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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Über Verstorbene nichts ausser gutes Gelächter

| 64 Lesermeinungen

Nur Gutes über Tote sagen, verlangt angeblich der Anstand. Und die Unwissenheit, denn solche Regeln verdankt man nur zu oft Persönlichkeiten, deren Ableben nun wirklich kein bedeutender Verlust für die Menschheit ist.

Die Aufkündigung eines Übereinkommens, das nie eines gewesen ist

Draussen funkelte die Sonne über den Dächern von Meran, der wolkenlose Himmel dehnte sich von Bergeshöhen zu lieblichen Tälern, drinnen im Hotel gab es kein Internet, sondern nur ein TV-Gerät, und vor dem lag ich und lachte. Ich habe es ja nicht so mit der Glotze, für mich ist diese Form der Unterhaltung stets aufs Neue eine schockierende Erfahrung, aber an diesem Morgen lachte ich. Im Fernseher bekundete nämlich eine Vielzahl von hollywoodesk-älplerisch bekleideten Schluchtenbewohnern, wie schlecht es ihnen jetzt ginge, da ihr Idol, ihr Held, ihr Märtyrer Jörg Haider alkoholisiert in einen Betonpfeiler gefahren sei. Zum Frühstück nahm ich die beste schwarzbraunwiediehasel-Nusstorte meines Lebens und überhaupt habe ich selten so einen schönen Tag gehabt.

Das tut man natürlich nicht, sagt die allgemeine Lehre, der gute Christenmensch hält sich an die Regel, über Verstorbene sage man nichts ausser Gutes: De mortuis nil nisi bonum dicendum est. Der kleine Lateiner weiss, das ist ein Imperativ, und so könnte man vielleicht an eine lange Tradition glauben, der man sich besser unterordne. Es macht den Eindruck, als hätte sich Generation um Generation des guten Zusammenlebens und der Vergebung befleissigt, die Zähne zusammengebissen und der verstorbenen Person, so mies und hinterfotzig sie auch gewesen sein mag, mit diesem Verhalten nach dem Tod gezeigt, dass sie selbst eben nicht so sind, und Anstand haben. Die Sache hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Sie war ganz anders, in unserer christlichen Gesellschaft.

Das liegt allein schon daran, dass das Werk, in dem sich dieser Spruch in die Gegenwart gerettet hat, im Mittelalter vollkommen vergessen war. Angeblich stammt der Spruch vom Spartaner Chilon, der in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. lebte. Erst 800 Jahre später wurde diese Aussage dann von Diogenes Laertius in einem Sammelwerk über das Leben und die Lehren der antiken Philosophen festgehalten. Natürlich kann man nun sagen, dass so eine Empfehlung in der griechischen Antike nicht gar so schwer wie im christlichen Moralgebäude umzusetzen ist; Sklavenhaltung, andere Städte niederbrennen, deren Bewohner in die Sklaverei verkaufen, das alles galt den Griechen mehr als normales Geschäft denn als fragwürdig. Wer die Ilias und ihre Schlächtereien kennt, dem dürfte bekannt sein, dass es erst problematisch wird, wenn man einen Sohn vor den Augen des Vaters umgebracht, den Leichnam geschändet und um die Stadt geschleift hat. Alles andere, Mord, Vergewaltigung, Angriffskriege aus niedersten Beweggründen, machte damals keinen Prozess in Den Haag oder irgendeine Form von gesellschaftlicher Ächtung, sondern einen guten Ruf von der Antike bis heute. Über Verstorbene nur Gutes? Gar nicht schwer, wenn es kaum Schlechtes gibt.

Ein schönes Beispiel für diese Haltung ist der Tyrann Gelon, der in Sizilien lebte: Er liess sich als Herr von Gela von den vertriebenen Oligarchen aus Syracus bezahlen, um sie in ihrer Heimat wieder an die Macht zu putschen. Dort machte er sich selbst zu ihrem Tyrannen und befriedete sie, indem er ihre Gegner durch unschönste Terrormassnahmen ausschaltete, und den Oligarchen wichtige Posten gab. In anderen Städten, die er eroberte, verkaufte er die armen griechischen Schichten zur Finanzierung seiner Söldnerheere in die Sklaverei. Ausdrücklich hasste er alle, die nicht seinen sozialen Vorstellungen entsprachen. Hat man die politische Opposition erst mal in ihrem Blut ertränkt und deren Frauen zum persönlichen Vergnügen der Reichen verkauft, und alle anderen möglichen Störer umgesiedelt – heute würde man sagen, nach Klassenzugehörigkeit gesäubert – und unterdrückt man sie mit gekauften Halsabschneidern, ist so ein System stabil, viel stabiler als unser Bankensystem. Aber als dann 150 Jahre später die Demokratie in Syracus eingeführt werden sollte, wollten die Bürger dennoch das Standbild des Gelon behalten: Hatte er in einem Krieg doch das gesamte Heer der Karthager massakriert. De mortuis nil nisi bonum dicendum est. So ging das damals.

Das Christentum hat erst mal vergessen, wer Chilon von Sparta und Diogenes Laertius gewesen sein sollen. Sagte man im Mittelalter „De Mortibus“, hätte der Gebildete eher an den Bestseller dieser Tage gedacht, der ebenfalls so begann: De mortibus persecutorum (Von den Todesarten der Verfolger), geschrieben vom Kirchenvater Lactantius im frühen 4. Jahrhundert. Das Buch ist eine wüste Propagandaschrift gegen römische Herrscher, die wirklich oder nur angeblich durch brutale Christenverfolgungen aufgefallen waren, und deren wenig angenehme Todesarten der Autor schaurigst ausgestaltete und erlog. „Splatter“ würde man diese Gattung heute nennen, niedrig, billig, schnell hingeschmiert, wahrlich kein Meisterwerk und selbst unter den reichlich dogmatischen Schriften des Lactantius ein böser Ausreisser – aber eben auch heiß begehrt bis in die Neuzeit als moralische Gruselschrift: So ergeht es jenen, die nicht nach christlichen Vorstellungen leben. Alles Schlechte über die Toten.

Das Christentum nämlich war eine Religion, die bis in die Neuzeit hinein unter anderen Prämissen als die Antike mit ihrem freudlosen Schattenreich der Seelen funktionierte: Die Toten sollten gar nicht allzu gut aussehen, ganz im Gegenteil, denn das Seelenheil im Jenseits war nur durch kirchenkonformes Leben im Diesseits und jede Menge Qualen im Fegefeuer, wenn überhaupt, zu erreichen. Das Christentum braucht dringend die Vorstellung, dass der Mensch sich etwas zuschulden hat kommen lassen: So verkauft man Ablässe, so kassiert man Spenden und Einnahmen für Seelmessen, so hält man die Leute bei der Stange und verwandelt Sünden in Profite. Und deshalb achtete die Kirche auch im Mittelalter darauf, die ihres Erachtens Richtigen in den Ruf der Heiligkeit zu stellen, und die anderen auch nach dem Tod noch zu verfolgen, schlecht zu schreiben und auch nichts dagegen zu haben, wenn man den ein oder anderen auch nach dem Tod noch einmal aus dem Grab riss und vierteilte. Verbrannte. Den Kopf zur Abschreckung an ein Tor nagelte. Sicher, das waren Ausnahmen, aber generell begann mit dem Tod die wenig erbauliche Abrechnung des Jenseits, die nur die Gnade der Kirche verkürzen konnte. Cuncta stricte discusurus, heisst es im Requiem: Nichts könnte weniger unserer abendländisch-christlichen Kultur, so man sich unbedingt darauf berufen wollte, daher weniger entsprechen als lässiges „De mortuis nil nisi bonum dicendum est“.

Und so überrascht es auch nicht, dass nicht nur die Grossen mit den Kleinen und ihrem Andenken unschön verfuhren, sondern auch die Armen gar nicht selten den Tod der Reichen feierten. Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. unter Hinterlassung eines kriegsbedingten Schuldenbergs – damals konnte man nicht wie Gelon mal eben Menschen in die Sklaverei verkaufen – letztlich starb, berichten die Chronisten von ausgelassenen Feierlichkeiten seiner ausgepressten Untertanen. Mit Spott, Geigenspiel und Tanz soll man die Feierlichkeiten gehörig gestört haben. Man hat das damals wohl so hingenommen, denn das Volk wusste nichts von Sprüchen wie „De mortuis nil nisi bonum dicendum est“. Man hatte die Schrift des Diogenes Laertius zwar im 15. Jahrhundert wiederentdeckt und ins Lateinische übersetzt. Aber es dauerte beim gemeinen Volk und auch beim gemeinen Adel ein wenig länger, bis sich diese Weisheit allgemein durchsetzte.

Dieses allgemeine Gefühl, dass man Pietät zu wahren hat, und eine zynische Machtpolitikerin, die ihr Volk in die Leibeigenschaft an die Banksteroligarchen und Privatisierer verkaufte, nach dem Tod nicht mit ihren Missetaten konfrontieren darf, dass man nicht den Champagner öffnen und auf ihrem Grab tanzen möchte, dass man zu schweigen hat und nicht feiern darf, und dass ein Sender ein Lied nicht spielen darf, weil Pietät für so eine Person vor die Freiheit der Meinung und des Ausdrucks geht: Das gibt es. Immer wieder. In Haiders Kärnten, in Nordkorea musste man weinen, unter Gelon in Sizilien war auch Ruhe, im wilhelminischen Deutschland und in Metternichs Herrschaftsbereich, in Stalins Russland und anderen Systemen, die gerne moralische Vorwände finden, um die Freiheit des Menschen einzuschränken. Herrscher leben und Herrscher sterben, da ist nichts dabei, aber die Freiheit musste von Gelon bis in die Gegenwart immer wieder neu erkämpft werden. Und man kann zurecht fragen, was eine Freiheit eigentlich wert ist, wenn man für jene, die achtlos über Leichen gingen, voller Achtung zu schweigen hat, wenn sie als Leiche vorbeigekarrt werden.

Übrigens, „De mortuis nil nisi bonum dicendum est“-Chilon von Sparta war nicht nur Philosph, sondern auch derjenige Diktator, der aus seiner Stadt eine komplett durchorganisierte Militärdiktatur gemacht hat, in der die rechtlosen Heloten das Essen für die Kriegerkaste heranzuschaffen hatten. Man überlege sich also gut, wer hier pietätvoll wem nach dem Mund zu reden vorgibt. Nicht dass unsere Ahnen in 2600 Jahren vielleicht mal Kim Jong Il oder Pol Pot zitieren, wenn sie ihre Diktatoren und Oligarchen ungestört zu Grabe tragen möchten.

HINWEIS:

Ungestört von Administrationselend und Ärger wegen der Freischalterei kann man seine Kommentare auch zum Kommentarblog tragen, wo das alles sehr viel leichter und einfacher geht.

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64 Lesermeinungen

  1. hans
    Ist das jetzt die angekündigte Philippika auf Thatcher?

    • Das ist Information über die Herkunft einer Sitte, die man so betreiben kann oder auch nicht.

      Das Thatcherthema wurde ja schon lang und breit woanders durchgekaut.

    • @geier333
      Natürlich! Die bessere Gesellschaft hat Margaret Thatcher nie verziehen, trotz ihrer einfachen Herkunft als Tochter eines Kolonialwarenhändlers, das mächtigste Amt des Empires angestrebt und erfolgreich begleidet zu haben.

    • Titel eingeben
      Sehr netter Artikel, auch ohne den von unserer Lieblingsbritin gegebenen Anlass!

    • Danke!

  2. De mortius ...
    Da wird wohl etwas verwechselt. Wir schaffen die Tempo-50-Regel doch auch nicht ab, obwohl täglich tausendfach gegen sie verstoßen wird. Oder?

  3. Für Tote nichts außer Gelächter
    Britischer Humor:
    “The Iron Lady is no more. May she rust in peace.”

  4. Natürlich
    Über Tode nur Gutes von den Weg- Lebens-und Zeitgenossen.
    .
    Warum sollte man freiwillig seine eigene Biografie besudeln.
    .
    Warum sollte man seine eigene Biografie

  5. Einladung zum Leichenschmaus (Datum unbekannt)
    Höchst typisch ist, dass Madame Thatcher die Details ihrer pompösen Beerdingung selbst festgelegt hat. Sagt viel über ihren Führungsstil aus.
    .
    Wenn ich sterbe, und es ist noch Geld im Portemonnaie, habe ich eine ganz andere Idee. Ich werde dem Sinn nach die beste Beerdigung nachmachen lassen, an die ich mich erinnern kann. Sie war für einen Jugendbewegten, der per Testament alle Pfadfinder Hessens zur Beerdung in ein kleines Dorf am Rhein einlud. Die Busfahrt zu diesem sehr schön gelegenen Ort wurde bezahlt, dafür gaben die Nonnen sogar zwei Stunden schulfrei und in allen Gasthäusern des Dorfes gab es unbegrenzt Kuchen und Kakao für die große jugendliche Trauergemeinde, die aber auch überhaupt nicht traurig sondern äußerst fröhlich über den Leichenschmaus herfiel.

  6. Titel eingeben
    kein imperativ, nur gerundivum

  7. Titel eingeben
    Ich bewundere Ihre klassische Bildung, die man mal humanistisch nannte. Sie bringt innere Freiheit und Weisheit hervor – wie Sie sie haben, Don Alphonso.

    • Danke, leider ist das ja nur halbverschüttetes Grundkurswissen eines brotlosen Studiums.

    • @ Don
      großes Latinum hätte ich von lhnen schon erwartet , obwohl ich
      aus eigener Erfahrung weiß , das bleibt auch nicht ewig hängen.

  8. Decent
    Ach wie äusserst einfühlsam, so einen Artikel direkt nach dem Attentat in Boston zu schreiben.

    • Das hat damit überhaupt nichts zu tun, ich weiss auch nicht, wo der Zusammenhang sein soll. Es geht um öffentliche Personen aus der Politik, nicht um unbescholtene Bürger.

  9. .
    Ich lese Don ja durchaus gerne, aber was will uns dieser Text sagen? Mutti ist doch nicht so toll?
    Bilder schön, Text nichtssagend. Man soll nicht schlecht über Tote reden? Und jetzt?
    Es ist nichts anderes als logische Konsequenz, da Tote sich in der Regel nicht mehr wehren können.

    • Nun, ich denke, man sollte nicht einfach Regeln nachplappern oder befolgen, deren Ursprung man nicht kennt. De omnibus est dubitandum, sagte Aristipp von Cyrene.

    • So habe ich das auch gelernt
      … naemlich, dass man Toten nichts schlechtes nachsagen soll, da diese sich nicht mehr rechtfertigen koennen. Mit anderen Worten, sich ueber Tote aufzuregen ist kleinlich und unwuerdig. Ein wenig wie die Helden der Antike, die den Toten die Haende abhackten um dann zu behaupten sie selbst haetten sie getoetet.

      Fazit, Dank fuer einen durchaus guter Diskurs zum Thema, aber ich finde den Thatcher-Anlass irgendwo fragwuerdig.

  10. hans
    Kennt jemand hier die Ausnahme, dass anstelle des Dativs der Akkusativ nach „außer“ steht?
    „Der kleine Lateiner weiss, das ist ein Imperativ.“ Ein kleiner Naseweis, der nicht den Unterschied von „weiss“ und „er weiß“ kennt. Und der große Lateiner weiß, dass der Imperativ von „esse“ in der zweiten und dritten Person Singular „esto“ heißt. Wie wär´ s mit einem blog über Stützen der Grammatik?

  11. @KL
    Was Muttis Tollheit betrifft, darf man sich schon wundern. Zitiert sie hier die berühmten versteckten Guthaben in den Steueroasen?
    .
    ‘….Die hohen Rentenansprüche der Deutschen aber sind in dieser Vermögensstatistik nicht enthalten, ebenso wenig Immobilien oder Vermögen, das Deutsche im Ausland haben“, sagte Merkel. „Deshalb sehen die Durchschnittsvermögen der Deutschen kleiner aus als sie sind.“ ‘
    .
    Da haben die diversen Südländer sicherlich auch Vergleichbares.

    • Nichts Neues
      … von der Kanzlerin.
      .
      Muss man sich da noch über die Ergebnisse ihrer “Rettungspolitik” wundern.

  12. Nachruf
    Keinen Nachruf? Die Kommentatorinnen und -toren (jaja) können aber doch einmal zur Feder greifen.
    Ich beginne mit “Er war ein netter Onkel.”

    • Zu
      einem Nachruf auf die Kanzlerin fällt mir nichts ein.
      .
      Da ist ihre Ewigkeit vorprogrammiert.

    • @ Arabella
      schön, Sie einmal wieder zu lesen , aber ein Nachruf fällt mir trotzdem ,
      oder gerade deshalb nun gar nicht ein , mfG.T.

  13. Titel eingeben
    Wunderbar gesagt, und das in eimem eher wertkonservativem Medium zu lesen erfreut um so mehr.

    • Wertkonservativ...
      Die Wahrheit an sich ist ja auch ein Wert, und zwar nicht nur der Konservativen. Und wenn sie unter den Nägeln brennt, sollte man sie nicht um des Anstandes willen verschwiegen.
      So verstehe ich den Autor, und so steht es selbstverständlich auch der FAZ gut zu Gesicht!

  14. @Binvonhier - Update zu meiner Erfahrung bez. der Sitzzuteilung des BVG
    Zu Ihrer Frage in Dons letzten Blog über meine Erfahrung mit der Sitzzuteilung des Bundesverfassungsgerichts hab ich ein Update. Als ich gestern in der FAZ las:
    .
    http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/bundesverfassungsgericht-karlsruhe-verhandelt-im-juni-ueber-esm-klagen-12154776.html
    .
    rief ich sofort in Karlsruhe an, um mir einen Sitz zu besorgen. Das Telefon lief ins Leere, also hab ich ein Fax geschickt. Darauf bekam ich eine Pressemitteilung per E-Mail von diesem Termin, aber
    .
    “Derzeit werden noch keine Akkreditierungen bzw. Anmeldungen entgegengenommen.”
    .
    Frag ich mich doch, warum hat die FAZ mindestens zwei Stunden vor mir diese Pressemitteilung gekriegt? Ich bin auf dem Verteiler für Pressemitteilungen des BVG. Noch ein paar Stunden vorher hatte ich die Pressemitteilung für “Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen Weiterbau von Stuttgart 21″ bekommen. Schickt das BVG gezielt Vorinformationen an Auserwählte? Oder haben sie mich aus irgend einem mir unbekannten Grund für diese Pressemitteilung vom Verteiler gelöscht und mir die ESM E-mail erst dann geschickt, nachdem ich Interesse gezeigt habe?

  15. Nachtrag zur Sitzverteilung
    Das für das NSU Verfahren festgelegte Lotterieverfahren kann sehr leicht manipuliert werden, um die freien Presse auszuschalten. Es hängt völlig von der Fähigkeit und Integrität einer Person, des Notars ab. “Ein Notar wird die reservierten Plätze am 29. April in den Räumen des OLG in Anwesenheit einer Protokollkraft und eines vom Notar ausgewählten Zeugen auslosen.” (FAZ von heute, Druckversion, Seite 1) Da der Notar den Zeugen auswählt, ist der Zeuge nicht unabhängig.

    • Ja Der Tiger,
      die honorigen Grundsatzentscheidungen des BVG und die Handlungsweise auf
      der unteren Verwaltungsebene im Detail, sind wohl immer zwei paar Schuh.
      .
      Ein idealer Nährboden für Unzufriedene oder mediale Empörung.

    • Es ist nicht eine Frage irgendwelcher medialen Nörgeler
      Immerhin handelt es sich bei dem NSU Verfahren um einen Menschen, dem man schwere Verbrechen zur Last legt. Dieser Mensch hat das Recht darauf, dass die Öffentlichkeit einschließlich der unabhängigen Presse (also nicht nur die öffentlich-rechtlichen Fernsehgesellschaften) dem Gericht auf die Finger schaut.

  16. Ein schwerwiegender Verstoß gegen das Grundgesetz - jedenfalls meiner Meinung nach
    Nun kann man sich natürlich als nächstes fragen, ob der Richter vom OBG in München seine Entscheidung im einsamen Kämmerchen traf, oder sich vorher mit seinen Kollegen aussprach. Im Anbetracht der öffentlichen Reaktion, würde ich davon ausgehen, dass es sich um eine unter den Richtern abgesprochen Lösung handelt.
    .
    Diese haben hingenommen, dass die weite Öffentlichkeit nicht unabhängig informiert wird, denn selbst wenn die Lotterie nach fairen Lotterieregeln verläuft, ist es nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit durchaus möglich, dass keine überregionale Zeitung einen Platz bekommt, siehe:
    .
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/nsu-prozess-willkommen-bei-der-muenchner-presselotterie-12155290.html
    .
    Man kann natürlich Fernsehgucken, denn die Fernsehanstalten haben eine Sitzgarantie. Aber deren Berichterstattung ist immer nur sehr zusammengefasst. Außerdem kann man einen gedruckten Text mehrmals lesen, was gerade bei juristischen Angelegenheiten oft notwendig ist und in sein Archiv stecken.
    .
    Die nächste Überlegung ist natürlich die, wird dieses Lotterieverfahren demnächst auch beim BVG angewendet? Der Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts am temporären Amtssitz „Waldstadt“ ist sehr klein. Bei einer Verhandlung, zu der ich keinen Sitzplatz bekam, sagte man mir, es gäbe nur 10 Plätze für Normalbürger wie mich. Bisher habe ich mich damit getröstet, dass ich ja immer in der FAZ nachlesen kann, was da verhandelt wurde.
    .
    Wenn ich die Ziffern recht verstanden habe, besteht – bei einem dem NSU Prozess vergleichbarem Tageszeitungsinteresse – nur eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50%, dass jemand von der FAZ einen Platz kriegt. Ehrlich gesagt empfinde ich das als einen schwerwiegenden Grundrechtsverstoß uns interessierten Bürgern gegenüber.

    • Dr. mult. Fantasissimus (hier sollte doch der Titel hin, nicht?)
      Allen rechtmachen kann mans aber nie. Das Interesse der Nebenklage ist recht groß, weil es sich um einige Personen handelt – wie ich dem Spiegel entnahm, ist die Stellung der Nebenklage in den letzten Jahren gestärkt worden – und das Medieninteresse ist auch ziemlich erwacht. So daß sich nun eine ziemlich große Öffentlichkeit dafür interessiert. Gleich ins Fußballstadion (30.-100.000 Zuschauer) verlegen kann mans aber auch nicht. Also gibt es die beliebte Grundsatzdebatte…
      Wobei ich die von einer anderen Seite mal angehen will: ja, man möchte Aufklärung, aber da 2 sonst Angeklagte praktischerweise tot sind, die wirklich interessanten Zeugen kaum Rederecht bekommen, und die jetzt Angeklagte mutmaßlich eine Nebenfigur ist, die eh nicht viel mitbekommen hat, wird man ziemlich sicher enttäuscht werden.

  17. irgendwie hab ich lateinische Zitat
    anders in Erinnerung, ungegugelt: De mortuis nihil nisi bonum, dann ists auch ein Imperativ. Aber ansonsten? Ist das ein Aufruf, mindestens Göring-Statuen aufzustellen? Und das von Don hier aus der Nähe, der sich wegen Oberpfäzler-Übersensibilität aus dem Wehrdienst gefälligkeitsattestieren ließ? Bin erstaunt über die Altersmilde.

    • @Der Tiger
      Im Losverfahren kann es m.E. keinen Rechtsverstoss geben. Einen Losgewinn kann ich nicht
      einklagen und damit ist das gewählte Verfahren rechtlich nicht angreifbar und der Prozess selbst
      Ist vor Anfechtungsklagen geschützt.
      Soweit ich das verstanden habe, ging es dem ‘sturen’ Vorsitzenden des OLG genau darum.
      .
      im übrigen bin ich kein Anhänger weder der Medien- noch der Kabinettjustiz.
      .

    • Sorry Herr Biel
      Leider ist meine Antwort falsch platziert.
      .
      Aber dennoch …
      .
      finde ich Ihre Anfrage ob der Blog Beitrag ein Aufruf zur Aufstellung von Göring – Statuen sein soll, ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
      .
      Wenn seinen Zeitgenossen dafür keine guten Gründe eingefallen sind, warum sollten
      es die Nachgeborenen tun?

  18. hans
    „Ribéry ist der lebende Beweis, dass Geld doch Tore schießt.“ (Hoeness 2007)
    Und wer ist der lebende Beweis, dass mancher mit viel Geld Eigentore schiesst?
    Ab einem Milliönchen hinterzogener Steuern wird regelmässig eingefahren.
    Geben wir die Un- und Scheintoten auch dem öffentlichen Gelächter preis?
    Ein bisschen Spott schon zu Lebzeiten macht eigentlich mehr Spaß.

    • Richtig!!!
      …allein die ” Deutschen” meinen, dass man mit Schulden Tore schießen kann:-)
      Und nehmen lieber den letzten Platz in der Vermögensstatistik ein.
      .
      Und schreien deshalb immer ” Investoren, Investoren, Investoren”.

  19. Man
    …kann einfach den Hals nicht voll genug bekommen, von den Schulden.

  20. @Binvonhier
    Ich denke der Richter vom OLG in München hat sich da getäuscht. Es geht nicht darum, ob man einen Lotterieverlust einklagen kann, sondern darum, ob eine Lotterie die richtige Lösung ist, eine große Nachfrage nach Öffentlichkeit in einer Gerichtsverhandlung zu begegnen. Wie ich schon einmal erwähnte, war mein befreundeter Richter vom Frankfurter OLG der Ansicht, dass das Gericht bei überdurchschnittlichem Interesse mehr Raum zur Verfügung stellen muss.

    .
    Abgesehen davon, dass eine Lotterie mir als Bürger keinen verlässlichen und ausführlichen Bericht garantieren kann, halte ich es darüber hinaus auch noch für einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip, wenn die Fernsehanstalten einen Platz garantiert kriegen, die überregionalen Zeitungen, die routinemäßig über solche Verhandlungen berichten, aber nicht.

  21. OT
    Nach dem Fall Hoeneß bin ich gespannt, wie hysterisch und mit welchen Moralkeulen, jetzt
    Auf den Bürger eingehauen wird.
    .
    Nach jedem Skandal wächst das Bedürfnis.

  22. Titel eingeben
    Über Hoeneß darf man ja nun reden, der erfreut sich ja noch bester Gesundheit.
    Sicherlich ist da die teegernseer Luft nicht ganz unschuldig.
    Wer will da schon in die Schweiz umsiedeln, wenn es daheim so schön ist?

  23. Titel eingeben
    @E.R.Binvonhier
    das werden wohl die gleichen Moralkeulen sein die Hoeneß in Gebrauch hat

    • Schade,
      dass man nicht erfährt wieviele der Reichen versuchen ihresgleichen mit diesen
      Geldtransfers einen Strick zu drehen, um unliebsame Konkurrenten loszuwerden.
      .
      Wenn die Staaten tatsächlich in diesem Bereich enger Zusammenarbeiten, dürfte es
      ein ziemliches Gemetzel geben.

    • Sorry,
      Schon wieder falsch platziert.
      Sollte eine Antwort an Der Tiger sein.
      .
      Versteh auch nicht wieso das nicht richtig klappt.

    • Kohls Falle
      Die CDU Geschichte von dem Schweizer Konto und Kohl fällt in diese Kategorie

  24. @Binvonhier - Schweizer Konten und was die Leute nicht so wissen
    Einmal fuhr ich nicht mit der Bahn nach Karlsruhe, um zum BVG zu gehen, sondern flog nach Zürich und nahm von da die Bahn. Bei diesem Ausflug blieb ich 1 ½ Tage ich Zürich, um mir die Stadt anzugucken.
    .
    Als ich am Morgen in die NZZ guckte, las ich mit Erstaunen, dass Schäuble just zum selben Tag und völlig unerwartet in Zürich war, um seine Idee eines Steuerabkommens auf den Schweizer Tisch zu legen – angeblich nur der zusätzlichen Einnahmen wegen.
    .
    Nun dienen diese Nummernkonten nicht nur zur Steuerhinterziehung, sondern auch zur Schwarzgeldwäsche und auch zum Betrug. Wie man das macht, habe ich am 20. Februar 2007 in meinem miesen D-englisch folgendermaßen dokumentiert (meinem ABN-AMRO Bankadvisor habe ich eine Kopie gegeben, welcher “I and my colleagues read with great interest“):
    .

    how the money laundering in my name is arranged.

    (1) An agreement is made to give me a certain amount of money for whatever reason (the first one was probably the reimbursement of the 20.000 Euros legal fees for the internal auditor appeal case). Person x, involved in the agreement process, claims to have contact with me and promises to get my bank account number. Instead of contacting me, he opens a number account in Switzerland under his name. A formal authorization form is set up in my name. Person X supplies his Swiss bank account number – claiming it to be mine and having received it from me. (Since everybody knows I am very smart, I have a Swiss bank account in order to hide my fortune from the Dutch tax authorities.) The form is authorized in the usual ESA way with at least five signatures, and everybody who authorizes the form assumes the money goes to me. A little B-controller makes the actual transaction on a formal bank transaction form. Being told that it is a number account, she does not add my name to the bank transaction form.

    All records within ESA point to me, and only the silent Swiss bank knows, who is the real owner of the account with all that money.

    (2) In a second scenario, money for me is transferred using the usual pay-role procedure in Paris, and it goes to my real ABN-AMRO account in ESTEC. As soon as the transfer has happened, the little B-controller is called by a big ESA boss, probably person x, about a dreadful mistake. Would she please get the ABN-AMRO bank to return the money, and then transfer it correctly to the Swiss number account? Of course the little B-controller will do it and not tell anybody about the mistake of the personal department (why should she, she too was made to assume that the Swiss number account is mine).

    Again all ESA records point to me and the personal department has even a record that it went to the account, which – according to their records – is mine.

    The ABN-AMRO bank has no reason to tell me. Of course they would refers a transaction, if the initiating customer asked them to do it – and I never complain because I didn’t know about the fortune in the first place.

    (3) But there is a more obscure aspect: should the Swiss police sniff in that Swiss number account, they possibly even find a ‘proof’ that I am co-laborating with person x in black-mailing the Agency. Now you look astonished. Here is the ‘proof':

    When a transfer is made to ABN-AMRO, which is then to be redirected to the Swiss account, it would not go back to ESA. I assume it goes from my account directly to the Swiss one; that is the Swiss bank registers as sending account my ABN AMRO account number. However, the transaction does not occur on my transaction sheets, that is ABN-AMRO comes out clean.

    • Titel eingeben
      Fies. Aber wie kann jemand anders für Sie ein Nummernkonto autorisieren? Ist es so leicht, sich mißbräuchlich eine “Vollmacht” zu schnitzen?

  25. @binvonhier - Videositze
    Schade – eigentlich, wenn das BVG eine Videoübertragung zulässt, werden wir nie erfahren, was Herr Voßkuhle und seine Richter von der bayrischen Lotterie halten:
    .
    http://www.faz.net/aktuell/politik/nsu-prozess/eilantrag-karlsruhe-prueft-videouebertragung-im-nsu-prozess-12157874.html
    .
    … und der Münchner OLG Richter ist aus dem Schneider.

  26. Hihi
    Da werden die Anhänger von diesem Hönes aber dumm gucken. Ihr Moralgott ist eine asoziale Wurst. Huhu…

  27. Ob diese
    Steuer CD s nur staatl. Finanzverwaltungen angeboten werden?

    • Mir hat jedenfalls noch nie jemand so eine Steuer CD angeboten
      Zeitungsleute kriegen so Angebote aber sicher auch. Da war doch gerade vor einem Monat so eine Geschichte über Steueroasendaten, die einige Zeitungen gekriegt haben, andere nicht. Die Quelle kam irgendwoher in den USA.

  28. Theologie
    Mein Onkel Ludger hat anno 10 gesagt: Als Jesus sprach, wer von euch ohne Sünde ist,,, unterbrach ihn ben Hönes und rief “Hier ich!!” Und warf die dicksten Steine. Das sei verdächtig.

  29. @colorcraze
    @colorcraze – Worüber ich schrieb sind Leute, die für sich ein Nummernkonto einrichteten, aber anderen gegenüber behaupten, es sei meines.
    .
    Die andere Variante gibt es natürlich auch, dann nämlich, wenn man jemand ein kriminelles Vergehen anhängen will. Es würde mich köstlich amüsieren, wenn jemand es für mich täte. Ich bin sicher, die niederländische Polizei würde sich auch köstlich amüsieren, wenn ich es herausfinde und Anzeige gegen Unbekannt stelle, weil dieser Unbekannt ein Konto für mich ohne meine Genehmigung eröffnet hat, auf dem sex Million liegen. Und Herr Rutte würde die sex Millionen grinsend einziehen, um sie in den niederländischen Haushalt zu stecken.
    .
    Dass man sich ausweisen muss, wenn man ein Konto eröffnen will, ist erst in den letzten Jahren eingeführt worden. Ich weiß nicht, was der diesbezügliche Stand in den diversen europäischen Ländern ist. Aber es lohnt sich, die Ansicht des österreichischen Kanzlers Schüssel in diesem Standpunkte Interview der NZZ zu hören:
    .
    http://www.nzz.ch/video/standpunkte/die-rolle-des-kleinstaates-in-europa-1.17457069

  30. Margaret Thatcher ist dement an Altersschwäche gestorben
    Das entschuldigt nichts. Haider hatte bloß ein neues elektronisch steuerbares Auto. Das entschuldigt auch nichts. Und Mutti hat jetzt eine neue Version Sklaverei mit Rettungsschirmen eingeführt. Welche Folgen das für uns alle zeitigen wird, werden wir alle noch erleben. Die einen im Luxushotel ihrer Wahl, die anderen dürfen wählen: Adler oder Zahl? Cui bono?

  31. auch kein Konto in Luxemburg
    Heute morgen fiel mir ein, dass ich eine Weile lang von einer luxemburgischen Bank regelmäßig Post bekam, die den Anschein gab, dass ich da ein lukratives Konto habe, und man mich bat, mit ihnen über geeignete Investment Möglichkeiten zu kontaktieren. Schließlich wurde mir das zu dumm. Ich schrieb dem Oberberater der Bank einen Brief, erklärte ihm, dass ich meines Wissens bei ihnen kein Konto habe, dass aber vielleicht jemand eines an meiner Statt und ohne meine Zustimmung getan hat und warum. Den Brief kopierte ich an den Ministerpräsident von Luxemburg, Juncker. Seitdem bekam ich keine Post mehr von dieser Bank, aber Weihnachtskarten von Juncker, woraus ich schließe, das der (Ober) Geschäftsführer des Großherzogtums mit meiner Vorgehensweise einverstanden war und immer noch ist.

  32. An der AfD
    bewundere ich das Timing.
    .
    Sie ist ein echter Brandbeschleuniger.

  33. Egal
    Egal wie sich die etablierten Parteien im Wahlkampf verhalten – ob Schlammschlacht,
    oder gemeinsam alternativlos – die Lunte brennt.

  34. Die Hinterzimmer
    …haben mein volles Vertrauen.

  35. Der schweizer Presse entnommen
    Kommentar zur Finanzkrise 2008:
    “Die Amerikaner griffen zur großen Kelle…die Iren setzten auf eine Bad Bank ..
    .und die Deutschen tapsten kopflos von einer Rettungsaktion in die nächste,
    Verstaatlichten und hatten am Ende die größte Bad Bank der Welt.”
    .
    Soviel zur Qualität und zum Ansehen deutscher Rettungspolitik im Ausland.
    .
    Alternativlose Unfähigkeit.

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