Monatliches Archiv: Dezember 2009
Hilfreiche Sekundäruntugenden III: Nicht vorgestellt werden
Die besten Konflikte sind die, die man nicht austragen muss, und die besten unerträglichen Personen sind jene, die einem erst gar nicht vorgestellt werden. Das war früher verhältnismässig einfach möglich, denn in den Zeiten intakter Klassengrenzen hatte man einfach keinen Grund, andere nahe kommen zu lassen, und für den Rest galten strenge Regeln. Man kann das für archaisch halten, aber nach ein paar Wirtschaftskrisen und einer "Business"-Elite, die Massenabspeisung vom Buffet an Stehtischen für "Essen" hält, gewinnen die alten Formen durchaus an Charme - und am nötigen Abgrenzungspotenzial. Mehr 30.12.2009, 22:55 Uhr von Don Alphonso
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Hilfreiche Sekundäruntugenden II: Mit Anstand lügen
Es liegt in der Natur der Menschen, dass eine höfliche Lüge beiden Seiten mehr behagt, als eine unhöfliche Wahrheit. Den Rest kann man sich ja denken. Ausserdem musste man es nicht Lüge nennen - das ist ein unfeines Wort, und der Umschreibungen gibt es nicht nur viele, sondern gar viele ausgezeichnete, was sich eben so in zwei Jahrhunderten verlogener Bürgerlichkeit ergibt. Ob das aber noch lange so sein wird, ist hier zu bezweifeln, und ob neue Wahrheiten besser gefallen - nun, das wage ich hier zu eigentlich nicht zu hoffen, zu angenehm sind die höflichen Lügen doch für alle Beteiligten. Mehr 27.12.2009, 15:47 Uhr von Don Alphonso
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Hilfreiche Sekundäruntugenden I: Diskriminieren in besseren Kreisen
Es ist mir stets ein Rätsel, was andere in anderen Klassen zu finden erwarten. Es ist überall gleich langweilig, es gibt überall die gleichen kleinlichen Vorurteile, und wer keine finanziellen Probleme hat, macht sich bei Bedarf eben andere. Allerorten sucht man nach Gründen, sich abzuschotten und sich "besser" zu fühlen. Wer immer meint, darin ein Ziel zu erkennen, erkennt damit nur Vorurteile und Diskriminierung an. Und sollte sich nicht wundern, wenn er selbst als Erster davon betroffen ist. Mehr 23.12.2009, 22:50 Uhr von Don Alphonso
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1913 oder Schicken Sie Don Alphonso durch Europa
Sie wollten einen FAZ-Blogger schon immer mal quer durch Europa hetzen? Ihn zum Einkaufen schicken, als wäre er ein Dienstbote, während Sie behaglich daheim auf dem Eisbärenfell vor dem Kamin liegen und vom Sherry erheitert nachlesen, wie es ihm dabei ergeht? Ohne Bezahlinhalte und Kaufnepp, einfach so, weil Sie eine kluge Leserin, ein netter Leser dieses kleinen Projekts sind? Nun, es ist fast Weihnachten, und diesen Wunsch erfülle ich gerne. Sie sagen, was Sie haben wollen, ich fahre nächstes Jahr los und stopfe das alles in meinen grossen, leeren Koffer aus dem Paris des Jahres 1913. Mehr 21.12.2009, 14:20 Uhr von Don Alphonso
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Das Hohnlächeln des Westviertels für den Rest der Welt
Was hätten die flinken Werber in Berlin und Dresden gelacht, wenn der Kommunismus doch recht behalten und es ihre Auftraggeber aus den reichen Provinzen derbröselt hätte. Wie hätte man sich im Ruhrpott gefreut, wenn diese überheblichen Reichen im Süden des Landes endlich mal erlebt hätten, was eine Stukturkrise ist. Und wie angenehm wäre es für das Volksgefühl geworden, nicht von einer, sondern von hunderten, tausenden, zehntausenden Frau Schickedanz zu lesen, denen die Wirtschaftskrise das fette Leben in den Westvierteln genommen hätte. Nun - es ist anders gekommen, 2009 neigt sich dem Ende entgegen, und es ist immer noch alles so grotesk ungleich wie immer. Mehr 19.12.2009, 09:25 Uhr von Don Alphonso
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Der Krieg um das Anstandsstück
Nur Hougl, also unverschämte Menschen, wagen es, ungefragt am Tisch das letzte Stück zu nehmen, und erdreisten sich dabei, auch nicht die anderen zu fragen, ob es ihnen genehm sei. Die zugrunde liegenden Lebensregeln um das Anstandsstück, der Verzicht zugunsten anderer und die Zurückhaltung, sind heute obsolet geworden. Während die Hougl heute ihr mangelndes Benehmen nicht mehr in der Baracke, sondern vom TV lernen, muss man sich in besseren Kreisen mit ganz anderen Herausforderungen auseinandersetzen. Es ist eben alles nicht mehr so leicht wie früher. Mehr 16.12.2009, 20:05 Uhr von Don Alphonso
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Steueroptimierung oder Die nehmen uns alles
Das Debakel der Bayerischen Landesbank auf dem Balkan reiht sich nicht nur nahtlos in die Wirtschaftskrise ein, es nagt natürlich auch am Selbstverständnis der besseren Kreise des Freistaates. Eigentlich möchte man reich und vorne mit dabei sein - nun aber scheint es, als wäre man bald arm und ausgerechnert von Österreichern, jenen südlichen Brüdern der Preussen angeschmiert. Stellt sich natürlich die Frage: Wie schafft man es, dass andere mehr arm werden als man selbst? Zum Glück ist gerade die Steuer zu machen. Mehr 14.12.2009, 13:40 Uhr von Don Alphonso
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Die kleine Schweiz und die kleinen Boni kleinlicher Banker
Eine Volksweisheit sagt, dass dort, wo am lautesten geschrien wird, auch am meisten gelogen wird. Nachdem gerade tout London vom Heulen ob einer Steuer auf Boni erschallt, darf man getrost davon ausgehen, dass es nicht so schlimm ist, und dass im Gegensatz zu den Behauptungen auch niemand von seiner Bank in die Schweiz gerettet wird. Das Problem haben nur ein paar Banker; Banken geht es damit keinesfalls schlecht. Mehr 10.12.2009, 22:57 Uhr von Don Alphonso
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Nullsummenspiel zwischen Frankfurt, Washington, Berlin und Rüsselsheim
Typisch deutsch, kleinlich und absolut nicht grosszügig ist jene Debatte, mit der sich hierzulande gegen die Förderung von General Motors und Opel gewehrt wird. Statt den einzig wirklich guten Grund vorzubringen - es gibt in Deutschland schon zu viele hässliche Strassenblockaden von Opel und Ford - kapriziert man sich auf ein paar lumpige Milliarden. Eben jene Milliarden, die die Amerikaner mannhaft und ohne Wimpernzucken selbst vor kurzem nach Deutschland überwiesen. Dieses Land soll sich nicht so haben - es hat schon alles seine Ordnung, wie es ist. Mehr 08.12.2009, 22:55 Uhr von Don Alphonso
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Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher
Zu jedem guten Gesellschaftsroman gehört natürlich das Schlagen über die vorgegebenen Stränge, wie auch die unausweichliche Bestrafung dieses Verhaltens, damit alle am Ende glücklich und die Leser moralisch aufgewertet sind. Der sorglose, junge Verschwender dagegen sieht sich im Roman allerlei Übel ausgesetzt, das zu vertiefen hier sinnlos ist, denn wie jeder weiss, der so etwas selbst erlebt hat: Dergleichen hat nie Spätfolgen, nie rafft ein böses Schicksal den Sünder dahin, allenfalls etwas Melancholie befällt einen ab und an bei der Erinnerung an jene Tage der Sorglosigkeit. Mehr 06.12.2009, 22:55 Uhr von Don Alphonso
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