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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Einladung als definitive Ausladung

| 39 Lesermeinungen

Manche Bekanntschaft ist dezent wie ein Panzer und nett wie ein C-Waffeneinsatz. Wer sich nicht verpflichtet fühlen möchte, zahlt besser die Rechnung, und vermeidet kunstvoll jede gemeinsame Zukunft.

Redibo, tu nunquam.

Das Schöne an einer Klassengesellschaft – und wohl auch der Grund, warum wir daran festhalten – ist der Umstand, dass sie uns alle von der Pflicht entbindet, sich mit Ungewohntem auseinander zu setzen. Stellen wir uns vor, eine gegenderte Darkroombesucherin einer Berliner Szenedisco, ein 55-jähriger Fernfahrer aus einem Baumarktgrill und ich müssten jeweils für einen Tag in die Rolle der jeweils anderen schlüpfen… keiner würde sich durchgängig wohl fühlen, jeder wäre froh, wenn er wieder da wäre, wo er sich geborgen fühlt. Ungeachtet des Umstandes, dass wir vor Gesetz, Staat, Wahlurne, Bildung und vielen anderen Aspekten gleich sind, so sind wir doch alle froh um ein paar klare Kernunterschiede, an denen wir unser Sozialverhalten und unsere Belange orientieren. Klassen schliessen Bekanntschaften mit anderen Gruppen natürlich nicht aus, aber sie sorgen aus sich heraus dafür, dass die Überschneidungen klein, überschaubar und vor allem kontrollierbar bleiben: Man kann Zugang gewähren und bekommen, ohne sich irgendwie verpflichten zu müssen.

So hat es bei mir etwa vergleichsweise lang gedauert, bis ich in der realen Welt auf einen Menschen aus der PR-Branche traf, denn so etwas gab es natürlich in keinem Westviertel der 80er und frühen 90er Jahre. Leider endete dieser Zustand irgendwann, ich bekam Visitenkarten von Verlagsangestellten überreicht, seltsame Einladungen zu Events mit wenig erbaulichem Catering, und obskure Wünsche, Fragen mit Politikern abzustimmen. Aber diese Bekanntschaft bleibt meistens sehr vage, unverbindlich und auf wenige berufliche Momente begrenzt. Manche PR-Mitarbeiter wollen jedoch mehr, und da kann es passieren, dass man einmal in ein Restaurant geht und einmal zusammen auf einem Podium sitzt. Im Jahr 2005 passierte mir das, wenn ich mich richtig erinnere, denn es ist lang her. 2014, nach 9 Jahren, schreibt dann der besagte PR-Mensch öffentlich im Internet, er würde einen kennen. Und damit sind wir beim Thema: Warum wir nämlich das Essen so oft selbst bezahlen.

Man wird sich heute leider nicht mehr oft vorgestellt wie früher, auf neutralem Boden wie dem eines Konzertvereins, von Mittelsmännern oder Grosstanten, die meinen, man würde zueinander passen. Man stellt sich heute im besten Fall selbst vor, man quatscht sich leider oft im Internet an, und manchmal sind es wirklich famose Menschen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Diese Person jedoch, die jüngst über die Kenntnis meiner Wenigkeit geschrieben hat, blieb eher aussen vor. Ich denke, es ist jedem einsichtig, dass einem Essen in Berlin und einer Stunde auf einem Münchner Podium keine intensive Freundschaft entspringen kann, und auch kaum die Vertraulichkeit, dass man sich öffentlich mit besonderem Wissen brüsten könnte. Gänzlich ungeachtet des Umstandes übrigens, dass sich Menschen in 9 Jahren verändern können, und man alte Erfahrungen nicht als Grundlage neuer Aussagen begreifen sollte. Manchmal stimmt zudem einfach die Chemie nicht.

Und es gibt Leute, da stimmt nicht nur die Chemie nicht, die sind wie ein Angriff mit C-Waffen. Natürlich kann man sich das nicht immer aussuchen, mitunter ist man beruflich gezwungen, lange mit ihnen zu kooperieren, oder es ist aus Gründen der Schicklichkeit ratsam, den Kontakt mit grosser Distanz weiter laufen zu lassen, bis er einschläft. Das ist so wie früher im Stadtpark oder im Schützenverein: Man weiss genau, dass der andere ein Hallodri und Heislschleicha ist, aber um des lieben Friedens oder der Bequemlichkeit willen sagt man Grüss Gott oder wechselt sogar ein paar unverbindliche Worte. Aber nie würde man in der Schuld so einer Person stehen wollen. Nie würde man zu viel preisgeben, und hinter der Fassade der Unverbindlichkeit wäre der Wunsch, jede echte Verbindung wirksam zu unterbinden. Trifft man sich aber beim Essen und wird man eingeladen, so hat man gar keine andere Option, als die Einladung irgendwann freundlich mit einer Gegeneinladung zu beantworten, selbst wenn man den Eindruck hat, nach dem letzten Male rieche die Kleidung noch nach dem Chlor der Missgunst, dem gelben Senfgas des Neides, oder auch nur nach der Verwesung simnlos vergeudeter Lebenszeit.

Und dann macht man es eben sehr modern, wie ein Panzer mit ABC-Schutz, und reinigt sich mit Überdrück. Man ist wahnsinnig freundlich und unverbindlich, bei solchen scheiternden Treffen, man sagt viel Amüsantes und gleichzeitig nichts: Man gibt nur zu, was ohnehin bekannt ist und meidet alles, was nicht in die Öffentlichkeit soll. Natürlich ist das Verstellung, aber sie hat ja auch einen guten Zweck. Es geht so zünftig zu, es quillt so viel Nettigkeit aus den sozialen Dichtungen, dadurch kommt nichts an uns heran, und weil es so nett war, muss der andere doch nicht bezahlen. Und der andere hat auch nicht den Eindruck, dass er bestenfalls nur so mittelerträglich war – überhaupt nicht. Nein, der andere soll ruhig im Glauben leben, dass er hochverehrt und respektiert ist. Er soll glauben, dass man wirklich gerne bezahlt. Aber bitte, nein, lassen Sie, wirklich, gerne, mit grösstem Vergnügen, danke für das reizende Gespräch und die Anregungen, wir müssen das bald wiederholen… und danach ist man untröstlich, wirklich untröstlich, wenn einen terminliche Gründe davon abhalten, auf seine Gegeneinladung einzugehen.

Denn natürlich empfinden wir für solche Leute mehr als nur gewöhnliche oder eingebildete Ablehnung; es sind die paranoiden Vorstellungen meiner Schicht, die uns dann wirklich plagen. Das sind so entsetzliche Gedanken wie der, dass der andere vielleicht mal in seinem Büro sagen könnte: Ach, wir haben da dieses Projekt und da kenne ich den und dann machen wir das mal… und man gezwungen sein könnte, irgendwo zwischen persönlicher Bekanntschaft und beruflichen Zielen in die Pflicht genommen zu werden. Früher, in den kleinen Städten, konnte man das trennen, heute, im globalen Kapitalismus, ist man mal Freund und mal auszunehmender Kunde. Oder noch schlimmer, so eine Scheinbekanntschaft macht die Runde, und man wird öffentlich und unvermittelt auf diesen gemeinsamen „Freund“ angesprochen wird. Es ist schwer zu sagen, was so einer irgendwo in der Welt tut, wenn er nicht der totalen Sozialkontrolle der Heimat ausgesetzt ist. Er kann alles mögliche behaupten. Und da ist es beruhigend, wenn man sagen kann: „Oh, stimmt, ja diesen X, den habe ich mal vor 9 oder 10 Jahren zum Essen… ich weiss gar nicht mehr… war das in Berlin? Damals war ich ja wirklich viel unterwegs… eine Ewigkeit. Ja. Kennen? Äh nun ja nein, das war eher…“ So spreche man und vermittle dem anderen dezent den Eindruck, dass er da einem Hochstapler aufgesessen ist.

Guten, wirklich guten Gewissens kann man das eigentlich nur tun, wenn man selbst bezahlt und idealerweise noch die Rechnung liegengelassen hat, und damit unbelastet und verpflichtungsfrei in das weitere Dasein schreiten kann. Zudem mag man bedenken, dass unsere schnellen Zeiten auch andere drastisch verändern, besonders, wenn sie den Zwängen jenseits der Klasse ausgesetzt sind: Bei uns kann man sich darauf verlassen, dass die Angst vor gegenseitigen Indiskretionen das Schweigen erhält, aber was weiss man schon von einem, der 5, 7 oder 10 Jahre später am anderen Ende des Landes meint, sich profilieren zu müssen, wenn er dafür keinen Preis mehr zu zahlen hat? Man weiss es nicht, man befürchtet es nur, man traut der eigenen Tradition nicht, dass sich aus seinem Gaststatus für ihn gewisse Verpflichtungen ableiten sollten, aber wenigstens hat man nicht den Eindruck, man sei solchen Leuten noch etwas schuldig.

Für die anderen, die nicht mit einer Einladung auf das zwischenmenschliche Abstellgleis geschoben und höflich ausrangiert werden, mag das alles grässlich klingen, denn wie soll man unterscheiden zwischen eine freundlich gemeinten Einladung und einer freundlich wirkenden Zurückweisung? Nun, die Antwort ist einfach: War alles in Ordnung, bleibt es nicht dabei, es gibt Wiederholungen und niemand wird dabei auf so etwas Banales wie Geld schauen, oder danach gar irgendetwas über diese privaten, zwischenmenschlichen Dinge ins Netz zu tragen. Nicht jetzt und auch nicht später.

HINWEIS:

Jetzt gibt es noch ein hochfunktionales Kommentarblog.

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39 Lesermeinungen

  1. Vorsicht vor den charmanten Kommitteedamen!
    Gewisse energische Damen der Gesellschaft schaffen es, sich in allen wohltätigen und sonstigen Organisationen in den Vorstand wählen zu lassen. Sie sind ebenso unermüdliche wie unausstehliche Organisatoren, die es verstehen, auf die Mitglieder in liebenswürdigen Worten derartig viel Druck auszuüben, dass diese am Ende aus lauter Höflichkeit klein beigeben. „Sie halten beim kommenden Empfang für Frau X. einen Vortrag über …“ (sogar das Thema wurde mir gleich mit vorgeschrieben). Bei derartigen Zumutungen sind alle gesellschaftlichen Umgangsformen vergebens, es hilft nur ein glattes „NEIN“.

  2. In einem Satz:
    Wir streben nicht.

  3. Oberklasse
    Jo mei, was tut mir die Oberklasse leid! Das sind ja furchtbare Probleme. Ein schweres Schicksal, da erzählt jemand dass er einen kennt! Wie soll man damit weiterleben? Im Ernst Don, einen, der wie Sie jede Woche sein Seelenleben öffentlich macht, kann doch dadurch nicht beschädigt werden. Sie lieben doch das Gespräch über sich. Und es findet auch statt, wie man leicht erkennen kann.

    Wir aus dem Prekariat lassen uns gerne einladen und das Essen bezahlen. Und haben kein Problem, den Spender danach zu vergessen. Und Beziehungen haben wir nur zu denen, mit denen wir sie haben wollen. Da unsere Eltern damit beschäftigt waren uns durchzufüttern, konnten sie uns nicht auch noch erziehen. Deshalb sagen wir was wir denken, ohne uns Gedanken über die Psyche der Empfänger nachzudenken.

    • sagen was man denkt
      Genau so verfuhr ich (auch einer ohne nennenswerte Erziehung), als der Chef einer Plattenfirma mich „mal kennenlernen“ und irgendwas „wichtiges“ mit mir bekakeln wollte. Da ich ihn für einen verlogenen Businesshai hielt (und noch halte: bald darauf meldete er tatsächlich Konkurs an, bezahlte Musiker nicht mehr, doch kurz darauf hatte er schon wieder ’ne neue Plattenfirma…), sagte ich ihm deutlich, dass ich keinen Grund für ein Treffen sehe. Seitdem hab‘ ich Ruhe vor ihm; er mag mich nicht mehr (wie seine Mail-Reaktion zeigte), aber ach, nun ja, damit kann ich sehr gut leben: solche Leute muss man sich einfach – und sei’s mit deutlichen Worten – vom Leibe halten wenn man aufrecht durchs kurze Leben gehen will.

    • Das ist nun mal leider nicht immer möglich, und es gibt einem selbst auch eine Blösse, die ausgenutzt werden kann. Das übliche Vorgehen in so einem Fall ist die Vortäuschung von Terminproblemen.

    • Natürlich ist es Ziel und zweck dieses Blogs, mal ein wenig aus der Welt zu erzählen und warum sie ist, wie sie ist. Der Unterschied zwischen öffentlicher Fassade und realem Leben ist nicht ganz klein und spannend wird es, wenn die Kluft besonders weit wird. Aber ich gebe zu, vieles macht man einfach automatisch und demnkt gar nicht mehr darüber nach.

    • Titel eingeben
      Hatte ich natürlich gemacht, denn es war kurz vor der Urlaubszeit und wir hatten schon die Bahntickets nach Meran. Ich hatte nur außerdem durchblicken lassen… (eben, die fehlende nennenswerte Erziehung. Es tat mir aber gut).

    • Wir aus dem Prekariat...
      … lassen uns gerne einladen?
      Vorsicht vor Verallgemeinerungen. (Oder sollte das der Pluralis Majestatis sein?)
      Habe mich noch nie gerne einladen lassen (& lade auch nicht gerne ein).

    • Könnte man auch so sehen
      früher zumindest hat ein anständiger Arbeiter, also einer, der was audf sich hielt in Kenntnis der wahren Sachlage rechtzeitig die Strassenseite gewechselt, wenn zu saubere Bürschelchen mit zu gepflgeten Händen ihm entgegenkamen – und ggfls. dabei dankbar seines Arbeitgebers und Chefs gedacht.

      Allerdings ist Herr Don eine Rrrspektsperson des Internet – und kein Bürschelchen.

      Wobei es sich sowieso meist bei Frauen um den Fall von gekränkter Zuneigung zum Leben handelte. Die nehmen dann auch schon mal gerne Gift. Verachtung die Lightvariante davon, Gift käme später, *g*. Außerdem gibt es so viele Geschlechter und Rollen und Arbeiten und Gelegenheiten zum unabhängigen Daydreaming man fasst es kaum.

      Wer auf dem Wege zur Liebe evtl. auch dauernde Zwischenhalte beim Besitz einlegte, machte ja damit auch nich so viel falsch – es gibt soviel Besitz um den man sich als Gesellschaft ingesamt kümmern muss, da kann die Liebe dann auch ruhig später kommen.

      Und außerdem zählte für eine immer wachsende Zahl sowieso nur die Qualität des Textes, die Unaussprechlichen oder Krawatten die der Federhalter dagegen trüge, vergleichsweise fast egal.

      Lob der Vielfalt der Kunst, John Lennon lud ja ach schon mal ein, seine „Ode an Don Alphonso“, man höre – http://www.youtube.com/watch?v=njG7p6CSbCU -netter Song, guter Klang, nett formuliert, eine einfache Melodie, beharrlich vorgetragen, Talent, komma ausgelebt.

      Und Generation@ und Globalisierung: Wobei der geschiedene Eggert Voscherau, in person einer der gewesenen deutschen „hidden-champions“ und leistungsträger, neulich noch gesagt hatte „denn wir haben zwei dinge, die sind in unseren grenzen eingemauert, das eine ist ja unser volksstamm, der ja sehrr einfach ist, und das andere sind unsere sozialsysteme, die aber nur durch wertschöpfung in deutschland bezahlt werden…“ ab ca. 46 – aber alles eine empfehlung – http://www.youtube.com/watch?v=Pxmyt2e3W4A

      kein wunder also, so würde mancher evtl. annehmen wollen, dass herr don a. eben auch erfolgreich versucht, sich anzupassen, an die qualitätsanforderungen eines niederen volksstammes, und desweiteren dadurch, ein ganz eigenes sozialsystem zu sein. unter den eingemauerten sind halt die meisten ausrechenbar.

      still fucking peasants, as far as i can see… .

      im übrigen den vorgang vollkomen korrekt beschrieben. wobei man aber im alter ungeduldiger, unabhängiger und auch schon mal unleidlicher würde – wer z.b. überhaupt gar kein interesse hätte an essen-gehen oder beim essen-gehen geschäfte machen („noch schlimmer“) – der ließe es eben bleiben, und zwar am besten vollkommen erklärungslos.

      alles vergängliche ist nur ein gleichnis – das ewig weibliche zieht uns hinan, weshalb wir uns auch mit stricken an den erden festketteten, und wäre es völlig wehrlos und nackt.

      wobei wir ja heute alle sowieso physiker wären und in nachfolge, und der relativität aller begegnungen im vier-dimensionalen raumzeitkontinuum bewusst – jeder ist ein koordinatensystm, und alle bewegen sich mit unterschiedlichen geschwindigkeiten auf unterschiedlichen krümmungsbahnen, daher keinerlei dauerhaftigkeit erstrebenswert, alles ist temporäre allianz:

      denn bei lichtgschwindigkeit streben die massen gen unendlich – egal ob ohne webfehler oder aus fehlerfreiem blech.

      und wie dies blog sich krampfhaft an orientierung festhielte, evtl. die sache an sich: wohl dem der heute noch eine heimat hat.

      und heimat findet der heimatlose immer aber nur in den armen einer frau – egal, wie er zur tür kommt, sie liebt ihn immer. und erwartet schließlich auch nichts anderes, als dass er für sie müde, verdreckt, abgenutzt, verwundet, beschädigt, verzweifelt, zerlumpt, zerrisen, entmutigt oder halbtot sein könnte. aber sie ist sein leben.
      .

    • Nun, die Berge sind da auch nicht schlecht, sie rücken die Massstäbe wieder gerade. Wenn es mir nicht gut geht und gerade niemand zur Hand ist, denke ich einfach an die Berge und den See.

  4. Das Schöne am Klassenk(r)ampf bleibt einfach:
    dass er die Menschen nicht voranbringt, sondern sie lediglich darin beläßt worin sie sich wähnen: wer klassenkampf mag wird Klassenkampf bekommen: Marx fand seine Idee gut.
    Noch besser aber finden die Reaktionäre die Ideen von Kalr Marx, weil sie sich damit bestätigt sehen können angesichts einer zusehends klassenkämpferisch ausgerichteten Gegenwart.

    Aber wen interessiert sowas schon…

    • Carl Barks, wenns schon denn schon.
      Klassenkmapf, Klassenkrampf…
      Gibt’s das noch? Außer in Kommentaren?

    • Ihr in Euren Erdlöchern und wir hier in unseren luftigen Gebilden
      Sinngemäß Peter Rühmkorf.

      Nunja: Klassenkampf soll es ja längst nicht mehr geben, nun wo man Schlüssel gefunden wähnt, die Welt am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen.

      Schon deswegen kann von Klassenkampf längst keine Rede mehr sein: weil schon Klasse dazu gehört Menschen nicht am ausgetreckten Arm verhungern zu lassen.

      Sie sehen das Fähnlein Fieselschweif bei der Arbeit…

  5. "Stellen wir uns vor
    Stellen wir uns vor, eine gegenderte Darkroombesucherin einer Berliner Szenedisco, ein 55-jähriger Fernfahrer aus einem Baumarktgrill und ich müssten jeweils für einen Tag in die Rolle der jeweils anderen schlüpfen“

    Vielleicht wäre es ja auch interessant und erkenntnisfördernd, das Leben aus einer völlig anderen Perspektive als der des gutsituierten bayerischen Bildungsbürgers zu betrachten ?

    Übrigens, der Fernfahrer aus dem Baumarkt arbeitet hart für seinen bescheidenen Lebensunterhalt, in manchen Milieus wird sowas mit mehr Respekt betrachtet als Rentiers.

    • Bildungsbürger, was für Bildungsbürger
      der Don Alphonso kann doch kaum mal noch lesen. Der kocht doch immer bloß.

    • Momentan liegt hier das Buch eines guten Bekannten über meine Heimat und es ist gut.

  6. Wenn Sie verzeihen mögen:
    Man wird benutzt, weil man sich zur Nutzung durch Eitelkeit empfiehlt. Die Klage wird abgewiesen und in eine Selbstanklage gekehrt.

    • Es fällt mir persönlich schwer, Einladungen klar abzusagen; man will ja nicht als unfair und voreingenommen wirken. Ab un zu mache ich das aber, wenn ich den Eindruck habe, dass Grenzen überschritten werden. Davor ist ein weites Feld der Unsicherheit, das man nicht meiden kann – nur eben vorsichtig sein und Risiken begrenzen.

  7. Pause?
    … dieses Blog hat jetzt mal eine Pause verdient. Wie kann man denn nur so ein „Nichtthema“ so aufpusten? Fuer die paar Muenzen aus der FAZ Porto … aeh Freelancerkasse muss man doch nicht die ledergebundene FAZ Contentdatenbank befleacken aeh, aeh befuellen. Also ein Pause, gerne auch laenger, tut Not. Vielleicht ergeben sich dann auch wieder eine paar THEMEN …

    • Ach je, das höre ich jetzt seit 5 Jahren… es wird immer noch gelesen und wenn ich mal weniger schreibe, wird genörgelt. Also. Es geht weiter.

    • gähn ...
      … schlappe, müde Antwort. Was sagt der Tiger? … ach so, auch eingeschlafen. Und jeeves? don ferrando? das ganze Pack …. alle muede. Gute N8.

    • Pardon, aber wenn Sie keine Lust haben, gibt es genug Alternativen zu diesem Blog, wirklich. Im echten Leben würde man übrigens auch nicht von Marktstand zu Marktstand ziehen und den Verkäufern mitteilen, was einem nicht schmeckt.

    • Das alte Blogdilemma ...
      … gluckernde Geraeusche aus dem Rueckkanal. Ich bleibe dabei : eine Pause ist das was hier Not tut – und da die Selbsterkenntnis hierfuer offenbar nicht vorhanden ist … muss halt der Rueckkanal ran. Glucker, Ruelps … Schnorchel.

    • Ich bemühe mich, höflich zu bleiben und es wäre nett, wenn das nicht einseitig wäre. Danke.

    • aber natuerlich ...
      … bleibe ich hoeflich. Die Geraeusche sind leitungsbedingt (eben der Rueckkanal)…. und etwas Geschnarche, weils halt gar manches mal so sehr langweilig und wiedergekaeut ist. Erholen Sie sich gut in der Pause. Bitte, bitte, keine Ursache.

    • Ausbilder Schmidt
      Schon der Name „schreit“, er kann also nicht anders.
      .

  8. Höflichkeit
    Zu einem Krankenbesuch wird man ja nicht eingeladen,
    doch der (einstigen) guten Beziehungen wegen,
    könnte einen doch die vorausschauende Höflichkeit
    zu einem Besuch zwingen, also:
    Wer besucht die Gasprinzessin,
    die derzeit in der Charitè geheiligt…äh geheilt… wird?
    Keiner von RosUkrEnergo.
    Keine Blumen schickt Nato-Rasmussen.
    Gabriel+Merkel+Steinmeier werden dezent winken.
    .
    Nur Herman Van Rompuy wird ein Koan schicken:
    Chevron ist Fracking
    Fracking ist nicht Chevron.
    Europa weint Gas.

    • Naja, die Lage ist halt verworren und das in Europa so beliebte Gut-Böse-Schema funktioniert nicht so richtig.

  9. werter Don, waren Sie heute kurz nach 11:00 ...
    … nach GaPa unterwegs? Egal, ich fuhr einem schicken Sunbeam in bestem Sonnenschein und blauem Himmel entgegen.
    .
    Ihre Bilder in diesem Beitrag könnten aus Partenkirchen stammen. Garmisch schien mir hingegen eine ganz andere Veranstaltung zu sein. Wohlstand ist überall, Graffiti in beiden verbindenden Unterführungen (bis auf die ewige Münchner Fussballrivalität) sehr sehr selten. Gewollte Graffiti nennt man dort wohl Lüftelmalerei. Nirgends die Frage nach „haste mal 2 Euro, aber ich kann nix kauen, weil ich keine Zähne mehr habe … schau hier …“. Protz gibts meist in Garmisch. In Partenkirchen wird viel geradelt, in Garmisch viel aus dem SUV (oder dem Prosecco – Suff??) gehupt. Haben Sie da andere Erfahrungen?

    • Nein, bedaure, ich hänge hier in Hausangelegenheiten fest (Kamin, Badschränke, Normalität.) Mein Leben ist so aufregend wie Verkehrspolitik.

  10. Einladung als definitive Ausladung passt auch auf die Ukraine
    Was will man mit einem “ Neuen Kalten Krieg“ erreichen?

    Es geht für den Westen nicht wirklich um Rohstoffe. Das ist vergangenes Jahrhundert.

    Aber, wie steht es mit den Geschäftsaussichten/Profit von Google, Facebook ,Twitter und Co.,

    Wenn die Hälfte der zukünftigen Nutzer vom Sreen verschwindet?
    Adieu, Globalisiierung!

  11. ...und erst die "westl..Medien"
    In ihrer Deutungshoheit Selbstbesoffenheit.

    • Auf den Punkt. Vor allem Letzteres. Und gäbe womöglich noch einen weiteren Gesichtspunkt,
      welcher vermutlich leider auch nicht besser wäre:

      Die Einladung an de Maiziere, unser Innenminister zu sein, war selbstverständlich auch seine Ausladung aus dem richtigen Leben, man weiß es.

      Aber, so der Zeitgeist heute, der leidet ja nicht unter seinem Amt, der braucht das ja, dafür wird gelitten heute überall, nämlich nur bei uns, im richtigen Leben, nirgends sonst.

      Wie schrecklich schön, so ein Selbstmitleid, sozusagen Ton in Ton passend angezogen mit Selbstbesoffenheit, Deutschland heute.

    • Und
      da kommen die fortlaufenden Ernüchterungen des – dankenswerter weise genau so seienden – Don Alphonso nicht gut. Gäbe nichts Schlimmeres für eine späte Kneipe, als vollkommen nüchterne Leute, Kontakt zur Realität.

    • Und daher bräuchten wir bald auch noch eine erweiterte "Technik-NSA",
      die unseren Geheimdiensten in Zukunft immer schon im voraus vermittelten, was unsere Flugzeuge vorhätten (1), also schon lange bevor sie abstürzten oder urplötzlich vom Radar verschwänden.

      1- damit die Dienste überlegen aus dem Hintergrund dann den Verantwortlichen bei den Fluglinien gerade noch rechtzeitig Bescheid sagen könnten.

      Bis auf weiteres scheinen Menschen aber immer noch leichter zu prognostizieren.

      Und vermutlich bekämen wir die Anfänge einer – evtl. unsinnigen – globalen „Technik-NSA“ also noch bevor wir Änderungen der deutschen Medienlandschaft sähen.

    • Menschen lassen sich leichter prognostizieren
      … da kommt auch nicht alle naselang ein neues Modell
      auf den Markt!

    • Wenn es mal soweit ist,dass..
      Computer sich ihre Programme selbst schreiben und Maschinen sich
      selbst reproduzieren, dann bräucht man schon eine Technik-NSA.

  12. Trojanische Einladungen
    Niedersächsische Politiker stolpern traditionell über die Einladung zum Oktoberfest.

  13. Pingback: Gesellschaftlicher Mord und Totschlag | Stützen der Gesellschaft

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