Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Glockentürme und Geldtürme

| 43 Lesermeinungen

Die Gastautorin meldet sich zu Wort und erzählt ein wenig von ihrer Heimatstadt: Frankfurt, wo die Geldtürme die Kirchtürme überragen. Hier geht man mit Religion – anders als im katholischen Bayern – sehr pragmatisch um, denn auf keinen Fall hat das Heilige dem Handel im Weg zu stehen.

„Ich weiß nicht genau, wohin ich fahren soll, und der Taxifahrer sieht mich mit seinem halb nach hinten gedrehten Kopf so dämlich an, also sage ich schnell, ich möchte zum Hotel Frankfurter Hof, und der Taxifahrer nickt jetzt verständnisvoll, weil er ja nun weiß, daß ich ein ehrenwerter Gast seiner schönen Stadt bin und hier viel Geld ausgeben werde, was ja ihm auch wieder irgendwie zugute kommen wird, und er denkt an seinen Bausparvertrag und an seinen Traum vom S-Klasse-Mercedes-Taxi, und dann fahren wir los.“
Christian Kracht, Faserland

 

[von Andrea Diener] Da stehn sie, die hohen Häuser, überragt nur von den Kränen, die neue hohe Häuser bauen. Das ist das Frankfurt, das alle kennen, weil es dauernd in den Nachrichten gezeigt wird als Symbol für Geldverkehr. Eine Skyline hat Frankfurt aber schon lange. Wer von weither gesehen werden will, der baut einen Turm: Früher waren das die Kirchtürme, heute sind das die Banken. Beide haben keinen strategischen Nutzen (wie etwa die Wehrtürme, die es ja auch gibt) sondern spießen einfach in den Himmel und demonstrieren Macht, wahlweise weltliche oder geistliche.

Bild zu: Glockentürme und Geldtürme

Man möchte das ja immer so gern getrennt haben. Ungefähr seit Jesus die Geldwechsler aus dem Tempel warf, gilt Geld dem Christenmenschen als irgendwie pfuibäh, Reichtum gar als Himmelverhinderungsgrund. Ein Gold- und Silberloch sei Frankfurt, so schimpfte Luther. Aber wie sehr man auch schimpft und sich um Abgrenzung bemüht, Gott und Geld lassen sich so einfach nicht trennen, und hier am Main schon gleich gar nicht: Erst wird gebetet, dann werden Geschäfte gemacht. Um die kirchliche Himmelfahrtsmesse herum entstand die kommerzielle Herbstmesse, und bald darauf kam die Fasten- und Frühjahrsmesse hinzu, für deren Besucher der damalige Papst eigens die Fastengebote lockerte. (Das müssen glückliche Zeiten gewesen sein, als diese Katastrophe namens Messecatering noch nicht erfunden war, angesichts derer sich Völlerei von selbst verbietet.)

In kirchlicher Hinsicht ist Frankfurt eine einzige Ansammlung an Ausnahmen und Sonderregelungen. Wir haben hier einen Dom, aber keinen Bischof. Bauherr war damals, also im 14. Jahrhundert, eine eher weltliche Instanz: Der Stadtrat. Der wollte den hier stattfindenden Wahlen der Könige und Kaiser einen halbwegs würdigen Rahmen verpassen und gab daher ein repräsentatives Bauwerk in Auftrag, mit dem die Freie Reichsstadt sich sehen lassen konnte. Mit solchen Argumenten werden heute Fernbahnhöfe oder Konferenzzentren gebaut, Landmark Building nennt man das, damals waren es eben Kathedralen.

Bild zu: Glockentürme und Geldtürme

Die Patrone dieses Doms sind der Heilige Bartholomäus, dessen Hirnschale man zu besitzen glaubt (und um Glauben geht es ja), und Karl der Große. Letzterer ist nicht offiziell heilig, sondern lediglich von Gegenpapst Paschalis III. heiliggesprochen worden. Macht aber nichts, hier in Frankfurt darf er trotzdem Patron sein und Heiliger, Papst oder Gegenpapst, da drückt die Kirche mal ein Auge zu. Es gibt sogar eine Liturgie zur Karlsverehrung: Jedes Jahr am 28. Januar, seinem Todestag, wird in Angedenken seiner das Karlsamt gefeiert, aber nur in Frankfurt und Aachen, sonst nirgends. Und hoch oben im Domturm läutet dazu die Carolusglocke.

Das Domgebäude selbst gehörte dem zugehörigen Stift, der spätgotische Turm allerdings der Stadt, so verliefen die Grundstücksgrenzen innerhalb des Gotteshauses, man machte also Halbe-Halbe. Wobei das noch gar nichts ist gegen die fünf Jahre, als der Dom halb katholisch war und halb lutherisch: Die Katholiken saßen im Chor, die Reformierten im Rest. Man ist hier einigermaßen pragmatisch in solchen Dingen. In der Folge wechselte die Kirche noch viermal die Konfession, seit dem Dreißigjährigen Krieg dann blieb der Dom katholisch und ist es bis heute. Irgendwo mußten die zugewanderten italienischen Kaufmannsfamilien ja beten.

Und die Besitzverhältnisse? Nein, der Dom gehört nicht der Kirche. Keine Innenstadtkirche in Frankfurt gehört der Kirche, die gehören alle der Stadt. Die katholischen seit 1830, die lutherischen Kirchen, denn das war in Frankfurt Staatsreligion, schon seit der Reformation. Die Stadt ist verpflichtet, die Kirchen, die Orgeln und die Glocken in gutem Zustand zu erhalten und für alle Bau- und Renovierungskosten aufzukommen. Und die Pfarrer, die Kantoren? Das waren städtische Beamte.

Sie merken schon, die Stadt ist hier bei weitem die wichtigste Instanz. Die Stadt in ihrer unendlichen Weisheit regelt seit je her alles, wofür andere Städte Fürsten oder Kleriker hatten. Popanz ist ihr fremd. Putten sind ihr fremd. Das Geistliche ist fest in weltlicher Hand, und die läßt nicht los, die Hand. Denn es geschieht alles zum Wohle der Bürger, und die Bürger handelten und wurden reich und ließen einen Turm nach dem anderen erigieren, um gesehen zu werden, und die waren noch viel höher als die der Kirchen. Der Ärger begann eigentlich erst, als die Bürger in den Türmen sich innerlich davon verabschiedeten, vernünftige weltliche Dinge zu tun und sich fortan auf Geschäfte konzentrierten, bei denen eigentlich nur noch Beten hilft.

Bild zu: Glockentürme und Geldtürme

Da stehn sie nun, die hohen Häuser, und werden immer kleiner, schrumpfen zusammen und sind nur noch ein Lichtpunkt am Abendhimmel. Bald sind sie verschwunden in meinem Rückspiegel, irgendwo im Wald hinter Bäumen, wenn ich auf der A3 nach Süden fahre. Erst bis nach Bayern, da lade ich den Hausherrn ein, dann geht es weiter durch das unvermeidliche Österreich und Norditalien bis nach Rom. Und genau das ist der Plan für die nächsten Tage hier, wenn das Blog auf Reisen geht.

 

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43 Lesermeinungen

  1. na, kracht hat in faserland...
    na, kracht hat in faserland doch noch etwas viel treffenderes zur schoenen mainmetropole gesagt. – frankfurt habe die hinreissensten frauen des landes – die maedchen in frankfurt haben immer so eine selbstverständlichkeit, die man nirgendwo sonst in deutschland findet.

    christian kracht, meine damen und herren… ungeschlagen.
    willkommen andrea.

  2. Da muß ich ihm natürlich...
    Da muß ich ihm natürlich uneingeschränkt rechtgeben, dem Herrn Kracht. Der ja ohnehin ein wirklich Guter ist.
    Das Taxifahrerzitat paßte aber thematisch gerade besser.

  3. Freut mich ungemein, daß die...
    Freut mich ungemein, daß die „Stützen der Gesellschaft“ nun nicht mehr auf den schmalen Schultern eines Säulenheiligen Don Alphonso allein ruhen. Dieser Stylites wurde in seiner Leidensfähigkeit einem schon unheimlich. Im übrigen paßt es sehr gut zu der „Reichsstadt“ par excellence, eben Frankfurt, daß das Heilige Römische Reich mehrere „columnae“ (Säulen) hatte, auch wenn die Kurfürsten sich diesen Titel allein angemaßt haben, in Abgrenzung gegenüber dem Frankfurter Patriziat, in dessen materieller Schuld sie allemale standen. „Säulen“ meine ich natürlich nicht im Sinne der niederländischen Königin Juliana, die, ob ihrer kräftigen Oberschenkel von den Kommilitonen angefrotzelt, gesagt haben soll: „Meine Herren, auf diesen Säulen ruht das Haus Oranien“. Wenn wir denn schon bei Körperteilen sind – dann fällt mir zum Bartholomäus in Frankfurt freilich nicht dessen Hirnschale ein (Haben Banker im Westend dafür überhaupt noch eine Verwendung?), sondern der übliche Habit dieses Heiligen. Beim Martyrium mit Haut und Haaren geschunden, tritt er von nun an in künstlerischer Darbietung nur noch mit Hautkleid auf dem Arm auf – ganz der nackte Investment-Bangster, der mit Grandezza seinen Armani über das golf-gefestigte Brachium gelegt hat. Viel Spaß in Italien!

  4. Hat den Kracht (also,...
    Hat den Kracht (also, genaugenommen seinen Protagonisten) aber nicht daran gehindert, am Ende ins Wasser zu gehen… ;)

  5. Kampfstrampler, im alten...
    Kampfstrampler, im alten Chorgestühl vorne rechts findet man ihn auch eingeschnitzt, den Bartholomäus, mit dem wirklich allerletzten Hemd überm Arm. Aber soweit sind wir noch nicht im Westend. Die 2000 Commerzbänker werden einfach nach Hause gehen zu Muttern ins Souterrain, sich bekochen lassen und Wunden lecken. Vielleicht findet sich auch netter Job im Telefonmarketing. Auch dafür braucht man weder Hirn noch Schale.

  6. Naja, neben den schmalen...
    Naja, neben den schmalen Schultern sind da ja auch noch der dicke Bauch und die kurzen Beine, auf denen das alles ruht.

  7. Jaques, immerhin war es ein...
    Jaques, immerhin war es ein sehr idyllisches Wasser.

  8. Wenn der Dom halb katholisch,...
    Wenn der Dom halb katholisch, halb lutherisch war, wo saßen denn dann die Lutheraner??? Ihr schreibt nur, wo die Katholiken und wo die Reformierten saßen!
    Oder habt Ihr gar aus katholischer Ignoranz Lutheraner und Reformierte gleich gesetzt???

  9. Aaalso: Die Reformierten...
    Aaalso: Die Reformierten saßen genaugenommen in Bockenheim, da befand sich deren nächstes Gotteshaus. Das war lästig für die Beteiligten, aber nun einmal so. Die Lutheraner und die Katholiken teilten sich den Dom, zumindest für ein paar Jahre. (Ich bin da deutlich weniger katholisch als der Papst, aber wenn Sie schon fragen.)

  10. Hallo Frau...
    Hallo Frau Diener,
    selbstverständlich sitzen die Reformierten auch heute noch in Bockenheim – außer Wiesbaden dürften jede Stadt, jeder Ort sein Bockenheim haben … Und lästig sind sie immer noch, die aufgeklärten bzw. aufgeklarten Bockenheimer ;-)

  11. Herr, äh, Goethe (das geht...
    Herr, äh, Goethe (das geht mir jetzt ein bißchen schwer über die Tasten): Eine Zeitlang saßen die Reformierten durchaus auch in der Frankfurter Innenstadt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-reformierte_Kirche_(Frankfurt)

  12. "der dicke Bauch "

    Haaa,...
    „der dicke Bauch “
    Haaa, wusste ich doch, trotz gegenteiliger Beteuerungen, dass dieser massive Torten- und Tart-Konsum nicht ungestraft bleiben kann.
    Endlich, endlich eine Schwachstelle beim Don. Der war mir sowieso schon unheimlich.
    Der Frühling kann kommen…

  13. And Now for Something...
    And Now for Something Completely Different

  14. Ich habe noch gar nicht über...
    Ich habe noch gar nicht über meinen arg kurzen Hals gesprochen. Aber wie meinte die Tante Jolesch nicht so schön? „Was ein Mann schöner ist als wie ein Aff, ist ein Luxus“.

  15. (Dazu schweigt die Dame...
    (Dazu schweigt die Dame höflich.)

  16. applegg: Wie kommen Sie dazu,...
    applegg: Wie kommen Sie dazu, den Bauch des Dons als Schwachstelle zu bezeichnen? Wie sagt man… „Von jemandem, den man lieb hat, kann nie genug da sein!“
    In freudiger Erwartung der geStützten Reise
    Gruß
    monojan

  17. Kaum betrete ich den Raum,...
    Kaum betrete ich den Raum, schon ist hier Harmoniehütte. Faszinierend. Das muß die vielgepriesene weibliche Sozialkompetenz sein.

  18. Es gibt da sehr elegante,...
    Es gibt da sehr elegante, schlanke Äffchen…

  19. Lemuren? Paviane?...
    Lemuren? Paviane?

  20. Herzlich willkommen...
    Herzlich willkommen Andrea,
    schön das nun ein zweites Gesicht neben Don auftaucht,aber zoomt das doch ein wenig,…ist schade um die zwei Ohren :-)
    Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben…je nach Thema wird Streithanseln und Lust an der Provokation auf das Geschlecht des Autors keinerlei Rücksicht nehmen…:-)
    Da hilft dann nur noch die entspannte Löschtaste ,wie Don sie teilweise einsetzt..auch unentspannt ……wenns sein muss….

  21. Viielleicht darf ich das noch...
    Viielleicht darf ich das noch sagen: Seit ungefähr 400 Kommentaren habe ich nur noch Spmalinks gelöscht. Momentan läuft es sehr fein.

  22. Na dann viel Spaß ,ab Bolzano...
    Na dann viel Spaß ,ab Bolzano ! In dem kleine Örtchen Oro gab es einmal eine kleine Tratoria ;da konnte man auf dem Weg nach Verona oder auch nach Rom-von der autostrada heruntergefahren-für ein paar Lire schon die erste Pizza essen und wähnte sich auf italienischem Boden.Aber das war 1983,also schon ein Menschengedenken her .Mir ist’s,als wäre es gestern gewesen.Seither ist man die Strecke schon zigmal gefahren,aber niemehr die autostrada bei Oro herunter.Ob da noch gekocht wird ?

  23. ...wenn ich mich recht...
    …wenn ich mich recht erinnere hat herr kracht über die frankfurter mädchen gesagt sie seien „lässig“ . in diesem sinne herzlich willkommen und danke für den etwas beschwingten eintrag (was sich auch mal in den kommentaren widerspiegelt, ich warte ja nur auf die „was soll das denn jetzt“ einträge) …
    eine frage habe ich klugscheissenderweise aber: wenn hier schon um den dom geht (der deswegen in deutschland nicht kathedrale heisst, weil kein bischofssitz) warum gibt es den dann nicht zu sehen?

  24. Don Alphonso und Andrea Diener...
    Don Alphonso und Andrea Diener -pardon – „Ora“ hieß das Städtchen (ist ja auch schon lange her) und wir sind damals immer von München bzw Augusta Videlicorum weggefahren.

  25. Arathorn: Ora kenn ich nur vom...
    Arathorn: Ora kenn ich nur vom Durchfahren, das heißt auch Auer, sagt mein Hinterkopf (der jeden Provinzbahnhof zwischen Bozen und Meran noch bestens abrufbar gespeichert hat). Pizza habe ich da aber noch nie gegessen.
    Misterkite: Ja, der (Kaiser-)Dom, der steht so blöde abseits, daß man ihn nicht zusammen mit den Banken auf ein Foto bekommt. Insofern zog ich die illustrierende Wirkung der Katharinenkirche vor. Nehmen Sie das gern als Beleg für die umfassende Lässigkeit Frankfurter Mädchen.

  26. Roma Eterna, wann komme ich...
    Roma Eterna, wann komme ich endlich wieder zu Dir??
    Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt! Wenn ich
    sie in guter Begleitung, angeführt von einem recht verständigen Manne,
    vor funfzehn Jahren gesehen hätte, wollte ich mich glücklich preisen.
    Sollte ich sie aber allein, mit eignen Augen sehen und besuchen, so
    ist es gut, daß mir diese Freude so spät zuteil ward.
    über das Tiroler Gebirg bin ich gleichsam weggezogen. Verona, Vicenz,
    Padua, Venedig habe ich gut, Ferrara, Cento, Bologna flüchtig und
    Florenz kaum gesehen. Die Begierde, nach Rom zu kommen, war so groß,
    wuchs so sehr mit jedem Augenblicke, daß kein Bleiben mehr war, und
    ich mich nur drei Stunden in Florenz aufhielt. Nun bin ich hier und
    ruhig und, wie es scheint, auf mein ganzes Leben beruhigt. Denn es
    geht, man darf wohl sagen, ein neues Leben an, wenn man das Ganze mit
    Augen sieht, das man teilweise in–und auswendig kennt. Alle Träume
    meiner Jugend seh‘ ich nun lebendig; die ersten Kupferbilder, deren
    ich mich erinnere (mein Vater hatte die Prospekte von Rom auf einem
    Vorsaale aufgehängt), seh‘ ich nun in Wahrheit, und alles, was ich in
    Gemälden und Zeichnungen, Kupfern und Holzschnitten, in Gips und Kork
    schon lange gekannt, steht nun beisammen vor mir; wohin ich gehe,
    finde ich eine Bekanntschaft in einer neuen Welt; es ist alles, wie
    ich mir’s dachte, und alles neu. Ebenso kann ich von meinen
    Beobachtungen, von meinen Ideen sagen. Ich habe keinen ganz neuen
    Gedanken gehabt, nichts ganz fremd gefunden, aber die alten sind so
    bestimmt, so lebendig, so zusammenhängend geworden, daß sie für neu
    gelten können.
    Da Pygmalions Elise, die er sich ganz nach seinen Wünschen geformt und
    ihr so viel Wahrheit und Dasein gegeben hatte, als der Künstler vermag,
    endlich auf ihn zukam und sagte: „Ich bin’s!“, wie anders war die
    Lebendige als der gebildete Stein!
    Wie moralisch heilsam ist mir es dann auch, unter einem ganz
    sinnlichen Volke zu leben, über das so viel Redens und Schreibens ist,
    das jeder Fremde nach dem Maßstabe beurteilt, den er mitbringt. Ich
    verzeihe jedem, der sie tadelt und schilt; sie stehn zu weit von uns
    ab, und als Fremder mit ihnen zu verkehren, ist beschwerlich und
    kostspielig.

  27. angenommen!!...
    angenommen!!

  28. Herb: Ja, die Prospekte von...
    Herb: Ja, die Prospekte von Rom im Vorsaale, die kenne ich auch sehr gut (wenngleich nicht die Originale, denn die sind ja nach Weimar gewandert). Im Unterschied zu oben zitiertem Herrn war ich immerhin schon einmal fünf Stunden in Rom und habe 50% der Ansichten „mit Augen“ besichtigen können. Die restlichen 50% folgen in den nächsten Tagen.

  29. Sehr geehrte Frau Diener -...
    Sehr geehrte Frau Diener – jaja -„Auer“ -das stimmt schon .Aber in „Südtirol“ ,,mußte man ab und an schon vorsichtig sein mit den deutschen Bezeichnungen (damals noch) ,und die „Mafia-Torte“ schmeckte durchaus -auch wenn die Mafia erst weiter unten in Italien wartete und heute vielleicht gar in dem einen oder anderen Frankfurter „Türmchen“ ein Zimmer hat ?

  30. Arathorn: Ja, südlich von...
    Arathorn: Ja, südlich von Meran fing das an, daß man besser die italienischen Bezeichnungen verwendete. Wobei ich damit immer recht locker umging – man sagt als deutscher Muttersprachler ja auch „Mailand“ und nicht „Milano“, also kann man auch „Bozen“ sagen und nicht „Bolzano“. Wie ja auch jeder Italiener „Francoforte“ sagt und nicht „Frankfurt“, ohne damit irgendeinen Herrschaftsanspruch postulieren zu wollen. Nur bei Ora/Auer und diesen ganzen Käffern im deutsch-italienischen Zwischenreich wird das dann politisch. (Siehe auch -> Kärtner Ortstaferlstreit)

  31. Francoforte sul Meno.

    Die...
    Francoforte sul Meno.
    Die illustre Reisegesellschaft wird auf ihrem Weg gen Süden ja feststellen, dass hohe Häuser bauen an sich nichts originär frankforderisches ist, so denn Bologna und vielleicht auch San Gimignano auf der Reiseroute liegen. Und da gab es früher noch viel mehr davon. Da wurde auch gerne hoch gebaut und auch schnell wieder abgerissen, da dicke Pimmel ja Symbole der männlichen Macht sind, und wenn diese Macht vergangen ist, erst mal die Symbole weg müssen.
    Das ist hier in Frankfurt nicht anders. Da dachte ich, ich hätte endlich Mal Ruhe vom Baulärm, nachdem vorne und hinten, links und rechts alles mit viel Lärm neu und groß gebaut wurde, hauen sie jetzt ein altes Symbol der Macht herunter, ein für damalige Verhältnisse, also 80er, opulentes Hauptquartier einer Hypothekenbank, die es geschafft hat, schon vor dem ganzen Schlammassel die Grätsche zu machen.
    Der Beitrag von Frau Diener kam zur rechten Zeit, er hat mich bei diesem schönen Frühlingswetter dazu inspiriert, durch meine Stadt nach Hause zu laufen, und nicht wie die Monate zuvor unter schlechtem Wetter geduckt da drunter durch zu huschen. Es hat mir gefallen, es ist Architektur! Und abgesehen davon gibt es meiner Heimatstadt etwas besonderes. Und wenn ich z.B. über die Hügel der Wetterau fahre und bei Friedrichsdorf zum ersten Mal über die Hügel Frankfurt sehe, dann weiß ich, ich komm nach Hause.
    (Als ich allerdings mal aus China zurück kam, musste ich beim an Blick der Skyline erst mal lachen. Da hat jedes Provinzkaff so was, und zwei Wochen später doppelt so groß. Trotzdem tausche ich nicht.)
    Mwein Italien-Sehnsucht schwillt allerdings wieder an. Um da zu bekämpfen, muss ich wohl schnell mal auf reppubblica.it wechseln

  32. Ja, die Besitzverhältnisse:...
    Ja, die Besitzverhältnisse: die erkennt man manchmal erst, wenn man in die Papiere sieht.

  33. Schusch, natürlich hat...
    Schusch, natürlich hat Frankfurt nicht das Turmmonopol. Auch anderswo stechen die hohen Gebäude heraus und sind als *Geschlechterturm* auch noch hübsch explizit benannt.
    Diese seltsame Hochhaus-Sentimentalität kenne ich allerdings auch. Sich zwischen Fachwerk heimatlich fühlen kann ja jeder, aber Frankfurt winkt einem schon aus der Ferne zu, so kommt es mir immer vor. Auf Zugezogene und Besucher wirkt das oft befremdlich bis abstoßend, aber wenn man so eine Skyline von Kindesbeinen an hat wachsen sehen, hat man vermutlich einen ganz anderen Bezug dazu. (Man hat ja jedes Hochhaus schon gekannt, als es noch eine kleine Baugrube war.)

  34. Andrea,

    gegen befremdlich bis...
    Andrea,
    gegen befremdlich bis abstoßend für andere habe ich ja nichts. Ich pflege da meinen agressiven Lokalpatriotismus inklusive Fußballverein, der aber dennoch jeden einlädt, der sich darauf einlässt und er Teil davon sein will. Für Frankfurt, das echte Frankfurt, muss man sich entscheiden. Wenn man das will, ist man schnell dabei. In meinem Stammbaum sind Juden, Hugenotten und Leute, die freie Stadtluft suchten (ich kann das eine Weile zurück verfolgen). Das war und ist in Frankfurt möglich. Siena guck ich im Urlaub.
    Als denne!
    Ich möchte berichtet bekommen als ob ich dabei wäre!

  35. Nachtrag für...
    Nachtrag für Andrea
    http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bologna_Middleage.jpg
    Vergänglich. Wie unsere Skyline auch.
    Bologna ist und bleibt aber „La Grassa“ so wie mir Frankfodd bleiwwe.
    (Ich bin immer noch neidisch)

  36. Was für eine beeindruckende...
    Was für eine beeindruckende Skyline. Daß die in der Dichte herumstanden, war mir so auch nicht bewußt, da hat Frankfurt ja noch einiges nachzuholen in Sachen Turmbau. Wobei das in diesen unseren Zeiten gerade ein bißchen schwierig werden könnte. Nicht nur der Not geschuldet, auch der Symbolik. Banken sind ja gerade nicht so richtig beliebt. Ein wenig unauffällige Kulturförderung oder das ein oder andere Sozialprojekt wären da vielleicht angebrachter, bis der gröbste Aufruhr vorüber ist.
    Und natürlich werden wir uns beide bemühen, viel Lesenswertes zusammenzutragen in Italien. Es soll sich ja auch für die Daheimgebliebenen lohnen, am Main und anderswo.

  37. Ich hätte nichts gegen ein...
    Ich hätte nichts gegen ein neues, richtig hohes, fettes Teil. Es muss halt nicht unbedingt wieder direkt neben meiner Wohnung gebaut werden. Da draußen, wo früher der Güterbahnhof war, da können sie einen Kilometer hinstellen, dafür aber die z.B. Großmarkthalle ganz lassen.

  38. Das mit der Großmarkthalle...
    Das mit der Großmarkthalle verstehe ich allerdings auch nicht. Als ob der einzige Umgang mit geschützter Bausubstanz die des Durchdringens und Dekonstruierens sei. Kann man das nicht einfach mal stehenlassen und anerkennen, daß das besser ist als das meiste, was heute so herumsteht? Und seinen eigenen Kram hübsch danebenstellen? Alles andere halte ich für einen reichlich pubertären Gestus.

  39. Das Kirchtürme keinen Nutzen...
    Das Kirchtürme keinen Nutzen haben, möchte ich bestreiten: Erstens waren es teilweise früher auch Wehrtürme, in die sich das ganze Dorf flüchten konnte. Zweitens meinte Lichtenberg, Kirchtürme seien Trichter, durch die Gebete zum Himmel steigen können (oder so ähnlich).
    Die anderen Türme dagegen wollen selbst so hoch hinaus, wie der Turm zu Babel eben. Wenn man ein „Master of the universe“ ist, braucht man natürlich auch den entsprechenden Überblick. Nur mit der Sprache hapert’s dann irgendwann.

  40. Herr Jordanus, natürlich,...
    Herr Jordanus, natürlich, Wehrkirchen gibt es. Es gibt aber auch eine ganze Reihe, die einigermaßen wehrlos sind und trotzdem einen Turm haben. Der hatte dann eher ideelle, eben Trichter-Funktion.
    Leider verpasse ich wohl am 8. April den Medienmittwoch – da geht es um den Fotografen Ulrich Mattner: „im Anschluss wird sich Eva-Maria Magel, Kulturredakteurin der FAZ, mit Mattner über Fotografie im Allgemeinen und seine Blick hinter die Fassaden der Wirtschaftskathedralen im Speziellen unterhalten.“ Wirtschaftskathedralen! Selbe Höhe, minus Kultur.

  41. Wie lange wird es noch Banken...
    Wie lange wird es noch Banken geben, die sich steingewordene Fantasien ihres Allmachtanspruchs (gerade in Frankfurt lief das doch recht banal auf Schwanzvergleich der einzelnen Institute hinaus) sowohl von die Finanzen wie von der Psychologie her leisten können?
    Die Kirchen haben auch schon Problem mit der Baulast, hört man.

  42. Gerade eben sind wir hier in...
    Gerade eben sind wir hier in Trastevere an einer dieser abgewrackten Kirchen vorbeigekommen. Daneben standen drei andere. Die haben hier einfach zuviele davon.Allerdings wird man kaum ueber die Nachnutzung von Banktuermen reden. Entweder die werden weitervermietet, oder abgerissen. Ist ja nicht heilig, so ein Turm.

  43. Frankfurt ist einfach so...
    Frankfurt ist einfach so gesehen das Ausrufzeichen. Punkt und Schluß im letzten
    Kapitel (also wenns’t in einem Cafe sitzt und diese mails liest dann wackelt die
    Yoghurttorte noch und sitzt schief aberd as kann ja fürs Geschäft und die Fremden
    ja auch ganz anziehend wirken.

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