Monatliches Archiv: August 2009
Wie Immobilien die Freiheit einschränken
Es gibt in Gmund am Tegernsee eine ganz entzückende Jugendstilvilla, gelb, mit Türmchen, Fachwerk und Seeblick. Ich möchte den Besitzer dieser Villa dringenst ersuchen, meinen hier folgenden Beitrag zu lesen, in dem er erfahren wird, dass er wie ich ein Idiot ist, an dergleichen Objekte sein Herz zu hängen, und wie er es klüger als ich machen kann: So er sich einen feinen Finanzplan mit modernen Anlageprodukten erstellen lässt, bin ich in weiterer Verblendung auch gern bereit, ihm die sein Leben vergällende Villa eingedenk der Nachteile für ein paar tausend Euro abzukaufen. Und wie alle Vermögensberater habe ich natürlich absolut überhaupt gar keine Hintergedanken, wenn ich das in einer Zeitung erkläre. Mehr 31.08.2009, 21:58 Uhr von Don Alphonso
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Vom Wesen des Unglücks im Reichtum
Typischerweise steht man an einem Grab, lässt das ganze Elend so eines Lebens Revue passieren - und bei dieser Revue fliegen in der Regel keine Frauenbeine - und fragt sich: Wie konnte es bei all dem Reichtum letztlich nur so enden. Wieso hat der verstorbene nicht besser gelebt, was hat ihn davon abgehalten, seine Vorzüge zu nutzen? Darauf gibt es viele Antworten, aber zumeist ist eine dabei, die eine ganz bestimmte, in besseren Kreisen weit verbreitete Krankheit zum Thema hat: Das Unglück in Form von Persönlichkeiten, die für den kleinsten eigenen Nutzen anderen ohne Bedenken den grössten Schaden zumuten. Typisch für die Oberschicht wie ein Konto in der Schweiz, aber leider weder strafbar noch dortselbst im Schliessfach zu vergessen. Mehr 29.08.2009, 15:26 Uhr von Don Alphonso
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Der Fluch der Privilegien in der Demokratie
Man möchte die Debatte um die Einladung des Chefs der Deutschen Bank ins Kanzleramt beendet sehen. Man wünscht, das Volk solle sich wegen der paar Euro nicht so haben. Man möchte bitte andere Sorgen vortragen und wegschauen, wenn sich die Kanzlerin bei der aufgeflogenen Privilegenvergabe peinlich windet. Dabei geht es wirklich nicht um das Geld oder die Gangabfolge im Kanzleramt. Es geht um die Frage, welche Privilegien man eigentlich der Demokratie und der besseren Gesellschaft dieses Landes zumuten kann. Meines Erachtens: Gar keine. Mehr 27.08.2009, 08:00 Uhr von Don Alphonso
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Die beste Untertanentradition der Kanzlerin
Gross sind die Klagen wegen jenes kleinen Essens, das die Kanzlerin für den Chef der deutschen Bank gab; eine Petitesse jedoch ist der Aufwand gegen den Schaden, den nun das bankenfeindliche Geplärre anrichtet. Frau Merkel darf sich jedoch historisch auf der richtigen Seite wissen, denn sie hat sich exakt so verhalten, wie es das alte Herkommen verlangt. Alldieweil und sintemalen wir hier grössten Wert auf Anstand und Sitte legen, betrachten wir es als angebracht, uns als Palladin für die Ehre und Tugend von Frau Merkel auf der Wallstatt der Publizistik zu verwenden - wenngleich wir auch finden, dass es ruhig etwas mehr hätte sein können Mehr 25.08.2009, 07:25 Uhr von Don Alphonso
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Wertezerfall beim Weintraubenessen
Es sind nicht die Abendkleider und die Lackschuhe, die das Wesen der besseren Gesellschaft ausmachen; es ist nicht der Drittwagen und das Fünfthaus, und auch nicht die Sorge, dass das Kind einmal nicht Chefarzt werden könnte. Den Wesenskern der besseren Gesellschaft machen vielmehr jene Symbole aus, die für Dominanz und Beherrschung stehen, und die fraglos akzeptiert und geachtet werden. Allerdings sieht es heute gar nicht mehr so gut aus mit diesen Symbolen. Trauben etwa werden heute nicht mehr widersprúchslos in jener Art gegessen, wie es früher Anstand und Sitte verlangten. Mehr 23.08.2009, 01:09 Uhr von Don Alphonso
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Umtriebig unamerikanisch
[Zu lesen im amerikanischen Stile des "Oh Darling you know I love you, but"] Man verstehe mich nicht falsch. Es ist wunderbar, für Amerikaner in Europa zu arbeiten. Wäre man nicht so distanziert erzogen, könnte man auch die nonchalante Nähe der Amerikaner geniessen. Ich mag das unverbindliche, nichtssagende Lächeln der Amerikanerinnen, ich weine immer noch dem Oldsmobile hinterher, den ich in Amerika fuhr, ich bin dankbar für die historische Rolle, in der Amerika diesen europäischen Kontinent vor dem alteuropäischen Irrsinn gerettet hat. Aber. Mehr 20.08.2009, 12:34 Uhr von Don Alphonso
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Geld verdirbt die Charakterlosigkeit
Hartknäckig hält sich das Gerücht, Besitz sei nicht alles und Geld verderbe den Charakter. Erstaunlicherweise waren gestern die alkoholisiert pöbelnden Proleten am See mit Tüten eines bekannten Billiggeschäfts unterwegs, und ich finde vor meinem Haus nie leere Flaschen französischen Champagners, sondern die Scherben billigen Fusels. Auch steckt man mir keine leeren Kaviardosen in die Weinstöcke, sondern Reste von Schnellabspeisen. Treffe ich dann Menschen mit etwas Besitz, sind sie die Höflichkeit selbst, und sie treten auch keine Autospiegel ab. So gesehen bin ich eigentlich sehr froh um die Existenz der bedrohten Art des Besitzbürgertums. Mehr 17.08.2009, 11:51 Uhr von Don Alphonso
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Das Auseinanderbrechen der Gesellschaft am Zwetschgendatschi
Oft sind es ja die kleinen Dinge, die unscheinbaren Verbindungen, an denen sich die Risse in der Gesellschaft am deutlichsten zeigen, wenn man nur genauer hinschaut. Zwetschgendatschi war immer eine einigende Erfahrung aller Kinder; zumindest in meiner Jugend, als es in dieser Jahreszeit keine bessere Möglichkeit gab, die Last der übervollen Bäume zur Last der übervollen Mägen zu machen. Für mich hat sich das nicnt geändert, aber andere müssen zahlen - wenn sie überhaupt noch in den Genuss kommen. Mehr 14.08.2009, 13:40 Uhr von Don Alphonso
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Die Freude im Westviertel über den Niedergang von Escada
Wenn man den Untergang von Escada verstehen will, muss man verstehen, warum Escada heute einen gewissen Hautgout hat. Ausgerchnet bei jenen, die die Marke gross und bedeutend gemacnt haben: Vermögende Frauen in besseren Lagen westdeutscher Dörfer und Kleinstädte in der Provinz. Kleinstädte wie jene, aus der ich stamme. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als Escada und MCM auf dem Gipfel des Geschmacks verortet wurden. Man darf darüber heute nicht mehr reden. Es ist peinlich. Es ist verboten, und vermutlich werde ich jetzt im Konzertverein geschnitten. Mehr 12.08.2009, 14:38 Uhr von Don Alphonso
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Montenegro: Monte Carlo für Russen und andere Arme
Ich höre in letzter Zeit viel über Montenegro. Manche sagen, das sei die neue Toskana, andere meinen, es könnte das neue Monaco werden. Inzwischen tummeln sich dort Investoren aller Art, und neben der Aussicht und dem Yachthafen locken auch gewisse Steuervorteile, die selbst den deutschen Spiesser über manch kleinen Schmutzfleck hinweg sehen lassen, der glücklicherweise ohnehin nicht erwähnt wird, wenn Medien dergleichen in schönsten Farben anpreisen. Leider habe ich meine rosa Brille in Meran vergessen, und meine Koffer von Louis Vuitton zahle ich auch selbst - nur so kann man meine berufsuntypische Unfreundlichkeit im folgenden Beitrag erklären. Mehr 11.08.2009, 08:46 Uhr von Don Alphonso
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