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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

So hatte ich mir die berufliche Zukunft nicht vorgestellt

| 281 Lesermeinungen

Schon Sklavenhalter wussten, dass Vollbeschäftigung möglich ist, wenn nur der Arbeitslohn gegen Null tendiert. In Berlin werden Akademiker nun eher unfreiwillig herangezogen, um die Richtigkeit dieser These erneut zu bestätigen.

Vorbemerkung: Vor einem Jahr schrieb ich, Don Alphonso, vom gemütlichen Tegernsee aus, ein Stück über die Finanznot junger Menschen in Berlin. Folgerichtig gab es dann Vorwürfe, ich würde aus dieser Position heraus über etwas schreiben, das ich – privilegiert, abgesichert, bayerisch – so gar nicht kennen würde, und ausserdem seien Nudeln jeden Tag nahrhaft und dergleichen mehr. Tatsächlich denke ich auch, dass die enormen Unterschiede zwischen den Landesteilen, zwischen der Vollbeschäftigung in Miesbach abzüglich der reichen Nichtstuer am See und den Problemen des Ostens, am besten dann zu verstehen sind, wenn man sie ungeschönt nebeneinander so darstellt, wie sie jenseits der Jubelmeldungen über schöne, sorgsam gereinigte Statistiken und anderer Propaganda der Leistungsgesellschaft sind. Und zu meiner grossen Freude hat sich die von mir sehr geschätzte Jessica Miriam Zinn bereit erklärt, einmal aufzuschreiben, wie das so als hochqualifizierte (und mich Langzeitstudenten locker überflügelnde) Akademikerin in Berlin so ist, in den Abgründen eines Jobmarkts, den kein wirtschaftsnahes Institut erfassen möchte:

Ich lese in der Zeitung, dass meine Generation immer höhere Erwartungen an ihren Beruf stellt. Wir hätten höhere Ansprüche an Arbeitsplatzgestaltung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Arbeitgeber sollen sogar verunsichert sein, weil ihre Beschäftigten Freude bei der Arbeit und eine motivierende Tätigkeit wünschen, und Angebote wie Unternehmenskitas und Fitnessräume fordern. Angeblich gibt es für junge qualifizierte Bewerber großartige berufliche Aussichten. Selbst für schlechter qualifizierte Bewerber werden bessere berufliche Aussichten prognostiziert. Ich frage mich nur: In welchen Bereichen? Bestimmte Ingenieure und Informatiker sind sicher gefragt. Aber sonst? Wieso bemerke ich selbst nicht viel von diesen großartigen beruflichen Möglichkeiten? Gibt es die nur für andere Branchen?

Manchmal wünsche ich mir die vorhersehbare Routine einer langjährigen geregelten Beschäftigung. Den „NineToFive“-Job, die geregelten Wochenarbeitszeiten mit festen Urlaubstagen. Einen festen Job, in welchem ich über mehrere Jahre in der selben Firma verbleibe und mich durch Arbeitspraxis weiterbilde. Beruflicher Aufstieg. Feste Arbeits- und Freizeitzeiten, beruhigende alltägliche Gewohnheiten und finanzielle Sicherheit. Aber keiner in meiner Umgebung glaubt mehr daran, dass es noch normal ist, auch nur für zehn Jahre in einer Firma zu bleiben.

Mein Leben passt mit den Erwartungen meiner Eltern nicht zusammen. Sie hatten die Vorstellung, dass ein Studium allgemein mit einem höheren Einkommen verbunden ist. Ich wohne in Berlin, habe eine feste Teilzeitstelle und suche eine weitere. Ein Beruf alleine reicht für die alltäglichen Lebenskosten nicht aus.

Mir wird gesagt: „Junge Menschen haben heutzutage berufliche Möglichkeiten, die für ihre Eltern und Großeltern in weiter Ferne lagen.“ Wenn ich Berlin verlassen würde, hätte ich dann bessere Chancen? Früher habe ich zwei Bewerbungen geschrieben und hatte eine Stelle. Jetzt habe ich mehrere Studienabschlüsse mit guten Noten. Einhundert Bewerbungen sind noch viel zu wenig, sagt eine Freundin, die mit ihrem Abschluss eigentlich begehrt sein müsste. Berufsausbildung und erfolgreiche Studienabschlüsse, Arbeitserfahrung, zahlreiche Fortbildungen… irgendwie reicht es nicht für eine feste Stelle. Es reicht nicht für die beruhigende, finanzielle Sicherheit.

Mistwetter, wenn es nicht regnen würde, dann könnte ich wenigstens 100 Euro am Verkaufsstand im Park verdienen. So äußert sich eine befreundete Akademikerin. Früher hätte ich gedacht, dass solche Jobs etwas Nebenberufliches für Schüler oder Studenten sind. Jetzt benötigen wir sie zum Überleben. Intellektuelle aus den verschiedensten akademischen Fachrichtungen treffen in meinem Umfeld aufeinander. Vielfältige wechselnde Beschäftigungen. Bei der aktuellen Beschäftigung beschwert man sich über die Arbeitsbedingungen, macht Überstunden und hofft auf die Festanstellung. Wir haben gelernt, dass man für den Beruf örtlich ungebunden und zeitlich flexibel sein muss. Was ist, wenn man an Berlin gebunden ist? Wäre hier nicht die Senkung unserer Ansprüche angebracht, anstatt zu hohe Erwartungen zu stellen? Oder gilt das nur für Berlin?

Ich kenne zahlreiche hochqualifizierte Personen, die Saisonarbeit als Touristenführer oder Gärtner erledigen, verschiedenen wechselnden Teilzeitjobs nachgehen, als Selbständige Monate in ihrer Küche an beruflichen Projekten arbeiten und so alle paar Monate für einen Auftrag bezahlt werden. Sie sind gut ausgebildete Akademiker ohne weitere Besonderheiten oder Einschränkungen. Sie hatten bereits verschiedenartige Beschäftigungen. Früher kannten wir Witze, dass man mit manchen Studiengänge nur Taxifahrer werden kann. Mit zahlreichen neuen Studiengängen scheint es nur mehr qualifizierte Fachkräfte für geringfügige Beschäftigungen zu geben. Aber kaum jemand wird Taxifahrer. Akademiker gewöhnen sich an atypische Beschäftigungsverhältnisse mit Minijobs, Leiharbeit und Teilzeitstellen. Zwischen befristeten Zeiten fester Beschäftigung sind viele im Umfeld selbständig und bieten ihre Arbeitsleistungen über Internetseiten an.

Ich überlege, wie ich mein Profil im Jobportal überarbeite und welche Personalvermittlung für Akademiker ich anschreibe. Soll ich mich selbst im handwerklichen Bereich mit Internetverkauf als Zuverdienst beschäftigen? Dank guter Ausbildung findet man immer noch irgendwo eine Möglichkeit, notfalls in einer schlecht bezahlten Teilzeitbeschäftigung zu arbeiten, oder sich eine neue Geschäftsidee für die Selbständigkeit zu überlegen. Einige Bekannte arbeiten als Programmierer, Grafiker oder Webdesigner, obwohl sie etwas ganz anderes, wie Physik oder Biologie studiert haben.

Man nimmt die Tätigkeit an, in der man gerade am Besten Geld verdienen kann. Eine Arbeitgeberin informierte mich telefonisch, dass sie mir gerne eine Stelle anbieten würde, aber nur, wenn ich mich wieder als Studentin an der Uni einschreibe. Aus Versicherungsgründen. Auch Andere hörten schon die Bedingung des Studentenstatus bei einem Stellenangebot. Irgendwie hatte ich mir das so nicht vorgestellt.

Nach einer Weile kommen die Selbstzweifel. Was hätte ich anders machen können, um irgendeine Art von Traumjob, …Oder nein, nicht einmal mehr das. Was hätte ich anders machen können, um einen akzeptablen Job mit angemessener Bezahlung zu finden?Ich überlege an welcher Stelle ich mich in meinem Lebenslauf hätte anders entscheiden sollen. Was genau war der Fehler? Welche Qualifikation fehlt oder was habe ich falsch gemacht?

Überarbeitungen von Bewerbungen für die verschiedensten Arten von Stellen folgen. Wo kann ich mich bewerben? Das Jobcenter und viele Arbeitsvermittler können nicht helfen. Sie scheitern an meinem englischsprachigen Abschluss und versuchen mich stattdessen in Stellen meiner über 10 Jahre entfernt liegenden beruflichen Ausbildung oder in Beschäftigungen für Unqualifizierte unterzubringen.

Welche Qualifikationen hätte ich mehr betonen sollen? War es ein Fehler. in zu vielen verschiedenen Bereichen tätig gewesen zu sein? Hätte ich mich mehr auf spezifische Berufserfahrung konzentrieren sollen? War es ein Fehler mich unter Wert zu verkaufen? Habe ich zu wenig Fortbildungen und Anwenderkenntnisse? Hätten mehr Publikationen im Lebenslauf besser ausgesehen? Was könnte an der Bewerbung verbessert werden? Soll ich Qualifikationen verschweigen, um bessere Chancen bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten zu haben? Ich weiß nicht, ob ich meine Qualifikationen anpreisen und mich möglichst gut verkaufen oder ob ich nicht lieber um eine 450Euro-Stelle betteln sollte.

Die Zweifel und Ängste werden größer mit jeder Absage, die ich auf eine Bewerbung bekomme. Ich möchte genügend Geld verdienen, um ohne Probleme meine Miete, Nebenkosten und den normalen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Oder habe ich zu hohe Erwartungen? Mit einem akademischem Abschluss kommt man sich komisch dabei vor, wieder einen Job im Supermarkt oder Callcenter in Betracht zu ziehen. Natürlich kann ich diese Tätigkeiten ausführen, um Geld zu verdienen. Aber ist das befriedigend? Wofür war sonst die Ausbildung da? Als Schüler oder Student arbeitet man nebenbei ganz selbstverständlich im Supermarkt oder hinter dem Tresen. Nichts gegen diese Tätigkeiten. Freunde haben begeistert anstatt akademischer Abschlüsse eine Ausbildung in der Gastronomie angefangen.

Ich möchte nur lieber in meinem gelernten Beruf arbeiten. Oder wenigstens in einem Arbeitsfeld in der Nähe meiner beruflichen Qualifikation. Wenn ich Freude an einer Tätigkeit habe, dann arbeite ich auch gerne für eine geringe Bezahlung. Ich benötige kein großes Anfangsgehalt, würde aber im Vergleich nicht ungerecht bezahlt werden wollen.

Neulich lautete eine Jobempfehlung im Bekanntenkreis, zunächst als telefonischer Berater bei technischen Problemen zu arbeiten. Ein Übergangsjob, den man nach einer mehrwöchigen Einarbeitungszeit anfangen kann. Nur eine Stelle, um damit die Miete zu bezahlen. Aber Arbeitserfahrung ist nicht gleich Berufserfahrung. Meine Arbeitserfahrung in einem Supermarkt, Callcenter, Handwerksbetrieb, Forschungsinstitut, im öffentlichen Dienst oder in Selbständigkeit zählt leider nicht gleich viel bei der Bewerbung für ein bestimmte Stelle.

Jemandem auf Jobsuche werden verschiedene Tätigkeiten empfohlen. Notfalls findet man immer irgendetwas. Im schlimmsten Fall putzt man vielleicht Klos, kontrolliert Fahrgäste oder spricht an der U-Bahnstation Passanten an, verteilt Flyer und bewirbt gegen Bezahlung Mitgliedschaften. Meist frage ich mich nur, wie mir diese Tätigkeiten bei meinem beruflichen Aufstieg weiterhelfen sollen.

Oder wie sollen sie mir einen Einstieg in eine feste Stelle ermöglichen? 2 Euro 50 pro Stunde in Vollzeit? Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich nachträglich überlege, ob ich das Angebot hätte annehmen sollen. War es ein Fehler abzulehnen? Es wäre für mich Berufspraxis im Lebenslauf gewesen. Ich habe mal im Architekturbüro gearbeitet. Immer mal wieder erreichten uns Bewerbungen von Architekturabsolventen mit hervorragenden Abschlüssen und zusätzlichen Qualifikationen. Wir schüttelten den Kopf über den Wunsch nach einem unbezahlten Praktikum. Die Berufseinsteiger wollten kostenlos arbeiten, nur damit sie keine Lücke im Lebenslauf stehen haben. Eine Architektin empörte sich, dass sie solche Leute nicht einstellen würde. Ein Arbeitnehmer, der sich auf solche Bedingungen einlässt, würde schließlich dem ganzen Berufsfeld schaden.

Teilweise wird für Praktika Berufserfahrung vorausgesetzt, und während man sich für eine gutes Arbeitszeugnis abrackert, kann man bereits beobachten, wie die nächsten unbezahlten Praktikanten Schlange stehen. Inzwischen bin ich selbst dazu bereit. die üblichen unbezahlten Praktika anzunehmen. Arbeitserfahrung in meinem eigenen Berufsfeld gibt mir Hoffnung auf berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Dann lausche ich wieder einem weiteren Gespräch, dass man kein Personal, welches sich so unter Wert verkauft, einstellen sollte. Qualifizierte Arbeitskräfte sollten schließlich selbstbewusst ihren Marktwert vertreten.

Gerne. Für welche Stelle soll ich meine Gehaltsforderungen anpassen? Und wieviel unbezahlte Arbeitserfahrung oder geringfügige Beschäftigung ist Voraussetzung für die Besetzung? Ich hoffe, ich stelle keine zu hohen Ansprüche. Irgendwo gibt es diese freien Stellen, die die hohen Ansprüche der hochqualifizierten heutigen Akademiker erfüllen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Aufstiegsmöglichkeiten und alle weiteren Extras bieten. Sicher gibt es irgendwo auch eine für mich.

Ich muss nur erst das passende unbezahlte Praktikum, die Stelle als studentische Hilfskraft oder die entsprechende schlecht bezahlte Teilzeitstelle als Qualifikation dafür annehmen. Jetzt arbeite ich erstmal nur gegen Unterkunft und Verpflegung, sowie Reisekosten. Es ist Arbeit, es ist nicht in meinem Beruf, ich verdiene nichts, aber es macht mir Spaß. Wenn ich nur über Absagen verzweifle, dann bin ich irgendwann nicht mehr in der Lage mich beim Bewerbungsgespräche positiv zu verkaufen.

Betteln um Jobs klappt mit guter Laune und positiver Ausstrahlung immer besser.

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281 Lesermeinungen

  1. Lieber kurze Jobs als feste Arbeit.
    Waehrend meiner Abwesendheit in den Foren finde ich immer die Zeit, mich um mein derzeitiges Projekt zu kuemmern; das faellt dem Kunden angenehm auf.
    Das “Springen” hat nun wirklich den Vorteil, mich von einer Sache nicht allzu sehr gefangennehmen zu lassen.
    Ganz nebenbei waere das auch den zwangsverpflichteten TV-Dauerkonsumenten in der bundesdeutschen Kaserne zu empfehlen: ein Tastendruck, und schon verschwaende Merkel oder gar Trittin; oder man schaltet gleich ganz aus und betrachtet einfach das lautlose Treiben der Neon-Salmler im blubbernden Aquarium. Ich frage mich wirklich schon seit Jahren, was die auffallend leuchtend rot-blauen Laengsstreifen zu bedeuten haben. Nachforschen wird aber langsam laestig, denn mit steigendem Lesekonsum erhoeht sich auch die Lesegeschwindigkeit….Input, Input, Nr.5 gibt nicht auf; trotz der quaelend langsamen Internetverbindung;

    Montag soll ich fuer einen(!) Tag nach Belo Horizonte reisen, um dann Abends noch einen Bericht zu schreiben.
    Anfang Juli haette ich wieder fuer eine Woche Arbeit; fuer das restliche Jahr insgesamt acht Wochen Beschaeftigung. Ob sich das lohnt, wird sich Jahresende herausstellen.
    Vielleicht mache ich dann also doch noch meine schon lange geplante Wanderung: Buenos Aires – Patagonien – Suedchile und dann hoch bis zum Paranal Observatorium. Bei Geldmangel steht alternativ der Bayrische Wald im Raum.

    Ich weiss auch nicht, ob ich mich weiterhin fuer Arbeiten prostituieren soll, die ich mit meinem Gewissen eigentlich nicht mehr vereinbaren kann; ausserdem trifft man immer wieder Leute, die alles besser wissen oder besser wissen wollen. Der leidige Grossstadt-Stress tut sein uebriges. Und erst die elendigen Fabriken, die etwas ausserhalb der Staedte in doch arg kaputten Gegenden liegen.
    Das Problem sind diese bunten Papierscheine, auf denen Zahlen gedruckt sind; sie verheissen Anerkennung oder die Erfuellung von Wuenschen. Kleidung, neues Auto, neue Kameraausruestung mit Objektiven vom feinsten, Adobe Master Collection, Eizo-Bildschirm, Grossformatdrucker; von anderen Traeumen will ich gar nicht erzaehlen.

    Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der Mann drei Probleme hat. Da waere die Freiheit, das Geld und schliesslich die Frauen; genau in dieser Reihenfolge.
    Es sieht so aus, als wuerde ich mich vielleicht in gar nicht zu ferner Zukunft fuer die Freiheit entscheiden, mit allen Konsequenzen, und ich habe ebengerade keine Lust, darueber nachzudenken. Einfach weg, raus aus der Tretmuehle.
    Mein Deutschlehrer sagte einmal einen Satz, den ich nie vergessen habe:
    “Arbeit ist Mist, Betrachtung ist wichtig.” Das waren so seine kurzen Statements.

  2. Titel eingeben
    Als Vater eines Diplom-Biologen bin ich voll im Thema. 1 Jahr lang nach dem Abschluss arbeitslos, wurde von den Inkompetenz-Zentren, auch gerne Arbeitsagentur genannt schlecht und falsch beraten und bei seiner schließlich erfolgreichen Umorientierung auch noch behindert. (Biologe wäre so eine tolle Qualifikation, dass man ihm das ALG kürzte, weil er statt weiter sinnlos Bewerbungen zu schreiben eine Vollzeit – Sonderqualifikation besuchte, die seine Eltern auch noch mit 5000.- € finanzieren durften. Das ist jetzt auch kein Traumjob, aber immerhin bezahlt und, was noch wichtiger ist, der Einstieg ins Berufsleben

    Aber solche Larmoyanz wie von der Autorin habe ich die ganze Zeit von meinem Sohn nicht vernommen. Ein Studienabschluss ist eben leider keine Garantie mehr für ein gutes Einkommen. Aber dieses Land hat so viele Möglichkeiten. Einschließlich der, es auch mal zu verlassen. Deutsche Weinerlichkeit hilft nichts. Da muss man offensiv herangehen. Irgendwas ist immer möglich.

    • Titel eingeben
      Herr Keul, vermutlich ist Ihr Sohn jünger als die Autorin und hat eben noch nicht so viele Rückschläge erfahren müssen. Es gibt Menschen, die Studieren aus Interesse an einem Thema (und nicht so sehr wegen des Abschlusses), und für diese Menschen ist die spätere Ablehnung noch schlimmer.

      Als Diplom-Biologie hat Ihr Sohn natürlich viele Möglichkeiten – wenn er sich für die Wissenschaft interessiert, kann er promovieren (obwohl das sich finanziell kaum lohnt und ganz sicher keine Garantie für eine Stelle ist) oder sich anderswo eine Stelle suchen. Ob diese andere Stelle aber wirklich das ist, was er will, ist eine ganz andere Sache – und das merkt man erst nach einigen Jahren.

      Ich kenne viele Studenten, die frisch graduiert haben: es dauert in den meisten Fällen mehr als ein bis zwei Jahre, bis das, was sie hier als “Larmoyanz” bezeichnen, zu vernehmen ist.

    • Aber
      Aber man studiert eigentlich nicht zum bloßen Selbstzweck und Spaß, und schon die Idee dazu zeigt, wie realitätsfern man hierzulande ist. Wenn man glaubt mit einem Standardabschluss in einem überfüllten Markt einfach so einen Job zu finde so ist das einfach nur lächerlich.
      Wenn man Englisch wirklich sooo liebt dann muss man auch bereit sein sich dafür von der Masse abzuheben und man muss schon während des Studiums die spätere Marktlage im Auge behalten. Wer hat eigentlich behauptet man habe ein Anrecht darauf eine Arbeit in genau dem was man am liebsten macht zu finden? Das verdeutlicht nur die verzerrten Ansprüche in der geschützten Werkstatt und der Insel der Seligen Deutschland.

    • Freie Berufswahl
      Ein Anrecht auf die Arbeit, die man gern machen macht, ist im Artikel 12 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland für jeden Bundesbürger festgeschrieben. Die verzerrten Ansprüche in unserem Land waren also einmal Maßgabe bei der Gründung der Bundesrepublik.

    • Artikel 12 enthält ein "Anrecht" auf Arbeit?
      Wow, ich habe doch glatt den Einzug des Sozialismus in Deutschland verschlafen? Kurzer Blick ins GG – nee, doch nicht. Da steht nichts von einem Anrecht auf Arbeit, nur von einem Recht auf freie Berufswahl.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  3. Nicht jammern sondern Konsequenz ziehen !
    Jammern bringt gar nix. Selbstständig machen bzw. eigene Firma gründen.
    Dann kann man seine Mitarbeiter auch gemäß eigenen Vorstellungen ordentlich bezahlen.
    Dass Berlin seit Jahren wegen politischer Unfähigkeit nicht das beste Pflaster für wirtschaftliche Aktivitäten ist und es auch weniger Jobangebote gibt (als z.B. im Süden Deutschlands) sollte eigentlich niemanden wundern der zum Studieren oder Arbeiten dorthin umzieht.
    Die Politik jedenfalls kann keine Jobs aus dem Hut zaubern sondern lediglich angenehmere Verhältnisse für Unternehmen und Startups schaffen. Bzgl. Startups ist Berlin ja gerade auch auf einem guten Weg.

    • "angenehmere Verhältnisse"
      Die politischen Verhältnisse für die großen Unternehmen werden von diesen selbst geschaffen. Für Startups oder das “Schicksal in den eigenen Händen” würde schon ausreichen, was die großen Unternehmen aufwenden um ihre Steuerlast zu reduzieren…
      Aber wer sitzt eigentlich in den “großen Unternehmen” und erarbeitet Tag für Tag Lösungen, welche dem Rest der Bevölkerung die Kollateralschäden einer assozialen Wirtschaftsweise auferlegt?!

    • Nicht aufhören... weiterdneken, wo sie aufgehört haben!
      Wer auch immer in den “großen Unternehmen” sitzt, der kann all das was sie ihm vorwerfen nur deshalb tun, weil die Politik es zulässt und ermöglicht.

      Die Regierungen Kohl, Schröder und Merkel, die diese Gesellschaft in den letzten 30 Jahren in einen solch unmenschlichen Zustand gebracht haben, die wurden alle freiwillig und mehr oder weniger demokratisch von den Betroffenen gewählt, die jetzt jammern…

      Ich kann da nur Gerechtigkeit am Walten sehen…

  4. Ich wäre wirklich sehr dankbar
    für Wortmeldungen, die dem entsprechen, was man als Anstand bezeichnet, und die FAZ-Leserschaft nicht wie ein SPON-Forum erscheinen liessen. Dass man ab und zu Kommentare nicht freigibt, gehört leider zu dieser Arbeit dazu, aber wie oben steht: Ich schätze diese Autorin und ihren Beitrag sehr, weil er ehrlich ist, und würde mich sehr freuen, wenn die Offenheit nicht mit Aggressivität aus dem Anonymen beantwortet wird. Ich versuche hier, ein offenes Forum zu erhalten, in dem mehr möglich ist, als sonst bei der FAZ, aber dabei ist eine gewisse Grundgüte und Nachsicht aller im Umgang mit allen (und besonders einer Autorin, die hier noch neu ist) enorm hilfreich.

    • Vielen Dank fuer die deutlichen Worte.....
      Text eingeben

    • SPON-FOrum? Dieses hier?
      Lieber Don Alphonso,
      als derartig aggressiv, wie Sie behaupten, empfinde ich die Leserbeiträge hier durchaus nicht. Welche meinen Sie denn? Vielleicht nicht gerade sanft, aber wie weichgespült hätten sie es denn gerne? Und im SPON-Forum geht es nun wirklich anders zu, das kann man doch nicht mit den Einträgen hier vergleichen.
      Ergänzend sei bemerkt: Der Artikel war für mich sehr erhellend. Ich habe mich allerdings die ganze Zeit gefragt, was denn nun die Jammerei über Fachkräftemangel im Lande bedeutet? Will sagen: Hat die Autorin denn völlig am Markt vorbei studiert, oder gibt es diesen Fachkräftemangel nicht wirklich, oder ist es, wie es immer war: Für einige Ausbildungen findet man halt nur schwer eine entsprechende Stelle?
      Da ich selbst nicht mehr im Arbeitsleben stehe bin ich einigermaßen ratlos. Teilen sehr viele arbeitsuchende Akademiker die Erfahrungen der Autorin? Ist ihr Bekannten- und Freundeskreis wegen ähnlicher Ausbildungen in einer ähnlichen Lage? Oder beschreibt sie ein tatsächliches Problem?
      Ich würde gerne mehr und Detaillierteres von ihr lesen.

    • Die wirklich unerfreulichen Kommentare habe ich alle gelöscht.

  5. Job Center
    Der Arbeitsmarkt ist genau das, ein Markt.
    Da gelten die Gesetze von Angebot und Nachfrage.
    Von den Arbeitsvermittlern zu verlangen, dass sie solche Verkaufsgenies
    sind , die einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen können;
    dabei peinlich auf die institutionellen und rechtlichen Vorgaben achten, ist
    realitätsfern.

    Ich warte auch noch auf den Tag, an dem die Bankkredite von der Werbeabteilung
    vergeben werden.

  6. Titel eingeben
    Ich kann die Erklärungen der Autorin sehr gut nachvollziehen. In meiner Schul- und Studienzeit wurde uns erklärt, daß ein guter Schulabschluß – und natürlich insbesondere ein Studium – in jedem Fall zu einer sicheren und guten Stelle führen. Und ich habe das auch bei den Eltern von Freunden gesehen, daß die Stellen, die man mit einem Studienabschluß erreichen kann, einen durchaus akzeptablen Lebensstandard gewähren.

    Das war in den späten 80ern/frühen 90ern; inzwischen sieht das aber leider ganz anders aus. Während meines Studiums wurden reihenweise die Stellen im akademischen Mittelbau gestrichen (eigentlich der einzige Weg, eine akademische Karriere zu machen), und die Zahl der Stellen in den großen Pharma- oder Chemie-Firmen (ich bin Biowissenschaftler) wurden weniger, denn es war ja viel einfacher, ein Start-Up zu kaufen wo zumindest die Naturwissenschaftler oft hauptsächlich mit Idealismus dabei waren.

    Inzwischen ist das nicht besser geworden; die Zahl der festen Stellen an Hochschulen (und vergleichbaren Einrichtungen) nimmt ab und zumindest in Deutschland wird erwartet, daß man sich bis über 40 mit Zeitverträgen und halben Stellen herumschlägt (für die man natürlich mehr als Vollzeit arbeiten soll). In den Naturwissenschaften (ich weiß nicht, wie das in anderen Bereichen ist) funktioniert das auch sehr gut, denn zum einen ist da noch immer der Idealismus und die Freude an der Arbeit (wer würde sonst so etwas studieren? wer Geld verdienen will macht etwas anderes) und die große Karotte, daß man mit Erfolg irgendwann die ersehnte feste Stelle bekommt.

    Ich habe das Glück, eine Dozentenstelle zu haben, aber es hat lange gedauert. Aber wenn ich sehe, welche Qualifikationen Bewerber auf Hilfskraftstellen haben, dann macht das regelmäßig deutlich, wie schlecht es um den Arbeitsmarkt für Akademiker bestellt ist.

    Und was das Versprechen des guten Lebens angeht: die meisten meiner ehemaligen Studienkollegen brauchen zwei Gehälter, um sich den Lebensstandard zu leisten, der in unserer Jugend bei entsprechenden Berufen selbstverständlich war.

    Leider weiß ich nicht, wo das Problem ist: liegt es an einer Fehlverteilung der vorhandenen Mittel? Liegt es daran, daß die Vorgängergenerationen auf unsere Kosten gelebt haben (z.B. über Sozialleistungen, aber auch einen aufgeblähten Wohnungsmarkt der es z.B. in England jungen Menschen fast unmöglich macht, ein Haus zu kaufen)? Oder liegt es daran, daß unsere Generation unfähig ist/war, sich zu wehren, und das mit sich machen läßt?

    • Werter Gu X
      Wo und bei wem sollte Ihre Generation gelernt haben sich zu wehren?
      Wenn die Bezugsgeneration in, Sorry, satter Status- und Einkommenszufriedenheit
      lebt.

    • Titel eingeben
      Im Zweifel: beides!
      Und ja, diese Generation wehrt sich tatsächlich viel zu wenig.
      (Betrifft Ihren letzten Absatz)

    • Titel eingeben
      Sehr geehrter Gu X,
      interessant, das einmal von der anderen Seite der Mauer zu lesen. Ich arbeite in einer Firma, die justament die entgegengesetzte Erfahrung es macht: wie schwierig es ist, eine freiwerdende Stelle zu besetzen (bei uns arbeiten hauptsächlich Techniker, Ingenieure und naturwissenschaftler). Mittlerweile hat man bei uns die Kündigungsfrist in den neuen Verträgen auf 6 Monate hochgesetzt, um im Fall der Fälle die zeitliche Lücker nicht zu gross werden zu lassen.Allerdings liegt die Firma in einer unattraktiven Gegend (und dass der Personalchef unfähig ist, mag auch dazu beitragen). Dennoch, aus meiner persönlichen Erfahrung heraus (ich habe schon in 6 unterschiedlichen Firmen gearbeitet, die Uni nicht mitgerechnet): Flexibilität ist alles. Wenn es kein Problem ist, einen Job auch in einer hässlichen Stadt anzunehmen, sollte sich in technischen Berufen etwas finden lassen.
      Allerdings haben Sie natürlich Recht, dass die paradiesischen Zustände, die wir Mitte der 80er hatten, nicht wiederkehren werden. Es ist aber inzwischen doch wesentlich besser als Mitte der 90er, als meine Studienkollegen sich reihenweise als Pharmareferenten verdingen mussten.

    • Aristius,
      diese Seite des Problems kenne ich auch – gerade auf etwas anspruchsvollere Stellen gibt es nur wenig Bewerbungen, und in unserem Bereich wird das natürlich dadurch erschwert, daß Hochschulen (zumindest in D und im UK) nach Tarif bezahlen, d.h. ich kann einem sehr guten Kandidaten kein besseres Gehalt anbieten.

      Flexibilität ist schon wichtig, aber zu welchem Preis? Ich hänge nicht unbedingt an dem Ort, an dem ich arbeite, eher an den Menschen (und die kann man besuchen) – aber was ist mit dem eigenen Partner? Zum einen benötigt der auch eine Arbeit, und zum anderen werden die meisten Menschen über 30 seßhaft und möchten eben nicht regelmäßig umziehen. Und wenn dann noch Kinder dabei sind, wird es noch schwieriger.

      Die meisten Menschen müssen wahrscheinlich irgendwann zwischen Traumbeschäftigung, Lieblingsort und angemessenem Lebensstil wählen – und mit ein paar Ausnahmen war das wohl für die meisten erwerbstätigen Menschen so. Vielleicht haben wir einfach das “Pech”, daß wir in einer Zeit aufgewachsen sind (ich nehme das bei Ihnen einfach mal an), in der man das nicht nötig hatte.

    • Um Ihre Fragen am Ende zu beantworten...
      “Leider weiß ich nicht, wo das Problem ist: liegt es an einer Fehlverteilung der vorhandenen Mittel? Liegt es daran, daß die Vorgängergenerationen auf unsere Kosten gelebt haben (z.B. über Sozialleistungen, aber auch einen aufgeblähten Wohnungsmarkt der es z.B. in England jungen Menschen fast unmöglich macht, ein Haus zu kaufen)? Oder liegt es daran, daß unsere Generation unfähig ist/war, sich zu wehren, und das mit sich machen läßt?”

      Genau daran liegt es. Halten wir fest: Geld ist Anspruch auf Leistung ggü. einem Dritten. Die Geldvermögen sind ungleich verteilt, grob ca. 20% der besitzen ca. 80% der Vermögen. D.h. 20% der Menschen haben Anspruch auf 80% der Arbeitsleistung. Des weiteren steigt die Geldmenge stetig, das Geld kommt aber nicht bei der Masse an, wo gelangt es also hin? Genau, wieder zu denen die große Vermögen besitzen. Mittlerweile entkoppelt von der Realwirtschaft schafft es auf der Jagd nach maximalen Renditen bei in Derivaten und Sachwerten neue Blasen. Dazu kommt noch, dass auf die Vermögen und die steigende Geldmenge Zinsen gezahlt werden müssen, wodurch wieder ein Anspruch auf Leistung entsteht. Über die Buchgeldschöpfung kann wegen der extrem niedrigen Mindestreserve mit einer umlaufenden Geldeinheit beliebig oft ein Kredit geschöpft werden (somit wird diese Geldeinheit mehrmals verzinst). Es gibt Schätzungen die besagen, dass 40% der Gesamtkosten auf Zinsen und Zinseszinsen zurückzuführen sind, Tendenz exponentiell steigend (da ein Zinseszins eine Exponentialfunktion darstellt). 80% der Menschen befinden sich in Kapitalknechtschaft, leider bemerken es die wenigstens, da das System schwer zu durchschauen ist. Ich war selbst bis vor 12 Monaten ein Gläubiger des kapitalistischen Systems bis ich wegen beruflicher Auszeit (das ist ja das schöne an dem System: jeder der schuftet und arbeitet/leistet bis zum Umfallen hat keine Zeit/Energie seinen Fokus neu auszurichten bzw. anerzogene Weltbilder zu hinterfragen) die Zeit gefunden habe mich tiefer mit der Materie zu beschäftigen. So lange es Brot und Spiele für den Proles gibt wird sich die Masse aber auch nicht wehren. Für Spiele ist genügend gesorgt. Aber sobald das Brot knapp wird wird es wieder zu Revolutionen und Verwerfungen kommen.

    • Na also!
      “Oder liegt es daran, daß unsere Generation unfähig ist/war, sich zu wehren, und das mit sich machen läßt?”

      Sie wissen es doch!

      Warum hören Menschen die diese banale Einsicht haben, dann immer sofort auf, statt weiter zu denken?

    • Titel eingeben
      Es ist einfach, sich zu wehren, wenn man jung und ungebunden ist. Je älter man wird, desto schwieriger wird es, weil die persönlichen Kosten zunehmen – und weil man immer bequemer wird.

    • Die deutsche Lieblingssportart
      Jammern und dann Ausreden vorbringen….

  7. @ nachtrag
    “Jessica Miriam Zinn, die den Moderator fragt, warum er sich denn nicht ausziehe. Und er dieser impliziten Aufforderung folgt. Es Gloria gleicht tut. Bis es ihm unwohl wird. Ja, mit Kleidung habe er sich sicherer gefühlt.” http://documentiert.wordpress.com/tag/jessica-miriam-zinn/
    .
    “entweder-oder”, ist das womöglich immer noch so? entweder “grauesichere maus an arbeitstelle” – oder “performte selbstexistenz in öffentlichkeit”?
    .
    und ja, es gibt einige, wenige möglichkeiten beides so zu verbinden, dass auch ein einkommen übrig bleibt. manche sind sogar – oh größter triumph! – reich geworden, “als vermittelnde schnittstellenexistenz” … . (aber auch das wäre doch alles im grunde viel zu hohl für die erkennende, angeborene genialität einer richtigen, der wahren frau, nicht?)
    .
    und ja, die faz berichtet, richtet aber nicht selbst.-
    .

  8. Titel eingeben
    Interessanter Text.

    An die Autorin Jessica Miriam Zinn:
    Ich habe leider so gar keine konkrete Vorstellung, als was man als Humanwissenschaftler (Sie sind nach eigenen Angaben ja Humanwissenschaftlerin) arbeiten könnte. Sofern es eine vernünftige akzeptable Stelle ist, die dieser Ausbildung entspricht. Falls Sie mir da helfen könnten.

    (Ich meine nicht Taxifahren, falls jetzt ein Superschlauer daherkommt …)

    • "Die Hälfte eines Schülerjahrgangs erhält die Hochschulreife"
      Im “Tagesspiegel” auf Seite 1 schreibt heute Martenstein in seiner Kolumne recht plakativ über das Thema Intelligenz und Eliten. Aus seinem Text könnte man einige unbequeme Antworten ableiten, allerdings auf Fragen, die niemand mehr stellt.

    • Falsche Berufswahl
      Mein Abschluss ist ein Master of Science in Human Factors. Ein Studiengang im Bereich zwischen Ingenieurwissenschaften und Psychologie. Der Name wird besser verstanden, wenn ich von Usability, Anwenderfreundlichkeit, Technologieoptimierung zum Wohle des Nutzers spreche. Es ist kein Orchideenfach, sondern außerhalb Berlins, besonders gerade im Ausland ein gefragter Beruf.
      Human Factors Engineering sorgt nach Beschreibung des Fraunhofer Institutes “für die sichere und menschengerechte beziehungsweise gesundheitsgerechte Gestaltung von Produkten, Arbeitsmitteln und Arbeitssystemen.” Hier die Seite des Studienganges an der Technischen Universität Berlin: http://www.humanfactors.tu-berlin.de/

    • Ausland
      Jessica, ich möchte Ihnen hier nicht zu nahe treten oder sie kritisieren, aber sie schreiben, daß Ihre Qualifikation außerhalb Berlins und im Ausland sehr gefragt ist: warum gehen sie dann nicht dorthin, wo das der Fall ist?

      [Wenn die Frage zu persönlich ist, dann bitte ich Don sie einfach zu ignorieren.]


    • Hmm. Zumindest seit 5 Jahren müssten Sie, liebe Frau Zinn, damit das sein, was man “in hot demand” nennt.
      Nur ist HF ein Stichwort aus den 80ern, als man so das Design von Flugzeug-Cockpits nannte. Heute nennt man das heute User Experience. Und wer wirklich etwas davon versteht… Also ich meine von der Cognitions-Psychologischen Seite und ein wenig von der Technologie: Der sollte bei Agenturen, Software und anderen Unternehmen einiges reissen können.
      Den Berliner Arbeitsmarkt kenne ich nicht. Aber in StuttgartHamburgMünchenKölnDüsseldorf wird alles angestellt, was (HF/)UX aussprechen, Konzepte/Prototpyen schrubben kann und bei 3 nicht schnell genug auf den Bäumen ist.
      Damit stellt sich für mich die Frage: Muss es Berlin sein?

    • Link
      Hallo Herr Weiß,
      hätten Sie bitte den Link zu diesem Artikel?

      Vielen Dank vorab!

    • Das gab es alles schon mal
      Ich möchte diesen Aspekt unterstreichen! Als ich mit dem Studium fertig war und die Assistentenstelle in Dtl. auslief, musste ich ins Ausland gehen. Das seit 10 Jahren und nicht freiwillig. Aber in Dtl. wartete damals nur die Sozialhilfe auf mich. Ohne das, wäre es nicht gegangen – das waren die Zumutungen an meine Generation, Frau Bullmahn-sei-Dank, die diese unsäglichen Universitätsreformen zum Junior Professor auf Kosten meiner Generation betrieben hat.

      Warum ich das schreibe? Weil ich mich darüber wundere, dass die jetzige Generation sich beklagt. Der Arbeitsmarkt ist eben ein Markt. Darauf sollte man sich einstellen.

    • Traditionell
      War Deutschland ein Auswanderungsland.
      Wir haben’s ja!

      Haben wir es immer noch?

    • Süden?
      Liebe Frau Zinn,
      wenn Sie bereit für einen Umzug nach Süddeutschland wären (Schwabenland…), bin ich momentan ziemlich sicher, etwas Passendes zu finden. Berlin ist leider absolutes Krisengebiet bzgl. Jobs. Es gibt dort keine! Ich selber bin Geisteswissenschaftler von Hause aus und “schaffe” jetzt tief in der Automobilindustrie.

    • Titel eingeben
      jo, auch bei den heute 50+jährigen gab es schon mehr Abiturienten als der Arbeitsmarkt absorbierte.

    • Ja, colorcraze
      Das scheinen alle verdrängt zu haben.

      Der Dorffriseur, der nur noch eine Azubi mit Einser-Abitur einstellen wollte,
      war kein Einzelfall.
      Jetzt hat es sich vom Schulabschluss zum Studienende verlagert.

  9. und manch einer hört dazu vor seinem inneren ohr den gegenchor
    unserer in ehren ergrauten deutschen personalchefs sich – in fast rezitativer form und leider – unisono zum erhaben getragenen “wir uns unsere bewerber aber auch nicht” emporschwingen.
    .
    und wie haben sie diese melodie schon immer gehasst. und nimmt ihnen keiner ab. nicht von alleine.
    .

  10. Den folgenden Beitrag...
    habe ich zu “Wostkinder”…Thema: PRISM geschrieben.
    Der Inhalt paßt auch hier, finde ich.

    “Abhängige” (Süchtige)…
    und “Co.-Abhängige”. Je intelligenter die “Abhängigen”, (Geld, Wachstum), argumentieren…
    z.B. die “Schutzbedürftigkeit” des “Freien Marktes”, (Geld, Wachstum),
    “Schutzbedürftigkeit der Freiheit” (Datenspeicherung), desto
    “klarer”…(in Wirklichkeit “Vernebelter”)…ist es für die “Co.-Abhängigen”, den
    “Abhängigen” zu folgen, in vermeintlicher ” geschützter (ÜBERWACHTER) Freiheit”.
    Wir sind wie “Ameisen” und lassen uns von “Kaisern” (Süchtigen) einreden, wir
    sind “Koenige” (KO-E(I)NIGE)…in Wirklichkeit nur Co.-Abhängige “Arbeits-Ameisen”,
    in einem “klar strukturiertem System”, das den “Kaisern” nützt und dem “Koenige” dienen.
    Wir sind Sklaven unserer “freien Markt und Wachstum” Ideologie, die immer mehr
    “Sklaven-Haltung” erfordert. Im Rausch des “gefühlten” Wohlstandes, können wir
    das “Sklaventum”…”die Sucht”…nicht mehr vom “Koenigtum” unterscheiden.
    Selbsterkenntnis und Einsicht…und nichts im Übermaß,
    sind die Schlüssel in die Freiheit die wir meinen, aber nicht “leben”.
    Nicht “Freiheit mit (in) Geld” darf Lebensbasis sein, sondern “Herz und Verstand”…
    Freiheit mit (in) Frieden…
    VERNUNFT ist Leben ohne “(Daten-)gesichertem Geld-Wachstum-Rausch”.
    Beitrag-Ende.

    Die zur Zeit mögliche Konsequenz kann nur eine, möglichst große, “Un-Abhängigkeit” von
    der “Gesellschaftsstruktur”, bedeuten. Oder sich beim “Dagegen sein” verausgaben.
    Wer in “seinem persönlichen Frieden” leben möchte, muß leider sehr bescheiden sein,
    da ohne Geld kein Leben möglich, aber mit “bescheidenem” Geld….und miterleben,
    wie das “System Geld-Wachstum” sich selbst zerlegt. Wobei die “Zerlegungszeit”
    nicht feststeht. Aber wer mit “Nahrung und Wohnung” seinen Frieden, in
    relativer Freiheit, finden kann…
    Ansonsten bleibt noch die “aktiv dagegen sein” Möglichkeit…..Energieverbrauch, Erfolg
    und “persönlicher Frieden in eher kleiner Freiheit”, ungewiss.
    Eine persönliche Entscheidung …aber in kurzer Zeit wird die Arbeitslage nicht besser,
    es denn der “Geld-Wachstum-Kollaps” kommt kurzzeitig.

    :-)

  11. Akademiker
    Die goldenen Zeiten für Akademiker sind vorbei.
    FH Absolventen und immer mehr Absolventen eines dualen Studiums (Lehre+gleichzeitig Bachelor Berufsakademie) sind diejenigen, die die Stellen bekommen und auch die Führungspositionen.

  12. Die berufliche Zukunft....und als Ausländer?
    Eine kleine Ergänzung zu dem Artikel. Ich selbst lebe in dem angesprochenen Süden, um genau zu sein in München und hatte das Glück seit Jahren ein klassische Festanstellung zu haben – mit geregeltem Einkommen, Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch. Aber was mein Freund aus einem Nicht-EU-Land schon bei der Studienbewerbung erlebt, lässt noch weit Schlimmereres für die berufliche Integration erwarten. Es gibt für bestimmte Studiengänge feste Quoten für nicht EU-Ausländer. Aufgrund der Anzahl der Bewerber kommt da praktisch nur mit einem 1,0-Abitur rein.

    Aber zurück: Er hat sich auch schon für 450 Euro-Jobs beworben. Oft wird gar nicht reagiert, weil viele Arbeitsgeber den Aufwand einen Studenten aus einem Nicht-EU-Land fürchten, dabei gibt es den nicht wirklich. Dann steht da auch die Furcht vor mangelnden Deutschkenntnissen…..Tja, mein Freund hat schließlich als Küchenhilfe für 8 Euro die Stunde in einem guten Münchner Restaurant angefangen (Hauptgang ab 20 EUR). Vielleicht gerade deshalb weil er fließend Chinesisch und Englisch spricht, ein abgeschlossenes ausl. BWL-Studium vorzuweisen hat und als im Ausland 3 Jahre als Abschlussprüfer gearbeitet hat. Zumindest kann er sich mit seinen Kollegen dort problemlos verständigen…..

    • Nicht-EU Studenten
      Müssen nicht EU-Studenten in Deutschland keine Gebühren bezahlen? Bei uns sind solche Studenten (insbesondere wenn sie Englisch sprechen) immer herzlich willkommen, gerade weil sie deutlich höhere Studiengebühren bezahlen als EU Studenten. Es gibt daher auch kaum Begrenzungen (zumindest in meinem Bereich).

    • Hinweis wegen Gebühren....
      Also in München (BY) musste man für das SS 2013 noch Studiengebühren für die staatlichen Unis und FHs entrichten. Klar haben wir uns die diversen privaten Angebote in München auch angeschaut, aber da geht es erst ab € 700,- mtl. los, das ist nicht zu stemmen. Das sind für 3 Jahre über € 25.000. Er hat sich jetzt für den Studiengang Wirtschaftsmathematik (Bachelor) an der LMU beworben. Mich würde interessieren , von welchem Studiengang und welcher Uni Sie sprechen. Danke für Ihre Antwort.

    • Titel eingeben
      Kassandra, ich hätte mich klarer ausdrücken sollen; ich spreche von den Unis in England und Wales.

  13. Leider wahr
    Ich habe beim Lesen dieses Artikels oft gedacht: “Wow, kenne ich auch! Leider wahr.” Ich war 15 Jahre erfolgreich im technischen Vertrieb als Dipl. Ing. tätig und suche nun seit einem Jahr eine neue Stelle: Bundesweit und bekomme mit über 45 nur noch Absagen. Mal ist man zu überqualifiziert, mal zu alt (wird zwar nur durch die Blume gesagt), mal zu teuer (über Gehalt haben wir doch noch gar nicht verhandelt), mal heißt es diese Führungsposition bekommen Sie nicht, da Sie nicht aggressiv genug als Chef auftreten würden, sondern den Mitarbeiter respektieren wollen? Das also ist die momentane Arbeitswelt und nicht nur für Humanwissenschaftler. Tja mal sehen, wahrscheinlich bin ich bald Servicekraft an einer Tankstelle. Wer hätte das damals geahnt. Interessante Entwicklung, der Akademiker ist das Proletariat der Zukunft.

    • Titel eingeben
      Proletariat in vielen Fällen ja nicht, weil man es gar nicht erst schafft, proles (Nachkommen) in die Welt zu setzen, aus lauter Angespanntheit. Nö, es sind die Nachfolger der Mägde und Knechte, denen Nachkommenschaft seit jeher abgesprochen wurde.

  14. Alter und Attraktivität
    Die Autorin würde ich auf 30-35 Jahre schätzen (10 Jahre liegt die Ausbildung zurück). In Berlin sind – jedenfalls in meinem Fachbereich – die besten Stellen für diese Altersgruppe mittel- und langfristig fest besetzt.

    Es strömen immer neue, immer jüngere Leute mit englischsprachigen Studienabschlüssen (Master of Cultural Competence oder Bachelor of innovative design) nach. Der tatsächliche Bedarf an solchen Leuten ist ungleich geringer als die an ihnen verdienenden Initiatoren der Studiengänge und Fortbildungsangebote verkünden. Die Altersgrenze der Unvermittelbarkeit wird dadurch sicher bald allgemein auf 35 Jahre sinken; in meinem Fachbereich liegt sie für feste Ersteinstellungen bei Frauen bei 27/28, bei Männern wegen des früheren Wehrdienstes derzeit noch etwas darüber (Promotionen und ähnliches kann das um 1-2 Jahre maximal verschieben, aber das Thema muss auch Sinn machen).

    Die Studienabschlüsse sind durch die Erosion der Leistungsanforderungen und die Massenuniversität – bis auf wenige Fachbereiche – praktisch entwertet. Wer auf diese irgendetwas aufbauen will, baut sein Haus auf Sand.

    Verkaufen kann man sich bei dieser Sachlage nicht mehr über die ewig gleichen Einser-Examensnoten, auch nicht mehr über papiernes Pseudosozialengagement (Schüler- und Studentenvertretung, Kirchengemeinde) sondern, fast wieder wie in der Steinzeit, banalerweise am ehesten über fachliche Spezialisierung (Pfeilspitzenhersteller), eigene Netzwerke (Facebook-Höhenclan) und Initiative (Jagd). Wenn das ein Praktikum vermittelt, halte ich das für zielführend, ansonsten für Zeitverschwendung.

    Sehr wahrscheinlich haben wir eine “lost generation”. Das sind bei bei uns die schon häufiger beschriebenen heute 30 – 40 jährigen, die zwar schon mehrere Jahre auf dem Arbeitsmarkt unterwegs sind, aber keine feste Stelle bekommen oder nur eine ohne Aufstiegsmöglichkeiten, sich durchhangeln, darüber ihre wesentlichen und aus Sicht des Arbeitsmarktes attraktiven Kompetenzen unausweichlich verlieren, und keine hinreichenden eigenen Kundenkontakte entwickeln können (aus welchen Gründen auch immer). Also altersverschoben zu den Südstaaten, nur dass dort ein 20-25 jähriger durchaus in 5 Jahren eine Stelle haben kann; bei einem 45 jährigen sinkt die Wahrscheinlichkeit gegen Null. Es ist nicht wirklich anders als auf dem Partnerschafts- und Heiratsmarkt. Alles eine Alters- und Attraktivitätsfrage, halt wie in der Steinzeit. Und die Anforderungen steigen.

    Diese Generation und die nachteilige Betroffenen haben bei uns keine Lobby, da es nur 4 Gruppen gibt, die interessieren: Sozial- und Transferempfänger (mittlerweile die größte Gruppe), Funktionseliten, Arbeitsplatzbesitzer, Arbeitgeber. Der Rest wird bestenfalls verwaltet, fortgebildet und in die Aussichtslosigkeit entlassen.

    Glücklich ist daher, wer reich ist und am Tegernsee und in Italien sein Leben genießen kann. Wir anderen dürfen uns mit den unausweichlichen Folgen einer grotesken, vergrünten und vergenderten Sozial-, Bildungs-, Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik arrangieren. Aber keine Sorge, es gibt ja immer noch die eurobbäische Solidarität. Außerdem ist D traditionell ein Auswanderungsland…

    • Ob wir schon in der Steinzeit
      angekommen sind, weiß ich nicht.
      Die 3-Felder- Wirtschaft haben wir schon
      hinter uns gelassen.
      Bleibt die Weidewirtschaft. Das Humankapital zusammen treiben,
      abgrasen lassen und dann weiter ziehen.

    • Dipl. Kaufmann, MBA
      eine Lost generation haben wir leider schon, aber der Grund ist mehr darin zu suchen dass es eine Anspruchsmentalitaet gibt die seiensegleichen sucht.

      Ich will der Autorin nicht zu nahe treten, aber im Schnittstellenbereich zwischen Technik und Kunden sollte es doch gerade im Zeitalter des Internets in dem Kunden service und “customization” immer wichtiger sind einen job irgendwo in Deutschland, Der EU oder Welt geben.

      Aber viele Der Lost generation wollen nicht umziehen, einmal ein paar Monate Gratis arbeiten um sich beweisen zu koennen (ich frage mich was it den Praktikanten passiert die gratis arbeiten, vielleicht bekommen diese ja die ganzen Jobs weil sie ihre flexibilitaet bewiesen haben).

      Aber selbst wenn wir das Argument akzeptieren dass es nicht genug jobs gibt in diesem Bereich, und dass die Autorin und viele ihrer Bekannten schon zu alt sind um noch einen solchen job zu bekommen, jammern hilft nichts.

      Wir leben heute in der begeisterndsten Zeit seit der Industriellen Revolution.

      Das Internet macht Geld verdienen online viel einfacher als es jemals war in der Geschichte Der Menschheit. Es gibt tausende von Moeglichkeiten online einen Lebensunterhalt zu verdienen der aehnlich gut oder besser ist als das was man in diesen “Lost Generation Berufen” verdienen kann.

      aber dafuer muesste man die elitaere Position aufgeben dass man ja “Akademiker” ist (was ich uebrigens auch bin, aber mir nicht viel bedeutet), und stattdessen sich um das kuemmert was wichtig ist, einen Lebensunterhalt zu verdienen, komme was wolle.

      Diesen BISS, diesen Hunger, im Zweifelsfall sich Selbstaendig zu machen fehlt der Lost Generation und nicht zuletzt wegen der “noch” sehr kulanten auswuechse des Deutschen Wohlfahrtstaats.

      Joachim Bosch
      Dipl. Kaufmann, MBA (aber wen interessiert das schon)
      Phoenix, Arizona – USA

    • Welche Anspruchsmentalität?
      Etwa die der Kapitalmärkte?

      Sorry, aber damit kann keiner mithalten.

    • Titel eingeben
      Also bitte, wo jede Klofrau selbständig ist, hat Selbständigsein halt nicht so den Glamourfaktor.

  15. Schuldfragen...
    M.E. sollten sich die Eltern der Generation Praktikum fragen warum sie ihren Sprösslingen überhaupt ein Praktikum nach dem anderen finanzieren. Aber solange sie es machen, braucht man sich nicht wundern wenn es Firmen, Institutionen und letztendlich Sprösslinge gibt, welche das ausnutzen.

  16. Butter bei de Fische!
    Man wüsste doch gern, was die Autorin für einen Abschluss hat… Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass man, wenn man z.B. einen technischen Beruf gelernt hat und bereit ist, aus der gelobten Hauptstadt in die belächelte Provinz (Ostwestfalen, Württemberg, …) zu ziehen, dass es dann nicht mit einer ordentlich bezahlten Festanstellung klappen könnte.
    Gruß, O. Fragender

  17. Titel eingeben
    Jedes Jahr um diese Zeit stellt sich Jundelichen die Frage ‘Was soll ich werden’. Vor Jahrzehnten war mein Onkel der meinung das sich selbst das Abitur nicht lohnt, da man mit Lehre, Arbeit bereist so viel Geld angesammelt hat, das ein Akademiker gut verdienen muss um die 10 Jahre vorsprung einzuholen. Nun Geld ist nicht alles – wenn die Stromrechnung bezahlt ist.
    Die FAZ duerfte eine eher akademisch gepraegte Leserschaft haben, von denen nur die Minderheit ueber die Erfahrung verfuegt das auch fuer ‘Arbeiter’ es durchaus anspruchsvolle Einsatzprofile gibt. Das Image als Werkzeugmacher, Mechatroniker, wie der gute alte Kfzler jetzt heist, ist halt nicht so gegeben. Aber wenn man weis was man ist, dann braucht man sich auch keinen ‘Dr.’ vor den Namen zu kopieren.
    Auch fuer aktuelle Abiturienten gibt es mehr zu tun als ‘irgendwas mit Medien’ zu studieren. Es mag auch am Elternhaus liegen, da in den Gymnasien die Kinder aus den nicht ‘besseren Kreisen’ die Mehrheit stellen.

  18. Titel eingeben
    Sehr geehrter Don,

    der soeben geschickte Beirag von mir ueber moegliche Arbeit von Abiturienten ging leider ohne namen raus. Das Internet hier am A.. der Welt spielt manchmal nicht so wie ich moechte.

    pardon

  19. Humanwissenschaftlerin, Berlin, nicht wohnortwechselbereit,
    womit glasklar ist, welche Berufschancen die Autorin an ihrem Wohnort hat. Nur der Autorin selbst wohl nicht, sonst hätte es keine seitenlange Klage über die ihr persönlich gegenüber unfaire Gesellschaft gegeben. Ich verstehe, dass ihr das aufs Gemüt schlägt. Ich verstehe nicht, was genau sie eigentlich beklagt. Bzw., wer was besser machen sollte, damit es ihr persönlich besser geht?

    Nein, die Zeiten sind nicht schlechter geworden, nur gibt es wesentlich mehr Akademiker mit einer insgesamt im Durchschnitt höheren örtlichen Inflexibilität als 1985, das ist alles.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Es ist mir nicht ersichtlich
      was es dieser Altersgruppe und den nachfolgenden bringen soll, eine höhere örtliche Flexibilität
      an den Tag zu legen, über den Einzelfall hinaus.

      Wenn es überall ähnlich ist.

    • ???
      “Jessica Miriam Zinn, die den Moderator fragt, warum er sich denn nicht ausziehe. Und er dieser impliziten Aufforderung folgt. Es Gloria gleicht tut. Bis es ihm unwohl wird. Ja, mit Kleidung habe er sich sicherer gefühlt. Und um Sicherheit geht es auch, in der Diskussion um Datensammlung und Freiheit im Internet. Die Freiheit zu teilen, statt zu besitzen.”
      .
      sie macht auf dem photo gemeinsam mit dem kommunarden r. langhans einen ausgesprochen symphatischen und intelligenten eindruck. http://documentiert.wordpress.com/tag/jessica-miriam-zinn/

    • Überall ähnlich
      ist es eben nicht. Und wenn man etwas studiert hat, was an der Schnittstelle zwischen Technik und Nutzer liegt, dann leuchtet es unmittelbar ein, dass dessen Anwendung ohne eine Produktionsindustrie geringe Nachfrage findet.
      Frau Zinn zweifelt an sich, ihrem Studium und der Gesellschaft, weil diese ihr nicht sofort an ihrem Wunschort einen ihrem Studium entsprechenden anständigen Festarbeitsplatz liefern kann. Eine Gesellschaft, die das könnte, wird es entweder nie geben. Oder sie ist vollverplant – inklusive der Zuteilung des Wohnortes.
      Berlin ist als Arbeitsort besonders ungünstig. Seine Wohnbevölkerung wächst – und zwar im wesentlichen durch den Zuzug junger Leute wegen seines Freizeitwertes. Dumm gelaufen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Herr Haupts, die Zeiten sind schon schlechter geworden – zumindest für eine große Zahl von Menschen. Warum die Autorin in Berlin leben will, ist ihre Entscheidung – und wenn sie uns diese Mitteilen will, wird sie das sicher tun.

      Die größere Zahl an Akademikern hat sicher dazu geführt, daß es zum einen weniger Stellen, zum anderen auch geringere Gehälter gibt – aber warum trifft das auch auf andere Berufe zu? Warum sieht man es heute als selbstverständlich an, dass viele Menschen nur durch zusätzliche Sozialleistungen (“Aufstocker”) überleben können? Und wenn im unteren Einkommensbereich so eine Entwicklung zu beobachten ist, dann doch auch in höheren Einkommensbereichen.

      Meiner Generation, und wahrscheinlich auch der von Jessica Zinn, wurde versprochen, daß uns mit einem Studium alle Türen offen stehen werden. Und diejenigen, die uns das versprochen haben, können heute nicht mehr verstehen, daß wir das geglaubt haben.

    • Dann bitte :
      Erklären sie uns doch mal, warum man die Leute die euch verarscht haben, bei jeden Wahlen stets wieder auf ein Neues legitimiert?

    • Titel eingeben
      Ganz einfach: man stellt diejenigen, die sich beschweren könnten, ruhig. Man macht ihnen kleine Geschenke, um überleben zu können, und man schafft die Stimmung, daß es uns noch nie so gut ginge wie heute, denn es gaebe unbegrenzte Möglichkeiten.

      Aber vielleicht gibt es auch einfach keine sinnvolle Alternative.

    • Kleiner Tip vom Nicht-Wähler
      Wenn ein Volk sich derart kaufen lässt, was soll dann an den Zuständen falsch sein? Wenn die Masse wirklich so dumm ist, was soll dann an den Zuständen falsch sein? Passt doch alles und hat deutsche Tradition. Sie erinnern sich an Niemöllers Satz, dass dann irgendwann niemand mehr da ist, wenn es einem selber dreckig geht?

      Wie sinnvoll eine Alternative ist, stellt sich immer erst nach einer Zeit heraus, denken sie nur einfach mal an Mr Change. Wie hat mich die Readaktion der Spiesser FAZ jahrelang wegen meiner Kommentare zu Obama blöde angemacht und gesperrt. Inhalte, die man jetzt nahezu wörtlich in den Artikeln wiederfinden kann!

    • Sorry... falscher Knopf und zu früh abgeschickt
      Ich war bei der “sinnvollen Alternative”…..
      Sie, GuX, haben sich NIEMALS das Programm der Linken angesehen, sie vertrauen auf das Urteil, zB der FAZ, weil sie anscheinend nicht sehen können, dass gerade die FAZ eine eigene Agenda hat.

      Ich bin und war immer Nicht-Wähler, ich sage auch nicht, dass alles gut wird, wenn die Linke gewählt würde. Aber wenn sie deren Programm durchlesen, dann werden sie feststellen, dass dort all das wörtlich drin steht, von dem die Deutschen permanent sagen, dass sie es wünschen. Vom Euro zu Afghanistan, von der Bildung zum Verfassungsschutz…..

    • Es ging uns noch nie so gut wie heute
      weil es Achtung! Noch nie so viele …unbegrenzte …MÖGLICHKEITEN…gab.

      Nein, wo soll man da noch nach Alternativen zu den Möglichkeiten suchen.
      Wüsste ich auch nicht.

    • Das Programm der LINKEN ist nicht das Problem,
      sondern eine doppelte und in beiden Fällen nicht unberechtigte Vermutung:
      1) Das Programm stellt nur den Einstieg in die eigentlich präferierte Lösung – die sozialistische Planverwaltung des Menschen – sicher
      2) Die Verwirklichung des Programmes durch einen Haufen ziemlich realitätsferner Sozialbürokraten führt am Ende Deutschland noch tiefer in die Sch*, als es das nach Ihrer Auffassung bereits ist.

      Und das dürften viele Leute genauso sehen, wie ich. Eine Wahlentscheidung ist in den seltensten Fällen vom Programm abhängig, viele eher von ideologischen Präferenzen und dem Masstab des höchsten Vertrauens bzw. des geringsten Misstrauens. Da hat eine Mischung aus Nachfolgepartei der SED und westdeutschen Totalverwirrten (Trotzkisten, Maoisten und andere Geisteskranke) eben leichte Wettbewerbsnachteile.

      Um in Ihrer Diktion zu bleiben – meistens wählt man doch die Verarsche, die man kennt, anstatt sich auf eine einzulassen, bei der man noch Schlimmeres befürchtet. Und das ist völlig rational.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  20. Titel eingeben
    Sehr geehrte Frau Zinn,

    herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Offenheit in diesem Artikel. Bei so einem Thema passiert es selten, dass Betroffene offen über das Thema reden. Auch in Zeitungen bleibt es doch immer bei plakativen Sprüchen.

    Das ist jetzt nicht vorwurfsvoll gemeint. Aber was haben Sie denn studiert? Sie haben kurz das Beispiel von einem Physiker gegeben. Es würde mich wundern, wenn die Arbeitslosigkeit unter Naturwissenschaftlern wirklich so hoch ist.

    Ich sage dieses nicht um mich über Geisteswissenschaftler lustig zu machen. Ich habe selber lediglich BWL studiert und bei meiner Tätigkeit läuft es auch darauf hinaus, dass ich in SAP und Excel auf Knöpfe drücke. Mein Lebenslauf ist auch mit einer längeren Lücke verziert und ich weiß wie man sich dabei fühlt…

    In meinen Augen müssen wir uns von Gedanken wie “Bildungsgesellschaft” verabschieden. Es ist einfach ein Lüge, dass Arbeitgeber Intelligenz, Charakter oder Bildung suchen. Ein Unternehmen fragt nur danach, was kann die Person für mich erledigen.

    Brauchen wir wirklich noch mehr Kulturwissenschaftler? Lernen diese Personen soviel an der Universität, dass es sich für die Studenten lohnt? Ja ich bin ein großer Fan einer tieferen Bildung, aber man sollte sich nicht vormachen, dass man damit einen Job bekommt.

    Das Boot in das alle nach der Uni springen wollen wird kleiner. Die Anforderungen an die Studenten immer höher und es ist wichtig mit Mitte 25 einen geleckten Lebenslauf vorzuweisen. Wenn man den Studenten erzählt, dass man an der Uni etwas wichtiges lernt, ist das einfach eine Lüge.

    Wenn ich in meinen Bekanntenkreis umschaue haben stellenweise bezahlte Fortbildungen der Agentur weitergeholfen, dabei läuft es aber dann nunmal darauf hinaus, dass man sich nachher mit Datenbanken/ Buchführung o.ä. beschäftigt und eben nicht mit Menschen oder Philosophie. Die Frage ist, ob man vorher den Umweg über die Uni gehen muss. Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

    Grüße und viel Erfolg
    Felix

    PS: Kann man hierbei eigentlich die Kommentarbox irgendwie größer bekommen?

    • Lehrstelle bei Rolls Royce
      Im Bereich der Handwerkskammer Potsdam sind zur Zeit 600 Lehrstellen unbesetzt. Unser Nachbarsjunge, nicht einmal 20 Jahre alt, hat im RR Triebwerksbau voriges Jahr eine Lehrstelle bekommen. Man kann sich vorstellen, wie stolz er ist und wie wenig er an seiner Zukunft zweifelt.

    • Potentialdifferenz
      In meinen Augen müssen wir uns von Gedanken wie “Bildungsgesellschaft” verabschieden. Es ist einfach ein Lüge, dass Arbeitgeber Intelligenz, Charakter oder Bildung suchen. Ein Unternehmen fragt nur danach, was kann die Person für mich erledigen.

      Gewiss, aber in dem Augenblick wo das Unternehmen jemanden gefunden hat, auf den die Anforderungen passen, verändert sich auch wieder das Potential des Unternehmens. Natürlich ist das weniger auffällig in Unternehmensbereichen, die ausdifferenziert sind und schlicht funktionieren. Wenn Sie sich aber mit Ihrem Excel und SAP unterfordert fühlen, einfach weil alles bestens läuft, befinden sie sich, in einem anderen Unternehmen, in dem das nicht der Fall ist, schnell in einer Position der Kritik und können sie produktiv machen oder resignieren. Vermutlich sehen Sie sogar Probleme, wo andere gar nicht verstehen, worum es eigentlich geht.

      Lustigerweise ist das nichts anderes als Platons Höhlengleichnis, übersetzt von der mythischen Erzählung, die Platon geschaffen hatte, in die sehr gewöhnlichen Niederungen der täglichen Arbeitswelt. Metaphysik des Berufsalltags. Natürlich sind solche Transferleistungen der Interpretation weit entfernt von den Anforderungen des akademischen Systems, was nur danach fragt, “was kann die Person für mich erledigen”.

    • FH Stoff fürUnis
      Sie haben darauf hingewiesen: Es besteht eine Diskrepanz zwischen Eingangsanforderungen und der Ausbildung zum universitären Generalisten. Der Spezialist bekommt den Job, der Generalist erst einmal nicht.

      Dennoch: Der “Bildungsgesellschaftler” wird irgendwann für jede Firma von Bedeutung sein. Ohne sie ist Globalisierung nicht möglich. Deswegen suchen Arbeitgeber ‘Intelligenz, Charakter oder Bildung’ – aber halt nur die guten Arbeitgeber und nicht für die Eingangspositionen.

      Die Generalisten finden den Eingang nur über besondere und spezielle Qualifkatonen. Vulgo: der Uni-Absolvent sollte den FH-Stoff beherrschen.

  21. Vorzeichen...oder Vorgeschmack
    So verzweifelt der Text klingt, so ehrlich ist er. Und ich wuerde ihn eher als Fruehwarnzeichen sehen. Es wird immer schwieriger, eine Nische fuer sich und die eigenen “Ansprueche” zu finden, da es insbesondere im Mittelbau der Gesellschaft langsam auch zu rumoren anfaengt. Da sind die Mittvierziger plus 10, die noch relativ einfach in saturierte Jobs gerutscht sind, und jetzt nur noch hoffen, dass es bis zur Rente so weiter geht, auch wenn die Halbwertzeit sinkt; auch diese staenden vor dem nichts, sollte die eigene Existenz wegrationalisiert, fremd uebernommen oder einfach ueberfluessig werden. Und die, die diese “heile” Welt nicht mehr kennengelernt haben, trifft es nur eher in der Biographie. Was im “Prekariat” seit ca. 10-15 Jahren umgesetzt wurde, naemlich die fast voellige soziale Entsicherung durch die Abschaffung “fester” (berechenbare) Arbeiseinkommen.

    Die Autorin sprach so nett vom “auskoemmlich” – was ist denn das? Beinhaltet das die regelmaessige Anschaffung eines Autos so etwa alle 6 Jahre? Neben den 2 – 3 Wochen Urlaub in der Sonne auch noch das Geld fuer diverse “Minibreaks” zwischen Barcelona und Skilaufen? Alle zwei Jahre ein neues Smartphone mit Monatvertrag fuer EUR 30-40?

    Wenn auch noch nicht bei der Mehrheit, aber immer spuerbarer, kommt auch in Deutschlands Mitte an, dass man den Kuchen nur einmal essen kann, und “eat your cake and keep it” – nicht geht. Dieses will sich keiner eingestehen, sind aber nunmal die Folgen, wenn man verspricht, anstatt 1/5 der Weltbevoelkerung nun 3/5 oder mehr auf “westlichem” Standard leben zu lassen. Es fiel waehrend des kalten Krieges nicht auf, weil zuviele Ressourcen durch Militaerausgaben und Marktbehinderung verschwendet wurden und gr. Teile einfach keine Moeglichkeit hatten, “auskoemmlich” zu leben.* Nur mit dem Ende von BrettonWood und der Goldpreisbindung hat weltweit das Schuldenmachen angefangen, und “es ist halt eine Weile gutgegangen” wie der Rheinlaender sagen wuerde. Eine ganze Weile sogar, bis ziemlich genau zum Zusammenbruch der UdSSR, und damit dem, was danach kam, was wir heute Globalisierung nennen. Seitdem manipulieren die Zentralbanken der Welt die Maerkte, und sind auch darin immer perfekter geworden (Hubris und falsch, die meinen das nur, wie wir alle bald erleben werden); und wenn irgendjemand wirklich glaubt, dass Ben B wirklich den FED Geldhahn zudreht…… weitertraeumen).

    Will sagen, nach langem Schlenker, das die Preise fuer sozialversicherte Arbeit im Westen so dermassen verzerrt sind, dass es eben nicht zum beruehmten Ausgleich von Angebot und Nachfrage kommt. Trifft noch nicht alle, aber immer mehr. Und morgen noch mehr, es braucht halt ne Weile, bis es sich durch’s System frisst. Ich will hier nicht dem Manchesterkapitalismus das Wort reden, ganz im Gegenteil, das traurige Ergebnis – langfristig – ist in UK an vielen Stellen zu besichtigen – haben Sie die Phototapeten gesehen, die die Briten im Staedtchen in der Naehe des G8 Tagungshotels in die Laeden gehaengt haben, um den dortigen Niedergang zu verschleiern?

    Der Kampf – weltweit – noch zaeh und leise – hat begonnen, um Zugriff – nicht notwendigerweise mit Geld – auf die Ressourcen, die uns allen unser mit vielen Gadgets bespasstes Leben ermoeglichen. Der Kampf wird mit und gegen den Euro gefuehrt, mit dem Zugang zu Hochtechnologie, und irgendwann, um den Zugriff auf Wasser. [Was wird in Aegypten los sein, wenn der obere Nil von den dortigen Anlegern durchgestaut ist, so dass am Unterlauf nur noch Rinsaale ankommen? die Plaene gibts, scheitern momentan an der Finanzierung und an anderen Machtspielchen].

    Es bleibt die Einsicht, dass ein “auskoemmlicher” Lebensstandard fuer immer weniger Menschen, auch, und insbesondere im Westen – immer wahrscheinlicher wird.

    Was die Autorin beschreibt, ist nur ein Vorgeschmack darauf, was vielen droht – natuerlich wird es immer ein paar geben, die “das nicht betrifft”…. aber es werden weniger.

    Die Autorin ist der Mehrheit nur ein paar Schritte voraus.

    * Keine moralische Beurteilung in irgendeine Richtung, sachliche Darstellung basierend auf der Logik von Angebot und Nachfrage, ganz grob…

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/aegypten-und-aethiopien-blut-fuer-wasser-12219537.html

  22. Überproduktion
    Auch ich bin Akademiker, sogar mit Promotion, allerdings – welch Makel! – an der Sorbonne erworben. Ich frage mich jedoch, ob ich nicht besser Klempner oder Werkzeugmacher geworden wäre. Mir fiel das geistige arbeiten immer schon sehr leicht, also studierte ich und verdiente mir das Studium als Goldsucher in Kanada. Jetzt muss ich feststellen, dass zu viel Akademiker produziert werden, viel mehr als die Wirtschaft absorbieren kann. Nur wer ein Exportprofil hat, möglichst mit technischer Dominante,und nicht über 45 Jahre alt ist, kann einen gutbezahlten Job bekommen. Auch im Gesundheitswesen gibt es Stellen, aber ich höre oft genug Klagen von überarbeiteten und ausgebeuteten Ärzten. Die Bildungsexplosion nicht nur hier in Deutschland, sondern in vielen anderen Ländern, hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben zu studieren – aber natürlich ohne Arbeitsplatzgarantie. Das ist das Problem. Wir leben ja in einer thatcherisierten neoliberalen Gesellschaft, da muss schon jeder zusehen, wie er seines Glückes Schmied sein kann. Oder wollen Sie sich etwa bei Kanzlerin Merkel beschweren?

    • Sie benennen erst einen Teil des Poblems korrekt:
      “… hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben zu studieren – aber natürlich ohne Arbeitsplatzgarantie …”, um dann mit dem nächsten Satz Ihre Erkenntnis zu annulieren “Wir leben ja in einer thatcherisierten neoliberalen Gesellschaft, da muss schon jeder zusehen …”

      Liebe gnädige Frau, ich verrate Ihnen etwas völlig Unanständiges: Es war auch vor und bis Thatcher vollkommen normal, dass jeder seines Glückes Schmied war. Völlig normal war vor dem Neoliberalismus auch, dass niemand auf die Idee kam, jemand anderen für sein Glück verantwortlich zu machen.

      Und dann bekamen wir die Schwemme der Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge …

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Diesmal liegen Sie etwas quer….
      …. denn die heutige Realität sieht nun mal so aus, dass man eben nicht mehr wie in den 70ern und 80ern zwischen Dutzenden von Job Angeboten wählen kann, von denen es sich gut leben liess, wenn man als Teil der „Schwemme der Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge“ im eigenen Fachgebiet nichts bekam.

      Die heutige Manipulation des politisch so gewollten Arbeitsmarktes schafft nur noch Unterbezahlung. Ich kann mich hingegen an keine Phase im Leben unserer Generation erinnern in der ich keinen Job fand, dessen Einkünfte mir nicht in einem Jahr Ersparnisse ermöglichte, von denen ich die nächsten 3 bis 8 Jahre irgendwo in der 3.Welt mein Leben geniessen konnte.
      Am von der Autorin beschriebenen gegenwärtigen Zustand ändert auch das Akzeptieren der Eigenverantwortung nichts, solange man Teil dieser Gesellschaft sein will, anstatt bereit zu sein sich davon zu lösen.
      Dass man „es“ trotzdem selber tun muss, da geb ich Ihnen natürlich Recht.

    • Dutzende von Jobangeboten
      gab es für Sozialwissenschaftler das letzte Mal in den siebzigern, als die Zahl der Akademiker um eine Zehnerpotenz kleiner war, als heute. Mal ganz zu schweigen von den Ansprüchen an das Leben mit 25, die deutlich niedriger waren, als heute.

      Und da wir seit Jahrzehnten von bildungspolitischen Analphabeten jeder Politfarbe regiert werden, die aufgrund angeblicher arbeitsmarktpolitischer Erfordernisse die Studenzenzahlen auf 50% eines Jahrganges treiben woll(t)en … Die vermutlich noch nicht einmal wissen, dass der “Akademiker”-Anteil im Ausland deshalb so hoch ist, weil hiesige Ausbildungsberufe dort an “Hochschulen” unterrichtet werden. Deshalb ist der Versuch, die heutige Akademikersituation mit den Erfahrungen Ihrer oder meiner Generation abzugleichen, automatisch zum Scheitern verurteilt.

      Für ein technisches oder techniknahes Studium – wie das von Frau Zinn – bleibe ich allerdings bei meiner These. Dass es für hunderttausende von Geistes- und Sozialwissenschaftlern, die jedes Jahr die Hochschule verlassen, keine ihrer Ausbildung adäquaten Arbeitsplätze gibt, ist seit den frühen achtzigern eine Binsenweisheit.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      “Ich kann mich hingegen an keine Phase im Leben unserer Generation erinnern in der ich keinen Job fand, dessen Einkünfte mir nicht in einem Jahr Ersparnisse ermöglichte, von denen ich die nächsten 3 bis 8 Jahre irgendwo in der 3.Welt mein Leben geniessen konnte.”
      Das erscheint mir eben der Unterschied zwischen den Generationen.
      “Früher” ging das noch, sich “temporär abseilen” nach Hintertupfingen. Heute konkurrieren Europa und Hintertupfingen direkt.

    • Sie weichen aus
      Sie weichen aus! Ich spreche nicht von Job-Angeboten für Akademiker eines Fachgebietes, sondern von „Job-Angeboten“ überhaupt!
      Ich habe zunächst Philosophie, Politik und Musik studiert, und zwar nur WEIL mich dies interessiert hat. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, von der Uni oder gar dem Staat zu erwarten, dass man mir danach für meine Qualifikationen eine Stelle bereitstellt!
      Ich sprach in meiner Frage an Sie von irgendwelchen Jobamngebote , die Vollzeit Beschäftigten ermöglichen mit dieser Tätigkeit sich und ihre Familie zu ernähren. Nicht mal vom Sparen rede ich…. Genau darüber schreibt auch Jessica!

      Weder Jessica noch ich sprechen von Bildungspolitik, sondern vor Arbeitsmarkt Politik. Denn letztere war in der Tat anders!
      Sie tun das gerne, dem eigentlichen Thema auseichen….

    • Auch sie: Thema verfehlt...
      Dass es den Unterschied gibt ist ja klar, aber worüber wir hier diskutieren ist, woran das liegt. Eine gewählte Regierung hat die beeidigte Aufgabe zum Wohle des ganzen Volkes zu regieren, und nicht nur im Interesse von Industrie und Banken, weil diese die eigene Partei finanzieren!

      Wollen sie uns ernsthaft erzählen, Konzerne wie Microsoft, Apple & Starbucks, würden ihre Produkte nicht mehr auf einem Riesen-Markt wie dem in DE verkaufen, nur weil man sie gesetzlich dazu zwingen würde, ihre hier erzielten Profite auch hier, zu den hier geltenden Gesetzen zu versteuern?

      Es geht hier um verbrecherische Korruption, nicht irgendeine Ausrede wie Globalisierung und Systemzwänge und Alternativlosigkeit.
      Und vergessen sie nicht, ich bin keineswegs ein Gut Mensch, ich bin der Meinung, dass ein Volk wie das deutsche, das sich 30 Jahren solche Kanzler wählt gar nichts anderes verdient hat.
      Ich nenne die Dinge nur gerne beim Klarnamen!

    • Dann war mir Ihre Frage nicht klar.
      Aber beantwortet habe ich sie bereits – in einem anderen Fred an anderer Stelle, wo Sie mitdiskutieren:

      Das echte und ungelöste Arbeitsmarktproblem (dessen Grösse zunehmen wird) stellt sich für heute x und morgen x+ Prozent der Bevölkerung, die durch begrenzte eigene Fähigkeiten und/oder soziale Herkunfstbedingungen nur zu sehr wenig anspruchsvollen Routinearbeiten befähigt sind. Für die haben wir nicht genügend Jobangebote und das Problem wird sich mit zunhmender Automatisierung weiterer Arbeitsbereiche (z.B. autonome Fahrzeuge, Folkher Braun aufgepasst) weiter verschärfen. Dafür habe ich keine Lösung und sehe auch sonst niemanden, der eine hätte.

      Für Akademiker (nach denen sie nicht gefragt hatten) hat sich die Lage nur insoweit verschärft, als viele von ihnen sich mit Sachbearbeiterstellen zufriedengeben müssen, die früher von Ausbildungsberufsabsolventen besetzt wurden. Also sinkt ihre Entlohnung, das war mit der politisch gewollten Akademikerschwemme seit 20 Jahren vohersehbar.

      Ich persönlich war und bleibe der Auffassung, dass für ein echtes Studium ein IQ von 120 plus Voraussetzung sein sollte, dann reduzierte sich die Zahl möglicher Akademiker auf maximal 12,5% der Bevölkerung.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  23. Und weil die kleinen Ratten und Unterlinge alle in Konkurrenz zueinander stehen,
    lassen sie sich wunderbar gegeneinander ausspielen. Was da von Doktor-Müttern und -Vätern für “nette” Spielchen gespielt werden, wurde hier noch nicht mal angerissen.

  24. Umorientieren
    Hat da irgendwer behauptet es wäre in den 80ern und 90ern leichter gewesen? Kaum eine(r), den/die ich kenne arbeitet(e) tatsächlich im ursprünglichen Fach und wir waren aus den geburtenstarken Jahrgängen, die Konkurrenz groß und gierig. Ich habe auch alles hinter mir an billigen Notjobs. Man nimmt was kommt und streckt sich, denn auf einem Silbertablett bekommt man nichts serviert. Allgemein ist mir die Jammerhaltung der derzeitgen Generation vieler Jungerwachsener arg zuwider. Es gibt so viele Möglichkeiten, vielleicht nicht in Berlin, vielleicht noch nicht einmal in Deutschland, aber es gibt sie. Mein Sohn ist nach China übersiedelt, nachdem es für ihn hier Job mäßig mau aussah. Ich würde auch eher eine Bratwurstbude in Shanghai aufmachen als hier im vermeintlichen Elend versinken.

    • Spannend
      Dann bin ich mal gespannt, wie toll Sie das finden, wenn Sie später mal Ihre Enkelkinder nur einmal im Jahr sehen oder pflegebedürftig sind.

      Diese örtliche Flexibilität klingt in der Theorie so toll, aber wenn es ans eingemachte geht, dann findet man das Ganze irgendwann nicht mehr ganz so lustig.

    • Tatsächlich
      “Ich würde auch lieber eine Bratwurstbude in Shanghai aufmachen…”

      Gibt es dort solch einen Bedarf, dass man auch als ‘Langnase’ überleben kann.

      ???????

    • Spannend nicht unbedingt
      Es ist nicht wichtig ob ich mein Enkelkind jederzeit sehen kann (normalerweise geht das über Skype – und ja ich habe ein Enkelkind in China), sondern ob mein Sohn ein erfülltes und spannendes Leben führt. Er sitzt jedenfalls nicht jammernd in Berlin.
      Man sollte mal auf die Vorteile schauen:
      Einen unglaublichen Erfahrungsschatz sammeln, fremde Länder und Kulturen kennen lernen, sich selbst beweisen müssen, ggf. Erfolg haben. Natürlich geht man weg, aber man mopst sich doch nicht unzufrieden daheim, nur um in der Nähe von Mama und Papa zu bleiben. …Was bessres als den Tod findet ihr überall… Falls er heimkommen will, haben wir immer noch Platz in unserem Häuschen :-) als Rettungsanker.

    • Bratwurst? Aber immer!
      Wo doch die Chinesen, außer Käse, so gut wie alles essen. Und ‘ne deutsche Bratwurst, oder spezifischer, Nürnberger oder thüringische – nicht lange, und Sie werden Franchise-Lizenzen vergeben.

    • Ausgerechnet in Shanghai
      Haben Sie Ihren Rat schon mal selbst ausprobiert?

      Wenn das ein Geschäft ist, dann macht es längst Uli Höness.

      Die Potenzialdifferenz im Kleinhandel dürfte zu Lasten Deutscher
      gehen.
      Da kann Frau Zinn und andere gleich in Berlin bleiben.

  25. Vielleicht liegt es wirklich an Berlin?
    Da ich nicht in Berlin sondern in Frankfurt wohne kann ich zu der Situation dort nichts sagen. Was ich sagen kann ist, dass es bei mir und fast allen meinen Freunden und Bekannten doch irgendwie ganz anders gelaufen ist. Die wenigsten hatten größere Probleme nach dem Studium etwas zu bekommen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die meisten eher praktischere Sachen wie Naturwissenschaften, Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Jura, BWL oder auf Lehramt studiert haben. Aber selbst die Leute die etwas Geisteswissenschaftliches studiert haben fanden früher oder später einen vernünftigen Job, ohne sich völlig verbiegen zu müssen oder total unter Wert zu verkaufen. Schon erstaunlich, wie die Lebenswirklichkeiten auseinander klaffen.

  26. Alles eine Frage der Prioritäten
    Nun ja,

    um dazu jetzt was zu sagen, müsste man den Lebenslauf der Autorin halt einmal sehen. Dann könnte man ihr vielleicht sagen, woran es liegt.

    Und abgesehen davon wäre vielleicht einen Umzug die Lösung. Wenn eine Stadt kaum Industrie und Wirtschaft anzieht, dafür aber um so mehr relativ gut ausgebildete junge Kreativlinge, wird es halt schwierig Arbeitgeber zu finden. In Stuttgart hätte die Dame möglicherweise in zwei Monaten einen vernünftigen Job. Dort dann mit weniger amazing lifestyle am Prenzlauer Berg und dafür mehr Bierbäuchen und kurzärmligen Hemden. Ich kann schon verstehen, dass es einem das nicht wert ist. Aber dann muss man halt mit den Schattenseiten leben können.

  27. Was man verbessern kann
    Den Kapitalismus, vulgo: Freie Marktwirtschaft, abschaffen.

    Denn mit, wird alles nur noch schlimmer. Der ist nämlich nicht dafür da, daß es den Menschen besser geht. Sondern damit sie, ja Sie, aus Kapital mehr Kapital erschaffen.

    Fortschritt heißt da: immer weniger Arbeit für die Produktion der gleichen Mengen. Fortschritt heißt da: es braucht immer weniger Arbeit. Dazu braucht man weniger Menschen. Besonders, wenn man immer mehr Leistung aus ihnen rauspresst.

    Für die ungenutzten, gibt`s Hartz IV. Die Hängematte in der Sonne für Nichtstuer! Offenbar kann man davon in Würde leben. Warum nicht dafür in Würde arbeiten? Der Lohn macht doch sowieso nur Kosten, die den Gewinn schmälern.

    Wir haben ein Wirtschaftssystem, in dem der Lohn, das Auskommen der Menschen, im Gegensatz steht zum Erfolg des Wirtschaftens.

    Wie dumm ist das denn?

    • Ach, Herr Bergmann
      genau das hat Berlin doch gemacht! Es gibt wohl keine Stadt in Deutschland, in der die Grundstimmung so antimarktwirtschaftlich ist wie in Berlin. Und wo haben junge Akademiker die schlechtesten Jobchancen? Na, raten Sie mal. Und wo haben junge Akademiker beste Berufsaussichten? Richtig: da wo die bösen Kapitalisten sitzen: In Frankfurt etc.

      Ist auch völlig plausibel, wenn Sie sich mal überlegen, das die Mehrheit in Berlin genau die Lebenseinstellung verkörpert, die sie das gerade beschrieben haben:
      Bloß kein technischer Fortschritt, der macht die Arbeit kaputt: Ja, aber genau das hat Fortschritt schon immer getan, völlig egal in welchem Wirtschaftssystem und zu welcher Zeit. Von der Erfindung des Rades über das Auto bis zum mobilen Hochgeschwindigkeitsinternet hat jede Entwicklung den Bedarf nach einer zuvor von Menschen verrichteten Arbeit gemindert. Aber genau diese Verminderung des Bedarfs an menschlicher Arbeit ist der Grund, warum wir heute einen Großteil unseres Lebens gar nicht arbeiten und die Phase zwischen 25 und 65 Jahren mit ca 35 h/Woche ableisten und danach auf Kreuzfahrt gehen können. Früher waren die Leute von morgens um 4 bis nachts auf den Beinen, nur um ihre Familie zu ernähren.
      Sie können sich ja mal ansehen, wie manche Zivilisationen auf anderen Kontinenten ohne (marktwirtschaftlichen) Fortschritt noch heute leben. Freizeit hat da in der Tat keiner, weil die morgens 5 km zum Brunnen laufen, um dann 20 Liter Wasser auf ihrem Kopf in ihr Dorf zurückzutragen. Da ist dieser arbeitsplatzzerstörende Fortschritt noch nicht angekommen.
      Ich für meinen Teil bin froh, dass der Fortschritt dafür gesorgt hat, dass wir heute bis 25 gar nichts Produktives tun und danach im Büro sitzen, anstatt wie früher mit der Spitzhacke ins Bergwerg zu fahren und dann mit 60 an Erschöpfung zu sterben.
      Wie auch immer Sie es bewerten: Der Effekt von Fortschritt hat nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun. Der war von 2000 Jahre schon derselbe. Lediglich die Geschwindigkeit ändert sich.

      Zweiter Punkt, den Sie falsch darstellen:
      “Wir haben ein Wirtschaftssystem, in dem der Lohn, das Auskommen der Menschen, im Gegensatz steht zum Erfolg des Wirtschaftens.”

      Auch diesen Interessenkonflikt gibt es in jedem System. Er wurde nicht von der Marktwirtschaft erfunden und gründet sich letztendlich darin, dass jede Gesellschaft mit beschränkten Ressourcen auskommen muss, um die die Menschen konkurrieren. Im Sozialismus gab’s keinen Lohndruck aber man musste 15 Jahre auf Auto und Wohnung warten, in der freien Marktwirtschaft hat man Lohndifferenzierung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Zweite insgesamt zu besseren Ergebnissen führt.

    • Kuba, NK
      “Den Kapitalismus, vulgo: Freie Marktwirtschaft, abschaffen.” Als es die DDR noch gab, konnte man diesen Menschen sagen: Dann geh doch ‘rüber. Heute können Sie nur noch nach Kuba gehen, wenn Sie den Kommunismus bevorzugen.

    • Titel eingeben
      …bevor Sie den Kommunismus diskreditieren (der sicher nicht in Kuba existiert oder der DDR existierte…das erzählt man Leuten wie Ihnen, damit Sie rechtzeitig eine Aversion gegen ihn entwickeln und ausdrücken), definieren Sie diesen doch einmal. Ich weiß…ist nicht ganz einfach (siehe in Lyrikform: Bertolt Brecht, Lob des Kommunismus). Nur soviel: daß das von Ihnen offenbar uneingeschränkt befürwortete System einen Kommunismus überflüssig macht, wenn dieser sich darauf verlassen müßte, daß Leute wie Sie diesem etwas abgewinnen können, ist ebenso offensichtlich, denn: wo keinerlei natürliche Lebensgrundlagen (Menschen einbezogen) mehr vorhanden sind, weil diese durch ein System wie das derzeitige zerstört wurden, kann auch eine Gesellschaft, die die Ausbeutung des Menschen (“Arbeitnehmer”) durch den Menschen (“Arbeitgeber”) ablehnt nicht mehr ihren Fortschritt gegenüber dem jetzigen System beweisen…
      Und jetzt ganz prosaisch: warum sollte ich mich um einen Job prügeln, diesem nachtrauern oder überhaupt jammern, diesen nicht zu bekommen, welcher (der Job) andere reich macht und sonst nur den Berg überflüssiger Dinge vergrößert (und die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört)?

    • Den Kommunismus wird es eines Tages tatsächlich geben,
      exakt dann, wenn es keine Resourcenknappheit mehr geben kann. Also, sobald man Energie direkt in Materie verwandeln kann (davon ausgehend, dass Energie schon heute praktisch unbegrenzt erzeugt werden könnte).

      Es sind die vorzeitigen Versuche, Kommunismus zu etablieren, wo dessen Voraussetzungen fehlen, die ihn so gründlich diskreditiert haben.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  28. Titel eingeben
    Ich habe drei Kollegen die aus Berlin stammen – alle arbeiten sie jetzt fest angestellt im süddeutschen Raum. Wir könnten noch mehr gebrauchen…

    • Titel eingeben
      …na klar, damit die sich gegenseitig Konkurrenz machen…der den geringeren Lohn fordert bekommt dann die Stelle. Warum haben denn die Leute vorher den süddt Raum verlassen? Damit Leute freiwillig Berlin verlassen, um im Süden Arbeit zu suchen? Oder warum haben denn die Exzellenzuniversitäten im süddt Raum nicht genügend Nachwuchs ausgebildet? Hinkt Ihre Argumentation irgendwo?

    • Titel eingeben
      Man hat nichts davon, als Inscheniör konkurrenzlos zu sein in einem mecklenburgischen Dorf. Weil man dort auch keine Stelle findet. Dann schon lieber die Konkurrenz inkaufnehmen und wo hinziehen, wo es eine gibt.

    • BERlin
      …reicht schon. Sagt alles über die Verwaltung und Politik dieser Stadt. Trotzdem würde ich nirgendwo anders leben wollen. Aber ich muss mir auch keine Stelle mehr suchen, da 65+. Glück gehabt. Soweit.

  29. Zukunft?
    Was die Autorin in ihrem Text beschreibt, ist genau das wovor ich Angst habe, wenn ich mir mein Leben nach der Uni vorstelle (mache derzeit meinen BSc zum Ws dann einen MA).
    ICh sehe derzeit bei Freunden (sowohl Dipl/MSc/MA) im Bereich der Geographie, wie man sich alleine für ein Praktikum geradezu prostituerien und Räder schlagen muss…
    Ich bin 2010 von der Schule abgegangen mit dem festen Wissen nie eine feste Stelle zu bekommen, aber die nächsten 20 Jahre mit 450 € über die Runden zu kommen? So ködert mann die junge Akademikern nicht zum Kinder bekommen, damit der demographische Wandel abgemildert werden kann.
    Wenn es in unserem Land tatsächlich keine Arbeit mehr gibt oder sie von der Politik nicht gewollt wird (Beispiel: grandios versemmelte Energiewende: statt endlich mal in Deutschland Technologie herzustellen, zu forschen, in der Landschaft sinnvoll dezentralisiert zu verteilen und mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten…. wen man da so alles in Lohn und Brot bringen könnte!!!), sollten wir uns die Sache mit dem Grundeinkommen noch mal überlegen oder wir machen aus Deutschland wieder eine gated community, ging ja früher auch alles….

    Vielen Dank an den Hausherren für den Platz für Fr Zinn!

    • Titel eingeben
      Mensch, Maralu, keine Angst (“…fressen Seele auf!”, (Fassbinder)).
      1. Sie müssen sich nicht prostituieren und/oder Räder schlagen…schon garnicht für ein Praktikum (und dann vielleicht noch ohne Vergütung?).
      2. Auch wenn Sie dies als Frage formulieren: Sie sind ein ganz Schlauer/ eine Schlaue…wußten schon 2010, daß Sie NIE ´ne Stelle bekommen. Warum haben Sie Delma Rousseff nicht Bescheid gesagt, daß die Fahrpreiserhöhung nicht so clever war? Oder Erdogan? Oder die NSA vor Snowden gewarnt?
      3. 450 € werden schon in den nächsten drei Jahren nicht reichen…versprochen.
      4. Wenn ICH gewußt hätte, daß ich zum Studium geködert werde, damit ich Kinder bekomme, hätte ich aber anders geplant…und überhaupt: Gehirn einschalten, Mann/Frau! Je weniger Bälger Sie oder die anderen Studierten zur Welt bringen, desto bessere Jobchancen für Sie, oder?
      5. Also Arbeit gibt´s genug im Land. Schon bei mir zu Hause. Kommen Sie doch mal vorbei, hier liegt einiges an.
      6. Energiewende/Technologie: ach so, ich dachte schon die Stiftungen an den Unis arbeiten für Konzerne (neben deren eigenen Abteilungen, sofern noch vorhanden).
      7. Landwirtschaft: sagen Sie das mit der sinnvollen Dezentralisierung mal den Amis. Die haben das vor 1860 schon richtig gemacht (im Süden), statt später diese riesigen Felder mit ein/zwei Maschinen zu bewirtschaften (und das nur Papa und Sohn!). Aber es stimmt schon: wenn es um Arbeit und Menschen in Lohn und Brot zu bringen geht, holen wir gern nochmal die Unkrauthacke raus…vorwärts immer, rückwärts nimmer (Erich Honecker (?)).
      8. gated community? Ich google mal nicht oder schalte den Übersetzer ein…aber manchmal kann ein bißchen Allgemeinbildung (ganz unbescheiden: meine…) zu hanebüchenen Assoziationen führen: meinen Sie mit gated communities Konzentrationslager? Ich schließe trotzdem nicht aus, daß Sie Geschichte studiert haben könnten…oder haben Sie schon mal etwas von der Pariser Kommune gehört (im Zusammenhang mit dem dt-frz Krieg 1870/71)? Nein? Dann bleibt es bei meiner Vermutung (daß Sie doch Geschichte studiert haben könnten). Und was schon früher ging, geht mit Leuten wie Ihnen (sofern Sie auf Ihrem Niveau verharren) auch in Zukunft, keine Angst.
      9. Sie danken der FAZ? Die ist doch froh, daß die den Platz vollbekommt und Input erhält und sich später jemand daran erinnert, daß die FAZ schon im Sommer 2013 für ein Thema/Problem Platz zur Verfügung stellte (Beifall…am Puls der Zeit), welches schon Jahre vorher relevant war. Auch sind die Eigner/Herausgeber und Leser sowie die Klientel (größtenteils) dankbar für jeden Gedanken, welcher Ihnen Anhaltspunkte liefert, um von künftigen “Verwerfungen” nicht ganz überrascht zu sein (wie D.Rousseff, Erdogan, Mubarak, NSA etc).

      Kopf hoch…alles ist möglich. Auch Gutes…

  30. Titel eingeben
    Erschütternd!

  31. spinnen
    Vielleicht sind eben doch gerade die “Spinner” die Gewinner jener Umstände. Also die, die den Mut haben, den ausgetretenen Pfaden der Gesellschaft zu misstrauen und sich ein gesundes Mass an Größenwahn erlauben. Das Leben ist immer alles oder nichts, wenn man es in seiner Radikalität von Leben und Tod begreift. Der Rückzug in ein vermeintlich sicheres Cocon, in dem man auf Dauer von anderen mit Arbeit und Brot versorgt wird, an sich in seiner Bequemlichkeit schon recht verdächtig. Ich rede hier nicht von Aussteigern, sondern von der kreativen Nutzung des eigenen Potentials, was ja irgendwo in uns allen schlummert und vermutlich größere Berge versetzen kann als eine schnieke Festanstellung. Oh je, das klingt viel esoterischer als gemeint. Aber eine schöne Wendung wäre es doch für alle die, die sich immer schon dem Spott der Angepassten ausgesetzt sahen.

  32. Dr. rer. nat (Chemiker) i.R
    Nach 10 Jahren als Chemotechniker in England: 7 Jahre Studium in Würzburg und 22 Berufsjahre bei EINER Firma in Hamburg, schätze ich mich glücklich, zur rechten Zeit am rechten Ort gelernt und gearbeitet zu haben. Dennoch kann ich die heutige Situation der weniger Glücklichen gut nachempfinden.
    Nach der Pensionierung wurde ich dann im Bürgerfernsehen aktiv. Die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt war mir da auch schon 1997 klar. Eine Collage auf YouTube unter: Suche Arbeit, Brauche Zukunft. Hilft zwar nicht, aber lenkt vielleicht kurz von der Misere ab und gibt
    etwas Gelassenheit
    http://youtu.be/Kfte9L6cCZ0

  33. Die Autorin hat den Abschluss: Master of Science in Human Factors. Noch Fragen?
    Das Problem ist, dass Schulabgänger / Studenten sich keine Gedanken über Geld machen, sondern nur bis zur nächsten Prüfung / Degree denken. Man studiert, was gefällt – nicht das was gebraucht und bezahlt wird.

    Diese Absolventen Treffen auf einen Arbeitsmarkt der aus Angebot und Nachfrage besteht.

    Genauso gut hätte Miriam Theaterwissenschaft, Kunst oder Philosophie studieren können. Alles gute Garanten für Arbeitslosigkeit.

    Mit Informatik oder BWL hätte sie so gut wie eine Jobgarantie. Alle Informatiker, die ich kenne wurden mit Kusshand genommen noch bevor Sie ihren Abschluss hatten > Nicht einen einzigen Tag arbeitslos! Die mussten gar nichts tun, sondern wurden teilweise eingeladen.

    Die Freunde mit BWL – Diplom sind so happy, mit Haus, Familie, Festanstellung. Alle diese Leute (wie ich selbst auch) sind natürlich mobil und von zu Hause damals weggezogen, das ist klar!

    >>> Denkt doch nach bevor ihr wählt! Weniger naiv – mehr Realismus bitte. <<<

    Ich selbst habe mich für eine Lehre nach dem Abi entschieden und bin seit 11 Jahren angestellt und sehr zufrieden.

    • Mit Informatik oder BWL hätte sie so gut wie eine Jobgarantie.

      Hahahaha HHAHAHAHA haha, nein, im Ernst, ich kenne da auch genug Gegenbeispiele, und selbst wenn es klappt, ist der Anpasusngsdruck, wie im Beitrag beschrieben, enorm. Bloss keine Lücke im Lebenslauf….

    • Titel eingeben
      Warum ist diese “Lücke im Lebenslauf” eigentlich so ein Problem? Ein Mensch lebt schließlich nicht ausschließlich dafür, einem Arbeitgeber zu gefallen – und manche solcher “Lücken” bringen wahrscheinlich mehr Erfahrung und anderes als ein durchgängiger und “sinnvoller” Lebenslauf.

    • Die "Lücke im Lebenslauf"
      ist nicht so schlimm, wie immer behauptet. Wenn man sie offensiv “verkauft” statt verdruckst versteckt. Sie wird schlimm, wenn sie Teil des eigenen schlechten Gewissens wird.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • marktgerecht
      Nach der “marktgerechten Demokratie” nun das “marktgerechte Berufsleben”? Sie nennen es “Freiheit”.

      (Die hirnverbrannte Software dieses Forums duzt mich nicht nur unverschämt, sie wirft mir auch noch vor, ich hätte diesen Kommentar zu schnell geschrieben. Was für Irre waren denn da am Werk?)

    • Ja, das sind so die Gründe, warum die Kommentare normalerweise extern laufen: Weil die Leute, die das System (eigentlich WordPress, de facto aber ein Frankensteinsches Monster mit Javascript, hochanfällig und saulangsam) angerichtet haben, bis heute nicht in der Lage sind, die Fehler zu fixen.

    • Das ist, mit Verlaub, barer Unsinn
      Nehmen wir mal an, jeder würde nur noch das Fach studieren, das aus heutiger Sicht eine Art Jobgarantie gibt. Die Folge wäre ein Überangebot und damit ein generelles Lohndumping. Ich finde, man sollte studieren, wozu man sich – nach reiflicher Selbstevaluation – berufen fühlt. Wichtig ist, dass man schon während des Studiums versucht, Berufspraxis zu sammeln, um dann vor dem Examen zu wissen, was man machen wird. Aber die Sorglosigkeit vieler Studenten, insbesondere in den Kultur-und Geisteswissenschaften erstaunt mich. Ein Resultat unserer Wohlstandsgesellschaft?

  34. Titel eingeben
    “Ein Studiengang im Bereich zwischen Ingenieurwissenschaften und Psychologie. Der Name wird besser verstanden, wenn ich von Usability, Anwenderfreundlichkeit, Technologieoptimierung zum Wohle des Nutzers spreche. Es ist kein Orchideenfach, sondern außerhalb Berlins, besonders gerade im Ausland ein gefragter Beruf.”

    Sorry, Berlin ist eine Wüste für Ingenieure. Warum suchen Sie denn da? Oder – wenn Sie unbedingt in Berlin suchen wollen – warum haben Sie grade diese Fächerkombination studiert? Offensichtlich haben Sie an Ihrem Beruf auch weniger Interesse als an Berlin, sonst wären Sie schon längst in Reutlingen oder im Siegerland. Sensible Personaler spüren das.

    Was berechtigt Sie zu der Erwartung, dass Ihre Mitbürger Ihnen das berufliche Paradies auf dem Silbertablett zu servieren haben? Sie haben lange studiert: Ist Ihnen nicht bewußt, dass die Gesellschaft etwas von Ihnen erwarten darf?

    Aber Sie irren ja nur durch die reale Welt, eigentlich passiv, orientierungslos, ohne Ziel. Die fünf letzten Absätze verraten alles. Sie kennen den Markt nicht, kennen Ihren Wert nicht, können ihre Position nicht einschätzen. Wenn sie denn lieber die berliner Klos putzen, statt im Schwäbischen ihrem Beruf nachgehen, dann sei es so. Suum quique! Das gilt bitteschön auch für die Folgekosten!

    Leben Sie wirklich in dem Glauben, die Umstände, die neue Zeit, die Vertreibung aus dem Paradies oder was auch immer seien schuld an Ihrem Problem?

    • Titel eingeben
      …ok, ich versuch´s, auch wenn ich vielleicht weggedrückt werde…Also, Carolus Doomdey, bei Ihnen ist nomen omen.
      Wer erwartet ein berufliches Paradies? Die hier Besorgten wollen einfach einen Job (armselig genug…).
      Was sollte denn die Gesellschaft von jemandem erwarten dürfen, der studiert hat? Worin besteht der Nutzen von Personen wie Ihnen, Carolus? Ich wähle Ihren Duktus, obwohl ich dieses Nutzendenken nicht unterstütze.
      Ich kann mir gut vorstellen, daß ich Ihnen, wenn Sie Berlin besuchen sollten und ich gerade als Klowächter anwesend wäre, am praktischen Beispiel Ihren und meinen Wert darstellen kann: auf das von mir betreute Klo würden Sie nicht kommen…auch nicht mit einem 500er (schon mal gesehen?).

    • Och ja, lieber Otto
      es ist vielleicht alles eine Frage der Einstellung.

      “Die hier Besorgten wollen einfach einen Job”, schreiben Sie – anscheinend aber will die hier Besorgte nicht einen Job, sondern einen ‘Job in Berlin’ – Palmen am Nordpol oder Eisbären in der Wüste. Wenn die Dame einen Job wünscht, dann soll sie doch dort suchen, wo es welche gibt. Wie sie selbst schreibt, gibt es diese Jobs – nur halt nicht in Berlin. Wo ist das Problem, warum der Artikel?

      Unter den befreundeten Klassenkameraden meines jüngsten Sohnes gibt es keine(n) der gleiche Probleme hätte wie die Autorin. “Was sollte denn die Gesellschaft von jemandem erwarten dürfen, der studiert hat?”. Mein Jüngster leistet derzeit anscheinend als Praktikant soviel, dass der Arbeitgeber ihn mit >2.000€/Monat entlohnt (Bsc, also noch nicht einmal Master). Als Abiturient hat er nur 500€ bekommen. Anscheinend git es schon Leistung, die anerkannt wird.

      Den alten cinquecento habe ich gefahren – ein geniales Auto, vor allem abseits der Autostrada. Rot mit Klappdach. Der neue 500er ist leider nicht mehr authentisch. Auch den R4 über 4 Jahre, den Proll-Manta in schwarz-gelb. Ach ja, Opel Kadett in lichtblau und schwarz-rot. Noch Wünsche an meine proletarische Komponente?

      Mein Nutzen? Familie, mehrere Kinder und ansonsten haben meine Kunden/Mandanten/Patienten/Klienten/Freunde/Angestellte/Mitarbeiter geurteilt. Ich bin nicht unglücklich.

      Und um Ihnen auch das letzte Vorurteil zu nehmen: Ich weiß sehr wohl, was Arbeitslosigkeit, Zeitarbeit, Gelegenheitsjobs und dergleichen bedeuten. Ich habe all das und noch viel mehr sehr, sehr nah miterlebt. All die Personen haben sich durchgebissen.

      Allerdings verbreitete keine(r) eine solch negative Aura wie Sie in Ihren Kommentaren.

  35. Also: Problem scheint zu bestehen. OK. Aber.........
    …… in meiner Großfamilie (16 Enkelkinder in den jungen Jahren nach dem abgeschlossenen Studium) hat niemand berufliche Sorgen. Alle haben Jobs mit allen Ansprüchen und Vorteilen, wechseln die Firmen, gehen ins Ausland und kehren zurück, werden befördert und bauen sich und ihr Leben erfolgreich auf. Ärzte, Lehrer für Sprachen, Berufliches und Reales.
    Jetzt fällt mir beim Überfliegen dieses Artikels auf, dass immer nur von “Qualifikationen”, Studien, Abschlüssen, Bildung und Akademischem geschrieben wird.
    Was sind das denn für Qualifikationen? Könnte es sein, dass hier die Studien gewählt wurden, die dem Wohlfühl- oder Sozialfeld nahe sind und wo evtl. kein realer Blick für das echte Leben da war und so mehr auf die eigenen Bedürfnisse an ein interessantes Studium Wert gelegt wurde als auf das, was im wahren Leben benötigt wird?

    Ich habe da so meine Zweifel ob da nicht viel Sozial-Journalismus bestimmter Kreise im Spiel ist!

    • Titel eingeben
      …tja, Jacob, ich habe keine Geisteswissenschaften studiert, aber erinnere, daß die alten Griechen die Sklaven, aber auch die griechischen Handwerker (ok, sind auch Griechen…) das wahre Leben haben organisieren lassen. So meinen Sie dies doch wohl? Die alten Griechen (ohne oben genannte Ausnahmen, also auch die griechischen Handwerker/Proleten) haben sich lieber dem Wohlfühl- und Sozialfeld hingegeben, also am Tempel gelustwandelt, geistreich philosophiert, den Sophisten zugehört und diese dann beschimpft (oder verprügelt), Studien, Kunst/Literatur (Theater!) betrieben…
      Ich hoffe, daß Ihre Nachkommen, von diesen Wohlfühl-/-Sozialfeldern etwas mitbekommen (ok, vielleicht eher nicht als “Kunde” eines Psychotherapeuten, wenn man den nicht zu den Ärzten zählen sollte, was aber auch schwer ist), denn das macht doch einen Menschen (auch) aus…
      Den Lehrern für Sprache unter Ihren Nachkommen richten Sie bitte aus, daß sie sich ja nicht auf das Wohlfühl-/Sozialfeld einlassen sollen, welche sie unter Umständen in deren Berufsausübung bedroht.

    • Sorry< Otto... mir erschließt sich der Sinn Ihrer Einlassung nicht.
      Ich verstehe nicht, was Sie in meinen Beitrag hineininterpretieren möchten, wenn Sie schreiben: “So meinen Sie dies doch wohl?”
      Das was “einen Menschen ausmacht” ist uns allen s e h r bewußt und täglich präsent. Gerade in den Kombinationen unserer Arbeiten mit dem Anspruch an das eigene Leben und das der Mitmenschen.
      Vielleicht liegt hier in diesem “Vermögen” der Unterschied, auch zu Ihrer Einstellung?

  36. Habe ich nicht aufgepasst oder...
    …habe ich überlesen, welchen Beruf sie hat? Tja, so hart es ist, aber man sollte sich nicht nur auf ein begrenztes Gebiet beschränken. Dann muss man eben woanders hin. Ich kann das Gejammer nicht verstehen. Aber man sollte den jungen Leuten vielleicht nicht ständig erzählen, dass sie es ja soviel besser hätten.

  37. Immer einen Job?
    “Notfalls findet man immer irgendetwas. Im schlimmsten Fall putzt man vielleicht Klos, kontrolliert Fahrgäste oder spricht an der U-Bahnstation Passanten an, verteilt Flyer und bewirbt gegen Bezahlung Mitgliedschaften. Meist frage ich mich nur, wie mir diese Tätigkeiten bei meinem beruflichen Aufstieg weiterhelfen sollen.”
    >
    Das nennen sie Job? Das ist Arbeit verrichten, aber kein Job. Job ist dass dem arbeitenden Menschen dienende Arbeiten, zur Erfüllung seiner Menschenwürde. Das leitet sich aus §1GG und §2GG ab.
    >
    Dann doch wieder Berthold Brecht: “Erst kommt das Fressen(bzw. das Geld), dann die Moral.”
    >
    Die aktuelle Gesellschaftsform dieser Republik ist schon lange Grundgesetzwidrig. Aber da wo kein Ankläger, da auch kein Angeklagter.
    >

  38. Altes Problem
    Mir ging das 1973 auch schon so mit einem Dipl. Pol. aus Berlin und 200 auf dem Arbeitsamt gemeldete andere Dipl. Pol.. Ich wollte selber eigentlich immer nur Lkw- Schlosser werden, mit Abitur ging das nicht mit Dipl erst recht nicht. Danach hatte ich eine kurze Karriere als stud. und wiss. Hilfskraft an der WWU Münster mit allen den schon damals üblichen Zutaten: “Tangenti” an die Vermittler und unentgeltliche Zusatzarbeiten in den Semesterferien. Ich habe dann über die Regelung im Berufsbildungsgesetz, nämlich mit der doppelten Lehrzeit als Berufstätigkeit ist es erlaubt, die Prüfung im Wege der Nachschulung den Facharbeiter abzulegen. Das war 1979 und 1986 folgte der Meister. Ein sozialwissenschaftliches Studium sollte heute niemand anfangen, der nicht vorher eine solide Berufsausbildung gemacht hat. Die Surplus- Population in den “departments of arts”, wie diese Wissenschaften bei den Angelsachsen heißen, produziert nur die Situation, die Gerhard Schröder(den ich sonst für einen graußlichen Vertreter des diskreten Charmes der Bourgeoisie halte) so beschrieb: “Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare schneiden.” Wir könnten uns derzeit vermutlich gegenseitig psychoanalytisch und soziologisch einschätzen und da alles anproblematisieren. In der Zwischenzeit haben uns die herrschenden Verhältnisse bis auf einen Rest die sozialen Errungenschaften der 50er und 60er Jahre zusammengefaltet und der durchschnittliche Arbeitnehmer wird schon bei Lohn, Betriebsrente, gesetzliche Rente still und leise enteignet. Was ich den heutigen Sozialwissenschaftler vorwerfe, ist, dass sie jammern, dass sie alle nicht mehr mit Kusshand in BAT 2A eingestuft werden, sondern niemand ihre Arbeitskraft nachfragt. Genau so, wie wir zu viele Juristen, Betriebswirte und MBA herumlaufen haben. O.k.: die werden noch als Dummschwätzer in Industrie und Verwaltung gebraucht.

  39. Die kranke Gesellschaft
    Ich habe nun so einige Kommentare durchgelesen, mit einer breiten Resonanz zwischen Fatalismus und unbegründeter Hoffnung. Was mich allerdings betrübt, sind die darin geäusserten beschränkten Weltanschauungen. Sie entsprechen der geistig kulturellen Erziehung in diesem Lande. Keiner kann aus seiner Haut, insbesondere wenn ihm nicht anerzogen wurde sich zu häuten. Es ist der Geist von Konformismus und tiefer Abneigung gegen jeden gelebten Widerspruch in der geistig kulturellen Tradition der deutschen Gesellschaft der letzten 40 Jahre, mit geschichtlichen Wurzeln im preussischen Kaiserreich. Das Wort “sich Wehren” ist dabei regelrecht verpönt und negativ besetzt worden. Eine Gesellschaft ohne eine geschichtliche Tradition des sich Wehrens wird sich auch nicht wehren. Wie es auch anders geht könnten wir von unseren europäischen Nachbarn über dem Rhein lernen. Da greifen aber dann wieder tief verwurzelte Resentiments. Eine Gesellschaft ohne politische und soziale Visionen, welche aus dieser geistigen Gleichgültigkeit und dem Konformismus in der Erziehung der jungen Generation entstanden ist. All diese negativen Erscheinung in der Arbeitswelt wie auch im Rest der Gesellschaft sind nur ein Ausdruck dieses Versagens in der Erziehung demokratisch mündiger Bürger. Und das schlimme daran, das war so gewollt, von den Erziehungsexponenten dieser Republik. Dabei hätten gerade wir Deutschen doch aus den schlimmen Erfahrungen zweier Diktaturen auf deutschem Boden lernen können wohin gesellschaftlicher Konformismus und geistige Gleichgültig führen können. Ein kleines Aufflackern eines revolutionären Geistes von den ’68, dann war Schluss. Erzogen in einer Zeit des materiellen Überflusses hat diese junge Generation auch nie den Drang verspürt sich gegen irgend etwas aufzulehnen oder aufzubegehren. Wobei ich mit junger Generation jene ab ’55 geborenen Bezeichnen würde.

    • Titel eingeben
      …auch salbungsvolle (teilweise zutreffende) Worte/Ansichten, ersetzen nicht den Blick für Zusammenhänge (und/oder historische Kenntnisse). Solange Leute wie Sie die DDR mit einer faschistischen Diktatur gleichsetzen, bleiben Ausführungen über geschichtliche Wurzeln im Kaiserreich, französischen Stil, Konformismus etc wertlos. Der Antikommunismus (auch) der 68er (zu denen Sie sich vermutlich zählen) hat nichts mit Revolution zu tun. Es sei denn, bei Ihnen ist eine Revolution etwas, was die Eigentumsordnung (an Produktionsmitteln) nicht antastet.
      Sehe ich mir die Gefolgschaft eines 68er Außenministers an, dessen Lehre aus zumindest einer deutschen Diktatur darin besteht, Jugoslawien wieder bombardieren zu lassen (sich selbst einen Helm aufzusetzen, womit kein Motorradhelm gemeint ist, hat dieser Typ, da wette ich, nicht die Chuzpe, den Arsch schon), ist Ihre Selbstgefälligkeit recht putzig.
      Wozu 68er fähig sind, haben diese also auch gezeigt, obwohl sie bessere Jobs (und nicht nur Chancen darauf) hatten.
      Gehört nicht zum Thema? Doch…

  40. Wie war das noch gleich:
    “Lieber schlecht bezahlte Arbeit als keine Arbeit” + “Sozial ist was Arbeit schafft” = Sozial ist schlecht bezahlte Arbeit ;-)))
    Leute: Lasst Euch nicht verschaukeln. Es ist alles im Überfluß vorhanden: Wir werfen mal eben 2.000.000 Autos weg wenn es uns beliebt und 30-40% der Lebensmittel landen auf dem Müll. … und für die Energie für die Produktion dieses Überflußes betreiben wir obendrein noch Atomkraftwerke! Natürlich ist Arbeit knapp wenn alles im Überfluß vorhanden ist! … und das ist auch gut so! Soll denn etwa noch mehr Überfluss produziert werden?… . Kurz: No Panic! Einfach locker machen und die Seele baumeln lassen. … und, dass kein gescheiter Lohn bezahlt wird ist einfach dem Umstand zu verdanken, dass Geld nur via Kredit entsteht. Deswegen ist es wichtig, dass der Lohnsklave sich verschuldet! Immer daran denken: Wenn alle ihre Schulden zurückzahlen, dann gibt es kein Geld mehr! Deswegen muss der Lohn unten gehalten werden! Andererseits: Man kann auch ausscheeren. Ich sage dem Jobcenter einfach das ich nicht arbeiten will weil ich die derzeitige Überflusswirtschaft als Verbrechen an der Umwelt und den Lebensoptionen zukünftiger Generationen empfinde … und schwupp werden mir seit nunmehr acht Jahren monatlich 730,- Euro überwiesen + Krankenversicherung + GEZ + Härtefall beim Arzt (keine Zuzahlung). Es kommen zwar immer mal wieder bissige Kommentare seitens der “Jobcoachs” wie: “Sie müssen wollen” oder “Der Wille ist Bedingung!” oder “Sie dürfen wollen was Sie wollen aber wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie!” aber die verpuffen letztendlich im ‘Nirwana: Zwangsarbeit gibt es in Deutschland zum Glück noch nicht! Grüße von der Hartz-IV-Fromt!

    • Bingo !
      Bei einem Versuch in DE hab ich mal kurz dasselbe versucht und gesehen, dass es geht.
      Leider sind aaber die beiden grossen Antriebskräfte der überwältigenden Mehrheit der Menschen: Dummheit und Angst.

      Man will konsumieren und zwar nicht nur zum Hartz4 Satz!
      Und man kann sich nicht von der albernen Vorstellung einer gerechten Welt trennen in der “Leistung” sich doch letztendlich lohnen müsste.
      Die Autorin hat das alles, wenn auch unbeabsichtigt, voll bestätigt.

      Wir sind auf der Welt um unser Leben zu geniessen. Jeder der da anderer Meinung sein will, dem sei das frei gestellt. No problem!

    • Hut ab!
      Das ziehen Sie seit 8 Jahren durch?

      Aber aufgepasst, der Bundesrechnungshof hat moniert,
      dass für Langzeitarbeitslose zuwenig getan wird.
      Nur die leichten Fälle werden vermittelt, zwegens der Statistik.

      Die Betreuung muss verbessert werden – und viele Hunde
      sind des Hasen Tod.

    • Irrtum....
      Sie vergessen, dass es keine Arbeitsplätze gibt die kostenmässig mit denen in zB Malaysia konkurrieren können.
      Dazu kommt, dass, je grösser das Heer der Arbeiotslosen ist, desto grösser auch die Möglichkeit die zu bezahlenden Löhne hier zu drücken.
      Aber was solls. Ein Volk das zu dumm ist sich eine Regierung zu wählen, die einen Mindestlohn durchsetzt, das verdient es nicht anders.

      Ergo: Auswandern!

  41. Mein Tipp
    Zieh um in den Süden. Ganz ernsthaft. Hier wird überall gesucht, von den Arbeitgebern. Kenne etliche kleine Firmen, die keine Mitarbeiter finden, auch Fachfremde nehmen und selbst umschulen würden. Du bist am falschen Ort. Komm in den Süden, bekomm festen Tritt unter die Füße und kehre dann später (wenn du dann noch willst) mit ganz anderen Vorzeichen nach Berlin zurück.

  42. Wie war das noch gleich:
    “Lieber schlecht bezahlte Arbeit als keine Arbeit” + “Sozial ist was Arbeit schafft” = Sozial ist schlecht bezahlte Arbeit ;-)))
    Leute: Lasst Euch nicht verschaukeln. Es ist alles im Überfluß vorhanden: Wir werfen mal eben 2.000.000 vol funktionsfähige Autos weg wenn es uns beliebt und 30-40% der Lebensmittel landen auf dem Müll. … und für die Energie für die Produktion dieses Überflußes betreiben wir obendrein noch Atomkraftwerke! Natürlich ist Arbeit knapp wenn alles im Überfluß vorhanden ist! … und das ist auch gut so! Soll denn etwa noch mehr Überfluss produziert werden?… . Kurz: No Panic! Einfach locker machen und die Seele baumeln lassen. … und, dass kein gescheiter Lohn bezahlt wird ist einfach dem Umstand zu verdanken, dass Geld nur via Kredit entsteht. Deswegen ist es wichtig, dass der Lohnsklave sich verschuldet! Immer daran denken: Wenn alle ihre Schulden zurückzahlen, dann gibt es kein Geld mehr! Das darf nicht passieren! Deswegen muss der Lohn unten gehalten werden! Andererseits: Man kann auch ausscheeren. Ich sage dem Jobcenter einfach das ich nicht arbeiten will weil ich die derzeitige Überflusswirtschaft als Verbrechen an der Umwelt und den Lebensoptionen zukünftiger Generationen empfinde … und schwupp werden mir seit nunmehr acht Jahren monatlich 730,- Euro überwiesen + Krankenversicherung + GEZ + Härtefall beim Arzt (keine Zuzahlung). Es kommen zwar immer mal wieder bissige Kommentare seitens der “Jobcoachs” wie: “Sie müssen wollen” oder “Der Wille ist Bedingung!” oder “Sie dürfen wollen was Sie wollen aber wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie!” aber die verpuffen letztendlich im ‘Nirwana: Zwangsarbeit gibt es in Deutschland zum Glück noch nicht! Grüße von der Hartz-IV-Fromt!

    • Titel eingeben
      Reinhard, Sie Schlingel. Ich stimme Ihnen in weitgehend zu. Aber: Weil Sie bisher Glück mit Ihrem “Jobcoach” hatten, heißt das nicht, daß nicht doch Zwangsarbeit existiert…
      Alles Gute weiterhin, vor allem, sich (wie offenbar bisher) Ihres Verstandes zu bedienen.

    • "Ich sage dem Jobcenter einfach das ich nicht arbeiten will ..."
      Und ich sage Ihnen einfach, dass ich Menschen wie Ihnen jeden rassistischen Deppen mit dem IQ eines toten Schweines und dem Interessenhorizont von RTL II bei weitem vorziehe, selbst wenn er nur Strassenkehrer ist.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Das ist wahr...
      das Problem der Reaktionäre war schon immer, dass nicht alle anderen Dummköpfe sind und alles mit sich lassen machen. Sie scheinen das für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit zu halten?

      Das Verhalten des Foristen ist das einzig menschenwürdige einem solchen Staat gegenüber. JEDER sollte genau dasselbe tun, der es schafft!

  43. Unsicherheit rausnehmen - die Regeln des Marktes:
    http://www.ingenieur.de/Arbeit-Beruf/Heiko-Mell

    man kann sie aber auch ignorieren und weiterhin in Berlin wohnen bleiben.

  44. es ist etwas faule im staate dänemark...
    das problem ist die arbeit. wurde sie in anderer zeit anders gelöst? ohne, das einem das das ganze leben weggenommen hätte? ist die lösung also die verbindung von arbeit und freizeit? so eine art: eigener chef sein?
    diejenigen deren privates glück “aktiv” ist, sei gesagt, die gesellschaft ist nur deswegen so feindseliger stimmung, da sie übermüdet ist, weil sie, eine sehr großer teil von ihnen morgens um sechs uhr aufstehen muß.
    Anderen rate ich, gewisse störfaktoren, die ihnen mißgünstig auffallen einfach anzupacken, es als eine art experiment auffassen – der verlust einer peinlichkeit ist zu verkraften, sage ich als künstler – ich möchte noch eines sagen – es ist sicherlich falsch anzunehmen das man mit 67jahren noch so aktiv sein wird und körperlich gesund, all die lebensjahre aufgespartes nachzuleben, deshalb sollte man sich was auf die seite legen, eine wenig “belesen” in der börse anlegen, um dann in den frühzeitigen lebens-miitel-punkt zu gehen.

  45. Die andere Seite
    Und tatsächlich werden Rentner ab 2014 (wie ich) 450€ Jobs suchen wie doll.
    Und uns schämen müssen, wenn wir auch da wieder in Konkurrenz gehen (müssen) mit den jungen Leuten.

  46. In Deutschland geht sowiso nix mehr!
    Froh bin ich das ich 4 Fremdsprachen fliesend spreche. Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Denn im Ausland werde ich als Kaufmann im Einzelhandel mit Berufserfahrung als Rezeptionnist, Kaufmann im Einzelhandel usw. schnell eingestellt. Hier mögen die mich, als zuverlässigen Deutschen. Ich hatte zwar Fachabi in Deu. nachgeholt um bessere Berufschancen zu haben oder um zu studieren. Aber inDeutschland nehmen die mich im Hotel nicht da ich die Ausbildung dazu bicht hab. Das ich jahrelang an der Rezeption gearbeitet habe, in Frankreich, Barcelona und jetzt Mallorca, interressiert hier nicht. Es wird auf das Papier der Ausbildung werd gelegt. Als Kaufmann im EH werd ich auch nicht genommen da ich schon seit 2009 raus bin. Einen Pupsjob im Call Center kann ich mir auch im warmen Barcelona oder kulturträchtigen Paris suchen. Oder in Dubai, wo man nur Englisch braucht. In Frankreich verdiene ich sowiso an der Rezeption mehr als in Deu., musste viel weniger Überstunden machen und hab das belle vie in Fr. genossen.

    Und wenn ich mal in Deutschland arbeite fragen mich die Kollegen was ich überhaupt hier machen würde, wo ich doch so viele Fremdsprachen spreche. Ich würde mich doch unter Wert verkaufen. Recht hatten sie schon. Als ich dann nach x Bewerbungen merkte, dass die Jobs in Deutschland ehr schlechter sind als die im Ausland sagte ich, au revoir, adios. Hätte ich meine Fremdsprachen nicht, ginge es mir wie meinen Kumpels: haben Abi, Ausbildung, jeder seine Erfahrung. Aber den Anständigen Job den Mammimund Pappi sich für Sohnemann oder Töchterchen wünschten bleibt aus. Und es kommt zu Streit in den Familien. Junge, du hast Abi, ne Ausbildung, Erfahrung, wo hängts? Sagte meine Opa auch neulich beim Bier zu mir. Ne Bewerbung musste er im Osten sowiso nicht schreiben. Die Wessis vielleicht ein paar. So in den 60,70, 80 er Jahren hat jeder Depp nen Job gefunden. Heute als Oberaffe mit Ausbildungen, Qualifikationen, Sprachen und haste nich gesehen bring alles nix mehr. Ein Kumpel von mir ist depressiv, findet keinen Job, trotz Ausbildung und Abi. Er wird demnächst zum Psychologen gehen. Als er vor ca. 2 Monaten anrief waren alle Termine belegt. Aber er wird schon einen kriegen. Oder vielleicht muss er sich ja dafür bewerben? Zur Wohnungsbesichtigung in begehrten Städten in Deu. muss man das ja um sich durchzusetzen, so ne Top Bewerbung kann da ( vielleicht noch) helfen. Bei mir auf Mallorca hab ich auch ne Wohnung suchen müssen. Da hing so ein klappriges Schildnmit Nr. das jemand Apartements vermietet. Ichnrief an und die hatten ne wunderschöne Einzimmerwohnung für mich. Bad mit Fenster, getrenntes Schlafzimmer und Küche/ Wohnraum in einem. Kostet weniger als in Frankfurt, nur 450€ Euro. Wasser und Müll zahl ich nicht. Strom ja, aber hier hab ich ja die Heizung noch nie anstellen müssen. Und, Fussweg zum Meer 300 Meter. Wenn hier die Saison vorbei ist geh ich wieder zurücknnach Frankreich. Da hab ich mich relativ selten beworben und 2011 nen Job im 5 Sterne Hotel gefunden. Mal sehen was dieses mal geht…sicherlich , mehr als in Deutschland. Sorry für die Rechtschreibefehler, bin etwas raus aus dem Deutschen. Das war der Bericht der Jobnomade. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

    • "Froh bin ich das ich 4 Fremdsprachen fliesend spreche."
      Das ist genau unser Problem. Alles hopplahopp machen, in vier Sprachen, mit vier Telefonhörern am Ohr irgendeinen Fusel ohne Punkt und Komma absondern, und das wird dann auch noch honoriert. Schon am Turm von Babel hat sich aber gezeigt, wohin das am Ende führt. Wenn die depperte Wirtschaft und ihre Personaler nicht endlich aus ihrem Lebenslauf/Jugendwahn/Creditpoints/Leistungseliten-Karussell heraussteigen, fliegt uns die schöne alte BRD irgendwann kräftig um die Ohren. Denn, mal Hand aufs Herz, wovon leben wir Deutsche denn? Doch nicht vom Daherlabern, sondern wir zehren immer noch von den verschrobenen, stummen und so überhaupt nicht telegenen Tüftlern aus dem 19. Jahrhundert wie Benz und Otto.

    • Antwort auf Alonso
      Hätten Sie meinen Text richtig gelesen könnten Sie daraus ersehen das ich langjährige berufliche Erfahrung imHotel vorzuweisen habe und nicht ein paar Monate in einem Call Canter gearbeitet habe. Ich habe es probiert,als Übergang um was besseres zu finden, warum nicht? Besser als arbeitssuchend. Um es nochmal für Sie zu verdeutlichen: wenn irgend ein Deutscher, vielleicht ein Haupt oder Realschüler, keine Arbeit inDeutschland findet empfehle ich diesem lieber ins warme Barcelona , nach Paris oder Dubai zu gehen. Wenn diese Person Englisch spricht hat sie dort wenigstens eine möglichkeit einen Job zu finden anstatt hier in Deutschland Frust zuschieben. Die Landessprache wird nicht einmal benötigt, diese kann während des Arbeitens im z.b Call Center erlernnt werden. Dann sucht diese Person sich etwas besseres und hat mehr vorzuweisen als wenn sie in Deutschland geblieben wäre und nichts gefunden hätte.

  47. Warum nur nach nichtselbständiger Anstellung suchen?
    Natürlich ist es bequemer und sicherer, in einem Angestelltenverhältnis zu sein. Es bietet aber auch weniger Chancen. Warum denn so sklavisch auf einen Job als Arbeitnehmer fixiert sein, auch wenn er noch so schlecht bezahlt und unbefriedigend langweilig ist? Jeder kann in Deutschland sein eigenes Unternehmen gründen, eigene Ideen verwirklichen, sich selbständig am Markt behaupten. Und dann kann man sogar Mitarbeiter anstellen und so gut bezahlen, wie man es heute selber erwartet von Unternehmern.

  48. Einfache Ansicht
    Bevor jetzt jemand den Lachanfall bekommt: für mich ist ein wesentliches Indiz für den Niedergang des deutschen Bildungswesens, vor allem seiner technischen Seite, die Einstellung der Produktion des Märklin Stabilbaukastens. Mit dem habe ich noch gelernt. Und Weihnachten gab es den Nachrüstkasten. Was Last x Lastarm gleich Kraft x Kraftarm ist, wussten wir als Sechsjährige schon, wie man Achsschenkellenkungen baut (waren im Märklin- Handbuch alle unbrauchbar) oder Kranausleger mit Gegengewichten. War klasse. Dagegen war die Märklin- Eisenbahn eine intellektuelle Unterforderung. Heute werden solche technischen Geschichten von Lego als prefab- Kunststoff- Dödel für teuer Geld angeboten. Das machten wir vor 50 Jahren alles selber. O.K.: die Fraktion der Trix- Baukästen hatte mehr Varianten wegen der besseren Bohrbilder. Insofern: Dschörmänie wandelt sich vom Technik- Standort zur Gender- Mainstreaming- Hochburg. Denn die Butter beim Aldi kommt per email und das biologisch- dynamische Wasser vom Lidl per SMS. Oder so ähnlich.

  49. Systemfehler
    Ich denke mir, dass das Problem am System selbst liegt. Als mein Vater zur Schule ging, war es normal nach der Hauptschule eine Lehre zu machen, und Realschulabschluss war schon was besseres. Abiturienten gab es nur ein paar Duzend im Block und Studiengaenge war etwas fuer Begabte. Und da ist wohl auch schon der Grund fuer den Systemfehler. Man kann heute studieren ohne ueberdurchschnittlich zu sein. Und deshalb gibt es zu einfach zu viele Akademiker, von welchen dann auch noch eine Grosszahl Qualifikationen hat, die in der Wirtschaft nicht gefragt sind.
    Neben einer Kleinzahl von Forschern und Entwicklern braucht eine Exportwirtschaft wie die deutsche in erster Linie Fachkraefte welche in der Produktion arbeite. ALLES andere haengt dann ausschliesslich von den Beduerfnissen dieser Fachkraefte und Ihrer jeweiligen Arbeitsgeber ab. Alle anderen Teile der Wirtschaft, mit anderen Worten, sind die Infrastruktur die die Produktion der Exporte ermoeglichen. Teil dessen sind Bildung, Bauwesen, Transport, Finanzen, und indirekt auch Unterhaltung und Medien. Akademiker die nicht in Produktion, Forschung oder Entwicklung taetig sind, sind demnach eine Art Luxusgut auf das die Wirtschaft eigentlich verzichten kann. Rein wirtschaftlich gesehen, versteht sich.

    Da aber Bildung selbst auch ein gutes Geschaeft ist, und Hochschulen oftmals wichtige Beitraeg zur Forschung und Wissenschaft leisten, werden immer mehr Schueler dazu bewegt immer exotischere Studiengaenge zu machen um dann der Gesellschaft in immer neuen Feldern dienen zu koennen. Die Wirtschaft fragt aber niemand.

    Die Akademiker die wirklich gut in ihrem Fach sind, sollten sich Sprachwissen aneignen und dann im Ausland nach Stellen suchen. Vor allem Universitaeten in Asien und Afrika.

    • Systemfehler/24.06.2013/01.54 Uhr
      @Robert dCZ. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Niemand braucht einen intellektuellen Wasserkopf.

  50. "Studier, was Dir Spass macht ..."
    Wie häufig habe ich mir diesen Spruch anhören müssen. Als ich vor der Frage stand, was ich studieren wollte, stand Kunst und Informatik auf dem Zettel. Kunst hätte mir bestimmt besser gefallen, aber ich war der Ansicht, dass ich nicht gut genug sein würde, um damit am Ende Geld zu verdienen. Also ist es Informatik geworden.

    Heute versuche ich den Kindern aus meiner Verwandschaft zu vermitteln, dass sie ein Fach wählen sollen, mit dem man eine halbwegs brauchbare Chance hat, Geld zu verdienen. Was nützt es, wenn man einen Einser-Abschluss in Geodäsie hat oder in Ökotrophologie? Für die wenigen Stellen in Unternehmen trudeln z. T. über hundert Bewerbungen ein und am Ende ist es eine befristete Stelle mit mittelprächtiger Bezahlung. Warum sollte der Arbeitgeber auch vernünftig bezahlen? Die Konkurrenz zahlt ja auch weniger und erhält am Ende einen Kostenvorteil gegenüber der vernünftig-zahlenden Konkurrenz.

    Als Nebenfach habe ich mir den Luxus gegönnt, Politikwissenschaft zu lernen. Das hat Spass gemacht, war aber im Lebenslauf nur ein netter Lacher. (“Das können Sie doch auch abends machen.”) Richtig bitter wird es, die Geschichten über Bewerbungen derer zu hören, die das als Hauptfach gemacht haben. Nach meinem Studium wurde ich von einer gefragt, ob ich mich nur in Deutschland oder direkt in ganz Europa bewerbe. Ich habe mich nur in meiner Stadt beworben und nach einem Monat hatte ich eine feste, unbefristete Stelle, die ich aus drei Vertragsangeboten wählen konnte. Das Unternhemen hat mir pauschal € 2.000,00 bezahlt, nur weil ich bei ihnen angefangen habe.

    Daher mein Rat an diejenigen, die über ein Studium nachdenken: Macht Euch schlau über die Jobaussichten. Welche Unternehmen gibt es, wie viele Bewerber pro Stelle gibt es üblicherweise und wie sehen die Stellen aus? Bezieht diese Informationen in Eure Studienwahl ein. Ein Studienabschluss in einem Fach mit gruseligen Jobaussichten kann die Zukunft nachhaltig verbauen.

    In diesem Sinne: Alles Gute :)

    • Titel eingeben
      Ich bin noch immer der Ansicht, daß ein Studium nicht mit einer einfachen Ausbildung gleichgesetzt werden kann. Auch wenn heute immer viel Wert darauf gelegt wird, daß das Studium die Inhalte vermittelt, die ein Arbeitgeber gerne möchte: sollte ein Studium nicht in erster Linie den Geist bilden? Wir erklären unseren Studenten (und deren Eltern) natürlich auch, weshalb unsere Studiengänge für die Industrie von Interesse sind, aber eigentlich wollen wir den Studenten in den drei oder vier Jahren, die sie hier sind, die Möglichkeit bieten, sich in diesen Jahren weiterzuentwickeln und Erfahrungen zu sammeln, und nicht einfach nur eine erweitere Form der Lehre anzubieten.

      Ich empfehle zukünftigen Studenten, das zu studieren, was sie interessiert (was möglicherweise etwas anderes ist als das, was Spaß macht) – ein Studium, das man selbst langweilig findet, bringt nicht viel. Man sollte sich dabei durchaus überlegen, daß die Berufsaussichten bei einem solchen Studium schlechter (oder anders) sind als bei anderen, und daß man sich in Zukunft mehr anstrengen muß – aber ich halte es dennoch für den besseren Weg.

  51. Eigenverantwortung mal von der anderen Seite....
    Zunächst mal Dank an Don dafür, dass er diesen Einblick ins richtige Leben ermöglicht. Berichte ähnlicher Art in deutschen Medien betreffen ja prinzipiell nur ausländische Zustände. Dort ist alles schlimm, in DE ist es schon fast gut, auf jeden Fall aber besser.
    Natürlich wusste ich, des es zahlreiche Jessica Miriams geben muss, allein ich konnte es mir nicht vorstellen, kennen auchn nuiemand der so lebt und habe es deshalb auch nicht wirklich geglaubt.
    Richtig verstehen kann ich es zugegebenermassen auch nach dem Lesen dieses Aufsatzes nicht… wie kann man den Sinn seines Lebens darin sehen, Teil einer Gesellschaft zu werden, die solche Bedingungen offeriert?
    Ich gehöre der 68er Generation an, also jenen die für irgendwelche wesentlich unbedeutenderen Zumutungen bereits ein kompromissloses „Nein“ hatten, und sich bei solchen Offerten mit vollem Risiko einfach umdrehten und sich lauthals lachend einfach verweigerten. Natürlich war auch der Grossteil jener Generation nichts anderes als mittlemässiges, zur Abwechslung mal linkes Spiessertum, und man kann die perverse Metamorphose der Protagonisten von damals ja heute in SPD und Grünen Politiker-Darstellern sehen, und sich dann kopfschüttelnd an Herbert Wehner oder Willy Brand erinnern. Es ist wahr. Mit unserem Verhalten haben wir eine Entwicklung eingeleitet die sich auch heute noch von Höhepunkt zu Höhepunkt steigert. Die Masse jener, die ich zwar unhöflich und politisch unkorrekt, aber leider wahrheitsgemäss gerne als „die Blöden“ und „den Urnenpöbel“ bezeichne, begann als Antwort auf uns, sich in den 80ern hinter einem ihrer primitiven Prototypen zu versammeln, und siehe da, sie waren die grosse Mehrheit, ein absurd lächerlicher Spiesser aus Oggersheim ihr Idol und 16 Jahre ihr Kanzler. (Meiner nicht, cih lebte schon damals am Strand)
    Auf den rechten folgte der linke Spiesser, ein tumber Emporkömmling der uns heute Putin als Demokraten ans Herz legt. Natürlich ist Putin keinen Deut schlimmer als die Obamas oder Merkels, aber ein Demokrat ist er sicher nicht, bzw genauso wenig wie diese beiden.
    Man muss akzeptieren, dass wir halt in einer Demokratie leben und, dass Demokratie nun mal genau so aussieht. Mehrheit! Das zählt, sonst nichts…
    Natürlich kann man bei Colin Crouch nachlesen warum dies natürlich nur eine „Post-Demokratie“ ist, aber ist es wirklich sinnvoll immer wieder irgend welche Ausreden gelten zu lassen? Ja, die Medien sind in den Händen der Merkel Freundinnen Friede Springer und Liz Mohn, aber ohne die unsägliche Dummheit der Masse wären alle drei machtlos. Du schreibst ja selber auch: „Ich lese in der Zeitung, dass meine Generation immer höhere Erwartungen an ihren Beruf stellt“, ohne zu hinterfragen, warum dies möglich ist….
    Wie auch Don vor ein paar Wochen schon schrieb, kann man sich zwar darüber wundern, warum die Bürger jedes Mal aufs Neue gegen ihre eigenen Interessen wählen, aber was bringt das? Lässt sich daran etwas ändern?
    Sogar diese Frage ist dumm….…

    Ja, Jessica, Deine Realität erfüllt mich mit Grauen, und ich freue mich des Öfteren früher aufgewachsen zu sein…. aber warum akzeptierst Du das alles? Warum unterwirft sich Deine Generation diesen widerlichen, vorgegebenen Spielregeln der 1% Gesellschaft? In Deinem Aufsatz habe ich letztlich nichts anderes kesen können als dass auch Du gerne eine Karriere hättest, die auch Dir gestattet „qualitativ höher zu konsumieren“.
    Du bist bei Facebook und hast ein iPhone, Einrichtungen mit denen Du und Deinesgleichen sich zwar permanent gegenseitig bestätigen wie schlimm alles sei und dass Andere an eurer Misere Schuld sind, aber trotzdem tut ihr brav alles um genau diese Zustände am Laufen zu halten. In einem Artikel zum Glasperlenspiel bezeichnet der Autor dies in der FAZ gerade treffend als „Weltrevolution der plappernden Ich-auch-Selbstvergewisserung durch das Internet 2.0“.

    Man muss sich entscheiden auf welcher Seite man steht. Wer „drinnen“ lebt, der bekommt genau das, was er/sie verdient, Dein Bericht erzählt halt wie das Leben „drinnen“ heutzutage aussieht.
    Wie kann man sich selber nur so gering schätzen, sich solchen Zuständen und Bedingungen zu unterwerfen? Kannst Du mir das erklären?

    • Ich denke es ist
      wie Adorno sagt: Den Underdog zu glorifizieren, heißt die Gesellschaft, die diesen produziert zu glorifizieren, da sich die beiden bedingen. Jemand, der sich wie Sie konsequent abwendet ist kein Underdog mehr, sondern etwas vollkommen Neues, da der Underdog ohne die Gesellschaft nicht denkbar ist. Die Widersprüche lösen sich auf.
      Der Underdog ist der, der darauf wartet irgendwann “aufzusteigen” um die leidige Rolle des gesellschaftlichen Bodensatzes aufzugeben, um zu denen zu gehören, die herunterschauen können. Das ist nicht wirklich spannend.

      Vielen Dank Don, dass Sie hier diese Diskussion ermöglichen und die andere Perspektive darstellen.

    • Bravo!
      “Wie kann man sich selber nur so gering schätzen, sich solchen Zuständen und Bedingungen zu unterwerfen?” Gernau so ist es!

      Wer von früher Kindheit an in der Schule und von ehrgeizigen Eltern dazu gebracht wird, sich nur über Leistung zu definieren und dann Angst vor “Lücken im Lebenslauf” zu haben, wagt anscheinend später nicht mehr zu denken und zu fühlen, dass er etwas ganz anderes sein könnte, als nur ein neuer Konsum-Hamster im Rad.

      Woher kommt bloß so viel Lebensangst bei den Jungen?

  52. Berlin bleibt doch Berlin.
    Die deutsche Hauptstadt bietet nach wie vor nicht genügend Erwerbssubstanz für gut ausgebildete Menschen. Daran hat sich nie etwas geändert. Was sich dort seit dem Regierungsumzug herausgebildet hat, kann man in Kürze so beschreiben: Eine Beamtenschaft – viele von ihnen mit guten und sehr guten Besoldungsklassen – und eine “Digitale Bohème” der Selbstausbeuter. Dazu spielt die ewig klingende SPIEGEL Hype-Melodei vom wahnsinnig aufregenden und hippen Berlin. Sicher: es gibt auch ein paar Journalisten, die gerne mal aus Hamburg, München oder Köln einfliegen, um dem Unsinn, den sie übers perma-hippe Berlin verzapfen den Anstrich des “Authentischen” zu verpassen – die Semmel muss halt warm serviert werden.

    Substanz: sie fehlt dort. Ökonomisch ernstzunehmende Industriestrukturen und -unternehmen, die tatsächlich in der Lage wären, gut ausgebildeten Leuten eine echte Perspektive zu bieten. Statt dessen das Lied: Schaumschlägertum, unzuverlässiges “Wir-planen-ein-Projekt-Gewäsch”, das noch nicht einmal den Abend des selben Tages überdauert.

    Wer von den Guten dort ehrlich mit sich selbst sein will, sollte diesen dürren Ort verlassen. Die Welt ist groß, Berlin bleibt (vorerst) klein.

  53. Der Fehler liegt "im System"
    Wir sind eine krankhaft habgierige Konkurrenzgesellschaft geworden. Nicht wir die Einzelnen, sondern das System. Niemals in der modernen Zeit wurden Menschen so sehr als bloße “Geräte” betrachtet, niemals gab es so wenig Achtung für eine planbare Zukunft, für das Niederlassen in einer Region, einer Stadt, der Gründung einer Familie, einer gesicherten Existenz. Unter dem Begriff der “Flexibilität” verbirgt sich die maximale Ausbeutung des Menschen; “Neusprech” verhüllt die Verrohung der Arbeitswelt mit schön klingenden Worten.

    Die Wahrheit ist, dass wir in einer kranken, verrückt gewordenen Gesellschaft leben. Das Normale ist heute das Wahnsinnige, aber weil es so vielen so geht, glauben wir es müsse so sein. Es ist eine Realität die die Menschen krank macht. Für das natürliche Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit, Planbarkeit, Aufbau eines gesichterten, verwurzelten Lebens hat die neue Arbeitswelt keinen Raum mehr gelassen.

    • Wie hat das System das bloss geschafft, OHNE die Einzelnen
      eine krankhafte, habgierige Konkurrenzgesellschaft zu schaffen? So völlig ohne jeden einzelnen von uns? Unbemerkte Singularität?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  54. Hochqualifiziert
    Wieder und wieder wird erklärt , man (frau) sei hochqualifiziert und wolle in seinem Beruf arbeiten und wolle dafür anständig entlohnt werden. Leider wird dabei nicht erklärt, worin die hohe Qualifikation besteht und was mit Beruf gemeint ist.
    Ich stelle für die mir durch eigene Ausbildung und Tätigkeit bekannten Tätigkeitsfelder fest, dass die Hochschulen heute kaum berufsqualifizierte und wenig arbeitsbereite Menschen qualifizieren.
    Die Bachelorqualifizierten haben regelmäßig keine Vorstellungen von den Zusammenhängen ihrer Fächer mit der realen Welt. Sie haben wenig Vorstellung und Neigung, sich täglich (mindestens) acht Stunden produktiv in ein System einzubringen um einen ökonomischen Mehrwert zu erzeugen. Sie erkennen (Personal- und Einsatz-)Hierarchien nicht an und sind der Auffassung, die weitere Belegschaft habe nur auf sie gewartet und sie seien eine Offenbarung.
    Ganz unabhängig davon: dem Wahn, jeder und jedem einen (Hoch-Schul-)Abschluss verpassen zu müssen und dann seien Gesellschaft, Staat und Wirtschaft im Paradies angekommen, gibt man sich gerne hin. Dabei wird übersehen, dass weltweit weder die Dienstleistungs- noch die Wissens- noch die Staatsbeschäftigten-Gesellschaften gesund sind, sondern diejenigen mit ausreichend produktiven Industrien. Das heißt als (Aus-)Bildungsziel, mehr Gesellinnen, Gesellen, Facharbeiterinnen, Facharbeiter, Technikerinnen, Techniker: mehr Malocherinnen und Malocher als Diskutantinnen, Diskutanten, Klugscheißerinnen und Klugscheißer?!

    • Völlig korrekt.
      Sollte das deutsche Modell einmal scheitern, dann am Mangel an Handwerkern und Technikern, nicht am Mangel “kritikfähiger” akademischer Kaufleute, Juristen oder Marketingmenschen.

      Der Weg zum Scheitern beginnt allerdings schon damit, dass nur noch eine kleine Minderheit in Deutschland überhaupt das Problem begreift …

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      “Dabei wird übersehen, dass weltweit weder die Dienstleistungs- noch die Wissens- noch die Staatsbeschäftigten-Gesellschaften gesund sind, sondern diejenigen mit ausreichend produktiven Industrien.”
      Völlige Zustimmung, sehe ich genauso. Und nur aufs Im- und Exportieren verlassen kann man sich auch nicht. Industrie ist eine Geldverteilungsmethode – und solche Geldverteilungsstellen benötigen wir.

    • Herr Hoffman
      Nachdem ich Ihren Text nochmal durchgelesen habe, fühle ich mich plötzlich
      einige Hundert Jahre alt:
      “Die Bachelorqualifizierten haben regelmäßig keine Vorstellung von den
      Zusammenhängen ihrer Fächer mit der realen Welt …und sind der
      Auffassung die weitere Belegschaft habe nur auf sie gewartet und sie
      Seien eine Offenbarung.”
      Das haben sich die nicht selbst ausgedacht, das wurde ihnen eingetrichtert.
      Zusammenhänge mit der realen Welt zu erkennen ist nicht mehr erwünscht.

      Schlimmer kann man der Noch-Gegenwart nicht die ‘Kalte Schulter’ zeigen.

    • "Sollte das deutsche Modell einmal scheitern"
      “Sollte das deutsche Modell einmal scheitern…”, sie belieben zu scherzen. Sehen sie einen Weg wie sich das vermeiden lässt?

      Der Weg zum Scheitern, und da irren sie, der begann damit, dass der Teil der Gesellschaft, der nicht das Geringste produziert die höchsten Einkommen bezahlt. Ich spreche natürlich vom Finanzsektor.
      Da muss man sich nicht wundern, wenn jeder der nur ein wenig mehr als gar kein Hirn hat sich verar… vorkommt, wenn er für Peanuts arbeitet und diejenigen, die nichts tun als anderer Leute Geld Gassi zu führen sich Villen in der Karibik zulegen.
      Ihre Ideologische Verbohrtheit hindert sie ab und zu daran Banales zu erkennen.

    • Ich sehe mehr als einen Weg,
      und Ihre Analyse ist – mit Verlaub – kurzsichtig, unhistorisch und unvollständig. Eine Gesellschaft scheitert nicht durch einen Irrtum, der vielleicht 20 Jahre dauerte, gerade korrigiert wird und in dieser Zeit den falschen Leuten zuviel Spielgeld zur Verfügung stellte und sie für das Verspielen desselben auch noch belohnte.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  55. wieder mal alles in einen topf gewürfelt...
    zwei sehr unterschiedliche punkte werden hier einfach so vermengt. das eine ist die notwendige und sehr berechtigte kritik am “wert” des menschen und seiner arbeit in unserer heutigen gesellschaft. natürlich ist es ruinös und gesellschaftszerstörend, wenn immer mehr menschen nach unten durchgereicht werden, diese gesellschaft wird sich nicht mehr regenerieren, macht euch keine illusionen. kurzfristige ökonomische vorteile werden langfristige ziele und notwendigkeiten zerstören, bzw. es ist schon geschehen. das andere ist die absurde vorstellung vom “akademiker”, der auch der autor erlegen ist. also paar jahre in hochschulen und universitäten rumgehangen, paar scheine gemacht, paar dozenten gebauchpinselt, bisschen rumsemestert im ausland. und dann her mit der kohle? auweia… nun gerade unsere akademiker haben die “geistige” grundlage für den abwärtstrend in unserer gesellschaft geschaffen, also die ideologie der zwei- oder drei- oder vierklassengesellschaft in unserer gesellschaft implementiert. widerstand haben sie nicht geleistet, und nun werden sie gefressen, die “akademischen” prekarier. guten appetit!

  56. Keine klare Berufsvorstellung
    Mir kommt es so vor, als würden die meisten einfach mal drauflos studieren, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben, welchen Beruf sie später ausüben möchten. Dass dann so etwas dabei herauskommt, verwundert mich nicht.
    Wäre es nicht vernünftiger, zuerst einen Beruf zu wählen, den man später ausüben möchte und für den es auch Bedarf gibt und sich gezielt dafür ausbilden zu lassen?

    • Sagen Sie mal, lesen Sie eigentlich, bevor Sie kommentieren? “Der Autor” ist eine Autorin, und auch sonst habe ich nicht den Eindruck, als dass der Inhalt angekommen wäre.

    • Lesen & Schreiben...
      Kann es sein, daß Sie den richtigen Kommentar an den falschen Mann adressierten?

    • Titel eingeben
      ICH. HASSE. DIESES. SYSTEM!!!!!!

      Ich habe es hinten richtig eingetragen, keine Ahnung, warum es jetzt hier erscheint.

  57. Löhne sind jene betrieblichen Unkosten ...
    Löhne sind jene betrieblichen Unkosten welche den kapitalistischen Gewinn senken.
    Das wird ja nun schon jedem noch unreifen BWL-ler Studienanfänger eingebläut bis er es auch glaubt.
    >
    Ach ja da wär noch was:
    >
    Ohne Löhne keine Kaufkraft
    Ohne Löhne keine Arbeit
    Ohne Arbeit keine Ware
    Ohne Ware kein Verkauf
    Ohne Verkauf kein Gewinn
    >
    Wie man sieht, für schlichtere Geister, ein etwas komplizierterer Zusammenhang, welcher verständlicherweise nicht jedem geistig Kurzsichtigen einleuchten kann auch wenn er Politiker ist oder eine Führungsposition hat.

    • Titel eingeben
      Der (un) reife BWL-er bekommt eingeblaeut, das es nur Kosten gibt. UNkosten waeren schon, weil dann kost s nix.
      Das Phaenomen das lohne auch Kaufkraft sind erkennen die VWLer – oder auch nicht.

  58. War leider vor 30 Jahren schon so
    Es ist wohl eine Illusion, zu meinen, Tüchtigkeit und Qualifikation würden zu einem stabilen Arbeitsverhältnis führen, aus dem man dann Bestätigung und Gratifikation zu erhalten hofft. Leider ist das, was die Autorin beschreibt, auch kein neues Phänomen. Ich habe vor über 30 Jahren mein Studium mit “sehr gut” abgeschlossen, mit “sehr gut” promoviert und ich hatte drei Jahre Auslandserfahrung. hatte ich dann zwei befristete Jobs. Notgedrungen wurde ich mit 35 selbständig. Auch jetzt, mit 60, schreibe ich ab und an eine Bewerbung. Auf die meisten kommt noch nicht einmal eine Absage. Hiess es früher, keine einschlägige Erfahrung, heisst es jetzt, zu alt, zu alt. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass in einer Gesellschaft kein Platz für einen sein soll, wo man doch mitarbeiten und mitgestalten möchte.

  59. Beobachtung von einem künftigen
    Arbeitsmarktquengler: In den Berliner Mensen (ich kenne sie alle) stellen sich die hungrigen Studenten mit Vorliebe an die längsten Schlangen an, während die unbedrängte Ausgabestelle neben dran links liegen gelassen wird. In den großen Mensen kann man gerne 20 Minuten auf sein Essen warten, wenn man zu den Hauptstoßzeiten die längsten Schlangen für Vor-, Haupt- und Nachspeise kombiniert. Oder 1 Minute, wenn man die Augen offen hält.

  60. Vereehrte Jessica Miriam Zinn, verehrter Don Alfonso,
    Vereehrte Jessica Miriam Zinn, verehrter Don Alfonso,

    Falls ein Bewerber einem Arbeitgeber etwas zu bieten hat gilt folgende Grundregel:
    Wenn ein Bananenladen ihn (den Bewerber) für lau als Praktikant anheuern will, dann handelt es sich nicht um einen Bananenladen sondern um einen Sch…laden, bei dem der Bewerber so schnell wie möglich das Bewerbungsgespräch abbrechen sollte.
    Ein seriöses Unternehmen, und davon gibt es noch sehr viele in Deutschland (wahrscheinlich sogar in Berlin) macht solche Angebote nicht ! Insbesondere die bösen Konzerne sind diesbezüglich gar nicht so bös. (Kleiner TIP: machen Sie bei einem der (bösen) Konzerne ein Praktikum bevor Sie Ihr Studium beendet haben … und wenn Sie es da voll gebracht haben ist das Ding mit der Festanstellung nach Studienabschluß in der Regel geritzt)

    Natürlich hat so manch innovative Hinterhofschrauberei oder sonstige Pleitekandidat (das können auch Läden mit bekannten Namen sein) Probleme mit der Liquidität und will sich deshalb nicht binden. Wenn Sie sich für einen solchen Arbeitgeber entscheiden ist es Ihr persönliches Risiko. Ein cleverer Bewerber macht sich vorher schlau (auch wenn der Laden noch so cool sein mag)
    Der Don kann aus der DOTCOM-Blase ein Lied davon singen.

    Als Arbeitssuchender aufgemerkt: Die Hauptstandorte von Deutschlands leistungsfähigsten Unternehmen sind nicht in Berlin ! Hier ist also etwas Flexibilität seitens des Bewerbers gefragt.

    Der Arbeitsmarkt ist mittlerweile international bzw. global. Seien Sie also mindestens so zielgerichtet und gut wie der Inder, der sich für die gleiche Aufgabe bewirbt (auch wenn diese nicht in Berlin sondern in Shanghai oder Albstadt angeboten wird).

    Schmeißen Sie Surfboard oder Flamencokleid temporär in die Ecke. Einmal pro Woche im Lieblingsclub abhotten tuts auch. Machen Sie Nägel mit Köpfen. Finden Sie heraus, was Sie wirklich wollen. Vor allen Dingen auch Familie, Kinder und so nicht vergessen … Das hilft … Da ist man nicht so allein im Kampf um das tägliche Brot (Kann man von den Indern lernen).

    Haben Sie vor als Banker, Architekt, Wasserbauer e.t.c zu arbeiten (diese Berufe verderben den Charakter) … Wär nicht schlecht wenn Sie sich als Quereinsteiger noch einmal woanders neuorientieren würden :-).

    Übrigens auch Weichwissenschaftler machen Karriere. Es gibt genügend Beispiele … aber …
    Vergessen Sie das Arbeitsamt oder wie heissen die heute “Agentur” ?
    Wollen Sie eine “Stelle” oder wollen Sie etwas bewegen ?

    Leider haben diverse Reformen von Schule und Universität nichts Gutes bewirkt.
    Bachelor und so mancher Master kommen als “Schulabgänger” in den Beruf. Das war “in der guten alten Zeit” anders.

    Ich komme viel rum auf der Welt als “Globale Working Bee” und habe überall sehen können, daß unsere alte akademische Ausbildung gar nicht so schlecht war.

    Kleiner Tip an die Ämter für Ämterverwaltung in Berlin und in aen Bundesländern: Nach den Erfahrungen mit der Übernahme des Anglo-Amerikanischen Bildungswesens solten wir Alles Mögliche tun, um die stetige Ausbreitung griechischer Verwaltungsmethoden in unseren Rathäusern einzudämmen.

    Sorry, vielleicht liegt alles einfach nur an der Einstellung zum Leben der neuen Generation. Früher war natürlich Alles Besser :-)

    • Leider bin ich nun mal ein gutes Beispiel dafür, wie Faulheit, Orchideenfächer, eine holprige Biographie und Surfbretter sehr wohl in der Lage sind, einen vollkommen Nichtqualifizierten in die FAZ zu bringen.

    • Titel eingeben
      Verehrter Don Alfonso,

      In der Rubrik “Auch Weichwissenschaftler machen Karriere” habe ich bewußt auch diese Möglichkeit angesprochen. Aber leider verfügt nicht jeder Autor in der FAZ automatisch über Ihr Format !

  61. Morgengebet
    O Herr, mögst unser Land du schützen !
    es tut ein Studium nicht mehr nützen
    und schon gar nicht eine Doktormütze
    bald brauchen auch die Stützen Stütze !

  62. Jammern
    Als ‘Jammern’ empfinde ich Zinns Text nicht. Es ist einfach nur die andere Seite der Stützenmedaille, subjektiv auf eine ehrliche Art. Ich entnehme dem Text:
    a.) Frau Zinn hat einen industrieanwendbaren Hochschulabschluss, möchte aber trotz vermutlich besserer Chancen anderswo in Berlin bleiben (z.B um Politik zu machen).
    b.) Sie lebt von minimalen Einkünften. Eine großer Teil ihres sozialen Umfeldes lebt ähnlich.
    c.) Die Debatte über verwöhnte Generation Yler bildet diese Wirklichkeit nicht ab.

    Folgende Fragen stellen sich aus wirtschaftlicher Sicht:
    1) Was müssen Unternehmen jungen Berlinern bieten um sie zum Umzug zu bewegen?
    2) Was bieten sie tatsächlich, wie sieht der bundesweite Arbeitsmarkt für HF Studierte aus?

    Falls die Werte für 1) und 2) substantiell sind (z.B. Festanstellung nach kurzer Probezeit, gutes Gehalt etc.), stellt sich die Frage was an Berlin so toll ist, dass Menschen bereit sind dafür ihre berufliche Zukunft zu opfern. Die Antworten dürften andere Regionen interessieren.

    Falls die Werte für 1) und besonders 2) gering sind stellt sich die Frage, was eigentlich in den Hochschulen los ist, und wie die HF Branche in Deutschland aufgestellt ist.

  63. Amt und Würde
    Ein wichtiger Beitrag zu einem unbequemen Thema. Während sich der politische Diskurs und überregionale Zeitungen in der Problematik der Vollbeschäftigung ergehen, gibt es sie, die wenig sichtbaren, in keiner Statistik erscheinenden hochqualifiziert Arbeitslosen oder geringfügig Beschäftigten.
    Auch mich hat es getroffen, Diplom in Deutschland, MSc in England, Promotion in Skandinavien. Sozialwissenschaftliche Abschlüsse, die nicht den technischen Boomfächern entsprechen – dennoch gibt es adäquate Stellen, bundesweit und darüber hinaus, und ich hatte eine konkrete Vorstellung, was ich machen möchte. Aus meinen 130 Bewerbungen ist nach zwei Jahren dennoch nichts geworden. Netzwerke zählen zumeist mehr als Qualifikationen, wer mehrere Jahre im Ausland war, sitzt zwischen den Welten.
    Die Arbeitsagentur produzierte dabei nur Sätze wie, “was machen wir nur mit ihnen”, anstatt Integrationsstellen zu schaffen, die qualifizierbaren Menschen Berufserfahrung ermöglicht. Hilfe gibt es also keine. So hätte ich mich nach Willen der Agentur mit 33 Jahren in ALG I und II einrichten können.
    Darauf habe ich verzichtet, weil ich eine Familie habe, die mich noch unterstützen kann. Damit bin ich auch endlich in keiner Statistik mehr verzeichnet, wieder ein Mensch mehr in Lohn und Brot, den die Agentur vermelden kann. So versuche ich mich nun an einem MBA-Studium, im hohen Alter von 35. Dass diese “Weiterbildung” auf dem Arbeitsmark honoriert wird, bezweifle ich.
    Hinzu kommt, dass unter jeder Stellenanzeige des ÖDienst steht, der Anteil von Frauen müsste erheblich erhöht werden. Das dürfte sich nicht positiv auf meine zukünftigen Bewerbungen auswirken. Nach baldigem Abschluss des Aufbaustudiums kann ich mich vielleicht dann in ALG II einrichten und auf den demografischen Wandel warten, der nie kommen wird.

  64. Nichts Neues
    Ein interessanter Artikel, aber alle, die heute studieren, sollten nicht denken, das sei was Besonderes. Ich habe in den 1980er Jahren studiert und dieser Text hätte da genauso geschrieben und publiziert werden können.

    Wir sollte nicht übersehen, dass in einem Zeitraum von etwa 3 Jahren so ziemlich alle Akademiker einen Arbeitsplatz finden. Wäre dem nicht so, würden wir ein Heer arbeitsloser Akademiker protesitierend vor dem Reichstag in Berlin sehen. Denn irgendwann findet jeder eine Stelle oder einen Arbeitsplatz in der Familie.

    • Falsch...
      …viele ergeben sich in ihr Schicksal und schreiben solche Artikel oder verlassen das Land.

      Vor dem Reichstag protestiert wird erst, wenn sie hungern, weil der jungen Generation nationaler Stolz, Würde und ein gesundes Verhältnis zu Gut und Richtig mit Erfolg aberzogen wurde.

      Und nein, die Probleme waren in den 80er-Jahren nicht die gleichen.

    • Doch,
      waren sie. Als Architekt ohne Umzugsbereitschaft Ende der achtziger in Aachen beispielsweise.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  65. Teilzeitstelle?
    Hi, was ich nicht richtig verstehe ist: Du arbeitest in Teilzeit und wunderst dich, dass das Geld nicht fürs Leben reicht? Ehrlich gesagt, mit Teilzeit käme ich auch nicht über die Runden, nur mit Vollzeit. Ich war etwas irritiert und hatte daher nicht weiter im Text gelesen. Oder hast du nur einen Teilzeitjob bekommen? Nina

  66. Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken
    Eine sprachliche Anmerkung zu dem Passus “Zum Autor”: richtig muss es heißen: “… eine Kunstfigur, die IHREM Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist”. Im Kleinen spiegelt sich der Zustand des großen Ganzen.

  67. Liebe Autorin, liebe Leser und Kommentatoren,
    zunächst einmal kann ich der Autorin aus einer Vielzahl an Berichten und Beobachtungen sagen, dass das, was sie hier schildert (gerade, aber nicht nur für Hochschulabsolventen) der Normalfall in ganz Deutschland ist.

    Allen Lesern und Kommentatoren der “älteren” Generation möchte ich hier folgendes vorweg sagen (danach den jungen Lesern und Kommentatoren!):

    Wenn Sie meinen, dass es “früher” genauso war und dass es hier nur an dem Habitus der Autorin liegt, dann irren Sie gewaltig. Die Probleme, was die Berufswahl angeht, gab es vor ca. 30 Jahren nicht mal im Ansatz, wie es sie heute gibt. Warum ist das so?
    Nun zum einen, weil “früher” die Berufsfelder lange nicht so vielschichtig und undurchsichtig waren, wie heute und zum anderen, weil viel weniger Leute studiert haben (oder konnten). Die zwei wichtigsten Punkt aber, die Sie grundsätzlich völlig unterschätzen, sind 1. der globalisierte “Stellenmarkt” und 2. die Einstiegsgehälter, die heutzutage gezahlt werden.
    Wenn Sie nicht gerade in einer Personalabteilung sitzen oder tatsächlich ein Kind in der gleichen Situation haben, können Sie es auch nicht wissen.

    Bitte verschonen Sie also junge Menschen von Reaktionen mit dem Tenor “Stell Dich nicht so an, es war bei uns auch nicht einfacher”. Junge Menschen haben heute viel mehr zu kämpfen als früher. Bitte akzeptieren Sie das – auch, wenn es schwer fällt.

    Den jungen Leuten möchte ich hier vorweg sagen:

    Wenn Ihr in Deutschland ein Hochschulstudium anfangt mit der festen Überzeugung, dass Ihr danach viel verdient und sicher einen tollen Job in Deutschland (!) bekommt, dann seid Ihr entweder blind und uninformiert oder einfach nur naiv und gutgläubig.
    Geht mal vor die Tür und schaut Euch Deutschland mal genau an, dann wird Euch einiges klar (anderes Thema).

    Nun möchte ich ALLEN hier folgende Fragen zu bedenken geben:

    Warum findet man seit 2009 keine offiziellen statistischen Daten mehr zu Auswanderung beim statistischen Bundesamt?
    Warum bricht in Deuschland der Mittelstand weg?
    Warum haben wir “supra-diktatorische” Verhältnisse in Deutschland (Europa)?
    Warum hat die FDP (auerßdem noch) in den letzten 5-7 Jahren immense Stimmeneinbußen hinnehmen müssen?
    Warum haben wir eine Regierung, die offen gegen den Willen ihrer eigenen Bürger arbeitet?

    Falls manche noch nicht wissen, worauf ich hinaus will, helfe ich gerne etwas:

    Weil die fähigen Leute ihre Koffer packen und in alle Teile der Welt verschwinden, weil sie hier nicht gebraucht werden!

    Noch eine kleine Anekdote dazu aus erster Hand:

    Kanada bereitet sich auf die zweite große Auswanderungswelle (die 1. war in der zweiten Hälfte des 19. Jhrd’s) aus Europa vor.

    Einen angenehmen Tag noch!

    • No problem...
      Ihre Fragen sind leicht zu beantworten…

      “Warum findet man seit 2009 keine offiziellen statistischen Daten mehr zu Auswanderung beim statistischen Bundesamt?
      Warum bricht in Deuschland der Mittelstand weg?
      Warum haben wir “supra-diktatorische” Verhältnisse in Deutschland (Europa)?
      Warum hat die FDP (auerßdem noch) in den letzten 5-7 Jahren immense Stimmeneinbußen hinnehmen müssen?
      Warum haben wir eine Regierung, die offen gegen den Willen ihrer eigenen Bürger arbeitet?”

      Wir leben in einer Demokratie in der “man” die Mehrheit auf seien Seite bringen muss: Dies ist das einzige Kriterium.
      Nehmen sie nun noch Georg Schramms Wort vom “Urnenpöbel” dazu und Don Alphonsos feststellung, dass die Betroffenen IMMER gegen ihre eigenen Interessen wählen und schon haben sie die Antwort.

      Manche leben halt gerne auf sinkenden Schiffen und erzählen sich gegenseitig all die tollen Ausreden, die sie dafür haben.

    • Werter Tyler Durden Volland
      Manchmal verstehe, ich Sie nicht.
      Sie sind doch auch einer der Globalisierungsgewinner.
      Eine noch gute Entlohnung in D hat es Ihnen ermöglicht
      in der 3.Welt für low money angenehm und auskömmlich nach Ihren
      Vorstellungen zu leben.
      Das macht die Bekleidungsindustrie, die in Bangladesh nähen lässt, auch.

    • ...und
      die Bankmanager in Irland und anderswo stehen Ihrer Verachtung
      des ‘Urnenpöbels’ in nichts nach.

      Was eint sie?

  68. Berlin, Berlin
    @BertX

    Es gibt leider keinen Link. Harald Martensteins Beitrag “Schafft mehr Eliteschulen” kann man nur in der Printausgabe des “Tagesspiegels” vom Sonntag, den 23. 6. lesen.

    Zu den obigen anderen Beiträgen:

    Berlin gehört beim wirtschaftlichen Wachstum zu den Spitzenreitern in Deutschland. Mit 1,2% für 2012 lag die Stadt vor den süddeutschen Ländern. Es ist natürlich auch keine “Wüste für
    Ingenieure”, denn die Produktionsbetriebe sind überwiegend in den Speckgürtel gezogen, wo sie statistisch zu Brandenburg gezählt werden. Berlin/Brandenburg ist ein Zentrum des Fahrzeugbaus und der Umwelttechnik (z.B. Bombardier, Stadler, Siemens, BMW, Rolls Royce, Daimler Benz).

    Die Neigung der Westberliner, “im Osten” zu arbeiten, ist allerdings gering. Die Agglomeration hat inzwischen die Größe des Gebietes Rhein-Ruhr erreicht, so daß man auch hier umziehen muß, wenn man eine Arbeitsstelle gefunden hat.

    Die Kommentare in diesem Beitrag zeigen, wie Berlin geradezu in einen Nebel von Vorurteilen eingehüllt ist. In der FAZ werden sie von einigen intensiv gepflegt, was der Frau Zinn in Westdeutschland die Suche nach einer Arbeitsstelle nicht gerade erleichtern dürfte.

    • Prozentrechnung
      Je niedriger der Startwert, desto eindrucksvoller die Prozentsätze bei einer Steigerung…

    • Berlins Anteil am nom. BIP
      @ astroklaus:
      Der Anteil der angeblich fußkranken und leistungsunwilligen Stadt Berlin am nom. deutschen Bruttoinlandsprodukt beträgt 3,9 %, der Anteil der fleißigen Stadt Hamburg 3,6%, Bremen schafft 1%. Sie wollten vermutlich ausdrücken, daß im Falle Berlins Hopfen und Malz verloren sind und die behaupteten Steigerungsraten der Wirtschaftsleistung dieser Stadt als betrügerisch anzusehen sind. Ob die Berlin-Prügler der Frau Zinn einen Gefallen tun?

  69. Die Wahrheit (Problem) ist
    Das Problem ist, dass es für viele viele Studiengänge schlicht keinen Markt gibt. Und wenn, dann ist er so klein, dass man an gute Jobs nur über Beziehungen oder durch Zufall kommt. Verschärft wird die Situation durch a) eine Inflation der Noten und b) durch eine hohe Anzahl an Absolventen.
    Die Inflation der Noten bewirkt, dass man als Arbeitgeber keine Ahnung hat, was derjenige nun kann, der sich bewirbt, selbst eine 1 in einer Geisteswissenschaft bedeutet heutzutage nicht, dass der Absolvent Textsicher ist oder wenigstens eine Textverarbeitung sicher bedienen kann.
    Für die meisten Abiturienten wäre es besser,erst einmal eine Lehre zu machen (unter Beachtung des Schweinezyklus) und dann zu studieren. Als Facharbeiter verdient man heute in der Regel früher und mehr und Praktikum ist auch passé.
    Ein Studium bietet heute nur noch dann gute Aussichten, wenn es eine gefragte Ingenieurwissenschaft ist, wenn man in einer Naturwissenschaft promoviert, als Jurist einen exzellenten Abschluss macht.ja das war’s auch schon. Alle anderen Studiengänge lohnen sich nur, wenn man hochbegabt ist, oder man von Anfang an ein ausgesprochenen Faible für praktische Fragen des Berufslebens hat und sich dort bereits neben dem Studium in einer gefragten Nische profiliert, oder sonst wie eine berufliche! Begabung systematisch Auf- und Ausbaut.

    p.s: Lehramt ist zur Zeit auch noch Aussichtsreich.

    • Tja, Studiengänge
      wie Kunstgeschichte oder Sinologie (aka “brotlose Künste”) sind eigentlich nur Ersatz für die frühere “Höhere Töchterschule”, die die Frau besuchte, damit sie einen Amtsrat o.ä. heiraten konnte (der konnte keine ungebildete Ehefrau gebrauchen, die auf dem gesellschaftlichen Parkett nicht vorzeigbar war). Jetzt herrscht aber die irrige Meinung, daß man dann im entsprechend studiertem Bereich auch arbeiten und gut Geld verdienen könne (bzw muß, weil der relativ gutsituierte Fabrikant als eigentliches Zielobjekt des Studiums heute auch eine gutaussehende blonde Friseuse als Partnerin gesellschaftlich akzeptiert bekommt).

  70. Ebenso erschütternd wie erhellend...
    Dieser Parxisbericht sollte direkt an die Wirtschaftsredaktion der FAZ mit ihren beständigen Jubelarien zur Lage am Arbeitsmarkt weiter gereicht werden ;-))

    • Ich mag es, dass da jetzt ein Kontrast ist, zwischen der Propaganda für HertzIV und der Realität.

    • Don, geben Sie mir einen beliebigen Absolventen in Wirtschaft oder Technik
      mit örtlicher Mobilität, akzeptablem Abschluss (befriedigend), 3 Monate Zeit und dessen/deren Bereitschaft, praxisnahe Bewerbungsratschläge umzusetzen. Und ich wäre bereit, einen finanziellen Einsatz darauf zu verwetten, dass er/sie nach diesen drei Monaten eine akzeptable Stelle hat, mit einer für Abschluss und Lebenslauf typischen Bezahlung.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ich vermute mal
      Diese Jubelarien sollen in erster Linie das Ausland beeindrucken
      und Fachkräfte anlocken.
      Wie man deren Erwartungshaltung befrieden will, bleibt ein
      Geheimnis.

    • Ach, so
      Hatte ich vergessen.
      Wir sind aufgerufen eine “Willkommenskultur” auszuprägen.

    • Nix für ungut,
      Werter Herr Haupts, aber beim Job Center läuft das unter ‘leichter Vermittlungsfall’.

    • :-)
      Ganz genau. Und trifft exakt auf Frau Zinns Fall zu, nicht wahr? Einzige Bedingung – örtliche Mobilität.

      Und da wir hier gerade bei den “goldenen Zeiten” der glorreichen bundesdeutschen Vergangenheit sind – es war schon in den achtzigern ein absoluter Normalfall, einem guten Job hinterherziehen zu müssen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • ;-)
      …wenn es unter Menschen nur nicht soviel ‘menscheln’ würde.

  71. Strukturelle Verkrustungen
    Die zunehmende Regelungsdichte der letzten 30 Jahre hat zu Verkrustungen und hohen Gemeinkosten geführt, die immer wieder dazu führen, dass nicht genug neue Arbeitsplätze entstehen. Obwohl Geldbesitzer nicht wissen wohin damit, gibt es nicht genug Riskokapital – es ist einfach zu teuer und zu kompliziert die Risiken zu kontrollieren. Es wollen auch viel zu wenige Unternehmer werden, und viele die es schon sind vereinfachen und verbilligen ihre wirtschaftliche Tätigkeit mit Werksverträgen und Leiharbeit usw. usw. Berliner Bestattungsunternehmen fahren ins Krematorium in Brandenburg (oder gleich nach Tschechien), weil in Berlin die Abgasvorschriften zu streng und zu teuer sind.

    Die strukturellen Verkrustungen und Überregulierungen, und alle die heute gut davon leben, sind die Feinde der Zukunft und der jungen Generation.

  72. Werter Don, als regelmäßiger, wohlmeinender und geneigter Leser dieses Blogs halte ich diesmal ein paar kritische Anmerkungen für angebracht und hoffentlich gestattet:

    Ihre Vorbemerkung erweckt – mMn zu unrecht – den Eindruck, die geschilderte berufliche Lage und die “erstklassigen Zukunftsaussichten” (Horst Seehofer, CSU, zum Unions-Bundestagswahlprogramm) gut ausgebildeter leistungsfähiger und -williger Menschen seien nur ein Einzelfall, nur in Berlin, nur für Kandidat_Innen der Piratenpartei, Langzeitstudenten und Orchideenfachabsolventen, Anhänger bedingungslosen Grundeinkommens, unflexibler Leistungsverweigerer und sonstige von Ihnen bekanntlich hochgeschätzte Zeitgenossen so wie beschrieben.

    Tatsächlich aber betreffen Arbeitsbedingungen, Berufseinstiegsangebote, Löhne und Arbeitnehmerrechte, die allesamt nicht mal ihre Herstellungs- und Verbreitungskosten wert sind, nicht nur Berliner, Akademiker, Piraten- oder LINKE-Wähler, H4-Empfänger oder sonstige Menschen ohne effektive lobbyistische/gewerkschaftliche/mediale Interessenvertretung, sondern im ganzen Lande Menschen quer durch alle Alters-, Bildungs- und Herkunftsschichten.

    Denn der eigentliche Skandal ist, dass der ‘Humane Faktor’ etwa seit der Wiedervereinigung immer weniger eine Rolle im Wirtschaftsleben spielt, was sich nur besonders deutlich und extrem auf dem Arbeitsmarkt, in disrupten Lebensläufen und last but not least in der weiteren Lebensplanung aller Betroffenen manifestiert…

    Der eigentliche Skandal ist in der Tat, dass Menschen so weit gebracht werden können, sich für Gotteslohn und die völlig ungewisse Aussicht auf Verbesserung dafür herzugeben, ordentliche Beschäftigungsverhältnisse zu angemessenen Bedingungen und Löhnen zu ersetzen – ob nun als Leiharbeiter, Minijobber, Aufstocker oder Praktikanten mit Abschluss bis hin zum Doktorgrad…

    Und dann wundert sich unsere Regierungskaste über ausbleibenden Nachwuchs und meint allen Ernstes, mit ein paar unhaltbaren Versprechen und Wahl”geschenken” (man holt sich ja jede Sozialausgabe wieder) sei alles wieder gut, ein bisschen Betreuungs- und Kindergeld hier, ein wenig Muttirente da, ein wenig Kinderfreibetrag und steuerliche Förderung fauler Ehegatt_Innen (Ehegattensplitting), und schon sei vergessen gemacht, dass Millionen Menschen nicht mehr von ihrer Ausbildung und ihrem Beruf eine Existenz, geschweige denn eine Familie unterhalten können.

    Was Ihre Gastautorin beschreibt, ist unschöne Wirklichkeit, und zwar für viel zu viele Bürger und Wähler. Und Folge einer völlig verfehlten Regierungspolitik in praktisch allen Politikfeldern.

    Daher kommt dieser Beitrag angesichts der schwammigen Ankündigung von 4 more years eines solch desaströsen Weiter-so! dieser Regierungsparteien genau zur rechten Zeit.

  73. Zitat...
    Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

    Albert Einstein

  74. Die goldene Generation stirbt jetzt
    Anfang September 1945 war ich wieder in Berlin: ich war noch nicht 17 Jahre alt, (wurde ich erst am Heiligen Abend), die Amerikaner hatten – in Österreich, ich marschierte gen Kroatien – sie hatten über meine Wehrmachtsuniform gelacht und mich aus der dreimonatigen Internierung entlassen. Ich wählte den Harz, die Heimat eines Kameraden, liess mich in Thüringen von den einmarschierenden Russen überrollen und fuhr schwarz auf einem Güterzug nach Berlin. Meine Mutter, selber ausgebombt, regelte mit Hilfe ihr bekannter Kommunisten beim Bezirksamt meine Anmeldung: ich war damit offiziell nie weg.

    Drei Tage arbeitete ich als Aufräumer auf Trümmerbergen. Dann stellte mich ein Mann ein, der einmal eine Büromaschinenfirma besessen hatte. Er fragte nicht, ob ich schon ausgelernt hatte, und beschäftigte mich als Geselle. Wir reparierten alle Arten Büromaschinen, ich vorzugsweise Schreibmaschinen. Im Herbst 1946 holte ich meine Gesellenprüfung nach und war nun anerkannter Feinmechaniker. 1947 suchte ich mir eine Arbeit in Westberlin, wohnte aber weiter im Osten. Ich wurde Mitgied der UGO, der Unabhängigen Gewerkschafts-Opposition (gegen den FDGB). Dann nahm mich die IG-Metall auf, als ich im Sommer 1951 nach Wiesbaden gezogen war. Vier Jahre baute ich Kameras als Versuchsmechaniker, dann vier Jahre Fernseh-Aufnahmeröhren und ähnliches. Insgesamt war ich 15 Jahre in der Industrie tätig, bis zur Meisterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Nun wurde ich Technischer Beamter bei einem örtlichen Gewerbeaufsichtsamt. Dort sorgte ich 12 Jahre lang für den Arbeitsschutz in allen Arten von Industrie- und Handwerksbetrieben. Dann war ich – nach zwei Prüfungen – Gewerbeinspektor. Ein Zwischenspurt bei der Wehrverwaltung brachte mich zwar für zwei Jahre als Güteprüfer nach England, konnte die Karriere aber nicht voranbringen. 1970 wechselte ich in ein Länder-Sozialministerium und betrieb dort Arbeitsschutz, Umweltschutz, Aufsicht über Frauen- und Kinderarbeit. Ende 1985 wurde ich wegen Krankheit pensioniert: als Technischer Oberamtsrat. Jetzt bin ich 84 Jahre alt.

    Für die 15 Jahre in der Industrie beziehe ich eine kleine Rente, davon bezahle ich meine Miete. Für die 27 Jahre beim Staat kassiere dich die gesetzlich geregelte Pension. Ich war einmal 14 Tage arbeitslos, selbst Schuld, weil ich gekündigt hatte. Das blieb ohne Folgen. Wenn es weniger als 3 % Lohnzuwachs geben sollte, gingen wir auf die Strasse. Ich habe nie samstags gearbeitet in der Industrie, immer 48 Stunden in fünf Tagen. Dann kam schrittweise die 35-Stunden-Woche. Bei der Gewerbeaufsichts musste ich zwar anfangs samstags arbeiten, doch spätestens mit der 35-Stunden-Woche ar das vorbei. 5 bis 6%tige Gehaltserhöhungen habe ich auch erlebt. Ich war schon Beamter, als ich erleben durfte, wie die damalige ÖTV mit Hilfe des Fluglotsenstreiks die Brandt-Regierung in Verlegenheit brachte: sie musste einlenken.

    Im Jahr 2007 wurde ich bei VERDI für die 60jährige Mitgliedschaft in Gewerkschaften geehrt, mit einer Uhr und einer Urkunde. Seit 1966 war ich Mitglied der SPD. Als ich 1987 aus der Landeshauptstadt “auf’s Dorf” zog, haben sie mich vergessen, sie mochten in der Kleinstadt Berliner aus der Landeshauptstadt nicht so sehr. Als ich krank war, vergaßen sie mich ganz. Heute wähle ich die Piraten. Meine kommunistische Großmutter und mein sozialdemokratischer Großvater, bei denen ich bis 1945 aufgewachsen war, sie werden sich wohl im Grabe rumdrehen.

    Aber ich verstehe die Zeit(en) ja auch nicht mehr. “Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will”. Das war mein Gewerkschaftscredo. Warum die Gewerkschaften diese soziale Maxime den jeweils das arbeitende Volk in die Irre führenden Regierungen nicht mehr beizubringen in der Lage sein soll, ist mir schleierhaft. Meine Frau hatte auch als jeweils ungelernte und angelernte Kraft 30 Jahre lang in der Industrie und zuletzt im Handel gearbeitet. Wenn ich sie fragte, warum sie nicht in der Gewerkschaft sei, antwortete sie schnippisch, was soll ich da. So denken heute wohl fast alle jungen Leute, kein Wunder, wenn die Gewerkschaften in der Arbeits- und Sozialpolitik nichts mehr zu melden haben. Die Großbetriebe die ich als Arbeitender kennen lernte und vor allem die Unternhemer selbst, das waren alles sozial aufgeschlossene Leute. Denen war offensichtlich immer klar, wer arbeitet, der muss auch auf seine Weise davon leben können. Und von einem arbeitenden Mann wurde doch wie selbstverständlich erwartet, dass er mit seiner Arbeit auch seine Familie werde ernähren können. Wie es dem Rachen des Zeitgeistes gelingen konnte, das alles sang- und klanglos zu verschlucken, werde ich wohl niemals begreifen. Ich bin heute noch der festen Überzeugung: Mit einem entschlossenen Generalstreik könnte der arbeitende Mensch jeder Regierung beibringen, was sozialer Anstand gebietet. Aber offensichtlich sind die heutigen Menschen selber hiervon nicht mehr überzeugt, auf jeden Fall scheinen sie nicht den Willen zu haben, ihre sozialen Verhältnisse entschlossen selber in ihre arbeitenden Hände zu nehmen. Jeder muss selbst entscheiden, ob das wirklich auf die Dauer so bleiben muss.

    Die Soziologen sagen, alles gesellschaftlichen Verhältnisse seien kontingent. Das bedeutet doch, alles, was geht, könnte mit Sicherheit auch vollkommen anders gehen und absolut anders geregelt sein. Die Menschen müsste es nur wirklich wollen. Aber wie es aussieht, sind sie ja mit ihrem sozialen Los vollkommen zufrieden. Sonst würden sie ja anders wählen bei demokratischen Wahlen und zwischendurch, wenn erforderlich, auch anders handeln. Deshalb tut mir niemand leid, und ich sage es jedem ins Gesicht: wenn ihr es anders haben wollt, dann müsst ihr es auch entschlossen ändern. Wer soll es denn sonst tun?

    • Danke.

    • Titel eingeben
      Auch von mir vielen herzlichen Dank.

      Bin selbst auch bei Ver.Di und verstehe ebenfalls wie Sie nicht, wie es so weit kommen musste, dass der Einzelne inzwischen überheblich glaubt, er bräuchte keinerlei Interessensvertretung mehr und warum er der Illusion nachjagt, er habe allein selbst genug Möglichkeiten. Zum Beispiel dem Arbeitgeber ins Öhrchen blubbern, was man denn so brauche.

      Die Vereinzelung – immer ist es plötzlich die Schuld des Einzelnen, wenn sein Leben nicht läuft – wie konnte es soweit kommen. Motto: “Jeder ist seine Glückes Schmied”, das viele auch noch aggressiv verteidigen. Mir scheint jedoch, die Jünger, die an dieses Motto alleinig glauben, glauben unverwüstlich weiter. Es hat wirklich etwas von Ersatzreligion. Als Industrieller/Arbeitgeber würde ich mir die Hände reiben.

      Man staunt und reibt sich als Beobachter dann aber doch “nur” die Augen: Dieses Motto wird immer noch in Foren und Threads aggressiv mit Schaum vor dem Mund verteidigt, ohne dass irgendjemand kapiert, was abläuft. Was für eine Verblendung. Was für eine versingelte iPhone-Schafsherde.

    • Ich denke das Problem heutzutage
      liegt darin, dass die Vorstellung herrscht: Hauptsache mich trifft es nicht. Die Angst vor dem Abstieg bringt den Einzelnen in einer, wie von Ihnen sehr treffend beschriebenen, entsolidarisierten Gesellschaft nicht dazu, die Verhältnisse im Kollektiv (anders geht es nicht) zu verändern, sondern im Gegenteil alles daran zu tun, nicht einer von denen zu sein, die später das Nachsehen haben, weil er etwas anderes getan hat, als den vielbesprochenen Lebenslauf auf Bestleistung zu trimmen und dadurch wird die bestehende Ordnung immer tiefer in Stein gemeißelt. Dass dieses Verhalten über kurz oder lang zum Kollaps führen muss, ist in dem Moment egal, vor allem wenn es alle anderen auch tun.

    • Titel eingeben
      Allein machen sie dich ein: http://www.youtube.com/watch?v=BQVOB0URp0c

      Lass uns ein Wunder sein!

    • @Moritz
      Sie sind zu streng.
      Wollen sie Einigen wirklich den Traum zerstören ein Superman oder Superwoman zu sein.
      Mit kleinem Gefolge die Welt aus den Angeln zu heben, wenn man ein iPhone hat, twittert
      und facebookt.
      Es gab sie doch immer. Sie ließen sich nur leichter ignorieren.

    • Titel eingeben
      :-)
      Die drei Dinge braucht der Benutzer des glänzenden Angeber-Muckenpatschers:
      Me, myself and I.

      Anders als Sie glaube ich jedoch, dass sie nicht nur schon immer da waren, sondern sich wie die Drosophila vermehrt haben. Selbst meine Schwester, die bei jeder Gelegenheit aufrichtig behauptet, sie habe kein Geld, hat jetzt so ein Ding. Ich werde es, wenn ich auf Besuch bin, ausversehen in einer Blumengießkanne mit Wasser versenken.
      Bis dahin schicke ich überfettete Bilddateien, die den Screen einfrieren lassen.

    • Sie vergleichen Äpfeln mit Birnen...
      Bitte nicht missverstehen, alles was sie beschrieben haben, sogar die Schlüsse die sie ziehen, ist völlig richtig. Nur die Menschen sind halt heute andere. Als Beispiel von heute morgen, denken sie an “unser” Bildungssystem.
      Die Realität sieht so aus:

      http://www.sueddeutsche.de/bildung/handys-in-der-schule-tippen-ohne-tabu-1.1703992

      Es ist selten, das mich was vom Hocker haut, aber da hats auch mir die Sprache verschlagen…

    • Ein schöner Text. Sie vergessen jedoch die Globalisierung. Sie musste nicht mit Indern & Chines
      konkurieren. Ihrem Beispiel folgen die Franzosen und ruinieren sich selbst (Generalstreik, Rente mit 62 etc.).

      Die Zeiten ändern sich. nur 16% eines Porsche Cayenne werden heute in Deutschland gefertigt.

    • Super!
      Geiler Text!

  75. Titel eingeben
    Bravo!!!!!!
    So, genau so sieht nämlich die reale Arbeitwelt hinter den Kulissen der neoliberalen Juchei-Presse nach 20 Jahren Lohndumping aus. Und solange sich die Arbeitnehmer weiter einseifen bzw. sich vorgegaukeln lassen, es sei in ihrem Interesse, bei Wahlen gegen ihre Interessen zu handeln, so lange wird sich daran auch nichts ändern.
    Als nächsten Schritt würde ich NEON stornieren und die WOZ bestellen.

  76. Arbeit ist zur Ersatzreligion geworden
    Arbeit ist zur Ersatzreligion verkommen u. das ist auch politisch so gewollt. Wie im übrigen auch das Lohndumping u. die Massenhysterie in der Politik, alle verfügbaren Humanressourcen in die Produktivität zu bringen oder doch wenigstens, wie im Falle der Randgruppen (0-3 jährige und 65-100jährige) alle Lebensbereiche flächendeckend zu ökonomisieren und verdienstleisten. Jungen Frauen wird nicht mehr freudig gewünscht, dass sie sich auf Kinder, Familie und eine offene, (auch ohne Kinder sozial und liebevoll gestaltbare) lebensbejahende Zukunft freuen, sondern es wird geradezu von ihnen gefordert, dass sie falls sie Kinder haben, diese möglichst schnell weggeben oder besser noch diese gar nicht erst bekommen, sondern stattdessen nach menschenunwürdigen Abhängigkeitsverhältnissen lechzen, die vermeintlich der Volkswirtschaft, de facto jedoch nur einer politischen und menschlichen Fehlhaltung dienen. Das sozialistische, zutiefst menschenverachtende Denken hat die freiheitlichen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft längst ausgehebelt. Es ist bezeichnend, dass diese große und weitreichende Tragödie der deutschen Geschichte gerade in Berlin so überdeutlich zum Vorschein kommt. Als Problem beherrscht sie aber das ganze Land und hat verheerende Auswirkungen für mindestens 1-2 Generationen. Vielleicht heißen sie nicht umsonst nach den letzten Buchstaben des Alphabets Generation x, y und z.

  77. Titel eingeben
    Man mag sich vor der deutschen Elite, wirtschaftllich wie politisch, mit Grausen abwenden. Das Problem bleibt. Die Generation Praktikum, Akademiker die ‘nutzlose’ Faecher studiert haben, sie sollen mal meine Rente zahlen (nicht das ich darauf spekulieren wuerde). Wie soll diese Generation ‘Y’ so wird sie wohl genannt, bei der demographischen Entwicklung die Rentenlast stemmen? Geschweige den die Buergschaften, Transferzahlungen,.. die die aktuelle Regierung so gerne verspricht. Mich stoert es wenig bis 70 zu arbeiten, wenn mich den einer haben will. Einigen der Kommentatoren scheint arbeiten etwas wiederliches zu sein, das man halt gezwungenermasen machen muss. Arbeiten ist keine Strafe, macht auch nicht unbedingt frei, es ist ein Teil des Lebens.

  78. Nur zu
    Abgesehen vom wunderbaren Einblick in die z.T. kruden ökonomischen oder “ideologischen” Theorien, die hier von Foristen kolportiert werden, ist doch auch die Ambition der (samaritergleichen?) Sozialkritik in diesem snobbish blog nicht zu verachten.
    Anpassung an die Struktur oder Anpassungen der Strukturen? Frau Zinn dürfte ja einen progressiven Studiengang gewählt haben, dessen Bedarf wohl eher im US-amerik. Raum erkannt wird? Die “Exemplifizierbarkeit” ihrer Erfahrungen bestätigt aber die Dominanz der précarité u. redet einer Reform der (polit-ökonomischen) Strukturen das Wort ….

    • Jaja, die Deutschen - progressiv u. amerikakritisch zugleich!
      Sich selbst gerne als “progressiv” verstehen, aber alles Böse in der ach so weit entfernten Neuen Welt verorten, das ist schon drollig. Was soll man zu Ihrem Gekläffe über die angeblich snobbish-prekäre Platform sagen, auf der wir uns hier begegnen? Besser sine nobilitate als sine humanitate, mein lieber ospite! Bei den Herrschaften, die uns hier in Europa regieren und über Menschen- und Wirtschaftsgedeihen entscheiden, war und ist es ja schließlich auch einerlei, welchen “Studiengang” sie einmal gewählt haben. Wer nach “Bedarf” (?!) und Verwertbarkeit studiert (und andere ab-kommentiert), ist eines echten Universitätsstudiums unwürdig u. sollte sich lieber an einer Fachakademie oder im Betrieb oder gleich im Organhandel oder beim Wertstoffhof ausbilden lassen. Bedarf, mein lieber, gibt es vor allem in den Bereichen, die Sie sicher auch nicht zum Studieninhalt gewählt haben, nämlich in der Alten- und Krankenpflege. Das hat mit ideologischen Theorien oder kruden ökonomischen Sichtweisen recht wenig zu tun.

    • Am Bedarf vorbei
      Produzieren, war wohl schon immer eine der leichtesten Übungen.

      Was nützt die schönste ‘Just in Time’ Produktion, wenn dieser eine
      jahre-bzw.jahrzehntelange Planung vorausgeht.

      M.E. Der größte Nachteil einer akademischen Aus-(Bildung).

    • Latinitas?
      Nun, wohl nicht ganz einfach, meine schlichte Einlassung zu verstehen.
      “ospite” ist geschlechtsneutral.
      Ich lebe in Cambridge, MA … u. projeziere sicherlich nichts Negatives auf die hiesigen (“progressiven”) Unis. (—;
      Ein Smiley, oh Schreck.
      Ich versuchte, meine Zustimmung zum Tenor des Zinn’schen Artikels auszudrücken ….
      So what?

    • Ein Stelldichein mit einem Fragezeichen
      Also soll ein jeder der studiert, was ihm gefällt, auch einen Beruf bekommen, der ihm gefällt und ein Gehalt dass ihm gefällt. Stellen Sie ein? Oder soll ich?
      Ich bräuchte aber noch ein bisschen Geld. Wer gibt?

  79. Jessica, entschuldige, dass ich UEBER Dich schreibe,
    wenn ich Dich direkt ansprechen wuerde, waeren mir einige Sympathiebekundungen etwas unangenehm – so vor anderen, hrm, hrm.

    Also: Das Interessante an Jessica´s Blogbeitrag ist ja nun, dass er mir einen lebendigen und trotzdem genauen Einblick in einen Teil der deutschen Arbeitswelt vermittelt; besser als trockene Analysen, die bestimmt fuer gutes Geld verkauft werden.
    Sehr viele der folgenden Kommentare liefern im Ganzen doch ein schon recht duesteres Bild ab.
    Mir sei bitte die Meinung gestattet, dass mich der Tenor einiger Kommentatoren “Wer Arbeit sucht, der findet auch welche.” an krasse Zeiten von frueher erinnert.

    Mir fiel – leider erst viel zu spaet – auf, dass der Blogbeitrag im Thema “Stuetzen der Gesellschaft” eingebunden ist. Das ist hart.
    Man erinnert sich gleich an die aeusserst bissigen Karikaturen von George Grosz. Dass da “Oben” solche “Stuetzen” der Gesellschaft eigentlich von Leuten wie Jessica gestuetzt, gehalten und erst wohlhabend gemacht werden, ist die bittere Ironie der Geschichte.

    Wie auch immer, es scheint so zu sein, dass in vielen Faellen zwei Arbeitsstellen in der BRD nicht ausreichen, um sich nebenbei noch etwas anzuschaffen.

    Nun werde ich mich doch direkt an Dich wenden, Jessica. Ich hoffe, die Geschichte gefaellt Dir. Ich denke gerne daran zurueck.
    Folgendes Verhalten – ich benehme mich oefter daneben – bescherte mir vor Jahrzehnten eine kleine Verlaengerung meiner schon andauernden Arbeitslosigkeit. Dem Sachbearbeiter vom AA gefiel aber meine Geschichte, denn er konnte eine bestimmte Person auch nicht leiden: Ich bekam bei einem Einstellungsgespraech einen doch recht lauten Lachanfall, als 28 DM und 8 Pfennig pro Stunde mit der Bemerkung angeboten wurden, dass man mir trotz der Luecken im Lebenslauf noch einmal eine “letzte” Chance geben wolle. Es waren diese irrwitzigen acht Pfennige, diese ueberfluessige Bemerkung und das verdatterte Gesicht dieses aeusserst wichtigen Personalchefs, die meinen Tag verschoenten.

    So war´s, Jessica. Alles Gute und schreib mal wieder. Ich muss jetzt zum Flieger. Eine Stunde Flug, etwa 10 Stunden Arbeit (ist neben netten Geschraechen mit Ex-Kollegen eher Stress), Hotel, Taxi, Verpflegung frei und heute abend kommt mein derzeitiger Chef aus Daenemark angerauscht und bringt mir ein nagelneues Handy mit. Aufgrund seiner sinnigen Geschenke nenne ich ihn oefter Weihnachtsmann – natuerlich nur in Gedanken; einmal sagte ich ihm, dass ich von Kuchenstuecken und Suessigkeiten keine Miete bezahlen kann; irgendwie mag er meine Sprueche.

    • Was ist gegen die Plattform zu sagen? Ich nehme für die Stützen in Anspruch, dass sie inerhalb der FAZ das offenste und obendrein gepflegteste Gesprächsangebot sind, mit einer grossen Spannweite an Themen und Gästen. Ich habe dazu ansonsten keine Alternative und selbst wenn ich sie hätte, wäre es dennoch hier erschienen, denn es ist einfach der beste Platz, den man haben kann.

    • ospite findet das snobbish
      Ospite findet das snobbish, eben weil offen, gepflegt u. bester Platz.
      Superlative sind manchen Menschen zu viel, Relative sind ihnen lieber.

    • Ich haben eben gerade die bewusste Stelle durchgelesen...ich
      Text eingeben

    • Hallo Don Alphonso,
      ich habe mir eben die bewusste Stelle noch einmal durcgelesen; da ist von meiner Seite aus etwas schiefgelaufen. Mein fuenfzeiliger Versuch eines Vergleiches ist voellig verunglueckt.
      Ich habe natuerlich nichts gegen die Plattform, ganz im Gegenteil!
      Tut mir leid.

      Freundliche Gruesse.

    • Irgendetwas stimmt nicht, beim Tippen erschien die Meldung: "doppelter Beitrag".
      Der naechste Post muesste vollstaendig sein.

    • Ver******* Technik bei der FAZ.

    • Als ich letztes Jahr...
      Als ich letztes Jahr irgendwann einmal einen kleineren Kommentar in xxxx schrieb, erschien ueber meinem Text bei fast jedem Anschlag ein kleines gelbes Fenster mit “FAZ 2012″.
      Zuviel der Ehre, aber irgendwie hat es mich doch gefreut.

    • ....man wundert sich beim Lesen....
      „Mir fiel – leider erst viel zu spaet – auf, dass der Blogbeitrag im Thema “Stuetzen der Gesellschaft” eingebunden ist. Das ist hart.
      Man erinnert sich gleich an die aeusserst bissigen Karikaturen von George Grosz. Dass da “Oben” solche “Stuetzen” der Gesellschaft eigentlich von Leuten wie Jessica gestuetzt, gehalten und erst wohlhabend gemacht werden, ist die bittere Ironie der Geschichte.“

      Was du ignorierst oder verschweigst ist ja, dass Jessica sich eben genau darüber beschwert, dass sie eben weder einen Job als solche Grosz’sche Stütze findet, noch einen Job, in dem sie es sich auf diesen Stützen bequem machen kann! Das System selber wird gar nicht hinterfragt…
      Ich finde es bezeichnend, dass du lieber über die alten Spiesser hier herziehst, weil du weißt um wieviel einfacher das doch ist, als auch mal auf die Eigenverantwortung von J hinzuweisen:

      Die Welt ist so, dass für ihr Angebot keine Nachfrage besteht. Auf jeden Fall nicht in Berlin… und was tut sie? Wie alle Deutschen: Sie jammert und sucht Fehler bei anderen!

    • Ich hatte beim Durchlesen von bestimmten Kommentaren
      schon gemerkt, dass Jessica NOCH NICHT EINMAL die Fehler bei anderen suchen DARF. Zur schlechten Lage kommt also noch das Beschwerdeverbot. Was sonst noch? Einatmen untersagt?
      Tyler, es gibt doch Kommentatoren, die Jessica zustimmen, Schuetzenhilfe sozusagen, und klare Stellung gegen die Verhaeltnisse beziehen – voellig zu recht.

      Mit dem Ausbildungsprofil, dem Angebot und der Nachfrage ist das so eine Sache:
      sei es, dass ein ausgebildeter Informatiker sein kuemmerliches Dasein als McDonald-Fachkraft fristen muss, oder ein feiner Herr Rupert Scholz, der als “Ungedienter” jahrelang Verteidigungsminister spielen durfte.

      Ich bin mir sicher, dass Jessica irgendwann ihre Nische finden und sich laechend an ihre Durststrecke erinnern wird. Man muss auch einmal seine Schwaechen zulassen duerfen, Fehlersuche bei anderen gehoert dazu und ist eine Phase, nicht mehr.

  80. hochqualifiziert; akademiker
    Hochqualifiziert und Akademiker klingt immer nach der Elite von Heute. Schon mal darueber nachgedacht einen Schritt zurueckzugehen?

    Abitur ist keine Leistung die einen Menschen intelligent macht. Es gibt genug Menschen die sprachlich wunderschoene Aufsaetze schreiben koennen aber bei einer Argumentation ploetzlich vor einer Wand stehen.

    Abitur bedeutet NICHT, dass jemand intelligent ist.

    Ein Studium abgeschlossen zu haben bedeutet ebenfalls nicht, dass man nun in irgend einer Form etwas besonderes ist. Das bedeutet nur, dass man einen Hochschulabschluss hat.

    Wenn man nun einen besonders schlechten Notendurchschnitt hat, nicht flexibel genug ist, vielleicht einfach krass unsympatisch ist, unfaehig aber trotzdem in der Lage war das Studium abzuschliesen (davon gibts auch genug) oder oder oder andere Probleme hat, braucht man sich nicht wundern wenn man immer noch irgendwas arbeitet.

    Der Artikel bzw. die Sicht von Frau Jessica Miriam Zinn kann man so auch ueberhaupt nicht einschaetzen und es gibt genug Moeglichkeiten inwieweit sich Frau Zinn selbst ins Abseitz geschossen hat.

    Aussagen aber wie ‘als Akademiker im Supermarkt zu arbeiten’ naja super spricht nicht unbedingt fuer eine realistische Einschaetzung.

    • Titel eingeben
      Auch Sie “versingeln” das Problem: Dass sie sich vielleicht halt selbst ins Aus geschossen habe.

      Ein typischer Vertreter des 100%-Selbstschuld und 100%Optimierwahn-Gedankens, man müsse nur 100% perfekt sein und sich eben nicht ins Aus schießen, dann passiere das nicht.

    • Bei der Gelegenheit – gerade wieder einen Kommentar in die Tonne gegeben – möchte ich sagen, dass hier wie auch immer geartete direkte Beleidigungen nicht durchgehen. Ich finde da so einiges unanständig und das wird hier nicht erscheinen.

    • Mit dem versingeln
      Auftretender Probleme haben Sie wie es aussieht recht.
      Auch BA Chef Weise bemüht diese Management Weisheit um
      die bekannt gewordenen ‘Manipulationen’ zu begründen.

      Einzelne sind mit den Vorgaben überfordert. man arbeite
      weiter an der Feinjustierung.

    • Titel eingeben
      Wenn man an den ‘Stuetzen’ der Gesellschaft ruettelt, geht dann gleich die Kinderstube dahin?

      Mir scheint Sie haben bei diesem Thema einen Nerv der Gesellschaft getroffen. Es klingt als ob mache die ihren Platz im Rettungsboot haben, mit den Paddeln auf jene die zusteigen wollen eindreschen.

      Ich bin ueberrascht mit welcher Nonchalance sich manche mit deren Ruhe in der soz. Haengematte bruesten. Auf einem der wenigen deutschsprachigen Sender die ein Satellit in diese dunkle Ecke der Welt spiegelt, ward zu vernehmen: In D kennen alle ihre Rechte – das Wort Pflicht ist aus dem Wortschatz verloren gegenagen.

  81. Titel eingeben
    Ein korruputes und kriminelles System: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/faz-net-fruehkritik-guenther-jauch-eine-schweinerei-und-eine-arme-sau-12241918.html

    Kommentar 18 bringts auf den Punkt – für alle, die glauben, sie träfe es nie, wiel sie weder Pole, noch Fleischergehilfe, noch sonstwelche “arme EU-Sau” seien.

    Sein strohtrockener Komment: “Die Leiharbeit ist längst auch bei Ingenieuren und Softwareentwicklern angekommen.”

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Außer vielleicht von Herrn Thorsten Haupts. Welcher möglicherweise sagt: Wer ein guter IT-ler oder Inschenör ist, brauche keine Angst zu haben, er bekomme immer was außerhalb der Zeitarbeitsstrukturen. :-)

    Was das alles mit Autorin Jessica und ihrem Beruf Humanwissenschaften zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten Blick eine ganze Menge. Und zwar nicht, um Jessicas Situation zu relativieren (“Ihr Problem sei nichts: Andere hätten es noch schlimmer”), sondern um klarzumachen, dass das ein Flächenbrand ist. Da muss dermaßen aufgeräumt werden in diesem Augias-Stall, dass der “Human Factor” (wie eine technische Schnittstelle, ein GUI, eine Gadget vom Menschen noch besser, sicherer, intuitiver bedienbar wird) erweitert werden muss in: Wie wollen wir überhaupt noch human leben.

    So jedenfalls nicht.

    • Der Herr Thorsten Haupts ist noch viel schlimmer:
      Er hat überhaupts keinen Abschluss und hat bisher noch immer einen ordentlich bezahlten Job gefunden. Von der Sorte Mensch kennt er noch so einige. Einzige verbindende Merkmale: relativ angstfrei, selbstbewusst und zuallererst eigenverantwortlich.

      Yep, die Leiharbeit ist schon lange auch bei Ingenieuren angekommen. Und? Festanstellung beim Verleiher und ein Gehalt, das deutlich über dem deutschen Mediangehalt liegt. Wenn man die Sklaventreiber meidet.

      Gruß,
      Thorsten Haupts

    • Bin noch vieeel schlimmer als Sie, Thorsten Haupts:
      Ich bin die absolute Seuche: Bin jedesmal einfach so zur Firma gegangen, hab ein paar Takte Lohnschwatz geschwätzt und war sofort eingestellt.

      Hab sogar in mäßigen Abständen gedroht zu kündigen und wurde dennoch nicht rausgeschmissen, sondern bekam für meine Frechheiten Gehaltserhöhung. (Ich nannte es öffentlich “Schmerzensgeld”.)

      Abi und Jodel-Diplom hätten erfunden sein können, keinen hats interessiert.

      Nene, lieber Herr Haupts,
      so sehr ich Sie schätze, aber genau solche Sachen laufen halt heut im Schnitt nicht mehr. Im Unterschied zu Ihnen habe ich das jedoch geschnallt und mein aufrichtiges Bedauern gilt den Jungen, anstatt sie mit meinen “damals-nachm-Kriech-mönsch-war ich-erfolgreich-und-nicht-so-lahm-wie-ihr”-Geschichten noch mehr zu demoralisieren.

    • Fein.
      Dann kenne ich entweder gleich einige Wunder oder bin ein abgefeimter Lügner. Suchen Sie sich’s aus.

      Gruß,
      Thorsten Haupts

    • Veränderungen - aber welche?
      @Moritz
      “Da muss dermaßen aufgeräumt werden in…” Mit dem Aufräumen war und ist das erfahrungsgemäß immer so eine Sache. Wer sollte Ihrer Ansicht zufolge denn aufräumen?

      Wie wir leben wollen, ist natürlich immer die Frage. Es scheint nur halt so, als würden immer mehr Menschen dem Motto Nach-mir-die-Sintflut folgen. Und vor allem scheint ich-ich-ich auf ihren Fahnen zu stehen.

    • Titel eingeben
      Es wird schon aufgeräumt: Bei der Schlachthofmafia ist die Staatsanwaltschaft zugange.

      Mit den Bologna-Bildungsmafiosi müsste auch aufgeräumt werden.
      Wünsche mir mehr Dirty Harrys gegen schleimige Bildung!-Bildung!-Sonntagsredner, die dann eh nur die Produktion von prekären und dann um niedriges Gehalt konkurrierenden Akademikertiteln meinen, aber nicht sagen.

      Aktuell auch das regelmäßig in den Gazetten herumgeisternde, dümmliche, aber leider immer noch wirkungsvolle Facharbeitermangel-Gerede, und samt ihren Schulkindern bedauernswerte Junglehrer, die sich in den Sommermonaten immer wieder neu arbeitslos melden müssen.

      Man spart seine eigene junge Generation tot oder-und führt sie beruflich in die Irre. Nur damit der Popanz “Wettbewerb und Geiz um jeden Preis” nicht aufgegeben werden muss. Das kommt von ganz oben und ist Garant, dass sie oben bleiben. Eine “Elite”, die das Wort nicht würdig ist.

    • Titel eingeben
      Nein, Lügner nicht, aber etwas zu selbstgerecht.

    • Titel eingeben
      “Wenn man die Sklaventreiber meidet” – soll dasn Witz sein? Haben Sie denn anders als als aus einem “Menü” auswählender Hilfssklaventreiber je mit denen zu tun gehabt?

    • Yes Madam,
      ich habe mehr als 5 Jahre für Zeitarbeitsfirmen gearbeitet und das weder als anrüchig noch als Sklavenarbeit empfunden. Es waren eben keine Sklaventreiber.

      Jetzt, wo ich tatsächlich auswählen kann, sorge ich dafür, dass bestimmte Niveus auch bei meinen Hilfskräften nicht unterschritten werden. Ich habe gerne motivierte, zuverlässige und langjährige Mitarbeiter.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Was zur Hölle ist daran selbstgerecht,
      darauf hinzuweisen, dass es eine Reihe von Leuten alleine in meinem persönlichen Umfeld geschafft hat, mit geistiger und räumlicher Flexibilität, teilweise über 50 Jahre alt, ohne akademischen Abschluss trotzdem einen anständigen und anständig bezahlten Job zu finden? Das ging natürlich nicht ohne Brüche und Umwege, aber es ging. Und geht immer noch.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Was daran zur Hölle selbstgerecht ist? Dass Sie Äpfel mit Birnen vergleichen. Und das auch ganz genau wissen. Zumindest schätze ich Ihre analytische Intelligenz nicht als unbedingt niedrig ein. Das müsste Ihnen eigentlich schmeicheln.

      Leider stellen Sie sich aber im Punkt “Lebenssituation, Umfeld, Alter, Ziele” dümmer als Sie sind, wissen ganz genau, dass es, dass Menschen und ihre Lebensläufe nicht vergleichbar SIND und reden bewusst (so meine Einschätzung) brachial-pauschal und ohne Einfühlung daher. Das stört mich.

    • Titel eingeben
      Ein gehörig abschreckendes Fallbeispiel, das Ihre Thesen nicht gerade unterstützt:
      (Nicht dass ich wüsste, dass Sie sich je von Fallbeispielen in der echten Welt beeindrucken ließen)

      Der Fall (auch in buchstäblichem Sinne): Maschinenbautechniker, ohne Studium hochgedient, bis zum stellvertretenden Geschäftsführer. Stolz gehabt, Selbstvertrauen. Das ist doch genau die Sorte Mensch, die in Ihren Augen immer was findet?
      Der ist aber leider langzeitarbeitslos und wird seit Jahren durchgereicht:

      http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/langzeitarbeitslos-20-jahre-in-der-drehtuer-a-907840.html

    • Kurz und bündig:
      Ich hatte und habe genügend reale Gegenbeispiele in meiner real existierenden beruflichen Umgebung. Nur werden die nie im SPIEGEL stehen, der ist in allen Bereichen nur an Negativbeispielen interessiert, weil seine Leser (Sie) das so wollen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  82. Warum Berlin noch mehr Studenten haben will
    Wie Berlin rechnet:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finanzausgleich-wie-berlin-rechnet-12242927.html

    “Berliner Landespolitiker wollen Studenten dazu bewegen, ihren Hauptwohnsitz in die Hauptstadt zu verlegen. So bekommt Berlin mehr Geld aus dem Länderfinanzausgleich.”

    Das passt sowas von zu unserem Thema hier. Es bestätigt alle meine Vorurteile, wie man sich auf diesen Ebenen (wie auf anderen Ebenen auch) miese kleine Geldeinsack-Vorteile verschafft, damit alles am Ende noch ein bisschen mieser wird.

    Oder für Indienkenner: Der Kobra-Effekt. Herrlich:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kobra-Effekt

    [Bin wirklich kein Berlin-Basher. Im Nikolai-Viertel habe ich mich gerne ausnehmen lassen, ähm hat es mir den Neunzigern ausnehmend gut gefallen. Die Schlachteplatte war hervorvorragend, das Sauerkraut noch besser, das Bier süffig. Und das Viertel angenehm menschlich-frotzelig, noch von den Smartjüngern sowie Business-Roillkofferschranzen verschont. (Wie heute noch das Hackerviertel in München, das leider an seiner zu großen Nähe zur bei feierwütigen Prolls “angesagten” Sonnenstraße leidet.)

  83. Zunächst ganz ohne Ironie oder Häme: Viel Erfolg und Glück bei der Jobsuche !
    Nach den geschilderten schwierigen Erfahrungen sehe ich abgesehen von Vitamin B (muß man auch erstmal haben) nur die Möglichkeit, in viel weiterem Raum nach Arbeit zu suchen. Sich auf einen Standort festzulegen, scheint mir angesichts der festgestellten Schwierigkeiten naiv bis riskant. Wenn junge Griechen und Spanier Deutsch lernen, um hier bessere Chancen zu suchen, erscheint ein Ortswechel innerhalb Deutschlands zumutbar.

    Die Seite der TU habe ich auch mal kurz angeschaut. Ehrlich gesagt bestätigt sie nur meine Vorurteile gegenüber den Bologna-Studiengängen: alles toll klingende Bezeichnungen – viel heiße Luft. “Interdisziplinär” darf auch nie fehlen, aber bei so unterschiedlichen Voraussetzungen gleichermaßen Psychologie- wie Ingenieurwissenschaftsabsolventen zum gleichen Abschluß führen zu wollen, scheint mir auch mit “Cross-Teaching” arg optimistisch.
    Als Arbeitgeber würde ich nur den Voll-Ingenieur mit dieser Zusatzgualifikation wählen, niemals den Psychologen.

    Nochmals viel Erfolg !

    • Für die Ewigkeit
      [Als Arbeitgeber würde ich nur den Voll-Ingenieur mit dieser Zusatzqualifikation wählen]

      Typisch deutsch :)

      Im Grunde mag ich diese Unverwüstlichkeit im Glauben, dass auch in der Informationsgesellschaft der Bursche mit dem Oszi und dem Lötkolben, der notfalls auch mal ein Integral per Hand lösen kann und kein Laberfach studiert hat, die Grundlage der universellen Qualifikation ist. Über diesem steht dann nur noch der patriarchalische Unternehmer, ein Schlitzohr und gewiefter Geschäftsmann vor dem Herrn, der aber gut zu seinen Arbeitern ist. Ich würde Deutschland gerne in diesem Bild einrahmen und es dann für die Ewigkeit konservieren. Verbessern ließ sich das Land über diesen Punkt hinaus ja nicht mehr, es sei denn durch die Brechung der Hybris durch die Umweltbewegung. Das brachte ein wenig Charakter in die ansonsten doch arg flachen Comicfiguren der deutschen Industriegesellschaft.

    • Titel eingeben
      Wunderbar, titanic-reifer Text:
      “Der Bursche mit dem Oszi …, Lötkolben, …” und ff.

      So ist es, das deutsche Holzhammerbild.
      Charmant daran ist: Sie meinen es wirklich so, sie leben es aufrichtig. Es ist keine Satire. Leben ist Satire – das kann man nicht toppen.

  84. - kann man nicht den Titelwahn mal abstellen, "Überschrift" laß ich mir ja gefallen -
    Tja, daß man als Industriedesigner und Artverwandtes (das was Frau Zinn studiert hat, scheint etwas wie „Ergonom“ zu sein, also artverwandt) in Berlin schwer einen Job findet, war auch vor 20 Jahren schon so. Berlin hat zwar viel Hochschulen und die Ausbildung dort ist auch nicht unbedingt schlecht, aber man steht danach einfach vor dem NICHTS, denn man muß sich dann erstmal einen Job suchen. Und zwar in der Regel anderswo, wenn man das Studierte zum Beruf machen will – Bundesgebiet/Süddeutschland mindestens sind da schon angezeigt. Ansonsten ergeht es einem halt wie geschildert, von Kellnern bis Klofrau („Amt“ sowieso) ist alles drin, wenn man in dieser Stadt überleben will.
    Es ist durchaus richtig, daß Studenten in Berlin ein Wirtschaftsfaktor sind – es kommen immer neue, die Geld dafür zahlen, eine Wohnung zu bekommen. Ist in anderen Universitätsstädten vermutlich nicht anders. Mit dem Wort „Kreativwirtschaft“ hat man ein Buzzword geschaffen, das den Jungen entgegenkommt (wer will nicht kreativ sein), andernseits verschleiert, daß diese „Wirtschaft“ in erster Linie aus dem Abschöpfen der von anderswo mitgebrachten Gelder für den Lebensunterhalt besteht, keineswegs aber in so spießig-pragmatischen Dingen wie „mit auskömmlichen Lebensunterhalt irgendwo unterbringen“. Das darf man dann gerne selber tun (zur Ehrenrettung der Einheimischen sei gesagt, daß es für die auch nicht viel leichter ist, auch wenn sie mehr Bekannte und Freunde haben) – und stellt dann ernüchtert fest, daß die Kanäle, die zu so etwas führen, von anderswo nach anderswo verlaufen, jedenfalls kaum je über die Universitäten, und man ziemlich zu kämpfen hat.
    Man faselt den Jungen was vor von den 1000 Möglichkeiten, die sie hätten, daß davon 999 verlustreiche Sackgassen sind, verschweigt man tunlichst oder will es gar nicht erst wahrhaben.
    Fakt ist nach wie vor, daß die Lieblingsbeschäftigung selten viel Geld einbringt und ordentliches Geldverdienen eher nicht mit längerem Studium korreliert. Insofern ist Studium eine Art Freischuß, sich mit etwas zu befassen, was einen interessiert, denn danach in den sauren Apfel beißen (sich nach einem Einkommen umsehen – nach etwas, das Geld einbringt und das man ausfüllen kann, nicht was einen „erfüllt“) muß man in den meisten Fällen.
    (Von daher hoffe ich, daß die Tipps vonwegen sich über die Betriebe im Berliner Umland schlau machen, das Schwabenland unter die Lupe nehmen und evt. im Ausland schauen, einen gangbaren Weg ergeben)
    Was aber möglicherweise schon schlimmer ist als „früher“, ist die Tatsache, daß kaum noch ein Betrieb so lange durchhält, bis man das Rentenalter erreicht hat, oder durch periodische „Umstrukturierungen“ immer mal ein Großteil der Belegschaft vom Karussell gekippt wird, so daß man wieder neu suchen muß.
    Bei der Elterngeneration war das Suchen mit 30 beendet, und das ist auch richtig so, denn anders kann man nicht Eltern werden. Aber unsereins muß sich darauf einstellen, daß man danach immer mal wieder „auf die Suche“ muß. Das ist anstrengend, auch psychisch. Denn jünger und „sprungbereiter“ wird man nunmal nicht.

  85. Gewerkschaftsmathematik
    Warum arbeiten die einen 60 Stunden, davon 20 unbezahlt, und die anderen 0 ?? Die Arbeitszeit muss mit/entgegen der Produktivitaet sinken, sonst stehen Millionen auf der Strasse. Steht auch schon im Kapital. Aber den Arbeitsplatzbesichern, noch gewerkschaftlich organisiert, ist das ja egal, die sacken lieber die steuerfreien Ueberstundenzuschlaege ein. So gesehen ist die “workforce” so gespalten wie nie.
    Es stimmt nun mal, wir leben im Zeitalter totaler Ueberproduktion. Da schafft man weder Fabriken noch Arbeitsplaetze, es gibt genug von allem, und dazu noch Ramsch und Müll. Wir brauchen eine Begrenzung der Vermoegen und eine Begrenzung der Arbeitszeit – beides in weiter Ferne. Fuers Protokoll: Den Erfolg des Arbeitsplatzbesitzes halte ich fuer Zufall. Im wesentlichen Kontakte, Vitamin B, ein Chef man ihn/sie, man passt rein, um Leistung geht es da NIE. Die ist auch schwer zu messen und, so akademisch, eben gar nicht erwuenscht.
    Alle versuchen, den Arbeitslosen Schuld einzureden. Ich nicht. Zum Trost: Wir leben in der groessten Blase aller Zeiten, mal sehen, was passiert, wenn sie platzt.

    • Antwort
      In Zeiten, in denen das “wissenschaftliche Management” Tätigkeiten des Industriearbeiters in kleinste Abläufe zerlegen konnte – bis diese dann später von Robotern auf Produktionsstrassen ausgeführt wurden – machte die beliebige Teilbarkeit von Arbeit als Quantum durchaus Sinn.

      Bei denjenigen, die heute 45-50/w Stunden arbeiten ist das i.a. nicht so. Es gibt zwar Projektpläne und Methoden zur Orientierung, aber viele konkrete Tätigkeiten ergeben sich überhaupt erst aus der geleisteten Arbeit und den Problemen, die bei ihr auftreten. Wie das entwickeln einer Geschichte, ist es ein rückgekoppelter Prozess. Es gleicht also eher dem drehen eines Films am Set mit einer Gruppe von Schauspielern, als der Arbeit am Fließband oder dem Stehen hinter dem Tresen. Diese Metapher kann auch genutzt werden, um zu verstehen, was in der zeitgenössischen Arbeitswelt “hochqualifiziert” heißt: fähig sein, schwierige Rollen zu spielen und verschiedene Rollen anzunehmen und sinnvoll zu interpretieren.

      [Es stimmt nun mal, wir leben im Zeitalter totaler Ueberproduktion. Da schafft man weder Fabriken noch Arbeitsplaetze, es gibt genug von allem, und dazu noch Ramsch und Müll.]

      Zum Glück verwandeln sich Europa und die USA ja langsam in grüne, deindustrialisierte Zonen. Da können die Deutschen angesichts von Überproduktionskrisen in fernen Ländern ruhig schlafen. Die Krise der Produktion reduziert sich dann auf Probleme bei der Lagerhaltung und der Müllentsorgung. Sollte mit Ausnahme des Atommülls eigentlich lösbar sein.

    • Die größten Blase aller Zeiten
      Die mit Macht und allem politischen Druck gerade in D
      aufgepumpt wird ( man will es
      Doch wieder allen zeigen, wie man das macht!)
      platzen zu sehen…hat was.

    • Titel eingeben
      “Es gleicht also eher dem drehen eines Films am Set mit einer Gruppe von Schauspielern, als der Arbeit am Fließband oder dem Stehen hinter dem Tresen.” – Paßt.

    • Die Fähigkeit zum flexiblen Rollenwechsel
      wäre eine etwas komplizierte, aber exakte, Umschreibung der Fähigkeiten, nach denen ich bei allgemeinen Projektmitarbeitern ((Dokumentation, Report, Finanzkontrolle, Vertrgsmanagement etc.) suche.

      Die Personalverantwortlichen wundern sich immer über mein Anforderungsprofil: Fähigkeit zum Denken auf akademischem Niveau, Überblick, Flexibilität und mitarbeiten WOLLEN.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Hach,
      Sie sind mir einer. Im Ernst?
      Sie wollen Mitarbeiter die mitdenken.
      Wie unfair es in der Welt doch zugeht.

      Mir wurde immer gesagt ich solle das Denken den Pferden
      überlassen, die hätten einen größeren Kopf.

  86. Titel eingeben
    @driver:

    Wenn ich mir die im Internet verfügbaren Daten von Frau Zinn ansehen, empfehle ich: alles sofort einstellen. Es sind absolut zweck- und sinnlose Veranstaltungen. Ich kann das beurteilen, denn ich war im zarten Alter von 31, also 1982 auch mal Mitglied der Großen Tarifkommission der Gewerkschaft ÖTV im Bereich Transport und Verkehr. Völlig sinnlose Aktivität, genau so sinnlos wie das von Frau Zinn bei den Piraten.
    Im Bereich der “usability” gibt es genügend Kandidaten, die mal eine benutzergerechte Darstellung ihrer Technik brauchten. In meinem Berufsumfeld, also Lastwagen und Anhänger, sind das 7 Lkw- Hersteller und 700 Anhängerhersteller. Die wohnen alle nicht im Umkreis von Berlin, aber in so netten Orten wie Horstmar, Werlte, Burtenbach, Haibach, Wörth, München, Södertälje, Göteborg, Lyon, Kesteren, Kampen oder Etten Leur.

  87. Ein politischer Text aus dem Piraten Hauptquartier Berlin ....
    …. hätte ich an dieser Stelle nicht für möglich gehalten. Ein authentischer Erfahrungsbericht ist das m.E. nicht. Die Autorin ist entweder extremste Bummelstudentin gewesen oder doch bereits einige Jahre aus der Uni raus.
    .
    Bieten Sie ihr doch eine Ihrer Latifundien im Süden zur temporären Verwaltung. Auf dass sie dort das ihr scheinbar ganz doll fest versprochene Akademiker Glück mit dem hoffentlich noch nicht ganz vergessenen Master of Science in Human Factors finden möge (“Maschinenbau kann ich mir leichter merken” – das wird sich der Personaler in meiner Alterskohorte bei so einem Titel vermutlich denken).
    .
    Raus aus “Wir-Kinder-vom-Drückeberger-Zoo”, das wäre schon der wichtigste Schritt!

    • Titel eingeben
      Sorry, die Autorin halte ich nicht für eine Drückebergerin, sondern im Gegenteil für einen sehr engagierten Menschen. Dass sie selbst ihre Berufswahl für nicht sehr glücklich hält, hat sie sogar in Komment *22 geschrieben (Jessica Miriam Zinn 23.06.2013, 12:08 Uhr): “Falsche Berufswahl”

      Im sozialen und kulturellen Bereich engagierte Leute tun in meinen Augen mehr für die Gesellschaft als mancher, der von nine to five seinen Sessel befurzt und sich abends vor die Glotze hängt.

      -/-

      Wer länger als 5 Jahre nicht mehr in seinem erlernten Beruf gearbeitet hat, gilt übrigens laut Agentur für Arbeit hopperla als berufslos. Alles für die Katz, das ganze auf “funktionaler-Akademiker”-Studieren der Bologna-Miserables.

      Dann lieber gleich ein wirklich schönes Orchideenfach (oder ein nettes Studium Generale) und malochen gehen ohne große Ansprüche. Leider zeitlich heutzutage kaum machbar. Entweder du malochst und hast zwei Jobs (einer ernährt nicht mehr), dann hast du aber keine Zeit mehr fürs schöne Privatgelehrtentum.

    • Werter Köstlich
      …es hilft nichts. Sie können wettern wie Sie wollen. Die Zukunft halten Sie
      Nicht auf. Und sie wird geruhen ohne uns, zumindest ohne unsere Erfahrungen,
      auszukommen.

    • Titel eingeben
      Werter Moritz, Ihrem Einwand:
      .
      <<<Im sozialen und kulturellen Bereich engagierte Leute tun in meinen Augen mehr für die Gesellschaft als mancher, der von nine to five seinen Sessel befurzt und sich abends vor die Glotze hängt.<<<
      .
      kann und will ich nicht widersprechen.
      .
      Dieselben sozial engagierten Leute sollen dann aber bitte nicht darüber lamentieren, dass es mit ihrer "normalen Sessefurz-Laufbahn" halt nicht so geklappt hat und unterschwellig die Schuld "im bösen System" suchen.
      .
      Ich für meinen Teil habe mir überlegt, mit Erreichen der 50 -sofern ichs mir finanziell und zeitlich leisten kann- Meeresbiologie zu studieren. Manchmal erfordern es eben die Sachzwänge (z.B. KEIN dickes Erbe erhalten oder in Aussicht), die eigentlichen Wunschvorstellungen "für später" aufzusparen (im wahrsten Sinne des Wortes).

    • Titel eingeben
      Werter Köstlich,
      und ich setze mich dann in Vorlesungen rein für forensische Psychologie.

      Scherz beiseite.
      Unterschwellig die Schuld im bösen System suchen: Ja, warum denn nicht.

      “Das System” hat Bologna erfunden (es waren nicht die Schweizer, die sind nur für Ricola verantwortlich).

      “Das System” in Form gewisser Menschen, deren Namen man googeln kann, hat in diesem Sommer im Ausschuss Sozial & Arbeit abgelehnt, die betrügerisch angelegten Werkverträge zu verhindern. Es war Schwarz-Gelb, die Namen der Ausschuss-Mitglieder kann man wie gesagt googeln.

      “Das System” hat Namen, es besteht aus Menschen. Man kann sich über sie informieren, man kann sie anpragern, ggfalls abwählen.

      Und selbstverständlich sind die dann schuld. Wer denn sonst. Ich war ein paar Jahre in der Politik, das sollten sich auch andere antun. Dann wissen sie, wie Entscheidungen zustandekommen.

    • Titel eingeben
      C’est la vie!

    • Deutsche Studien-Titel waren einfach zu unsexy, deshalb macht heute jeder eine Bologna-Ausbildung...
      …. und glaubt danach, er/sie hätte “studiert”.
      .
      Informatik, Maschinenbau, BWL, VWL, Jura, studierte wer -nach einem Prädikatsexamen- eine Garantie für einen lässigen Berufseinstieg suchte. Wenn im Vorstellungsgespräch dann noch die Uni und die Professoren in einem Hauptfach passten, war der Job gesichert. Selbiges galt übrigens für die Praktika nach einem ordentlichen Vordiplom.
      .
      Jetzt haben wir Bologna, weil wir die Vorteile des dualen Ausbildungssystems (das hat, denke ich, ähnlich viele Berufs = Titelbezeichnungen wie Bologna!) politisch weltweit klein geredet haben. Der Unterschied ist, dass man die “Absolventen” (=Gesellen) im “erlernten Beruf” auch direkt verwenden konnte. Heute muss jeder in 8 Jahren durch die Schule und danach schnellstens auf die Uni.
      .
      Ach ja, zum Bund muss ja auch keiner mehr. Wenn im Vorstellungsgespräch Professor oder Uni nicht gepasst hatten, wars dann vielleicht die Bundeswehr-Kompanie mit der man punkten konnte.
      .
      Beim Studium geht es nicht darum, funktionales Wissen zu erwerben, sondern sich durch Tonnen von abstraktem Kram zu kämpfen, den eh keiner braucht, ausser um zu beweisen, dass man es geschafft hatte … mit Blut, Schweiss, viel Alkohol und Prädikat!
      .
      Es war ein “old boys club” … und wer nicht “dazu” gehörte, der kam zwar nicht hoch, war aber immer noch stolz es in seinen “erlernten Beruf” fast bis nach oben geschafft zu haben.
      .
      Heute sind alle “gefühlt oben” – aber nur die ganz oben sind wirklich zufrieden.

  88. gebt mir was mir zusteht:
    - ein 80millionstel der Fläche Deutschlands
    (das ist fast ein Hektar)
    – freien Zugang zu Trinkwasser
    – Befreiung von Bau- und Saatgutverordnung
    und ich werde mein Klo selbst putzen
    und ihr werdet euer Klo selbst putzen

    • Gebt mir was mir zusteht
      Da könnt ja jeder kommen.

      Wenn Sie es wirklich haben wollen, müssen Sie es machen wie andere auch:
      ” Das will Ich, her damit!”.

  89. Fachidioten
    Ein Teil des Problems ist aber auch, daß sich die Universitäten haben einseifen lassen – zuvorderst die Verwalter und Professoren (mit fleißiger Hilfe der KuMis), einigermaßen gezwungen dann auch die Studis:
    Die immer weitergehende Spezialisierung in kleine und kleinste Sprieselteilfächer hat ja mit dem Bologna-Prozeß seine Krönung gefunden, so daß nun hunderte von Studiengängen angeboten werden, von denen etliche so aussehen, als gäbe es einen nahtlosen Übergang in einen entsprechenden Beruf. Für die Studis die Fata Morgana “ich studiere mein Lieblingsfach und bin dann perfekt für meinen Lieblingsberuf ausgebildet”, für die Profs nur noch Vorlesungen über ihr Lieblingsthema.
    Dazu paßt auch, daß in vielen Unternehmen die Maxime ausgegeben wird, man brauche Experten, die ihre Sache wirklich gründlich verstünden (vulgo Fachidioten).
    (Dazu Lichtenberg: “Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.”)
    Von England, wo es die Unterscheidung in Bachelor und Master schon lange gibt, weiß ich aber nun, daß dort (zumindest früher) gerade nicht die frühe Fachspezialisierung gefragt war. Wenn einer wirklich in ein Thema einsteigen wollte, dann machte er nach dem Master eben noch seinen PhD. Gar nicht so ungewöhnlich war es dagegen, daß jemand einen Bachelor in zB Kunstgeschichte machte und dann von einem IT-Unternehmen eingestellt wurde.
    Zum einen übernahmen damit auch die Unternehmen ihren Anteil an der Ausbildung, zum anderen kam nicht automatisch die Vorstellung auf, für jeden erfolgreichen Studienabschluß gebe es automatisch auch einen genau passenden Arbeitsplatz.
    (Nebenher vermeidet man auf diese Weise auch noch einen zu stark ausgeprägten Schweinezyklus.)
    Meine aktuelle Arbeit hat außer der Bedienung einer Computertastatur gar nichts mit dem Fach zu tun, was ich studiert habe (Physik), aber offensichtlich war es umfassend genug. Die Tendenz, das Studium immer weiter zu spezialisieren, gab es allerdings schon damals.
    Nutznießer dieser Entwicklung sind die Unternehmen, die sich billig Praktikanten halten können und weniger Aufwand für die Einarbeitung haben – gewissermaßen “spätkapitalistische Zustände”.

  90. Es ist Zeit
    Ich möchte mich herzlich beim Gastgeber, der Autorin und selbstverständlich
    bei den Lesern für ihre Kommentare bedanken.

    Beitrag bedanken.

  91. Bildung oder Ausbildung
    Beim Lesen vieler Kommentare bekomme ich den Eindruck, daß ein Studium mehr und mehr zu einer einfachen Ausbildung geworden ist. Wenn die Wahl des Studienfaches nur noch von der späteren Arbeitsmarktsituation beeinflußt wird, und eigene Interessen keinerlei Rolle mehr spielen, dann ist es wirklich soweit.

    Aber sollten die Hochschulen nicht eigentlich Bildung vermitteln, und erst in zweiter Linie eine Qualifikation für den Arbeitsmarkt? Ich kann mich noch daran erinnern, daß man mitleidig z.B. auf Pharmazeuten geschaut hat, da deren Studium nichts anderes als eine etwas anspruchsvollere Ausbildung war (wobei es genug Pharmazeuten gibt, die später einen anderen Weg eingeschlagen haben). In vielen Ländern gibt es inzwischen Studiengänge, die in Deutschland eher einer Ausbildung oder Lehre entsprechen – warum das so ist, ist eine andere Frage, es verringert auf jeden Fall die Jugendarbeitslosigkeit. Aber man kann das doch nicht zum Anlass dafür nehmen, ein Studium generell als nichts anderes als eine Ausbildung anzusehen.

    Mein Fach wurde – obwohl Naturwissenschaft – zu Beginn meines Studiums auch als “brotlose Kunst” bezeichnet und mir wurde mehrfach von wohlmeinenden Familienmitgliedern geraten, doch etwas “richtiges” zu studieren. Und wenn man als Erfolg einzig Gehalt und Status ansieht, hatten sie sicher recht – aber ich bin dennoch froh, bei meinem Entschluß geblieben zu sein. Und ich glaube, daß ein Student, der studiert, was ihn interessiert, immer besser und erfolgreicher sein wird als einer, dessen Studienwahl nur strategisch begründet ist.

    Daß man dabei in eine Situation kommt, wie von der Autorin beschrieben, ist wieder eine andere Sache – mal abgesehen von den angesprochenen Vorschlägen wie Ortswechsel etc zeigt es doch auch, daß eine Arbeitskraft eigentlich nichts mehr wert ist. Es wird erwartet, daß man “kostenlose” Praktika finanziert und sein Leben nach einem potentiellen Arbeitgeber ausrichtet, der in vielen Fällen eben nicht bereit ist, Arbeitnehmern ebenso entgegenzukommen. Hier scheint ein wenig die Ansicht verloren gegangen zu sein, daß Eigentum eben auch verpflichtet, und daß man in einer Gesellschaft nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern eben auch für diese Gesellschaft hat.

    Bei dieser Diskussion geht es doch auch um die Frage, worin der Sinn des Lebens liegt – und diejenigen, die eine Karriere-basierte Studienwahl empfehlen, scheinen den Sinn hauptsächlich darin zu sehen, sich für einen potentiellen Arbeitgeber attraktiv zu machen. Gibt es nicht noch andere Dinge? Ich halte auch nicht viel von staatlicher Alimentation die Menschen entmündigt – idealerweise sollte eine derartige Alimentation nicht notwenig sein und nur in Notfällen benötigt werden – dazu genügt es aber nicht, einfach die (potentiellen) Empfänger zu bestrafen, sondern man sollte gleichzeitig auch diejenigen angehen, die Abhilfe schaffen könnten (eg durch das Schaffen von Stellen mit Gehalt von dem man Leben kann) und es nicht tun.

  92. Titel eingeben
    Beste(r) Gu X:

    ich erinnere mich grob an eine Feststellung von Claus Offe (irgendwann Ende der 60er in einem Soziologie- Band), dass nur der konfliktfähig ist, der eine Leistung verweigern kann. Daran sollte man anschließen: Wessen Leistung von anderen noch viel günstiger angeboten wird, ist halt nicht konfliktfähig. Das ist doch in weiten Bereichen der Universitäten heute der Fall und in den vorgelagerten (Marketing-) Aktivitäten der Industrie auch. Beispiel: Ich habe mich im März als Schurnalisd für die Bauma- Messe in München angemeldet. Leider habe ich vergessen, den Haken für die Unterbindung meiner email- Daten zu drücken. Seitdem bekomme ich einen unglaublichen Schrott geliefert. Meist noch in einer grauenhaften Denglisch- Sprache. Deswegen sehe ich für Frau Zinn, die Texterstellerin, grandiose Berufsaussichten. Nämlich Dünnschwätz- (nenne ich mal so)- Elaborate in konkrete Aussagen über die Leistungsfähigkeit konkreter Produkte zu verwandeln. Ist ein Riesenmarkt.

  93. .....
    @ThorHa
    „Das echte und ungelöste Arbeitsmarktproblem (dessen Grösse zunehmen wird) stellt sich für heute x und morgen x+ Prozent der Bevölkerung, die durch begrenzte eigene Fähigkeiten und/oder soziale Herkunfstbedingungen nur zu sehr wenig anspruchsvollen Routinearbeiten befähigt sind. Für die haben wir nicht genügend Jobangebote und das Problem wird sich mit zunhmender Automatisierung weiterer Arbeitsbereiche (z.B. autonome Fahrzeuge, Folkher Braun aufgepasst) weiter verschärfen. Dafür habe ich keine Lösung und sehe auch sonst niemanden, der eine hätte.“

    Uns fehlen die Arbeitsplätze nicht wegen der Automatisierung, sondern weil wir sie in die 3.Welt mit ihren Billigst-Sklaven verlegt haben. Da können problemlos mal 1000 an einem Tag verbrennen, weil eine Tür abgesperrt ist, da gibt’s Millionen anderer die bereit stehen. Es sind ja nur die Sub-Unternehmer die Schuld sind, nicht die deutschen Leistungsträger…. und deren dabei erzielten Profite sind nun mal wichtiger. Zumindest bis es den deutschen Dummköpfen mit ihren Hartz4 Satz zu bunt wird, also am St. Nimmerleins Tag…

    Nur ein einziges kleines Beispiel als Alternative…. Wenn zB Alten- und Pflegebedürftige mit dem Geld angemessen bezahlt würden, die der Steuerzahler an Staat und die Versicherungskonzerne abgibt, dann hätten sie auf einen Schlag jede Menge neuer Arbeitsplätze. Aber die wären natürlich nicht profit-intensiv, wie zB die Privatisierung von Kliniken und die Reduzierung der Zahl der Pflegekräfte. Ganz zu Schweigen vom Nebeneffekt des sozialverträglichen Früh -Ablebens der unnützen Rentenbezieher, als logischer Nebeneffekt mangelnder Pflege….

    Es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass die Bürger eine angemessen bezahlte Stelle finden können. Und zwar am Lebensstandard des betreffenden Landes angemessen, nicht mit der Phrase beantwortet, anderswo sei alles noch schlimmer. Politiker werden von den Steuergeldern der Bürger bezahlt, es läge an den Bürgern die Politiker zur Rechenschaft zu ziehen. Und damit schliesst sich bei mir wieder der Kreis: Solange die Bürger dies nicht tun, und stattdessen wie die Autorin jammern und mit dem Finger auf andere zeigen bleibt alles so wie ist, und es ist gerecht so!

    Und was ihre doch etwas arg eigenartige Forderung angeht:

    „Ich persönlich war und bleibe der Auffassung, dass für ein echtes Studium ein IQ von 120 plus Voraussetzung sein sollte, dann reduzierte sich die Zahl möglicher Akademiker auf maximal 12,5% der Bevölkerung.“

    Es steht Ihnen und allen anderen die ebenso denken selbstverständlich frei als Rädchen zu leben, ich für mich beanspruche eine selbst-bestimmtes Leben. Wer Erfüllung in der Existenz des nützlichen Idioten zu finden weiss, dem sei dies freigestellt. Und selbstverständlich sollte der auch, wie sie es nennen ein „echtes“ Studium absolvieren, wenn es zu mehr nicht reicht. Wie alle Kleinbürger verlangen Sie von allen anderen sich von dem, was sie sich selber nie gegönnt haben, ebenfalls zurück zu halten. Neid und Ressentiment nennt sowas.

    Sie sehen das Problem ja richtig:
    „Wie hat das System das bloss geschafft, OHNE die Einzelnen
    eine krankhafte, habgierige Konkurrenzgesellschaft zu schaffen? So völlig ohne jeden einzelnen von uns? Unbemerkte Singularität?“

    Wie schaffen sie es nur immer wieder die falschen Schlüsse daraus zu ziehen?

    @GuX
    „Bei dieser Diskussion geht es doch auch um die Frage, worin der Sinn des Lebens liegt – und diejenigen, die eine Karriere-basierte Studienwahl empfehlen, scheinen den Sinn hauptsächlich darin zu sehen, sich für einen potentiellen Arbeitgeber attraktiv zu machen. Gibt es nicht noch andere Dinge? Ich halte auch nicht viel von staatlicher Alimentation die Menschen entmündigt – idealerweise sollte eine derartige Alimentation nicht notwenig sein und nur in Notfällen benötigt werden – dazu genügt es aber nicht, einfach die (potentiellen) Empfänger zu bestrafen, sondern man sollte gleichzeitig auch diejenigen angehen, die Abhilfe schaffen könnten (eg durch das Schaffen von Stellen mit Gehalt von dem man Leben kann) und es nicht tun.“

    Politiker/Regierungen werden von den Bürgern dafür bezahlt, dass sie das Gemeinwesen so organsieren, dass für ALLE ein menschenwürdiges Leben ermögilicht wird. Eine neo-liberale Regierung, die den Reichen und den Konzernen ermöglicht ihre Profite zu maximieren und deren Bemühen für den Rest der Bevölkerung sich auf die Hoffnung reduziert, von den Tischen der Reichen würden genügend Brosamen herabfallen, die hat jegliche Legitimierung verloren. Keiner ist unter einer solchen Regierung noch zu irgend etwas verpflichtet. Ja, „staatliche Alimentation entmündigt“, aber in einer Lage wie jene der Autorin, ist die Entmündigung bei der Anpassung an dieses perverse Systems noch ein paar Nummern grösser.
    Wer zu dumm ist, dies zu verstehen und sich trotzdem weiterhin bemüht ein Rädchen zu werden, egal zu welchen Bedingungen, der verdient es nicht anders. Die Reaktionäre besitzen kein Monopol auf das Wort von der Eigenverantwortung.
    Die Jessicas der Republik, halten ein korruptes, verbrecherisches System am Laufen. Ohne die Massen angepasster Mitläufer wie sie, würde es nicht laufen. Sie verdient keinerlei Mitleid!

    • Titel eingeben
      Und wie bitte, sind Sie über die Runden gekommen? Anders als als Beutegeier wird das wohl schwer möglich sein.
      Eine Frau denkt üblicherweise vergleichsweise langfristig, weil sie den Nachwuchs an der Backe hat.

    • In Ihrer Welt ist das sicher so....
      Ich bin mit 17 von einem reichen Zuhause durchgebrannt, und habe jeden einzelnen Pfennig den ich seitdem ausgegeben habe selber verdient (bei 3 Monaten Ausnahme)

      PS Ausreden haben mich nich nie interssiert….

  94. Eine neue Epoche der Sklaverei
    Wenn ich solche Berichte lesen, und ich lese das wahrlich nicht zum ersten Mal, stelle ich mir schon die Frage, ob wir uns gar in Richtung einer neuen Form der Sklaverei entwickeln? Einer Sklaverei, einer Form der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wie sie eher der Antike angepasst wäre, als dem modernen Kapitalismus. Einer Sklaverei, welche schon nicht mehr als Lohnsklaverei bezeichnet werden kann, dennoch eine Form derselbigen ist. Und wenn wir uns die Geschichte der Antike, der griechischen und römischen zum Beispiel, vornehmen (ich verweise da immer wieder auf die Forschungen von George Thomson zur Altgriechischen Gesellschaft), da finden wir neben der Sklaverei auch schon Keimformen der Ausbeutung von Lohnarbeit. Warum also auch nicht mal umgekehrt? Neben der Lohnarbeit Keimformen der Sklaverei!
    .
    Und alles weist genau darauf hin. Die Ausbeutung der Lohnarbeit ist längst in der Krise. Und wie sollte es auch anders sein, angesichts jenes hochorganischen Kapitals, welches sich selber ausbeuten müsste um Profite zu machen, um ausreichend Mehrwert abzuschöpfen. Der „tendenzielle Fall der Profitrate“ (http://blog.herold-binsack.eu/wenn-der-patient-keine-krankheitseinsicht-hat/) , ein wohl aus guten opportunen Gründen heftig bestrittenes marxsches Gesetz, hat die Realität dennoch voll erfasst. Dieses hochorganische Kapital weist eigentlich in Richtung eines Ende der ökonomischen Gesellschaften, doch in wenigen Händen konzentriert, gebiert es eine neue Aristokratie, eine neue Klasse innerhalb der Bourgeoisie, und mit dieser eine neue/alte Form der Ausbeutung. Mehr Freibeuter als zivile Finanzkapitalisten. Es sind Oligarchen, die, wie es scheint, über den Marktgesetzen schweben.
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    Soweit Lohnarbeit ausgebeutet wird, dann über die Ausbeutung der minderorganischen Konkurrenz. Das Kapital zahlt seinen Tribut an diese Freibeuter. Längst befindet sich das Milliardenheer der globalen Lohnsklaven – sozial betrachtet – unterhalb des Existenzminimums, also unterhalb dessen, was man einst einem Sklaven angedeihen ließ, angedeihen lassen musste.
    Die Ausbeutung von Akademikern folgt genau dieser Logik. Und einer anderen. Der, der falschen Ideologie. Ideologisch wie habituell an die Klasse der Ausbeuter gebunden, an die Illusion der „gerechten Entlohnung“, hoffen sie sich in den Kreis der Privilegierten einzuschmeicheln. Ich werde es doch wohl schaffen? So hofft jeder heimlich für sich.
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    Daher wäre meine Antwort auf die Frage der Studentin wohl eher unbefriedigend. Selbst wenn es ihr gelingt, ihre Arbeit mal angemessen bezahlt zu bekommen, ist das doch keine Option für eine ganze Generation, ja für alle Generationen von nun an. Mal abgesehen davon: was wäre der Maßstab für „Angemessenheit“? Dieser geht uns doch gerade verloren. Wir erleben gerade wie die „abstrakte Arbeit“ sich jeder Wertbestimmung entzieht, wie alle Waren, ganz generell.
    Die ökonomischen Gesetze verlieren ihre Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das Kapital sie eh nie verstanden hat, sondern da ihre Kategorien nunmehr obsolet werden. Daher auch die Sinnkrise in den ökonomischen Wissenschaften. Unsere heutigen Ökonomen haben viel gemeinsam mit einer Zigeunerin, die uns unser Schicksal aus der Hand zu lesen vorgibt.
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    Die derzeit die ganze Welt zu erfassen scheinenden revolutionären Aufstände gehen nicht von ungefähr von der Jugend und von den Frauen (http://blog.herold-binsack.eu/die-langste-stunde-des-finanzkapitals/) aus. Sind sie doch das Subjekt, welches da in die Sklaverei geführt wird. Diese begann mit dem Patriarchat und sie endet mit diesem. Und es steht zu hoffen, dass die Frauen da ihre Frau stehen so wie die Jugend ihren „Mann“.

  95. Pingback: Eine neue Epoche der Sklaverei

  96. Titel eingeben
    Bester TDV:

    Ich besitze alle drei Lizenzen für elektronische Trailerbremssysteme von Westinghouse, Knorr und Haldex. Und die Ausrüstung, so etwas ein- und auszubauen und einzustellen. Ich mache das auch. Das auto- fahrende Auto ist leider der zweite Schritt vor dem ersten. Der heißt Umstellung aller hydraulischen und pneumatischen Bremssysteme auf elektrische. Nur die hätten die erforderliche Schnelligkeit, Radar- und Ultraschall- Informationen in Fahrentscheidungen “in Echtzeit” (ich finde den Begriff furchtbar) umzusetzen.

    • Wollen... statt müsssen...
      …da haben sie mich missverstanden.
      Ich besass mein erstes Auto mit 15, einen Lloyd 400, mit Pappmachee Karosserie und 2 Takt Motor. Das Teil hatte noch nicht mal ein Nummernschild, dennoch fuhr ich fast jeden Abend mit dem Ding durch den Taunus spazieren. Ich habe neben meinem Philosophie Studium eine abgeschlossene Automechaniker Lehre hin mir und bin deshalb nach wie vor in der Lage alles ausser Elektronik zu reparieren. Sie wisssen dass es jede Menge HInweise gibt, dass die Energieversorgung eines Tages wegfallen könnte und Hndwerk wieder hochim Kurs stehen wird? … Ich fahre zu meinem Vergnügen Auto, nicht weil ich irgendwo hinmuss. Ich benutze Elektronik nur wo sie mir dient, ich besitze zB kein Handy. Wer mich erreichen will, kann das natürlich, aber ich habe ein eigenes Leben, und das hat Priorität. Trügt mich meine Erinnerung oder besagen ihre Posts hier nicht stets ähnliches? Ein Auto, das für mich fährt, würde ich nie besitzen und wegen meines Alters von Mitte 65 werde ich es auch niemals… erfreulich.

      Wäre es nicht besser Lizenzen zu haben, die den ohendies nicht allzuvielen Menschen, die die Fähigkeit zu einem eigenen Leben besitzen, dabei helfen? Statt Lizenzen mit denen immer mehr “Menschen” zu Rädchen verwandelt werden können?

  97. Es ist nicht nur so,
    Dass Akademiker seltener arbeitslos werden.
    Sie sind auch gesünder und
    Leben länger. Zumindest im akad. Betrieb.
    Naheliegend sich die Rente mit 70 auszudenken und sich für die Jüngeren immer
    neue Studiengänge einfallen zu lassen.

  98. Flowercrown
    Oh je, jetzt noch über SPON spotten?

  99. Rein empirisch ist es wohl anders
    … denn ich registriere sehr genau, wenn ich im schwarzen Anzug zum letzten Gang von Kollegen und Verwandten antreten muss. In den vergangenen drei Jahren waren es fünfmal die Jahrgänge 52 bis 62. Alle studiert, alle mit CEO, CFO, COO- Posten. Alle tot. O.k..: im Proletariat stirbt man früher. Lkw- Fahrerkollegen habe ich in den vergangenen dreißig Jahren acht auf ihrem letzten Gang begleitet. Die ich auf der Autobahn in brennenden Kabinen oder von der Lenksäule aufgespießt habe sterben sehen, die rechne ich nicht mit. Denn da war ich nicht zur Beerdigung der Reste eingeladen.

  100. @TDV
    @TVD

    Entschuldigen Sie bitte die längere Verzögerung, aber ich mußte das hier gelernte in die Wirklichkeit umsetzen und etwas für meine Mitarbeiter tun.

    Ich teile Ihre Ansicht nicht, daß Politiker dafür bezahlt werden, ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen. Politiker sind ein Abbild der Gesellschaft, und der Mehrheit ist anscheinend im Moment der Ansicht, daß eine – wie sie es nennen (ich würde eine andere Bezeichnung vorziehen, das würde aber eine neue Diskussion verursachen) – neo-liberale Gesellschaftsordnung am besten ist. Vermutlich liegt das in der Hoffnung begründet, man selbst könnte in einer solchen Ordnung zu den Gewinnern zählen. Aber selbst das ist zu einfach, denn selbst Befürworter einer neo-liberalen Gesellschaftsordnung können durchaus fast sozialistische Ideen befürworten (z.B. in England das Gesundheitssystem, das von fast allen Parteien – und der Mehrheit der Bevölkerung – befürwortet wird, obwohl es ganz sicher nicht einer neo-liberalem Idee entspricht).

    Meiner Meinung nach ist ein großes Problem, daß es heute möglich ist, die Verantwortung für eigenes Handeln abzugeben bzw. sich durch eine einfache Entschuldigung von groben Fehlern freizukaufen. Es scheint eben keine persönliche Verantwortung zu geben, sondern jeder kann sich gut hinter einem “System” verstecken, das man für alle Auswüchse verantwortlich machen kann. Früher hatte man die Höllenqualen oder diverse Ehrenkodizes, die ein Fehlverhalten zumindest theoretisch sanktionierten – heute gibt es das anscheinend nicht mehr.

    Was schlagen sie als Alternative vor? Ich meine diese Frage ernst – was würden Sie an Stelle der Autorin (oder auch an meiner Stelle, der ich satt und zufrieden im Labor sitze) machen?

  101. Eine zutiefst deprimierende Lektüre Jessica Miriam Zinn...
    …die sich leider zu 100% mit meinen und den Erfahrungen meiner Bekannten deckt. Wie kann es sein, dass dieses Land zu den erfolgreichsten Wirtschaften der Welt zählt und einen derart zynischen und verkommenen Arbeitsmarkt duldet? Das hätten sich meine Vetter und Cousinen, die im wirtschaftswunder Deutschland groß geworden sind nie träumen lassen! Sie verbringen ihre rüstige Rentnerzeit derzeit in der lastenfreien Villa im schwäbischen oder auf dem Kreuzfahrtschiff, nach einer Karriere als Kiefernorthopäde. Mein anderer Vetter bereist als pensionierter Beamte im mittleren Dienst derzeit die Welt per Schnäppchenangebote in all inclusive Clubs, wenn er nicht gerade mal wieder auf Kur ist. Die Gnade der Jahrgänge 1940 – 1950!

    • Die Gnade der Jahrgänge 1940 - 1950
      Ist die Gnade der geburtenschwachen Jahrgänge.

      Was sagt uns das?

    • Die Rentenkasse
      ihre finanzielle Erholung und erstmals einen zugegebenen Abbau der Bezieher
      Von Altersrenten.

    • Mein Bezugstest
      Ist wieder verschwunden.
      Also die Jahrgänge 1940- 1950 sind vor allem geburtenschwache Jahrgänge!

  102. tja
    Kommt eben drauf an was man studiert hat (Absolventen von Wohlfühlstudiengängen gibts zur Genüge) und wo man einen Job sucht. Und als Abgänger eines Massenstudiums hat man in Berlin schlechte Karten. Da sind tausend andere auch, die in Berlin was in der Richtung suchen, weil Berlin eben “hip” ist. In BaWü würde man was gut entlohntes finden. Aber da müßte man ja in einem Nest mit 3000 Seelen leben, das ist faktisch menschenunwürdig;)

    Ständige Zwischenjobs: damit zeigt man dem zukünftigem AG, daß man eben was tun *will* und zu Sauregurkenzeiten eben anderweitig aktiv ist. Das zeugt von Motivation und Fleiß.

    In bestimmte Gebiete ist allerdings auch ein schweres Reinkommen. Wenn man aber mal drin ist kriegt man alle 4 Wochen ein Angebot von der Konkurrenz.

  103. Die geschilderte Situation hat zwei fatale Ursachen:
    Die trefflich geschilderte Situation hat zwei fatale Ursachen:

    a) Es werden prozentual zu viele Akademiker mit sinkenden Fähigkeiten produziert. Die Gesellschaft ist in den letzten 50 Jahren nicht soo viel gescheiter geworden. Viele Hochschulstudiengänge befähigen nicht zu selbständigem Forschen sondern sind nur verbesserte Schulangebote.

    b) Verschärft wird die Situation dadurch, dass eine immense Anzahl von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer verschoben wurden. Das Angebot des hiesigen Arbeitsmarktes wurde dadurch immer knapper und es gibt unübersehbare Verwerfungen.

    In dieser Situation finden nur noch diejenigen Akademiker einen Job, welche in jeder Hinsicht flexibel sind und die Jobsuche besonders begabt angehen. Es trifft aber nicht nur Akademiker sondern alle Levels.

    Dieses Malaise wird sich so lange akzentuieren, bis die Lohnkosten in den Billiglohnländern genügend gestiegen sind. Nachdem in Fareast unvorstellbar grosse Personalreserven hungrig auf bessere Zeiten warten, wird dies noch einige Jahrzehnte so weiter gehen. Daraufhin werden andere Kontinente wie Indien und Afrika diese Rolle übernehmen, sofern im Westen nicht vorher ein revolutionäres Umdenken stattgefunden hat.

    Vorläufig will niemand diese Binsenwahrheit wissen, weil hier über einige Jahrzehnte Freihandel mit steigendem Wohlstand verbunden war.

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