichkeit aber ist der Kern unserer Apokalypse die simple Frage, wie unsere Elite zu Kugeln gestutzte Buchsbäumchen behandelt. Mehr 27.02.2009, 15:15 Uhr von Don Alphonso
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Aussterben für Anfänger
Pentite! schreit der Komtur. No! NO! brüllt Don Giovanni zurück, unbelehrbar und aufrecht, und mir wird warm um das Herz. So wie in Mozarts Oper möchte ich zur Hölle fahren, nur so, uneinsichtig, konsequent und ohne jede Heuchelei. Wobei es in meinem dann sehr fortgeschrittenen Alter kaum zu erwarten ist, dass ich kurz davor noch eine Zerlina umsäusle. Aber einen Skandal wird es dennoch geben - und nur, weil ich mich an den edelsten römischen Prinzipien der Weitergabe von Vermögen und Tradition orientiere. Mehr 26.02.2009, 13:50 Uhr von Don Alphonso
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Ein Stück Müll
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass alles Glatte langweilig und alles Neue frei von Geschichte ist. Städte wie Wien und Venedig leben von ihrem Verfall, so wie Berlin und Bochum daran zugrunde gehen. Woraus man schliessen kann, dass die baufälligen Jugendstil-Ruinen an der schönen braunen Donau etwas anderes sein dürften, als die im Müll stehenden Investitionsruinen an der verseuchten Spree. Es gibt feine Unterschiede, die ich im Folgenden betrachten möchte. Mehr 24.02.2009, 09:57 Uhr von Don Alphonso
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Bessere Tote und schlechtere Staaten am Steuer
Würde man auf der Strasse fregen, was man verstaatlichen sollte, kämen vermutlich Antworten wie : Banken. Kunstsammlungen von Steuerhinterziehern. Das Parteivermögen der NPD. Springer. Privatfernsehen. Atomreaktoren. Und was wird verstaatlicht? Die Autoindustrie, die damit zur neuen Staatsbahn heruntergewirtschaftet wird. Heute sind Autos vom Staat subventioniert und sehen aus wie Opel, früher waren sie dagegen pleite und ausgesprochen schön. Heute wollen Politiker mitreden, früher hatten Dichter etwas zu sagen. Ein Systemvergleich. Mehr 22.02.2009, 08:39 Uhr von Don Alphonso
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Vanity fairendet oder vom Tod eines schlechten Dieners
Haben Sie schon einmal Journalisten an einem bezahlten Buffet gesehen? Nein? Sie sind zu beneiden. Menschen mit einem derartigen Mangel an Benehmen und Sitten können keinesfalls von sich behaupten, anderen etwas vorschreiben zu dürfen. Besonders für die Kollegen von Hochglanz und niederem Boulevard gilt, dass man eine Begrenzung ihrer Anmassungen nur begrüssen kann. Mehr 20.02.2009, 17:25 Uhr von Don Alphonso
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Lob der reichen Erben
Bitte, tun Sie sich keinen Zwang an. Beschimpfen Sie mich, schärfen Sie Ihre Mistgabel, schreiben Sie weissglühende Briefe an die Redaktion und empören Sie sich im Kreise Ihrer Kollegen über diese Zumutung. Ich bin das gewohnt, ich vergebe Ihnen. Aber vielleicht wollen Sie zuerst sauber und sorgfältig meine Argumentation zum Lobe einer Schicht studieren, die meines Erachtens vollkommen zu Unrecht den Hass der weniger Glücklichen auf sich zieht. Mehr 18.02.2009, 15:00 Uhr von Don Alphonso
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Historisch-vergleichender Versuch über Dekadenz und Trottel
Dekadenz ist nicht gerade eine Tugend. Dekadenz hat den komischen Beigeschmack des Wunsches, den anderen fallen zu sehen, es passt gerade auch nicht zum Zeitgeist der Krise, dem Diktat des zur Schau getragenen Verzichts und der blühenden Zurückhaltung. Letztlich ist es nur eine Frage der Definition. Aber ich habe - wie vermutlich alle - durchaus den Eindruck, den über Jahrhunderte richtigen Zugang zum Thema zu besitzen. Mehr 16.02.2009, 13:50 Uhr von Don Alphonso
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Herrschaftswissen des frühen 21. und 14. Jahrhunderts
Ja, die Zeiten sind schlecht. Ja, wir stehen am Rande eines Abgrunds. Ja, die Wirtschaft droht alles zu vernichten. Es ist gerade nicht besonders lustig. Aber bevor Sie jetzt in den Garten gehen und versuchen, Omas Silberbesteck unter dem Apfelbaum und die Asche Ihrer Schweizer Kontoauszüge im Kompost zu vergraben, würde ich Ihnen doch raten, noch etwas zu warten - denn im Garten vergraben, erlauben Sie, das macht jeder Depp. Kenner dagegen - bitte hier lang. Mehr 13.02.2009, 09:55 Uhr von Don Alphonso
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Vom Ende der reichen Russen
Ferienregionen sind im Westen, Südwesten, Süden und Südosten. Das andere sind so seltsame Orte wie Berlin, Bremen, Tschenstochau oder Moskau, die nicht weiter stören, wenn von dort nicht gerade Neureiche kommen. Aus Moskau zum Beispiel kommen historisch bedingt nur Neureiche. Sie kamen auch in den Süden. Jetzt aber sind sie nicht mehr ganz so neureich, und sie gehen wieder. Darf ich noch etwas nachbemerken? Also: Mehr 11.02.2009, 09:40 Uhr von Don Alphonso
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Fluchtwährung für viele Reiche
Nichts beschreibt den moralischen Niedergang meiner Klasse besser als heute übliche Gesprächsthemen, die früher so unvorstellbar wie der Bordellbesuch des Sohnes oder eine Scheidung der Tochter gewesen wären. Über Fluchtwährungen sprach man nicht. Aber nachdem ich am Samstag selbst erleben musste, wie der Staat seinen Bürger beim Transfer zum Schweizer Franken im Wege steht, sollte man dies ansonsten schamhaft verschwiegene Sujet durchaus hier debattieren. Mehr 09.02.2009, 10:10 Uhr von Don Alphonso
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