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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Nazis im Nachverkauf

| 117 Lesermeinungen

Die alten Anhänger der Nazis sterben, aber ihr Besitz bleibt. Urgrossmutters Tischdecken kann man verwenden, Grossmutters Porzellan kann das Töcherchen beim Studium ruinieren, und eine alte S-Klasse findet immer einen Liebhaber in Afrika - aber wohin mit den Landsergemälden, den arischen Frauen auf Öl und den braunen Bannerträgern aus Zinn? Schwierig. Vielleicht ist Verbrennen eine Lösung - Versteigerungen taugen offensichtlich weniger zur Entsorfung des braunen Kulturmülls.

Gleich darauf marschier’n die Lehrer, Machtverehrer, Hirnverheerer, für das Recht die deutsche Jugend zu erzieh’n zur Schlächtertugend.
Bert Brecht, Der anachronistische Zug

Es dauert etwas, bis die Mitarbeiter des Auktionshauses die Gemälde und Bücherschränke für den Transport bereitstellen. Ich habe noch etwas Zeit und streife durch die deutlich geleerten Ausstellungsäume. Vielleicht findet sich noch etwas im Nachverkauf; mitunter übersieht man eine Trouvaille, und im Transporter wäre auch noch etwas Platz für einen Sekretär. Aber Krisenzeiten sind gute Zeiten für Kunst, die Menschen besinnen sich auf langfristige Werte, und das meiste ist weg: Der hübsche Damenschreibtisch und die kleine Barockkommode, alle Putten und die Rokokoportraits. Was zurückgeblieben ist, sind ein paar hässliche Nackte auf Leinwand aus den 70er Jahren, die schon bei der Vorbesichtigung belächelt wurden, ein paar scheussliche Stilmöbel mit überzogenen Preisvorstellungen, und der vermutliche Nachlass eines alten Sammlers von Kunst der NS-Zeit. Keiner wollte das haben.

Bild zu: Nazis im Nachverkauf

12 Jahre, von 1933 bis 1945, war man auf den Kulturbegriff der Nazis verpflichtet, wenn man in Deutschland Elite sein wollte. Von sehr wenigen, systemrelevanten Ausnahmen im Kulturbetrieb mal abgesehen – Hans Albers vielleicht, Heinz Rühmann, Hans Moser – hatte man es mit der Mitgliedschaft in der NSDAP in allen Lebensbereichen sehr viel leichter, zumal die Elite der Weimarer Republik weitgehend entmachtet, vertrieben oder ermordet wurde. Manche liefen zum neuen Regime über, andere machten in ihm schnell Karriere. 12 Jahre ist eine lange Zeit, und wenn die Kultur von oben gesteuert wird, bleibt vieles übrig, das an jene Zeiten erinnert. Wenn ich solche Bilder sehe, muss ich an die C. und ihre Familie denken.

Die C.war klein, etwas rundlich, dunkelhaarig und kam über ihre Freundin F. in unsere Kreise, die auch zur Schulzeit schon von jenen unsichtbaren Klassengrenzen umschlossen waren, die das Wohnen im richtigen Viertel so mit sich bringt. Die F. war gross, schlank, blond und hatte hohe Wangenknochen, und ihr Grossvater war ein weithin bekannter und allseits beliebter Kinderarzt, der ein hübsches Haus im richtigen Viertel hatte. Die C. dagegen wohnte mit ihren Eltern und Grosseltern in einer Villa inmitten eines anderen Viertels, das in den 30er Jahren entstanden war. Sehr viel Heimatschutzarchitektur mit hohen Giebeln, aber eben auch grosse, kastenartige Villen. Die C. war ausgesprochen nett und lustig, und viel zugänglicher als die kühle F.. Es gab eine Art Wettlauf um die C. und die Frage, wer mit ihr beim Ball einer bekannten Bank tanzen dürfte. Ein guter Freund ging siegreich daraus hervor, die C. nahm sich einen vollen Tag Zeit, um sich schön zu machen, und dann holten wir sie ab: Mein Freund, die F., ich, die als meine Partnerin fungierende Tochter des Bankenchefs, und ihre ältere Schwester am Steuer der S-Klasse ihres Vaters. C. wohnte im oberen Stockwerk, und wir, gut angezogen und voller Vorfreude, mussten zu ihr hinauf. Unten empfing uns ihr Grossvater.

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Meine Grossmutter pflegte, wie es bei uns im Gegensatz zur offiziellen und reichlich verlogenen Versöhnungspropaganda mit den österreichstämmigen, nach Deutschland vertriebenen Böhmen üblich ist, zu sagen: „Er is zwoa a Flichdling, owa a nedda Mensch.“ Dieses halb ab-, halb aufwertende Urteil fusste im Umstand, dass man als Hausbesitzer jener Nachkriegszeit verpflichtet werden konnte, solche Leute aufzunehmen, die sich in der Folge oft als unerfreulich herausstellten. Es war nötig, manche vom generellen Urteil auszunehmen. Der Grossvater von C. konnte als Flüchtling gelten und betätigte sich auch in den entsprechenden Verbänden, hatte aber als linientreuer Nazi schon während jener braunen Epoche nach Bayern geheiratet. Der Krieg aber war in seinem Hause nie zu Ende gegangen. In der Halle, in der wir empfangen wurden, schleppte in Öl auf Leinwand ein Landser einen anderen mit Kopfbinde durch ein Schlachtfeld, die Artillerie deckte den Russen mit Granaten ein, schwarze Reiter eroberten Lebensraum im Osten, und Portraits zeigten sehr arische Männer in Uniform und Frauen in Züchtig. Bei meinen Eltern hingen abstrakte Gemälde an den Wänden, der Vater meines Freundes sammelte asiatisch Kunst, der Bankchef zerrte seine Töchter durch Münchner Galerien, der Kinderarzt sammelte für Afrika – wir alle waren, vorsichtig gesagt, in einer uns sehr fremden Welt.

Aber so war das damals eben auch: Der katholische Religions- und Lateinlehrer meiner Schule erzählte begeistert von der Partisanenbekämpfung an der Ostfront, der Lehrer des Geschichte-LKs meinte, man dürfe die Waffen-SS  nicht pauschal verurteilen, deren Uniform er auch getragen hatte, und die Tageszeitung der Stadt  brachte die „zeitgeschichtlichen“ – heute würde man sagen, revanchistischen – Erkenntnisse einer Gruppe von Honoratioren, mit deren Treiben sich der Verfassungsschutz beschäftigte. Sie hatten überlebt, sie hatten es auch nach den 12 Jahren wieder in Ämter geschafft, man hatte sie nicht an die Wände ihrer Villen gestellt, wo sie die Reliquien ihrer vergangenen Jugend sammelten und für die Freiheit eintraten, ihre Freiheit, das zu tun und weiterhin eine wichtige Rolle im Staat zu spielen. Nur gerüchteweise hörte man etwas von den verboteneren Dingen, von den nicht öffentlichen Räumen, wo es ausehen sollte „wie damals“. So stand er dann vor uns, der Grossvater von der kleinen, dunklen und lustigen C., dünn, korrekt und förmlich wie ein Standgerichtsurteil.

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C. erklärte uns, die wir auf dem Rücksitz der S-Klasse zusammengequetscht und kleiderzerdrückend zum Ballsaal fuhren, dass ihr Opa einen Knall habe und man ihm diese Bilder nicht ausreden könnte. Wenn ich aber heute solche Bilder in den Katalogen finde, mit Titeln wie Gefechtspause oder Angriff oder Portrait eines Offiziers, dann denke ich an solche dünnen Männer wie ihn in den Auktionshäusern, wie sie die Hände heben und mitbieten, deutsche Soldaten kapitulieren bekanntlich nicht, um die Rente mussten sie nicht betteln, wie man das von Zwangsarbeitern erwartete, sie waren bald wieder oben und in den richtigen Parteien, also her mit dem arischen Mädel und dem schneidigen SS-Mann – aber es ist alles noch da. Niemand wollte das haben. Alles hängt noch hier im Nachverkauf, kein alter Mörder schlug zu und die jungen Neonazis haben einen anderen Unkulturbegriff, und vermutlich auch nicht so viel Geld. Jemand wird den Krempel wieder mit heim nehmen müssen, wo auch keiner erbaut ist, wenn ein Dorf brennt oder das Schlachtfeld raucht.

Ging man vor 15 Jahren noch auf Auktionen, war das anders; angeblich soll in Osteuropa kistenweise Nazikrempel vom SS-Dolch bis zur Kriegsberichterstatter-Leica gefälscht und dann hierzulande verkauft worden sein. Heute bleibt es liegen, egal ob SA-Mann aus Zinn oder Teilnehmer der grossdeutschen Kunstausstellungen; sinnlos und Zeugnisse der Verblendung wie die ausgebrannten deutschen Panzer im Kursker Bogen. Jeder von denen verliert sein letztes Stalingrad gegen den Tod, und kaum einer schafft es, die Enkel noch mal an die Front zu rufen, um das braune Erbe der alten Elite zu bewahren, zu kaufen oder auch nur aufzuhängen. Es war ein langer, zäher Kampf des grossen Schnitters gegen die Herrenmenschen, aber am Ende erfolgreicher als alle deutschen Aufarbeitungsversuche. Die Nazis sind tot. Und ihre Bilder haben keinen Markt mehr.

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Die Tochter des Bankchefs hat natürlich einen anderen geheiratet, der Kinderarzt ist heute hochbetagt und immer noch engagiert, und die C. habe ich schon lang aus den Augen verloren. Aber ich weiss, dass der alte Mann mit den Bildern schon lange tot ist, und dort, wo die Villa der dreissiger Jahre stand, wurden inzwischen zwei pastellfarbene Toskanabunker errichtet. Vielleicht rotten die Bilder in einer Abstellkammer vor sich hin, vielleicht wurden sie auf den Müll geworfen. 12 Jahre lang musste man das haben, um Elite zu sein, ein paar Jahrzehnte hat es nicht allzu sehr geschadet, heute kann man es bestenfalls verstecken, oder zu Zwecken der geschichtlichen Aufklärung verwenden, wie es dann oft in den Katalogen geschrieben steht, in unserer Epoche, da man im Osten keinen Lebensraum mehr sieht, sondern allenfalls den Herkunftsort der profitabel arbeitenden Schwestern im Altersheim, die bald dem letzten alten Nazi das letzte Mal das Bett ausräumen werden, das Bett, das teuer bezahlen zu können mitsamt der Abschiebung der alten Leute heute das Privileg der Oberschicht ist.

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117 Lesermeinungen

  1. Hoitaus... - was für ein...
    Hoitaus… – was für ein Finale! Jetzt haben Sie´s aber allen gegeben!
    Zudem kann man nun erahnen, warum Ihnen die Banker schon lange vor Dotcom etc. suspekt waren.

  2. in einem auktionshaus habe ich...
    in einem auktionshaus habe ich neulich eine breker-skultur aus den besagten jahren gesehen, die einen hübschen preis erzielte.

  3. Wer von den Nachgeborenen...
    Wer von den Nachgeborenen jemals in einem KZ war oder in Yad Vashem war
    oder in die Augen eines Holocaustüberlebenden geblickt hat der muß einen Stich
    in seinem Herzen spüren – wenn nicht, dann meldet sich Gott in anderer Weise diese Menschen sind tot am lebendigen Leib. Ein Herz kann nur heilen wenn es
    beides aushält all die Schönheit der Schöpfung sowie all die schrecklichen Bilder
    die der Mensch verursacht gestern und heute und wahrscheinlich auch morgen.
    Auch Gott wird uns morgen noch schreckliche Bilder schicken um in unseren Herzen
    etwas zu rühren – er rührt solange bis wirs kapiert haben.

  4. Für „Freiheit und...
    Für „Freiheit und Democracy“
    Oh, das ist ein Fund, Bert Brechts vermutlich schärfstes Gedicht – zur „Freiheit und Democracy“, nach 45, und hier der ganze Text: http://geschichtsarbeit.blog.de/2009/06/25/anachronistische-zug-geht-6389616/. Es ist mir unmöglich auch nur einen Vers zu finden, der nicht durch die Geschichte bestätigt, bzw. nicht gar ganz besonders aktuell wäre, denn:,,Allons enfants, god save the king
    Und den Dollar, kling, kling, kling.“

  5. ich habe aus diesem grund die...
    ich habe aus diesem grund die bände einiger blut-und-boden-autoren, antiquarisch, aus der erbschaft ihres vaters und der tante übernommen, weil sie *das* nicht haben wollte. es ist unlesbares zeug, aber auch das muss man meiner ansicht nach behalten. for the record.
    .
    die konzentrationslager vergammeln. man müsste sie restaurieren, wenn man sie als gedenkstätten erhalten will. ich kann mich nicht entscheiden. soll man das machen? reichen fotos nicht aus? soll man für so etwas geld ausgeben? macht es einen unterschied? ich weiß es nicht.

  6. ... "reichen fotos nicht aus?"...
    … „reichen fotos nicht aus?“
    … nein, so etwas muss man mit eigenen Augen gesehen haben! Ein Geschichtslehrer, der seine Schueler nicht duch eines dieser Lager gefuehrt hat, hat in meinen Augen seinen Beruf verfehlt.
    G.S.

  7. @itha
    als besucherin von...

    @itha
    als besucherin von buchenwald, auschwitz, sachsenhausen (kinderschuhe, kinderschuhe …) kann ich nur sagen,
    es macht einen eindrücklichen unterschied. ich weiß es.
    .
    http://gedichte.xbib.de/Becher_gedicht_Kinderschuhe+aus+Lublin.htm

  8. Hier meine Geschichte zum...
    Hier meine Geschichte zum Thema 1933-1945, „Antiquitäten“ und Sperrmüll:
    Irgendwann begannen die sogenannten 68er, ihren Eltern und Großeltern unangenehme Fragen zu stellen, nicht nur „was Opa im Krieg gemacht hat“, sondern auch, woher die teuren Möbel, Teppiche, Pelzmäntel und das Porzellan stammten, wo doch die ganze Sippschaft es nie zu etwas gebracht hatte (Thema: „Menschliches Versagen“ vor einiger Zeit im TV). Rein zufällig gab es dann kurze Zeit später in einigen großen deutschen Städten sogenannte Entrümpelungs- und Sperrmüllaktionen. So auch Anfang der 70er in der großen hässlichen Stadt. Sie glauben ja nicht, was dort alles am Straßenrand stand und auf den umliegenden Mülldeponien landen sollte. Der hier geschilderte NS-Kram war nicht darunter, jedoch viel erlesenes Mobiliar. Am nächsten Morgen, noch vor Eintreffen der städtischen Müllabfuhr, hatten sich die Reihen schon merklich gelichtet. Ich muss gestehen, dass auch ich damals in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eines der dort abgestellten wunderschönen Möbelstücke zweifelhafter Herkunft vom Straßenrand gerettet habe.
    .
    Die anderen gingen, befreit von ihren historischen Lasten, einkaufen und schleppten die modernen Pressspan- und Plastik-Möbel der 70er Jahre in ihre Hütten.

  9. Lieber Don Alphonso,

    ich...
    Lieber Don Alphonso,
    ich staune über das Auktionshaus, das diese NS-Scheußlichkeiten versteigert. Ein seriöses Unternehmen dürfte so etwas gar nicht zur Versteigerung annehmen. Gut, dass der Spuk leer ausging. Und hoffentlich nirgendwo wieder auftaucht!

  10. muscat, oh, nichts gegen...
    muscat, oh, nichts gegen Bankangestellte generell, in meiner Jugend waren das die honorigsten und zuverlässigsten Menschen, die man sich vorstellen konnte. Und wirklich verstehen können die die Finanzkrise heute auch nicht mehr. Nochmal: Ich habe alle Achtung vor den alten Bankiers.
    .
    donna laura, dank der Bemühungen *gewisser* Kreise in Westdeutschland nach 45 hat Breker eine durchlaufende Vita, und so gilt er heute als politisch unkorrekt schick – in manchen Kreisen. Aber damit ist er die Ausnahme.

  11. Devin08, das war meines...
    Devin08, das war meines Erachtens der Höhepunkt von Brecht nach 45. Da hat er es allen nochmal deutlich gesagt.
    .
    itha, generell denke ich, dass es die Intensität der Realität ist, wegen der man sich so etwas einmal anschauen sollte. Das kann kein Bild. Und so teuer ist die Erhaltung auch nicht, wenn man es mal mit der Erhaltung der Hypo real Estate vergleicht.

  12. Ægopodium, mir hat jemand in...
    Ægopodium, mir hat jemand in Wien die Geschichte erzählt, dass Nachbarn ihren überlebenden Arisierungsopfern sagten, sie hätten ja versucht, den Schmuck für sie aufzubewahren, aber leider hätten die Russen das alles gestohlen. Und dr Ärger der Österreicher mit der Frage der Entschädigung für die wilden Arisierungen ist auch keine 10 Jahre her. Jaja, der lange Atem der Geschichte. Bei obigen Bildern aber denke ich, dass sie schon aus arischem Besitz stammen.
    .
    Ms. Phipps, doch, das ist relativ normal, zumal einer der fraglichen Maler nach 45 relativ ungehindert weitermalen konnte – nur eine anderer brachte sich 1945 um, bevor die Russen kamen. Schlimmer als den (gescheiterten) Verkauf von Nazikunst finde ich im Übrigen die Leichtigkeit, mit der die Herkunft anderer Stücke mitunter akzeptiert wird. Aber Nazizeug hat man heutzutage immer, sobald es um Militaria geht.

  13. @Don Alphonso
    "Bei obigen...

    @Don Alphonso
    „Bei obigen Bildern aber denke ich, dass sie schon aus arischem Besitz stammen.“
    .
    Diese dezente Andeutung, dass ich etwas off topic war, habe ich wohl verstanden. Allerdings standen sie in der Vergangenheit auf Auktionen öfter als man denkt nebeneinander: Die sogenannte Nazikunst aus „arischem“ Besitz und die von Nazis geraubten Kunstschätze aus jüdischem Besitz. Ihre Geschichte erzählt von einem Teil heutiger Auktionskataloge, meine von einem anderen Teil gestriger Auktionskataloge. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Mit dem alten NS-Kram noch einen Profit erzielen zu wollen, die moralische Flexibilität zu besitzen, Antiquitäten mit „lückenhafter Herkunft“ zu (ver)kaufen oder aber das ehemals arisierte Mobiliar abholen und vernichten zu lassen, wie man die ehemaligen Besitzer abgeholt und vernichtet hat.

  14. Bilder reichen wirklich nicht...
    Bilder reichen wirklich nicht – wenn sie durchgehen wird ihnen am eigenen Leib
    schlecht dass dies begangen wurde und so lange andauern konnte. Die Folgen und Auswirkungen
    für die Überlebenden und deren Familien noch nicht mit eingeschlossen. Es sind
    Wunden die so tief sitzen und jederzeit aufbrechen können – aufbrechen um dann
    entgültig zu heilen.

  15. Vorsicht ! Nicht zu viel über...
    Vorsicht ! Nicht zu viel über solche Auktionen schreiben, sonst müssen Sie sich die Sitzplätze bald mit Glatzen teilen und nicht mehr mit höheren Töchtern.
    .
    Teilweise haben diese Leute Geld und es sind viele. Notfalls legt die Kameradschaft Niederbayern mal zusammen um ein schönes Stück für den Clubkeller zu ergattern.
    Wenn diese Bilder von der vergeblichen Auktion auf den Flohmarkt kommen, dann dürften sie sowieso reißend weggehen.

  16. Das Nazitum hat im Westviertel...
    Das Nazitum hat im Westviertel heute keine offenen Anhänger mehr. Wie beruhigend.
    Die heutigen Nazis haben (wie ja auch angedeutet wurde) einfach eine andere Ästhetik, die mehr die Gefühle der Unterschicht („Gosse“) anspricht, Bomberjacken oder so.
    Aber das war ja damals auch nicht anders. Vor 1933 hatte die SA im Westviertel nix verloren.
    Wenn heute so ein Neo-Faschist wirklich mal einen Systemwandel probiert, dann wird das Westviertel ruckzuck auch wieder ganz vorne mit dabei sein.

  17. apropos Panzer: Letztes Jahr...
    apropos Panzer: Letztes Jahr war bei uns in der Buchhandlung ein älterer Herr, der Straßenkarten von hier bis irgendwo im Osten wollte, da er mit seinem Enkel noch einmal seine alte Panzerroute abfahren wollte. „Jetzt, wo der Russe das nicht mehr verbietet.“

  18. Jan-C-Hartmann, vollkommen OT:...
    Jan-C-Hartmann, vollkommen OT: Irgendwann will ich auch mitfahren nach Amman, und zwar in einer alten E-Klasse oder einem Audi Coupe.
    .
    Ich weiss nicht, ob sich alle Enkel über sowas freuen würden. Es gibt wohl ein paar Familien, da hat sich so eine Einstellung gehalten, aber das ist nicht normal.
    .
    HansMeier555, SA vielleicht nicht, aber die NSDAP hatte eine breite Basis unter den reaktionären Reichen. Hirler musste halt seine SA draussen lassen, aber er durfte rein.

  19. Im Rückblick bin ich...
    Im Rückblick bin ich übrigens heilfroh, die Weltsicht mancher der 1900 bis 1930 geborenen älteren Verwandten ungefiltert mitbekommen zu haben. So kann man es doch viel besser einschätzen.
    Abgesehen von der unerträglichen Ideologie (und damit meine ich nicht nur den NS-Rassenwahn im engeren Sinne) waren es z.T. übrigens feine Menschen, denen ich vieles verdanke.
    In ihren Vorbehalten gegenüber jüngeren Zeitentwicklungen wie auch in ihrer Vorstellung von einer stilvollen Wohnungseinrichtung waren Sie von den Vorstellungen des Don gar nicht immer so weit entfernt.

  20. In einem Auktionshaus in...
    In einem Auktionshaus in Brüssel an der Place Sablon war ich einmal gebannt vor einem exquisiten wie raren Meissner Fischservice angezogen. Es war komplett 24-teilig und einfach unglaublich. Vor allem wenn man wie ich den europäischen Museumsbestand an Meissner Porzellan kennt, weil regelmässig besucht. Meine Frage nach der Herkunft wurde mit ,,Argentinien“ beantwortet. Nach Auskunft des Geschäftsführers kämen derzeit die besten und seltensten Stücke von dort. Erstaunlich doch, wie unbeschadet Raubgut samt Räuber die Kriegswirren, die Schiffspassage und die Neuzeit überstanden hat.

  21. Und was ist von der These zu...
    Und was ist von der These zu halten, die abstrakte Kunst sei 1945ff gerade deswegen so beliebt gewesen, weil sie eben gar nichts zeigte und nichts sagte.
    Vollkommen steril und zeitlos, vergangenheitsfrei, ohne Fragen oder Assoziationen zu erwecken.
    .
    Nullkunst, passend zur Stunde Null.

  22. Dem Vernehmen nach hat sich...
    Dem Vernehmen nach hat sich vor Kurzen ja so ein Ewiggestriger für das ‚Arbeit macht frei‘ Schild aus dem KZ Ausschwitz interessiert – insofern würde ich Ihre (D.A.) Einschätzung, dass heutzutage sich für Nazipompösesundschreckliches kaum jemand noch interessiert, nicht teilen. Zudem hat sich die Pseudokunst einfach dem Zeitgeist angepasst. Heute wird allerlei Braun-Verbrecherisches auf CDs gepresst und als ‚Musik‘ verkauft. So manche Musikcombo ist damit schon reich geworden. Und statt BDM und HJ machen die Rechten heute einen auf harmloses Zeltlager und Jugendclub – womit sie gerade im Osten dieser Republik ihre Netze nach der Jugend auswerfen. Nur weil man sich in bestimmten Kreisen öffentlich schämt und diese SA-Figürchen nicht ersteigert, heißt das noch lange nicht, dass man anderswo nicht sich zurücksehnt in diese 12-jährige-Größenwahnfantasien. Wer sich die Kommentare im Internet auf Plattformen beispielsweise der Springerpresse aber auch dieser Zeitung hier zu bestimmten Themen zu Gemüte führt, weiß was ich meine. Die früher ’schweigende‘ Mehrheit kriecht aus ihren Löchern und denkt höchst häufig braun.

  23. Weter Don,
    der Schluß Ihres...

    Weter Don,
    der Schluß Ihres Essays ist gut, stellt er doch einen Bezug zur heute geltenden Realität her. Auch der Altnazi-Herrenmensch-Idiot verrottet irgendwann zum Glück, liebevoll gepflegt von jemandem, der in seinem Wertekreis als Bauer oder maximal als Fabrikarbeiter dem Wohl des Reiches dienen sollte. Ist ja auch doof, dass der Russe einem einfach mal so das Gut weggenommen hat – als man dann plötzlich gegen Hitler war, tja, da war es zu spät, Mist.
    Mein Vater hat den ganzen Nazikrempel meines Grossvaters zerstört und in hohem Bogen entsorgt – unerträgliches Zeug, wir wären auch nicht auf die Idee gekommen, das Zeug zu verscherbeln, aber zum Glück scheint es für diesen Krams auch keinen wirklichen Markt zu geben. Ach ja, was kosten die Figürchen und wo kann ich die erwerben? Wir können den Mist ja zusammen kaufen und einer geregelten Entsorgung zuführen…oder ich kaufe sie meinem Sohn für seinen Schleich-Bauernhof und wir spielen Brandenburg, hihi!
    Schönen Gruß aus dem Norden,
    Moritz

  24. Nullkunst: Sehr schön...
    Nullkunst: Sehr schön getroffen Herr Meier. ich stimme Ihnen aus vollem Herzen zu

  25. Ægopodium, natürlich kann es...
    Ægopodium, natürlich kann es gut sein, dass neben dem braunen Öl auch das jüdische Silber glänzt, aber mit der Restitution ist das auch so eine Sache: Vieles, was in Privathan gelangte, ging über Versteigerungen und Verkäufe, sprich, man wusste zwar, woran man sich bereicherte, aber der Staat hatte eine Institution dazwischen geschaltet. Aber so ist das eben mit alten Dingen generell: Schwierig. Sehr schwierig. Man fördert damit keine Ausbeutung in der dritten Welt, aber es gibt andere Komplikationen. Um auf meine englischen Silberkannen zu sprechen zu kommen: Deren Geschichte ist auch hübsch fies, stammt das meiste Material doch aus dem Opiumhandel mit China. Ich denke, das Bewusstsein dabei ist einfach wichtig.
    .
    Inge, da gibt es keine Regeln. Man muss nach meiner Erfahrung den Leuten ihren Willen lassen. Generell habe ich aber nicht den Eindruck, dass man deshalb sein Leben in Leid und Jammer zubringen möchte.

  26. DerGärtner und HansMeier555,...
    DerGärtner und HansMeier555, ich sehe schon, ich werde Sie in die Freuden meiner kleinen Kollektion von Rupprecht Geiger einführen müssen, wenn Sie so reden.

  27. Reiterjunge, sicher, man kann...
    Reiterjunge, sicher, man kann sie von einem Militariahändler verschleudern lassen. Aber ich war vor einem Jahr auf einer Auktion, wo ich mich um ein Rapier aus dem 18. Jahrhundert bemühte, und da war auch ein Nachlass eines Ritterkreuzträgers der Luftwaffe. Man hätte denken sollen, dass da – immerhin die Stadt der Reichsparteitage, und Nürnberg hat da ja auch noch so gewisse Traditionen bis heute – korpsweise die Altnazis einlaufen, aber dem war absolut nicht so. Maues Interesse, zwei telefonische Bieter, die vermutlich Angst hatten, ein paar Schritte, fertig. Da ging es bei meinem Rapier weitaus härter zur Sache. Schliessslich wurde es dann auch nicht meines. Kurz, ich sehe einfach keine tollen Ergebnisse für diesen Plunder mehr. Da wird offensichtlich nicht zusammengelegt, oder wenn doch, dann müssen das echt arme Schweine sein.
    .
    Der Gärtner, ich wäre mir da gar nicht so sicher. Ich kenne einen Wohnungsauflöser in Berlin, der dort vor allem mit Silber handelt. Seine Hauptabnehmer sitzen in Polen (!) und verkaufen das Zeug dort an deutsche Touristen, denen sie erzählen, das alles stammte aus ostpreussischen, nach dem Krieg gefundenem Besitz und sei deshalb recht billig, wirklich, Adelsbesitz, man kennt das. Oft wird das dann auch mit kunstvollen Initialen nachgraviert. Womit ich natürlich nicht die Effektivität der Rattenlinie in Frage stellen möchte.

  28. Ephemeride, ich muss zu meinem...
    Ephemeride, ich muss zu meinem Missfallen gestehen, dass ich gestern auch hier bei einem anderen Blog über einen Kommentar gestolpert bin, den ich sicher nicht freigeschaltet hätte. Es gibt wirklich ätzende Einlassungen aus der Ecke, denen Raum zu geben ich für grundfalsch halte; Communitymanagement kennt eben auch Bremsen. Wie auch immer, wichtig halte ich es, dafür zu sorgen, dass man denen keinen Raum lässt und ihnen hin und wieder bedeutet, was sie sind, und wie sie sich zu sehen haben. Aber wie schon erwähnt: ich kenne das schwarze Bayern der 80er jahre und ich sehe, wie es jetzt ist. Das hat sich eindeutig gebessert. Enorm gebessert. (nur der Flichdling, der hat es mitunter immer noch schwer)
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    Moritz, es ist nicht viel, weniger als mediokre Porzellanfigürchen. Prinzipiell finde ich es aber gut, wenn solche Leute sowas kaufen – ich bin ja auch prinzipiell davon angetan, wenn Menschen, die ich nicht leiden kann, Geld dafür bezahlen, die deutschen Gossenmedien zu lesen. Besser das als Rohrbomben, Flugblätter oder das Benzin für den nächsten Aufmarsch. Am liebsten sind mir ohnehin die Ukrainer, die eiserne Kreuze fälschen und damit das Pack abzocken, um Osteuropa zu fördern.

  29. @HansMeier555 & Der...
    @HansMeier555 & Der Gaertner,
    ist m.E. schwer zu sagen. Koennte mir vorstellen, dass es auch einen grossen Nachholbedarf gab: sich das anzuschauen und sich damit auseinanderzusetzen, was 12 Jahre lang als entartete Kunst galt: immer nur kaempfende Helden und roehrende Hirsche. Zudem war moderne Kunst bereits in den 50er Jahren big business; auf der documenta II 1959 gab es etwa Picassos „Deux Femmes sur la Plage“ nicht nur zu sehen, sondern auch zu kaufen – fuer 450 000 Mark: Vergangensheitsbewaeltigung? Schliesslich wuerde ich vermuten, dass bei aller Wertschaetzung abstrakter Maler andere Stilrichtungen durchaus auch zum Zug kamen.
    Habe meine Zweifel, ob man mit Merkmale wie steril usw. einem Kuenstler wie wie Jackson Pollock gerecht wird.
    MfG
    G.S.

  30. Ach Gottchen: Nullkunst. Das...
    Ach Gottchen: Nullkunst. Das ist ein schönes Wort, entlarvt es doch den Nutzer.
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    Eine immer wieder von mir freundlich belächelte Ironie der Geschichte ist es, dass ausgerechnet im ehemaligen Deutschen Haus der Kunst (heute: Haus der Kunst, München), einem travertinbehangenen und säulenstaatstragenden Bau des Naziarchitekten Paul Ludwig Troost, heute die schönsten Ausstellungen der modernen Kunst ihren Unterschlupf finden. Wofür man damals wohl das Attribut ‚entartet‘ als nicht genügend diffamierend empfunden hätte, findet heute Zustimmung und Applaus. Und ich stehe dann gerne in dieser mit viel Monumentalkitsch verkleideten Industriehalle (denn hinter all dem wuchtigen Gestein ist nichts anderes als schnödes Stahlskelett) und denke: Wenn das die selbstherrlichen Nazigranden noch hätten sehen können. Ich hätte ihnen das Wissen gegönnt, dass die Geschichte so nett erbarmungslos über ihre Hybris hinweg gegangen ist.

  31. Rupprecht Geiger kenne ich...
    Rupprecht Geiger kenne ich nicht ,aber ja, gerne. Es geht mir hierbei um eine Tendenz die ich ablehne und die vor allem in Westdeutschland noch fest verwurzelt ist: Abstrakt ist gut, Gegenständliches ist out und schlecht. Herr Eduard Beaucamp, Kunst-Feuilletonist der FAZ, der sich in seinen Kolumnen viel mit diesem Gegensatz beschäftigt, trifft da immer meinen Nerv.
    Das spricht aber nicht gegen die bestechende These Hans Meiers, das Abstrakte sei der Reflex der Stunde Null. Das ist ,,angewandte Kunstsoziologie“, ein schwer vernachlässigtes Fach.

  32. Rühmann? Der brauchte keine...
    Rühmann? Der brauchte keine NSDAP-Mitgliedschaft. Der brachte seine Feuerzangenbowle kurzerhand persönlich zum Führer in die Wolfsschanze, damit der Film aufgeführt werden könnte.

  33. Natürlich ist es schwer die...
    Natürlich ist es schwer die Herkunft auktionierter Ausstattungsgegenstände grossbürgerlicher, deutscher Haushalte aus der Nazizeit zu zu belegen. Der Hinweis des Verkäufers auf Argentinien des Meissner Porzellanservices leuchtete mir jedenfalls ein. Allein der verlangte hohe Preis von um die 25.000 Euro lässt nicht an deutsche Touristen als potentielle Käufer denken, welche auf Brüsseler Stippvisite vielleicht ein eisernes Kreuz im Flohmarkt erstehen.

  34. G. Schoenbauer, J. Pollock:...
    G. Schoenbauer, J. Pollock: Ich erinnere mich eines ganzseitigen Artikels in der FAZ der Achtziger oder früher Neunziger Jahren: Glanzbeilage am Samstag (Seufz!), der sich mit diesem Künstler und seinem ungeheueren Erfolg beschäftigt hat. Die CIA hatte ihn als Gallionsfigur der modernen Kunst gegen den sozialistischen Realismus auserkoren und deshalb unglaublich gepusht. Sosehr die Zurückdrängung der stalinistischen Gesellschaftsmodelle eine wichtige Notwendigkeit der Nachkriegzeit war, es erklärt aber auch in Teilen den Erfolg abstrakter Kunst im Nachkriegswesteuropa, ohne dass ich hier den abstrakten Künstlern in Bausch und Bogen Unlauterkeit unterstellen möchte.

  35. @Der Gaertner,
    dass die CIA...

    @Der Gaertner,
    dass die CIA Pollock als Geheimwaffe im Kampf gegen die Sowjetunion und den dort gepflegten sozialistischen Realismus eingesetzt hat, mag sein, aber es ist in dem obigen Zusammenhang kein brauchbares Argument, weil mit dieser Instrumentalisierung ja nichts ueber die Wertigkeit der Werke dieses 1956 verstorbenen Kuenstler ausgesagt ist. Ich habe mich ja nur an den erwaehnten Praedikaten gestossen: steril etc.
    Vielleicht noch ein Wort zum Abstrakten als „Reflex der Stunde Null“. Da die abstrakten Kuenstler ja bereits vor der Stunde Null und in Gegenden
    am Malen waren, in denen es diese Stunde Null gar nicht gab, koennen damit ja nur die Rezipienten gemeint sein, die dann wohl auch auf „Truemmerliteratur“ u. existenzialistische Philosophie abgefahren sein koennten, zur Abwechslung und Entspannung freilich Bruce Low, Vico Torriani und Peter Alexander hoerten. Silbermann hat um diese Zeit ja in Australien noch seine Hamburger-Kette aufgezogen. Wer hat die damaligen Freunde abtrakter Kunst kontaktiert, befragt, beobachtet? War nicht von „angewandter Kunstsozziologie“ die Rede?
    Gruss
    G.S.

  36. Naja, schade um die Villa aus...
    Naja, schade um die Villa aus den 1930ern. Im Vergleich mit einem pastellfarbenem Toskanabunker jedenfalls klar der Gewinner! Zumal da jetzt zwei Häuser auf dem gleichen Grundstück stehen und sich gegenseitig die Sonne wegnehmen.
    Von meinem Opa habe ich keine Nazi-Kunst, sondern meterweise seltsame Literatur geerbt. Was soll man damit machen? Ich finde, wegwerfen ist auch ein Stück weit verleugnen der eigenen Geschichte. Hier und da mal etwas reingelesen. Thesenpapiere zur zionistischen Weltverschwörung, Landserromane und vergleichbares:
    .oO( Alter, Du hattest echt ganz schön einen an der Waffel )
    Das Zeug steht jetzt natürlich nicht mehr in meiner Wohnung, sondern im Keller. Aber wegschmeißen werde ich es auch nicht. Falls sich mal irgendwelche Forscher interessieren. Und schließlich hat auch niemand vor, Auschwitz abzureißen und da eine Siedlung mit Toskanabunkern hinzustellen.

  37. "Vieles, was in Privathand...
    „Vieles, was in Privathand gelangte, ging über Versteigerungen und Verkäufe, sprich, man wusste zwar, woran man sich bereicherte“
    Das wusste man sogar ganz genau – es stand nämlich in den Anzeigen der Auktionshäuser überdeutlich drin: „aus nicht-arischem Besitz“. Immer, wenn wieder ein Deportationszug gen Osten gerollt war, standen in den Tageszeitungen besonders viele Anzeigen.

  38. Ja das macht den Sensenmann...
    Ja das macht den Sensenmann doch sympathisch, dass er schneidet ohne Rücksicht auf Stellung oder Gesinnung. Aber ich erinnere mich, dass Sie werter Don behaupteten, dass selbst bei ihm nicht alle gleich sind. Doch es gibt immer noch Nachwuchs für diese Zunft der Nazis. In Braunschweig lernte ich während meines Studiums einen ehemaligen Langzeitsoldaten kennen, dessen größter Kummer es war, niemals für den Führer gekämpft zu haben. Der malte dann ziemlich schlechte Bilder, wie Tigerpanzer an der Ostfront jeden Widerstand zermalmten. Später bewarb er sich dann für einen Sitz in Stadtrat für die christliche Partei, da seine Meinung jedoch zu bekannt war, wurde nix mit dem Einzug in den Rat. Falls er noch lebt wird er heute wohl noch malen und seine Lieder singen, wie das Afrikacorpslied etc.
    Doch ihre oben schon erwähntes Statement, dass der Schnitter irgendwann alle schneidet, versöhnt mich immer wieder. Am Ende haben auch die Herrenmenschen und die so viel bessere Oberschicht Angst, wenn Gevatter Hein den Knochensack schüttelt.

  39. Danke für diesen Beitrag....
    Danke für diesen Beitrag.

  40. Andreas - das Problem mit der...
    Andreas – das Problem mit der Literatur habe ich auch, bin aber fest entschlossen, nach dem Hinscheiden meiner Mutter alles wegzuschmeissen. Sie hebt den Kram bislang auf, aus missverstandener Treue (m.E.) zu ihrer eigenen Geschichte. Also meine Geschichte ist es nicht, in dem Sinne, dass mich irgendwas von dem ganzen Zeug geistig beeinflusst haette – die Buecher sind mir als Teenager schon buchstaeblich aus der Hand gefallen, und das war noch vor dem ausgedehnten Studium der Literaturwissenschaft. Fuer Forscher gibts den ganzen Schund sicher auch in den Giftschraenken grosser Bibliotheken, und das sollte reichen.

  41. BlackJack: Der Sensemann:...
    BlackJack: Der Sensemann: Leider hatten gerade solche, welche selbst kräftig Sensemann gespielt haben, in den meisten Fällen ein recht angenehmes Leben im Nachkriegs-Deutschland. Das ist und bleibt ein Makel unserer Nation und wir können das leider nur noch aussitzen.

  42. ohne in diesem zusammenhang...
    ohne in diesem zusammenhang eine linie vom nazismus zu den hedgefonds ziehen zu wollen(…rhetorischer kniff)würde mich doch sehr interessieren,welche preise in 60 jahren die kunst z.b. eines Damien Hirst erzielen wird.
    bei beiden,der braunen wie der mammonistischen,ist ihr wert doch mehr in ihrer funktion als status/zugehörigkeitssymbol zu sehen,denn in ihrem künstlerischen gehalt.

  43. Mit "Nullkunst" will ich die...
    Mit „Nullkunst“ will ich die Werke gar nicht verurteilen.
    Ich bin nur skeptisch bezüglich der Haltung derjenigen, die das so bereitwillig angeschafft haben.
    Abstrakte Gemälde waren in den 50ern ein Ausweis einer „modernen“, „internationalen“, „westlichen“ oder „demokratischen“ Lebensauffassung und, zumindest in der BRD, auch implizit ein nachgeholtes Bekenntis gegen Hitler.
    Und genau diese Mischung ist eben verdächtig. So konnte jeder Westviertelbonze, der fünf Jahre zuvor noch polnische Zwangsarbeiter verheizte und jetzt schon wieder an Rüstungsaufträgen verdente, sich ganz billig und bequem als „Demokrat“ präsentieren.
    Eben darum war der Nazi-Opa, der zwischen brennenden Dörfern und Munharmonikaspielenden Landsern alt werden wollte, ja auch so peinlich, so unmöglich: er schob das alles nicht einfach weg, sondern hielt seinen Besuchern letztlich deren eigene Vergangenheit vor.
    .
    Das Unbehagen ausländischer Beobachter an der Bundesrepublik entzündete sich weniger an der Existenz einer regen rechten Szene, sondern an eher deren Nichtexistenz: Alles rückstandsfrei verdampft! Genau diese Wahrnehmung erzeugte mitunter eine spezifische Paranoia, die bis in die späten 80er jeden braunen Furz als Anzeichen sah, daß es „demnächst wieder so weit ist.“
    Da war so ein Opa mit seinen Bildern irgendwie beruhigend: Der Nazi lebt, aber er ist alt, hilflos und allein.
    .
    Privat kann ja jeder bei sich aufhängen, was er will, aber wie war es mit der Kunst im öffentlichen Raum, mit der Gestaltung der Städte?
    Da haben doch ganze Stadträte versucht, durch Glas, Beton und rechte Winkel zu vollenden, was die Bomberverbände nicht geschafft hatten.

  44. @ zero_content
    Das fragen Sie...

    @ zero_content
    Das fragen Sie sich zu Recht, denn Kunst ist immer Interpretation. Ein Kunstwerk, welches als wichtig/ bedeutend etc. gilt spiegelt immer das Verständnis von Kunst wieder, welches eine bestimmte Zeit und gesellschaftliche Interessenlage mit sich bringt. Das ändert sich natürlich mit den Zeiten und Interessenlagen, da muss man nur mal in die Vergangenheit blicken. Für die Überreste der Antik hat man sich bis zur Renaissance herzlich wenig interessiert. Oder nehmen Sie die Hamburger Kunsthalle, von den Gemälden der Anfangsjahre sind meines Wissens noch ganze zwei vorhanden, und dass lag nicht an Brand, Krieg oder ähnlichen äußeren Umständen. Welchen Wert ein Damien Hirst in 60 Jahren hat, ist schwer vorauszusagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der sehr viel geringer ist, als von vielen „Kunstverständigen“ heute gedacht, ist groß. Aber vielleicht hat er ja dann in 200 Jahren ein Comeback.
    @Jan-C-Hartmann
    Tolle Sache diese Ralley. Habe ich sofort auf mein Unbedingt-noch-Machen-Liste gesetzt. Was wünscht man einem Rallyefahrer? Immer eine Handbreit Luft unter der Karosse?

  45. zero_content: Kunst als...
    zero_content: Kunst als Statussymbol: ich befürchte, dass das leider auf alle Kunstepochen zutrifft, die Bilder der Medici im Palazzo Pitti, genauso wie die flämischen Landschaftsstücke in Patrizierhäusern dienten v.a. der Representation. Das sie überdauert haben liegt an ihrer wahren Qualität als Kunstprodukt meisterlichen Schaffens. Die faschistischen Landser- und Mädelbilder bringen allein diese Eigenschaft überhaupt nicht mit und waren, wie sie treffend bemerken, mehr Zugehörigkeitssymbol.

  46. Amerikanische Truppen haben...
    Amerikanische Truppen haben viele wertvolle Gegenstände aus Deutschland am Ende des WW2 in die USA abtransportiert.
    Ergoogeln ….. Nazi loot taken to USA by US soldiers
    Und was ist mit dem Bernsteinzimmer passiert? Gilt es immer noch als „verschwunden“?

  47. @fionn: Was wollen Sie uns...
    @fionn: Was wollen Sie uns damit sagen? Weil die Amerikaner späterhin Kunst aus Deutschland entwendet haben, durfte man vorher die jüdischen Mitbürger in Deutschland abschlachten, um an ihr Vermögen und ihre Kunst zu kommen? Oder wollen Sie aufrechnen, um ein wenig Salz in das Revanchistenseelchen zu streuen??

  48. @windsbraut/gärtner
    mein...

    @windsbraut/gärtner
    mein beispiel hirst ist eventuell etwas unglücklich,da die lagerfähigkeit der werke zu ihrem werterhalt beiträgt.
    in einer hirstauktion in 200 jahren könnte es ja durchaus heissen:
    reste eines werkes,dass einmal ein vergammelnder hai war.
    in meiner aus dem handwerk stammenden familie fand ich aus der nazizeit nur noch einen hakenkreuzanstecker,einen hj-dolch und teile des ariernachweises.
    ganz anders auf dem dachboden der örtlichen grossindustriellenvilla, wo ich neben den sorgsam zusammengelegten flaggen zu hitlers geburtstag auch truhen voller silberkannen erblickte.(letzteres nur der billigen pointe wegen)

  49. Tscha, wahrscheinlich wird da...
    Tscha, wahrscheinlich wird da wieder mal ein großes schwarzes Loch entstehen, wenn nicht irgendwer ein paar dieser Schinken aufhebt, und man wird sich dann nie wieder einen Eindruck davon verschaffen können, wie diese Leute draufwaren. Zuviel Abwehrreflex ist schlecht fürs Begreifen, denn das kommt immer erst hinterher. –
    Weshalb ich sehr für den „2. Wahl“-Schrank in großen Wohnungen plädiere: Archiv für den eher zeitgeschichtlich typischen Kram, den man mal so aufhebt, weil ihn zur Zeit keiner mag, aber der ein Jahrzehnt oder eine bestimmte Zeit doch typisch illustriert. –
    Ich kannte mal einen, der kannte einen, der hatte ein Exemplar von „Mein Kampf“ geerbt. Es stand auf seinem kleinen Bücherregal neben Marxens „Kapital“, wurde mir berichtet. –

  50. ...
    HansMeier:Nachkriegs-Architektur als letztes Bombergeschwader: Das wäre mal ein eigenes Thema wert. Was wir verloren haben wurde mir zum ersten Mal so scmerzhaft bewusst, als ich als Adolszenter meinen Fuss nach Holland und vor allem nach Frankreich setzen durfte. Da setzte ein Phantomschmerz ein, der mich seither nicht verlassen hat.

  51. @Ephemeride
    Nicht so heftig....

    @Ephemeride
    Nicht so heftig. Ich glaube kaum, daß fionn derartiges sagen wollte.
    Über etwaigen Kunstraub im besetzen Deutschland zu sprechen halte ich für durchaus legitim, und im Falle der Sowjetischen Besatzungstruppen ist das ja auch durchaus üblich.
    Warum sollte man nicht auch über ähnliche Vorfälle sprechen, die sich (gewiß in viel geringerem Umfang) auch in den Westzonen zugetragen haben? Man muß es ja nicht emotionalisieren.

  52. Allen, die derartige Bücher...
    Allen, die derartige Bücher besitzen und nicht wissen wohin damit, würde ich raten, sie einer nahegelegenen Universitätsbibliothek zu schenken.
    Dort können seriöse Forscher sie als Quellenmaterial nutzen, und die Nazis verirren sich selten dorthin.
    Wenn das nicht geht (weil die Bibliothek das alles schon hat oder nix haben will), dann suchen Sie im Vorlesungsverzeichnis der nächstgelegenen Universität nach den Dozenten, die sich mit der NS-Zeit befassen, und machen Sie denen privat ein Angebot.
    Aber auch beim Verhökern über ZVAB hätte ich nicht zuviele Bedenken: Heutige Neonazis können diese alte Schrift doch gar nicht lesen.
    Nach meiner Einschätzung fürchten sich vor der NS-Literatur am meisten diejenigen, die sich selbst bzw. ihre Vorfahren darin als Autoren wiederfinden könnten.

  53. Grade noch eingefallen:
    Der...

    Grade noch eingefallen:
    Der Mann, der das Buch zum Film von dem Unterboot schrieb, ist ja auch Maler. Und lebte an so einem oberbayerischen See.

  54. @Stephen: Ich war kurz davor,...
    @Stephen: Ich war kurz davor, die Bücher wegzuschmeißen. Doch dann ist mir die Sache mit den Nazis und der Bücherverbrennung eingefallen. In meinen Augen ist es kein großer Unterschied, politisch ungeliebte oder verbotene Bücher zu verbrennen oder wegzuschmeißen. Zumal der Hausmüll heute am Ende verbrannt wird. Meistens.
    Auf dem Weg zum Mülleimer konnte ich fast schon Hitler und Göbbels in der Hölle hören, wie sie über mich lachen. Deshalb liegen die Bücher jetzt im Keller in einer großen Kiste.

  55. Ephemeride et al., der häufig...
    Ephemeride et al., der häufig resolute Ton ist in diesem tieftraurigen Kapitel deutscher Kulturgeschichte ist auch das Ergebnis mangelnder Information, die ausgebaut werden muss, wenn sie den gnadenlosen Kriterien jeder Historie standhalten will. In der Diskussion um Kunst während des Dritten Reiches, ihrer Verdammung („bolschewistisch“, „entartet“) oder Förderung (zum Wohl des arischen Menschen) spielen wie in jeder Zeit Geschmacks- und/oder Wahr- und Wirklichkeitskriterien eine Rolle. Entscheidend für die dominante Wertung wurden jedoch die enormen Umverteilungen von jüdischem Kulturgut und jüdischem Kapital. Und jenen Einzelpersonen oder Familien, die für einst willkürlich und brutal geraubte Kunst im Bereich der „Restitution“ heute mit juristischen Mitteln Wiedergutmachung verlangen, tun dies mit gutem Recht. No doubt. In diesem hochsensiblen Bereich ist die Schuldfrage eindeutig. Die Revisionisten, die es dazu immer noch oder wieder gibt, sind marginal, nicht an der Macht und in dieser Diskussion unwichtig (was diese nicht vor Strafverfolgung schützen soll).
    Was aber nicht unwichtig ist, sind jene Grauzonen und kulturhistorischen Kontinuitäten, die bis heute eine gültige Wertung verunmöglichen. Und dieses Problem geht dann nahtlos in jene der Stellung der abstrakten Kunst in der Nachkriegszeit bis zur finanzpolitisch bedingten Hype um die Kunst (und die Preise) von Damien Hirst weiter.
    Die offizielle Nazikunst (auch das, was Arnold Breker im direkten Auftrag Hitlers schuf) war in der monumentalen Idealisierung ein Schrott. Die Kleinbürgeridylle in der Malerei oder die infernalen Kriegsbilder ein bombastischer Kitsch. Und einem Qualitätskünstler wie Emil Nolde nutzte auch die NSDAP-Anbiederung mit einem Parteieintritt nichts. Aber in den Büros ranghoher Beamter in Berliner Ministerien dieser Jahre solle „entartete“ Bilder von Oskar Kokoschka u.a. aus jüdischen Besitz gehangen haben (Photos sind keine bekannt). Und der Reichsfeldmarschall, soll nicht nur Karinhall für die offiziellen Empfänge gehabt, sondern in Dahlem oder einem anderen Berliner Westviertel eine arisierte Villa von Otto Rudolf Salvisberg besessen haben. Mir ist der Fall einer arischen Dame bekannt, deren einstiger Geliebter, ein bekannter jüdischer Sammler, ihr bei der Flucht 1933 seinen gesamten Besitz (Kunstsammlung und Blbliothek) zu treuen Händen überliess. Er überlebte den Krieg um fast zwei Jahrzehnte, aber sah fast nie etwas wieder. Sie verweigerte jeden Kontakt, war aber in der Nachkriegszeit gut in die Kunstwelt integriert. Sind die Werke dieser einstigen Sammlung „entarteter Kunst“ beim Bombenhagel über Berlin zerstört worden? Befinden sich diese -oder Teile davon- noch in der alten und neuen Hauptstadt? Und, wenn ja, bei Wem?
    Der gordische Knoten, den die Kunstgeschichte in Deutschland ab 1933 (genauer ab der Oktoberrevolution 1918) bis heute darstellt, und der die westliche Kunst- und Kulturgeschichte massgeblich mitbestimmt, ist gewaltig. Wo ist Alexander der Grosse? Oder gibt es auch eine andere Lösung? Meine Meinung ist unentschieden.

  56. Nach tausend Jahren im...
    Nach tausend Jahren im feuchten Keller wird ihnen das Lachen vergangen sein!
    .
    Verschenken bringt übrigens auch nicht viel, die meisten NS-Werke sind in extrem hohen Auflagen gedruckt worden, das reicht noch für 1000 Jahre. Allenfalls kleine Randgebiete aus den 20er Jahren könnten interessant sein, da soll es Bücher geben, die nur in Kleinstauflage zirkulierten, gerade in München.

  57. der kleinbürger ist das...
    der kleinbürger ist das problem.

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    verehrte(r) Rosinante,
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    ...

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    verehrte(r) Rosinante,
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    Ihr Text, würde mir Angst einjagen, wäre der Eintrag ca. 1930 geschrieben.

  59. Eine womöglich berechtigte...
    Eine womöglich berechtigte Perspektive auf den Nullpunkt
    Eigentlich verstehe ich nicht viel von abstrakter Kunst, wenn überhaupt von Kunst, aber ich denke, dass es schon darauf ankommt, welche Perspektive man dazu einnimmt. Ich habe vor einiger Zeit eine Dokumentation über einen Maler gesehen (irgend so ein „Urvieh“ aus der Bergwelt), der eine ganz besondere Art von abstrakter Malerei entwickelt hatte. Seine Vorlagen waren alle real, wie zum Beispiel Äste, Sträucher, Felsen… Was er aber sah, war weniger das, was wir im allgemeinen sehen, also die dinglich-naturale-materiale Form, sondern eher die „Schleifen“ (Schatten?) hiervon. Es war eine andere Welt, hinter der Welt, die er uns Normalmenschen so zeigte, die Natur mit Fantasie betrachtet, ihr somit eine andere Ästhetik andichtend, doch aber keine Fantasy-Welt, eine magische sicherlich, wenn auch keine magisch-realistische, denn eben eine magisch-abstrakte.
    .
    Ich denke, dass diese Perspektive auf die Welt im Großen und Ganzen auch dem Strukturalismus anhaftet. Nicht die Dinge, weder in ihrem Seins-Zustand, noch in ihrem (Wider-)Schein interessieren, sondern das sog. Wesenhafte, das was also dem Sein (oder auch dem Schein) „immer“ zugrunde liegt, zugrunde liegen könnte, die Lücken halt, wie Zizek meint. Materialistisch-dialektisch betrachtet, wären das die unfertigen Dinge, die Übergänge ((„Phasenübergänge“, Sprünge, Revolutionen, Imaginationen, Irritationen, Unbestimmtheiten, Momente des Nicht-Seins, des scheinbaren Todes, „Potenzen“/„Sphären“/„Plenum“ (Thomas v. Aquin), vielleicht gar „schwarze“ oder „weiße“ Löcher, physikalisch gesprochen)), also eine Welt jeweils kurz bevor sie ward (oder nach dem sie jeweils eine wurde), bzw. wie sie dann von einem Subjekt wahrgenommen wird, wahrgenommen werden kann/muss. Es könnte auch eine Perspektive sein, die sich zwischen die bekannte Objekt-Subjekt-Dichotomie, quasi heuristisch eben, schiebt, nämlich um der Frage zu entgehen, ob das nun ein Objekt oder das Subjekt ist, das da wahrgenommen wird, also möglicherweise mit Blick auf sich selbst (wie es ja auch wirklich ist, wenn Mensch, also mit Bewusstsein auf die Welt blickt, so blickt er nämlich zunächst durch sich hindurch). Es ist der Versuch dem notwendig falschen Schein in des Menschen Perspektive zu entgehen.
    .
    Das ist eine interessante Perspektive also, eine die man nicht einfach mit „Null“ diffamieren sollte, auch wenn sie sozusagen tatsächlich auf „Nullpunkte“ (kurz vor oder nach solchen) fixiert sein könnte. Eine Perspektive also, die ihre Berechtigung hat.

  60. @Rosinante: ich bin mehr fürs...
    @Rosinante: ich bin mehr fürs Auseinanderfieseln, durchhauen ist so materialzerstörend. Konnte ich schon als Jugendliche mit Mutters Nähkästchen, in dem sich die Fäden verknäult hatten, recht gut. –
    Die Fragen zu Beutekunst und rechter oder unrechter Aneignung gehen ja weit über die NS-Zeit hinaus und betreffen ganz allgemein das Spannungsfeld zwischen Museen/Archiven, Kunstmarkt und Kunstbesitzern oder -liebhabern. Es geht um die Aufbewahrung von Kulturgut und sämtliche Aneignungsmöglichkeiten. Wenn ich etwa an die Ashantifigürchen, ägyptischen Mumien oder südamerikanischen Steinskulptürchen denke, deren Besitz zeitenweise Mode war, so denke ich, daß die nicht weniger „unschuldig“ bzw. ihrer Provenienz beraubt sind als die möglicherweise irgendwo noch vorhandenen Bilder des von Ihnen erwähnten enteigneten Sammlers. Es wird sehr viel räuberisch und verbrauchend kaputtgemacht, und vieles verschwindet im Tresor.
    @Don: der allergrößte Teil dieser großen Auflagen wurde schätzungsweise schon im kalten Winter 1945 verheizt, so wie das allfällige Hitlerfoto. Jedenfalls habe ich von so einigen gehört, daß sie derlei machten. Von daher denke ich nicht, daß davon noch viel da ist. Ich meine eher, daß jetzt die allerletzte Gelegenheit ist, „NS-Staatskunst“ zu archivieren – denn der von Ihnen beschriebene Nachlaß ist inzwischen die sehr rare Ausnahme.
    In 10, 20 Jahren wird man von 50er und 60er Jahren retten müssen, was noch überlebt hat. Wobei es damit eigentlich schon vor 20 Jahren losging, wenn ich mich an die Peinlichkeit des Nichtankaufs von Uli Richters Modebildern durch die HdK erinnere. Aber von Professoren darf man solch extensiven Weitblick wahrscheinlich nicht erwarten, und die kennen auch keine kulturgeschichtlich interessierten Reichen, die sowas sponsorn würden. –

  61. Meine Güte, wie angenehm...
    Meine Güte, wie angenehm lässt sich bei Kaffee und Kuchen über dieses Thema gruseln – bloggen – wie auch immer.
    Ein bisschen zu glatt für mich. Diese (kollektive) Pathologie existiert unabhängig von der einkleidenden Rede (Stichwort: Minarette in Europa), und unabhängig von der symbolischen Inszenierung (siehe oben, Bomberjacken etc. ). Der mehrheitsfähige Schwung fehlt noch. Und damit das so bleibt, bedarf es wacher Augen.
    Meine Frage: Wie alt ist diese Pathologie, wenn sie unabhängig von Sprache und symbolischer Inszenierung in der Lage ist, zu „überwintern“?

  62. Unthawer, auch darauf gibt...
    Unthawer, auch darauf gibt Brecht eine Antwort im zitierten Gedicht:
    Alt wie das Gebirge, doch
    Fährt die Dummheit mit im Zug
    Läßt kein Auge vom Betrug.
    Man kann das Monster nicht zähmen, man kann es nicht umbringen, aber man sollte ihm täglich einen Tritt verpassen, dass seine Freunde wissen, was für ein elendes Pack sie sind.
    .
    colorcraze, eines der Bilder ist von einem entnazifizierten Nazi, und um den kümmert sich eine ganze Stiftung, aber die vergisst im Werksverzeichnis das ein oder andere Arierbildnis. Ich habe nicht den Eindruck, dass es wenig davon gibt. Es geht nur andere Wege im Dunkeln.

  63. mitgliedszahlen der nsdap ende...
    mitgliedszahlen der nsdap ende 1933: 3.900.000; 1945: 7.500.000. wahlergebnisse der nsdap in bayern 1933: Franken 45,7%, Niederbayern 39,2%, Oberbayern-Schwaben 40,9%. (quelle: wikipedia. aber wird so etwa hinkommen.)

  64. Betrachtet man einmal die...
    Betrachtet man einmal die Architektur dieser Epoche, war der Neoklassizismus durchaus keine Erfindung der Nazis, sondern fand sich in nahezu allen entwickelten Ländern, also auch den demokratischen. Im Palais de Chaillot in Paris, am Trocadero, befindet sich heute sogar das französiche Architekturmuseum. Was in den heimischen Wohnzimmern und Schlafzimmern für „Kunst“ hing und hängt, das möchten Sie doch nicht als repräsentative Kunst einer Epoche erheben. Dann müßten aus anderen Epochen auch Mariendrucke, Röhrende Hirsche am Matterhorn und schließlich Formel Eins-Fahrzeug-Poster herangezogen werden.
    Nein, den Einfluß der Nazis auf die Kunst sollten wir auch nicht überbewerten.

  65. @Devin08,
    noch ein Wort zur...

    @Devin08,
    noch ein Wort zur Nullpunkt-Perspektive.
    Die Natur macht keine Spruenge, heisst es, ebenso die Gesellschaft. In allem Neuen ist ein Gutteil des Alten aufgehoben, im Guten wie im Schlechten. Die erste Garde der Franzoesischen Revolutionaere hat sogar den Koenig behalten, oder Lenin, was hat er nicht ueber die Buerokratie geflucht, die er geerbt hatte. Und nach dem Zweiten Weltkrieg: wer von den alten Nazis dran glauben musste, ist bekannt, der grosse Rest hat seine Karriere mehr oder weniger unbehelligt fortgesetzt, zumindest in der alten BRD. Darauf bezogen, waere eine Nullpunkt-Perspektive ein ideologisches Konstrukt, das der Verschleierung solch unschoener Tatbestaende dient. Suggeriert wird der totale Neuanfang, der ja immer auch etwas mit Unschuldigkeit zu tun hat und fuer den man selbstredend Lob und Anerkennung fordert, und der Picasso an der Wand soll dies zusaetzlich unterstreichen, wie es Herr Hans Meier 555 ja zum Ausdruck gebracht hat: Das Bild ist bunt, die Weste weiss und die Vergangenheit, tja die liegt weit zurueck.
    Gruss
    G.S.
    P.S. Wollte Ihren Beitrag zu dem letzten Schirrmacher-Artikel loben (mehrfach), irgendwie scheint bei Ihnen aber, im Unterschied zu anderen, der Beurteilungszaehler nicht anzuschlagen.

  66. @Don: "aber die vergisst im...
    @Don: „aber die vergisst im Werksverzeichnis das ein oder andere Arierbildnis“ – ah ja, sehen Sie, das wäre für mich z.B. ein Reizpunkt, so etwas abstellen zu wollen. Denn das läuft eben auf Geschichtsklitterung und Lebenslügen hinaus. Die Nachwelt sollte einen Menschen mit allen seinen Lebensphasen sehen dürfen, nicht nur die gerade genehmen oder weichgezeichneten. –

  67. Und die SA-Schlümpfe da...
    Und die SA-Schlümpfe da unten? Sind die aus Zinn?
    .
    Nazi-Ästhetik ist auch heute noch ein deutscher Marken-Exportartikel. Peinlich wie Opa, aber nicht zu leugnen.
    .
    Ich glaube, in Russland, Kasachstan oder Japan gibt es bestimmt ein paar Liebhaber für so was, sicher auch in den Staaten oder im Umfeld der Formel 1.

  68. Bei mir hängen u.a. zwei...
    Bei mir hängen u.a. zwei signierte Drucke von Breker an der Wand: „Heinrich Heine“ und „Demut“ Mir gefallen sie seit Jahren unverändert gut. Ein Makel? Wer weiß, mich hat noch niemand negativ ob der Bilder angesprochen.
    Auf Breker bin ich übrigens in dem Film „Zeit der Götter“ von Lutz Dammbeck gestoßen, vielleicht sollten sie sich den einmal ansehen? Ich jedenfalls neige nicht zur schwarz-weiß-Malerei. Auch werde ich das Gefühl nicht los, das dies hier der obligatorische Reinwaschgang gewesen sein ist, wenn auch auf eine intelligentere Art und Weise. Irgendeiner Idee muß der Deutsche ja schließlich treu sein.

  69. colorcraze: "ich bin mehr...
    colorcraze: „ich bin mehr fürs Auseinanderfieseln, durchhauen ist so materialzerstörend“. Ich tendiere zu Ihrer Ansicht, allerdings ist dazu die Anlage des beliebten Schwarz-Weiss-Denkens und viel -und zeitaufwendige- Arbeit am Detail notwendig. Dafür liefert
    malaparte weniger mit seinen Breker-Drucken (der verstorbene Sammler und Industrielle Peter Ludwig (Museum Ludwig, Köln oder Ludwig-Forum, Aachen) liess sich in der Nachkriegszeit von Breker porträtieren) als mit seinen Pseudonym in diesem Blog einen interessanten Ansatz. Curzio Malaparte liess sich auf Capri ein Privathaus von Adalberto Libera bauen, welches bis heute bei Wissenschaft und Publikum nahezu ungeteilten Beifall findet. Und dies ungeachtet von dessen Applaus für den Duce. Und Giuseppe Terragnis Casa de Fascio in Como wurde von der Partei Mussolinis gebaut und verkörpert einen ebenso lupenreinen wie eleganten Funktionalismus, wie ihn in Deutschland die marxistische Linke forderte und förderte (Hannes Meyer im Dessauer „Bauhaus“, Ernst May als Bauverantwortlicher der Stadt Frankfurt/Main etc.). Ist das dazwischenliegende, mittlere Hochgebirge für diesen Paradigmenwechsel verantwortlich?

  70. Bleibt nur: Schtonk! Der sagte...
    Bleibt nur: Schtonk! Der sagte alles.

  71. Ich bekomme beim Abbild von...
    Ich bekomme beim Abbild von Menschen mit „ideologisiertem Blick“ immer Beklemmungen. Es gibt aber -ich meine einen ostdeutschen- Künstler der Gegenwart, der eine ganze Serie von „Marschbildern mit Fahne“ quasi als Synthese der Zeit vor 45 im Westen und der Zeit danach im Osten für gutes Geld verkauft hat. Gleich welche Interpretation besagter Zeitgenosse damit „verkauft“ – ich finde es beklemmend und damit einfach nicht „schön“, ggf. ist es aber genau dass, was beim Betrachter erreicht werden soll.

  72. SA-Schlümpfe.
    Mein Tag ist...

    SA-Schlümpfe.
    Mein Tag ist gerettet.
    .
    @ HansMeier555
    So sollte man mit diesen „Devotionalien“ auch langsam nach 60 Jahren umgehen, jedes betuliche Ernst Nehmen wertet sie wieder auf.

  73. Vroni: "So sollte man mit...
    Vroni: „So sollte man mit diesen „Devotionalien“ auch langsam nach 60 Jahren umgehen, jedes betuliche Ernst Nehmen wertet sie wieder auf“. Sie präsentieren den letzten intellektuellen Ladenhüter als dernier cri.

  74. für Rosinante:

    Der...
    für Rosinante:
    Der Nationalsozialismus der Deutschen war halt doch etwas anderes als der Faschismus der Italiener, zudem Völker wie Menschen immer verschieden sind. Es gibt vom Duce einige Porträts, die der Führer niemals von sich hätte malen lassen, es gab die Futuristen und heuer flattern die Billigbadehosen mit Mussoliniaufdruck am Gardasee. Sie sind so wunderbar entspannt im Süden, aber wenn wir so sein wöllten, schneiden wir doch nur eine Grimasse in den Wind. Also laßt uns weiterhin und eifrig Breker, Riefenstahl und Heidegger verteufeln, wir können sowieso nicht anders.
    PS: Allzugern möchte ich wissen, wann Hitler ein Mythos geworden ist, so wie Alexander der Große, Dschingis Khan oder Napoleon. In 100 oder 200 Jahren vielleicht? Wüßte ich einen Rat dagegen, ich würde ihn geben, aber wir kommen ja schon heute ohne ihn nicht mehr aus.

  75. Malaparte, das hängt sicher...
    Malaparte, das hängt sicher auch von der Hinbiegbarkeit der Person ab. Aber Hitler war klein, keifend, Österreicher und spiessig und geschmacklos. Wild gewordene Kleinbürger. Das eignet sich nicht zur Legende.
    .
    Köstlich, ich sehe schon, das passt nicht zur sonst hier gepflegten Leichtigkeit, und tatsächlich finde ich es entideologisiert auch ganz nett. Wie die CDU ihre rechtslastigen Aufmucker vor ein paar Wochen niedergebügelt hat, war fein anzusehen. Und ich glaube auch nicht, dass die Ideologie wieder kommt, da hat man eher keine Lust mehr.

  76. Rosinante, jenseits der...
    Rosinante, jenseits der Theorie, die in Deutschland für den Volksgenossen die Heimatschutzarchitektur vorschrieb, und das neoklassizistische Art Deco deutscher Prägung für Repräsentation vorschrieb – war das Neue Bauen in der Industrie- und Gewerbearchitektur durchaus lebendig. Nur sagte man das nicht so laut. Italien war da ohnehin anders, und Malaparte, nun, der ist selbst so ein Spezialfall, dass er nirgendwo wirklich reinpasst.
    .
    malaparte, für eine Reinwaschung habe ich die nicht ganz passende Abstammung.

  77. Werter Don,
    Sie irren, was...

    Werter Don,
    Sie irren, was die Zinnfiguen angeht. Es gibt hierfür einen kleinen spezialisierten Markt, auf dem etliche Euros umgesetzt werden. Geben Sie mal bei Ebay ELASTOLIN oder LINEOL Figuren ein, beobachten Sie diese und erstaunen Sie sich über die erzielten Preise. Ebenso die Reichsdeutschen Adler, allerdings ohne Hakenkreuz, auch zu erhalten über Ebay. Staunen, Staunen, Staunen. Möglicherweise liegt es am Format. Die von Ihnen beschriebenen Ölschinken können von jedem eintretenden Besucher sofort gesehen werden und die fällen dann sofort ein Urteil. So wie Sie beim Großvater von C.
    Die Figürchen sind im kleinen Masstab und lassen sich in Vitrinen ganz und gar unauffällig platzieren. Fortgesetztes Nazitum im Kleinformat, versteckt.
    Es gibt sie diese Sammler, aber nicht als Nachfolgegeneration von Altnazis oder Weltkriegsüberlebenden. Diese Sammler sind auch nicht bei solchen Naziaufmärschen zu finden, wo sich 50 Nazis 2000 Gegendemonstranten gegenüberstehen…
    Es sind eher diese Art 30 bis 60 Jährigen, die sich berufsmäßig auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften herumdrücken.
    Ich habe mich im Rahmen eines weiteren Studiums mit dieser Art Klientel auseinandergesetzt: den Sammlern.
    Übrigens: herzlichen Dank für Ihren Artikel über Rottach-Egern. Es hat dazu geführt, dass wir in absehbarer Zeit dort ein weiteres Unternehmen hinstellen werden. Ich werde berichten…
    Beste Grüße von der vereisten Alster
    MvB-B

  78. colorcraze, der Mensch hat nun...
    colorcraze, der Mensch hat nun mal einen Hang zur Geschichtsklitterung. Generell darf man sagen: wer damals kein Ausstellungsverbot hatte, war zumindest extrem harmlos oder, man musste ja Mitglied bei den Kunstschaffenden sein, hat sich zumindest angepasst. Es gibt ein paar schöne Beispiele für Architekten, die nach 45 vergassen, bei ihren älteren Entwürfen dazu zu schreiben, wofür sich gemacht wurden. Mir ist da einer in Erinnerung geblieben, der ein Ehrenmal für die Nazis entwarf und das gleiche ein paar Jahre später bei der Kriegsgräberfürsorge bauen wollte. Und ich denke auch, dass das in den 50ern jeder wusste. Man lebte damit gar nicht so schlecht.
    .
    Don Sebastian, sicher ist die NZ-Zeit rückblickend auch dem Zeitgeist unterworfen gewesen. Die Frage ist halt, mit welcher Intention? Am Boulder-Staudamm gibt es ein Art-Deco-Denkmal, das man sich so auch in Moskau oder Berlin vorstellen könnte. Aber die Intention und die Beifügung von Alternativen machen den Unterschied, und der ist gewaltig.

  79. Kistenweise NS-Literatur und...
    Kistenweise NS-Literatur und Bilder? Na Gott sei Dank stand mein Großvater, dessen Bibliothek ich übernommen habe, sämtlichen „Ismen“ kritisch gegenüber und so habe ich bloß deutsche, englische und russische Klassiker sowie eine Unmenge an Büchern über Heilpflanzen und Automobilgeschichte geerbt.
    Bilder im Stile der oben gezeigten (die drei fröhlichen HJ-Jungs) kann man im Osten übrigens durchaus noch im öffentlichen Raum bewundern. Natürlich ohne Hakenkreuze und es sind auch nicht mehr alle bond. Und wenn mal ein Panzer auftaucht, dann schaut meist ein freundlich lächelnder (Sowjet-) Soldat heraus dem ein herziges Kind einen Strauß Blumen schenkt. Aber der Stil ist genau derselbe. Und auch hier interessiert es – wenigstens von der jüngeren Generation – kaum noch jemand. Gegen das Überstreichen, Abreißen, etc. werden diese Bilder meist nur noch von unseren gelernten DDR-Bürgern +50 und den zugereisten 68ern. Also nur eine Frage der Zeit.

  80. windsbraut, ich denke, die...
    windsbraut, ich denke, die ganze Banksterkunst dieses Jahrzehnts hat es jetzt schon schwer, sehr schwer. Das liegt aber nicht nur an der verbindung mit den neuen Unsterblichen und ihrer Arroganz, sondern auch an der Art, wie diese Kunst produziert wurde, siehe die Pillenschränke: Eine Manufaktur für Kunst, hoher Ausstoss, weil vermutlich allen klar war, dass es nicht ewig würde so weiter gehen können. So etwas ist nie gut für die langfristige Preisentwicklung. Überhaupt, momentan besinnt man sich ganz stark auf alte Kunst, gerade weil sie nicht einfach kopiert werden kann. Die Bestände sind endlich, was man bei Leipziger Schule und Co. nicht sagen kann. Ja, ich würde sogar meinen, dass man die Epoche rückblickend mit dem gleichen Abscheu betrachtet, wie es heute noch dem Historismus widerfährt.

  81. Herrn von Bentheim-Burg ist...
    Herrn von Bentheim-Burg ist recht zugeben, auch auf unserem Flohmarkt gibt es diese Spezies und die Dinge, für die sich jene interessieren scheinen teuer zu sein.
    Und Don Alphonso, sie mögen mit allem was sie zu Hitler sagen recht haben, aber ich glaube das das keine Rolle spielen wird. Soetwas wird vergessen.
    Das viele nach dem verlorenen Krieg im Westen einfach weiter machen konnten – ist das wirklich außergewöhnlich? Siehe Kambodscha, der Steinzeitkommunismus liegt nicht lang zurück. Wieviele der Mörder haben sie bisher vor Gericht gestellt, wieviele verurteilt? Einen, zwei? Und wieviele der Mörder laufen frei umher und mischen wieder mit? Und wäre hier wie da eine Aufarbeitung im Stile von Robespierre besser gewesen (sozusagen ein viel größeres Nürnberg)? Vielleicht.
    Lassen Sie mich zum Schluß auf einen Berliner Künstler hinweisen, siehe den Link oben. Irgendwie passen seine Bilder zum Thema. Meines Wissens nach sind seine Bilder (vor allem im Ausland) gefragt, (mir zu) teuer und fast alle ausverkauft.

  82. So einen Ölschinken würde...
    So einen Ölschinken würde ich genausowenig wie die Zinnfigürchen kaufen. Aber ich gestehe, daß ich schon seit Jahren nach einem bestimmten Buch bzw. einer Reihe aus jener Zeit suche, ich allerdings weder Titel noch Autor mehr weiß. Irgendwann in zartem Alter von vielleicht zehn Jahren fiel mir ein Nazi-Jugendbuch in die Hände, das ich gerne einmal wieder lesen würde, da die Erinnerung sehr dunkel ist: Es ging um irgendwelche mittelalterlichen Nordlandfahrer der Hanse, die es in tiefeingeschnittenen, dunklen Fjorden mit gewaltätigen Einheimischen zu tun bekamen, die, wenn ich mich recht entsinne, von einer unheimlichen Hexe angeführt wurden. Das Ganze war düster, brutal und unglaublich spannend.
    Ich glaube ja eigentlich nicht an die vielbeschworene „Faszination“ des Nationalsozialimus. Riefenstahl finde ich eigentlich nur unfreiwillig komisch. Man mußte sich schon „verführen“ lassen wollen, wenn man sich von dem veschmockten Bombast der Naziästhetik angesprochen fühlte. Aber dieses Buch würde ich gerne noch einmal mit meinem heutigen Wissen im Hinterkopf lesen. Und mir die Frage stellen, was mich damals daran fasziniert hat; und ob es mich heute immer noch faszinieren würde.

  83. @ Rosinante
    Dercier cri -...

    @ Rosinante
    Dercier cri – qu’est-ce que c’est?
    .
    Den Faschismus in seinem hochtrabenden Pathos lächerlich machen ist kein dernier cri, das ist Subversion. Die digenr als SA-Schlumpf zu bezeichnen ist herrlich subversiv. Eine wirksamere Waffe als die ganze Bande einsperren. Und mir auch wurschtiegali, wie alt oder unintellektuell diese Waffe ist.
    Vor allem, wenn man sieht, dass das Rumernsteln denen wieder Argumente und Auftrieb gibt. Gelobt sei, was hilft. Und wenn herzhaft Lachen über den prätenziösen Auswurf verstiegener Idiotie hilft, dann möchte ich den ganzen Tag nur lachen.
    .
    Was anderes bleibt einem auch gar nicht übrig als schwarzer Humor über „Kunst“, die diesen in fast jedem Individuum latent vorhandenen menschlichen Makel des faschistoiden, autoritären Erhebens als Rasse oder Schicht/Gruppe über andere, als Identitätsstiftung feiert.

  84. Malaparte: Ihr entspanntes...
    Malaparte: Ihr entspanntes Verhältnis zu Hitler ist mir ein wenig zu entspannt (Soetwas wird vergessen). Ich kann aus meinem nunmehr fast zwanzigjährigen Auslandsaufenthalt nicht bestätigen, dass der Hitlerismus an Aufmerksamkeit bei den damals betroffenen Nationen in irgend einer Form eingebüsst hätte. Da mögen noch so viele Mussolini-Badehosen irgendwo flattern. Würden Sie das in Frankreich, Benelux, England, Dänemark, Polen u.s.w. aufziehen wollen, würde auch heute noch der eine oder andere Schuss fallen und das zur grössten Zufriedenheit der überwiegenden Mehrheit.
    D.A. zu heikles Thema? zu wenig Klicks?

  85. Nein, eher ein Thema, das eher...
    Nein, eher ein Thema, das eher am Rand der eigentlichen Thematik dieses Blogs ist. Nicht plaudergeeignet, und, seien wir ehrlich, heute eher irrelevant. Ich sehe einfach keine Basis für Rechtsextremismus in jenen Kreisen, die ich beschreibe. Genug andere Defizite, aber das nicht.

  86. Global wird Hitler "Kult"...
    Global wird Hitler „Kult“ bleiben, das sehe ich auch so.
    Vielleicht ungefährlich, aber trotzdem.
    So ähnlich wie Dracula, die Faszination des Bösen: Gerade weil Hakenkreuze so unendlich verboten sind, erwecken sie Interesse. (Womit ich nicht sagen will, daß man diese Symbolik legalisieren sollte).
    Ein bißchen wie bei Dostojewskis Raskolnikow, der aus letztlich philosophischen Gründen zum Mörder wird. So eine Art Satanismus: Nicht mehrheitsfähig, aber auch nicht vollständig auszurotten.
    Nur so kann ich mir auch die Einstellung der Engländer dazu erklären. Wohliges Gruseln. Was sich eine bestimmte Sorte von „zeitgeschichtlich interssierten“ Amis, Russen, Inder, Araber oder Chinesen zuallerletzt antun wollte, wäre eine Rezeption und Würdigung der deutschen Anstrengungen zur Vergangenheitsbewältigung. Die taugen nicht für großes Kino.
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    Nein, Hitler war trotz allem nicht der „größte Filmregisseur aller Zeiten“, auch wenn Syberberg und andere das immer noch behaupten. Trotzdem taugt es immer wieder für Achtungserfolge. Demnächst ein Remake des Untergangs in 3D?
    .
    Hitler ist damit der Teufel des säkularen Zeitalters. Der leibhaftige, dessen Namen auszusprechen gefährlich ist — weil die Dämonen im Äther plötzlich meinen könnten, man hätte sie angesprochen. Dessen Bild man weder an die Wand malen noch auf die Spiegel-Titelseite drucken sollte.
    .
    Bei alledem ist Hitler ein Scheinriese. Wer ihn sich näher ansieht, ist nur in seltenen Fällen fasziniert. Da fehlt es einfach an Substanz, intellektuell und charakterlich. Die historische Konstellation, in der genau diese Figur massenhafte, hysterische Zustimmung finden konnte, war einmalig und kommt nicht wieder.
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    Damit steht Hitler womöglich ein ähnliches Schicksal bevor wie dem Teufel in der Neuzeit: Die Angst schwindet, am Ende wird er zur Handpuppenfigur, die von Kasper und Seppel verhauen wird. (Siehe auch Walter Moers). Aber in dieser Eigenschaft ist er aus unserem kulturellen Gedächtnis vorerst nicht zu löschen.
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    Und, ach ja: Hitlervergleiche.
    Ohne Hitler- und Nazi-Analogien kommt politische Rhetorik nicht mehr aus.
    Auch dafür gibt es Vorbilder: Zur Zeit des Feudalismus haben alle christlichen Herrscher stets versucht, ihre Politik, Kriege, Kreuzzüge, Ketzerverfolgungen, etc., durch biblische Analogien zu rechtfertigen.
    Auch der Hitlermythos taugt eben dazu, die schwere Erblast von Rationalität und Aufklärung zu überwinden und die Normalität des feudalen Zeitalters wieder herzustellen.

  87. malaparte, was das Vergessen...
    malaparte, was das Vergessen angeht, habe ich meine massiven Zweifel. Einerseits, weil das Leid auch für die Deutschen danach so war, dass man es nicht einfach beiseite lässt. Zum anderen, weil auch genug historische Figuren dauerhaft einen miserablen Ruf haben: Judas, Brutus, Messalina, Gloster – und dann fehlt all den wildgewordenen Buchhaltercharakteren auch jede Grandezza, die historisch auch mit Verbrechern wie Konstantin oder diversen Päpsten versöhnt. Zumindest in unserer Lebenszeit sehe ich nichts, was daran etwas ändern sollte.
    .
    Alter Bolschewik, ich denke, der Nationalsozialismus als Kulturerscheinung hat es mit seinen im Kern sehr spiessigen Idealen einfach schwer in Zeiten wie unseren, wo man problemlos homosexuell sein oder Nebenverhältnisse haben kann. Amüsanterweise argumentiert der heutige Rassismus gegen den Islam ja auch damit, dass der Islam der neue Faschismus sei, weil er die Ideale der Nazis – Weltherrschaft, Frauenunterdrückung, Totalitarismus, Verfolgung Andersdenkender – betreibe. Die neuen Rassisten haben gelernt, dass mit der alten Nazikultur kein Staat mehr zu machen ist, weshalb man alle Hände voll zu tun hat, sie vom Ruderboot der Aufklärung rauszuschmeissen und sie in den Sumpf zu kippen, aus dem sie hochgekrochen sind. Das aber ist der Punkt, an dem neue, real existierende Strömungen inkompatibel zum Alten sind und sein wollen. Kurz: Das Ideal der Nazis ist selbst Rechtsextremisten heute nicht mehr genehm. Wie sollte es da fasznieren? ich muss zugeben, dass ich durchaus versucht habe, den Raabe zu lesen: Mein Gott, was für ein Blödsinn. Da könnte ich ja gleich in den Ring gehen.

  88. Einen Hinweis auf den mir...
    Einen Hinweis auf den mir unverständlichen Wagnerkult hab ich mir verkniffen. Jetzt freut es mich, dass Sie an meiner statt in diesen Ring gestiegen sind.

  89. Was haben nur alle gegen den...
    Was haben nur alle gegen den Ring? Ich finde ihn lustig. Seitdem ich als Kind jene Folge von Bugs Bunny gesehen habe, in der Elmer Fudd zur Melodie des Walkürenritts sang: „Ich jage den Hasen, ich jage den Hasen, ich jage den Haaaasen…“ kann ich das ganze Ding nicht mehr ernstnehmen. Von Loriots genialer Version ganz zu schweigen.

  90. Mir geht es ja mit Disney...
    Mir geht es ja mit Disney so:
    „When der Fuhrer says
    we ist der Master race
    we say heil heil,
    right in der Fuhrer’s Face.
    not to love der Fuhrer
    is a great disgrace…“
    http://www.youtube.com/watch?v=PPhBwsWB2qk

  91. @Rosinante: Sie wundern sich...
    @Rosinante: Sie wundern sich über die heute noch gelobte Casa di Fascia. Ich nicht mehr, seit ich gelesen habe, daß der Jugendstil in Belgien als „sozialistisch“ galt, andernorts als „reaktionär“. Die Architekten brauchen nunmal Bauherren, und das sind entweder Privatpersonen mit genügend Geld, oder öffentliche Auftraggeber, die mehr oder weniger politisch reinregieren. Und erst wenn der Architekt so bekannt ist, daß er bereits einige Aufträge bemerkenswert gut ausgeführt hat, reicht sein Name zur Akquise. Vorher muß er aber erstmal Auftraggeber finden ohne das, und da werden dann auch Spinnigkeiten gern genommen, zum Anwärmen und Bekanntwerden. Wer war das doch gleich, der dasselbe Denkmal der KPD und der NSDAP verkaufen wollte.. irgendein ganz Bekannter. Jedenfalls ist es überhaupt nichts ungewöhnliches, wenn dieselbe Architekturströmung in einem Land als „links“, im nächsten als „rechts“ gilt und dergleichen. Je nachdem, mit wem die Architekten dieser Architekturströmung sich einlassen, bekommt die halt dann den speziellen Gout verpaßt, und solange man es sich nur örtlich ansieht, kann man dafür wegen der zutage liegenden Verquickungen viele Argumente finden. Nur, wenn mans eben breiter, als Architekturströmung, auffaßt, und auch anderswo die Verhältnisse betrachtet, wird man dort eine ganz andere Einordnung finden. Z.B. hat der Klassizismus in D den Gout des Monarchisch-Feudalen, den er in den USA überhaupt nicht hat, dort gilt er als _der_ Stil der Demokratie.
    @malaparte: Ich halte diese „italienische Entspanntheit“ für eine deutsche Projektion.
    @Don: ich denke auch nicht, daß derartige Ideologien nochmal so wiederkommen, allerdings sollte man sich immer vor Augen halten, wenn die Leute in Existenznot geraten, drehen sie durch. Die Deutschen sind nicht so leidensfähig wie die Briten, oder gar die Ukrainer oder Russen. Und ich sehe noch viel Raum für Gezänk, das giftig werden kann, wenns eng werden sollte und die geistigen Kapazitäten nicht ausreichen, den nötigen weiteren Schritt auf die nächsthöhere Ebene zu machen.

  92. Mein Grossvater...
    Mein Grossvater (mütterlicherseits) war Schotte und während WW2 ist Rudolph Hess (Hitlers Aussenminister oder?) nach Schottland geflogen – ich weiss nicht genau warum man sagt er wollte ein Friedensabkommen mit England
    vereinbaren. Jedenfalls ist er in Schottland gelandet und mein Grossvater als ARP (Air Raid Policeman?) war bald an Ort und Stelle. Angeblich wurde das Flugzeug zum Teil „kannabalisiert“ – jeder wollte ein Souvenir haben. Mein Grossvater hat ein Stück Kabel aus dem Cockpit genommen – ein orangenfarbenes Stück – ich hab’s einmal gesehen.

  93. Wer die Debatte rund um den...
    Wer die Debatte rund um den Hass gegen den Islam und Broder mitbekommen hat – in der FAZ waren ja noch die gemässigten Stimmen zu lesen, Fakepersönlichkeiten wie Ayaan Hirsin Ali waren hier nicht zugange – bekommt da einen leichten Vorgeschmack auf das, was da alles möglich wäre. Man lässt das ja bei Spiegel Online auch zu, und solange sich da ein einer wie dieser Broder, für den ich mich wirklich schäme, vorndran stellt, kann es nach dem Verständnis der Hetzer ja auch kein Rechtsextremismus sein. Widerlich.

  94. @Don: was ich an der von...
    @Don: was ich an der von prince Matecki verlinkten Potsdamer Elitenstudie bemerkenswert fand, war der Satz „Der politische Diskurs läuft in D langfristig gesehen über die Themen Verteilung und Konfession“. Die Hassereien gegen Hartz4 sind durch, jetzt wendet man sich wieder der Konfession (Islam als neuste) zu. Keine Ahnung, was da bei rauskommt, entweder sowas wie Benz als Möglichkeit sieht oder eine Art Verkirchlichung.

  95. Werter Don,

    vielen Dank auch,...
    Werter Don,
    vielen Dank auch, dass Sie nicht mehr mit mir sprechen und mich übergehen!
    Unerfreute Grüße aus dem Schnee
    MvB-B

  96. Es ist hier so viel...
    Es ist hier so viel Bedenkenswertes gesagt worden, daß mir zu sagen fast nichts mehr übrigbleibt. Alsdenn, just for the records: Ich hatte leider das unangenehme Vergnügen, die Bibliotheken meiner beiden Großväter schon auflösen zu müssen. Es war bemerkenswert, wie sorgfältig beide von allem Anstößigen gesäubert waren. Da fand sich nichts, was nur im Entferntesten an jene 1000 Jahre erinnert hätte. Nun war man ja zu DDR-Zeiten auf jeden Fall Antifaschist, im Zweifel ehrenhalber. Aber diese Sterilität war schon verblüffend. Ich würde den beiden ja gern zutrauen, daß sie eben mit der Sache nichts am Hut hatten, traue dem Frieden aber nicht so recht. Dabei waren die beiden Herren grundverschieden. Der eine ein resignierter Sozialdemokrat („Ich bin für die Revolution, aber weiß genau, mit dieser Partei kommt sie ganz bestimmt nicht.“), der andere SA-Mann und Pionier-Leutnant. Letzterer wohl auch aus Karriere-Opportunismus, weil Lehrer. Dafür war er in Stalingrad und danach 10 Jahre in Gefangenschaft und zwar im Donbass. Gebüßt hat er wohl ausführlich, er sprach indessen nie darüber. Ich fühlte mich allerdings, anders als die Achtundsechziger, nicht in der Position, ihm deswegen Vorwürfe zu machen. Langer Rede kurzer Sinn: aus meinen Erfahrungen läßt sich nur ableiten, daß es den Beteiligten wirklich um eine Stunde Null ging, eine zweite Chance. Da ist keine Nostalgie gewesen, nirgends. Umso mehr erstaunt mich, daß es offensichtlich die „Schtonk!“-Gesellschaft tatsächlich gibt. Ich hielt sie bislang für eine satirische Übertreibung Helmut Dietls. Gut zu wissen, daß es nicht so ist. Abgesehen davon glaube ich auch nicht, daß die Schicklgruber-Wirtschaft fröhliche Urständ feiern kann. Dazu ist sie zu sehr desavouiert und zu leicht kenntlich. Aber der Schoß ist fruchtbar noch, das glaube ich gleichermaßen. Die Etiketten werden anders sein.
    .
    Fionn, Heß war Hitlers „Stellvertreter“. Die Idee des „Friedensabkommens“ war zwar allein seine Idee, lag aber durchaus auf der Linie Hitlers. Der Krieg gegen das Empire war nämlich „der falsche Krieg“. Hitler wollte durchaus keinen Krieg gegen England. Sein Wunschtraum war eine Teilung der Welt: Europa und Rußland für die Deutschen, die Weltmeere und die Kolonien für England. Er hatte aus dem 1. Weltkrieg einen enormen Respekt vor den Engländern mitgebracht. Zu Recht, wie sich zu unser aller Glück zeigte.

  97. Der Abschaum des Guten...
    Der Abschaum des Guten

  98. MvBB, ich tue ja mein...
    MvBB, ich tue ja mein Möglichstes, um beim Beantworten der Kommentare auf dem aktuellen Stand zu bleiben, aber das gelingt mir auch nicht immer. Ich denke, das kann man so und so sehen, und wenn Sie erwartet haben, dass ich hier einen Irrtum wortreich anerkenne, muss ich Sie leider enttäuschen.
    .
    colorcraze, ich glaube, das sind Konstanten, cdie mal wmehr, mal weniger Niederschlag finden. Gerade bei der Verteilung. Wobei man natürlich immer sehen muss, dass es auch genug Hass inerhalb der Klassen gibt.

  99. Bocksprünge
    @Schoenbauer:...

    Bocksprünge
    @Schoenbauer: Also ich bin mir natürlich nicht sicher, inwieweit die Natur Sprünge macht, der sog. „Phasenübergang“ will mir nämlich als ein solcher erscheinen; allerdings die Gesellschaft, die macht welche, wenn auch nicht selten als Bocksprünge. Nichts desto trotz stimmt es natürlich, was Sie da schreiben. Und ja!, Lenin hat über die Bürokratie geschimpft (übrigens Stalin auch) und sie doch benutzt, mangels Alternative, angesichts der enormen Bildungsunterschiede im damaligen Russland. Aus dialektisch-materialistischer Sicht muss das kein unlösbarer Widerspruch sein. So ist der Sozialismus als eine Übergangsgesellschaft ehe auch noch Teil jener Klassengesellschaft, der er entsprang – dem Kapitalismus – und voll derer „Muttermale“. Und die Bürokratie kommt erst im Kapitalismus zu ihrer vollen Blüte, ist sie doch dessen Kind wie Braut – eine ziemlich junge Braut noch also. Und da wo das Kapital noch nicht mal richtig entwickelt ist, wie das in Russland eben so war, ist es vielleicht gar nicht zu vermeiden, wenn diese Bürokratie erst noch mal so richtig sich voll entfaltet. Im Zuge der nach-revolutionären „Neuen Ökonomischen Politik“, war das übrigens voll mit eingeplant, als Kapitalismus im Schnellverfahren, an der mehr oder weniger kurzen Leine des Sozialismus. Nun ja, daran ist dieser Sozialismus vermutlich dann doch krepiert!
    .
    Im Prinzip ist der Sozialismus so eine Art Kräftegleichgewicht, das es für einige Zeit unentschieden lässt, wohin die Reise geht – nach vorne oder wieder zurück. Bisher ging es leider nur in die Hosen, dank dieser Bürokratie im Übrigen (man kann diese auch als das trojanische Pferd der Klassengesellschaft im Sozialismus betrachten).
    .
    Zu Schirrmacher: Danke, ich mag den Schirrmacher eigentlich, denn er ist für einen Konservativen ein echt quirliges Kerlchen. Doch ist er halt ein Konservativer, und daher muss man ihn geradezu kritisieren, zumindest bzgl. seines Ansatzes. Aber was er so aufgreift, beschreibt und kritisiert ist wirklich Thema der Zeit, und man muss es ihm hoch anrechnen, dass er da auch nicht locker lässt. Ein ähnliches Phänomen wie Jeremy Rifkin, den ich auch schätze.
    .
    Zu den Buttons: Nun ja, ich denke, dass die FAZ da einen Riegel vorgeschoben hat, damit der Marxist nicht all zu gut bewertet wird (ich komme oft schon „rot“ im Netz an!?), das wäre schlecht fürs Geschäft – mit der Stammkundschaft. Und doch ist es eigentlich nicht mehr als logisch, wenn ein Marxist tief rot gesehen wird; ich sollte mich nicht beschweren. Im Gegenteil: schlimm wäre es, wenn es anders wäre. Ich rechne es der FAZ-Leserschaft im übrigen hoch an, dass sie, obwohl sie womöglich Schreikrämpfe bekommt, wenn sie meine Klassenkampfsemantik über sich ergehen lassen muss (doch lesen tut sie es, auch wenn sie vor Wut dabei schäumen wird), manche Beiträge von mir, nicht selten wirklich die Besten, dann doch ins Grüne hin bewertet. Das hat Stil.
    Im Grunde interessieren mich die Buttons aber nicht, Antworten, auch kritische sind mir allemal lieber. Aber wie gesagt: danke.

  100. Lieber Devin,
    wenn Sie sich da...

    Lieber Devin,
    wenn Sie sich da in Bezug auf die „Bürokratie“ nur nicht täuschen!
    .
    Zunächst war der Begriff „Bürokratie“ im realsozialistischen Kontext (=Sowjetunion, Ostblock, DDR), einfach der politisch korrekte Euphemismus für: Willkür, Korruption, Amtsmißbrauch, Diktatur und Ausbeutung — also für Übel, die es defenitionsgemäß nicht geben durfte und darum unter ihrem wirklichen Namen nicht genannt werden durften.
    Wer über die „Bürokratie“ jammerte, drückte sich feige um die Frage nach der fehlenden demokratischen Legitimation des Regimes.

  101. Vom Leben in einer Nazi-WG
    Es...

    Vom Leben in einer Nazi-WG
    Es bedarf einem wachsamen Geiste. Als sich vor zwei Jahren meinen Studenten-Wohngemeinschaft auflöste und ich nach drei Dutzend Sondierungen von Standorten ausgerechnet in einer Nazi-Wohngemeinschaft landete, empfand ich dies mit sehr gemischten Gefühlen.
    Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick: Das RAD-Fotoalbum von der Eybl Gretl; geb. 1921; gest. 2002. Der jüngere Bruder hat die Wohnung vom Richter zugesprochen bekommen, nach einem Erbschaftskrieg; und er hat sich in seiner Altersdemenz eingebildet, die Wohnung müsse original bleiben, mit der ganzen Bibliothek, dem Krempel, etc.. Bei meinem Einzug war ich erstaunt, als meine Vormieterin erklärte eine Dissertation über Thomas Bernhards „Heldenplatz“ schreiben zu wollen. Wie passt das bitte zusammen? In so einer Wohnung ein Zimmer zu mieten und dann eine Dissertation über Thomas Bernhard zu schreiben? Nach zwei Jahren bin ich nun zu der Erkenntnis gelangt: Gerade durch das temporäre Verweilen in so einer Wohnung ist es möglich Thomas Bernhard noch mehr zu schätzen.
    Mein wachsamer Geist ist nicht abgestumpft. Von einer infantilen Notwehrmaßnahme mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge mit Hammer und Zirkel beim Besuch der Vermieter mal abgesehen bin ich wach geblieben. Diese Umstand war ein seltsam komischer Wettbewerb totalitärer Symbole deutscher Nation im gleichen Wohnzimmer. Genau jetzt ist der richtige Moment für den Absprung aus so einer WG. Rrückzug Ende Mai. RAD-Mitgliedspass als auch Fotoalbum werde ich trotz Empfehlung von Freunden nicht klauen, ich möchte mich persönlich mit so einer Materie nicht belasten – trotz der ehrwürdigen Bestrebung diese Zeit nicht vergessen zu sollen, um sie nicht wieder erleben zu müssen; es ist ohnehin hochauflösend gescant.

  102. Verzeihen Sie, verehrter...
    Verzeihen Sie, verehrter Gastgeber, aber in Sachen Hitlerei-Kontinuum, Ewiggestrigkeit und Islamkritik schlagen Sie mir einen zu eleganten Bogen, der zudem verdächtig die Geometrie der political correctness nachzeichnet. Also etwas, was Sie in Ihrem Blog gerade nicht kultivieren (oder kultivieren möchten), und was ja auch sterbenslangweilig ist, da dies bereits überall und ungefragt stattfindet. Ich glaube, dass in den Kommentaren zum obigen Beitrag niemand ernsthaft die ästhetische Minderwertigkeit, das Verachtungspotential des dortigen Menschenbildes oder die Schablonen- und Holzschnittartigkeit seiner geistigen Niederungen bestritten hat. Ebensowenig gab die wiederholte Feststellung Anlass zum Dissens, dass die heute existenten Formen dieses gesellschaftlichen Segments an einer erneuten Machtergreifung gehindert werden müssen. Und Teilnehmerin Vroni meint, dass der pejorative Diminutiv des „Schlumpfs“ für einen ehemaligen SA-Mann subversiv, oder was auch immer sei.
    Ich halte dies nicht nur für dümmlich, sondern auch äusserst gefährlich. Dies deshalb, weil der SA-Mann, sagen wir in den Jahren 1927-1933, also einer Zeit, als Hitlers Inthronisation schwankte und noch keinesfalls sicher war, nur eine Art machtstrukturelles Element war. Isoliert betrachtet, war ein SA-Mann eine uniformierte Person ohne jede Ausstrahlung. Aber 5, 10, 50, 100 SA-Männer, zudem leicht bewaffnet, waren dies um 1930 nicht mehr. Als diese dann sogar zu tragenden Elementen der Zentralmacht wurden, au Weia.
    Diese Marionetten und ihre morphologisch-ästhetischen Nachfolger jetzt lächerlich zu machen, wird heute gerne für die Taktik haltet den Dieb benutzt. Dies ist nichts als politisches Moralin, welches Teilen der deutschen Gesellschaft eine Fähigkeit zur Entwicklung abspricht. Also Taktik von politischen Kräften ist, deren Zielgemeinschaft unter veränderten Rahmenbedingungen und völlig veränderten Koordinaten ein anderes homogenes und absolutes gesellschaftliches Ideal verwirklichen wollen. Hier wird die Stigmatisierung einer Ethnie als Polit-Marketing eingesetzt. Aber die beiden Seiten der Medaille sind mit National- und Globalsozialismus gar nicht so verschieden.
    Betrachtet man dieses Phänomen nun unter dem historischen Leitgedanken „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ sowie dem Aspekt struktureller Macht, frage ich mich, wo liegt der Unterschied zwischen einem SA-Mann des Jahres 1930 und einem fundamentalen Öko-Pazifisten der Jahres 2010?
    Nehmen wirfür den heutige Sumpf. Nimmt man die zentralen Stich

  103. Oh, der Unterschied ist ganz...
    Oh, der Unterschied ist ganz einfach zu erklären. Der SA-mann würde mich für meine Einstellung und Abstammung in einer dunklen Gasse ohne Zögern totprügeln. Der Öko-Pazifist würde es nicht tun. Das mag wegen meiner persönlichen Animositäten kleinlich klingen, aber für mich ist der Unterschied enorm.
    .
    art-buyer, ich denke auch, dass man so etwas mal gesehen haben muss, um es zu verstehen – da geht der Irrsinn im Kopf in die Einrichtung über, der geist schafft sich seine passende Umgebung. Trotzdem, mich schaudert es bei der Vorstellung, wie damals.

  104. Don Alphonso, ok, der SA-Mann...
    Don Alphonso, ok, der SA-Mann würde Sie (wenn 1930 2010 wäre) totschlagen. Und der Henker würde Sie (wenn 1760 2010 wäre) wegen Majestätigbeleidung oder Königsmord auspeitschen und vierteilen. Sie betreiben die Historie etwas sehr einfach.

  105. Don Alphonso, ich kann dies...
    Don Alphonso, ich kann dies selbstredend nur vermuten, aber ich glaube, dass 1 SA-Mann dies wahrscheinlich nicht wagen würde. Ab 2 haben Sie sicher Recht.

  106. Rosinante, ich glaube, es...
    Rosinante, ich glaube, es wäre allseits nicht ergötzlich, wenn ich Sie mit den etwas unschöneren, also wirklich unschöneren Details der Familiengeschichte vertraut machen würde, jedenfalls komme ich daraus zum Schluss, dass ich vor diesem Hintergrund kein Pazifist bin und, vor die Wahl gestellt, mein eigenes Leben als ein definitiv höheres Gut als das eines SA-Mannes betrachte. Das mag meinem Ruf als höflichster Mensch der Welt ein wenig abträglich und obendrein subjektiv sein, aber sei’s drum. Man wäre verrückt, würde man denen nicht alles zutrauen.

  107. Don Alphonso, ich verstehe...
    Don Alphonso, ich verstehe Ihre Verstimmung und ich teile mit Ihnen die Gnade der späten Geburt. Und diese Freiheit geniesse ich nicht zuletzt deshalb, weil es diesen Blog und weltweite, politisch unabhängige Medien gibt, die ihr Handeln und Denken unter dem Aspekt zivilisierter und gebildeter Ethik betreiben. Aber der Diskurs muss sein.

  108. Liebe Rosinante,
    bei der...

    Liebe Rosinante,
    bei der „gebildeten und zivilisierten Ethik“ der „weltweiten, unabhängigen Medien“ habe ich allerdings so meine Zweifel.
    Gerade wenn man aufgrund von Sprachkenntnissen, Reisen oder Bekanntschaften die Möglichkeit hat, sich einmal ungefiltert mit den Standpunkten des nicht-europäischen, nicht-westlichen Auslands vertraut zu machen, dann beginnt man wirklich, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
    .
    So muß ich Ihnen sagen, daß unsere Qualitätsmedien keinesfalls unabhängig und objektiv sind und ihre Aufgabe durchaus auch darin erkennen, die politischen Interessen ihres eigenen Landes (bzw. der eigenen Weltregion) zu vertreten. Im Konfliktfall übernehmen machen sie sich schnell und bereitwillig zum Sprachrohr der jeweils eigenen Regierung.

  109. ... wie bestimmte Heinrich...
    … wie bestimmte Heinrich Mann seinen Diederich Heßling: „Er wollte doch nur an der Macht teilhaben . …. unabänderlich sank man zur Laus herab, zum Bestandteil, zum Rohstoff, an dem ein unermesslicher Wille knetete.“
    Solche Bestimmungen draengen sich mir auf, wenn ich das auf einen Nenner bringen sollte, was ich ich ueber SA-Leute gelesen. Hundertprozentig fremdbestimmt, wuerde man heute wohl sagen, und es wird natuerlich gefaehrlich, wenn ein solches Individuum zum Werkzeug von Verbrechern wird.
    Ein sog. Oeko-Fundamentalist erweist sich m.E. eher im Konfliktverhalten. Der Konfliktgegenstand geraet zu einer unteilbaren, nicht verhandelbaren Groesse. Als Fundamentalist ist er stets er mit seiner ganzen Persoenlichkeit involviert, fuehlt sich mithin auch persoenlich auf den Schlips getreten, wenn man widerspricht, was aber nicht zu Mord und Totschlag fuehrt.

  110. Wie sollte eigentlich guter...
    Wie sollte eigentlich guter Schulunterricht zu dem Thema aussehen? So wie bei uns Ende der 80er bis Mitte der 90er, mit drei KZ-Besuchen in der Zeit von der 8. bis zur 13. Klasse, zahlreichen Lektüren sowie alten und neuen Kinofilmen (Schindlers Liste etc.)? Nachdem wir es zum vierten Mal im Geschichtsunterricht durchgenommen hatten, müßte den meisten wohl ein Licht aufgegangen sein.
    Und dennoch – ein paar Idioten bleiben immer übrig.

  111. Don Alphonso, es ist mir nicht...
    Don Alphonso, es ist mir nicht verständlich, warum Sie die Frage nach Gleichsetzung in meinem heutigen, längeren Beitrag zu einem Problem Ihrer Person machen. Gott behüte. Ich habe zuviel Selbstachtung, um einen freundlichen und gebildeten Gastgeber zu beleidigen. Und ich hatte am Diskurs Ihrer „Stützen“ bisher zuviel Freude, alsdass ich mir diese nehmen lasse. Aber wenn Sie Dinge im tabuisierten Grenzbereich aufnehmen, dürfen Sie vor konsequentem Denken nicht erschrecken. Und dieses Denken ist ja abstrakt. Fast so, wie die abstrakte Malerei der Nachkriegszeit. Aber wer sich von Geschichte fernhält (das ist m.W. Tocqueville/auf jeden Fall Frankreich 1. Hälfte 19. Jhrdt.), hat täglich einen mühsamen Zugang zu ihr.

  112. Ach so, das kann ich gerne...
    Ach so, das kann ich gerne erklären: Ohne dass ich mich darum bemüht hätte, obwohl, das stimmt nicht, ich habe mich ab und an tatsächlich im Rahmen einer IKG darum bemüht, also, was ich sagen will: Der gute, alste Spruch von „Wer, wenn nicht ich“ würde vom SA-mann ganz sicher in meine Richtung als „Wer wenn nicht der“ interpretiert werden. Ich bin nun mal das natürliche Ziel einer jeden judenfeindlichen Neigung, und deshalb wünsche ich dem SA-Mann die Pest und anderes an den Hals, der Ökoüax dagegen ist in meinen Augen ein netter Kerl. Aber wie gesagt: Keine bösen Gedanken deshalb.

  113. No more words, sorry please....
    No more words, sorry please.

  114. Irgendwie ist es ja...
    Irgendwie ist es ja lustig:
    „Bei meinen Eltern hingen abstrakte Gemälde an den Wänden, der Vater meines Freundes sammelte asiatisch Kunst, der Bankchef zerrte seine Töchter durch Münchner Galerien, der Kinderarzt sammelte für Afrika – wir alle waren, vorsichtig gesagt, in einer uns sehr fremden Welt.“
    Nur was war denn da fremd? Das Sammeln abstrakter Kunst nach 45 ist doch eben die Entsprechung zum Sammeln von Nazikunst davor! Fremd war hier doch nur der senile Altersstarrsinn des ollen Nazis, der offensichtlich seine geistige „Geschmeidigkeit“ eingebüßt hatte.
    Wer dies nicht glaubt, dem sei die sehenswerte Dokumentation „Benutzt und gesteuert, Künstler im Netz der CIA“ von arte ans Herz gelegt! Man findet sie im Internet.
    Nein, wirklich: Wer glaubt, dass die BRD-Eliten begeistert und vor allem freiwillig abstrakte Kunst, bald 1,9 Billionen Staatsverschuldung und 15,2 Millionen BRD-Bewohner mit Migrationshintergrund angesammelt haben?
    Nur jemand, der an den freien Willen glaubt und das 20. Jahrhundert offensichtlich verschlafen hat!

  115. @Lieber Rosinante,
    weils zu...

    @Lieber Rosinante,
    weils zu Thema gehört:
    Wo die von Ihnen Sammlung in Dahlem abgeblieben ist, können Sie evtl über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erfahren.
    Es gibt in Berlin auch eine Institution, die sich mit Raubkunst beschäftigt. Ein guter Bekannter von mir (M.A. Kunstgeschichte FU) hat da ein Praktikum gemacht. Es gibt darüber auch einen Katalog (bitte googlen).
    Literatur über entartete Kunst gibt es in großer Fülle auch in Antiquariaten.
    Ich hatte eine relativ vollständige Sammlung, die ich dem Institut für die Erforschung des Nationalsozialismus an der Uni Hamburg schenkte mitsamt einer Sammlung zur Frühgeschichte des NS, sehr umfangreich. Es werden keine Forschungslücken entstehen.
    Weil ich an einem sehr komplizierten Projekt damals arbeitete, kenne ich die Bestände des Bundesarchivs, damals noch in Koblenz/ heute Berlin, und eine der größten Samlungen von Hitler-Aquarellen, die ich auch fotografieren durfte. Das Material erschien dann in einem von einem amerkanischen Multimillionär finanzierten Katalog in der Schweiz(!). Dieser Herausgeber kaufte in Wien etwa 5 Aquarelle von AH, wovon einige gefälscht waren. Damalige Preise DM 15.000 pro Stück. Eine Analyse würde die zweimalige Ablehnung Hitlers für sein angestrebtes Kunststudium in Wien klar bestätigen. Obwohl das größtenteils Kopien von anderen zeitgenössischen echten Kunstmalern und Postkarten sind, hat Hitler etliches grundsätzlich nicht verstanden. Das Gleiche gilt etwa auch für einen seiner Lieblingsmaler: Hans Severus Ziegler, von dem ein Werk sogar in der Reichskanzlei über einem Kamin hing.
    Breker war im Paris der 1920er Jahre ein angesehener Bildhauer (Klein-plastiken), die in der damals recht rechtslastigen Szene der Stadt hohes Ansehen genossen. Neben den Progressiven, die wir heute hochschätzen.
    Die amerikanischen Kunsthistoriker, die mit der Aufnahme der diversen Museumsbestände am Collecting Point Wiesbaden beschäftigt waren, haben tatsächlich etliches mitgehen lassen. Einen Fall der Restitution habe ich aus nächster Nähe in Berlin mitbekommen. Das gilt auch für Teile des Quedlinburger Domschatzes.
    Fotos der Ausstellung „Entartete Kunst“ sind leicht erhältlich, z.B. auch in einem Taschenbuch „Kunst im III.Reich“ (googlen), Werke befinden sich in verschiedenen Depots.
    Über das sensible Restitutionsverfahren an ehem.Besitzer von von Nazis geraubte etwa jüdischer Sammlungen können Sie gelegentlich in der Tagespresse lesen.
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    Über die ideologische Programmkunst des 3.Reiches kann an noch sagen, dass sie nicht erst 1933 aufkam, sondern viel früher wie auch Hitler-Speers Architektur. Es ließe sich vielleicht sagen, dass nach Verbot der progressiven zeitgenössischen Malerei nun die akademischen Maler, Buchillustratoren und Bildhauer (Thorak) nun die 2. und 3. Qualität ans Ruder kam.
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    Bedenklich im Sinne der nach dem Krieg tätigen Kritiker (auch Nichtwisser) finde ich, dass sie grundsätzlich dasselbe taten wie Hitlers Kunstpaladine: Vermischung von Kunst und Politik. Halten Sie Benn, Gründgens, Richard Strauß und etliche mehr für bedeutende Künstler? Sie nahmen im III.Reich – wenn z.T. auch nur zu Beginn – bedeutende Positionen bei der Reichskulturkammer des Herrn Goebbels ein, der übrigens noch lange nach 1933 private Ausstellungen der nun verfemten Kunst duldete.
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  116. Betr.: SA-Mann
    Bei aller...

    Betr.: SA-Mann
    Bei aller Brutalität dieser Sorte. Ich hatte auf der Uni intensiv mit dem ehem. Intendanten des Nationaltheaters Weimar im 3. Reich zu tun. Ich würde ihn als Mitläufer einstufen, noch nicht mal als Karrieristen, wie man sie heute allenthaben findet.
    Neben mir wohnte ein Mitglied Der Reichsstandarte AH. Er idenfizierte sich selbst als einer, der vor dem Haupteingang der Reichskanzlei Wache hielt. Ich blätterte sogar in seinem privaten Fotoalbum. Als alter Mann wirkte er keineswegs „brutal“.
    Mit einer der berühmten Familien dieser Zeit hatte ich eine längere Korrespondenz eben über diese Zeit, besonders über Hitler und sein Kunstverständnis. Das war das Thema meines Projekts.
    Natürlich kenne ich die politischen Hintergründe.
    Ich als 68er habe diese Leute als „harmlos“ kennengelernt, natürlich so viele Jahre nach der Katastrophe. Im Zuge meines Projekts musste ich neutral bleiben und etwa die Einladung von Frau Hess ablehnen, ihrem Kreis beizutreten.
    Ich muss noch hinzufügen, dass meine Familie unter diesem Regime sehr, sehr gelitten hat, und – indirekt – ich auch.

  117. "Heute bleibt es liegen, egal...
    „Heute bleibt es liegen, egal ob SA-Mann aus Zinn oder Teilnehmer der grossdeutschen Kunstausstellungen“
    .
    Ist das tatsächlich so ? Das ist doch Ihre Einzelmeinung, und nicht der Konsens der Kunsthistoriker. Es war doch nicht jedes Kunstwerk der GDK ein Propagandaobjekt. In der ersten GDK 1937 wurden bewusst keine Entstehungsjahre genannt, um zu verschleiern, daß einige „neue“ Werke aus der Weimarer Republik stammten und nicht aus der „Neuen Zeit“. Gezeigt wurde auch ein Fritz Mackensen „Gottesdienst im Moor“ von 1895, heute zu sehen im historischen Museum in Hannover. Edward Harris Compton wurde vor den Nazis geschätzt, dann von den Nazis geschätzt, und heute weiterhin hoch-preislich geschätzt. Zu Arno Breker sage ich nichts, aber zu den „Vier Elementen“ von Ziegler: dieses Bild hinter Angela´s Schreibtisch im Kanzleramt, und wöchentlich käme Staatsbesuch aus Paris und Rom, mit sabbernden Mundwinkleln. Warum nicht nutzen, Frau Kanzlerin, Sex sells, von der Autoindustrie lernen heisst exportieren lernen. Und Wieland Wagner hätte dem Motto auch zugestimmt, damals, mit Anja Silja. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46251843.html
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