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Gebt 20 Fussballfans ein paar Jahre Zeit

08.05.2013, 09:05 Uhr  ·  Eine kleine, laute Gruppe Ultras kann einen ganzen Platz frei von freundlichen Menschen räumen: Fussball mag ihr Leben sein, aber für andere ist es eine Belästigung und ein Beitrag zum Niedergang Europas.

Von

Ich wünsche mir zum Geburtstag den Käfig, in den man Ezra Pound eingesperrt hat.

Im 19. Jahrhundert lag das Städtchen Riva noch nahe der Südgrenze der österreichischen Monarchie. Hatte es davor lange Zeit zum Einflussbereich des lebensfrohen Venedigs gehört, so ergänzte man unter den Habsburgern die Palazzi der Terra Ferma mit Jugendstilvillen und Grand Hotels des Historismus, und lebte hier recht gut. Goethe kam hier durch und Franz Kafka erholte sich. Dann kam der erste Weltkrieg und Riva wieder zu Italien, geriet ein wenig über den Aufstieg der Windsurfer im nahen Torbole etwas in Vergessenheit, und war ein behäbiger Ort, in dem man auch ohne Probleme statt Café einen deutschen, entkoffeinierten Filterkaffee bekommen konnte. Hinten zerfallen noch manche Traumvillen, vorne am Hafen ist es bunt, und das Treiben angenehm.

Es ist Sonntag, und man trifft am Hafen neben der venezianischen Festung aufeinander: Die deutschen Rentner, denen der Pool zu kalt ist, auf die italienischen, stolzen Nachwuchsherzeiger, die amerikanischen Reisegruppen auf eine koreanische Rucksacktouristin, die eleganten Herren und Damen und die quengelnden Kinder, die ein Eis wollen, Scharen von Bergradfahrern, die an diesem Wochenende ein Festival haben, auf Rennradfreunde, englische Ehepaare, die in der Nacht zuvor im Grand Hotel von Gardone Riviera zu viel getanzt haben, auf Grossclans aus der Lombardei, die sich hier in den Weingärten zum Essen getroffen haben. Gottes Geschöpfe gross und klein defilieren vorbei, und am Rand, in einem Cafe, sitzt auch der aufgrund technischer Probleme zur Faulheit gezwungene Autor dieser Zeitung, trinkt Tee und findet es schön: Dass dieser Platz einen Rahmen für das Interesse an den anderen bietet, dass Europa hier noch funktioniert, und dass hier alle respektvoll miteinander umgehen. So viele Menschen sind hier, 1000 oder mehr, aus vieler Banksterherren Länder, und es scheint nicht so, als würde nur ein böses Wort fallen. Prächtige Sonntagslaune, auch wenn ein Gewitter droht.

Aber das lässt sich noch Zeit. Irgendwo unten über Sirmione mag es rumpeln, hier herrscht das nicht allzu laute Stimmengewirr all derer, die gern hier sind und den Platz, so wie er ist, schätzen. Überhaupt, man kann die Fähigkeit, so eine Platz zu schaffen, der aus sich heraus die Menschen eint, mit Blick auf Frankfurt oder Berlin gar nicht hoch genug schätzen: Es gibt Architektur, die verbindet, und die vielen bunten Farben der Häuser tun ein Übriges, um die Szenerie herrlich unernst erscheinen zu lassen. Wo immer Krise und Kriege sein mögen, hier sind sie nic – Moment.

Irgendwo singen Leute. Das sagt nicht viel, in Brescia war ein Streicherquartett unter den Arkaden in Verona am Stadttor ein englischer Harfenist, und in Mantua singt nun schon seit Jahr und Tag einer mit seiner Gitarre, und immer gebe ich ihm, weil ich seine Lebensfreude mag – warum sollte also nicht auch hier jemand singen? Nun, weil sie zwar eine Melodie vortragen, aber es klingt aggressiv, mehr laut als schön, mehr fies als lieblich, mehr wütend als versöhnend und gar nicht wie das, was man hier sonst so sehen konnte. Da kommen Leute, die um jeden Preis laut sein und auffallen möchte, es wird lauter, und dann spuckt eine Strasse den gewalttätigen Bodensatz der Unterhaltungsindustrie Fussball aus: Ultras von Juventus Turin. Mit Fahnen, bengalischen Feuern, den üblichen Symbolen der Faschismusanhänger, und als sie den Platz betreten, skandieren sie auch U L T R A.

Dann ziehen sie quer über den Platz, brüllen alles andere nieder, marschieren in einer Art, die vor 45 gleichmässiger, aber vermutlich auch nicht einschüchternder hätte wirken sollen, und man sieht es ihnen an: Es gefällt ihnen. Es sind 20 sozial randständige Witzfiguren in Kleidung der Unterhaltungsindustrie, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können, denn als Haltungsunterschicht sollte man sein Geld besser einteilen, aber sie schaffen es, dass es jeder bemerkt, wer hier kommt. Irgendwelche Typen aus Riva, die für eine Millionärstruppe singen, die im Piemont beheimatet ist. Das Piemont hat noch nicht mal eine gemeinsame Grenze zum Trentino, in dem Riva liegt, aber das spielt keine Rolle: Hier sind sie und hier vergraulen sie die anderen. Nach ihrem Triumphzug erreichen sie ein Cafe, in das sie sich mit dem Rücken zum Platz setzen, mit Blick auf die Glotze, und weiter ihre Lieder des Hasses und der Verachtung singen. Gäste benachbarter Lokale nehmen schleunigst Reissaus, und sogar bei mir, auf der anderen Seite des Platzes, ist eine ungezwungene Konversation kaum mehr möglich.

Das sind, man muss es sich vor Augen halten, nur 20. Es wären vermutlich genug kräftige Bergradler auf dem Platz, um sich des Problems anzunehmen und die Herrschaften nachdrücklich um Ruhe zu bitten, aber natürlich ist es so, wie es ist: Den 20 wird der Raum akustisch überlassen, sie dominieren, und was die 1000 anderen davon denken, interessiert sie bestenfalls gar nicht, wie sie so mit dem Rücken zur Allgemeinheit dort sitzen. Aber die Vermutung liegt natürlich nah, dass sie nicht zufällig genau hier sind, und nicht in einer der vielen anderen, weniger schön gelegenen Bars der Stadt: Es dürfte ihnen darum gehen, ihre Überzeugungen der Welt möglichst laut und dauerhaft nahe zu bringen. Und selbst mein rudimentäres Italienisch reicht aus um zu verstehen, dass sie, wie ihre deutschen Gegenstücke, die Dummheit des gesamten Ring-Librettos noch zu überbieten in der Lage sind. Vermutlich würde ich mir eher Tristan und Isolde anhören, als solche Leute. Aber gerade, bis ich zahlen und gehen kann, geht es nicht anders. Derweilen wird der Platz deutlich weniger belebt, Riva hat ja auch noch andere nette Ecken.

Es gibt mehrere 10.000 Ultras in Europa, die Vereinen organisiert sind, und die oft in den Stadien eines öffentlich geförderten Sports den Ton angeben. Die meisten dürften ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Dass man mit einer kleinen, lauten Gruppe jede Mehrheit terrorisieren und unter Druck setzen kann. Bei mir daheim reichen schon drei von denen aus, damit die eine ganze Strasse mit Kicker- und Naziparolen aus dem Bett treiben, denn der Weg vom Vereinsheil zum „Sieg Heil“ ist unter Alkohol oft nicht wirklich weit. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die gelernt haben, dass man, wenn man sich benimmt, vom anderen auch Rücksicht erwarten kann. Vielleicht nicht im Beruf oder in der Politik, aber zumindest beim öffentlichen Sonntagsspaziergang. Nach so einem Nachmittag ist deutlich: Das Abkommen können 20 Gröler radikal aufkündigen. Weder müssen sie deshalb mit Sanktionen rechnen, noch gibt es für sie unangenehmere Erfahrungen als das Gefühl der Macht vor den Ohnmächtigen. Ochlokratie heisst das im Griechischen, die Herrschaft des Mobs, und man möchte solche Leute mit diesen Erfahrungen nicht 20 Jahre später treffen, wenn sie es so im Berufsleben einsetzen.

Denn mitunter macht auch die Gesetzgebung den Eindruck, als hätten da 20 Lobbyisten so lange so laut gebrüllt, dass sie am Ende allein die Gesetze für das Saatgut schreiben durften. Manchmal denkt man, da gibt es mehr als 20 Schreiber, die einen untragbaren Chef eines Unterhaltungskonzerns mit besten Beziehungen zur Politik wieder zurück in den Salon schreiben, wenn er nur den Verdacht für das Sportgeschäft ausgeräumt und sich allein belastet hat. 20 überlaute Krisenschreiber schaffen es in Absprache mit der Wirtschaft, Mindestlöhne zu diskreditieren. Am Ende kommt dabei selten das heraus, was der Allgemeinheit nutzt oder gefällt, aber die 20 haben eine gute Zeit und die Gewissheit, dass sie es mit anständigen Menschen zu tun haben, die sich gar nicht so schnell zusammentun und etwas mit Argumenten ändern können, wie sie ihre bengalischen Lügenfeuer anzünden. Weit haben es solche 20 im öffentlichen Raum schon gebracht, und wenn man ihnen weiter Raum gibt, werden sie es in ein paar Jahren noch weiter bringen. In meiner Heimatstadt jedoch hat man nach einigen zu unschönen Vorfällen zumindest die Gröler aus der Altstadt vertrieben, die grossen Leinwände stehen jetzt woanders, wo sie keinen stören; man hat das Problem abgeschoben, aber noch lange nicht gelöst. An der Unart, wie in dieser Gesellschaft ein Unterhaltungsgeschäft zu einer öffentlich allseits geförderten und unkritisch bejubelten Parallelstruktur gemacht wurde und wird, wird sich vor einer radsportartigen Skandalkaskade nichts ändern, und so wird man auch weiterhin mit 1000 anderen solche 20 erdulden müssen, die im Glauben handeln, die Mehrheit stünde hinter ihnen, egal, wo sie jetzt ihren Brandsatz werfen.

In Verona sassen übrigens zwei alte Herren in einem Cafe nur einen Tisch weiter, die rosa Gazzetta dello Sport auf dem Tisch, und redeten angeregt und gestenreich über Calcio, ohne deshalb lauter als die anderen zu sein. Das ist die Vergangenheit, und sie würde recht gut zu den hübschen Häusern von Riva passen. Die Gegenwart der Ultras wurde dann übrigens vom Gewitter weggeschwemmt. Der Mensch denkt, Gott lenkt, könnte man am Sonntag sagen.

HINWEIS:

Wie oben erwähnt, sind die Stützen während der letzten Tage nur im Notbetrieb gelaufen, weil sich das Administrieren von Italien aus als kaum machbar erwisen hat. Ich kann deshalb nur empfehlen, Kommentare im dafür zur Verfügung stehenden Blog abzugeben.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (103)
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33 Der Tiger 08.05.2013, 09:59 Uhr

auch "Stützen der Gesellschaft" können nerven

Nicht nur Fußballfans können einem dem Spaß am Leben verderben. Gestern fuhr ich mit der Eisenbahn von Frankfurt nach Hause. Schräg gegenüber saßen eine junge und eine ältere Frau, die sich sicherlich für die Stützen der Gesellschaft halten, und schwatzten pausenlos und laut über die fabelhaften Leistungen ihres Lebens und das ihrer Kinder und Eltern – nonstop. Kein Thema war ihnen zu persönlich, um es nicht mit der Eisenbahnzufallsbekanntschaft vor den zum Zuhören gezwungenen Mitfahrer auszubreiten. Während ich versuchte, dass geschwätzige Theater zu ignorieren, schwur ich mir, nie wieder deutsche Bundesbahn.

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15 Arabella 08.05.2013, 11:57 Uhr

Puh

Schade um den schönen Sonntag. Dass aber überhaupt wer für diese Mischung aus Dummheit und krimineller Energie, die sich Profifußball nennt, erwärmt, ist schwer verständlich. Da könnte man gleich so einen Hönes hofieren - oder Adidas-Schuhe kaufen. Würg!

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17 sambossa 08.05.2013, 13:45 Uhr

Anstoß

“Manchmal denkt man, da gibt es mehr als 20 Schreiber, die einen untragbaren Chef eines Unterhaltungskonzerns mit besten Beziehungen zur Politik wieder zurück in den Salon schreiben, wenn er nur den Verdacht für das Sportgeschäft ausgeräumt und sich allein belastet hat.”

Vielen Dank für ihre feinen Ausführungen mit leichter und spitzer Feder, geschätzter Don. Hatte schon gestern bei der Zeitungslektüre den Eindruck, das darf doch nicht wahr sein, warum nimmt denn keiner Anstoß daran? Was wir jetzt brauchen, sind Champions-Leaks.

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5 Doctor Snuggles 08.05.2013, 14:21 Uhr

Der Platz...

Sicherlich, so einen Platz haben wir nicht in Frankfurt. Allerdings muss ich sagen, dass bei uns in der Nachbarschaft fast alle Kontinente vertreten sind und man lebt friedlich miteinander, sagt artig "Guten Tag" und Deutsch ist die gemeinsame Verbindungssprache. Einzig eine Familie sticht dort raus, zu laut, zu viel "ihr anderen interessiert mich nicht". Aber dumme Menschen gibt es überall und es spielt auch keine Rolle, aus welchem Land sie kommen.

Will sagen: bei uns wird "Internationalität" direkt gelebt - auch ohne Platz.

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Humbuk

Selten so einen undifferenzierten und verallgemeinerten Quatsch in diesem Blatt gelesen.

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5 E.R.Bonvonhier 08.05.2013, 15:42 Uhr

Bisher

...konnte ich Antifaschisten verstehen.
.
Mittlerweile werde ich den Verdacht nicht mehr los, dass lebenslanger Generationen übergreifender Kampf
Gegen den Faschismus etc. die Kombattanten mehr als nur ein bisschen geprägt und
nicht nur ihr Menschenbild beeinflusst hat, sondern auch ihre Methoden.
.
" wenn man mit dem Teufel ist, braucht man einen langen Löffel."

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Derweil kann man auch noch beruhigt durch...

Derweil kann man auch noch beruhigt durch Bayern reisen und - Radio hören. http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/triest-hauptstadt-literatur-100.html - "Triest war damals eine gute Stadt um reich zu werden."
.
Die Hörer also waren schon gestern am 7.5. zufällig ebenfalls bei Don Alphonso`s Thema. Ungefähr jedenfalls. Zeit ist Luxus, ja.
.
Und der Bayrische Rundfunk soll ja nun demnächst auch noch abgewickelt werden. Weil sich kaum noch einer für ihn einsetzt.
.
Ein durchaus bemerkenswertes Stück Radiofeuilleton, sicherlich.

55 Paulianer 08.05.2013, 16:48 Uhr

Recherche Null

Wenn dieser Text nicht als Satire gemeint ist unterstelle ich dem Verfasser jetzt mal schiere Unwissenheit und nicht die geringste Recherche. Die Ultra-Bewegung mit Nazis gleichzusetzen ist an Schwachsinn kaum zu überbieten. Ich, als Supporter der Ultra-Kultur, bin absolut gegen Ausländerhass und Faschismus. Mit einem seriösen Job mit gutem Gehalt würde ich mich jetzt auch nicht als soziale Randschicht bezeichnen und Gewalt in jeder Form lehne ich konsequent ab. Eine ganze Kultur, die Farbe und Stimmung in die Stadien bringt mit Hooligans, die pöbelnd und brüllend durch die Straßen ziehen gleichzusetzen ist in meinen Augen pure Hetze und nichtmal BILD-Niveau! Vllt sollten sie mal ins Stadion gehen und mal echte Ultras erleben, bevor solch ein Unsinn in einer "seriösen" Zeitung verbreitet wird. Andere Leute verlieren für Pfusch ihren Job!

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15 Erika Fuchs 08.05.2013, 22:51 Uhr

"Die unzüchtige Roheit der Vergnügungen...

"Die unzüchtige Roheit der Vergnügungen beklagend, sah sich der König gezwungen, die Römer mit ihnen zu unterhalten, weil sie eher den letzten Rest ihrer nationalen Selbständigkeit würden hingegeben als dem Spiele entsagt haben. Bei jeder feierlichen Gelegenheit, zumal beim Amtsantritt des Konsuls oder anderer hoher Staatsbeamten wurden noch immer öffentliche Lustbarkeiten veranstaltet; und die wenigen Geschichtschreiber jener Epoche haben nicht versäumt, wie ein wichtiges Ereignis aufzuzeichnen, daß Theoderich während seiner Anwesenheit in Rom dem Volk Spiele im Amphitheater und im Circus zum besten gab. Denn nur diese beiden Schauplätze werden noch als im Gebrauch erwähnt, während den Circus Flaminius und den des Maxentius schon tiefes Schweigen bedeckt."
- Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 32

"Mein Erzieher lehrte mich, im Circus weder für die " Grünen " noch für die " Blauen " mich zu ereifern; dagegen unterwies er mich, wie man Anstrengungen erträgt, sich mit wenigem begnügt, bei allem selbst Hand anlegt und sich fernhält von Dingen, die einen nichts angehen; auch flößte er mir Widerwillen gegen Angeberei ein."
-Marc Aurel, "Selbstbetrachtungen"

Ich habe mit Fussball nix am Hut.
Ich will hier also auch gar nicht über Ultras, Hooligans, richtige oder falsche Fans anfangen.
Ich bin mir sicher, dies wird zur Genüge geschehen.

Keine eigenen Beispiele dazu, wie ich mal positiv überrascht wurde oder negativ (nichts von beidem; ich erwarte nichts gutes oder auch nur interessantes und konnte diesen Leuten noch immer aus dem Weg gehen).
Über die durchkapitalisierten Auswüchse eines durchkapitalisierten Schauspiels.

Über Hoeness wird auch ungleichmehr geredet als über seine Wurstfabrik.
Oder die Beschäftigungsverhältnisse dort.

Ich erinnere mich an Beckenbauer, wie er zu irgendeiner WM in Deutschland, über dasselbe im Hubschrauber fliegend, meinte, dies sei ein wundervolles Land und er könne es gar nicht verstehen, wie (ich habe vergessen, was genau man diesem Land hätte antun können).
Abgehoben ist der Heli in der Schweiz, wo Beckenbauer wohnt und Steuern (nicht) zahlt.

Ich erinnere mich an Daum und frage mich, ob Klopp nicht noch ein wenig mehr die Sorte Mensch ist, die sich egal welchen Mittels aufzubessern versuchen könnte.

Ich sehe ständig, wenn es zu einer Überschrift reicht oder nicht, die Korruption in den Organisationen (ausser Beckenbauer und wie sie alle heissen) zu verklären und scheine der Einzige zu sein, der sich freut, den Scheiss nicht zu bezahlen.
(Coca-Cola bezahlt das, nicht etwa die Fankurve (haha))

Bin ich eigentlich so gottverdammt hirnverbrandt all diesen Klatschspaltenmist einfach nur nicht zu verstehen, oder haben Ultras etwa irgendetwas im Leben erkannt, was mir entgangen ist?

Ich meine, wir schreiben 2013.
Wer geht denn noch her und bekennt, dass Coca-Cola sein Lieblingsgetränk sei?

Wir haben 2013 und von Fussball weiss ich das gleiche wie das, wass ich (unartikuliert) auch vor zwanzig Jahren wusste: Bayern-Fans verstehen nix von Kapitalismus und sind überhebliche Arschlöcher.

Wie dem auch sei, dem Threadsteller sei gewünscht ein zwei mal am Wochenende die Bahn mit Fussballfans zu teilen. vorzugsweise in Ostdeutschland.
Nicht, weil er das verdient hätte (weiss ich nicht), sondern vielmehr, weil er die gesamte Tragik der Doppelmoral viel zu sehr unten festmacht, als das er ihr gerecht werden könnte.

Kaum zu glauben

solche einen wirren Artikel in der FAZ zu finde...

Weil der feine Herr ein wenig aufgeschreckt wurde beim Latte Macchiato trinken stellt er die gesamte Ultra-Bewegung in die Nähe der NSU oder gar der Taliban.

es geht doch nichts über ein einfaches Weltbild ...

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12 Samuel Lang 08.05.2013, 23:55 Uhr

Hm... :D

"Die meisten dürften ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Dass man mit einer kleinen, lauten Gruppe jede Mehrheit terrorisieren und unter Druck setzen kann." Fand ich cool. Das war dann schon menschheitskritisch. :D

Ultras, Spanische Inquisition, Puritaner, Faschisten, Anti-Faschisten, Kommunisten, Polit-Korrekte, Gendervögel, EU-Fanatiker, Sozialisten, Marktradikale, Konzerne, Lobbygruppen etc.

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Einfach nur schade...

[Edit des Autors de Artikels: Ich bin nicht ganz doof und sehe durchaus, wo und aus welcher Ecke diese Kommentare kommen, die es darauf anlegen, diese fraglichen Personen zu beschönigen (painting lipstick on a pig sagt man dazu im Englischen) und gleichzeotig versuchen, mit Anführungsstrichen und Bildbezügen zu arbeiten. Bitte gehen Sie zurück in Ihre Foren und amüsieren Sie sich anderweitig, den Rest landet im Spamordner. Danke für die Aufmerksamkeit, so vorhanden: Don Alphonso]

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8 Gastleser 09.05.2013, 00:39 Uhr

Vielleicht das kleinere Übel?

Auch wenn die Behauptung einer kathartischen Wirkung von Kampfsportarten widerlegt ist: Sollte man nicht eher froh darüber sein, dass das Geld und die Energie von vielen Faschos in einer kommerziellen, gut definierten Unterhaltungsveranstaltung gebunden ist? Dass diese einfache Erfolgserlebnisse bietet und Sehnsüchte nach Ruhm, Kampf und Ehre stillt?

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0 osnova2000 09.05.2013, 06:19 Uhr

Sehr geehrt Don Alphonso, Jede Gesellschaft...

Sehr geehrt Don Alphonso,
Jede Gesellschaft weidet wie eine beliebige Herde der Schafe, aber die Hirten dieser Herden haben die Unterschiede. Diese Unterschiede ist die Weltanschauung und die Konfession, obwohl man jene und andere vereinen kann.
Die Hirten nicht unterstützend die Gewerkschaft der Hirten heißen von den Diktatoren :)
Usw.

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7 Bruckbacher 09.05.2013, 06:44 Uhr

Frage:

Was haben Ultras und Mille-Miglia-Fahrer gemeinsam ?
.
Beides sind Leute,die um jeden Preis laut sein und auffallen möchten und gelegentlich auf öffentlichen Plätzen in italienischen Städten als kleine lautstarke Minderheit die grosse Mehrheit terrorisieren

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Der Profi"sport" und seine Protagonisten...

ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Die als Sport verkleideten Werbeveranstaltungen sind ein Spiegel für die Unfähigkeit oder die Verkommenheit der die Poltik gestaltenden Parteien. Das ist spätrömische Dekadenz in Reinform.

3 Fleur van de Slaap 09.05.2013, 07:39 Uhr

Endlich Katharsis

Es ist immer ein wenig unangenehm, wenn die menschliche Notdurft öffentlicht verrichtet wird. Nicht aus Not, sondern aus Narrentum. Denn nichts anderes ist es, wenn Erwachsene öffentlich stolz darauf sind, sich gemeinsam mit anderen zu erleichtern. Als gäbe es nicht diese gigantischen Bedürdnisanstalten, wo Abertausende sich darin ergehen, einfach alles laufen zu lassen. In der Gewissheit: Ich bin nicht allein. Ich habe ein Zuhause. Ich bin umfangen von der Arena einer riesigen Toilette. Jetzt die Spülung. Endlich Katharsis!

Fußballfans

Diese sog. Fußballfans sollten das bekommen, was sie eigentlich wollen. Täglich [Edit: So kann ich das leider nicht bringen. Don Alphonso]!!! Asoziales Gesindel ist das. Allerdings muss ich einigen Kommentatoren hier recht geben, in die Faschistenecke kann man Ultras pauschal nicht stellen. Es sind einfach nur Asoziale. Ich konnte dies erst kürzlich im Zug erleben, als 10 von diesem Gesindel das Abteil gestürmt haben.

2 E.R.Binvonhier 09.05.2013, 11:10 Uhr

Wenn

...der Traum von der " Offenen Gesellschaft " in Gated Communities und No Go Areas endet.
.
So interessant wie vorhersehbar.
Besonders wenn die Wasserträger meinen, sie seien die Feuerlöscher.

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1 Andreas Ulbrich 09.05.2013, 11:14 Uhr

Was haben Sie denn gegen Wagner?

Man kann doch nicht Stütze der Gesellschaft sein ohne für Richard Wagner zumindest Hochachtung zu empfinden.

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Der Nachwuchs rollt ?!

Sehr schöner Text. Kommt mir bekannt vor. Nur habe ich den Eindruck, wo immer Sie Sich befinden, wir hier anderswo sind einen Schritt voran - oder hinterher?

Denn hier bei uns wächst der Nachwuchs. In den Kindergärten und Schulen. Das meint, "die 20" sind ca. 5-14 Jahre jung, sie profilieren sich ungehemmt in Kindergärten, Vorschulen, mischen die Gruppen, später die Klassen, die Schulen auf, terrorisieren Mitschüler, Erzieher und Lehrer; vernichten, weil kaum gebremst, im Namen der persönlichen Freiheit mit ihrem Verhalten Lebensläufe und gesunde Entwicklung Gleichaltriger, ja ganzer Familien.
Das System, die Masse schaut zu, unfähig oder unwillig, einzuschreiten, genau wie Sie schreiben. Folge davon sind reihenweise Kinder und Jugendliche, ganze Familien mit psychischen Problemen, denen bei diesem rasant wachsenden Bedarf so keine Hilfe gegeben werden kann. Die Täter scheinen geschützt, unterstützt in ihrem Wahn, die Opfer gehen leer aus, tragen die Schäden, die Kosten und den Spott der Gesellschaft. Wer es wagt einzugreifen, trägt nicht selten negative Folgen davon.
Im wirklich schlimmen Fall erleiden die betroffenen Familien die Fürsorge unkompetenter Sozialbeamter, sie sehen sich früher oder später angeklagt, weil ihre Kinder Opfer "der 20" aus "eigener Schuld" geworden sind: es wird versucht, den Familien jener Stempel "unfähige Eltern", "nicht anpassungsfähig", oder "kriminelle Handlungen im Sinne des Kinder- und Jugendschutzgesetzes" aufzudrücken. Es ist bekannt, dass aus solcher Situation heraus schon Opferkinder aus ihren Familien herausgenommen wurden. Ganze Familien wurden so terrorisiert, dass sie mehrmals Schule und Wohnort wechseln mussten. Von den Folgeschäden durch erzwungene Umzüge und Schädigung des Ansehens per sozialer Medien im Netz im privaten und Berufsleben der erwachsenen Eltern ganz zu schweigen.
Wenn man nicht ohne Spalier, Hiltlergruss und Gegröle der Schulkinder (1.-6. Kl.!) die Dorfstrasse vorbei an der Schule fahren kann, hat das mit Freiheit nicht mehr zu tun *).
Sandkastenkrieg im freien demokratischen Staat.
Also das Spielfeld ist wohl nicht nur das Spielfeld, aber in jedem Fall - der Nachwuchs rollt.
Es wäre schon an der Zeit, die reale Entwicklungsrichtung unserer Gesellschaften und unseres Nachwuchses zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend darauf zu reaglieren. Schnellstens.
Aber keine Angst, das trifft ja nur die anderen. Oder?

*) Hierüber brauchen wir nicht diskutieren, das haben wir als Familie über viele Monate
Tag für Tag erlebt. Es kennzeichnet eine extreme Verhaltensentgleisung der beteiligten Kinder und Erwachsenen.

3 Gerd Kintzel 09.05.2013, 11:55 Uhr

Ich muß schon sagen,

interessanter als der Artikel selbst sind die (teilweise) unangemessen wütenden Entgegnungen Don Alphonsos auf die dazu geschriebenen Kommentare.

Sie sollten etwas gelassener werden, Don Alphonso, dann klappt's auch besser - auch mit den Inhalten.

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3 Helmut Weiß 09.05.2013, 12:17 Uhr

Bruckbachers Vergleich trifft schon zu

Auf der Mille Miglia stehen sich nicht gegnerische Mannschaften gegenüber, sondern die Zuschauer sind auch Sympathisanten, die ihren tiefergelegten Fiat oder Opel mit dem "bösen Blick" um die Ecke geparkt haben. Die Schlachtgesänge finden in den Marken-Foren des Internets statt. Wenn man auf der Oldtimermesse Techno Classica das Unwort "Umweltzone" fallen läßt, ist das so, als ob man mit dem falschen Fan-Schal in der falschen Fan-Kurve sitzt, und man muß beizeiten mit einem blauen Auge rechnen.

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Rechtschreibung

Ich weiss nicht, ob es an fehlenden Geldmitteln liegt, aber die Qualität der Schreibe hat in der Süddeutschen (offline und online) merklich abgenommen. Angesichts der zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehler, wäre es schön gewesen, wenn dieser Artikel vor seiner Veröffentlichung redigiert worden wäre.

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Nur nicht aufregen. Im TV (Phoenix/Arte)...

Nur nicht aufregen. Im TV (Phoenix/Arte) dafür heute übrigens die Wiederholung des absolut wunderbaren Berichts "Sils-Maria und das Waldhaus". Die Hohe Schweiz. Immer wieder sehenswert.
.
Und zum Glück kann es das TV immer noch viel besser, professioneller, als es die meisten der aufwärts fahrende Privatmänner vermögen: http://www.youtube.com/watch?v=yYxhdbSJmv0
.
http://www.arte.tv/de/programm/244,broadcastingNum=1486376,day=4,week=51,year=2012.html - Witzig dabei, wie sich herausstellt, dass die Inhaberfamilie selbst eigentlich eine richtige Künstlerfamilie ist. Bald mehr, als die meisten Gäste. Zur Hundertjahrfeier des Hotels zeigen sie es überzeugend. Nur übers Jahr, wenn all die berühmten Philantropen, Künstler, Blogger und Dichter hier absteigen, dann muss man natürlich lediglich die angenehm berührte Gastgeberfamlie markieren. Dankbar sein, rein dankbar sein fürs Kommen. Denn alles andere wäre schlecht fürs Geschäft. (Und jeder Idiot schickt denen hinterher "sein neustes Buch", "die eigene Autobiographie", klar "mit freudiger Widmung", etc..)

0 Fleur van de Slaap 09.05.2013, 18:29 Uhr

Canto für Canto

Wie können Sie sich wünschen, was Sie längst besitzen? Ist nicht die Gefangenschaft hienieden, beispielsweise auf öffentlichen Plätzen, längst überführt worden in - sagen wir einmal - Schwanengesang. Canto für Canto.

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Ich erkenne meine Rinder am Gang

Taeusche ich mich, oder ist nicht doch wieder mein Freund vom Gaesteklo wieder aufgetaucht?

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4 Italiener 09.05.2013, 20:01 Uhr

Ultras gibt es in Italien seit 70 Jahren

Sie sind Teil der Vergangenheit, die Gegenwart in Italien ist eine andere. Gebt 20 Spießbürgern ein paar Jahre Zeit....

Oh na sowas

Fußball ist ja ein Reizthema, weia! Dabei wäres doch so leicht: Wie bei Olympia mit diesen Scheichkriecher Bach: ignorieren, nicht ansehen, nicht kaufen. Einfach durch Verweigerung finanziell austrocknen, diesen Schmarrn, egal ob Schimpansen Lieg oder IOC.
.
Aber weil das mit den Fußball auch hier unten soviel Gerotze hervorruft: bitte lieber das mit dem Wagner! Das will ich lesen. Sind die Meistersinger wirklich kriminell? und wer sind die Habichtgesichter?

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hans

Würde Wagners Ouvertüre zu Tannhäuser mit unverstärkten 110 dB über italische Plätze hinwegfegen, wäre zwar erstmal Ruhe, aber es bestünde wahrscheinlich akute Einsturzgefahr. Dafür müssten sich die Raggazzini nicht mehr mit billigem Vernidot besaufen.

0 Ulrich Becker 11.05.2013, 00:48 Uhr

Was tun wir?

Ach werter Don, wie trifft er in´s Schwarze, der Artikel!!
Lasst uns Schmählieder auf die Pestbeulen öden Fussballbetriebs ersinnen - Absinth trinken und zurückblöken.

Fußball und seine Fans

Schaun Sie, Fußball!!!
Ein weites Feld tut sich auf. Schon im 3. Jhdt. v. Chr kannte man diesen Sport, der sich unter der Zhou-Dynastie weiter ausbreitete. Auch in Mesoamerika, bei den Mayas kannte man das Ballspiel zum Vergnügen aber auch
für rituelle Zwecke.
Der "richtige" Fußball entwickelte sich im England des 19. Jhdt.
bei den Proletariern derboomenden Industriealisierung als repräsentatives Massenvergnügen.. In seinen Anfängen ging es eher nichr gesittet, sondern brutal und unfair zu. Aufgrund von Verboten durch die Krone kamen doch schließlich Reglements auf.
Damit leite ich über zu dem Grüppchen der 20 Fans. Man sollte doch Toleranz (und sei es repressive) walten lassen, Schliesslich werden hierbei aktionistische, uralte Atavismen freigesetz und spielerisch erprobt, Ggf. als Ersatz für kriegerische Handlungen. Seinen wir doch mal ehrlich, wo kann ein junger Mensch so voller Inbrunst in Gefahr und Spiel ergeben? Zumal die Schule der Nation, das Militär mit der Wehrpflicht, einer öden Berufsarmee weichen mußte.
Die jungen Menschen können im öffentlich gehegten Raum (Piazza) soziodarwinistische Muster (Patterns) durchdeklinieren. Der Lernprozess für diese aufgeweckten jungen Fans, homo homini ludens, und ihr Tun ist von immenser, nicht zu unterschätzender Bedeutung. Spielerisch erproben sie coram publico wie man als Minoritätengruppe gegenüber der Majorität sich Raum und Beachtung verschaffen kann. Einübung in Demokratieund Berufsleben par excellence. Was bedeuten uns da schon einige Kollateralschäden? Das muß in Kauf genommen werden, damit dieses ausgezeichnete Kulturgut weiterhin der Menschheit zum Nutz und Frommen, und zur Refexion darüber, dienen möge.

Schlachtgesänge

Gestern standen beim Gang durch die Düsseldorfer Altstadt an jeder Ecke Polizeifahrzeuge und gröhlende Fans zogen durch die Gassen. Überall waren ihre Schlachtgesänge zu hören. Später in der Nacht gab es dann massive Auschreitungen von Nürnberger Fans. Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger verwendet die NRW-Bereitschaftspolizei inzwischen 30 Prozent ihrer Einsatzzeiten auf die Sicherung von Fußballspielen. Da läuft etwas massiv aus dem Ruder.

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The medium is the message

Seit langer Zeit habe ich wieder in die "Stützen" geschnobert und bin völlig entsetzt. Was ist denn hier passiert? Nur, weil man auf Kommentare direkt antworten kann, muss die Diskussion doch nicht so grob werden. Das beeinflusst den besten Gastgeber. Wo sind all die netten Plauderer geblieben? Wenn ich Krawall möchte, gehe ich in ein SPON-Forum.

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0 Ellen Wild 14.05.2013, 08:21 Uhr

Leider lenkt Gott nicht immer,

und so müssen europaweit die Bürger viel Steuergeld für die oft nicht nur lauten, sondern auch gewalttätigen Exzesse der Fußballchaoten bezahlen. Es muß doch möglich sein, daß die jugendlichen Fußballmillionäre die von ihnen provozierten Stadion- und Straßenschlachten selber finanzieren. Auch wenn dann die Privatvillen der Herren Matadores etwas weniger protzig und die Luxusuhren etwas kleiner ausfallen müßten. Das werden die meist steuersparsam untergekommenen Herren doch verkraften?

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1 Die Möve 14.05.2013, 14:33 Uhr

Typisch

Soziologisch gesehen ist mir dieser Blog schon immer als eine Art virtuelles Wohnzimmer des Kleinbürgertumes vorgekommen. Da ist man durchaus links , gegen das Kapital und die minderwertigen Waren der Discounterketten ( die nebenbei die eigenen Immobilien entwerten, weil der Fleischer, der sie mietete, Geschichte ist ) , weil Biofleisch besser ist und der ererbte Barockschrank mehr hermacht als der Ikeamüll .
Gleichzeitig grenzt man sich scharf ab gegen den Pöbel, der sich auf italienischen Piazzas nicht zu benehmen weiss und, wer weiss, seine Manierenlosigkeit am Ende noch so weit treibt , die Altstadtimmobilien und Silberteekannen zu enteignen. obwohl er doch nicht mal einen Abschluss in Kunstgeschichte hat.

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"Sprengstoff unter die Verträge!" - "Mein...

"Sprengstoff unter die Verträge!" - "Mein bewegtes 21. Jahrhundert - ein Pionieroffizier und Diplomat berichtet" - Ob so oder so ähnlich in 30 oder 40 Jahren Titel dann veröffentlichter Memoiren lauten könnten - u.a. die Vertragsschlüsse Deutschlands unter der gegenwärtigen Kanzlerin auch mit betreffend?

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Was aber sind ein paar Jahre? fragt sich...

Was aber sind ein paar Jahre? fragt sich manch einer dazu vielleicht unwillkürlich auch noch.
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Und erinnert sich eines anderen Vorfalls: Es drängt sich eben womöglich das Diktum des berühmten chinesischen Premiers Tschou En-lai auf, der Charls de Gaulle fragte, ob die Französische Revolution ein Erfolg gewesen sein. Der erwiderte, für eine Antwort sei es noch zu früh.
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Und selbiges sollte man evtl. uns heutigen bzgl. der Zeit Deutschlands unter Konrad Adenauer als Kanzler sagen. Meint: Versäbelt die Union dies jetzt und die nächste Zukunft, wär's womöglich auch aus damit.
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Ob die Adenauer-Zeit eine gute Zeit war entscheidet sich jetzt. Und ein de Gaulle an Stelle unserer Kanzlerin heute würde wahrscheinlich nicht mitjubeln übers gestern, sondern wäre eher wohl auch weiterhin äußerst vorsichtig, hielte sich evtl. mehr als bedeckt, würde mahnen: Es gilt!
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Beim Blick auf die Fans woanders - man lässt ihnen gerne Zeit - die eigene Zeit nicht ganz zu vergessen ... .

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geehrter Don,

die chronologische Abfolge in lhren Blogs ist offensichtlich nur etwas für
Versteher der Relativitätstheorie, mfG.T.
p.s.; wo ist der Ferrari und das Fahrrad?

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ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.