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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der kurze Dienstweg nach oben

| 22 Lesermeinungen

irchen sind Zweckbauten. Und als solche werden sie von der Gemeinde vereinnahmt: Mit Bildern, Schleifen, Täfelchen bricht das Leben ein ins kunsthistorische Denkmal und zeigt, wem das hier eigentlich alles gehört.

„Wir gingen den Dom besichtigen. Dort fand der Herr de Montaigne das Benehmen der Leute an einem solchen Feiertag, zudem mitten im Hochamt befremdlich: Sie standen selbst im Chor der Kirche herum und plauderten ungeniert drauflos, das Haupt bedeckt und dem Altar den Rücken zugewandt, und erst bei der Wandlung schien ihnen einzufallen, daß sie im Gottesdienst waren.“ 
Michel de Montaigne, Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland, 1580

[von Andrea Diener] Kirchen sind oft eine morbide Veranstaltung: Überall Knöchlein in Stein, in Marmor und in echt, Relikte vergangenen Lebens, Gräber, Gedenksteine und hier und da ein balsamierter Leichnam. In den Ecken finden sich aber, wenn man einmal genauer hinschaut, immer wieder Spuren von Leben, sogar höchst gegenwärtigem Leben, das einfach so und ohne zu fragen in die Kirche hineinwuchert.

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In Kirchen gehen ja nicht nur Kleriker und Touristen, in Kirchen geht zuallererst einmal die Gemeinde, also das Fußvolk der Gläubigen. Und wenn der Glaube wirklich für die Menschen da ist, dann muß er ihnen auch zugestehen, sich ihn anzueignen und auf ihre Weise auszudrücken. Auch wenn das mitunter befremdlich anmutet, wenn das nicht in irgendeiner Dorfkirche stattfindet, sondern inmitten kunsthistorisch wertvoller Bausubstanz. Wenn nicht fachgerecht gemurmelt wird, sondern Nippes Einzug hält, der dem protestantisch geprägten Menschen geradezu abergläubisch anmutet. Aber wer definiert da schon die Grenze?

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Dann wird man wieder daran erinnert, daß Kirchen eben Zweckbauten sind, und nicht nur dastehen, weil sie so dekorativ sind. So finden sich zu Füßen des Heiligen also diese Kinderfotos: Kinder zu Hause, vor gruseligen Wohnzimmerschränken, im Garten, Kinder mit albernen Mützen auf, mit Brillen und Kinder, die im Ikea-Kinderparadies herumturnen. Das erinnert mich immer an den Grabstein, denn ich einmal auf dem Zentralfriedhof in Wien gesehen habe, wo neben den Kommerzienräten und Realitätenbesitzern ein jüngerer Verstorbener mit seinem Handy abgebildet war. Wenn das Würdige und das Alltägliche zusammenstoßen, kann das für Überraschungen sorgen.

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Es spricht wohl für die südlicheren Länder, daß man hier offenbar so gar keine Berührungsängste vor dem Heiligen hat. Man bezieht das in sein Leben ein, integriert es fröhlich und bittet es in sein Haus. Das Heilige wird nicht an wenigen Orten ghettoisiert, es ist überall, in den Häusern, auf den Straßen. An die Mauern werden die Verstorbenen plakatiert, daneben wird der Muttergottes gehuldigt: Kerzen, frische Blumen, Dankestäfelchen.

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Die Muttergottes ist hier eine Instanz, an die man sich in allen möglichen Angelegenheiten wenden kann, daneben gibt es auch spezialisiertere Heilige. Und es gibt die personalisierten Hausaltäre: In Bayern der Hergottswinkel, fällt das der Religion gewidmete Eckchen in Italien oft etwas üppiger aus. Es blinkt und leuchtet, daß es nur so eine Freude ist. Und dann sitzen Leute davor und beten. Allein das beten ist ein für mich völlig unverständlicher Vorgang. Was machen die Leute da, was sagen sie da? Glauben sie wirklich, daß es hilft? Zumindest schadet es nicht.

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Und das Religiöse verleiht einen Rahmen, etwa bei Feiern, die nach jahrhundertealten Zeremonien ablaufen, aber immer wieder variiert werden. Man weiß genau, was als nächstes kommt, aber die Menschen füllen das mit Leben. Hier nämlich findet Glaube statt, nicht im Vatikan, der das organisiert und verwaltet. Der ist zwar gleich um die Ecke, aber gleichzeitig sehr weit weg. Hier wird geglaubt, hier wird das lebendig gehalten, weil es zum Leben dazugehört und auch dazu, italienisch zu sein.

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22 Lesermeinungen

  1. Das sollte das wahre Gesicht...
    Das sollte das wahre Gesicht des Glaubens sein: Für den Menschen und nicht anders rum. Es heißt zwar Gottesdienst, ist aber eigentlich Dienst für den Menschen. So sollte es sein, ist leider nicht immer so. Denn wenn wir ehrlich sind, dann ist es einem allmächtigem Gott doch schnurz und erst recht piepegal ob wir das Kreuz oder etwas anderes um den Hals tragen.
    Ich wünschte die Menschen würden das lernen und die Mächtigen sich daran halten. Revolutionen laufen manchmal langsam ab, doch es wäre gut wenn die vox populi sich die Kirchen zurück erobern würde!!

  2. ja, als katholischer mann...
    ja, als katholischer mann einer protestantischen frau, in altbayern lebend war es auch verwunderlich, wie oft dieser gelebte glaube in rom von ihr als schwer verstehbar bezeichnet wurde. ratio allein machst eben auch nicht.

  3. Reisen kann bilden, wenn es...
    Reisen kann bilden, wenn es gut geht. Dass dann manche Einsicht als Schock daher kommt, ist sicher nicht leicht auszuhalten. Ja, in der Tat: Kirchen sind für gläubige Menschen da, „auch wenn das mitunter befremdlich anmutet“, was die da tun. Und ja: Kirchen können von „kunsthistorisch wertvoller Bausubstanz“ sein, und da ist es sicherlich empörend, wenn es dem gläubigen „Fußvolk“ vor der Bausubstanz an Ehrfurcht gebricht, ja „Nippes Einzug hält“. Sicherlich ist es schlimm, wenn Glauben „einfach so und ohne zu fragen in die Kirche hineinwuchert“. Aber wen fragen? Den geschockten Touristen? Nur wie, wo der sich angesichts des ärgerlichen Lebens in den Kirchen in seiner Kulturstarre missachtet sieht? Finden Sie Trost: Wenn man bedenkt, dass die Kirchen von Gläubigen gebaut wurden, nicht von „befremdeten“ Touris, dann findet man es vielleicht gar nicht mehr so unfasslich, dass sie auch von Gläubigen genutzt werden. Selbst, wenn Nippes „Einzug hält“.

  4. @ Beerich: Religiöser...
    @ Beerich: Religiöser Analfabetismus ist schon ok, aber ihn zur „ratio“ zu zählen, ist vielleicht etwas überzogen.

  5. "Es spricht wohl für die...
    „Es spricht wohl für die südlicheren Länder, daß man hier offenbar so gar keine Berührungsängste vor dem Heiligen hat. Man bezieht das in sein Leben ein, integriert es fröhlich und bittet es in sein Haus.“
    so etwas ist doch wunderbar pragmatisch. und genauso muss das, dass sag ich, sein.
    wunderbare grüße an sie und den don.

  6. Staun, so polemisch, wie sie...
    Staun, so polemisch, wie sie es hier überziehen, war der Text bei weitem nicht gemeint. Ich habe einfach meinen protestantisch geprägten Blickwinkel mit nach Rom genommen und geschaut, was dabei herauskommt. Und wenn Sie bis zum letzten Absatz durchgehalten haben, werden Sie merken, daß ich alldem durchaus gewogen bin.

  7. Kopfschuetteln, dankeschön,...
    Kopfschuetteln, dankeschön, ich richte die Grüße aus, sobald der Don von seinem wohlverdienten Tee aufblickt. – Da stimme ich Ihnen zu, so muß es sein. Am besten ein Fest und eine Freude und kein Krampf.

  8. Mich berührt die Milde, mit...
    Mich berührt die Milde, mit der Sie die kitschigen Auswüchse der nicht nur speziell römischen Frömmigkeit o. „Spiritualität“ bedenken … die ich, in Roma aufgewachsen, eher als abstoßend empfand … U. gerade in der Stadt des universalkirchlichen Oberhauptes erschöpft sich dieser „Glaube“ – bei aller Vorsicht, die man bei der Wertung der eigenen Glaubenspraxis o. deren Qualität selbst der meistgeliebten Nächsten aufbringen muß – zumeist in einem arabesken Ritualismus, selbst in jenen famiglie principesche, aus denen Päpste hervorgingen … von den Jugendlichen in der Peripherie gar nicht zu sprechen ^^ Aber loyal sind wir Römer unserem Bischof sicherlich dennoch … ^^

  9. Rovere, vielleicht muß man...
    Rovere, vielleicht muß man fern von dort aufgewachsen sein, um es zu mögen. Ich zum Beispiel kann über anderes berichten, was ich als abstoßend empfand: Der nahezu zwanghafte Wettbewerb um das ordentlichste Grab auf dem örtlichen Frankfurter Stadtteilfriedhof etwa. Die Frauen, die dreimal am Tag dort hingingen, um jedes Blättchen herunterzusammeln und über alle herzogen, die es nicht taten. Die Frau, die im Winter den Kies rund um das Grab des Mannes mit nach Hause nahm, um ihn zu waschen, damit er im Frühjahr wieder sauber ist. Dieser ganze Koniferenwahn, die Begonien. Damit bin ich aufgewachsen. Die kitschigen Auswüchse erscheinen mir dagegen als sehr erholsam.

  10. Auch hierzulange gibt es...
    Auch hierzulange gibt es durchaus üppige Hausaltäre und Menschen mit pragmatischer, alltagsnaher Einstellung zum Transzendenten. Nicht nur im christlichen Bereich sondern auch bei dem was man als „Esoterik“ bezeichnen kann, oder im Bereich der Patchwork-Religiosität.
    Was man in den Kirchen eher selten sieht, kann man in den Wohnzimmern finden.
    Hier ein paar Bilder: http://oliversusami.de/UebersichtFaelle.html

  11. @Frau Diener: Sie schrieben:...
    @Frau Diener: Sie schrieben: „Allein das beten ist ein für mich völlig unverständlicher Vorgang. Was machen die Leute da, was sagen sie da? Glauben sie wirklich, daß es hilft? Zumindest schadet es nicht.“
    Licht und Wärme des Glaubens wahrzunehmen und zu spüren heisst zugleich, deren Erlischen wahrzunehmen. Kühler Glaube hat bereits seine Faszination verloren. Wärme und Licht benötigt Energie und Dynamik, viel Dynamik. Die Energie wird im Beten erzeugt, die Dynamik kann dann, bei Licht und Wärme, folgen. Das Göttliche in uns wahrzunehmen und würdig anzunehmen gerät ja mitunter durch die kleinste Alltagslaus ins Wanken, die da über die göttliche Leber läuft. Wie anders fände ich zu Licht und Wärme zurück, als Frieden mit der Laus zu schließen? Auch das ist Beten.
    Gehen Sie mit Licht und Wärme zum Beispiel zum Einkaufen, dann werden Sie andere Erlebnisse haben, als wenn sie abgekühlt gehen. So schafft das Beten Ihnen täglich andere Erlebnisse im Alltag, als wenn Sie auf das beten verzichten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Alltagen ist gelebter Glaube. Wie, wo und warum ein Mensch zu dieser Energie und Dynamik findet ist wenig relevant. Das geht am glänzenden Altar genauso, wie im dreckigen Stall und es geht ohne Rituale, ohne Feste, ohne Kirche, ohne Papst, ohne…
    Nur der Anschluss nach oben muss immer sauber und rein bleiben. Das heisst: Nicht vom Wesentlichen ablenken lassen!

  12. Schön, dass ich in diesem...
    Schön, dass ich in diesem Blog mal kein Quotenchrist sein muss. Eines wird vor allem in diesen Kirchen, diesen Hausaltären deutlich. Die Botschaft Christi ist eine frohe Botschaft. Wir müssen nicht sauertöpfisch in Sack und Asche gehen. Wir dürfen voller Freude und Gewißheit sein, dass Gott uns liebt und der Weg zu ihm jedem immer offen steht. Diese Freude kommt in der doch etwas steifen Liturgie (nord)europäischer Gottesdienste etwas zu kurz. Dass sieht in Afrika, Südamerika, auch unter schwarzen Gläubigen in den USA schon ganz anders aus. Die kommende Osternacht wird wieder ein Anlass sein, dieser Freude Ausdruck zu verleihen.

  13. Interessant, Ihre Kommentare...
    Interessant, Ihre Kommentare zu lesen. Wegen des Wettbewerbes der schönsten, größten, eindrucksvollsten Gräber sollten Sie einmal mehr in den Süden Italiens vorstoßen – man muß schon von Zweithäusern sprechen, nicht mehr von einfachen Gedenkstätten. Natürlich leistet sich nicht jeder den gleichen Luxus. Hat Frau Diener denn schon einmal gebetet oder ist ihr dies tatsächlich fremd? Die Ausführungen von Hr. Bremer haben mir sehr gefallen, treffen sie, für mich jedenfalls, den Kern des Glaubens.

  14. Zitat: Dann wird man wieder...
    Zitat: Dann wird man wieder daran erinnert, daß Kirchen eben Zweckbauten sind, und nicht nur dastehen, weil sie so dekorativ sind. :Zitat Ende
    Ja! Vor allem, wenn ich an den Peters- und den Kölner Dom denke. Reine Zweckbauten ;-) Frohe Ostern.

  15. Praktische Seiten von Religion...
    Praktische Seiten von Religion gibt es auch bei anderen Glaubensrichtungen. Habe am letzten Wochenende „clown finger puppets“ der 10 biblischen Plagen gesehen. Sie wurden in Toronto für einen guten Zweck versteigert. Leider hat jemand erheblich mehr geboten als ich.
    So süße Plagen! Wirklich niedlich und kindgerecht. Und welches Kind wollte nicht schon immer mal 10 Plagen haben, an jedem Finger eine?

  16. pdifranco: Beten ist mir...
    pdifranco: Beten ist mir tatsächlich sehr fremd. Ich nehme jetzt einmal das kindliche Aufsagen von Gebeten im Kindergottesdienst aus, das ist eher ein Gruppenritual. Aber ich käme nicht auf die Idee, mich an eine für mich sehr abstrakte Macht zu wenden, von der ich nicht einmal glaube, daß sie existiert. Kirche ist für mich als kulturelles Phänomen interessant, aber mir selbst fehlt jeglicher Zugang, tut mir leid.
    .
    Ich bin vor einigen Jahren in den Süden von Italien vorgestoßen und kenne auch die dortigen, naja, Totendörfer muß man schon sagen. Und die Hausaltare.

  17. Goethe62, *reine* Zweckbauten...
    Goethe62, *reine* Zweckbauten sicher nicht. Aber eben auch. Kunstgeschichtler vergessen das manchmal vor lauter Grundrißstudium und Figurenprogramm.

  18. Wem Religion und Gläubigkeit...
    Wem Religion und Gläubigkeit hilft, der sollte sie um Gottes Willen nicht aufgeben – nur sollte er sich nicht auf das Podest des besseren Lebensentwurfs stellen. Denn Gebet ist nicht mehr als ein ritualisierter Dialog mit sich selbst, wenn der Gläubige mit einem nach oben projizierten Teil seines Ichs ringt. Man denke nur an Don Camillos sehr weise (und deshalb auch erheiternde) Gespräche mit dem Gekreuzigten. Deshalb, liebe Ungläubige, führen auch Sie ständig innere Zwiesprache, wenn auch nicht mit dem Christengott. Es ist aber nicht der Draht nach oben – da gilt: Kein Anschluß unter dieser Nummer -, sondern die freie Leitung nach innen, die Ihnen hilft. Deshalb ein frohes und besinnliches Fest! (Wünscht der agnostische K.)

  19. Sehr interessant, in Ihrem...
    Sehr interessant, in Ihrem Text stoßen Mittelalter und Moderne so treffend aufeinander, und beide haben natürlich ihre Berechtigung – und sprechen ihre eig’ne Sprache: Ich bin mir sehr sicher, dass Sie Momente kennen, in denen Sie sich versenken, sich Ihrer bewusst werden und das Lebensganze bedenken. Das sind auch Gebete – keine inbrünstigen, keine dramatischen, keine katholischen, sondern Gebete in Ihrer Sprache.
    Wie gern wär‘ ich in Arkadien!

  20. Das mit dem Beten sehen Sie,...
    Das mit dem Beten sehen Sie, Frau Diener, zu protestantisch. Es muß dabei nicht allein um eine innere Zwiesprache mit Gott gehen, obwohl ich auch dabei den therapeutischen Aspekt nicht geringschätzen würde (es ist immerhin billiger als eine Sitzung beim Psychotherapeuten; und schon Freud hat ja darauf hingewiesen, daß kollektive Neurosen wie die Religion erfolgreich vor individuellen Neurosen schützen können). Aber der Katholizismus kennt ja vor allem das kollektive, ritualisierte Gebet.
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    Eine wirklich rundum gelungene Tradition finde ich – als eingefleischter Atheist – das Rosenkranzgebet für die Verstorbenen. Die letzten Male, als ich eine Kirche zu anderen als touristischen Zwecken aufgesucht habe, war anläßlich des Ablebens meiner Großelterngeneration. Und in der Tat erlaubt das strenge Ritual des Rosenkranzgebetes einem, von den Verstorbenen in einem würdigen Rahmen Abschied zu nehmen, weil es einerseits eine bestimmte Zeitspanne dem Angedenken des Toten widmet, andererseits aber durch die Strenge der Form verhindet, daß man von der Trauer völlig überwältigt wird (im Gegensatz dann zum Requiem, wo man angesichts des Pfaffengeschwätzes am liebsten schreiend aus der Kirche rennen möchte und es nur deshalb unterläßt, um die Verwandtschaft nicht zu brüskieren). Und um den Trost dieses Rituals zu erfahren, ist es absolut unnötig, an irgendeinen Gott zu glauben.
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    Doch auch unabhängig von der Extremsituation der Trauer um die Verstorbenen hat(te) das Gebet eine nicht zu unterschätzende säkulare Funktion. Von meiner Urgroßmutter weiß ich, daß sie deshalb jeden Tag zum Beten in die Kirche ging, weil das die einzige Stunde am Tag war, die sie ganz für sich hatte, wo sie von der damals noch extrem harten Hausarbeit und den Ansprüchen, die ihre vielen Kinder an sie stellten, ausspannen konnte. Und das auf eine Weise, die gesellschaftlich akzeptabel war.
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    Und genau dieses Faktum, daß die Verzahnung der Religion mit dem Alltagsleben immer weiter verlorengeht, wird der organisierten Religion auf die Dauer das Genick brechen; dazu braucht es keine atheistische Propaganda, keinen eifernd-fanatischen Antiklerikalismus, sondern nur Geduld.

  21. Bei der Sache mit dem Handy...
    Bei der Sache mit dem Handy fielen mir die russischen Gangster-Grabsteine ein:
    http://englishrussia.com/?p=723
    (ich hoffe, so ein Link ist hier erlaubt)

  22. Lieber Flusskiesel, derart...
    Lieber Flusskiesel, derart nützliche Links sind natürlich erlaubt. Übrigens kommt das dem Handy-Grabstein in Wien erstaunlich nahe.

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