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So hatte ich mir die berufliche Zukunft nicht vorgestellt

23.06.2013, 04:50 Uhr  ·  Schon Sklavenhalter wussten, dass Vollbeschäftigung möglich ist, wenn nur der Arbeitslohn gegen Null tendiert. In Berlin werden Akademiker nun eher unfreiwillig herangezogen, um die Richtigkeit dieser These erneut zu bestätigen.

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Vorbemerkung: Vor einem Jahr schrieb ich, Don Alphonso, vom gemütlichen Tegernsee aus, ein Stück über die Finanznot junger Menschen in Berlin. Folgerichtig gab es dann Vorwürfe, ich würde aus dieser Position heraus über etwas schreiben, das ich – privilegiert, abgesichert, bayerisch – so gar nicht kennen würde, und ausserdem seien Nudeln jeden Tag nahrhaft und dergleichen mehr. Tatsächlich denke ich auch, dass die enormen Unterschiede zwischen den Landesteilen, zwischen der Vollbeschäftigung in Miesbach abzüglich der reichen Nichtstuer am See und den Problemen des Ostens, am besten dann zu verstehen sind, wenn man sie ungeschönt nebeneinander so darstellt, wie sie jenseits der Jubelmeldungen über schöne, sorgsam gereinigte Statistiken und anderer Propaganda der Leistungsgesellschaft sind. Und zu meiner grossen Freude hat sich die von mir sehr geschätzte Jessica Miriam Zinn bereit erklärt, einmal aufzuschreiben, wie das so als hochqualifizierte (und mich Langzeitstudenten locker überflügelnde) Akademikerin in Berlin so ist, in den Abgründen eines Jobmarkts, den kein wirtschaftsnahes Institut erfassen möchte:

Ich lese in der Zeitung, dass meine Generation immer höhere Erwartungen an ihren Beruf stellt. Wir hätten höhere Ansprüche an Arbeitsplatzgestaltung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Arbeitgeber sollen sogar verunsichert sein, weil ihre Beschäftigten Freude bei der Arbeit und eine motivierende Tätigkeit wünschen, und Angebote wie Unternehmenskitas und Fitnessräume fordern. Angeblich gibt es für junge qualifizierte Bewerber großartige berufliche Aussichten. Selbst für schlechter qualifizierte Bewerber werden bessere berufliche Aussichten prognostiziert. Ich frage mich nur: In welchen Bereichen? Bestimmte Ingenieure und Informatiker sind sicher gefragt. Aber sonst? Wieso bemerke ich selbst nicht viel von diesen großartigen beruflichen Möglichkeiten? Gibt es die nur für andere Branchen?

Manchmal wünsche ich mir die vorhersehbare Routine einer langjährigen geregelten Beschäftigung. Den „NineToFive“-Job, die geregelten Wochenarbeitszeiten mit festen Urlaubstagen. Einen festen Job, in welchem ich über mehrere Jahre in der selben Firma verbleibe und mich durch Arbeitspraxis weiterbilde. Beruflicher Aufstieg. Feste Arbeits- und Freizeitzeiten, beruhigende alltägliche Gewohnheiten und finanzielle Sicherheit. Aber keiner in meiner Umgebung glaubt mehr daran, dass es noch normal ist, auch nur für zehn Jahre in einer Firma zu bleiben.

Mein Leben passt mit den Erwartungen meiner Eltern nicht zusammen. Sie hatten die Vorstellung, dass ein Studium allgemein mit einem höheren Einkommen verbunden ist. Ich wohne in Berlin, habe eine feste Teilzeitstelle und suche eine weitere. Ein Beruf alleine reicht für die alltäglichen Lebenskosten nicht aus.

Mir wird gesagt: „Junge Menschen haben heutzutage berufliche Möglichkeiten, die für ihre Eltern und Großeltern in weiter Ferne lagen.“ Wenn ich Berlin verlassen würde, hätte ich dann bessere Chancen? Früher habe ich zwei Bewerbungen geschrieben und hatte eine Stelle. Jetzt habe ich mehrere Studienabschlüsse mit guten Noten. Einhundert Bewerbungen sind noch viel zu wenig, sagt eine Freundin, die mit ihrem Abschluss eigentlich begehrt sein müsste. Berufsausbildung und erfolgreiche Studienabschlüsse, Arbeitserfahrung, zahlreiche Fortbildungen… irgendwie reicht es nicht für eine feste Stelle. Es reicht nicht für die beruhigende, finanzielle Sicherheit.

Mistwetter, wenn es nicht regnen würde, dann könnte ich wenigstens 100 Euro am Verkaufsstand im Park verdienen. So äußert sich eine befreundete Akademikerin. Früher hätte ich gedacht, dass solche Jobs etwas Nebenberufliches für Schüler oder Studenten sind. Jetzt benötigen wir sie zum Überleben. Intellektuelle aus den verschiedensten akademischen Fachrichtungen treffen in meinem Umfeld aufeinander. Vielfältige wechselnde Beschäftigungen. Bei der aktuellen Beschäftigung beschwert man sich über die Arbeitsbedingungen, macht Überstunden und hofft auf die Festanstellung. Wir haben gelernt, dass man für den Beruf örtlich ungebunden und zeitlich flexibel sein muss. Was ist, wenn man an Berlin gebunden ist? Wäre hier nicht die Senkung unserer Ansprüche angebracht, anstatt zu hohe Erwartungen zu stellen? Oder gilt das nur für Berlin?

Ich kenne zahlreiche hochqualifizierte Personen, die Saisonarbeit als Touristenführer oder Gärtner erledigen, verschiedenen wechselnden Teilzeitjobs nachgehen, als Selbständige Monate in ihrer Küche an beruflichen Projekten arbeiten und so alle paar Monate für einen Auftrag bezahlt werden. Sie sind gut ausgebildete Akademiker ohne weitere Besonderheiten oder Einschränkungen. Sie hatten bereits verschiedenartige Beschäftigungen. Früher kannten wir Witze, dass man mit manchen Studiengänge nur Taxifahrer werden kann. Mit zahlreichen neuen Studiengängen scheint es nur mehr qualifizierte Fachkräfte für geringfügige Beschäftigungen zu geben. Aber kaum jemand wird Taxifahrer. Akademiker gewöhnen sich an atypische Beschäftigungsverhältnisse mit Minijobs, Leiharbeit und Teilzeitstellen. Zwischen befristeten Zeiten fester Beschäftigung sind viele im Umfeld selbständig und bieten ihre Arbeitsleistungen über Internetseiten an.

Ich überlege, wie ich mein Profil im Jobportal überarbeite und welche Personalvermittlung für Akademiker ich anschreibe. Soll ich mich selbst im handwerklichen Bereich mit Internetverkauf als Zuverdienst beschäftigen? Dank guter Ausbildung findet man immer noch irgendwo eine Möglichkeit, notfalls in einer schlecht bezahlten Teilzeitbeschäftigung zu arbeiten, oder sich eine neue Geschäftsidee für die Selbständigkeit zu überlegen. Einige Bekannte arbeiten als Programmierer, Grafiker oder Webdesigner, obwohl sie etwas ganz anderes, wie Physik oder Biologie studiert haben.

Man nimmt die Tätigkeit an, in der man gerade am Besten Geld verdienen kann. Eine Arbeitgeberin informierte mich telefonisch, dass sie mir gerne eine Stelle anbieten würde, aber nur, wenn ich mich wieder als Studentin an der Uni einschreibe. Aus Versicherungsgründen. Auch Andere hörten schon die Bedingung des Studentenstatus bei einem Stellenangebot. Irgendwie hatte ich mir das so nicht vorgestellt.

Nach einer Weile kommen die Selbstzweifel. Was hätte ich anders machen können, um irgendeine Art von Traumjob, …Oder nein, nicht einmal mehr das. Was hätte ich anders machen können, um einen akzeptablen Job mit angemessener Bezahlung zu finden?Ich überlege an welcher Stelle ich mich in meinem Lebenslauf hätte anders entscheiden sollen. Was genau war der Fehler? Welche Qualifikation fehlt oder was habe ich falsch gemacht?

Überarbeitungen von Bewerbungen für die verschiedensten Arten von Stellen folgen. Wo kann ich mich bewerben? Das Jobcenter und viele Arbeitsvermittler können nicht helfen. Sie scheitern an meinem englischsprachigen Abschluss und versuchen mich stattdessen in Stellen meiner über 10 Jahre entfernt liegenden beruflichen Ausbildung oder in Beschäftigungen für Unqualifizierte unterzubringen.

Welche Qualifikationen hätte ich mehr betonen sollen? War es ein Fehler. in zu vielen verschiedenen Bereichen tätig gewesen zu sein? Hätte ich mich mehr auf spezifische Berufserfahrung konzentrieren sollen? War es ein Fehler mich unter Wert zu verkaufen? Habe ich zu wenig Fortbildungen und Anwenderkenntnisse? Hätten mehr Publikationen im Lebenslauf besser ausgesehen? Was könnte an der Bewerbung verbessert werden? Soll ich Qualifikationen verschweigen, um bessere Chancen bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten zu haben? Ich weiß nicht, ob ich meine Qualifikationen anpreisen und mich möglichst gut verkaufen oder ob ich nicht lieber um eine 450Euro-Stelle betteln sollte.

Die Zweifel und Ängste werden größer mit jeder Absage, die ich auf eine Bewerbung bekomme. Ich möchte genügend Geld verdienen, um ohne Probleme meine Miete, Nebenkosten und den normalen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Oder habe ich zu hohe Erwartungen? Mit einem akademischem Abschluss kommt man sich komisch dabei vor, wieder einen Job im Supermarkt oder Callcenter in Betracht zu ziehen. Natürlich kann ich diese Tätigkeiten ausführen, um Geld zu verdienen. Aber ist das befriedigend? Wofür war sonst die Ausbildung da? Als Schüler oder Student arbeitet man nebenbei ganz selbstverständlich im Supermarkt oder hinter dem Tresen. Nichts gegen diese Tätigkeiten. Freunde haben begeistert anstatt akademischer Abschlüsse eine Ausbildung in der Gastronomie angefangen.

Ich möchte nur lieber in meinem gelernten Beruf arbeiten. Oder wenigstens in einem Arbeitsfeld in der Nähe meiner beruflichen Qualifikation. Wenn ich Freude an einer Tätigkeit habe, dann arbeite ich auch gerne für eine geringe Bezahlung. Ich benötige kein großes Anfangsgehalt, würde aber im Vergleich nicht ungerecht bezahlt werden wollen.

Neulich lautete eine Jobempfehlung im Bekanntenkreis, zunächst als telefonischer Berater bei technischen Problemen zu arbeiten. Ein Übergangsjob, den man nach einer mehrwöchigen Einarbeitungszeit anfangen kann. Nur eine Stelle, um damit die Miete zu bezahlen. Aber Arbeitserfahrung ist nicht gleich Berufserfahrung. Meine Arbeitserfahrung in einem Supermarkt, Callcenter, Handwerksbetrieb, Forschungsinstitut, im öffentlichen Dienst oder in Selbständigkeit zählt leider nicht gleich viel bei der Bewerbung für ein bestimmte Stelle.

Jemandem auf Jobsuche werden verschiedene Tätigkeiten empfohlen. Notfalls findet man immer irgendetwas. Im schlimmsten Fall putzt man vielleicht Klos, kontrolliert Fahrgäste oder spricht an der U-Bahnstation Passanten an, verteilt Flyer und bewirbt gegen Bezahlung Mitgliedschaften. Meist frage ich mich nur, wie mir diese Tätigkeiten bei meinem beruflichen Aufstieg weiterhelfen sollen.

Oder wie sollen sie mir einen Einstieg in eine feste Stelle ermöglichen? 2 Euro 50 pro Stunde in Vollzeit? Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich nachträglich überlege, ob ich das Angebot hätte annehmen sollen. War es ein Fehler abzulehnen? Es wäre für mich Berufspraxis im Lebenslauf gewesen. Ich habe mal im Architekturbüro gearbeitet. Immer mal wieder erreichten uns Bewerbungen von Architekturabsolventen mit hervorragenden Abschlüssen und zusätzlichen Qualifikationen. Wir schüttelten den Kopf über den Wunsch nach einem unbezahlten Praktikum. Die Berufseinsteiger wollten kostenlos arbeiten, nur damit sie keine Lücke im Lebenslauf stehen haben. Eine Architektin empörte sich, dass sie solche Leute nicht einstellen würde. Ein Arbeitnehmer, der sich auf solche Bedingungen einlässt, würde schließlich dem ganzen Berufsfeld schaden.

Teilweise wird für Praktika Berufserfahrung vorausgesetzt, und während man sich für eine gutes Arbeitszeugnis abrackert, kann man bereits beobachten, wie die nächsten unbezahlten Praktikanten Schlange stehen. Inzwischen bin ich selbst dazu bereit. die üblichen unbezahlten Praktika anzunehmen. Arbeitserfahrung in meinem eigenen Berufsfeld gibt mir Hoffnung auf berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Dann lausche ich wieder einem weiteren Gespräch, dass man kein Personal, welches sich so unter Wert verkauft, einstellen sollte. Qualifizierte Arbeitskräfte sollten schließlich selbstbewusst ihren Marktwert vertreten.

Gerne. Für welche Stelle soll ich meine Gehaltsforderungen anpassen? Und wieviel unbezahlte Arbeitserfahrung oder geringfügige Beschäftigung ist Voraussetzung für die Besetzung? Ich hoffe, ich stelle keine zu hohen Ansprüche. Irgendwo gibt es diese freien Stellen, die die hohen Ansprüche der hochqualifizierten heutigen Akademiker erfüllen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Aufstiegsmöglichkeiten und alle weiteren Extras bieten. Sicher gibt es irgendwo auch eine für mich.

Ich muss nur erst das passende unbezahlte Praktikum, die Stelle als studentische Hilfskraft oder die entsprechende schlecht bezahlte Teilzeitstelle als Qualifikation dafür annehmen. Jetzt arbeite ich erstmal nur gegen Unterkunft und Verpflegung, sowie Reisekosten. Es ist Arbeit, es ist nicht in meinem Beruf, ich verdiene nichts, aber es macht mir Spaß. Wenn ich nur über Absagen verzweifle, dann bin ich irgendwann nicht mehr in der Lage mich beim Bewerbungsgespräche positiv zu verkaufen.

Betteln um Jobs klappt mit guter Laune und positiver Ausstrahlung immer besser.

 

Veröffentlicht unter: Gastbeitrag

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (281)
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21 Frank Harden 23.06.2013, 07:42 Uhr

Lieber kurze Jobs als feste Arbeit.

Waehrend meiner Abwesendheit in den Foren finde ich immer die Zeit, mich um mein derzeitiges Projekt zu kuemmern; das faellt dem Kunden angenehm auf.
Das "Springen" hat nun wirklich den Vorteil, mich von einer Sache nicht allzu sehr gefangennehmen zu lassen.
Ganz nebenbei waere das auch den zwangsverpflichteten TV-Dauerkonsumenten in der bundesdeutschen Kaserne zu empfehlen: ein Tastendruck, und schon verschwaende Merkel oder gar Trittin; oder man schaltet gleich ganz aus und betrachtet einfach das lautlose Treiben der Neon-Salmler im blubbernden Aquarium. Ich frage mich wirklich schon seit Jahren, was die auffallend leuchtend rot-blauen Laengsstreifen zu bedeuten haben. Nachforschen wird aber langsam laestig, denn mit steigendem Lesekonsum erhoeht sich auch die Lesegeschwindigkeit....Input, Input, Nr.5 gibt nicht auf; trotz der quaelend langsamen Internetverbindung;

Montag soll ich fuer einen(!) Tag nach Belo Horizonte reisen, um dann Abends noch einen Bericht zu schreiben.
Anfang Juli haette ich wieder fuer eine Woche Arbeit; fuer das restliche Jahr insgesamt acht Wochen Beschaeftigung. Ob sich das lohnt, wird sich Jahresende herausstellen.
Vielleicht mache ich dann also doch noch meine schon lange geplante Wanderung: Buenos Aires - Patagonien - Suedchile und dann hoch bis zum Paranal Observatorium. Bei Geldmangel steht alternativ der Bayrische Wald im Raum.

Ich weiss auch nicht, ob ich mich weiterhin fuer Arbeiten prostituieren soll, die ich mit meinem Gewissen eigentlich nicht mehr vereinbaren kann; ausserdem trifft man immer wieder Leute, die alles besser wissen oder besser wissen wollen. Der leidige Grossstadt-Stress tut sein uebriges. Und erst die elendigen Fabriken, die etwas ausserhalb der Staedte in doch arg kaputten Gegenden liegen.
Das Problem sind diese bunten Papierscheine, auf denen Zahlen gedruckt sind; sie verheissen Anerkennung oder die Erfuellung von Wuenschen. Kleidung, neues Auto, neue Kameraausruestung mit Objektiven vom feinsten, Adobe Master Collection, Eizo-Bildschirm, Grossformatdrucker; von anderen Traeumen will ich gar nicht erzaehlen.

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der Mann drei Probleme hat. Da waere die Freiheit, das Geld und schliesslich die Frauen; genau in dieser Reihenfolge.
Es sieht so aus, als wuerde ich mich vielleicht in gar nicht zu ferner Zukunft fuer die Freiheit entscheiden, mit allen Konsequenzen, und ich habe ebengerade keine Lust, darueber nachzudenken. Einfach weg, raus aus der Tretmuehle.
Mein Deutschlehrer sagte einmal einen Satz, den ich nie vergessen habe:
"Arbeit ist Mist, Betrachtung ist wichtig." Das waren so seine kurzen Statements.

39 Peter Keul 23.06.2013, 09:19 Uhr

Als Vater eines Diplom-Biologen bin ich voll...

Als Vater eines Diplom-Biologen bin ich voll im Thema. 1 Jahr lang nach dem Abschluss arbeitslos, wurde von den Inkompetenz-Zentren, auch gerne Arbeitsagentur genannt schlecht und falsch beraten und bei seiner schließlich erfolgreichen Umorientierung auch noch behindert. (Biologe wäre so eine tolle Qualifikation, dass man ihm das ALG kürzte, weil er statt weiter sinnlos Bewerbungen zu schreiben eine Vollzeit - Sonderqualifikation besuchte, die seine Eltern auch noch mit 5000.- € finanzieren durften. Das ist jetzt auch kein Traumjob, aber immerhin bezahlt und, was noch wichtiger ist, der Einstieg ins Berufsleben

Aber solche Larmoyanz wie von der Autorin habe ich die ganze Zeit von meinem Sohn nicht vernommen. Ein Studienabschluss ist eben leider keine Garantie mehr für ein gutes Einkommen. Aber dieses Land hat so viele Möglichkeiten. Einschließlich der, es auch mal zu verlassen. Deutsche Weinerlichkeit hilft nichts. Da muss man offensiv herangehen. Irgendwas ist immer möglich.

Antworten (4) auf diese Lesermeinung

21 Florian Guthoff 23.06.2013, 09:50 Uhr

Nicht jammern sondern Konsequenz ziehen !

Jammern bringt gar nix. Selbstständig machen bzw. eigene Firma gründen.
Dann kann man seine Mitarbeiter auch gemäß eigenen Vorstellungen ordentlich bezahlen.
Dass Berlin seit Jahren wegen politischer Unfähigkeit nicht das beste Pflaster für wirtschaftliche Aktivitäten ist und es auch weniger Jobangebote gibt (als z.B. im Süden Deutschlands) sollte eigentlich niemanden wundern der zum Studieren oder Arbeiten dorthin umzieht.
Die Politik jedenfalls kann keine Jobs aus dem Hut zaubern sondern lediglich angenehmere Verhältnisse für Unternehmen und Startups schaffen. Bzgl. Startups ist Berlin ja gerade auch auf einem guten Weg.

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

139 Don Alphonso 23.06.2013, 09:57 Uhr

Ich wäre wirklich sehr dankbar

für Wortmeldungen, die dem entsprechen, was man als Anstand bezeichnet, und die FAZ-Leserschaft nicht wie ein SPON-Forum erscheinen liessen. Dass man ab und zu Kommentare nicht freigibt, gehört leider zu dieser Arbeit dazu, aber wie oben steht: Ich schätze diese Autorin und ihren Beitrag sehr, weil er ehrlich ist, und würde mich sehr freuen, wenn die Offenheit nicht mit Aggressivität aus dem Anonymen beantwortet wird. Ich versuche hier, ein offenes Forum zu erhalten, in dem mehr möglich ist, als sonst bei der FAZ, aber dabei ist eine gewisse Grundgüte und Nachsicht aller im Umgang mit allen (und besonders einer Autorin, die hier noch neu ist) enorm hilfreich.

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16 E.R.Binvonhier 23.06.2013, 10:06 Uhr

Job Center

Der Arbeitsmarkt ist genau das, ein Markt.
Da gelten die Gesetze von Angebot und Nachfrage.
Von den Arbeitsvermittlern zu verlangen, dass sie solche Verkaufsgenies
sind , die einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen können;
dabei peinlich auf die institutionellen und rechtlichen Vorgaben achten, ist
realitätsfern.

Ich warte auch noch auf den Tag, an dem die Bankkredite von der Werbeabteilung
vergeben werden.

Ich kann die Erklärungen der Autorin sehr...

Ich kann die Erklärungen der Autorin sehr gut nachvollziehen. In meiner Schul- und Studienzeit wurde uns erklärt, daß ein guter Schulabschluß - und natürlich insbesondere ein Studium - in jedem Fall zu einer sicheren und guten Stelle führen. Und ich habe das auch bei den Eltern von Freunden gesehen, daß die Stellen, die man mit einem Studienabschluß erreichen kann, einen durchaus akzeptablen Lebensstandard gewähren.

Das war in den späten 80ern/frühen 90ern; inzwischen sieht das aber leider ganz anders aus. Während meines Studiums wurden reihenweise die Stellen im akademischen Mittelbau gestrichen (eigentlich der einzige Weg, eine akademische Karriere zu machen), und die Zahl der Stellen in den großen Pharma- oder Chemie-Firmen (ich bin Biowissenschaftler) wurden weniger, denn es war ja viel einfacher, ein Start-Up zu kaufen wo zumindest die Naturwissenschaftler oft hauptsächlich mit Idealismus dabei waren.

Inzwischen ist das nicht besser geworden; die Zahl der festen Stellen an Hochschulen (und vergleichbaren Einrichtungen) nimmt ab und zumindest in Deutschland wird erwartet, daß man sich bis über 40 mit Zeitverträgen und halben Stellen herumschlägt (für die man natürlich mehr als Vollzeit arbeiten soll). In den Naturwissenschaften (ich weiß nicht, wie das in anderen Bereichen ist) funktioniert das auch sehr gut, denn zum einen ist da noch immer der Idealismus und die Freude an der Arbeit (wer würde sonst so etwas studieren? wer Geld verdienen will macht etwas anderes) und die große Karotte, daß man mit Erfolg irgendwann die ersehnte feste Stelle bekommt.

Ich habe das Glück, eine Dozentenstelle zu haben, aber es hat lange gedauert. Aber wenn ich sehe, welche Qualifikationen Bewerber auf Hilfskraftstellen haben, dann macht das regelmäßig deutlich, wie schlecht es um den Arbeitsmarkt für Akademiker bestellt ist.

Und was das Versprechen des guten Lebens angeht: die meisten meiner ehemaligen Studienkollegen brauchen zwei Gehälter, um sich den Lebensstandard zu leisten, der in unserer Jugend bei entsprechenden Berufen selbstverständlich war.

Leider weiß ich nicht, wo das Problem ist: liegt es an einer Fehlverteilung der vorhandenen Mittel? Liegt es daran, daß die Vorgängergenerationen auf unsere Kosten gelebt haben (z.B. über Sozialleistungen, aber auch einen aufgeblähten Wohnungsmarkt der es z.B. in England jungen Menschen fast unmöglich macht, ein Haus zu kaufen)? Oder liegt es daran, daß unsere Generation unfähig ist/war, sich zu wehren, und das mit sich machen läßt?

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@ nachtrag

"Jessica Miriam Zinn, die den Moderator fragt, warum er sich denn nicht ausziehe. Und er dieser impliziten Aufforderung folgt. Es Gloria gleicht tut. Bis es ihm unwohl wird. Ja, mit Kleidung habe er sich sicherer gefühlt." http://documentiert.wordpress.com/tag/jessica-miriam-zinn/
.
"entweder-oder", ist das womöglich immer noch so? entweder "grauesichere maus an arbeitstelle" - oder "performte selbstexistenz in öffentlichkeit"?
.
und ja, es gibt einige, wenige möglichkeiten beides so zu verbinden, dass auch ein einkommen übrig bleibt. manche sind sogar - oh größter triumph! - reich geworden, "als vermittelnde schnittstellenexistenz" ... . (aber auch das wäre doch alles im grunde viel zu hohl für die erkennende, angeborene genialität einer richtigen, der wahren frau, nicht?)
.
und ja, die faz berichtet, richtet aber nicht selbst.-
.

Interessanter Text. An die Autorin Jessica...

Interessanter Text.

An die Autorin Jessica Miriam Zinn:
Ich habe leider so gar keine konkrete Vorstellung, als was man als Humanwissenschaftler (Sie sind nach eigenen Angaben ja Humanwissenschaftlerin) arbeiten könnte. Sofern es eine vernünftige akzeptable Stelle ist, die dieser Ausbildung entspricht. Falls Sie mir da helfen könnten.

(Ich meine nicht Taxifahren, falls jetzt ein Superschlauer daherkommt ...)

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und manch einer hört dazu vor seinem inneren ohr den gegenchor

unserer in ehren ergrauten deutschen personalchefs sich - in fast rezitativer form und leider - unisono zum erhaben getragenen "wir uns unsere bewerber aber auch nicht" emporschwingen.
.
und wie haben sie diese melodie schon immer gehasst. und nimmt ihnen keiner ab. nicht von alleine.
.

4 Wolfgang Hennig 23.06.2013, 11:39 Uhr

Den folgenden Beitrag...

habe ich zu "Wostkinder"...Thema: PRISM geschrieben.
Der Inhalt paßt auch hier, finde ich.

"Abhängige" (Süchtige)...
und "Co.-Abhängige". Je intelligenter die "Abhängigen", (Geld, Wachstum), argumentieren...
z.B. die "Schutzbedürftigkeit" des "Freien Marktes", (Geld, Wachstum),
"Schutzbedürftigkeit der Freiheit" (Datenspeicherung), desto
"klarer"...(in Wirklichkeit "Vernebelter")...ist es für die "Co.-Abhängigen", den
"Abhängigen" zu folgen, in vermeintlicher " geschützter (ÜBERWACHTER) Freiheit".
Wir sind wie "Ameisen" und lassen uns von "Kaisern" (Süchtigen) einreden, wir
sind "Koenige" (KO-E(I)NIGE)...in Wirklichkeit nur Co.-Abhängige "Arbeits-Ameisen",
in einem "klar strukturiertem System", das den "Kaisern" nützt und dem "Koenige" dienen.
Wir sind Sklaven unserer "freien Markt und Wachstum" Ideologie, die immer mehr
"Sklaven-Haltung" erfordert. Im Rausch des "gefühlten" Wohlstandes, können wir
das "Sklaventum"..."die Sucht"...nicht mehr vom "Koenigtum" unterscheiden.
Selbsterkenntnis und Einsicht...und nichts im Übermaß,
sind die Schlüssel in die Freiheit die wir meinen, aber nicht "leben".
Nicht "Freiheit mit (in) Geld" darf Lebensbasis sein, sondern "Herz und Verstand"...
Freiheit mit (in) Frieden...
VERNUNFT ist Leben ohne "(Daten-)gesichertem Geld-Wachstum-Rausch".
Beitrag-Ende.

Die zur Zeit mögliche Konsequenz kann nur eine, möglichst große, "Un-Abhängigkeit" von
der "Gesellschaftsstruktur", bedeuten. Oder sich beim "Dagegen sein" verausgaben.
Wer in "seinem persönlichen Frieden" leben möchte, muß leider sehr bescheiden sein,
da ohne Geld kein Leben möglich, aber mit "bescheidenem" Geld....und miterleben,
wie das "System Geld-Wachstum" sich selbst zerlegt. Wobei die "Zerlegungszeit"
nicht feststeht. Aber wer mit "Nahrung und Wohnung" seinen Frieden, in
relativer Freiheit, finden kann...
Ansonsten bleibt noch die "aktiv dagegen sein" Möglichkeit.....Energieverbrauch, Erfolg
und "persönlicher Frieden in eher kleiner Freiheit", ungewiss.
Eine persönliche Entscheidung ...aber in kurzer Zeit wird die Arbeitslage nicht besser,
es denn der "Geld-Wachstum-Kollaps" kommt kurzzeitig.

:-)

13 Don Ferrando 23.06.2013, 11:53 Uhr

Akademiker

Die goldenen Zeiten für Akademiker sind vorbei.
FH Absolventen und immer mehr Absolventen eines dualen Studiums (Lehre+gleichzeitig Bachelor Berufsakademie) sind diejenigen, die die Stellen bekommen und auch die Führungspositionen.

15 Kassandra 23.06.2013, 12:18 Uhr

Die berufliche Zukunft....und als Ausländer?

Eine kleine Ergänzung zu dem Artikel. Ich selbst lebe in dem angesprochenen Süden, um genau zu sein in München und hatte das Glück seit Jahren ein klassische Festanstellung zu haben - mit geregeltem Einkommen, Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch. Aber was mein Freund aus einem Nicht-EU-Land schon bei der Studienbewerbung erlebt, lässt noch weit Schlimmereres für die berufliche Integration erwarten. Es gibt für bestimmte Studiengänge feste Quoten für nicht EU-Ausländer. Aufgrund der Anzahl der Bewerber kommt da praktisch nur mit einem 1,0-Abitur rein.

Aber zurück: Er hat sich auch schon für 450 Euro-Jobs beworben. Oft wird gar nicht reagiert, weil viele Arbeitsgeber den Aufwand einen Studenten aus einem Nicht-EU-Land fürchten, dabei gibt es den nicht wirklich. Dann steht da auch die Furcht vor mangelnden Deutschkenntnissen.....Tja, mein Freund hat schließlich als Küchenhilfe für 8 Euro die Stunde in einem guten Münchner Restaurant angefangen (Hauptgang ab 20 EUR). Vielleicht gerade deshalb weil er fließend Chinesisch und Englisch spricht, ein abgeschlossenes ausl. BWL-Studium vorzuweisen hat und als im Ausland 3 Jahre als Abschlussprüfer gearbeitet hat. Zumindest kann er sich mit seinen Kollegen dort problemlos verständigen.....

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46 Dipl Ing 23.06.2013, 12:53 Uhr

Leider wahr

Ich habe beim Lesen dieses Artikels oft gedacht: "Wow, kenne ich auch! Leider wahr." Ich war 15 Jahre erfolgreich im technischen Vertrieb als Dipl. Ing. tätig und suche nun seit einem Jahr eine neue Stelle: Bundesweit und bekomme mit über 45 nur noch Absagen. Mal ist man zu überqualifiziert, mal zu alt (wird zwar nur durch die Blume gesagt), mal zu teuer (über Gehalt haben wir doch noch gar nicht verhandelt), mal heißt es diese Führungsposition bekommen Sie nicht, da Sie nicht aggressiv genug als Chef auftreten würden, sondern den Mitarbeiter respektieren wollen? Das also ist die momentane Arbeitswelt und nicht nur für Humanwissenschaftler. Tja mal sehen, wahrscheinlich bin ich bald Servicekraft an einer Tankstelle. Wer hätte das damals geahnt. Interessante Entwicklung, der Akademiker ist das Proletariat der Zukunft.

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104 Sirisee 23.06.2013, 14:12 Uhr

Alter und Attraktivität

Die Autorin würde ich auf 30-35 Jahre schätzen (10 Jahre liegt die Ausbildung zurück). In Berlin sind - jedenfalls in meinem Fachbereich - die besten Stellen für diese Altersgruppe mittel- und langfristig fest besetzt.

Es strömen immer neue, immer jüngere Leute mit englischsprachigen Studienabschlüssen (Master of Cultural Competence oder Bachelor of innovative design) nach. Der tatsächliche Bedarf an solchen Leuten ist ungleich geringer als die an ihnen verdienenden Initiatoren der Studiengänge und Fortbildungsangebote verkünden. Die Altersgrenze der Unvermittelbarkeit wird dadurch sicher bald allgemein auf 35 Jahre sinken; in meinem Fachbereich liegt sie für feste Ersteinstellungen bei Frauen bei 27/28, bei Männern wegen des früheren Wehrdienstes derzeit noch etwas darüber (Promotionen und ähnliches kann das um 1-2 Jahre maximal verschieben, aber das Thema muss auch Sinn machen).

Die Studienabschlüsse sind durch die Erosion der Leistungsanforderungen und die Massenuniversität - bis auf wenige Fachbereiche - praktisch entwertet. Wer auf diese irgendetwas aufbauen will, baut sein Haus auf Sand.

Verkaufen kann man sich bei dieser Sachlage nicht mehr über die ewig gleichen Einser-Examensnoten, auch nicht mehr über papiernes Pseudosozialengagement (Schüler- und Studentenvertretung, Kirchengemeinde) sondern, fast wieder wie in der Steinzeit, banalerweise am ehesten über fachliche Spezialisierung (Pfeilspitzenhersteller), eigene Netzwerke (Facebook-Höhenclan) und Initiative (Jagd). Wenn das ein Praktikum vermittelt, halte ich das für zielführend, ansonsten für Zeitverschwendung.

Sehr wahrscheinlich haben wir eine "lost generation". Das sind bei bei uns die schon häufiger beschriebenen heute 30 - 40 jährigen, die zwar schon mehrere Jahre auf dem Arbeitsmarkt unterwegs sind, aber keine feste Stelle bekommen oder nur eine ohne Aufstiegsmöglichkeiten, sich durchhangeln, darüber ihre wesentlichen und aus Sicht des Arbeitsmarktes attraktiven Kompetenzen unausweichlich verlieren, und keine hinreichenden eigenen Kundenkontakte entwickeln können (aus welchen Gründen auch immer). Also altersverschoben zu den Südstaaten, nur dass dort ein 20-25 jähriger durchaus in 5 Jahren eine Stelle haben kann; bei einem 45 jährigen sinkt die Wahrscheinlichkeit gegen Null. Es ist nicht wirklich anders als auf dem Partnerschafts- und Heiratsmarkt. Alles eine Alters- und Attraktivitätsfrage, halt wie in der Steinzeit. Und die Anforderungen steigen.

Diese Generation und die nachteilige Betroffenen haben bei uns keine Lobby, da es nur 4 Gruppen gibt, die interessieren: Sozial- und Transferempfänger (mittlerweile die größte Gruppe), Funktionseliten, Arbeitsplatzbesitzer, Arbeitgeber. Der Rest wird bestenfalls verwaltet, fortgebildet und in die Aussichtslosigkeit entlassen.

Glücklich ist daher, wer reich ist und am Tegernsee und in Italien sein Leben genießen kann. Wir anderen dürfen uns mit den unausweichlichen Folgen einer grotesken, vergrünten und vergenderten Sozial-, Bildungs-, Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik arrangieren. Aber keine Sorge, es gibt ja immer noch die eurobbäische Solidarität. Außerdem ist D traditionell ein Auswanderungsland...

Antworten (4) auf diese Lesermeinung

Schuldfragen...

M.E. sollten sich die Eltern der Generation Praktikum fragen warum sie ihren Sprösslingen überhaupt ein Praktikum nach dem anderen finanzieren. Aber solange sie es machen, braucht man sich nicht wundern wenn es Firmen, Institutionen und letztendlich Sprösslinge gibt, welche das ausnutzen.

18 Fragender 23.06.2013, 14:41 Uhr

Butter bei de Fische!

Man wüsste doch gern, was die Autorin für einen Abschluss hat... Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass man, wenn man z.B. einen technischen Beruf gelernt hat und bereit ist, aus der gelobten Hauptstadt in die belächelte Provinz (Ostwestfalen, Württemberg, ...) zu ziehen, dass es dann nicht mit einer ordentlich bezahlten Festanstellung klappen könnte.
Gruß, O. Fragender

Jedes Jahr um diese Zeit stellt sich...

Jedes Jahr um diese Zeit stellt sich Jundelichen die Frage 'Was soll ich werden'. Vor Jahrzehnten war mein Onkel der meinung das sich selbst das Abitur nicht lohnt, da man mit Lehre, Arbeit bereist so viel Geld angesammelt hat, das ein Akademiker gut verdienen muss um die 10 Jahre vorsprung einzuholen. Nun Geld ist nicht alles - wenn die Stromrechnung bezahlt ist.
Die FAZ duerfte eine eher akademisch gepraegte Leserschaft haben, von denen nur die Minderheit ueber die Erfahrung verfuegt das auch fuer 'Arbeiter' es durchaus anspruchsvolle Einsatzprofile gibt. Das Image als Werkzeugmacher, Mechatroniker, wie der gute alte Kfzler jetzt heist, ist halt nicht so gegeben. Aber wenn man weis was man ist, dann braucht man sich auch keinen 'Dr.' vor den Namen zu kopieren.
Auch fuer aktuelle Abiturienten gibt es mehr zu tun als 'irgendwas mit Medien' zu studieren. Es mag auch am Elternhaus liegen, da in den Gymnasien die Kinder aus den nicht 'besseren Kreisen' die Mehrheit stellen.

Sehr geehrter Don, der soeben geschickte...

Sehr geehrter Don,

der soeben geschickte Beirag von mir ueber moegliche Arbeit von Abiturienten ging leider ohne namen raus. Das Internet hier am A.. der Welt spielt manchmal nicht so wie ich moechte.

pardon

44 Thorsten Haupts 23.06.2013, 17:05 Uhr

Humanwissenschaftlerin, Berlin, nicht wohnortwechselbereit,

womit glasklar ist, welche Berufschancen die Autorin an ihrem Wohnort hat. Nur der Autorin selbst wohl nicht, sonst hätte es keine seitenlange Klage über die ihr persönlich gegenüber unfaire Gesellschaft gegeben. Ich verstehe, dass ihr das aufs Gemüt schlägt. Ich verstehe nicht, was genau sie eigentlich beklagt. Bzw., wer was besser machen sollte, damit es ihr persönlich besser geht?

Nein, die Zeiten sind nicht schlechter geworden, nur gibt es wesentlich mehr Akademiker mit einer insgesamt im Durchschnitt höheren örtlichen Inflexibilität als 1985, das ist alles.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Sehr geehrte Frau Zinn, herzlichen...

Sehr geehrte Frau Zinn,

herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Offenheit in diesem Artikel. Bei so einem Thema passiert es selten, dass Betroffene offen über das Thema reden. Auch in Zeitungen bleibt es doch immer bei plakativen Sprüchen.

Das ist jetzt nicht vorwurfsvoll gemeint. Aber was haben Sie denn studiert? Sie haben kurz das Beispiel von einem Physiker gegeben. Es würde mich wundern, wenn die Arbeitslosigkeit unter Naturwissenschaftlern wirklich so hoch ist.

Ich sage dieses nicht um mich über Geisteswissenschaftler lustig zu machen. Ich habe selber lediglich BWL studiert und bei meiner Tätigkeit läuft es auch darauf hinaus, dass ich in SAP und Excel auf Knöpfe drücke. Mein Lebenslauf ist auch mit einer längeren Lücke verziert und ich weiß wie man sich dabei fühlt...

In meinen Augen müssen wir uns von Gedanken wie "Bildungsgesellschaft" verabschieden. Es ist einfach ein Lüge, dass Arbeitgeber Intelligenz, Charakter oder Bildung suchen. Ein Unternehmen fragt nur danach, was kann die Person für mich erledigen.

Brauchen wir wirklich noch mehr Kulturwissenschaftler? Lernen diese Personen soviel an der Universität, dass es sich für die Studenten lohnt? Ja ich bin ein großer Fan einer tieferen Bildung, aber man sollte sich nicht vormachen, dass man damit einen Job bekommt.

Das Boot in das alle nach der Uni springen wollen wird kleiner. Die Anforderungen an die Studenten immer höher und es ist wichtig mit Mitte 25 einen geleckten Lebenslauf vorzuweisen. Wenn man den Studenten erzählt, dass man an der Uni etwas wichtiges lernt, ist das einfach eine Lüge.

Wenn ich in meinen Bekanntenkreis umschaue haben stellenweise bezahlte Fortbildungen der Agentur weitergeholfen, dabei läuft es aber dann nunmal darauf hinaus, dass man sich nachher mit Datenbanken/ Buchführung o.ä. beschäftigt und eben nicht mit Menschen oder Philosophie. Die Frage ist, ob man vorher den Umweg über die Uni gehen muss. Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Grüße und viel Erfolg
Felix

PS: Kann man hierbei eigentlich die Kommentarbox irgendwie größer bekommen?

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42 PaulePanter 23.06.2013, 18:17 Uhr

Vorzeichen...oder Vorgeschmack

So verzweifelt der Text klingt, so ehrlich ist er. Und ich wuerde ihn eher als Fruehwarnzeichen sehen. Es wird immer schwieriger, eine Nische fuer sich und die eigenen "Ansprueche" zu finden, da es insbesondere im Mittelbau der Gesellschaft langsam auch zu rumoren anfaengt. Da sind die Mittvierziger plus 10, die noch relativ einfach in saturierte Jobs gerutscht sind, und jetzt nur noch hoffen, dass es bis zur Rente so weiter geht, auch wenn die Halbwertzeit sinkt; auch diese staenden vor dem nichts, sollte die eigene Existenz wegrationalisiert, fremd uebernommen oder einfach ueberfluessig werden. Und die, die diese "heile" Welt nicht mehr kennengelernt haben, trifft es nur eher in der Biographie. Was im "Prekariat" seit ca. 10-15 Jahren umgesetzt wurde, naemlich die fast voellige soziale Entsicherung durch die Abschaffung "fester" (berechenbare) Arbeiseinkommen.

Die Autorin sprach so nett vom "auskoemmlich" - was ist denn das? Beinhaltet das die regelmaessige Anschaffung eines Autos so etwa alle 6 Jahre? Neben den 2 - 3 Wochen Urlaub in der Sonne auch noch das Geld fuer diverse "Minibreaks" zwischen Barcelona und Skilaufen? Alle zwei Jahre ein neues Smartphone mit Monatvertrag fuer EUR 30-40?

Wenn auch noch nicht bei der Mehrheit, aber immer spuerbarer, kommt auch in Deutschlands Mitte an, dass man den Kuchen nur einmal essen kann, und "eat your cake and keep it" - nicht geht. Dieses will sich keiner eingestehen, sind aber nunmal die Folgen, wenn man verspricht, anstatt 1/5 der Weltbevoelkerung nun 3/5 oder mehr auf "westlichem" Standard leben zu lassen. Es fiel waehrend des kalten Krieges nicht auf, weil zuviele Ressourcen durch Militaerausgaben und Marktbehinderung verschwendet wurden und gr. Teile einfach keine Moeglichkeit hatten, "auskoemmlich" zu leben.* Nur mit dem Ende von BrettonWood und der Goldpreisbindung hat weltweit das Schuldenmachen angefangen, und "es ist halt eine Weile gutgegangen" wie der Rheinlaender sagen wuerde. Eine ganze Weile sogar, bis ziemlich genau zum Zusammenbruch der UdSSR, und damit dem, was danach kam, was wir heute Globalisierung nennen. Seitdem manipulieren die Zentralbanken der Welt die Maerkte, und sind auch darin immer perfekter geworden (Hubris und falsch, die meinen das nur, wie wir alle bald erleben werden); und wenn irgendjemand wirklich glaubt, dass Ben B wirklich den FED Geldhahn zudreht...... weitertraeumen).

Will sagen, nach langem Schlenker, das die Preise fuer sozialversicherte Arbeit im Westen so dermassen verzerrt sind, dass es eben nicht zum beruehmten Ausgleich von Angebot und Nachfrage kommt. Trifft noch nicht alle, aber immer mehr. Und morgen noch mehr, es braucht halt ne Weile, bis es sich durch's System frisst. Ich will hier nicht dem Manchesterkapitalismus das Wort reden, ganz im Gegenteil, das traurige Ergebnis - langfristig - ist in UK an vielen Stellen zu besichtigen - haben Sie die Phototapeten gesehen, die die Briten im Staedtchen in der Naehe des G8 Tagungshotels in die Laeden gehaengt haben, um den dortigen Niedergang zu verschleiern?

Der Kampf - weltweit - noch zaeh und leise - hat begonnen, um Zugriff - nicht notwendigerweise mit Geld - auf die Ressourcen, die uns allen unser mit vielen Gadgets bespasstes Leben ermoeglichen. Der Kampf wird mit und gegen den Euro gefuehrt, mit dem Zugang zu Hochtechnologie, und irgendwann, um den Zugriff auf Wasser. [Was wird in Aegypten los sein, wenn der obere Nil von den dortigen Anlegern durchgestaut ist, so dass am Unterlauf nur noch Rinsaale ankommen? die Plaene gibts, scheitern momentan an der Finanzierung und an anderen Machtspielchen].

Es bleibt die Einsicht, dass ein "auskoemmlicher" Lebensstandard fuer immer weniger Menschen, auch, und insbesondere im Westen - immer wahrscheinlicher wird.

Was die Autorin beschreibt, ist nur ein Vorgeschmack darauf, was vielen droht - natuerlich wird es immer ein paar geben, die "das nicht betrifft".... aber es werden weniger.

Die Autorin ist der Mehrheit nur ein paar Schritte voraus.

* Keine moralische Beurteilung in irgendeine Richtung, sachliche Darstellung basierend auf der Logik von Angebot und Nachfrage, ganz grob...

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/aegypten-und-aethiopien-blut-fuer-wasser-12219537.html

20 Nosferatu2 23.06.2013, 21:04 Uhr

Überproduktion

Auch ich bin Akademiker, sogar mit Promotion, allerdings - welch Makel! - an der Sorbonne erworben. Ich frage mich jedoch, ob ich nicht besser Klempner oder Werkzeugmacher geworden wäre. Mir fiel das geistige arbeiten immer schon sehr leicht, also studierte ich und verdiente mir das Studium als Goldsucher in Kanada. Jetzt muss ich feststellen, dass zu viel Akademiker produziert werden, viel mehr als die Wirtschaft absorbieren kann. Nur wer ein Exportprofil hat, möglichst mit technischer Dominante,und nicht über 45 Jahre alt ist, kann einen gutbezahlten Job bekommen. Auch im Gesundheitswesen gibt es Stellen, aber ich höre oft genug Klagen von überarbeiteten und ausgebeuteten Ärzten. Die Bildungsexplosion nicht nur hier in Deutschland, sondern in vielen anderen Ländern, hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben zu studieren - aber natürlich ohne Arbeitsplatzgarantie. Das ist das Problem. Wir leben ja in einer thatcherisierten neoliberalen Gesellschaft, da muss schon jeder zusehen, wie er seines Glückes Schmied sein kann. Oder wollen Sie sich etwa bei Kanzlerin Merkel beschweren?

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15 Renate Tommert 23.06.2013, 21:40 Uhr

Und weil die kleinen Ratten und Unterlinge alle in Konkurrenz zueinander stehen,

lassen sie sich wunderbar gegeneinander ausspielen. Was da von Doktor-Müttern und -Vätern für "nette" Spielchen gespielt werden, wurde hier noch nicht mal angerissen.

Umorientieren

Hat da irgendwer behauptet es wäre in den 80ern und 90ern leichter gewesen? Kaum eine(r), den/die ich kenne arbeitet(e) tatsächlich im ursprünglichen Fach und wir waren aus den geburtenstarken Jahrgängen, die Konkurrenz groß und gierig. Ich habe auch alles hinter mir an billigen Notjobs. Man nimmt was kommt und streckt sich, denn auf einem Silbertablett bekommt man nichts serviert. Allgemein ist mir die Jammerhaltung der derzeitgen Generation vieler Jungerwachsener arg zuwider. Es gibt so viele Möglichkeiten, vielleicht nicht in Berlin, vielleicht noch nicht einmal in Deutschland, aber es gibt sie. Mein Sohn ist nach China übersiedelt, nachdem es für ihn hier Job mäßig mau aussah. Ich würde auch eher eine Bratwurstbude in Shanghai aufmachen als hier im vermeintlichen Elend versinken.

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Vielleicht liegt es wirklich an Berlin?

Da ich nicht in Berlin sondern in Frankfurt wohne kann ich zu der Situation dort nichts sagen. Was ich sagen kann ist, dass es bei mir und fast allen meinen Freunden und Bekannten doch irgendwie ganz anders gelaufen ist. Die wenigsten hatten größere Probleme nach dem Studium etwas zu bekommen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die meisten eher praktischere Sachen wie Naturwissenschaften, Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Jura, BWL oder auf Lehramt studiert haben. Aber selbst die Leute die etwas Geisteswissenschaftliches studiert haben fanden früher oder später einen vernünftigen Job, ohne sich völlig verbiegen zu müssen oder total unter Wert zu verkaufen. Schon erstaunlich, wie die Lebenswirklichkeiten auseinander klaffen.

Alles eine Frage der Prioritäten

Nun ja,

um dazu jetzt was zu sagen, müsste man den Lebenslauf der Autorin halt einmal sehen. Dann könnte man ihr vielleicht sagen, woran es liegt.

Und abgesehen davon wäre vielleicht einen Umzug die Lösung. Wenn eine Stadt kaum Industrie und Wirtschaft anzieht, dafür aber um so mehr relativ gut ausgebildete junge Kreativlinge, wird es halt schwierig Arbeitgeber zu finden. In Stuttgart hätte die Dame möglicherweise in zwei Monaten einen vernünftigen Job. Dort dann mit weniger amazing lifestyle am Prenzlauer Berg und dafür mehr Bierbäuchen und kurzärmligen Hemden. Ich kann schon verstehen, dass es einem das nicht wert ist. Aber dann muss man halt mit den Schattenseiten leben können.

4 Bernd Bergmann 23.06.2013, 22:10 Uhr

Was man verbessern kann

Den Kapitalismus, vulgo: Freie Marktwirtschaft, abschaffen.

Denn mit, wird alles nur noch schlimmer. Der ist nämlich nicht dafür da, daß es den Menschen besser geht. Sondern damit sie, ja Sie, aus Kapital mehr Kapital erschaffen.

Fortschritt heißt da: immer weniger Arbeit für die Produktion der gleichen Mengen. Fortschritt heißt da: es braucht immer weniger Arbeit. Dazu braucht man weniger Menschen. Besonders, wenn man immer mehr Leistung aus ihnen rauspresst.

Für die ungenutzten, gibt`s Hartz IV. Die Hängematte in der Sonne für Nichtstuer! Offenbar kann man davon in Würde leben. Warum nicht dafür in Würde arbeiten? Der Lohn macht doch sowieso nur Kosten, die den Gewinn schmälern.

Wir haben ein Wirtschaftssystem, in dem der Lohn, das Auskommen der Menschen, im Gegensatz steht zum Erfolg des Wirtschaftens.

Wie dumm ist das denn?

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16 Oliver Wormer 23.06.2013, 22:28 Uhr

Ich habe drei Kollegen die aus Berlin stammen...

Ich habe drei Kollegen die aus Berlin stammen - alle arbeiten sie jetzt fest angestellt im süddeutschen Raum. Wir könnten noch mehr gebrauchen...

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Zukunft?

Was die Autorin in ihrem Text beschreibt, ist genau das wovor ich Angst habe, wenn ich mir mein Leben nach der Uni vorstelle (mache derzeit meinen BSc zum Ws dann einen MA).
ICh sehe derzeit bei Freunden (sowohl Dipl/MSc/MA) im Bereich der Geographie, wie man sich alleine für ein Praktikum geradezu prostituerien und Räder schlagen muss...
Ich bin 2010 von der Schule abgegangen mit dem festen Wissen nie eine feste Stelle zu bekommen, aber die nächsten 20 Jahre mit 450 € über die Runden zu kommen? So ködert mann die junge Akademikern nicht zum Kinder bekommen, damit der demographische Wandel abgemildert werden kann.
Wenn es in unserem Land tatsächlich keine Arbeit mehr gibt oder sie von der Politik nicht gewollt wird (Beispiel: grandios versemmelte Energiewende: statt endlich mal in Deutschland Technologie herzustellen, zu forschen, in der Landschaft sinnvoll dezentralisiert zu verteilen und mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten.... wen man da so alles in Lohn und Brot bringen könnte!!!), sollten wir uns die Sache mit dem Grundeinkommen noch mal überlegen oder wir machen aus Deutschland wieder eine gated community, ging ja früher auch alles....

Vielen Dank an den Hausherren für den Platz für Fr Zinn!

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3 Jens Reinhardt 23.06.2013, 22:50 Uhr

spinnen

Vielleicht sind eben doch gerade die "Spinner" die Gewinner jener Umstände. Also die, die den Mut haben, den ausgetretenen Pfaden der Gesellschaft zu misstrauen und sich ein gesundes Mass an Größenwahn erlauben. Das Leben ist immer alles oder nichts, wenn man es in seiner Radikalität von Leben und Tod begreift. Der Rückzug in ein vermeintlich sicheres Cocon, in dem man auf Dauer von anderen mit Arbeit und Brot versorgt wird, an sich in seiner Bequemlichkeit schon recht verdächtig. Ich rede hier nicht von Aussteigern, sondern von der kreativen Nutzung des eigenen Potentials, was ja irgendwo in uns allen schlummert und vermutlich größere Berge versetzen kann als eine schnieke Festanstellung. Oh je, das klingt viel esoterischer als gemeint. Aber eine schöne Wendung wäre es doch für alle die, die sich immer schon dem Spott der Angepassten ausgesetzt sahen.

3 Stadtforum/sehweise 23.06.2013, 23:00 Uhr

Dr. rer. nat (Chemiker) i.R

Nach 10 Jahren als Chemotechniker in England: 7 Jahre Studium in Würzburg und 22 Berufsjahre bei EINER Firma in Hamburg, schätze ich mich glücklich, zur rechten Zeit am rechten Ort gelernt und gearbeitet zu haben. Dennoch kann ich die heutige Situation der weniger Glücklichen gut nachempfinden.
Nach der Pensionierung wurde ich dann im Bürgerfernsehen aktiv. Die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt war mir da auch schon 1997 klar. Eine Collage auf YouTube unter: Suche Arbeit, Brauche Zukunft. Hilft zwar nicht, aber lenkt vielleicht kurz von der Misere ab und gibt
etwas Gelassenheit
http://youtu.be/Kfte9L6cCZ0

20 Stephan Müller 23.06.2013, 23:02 Uhr

Die Autorin hat den Abschluss: Master of Science in Human Factors. Noch Fragen?

Das Problem ist, dass Schulabgänger / Studenten sich keine Gedanken über Geld machen, sondern nur bis zur nächsten Prüfung / Degree denken. Man studiert, was gefällt - nicht das was gebraucht und bezahlt wird.

Diese Absolventen Treffen auf einen Arbeitsmarkt der aus Angebot und Nachfrage besteht.

Genauso gut hätte Miriam Theaterwissenschaft, Kunst oder Philosophie studieren können. Alles gute Garanten für Arbeitslosigkeit.

Mit Informatik oder BWL hätte sie so gut wie eine Jobgarantie. Alle Informatiker, die ich kenne wurden mit Kusshand genommen noch bevor Sie ihren Abschluss hatten > Nicht einen einzigen Tag arbeitslos! Die mussten gar nichts tun, sondern wurden teilweise eingeladen.

Die Freunde mit BWL - Diplom sind so happy, mit Haus, Familie, Festanstellung. Alle diese Leute (wie ich selbst auch) sind natürlich mobil und von zu Hause damals weggezogen, das ist klar!

>>> Denkt doch nach bevor ihr wählt! Weniger naiv - mehr Realismus bitte. <<<

Ich selbst habe mich für eine Lehre nach dem Abi entschieden und bin seit 11 Jahren angestellt und sehr zufrieden.

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30 Carolus Doomdey 23.06.2013, 23:08 Uhr

"Ein Studiengang im Bereich zwischen...

"Ein Studiengang im Bereich zwischen Ingenieurwissenschaften und Psychologie. Der Name wird besser verstanden, wenn ich von Usability, Anwenderfreundlichkeit, Technologieoptimierung zum Wohle des Nutzers spreche. Es ist kein Orchideenfach, sondern außerhalb Berlins, besonders gerade im Ausland ein gefragter Beruf."

Sorry, Berlin ist eine Wüste für Ingenieure. Warum suchen Sie denn da? Oder - wenn Sie unbedingt in Berlin suchen wollen - warum haben Sie grade diese Fächerkombination studiert? Offensichtlich haben Sie an Ihrem Beruf auch weniger Interesse als an Berlin, sonst wären Sie schon längst in Reutlingen oder im Siegerland. Sensible Personaler spüren das.

Was berechtigt Sie zu der Erwartung, dass Ihre Mitbürger Ihnen das berufliche Paradies auf dem Silbertablett zu servieren haben? Sie haben lange studiert: Ist Ihnen nicht bewußt, dass die Gesellschaft etwas von Ihnen erwarten darf?

Aber Sie irren ja nur durch die reale Welt, eigentlich passiv, orientierungslos, ohne Ziel. Die fünf letzten Absätze verraten alles. Sie kennen den Markt nicht, kennen Ihren Wert nicht, können ihre Position nicht einschätzen. Wenn sie denn lieber die berliner Klos putzen, statt im Schwäbischen ihrem Beruf nachgehen, dann sei es so. Suum quique! Das gilt bitteschön auch für die Folgekosten!

Leben Sie wirklich in dem Glauben, die Umstände, die neue Zeit, die Vertreibung aus dem Paradies oder was auch immer seien schuld an Ihrem Problem?

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24 Jacob Wilhelm 23.06.2013, 23:08 Uhr

Also: Problem scheint zu bestehen. OK. Aber.........

...... in meiner Großfamilie (16 Enkelkinder in den jungen Jahren nach dem abgeschlossenen Studium) hat niemand berufliche Sorgen. Alle haben Jobs mit allen Ansprüchen und Vorteilen, wechseln die Firmen, gehen ins Ausland und kehren zurück, werden befördert und bauen sich und ihr Leben erfolgreich auf. Ärzte, Lehrer für Sprachen, Berufliches und Reales.
Jetzt fällt mir beim Überfliegen dieses Artikels auf, dass immer nur von "Qualifikationen", Studien, Abschlüssen, Bildung und Akademischem geschrieben wird.
Was sind das denn für Qualifikationen? Könnte es sein, dass hier die Studien gewählt wurden, die dem Wohlfühl- oder Sozialfeld nahe sind und wo evtl. kein realer Blick für das echte Leben da war und so mehr auf die eigenen Bedürfnisse an ein interessantes Studium Wert gelegt wurde als auf das, was im wahren Leben benötigt wird?

Ich habe da so meine Zweifel ob da nicht viel Sozial-Journalismus bestimmter Kreise im Spiel ist!

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6 Sebastian Moogk 23.06.2013, 23:11 Uhr

Habe ich nicht aufgepasst oder...

...habe ich überlesen, welchen Beruf sie hat? Tja, so hart es ist, aber man sollte sich nicht nur auf ein begrenztes Gebiet beschränken. Dann muss man eben woanders hin. Ich kann das Gejammer nicht verstehen. Aber man sollte den jungen Leuten vielleicht nicht ständig erzählen, dass sie es ja soviel besser hätten.

7 Peter Pascht 23.06.2013, 23:12 Uhr

Immer einen Job?

"Notfalls findet man immer irgendetwas. Im schlimmsten Fall putzt man vielleicht Klos, kontrolliert Fahrgäste oder spricht an der U-Bahnstation Passanten an, verteilt Flyer und bewirbt gegen Bezahlung Mitgliedschaften. Meist frage ich mich nur, wie mir diese Tätigkeiten bei meinem beruflichen Aufstieg weiterhelfen sollen."
>
Das nennen sie Job? Das ist Arbeit verrichten, aber kein Job. Job ist dass dem arbeitenden Menschen dienende Arbeiten, zur Erfüllung seiner Menschenwürde. Das leitet sich aus §1GG und §2GG ab.
>
Dann doch wieder Berthold Brecht: "Erst kommt das Fressen(bzw. das Geld), dann die Moral."
>
Die aktuelle Gesellschaftsform dieser Republik ist schon lange Grundgesetzwidrig. Aber da wo kein Ankläger, da auch kein Angeklagter.
>

16 Folkher Braun 23.06.2013, 23:19 Uhr

Altes Problem

Mir ging das 1973 auch schon so mit einem Dipl. Pol. aus Berlin und 200 auf dem Arbeitsamt gemeldete andere Dipl. Pol.. Ich wollte selber eigentlich immer nur Lkw- Schlosser werden, mit Abitur ging das nicht mit Dipl erst recht nicht. Danach hatte ich eine kurze Karriere als stud. und wiss. Hilfskraft an der WWU Münster mit allen den schon damals üblichen Zutaten: "Tangenti" an die Vermittler und unentgeltliche Zusatzarbeiten in den Semesterferien. Ich habe dann über die Regelung im Berufsbildungsgesetz, nämlich mit der doppelten Lehrzeit als Berufstätigkeit ist es erlaubt, die Prüfung im Wege der Nachschulung den Facharbeiter abzulegen. Das war 1979 und 1986 folgte der Meister. Ein sozialwissenschaftliches Studium sollte heute niemand anfangen, der nicht vorher eine solide Berufsausbildung gemacht hat. Die Surplus- Population in den "departments of arts", wie diese Wissenschaften bei den Angelsachsen heißen, produziert nur die Situation, die Gerhard Schröder(den ich sonst für einen graußlichen Vertreter des diskreten Charmes der Bourgeoisie halte) so beschrieb: "Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare schneiden." Wir könnten uns derzeit vermutlich gegenseitig psychoanalytisch und soziologisch einschätzen und da alles anproblematisieren. In der Zwischenzeit haben uns die herrschenden Verhältnisse bis auf einen Rest die sozialen Errungenschaften der 50er und 60er Jahre zusammengefaltet und der durchschnittliche Arbeitnehmer wird schon bei Lohn, Betriebsrente, gesetzliche Rente still und leise enteignet. Was ich den heutigen Sozialwissenschaftler vorwerfe, ist, dass sie jammern, dass sie alle nicht mehr mit Kusshand in BAT 2A eingestuft werden, sondern niemand ihre Arbeitskraft nachfragt. Genau so, wie wir zu viele Juristen, Betriebswirte und MBA herumlaufen haben. O.k.: die werden noch als Dummschwätzer in Industrie und Verwaltung gebraucht.

15 Peter Pascht 23.06.2013, 23:47 Uhr

Die kranke Gesellschaft

Ich habe nun so einige Kommentare durchgelesen, mit einer breiten Resonanz zwischen Fatalismus und unbegründeter Hoffnung. Was mich allerdings betrübt, sind die darin geäusserten beschränkten Weltanschauungen. Sie entsprechen der geistig kulturellen Erziehung in diesem Lande. Keiner kann aus seiner Haut, insbesondere wenn ihm nicht anerzogen wurde sich zu häuten. Es ist der Geist von Konformismus und tiefer Abneigung gegen jeden gelebten Widerspruch in der geistig kulturellen Tradition der deutschen Gesellschaft der letzten 40 Jahre, mit geschichtlichen Wurzeln im preussischen Kaiserreich. Das Wort "sich Wehren" ist dabei regelrecht verpönt und negativ besetzt worden. Eine Gesellschaft ohne eine geschichtliche Tradition des sich Wehrens wird sich auch nicht wehren. Wie es auch anders geht könnten wir von unseren europäischen Nachbarn über dem Rhein lernen. Da greifen aber dann wieder tief verwurzelte Resentiments. Eine Gesellschaft ohne politische und soziale Visionen, welche aus dieser geistigen Gleichgültigkeit und dem Konformismus in der Erziehung der jungen Generation entstanden ist. All diese negativen Erscheinung in der Arbeitswelt wie auch im Rest der Gesellschaft sind nur ein Ausdruck dieses Versagens in der Erziehung demokratisch mündiger Bürger. Und das schlimme daran, das war so gewollt, von den Erziehungsexponenten dieser Republik. Dabei hätten gerade wir Deutschen doch aus den schlimmen Erfahrungen zweier Diktaturen auf deutschem Boden lernen können wohin gesellschaftlicher Konformismus und geistige Gleichgültig führen können. Ein kleines Aufflackern eines revolutionären Geistes von den '68, dann war Schluss. Erzogen in einer Zeit des materiellen Überflusses hat diese junge Generation auch nie den Drang verspürt sich gegen irgend etwas aufzulehnen oder aufzubegehren. Wobei ich mit junger Generation jene ab '55 geborenen Bezeichnen würde.

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4 Reinhard Wolf 23.06.2013, 23:50 Uhr

Wie war das noch gleich:

"Lieber schlecht bezahlte Arbeit als keine Arbeit" + "Sozial ist was Arbeit schafft" = Sozial ist schlecht bezahlte Arbeit ;-)))
Leute: Lasst Euch nicht verschaukeln. Es ist alles im Überfluß vorhanden: Wir werfen mal eben 2.000.000 Autos weg wenn es uns beliebt und 30-40% der Lebensmittel landen auf dem Müll. ... und für die Energie für die Produktion dieses Überflußes betreiben wir obendrein noch Atomkraftwerke! Natürlich ist Arbeit knapp wenn alles im Überfluß vorhanden ist! ... und das ist auch gut so! Soll denn etwa noch mehr Überfluss produziert werden?... . Kurz: No Panic! Einfach locker machen und die Seele baumeln lassen. ... und, dass kein gescheiter Lohn bezahlt wird ist einfach dem Umstand zu verdanken, dass Geld nur via Kredit entsteht. Deswegen ist es wichtig, dass der Lohnsklave sich verschuldet! Immer daran denken: Wenn alle ihre Schulden zurückzahlen, dann gibt es kein Geld mehr! Deswegen muss der Lohn unten gehalten werden! Andererseits: Man kann auch ausscheeren. Ich sage dem Jobcenter einfach das ich nicht arbeiten will weil ich die derzeitige Überflusswirtschaft als Verbrechen an der Umwelt und den Lebensoptionen zukünftiger Generationen empfinde ... und schwupp werden mir seit nunmehr acht Jahren monatlich 730,- Euro überwiesen + Krankenversicherung + GEZ + Härtefall beim Arzt (keine Zuzahlung). Es kommen zwar immer mal wieder bissige Kommentare seitens der "Jobcoachs" wie: "Sie müssen wollen" oder "Der Wille ist Bedingung!" oder "Sie dürfen wollen was Sie wollen aber wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie!" aber die verpuffen letztendlich im 'Nirwana: Zwangsarbeit gibt es in Deutschland zum Glück noch nicht! Grüße von der Hartz-IV-Fromt!

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18 Thomas Hauser 23.06.2013, 23:55 Uhr

Mein Tipp

Zieh um in den Süden. Ganz ernsthaft. Hier wird überall gesucht, von den Arbeitgebern. Kenne etliche kleine Firmen, die keine Mitarbeiter finden, auch Fachfremde nehmen und selbst umschulen würden. Du bist am falschen Ort. Komm in den Süden, bekomm festen Tritt unter die Füße und kehre dann später (wenn du dann noch willst) mit ganz anderen Vorzeichen nach Berlin zurück.

3 Reinhard Wolf 23.06.2013, 23:55 Uhr

Wie war das noch gleich:

"Lieber schlecht bezahlte Arbeit als keine Arbeit" + "Sozial ist was Arbeit schafft" = Sozial ist schlecht bezahlte Arbeit ;-)))
Leute: Lasst Euch nicht verschaukeln. Es ist alles im Überfluß vorhanden: Wir werfen mal eben 2.000.000 vol funktionsfähige Autos weg wenn es uns beliebt und 30-40% der Lebensmittel landen auf dem Müll. ... und für die Energie für die Produktion dieses Überflußes betreiben wir obendrein noch Atomkraftwerke! Natürlich ist Arbeit knapp wenn alles im Überfluß vorhanden ist! ... und das ist auch gut so! Soll denn etwa noch mehr Überfluss produziert werden?... . Kurz: No Panic! Einfach locker machen und die Seele baumeln lassen. ... und, dass kein gescheiter Lohn bezahlt wird ist einfach dem Umstand zu verdanken, dass Geld nur via Kredit entsteht. Deswegen ist es wichtig, dass der Lohnsklave sich verschuldet! Immer daran denken: Wenn alle ihre Schulden zurückzahlen, dann gibt es kein Geld mehr! Das darf nicht passieren! Deswegen muss der Lohn unten gehalten werden! Andererseits: Man kann auch ausscheeren. Ich sage dem Jobcenter einfach das ich nicht arbeiten will weil ich die derzeitige Überflusswirtschaft als Verbrechen an der Umwelt und den Lebensoptionen zukünftiger Generationen empfinde ... und schwupp werden mir seit nunmehr acht Jahren monatlich 730,- Euro überwiesen + Krankenversicherung + GEZ + Härtefall beim Arzt (keine Zuzahlung). Es kommen zwar immer mal wieder bissige Kommentare seitens der "Jobcoachs" wie: "Sie müssen wollen" oder "Der Wille ist Bedingung!" oder "Sie dürfen wollen was Sie wollen aber wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie!" aber die verpuffen letztendlich im 'Nirwana: Zwangsarbeit gibt es in Deutschland zum Glück noch nicht! Grüße von der Hartz-IV-Fromt!

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Unsicherheit rausnehmen - die Regeln des Marktes:

www.ingenieur.de/Arbeit-Beruf/Heiko-Mell

man kann sie aber auch ignorieren und weiterhin in Berlin wohnen bleiben.

0 Henk Nijmeijer 24.06.2013, 00:28 Uhr

es ist etwas faule im staate dänemark...

das problem ist die arbeit. wurde sie in anderer zeit anders gelöst? ohne, das einem das das ganze leben weggenommen hätte? ist die lösung also die verbindung von arbeit und freizeit? so eine art: eigener chef sein?
diejenigen deren privates glück "aktiv" ist, sei gesagt, die gesellschaft ist nur deswegen so feindseliger stimmung, da sie übermüdet ist, weil sie, eine sehr großer teil von ihnen morgens um sechs uhr aufstehen muß.
Anderen rate ich, gewisse störfaktoren, die ihnen mißgünstig auffallen einfach anzupacken, es als eine art experiment auffassen - der verlust einer peinlichkeit ist zu verkraften, sage ich als künstler - ich möchte noch eines sagen - es ist sicherlich falsch anzunehmen das man mit 67jahren noch so aktiv sein wird und körperlich gesund, all die lebensjahre aufgespartes nachzuleben, deshalb sollte man sich was auf die seite legen, eine wenig "belesen" in der börse anlegen, um dann in den frühzeitigen lebens-miitel-punkt zu gehen.

11 Angelika Busch 24.06.2013, 00:41 Uhr

Die andere Seite

Und tatsächlich werden Rentner ab 2014 (wie ich) 450€ Jobs suchen wie doll.
Und uns schämen müssen, wenn wir auch da wieder in Konkurrenz gehen (müssen) mit den jungen Leuten.

11 Christian Schindler 24.06.2013, 00:54 Uhr

In Deutschland geht sowiso nix mehr!

Froh bin ich das ich 4 Fremdsprachen fliesend spreche. Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Denn im Ausland werde ich als Kaufmann im Einzelhandel mit Berufserfahrung als Rezeptionnist, Kaufmann im Einzelhandel usw. schnell eingestellt. Hier mögen die mich, als zuverlässigen Deutschen. Ich hatte zwar Fachabi in Deu. nachgeholt um bessere Berufschancen zu haben oder um zu studieren. Aber inDeutschland nehmen die mich im Hotel nicht da ich die Ausbildung dazu bicht hab. Das ich jahrelang an der Rezeption gearbeitet habe, in Frankreich, Barcelona und jetzt Mallorca, interressiert hier nicht. Es wird auf das Papier der Ausbildung werd gelegt. Als Kaufmann im EH werd ich auch nicht genommen da ich schon seit 2009 raus bin. Einen Pupsjob im Call Center kann ich mir auch im warmen Barcelona oder kulturträchtigen Paris suchen. Oder in Dubai, wo man nur Englisch braucht. In Frankreich verdiene ich sowiso an der Rezeption mehr als in Deu., musste viel weniger Überstunden machen und hab das belle vie in Fr. genossen.

Und wenn ich mal in Deutschland arbeite fragen mich die Kollegen was ich überhaupt hier machen würde, wo ich doch so viele Fremdsprachen spreche. Ich würde mich doch unter Wert verkaufen. Recht hatten sie schon. Als ich dann nach x Bewerbungen merkte, dass die Jobs in Deutschland ehr schlechter sind als die im Ausland sagte ich, au revoir, adios. Hätte ich meine Fremdsprachen nicht, ginge es mir wie meinen Kumpels: haben Abi, Ausbildung, jeder seine Erfahrung. Aber den Anständigen Job den Mammimund Pappi sich für Sohnemann oder Töchterchen wünschten bleibt aus. Und es kommt zu Streit in den Familien. Junge, du hast Abi, ne Ausbildung, Erfahrung, wo hängts? Sagte meine Opa auch neulich beim Bier zu mir. Ne Bewerbung musste er im Osten sowiso nicht schreiben. Die Wessis vielleicht ein paar. So in den 60,70, 80 er Jahren hat jeder Depp nen Job gefunden. Heute als Oberaffe mit Ausbildungen, Qualifikationen, Sprachen und haste nich gesehen bring alles nix mehr. Ein Kumpel von mir ist depressiv, findet keinen Job, trotz Ausbildung und Abi. Er wird demnächst zum Psychologen gehen. Als er vor ca. 2 Monaten anrief waren alle Termine belegt. Aber er wird schon einen kriegen. Oder vielleicht muss er sich ja dafür bewerben? Zur Wohnungsbesichtigung in begehrten Städten in Deu. muss man das ja um sich durchzusetzen, so ne Top Bewerbung kann da ( vielleicht noch) helfen. Bei mir auf Mallorca hab ich auch ne Wohnung suchen müssen. Da hing so ein klappriges Schildnmit Nr. das jemand Apartements vermietet. Ichnrief an und die hatten ne wunderschöne Einzimmerwohnung für mich. Bad mit Fenster, getrenntes Schlafzimmer und Küche/ Wohnraum in einem. Kostet weniger als in Frankfurt, nur 450€ Euro. Wasser und Müll zahl ich nicht. Strom ja, aber hier hab ich ja die Heizung noch nie anstellen müssen. Und, Fussweg zum Meer 300 Meter. Wenn hier die Saison vorbei ist geh ich wieder zurücknnach Frankreich. Da hab ich mich relativ selten beworben und 2011 nen Job im 5 Sterne Hotel gefunden. Mal sehen was dieses mal geht...sicherlich , mehr als in Deutschland. Sorry für die Rechtschreibefehler, bin etwas raus aus dem Deutschen. Das war der Bericht der Jobnomade. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

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5 Rainer Schönfeld 24.06.2013, 01:03 Uhr

Warum nur nach nichtselbständiger Anstellung suchen?

Natürlich ist es bequemer und sicherer, in einem Angestelltenverhältnis zu sein. Es bietet aber auch weniger Chancen. Warum denn so sklavisch auf einen Job als Arbeitnehmer fixiert sein, auch wenn er noch so schlecht bezahlt und unbefriedigend langweilig ist? Jeder kann in Deutschland sein eigenes Unternehmen gründen, eigene Ideen verwirklichen, sich selbständig am Markt behaupten. Und dann kann man sogar Mitarbeiter anstellen und so gut bezahlen, wie man es heute selber erwartet von Unternehmern.

18 Folkher Braun 24.06.2013, 01:07 Uhr

Einfache Ansicht

Bevor jetzt jemand den Lachanfall bekommt: für mich ist ein wesentliches Indiz für den Niedergang des deutschen Bildungswesens, vor allem seiner technischen Seite, die Einstellung der Produktion des Märklin Stabilbaukastens. Mit dem habe ich noch gelernt. Und Weihnachten gab es den Nachrüstkasten. Was Last x Lastarm gleich Kraft x Kraftarm ist, wussten wir als Sechsjährige schon, wie man Achsschenkellenkungen baut (waren im Märklin- Handbuch alle unbrauchbar) oder Kranausleger mit Gegengewichten. War klasse. Dagegen war die Märklin- Eisenbahn eine intellektuelle Unterforderung. Heute werden solche technischen Geschichten von Lego als prefab- Kunststoff- Dödel für teuer Geld angeboten. Das machten wir vor 50 Jahren alles selber. O.K.: die Fraktion der Trix- Baukästen hatte mehr Varianten wegen der besseren Bohrbilder. Insofern: Dschörmänie wandelt sich vom Technik- Standort zur Gender- Mainstreaming- Hochburg. Denn die Butter beim Aldi kommt per email und das biologisch- dynamische Wasser vom Lidl per SMS. Oder so ähnlich.

13 Robert dCZ 24.06.2013, 01:54 Uhr

Systemfehler

Ich denke mir, dass das Problem am System selbst liegt. Als mein Vater zur Schule ging, war es normal nach der Hauptschule eine Lehre zu machen, und Realschulabschluss war schon was besseres. Abiturienten gab es nur ein paar Duzend im Block und Studiengaenge war etwas fuer Begabte. Und da ist wohl auch schon der Grund fuer den Systemfehler. Man kann heute studieren ohne ueberdurchschnittlich zu sein. Und deshalb gibt es zu einfach zu viele Akademiker, von welchen dann auch noch eine Grosszahl Qualifikationen hat, die in der Wirtschaft nicht gefragt sind.
Neben einer Kleinzahl von Forschern und Entwicklern braucht eine Exportwirtschaft wie die deutsche in erster Linie Fachkraefte welche in der Produktion arbeite. ALLES andere haengt dann ausschliesslich von den Beduerfnissen dieser Fachkraefte und Ihrer jeweiligen Arbeitsgeber ab. Alle anderen Teile der Wirtschaft, mit anderen Worten, sind die Infrastruktur die die Produktion der Exporte ermoeglichen. Teil dessen sind Bildung, Bauwesen, Transport, Finanzen, und indirekt auch Unterhaltung und Medien. Akademiker die nicht in Produktion, Forschung oder Entwicklung taetig sind, sind demnach eine Art Luxusgut auf das die Wirtschaft eigentlich verzichten kann. Rein wirtschaftlich gesehen, versteht sich.

Da aber Bildung selbst auch ein gutes Geschaeft ist, und Hochschulen oftmals wichtige Beitraeg zur Forschung und Wissenschaft leisten, werden immer mehr Schueler dazu bewegt immer exotischere Studiengaenge zu machen um dann der Gesellschaft in immer neuen Feldern dienen zu koennen. Die Wirtschaft fragt aber niemand.

Die Akademiker die wirklich gut in ihrem Fach sind, sollten sich Sprachwissen aneignen und dann im Ausland nach Stellen suchen. Vor allem Universitaeten in Asien und Afrika.

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"Studier, was Dir Spass macht ..."

Wie häufig habe ich mir diesen Spruch anhören müssen. Als ich vor der Frage stand, was ich studieren wollte, stand Kunst und Informatik auf dem Zettel. Kunst hätte mir bestimmt besser gefallen, aber ich war der Ansicht, dass ich nicht gut genug sein würde, um damit am Ende Geld zu verdienen. Also ist es Informatik geworden.

Heute versuche ich den Kindern aus meiner Verwandschaft zu vermitteln, dass sie ein Fach wählen sollen, mit dem man eine halbwegs brauchbare Chance hat, Geld zu verdienen. Was nützt es, wenn man einen Einser-Abschluss in Geodäsie hat oder in Ökotrophologie? Für die wenigen Stellen in Unternehmen trudeln z. T. über hundert Bewerbungen ein und am Ende ist es eine befristete Stelle mit mittelprächtiger Bezahlung. Warum sollte der Arbeitgeber auch vernünftig bezahlen? Die Konkurrenz zahlt ja auch weniger und erhält am Ende einen Kostenvorteil gegenüber der vernünftig-zahlenden Konkurrenz.

Als Nebenfach habe ich mir den Luxus gegönnt, Politikwissenschaft zu lernen. Das hat Spass gemacht, war aber im Lebenslauf nur ein netter Lacher. ("Das können Sie doch auch abends machen.") Richtig bitter wird es, die Geschichten über Bewerbungen derer zu hören, die das als Hauptfach gemacht haben. Nach meinem Studium wurde ich von einer gefragt, ob ich mich nur in Deutschland oder direkt in ganz Europa bewerbe. Ich habe mich nur in meiner Stadt beworben und nach einem Monat hatte ich eine feste, unbefristete Stelle, die ich aus drei Vertragsangeboten wählen konnte. Das Unternhemen hat mir pauschal € 2.000,00 bezahlt, nur weil ich bei ihnen angefangen habe.

Daher mein Rat an diejenigen, die über ein Studium nachdenken: Macht Euch schlau über die Jobaussichten. Welche Unternehmen gibt es, wie viele Bewerber pro Stelle gibt es üblicherweise und wie sehen die Stellen aus? Bezieht diese Informationen in Eure Studienwahl ein. Ein Studienabschluss in einem Fach mit gruseligen Jobaussichten kann die Zukunft nachhaltig verbauen.

In diesem Sinne: Alles Gute :)

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12 Tyler Durden Volland 24.06.2013, 02:15 Uhr

Eigenverantwortung mal von der anderen Seite....

Zunächst mal Dank an Don dafür, dass er diesen Einblick ins richtige Leben ermöglicht. Berichte ähnlicher Art in deutschen Medien betreffen ja prinzipiell nur ausländische Zustände. Dort ist alles schlimm, in DE ist es schon fast gut, auf jeden Fall aber besser.
Natürlich wusste ich, des es zahlreiche Jessica Miriams geben muss, allein ich konnte es mir nicht vorstellen, kennen auchn nuiemand der so lebt und habe es deshalb auch nicht wirklich geglaubt.
Richtig verstehen kann ich es zugegebenermassen auch nach dem Lesen dieses Aufsatzes nicht… wie kann man den Sinn seines Lebens darin sehen, Teil einer Gesellschaft zu werden, die solche Bedingungen offeriert?
Ich gehöre der 68er Generation an, also jenen die für irgendwelche wesentlich unbedeutenderen Zumutungen bereits ein kompromissloses „Nein“ hatten, und sich bei solchen Offerten mit vollem Risiko einfach umdrehten und sich lauthals lachend einfach verweigerten. Natürlich war auch der Grossteil jener Generation nichts anderes als mittlemässiges, zur Abwechslung mal linkes Spiessertum, und man kann die perverse Metamorphose der Protagonisten von damals ja heute in SPD und Grünen Politiker-Darstellern sehen, und sich dann kopfschüttelnd an Herbert Wehner oder Willy Brand erinnern. Es ist wahr. Mit unserem Verhalten haben wir eine Entwicklung eingeleitet die sich auch heute noch von Höhepunkt zu Höhepunkt steigert. Die Masse jener, die ich zwar unhöflich und politisch unkorrekt, aber leider wahrheitsgemäss gerne als „die Blöden“ und „den Urnenpöbel“ bezeichne, begann als Antwort auf uns, sich in den 80ern hinter einem ihrer primitiven Prototypen zu versammeln, und siehe da, sie waren die grosse Mehrheit, ein absurd lächerlicher Spiesser aus Oggersheim ihr Idol und 16 Jahre ihr Kanzler. (Meiner nicht, cih lebte schon damals am Strand)
Auf den rechten folgte der linke Spiesser, ein tumber Emporkömmling der uns heute Putin als Demokraten ans Herz legt. Natürlich ist Putin keinen Deut schlimmer als die Obamas oder Merkels, aber ein Demokrat ist er sicher nicht, bzw genauso wenig wie diese beiden.
Man muss akzeptieren, dass wir halt in einer Demokratie leben und, dass Demokratie nun mal genau so aussieht. Mehrheit! Das zählt, sonst nichts…
Natürlich kann man bei Colin Crouch nachlesen warum dies natürlich nur eine „Post-Demokratie“ ist, aber ist es wirklich sinnvoll immer wieder irgend welche Ausreden gelten zu lassen? Ja, die Medien sind in den Händen der Merkel Freundinnen Friede Springer und Liz Mohn, aber ohne die unsägliche Dummheit der Masse wären alle drei machtlos. Du schreibst ja selber auch: „Ich lese in der Zeitung, dass meine Generation immer höhere Erwartungen an ihren Beruf stellt“, ohne zu hinterfragen, warum dies möglich ist….
Wie auch Don vor ein paar Wochen schon schrieb, kann man sich zwar darüber wundern, warum die Bürger jedes Mal aufs Neue gegen ihre eigenen Interessen wählen, aber was bringt das? Lässt sich daran etwas ändern?
Sogar diese Frage ist dumm….…

Ja, Jessica, Deine Realität erfüllt mich mit Grauen, und ich freue mich des Öfteren früher aufgewachsen zu sein…. aber warum akzeptierst Du das alles? Warum unterwirft sich Deine Generation diesen widerlichen, vorgegebenen Spielregeln der 1% Gesellschaft? In Deinem Aufsatz habe ich letztlich nichts anderes kesen können als dass auch Du gerne eine Karriere hättest, die auch Dir gestattet „qualitativ höher zu konsumieren“.
Du bist bei Facebook und hast ein iPhone, Einrichtungen mit denen Du und Deinesgleichen sich zwar permanent gegenseitig bestätigen wie schlimm alles sei und dass Andere an eurer Misere Schuld sind, aber trotzdem tut ihr brav alles um genau diese Zustände am Laufen zu halten. In einem Artikel zum Glasperlenspiel bezeichnet der Autor dies in der FAZ gerade treffend als „Weltrevolution der plappernden Ich-auch-Selbstvergewisserung durch das Internet 2.0“.

Man muss sich entscheiden auf welcher Seite man steht. Wer „drinnen“ lebt, der bekommt genau das, was er/sie verdient, Dein Bericht erzählt halt wie das Leben „drinnen“ heutzutage aussieht.
Wie kann man sich selber nur so gering schätzen, sich solchen Zuständen und Bedingungen zu unterwerfen? Kannst Du mir das erklären?

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14 Octavian 24.06.2013, 02:20 Uhr

Berlin bleibt doch Berlin.

Die deutsche Hauptstadt bietet nach wie vor nicht genügend Erwerbssubstanz für gut ausgebildete Menschen. Daran hat sich nie etwas geändert. Was sich dort seit dem Regierungsumzug herausgebildet hat, kann man in Kürze so beschreiben: Eine Beamtenschaft - viele von ihnen mit guten und sehr guten Besoldungsklassen - und eine "Digitale Bohème" der Selbstausbeuter. Dazu spielt die ewig klingende SPIEGEL Hype-Melodei vom wahnsinnig aufregenden und hippen Berlin. Sicher: es gibt auch ein paar Journalisten, die gerne mal aus Hamburg, München oder Köln einfliegen, um dem Unsinn, den sie übers perma-hippe Berlin verzapfen den Anstrich des "Authentischen" zu verpassen - die Semmel muss halt warm serviert werden.

Substanz: sie fehlt dort. Ökonomisch ernstzunehmende Industriestrukturen und -unternehmen, die tatsächlich in der Lage wären, gut ausgebildeten Leuten eine echte Perspektive zu bieten. Statt dessen das Lied: Schaumschlägertum, unzuverlässiges "Wir-planen-ein-Projekt-Gewäsch", das noch nicht einmal den Abend des selben Tages überdauert.

Wer von den Guten dort ehrlich mit sich selbst sein will, sollte diesen dürren Ort verlassen. Die Welt ist groß, Berlin bleibt (vorerst) klein.

9 Wolfgang Kolberg 24.06.2013, 02:40 Uhr

Der Fehler liegt "im System"

Wir sind eine krankhaft habgierige Konkurrenzgesellschaft geworden. Nicht wir die Einzelnen, sondern das System. Niemals in der modernen Zeit wurden Menschen so sehr als bloße "Geräte" betrachtet, niemals gab es so wenig Achtung für eine planbare Zukunft, für das Niederlassen in einer Region, einer Stadt, der Gründung einer Familie, einer gesicherten Existenz. Unter dem Begriff der "Flexibilität" verbirgt sich die maximale Ausbeutung des Menschen; "Neusprech" verhüllt die Verrohung der Arbeitswelt mit schön klingenden Worten.

Die Wahrheit ist, dass wir in einer kranken, verrückt gewordenen Gesellschaft leben. Das Normale ist heute das Wahnsinnige, aber weil es so vielen so geht, glauben wir es müsse so sein. Es ist eine Realität die die Menschen krank macht. Für das natürliche Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit, Planbarkeit, Aufbau eines gesichterten, verwurzelten Lebens hat die neue Arbeitswelt keinen Raum mehr gelassen.

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10 Ewald Hoffmann 24.06.2013, 05:37 Uhr

Hochqualifiziert

Wieder und wieder wird erklärt , man (frau) sei hochqualifiziert und wolle in seinem Beruf arbeiten und wolle dafür anständig entlohnt werden. Leider wird dabei nicht erklärt, worin die hohe Qualifikation besteht und was mit Beruf gemeint ist.
Ich stelle für die mir durch eigene Ausbildung und Tätigkeit bekannten Tätigkeitsfelder fest, dass die Hochschulen heute kaum berufsqualifizierte und wenig arbeitsbereite Menschen qualifizieren.
Die Bachelorqualifizierten haben regelmäßig keine Vorstellungen von den Zusammenhängen ihrer Fächer mit der realen Welt. Sie haben wenig Vorstellung und Neigung, sich täglich (mindestens) acht Stunden produktiv in ein System einzubringen um einen ökonomischen Mehrwert zu erzeugen. Sie erkennen (Personal- und Einsatz-)Hierarchien nicht an und sind der Auffassung, die weitere Belegschaft habe nur auf sie gewartet und sie seien eine Offenbarung.
Ganz unabhängig davon: dem Wahn, jeder und jedem einen (Hoch-Schul-)Abschluss verpassen zu müssen und dann seien Gesellschaft, Staat und Wirtschaft im Paradies angekommen, gibt man sich gerne hin. Dabei wird übersehen, dass weltweit weder die Dienstleistungs- noch die Wissens- noch die Staatsbeschäftigten-Gesellschaften gesund sind, sondern diejenigen mit ausreichend produktiven Industrien. Das heißt als (Aus-)Bildungsziel, mehr Gesellinnen, Gesellen, Facharbeiterinnen, Facharbeiter, Technikerinnen, Techniker: mehr Malocherinnen und Malocher als Diskutantinnen, Diskutanten, Klugscheißerinnen und Klugscheißer?!

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4 Jens Hunger 24.06.2013, 05:39 Uhr

wieder mal alles in einen topf gewürfelt...

zwei sehr unterschiedliche punkte werden hier einfach so vermengt. das eine ist die notwendige und sehr berechtigte kritik am "wert" des menschen und seiner arbeit in unserer heutigen gesellschaft. natürlich ist es ruinös und gesellschaftszerstörend, wenn immer mehr menschen nach unten durchgereicht werden, diese gesellschaft wird sich nicht mehr regenerieren, macht euch keine illusionen. kurzfristige ökonomische vorteile werden langfristige ziele und notwendigkeiten zerstören, bzw. es ist schon geschehen. das andere ist die absurde vorstellung vom "akademiker", der auch der autor erlegen ist. also paar jahre in hochschulen und universitäten rumgehangen, paar scheine gemacht, paar dozenten gebauchpinselt, bisschen rumsemestert im ausland. und dann her mit der kohle? auweia... nun gerade unsere akademiker haben die "geistige" grundlage für den abwärtstrend in unserer gesellschaft geschaffen, also die ideologie der zwei- oder drei- oder vierklassengesellschaft in unserer gesellschaft implementiert. widerstand haben sie nicht geleistet, und nun werden sie gefressen, die "akademischen" prekarier. guten appetit!

4 Rolf Neumann 24.06.2013, 06:14 Uhr

Keine klare Berufsvorstellung

Mir kommt es so vor, als würden die meisten einfach mal drauflos studieren, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben, welchen Beruf sie später ausüben möchten. Dass dann so etwas dabei herauskommt, verwundert mich nicht.
Wäre es nicht vernünftiger, zuerst einen Beruf zu wählen, den man später ausüben möchte und für den es auch Bedarf gibt und sich gezielt dafür ausbilden zu lassen?

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0 Peter Pascht 24.06.2013, 07:07 Uhr

Löhne sind jene betrieblichen Unkosten ...

Löhne sind jene betrieblichen Unkosten welche den kapitalistischen Gewinn senken.
Das wird ja nun schon jedem noch unreifen BWL-ler Studienanfänger eingebläut bis er es auch glaubt.
>
Ach ja da wär noch was:
>
Ohne Löhne keine Kaufkraft
Ohne Löhne keine Arbeit
Ohne Arbeit keine Ware
Ohne Ware kein Verkauf
Ohne Verkauf kein Gewinn
>
Wie man sieht, für schlichtere Geister, ein etwas komplizierterer Zusammenhang, welcher verständlicherweise nicht jedem geistig Kurzsichtigen einleuchten kann auch wenn er Politiker ist oder eine Führungsposition hat.

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War leider vor 30 Jahren schon so

Es ist wohl eine Illusion, zu meinen, Tüchtigkeit und Qualifikation würden zu einem stabilen Arbeitsverhältnis führen, aus dem man dann Bestätigung und Gratifikation zu erhalten hofft. Leider ist das, was die Autorin beschreibt, auch kein neues Phänomen. Ich habe vor über 30 Jahren mein Studium mit "sehr gut" abgeschlossen, mit "sehr gut" promoviert und ich hatte drei Jahre Auslandserfahrung. hatte ich dann zwei befristete Jobs. Notgedrungen wurde ich mit 35 selbständig. Auch jetzt, mit 60, schreibe ich ab und an eine Bewerbung. Auf die meisten kommt noch nicht einmal eine Absage. Hiess es früher, keine einschlägige Erfahrung, heisst es jetzt, zu alt, zu alt. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass in einer Gesellschaft kein Platz für einen sein soll, wo man doch mitarbeiten und mitgestalten möchte.

5 Filip Tuma 24.06.2013, 07:29 Uhr

Beobachtung von einem künftigen

Arbeitsmarktquengler: In den Berliner Mensen (ich kenne sie alle) stellen sich die hungrigen Studenten mit Vorliebe an die längsten Schlangen an, während die unbedrängte Ausgabestelle neben dran links liegen gelassen wird. In den großen Mensen kann man gerne 20 Minuten auf sein Essen warten, wenn man zu den Hauptstoßzeiten die längsten Schlangen für Vor-, Haupt- und Nachspeise kombiniert. Oder 1 Minute, wenn man die Augen offen hält.

Vereehrte Jessica Miriam Zinn, verehrter Don Alfonso,

Vereehrte Jessica Miriam Zinn, verehrter Don Alfonso,

Falls ein Bewerber einem Arbeitgeber etwas zu bieten hat gilt folgende Grundregel:
Wenn ein Bananenladen ihn (den Bewerber) für lau als Praktikant anheuern will, dann handelt es sich nicht um einen Bananenladen sondern um einen Sch...laden, bei dem der Bewerber so schnell wie möglich das Bewerbungsgespräch abbrechen sollte.
Ein seriöses Unternehmen, und davon gibt es noch sehr viele in Deutschland (wahrscheinlich sogar in Berlin) macht solche Angebote nicht ! Insbesondere die bösen Konzerne sind diesbezüglich gar nicht so bös. (Kleiner TIP: machen Sie bei einem der (bösen) Konzerne ein Praktikum bevor Sie Ihr Studium beendet haben ... und wenn Sie es da voll gebracht haben ist das Ding mit der Festanstellung nach Studienabschluß in der Regel geritzt)

Natürlich hat so manch innovative Hinterhofschrauberei oder sonstige Pleitekandidat (das können auch Läden mit bekannten Namen sein) Probleme mit der Liquidität und will sich deshalb nicht binden. Wenn Sie sich für einen solchen Arbeitgeber entscheiden ist es Ihr persönliches Risiko. Ein cleverer Bewerber macht sich vorher schlau (auch wenn der Laden noch so cool sein mag)
Der Don kann aus der DOTCOM-Blase ein Lied davon singen.

Als Arbeitssuchender aufgemerkt: Die Hauptstandorte von Deutschlands leistungsfähigsten Unternehmen sind nicht in Berlin ! Hier ist also etwas Flexibilität seitens des Bewerbers gefragt.

Der Arbeitsmarkt ist mittlerweile international bzw. global. Seien Sie also mindestens so zielgerichtet und gut wie der Inder, der sich für die gleiche Aufgabe bewirbt (auch wenn diese nicht in Berlin sondern in Shanghai oder Albstadt angeboten wird).

Schmeißen Sie Surfboard oder Flamencokleid temporär in die Ecke. Einmal pro Woche im Lieblingsclub abhotten tuts auch. Machen Sie Nägel mit Köpfen. Finden Sie heraus, was Sie wirklich wollen. Vor allen Dingen auch Familie, Kinder und so nicht vergessen ... Das hilft ... Da ist man nicht so allein im Kampf um das tägliche Brot (Kann man von den Indern lernen).

Haben Sie vor als Banker, Architekt, Wasserbauer e.t.c zu arbeiten (diese Berufe verderben den Charakter) ... Wär nicht schlecht wenn Sie sich als Quereinsteiger noch einmal woanders neuorientieren würden :-).

Übrigens auch Weichwissenschaftler machen Karriere. Es gibt genügend Beispiele ... aber ...
Vergessen Sie das Arbeitsamt oder wie heissen die heute "Agentur" ?
Wollen Sie eine "Stelle" oder wollen Sie etwas bewegen ?

Leider haben diverse Reformen von Schule und Universität nichts Gutes bewirkt.
Bachelor und so mancher Master kommen als "Schulabgänger" in den Beruf. Das war "in der guten alten Zeit" anders.

Ich komme viel rum auf der Welt als "Globale Working Bee" und habe überall sehen können, daß unsere alte akademische Ausbildung gar nicht so schlecht war.

Kleiner Tip an die Ämter für Ämterverwaltung in Berlin und in aen Bundesländern: Nach den Erfahrungen mit der Übernahme des Anglo-Amerikanischen Bildungswesens solten wir Alles Mögliche tun, um die stetige Ausbreitung griechischer Verwaltungsmethoden in unseren Rathäusern einzudämmen.

Sorry, vielleicht liegt alles einfach nur an der Einstellung zum Leben der neuen Generation. Früher war natürlich Alles Besser :-)

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8 Vierzeiler 24.06.2013, 07:36 Uhr

Morgengebet

O Herr, mögst unser Land du schützen !
es tut ein Studium nicht mehr nützen
und schon gar nicht eine Doktormütze
bald brauchen auch die Stützen Stütze !

8 Flederhund 24.06.2013, 08:33 Uhr

Jammern

Als 'Jammern' empfinde ich Zinns Text nicht. Es ist einfach nur die andere Seite der Stützenmedaille, subjektiv auf eine ehrliche Art. Ich entnehme dem Text:
a.) Frau Zinn hat einen industrieanwendbaren Hochschulabschluss, möchte aber trotz vermutlich besserer Chancen anderswo in Berlin bleiben (z.B um Politik zu machen).
b.) Sie lebt von minimalen Einkünften. Eine großer Teil ihres sozialen Umfeldes lebt ähnlich.
c.) Die Debatte über verwöhnte Generation Yler bildet diese Wirklichkeit nicht ab.

Folgende Fragen stellen sich aus wirtschaftlicher Sicht:
1) Was müssen Unternehmen jungen Berlinern bieten um sie zum Umzug zu bewegen?
2) Was bieten sie tatsächlich, wie sieht der bundesweite Arbeitsmarkt für HF Studierte aus?

Falls die Werte für 1) und 2) substantiell sind (z.B. Festanstellung nach kurzer Probezeit, gutes Gehalt etc.), stellt sich die Frage was an Berlin so toll ist, dass Menschen bereit sind dafür ihre berufliche Zukunft zu opfern. Die Antworten dürften andere Regionen interessieren.

Falls die Werte für 1) und besonders 2) gering sind stellt sich die Frage, was eigentlich in den Hochschulen los ist, und wie die HF Branche in Deutschland aufgestellt ist.

5 Heinrich von Haltern 24.06.2013, 08:53 Uhr

Amt und Würde

Ein wichtiger Beitrag zu einem unbequemen Thema. Während sich der politische Diskurs und überregionale Zeitungen in der Problematik der Vollbeschäftigung ergehen, gibt es sie, die wenig sichtbaren, in keiner Statistik erscheinenden hochqualifiziert Arbeitslosen oder geringfügig Beschäftigten.
Auch mich hat es getroffen, Diplom in Deutschland, MSc in England, Promotion in Skandinavien. Sozialwissenschaftliche Abschlüsse, die nicht den technischen Boomfächern entsprechen - dennoch gibt es adäquate Stellen, bundesweit und darüber hinaus, und ich hatte eine konkrete Vorstellung, was ich machen möchte. Aus meinen 130 Bewerbungen ist nach zwei Jahren dennoch nichts geworden. Netzwerke zählen zumeist mehr als Qualifikationen, wer mehrere Jahre im Ausland war, sitzt zwischen den Welten.
Die Arbeitsagentur produzierte dabei nur Sätze wie, "was machen wir nur mit ihnen", anstatt Integrationsstellen zu schaffen, die qualifizierbaren Menschen Berufserfahrung ermöglicht. Hilfe gibt es also keine. So hätte ich mich nach Willen der Agentur mit 33 Jahren in ALG I und II einrichten können.
Darauf habe ich verzichtet, weil ich eine Familie habe, die mich noch unterstützen kann. Damit bin ich auch endlich in keiner Statistik mehr verzeichnet, wieder ein Mensch mehr in Lohn und Brot, den die Agentur vermelden kann. So versuche ich mich nun an einem MBA-Studium, im hohen Alter von 35. Dass diese "Weiterbildung" auf dem Arbeitsmark honoriert wird, bezweifle ich.
Hinzu kommt, dass unter jeder Stellenanzeige des ÖDienst steht, der Anteil von Frauen müsste erheblich erhöht werden. Das dürfte sich nicht positiv auf meine zukünftigen Bewerbungen auswirken. Nach baldigem Abschluss des Aufbaustudiums kann ich mich vielleicht dann in ALG II einrichten und auf den demografischen Wandel warten, der nie kommen wird.

4 Jane Smith 24.06.2013, 09:02 Uhr

Nichts Neues

Ein interessanter Artikel, aber alle, die heute studieren, sollten nicht denken, das sei was Besonderes. Ich habe in den 1980er Jahren studiert und dieser Text hätte da genauso geschrieben und publiziert werden können.

Wir sollte nicht übersehen, dass in einem Zeitraum von etwa 3 Jahren so ziemlich alle Akademiker einen Arbeitsplatz finden. Wäre dem nicht so, würden wir ein Heer arbeitsloser Akademiker protesitierend vor dem Reichstag in Berlin sehen. Denn irgendwann findet jeder eine Stelle oder einen Arbeitsplatz in der Familie.

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0 Nina Haller 24.06.2013, 09:13 Uhr

Teilzeitstelle?

Hi, was ich nicht richtig verstehe ist: Du arbeitest in Teilzeit und wunderst dich, dass das Geld nicht fürs Leben reicht? Ehrlich gesagt, mit Teilzeit käme ich auch nicht über die Runden, nur mit Vollzeit. Ich war etwas irritiert und hatte daher nicht weiter im Text gelesen. Oder hast du nur einen Teilzeitjob bekommen? Nina

1 brecht1953 24.06.2013, 09:14 Uhr

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken

Eine sprachliche Anmerkung zu dem Passus "Zum Autor": richtig muss es heißen: "... eine Kunstfigur, die IHREM Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist". Im Kleinen spiegelt sich der Zustand des großen Ganzen.

18 Jan-Niklas Schote 24.06.2013, 09:24 Uhr

Liebe Autorin, liebe Leser und Kommentatoren,

zunächst einmal kann ich der Autorin aus einer Vielzahl an Berichten und Beobachtungen sagen, dass das, was sie hier schildert (gerade, aber nicht nur für Hochschulabsolventen) der Normalfall in ganz Deutschland ist.

Allen Lesern und Kommentatoren der "älteren" Generation möchte ich hier folgendes vorweg sagen (danach den jungen Lesern und Kommentatoren!):

Wenn Sie meinen, dass es "früher" genauso war und dass es hier nur an dem Habitus der Autorin liegt, dann irren Sie gewaltig. Die Probleme, was die Berufswahl angeht, gab es vor ca. 30 Jahren nicht mal im Ansatz, wie es sie heute gibt. Warum ist das so?
Nun zum einen, weil "früher" die Berufsfelder lange nicht so vielschichtig und undurchsichtig waren, wie heute und zum anderen, weil viel weniger Leute studiert haben (oder konnten). Die zwei wichtigsten Punkt aber, die Sie grundsätzlich völlig unterschätzen, sind 1. der globalisierte "Stellenmarkt" und 2. die Einstiegsgehälter, die heutzutage gezahlt werden.
Wenn Sie nicht gerade in einer Personalabteilung sitzen oder tatsächlich ein Kind in der gleichen Situation haben, können Sie es auch nicht wissen.

Bitte verschonen Sie also junge Menschen von Reaktionen mit dem Tenor "Stell Dich nicht so an, es war bei uns auch nicht einfacher". Junge Menschen haben heute viel mehr zu kämpfen als früher. Bitte akzeptieren Sie das - auch, wenn es schwer fällt.

Den jungen Leuten möchte ich hier vorweg sagen:

Wenn Ihr in Deutschland ein Hochschulstudium anfangt mit der festen Überzeugung, dass Ihr danach viel verdient und sicher einen tollen Job in Deutschland (!) bekommt, dann seid Ihr entweder blind und uninformiert oder einfach nur naiv und gutgläubig.
Geht mal vor die Tür und schaut Euch Deutschland mal genau an, dann wird Euch einiges klar (anderes Thema).

Nun möchte ich ALLEN hier folgende Fragen zu bedenken geben:

Warum findet man seit 2009 keine offiziellen statistischen Daten mehr zu Auswanderung beim statistischen Bundesamt?
Warum bricht in Deuschland der Mittelstand weg?
Warum haben wir "supra-diktatorische" Verhältnisse in Deutschland (Europa)?
Warum hat die FDP (auerßdem noch) in den letzten 5-7 Jahren immense Stimmeneinbußen hinnehmen müssen?
Warum haben wir eine Regierung, die offen gegen den Willen ihrer eigenen Bürger arbeitet?

Falls manche noch nicht wissen, worauf ich hinaus will, helfe ich gerne etwas:

Weil die fähigen Leute ihre Koffer packen und in alle Teile der Welt verschwinden, weil sie hier nicht gebraucht werden!

Noch eine kleine Anekdote dazu aus erster Hand:

Kanada bereitet sich auf die zweite große Auswanderungswelle (die 1. war in der zweiten Hälfte des 19. Jhrd's) aus Europa vor.

Einen angenehmen Tag noch!

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2 Helmut Weiß 24.06.2013, 09:36 Uhr

Berlin, Berlin

@BertX

Es gibt leider keinen Link. Harald Martensteins Beitrag "Schafft mehr Eliteschulen" kann man nur in der Printausgabe des "Tagesspiegels" vom Sonntag, den 23. 6. lesen.

Zu den obigen anderen Beiträgen:

Berlin gehört beim wirtschaftlichen Wachstum zu den Spitzenreitern in Deutschland. Mit 1,2% für 2012 lag die Stadt vor den süddeutschen Ländern. Es ist natürlich auch keine "Wüste für
Ingenieure", denn die Produktionsbetriebe sind überwiegend in den Speckgürtel gezogen, wo sie statistisch zu Brandenburg gezählt werden. Berlin/Brandenburg ist ein Zentrum des Fahrzeugbaus und der Umwelttechnik (z.B. Bombardier, Stadler, Siemens, BMW, Rolls Royce, Daimler Benz).

Die Neigung der Westberliner, "im Osten" zu arbeiten, ist allerdings gering. Die Agglomeration hat inzwischen die Größe des Gebietes Rhein-Ruhr erreicht, so daß man auch hier umziehen muß, wenn man eine Arbeitsstelle gefunden hat.

Die Kommentare in diesem Beitrag zeigen, wie Berlin geradezu in einen Nebel von Vorurteilen eingehüllt ist. In der FAZ werden sie von einigen intensiv gepflegt, was der Frau Zinn in Westdeutschland die Suche nach einer Arbeitsstelle nicht gerade erleichtern dürfte.

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Die Wahrheit (Problem) ist

Das Problem ist, dass es für viele viele Studiengänge schlicht keinen Markt gibt. Und wenn, dann ist er so klein, dass man an gute Jobs nur über Beziehungen oder durch Zufall kommt. Verschärft wird die Situation durch a) eine Inflation der Noten und b) durch eine hohe Anzahl an Absolventen.
Die Inflation der Noten bewirkt, dass man als Arbeitgeber keine Ahnung hat, was derjenige nun kann, der sich bewirbt, selbst eine 1 in einer Geisteswissenschaft bedeutet heutzutage nicht, dass der Absolvent Textsicher ist oder wenigstens eine Textverarbeitung sicher bedienen kann.
Für die meisten Abiturienten wäre es besser,erst einmal eine Lehre zu machen (unter Beachtung des Schweinezyklus) und dann zu studieren. Als Facharbeiter verdient man heute in der Regel früher und mehr und Praktikum ist auch passé.
Ein Studium bietet heute nur noch dann gute Aussichten, wenn es eine gefragte Ingenieurwissenschaft ist, wenn man in einer Naturwissenschaft promoviert, als Jurist einen exzellenten Abschluss macht.ja das war's auch schon. Alle anderen Studiengänge lohnen sich nur, wenn man hochbegabt ist, oder man von Anfang an ein ausgesprochenen Faible für praktische Fragen des Berufslebens hat und sich dort bereits neben dem Studium in einer gefragten Nische profiliert, oder sonst wie eine berufliche! Begabung systematisch Auf- und Ausbaut.

p.s: Lehramt ist zur Zeit auch noch Aussichtsreich.

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8 Mikel1962 24.06.2013, 09:42 Uhr

Ebenso erschütternd wie erhellend...

Dieser Parxisbericht sollte direkt an die Wirtschaftsredaktion der FAZ mit ihren beständigen Jubelarien zur Lage am Arbeitsmarkt weiter gereicht werden ;-))

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6 Bernhard Kopp von Brackel 24.06.2013, 11:17 Uhr

Strukturelle Verkrustungen

Die zunehmende Regelungsdichte der letzten 30 Jahre hat zu Verkrustungen und hohen Gemeinkosten geführt, die immer wieder dazu führen, dass nicht genug neue Arbeitsplätze entstehen. Obwohl Geldbesitzer nicht wissen wohin damit, gibt es nicht genug Riskokapital - es ist einfach zu teuer und zu kompliziert die Risiken zu kontrollieren. Es wollen auch viel zu wenige Unternehmer werden, und viele die es schon sind vereinfachen und verbilligen ihre wirtschaftliche Tätigkeit mit Werksverträgen und Leiharbeit usw. usw. Berliner Bestattungsunternehmen fahren ins Krematorium in Brandenburg (oder gleich nach Tschechien), weil in Berlin die Abgasvorschriften zu streng und zu teuer sind.

Die strukturellen Verkrustungen und Überregulierungen, und alle die heute gut davon leben, sind die Feinde der Zukunft und der jungen Generation.

11 Just Obsurfer 24.06.2013, 11:25 Uhr

Werter Don, als regelmäßiger, wohlmeinender...

Werter Don, als regelmäßiger, wohlmeinender und geneigter Leser dieses Blogs halte ich diesmal ein paar kritische Anmerkungen für angebracht und hoffentlich gestattet:

Ihre Vorbemerkung erweckt - mMn zu unrecht - den Eindruck, die geschilderte berufliche Lage und die "erstklassigen Zukunftsaussichten" (Horst Seehofer, CSU, zum Unions-Bundestagswahlprogramm) gut ausgebildeter leistungsfähiger und -williger Menschen seien nur ein Einzelfall, nur in Berlin, nur für Kandidat_Innen der Piratenpartei, Langzeitstudenten und Orchideenfachabsolventen, Anhänger bedingungslosen Grundeinkommens, unflexibler Leistungsverweigerer und sonstige von Ihnen bekanntlich hochgeschätzte Zeitgenossen so wie beschrieben.

Tatsächlich aber betreffen Arbeitsbedingungen, Berufseinstiegsangebote, Löhne und Arbeitnehmerrechte, die allesamt nicht mal ihre Herstellungs- und Verbreitungskosten wert sind, nicht nur Berliner, Akademiker, Piraten- oder LINKE-Wähler, H4-Empfänger oder sonstige Menschen ohne effektive lobbyistische/gewerkschaftliche/mediale Interessenvertretung, sondern im ganzen Lande Menschen quer durch alle Alters-, Bildungs- und Herkunftsschichten.

Denn der eigentliche Skandal ist, dass der 'Humane Faktor' etwa seit der Wiedervereinigung immer weniger eine Rolle im Wirtschaftsleben spielt, was sich nur besonders deutlich und extrem auf dem Arbeitsmarkt, in disrupten Lebensläufen und last but not least in der weiteren Lebensplanung aller Betroffenen manifestiert...

Der eigentliche Skandal ist in der Tat, dass Menschen so weit gebracht werden können, sich für Gotteslohn und die völlig ungewisse Aussicht auf Verbesserung dafür herzugeben, ordentliche Beschäftigungsverhältnisse zu angemessenen Bedingungen und Löhnen zu ersetzen - ob nun als Leiharbeiter, Minijobber, Aufstocker oder Praktikanten mit Abschluss bis hin zum Doktorgrad...

Und dann wundert sich unsere Regierungskaste über ausbleibenden Nachwuchs und meint allen Ernstes, mit ein paar unhaltbaren Versprechen und Wahl"geschenken" (man holt sich ja jede Sozialausgabe wieder) sei alles wieder gut, ein bisschen Betreuungs- und Kindergeld hier, ein wenig Muttirente da, ein wenig Kinderfreibetrag und steuerliche Förderung fauler Ehegatt_Innen (Ehegattensplitting), und schon sei vergessen gemacht, dass Millionen Menschen nicht mehr von ihrer Ausbildung und ihrem Beruf eine Existenz, geschweige denn eine Familie unterhalten können.

Was Ihre Gastautorin beschreibt, ist unschöne Wirklichkeit, und zwar für viel zu viele Bürger und Wähler. Und Folge einer völlig verfehlten Regierungspolitik in praktisch allen Politikfeldern.

Daher kommt dieser Beitrag angesichts der schwammigen Ankündigung von 4 more years eines solch desaströsen Weiter-so! dieser Regierungsparteien genau zur rechten Zeit.

11 Wolfgang Hennig 24.06.2013, 11:59 Uhr

Zitat...

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

Albert Einstein

27 Rudi K. Sander 24.06.2013, 12:15 Uhr

Die goldene Generation stirbt jetzt

Anfang September 1945 war ich wieder in Berlin: ich war noch nicht 17 Jahre alt, (wurde ich erst am Heiligen Abend), die Amerikaner hatten - in Österreich, ich marschierte gen Kroatien - sie hatten über meine Wehrmachtsuniform gelacht und mich aus der dreimonatigen Internierung entlassen. Ich wählte den Harz, die Heimat eines Kameraden, liess mich in Thüringen von den einmarschierenden Russen überrollen und fuhr schwarz auf einem Güterzug nach Berlin. Meine Mutter, selber ausgebombt, regelte mit Hilfe ihr bekannter Kommunisten beim Bezirksamt meine Anmeldung: ich war damit offiziell nie weg.

Drei Tage arbeitete ich als Aufräumer auf Trümmerbergen. Dann stellte mich ein Mann ein, der einmal eine Büromaschinenfirma besessen hatte. Er fragte nicht, ob ich schon ausgelernt hatte, und beschäftigte mich als Geselle. Wir reparierten alle Arten Büromaschinen, ich vorzugsweise Schreibmaschinen. Im Herbst 1946 holte ich meine Gesellenprüfung nach und war nun anerkannter Feinmechaniker. 1947 suchte ich mir eine Arbeit in Westberlin, wohnte aber weiter im Osten. Ich wurde Mitgied der UGO, der Unabhängigen Gewerkschafts-Opposition (gegen den FDGB). Dann nahm mich die IG-Metall auf, als ich im Sommer 1951 nach Wiesbaden gezogen war. Vier Jahre baute ich Kameras als Versuchsmechaniker, dann vier Jahre Fernseh-Aufnahmeröhren und ähnliches. Insgesamt war ich 15 Jahre in der Industrie tätig, bis zur Meisterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Nun wurde ich Technischer Beamter bei einem örtlichen Gewerbeaufsichtsamt. Dort sorgte ich 12 Jahre lang für den Arbeitsschutz in allen Arten von Industrie- und Handwerksbetrieben. Dann war ich - nach zwei Prüfungen - Gewerbeinspektor. Ein Zwischenspurt bei der Wehrverwaltung brachte mich zwar für zwei Jahre als Güteprüfer nach England, konnte die Karriere aber nicht voranbringen. 1970 wechselte ich in ein Länder-Sozialministerium und betrieb dort Arbeitsschutz, Umweltschutz, Aufsicht über Frauen- und Kinderarbeit. Ende 1985 wurde ich wegen Krankheit pensioniert: als Technischer Oberamtsrat. Jetzt bin ich 84 Jahre alt.

Für die 15 Jahre in der Industrie beziehe ich eine kleine Rente, davon bezahle ich meine Miete. Für die 27 Jahre beim Staat kassiere dich die gesetzlich geregelte Pension. Ich war einmal 14 Tage arbeitslos, selbst Schuld, weil ich gekündigt hatte. Das blieb ohne Folgen. Wenn es weniger als 3 % Lohnzuwachs geben sollte, gingen wir auf die Strasse. Ich habe nie samstags gearbeitet in der Industrie, immer 48 Stunden in fünf Tagen. Dann kam schrittweise die 35-Stunden-Woche. Bei der Gewerbeaufsichts musste ich zwar anfangs samstags arbeiten, doch spätestens mit der 35-Stunden-Woche ar das vorbei. 5 bis 6%tige Gehaltserhöhungen habe ich auch erlebt. Ich war schon Beamter, als ich erleben durfte, wie die damalige ÖTV mit Hilfe des Fluglotsenstreiks die Brandt-Regierung in Verlegenheit brachte: sie musste einlenken.

Im Jahr 2007 wurde ich bei VERDI für die 60jährige Mitgliedschaft in Gewerkschaften geehrt, mit einer Uhr und einer Urkunde. Seit 1966 war ich Mitglied der SPD. Als ich 1987 aus der Landeshauptstadt "auf's Dorf" zog, haben sie mich vergessen, sie mochten in der Kleinstadt Berliner aus der Landeshauptstadt nicht so sehr. Als ich krank war, vergaßen sie mich ganz. Heute wähle ich die Piraten. Meine kommunistische Großmutter und mein sozialdemokratischer Großvater, bei denen ich bis 1945 aufgewachsen war, sie werden sich wohl im Grabe rumdrehen.

Aber ich verstehe die Zeit(en) ja auch nicht mehr. "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will". Das war mein Gewerkschaftscredo. Warum die Gewerkschaften diese soziale Maxime den jeweils das arbeitende Volk in die Irre führenden Regierungen nicht mehr beizubringen in der Lage sein soll, ist mir schleierhaft. Meine Frau hatte auch als jeweils ungelernte und angelernte Kraft 30 Jahre lang in der Industrie und zuletzt im Handel gearbeitet. Wenn ich sie fragte, warum sie nicht in der Gewerkschaft sei, antwortete sie schnippisch, was soll ich da. So denken heute wohl fast alle jungen Leute, kein Wunder, wenn die Gewerkschaften in der Arbeits- und Sozialpolitik nichts mehr zu melden haben. Die Großbetriebe die ich als Arbeitender kennen lernte und vor allem die Unternhemer selbst, das waren alles sozial aufgeschlossene Leute. Denen war offensichtlich immer klar, wer arbeitet, der muss auch auf seine Weise davon leben können. Und von einem arbeitenden Mann wurde doch wie selbstverständlich erwartet, dass er mit seiner Arbeit auch seine Familie werde ernähren können. Wie es dem Rachen des Zeitgeistes gelingen konnte, das alles sang- und klanglos zu verschlucken, werde ich wohl niemals begreifen. Ich bin heute noch der festen Überzeugung: Mit einem entschlossenen Generalstreik könnte der arbeitende Mensch jeder Regierung beibringen, was sozialer Anstand gebietet. Aber offensichtlich sind die heutigen Menschen selber hiervon nicht mehr überzeugt, auf jeden Fall scheinen sie nicht den Willen zu haben, ihre sozialen Verhältnisse entschlossen selber in ihre arbeitenden Hände zu nehmen. Jeder muss selbst entscheiden, ob das wirklich auf die Dauer so bleiben muss.

Die Soziologen sagen, alles gesellschaftlichen Verhältnisse seien kontingent. Das bedeutet doch, alles, was geht, könnte mit Sicherheit auch vollkommen anders gehen und absolut anders geregelt sein. Die Menschen müsste es nur wirklich wollen. Aber wie es aussieht, sind sie ja mit ihrem sozialen Los vollkommen zufrieden. Sonst würden sie ja anders wählen bei demokratischen Wahlen und zwischendurch, wenn erforderlich, auch anders handeln. Deshalb tut mir niemand leid, und ich sage es jedem ins Gesicht: wenn ihr es anders haben wollt, dann müsst ihr es auch entschlossen ändern. Wer soll es denn sonst tun?

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Bravo!!!!!! So, genau so sieht nämlich die...

Bravo!!!!!!
So, genau so sieht nämlich die reale Arbeitwelt hinter den Kulissen der neoliberalen Juchei-Presse nach 20 Jahren Lohndumping aus. Und solange sich die Arbeitnehmer weiter einseifen bzw. sich vorgegaukeln lassen, es sei in ihrem Interesse, bei Wahlen gegen ihre Interessen zu handeln, so lange wird sich daran auch nichts ändern.
Als nächsten Schritt würde ich NEON stornieren und die WOZ bestellen.

Arbeit ist zur Ersatzreligion geworden

Arbeit ist zur Ersatzreligion verkommen u. das ist auch politisch so gewollt. Wie im übrigen auch das Lohndumping u. die Massenhysterie in der Politik, alle verfügbaren Humanressourcen in die Produktivität zu bringen oder doch wenigstens, wie im Falle der Randgruppen (0-3 jährige und 65-100jährige) alle Lebensbereiche flächendeckend zu ökonomisieren und verdienstleisten. Jungen Frauen wird nicht mehr freudig gewünscht, dass sie sich auf Kinder, Familie und eine offene, (auch ohne Kinder sozial und liebevoll gestaltbare) lebensbejahende Zukunft freuen, sondern es wird geradezu von ihnen gefordert, dass sie falls sie Kinder haben, diese möglichst schnell weggeben oder besser noch diese gar nicht erst bekommen, sondern stattdessen nach menschenunwürdigen Abhängigkeitsverhältnissen lechzen, die vermeintlich der Volkswirtschaft, de facto jedoch nur einer politischen und menschlichen Fehlhaltung dienen. Das sozialistische, zutiefst menschenverachtende Denken hat die freiheitlichen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft längst ausgehebelt. Es ist bezeichnend, dass diese große und weitreichende Tragödie der deutschen Geschichte gerade in Berlin so überdeutlich zum Vorschein kommt. Als Problem beherrscht sie aber das ganze Land und hat verheerende Auswirkungen für mindestens 1-2 Generationen. Vielleicht heißen sie nicht umsonst nach den letzten Buchstaben des Alphabets Generation x, y und z.

Man mag sich vor der deutschen Elite,...

Man mag sich vor der deutschen Elite, wirtschaftllich wie politisch, mit Grausen abwenden. Das Problem bleibt. Die Generation Praktikum, Akademiker die 'nutzlose' Faecher studiert haben, sie sollen mal meine Rente zahlen (nicht das ich darauf spekulieren wuerde). Wie soll diese Generation 'Y' so wird sie wohl genannt, bei der demographischen Entwicklung die Rentenlast stemmen? Geschweige den die Buergschaften, Transferzahlungen,.. die die aktuelle Regierung so gerne verspricht. Mich stoert es wenig bis 70 zu arbeiten, wenn mich den einer haben will. Einigen der Kommentatoren scheint arbeiten etwas wiederliches zu sein, das man halt gezwungenermasen machen muss. Arbeiten ist keine Strafe, macht auch nicht unbedingt frei, es ist ein Teil des Lebens.

Nur zu

Abgesehen vom wunderbaren Einblick in die z.T. kruden ökonomischen oder "ideologischen" Theorien, die hier von Foristen kolportiert werden, ist doch auch die Ambition der (samaritergleichen?) Sozialkritik in diesem snobbish blog nicht zu verachten.
Anpassung an die Struktur oder Anpassungen der Strukturen? Frau Zinn dürfte ja einen progressiven Studiengang gewählt haben, dessen Bedarf wohl eher im US-amerik. Raum erkannt wird? Die "Exemplifizierbarkeit" ihrer Erfahrungen bestätigt aber die Dominanz der précarité u. redet einer Reform der (polit-ökonomischen) Strukturen das Wort ....

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0 Frank Harden 24.06.2013, 15:54 Uhr

Jessica, entschuldige, dass ich UEBER Dich schreibe,

wenn ich Dich direkt ansprechen wuerde, waeren mir einige Sympathiebekundungen etwas unangenehm - so vor anderen, hrm, hrm.

Also: Das Interessante an Jessica´s Blogbeitrag ist ja nun, dass er mir einen lebendigen und trotzdem genauen Einblick in einen Teil der deutschen Arbeitswelt vermittelt; besser als trockene Analysen, die bestimmt fuer gutes Geld verkauft werden.
Sehr viele der folgenden Kommentare liefern im Ganzen doch ein schon recht duesteres Bild ab.
Mir sei bitte die Meinung gestattet, dass mich der Tenor einiger Kommentatoren "Wer Arbeit sucht, der findet auch welche." an krasse Zeiten von frueher erinnert.

Mir fiel - leider erst viel zu spaet - auf, dass der Blogbeitrag im Thema "Stuetzen der Gesellschaft" eingebunden ist. Das ist hart.
Man erinnert sich gleich an die aeusserst bissigen Karikaturen von George Grosz. Dass da "Oben" solche "Stuetzen" der Gesellschaft eigentlich von Leuten wie Jessica gestuetzt, gehalten und erst wohlhabend gemacht werden, ist die bittere Ironie der Geschichte.

Wie auch immer, es scheint so zu sein, dass in vielen Faellen zwei Arbeitsstellen in der BRD nicht ausreichen, um sich nebenbei noch etwas anzuschaffen.

Nun werde ich mich doch direkt an Dich wenden, Jessica. Ich hoffe, die Geschichte gefaellt Dir. Ich denke gerne daran zurueck.
Folgendes Verhalten - ich benehme mich oefter daneben - bescherte mir vor Jahrzehnten eine kleine Verlaengerung meiner schon andauernden Arbeitslosigkeit. Dem Sachbearbeiter vom AA gefiel aber meine Geschichte, denn er konnte eine bestimmte Person auch nicht leiden: Ich bekam bei einem Einstellungsgespraech einen doch recht lauten Lachanfall, als 28 DM und 8 Pfennig pro Stunde mit der Bemerkung angeboten wurden, dass man mir trotz der Luecken im Lebenslauf noch einmal eine "letzte" Chance geben wolle. Es waren diese irrwitzigen acht Pfennige, diese ueberfluessige Bemerkung und das verdatterte Gesicht dieses aeusserst wichtigen Personalchefs, die meinen Tag verschoenten.

So war´s, Jessica. Alles Gute und schreib mal wieder. Ich muss jetzt zum Flieger. Eine Stunde Flug, etwa 10 Stunden Arbeit (ist neben netten Geschraechen mit Ex-Kollegen eher Stress), Hotel, Taxi, Verpflegung frei und heute abend kommt mein derzeitiger Chef aus Daenemark angerauscht und bringt mir ein nagelneues Handy mit. Aufgrund seiner sinnigen Geschenke nenne ich ihn oefter Weihnachtsmann - natuerlich nur in Gedanken; einmal sagte ich ihm, dass ich von Kuchenstuecken und Suessigkeiten keine Miete bezahlen kann; irgendwie mag er meine Sprueche.

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5 Sigi Kiermayer 24.06.2013, 16:21 Uhr

hochqualifiziert; akademiker

Hochqualifiziert und Akademiker klingt immer nach der Elite von Heute. Schon mal darueber nachgedacht einen Schritt zurueckzugehen?

Abitur ist keine Leistung die einen Menschen intelligent macht. Es gibt genug Menschen die sprachlich wunderschoene Aufsaetze schreiben koennen aber bei einer Argumentation ploetzlich vor einer Wand stehen.

Abitur bedeutet NICHT, dass jemand intelligent ist.

Ein Studium abgeschlossen zu haben bedeutet ebenfalls nicht, dass man nun in irgend einer Form etwas besonderes ist. Das bedeutet nur, dass man einen Hochschulabschluss hat.

Wenn man nun einen besonders schlechten Notendurchschnitt hat, nicht flexibel genug ist, vielleicht einfach krass unsympatisch ist, unfaehig aber trotzdem in der Lage war das Studium abzuschliesen (davon gibts auch genug) oder oder oder andere Probleme hat, braucht man sich nicht wundern wenn man immer noch irgendwas arbeitet.

Der Artikel bzw. die Sicht von Frau Jessica Miriam Zinn kann man so auch ueberhaupt nicht einschaetzen und es gibt genug Moeglichkeiten inwieweit sich Frau Zinn selbst ins Abseitz geschossen hat.

Aussagen aber wie 'als Akademiker im Supermarkt zu arbeiten' naja super spricht nicht unbedingt fuer eine realistische Einschaetzung.

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Ein korruputes und kriminelles System:...

Ein korruputes und kriminelles System: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/faz-net-fruehkritik-guenther-jauch-eine-schweinerei-und-eine-arme-sau-12241918.html

Kommentar 18 bringts auf den Punkt - für alle, die glauben, sie träfe es nie, wiel sie weder Pole, noch Fleischergehilfe, noch sonstwelche "arme EU-Sau" seien.

Sein strohtrockener Komment: "Die Leiharbeit ist längst auch bei Ingenieuren und Softwareentwicklern angekommen."

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Außer vielleicht von Herrn Thorsten Haupts. Welcher möglicherweise sagt: Wer ein guter IT-ler oder Inschenör ist, brauche keine Angst zu haben, er bekomme immer was außerhalb der Zeitarbeitsstrukturen. :-)

Was das alles mit Autorin Jessica und ihrem Beruf Humanwissenschaften zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten Blick eine ganze Menge. Und zwar nicht, um Jessicas Situation zu relativieren ("Ihr Problem sei nichts: Andere hätten es noch schlimmer"), sondern um klarzumachen, dass das ein Flächenbrand ist. Da muss dermaßen aufgeräumt werden in diesem Augias-Stall, dass der "Human Factor" (wie eine technische Schnittstelle, ein GUI, eine Gadget vom Menschen noch besser, sicherer, intuitiver bedienbar wird) erweitert werden muss in: Wie wollen wir überhaupt noch human leben.

So jedenfalls nicht.

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Warum Berlin noch mehr Studenten haben will

Wie Berlin rechnet:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finanzausgleich-wie-berlin-rechnet-12242927.html

"Berliner Landespolitiker wollen Studenten dazu bewegen, ihren Hauptwohnsitz in die Hauptstadt zu verlegen. So bekommt Berlin mehr Geld aus dem Länderfinanzausgleich."

Das passt sowas von zu unserem Thema hier. Es bestätigt alle meine Vorurteile, wie man sich auf diesen Ebenen (wie auf anderen Ebenen auch) miese kleine Geldeinsack-Vorteile verschafft, damit alles am Ende noch ein bisschen mieser wird.

Oder für Indienkenner: Der Kobra-Effekt. Herrlich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kobra-Effekt

[Bin wirklich kein Berlin-Basher. Im Nikolai-Viertel habe ich mich gerne ausnehmen lassen, ähm hat es mir den Neunzigern ausnehmend gut gefallen. Die Schlachteplatte war hervorvorragend, das Sauerkraut noch besser, das Bier süffig. Und das Viertel angenehm menschlich-frotzelig, noch von den Smartjüngern sowie Business-Roillkofferschranzen verschont. (Wie heute noch das Hackerviertel in München, das leider an seiner zu großen Nähe zur bei feierwütigen Prolls "angesagten" Sonnenstraße leidet.)

1 H-Kennzeichen-Fahrer 24.06.2013, 21:00 Uhr

Zunächst ganz ohne Ironie oder Häme: Viel Erfolg und Glück bei der Jobsuche !

Nach den geschilderten schwierigen Erfahrungen sehe ich abgesehen von Vitamin B (muß man auch erstmal haben) nur die Möglichkeit, in viel weiterem Raum nach Arbeit zu suchen. Sich auf einen Standort festzulegen, scheint mir angesichts der festgestellten Schwierigkeiten naiv bis riskant. Wenn junge Griechen und Spanier Deutsch lernen, um hier bessere Chancen zu suchen, erscheint ein Ortswechel innerhalb Deutschlands zumutbar.

Die Seite der TU habe ich auch mal kurz angeschaut. Ehrlich gesagt bestätigt sie nur meine Vorurteile gegenüber den Bologna-Studiengängen: alles toll klingende Bezeichnungen - viel heiße Luft. "Interdisziplinär" darf auch nie fehlen, aber bei so unterschiedlichen Voraussetzungen gleichermaßen Psychologie- wie Ingenieurwissenschaftsabsolventen zum gleichen Abschluß führen zu wollen, scheint mir auch mit "Cross-Teaching" arg optimistisch.
Als Arbeitgeber würde ich nur den Voll-Ingenieur mit dieser Zusatzgualifikation wählen, niemals den Psychologen.

Nochmals viel Erfolg !

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7 colorcraze 24.06.2013, 22:38 Uhr

- kann man nicht den Titelwahn mal abstellen, "Überschrift" laß ich mir ja gefallen -

Tja, daß man als Industriedesigner und Artverwandtes (das was Frau Zinn studiert hat, scheint etwas wie „Ergonom“ zu sein, also artverwandt) in Berlin schwer einen Job findet, war auch vor 20 Jahren schon so. Berlin hat zwar viel Hochschulen und die Ausbildung dort ist auch nicht unbedingt schlecht, aber man steht danach einfach vor dem NICHTS, denn man muß sich dann erstmal einen Job suchen. Und zwar in der Regel anderswo, wenn man das Studierte zum Beruf machen will - Bundesgebiet/Süddeutschland mindestens sind da schon angezeigt. Ansonsten ergeht es einem halt wie geschildert, von Kellnern bis Klofrau („Amt“ sowieso) ist alles drin, wenn man in dieser Stadt überleben will.
Es ist durchaus richtig, daß Studenten in Berlin ein Wirtschaftsfaktor sind – es kommen immer neue, die Geld dafür zahlen, eine Wohnung zu bekommen. Ist in anderen Universitätsstädten vermutlich nicht anders. Mit dem Wort „Kreativwirtschaft“ hat man ein Buzzword geschaffen, das den Jungen entgegenkommt (wer will nicht kreativ sein), andernseits verschleiert, daß diese „Wirtschaft“ in erster Linie aus dem Abschöpfen der von anderswo mitgebrachten Gelder für den Lebensunterhalt besteht, keineswegs aber in so spießig-pragmatischen Dingen wie „mit auskömmlichen Lebensunterhalt irgendwo unterbringen“. Das darf man dann gerne selber tun (zur Ehrenrettung der Einheimischen sei gesagt, daß es für die auch nicht viel leichter ist, auch wenn sie mehr Bekannte und Freunde haben) – und stellt dann ernüchtert fest, daß die Kanäle, die zu so etwas führen, von anderswo nach anderswo verlaufen, jedenfalls kaum je über die Universitäten, und man ziemlich zu kämpfen hat.
Man faselt den Jungen was vor von den 1000 Möglichkeiten, die sie hätten, daß davon 999 verlustreiche Sackgassen sind, verschweigt man tunlichst oder will es gar nicht erst wahrhaben.
Fakt ist nach wie vor, daß die Lieblingsbeschäftigung selten viel Geld einbringt und ordentliches Geldverdienen eher nicht mit längerem Studium korreliert. Insofern ist Studium eine Art Freischuß, sich mit etwas zu befassen, was einen interessiert, denn danach in den sauren Apfel beißen (sich nach einem Einkommen umsehen – nach etwas, das Geld einbringt und das man ausfüllen kann, nicht was einen „erfüllt“) muß man in den meisten Fällen.
(Von daher hoffe ich, daß die Tipps vonwegen sich über die Betriebe im Berliner Umland schlau machen, das Schwabenland unter die Lupe nehmen und evt. im Ausland schauen, einen gangbaren Weg ergeben)
Was aber möglicherweise schon schlimmer ist als „früher“, ist die Tatsache, daß kaum noch ein Betrieb so lange durchhält, bis man das Rentenalter erreicht hat, oder durch periodische „Umstrukturierungen“ immer mal ein Großteil der Belegschaft vom Karussell gekippt wird, so daß man wieder neu suchen muß.
Bei der Elterngeneration war das Suchen mit 30 beendet, und das ist auch richtig so, denn anders kann man nicht Eltern werden. Aber unsereins muß sich darauf einstellen, daß man danach immer mal wieder „auf die Suche“ muß. Das ist anstrengend, auch psychisch. Denn jünger und „sprungbereiter“ wird man nunmal nicht.

Gewerkschaftsmathematik

Warum arbeiten die einen 60 Stunden, davon 20 unbezahlt, und die anderen 0 ?? Die Arbeitszeit muss mit/entgegen der Produktivitaet sinken, sonst stehen Millionen auf der Strasse. Steht auch schon im Kapital. Aber den Arbeitsplatzbesichern, noch gewerkschaftlich organisiert, ist das ja egal, die sacken lieber die steuerfreien Ueberstundenzuschlaege ein. So gesehen ist die "workforce" so gespalten wie nie.
Es stimmt nun mal, wir leben im Zeitalter totaler Ueberproduktion. Da schafft man weder Fabriken noch Arbeitsplaetze, es gibt genug von allem, und dazu noch Ramsch und Müll. Wir brauchen eine Begrenzung der Vermoegen und eine Begrenzung der Arbeitszeit - beides in weiter Ferne. Fuers Protokoll: Den Erfolg des Arbeitsplatzbesitzes halte ich fuer Zufall. Im wesentlichen Kontakte, Vitamin B, ein Chef man ihn/sie, man passt rein, um Leistung geht es da NIE. Die ist auch schwer zu messen und, so akademisch, eben gar nicht erwuenscht.
Alle versuchen, den Arbeitslosen Schuld einzureden. Ich nicht. Zum Trost: Wir leben in der groessten Blase aller Zeiten, mal sehen, was passiert, wenn sie platzt.

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7 Folkher Braun 25.06.2013, 01:34 Uhr

@driver: Wenn ich mir die im Internet...

@driver:

Wenn ich mir die im Internet verfügbaren Daten von Frau Zinn ansehen, empfehle ich: alles sofort einstellen. Es sind absolut zweck- und sinnlose Veranstaltungen. Ich kann das beurteilen, denn ich war im zarten Alter von 31, also 1982 auch mal Mitglied der Großen Tarifkommission der Gewerkschaft ÖTV im Bereich Transport und Verkehr. Völlig sinnlose Aktivität, genau so sinnlos wie das von Frau Zinn bei den Piraten.
Im Bereich der "usability" gibt es genügend Kandidaten, die mal eine benutzergerechte Darstellung ihrer Technik brauchten. In meinem Berufsumfeld, also Lastwagen und Anhänger, sind das 7 Lkw- Hersteller und 700 Anhängerhersteller. Die wohnen alle nicht im Umkreis von Berlin, aber in so netten Orten wie Horstmar, Werlte, Burtenbach, Haibach, Wörth, München, Södertälje, Göteborg, Lyon, Kesteren, Kampen oder Etten Leur.

5 Köstlich 25.06.2013, 02:06 Uhr

Ein politischer Text aus dem Piraten Hauptquartier Berlin ....

.... hätte ich an dieser Stelle nicht für möglich gehalten. Ein authentischer Erfahrungsbericht ist das m.E. nicht. Die Autorin ist entweder extremste Bummelstudentin gewesen oder doch bereits einige Jahre aus der Uni raus.
.
Bieten Sie ihr doch eine Ihrer Latifundien im Süden zur temporären Verwaltung. Auf dass sie dort das ihr scheinbar ganz doll fest versprochene Akademiker Glück mit dem hoffentlich noch nicht ganz vergessenen Master of Science in Human Factors finden möge ("Maschinenbau kann ich mir leichter merken" - das wird sich der Personaler in meiner Alterskohorte bei so einem Titel vermutlich denken).
.
Raus aus "Wir-Kinder-vom-Drückeberger-Zoo", das wäre schon der wichtigste Schritt!

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13 Stranzinger 25.06.2013, 07:09 Uhr

gebt mir was mir zusteht:

- ein 80millionstel der Fläche Deutschlands
(das ist fast ein Hektar)
- freien Zugang zu Trinkwasser
- Befreiung von Bau- und Saatgutverordnung
und ich werde mein Klo selbst putzen
und ihr werdet euer Klo selbst putzen

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4 Nikolaus Neininger 25.06.2013, 11:19 Uhr

Fachidioten

Ein Teil des Problems ist aber auch, daß sich die Universitäten haben einseifen lassen - zuvorderst die Verwalter und Professoren (mit fleißiger Hilfe der KuMis), einigermaßen gezwungen dann auch die Studis:
Die immer weitergehende Spezialisierung in kleine und kleinste Sprieselteilfächer hat ja mit dem Bologna-Prozeß seine Krönung gefunden, so daß nun hunderte von Studiengängen angeboten werden, von denen etliche so aussehen, als gäbe es einen nahtlosen Übergang in einen entsprechenden Beruf. Für die Studis die Fata Morgana "ich studiere mein Lieblingsfach und bin dann perfekt für meinen Lieblingsberuf ausgebildet", für die Profs nur noch Vorlesungen über ihr Lieblingsthema.
Dazu paßt auch, daß in vielen Unternehmen die Maxime ausgegeben wird, man brauche Experten, die ihre Sache wirklich gründlich verstünden (vulgo Fachidioten).
(Dazu Lichtenberg: "Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.")
Von England, wo es die Unterscheidung in Bachelor und Master schon lange gibt, weiß ich aber nun, daß dort (zumindest früher) gerade nicht die frühe Fachspezialisierung gefragt war. Wenn einer wirklich in ein Thema einsteigen wollte, dann machte er nach dem Master eben noch seinen PhD. Gar nicht so ungewöhnlich war es dagegen, daß jemand einen Bachelor in zB Kunstgeschichte machte und dann von einem IT-Unternehmen eingestellt wurde.
Zum einen übernahmen damit auch die Unternehmen ihren Anteil an der Ausbildung, zum anderen kam nicht automatisch die Vorstellung auf, für jeden erfolgreichen Studienabschluß gebe es automatisch auch einen genau passenden Arbeitsplatz.
(Nebenher vermeidet man auf diese Weise auch noch einen zu stark ausgeprägten Schweinezyklus.)
Meine aktuelle Arbeit hat außer der Bedienung einer Computertastatur gar nichts mit dem Fach zu tun, was ich studiert habe (Physik), aber offensichtlich war es umfassend genug. Die Tendenz, das Studium immer weiter zu spezialisieren, gab es allerdings schon damals.
Nutznießer dieser Entwicklung sind die Unternehmen, die sich billig Praktikanten halten können und weniger Aufwand für die Einarbeitung haben - gewissermaßen "spätkapitalistische Zustände".

3 E.R.Binvonhier 25.06.2013, 12:18 Uhr

Es ist Zeit

Ich möchte mich herzlich beim Gastgeber, der Autorin und selbstverständlich
bei den Lesern für ihre Kommentare bedanken.

Beitrag bedanken.

Bildung oder Ausbildung

Beim Lesen vieler Kommentare bekomme ich den Eindruck, daß ein Studium mehr und mehr zu einer einfachen Ausbildung geworden ist. Wenn die Wahl des Studienfaches nur noch von der späteren Arbeitsmarktsituation beeinflußt wird, und eigene Interessen keinerlei Rolle mehr spielen, dann ist es wirklich soweit.

Aber sollten die Hochschulen nicht eigentlich Bildung vermitteln, und erst in zweiter Linie eine Qualifikation für den Arbeitsmarkt? Ich kann mich noch daran erinnern, daß man mitleidig z.B. auf Pharmazeuten geschaut hat, da deren Studium nichts anderes als eine etwas anspruchsvollere Ausbildung war (wobei es genug Pharmazeuten gibt, die später einen anderen Weg eingeschlagen haben). In vielen Ländern gibt es inzwischen Studiengänge, die in Deutschland eher einer Ausbildung oder Lehre entsprechen - warum das so ist, ist eine andere Frage, es verringert auf jeden Fall die Jugendarbeitslosigkeit. Aber man kann das doch nicht zum Anlass dafür nehmen, ein Studium generell als nichts anderes als eine Ausbildung anzusehen.

Mein Fach wurde - obwohl Naturwissenschaft - zu Beginn meines Studiums auch als "brotlose Kunst" bezeichnet und mir wurde mehrfach von wohlmeinenden Familienmitgliedern geraten, doch etwas "richtiges" zu studieren. Und wenn man als Erfolg einzig Gehalt und Status ansieht, hatten sie sicher recht - aber ich bin dennoch froh, bei meinem Entschluß geblieben zu sein. Und ich glaube, daß ein Student, der studiert, was ihn interessiert, immer besser und erfolgreicher sein wird als einer, dessen Studienwahl nur strategisch begründet ist.

Daß man dabei in eine Situation kommt, wie von der Autorin beschrieben, ist wieder eine andere Sache - mal abgesehen von den angesprochenen Vorschlägen wie Ortswechsel etc zeigt es doch auch, daß eine Arbeitskraft eigentlich nichts mehr wert ist. Es wird erwartet, daß man "kostenlose" Praktika finanziert und sein Leben nach einem potentiellen Arbeitgeber ausrichtet, der in vielen Fällen eben nicht bereit ist, Arbeitnehmern ebenso entgegenzukommen. Hier scheint ein wenig die Ansicht verloren gegangen zu sein, daß Eigentum eben auch verpflichtet, und daß man in einer Gesellschaft nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern eben auch für diese Gesellschaft hat.

Bei dieser Diskussion geht es doch auch um die Frage, worin der Sinn des Lebens liegt - und diejenigen, die eine Karriere-basierte Studienwahl empfehlen, scheinen den Sinn hauptsächlich darin zu sehen, sich für einen potentiellen Arbeitgeber attraktiv zu machen. Gibt es nicht noch andere Dinge? Ich halte auch nicht viel von staatlicher Alimentation die Menschen entmündigt - idealerweise sollte eine derartige Alimentation nicht notwenig sein und nur in Notfällen benötigt werden - dazu genügt es aber nicht, einfach die (potentiellen) Empfänger zu bestrafen, sondern man sollte gleichzeitig auch diejenigen angehen, die Abhilfe schaffen könnten (eg durch das Schaffen von Stellen mit Gehalt von dem man Leben kann) und es nicht tun.

1 Folkher Braun 26.06.2013, 02:19 Uhr

Beste(r) Gu X: ich erinnere mich grob an...

Beste(r) Gu X:

ich erinnere mich grob an eine Feststellung von Claus Offe (irgendwann Ende der 60er in einem Soziologie- Band), dass nur der konfliktfähig ist, der eine Leistung verweigern kann. Daran sollte man anschließen: Wessen Leistung von anderen noch viel günstiger angeboten wird, ist halt nicht konfliktfähig. Das ist doch in weiten Bereichen der Universitäten heute der Fall und in den vorgelagerten (Marketing-) Aktivitäten der Industrie auch. Beispiel: Ich habe mich im März als Schurnalisd für die Bauma- Messe in München angemeldet. Leider habe ich vergessen, den Haken für die Unterbindung meiner email- Daten zu drücken. Seitdem bekomme ich einen unglaublichen Schrott geliefert. Meist noch in einer grauenhaften Denglisch- Sprache. Deswegen sehe ich für Frau Zinn, die Texterstellerin, grandiose Berufsaussichten. Nämlich Dünnschwätz- (nenne ich mal so)- Elaborate in konkrete Aussagen über die Leistungsfähigkeit konkreter Produkte zu verwandeln. Ist ein Riesenmarkt.

1 Tyler Durden Volland 26.06.2013, 04:11 Uhr

.....

@ThorHa
„Das echte und ungelöste Arbeitsmarktproblem (dessen Grösse zunehmen wird) stellt sich für heute x und morgen x+ Prozent der Bevölkerung, die durch begrenzte eigene Fähigkeiten und/oder soziale Herkunfstbedingungen nur zu sehr wenig anspruchsvollen Routinearbeiten befähigt sind. Für die haben wir nicht genügend Jobangebote und das Problem wird sich mit zunhmender Automatisierung weiterer Arbeitsbereiche (z.B. autonome Fahrzeuge, Folkher Braun aufgepasst) weiter verschärfen. Dafür habe ich keine Lösung und sehe auch sonst niemanden, der eine hätte.“

Uns fehlen die Arbeitsplätze nicht wegen der Automatisierung, sondern weil wir sie in die 3.Welt mit ihren Billigst-Sklaven verlegt haben. Da können problemlos mal 1000 an einem Tag verbrennen, weil eine Tür abgesperrt ist, da gibt’s Millionen anderer die bereit stehen. Es sind ja nur die Sub-Unternehmer die Schuld sind, nicht die deutschen Leistungsträger…. und deren dabei erzielten Profite sind nun mal wichtiger. Zumindest bis es den deutschen Dummköpfen mit ihren Hartz4 Satz zu bunt wird, also am St. Nimmerleins Tag…

Nur ein einziges kleines Beispiel als Alternative…. Wenn zB Alten- und Pflegebedürftige mit dem Geld angemessen bezahlt würden, die der Steuerzahler an Staat und die Versicherungskonzerne abgibt, dann hätten sie auf einen Schlag jede Menge neuer Arbeitsplätze. Aber die wären natürlich nicht profit-intensiv, wie zB die Privatisierung von Kliniken und die Reduzierung der Zahl der Pflegekräfte. Ganz zu Schweigen vom Nebeneffekt des sozialverträglichen Früh -Ablebens der unnützen Rentenbezieher, als logischer Nebeneffekt mangelnder Pflege….

Es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass die Bürger eine angemessen bezahlte Stelle finden können. Und zwar am Lebensstandard des betreffenden Landes angemessen, nicht mit der Phrase beantwortet, anderswo sei alles noch schlimmer. Politiker werden von den Steuergeldern der Bürger bezahlt, es läge an den Bürgern die Politiker zur Rechenschaft zu ziehen. Und damit schliesst sich bei mir wieder der Kreis: Solange die Bürger dies nicht tun, und stattdessen wie die Autorin jammern und mit dem Finger auf andere zeigen bleibt alles so wie ist, und es ist gerecht so!

Und was ihre doch etwas arg eigenartige Forderung angeht:

„Ich persönlich war und bleibe der Auffassung, dass für ein echtes Studium ein IQ von 120 plus Voraussetzung sein sollte, dann reduzierte sich die Zahl möglicher Akademiker auf maximal 12,5% der Bevölkerung.“

Es steht Ihnen und allen anderen die ebenso denken selbstverständlich frei als Rädchen zu leben, ich für mich beanspruche eine selbst-bestimmtes Leben. Wer Erfüllung in der Existenz des nützlichen Idioten zu finden weiss, dem sei dies freigestellt. Und selbstverständlich sollte der auch, wie sie es nennen ein „echtes“ Studium absolvieren, wenn es zu mehr nicht reicht. Wie alle Kleinbürger verlangen Sie von allen anderen sich von dem, was sie sich selber nie gegönnt haben, ebenfalls zurück zu halten. Neid und Ressentiment nennt sowas.

Sie sehen das Problem ja richtig:
„Wie hat das System das bloss geschafft, OHNE die Einzelnen
eine krankhafte, habgierige Konkurrenzgesellschaft zu schaffen? So völlig ohne jeden einzelnen von uns? Unbemerkte Singularität?“

Wie schaffen sie es nur immer wieder die falschen Schlüsse daraus zu ziehen?

@GuX
„Bei dieser Diskussion geht es doch auch um die Frage, worin der Sinn des Lebens liegt - und diejenigen, die eine Karriere-basierte Studienwahl empfehlen, scheinen den Sinn hauptsächlich darin zu sehen, sich für einen potentiellen Arbeitgeber attraktiv zu machen. Gibt es nicht noch andere Dinge? Ich halte auch nicht viel von staatlicher Alimentation die Menschen entmündigt - idealerweise sollte eine derartige Alimentation nicht notwenig sein und nur in Notfällen benötigt werden - dazu genügt es aber nicht, einfach die (potentiellen) Empfänger zu bestrafen, sondern man sollte gleichzeitig auch diejenigen angehen, die Abhilfe schaffen könnten (eg durch das Schaffen von Stellen mit Gehalt von dem man Leben kann) und es nicht tun.“

Politiker/Regierungen werden von den Bürgern dafür bezahlt, dass sie das Gemeinwesen so organsieren, dass für ALLE ein menschenwürdiges Leben ermögilicht wird. Eine neo-liberale Regierung, die den Reichen und den Konzernen ermöglicht ihre Profite zu maximieren und deren Bemühen für den Rest der Bevölkerung sich auf die Hoffnung reduziert, von den Tischen der Reichen würden genügend Brosamen herabfallen, die hat jegliche Legitimierung verloren. Keiner ist unter einer solchen Regierung noch zu irgend etwas verpflichtet. Ja, „staatliche Alimentation entmündigt“, aber in einer Lage wie jene der Autorin, ist die Entmündigung bei der Anpassung an dieses perverse Systems noch ein paar Nummern grösser.
Wer zu dumm ist, dies zu verstehen und sich trotzdem weiterhin bemüht ein Rädchen zu werden, egal zu welchen Bedingungen, der verdient es nicht anders. Die Reaktionäre besitzen kein Monopol auf das Wort von der Eigenverantwortung.
Die Jessicas der Republik, halten ein korruptes, verbrecherisches System am Laufen. Ohne die Massen angepasster Mitläufer wie sie, würde es nicht laufen. Sie verdient keinerlei Mitleid!

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3 Herold Binsack 26.06.2013, 21:27 Uhr

Eine neue Epoche der Sklaverei

Wenn ich solche Berichte lesen, und ich lese das wahrlich nicht zum ersten Mal, stelle ich mir schon die Frage, ob wir uns gar in Richtung einer neuen Form der Sklaverei entwickeln? Einer Sklaverei, einer Form der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wie sie eher der Antike angepasst wäre, als dem modernen Kapitalismus. Einer Sklaverei, welche schon nicht mehr als Lohnsklaverei bezeichnet werden kann, dennoch eine Form derselbigen ist. Und wenn wir uns die Geschichte der Antike, der griechischen und römischen zum Beispiel, vornehmen (ich verweise da immer wieder auf die Forschungen von George Thomson zur Altgriechischen Gesellschaft), da finden wir neben der Sklaverei auch schon Keimformen der Ausbeutung von Lohnarbeit. Warum also auch nicht mal umgekehrt? Neben der Lohnarbeit Keimformen der Sklaverei!
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Und alles weist genau darauf hin. Die Ausbeutung der Lohnarbeit ist längst in der Krise. Und wie sollte es auch anders sein, angesichts jenes hochorganischen Kapitals, welches sich selber ausbeuten müsste um Profite zu machen, um ausreichend Mehrwert abzuschöpfen. Der „tendenzielle Fall der Profitrate“ (http://blog.herold-binsack.eu/wenn-der-patient-keine-krankheitseinsicht-hat/) , ein wohl aus guten opportunen Gründen heftig bestrittenes marxsches Gesetz, hat die Realität dennoch voll erfasst. Dieses hochorganische Kapital weist eigentlich in Richtung eines Ende der ökonomischen Gesellschaften, doch in wenigen Händen konzentriert, gebiert es eine neue Aristokratie, eine neue Klasse innerhalb der Bourgeoisie, und mit dieser eine neue/alte Form der Ausbeutung. Mehr Freibeuter als zivile Finanzkapitalisten. Es sind Oligarchen, die, wie es scheint, über den Marktgesetzen schweben.
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Soweit Lohnarbeit ausgebeutet wird, dann über die Ausbeutung der minderorganischen Konkurrenz. Das Kapital zahlt seinen Tribut an diese Freibeuter. Längst befindet sich das Milliardenheer der globalen Lohnsklaven - sozial betrachtet - unterhalb des Existenzminimums, also unterhalb dessen, was man einst einem Sklaven angedeihen ließ, angedeihen lassen musste.
Die Ausbeutung von Akademikern folgt genau dieser Logik. Und einer anderen. Der, der falschen Ideologie. Ideologisch wie habituell an die Klasse der Ausbeuter gebunden, an die Illusion der „gerechten Entlohnung“, hoffen sie sich in den Kreis der Privilegierten einzuschmeicheln. Ich werde es doch wohl schaffen? So hofft jeder heimlich für sich.
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Daher wäre meine Antwort auf die Frage der Studentin wohl eher unbefriedigend. Selbst wenn es ihr gelingt, ihre Arbeit mal angemessen bezahlt zu bekommen, ist das doch keine Option für eine ganze Generation, ja für alle Generationen von nun an. Mal abgesehen davon: was wäre der Maßstab für „Angemessenheit“? Dieser geht uns doch gerade verloren. Wir erleben gerade wie die „abstrakte Arbeit“ sich jeder Wertbestimmung entzieht, wie alle Waren, ganz generell.
Die ökonomischen Gesetze verlieren ihre Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das Kapital sie eh nie verstanden hat, sondern da ihre Kategorien nunmehr obsolet werden. Daher auch die Sinnkrise in den ökonomischen Wissenschaften. Unsere heutigen Ökonomen haben viel gemeinsam mit einer Zigeunerin, die uns unser Schicksal aus der Hand zu lesen vorgibt.
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Die derzeit die ganze Welt zu erfassen scheinenden revolutionären Aufstände gehen nicht von ungefähr von der Jugend und von den Frauen (http://blog.herold-binsack.eu/die-langste-stunde-des-finanzkapitals/) aus. Sind sie doch das Subjekt, welches da in die Sklaverei geführt wird. Diese begann mit dem Patriarchat und sie endet mit diesem. Und es steht zu hoffen, dass die Frauen da ihre Frau stehen so wie die Jugend ihren „Mann“.

[...] Eine neue Epoche der Sklaverei Wenn ich...

[...] Eine neue Epoche der Sklaverei Wenn ich solche Berichte lesen, und ich lese das wahrlich nicht zum ersten Mal, stelle ich mir schon die Frage, ob wir uns gar in Richtung einer neuen Form der Sklaverei entwickeln? Einer Sklaverei, einer Form der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wie sie eher der Antike angepasst wäre, als dem modernen Kapitalismus. Einer Sklaverei, welche schon nicht mehr als Lohnsklaverei bezeichnet werden kann, dennoch eine Form derselbigen ist. Und wenn wir uns die Geschichte der Antike, der griechischen und römischen zum Beispiel, vornehmen (ich verweise da immer wieder auf die Forschungen von George Thomson zur Altgriechischen Gesellschaft), da finden wir neben der Sklaverei auch schon Keimformen der Ausbeutung von Lohnarbeit. Warum also auch nicht mal umgekehrt? Neben der Lohnarbeit Keimformen der Sklaverei! [...]

0 Folkher Braun 26.06.2013, 23:32 Uhr

Bester TDV: Ich besitze alle drei Lizenzen...

Bester TDV:

Ich besitze alle drei Lizenzen für elektronische Trailerbremssysteme von Westinghouse, Knorr und Haldex. Und die Ausrüstung, so etwas ein- und auszubauen und einzustellen. Ich mache das auch. Das auto- fahrende Auto ist leider der zweite Schritt vor dem ersten. Der heißt Umstellung aller hydraulischen und pneumatischen Bremssysteme auf elektrische. Nur die hätten die erforderliche Schnelligkeit, Radar- und Ultraschall- Informationen in Fahrentscheidungen "in Echtzeit" (ich finde den Begriff furchtbar) umzusetzen.

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2 E.R.Binvonhier 27.06.2013, 10:00 Uhr

Es ist nicht nur so,

Dass Akademiker seltener arbeitslos werden.
Sie sind auch gesünder und
Leben länger. Zumindest im akad. Betrieb.
Naheliegend sich die Rente mit 70 auszudenken und sich für die Jüngeren immer
neue Studiengänge einfallen zu lassen.

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0 E.R.Langen 27.06.2013, 14:12 Uhr

Flowercrown

Oh je, jetzt noch über SPON spotten?

0 Folkher Braun 27.06.2013, 23:27 Uhr

Rein empirisch ist es wohl anders

... denn ich registriere sehr genau, wenn ich im schwarzen Anzug zum letzten Gang von Kollegen und Verwandten antreten muss. In den vergangenen drei Jahren waren es fünfmal die Jahrgänge 52 bis 62. Alle studiert, alle mit CEO, CFO, COO- Posten. Alle tot. O.k..: im Proletariat stirbt man früher. Lkw- Fahrerkollegen habe ich in den vergangenen dreißig Jahren acht auf ihrem letzten Gang begleitet. Die ich auf der Autobahn in brennenden Kabinen oder von der Lenksäule aufgespießt habe sterben sehen, die rechne ich nicht mit. Denn da war ich nicht zur Beerdigung der Reste eingeladen.

@TDV

@TVD

Entschuldigen Sie bitte die längere Verzögerung, aber ich mußte das hier gelernte in die Wirklichkeit umsetzen und etwas für meine Mitarbeiter tun.

Ich teile Ihre Ansicht nicht, daß Politiker dafür bezahlt werden, ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen. Politiker sind ein Abbild der Gesellschaft, und der Mehrheit ist anscheinend im Moment der Ansicht, daß eine - wie sie es nennen (ich würde eine andere Bezeichnung vorziehen, das würde aber eine neue Diskussion verursachen) - neo-liberale Gesellschaftsordnung am besten ist. Vermutlich liegt das in der Hoffnung begründet, man selbst könnte in einer solchen Ordnung zu den Gewinnern zählen. Aber selbst das ist zu einfach, denn selbst Befürworter einer neo-liberalen Gesellschaftsordnung können durchaus fast sozialistische Ideen befürworten (z.B. in England das Gesundheitssystem, das von fast allen Parteien - und der Mehrheit der Bevölkerung - befürwortet wird, obwohl es ganz sicher nicht einer neo-liberalem Idee entspricht).

Meiner Meinung nach ist ein großes Problem, daß es heute möglich ist, die Verantwortung für eigenes Handeln abzugeben bzw. sich durch eine einfache Entschuldigung von groben Fehlern freizukaufen. Es scheint eben keine persönliche Verantwortung zu geben, sondern jeder kann sich gut hinter einem "System" verstecken, das man für alle Auswüchse verantwortlich machen kann. Früher hatte man die Höllenqualen oder diverse Ehrenkodizes, die ein Fehlverhalten zumindest theoretisch sanktionierten - heute gibt es das anscheinend nicht mehr.

Was schlagen sie als Alternative vor? Ich meine diese Frage ernst - was würden Sie an Stelle der Autorin (oder auch an meiner Stelle, der ich satt und zufrieden im Labor sitze) machen?

2 Thomas Mirbach 01.07.2013, 18:22 Uhr

Eine zutiefst deprimierende Lektüre Jessica Miriam Zinn...

...die sich leider zu 100% mit meinen und den Erfahrungen meiner Bekannten deckt. Wie kann es sein, dass dieses Land zu den erfolgreichsten Wirtschaften der Welt zählt und einen derart zynischen und verkommenen Arbeitsmarkt duldet? Das hätten sich meine Vetter und Cousinen, die im wirtschaftswunder Deutschland groß geworden sind nie träumen lassen! Sie verbringen ihre rüstige Rentnerzeit derzeit in der lastenfreien Villa im schwäbischen oder auf dem Kreuzfahrtschiff, nach einer Karriere als Kiefernorthopäde. Mein anderer Vetter bereist als pensionierter Beamte im mittleren Dienst derzeit die Welt per Schnäppchenangebote in all inclusive Clubs, wenn er nicht gerade mal wieder auf Kur ist. Die Gnade der Jahrgänge 1940 - 1950!

Antworten (3) auf diese Lesermeinung

2 Waldmeister 19.07.2013, 19:56 Uhr

tja

Kommt eben drauf an was man studiert hat (Absolventen von Wohlfühlstudiengängen gibts zur Genüge) und wo man einen Job sucht. Und als Abgänger eines Massenstudiums hat man in Berlin schlechte Karten. Da sind tausend andere auch, die in Berlin was in der Richtung suchen, weil Berlin eben "hip" ist. In BaWü würde man was gut entlohntes finden. Aber da müßte man ja in einem Nest mit 3000 Seelen leben, das ist faktisch menschenunwürdig;)

Ständige Zwischenjobs: damit zeigt man dem zukünftigem AG, daß man eben was tun *will* und zu Sauregurkenzeiten eben anderweitig aktiv ist. Das zeugt von Motivation und Fleiß.

In bestimmte Gebiete ist allerdings auch ein schweres Reinkommen. Wenn man aber mal drin ist kriegt man alle 4 Wochen ein Angebot von der Konkurrenz.

Die geschilderte Situation hat zwei fatale Ursachen:

Die trefflich geschilderte Situation hat zwei fatale Ursachen:

a) Es werden prozentual zu viele Akademiker mit sinkenden Fähigkeiten produziert. Die Gesellschaft ist in den letzten 50 Jahren nicht soo viel gescheiter geworden. Viele Hochschulstudiengänge befähigen nicht zu selbständigem Forschen sondern sind nur verbesserte Schulangebote.

b) Verschärft wird die Situation dadurch, dass eine immense Anzahl von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer verschoben wurden. Das Angebot des hiesigen Arbeitsmarktes wurde dadurch immer knapper und es gibt unübersehbare Verwerfungen.

In dieser Situation finden nur noch diejenigen Akademiker einen Job, welche in jeder Hinsicht flexibel sind und die Jobsuche besonders begabt angehen. Es trifft aber nicht nur Akademiker sondern alle Levels.

Dieses Malaise wird sich so lange akzentuieren, bis die Lohnkosten in den Billiglohnländern genügend gestiegen sind. Nachdem in Fareast unvorstellbar grosse Personalreserven hungrig auf bessere Zeiten warten, wird dies noch einige Jahrzehnte so weiter gehen. Daraufhin werden andere Kontinente wie Indien und Afrika diese Rolle übernehmen, sofern im Westen nicht vorher ein revolutionäres Umdenken stattgefunden hat.

Vorläufig will niemand diese Binsenwahrheit wissen, weil hier über einige Jahrzehnte Freihandel mit steigendem Wohlstand verbunden war.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.