Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Gesellschaftsfinger. Lob eines aussterbenden Distinktionsmerkmals

| 218 Lesermeinungen

Es gibt Themen, mit denen macht man sich keine Freunde. Und es gibt Trennendes, an dem die deutsche Klassengesellschaft schmerzlich im einfachsten Gegensatz zum Vorschein kommt: ich schon. Du nicht. Nun ist dieses Blog vor 99 Beiträgen damit angetreten, eine offene Aussprache über den deutschen Elitenbegriff, genauer, den Elitenbegriff des alten Westdeutschlands anzufachen, und ich möchte nicht 100 Beiträge schreiben, ohne nicht zumindest einmal den Fressfeinden, die an den Stützen der Klassengesellschaft nagen und schmatzen, ins Auge zu blicken und genau das sagen: Ich schon immer. Ihr niemals. Und ihnen damit meinen Gesellschaftsfinger in die Augen zu rammen.

In Paris empfängt man zum Tee. Es ist so, ob es euch gefällt oder nicht.
Coco Chanel, Die Kunst, Chanel zu sein.

Dieser 99. Beitrag dieses Blogs ist diffizil, weil er, um es grob zu sagen, vermutlich indirekt die Mehrheit der Leserschaft beschuldigen wird, nicht über jene Tischmanieren zu verfügen, die man nicht später erlernen kann. Andererseits ist es einer jener Beiträge, die ich schon immer schreiben wollte, denn: Geld kann man anhäufen, Dialekte ablegen und Adelstitel durch Adoption erwerben. Aber neben dem grossen Bereich der Familiengeschichte kann man auch den Gesellschaftsfinger, das automatische Abspreizen des kleinen Fingers bei Teetrinken, nicht kaufen oder erlernen. Das bekommt man entweder als Kind durch Vertreter der besseren Familiengeschichte mit, oder man kann es später nicht. Vielleicht sollte ich daher zuerst etwas über meine Familiengeschichte erzählen. Bitte, nehmen Sie Platz, darf ich Ihnen einen Tee einschenken?

Bild zu: Der Gesellschaftsfinger. Lob eines aussterbenden Distinktionsmerkmals

Tee – wenn Sie etwa die Lebenserinnerungen von Coco Chanel kennen, wird Ihnen vielleicht die Stelle aufgefallen sein, wo die junge Coco in der französischen Provinz unbedingt eine Teegesellschaft ausrichten will, wie in Paris. Auf dem Kontinent war Tee bis weit in die Nachkriegszeit stets das Getränk der besseren Kreise. Wenn Sie heute auf einem Flohmarkt ein reines, altes Teeservice von Hutschenreuther, Arzberg, KPM, Opaque de Sarreguemines oder Limoges finden – greifen Sie zu, auf dem Kontinent stammt es mit Sicherheit aus einem besseren Haushalt. Kaffee trank man am Tag und in allen Schichten. Tee war das Privileg jener, die sich zwischen vier und fünf eine Pause leisten konnten, und definierte damit eine Klassengrenze zwischen jenen, die Herren über ihre Zeit waren, und jenen, die ihre Zeit verkaufen mussten. Niemand wäre für Klassengrenzen geeigneter gewesen als zwei Frauen, die jede für sich eigentlich Relikte längst vergangener Epochen waren: Eine Grosstante mütterlicherseits und das, was in den französischen Romanen des 18. Jahrhunderts als junge Witwe beschrieben wird, die von den Zuwendungen der Familie ihres geliebten, früh verstorbenen Mannes lebt, und sich nun ganz ihren Kindern widmet.

Meine Grosstante war als junge Frau in England. Eine reiche Deutschschweizerin hatte sich im Tessin den 3. Sohn eines britischen Adligen shanghait und dann auf der Insel festgestellt, dass ihr die Briten auf Dauer etwas zu förmlich waren. Also schaute sich ihr Vater unter der Bekanntschaft auf dem Kontinent um, ob da nicht eine passende und vorzeigbare Gesellschaftsdame zu finden sei, und kam schliesslich auf meine Grosstante. Die wurde nach London in ein grosses Haus verfrachtet, wo sie das daheim verbotene Rauchen lernte, und, wenn die Dame in der Schweiz war, in eine Pension, in der man typischerweise Kinder von Maharadschas, Amerikanern, Kanadiern und anderen Koloniebewohnern unterbrachte. Die Erziehung daheim war noch gut und traditionell – in der Pension in England bekam meine Grosstante den letzten Schliff. Natürlich spreizte man dort den kleinen Finger ab.

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Und natürlich wurde mir das von ihr auch so beigebracht. In den Augen meiner Grosstante war das englische Benehmen und die englische Klassengesellschaft zeitlebens das Non Plus Ultra; sie hatte ein Faible für englische Mahagonimöbel, das ich neben einem derartigen Schrank von ihr erbte, und natürlich auch für englische Teesitten. Ich war ein begeisterter Schüler, was mir bald darauf zur Ehre gereichte, als die besagte Witwe nach einem Knaben suchte, der bereit war, zusammen mit ihren Töchtern das richtige Benehmen zu lernen – Türe aufhalten, Damen den Vortritt lassen, die richtige Begrüssung, die richtige Berührung der Hand, leicht und unverbindlich, auftragen, einschenken – und natürlich Tee trinken. Ihre Begeisterung über meinen natürlich abgespreizten kleinen Finger, den „Gesellschaftsfinger“, war ein weiterer Anlass, mich als „kleinen Cavalier“ zu bezeichnen.

Man verstehe mich nicht falsch, das war kein Drill, sondern spielerisch, ihre Töchter wurden später stadtberühmte Schönheiten, und wir waren mit kindlicher Begeisterung bei der Sache. Kinder gieren nach Anerkennung, und uns ging es nicht anders. Wir wollten das können. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass diese Welt keinen Bestand haben würde, und nur anderthalb Jahrzehnte später vom Privatfernsehen und vom Anschluss der DDR hinweg gefegt werden würde, jenem Momentum der Geschichte, in dem sich zwei stilfeindliche Phänomene zusammenfanden, um neue Regeln und Sitten zu definieren, an deren Ende Asoziale, TV-Moderatoren, Modellkokotten, Plattenproduzenten, Adoptionsadel, Autovermieter, Billigdelikatesshändler, Kinder bayerischer Politiker aus kleinsten Verhältnissen und anderes Gschleaf dem staunenden TV-Konsumenten als Promigesellschaft präsentiert werden. Dort gibt es natürlich keinen Gesellschaftsfinger, weil es auch keine Gesellschaft ist.

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Das Erstaunliche aber ist – spricht man heute über jene Sitte, erscheint es vielen als „pikiert“, „übertrieben“ oder gar „unangemessen“. Dabei ist es vollkommen unmöglich, gutes Porzellan anders zu greifen; die obigen Beispiele stellen die Formen des 18. und 19. Jahrhunderts vor, bei denen der Raum zwischen Untertasse und Henkel so klein ist, dass beim Zugreifen nur Raum für höchstens drei Finger bleibt. Man kann diese Tassen nicht anders greifen; der Gesellschaftsfinger rutscht automatisch in jene Position, in die er gehört. Es gibt viele Theorien, warum man das macht; etwa, dass man am französischen Hof nicht am Zimmer des Königs klopfen, sondern nur mit dem kleinen Finger kratzen durfte, und mit dieser Fingerstellung beim Tee signalisierte, zum Kreis jener zu gehören, die zum König Zutritt hatten. Es sei ein Zeichen des Respekts vor dem Gastgeber, oder eine Haltung, um den Siegelring zu präsentieren.

Die drei schlüssigsten Theorien jedoch sind in meinen Augen: 1. Meine Grosstante machte es so, und natürlich hat meine Grosstante wie immer recht. 2. Meine von ihrem Mann geschiedene Freundin Iris, die eine ähnliche Erziehung genoss, hält es für wichtig, weil man gerade am kleinen Finger sehen kann, ob der Mann gepflegte Hände hat, und man an solchen Details erkennt, was einen erwartet und berührt – der Trottel, den sie geheiratet hat, hatte natürlich keinen Gesellschaftsfinger. Und 3. Es hat sich einfach als Distinktionsmerkmal durchgesetzt, bewährt und kann bestens zur Diskriminierung Dritter verwendet werden („Pardon, ich würde Ihnen ja gerne einen Becher anbieten, aber leider haben wir hier keine billigen Werbegeschenke, deren Bedienung Ihnen nicht gar so fremd sein dürfte, Sie Armer. Leider kann ich es Ihnen auch nicht erlauben, aus der Untertasse zu schlürfen.“).

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Sie glauben ja gar nicht, was man alles neben der Kürbistarte so runterschluckt, wenn das Gegenüber keine Tischmanieren hat. Ich bekomme da regelmässig Gewaltphantasien. Dieses Jahr etwa beim Palazzo Canossa in Mantua – dort schaufelte ein Jungitaliener Zeug in dem Mund und redete kauend, dass ich am liebsten sein Gesicht in den Teller gedrückt hätte. Meine Grosstante seligen Angedenkens stand hinter mir und sagte: Tu es. Tu es für mich, tu es für England, setze ein Zeichen, das hier ist Notwehr, alle werden es begrüssen. Ich tat es natürlich nicht. Aber ich werde natürlich weiterhin den kleinen Finger abspreizen. Weil ich es nicht anders kann.

Und weil es jene, die im Cafe noch schnell die Plastikflasche leersaufen, bis das Platik knackt, natürlich nicht tun. Weil es in Berlin deplaziert wirkt. Weil es unter ungehobelten Menschen Standard ist, es nicht zu tun. Weil es unterscheidet zwischen jenen, die ein Teeservice besitzen, und den armen Schweinen, die sich dickwandige Becher mit Werbeaufdruck schenken lassen müssen, die man, tief und kantig, dann auch nie richtig sauber auswaschen kann, weshalb sie mit eingetrockneten Resten neben dem Rechner vor sich hingammeln, und damit Zeugnis ablegen von der Verbindung von „Convenience“ und Kleinverslummung. Natürlich arbeiten Zeit und Massenmedien gegen mich, und der Klassiker der Idiotie all jener, die etwas nicht verstehen, was sie nicht kennen – das ist ja schwul/dekadent/bescheuert et. al.  – wird auch vorgetragen. Von jenen, von denen man genau das hören will. Die dürfen gern weiter ihre Becher in den Büros leerschlucken. Deshalb sind sie ja dort und müssen das Projekt fertig machen, bis um 8, kann aber auch länger dauern, gerade keine Zeit, der Chef kriegt sonst einen Anfall. Da sind sie.

Und ich bin am Tegernsee. Darf ich Ihnen noch etwas Tee einschenken?

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218 Lesermeinungen

  1. Chapeau Monsieur chapeau!
    Mit...

    Chapeau Monsieur chapeau!
    Mit großen Vergnügen gelesen und ich gestehe, ich mache das auch so. Ich bekomme zwar des öfteren deswegen dumme Kommentare zu hören, aber am Ende fallen die Kommentare auf den Urheber zurück.
    Ja Sie dürfen, bitte ohne Zucker und ohne Milch! Lieben Gruß an den See

  2. PS: Noch schlimmer sind die...
    PS: Noch schlimmer sind die Leute, die aus Pappschnabeltassen trinken, die sie bei Kaffebrauerketten bekommen! Meine Eltern haben viel Zeit und Muße darauf verwendet mir das richtige Trinken aus Porzellan beizubringen. Die Kaffeeketten wllen es mir wieder abgewöhnen, auch ein Zeichen!

  3. Bei Coffee2Go bin ich immer...
    Bei Coffee2Go bin ich immer versucht zu sagen: Dann geh doch! Nach drüben!

  4. Der Tee in Bild 4 scheint mir...
    Der Tee in Bild 4 scheint mir mit etwas zu kalkhaltigem Wasser gebrüht zu sein.

  5. Don, die Gabel neben dem...
    Don, die Gabel neben dem Kuchen auf dem Foto erscheint mir ein wenig gross – essen Sie den Kuchen wirklich mit einer normalen Gabel und nicht mit einer Kuchengabel? Das wirkt aber gierig und gar nicht fein!
    .
    Was den „Gesellschaftsfinger“ angeht, das macht mein Herr Vater auch immer und ich auch. Bewußt beigebracht wurde es mir aber nicht. Vererbung? Oder einfach ein Herausdringen des Anstands von Innen?

  6. Am Rande der nördlichen...
    Am Rande der nördlichen Kalkalpen muss man mit diesen Umständen leben.

  7. Werter Don,

    würden Sie...
    Werter Don,
    würden Sie einer meist aufs äußerste amüsierten Dauerleserin Ihres Blogs eventuell einige Zusatzinformationen über das faszinieren Möbel geben, auf dessen durchbrochener Platte Sie Ihr exquisites Porzellan präsentieren?
    Merci en avance.

  8. Der kleine Finger wird, so die...
    Der kleine Finger wird, so die Volksetymologie, von alters her genutzt, um nach dem Gang zum Erker (nun äh…weil…auf der Burg….) sich zu …. reinigen und dann roch der … hm ja, deshalb spreizte man ihm beim Trinken ab, was doch… ja … sehr verständlich ist.

  9. Doctor Snuggels, das ist kein...
    Doctor Snuggels, das ist kein Kuchen, sondern eine eher sauer-pikante Kürbis-Pfifferling-Tarte. Und dafür nehme ich natürlich keine Kuchengabel, sondern normales Besteck, in diesem Fall Cluny von Christofle, und zwar noch mit Eisenklingen.
    .
    Ich denke, man schaut sich das einfach ab. Ich wurde auch nicht gedrillt, ich habe es übernommen und kann es nicht anders.

  10. Bei zierlichen Porzellantassen...
    Bei zierlichen Porzellantassen *kann* man nicht anders trinken, was Du selber bemerkst – übrigens ganz gleich ob Kaffee oder Tee. Das „Distinktionsmerkmal“ ist also eher das feine Porzellanservice. Oder spreizt Du bei Kaffeepötten in der Werkskantine ebenfalls den kleinen Finger ab? Dies wäre gerade auch nach Anstandsregeln affig, weil unangemessen. Angemessenheit ist der Kern alles Anstands.

  11. Komisch, Sybill Gräfin...
    Komisch, Sybill Gräfin Schönfelds Komplimentierbüchlein fand den abgespreizten Finger spiessig und empfahl, den kleinen Finger bei seinen Brüderchen zu belassen, was mit meinen eigenen Beobachtungen übereinstimmt. Dabei halten Daumen, Zeige- und Mittelfinger den Henkel der Tasse, die beiden anderen Finger sind leicht zur Handfläche gewölbt (keine Faust, und selbstverständlich auch kein Packen der zarten Tasse mit der ganzen Pfote).
    .
    Ein mir gut bekannter Mensch, der in einem tropischen Slum geboren und aufgewachsen ist, spreizt jedenfall seinen kleinen Finger so ab, wie das in dem Bild zu sehen ist. (Nein, sein Vater war keine Stütze der Gesellschaft bei Ansammlung eines Punktekontos im Himmel sondern tot, seine Mutter putzte bei anderen Leuten)

  12. ecdeteveren, das ist die mit...
    ecdeteveren, das ist die mit Glas abgedeckte „Platte“ eines chinesischen Rosenholztisches, geschätzt um 1850 oder etwas früher.
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    Erker, eine andere Theorie ist, dass man damit den Senf auf das Essen tat. Allerdings kenne ich diese Handhaltung auch bei Messern, die auf Gemälden der zweiten Schule von Fontainebleu zu sehen sind. Und diese Epoche war doch eher reinlich, zumindest in diesen Kreisen.

  13. sven, das ist fraglos richtig,...
    sven, das ist fraglos richtig, aber man darf auch nicht vergessen: Man bleibe dann eben dort, wo man angemessen ist. Deshalb fahre ich ja auch nach Meran und nicht nach Malle.
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    icke, nun ist diese Frau nach bayerischem Verständnis auch nur ein „Flichdling“ und damit niemand, von dem man sich etwas sagen lassen würde. Und mir ist durchaus bewusst, dass meine Haltung nicht von allen geteilt wird.

  14. Ah, ja, ein feines Thema. Mir...
    Ah, ja, ein feines Thema. Mir fehlen da zu Tisch auch immer wieder Accessoirs. Es gibt so gut wie kein Hotel mehr, bei dem es noch richtiges Obstbesteck ausliegt. Messerbänke scheinen auch ausgestorben zu sein.
    Wir leben in einer sehr rohen Zeit.

  15. @wandfuessl

    Das kann man...
    @wandfuessl
    Das kann man *sehen*?
    (Also ich schmecke das auch, v.a. in Holland, wo sogar doofer Beuteltee (Pickwick englische Mischung) besser schmeckt als Assam Dirial, weil das Wasser einfach besser ist ..

  16. egghat, man erkennt das an der...
    egghat, man erkennt das an der Haut, die sich auf dem Tee bildet. Abgesehen davon ist das Wasser hier trotzdem ausgezeichnet und direkt aus dem Berg.
    .
    Dipsy, alles Opfer des Preisbewusstseins. Man müsste es nachher abspülen, verwahren, polieren – und heute muss man doch schon froh sein, wenn der Kuchen nicht mit dem Suppenlöffel gegessen wird.

  17. So gesehen bist Du es, der...
    So gesehen bist Du es, der nicht angemessen ist dort in Meran. Mit dieser Auffassung wird die Welt sehr, sehr klein.

  18. Oh, I beg to differ. Am Ende...
    Oh, I beg to differ. Am Ende läuft es ja immer darauf hinaus, daß der Bayer sich unfaßbare Mühe gibt, seine dörfliche, ähm, Rustikalität mittels ganz besonders feintuender Ziseliertheit zu überspielen. In der hiesigen anständigen Bürgergesellschaft käme niemand auf solche Ideen, wir haben das hier nicht nötig. Insofern: Bieg den Finger bei, Kind, auch beim guten Porzellan. Das kann man lernen. Wirklich. Abspreizen ist natürlich einfacher, aber wer will sich schon mit den Horden aus dem Süden gemein machen?

  19. Es gab in einem anderen...
    Es gab in einem anderen Forum,länger her, Gegenwind gegen den DonA:
    Er schreibe mit Schaum vor dem Mund…..etc.
    Es war da aber meine Vorstellung, dass dieser Don sehr entspannt bei Tee, den kleinen Finger abspreizend, schwere Vorhänge mit wertvollen Posamenten,halb zugezogen im Rücken, sitzend- der Welt nichts böses will.
    Solange der Don schreibt was ihm gut tut ist doch alles gut-aber die Abhandlung über den kleinen Finger ist eine Nörgelei, die Toleranz ganz weglässt.
    Und weder angeboren noch abgeguckt oder anerzogen ist das mit dem kleinen Finger-es geht nämlich wie schon gesagt kaum anders- der kleine
    Finger geht automatisch in die Gegenbewegung zur Neigung der Tasse beim
    Trinken und sorgt für die weiche Abstufung der Schüttbewegung.

  20. Sven, meine Terrasse und der...
    Sven, meine Terrasse und der Blick in die Berge ist eigentlich gross genug.
    .
    Andrea Diener, so macht eben jeder seine familiären Erfahrungen. Wobei mich meine Familie ja nicht in Dorf Tirol unterbrachte. Könnte es nicht sein, dass sie auch an dieser Stelle recht hat?

  21. Kleinerberg, die Welt ist voll...
    Kleinerberg, die Welt ist voll von Menschen, die Toleranz heucheln. Ich bin nicht tolerant, und schon gar nicht, wenn ich bei Tisch sitze. Das mag nicht nett sein, aber es ist wenigstens keine Heuchelei.

  22. Ach, rechthaben ist eh...
    Ach, rechthaben ist eh überschätzt. Wer abspreizt, sagt etwas, nämlich: Schau her, ich bin besser als Du. Weil ich das nicht sagen will, spreize ich nicht ab. Da hab ich auch gern unrecht, fühle mich aber besser dabei.

  23. Werter Don Alphonso,

    mir...
    Werter Don Alphonso,
    mir wurde beigebracht beim Nehmen der Tasse den Finger leicht abzuspreizen (geht ja wie schon gesagt auch nicht anders) ihn dann zum Trinken aber wieder an die Hand zu nehmen. In unserer Familie war die Begründung dafür, das Trinken mit abgespreitztem Finger den Damen vorbehalten ist. Die Herren müssten ihre Tasse auch ohne abgespreitzten Finger halten können.
    Mein Vater sah den Finger übrigens auch bei den Damen nicht gerne konnte sich aber nicht durchsetzen.

  24. Hmm, das gute Wasser direkt...
    Hmm, das gute Wasser direkt aus dem Berg, das ist so eine Sache. Anfang der 80’er, also zu Abiturszeiten etwa, hatte ich einmal das Vergnügen, während einer Trekkingreise durch den Nordwesten Schottlands drei Tage von bestem Highland-Quellwasser direkt vom Berg zu leben. Das, woraus auch der Highland Malt gemacht wird, und nicht ohne Grund. Wir hättens gerne in Flaschen abgefüllt und weltweit vertrieben – bis wir am dritten Tag das tote Schaf entdeckt haben, nicht an, sondern mittig in der Quelle, 50 Meter höher im Steilhang.
    .
    Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, Teewasser wieder in Flaschen zu kaufen (und bitte, keine Plastikflaschen). Auch ein Sport, da gutes zu finden.

  25. Solange Ihr nicht schlüft!...
    Solange Ihr nicht schlüft!

  26. Icke,

    sehr gut gesagt!...
    Icke,
    sehr gut gesagt!

  27. An den Siegelringen scheint...
    An den Siegelringen scheint (und kann es nicht liegen). Es ist ein Unding und eine Frechheit zugleich, wenn ein gemeiner Bürgerlicher Siegelring trägt. Sowas ist einfach vollkommen deplaciert. Wobei sich Siegelringe inzwischen einiger Beliebtheit, insbesondere bei Erziehungsunfällen von Aufsteigern erfreuen. So zu beobachten an meiner Univ..
    Ein Skandal, und die Universitätsleitung müsste auch einschreiten (was soll man denn sonst an der Univ. lernen?), ist der Ausschank von Kaffee etc. aus Pappbechern (sehr beliebt auch bei Jungdynamikern). Man wird doch eine Viertelstunde für den Morgentee aufbringen können; zumal dabei auch die Tagespresse studiert werden kann und die Leute beobachten kann, die gehetzt in die erste Vorlesung rennen (Lob den Fakultäten bei denen nicht vor zehn gelesen werden darf).
    Aber, der Kampf für England scheint aussichtslos. Es ist ja nicht nur das Gefäss was stört – auch der Inhalt. Es gibt Kaffees, die ätzen einem die Magenwände fort. Aber, bei Junkfoodspezialisten scheint das ohnehin egal.
    Nun, aber, geniessen Sie die Ruhe bei Tisch (stellen Sie sich die Alternative vor: in einem Szenecafé auf dem Prenzlauer Berg ein Sandwich zu nehmen).

  28. Pappbecher!
    War neulich bei...

    Pappbecher!
    War neulich bei einer Veranstaltung, in der Sangria in weissen Plastikbechern gereicht wurde. Da kommt man sich ja wie ein Penner vor!
    Wobei, eine Kollegin trinkt mit Witz ihren Kaffee aus einem einem zerknautschten Automatenbecher nachempfundenen Porzellanbecher.

  29. Ein wunderbarer Beitrag, wie...
    Ein wunderbarer Beitrag, wie nicht anders zu erwarten.
    Ich denke auch, dass man den abgespreitzten Finger nicht lernen muss. Meine Erfahrung ist, dass es physikalisch und physiologisch die einfachste Art ist, aus „richtigen“ Tassen zu trinken, ohne den guten Tee oder Kaffee auf dem guten Zwirn zu haben. Wie kleinerberg schon festgestellt hat. Ich müsste erst lernen es anders zu machen.
    Wer den Finger aber doch als Distinktionsmerkmal sieht, kann den Nörglern dan gerne entgegenhalten, dass Niveau nur „von unten“ aussieht wie Arroganz.

  30. Achja - überhaupt traurig...
    Achja – überhaupt traurig dass sich heute jeder Tee leisten kann , unsereins hat noch Krieg geführt um den Chinesen klar zu machen dass diese den Opiumhandel duldeten um an das Silber für den Tee zu kommen.
    Ja sogar Opium kann sich heute jeder leisten – aber wer Stil hat raucht Opium nach der teatime.

  31. Nachtrag und Frage in die...
    Nachtrag und Frage in die Runde – spreizt man beim Opiumrauchen nun den kleinen Finger ab oder nicht ??

  32. Zum Opium und Tee habe ich...
    Zum Opium und Tee habe ich mich hier geäussert:
    .
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1459835/
    .
    atomfried, ich habe natürlich gestern zu dem Thema recherchiert und war in einem bekannten Tantenselbstmordcafe in Tegernsee. Es macht nur eine relativ kleine Minderheit.

  33. @ lupedenuoro: hängt...
    @ lupedenuoro: hängt anscheinend davon ab, ob man es innerhalb oder ausserhalb Bayerns tut

  34. Dipsy, zum heutigen, nicht...
    Dipsy, zum heutigen, nicht idealisierten England nur ein Wort: Teebeutel. Die grosse Schwester der Kaffeeautomaten. Die Jungakademiker von Nebenan werde ich demnächst auch mal wieder schreibend beglücken.
    .
    icke, ich müsste jetzt erst mal nachschauen, was dieses Sangria ist. Alkohohl, nehme ich an.

  35. @ icke - also soweit ich weiss...
    @ icke – also soweit ich weiss , spreizen die Bayern irgendwas ab – aber nicht beim rauchen ( darf man Opium in Einraumkneipen rauchen ? – ist ja kein Tabak) sondern bei schnupfen von Tabak ..
    @don – ich glaube Sangria ist sowas wie Bier .. nur halt anders , spreizt man beim Sangriatrinken mit dem Strohhalm den Finger ab ?? – Ausserhalb von Bayern ??

  36. @lupodenuoro
    Ich fürchte,...

    @lupodenuoro
    Ich fürchte, für Mitteleuropäer spreizt sich beim Opiumrauchen noch ganz anderes ab, als nur der kleine Finger. Und als Sucht, wegen dem anaphlaktischen Schock, der am Ende auf Sie wartet, auch nicht zu empfehlen.
    MD

  37. @ Don Alphonso: ich auch. Habe...
    @ Don Alphonso: ich auch. Habe es jedenfalls abgelehnt und die Veranstaltung nach einer kleinen Höflichkeitsanwesenheit verlassen.

  38. Bitte einmal über Sangria und...
    Bitte einmal über Sangria und das, was für Touristen daraus gemacht wurde, nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sangr%C3%ADa

  39. Heureka !! Weiter oben muss es...
    Heureka !! Weiter oben muss es TEE gern seh heissen .. dank an icke ,, bayern war der Hinweis !! –
    Ist das nicht der Refrain des Bayernliedes ?? – TEE gern seh – BIER lieber trink ..

  40. @egghat ("Das kann man...
    @egghat („Das kann man sehen?“): Wie der Don schon sagte: übermäßige Schlierenbildung beim verdampfen deutet auf zu kalkhaltiges Wasser hin, verstärkte Bläschenbildung an der Oberfläche und trübe Farbe sind weitere Indizien.
    @Don Alphonso („Am Rande der nördlichen Kalkalpen muss man mit diesen Umständen leben.“): Merkwürdig, mein Wasserfilter funktioniert tadellos.

  41. Lieber Don Alphonso,

    vielen...
    Lieber Don Alphonso,
    vielen Dank für einen weiteren amüsanten Beitrag. Ich stimme Ihnen zu, dass Tischsitten wichtig sind und von vielen unterschätzt werden.
    Selber bin ich Mutter eines 3-jährigen Sohnes und hoffe, ihn durch gute Erziehung auf das Leben vorzubereiten. Steter Tropfen hölt den Stein, ist hier mein Leitspruch, aber manchmal bin ich der Verzweiflung nahe…
    Sie schreiben, dass Sie selber keine Kinder haben. Da Ihnen aber Manieren wichtig sind, habe ich die Hoffnung, dass Sie mir vielleicht trotzdem einen Erziehungsratgeber (in Buchform) nennen können. Ich wäre Ihnen sehr verbunden!

  42. Ach, übrigens war die...
    Ach, übrigens war die Veranstaltung mit dem Sangria nicht in einer Deutschen Diskothek sondern eine Ansammlung ordentlich gekleideter Franzosen mittleren Alters

  43. Ach wie tut das Herz mir weh,...
    Ach wie tut das Herz mir weh, wenn ich im Glas den Boden SEE.

  44. ebs, ich fürchte, da bin ich...
    ebs, ich fürchte, da bin ich vollkommen überfragt. ich wüsste auch gar nicht, wie das geht, und ich weiss nur, dass ich restlos überfordert und schikaniert wäre.
    .
    wandfuessl, meiner ist auch nicht schlecht, aber eben auch nicht gut genug. Nicht für dieses Wasser.

  45. Christoph, dem Herrn Papa sei...
    Christoph, dem Herrn Papa sei gesagt, dass sich Frauen früher die Hände zusätzlich mit Arsen bleichten, damit es möglichst vornehm wirkte. Das ist wirklich verwerflich.
    Finmike, hier gibt es vor allem Kühe; das Wasser kommt aber meist aus einer Höhe weit über den Almen. Am Tegernsee klagen die Fischer, dass die Beute mangels Nahrung zu klein bleibt – der See ist einfach zu sauber.

  46. Hm. Also meine Mutter hat ja...
    Hm. Also meine Mutter hat ja auch die höheren Stände des UK in der unmittelbaren Nachkriegszeit ausgiebig erlebt. Besonders eindrucksvoll ein de Clifford. Allerdings haben wir nicht abgespreizt. Als Porzellan stehen beim „guten“ Grün Weinlaub (geradezu beängstigend dünn) und das unvermeidliche Zwiebelmuster zur Verfügung. Bei beiden Arten haben die Tassen kleine Henkel die oben dreieckig auseinadnerlaufen. Auf dem zweiten Bild ist das an der linken Tasse auch gut zu erkennen. Man kann diese Tassen durchaus elegant bis graziös zum Mund führen ohne abzuspreizen. Dementsprechend wurde wir daheim ebenso wie von den Tanten so erzogen es nicht zu tun. Und Messerbänkchen – sehr bürgerlich. Eigentlich sollte mit jedem Gang abgedeck werden und zum neuen Gang neues Besteck verfügbar sein. Servieren à la russe / à l´anglaise aus Schüsseln war bei uns nicht beliebt, nur klassisch d.h. in der Küche auf die Teller dekoriert und dann am Tisch serviert.
    Dann erklärt sich auch warum man früher silberne ( oder versilberte) Teller nutzte – auf der Ofenplatte abgestellt heizen sie sich auf und führen dazu dass der Transport von der Küche ins Speisezimmer nicht zum völligen abkühlen des Gangs führt. Durch Servierglocken wird das noch verbessert. Und versilbertes Kupfer hat tatsächlich einen noch etwas besseren Wärmeleitwert. Das ist dann bürgerlich zum Platzteller degeneriert, der unter dem Porzellan aufgelegt wird und nunmehr funktionslos ist. Obstbesteck (ebenso wie eine Kuchenbesteck mit einem kleinen Messerchen etwa für stark glasierten Baumkuchen) habe ich selbst in der Spitzengastronomie in den letzten Jahren eher selten gesehen, das ist wahr. Insgesamt würde ich also eher Dame Diener zuneigen.

  47. ihr beitrag, lieber d.a. muß...
    ihr beitrag, lieber d.a. muß einem monsterkaffekonzernfan (den namen lasse ich freundlicherweise aus respekt vor ihrem blog hier aus;) vorkommen, wie die thackeraysche beschreibung eines amüsanten hofberichts ;) natürlich nur, wenn er zeit zum lesen hätte…
    „the only court circular story which ever pleased me was that of the king of spain, who in great part was roasted, because there was no time for the prime minister to command the lord chamberlain to desire the grand gold stick to order the first page in waiting to bid the chief o the flunkeys to request the housmaid of honour to bring up a pail of water to put his majesty out.“

  48. Werter Dipsy.
    Bein Thema...

    Werter Dipsy.
    Bein Thema Siegelring liegen Sie völlig daneben.
    Die Wappem meiner und auch anderer durch und durch nicht-adliger Bürgenfamilien sind schon Jahunderte alt und naturgemäß wurden und werden sie auch in Form von Siegelringen getragen.
    Aber diese aus Ignoranz geborenen Vorurteile wie das Ihre begegnen mir leider sehr häufig!

  49. Ich finde alles, was Don...
    Ich finde alles, was Don denkt, schreibt und überhaupt was er will super. Ich mache überhaupt keine Differenzierungen und lache gerne über alle Pointen.

  50. @ Icke: Frankreich ist auch...
    @ Icke: Frankreich ist auch nicht mehr das, was es mal war. Auch da finden Sie schon seit geraumer Zeit McDonalds und Ballonseidenanzüge.

  51. Verehrter Don-das zu lobende...
    Verehrter Don-das zu lobende ist, dass sogar soetwas wie Sangria( Fetengetränk der 70er) an Ihnen vorrübergegangen ist, und dennoch ist Ihnen offensichtlich jede Menge
    übriggeblieben.
    Jetzt kann es natürlich sein,dass der redekauende Jungitaliener genau gedacht hat: jetzt eine scharfe Eisenklinge und der kleine Finger………..
    Aber es wäre fein,wenn Sie mal übers huecheln….oder vorher übers Fleckvieh,bevor das wieder von der Alm abgetrieben wird.

  52. Ich weiss ich bin am Baggersee...
    Ich weiss ich bin am Baggersee – wenn ich diesen Bagger seh .. und am tegernsee – ……….. wenn den TEE ich seh.
    Ja Tee lässt sich auch aus Gläsern trinken – aber in Bayern ist kein Tee in diesen grossen Gläsern. Auf die Gefahr hin mich als Oldie zu outen .. nie trank ich Tee im TEE zum Tegernsee …
    Inzwischen habe ich hier meine Position gefunden. Man spreize den kleinen Finger nur dann ab wenn der dazugehörende Fingernagel unterhalb des Mandarinformates bleibt – womit wieder der Bogen geschlagen ist zum Opium.
    The Tegernsee is a Teapot tonight .. etwas ähnliches führte doch zur Abspreizung Amerikas- und dann ist die folgende Entwicklung zwangsläufig !
    In Amerika spreizt man seltener den Finger ab – hat Pappschnabeltassen , Plastikbesteck und Becher erfunden .. währen man in der alten Welt richtiges Material verwendete.
    Ergo – spreizt den Finger ab und bewahrt die Werte

  53. Komisch, ich dachte immer, der...
    Komisch, ich dachte immer, der Spreizfinger sei ein absolutes No-No, so ähnlich wie weiße Söckchen (oder, tschuldigung, zweifarbige Schuhe, es sei denn in lateinischen Ländern). Oder wie früher, als es noch gemietete Gesellschafterinnen gab, Madeira als Aperitif. („Er ließ sich einen Madeira geben, wurde nie wieder eingeladen und erschoss sich.“) Es gab allerdings bis vor kurzem auch einen englischen Herzog, der zog extra weisse Söckchen an, wenn er im Fernsehen auftrat; nicht, weil er Alkoholiker war, sondern weil er dem aufstrebenden Pöbel zeigen wollte, dass er extra weiße Söckchen anzog. (Er ist vor ein paar Jahren gestorben. Die Frau ist eine von den Mitford-Weibern.) – Den bewussten Spreizfinger, wie gesagt, haben wir im Heranwachsendenalter geradezu für ein Tanten-, um nicht zu sagen Tuntensignal gehalten und damit eine Menge Spaß gehabt. Von der ergonomischen Seite der Sache, die ja durchaus (auch) Sinn machen könnte, habe ich hier zum erstenmal gelesen. Jetzt will ich gern geduldig auf ähnliche Erleuchtungen bezüglich der weißen Söckchen usw. warten.

  54. Ah, Monsieur,
    wieder ein...

    Ah, Monsieur,
    wieder ein schöner Beitrag, – aber ein wenig über das Ziel hinausgeschossen?
    Ich stimme zu, Tischmanieren und zu wissen, wie man Umgang Menschen pflegt, sind eine Wohltat, –
    aber, – die Manieren an einer einzigen kleinen Geste festzumachen, ist mir zu – verzeihen Sie – dippelschisserisch. ;-)
    Mein Eltern bemühten sich redlich meiner Schwester und mir, das Essen mit Messer und Gabel beizubringen, und die üblichen Regeln die man kennen sollte, wenn man sich in der Öffentlichkeit aufhält. Und ich bin ihnen dafür dankbar, dass es Ihnen doch redlich gelungen ist. Denn beim Anblick der Tischsitten diverser Sprößlinge und Ihrer Eltern, die man bei Familienfeiern zu ertragen pflegt, zuckt mir mehr als einmal die Hand, oder es kommen Lutherzitate in gehässigem Ton über meine Lippen.
    Aber meine „richtigen Tischmanieren“ habe ich erst erlernt, als ich in meiner Jugend über die grüne Grenze hüpfte und in im Nachbarland in der Gastronomie arbeitete.
    Da ging es nicht um die richtige Gabel, nicht um das Abspreizen von kleinen Fingern, oder um die Art und Weise, wie man Riesendisteln oder Meerspinnen isst. Und ob das mit Silberbesteck, oder mit den Fingern geschieht, Monsieur, das spielte dort eine sekundäre Rolle, all das lässt sich lernen.
    Es ging um die Wertschätzung von Gesellschaft am Tisch.
    Einzig wichtig war, das Essen oder Trinken nicht als Nebensache zu begreifen, so wie ein Holzfäller seine Brotzeit verzehrt, oder die Binärboheme ihr Fastfood im Büro, sondern das Essen und die Gesellschaft dabei zu zelebrieren. Warum sonst sollte man denn ein Restaurant aufsuchen, oder sich mit anderen gemeinsam zu Tisch niederlassen. Und daß dazu ein gewisses Maß an gutem Benehmen gehört, ist selbstverständlich.
    So und nun muß ich wieder zurück zum Tee in meiner hässlichen Tasse auf dem Schreibtisch.
    MD
    PS@ll_teetrinker,
    es gibt unter Asiaten an Glaubenskriege grenzende Diskussionen, ob Tee mit weichem oder mit hartem Wasser gebrüht werden sollte.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Wasserhärte den Tee weniger beeinflußt, als eine schludrige Art und Weise des Aufbrühens.

  55. @ebs Ich finde "Manieren" von...
    @ebs Ich finde „Manieren“ von Asserate ganz ausgezeichnet. Das ist zwar kein Erziehungsratgeber, leitet aber gut zu selbständigem Denken an, finde ich. Und der alte Knigge ist auch recht lesbar, man glaubt es nicht.
    Der abgespreizte Finger ist auch beim Biertrinken zu empfehlen. Unsere Eltern sagten immer „Finger weg vom Alkohol“.

  56. @ ebs: gestatten Sie mir aus...
    @ ebs: gestatten Sie mir aus eigener Erfahrung den Hinweis: bloss keinen Erziehungsratgeber in Buch- oder anderer Form. Sie würden ja auch nicht mit dem Ratgeber in der Hand Autofahren. Völlige Verschwendung und Anleitung zum sich selber – und die Kinder – kirre machen. Beobachten Sie ihre Kleinen, überlegen Sie sich, was sie von ihnen möchten, und was möglich ist, machen Sie sich klar dass Druck in welcher Weise auch immer, ganz und gar fieser Zwang, ganz und gar nicht partnerschaftlicher, oder freundlicher oder sonstwie Zwang auch mal dazu gehört aber andererseits Sie auch nicht bei der Fremdenlegion sind (motto: marche ou crève), und dass bis die Kinder selber welche haben und sich zeigt, was sie wirklich drauf haben, noch eine ganze Weile vergeht. Im Zweifelsfalle hören Sie auf Ihr Gewissen. Und, aber das ist meine Meinung, wenn das Unterfangen des Kindes nicht für es selber oder andere unverhältnismässig gefährlich ist, lassen Sie ihr Kind machen. (Damit meine ich natürlich nicht, dass man ihm keine Manieren und Fertigkeiten mitgeben sollte)
    .
    Don, entschuldigen Sie bitte das kidnapping Ihres Blogs, aber Erziehungsratgeber gehören nach vielfältiger Lektüre zu den „pet-peeves“ die in mir ununterdrückbare, missionarische Lüste verursachen

  57. So begeistert ich zumeist...
    So begeistert ich zumeist sonst von Ihren Beiträgen bin, gestatte ich ich mir nun aber doch, auch meinen Unmut über die beständig pauschalierenden (Flach-)Bilder zu äußern: aufgewachsen in der DDR hat so mancher – vielleicht eben darum – sogar mehr genossen, an Erziehung, an Bildung, an Kultur. (Weder Ost- noch West-)Fernsehen waren für viele je ein Thema, dafür monatliche Konzerte von z.B. Dresdner Staatskapelle und Philharmonie sowie die zielstrebige Erweiterung der eigenen Bibliothek. Eine Hose war eine Hose – ob gut oder schlecht, entschied nicht die Marke, sondern die Fähigkeit, Qualität zu erkennen. Familiengeschichte, tägliche Teerunden mit Meißner Porzellan, distinguierte Fingerhaltungen und eine tatsächliche Erziehung existier(t)en auch hinter Grenzen, egal ob dort DDR oder Österreich liegen. Dafür war es das Normale und war einfach ein Teil des Spektrums des gesunden Menschenverstandes. Erst „im Westen“ habe ich dies als ein Gegenstück zu inszenierten Lebensentwürfen welcher Art auch immer „entdeckt“.
    Solche Erfahrungen hinkünftig zu bedenken, beschert Ihnen und der FAZ mit Sicherheit eine weitere Leserschaft.

  58. Kürbistarte - muss ich mal...
    Kürbistarte – muss ich mal probieren, sobald die Kürbiszeit hier ankommt.
    Dazu gibt es dann wahrscheinlich Früchtetee, Teekanne und Tassen stammen von einem der lokalen Töpfer. Erfreulich das ich jetzt das abspreizen des kleinen Fingers nicht mal als schlechte Angewohnheit verbuchen muss.

  59. Demnach wäre die...
    Demnach wäre die Geschäftsidee für Alphonso`sche Kreise ein Britta Filter aus Silber.

  60. Ich dachte immer man trinkt...
    Ich dachte immer man trinkt Tee aus Schalen danke für die nachträgliche Kolonisierung… :)
    @MD
    Wenn sie glauben Wasserhärte währe ein Grund für einen Glaubenskrieg dann fragen sie mal danach welcher Dekor zu welcher Jahreszeit gehört.

  61. @Nanuk
    ich wage nicht zu...

    @Nanuk
    ich wage nicht zu fragen… ;-)
    Glücklicherweise gibt es hier nur sehr häßliche oder besonders häßliche Becher….
    MD

  62. Ein nicht zu unterschätzendes...
    Ein nicht zu unterschätzendes Merkmal der deutschen Kultur sind die deutlichen Grenzen: Main und Elbe. Oder in katholische und protestantische Gebiete.
    .
    Für meine Großmutter mütterlicherseits, die, unterbrochen vom Stift in Potsdam und anschließendem Arbeitsdienst, bis zur Flucht auf dem Gut in Pommern lebte, sind Kuchengabeln absolut bürgerlich. Der Tasse liegt ein Löffel bei, den man für den Kuchen (mit)benutzen kann. „Trockenen“ Kuchen und Kekse ist man mit der Hand. Auch der abgespreizte kleine Finger gilt als affektiert und ist eher was für Emporkömmlinge. Insofern stimme ich doch sehr mit Frau Diener überein.
    .
    Aber in einem stimme ich Don aus vollem Herzen zu: Die Tischsitten der Mitmenschen sind im freien Fall begriffen und insofern nach meinem Empfinden strafrechtlich zu bewerten. Oder um einen in dieser Beziehung guten Hollywood-Film zu zitieren: „Ich war gelähmt vom Anblick der halben Kuh, die sich in Ihrer beim Reden offen stehenden Futterluke von einer Seite auf die andere bewegte.“
    Nur eine Widerlichkeit sollte noch erwähnt werden: Schmatzen. Das löst bei mir stets Ekelgefühle gepaart mit sich krümmenden Fußnägeln aus.

  63. @ ícke: Vielen Dank! Ich...
    @ ícke: Vielen Dank! Ich versuche „liebevollen Zwang“ auszuüben. Viele meiner Sätze sind „wenn…. dann…“-Sätze. Es ist nicht immer einfach bzw. erfolgsgekrönt und voller Neid schaue ich auf die wohlerzogenen Kinder, die im Restaurant brav neben Ihren Eltern sitzen und nicht rumzappeln…. Ich liebe meinen Sohn, aber Essen gehen, hasse ich mit ihm. … In ein paar Wochen fahre ich mit ihm und meiner Mutter nach Oberstaufen. Zum einen freue ich mich darauf, zum anderen graut mir schon jetzt davor….

  64. cvs, es wäre interessant zu...
    cvs, es wäre interessant zu wissen, wie Frau Grossmutter Torte gegessen hat, wenn da keine Kuchengabel war. Bei „Kuchen“ im Sinne von Marmorkuchen würde ich vielleicht auch anders argumentieren, aber der klassische Kuchen im schönen Bayernland ist ohne Gabel nicht angemessen verzehrbar. Man nehme nur mal die 9 Schichten einer banale Prinzregententorte.

  65. @ebs: Für meine Frau und mich...
    @ebs: Für meine Frau und mich gilt immer: Zu Hause ist (fast) egal, wichtig, dass sich die Kinder auswärts Benehmen können. Und bis jetzt sind wir sehr gut damit gefahren und auch noch nicht wirklich angeeckt. Wichtig ist, dass die Kinder „Bitte“ und „danke“ sagen können. Damit sind meistens – gerade in dem Alter – die Herzen gewonnen. Und wenn mal was nicht so läuft, wie man es gerne hätte, können die Eltern durch gute Reaktion, also Übernahme der Verantwortung mit entsprechender Bitte um Entschuldigung und Schelte/Ermahnung für den Übeltäter, eigentlich jede Situation wieder retten. Wichtig ist, der Umwelt zu zeigen, dass einem nicht egal ist, was das Kind macht. Und dass man die Freiheit und die Grenzen der Mitmenschen achtet und respektiert und dieses auch dem Kind beibringt bzw. anerziehen will.
    .
    Allerdings beobachte ich immer wieder, dass in meinem Stand vieles anders gesehen wird, als von Don beschrieben. Teilweise meiner Meinung nach auch pragmatischer. Warum kann ich nicht sagen, vielleicht liegt es auch daran, dass meine Familie nicht aus Bayern stammt und viele unserer hier (in M) befreundeten Familien auch zu den „Rucksackdeutschen“ gehören. Es könnte also auch der oben schon beschriebene kulturelle Unterschied sein.
    .
    Aber zum Thema Erziehungsratgeber kann ich nur sagen, dass die meisten von Männern geschrieben wurden. Also der Spezies, die meistens am wenigsten Zeit mit den Kindern verbringt. Und dann sind die Ratschläge auch stets zu hinterfragen und im Zweifel frühzeitig über Bord zu werfen. So manch ein Ratgeber, zum Beispiel beim Thema Einschlafen, hilft bei manchen Kindern, bei anderen führt er zu massiven Traumata.
    .
    Benimmbücher a la Freiherr von Knigge gibt es zum Beispiel ganz gute von oben schon genannter Gräfin Schönfeld. Wobei sie meiner Meinung nach nur als Nachschlagewerk oder Gedächtnisstütze dienen können. Wenn die Basis nicht stimmt, wird man auch mit diesen (Hand-)Büchern nicht viel anfangen können.
    .
    Im übrigen wollte Freiherr von Knigge nie ein Benimmbuch schreiben. Er hat lediglich seine Umgebung beobachtet, sich über sie geärgert, und das Beobachtete aufgeschrieben. Es handelt sich also eher um zu Papier gebrachte Rebellion.

  66. Don, wie geschrieben, mit dem...
    Don, wie geschrieben, mit dem Löffel. Und ich spreche auch aus eigener Erfahrung, dass man Torte (und sogar Bienenstich, dessen „Deckel“ bisweilen recht hart ist) auch mit dem Löffel essen kann.
    Aber vielleicht gab es im Gegensatz zum katholischen Bayern im protestantischen Pommern keine Torte? ;-)

  67. Hab ich doch glatt von einer...
    Hab ich doch glatt von einer Autorin gehört, die einen Knigge für Swinger-Clubbesucher verfasst hat. Ob die auch den Finger abspreizen?

  68. Lieber Herr Alfons,

    ich...
    Lieber Herr Alfons,
    ich möchte Ihnen in Sachen Abspreizen des kleinen Fingers doch sehr heftig widersprechen, denn ich finde es sehr viel eleganter, den Tassenhenkel – ganz wie von Ihnen vorgeschlagen – mit Zeigefinger, Mittelfinger zu ergreifen, den Ringfinger zur Unterstützung unter dem Henkel zu positionieren, den kleinen Finger jedoch nicht abzuspreizen sondern ganz lässig parallel zum Ringfinger, also ganz locker drunter zu positionieren. Sieht sehr viel eleganter und natürlicher aus als die von Ihnen vorgeschlagene Spreizerei. Dergleichen Abgespreiztes konnte ich nämlich als Kind an Tassen in Händen doch recht verfetteter Damen erblicken, die Patschhändchen waren dergestalt, dass die Damen vor lauter – äh – Wurstfingerchen den kleinen Finger nicht mehr längsseits bekamen und eben in Winkeln spreizen mußten. Ich hingegen habe schlanke Hände und brauch keine 45 Grad-Winkeleien zu veranstalten. Abgespreizter Kleinfinger ist für mich das Äquivalent zum Watschelgang manches Zeitgenossen, der die Schenkel dank Fett ja auch nicht mehr parallel zusammenkriegt.
    Die Teekanne ist sehr hübsch (die würde ich auch nehmen;-), Old Willow gibts inzwischen wieder und in der Ausführung spülmaschinenfest ;-)
    Aus irgendwelchen Gründen habe ich jedoch noch zu D-Mark-Zeiten auf einer Auktion (nein, nicht I-Bäh) ein Tee-Service aus den Zeiten des Jugendstil erworben (punziert-signiert-datiert, aus der Werkstatt eines Stuttgarter Künstlers) Teekanne mit Stövchen (nein, kein Teelicht, sondern nach Art der Primuskocher mit Petroleum zu betreiben), dazu Teegläser, alles auf dem passenden Tablett. Ich weiß nicht warum, aber Tee schmeckt mir persönlich besser aus Glas als aus Porzellan.

  69. cvs, das ist in meinen Augen...
    cvs, das ist in meinen Augen aber sehr schwierig. Ein Löffel ist ja in sich gerundet. mal abgesehen davon, dass meine Biedermeierlöffel ohnehin die seitliche Belastung nicht aushalten würden: Durch die Biegung kann man zwar die Kante des Löffels auf die Torte setzen, aber dann schält der Löffel ein gerundetes Stück ab, das auf den Teller fällt, was bei typischen Torten ein echtes Problem darstellt – weil am Ende die Torte auf dem Teller verwüstet und nicht im Mund ist. Entweder Frau Grossmutter war eine Künstlerin im Umgang mit den Löffeln, oder sie hatte immer nur sehr dünne Kuchen bis zur Höhe einen Blechkuchens. Wie auch immer. kaum ein Stirnrunzeln hätte bei und so gross sein können, wie der Griff zum Löffel (allein für Flüssiges) für die Torte (Spezialgabeln mit messerartig ausgeführtem unterem Zinken). Ich bin wirklich überrascht.

  70. icke und ebs, zum Thema...
    icke und ebs, zum Thema Erziehungsratgeber dürfte Ihnen das Titelthema im aktuellen Spiegel gefallen.
    Oh, habe ich das gerade auf faz.net geschrieben? Huch! Ach egal!

  71. @ Andrea Diener
    Hört, hört!...

    @ Andrea Diener
    Hört, hört! Darf man sich demnächst „nebenan“ auf einen Beitrag mit der Überschrift „Wie mir der Reisebegleiter mit seinem enervierenden Parvenügedöns Meran vergällte“ freuen?

  72. Und auch für die Oberschicht...
    Und auch für die Oberschicht gilt: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.

  73. <p>Sie haben geläutet, Sir...
    Sie haben geläutet, Sir Butler?
    .

    Atomfried, ich mag vielleicht ein Snob oder gar bayerischer Sohn einer kleinen, dummen Stadt an der Donau sein – aber ich würde mir nicht von Spiegel erzählen lassen wollen, wie man sein oder das Leben anderer Leute in den Griff bekommt. Von Manieren ganz zu schweigen.

  74. Montgelas, dafür bin ich viel...
    Montgelas, dafür bin ich viel zu gut erzogen.

  75. Don Alphonso, das habe ich mir...
    Don Alphonso, das habe ich mir gedacht, daher ging der Hinweis auch an icke und ebs. Im Übrigen gibt der Spiegel keine Erziehungstipps, jedenfalls nicht direkt, sondern thematisiert den Unsinn von Elternratgebern in ähnlicher Form, wie icke das in einem Post weiter oben tat.

  76. Signore,

    da haben Sie sich...
    Signore,
    da haben Sie sich diesmal doch recht massiv verritten. Der abgespreizte Finger ist nicht nur beim landadeligen Flichdling, sondern auch bei der (niedrigeren) Ffrau von Pappritz ein Zeichen des Emporstrebenden. und Ihr Argument, anders ginge es nicht, spricht wohl – recht bedacht – auch dafür. Manieren sind etwas artifizielles, ein Zeichen, dass es mit genügend Übung doch auch anders geht.

  77. "Der G. isst wie ein Graf",...
    „Der G. isst wie ein Graf“, erzaehlten die Kinder einer befreundeten Familie. Sie meinten unseren Sohn. Skeptischer Blick der Eltern zu mir, von dem kann er’s ja wohl nicht gelernt haben…
    Doch, kann. Da muss ich cvs zustimmen, Erziehung soll moeglichst ohne fuehlbare Zwangsmassnahmen geschehen: Das Ruder kurz loslassen und schauen, wie das Schiff laeuft. Danach, wenn noetig den Kurs korrigieren. Da ich zum Rabaukentum neige (schlechte Erziehung), muss ich dem Kind erklaeren, was da falsch lief. In sofern hat der Don recht: Die Soehne werden immer anders als die Vaeter. (Selbstironie ist hier sicher gestattet)
    Von Knigge ist mir nur der Kernsatz erinnerlich, der besagt, mann solle sich stets so benehmen, dass man seinen Mitmenschen nicht laestig wird. Das sollte eigentlich reichen. Alles ander ist Formalitaet.
    .
    Don, in einem vorigen Beitrag beschrieben Sie ein rollerndes Geschwisterpaar in Blumenrabatten, sowie Ihr Einschreiten dagegen. Ich wuesste zu gern, wie die betroffenen Eltern auf Ihre Intervention reagierten. Je nach Reaktion, neige ich zu unklugem Handeln (siehe weiter oben).

  78. Atomfried: Aha.
    .
    FranZeus vom...

    Atomfried: Aha.
    .
    FranZeus vom Hollerbusch: So kann man das natürlich auch sehen. Irrgendwie fehlt mir da aber noch etwas ein Argument, gerade vor dem Hintergrund, dass Sie hier Ihr Adenauerbrötchen aus dem Staniolpapier wickeln. Ich glaube nicht, dass die 50er uns heute als Vorbild gelten dürften. Allerdings: Das Ihnen sicher bekannte Arzberg 2000, das man für das Bundeskanzleramt anschaffte, hat wirklich so flache Untertassen und hochgezogene Henkel, dass man auch anders greifen könnte. Aber schon bei Arzberg 2025 steigt die Untertasse stärker an.

  79. Unsere Tanzlehrerin verbot uns...
    Unsere Tanzlehrerin verbot uns allerdings den abgespreizten Finger – nicht jedoch an der Teetasse, sondern an der Schulter der geführten Dame. Klingeldaumen nannte sie das, wenn sich die Hand dort flächig ausbreitete und nicht wunschgemäß mit artig zusammengepressten Fingern auflag…
    .
    Ansonsten ist mir bei Tische nur zuwider, wenn geschlungen wird und sich dazu auch noch allerlei Essgeräusche einschleichen.

  80. Was ist das für ein roter...
    Was ist das für ein roter Saft – Blutorange?

  81. Meine Großmutter hat...
    Meine Großmutter hat Augsburger Faden. Die Löffel sind sehr stabil. Nur die Messer, da bildeten sich bei ein paar mit der Zeit Risse, so dass das Füllmaterial rieselt. Leider. Und das mit dem Löffel gerundete Stück fällt zwar auf den Teller und wird mit dem Löffel vom Teller wieder aufgenommen. Und weit fällt das Stück ja nicht, da man keine Angst vor der „Bösen Schwiegermutter“ hat.
    .
    Mal davon ab, dass ein Butler (und das Personal generell) sich derartige Einlassungen niemals erlauben würde, sofern er sich nicht eine absolute Vertrauensstellung erarbeitet hat, die schon fast an Freundschaft grenzt, ist die Dativ – Genitiv – Thematik eine typisch süddeutsche Eigenart. Und somit nicht wirklich erwähnenswert.

  82. Eine kleine Anmerkung...
    Eine kleine Anmerkung meinerseits: Ich bekomme es mit meiner nun doch schon etwas längeren Netzerfahrung durchaus mit, wenn sich manche nach Nichtfreischaltung eine Zweit- und Drittidentität zulegen, und fühle mich offen gesagt als etwas zu alt, um mich damit jenseits des Löschknopfs auseinander zu setzen. Nachdem ich durchaus dafür bin, hier die Publikationsrestriktionen so gering wie nur irgend möglich zu halten, ist das die beste Lösung für alle ausser für jene, denen ich das Heise-Forum ans Herz legen möchte.

  83. Hah! Ich als der...
    Hah! Ich als der berufsbedingte natürliche Feind der abgespreizten Finger kann über so etwas nur milde lächeln. Ich habe schon ganzen Generationen diese Unsitte abgewöhnt und ihnen zu einer entspannten Handhaltung verholfen. Wie hier bereits zu lesen war, waren beim Don aber diesbezügliche Versuche im jugendlichen Alter wohl wenig erfolgreich gewesen…

  84. Wortschubse, Teegläser - die...
    Wortschubse, Teegläser – die ich für heisse Zitrone im Winter tatsächlich auch bevorzuge, sind tatsächlich anders zu bewerten – nach einem kurzen Test könnte ich mir vorstellen, dass es aus Führungsgründen des hohen Glases Sinn machen könnte, hier anders zu verfahren. was die dicken, alten Damen angeht, da bitte ich Sie um Nachsicht – in Sachen Torten sind diese Damen die Trüffelschweine des nordalpinen Raumes. Je fetter und brilliantenbehängter die Damen, desto besser und sündiger die Torte.
    .
    cvs, mein Augsburger Faden hat am Übergang zwischen Griff und Löffelschale eine Verbreiterung, die den Löffel zwar stabilisiert, aber gleichzeigig das Führen mit dem Zeigefinger mehr als nur erschwert. Ich denke aber, dass es an dieser Stelle zu weit führen würde; viele Wege führen nach Rom und in den Tantenhals.

  85. Seltsam. Sie klingen...
    Seltsam. Sie klingen glaubwürdig. Aber ich spüre noch die Ohrfeigen im Gesicht. Die man bekam, wenn man bei Mme. de Saussure auf dem kleinen Gut bei Grasse, zu der geschickt wurde, wer im Haushalt meines Verwandten mehr als eine Woche verbringen wollte, beim Teetrinken den kleinen Finger spreizte. Es galt, wer den Finger spreizt, ist Emporkömmling. Die Kunst bestand darin, die Teetasse von oben im steilen Winkel mit allen Fingern zufassend anzuheben und dann, in der Aufwärtsbewegung von der Untertasse weg, abzuwinkeln, wobei natürlich die Tasse waagerecht bleiben musste.
    Alle élèves von Mme. waren Emporkömmlingsabkömmlinge, und wahrscheinlich war Mme. de Saussure in Wirklichkeit eine Germaine Dupont. Aber eines weiß ich sicher: Mein Verwandter hatte drei Sternerestaurants in einer französischsprachigen europäischen Hauptstadt, und wer in einem von denen den kleinen Finger spreizte, der war aus dem Spiel. Endgültig. Ich habe zwei rausfliegen sehen, mein Verwandter war kleinwüchsig und aber von dort unten sehr überzeugend. Die Restaurants waren erstklassig, ich überlege nun, ob das Publikum es war. Mein Verwandter war ein preteur, anders sind erstklassige Restaurants nicht zu bezahlen, es könnte also sein, dass viele der Gäste dort die kleinen Finger nicht abspreizten, weil sie keine mehr hatten, denn fällige Schulden nahm mein Verwandter sehr ernst. Wie gesagt, große Küche ist nicht billig.
    Und die Moral von all dem? Sie sehen, lieber Don Alphonso, für unsere Verwandtschaft können wir alle nichts.

  86. @cvs Kindererziehung, tja!...
    @cvs Kindererziehung, tja!
    Als ich „klein“ war, da durfte ich keinesfalls die Füße meiner kurzen Beine auf Sofa oder Bank hochziehen, also „lümmeln“, sondern mußte mit baumelnden Beinen, die Füße 20 cm über dem Boden in senkrechter Haltung auf dem Sitzgerät ausharren. Natürlich wurde von uns-Kindern bei etwaigen Besuchen von oder zu Freunden und Verwandten erwartet, dass wir die hauchdünnen Teile von Rosenthal (Form 2000) handlen konnten ohne das Zeug zu zerlegen, dass wir das Spiel von Messer und Gabel beherrschten, dass wir weder uns noch die Tischwäsche bekleckerten beim Essen, etc etc. Konnten wir auch! (ab Kindergartenalter).
    Heutzutage kann ich nach Einladungen die ganze Bude putzen, auch unterm Tisch, die Wände abwaschen, auf deren Tapete eines der Kinder seine entzückenden Fingerabdrücke hinterlassen hat. Ich wage nicht, etwas dagegen zu sagen! Schlage ich einem dieser entzückenden Kleinen vor, er sie oder es könne sich auch gerne der Serviette bedienen oder die Hände waschen, werde ich von den dazugehörenden Erziehungsberechtigten äußerst unwillig angegeguckt „Was DIE schon wieder hat….“.
    Jedenfalls spare ich mir heutzutage die feine Tischwäsche und das zugehörige Geschirr, der Teppich wird zusammengerollt und ausgelagert, wenn sich Besuch mit Kindern ansagt. Zu mampfen gibt es etwas, das man mit Vadders Gabel in den Mund kriegt und was sich hinterher leicht wieder zusammenfegen läßt.
    Ob es da nicht machbare Lösungen zwischen beiden Extremen gibt? Ich halte es für möglich! Mein eigenes Kind jedenfalls kann tatsächlich mit Messer und Gabel umgehen, etc. Das haben wir einfach mit einem kleinen Trick hinbekommen: Ich habe ihr eines dieser sehr kitschigen „vergoldeten“ Moccaservice aus den Fünfzigern gekauft, sie deckt ihren Kindertisch mit einer gestickten Mitteldecke, mit Porzellan, Besteck, Obst, Joghurt, Keksen, dann spielen wir „Prinzessin“.
    Ansonsten: wie der herr so ’s g’scherr….

  87. Ich weiss nicht, von welcher...
    Ich weiss nicht, von welcher „Gesellschaft“ Ihr da schreibt, aber im deutschen Adel gilt es als fürchterlich portierisch, den kleinen Finger beim Teetrinken abzuspreizen.

  88. Ein sehr schöner Artikel....
    Ein sehr schöner Artikel. Vielen Dank!
    In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine vor Jahrzehnten ausgestrahlte Folge der Sesamstraße — ja wirklich. Das Krümelmonster zeigte dort, wie eine Tasse Tee getrunken wird, selbstverständlich mit abgespreitztem kleinen Finger.

  89. Filou, das Thema wird noch...
    Filou, das Thema wird noch speziell zu besprechen sein, schliesslich kommen nun die 100 nächsten Beiträge.
    Alexander W., ich zweifle nicht daran, dass der gesellschaftsfinger nicht mehr das ist, was er einmal war. Wie auch das, was sich einmal Adel nannte.
    .
    André Thiele, wie man es nimmt – es ist halt immer auch zeit- und ortsgebunden. Wir leben gerade in einer Zeit des Übergangs, deshalb ja auch der Titel des Beitrags. Man kann das so und so sehen. was mich gerade aber wirklich überrascht hat, ist das hier:
    http://www.mahnert-online.de/pappritz.html
    „Nicht ohne Tücken ist auch das gegenseitige Bekanntmachen. Alte Floskeln wie „Darf ich mich vorstellen“ sind nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen empfehlen Psychologen die „Ich bin“-Version mit Vor- und Nachnamen.“
    Das lässt mich nun wirklich fassungslos zurück. Nicht mal mehr eine rhethorische Frage? Einfach dem anderen sein Ego reinknallen? Ey Alda isch bin da Don wah Glasse Frau da ey. Unfassbar.

  90. @wortschubse: Eine Tante von...
    @wortschubse: Eine Tante von mir hat mal ähnliches erlebt. Als der Besuch mit seinem marodierenden Balg (ca. 3 Jahre alt) wieder von dannen zog, entblödete er sich nicht, die Wohnung als nicht „kindertauglich“ zu bezeichnen. Nun, meine Tante hatte damals schon selber Kinder in gleichem Alter.
    .
    Aber die Erfahrung habe ich selber auch immer wieder gemacht, dass Kindern keine Grenzen mehr gezeigt werden. Und alles dann unter dem Deckmäntelchen der „antiautoritären Erziehung“. Mr. Neill dreht sich nicht im Grabe um, der rotiert.

  91. Bei der Gelegenheit: Ich...
    Bei der Gelegenheit: Ich könnte der FAZ ja vorschlagen, mal so eine Art „überfordertes-Mütter-Blog“ einzurichten, bei dem man solche Fragen en gros und en deetail ausdiskutieren könnte. Anhand echter Kinder und nicht nur mehr oder weniger guten Erinnerungen. ich verspreche dann auch, das Thema Aufzucht & Abrichtung fürder nicht mehr anzuschneiden, und allenfalls dort zu kommentieren.
    tordenskjold, das ist fein. Das Krümelmonster erscheint mir sehr angemessen im Vergleich zu anderen Ratgebern. bei der Gelegenheit kann man auch mal jemandem hinterher googeln, der als Stilexperte aufzutauchen beliebt: Uwe Fenner, und dann Uwe Fenner Midat AG. Soviel auch zu guten Sitten.

  92. Wortschubse, da kann ich nur...
    Wortschubse, da kann ich nur zustimmen: Ich habe exakt ein einziges Mal für Eltern mit Kind unter Einschluss eines Pastetenhebers aus Elfenbein und Silber gedeckt. Im Nachhinein lacht man darüber, aber ich muss ziemlich schockiert und bleich ausgesehen haben, als der Nachwuchs die selbstgemachte Pastete (für Kinder leicht zu essen, dachte ich, da spritzt nichts) von oben herab stechend mit dem hauchdünnen Heber massakrierte. Allerdings habe ich auch schon mal für ein Paar ein Gratin gemacht, und deren Tochter war, möchte ich sagen, bestes Basismaterial für spätere Lektionen.

  93. Ein Vorschlag zur Güte, oder...
    Ein Vorschlag zur Güte, oder wenn schon, denn schon: das Spreizen sei spott- und hohnfrei gestellt, wenn man sich nach dem Schluck Tees (genetivus partitivus) die Lippen ebenso fein mit dem entsprechenden Tüchlein abtupft. Ich habe einen wachsenden Verdacht, der Don tut das. Ich meine die Kunstfigur.

  94. @cvs: es gibt eine ganz...
    @cvs: es gibt eine ganz einfache Methode, mit den Verfechtern des „Antiautoritären“ umzugehen. Wenn das nächste Mal jemand Blödsinn macht und die Eltern sich weigern einzuschreiten mit dem Hinweis, sie wären antiautoritär erzogen worden, dann schlagen Sie den Eltern einfach mit der flachen Hand ins Gesicht. Wenn sie dann dumm gucken, verweisen Sie einfach darauf, dass Sie ebenfalls antiautoritär erzogen worden wären und Ihre Grenzen noch suchen würden.

  95. @cvs: Das ist eine Erfahrung,...
    @cvs: Das ist eine Erfahrung, die man nicht erst in den letzten 10 Jahren machen konnte. Derartiges kam bereits in den spaeten 60ern vor. Besonders in „progressiven“ Kreisen, die man damals keineswegs zu den vielbeschimpften 68ern zaehlen konnte, weil die Kinder zu der Zeit bereits um die 7 Jahre alt waren. Der Begriff „antiautoritaere Erziehung“ war gerade erst erfunden, konnte also damit garnichts zu tun haben.

  96. Ephemeride, Tanzschule ist...
    Ephemeride, Tanzschule ist nochmal ein ganz anderes kapitel – dass darüber auch der Unterricht zu gutem Benehmen kaufen sollte, erfuhr ich erst Jahre später und auch nur zufällig. Davon habe ich bei meiner Tanzschule direkt nichts gemerkt, mir erschien das seinerzeit eher locker (Welche Sitten kann es schon haben, wenn dort „We will rock you“ gespielt wurde?).
    .
    Oberlehrer, ob das mit dem Austreiben nachhaltig war, ist nochmal eine ganz andere Frage.

  97. "Ich könnte der FAZ ja...
    „Ich könnte der FAZ ja vorschlagen, mal so eine Art „überfordertes-Mütter-Blog“ einzurichten, bei dem man solche Fragen en gros und en detail ausdiskutieren könnte.“
    Man reicht Ihnen den kleinen Finger [sic] und Sie schlagen en gros und en détail die ganze Hand vor?

  98. Gesellschaftsfinger? Ha,...
    Gesellschaftsfinger? Ha, harmlos! Schlimmer sind diejenigen die mit dem Ellbogen am Tisch Ihre Suppe schlürfen, oder noch schlimmr diejenigen welche die gerade nicht benötigte and unter dem Tisch verstecken! was machen die? Kratzen die sich alle im Schritt? Find ich fürchterlich! Aber ertrage es kommentarlos!

  99. Perfekter, fundiert...
    Perfekter, fundiert begründeter Snobismus — wie immer genüsslich zu lesen. Und Snobismus ist fürwahr kein Schimpfwort, sondern dessen Gegenteil. Auch ich hatte eine solche (nicht Tante, sondern Oma) Vorfahrin aus dem UK, die noch dazu P.G. Wodehouse persönlich kannte.
    Dieser schriftstellerische Großmeister, der das längst entschwundene Edwardian Age (mit leichten, älteren Resten von Queen Victoria) noch in den Dreißigern und Vierzigern hochhielt, hat dank Granny Liz meine leserische Jugend gleich nach Karl May geformt, und ich lese ihn auch heute noch. Tun Sie das auch? (Geht nur im Original; alle deutschen Übersetzungen sind an Klamauksucht und Unübersetzbarkeiten gescheitert.)
    Wenn Sie, Don, so weitermachen, werden Sie die in die Fußstapfen Jeeves‘ treten, des ultimativen Meisters der Etikette der dezent abgespreizten pinkies, der korrekt sitzenden Fliegen und Hosenbünde. Und der (nicht allzeit unbestechlichen) Diskretion. Oder sehen Sie sich eher als Bertie Wooster, gar als Lord Emsworth oder Galahad Threepwood?
    Herzliche Grüße! (Bin gerade in Shropshire, das heute Salop heißt.)

  100. Meine Grossmutter hätte...
    Meine Grossmutter hätte vermutlich Graf Bobby (Peter Alexander) präferiert, und ich wäre schon zufrieden, würde es zu einem etwas dicklichen Charles Ryder reichen.

  101. Abspreizen ist provinziell. In...
    Abspreizen ist provinziell. In unserer Familie wird das nicht gemacht. Das meint auch meine Mutter, die übrigens im Internat der Englischen Fräulein in Bad Homburg den letzten Schliff bekommen hat.

  102. der herrenfinger. feine sache....
    der herrenfinger. feine sache. nach meinem dafuerhalten etwas genetisches, etwas erbliches. schwer zu kontrollieren. so wie affenartiges schwitzen bei wildem tanzvergnuegen.

  103. > und der Klassiker der...
    > und der Klassiker der Idiotie all jener, die etwas nicht verstehen, was sie nicht kennen – das ist ja schwul
    …na und? ;o)
    Mir scheint der abgespreizte Finger in den Comics von Ralf König bestens aufgehoben.

  104. Dass man im Internat !) der...
    Dass man im Internat !) der englischen Fräulein (!!) in Bad Homburg vielleicht einen anderen letzten Schliff bekommt, halte ich für höchst wahrscheinlich. Aber das ist kein Schliff, den man als allgemeingültig ansehen sollte. Weil: Englische Fräulein.

  105. Der Beitrag ist noch keine...
    Der Beitrag ist noch keine acht Stunden alt und hat von der Kommentarzahl her schon den Versuch einer Provokation mit der Vermögenssteuer überholt. Da sieht man man wieder, wo bei den FAZ-Lesern wirklich die Prioritäten liegen: Nicht beim Geld, sondern beim abgespreizten kleinen Finger.
    .
    Meine Mutter übrigens, die sich mit einigem, wenn auch nicht vollständig durchschlagendem Erfolg um meine Tischmanieren kümmerte, hat mir jedenfalls klar verboten, den Finger abzuspreizen. Aber das widerspricht nicht dem Don, schließlich ging es da um die Erziehung eines jungen Proletariers (mit einem gewissen Zug zum Höheren). Wenn’s also der Distinktion zum Klassenfeind dient, soll’s mir so recht sein wie dem Don.
    .
    Wobei ich, seit ich denken kann, meinen Tee aus einer Schale trinke.

  106. don. warum so defensively...
    don. warum so defensively aggressive, wie mit der lustigen bergsteigerein? – ein dandy weiss, dass stil immer etwas mit ironie zu tun hat. – man will unterhalten, maximal irritieren. erklaeren – gar verteidigen – will man sich nie. das braucht man auch nicht und das funktioniert auch nicht, weil das dann zwei vollkommen unterschiedliche und unvereinbare ebnen sind.

  107. Lieber cvs,

    genau dasselbe...
    Lieber cvs,
    genau dasselbe Wort habe ich auch schon gehört: „Kindertauglich“! Und zwar im Zusammenhang mit der Wohnung meiner Mutter. Nun haben sich meine Eltern dieses Haus eingerichtet als der Nachwuchs (wir) aus dem Krabbelalter längst draußen waren. Warum hätten sie also irgendetwas „kindertauglich“ einrichten sollen? Damit anderer Leute Kinder einen Indoor-Abenteuer-Spielplatz im Wohnzimmer meiner Eltern vorfinden?
    Überhaupt: „kindertauglich“ und „kindgerecht“ – ich hätte gute Lust, diese beiden Vokabeln für den Titel „Unwort des Jahres“ vorzuschlagen. Ich meine – was IST das eigentlich? Klingt wie Gummizelle, unkaputtbar, vollabwaschbar. Meist sind ja diese Kinder auch „praktisch“ angezogen (also in Outfits, mit denen sie jederzeit voll in jeden Schmuddel springen können.) Also: Häßlich!
    Das Schlimmste, was ich je – nicht selbst erlebt – , von einer Bekannten gehört habe, war, dass die Kinder der Besucher mit den dreckigen Schuhen auf das Ehebett der Gastgeberin gesprungen sind – zum Trampolinspringen. Weil das so lustig sei. Da frage ich mich allerdings, was die respektiven Eltern eigentlich mit ihren Kids veranstaltet haben, dass es so weit kommen konnte. Wie haben die das überhaupt fertiggebracht, dass den Kids alles Gefühl für Peinlichkeit abhanden gekommen ist? Eine solche „Erziehung“ grenzt für mich an Kindesmisshandlung. Kinder – von Natur aus – sind nämlich gar nicht so. Meist eher neugierig-beobachtend, auch mal nachfragend (nach dem Haustier, nach unbekannten Instrumenten, etc) dann gerne Spielangebote oder Kuchen akzeptierend. Meist benehmen sie sich ja auswärts „extra gut“.
    Naja, das Problem sind nicht die Kinder, das Problem sind die Erwachsenen….

  108. Es gibt so Wasserentkalker....
    Es gibt so Wasserentkalker. Die machen das Kalk aus dem Wasser. Dann schmeckt nicht nur der Kaffee/Tee besser, sonder man lebt auch länger ohne Verkalkungen…

  109. Ich habe eine Theorie, was den...
    Ich habe eine Theorie, was den abgespreizten Finger angeht. Das ganze System europäischer Tischmanieren ist ja keine Tyrannei, sondern in sich vollkommen logisch und zweckmäßig, ähnlich der japanischen Teezeremonie. So ist es auch mit dem kleinen Finger, der beim Teetrinken abgespreizt wird. Man trinke Tee aus einem dieser zierlichen kleinen Rokoko-Tässchen, beispielsweise Fürstenberg Bunte Blume oä: die Tasse ist ergonomisch nie vollkommen ausbalanciert, wenn man den kleinen Finger nicht abspreizt. Zieht man ihn an, ergiebt sich ein leichtes, aber doch merkliches Ungleichgewicht dabei, wie die Tasse in der Hand liegt. Alles wird etwas wackeliger.

  110. Don,

    Sie sollten sich...
    Don,
    Sie sollten sich wirklich Kinder anschaffen – schon wegen des Pastetenhebers. Und wer sonst sollte denn mal die Teekanne erben? Vor Tattoo und Piercing und Malle brauchen Sie sich nicht zu fürchten, bis der Nachwuchs groß ist, ist das alles sowas von megaout…..

  111. Mon cher ami André, werter...
    Mon cher ami André, werter Wolfgang: herzlichen Dank für Ihre Bestätigung!
    Und nichts gegen die Englischen Fräuleins ( für nicht katholische Leser : Mary Ward Schwestern, oft als weibliches Gegenstück zum Jesuitenorden bezeichnet, nach dessen Regel die Gründerin auch ihren Orden formen wollte). Bei denen war auch in den frühen 30ern meine Mutter, bei der Anmeldung durfte Sie der ehrwürdigen Mutter gleich nachsprechen: „The fear of the Lord is the beginning of all wisdom“.
    Man war dort auch gegenüber dem Zeitgeist jener Jahre erstaunlich resistent.

  112. @ Tomahawk: Über dem Atlantik...
    @ Tomahawk: Über dem Atlantik ist auch Miss Manners als arbiter elegantium recht beliebt.

  113. kinders, kinders... selbst...
    kinders, kinders… selbst beim Bier trinken spreiz ich den kleinen Finger ab

  114. Don, an einem einzigen Tag in...
    Don, an einem einzigen Tag in dieser Urlaubswoche raffe ich mich auf, das Internet einzuschalten – und muss umgehend Selbstversuche unternehmen. Ja, es ist so. Hält man die Teetasse, dann übernehmen diese Aufgabe Daumen und Zeigefinger. Der Mittelfinger stützt von unten. Der Ringfinger tut nichts und der kleine Finger entfernt sich ein Stückweit von ihm. Das ist im Grunde zwangsläufig und somit wäre es kein Alleinstellungsmerkmal wohlerzogener Stützen, wäre da nicht ein kleiner Unterschied: Der kleine Finger spreizt sich ein wenig ab, aber er streckt sich doch nicht, zumindest nicht automatisch, sondern behält eine gewisse Krümmung bei.

  115. ..."Meine von ihrem Mann...
    …“Meine von ihrem Mann geschiedene Freundin Iris, die eine ähnliche Erziehung genoss, hält es für wichtig, weil man gerade am kleinen Finger sehen kann, ob der Mann gepflegte Hände hat, und man an solchen Details erkennt, was einen erwartet und berührt.“…
    Das ganze Wissen hat ja nichts genützt, sie hat ihn ja doch genommen. Warum?
    Wenn schon häufig Nebensächlichkeiten und kleine Geschichten diesen Blog beherrschen, will man das nun auch wissen.
    Die echte und die falsche Gesellschaft? Ich weiß nicht. Ist die echte wirklich echt? Ich glaube nicht. In der Tradition von Ausbeutern und Herrenmenschenmentalität (hier nicht im Nazi-Kontext gemeint) mit mehr oder weniger guten Manieren.
    Manieren sind überbewertet, finde ich. Warum finden viele Menschen Charaktere ohne die besagten Manieren im Roman oder im Film oft interessant und sympathisch?

  116. Werter Don,

    wie Sie schon...
    Werter Don,
    wie Sie schon sagten, ist Stil nicht nur daran erkennbar wie man zu Tische sitzt, sondern auch an dem, was sich darauf befindet. Hardware als auch Software, Augsburger Faden, Oiseau Paradis oder eben der handgedengelte Gugelhupf.
    S‘ sieht halt ebbes gleich…
    Würden Sie uns, dem geneigten Lesern dieses Blogs Ihr Rezept verraten, wie Sie Ihr Tafelsilber pflegen?
    Merci d’avance,

  117. Trinkt man den Tee nicht aus...
    Trinkt man den Tee nicht aus einer ordinären Porzellantasse, sondern comme il faut mit Zitrone aus einem Teeglas mit Silberfassung, so spreizt sich der elegante kleine Finger offenbar von selbst. Jedenfalls war es offenbar bei mir von klein auf automatisch so, wie alle Großtanten einstimmig versichern, ohne dass es mir jemand erst beibringen musste.

  118. @ Radar:
    Wer den Wert guter...

    @ Radar:
    Wer den Wert guter Manieren anzweifelt, hat keine.

  119. Kleiner Finger, große...
    Kleiner Finger, große Wirkung. Erstaunlich, wie man Kommentatoren in Legionsstärke um den kleinen Finger wickeln kann – mit einer Symbolgebärde, die auf antiquierte Erziehung oder auf Snob-Appeal zurückgehen soll. Dahinter steckt selbstverständlich der Ständekampf der Distinktionen, und zwar schon schon seit vielen Jahrhunderten – was die Debatte um Sinn oder Unsinn des Spreizfingers so unübersichtlich macht. Zweite Schule von Fontainebleau, werter Don, also kurz vor 1600 – ganz recht, in deren Bildern ist die Sache schon längst entschieden, und zwar keineswegs ergonomisch begründet. Das berühmte Gemälde des Meisters der Gabrielle d’Estrées, also die Nippelprobe im Bade der beiden Mätressen am Hofe des Henri Quatre, zeigt nämlich an allen vier Händen den kleinen Finger abgespreizt. Vornehmer geht es gar nicht – darauf legten die Damen ja auch höchsten Wert – allerdings nicht minder allegorisch verschlüsselt, deshalb für uns heute dunkel. Gabrielle ist vom König schwanger, trägt den Ring aber nicht am Finger, sondern vor sich her. Um ihre Tugendhaftigkeit zu beweisen, krümmt sie (und ihre Schwester gegenüber auch) die kleinen Finger. Wie das? Da gibt es Vorbilder: Wie wäre es mit der (äußerst leicht bekleideten) Dame Iustitia des Lucas Cranach (um 1530), die drei Finger um das Schwert krallt und den kleinsten wegstreckt? Das gleiche Verhalten übrigens auch bei der Iustitia der del Pollaiolo (Florenz 1470). Am französischen Hof kannte man zudem noch Agnès Sorel, die Geliebte Karls VII., die bekanntlich die Mode des halboffenen Busens (links) eingeführt hat – in aller Unschuld natürlich (s. J. Fouquet, Madonna) mit abgespreiztem 5. Finger an der Rechten (vor 1450). Solche Damen hatten es nötig – wie auch Frau Luna im Rheinischen Hausbuch (um 1480), die über ihrer stattlichen, leider nicht ganz wohlgeratenen Kinderschar die Fahne schwenkt – richtig, der kleine Finger ist gespreizt. Überhaupt bekommen hochgestellte Personen in den Bildern des 15./16. Jh. immer was geschenkt: Marien Verkündigung z.B. (Bedford Hours, Belles Heures der Brüder Limburg u.a.), der hl. Geist tat es in allen Ehren, Maria hat den kleinen Finger abgestreckt, auf ihrem Herzen. Sollte das nur für Damen gelten? Keineswegs, Jean Sans-Peur von Burgund (um 1430) erhält ein Mirakelbuch überreicht, der kleine Finger an seiner Rechten ist deutlich weggestreckt. Auch der Richter im Rheinischen Hausbuch klammert sich an seinen Amtsstab, mit drei Fingern, der 4. kleine steht ab. Zur gleichen Zeit malt Hieronymus Bosch die Hochzeit von Kana: Die Tischdame führt die Schale zum Munde, mit 3 Fingern – der kleine steht ab. Es sind aber eben nicht nur geistliche Szenen so dargestellt – im Garten der Lüste, wenn nackte Pärchen naschen, führt die Dame die Frucht zum Munde, wie schon beschrieben.
    Wo liegt der Vergleichspunkt in diesen so unterschiedlichen Fingerspielen? M.E. in der Nobilitierung durch ein Geschenk, sei es Kind, Buch, Amt, Essen oder Trinken – oder einen guten Ruf in der Nachwelt. Schauen Sie sich doch mal die Märtyrerportraits des Michael Wohlgemut in der Schedel’schen Weltchronik (1493) an, wenn die Heiligen (Weiblein oder Männlein) ihren Palmwedel schwenken – Ja – der kleine Finger ist gespreizt, weg vom Testimonium des Martyriums. Die wahren Stützen der Gesellschaft brauchten eben ihre kleinen exklusiven Zeichen. Erst als die Snobs (sine nobilitate) dergleichen nachahmten, geriet das Verhalten ins Parvenühafte. Warum muß ich jetzt bloß an den Golfklub oder die Audis denken?!

  120. Alexander W., Sie wissen...
    Alexander W., Sie wissen nicht, „von welcher ‚Gesellschaft‘ Ihr da schreibt, aber im deutschen Adel gilt es als fürchterlich portierisch, den kleinen Finger beim Teetrinken abzuspreizen.“
    Das mag damit zusammenhängen, dass es seit der Weimarer Verfassung keinen deutschen Adel mehr gibt. Was hierzulande als Adel auftritt – gerne auch dauerbesoffen und in der Öffentlichkeit urinierend -, ist nur ein Operetten-, Faschings- und Regenbogenpresse-Adel.

  121. @ Radar: Ich denke, dass die...
    @ Radar: Ich denke, dass die „Underdogs“ in den Romanen eben so entwickelt werden, dass sich die große Masse der Leser damit identifizieren kann. Da werden Schwächen dann als menschlich betrachtet, zumal diese Schwächen in der Regel eher liebenswürdig darstellt werden als ekelig.
    .
    Wenn also ein Held in der Serie in alten gammeligen Sachen herumläuft, dann würden in Wirklichkeit die Leute vielleicht sagen: „kannst Du die vielleicht mal waschen? Die Sachen stinken.“ In Filmen oder Romanen kommt sowas nie vor, da ist der Held trotz aller Defizite immer sympatisch ausgelegt.
    .
    Und natürlich sollte man eine Sache nicht unterschätzen: es gibt wirklich eine Menge Leute, die so primitive Sachen nicht schlimm finden. Warum bekommt ein Mario Barth das Olympiastadion voll? Bestimmt nicht wegen seiner guten Witze, sondern weil sich soviele in seiner Asozialität wiedererkennen. Musste mir letztens sogar ein Gespräch in einer Christ-Filiale anhören, wo eine Mitarbeiterin von einem Besuch bei Mario Barth schwärmte. Tja, gutes Personal ist eben heute so schwer zu finden…
    .
    Lieber Don, falls Ihnen diese Figur nichts sagt: http://www.youtube.com/watch?v=BeLwGhBwkA0
    Das Thema ist übrigens „Urlaub“. Ach ja, wie Sie bestimmt schon vermutet haben: Barth ist Berliner… und das Volk feiert ihn: http://www.youtube.com/watch?v=ELiHL4fAuag

  122. Ganz früher, gaanz früher,...
    Ganz früher, gaanz früher, sehr jung damals, habe ich gedacht, dass kleiner Finger abspreizen irgendwie, ähhm, na ja, so was wie distinguiert wäre. Dachte ich zumindest. Als ich das da unter damals erwachseneren Mensch als mich selbst so ausprobiert habe, wurde mir zu verstehen gegeben, dass das ja mal so ziemlich bescheuert wäre. Genau das macht man eben nicht. Das ist ja so was von affektiert.
    Zwischendrin habe ich in meiner weiteren Adoslesznphase gelernt, Bierdosen mit der vollen Hand zu umkrallen, weiß auch mittlerweile wie man diverse Weingläser zu Nase und Mund führen zu führen hat (ohne dabei von Nase Mund, Duft, Zitrone, Brombeere, Pferdesattel im Abgang usw zu schwafeln), aber eins ist sicher:
    Der kleine Finger bleibt am Körper!

  123. Dafür haben Sie eine...
    Dafür haben Sie eine Tautologie. Einen Satz mit Nullaussage.
    Immerhin gibt es philosophische Standpunkte, die berechtigte Fragen aufwerfen und Hintergründe zu dem diesbezüglichen Getue der Geld-Herrschaften, der Überbewertung der Form, aufwerfen.

  124. @ Wortschubse: Kinder auf...
    @ Wortschubse: Kinder auf fremden Betten mit Schuhen herumspringen zu lassen deutet einfach nur auf Dummheit und Ignoranz hin. Anders kann ich das gar nicht nennen. Das sind die Leute, deren Kinder auch im Supermarkt Löcher in Joghurt-Deckel picksen dürfen. Ich glaube aber nicht, dass das lediglich ein Unterschichten-Problem ist, solche Leute findet man auch in der Mittelschicht. Im oberen Teil… hoffen wir, dass die Erziehung dort noch einigermaßen funktioniert. Wobei ich das z.B. einem „Prinzen Harry“ von England auch zutrauen würden.

  125. Sorry! Letztes Wort im letzten...
    Sorry! Letztes Wort im letzten Kommentar von mir muss „aufzeigen“ heißen.
    FG

  126. Vielen Dank für den Reminder,...
    Vielen Dank für den Reminder, ehrenwerter Don!
    Der gespreizte Finger korrespondierte vortrefflich mit der nicht in Zwiesel erworbenen Flöte in der sich bereits am frühen Vormittag ein zischender Blanquette aufhielt, und noch bevor er sich zu Tode bringen konnte – in meine Gurgel ergoß. Die damit verbundene Speichelproduktion in weiser Vorausschau mit der zu erwartenden Windrichtung (Westen – trocken und süss – Osten salzig und feucht) liessen Fantasiegebilde fast öbszönem Ausmasses in der klaren Bergluft erscheinen. Später kaltblütig in Rezepte gepresst und am Abend serviert. Finger immer noch abgespreizt… Nackt…
    LG Doktor Benway

  127. Nicht nur der abgewinkelte...
    Nicht nur der abgewinkelte kleine Finger galt als Zeichen der Distinkion, nein, die Gestik der ganzen Hand, also auch die Stellung aller Finger, galt als Zeichen aeusserster Eleganz, und der Darstellung von Emotion.
    Ich habe den Verdacht, das der kleine Finger der besseren Gesellschaft nichts anders ist, als der rudimentaere Abklatsch einer nicht mehr richtig verstandenen hoefischen Kultur.
    Bitteschoen, eine kleine Handstudie mit komischem Drachen und Damen von deren Sorgen wir inzwischen auch keine Ahnung mehr haben:
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=GpwRVzFUeA8

  128. @DoktotBenway: man zeigt doch...
    @DoktotBenway: man zeigt doch nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute! Oder waren die gar nicht…

  129. Der Fisch am Kopf an zu...
    Der Fisch am Kopf an zu stinken. Will meinen: Formen müssen gesellschaftlich vorgelebt und durchgesetzt werden. Und zwar von oben. Nach der Sonne richtet sich die Blume. Wenn die Sonne sich grämt und nicht scheint…
    @enrico: „Finger weg vom Alkohol“ heißt es dann.

  130. <<<zwischen jenen, die Herren...
    <<

  131. @enrico: Nicht nur Sie, kommen...
    @enrico: Nicht nur Sie, kommen Sie mal in meine Koelner Stammkneipe-also eigentlich ein Brauhaus-und gucken Sie sich die Damen beim Biertrinken an. Je reifer die Dame, um so gespreizter der Finger.
    Jetzt muss mir nur jemand erzaehlen, dass Biersaufen eine vornehme Taetigkeit ist.

  132. Was diesen Komiker Barth...
    Was diesen Komiker Barth angeht, so finde ich hier gerade nicht meine Lautstärkeregelung, und ausserdem streikt vermutlich Youtube (man muss nicht alles kennen).

  133. @D.A: Ach, das ist aber...
    @D.A: Ach, das ist aber schade. Dieses kleine Stueck aus Persée wuerde gerade Ihr Herz ruehren. Nun koennen’ses nicht hoeren. Und sehen vermutlich auch nicht.

  134. Platzmangel für alle fünf...
    Platzmangel für alle fünf Finger an der Teetasse verführt zum drängeln. Wo würde denn noch intensiver gedrängelt als in guter Gesellschaft ?
    Einmal ist es immer einmal das erste Mal… da könnte ein Vordrängler mit guten Manieren sich den kleinen Finger, die Fingerkuppe verbrannt haben. Die hier gebündelten Nervenenden haben es ihr/ihm verübelt. Mit Schmerz lass nach, läßt sich jedoch dieses Malheur nicht wieder ungeschehen machen.
    Das Wort „nachhaltig“ mag von Wald und auf der Heide erstmals ausgegangen sein… der Automatismuss des abgespreitzten kleinen Fingers, durch mehrere Generationen hindurch, spricht jedoch hier eindeutig dagegen.

  135. Das ist für mich einer der...
    Das ist für mich einer der schönsten Beiträge, die ich von Ihnen kenne. (Bis auf das gruselige Kürbisteil am Anfang und die bedrohliche Gabel, von der pseudogefärbten Flüssigkeit im Glas gar nicht zu reden)
    Am besten gefällt mir die kleine, weiße Tasse mit Goldrand, obwohl ich auf „Goldrand“ sonst eigentlich gut verzichten kann. Aber dieses Service würde ich auf der Stelle mitnehmen, wenn ich ihm nur daß passende Ambiente bieten könnte.

  136. @Erker: beim Gang auf den...
    @Erker: beim Gang auf den Erker benutzte man selbstverständlich die linke Hand zum Abwischen, weshalb der Handschlag mit der rechten erfolgte. Das Abspreizen des „Gesellschaftsfingers“ lässt sich damit also nicht begründen.
    @Don Alphonso: Da man die Teetassen – wie festgestellt – auf Grund der beengten Platzverhältnisse gar nicht anders anfassen KANN, erübrigt sich jede andere Deutung.

  137. Verehrter Don Alphonso, Sie...
    Verehrter Don Alphonso, Sie sehen mich entsetzt: ein abgespreizter Finger ist ein veritabler Schreck! So etwas würde man bei uns hier oben höchstens noch einer Frau Stöhr durchgehen lassen! – Wie Sie wissen, stehe ich für Klarheit, Vernunft und Aufklärung, und ein so ein rokokohafter kleiner Finger ziemt eigentlich nur dem Parvenue. Hat nicht erst neulich ein gewisser Bendix Grünlich die Familie B. damit im Landschaftszimmer erschreckt?
    Beenden Sie den Mummenschanz: geben Sie zu, Sie wollten Ihre Leser doch nur mal testen, wie weit Sie mittlerweile gehen dürfen, wie weit Wir Ihnen bereits verfallen sind! – Übrigens habe ich noch eine Lektüre für Sie: Antonoius Moonen: ‚Die Welt des Snobs. Kleiner Leitfaden für Debütanten.‘ Nicht daß ich Sie für einen Anfänger hielte, Gott bewahre, es ist aber immer schön zu lesen, daß man nicht allein auf dieser Welt!
    Grüße aus Davos, Ihr S.

  138. @ Don Alphonso (6.8., 16:37):...
    @ Don Alphonso (6.8., 16:37): Die „Löffelschale“ heißt Laffe.

  139. Lieber Don,

    bisher dachte ich...
    Lieber Don,
    bisher dachte ich wirklich (denn ich habe mich damit nie beschäftigt und es wurde mir oft gesagt) das das Abspreizen „schwul“ ist und habe es versucht zu unterbinden. Daher Dank für die Aufklärung, auch wenn ich mir jetzt nicht wirklich besser vorkomme.

  140. Mein Fazit nach der Lektüre...
    Mein Fazit nach der Lektüre aller Kommentare: Die Stützen der Gesellschaft zerbröseln, weil Sie schon über den kleinen Finger beim Teetrinken uneins sind. Und eine Frage stellt sich mir: Gehört der deutsche Adel noch zu den Stützen? Ich hatte mal einen Grafen XYZ zu XYZ als Kollegen, der sich mit einem „Ich geh jetzt kacken“ auf den Weg zum „Häusl“ machte. Ein klassisches Beispiel für aristokratischen Grobianismus.

  141. Vielen Dank werter Don...
    Vielen Dank werter Don Alphonso, für diesen schönen Artikel.
    Ich gehöre nicht zu denjenigen, die die angesprochene Erziehung genossen haben. Ich bin in einem ostdeutschen, sagen wir mal gehobenen Haushalt, aufgewachsen und bin mit dem, was ich dort an Disziplin, Ordnungssinn, Benehmen, Höflichkeit und Anstand gelernt habe, bisher sehr gut gefahren.
    Ich könnte mir denken, dass ich in Ihren Augen während einer Teegesellschaft einige Fauxpas begehen würde, aber Sie würden niemals ein Wort von mir hören, während ich etwas esse, noch meinen Ellenbogen auf dem Tisch sehen.
    Wenn ich in meiner Firma, in der viele sehr gut situierte Personen arbeiten (auch viele vons und zus), in den Speiseraum gehe oder mich in einem der Restaurants in der Umgebung niederlasse, um meine Mittagspause zu genießen, dann wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich die Tischmanieren der gut gekleideten Kollegen beobachten muss, die mit ihrem eingebildeten und herablassenden Benehmen vorgeblich Tieferstehenden gegenüber, glänzen.
    Das geht über die Gabel in der Faust, das angesprochene Sprechen während der Mund noch überquillt vom viel zu großen Stück Rumpsteak, bis zum Ellenbogen der lässig auf dem Tisch liegt, während die linke Hand herunterbaumelt. Was diese Herren und Damen noch so mit ihren Fingern während des Essens anstellen möchte ich nicht näher beschreiben, vielleicht liest ja jemand diesen Beitrag, während er gerade etwas zu sich nimmt.
    In diesen Situationen wünsche ich mir meine Kinder herbei, besonders meine 3jährige Tochter, die im Augenblick öfter betroffene Blicke auf sich zieht, wenn sie mich z.B. im Restaurant (vielleicht etwas zu laut) fragt, warum der Mann am Nebentisch mit vollem Mund sprechen darf.
    Meine Kinder lernen nicht, den Finger abzuspreizen. Mit meiner Tochter habe ich das zwar schon gemacht, wenn sie mich zu ihrer Teegesellschaft eingeladen hat, aber dieser Finger gehört in meinem Umfeld eher in die Kategorie Angeberei, sich für etwas Besseres halten.
    Aber wie Sie in den Beiträgen vieler Vorschreiber sehen, ist die Frage, wofür der abgespreizte Finger steht, selbst in Ihrer Gesellschaftsschicht nicht eindeutig beantwortet.

  142. Wenn ihnen so viel daran...
    Wenn ihnen so viel daran liegt, es steht ihnen frei Ihrem Nachwuchs, so fern Sie sich doch einmal zu solchem entscheiden dieses Distinktionsmerkmal beizubringen. Andernfalls verstehe ich nicht, warum Sie dieser Sitte nachtrauern, tragen Sie ja letztlich selbst durch Untätigkeit zu Ihrem verschwinden bei.
    Oder glauben Sie über Belehrungen durch das Internet lassen sich Menschen zu solcherlei Manieren erziehen? Mag sein das es dem ein oder anderen hier künftig angemessen erscheint. So erkennt man die Leute dann wohl wenigstens als Leser Ihres Blogs.
    Ich indes lebe weiter nach meiner Fasson und überlasse das Tee trinken Alten, Kranken und meiner Frau und schenke mir noch ein Glas Saft ein.

  143. die welt um uns herum ist...
    die welt um uns herum ist radikal. allgemeine ansichten & verhaltensweisen verändert sich radikal. oft ist der don radikal. und irgendwie ist mir einfach nach etwas radikalem. ich überlege nach diesem artikel, was bringt hier ein abgestreckter finger ?
    das ist so ein bisschen, wie mit einem plastikfähnchen in der hand in den kampf ziehen.
    ich glaube, schaum vorm mund ist mir echt lieber, als dieser finger.

  144. Alter Bolschewik, ja, so ist...
    Alter Bolschewik, ja, so ist das. Fraglos ein Zeichen einer dekadenten Endzeit. Hoffen wir mal, dass die anderen Schichten anders denken, wenn die Mehrwertsteuererhöhung kommt.
    .
    Denken, auch Nichtspreizer bekommen keine Kinder. Erziehen will ich gar nicht, ich habe mich nur gefragt, wie diese – auch bei uns schon oft und heiss diskutierte – Frage im Internet beantwortet wird, wo die Siskutanten mutmasslich nicht 80, weiblich und schmucknbehängt sind. Nun weiss ich es: Auch nicht anders.

  145. eine Ansicht, natürlich gibt...
    eine Ansicht, natürlich gibt es darauf keine eindeutige Anwort. Man versuche mal, sich in einer Düsseldorfer Bierschwemme zu benehmen – die würden das selbst als unangemessen und unhöflich empfinden. Im Kern sieht man hier jedoch, wie wichtig dieses Thema immer noch ist – nicht wegen des Fingers, sondern wegen dem, was man daraus ableitet. Interessant wäre es, die Debatte in 30 Jahren erneut zu führen und dann zu vergleichen, ob sich die Fronten verändert haben, oder ob es neue Konfliktherde gibt (Ist Essen mit Gabel dekadent? Warum sollte man nicht in die Tischdecke schneuzen? Ist Porzellan wirklich veraltet?)
    .
    Osterberg, dass ich mich als Chronist eines Niedergangs sehe, steht schon immer ausser Frage. Was den Adel angeht, denke ich, dass meine Einblicke nicht ausreichen, um da ein kompetentes Urteil abzugeben. Nach meiner Erkenntnis gibt es „den Adel“ genausowenig wie „das Bürgertum“.

  146. Die Männnchen gewisser...
    Die Männnchen gewisser Stämme der Papua tragen lange, feste Hüllen auf ihren Penissen. Dies gilt dort als Zeichen guter Erziehung.

  147. malaparte, bitte, man sollte...
    malaparte, bitte, man sollte sich so etwas nicht einreden lassen (was Menschen als „schwul“ abtun, wäre mal ein ganz eigenes Kapitel. Meines Erachtens der ultimative Beweis für die Untauglichkeit, einem vorgestellt zu werden.)
    .
    SD, danke, ich weiss, aber Löffelschale erscheint mir allgemein verständlicher.
    .
    Settembrini, wie Sie vielleicht dem Bildwerk ab und an entnehmen, bin ich ein grosser Liebhaber des Rokoko (ich schreibe dies unter den vergoldeten Resten einen überbordenden Chorgestühls an der Wand). Und ich habe auch absolut kein Problem damit, hier offen über Dinge zu reden, über die man offiziell nicht spricht und sich ansonsten hintenrum das maul zerreisst. Was spräche dagegen?

  148. Allgemeinverbindlich ist in...
    Allgemeinverbindlich ist in diesem Universum ja fast nichts, und solange mein Teegast nicht den Mittelfinger abspreizt darf er gerne an meinem Tisch verweilen.

  149. Rainersacht, lange galt in...
    Rainersacht, lange galt in Europa auch Besteck jenseits des Löffels als unfein. Ja. Doch. Allerdings gehen wir heute wieder zurück in jene Richtung.
    .
    miner, dieser Finger bringt nichts. Aber wenn wir alles streichen würden, was nichts bringt, würden wir mit Plastikgesteck von Pappdeckeln essen, und aus Pappbechern trinken. Immer. Ich würde in so einer Welt nicht leben wollen. Und deshalb bringt der Gesellschaftfinger natürlich etas: Eine Grenze. Darunter gehe ich nicht, auch wenn es nichts bringt.

  150. um gottes willen, verzichten...
    um gottes willen, verzichten sie bitte nicht auf anstand & erziehung. das ist wichtig. verlassen sie nicht die stufe auf der sie stehen. so war das nicht wahrlich nicht gemeint. kein plasik, keine pappe !
    mir fehlte nur der schaum vorm mund, während sie die tasse halten und den finger abspreizen.
    aber ich denke es reicht ja auch, wenn mir die meisten anderen artikel gefallen. und das tun sie ja bekanntlich.
    in diesem sinne, wünsche ich jetzt einen schönen sommertag und freue mich auf den nächsten artikel.

  151. Missino, irgndwo muss man mal...
    Missino, irgndwo muss man mal anfangen, Porzellan ist ein guter Anfang, der Rest entwickelt sich dann ganz von alleine. Und es ist ja nicht teuer, wenn man es erbt, geschenkt bekommt oder auf dem Flohmarkt kauft. Das obige Hutschenreuther Margarete stammt mit seinen über 70 Teilen vom Flohmarkt auf dem Arconaplatz in Berlin.
    realien, das ist eine weitere Theorie. Allerdings ist das Porzellan so dünn, dass man die Hitze dadurch fühlt und erkennt, dass es noch zu heiss zum trinken ist. Kenner können das anhand der Tasse feststellen.

  152. Filou, ja und nein. Es gibt...
    Filou, ja und nein. Es gibt Aspekte der höfischen Kultur, die es tatsächlich nie in das Bürgertum geschafft haben. Meine Vorfahren hatten zwar eine Raumabfolge mit Durchgangszimmern, aber eben noch aus einer Zeit, als hier die Professoren aus dem niedrigen Adel kamen. Das wäre die halbe Miete für ein spanisches Hofzeremoniell gewesen, aber das zweite Stockwerk haben sie dann doch lieber vermietet. Für mich immer noch das schönste Buch über den Niedergang der Hofkultur: Stendhals Kartause von Parma. Ein abgespreizter Finger und eine Handhaltung sollte dagegen kein Problem bei der Umsetzung sein.
    .
    auxtroisglobes, ich denke, da ist der Zug längst abgefahren. Die Gesellschaft ist viel zu fragmentiert und hat jeweils ihre eigenen Regeln und Erlaubtheiten entwickelt. Da hat niemand mehr Interesse daran, sich für etwas anzustrengen, was beim ersten Blick keinen Nutzen bringt.

  153. das ist das schlimme an den...
    das ist das schlimme an den bayern (oder noch fürchterlicher: franken), ihnen fehlt es an weltgewandtheit.
    selbstverständlich wird die friesenmischung aus der untertasse und durch den kluntje (stück kandiszucker) geschlürft und die krabben vor dem essen selbst mit den fingern gepuhlt.
    das einstellen auf fremde kulturen ist auch immer ein lustgewinn und was in meinem hamburger club gilt, gilt eben nicht für die kate auf sylt.
    ich glaube ja, dass berge zwangsweise zu einer bestimmten art von beschränktheit führen müssen.

  154. Aber nein! Hier im Tegernseer...
    Aber nein! Hier im Tegernseer Tal wird alles geplündert, ohne Unterschied: Holländer, Franzosen, Amerikaner, Hamburger, hauptsache, sie sind vermögend. Wir sind da gar nicht so. Aber von der Untertasse trinkt man hier wirklich nicht.

  155. Ja, auch ich weiß: Kultur und...
    Ja, auch ich weiß: Kultur und Zivilisation sind evolutionäre Errungenschaften. Und natürlich: Im Gehen Kaffee aus Pappbechern oder Wasser oder Bier aus Flaschen zu trinken oder in mit schlechtem Fleisch gefüllte Brötchen zu beissen ist für Betrachter widerlich. Aber eben auch Folge des entgrenzten Turbokapitalismusses, der dem Konsument den ständigen Konsum abverlangt – eben auch im Gehen. Dazu wurde ihm eingepflanzt, er/sie habe einen Anspruch auf den Konsum – und zwar jetzt und gleich. Von diesem rückschrittlichen, zivilisationsfeindlichen Verhalten haben ja nun gerade die Fingerabspreizer profitiert, die jetzt ihre Nasen rümpfen.
    Man muss auch mal die Schuldfrage stellen.

  156. Liebe Wortschubse,
    ich gebe...

    Liebe Wortschubse,
    ich gebe zu, ein paar Regale (CD’s) haben wir auch vor dem Zugriff der Kleinen gesichert. Aber bei weitem nicht alles. Und ich sehe auch keinen Sinn darin. Kinder können lernen, dass sie gewisse Dinge nicht anzufassen haben. Und bei allem anderen – nun, da gibt es eben weitere Verknüpfungen im Gehirn, kann nur förderlich für die Intelligenz sein.
    Und wenn ich mit Kind(ern) zu Besuch bin, achte ich auch darauf, wie die Gastgeber eingerichtet sind, und das die Kinder keinen Blödsinn machen. Aber das ist anstrengend und unbequem. Und hier liegt wohl für viele Eltern das Problem. Sie wollen die Mühsal der Erziehung nicht auf sich nehmen.
    Viele Grüße, cvs

  157. Verehrter Nörgler,
    mit Ihrer...

    Verehrter Nörgler,
    mit Ihrer These, es gäbe den deutschen Adel nicht mehr, liegen Sie falsch. Er mag zwar keine Privilegien mehr zu besitzen, aber dennoch gibt es ihn noch. An vielen Beispielen kann man dies sehen:
    Es gibt einen Herrn namens „Graf Schwerin“, von Beruf Immobilienmakler. Für seine Firma verwendete er das Wappen dieses Grafengeschlechts. Dagegen klagte die Familie, mit der Begründung, dass er nur adoptiert sei und somit nach zuletzt gültigem Adelsrecht nicht adlig. Die Familie bekam vor Gericht Recht, die Verwendung des Wappens wurde untersagt.
    Wir sehen also, dass das deutsche Adelsrecht immer noch Anwendung findet. Hauptsächlich bei Fragestellung der Tradition, aber auch bei namensrechtlichen Belangen.
    Weiteres Beispiel: Luise Prinzessin von Beispiel heiratet einen Ronny Muster. Dieser findet ihren Namen so toll, dass er ihn annehmen möchte. Kann er gerne machen, aber dann nach deutschem Namensrecht. Folglich heißt er dann Ronny Prinzessin Beispiel.
    .
    Die von Ihnen erwähnten negativen Auswüchse sind oftmals die überall vorkommenden, berühmten schwarzen Schafe oder, wie ein gewisser Prinz von Sachsen-Anhalt, adoptiert und somit immer noch bürgerliches Pack. Das nur existieren, weil es einen Markt für ihr Auftreten gibt. Was ihr Verhalten nicht entschuldigt, höchstens vielleicht erklärt.

  158. @Osterberg: Da der Adel...
    @Osterberg: Da der Adel früher auch als 1. Stand bezeichnet wurde, gehörte nicht zur Stütze der Gesellschaft, nein er wurde oben getragen. Mit der Weimarer Verfassung hat er sich in die Stützen „eingereit“, jedoch nicht ohne zuvor gewisse Eigenheiten zu konservieren.

  159. @rainersacht
    ich fürchte die...

    @rainersacht
    ich fürchte die Gleichsetzung von KULTUR und ZIVILISATION führt schnell zu Mißverständnissen.
    Erklären wir das mal so:
    Wenn ich mir aus dem Schädel meines Lieblingsfeindes ein hübsches Trinkgefäß schnitze, ist das unbestritten Kultur.
    Komme ich dafür ins Gefängnis, wäre das schon Zivilisation.
    Insofern ist die Annahme, Kultur hätte etwas mit zivilisiertem Benehmen zu tun, vielleicht falsch.
    Schließlich wäre das pappbechern und Fastfood verzehren auch Kultur, so wie auch Begrüßungsrituale einer Hauskatzengruppe von den Verhaltensforschern als Kultur bezeichnet werden.
    Mir geht das mit den Fingern ’so oder so‘ einfach zu weit
    Daß sich Verhalten ändert, und unsere Benimmregeln mit denen der Frühmoderne gar nicht kompatibel wären, dafür habe ich wenig Bedauern übrig.
    Weiter oben wurde der alte Freiherr von K ins Spiel gebracht. Dem schließe ich mich an. Meinen Mitmenschen mit meinem Verhalten in der Öffentlichkeit nicht auf die Nerven zu gehen, wäre die Maxime, bis zu der ich gut folgen könnte.
    MD

  160. @MD
    Nehmen Sie "Kultur und...

    @MD
    Nehmen Sie „Kultur und Zivilisation“ bitte als halbironisch gemeinte Chiffre. Und betrachten bitte Sie den Zusammenhang zwischen dem „Niedergang des guten Benehmens“ und dem völlig entfesselten Konsumismus.

  161. @ cvs und Rest: und manchmal...
    @ cvs und Rest: und manchmal sage ich wg. (meiner) Kinder auch ab, oder lasse sie daheim. Niemand soll (noch) Unmögliches verlangen. Ist besser für alle Beteiligten, einschliesslich der Freundschaft.

  162. MD, zumal der Ansatz von...
    MD, zumal der Ansatz von Rainersacht ja falsch ist. Im Prinzip sagt er ja, dass Fast Food zusammen mit dem „Turbokapitalismus“ aufgekommen ist. Das ist aber falsch. Schließlich besteht „Fast Food“ ja nicht nur aus Hamburgern (die sich, so eine Theorie, übrigens aus dem norddeutschen „Rundstück Warm“ entwickelt haben sollen), sondern auch die deutsche Bratwurst gehört dazu. Und die gibt es nun schon seit Jahrhunderten, die älteste noch existierende Bratwurstbude ist bereits 850 Jahre alt: http://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Wurstkuchl
    .
    Und dieser Zeit möchte ja wohl niemand „Turbokapitalismus“ unterstellen, oder?

  163. Super, super. Bin begeistert!...
    Super, super. Bin begeistert!
    „Tee trinken macht Löcher inne Socken. Amen!“
    Original gehört den Spruch einfacher, fleißiger Bauersleut´ hier im hohen östlichen Norden. Sicher hat das britische Königshaus anno Dunnemal seinem Volk den Tee ersteinmal vortrinken müssen (effektivstes Marketing, funktionierte mit Kaffee auch in Wien, mit Tabak in Preußen), als windige Kaufleute das bittere Zeugs aus den Kolonien anschleppte und damit auch noch viel Geld verdienen wollten. Nichtdestotrotz zeigt sich im Umgang mit diesen Genußmitteln die Manierlichkeit, welche angeblich angeboren, oder eben auch nicht, sein soll (Asfa-Wossen Asserate). Manierlichkeit hat was mit Zurückhaltung, mit Bescheidenheit zu tun. Auch Zurückhaltung zu einer zarten Tasse, zu einem zarten Werzeug eines noch luftigeren Kuchens etc. Der abgespreizte Finger dabei muß nicht sein, die Geste hat nicht einmal Sexappeal, im Gegenteil. Eher was Raubritterburgenhaftes. Aber wie das so ist im Leben: wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. (oder andersherum?)
    herzlichst
    ein Südschwede

  164. @DS: Och, Herr Doktor, man...
    @DS: Och, Herr Doktor, man kann sich die Geschichte natürlich auch so drehen wie man sie zur Erhaltung des eigenen, fest betonierten Weltbildes braucht. Diese Kaffeebuden, die schlechte, parfümierte kaffee-ähnliche Getränke zu überteuerten Preisen in fiesen Pappschnabeltassen für ToGo verscherbeln, sind kaum 20 Jahre alt. „Fast Food“ ist ja nicht gleich Schnellimbiss, das täuscht. Es geht um die Herstellung von Fressmarken, die dem Fresskonsumenten Sicherheit dadurch bieten, dass der Kram immer gleich schmeckt. Also um das Heranziehen von Junkies – auf die eine oder andere Art. Was das mit der Wurstküche in Regensburg zu tun hat oder auch bloß mit dem Heißewurstmaxe der Fuffziger, werden Sie mir sicherlich auf die schlüssige Art erklären, in der Freunde des Kapitalismusses einem alles mit einem spöttischen Lächeln erklären.

  165. @Herr Sacht, ob Sie das mit...
    @Herr Sacht, ob Sie das mit dem völlig entfesselten Konsummismus richtig deuten, ist mir noch nicht ganz nachvollziehbar. ;-)
    Schauen Sie, wenn mein Arbeitgeber hier im germanischen Hinterland kurz vor den slawischen Urwäldern es nicht gerne sieht, wenn ich lange französische Pausen mache und aus denen wohlgenährt im Suppenkoma retourniere, dann hat dass nix mit Konsummismus zu tun, wenn ich mir statt dessen aus der hässlichen Bürotasse Tee in den übersäuerten Magen kippe und zur Erhöhung meines Blutzuckers und damit ich nicht den Kollegen anfalle, denn bei Hunger werd ich ungehörig, schnell noch pappige Brötchen verschlinge.
    Das hat, so sehen Sie es ja auch, was mit Kapitalismus zu tun. Aber etwas mit „auf der falschen Seite von dem Dingens…“
    Mit Zeit und Genuß zu konsumieren _ist_ der heutige Luxus, den sich die besseren Kreise leisten und das Präkariat nicht leisten kann.
    @Herr Hawk
    Tee kam mit dem Ostindienhandel auf die Inseln und war das erste nichtalkoholische Getränk, das die Brits zu jeder Zeit trinken konnten. Da mußte nix vorgetrunken werden.
    Die Alternativen zum Tee waren Bier oder Wasser. Bier wurde schnell schal und Wasser, das wusste man auch damals, hatte ein gewisses Krankheitsrisiko.
    Im 17. Jh. war Tee noch relativ teuer. Tee wurde damals mehrfach aufgebrüht, alte Teeblätter sogar immer wieder getrocknet und mit allerlei Flora und auch Fauna verschnitten. Es gab im 18. Jh. als Tee seinen Siegeszug antrat, eine florierende Teefälscherindustrie auf den Inseln.
    Übrigens, es ist mir entfallen wo, aber ich habe mal gelesen dass sogar der Porzellanboom dem Tee geschuldet ist, da man wegen der Bilge Porzellan beilud, um die Teeladung nicht mit Wasser in Berührung zu bringen. Und so sind wir also wieder bei den schönen Tassen;-)
    MD

  166. @ Rainersacht: komischerweise...
    @ Rainersacht: komischerweise scheinen eine ganze Menge Leute die Kaffee-ähnlichen Getränke zu mögen (da ich kein Kaffee trinke, gehöre ich nicht dazu). Sogar aus Pappbechern. Es gibt ja auch Leute, die trinken Kaffeeersatz in deutschen Supermärkten, kaufen das sogar freiwillig. Es gibt auch Leute, die trinken Heineken-Bier, was einen ehemaligen Kollegen von mir (Holländer) immer nur zum Kopfschütteln brachte. Der konnte es nicht verstehen, dass Deutsche diese Plörre freiwillig trinken, obwohl ihr eigenes Land übersäht ist mit kleinen Privatbrauereien, die köstliche Getränke zubereiten. Ich bin ja auch dafür, dass man die Leute dazu zwingt, einen besseren Geschmack zu entwickeln, sich zum Essen mehr Zeit zu lassen, usw. Aber ehrlich: wollen und können wir die Leute zu ihrem Glück zwingen? Ein Firma wird immer nur Erfolg haben solange sie etwas bietet, was den Leuten gefällt. Deshalb hat Google in China nur einen Marktanteil von 20%. Deshalb hat sich eBay vom japanischen Markt verabschiedet, weil sie gegen die Yahoo Auktionen nicht angekommen sind. Deshalb kaufen Leute Kaffee bei Starbucks: weil er ihnen schmeckt, weil ihnen das Ambiente der Läden gefällt. Das mögen Sie vielleicht nicht verstehen, weil für Sie deutscher Filterkaffee DER Kaffee ist. Oder Sie lieber in der italienischen Espresso-Bar sitzen. Aber lassen Sie den Leuten doch ihren eigenen Geschmack. Übrigens: durch die Rezession hat Starbucks in vielen Ländern schon wieder Filialen schließen müssen.
    .
    Was die „Fressmarken“ angeht: ja, die gibt es. Und das ist für manche Menschen auch gut so. Deshalb hauen sich ja auch tausende von Deutschen jedes Jahr auf Mallorca ihr Eisbein rein und würden die einheimische Küche auf Mallorca niemals anrühren. Ebenso die vielen chinesischen Touristen, die auf ihren Touren durch Europa abends immer in China-Restaurants gehen und europäische Küche seltsam bis ekelig finden – wenn sie diese überhaupt probieren. In gewisser Form auch Fressmarken, nur eben ohne gelbes M darüber. Da stehen keine Konzerne hinter, das ist wahr. Aber der Geschmack ist dennoch betoniert. Kenne das auch aus einer Reihe von Misch-Ehen, wo jeweils eine oder beide Seiten überhaupt nicht offen sind für die Küche des Partners.
    .
    Im übrigen: Sie waren offensichtlich noch nicht im Ausland in Fast-Food-Läden. Sonst wüßten Sie, dass in vielen Ländern auch landesspezifisches Dinge angeboten werden. So kann ich mich in Asien an einen Kimchi-Burger bei McDonalds erinnern, den es nur dort gab. Umgekehrt gibt es auch hier Burger, die sie auf anderen Kontinenten nicht finden. Der Coca Cola Konzern fährt die gleiche Schiene mit landesspezifisches Marken, schon seit vielen Jahren. Dass das alles überteuertes Billigessen oder nicht wirklich gute Brausen sind, geschenkt.
    .
    Die meisten Menschen sind eben nicht offen für Neues oder zumindest nicht permanent. Gehen Sie mal in ein japanisches Restaurant in Frankfurt. Obwohl Japaner in Frankfurt nur einen Bruchteil an der gesamten ausländischen Bevölkerung stellen, sind die Restaurants meistens voll mit Japanern. Und das nicht nur zu Messezeiten. Bei dem Verhältnis Deutsche/Japaner in Frankfurt müssten die Restaurants viel mehr mit Deutschen gefüllt sein, sind sie aber nicht. Haben da etwa viele Deutsche Vorbehalte gegen die globale Marke „Japanisches Essen“? Offensichtlich.

  167. @ MD: Zeit und Genuß ist der...
    @ MD: Zeit und Genuß ist der neue Luxus – ja, das stimmt, zumindest zum Teil. In manchen Gegenden kommt noch „Platz“ dazu. Und Zeit ist eine Sache, die ja nur bedingt stimmt. Wer nicht arbeitet, hat ganz viel Zeit. Er hat also Luxus, den viele als Luxus nicht akzeptieren würden, denn viele verbinden mit Luxus materielle Dinge. Zeit ist also ein Luxus für die Arbeiter und Angestellten.

  168. "... und nur anderthalb...
    „… und nur anderthalb Jahrzehnte später vom Privatfernsehen und vom Anschluss der DDR hinweg gefegt werden würde.“
    .
    Wirkt fast ein bißchen zu billig. Auf Juli/August 1914 ists wohl eher zu datieren. Ende 1918 spätestens. Nie nicht später. Und mit dem Finger wird man geboren. Und verliert kein Wort. (I apologize) (Man lese gffls. in den Tagebüchern Thomas Manns aus der Zeit nach über die plötzliche und bis dahin vollkommen unbekannte „Renitenz“ (und mehr) von Stubenmädchen/Dienstboten … .)
    .
    Kontrast? http://www.youtube.com/watch?v=XSEgFCFZU-Q
    .
    Weiter gilt: ER z. B. nimmmt niemals Stellung zu Fragen des Volkes (Es sei denn, sie wäre ausdrücklich darum gebeten worden…). (Elisabeth Regina – http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_II.)

  169. Dieses Attribut der besseren...
    Dieses Attribut der besseren Kreise mußte ich nie erlernen; ich habe es schon immer von klein auf so gehalten.
    Ganz unbewußt.
    Darf ich mir darauf jetzt etwas einbilden ?
    Bei Tisch werde ich manchmal darauf angesprochen weil es auf meine Umgebung so ungeheuer affektiert wirkt.
    Ich denke es lag an der Vorliebe meiner Mutter für zierliche Porellantassen und an meinen reichlich bemessenen Fingern.
    Es ging in der Tat gar nicht anders.

  170. Mehr noch: Einen wirklichen...
    Mehr noch: Einen wirklichen Herrn meine ich auch weiterhin daran zu erkennen, dass er sich den Finger in Gesellschaft von „Volk“ (Lagerarbeitern, LKW-Fahrern usw.) unauffällig, liebevoll und verstehend verkneift. Also sein Augenmerk, wenn überhaupt, auf ein stattfindendes „Nicht“ legt. Nie nicht anders.
    .
    Und einen wirklichen Herrn erkenne ich, so meine ich, ggfls. auch daran, dass er mit den von Don genannten Schichten (Büro, jedwede heutige Art davon) keinen Kontakt hat. Nicht in Berührung kommt. (Ausnahmen bestätigen die Regel: Und dann auch gerne, eben loving & caring, wie voranstehend gesagt.)

  171. Wo doch die gute Gesellschaft...
    Wo doch die gute Gesellschaft fast ausstirbt … noch einer, dem der Finger fehlt, Jim Morrisson, hier:
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=cmv6cx-OAug&feature=related.
    .
    Hält das Mikro ganz ungezogen mit beiden Händen.
    .
    „… The killer awoke before dawn, he put his boots on
    He took a face from the ancient gallery
    And he walked on down the hall
    He went into the room where his sister lived, and…then he
    Paid a visit to his brother, and then he
    He walked on down the hall, and
    And he came to a door…and he looked inside
    Father, yes son, I want to kill you … “
    .
    http://www.lyricsfreak.com/d/doors/the+end_20042686.html
    Waqs für texte mal erlaubt waren… . Und auch „Gesichter von der ancient gallery nehmen“ konnte der ganz gut bis vorbildlich. (*g*)

  172. Sehr geehrter Don...
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    haben Sie bei der Gegenüberstellung der Cafe to go Trinker und der Menschen die ihren Cafe oder Tee stets aus Porzellan Tassen trinken nicht diejenigen vergessen, die ihren Cafe oder Teeaus der mitgebrachten Thermoskanne in einen Edelstahl Becher schütten und dann aus diesem trinken.
    (Und häufig in Pensionen ohne Pool(!) oberhalb von Meran oder in Bad Wiessee übernachten und mit der Bahn oder dem Bus fahren.)
    Gibt es nur noch wenige von diesen Menschen( die keine Fahrräder über die Bahnhöfe schleppen und nicht Ökologisch beseelt sind)? Ihnen scheinen sie
    ja nicht aufgefallen zu sein.

  173. Lieber Don,
    mein Verdacht...

    Lieber Don,
    mein Verdacht scheint bestaetigt, dass Sie versuchen, die soziale Segregation auf die Spitze zu treiben, indem Sie eine Schicht von FAZ lesenden Moechtegerns mit affektierten Pseudo-Manieren heranziehen. Lustig ist es jedenfalls.
    Meine Grossmutter haette mir als Kind den kleinen Finger gebrochen, wenn ich es gewagt haette ihn abzustrecken. Oder fast jedenfalls. Wir sind hier doch nicht bei Doktor Huber oder Notar Meier.
    Siegelringe werden an der linken Hand getragen, man koennte sonst nicht schreiben… und auch die traegt man eigentlich nicht

  174. Ihr Verdacht ist angesichts...
    Ihr Verdacht ist angesichts einer angenehmen Debatte eine nicht wirklich erwünschte Einmischung und reichlich deplaziert. Wenn ich hier jedem Verdacht Ausdruck gäbe, hätte ich viel zu tun, und bei Ihnen gleich anzufangen. Zum Beispiel, dass Sie sich auch wie jemand lesen, dem die Grossmutter das Abbrechen der Finger androht.
    .
    Thermoskanne, man mag es nicht glauben, aber ich habe eine Thermoskanne. Ja, ich gebe es zu, sie ist üraktisch. Ich brauche sie auf ausgedehnten Touren zum Warmhalten des Tees. Nicht überall bin ich in der Lage, frischen Tee zu kochen. Ich habe aber auch eine spezifische Silberkanne für den Sunbeam, wie auch Porzellan. Und dann wird natürlich umgefüllt.

  175. Ich kenne niemanden, der die...
    Ich kenne niemanden, der die FAZ wegen Ihres Blogs abonniert hat oder sie am Kiosk kauft.
    Also spreizen Sie doch Ihren kleinen Finger ab, solange Sie es noch können.

  176. Ich kenne niemanden, der ein...
    Ich kenne niemanden, der ein Medienprodukt ganz allein wegen eines einzigen Autors erwirbt oder aufsucht. Die Zeiten sind seit der Fackel und Tucholsky vorbei, und selbst bei der Tempo waren es nicht Biller, Kopf und Glaser allein. Wie auch immer: Das ist die Statistik aller FAZ-Blogs:
    .
    http://faz-community.faz.net/statistics.aspx
    .
    Und es ist sicher nicht so, dass es keinem behagt:
    .
    http://stralau.in-berlin.de/blog/2009/02/25/stutzen-der-gesellschaft/
    .
    Insofern sind Sorgen und Wünsche um ein Ende meiner Betätigung hier nicht wirklich angemessen. Sie werden mich vermutlich auch nach weiteren 99 Beiträgen hier antreffen.

  177. Ich hoffe doch sehr. Einer...
    Ich hoffe doch sehr. Einer davon wird von rollernden Kindern und deren Erzeuger handeln, gell?
    Funktioniert Ihr YouTube wieder?

  178. Werter Don,
    lesenswert, Ihr...

    Werter Don,
    lesenswert, Ihr Fingerzeig.
    Der technische Aspekt dieser Angelegenheit irritiert mich jedoch ein wenig, setzt man sich doch in Gesellschaft beim Formal Tea paradoxerweise der Gefahr aus, mit erwähntem Finger unbeabsichtigt auf das satisfaktionsfähige Gegenüber, jenes damit inkommodierend, zu deuten.

  179. Ach kinners. entspannt euch!...
    Ach kinners. entspannt euch! Es ist Wochenende und die Etikette schwindet eh im Grillfeuer! Bis Montag im Büro! :)

  180. Don Alphonso (miner, Alter...
    Don Alphonso (miner, Alter Bolschewik) – ich las gerade Ihre Verwunderung darüber im Rebellmarkt, daß ausgerechnet der Artikel über die Nichtigkeit des Gesellschaftsfingers mehr Resonanz hervorruft, als Artikel mit sinnvolleren Themen. Ich finde das auch seltsam, wobei sich einige Beiträge vor Ihrem Urlaub ja durchaus größerer Resonanz erfreuen konnten. Abgesehen davon, daß ich selbst einige Tage am Wörthersee verbracht habe, hatte ich keine Energie, mich mal wieder an der Vermögenssteuerdiskussion zu beteiligen – auch wenn dies sicher Reaktionen der Leserschaft provozieren sollte. Die Vermögenssteuer ist einfach ermüdend und es gibt sowiso schon viel zu viele Steuern. Vielleicht liegt es auch daran…
    .
    Lustig am Gesellschaftsfinger ist übrigens das völlig unterschiedliche Empfinden, auch all derer, die auf vorzügliches Benehmen ein besonderes Augenmerk legen. Es ist eben alles im Wandel und Moden unterworfen, auch die Haltung des Fingers gewisser Gesellschaften.
    .
    Ich traf zum Beispiel in USA auf Unverständnis, weil ich Pizza mit Messer und Gabel speiste. Aber dort läßt man die linke Hand ja auch unter dem Tisch. Übrigens nicht „im Schritt“ wie hier gemutmaßt wurde, sondern am Colt…

  181. codizil, so weit kann man den...
    codizil, so weit kann man den Finger kaum spreizen, da sehe ich keine Gefahr.
    .
    mawu, das ist jetzt nicht nur auf diese Beiträge bezogen, sondern ein generelles Gefühl. Mir ist das relativ egal, weil man gemeinhin sagt, dass mehr als 50 Kommentare ohnehin die Obergrenze des Lesbaren sind. Dass es hier „besser“ läuft, ist schön, und es entwertet keine Debatte. Und es hat auch keinen Einfluss auf meine Themenwahl. Ich bin nur überrascht, wenn absolute Randthemen wie das hier dann solche Debatten nach sich ziehen.

  182. Man versuche mal, sich in...
    Man versuche mal, sich in einer Düsseldorfer Bierschwemme zu benehmen – die würden das selbst als unangemessen und unhöflich empfinden.
    .
    man hätte sich dann an diesem ort unter diesen menschen falsch benommen, richtiges benehmen hängt vom ort und von der gesellschaft ab.
    .
    ist nicht das dauernde, womöglich noch sichtbare, bemühen um richtig nicht das eigentliche merkmal des unsicheren eindringlings, des parvenüs?
    ist es nicht das zeichen dessen, der dazugehört, und auch des arrivee, dass er es eben instinktiv (eine gute erziehung schult diesen instinkt) richtig macht? und, gutes benehmen in vollendung, mit noch besserem instinkt seine fehler so begeht, dass ihm niemand darüber böse ist. souveränität ist, glaube ich, das stichwort.

  183. Meine Souveränität druckt...
    Meine Souveränität druckt sich aus, indem ich einfach nicht in eine Bierschwemme gehe. Ich trinke ohnehin keinen Alkohol.
    .
    perfekt!57, das soll jetzt nicht nach sozialer Apartheid klingen, aber natürlich sind die Momente der Überschneidung solcher Kreise selten. Und ich glaube auch, dass es von beiden Seiten zu sehen ist. ich habe mal über die Frage berichtet, wie man sich gute, alte Dinge für die Wohnung beschafft. Die Reaktionen reichten vom typischen „schwul“ bis zum ebenfalls typischen „im Museum möchte ich nicht leben“. So ist das nun mal. Ich habe durchaus versucht – und versuche noch immer – zu erklären, warum man dauerhafte Dinge gebraucht kaufen soll. Es sind die anderen, die zu Ikea rennen.

  184. Don Alphonso. Grossartig die...
    Don Alphonso. Grossartig die Ressonanz auf Deinen Beitrag zum kleinen Finger. Die Engländer haben diese Sitte nicht nur in guten Kreisen von Europa eingeführt, ich war erstaunt, dass selbst innerhalb der Upperclass von Indien dieser Habit aus früheren Zeiten nach wie vor praktiziert wird. – Im Palast von Udiapur, vor bald 40 Jahren, wurde ich auf meiner ersten Jugendreise (Grand Tour) nach Indien mit lachenden Gesichtern auf die kleine Finesse oder den „kleinen Unterschied“ hingewiesen, nachdem man meinen kleinen Finger beobachtet hat…. Die damalige afternoon tea ceremony (masala chai with milk and sugar – sometimes scented) mit green Tea Muffins, Cookies, Sandwiches, Cakes etc. in festlicher indischer Gesellschaft mit betont britischem Understatement hätte noch heute Vorzeigecharakter für unsere zivilisierte westliche Kutur. Bis zum heutigen Tag hat sich da nichts geändert.

  185. @Doctor Snuggles: Nun ist die...
    @Doctor Snuggles: Nun ist die Frage nach „dem Geschmack“ „der Leute“ schon ein bisschen off-topic. Und Ihre Bemerkung, „die Leute“ würden das Starf*ck-Zeuch freiwillig trinken, ja bestenfalls blauäugig. Sie wissen vielleicht, dass es eine weltweit operierende Schmarotzerbranche gibt, deren Aufgabe es ist, „den Leuten“ einzureden, dass McD-Produkte und dergleichen genau ihren Geschmack trifft. Diese dreimal verfluchte Branche bedient sich dabei den bekannten Tricks der Gehirnwäsche. So wird z.B. „Leuten“ zwischen etwa Mitte Zwanzig bis etwa Ende Dreißig systematisch suggeriert, sie würden nur dann glücklich, wenn sie DAZU gehören würden. Wozu wird nicht erklärt, sondern als wunderbares Bild aus der Warenwelt gemalt. Wer DAZU gehört, ist jung, cool und hat jede Menge Geschlechtsverkehr. Für diese Gehirnwäsche werden im Bereich Systemgastronomie weltweit jährlich Dollars im fast zweistelligen Milliardenbereich rausgehauen.
    Klar, sollen „die Leute“ doch mögen, was sie wollen. Auch Kimchi-Burger. Oder Kaffee, der aus Papierkissen gepresst wird. Aber erzähl mir doch keiner, die Produkte würden entwickelt, weil die Konsumenten danach schreien. Das anzunehmen ist doch gerade im Bereich der Esskultur mindestens naiv, wenn nicht bewusst lügend.

  186. @Don Alphonso,
    ein kurzer...

    @Don Alphonso,
    ein kurzer Selbsttest nach dem Muster der Bilder 2 und 4:
    Ergonomisch komfortables Abspreizen ist bis zu einen Winkel von c 45° zur gedachten Linie (Punkt mit dem größten Henkelabstand auf der Ebene des Tassenrandes zu Punkt des Henkelansatzes gespiegelt in der Ebene des Tassenrandes) darstellbar, weniger komfortabel aber noch nicht absolut unzumutbar ist ein „Abspreiz“winkel von c 60°.
    In einer kleinen Gesprächsgruppe wird man damit im Halbrund zwangsläufig einem Gegenüber den Gesellschaftsfinger zeigen.
    Wollte ich bei meiner Frühstückskaffeetasse (Gesamtgewicht bei vorschriftsmäßiger Befüllung ca. 700,0) den Finger abspreizen, müßte ich das ganz bewußt tun, es ergibt sich einfach nicht so automatisch wie bei einer zierlichen Tasse. Manchmal bedingt die Form schon eine gewisse Vorgabe für die Handhabung des Gegenstandes.

  187. Wie sagte Churchill? Wir...
    Wie sagte Churchill? Wir Engländer haben die Deutschen entweder an der Gurgel oder an den Füßen. Die Kommentatoren hier sind eher die an den Füßen.

  188. Nichts gegen den guten...
    Nichts gegen den guten Churchill, aber in der Form ist das etwas unverständlich. man wird ja wohl noch über solche Themen reden dürfen, ohne sich gleich anzuschreien.

  189. Schrie der Churchill? Bei dem...
    Schrie der Churchill? Bei dem Raucherhusten? Aber zum Thema: Wer die Briten imitieren will, sollte zuerst mit dem schwanzwedelnden Verehren aufhören, denn das tut kein Brite.

  190. Irgendwie fände ich es nett,...
    Irgendwie fände ich es nett, wenn man jedem seine meinung lassen würde, solange sie nur vernünftig vorgebracht wird. Man ist kein Held, wenn man hier sagt, dass man nicht spreizt, man ist kein Kriecher, wenn man zustimmt. (Oder was auch immer dazwischen liegt).

  191. codizil, ich habe es jetzt mal...
    codizil, ich habe es jetzt mal mit russischen Teegläsern in Silberhaltern versucht, die ich für heisse Zitrone verwende – da ging es ebenfalls nicht. Allerdings bedeutet „in gesellschaft“ ja auch zumeist „mit kleiner Teetasse“.
    .
    Bruno, das Erstaunliche ist ja, dass europäische Traditionen am besten dort gepflegt wurden, wo sie nicht heimisch sind. wer einmal junge Südkoreanerinnen oder Japanerinnen beim Schuhkauf in Verona gesehen hat, wo die Schuhe absolut nicht zum Strassenbelag passen, versteht, was ich meine.

  192. @ Don: Genau. Bliebe es nur...
    @ Don: Genau. Bliebe es nur bei der „Zustimmung“.

  193. sterne, bleibt es nicht. Die...
    sterne, bleibt es nicht. Die Briten haben nunmal Vorzeigecharakter für unsere zivilisierte westliche Kutur, das muss man (ver)ehren!

  194. Lieber Rainersacht, das Bild...
    Lieber Rainersacht, das Bild der bösen Konzerne, die durch Gehirnwäsche der Werber ihre Kunden dazu „zwingen“ ihre Produkte zu konsumieren, ist sehr stark überzeichnet. Sie haben zwar die grundsätzliche Systematik richtig erkannt, verkennen hingegen, daß es völlig normal für jede Person oder Firma ist, für sich zu werben. Für Ihre Angebetete stellen sich ja auch auf alle erdenklichen Weisen so positiv wie möglich dar.
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    So, wie man nicht zu jedem Abendessen einen Barolo öffnet, und zwar schon aus rein praktischen Gründen, so hat auch eine Mahlzeit bei McDonald’s seine Existenzberechtigung. Man muß sich ja nicht davon ernähren, aber es ist doch irrational, Pommes Frites und ein Brötchen mit Hackfleisch zu verteufeln oder minderwertiger als eine fettige Currywurst darzustellen.
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    Es gibt genügend Menschen, die fettige Currywürste auch ohne Milliardenetat gerne essen, es ist also unlogisch anzunehmen, daß andere Hamburger und Pommes Frites nicht mögen können.
    .
    Image, entstanden durch Werbung, das Gefühl dazu zu gehören, oder ein besonders gutes Produkt zu kaufen, das ist ja auch etwas Wert. Die Hersteller haben viel Geld in Werbung investiert. Dieser „Wert des Images“ ist eine zur Diskussion gestellte These, aber ist es denn wertlos, wenn der Konsument zufrieden ist und sich gut fühlt? Denn wäre XYZ nicht beworben worden, hätte jener Konsument eben „irgendetwas“ gegessen und sich vielleicht nicht speziell darüber gefreut…

  195. Don Alphonso, ich weiß nicht,...
    Don Alphonso, ich weiß nicht, aus was für einer Familie Sie stammen. Hier jedoch würden ihre Darstellungen als unhöflich und aggressiv aufgefasst werden, ja, vermutlich würde man Ihnen ob ihrer Willigkeit, sich als Mitglied einer gewissen Gesellschaftsschicht erkennen zu geben, einen Mangel an Selbstbewusstsein attestieren und vielleicht sogar Ihren gesellschaftslichen Status in Frage stellen. Man hat es hier es hier nicht nötig, den unteren Klassen zu singalisieren: „Wir sind beser als Ihr“. Man weiß es.
    Und bevor Sie diejenigen, die „im Büro ihre Becher leerschlucken“, so voreilig kritisieren, erwägen Sie folgendes: Sie hatten das Glück, in eine Situation hineingeboren zu werden, in der Ihnen Ihre Familie ermöglicht, am Tegernsee zu wohnen und sich ihrer stilvollen Besitztümer zu rühmen. Ihr Verdienst ist das aber nicht. Stellen Sie sich einmal vor, Sie, der gleiche Don Alphonso, wären der Sohn eines einfachen Düsseldorfer Versicherungssachbearbeiters – dann müssten Sie Ihre Existenz selbst finanzieren (und das meint alles, von Auto über alle genutzen Immobilien bis hin zu den Biedermeier Möbeln, die Sie, wie ich mir gut vorstellen kann, dank irgendwelcher Beziehungen umsonst kriegen). Und dann stünden Sie vielleicht tatsächlich bei einer Tageszeitung im Büro, und – man mag es ich kaum vorstellen – tränken zwischendurch die ein oder andere Tasse Kaffee.

  196. Debütant, das würde man auch...
    Debütant, das würde man auch bei uns nicht machen und wenn, dann allenfalls hintenrum und auch nur so, dass es zwar jeder mitbekommt, aber es keiner gesagt hat. Würde ich das aber bei der FAZ genau so halten, gäbe es das Blog oder zumindest die spannendsten Diskussionen nicht. Meine Freundin Susi meint, dass ich im Kern dafür angestellt bin, mich daneben zu benehmen. ich tue das gern, denn ich halte ungern den Mund und werde trotzdem dort eingeladen, wo ich eingeladen werden möchte.

  197. Granted. Es handelt sich bei...
    Granted. Es handelt sich bei diesem Blog ja auch mehr oder weniger um ein Kunstprodukt.
    Was aber zu meinem zweiten Kritikpunkt Ihres unterhaltsamen Beitrags?

  198. Sie weden lachen: In meinem...
    Sie weden lachen: In meinem Clan sind viele Sammler und zwar mehr, als es Biedermeiermöbel gibt. Das heisst, ich muss mir meine Dinge in aller Regel selbst kaufen, wenn ich nicht gerade etwas erbe, was aber recht selten ist. Nicht alles kaufe ich, den Histiorismus und Jugendstil bekomme ich schon geschenkt, und tatsächlich verdanke ich meine „grossen“ Sofas einer gewissen Bekanntschaft – aber ich zahle selbst und arbeite selbst. Umgekehrt: Auch Düsseldorfer verwaltungsangstelltensöhne haben genug Geld, sich das zu leisten, wenn sie nur bereit sind, sich darauf einzulassen. Selbst Versteigerungen sind nicht teurer als das normale Möbelhaus.

  199. Sie sagen es, Don Alphonso,...
    Sie sagen es, Don Alphonso, man muß sich auf das Meiste eben nur einlassen. Ich selbst zum Beispiel scheue absolut keine Kosten bei vielerlei Dingen. Trotzdem habe ich von meinen Eltern Anfang der 70er Jahre in Der Einrichtung gekaufte Sofas übernommen; Mario Bellini Design, B&B Italia, mit einer Schale aus weißem Kunststoff und Polster aus schwarzem Cord. Auch zu besichtigen in der Pinakothek der Moderne. Dazu noch der passende Couchtisch und Beistelltische von Artemide, solche fand ich übrigens letztens beim Sperrmüll. Preis für alles: praktisch Null. Sie werden diese Dinge sicher nicht mögen, vielleicht sogar verachten, aber ich habe eben auch ein Faible für modernes Design. In mir schlagen da zwei Herzen…

  200. <p>Ich finde persönlich, dass...
    Ich finde persönlich, dass das von Ihnen angepriesene Geschirr zu einem Großteil einem sehr engen Geschmack entspricht. Es ist vermustert, verblümt und die Dynamik der Linien eher erinnert an kleine Welten, als an den großen Geist.
    Es ist hübsch, Ihre enge und manchmal doch auch weite Gedankenwelt zu erkunden. Ein wenig in Geschichte zu tauchen und die Scheuklappen-Auf-Sich-Selbst-Bezogenheit der von Ihnen geschilderten Tradition kennenzulernen.
    Eine gewisse Menschenfeindlichkeit muss nicht erst unterstellt werden, da sie Absicht ist. Fragwürdige Teetassen und Weizen-Konglomerate im Sonnenuntergang sind aber vielleicht eher nicht das, was die Tradition kennzeichnet, die beschworen werden soll.
    Geht es nicht eher um die großen Ideen, den Wagemut des Explorierens oder auch die Verantwortung, die jene Menschen formte, auf die Sie sich berufen? Eine Klasse, die sich zu irgendeiner Zeit aus ungewissen Gründen auf formale Aspekte festgelegt hat, die heute als verspielt, kleingeistig und – ja – auch kleinbürgerlich beschrieben werden müssen.
    Schreiben Sie doch lieber über den verloren gegangenen Entdeckergeist, über den Mangel an Wagemut und die neumodische innere Einengung, anstatt sich auf Finger-Symbole und Blumenmuster festzulegen, die evolutiv und langfristig in der Tat in der Bedeutungslosigkeit versinken werden.
    Konstruktiver, gestaltender Innovationsgeist ist ein sinnvolleres Investment.

  201. <p>Ach je. Auch auf die Gefahr...
    Ach je. Auch auf die Gefahr hin, Sie unterzubügeln: Die Welt ist immer klein, und das ist auch in Ordnung so. Die wenigsten reichen Menschen verdanken den Reichtum einer Entdeckung oder grossen Würfen, die meisten haben einfach sehr viel mehr verdient als ausgegeben. Und wenn man das beherzigt, passt es auch wieder zusammen. Sie machen aber einen schweren Fehler, wenn Sie Oberflächen einfach so abtun: Die Nacken neureicher Grosskotze mit Visionsgeschwafel sind bevorzugte Abstellgelegenheiten für die Schuhe solcher Leute. Sie müssen sich nicht anpassen, und Sie müssen das nicht mögen. Aber zu glauben, woanders ginge es besser oder innovativer zu, ist vorsichtig gesagt überoptimistusch. Setzen Sie sich als 55-jähriger Kraftfajrer mal in das St. Oberholz, dann verstehen Sie, was ich meine. Der kleine Unterschied ist: Ich bin ehrlich. Konstruktiver, gestaltender Innovationsgeist ist ein zuerst mal nur dummes Geschwätz, solang da nicht mehr als die Forderung dessen kommt.
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    mawu, das Sofa und die Sessel am Tegernsee sind Teak und dänisches Design. Das 20. Jahrhundert ist ja nicht per se schlecht.

  202. Werter Don Alphonso,
    Susi muß...

    Werter Don Alphonso,
    Susi muß ich unbekannterweise bei dieser Wertung nahezu uneingeschränkt zustimmen. Was wäre dieser Blog ohne Ihre gelegentlich eingestreute, durchaus gesellschaftsverträgliche Provokation?
    Das Gespür bei vermeintlich banalen Themen, Ansatzpunkte für eine angeregte und gelegentlich originell unterhaltende Diskussion freizulegen, sollte man nicht geringschätzen.

  203. <p>Mir ging es mitnichten...
    Mir ging es mitnichten darum zu sagen, dass es woanders besser und innovativer zuginge. Es ging es einfach darum zu sagen: Warum hängen wir fest und setzen uns mit Dingen auseinander, mit denen sich bereits tausendfach auseinandergesetzt wurde?
    Unsere Kultur und die Gedankentheorie über diese Kultur sind reichhaltig und mannigfaltig.
    Die Erwähnung des gestaltenden Innovationsgeistes war nicht bezogen auf Kleinigkeiten und Utopien. Ist es nicht so, dass wir uns ganz praktisch eher beschäftigen mit bürokratischen Abläufen denn mit der Auseinandersetzung mit Ideen und Entwürfen? Hier geht es nicht um globale Re-Definitionen. Feinjustierung und bessere innere Korrelation bewegen sich im eher möglichen Bereich, denn im Utopischen. Diese Potentiale – so mein Eindruck – werden Tag für Tag verschenkt. Weil wir uns nicht koordinieren entwickeln wir nicht. Weil wir zu viel ko-ordinieren wird Entwicklung gebremst. Ein schwieriger Zusammenhang also.
    In Bezug auf Wissenschaft, Wirtschaft und Lebensqualität bedeutet das: Klasse könnte ein Anreiz sein für Qualität. Geschmack und Kultur sind Teil eines Schulunterrichts, der gleichzeitig offen ist für mögliche Entwicklungen. Produkte sind nicht eindimensional, sondern so ausgelegt, dass die mögliche Diversität der Entfaltungen mitgedacht ist (Apple macht das ganz gut). Ideen können sich grundlegend entfalten, solange sie nicht destruktiv sind. Etc.
    Ich anerkenne ihre Bewegung durch den ländlichen Raum, über Wiesen hinweg und zwischen Menschen, die gleiche Ideen teilen. Gleichzeitig erscheint es mir notwendig, dass ihre Ideen und die unzähligen Kommentare dazu nicht nur den Feuilleton füllen, sondern auch – irgendwie – gesamtgesellschaftlich in Bezug auf bestehende Möglichkeiten überdacht werden. Demokratisch natürlich und nicht – post-feudalistisch.

  204. "Warum hängen wir fest und...
    „Warum hängen wir fest und setzen uns mit Dingen auseinander, mit denen sich bereits tausendfach auseinandergesetzt wurde?“
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    Nun, ich mache das so, wil es mir Spass macht. Ich hänge nicht fest, ich finde es amüsant, und versuche auch nicht, andere mit einem feuchten „wir“ anzusabbern. Das „wir“ ist sowas wie das Schlürfen des Diskurses. Ich erzähle Geschichten und dresche keine Phrasen, deren Lektüre hier nicht zum Thema passt und meines Erachtens nur zur Promo des eigenen Blogs dient. Ich würde Sie also bitten, die „Dirversität Ihrer Entfaltung“ vielleicht nicht ganz so überheblich anzubringen, das hier ist, wie es ist, und wem es nicht passt, sollte sich erst gar nicht invitiert fühlen. Sollte ich aber auch mal solche Phrasen absondern, bitte ich um korrigierenden Hinweis. So ist es einfach nur am Thema vorbei, und für solche Ego-Nummern ist dieses Blog nicht da.
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    codizil, das Amüsante ist ja: es gibt keine Selbstverständlichkeiten mehr, und auch keine allgemein gültigen Vorstellungen. Insofern ist es kein Problem, dergleichen zu finden. es ist dauernd anwesend.

  205. Ich bin fasziniert. Wirklich....
    Ich bin fasziniert. Wirklich. Ohne jede Ironie. Diese Petitesse des Don, die, bei Lichte betrachtet, noch nicht einmal einen wirklichen Inhalt hat (also ich könnte mich über die Teesorte – Schrader Nr.6 – oder die Ziehdauer – 3 Minuten – mit anderen in die Haare kriegen, aber doch nicht über die Frage, ob man beim Trinken den Finger abspreizen soll), gehört zu den drei von neunundneunzig Artikeln, die bislang die Marke von 200 Kommentaren geknackt haben. Davon war einer außer Konkurrenz (der Text über Killer-Computerspiele) und der andere handelte von etwas noch Bedeutungsloserem wie dem Gesellschaftsfinger: Der Einstellung einer Zeitschrift namens „Vanity Fair“.
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    Die spannende Frage ist schon, warum fühlen sich so viele Leute bemüßigt, zu so einem Thema einen Kommentar abzugeben? Ich habe nicht wirklich eine Antwort darauf, aber ich will eine Hypothese in den Raum werfen, und vielleicht gibt’s ja, trotz der bereits viel zu hohen Kommentarzahl, Widerspruch oder Zustimmung.
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    Als ich hier zum ersten Mal meine Verwunderung ob der regen Kommentartätigkeit zu diesem Beitrag kundgetan habe, warf der Don die Bemerkung ein, daß es das Symptom einer „dekadenten Endzeit“ sei. Ich würde in der Diagnose vielleicht nicht ganz so weit gehen, aber ich glaube, daß es gerade im Mittelstand ein ziemliches Gefühl der Machtlosigkeit gibt angesichts der Richtung, die die gesellschaftliche Entwicklung nimmt (und im Großen und Ganzen kommentiert hier der Mittelstand, Leute mit Bürojobs, die es sich erlauben können, während der Arbeitszeit Don Alphonso zu lesen). Angesichts von Globalisierung, Wirtschaftskrise etc. herrscht in dieser Schicht ein Klima der Ohnmacht, dem ein Schuß reale Angst beigemischt ist. Man lacht zwar über die Schickedanz und ihren angeblichen Hartz IV-Lebensstandard, aber insgeheim lebt man in der Furcht, das Hartz IV-Schicksal könnte auch an die eigene Tür klopfen. Und das Schlimme ist: Man kann dieser Furcht nicht durch eigenes Handeln begegnen. Und gerade dieser Schicht, die gern der Illusion aufsitzt, ihre gesellschaftliche Position verdanke sich nicht dem Zufall, zur rechten Zeit im richtigen Milieu geboren worden zu sein, sondern ihrem eigenen, zielstrebigen Handeln, macht diese Ohnmacht gewaltig zu schaffen.
    .
    Und genau für diese Schicht, die nicht wirklich das Vermögen hat, eine globale Wirtschaftskrise auszusitzen, werden die Abgrenzungsrituale zu Gesellschaftschichten, denen man auf einmal ungemütlich nahegerückt ist, in der Krise zur psychischen Notwendigkeit. Wie belanglos diese Abgrenzungen dabei sind, spielt überhaupt keine Rolle, solange man wähnt, wenigstens in diesem Bereich das Heft des Handelns weiterhin in der Hand zu halten. Und deshalb werden hier mit einer Vehemenz Debatten über einen Bereich des Handelns geführt, in dem man zwar tatsächlich Entscheidungen treffen kann, diese aber praktisch keine gesellschaftliche Relevanz haben.
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    Das ist, wie gesagt, nur eine Hypothese. Wenn jemand eine bessere hat, nur her damit.

  206. @ Don
    "es ist dauernd...

    @ Don
    „es ist dauernd anwesend.“
    gnihihi; danke für soviel Toleranz.
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    @Mika
    Hoffentlich haben Sie nicht zuviel Arbeit in dieses Konvolut von Gemeinplätzen investiert. Das kann man mittlerweile, auch Ihr Interesse wahrend, outsourcen:
    http://www.kleinebroetchen.de/spruchklopf/f067-aufruf-klopfomat101audio.htm

  207. Alter Bolschewik, ich sehe...
    Alter Bolschewik, ich sehe keine Korrelation zwischen Angestelltentum mit grassierender Unsicherheit und Diskussionen über Gesellschaftsfinger. Es ist schon die Grundlage Ihrer These fraglich, ob die Leserschaft hier überhaupt aus dem von Ihnen angenommenen Personenkreis besteht, ich würde nichteinmal von Schicht sprechen.
    .
    Vielmehr sehe ich einen Zusammenhang zwischen der Erwartungshaltung der Leserschaft und der Kommentierungsintensität. Auch Don Alphonsos Blog ist eben nur ein Produkt und wird konsumiert, die Leserschaft einer Modezeitschrift etwa hat wiederum eine spezifische Erwartungshaltung. Es fällt eben leichter, einen Kommentar zu Gesellschaftsfingern zu schreiben, als etwa unsere Diskussionen aus den vorhergehenden Artikeln zu führen, da muß man schon ein paar Minuten mehr in seine Kommentare investieren.

  208. @Alter Bolschewik, wer hat...
    @Alter Bolschewik, wer hat denn hier die Deutungshoheit für die Kommentare? Du selbst gibst dir aufs Trefflichste die Antwort. Mitteilungsbedürfnis und sofortige „Anhörung“ bei einer Klientel, die sich angesprochen fühlt. Und worüber könnte man denn virtuoser Texten als über iphones, Eliten, gripe porcino, Silberkannen von 1800 haumichblau und hoffentlich bald auch über Perser, Comedians und ambulante Beerdigungen im nahen Ausland? Wer will denn ernsthaft über den täglichen Propaganda Müll, Finanz-Apokalypse, Sommerloch-Schweinegrippen-Impfstoff-Disposition faseln. Ebengerade jetzt ist es wichtig, Elementares zu diskutieren. Und da darf das Teetrinken mit all den Notwendigkeiten für uns, die wir von Stande sind, nicht fehlen. Alles andere ward von Übel.

  209. Mawu, nur bevor die Karawane...
    Mawu, nur bevor die Karawane wieder weiterzieht zum nächsten Text des Don: Ich dachte weniger an Angestellte als an Selbständige. Gestern war in der FAZ zu lesen: „In der Wirtschaftskrise sind immer mehr Selbständige trotz eigenen Einkommens auf Hartz IV angewiesen. Die Zahl der sogenannten aufstockenden Selbständigen habe sich von 56000 im Jahr 2007 auf 114000 im vergangenen Jahr verdoppelt, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Hauptgrund sei der Auftragsmangel.“ Und die Krise betraf 2008 eigentlich nur das letzte Drittel des Jahres. Insofern bin ich mir sicher, daß da einer ganzen Menge von Leuten ziemlich die Muffe geht. Aber ich glaube auch, daß die oft darüber nicht sprechen; und sich vehement nach unten abzugrenzen versuchen. Ob das allerdings die Klientel ist, die hier kommentiert, das ist, da gebe ich Ihnen recht, fraglich.
    .
    @Don Alphonso: Könnte man nicht mal bei der FAZ darauf hinwirken, daß, wie in anderen Blogs auch, an der Seite angezeigt wird, wenn zu einem durchaus auch älteren Beitrag noch ein Kommentar verfaßt wird? Das würde vielleicht auch das längere Nachdenken vor dem Kommentieren befördern.

  210. Alter Bolschewik, ich mache...
    Alter Bolschewik, ich mache kein Geheimnis aus meiner Meinung, dass die hier verwendete Software unter aller Kanone ist. Für professionelles Arbeiten praktisch ungeeignet, gerade, wenn es schnell gehen muss. Es wird aber an einer Lösung gebastelt. Und ich hoffe, sie wird WordPress heissen.
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    Ansonsten hat die Theorie schon das ein oder andere für sich – nur, wenn es wirklich so wäre und jeder Distinktion haben wollte, wäre die Debatte nicht so lang. Der kleine Finger ist ursächlich eben doch mehr als ein Relikt – er ist immer noch eine drohende Klassengrenze, und das mag nicht jeder.

  211. @Alter Bolschewik: sehen Sie,...
    @Alter Bolschewik: sehen Sie, es gibt Selbständige und die Deppen der „Ich AG“, welche aus Angestelltenverhältnissen kommen und mit ihren Dumpingpreisen gepaart mit völliger Unprofessionalität den Markt kaputt machen. Ich bin um jeden einzelnen von den „Website für 5 Euro“-Typen froh, der sich aus dem Markt sonstwohin verabschiedet. Ich glaube aber nicht, daß sich diese Leute in irgendeiner Form abgrenzen wollen, das sind eher die aus relativ guten Verhältnissen und entsprechender Erziehung. Diese haben nämlich das Problem, daß trotz Studium und normalen Jobs, oder auch als Selbständige, heutzutage der Lebenstandart der Eltern bestenfalls gehalten, aber in keinster Weise ähnliches erschaffen werden kann. Diese Zeiten sind vorbei. Das geht scheinbar nur noch durch Vabanque oder Betrug – nicht aber durch ehrliche, seriöse Arbeit. Don Alphonso geht es im Prinzip auch nicht viel anders, so wie ich die Lage überblicke.

  212. @mawu: "Image, entstanden...
    @mawu: „Image, entstanden durch Werbung, das Gefühl dazu zu gehören, oder ein besonders gutes Produkt zu kaufen, das ist ja auch etwas Wert.“
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    Entschuldigung, dass ich mich erst jetzt wieder melde. Vorgestern spielte mein Verein und angesichts des verdienten Sieges musste ich mich anschließend noch in einer Düsseldorfer „Bierschwemme“ (was immer das sein mag – wir nennen es „Brauhäuser“…) benehmen.
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    Interessante These, die Sie da aufstellen: Wenn sich der Konsument gut fühlt, weil er ein bestimmtes Fressprodukt konsumiert hat, wenn er dadurch das Gefühl hat, dazu zu gehören, dann hat das auch seinen Wert. Mit anderen Worten: Anbieter wie Starfbuck oder McDiabetes sind Wohltäter, weil sie den Menschen Wohlgefühl für kleines Geld bieten.
    Ja, sage ich, dann haben die Heroindealer ja bloß ein Imageproblem, also zu wenig Kommenikazion gemacht. Denn auch die bieten dem Konsumenten ein Wohlgefühl. Und so’n Schuss aus einer sauberen Spritze ist auch nicht viel ungesündern als eine Zuckerfettbombe („Supersize me!“) für einszehn.

  213. Als kleiner Beitrag zur...
    Als kleiner Beitrag zur Gewinnung von Würde, Lebensfreude und Glück und zur Erbauung der Gesellschaft der Plastikfreunde sei ein Querverweis gestattet auf eine Berliner Tischdekoration, „wie bei Fürstens“.
    http://www.arm-und-sexy.kultur-propaganda.de/images/projekte/aus_48_2.jpg

  214. Also Herr Sacht, ein paar...
    Also Herr Sacht, ein paar Pommes oder eine Currywurst mögen zwar kein gesundes Essen sein, sind aber doch nicht mit Drogen vergleichbar, die eine echte körperliche Abhängigkeit verursachen. Mein Prinzip können Sie doch auf jedes Konsumgut anwenden und sogar auf Sie selbst: auch Sie stellen sich Ihrer Angebeteten möglichst positiv dar und nutzen dabei jede Möglichkeit, für sich selbst zu „werben“.
    .
    Ich vestehe die Aggressionen nicht ganz, die Sie gegen diese Ketten haben. Man wird doch nicht dazu gezwungen dort essen, oder seinen Kaffe dort zu trinken, trotz aller Werbung. Und diejenigen, die dort hingehen, würden ansonsten halt etwas anders ungesundes essen. Kuchen zum Beispiel.

  215. Wenn ich zu den vielen...
    Wenn ich zu den vielen lesenswerten Interpretationen beitragen darf, der kleine Finger wurde abgespreizt, damit die Serviette den Weg zum Mund nicht versperrte. Wer damals wann welche Servietten gebrauchte, warum die auf der Schulter lagen und so weiter ist eine längere, natürlich, erm, angelsächsische Geschichte. Diese praktische Sitte wanderte dann über Verwandschaften auf den Kontinent und hat sich dort im Lauf der Zeit verselbstständigt. Wie so oft überlebt sich praktische Angewohnheit und mutiert zu Zeremoniell, welches sich dann manchmal, obwohl erzieherisch einverleibt, vorzüglich als Glossenvorlage eignet.
    QAD*

    * Reaktionen vorbeugend: = „was A. hier vortrefflich beweist“

  216. Die Kanzlerin mit...
    Die Kanzlerin mit abgespreiztem Finger und Fischsemmel!
    http://ostseh.de/galerie_merkel/index/show/03merkel-angela-sas.jpg/show.html

  217. Da hat sie etwas gründlich...
    Da hat sie etwas gründlich missverstanden. Tee. Nicht Fisch. Und auch nicht Banane. Aber jedes Volk hat die Regierung, die es…

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