Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Diktatur der Dinge

| 34 Lesermeinungen

Für Kokain und Crack gibt es Suchtkliniken, aber am gehobenen Hausrat leidet man rettungslos das ganze Leben: Wie gnadenlos man sich der Droge Eigentum ausliefert, begreift man erst beim Putzsklavendienst.

And dandy, you know you can’t escape the past.
The Kinks, Dandy

Es klingelt. Es klingelt so, wie der Postmann klingelt, dreimal nämlich, denn er weiss, dass ich am Morgen manchmal die Missa Celensis mauererschütternd laut höre, und deshalb klingelt er mehrfach. Aber gerade jetzt mache ich keinen Barockradau, ich hüpfe nicht luftorgelnd und das „Te Deum“ grölend durch die Wohnung. Ich sitze ganz zivilisiert mit dem Gast auf dem grünen Sofa herum, schenke Tee nach, nötige ihn zu weiteren Backwaren, und unterbreche hier meine Belanglosigkeiten mit dem freudigen Ausruf: Oh, die Post! Das muss ein Gemälde sein.

Ein. Gemälde. sagt die Besucherin langsam, wie man das eben so sagt, wenn da noch die Hoffnung ist, man könnte sich verhört haben. Die Gründe für den Zweifel hängen frisch abgestaubt neben und über mir, verdecken Bücher im Regal, stehen auf Stühlen und am Boden: 51 Gemälde befinden sich schon im Raum, und es sieht nicht so aus, als ob hier noch Platz für weitere Bilder wäre. Dass es 51 sind, weiss ich, weil ich sie nämlich gestern beim Abstauben gezählt habe. Es ist nicht mehr viel Wand sichtbar, und Freiflächen gibt es eigentlich nur noch hinter dem Sofa und den Bibliotheksschränken. Trotzdem müsste es ein Gemälde sein, zwei sind schliesslich noch unterwegs zu mir. Und zu den anderen Bildern.

Bei insgesamt 123 habe ich mit dem Zählen aufgehört. Das war beim Putzen der Küche und ich hatte in dem Moment begriffen, dass ich umdenken muss. Eigentlich sah der Plan nämlich so aus: Um 6 Uhr in der Früh aufstehen, 12 Stunden lang alles putzen. um der Besucherin um 18 Uhr eine saubere Wohnung und eine saubere Gästewohnung zeigen zu können. Und so gegen 14 Uhr in der Küche und nach 123 abgestaubten Bildern wurde mir klar, dass ich wie jeder gute Feldherr jetzt Kompromisse machen und Räume aufgeben muss. In wirklich allerletzter Sekunde und dank einer 8-minütigen Verspätung des Gastes gelang es mir immerhin, nicht nur die Rumpelkammer eiligst mit Rädern vollzustopfen, sondern auch die komplette Gästewohnung mit Küche und Bad, das grosse Bad, das Vorzimmer, die Bibliothek, die Küche und geschätzt 75% des Salons zu reinigen, Betten frisch zu überziehen und sogar einen Kronleuchter und damit rund 400 verstaubte Kristalle zu putzen. Über den Rest möchte ich an dieser Stelle keine Auskunft geben, sondern einfach die Türe schliessen und deshalb kann ich auch nicht sagen, wie viele Bilder hier noch einstauben. Aber: Es sind viele. Und der Postmann hatte zu meiner Enttäuschung nur Mode für eine Nachbarin dabei.

Das eigentlich Furchtbare an der Sache ist: Selbst gegen einen mickrigen Palast oder ein Chorherrnstift atmen Haus und Wohung immer noch jene entsagungsvolle Strenge, die die Bauherren der Gesellschaft Jesu auszeichnete. Wer einmal durch die Münchner Residenz wandelte, wird meine Wohnung als minderwertigst, leer und bescheiden sehen, es ist halt bürgerlicher Standard und trotzdem: Nach dem letzten Tag verstehe ich, warum Rettungskräfte alte, hilflose Leute so oft in Wohnungen finden, die gleichzeitig elegant und dennoch komplett heruntergekommen sind. Um das alles hier wirklich auf Vordermann zu bringen, bräuchte ich vermutlich eine Woche. Für alte Menschen, die zum Akkordstaubwedeln nicht mehr in der Lage sind, bleibt da wirklich nur die schrittweise Aufgabe von Räumen unter Beibehaltung von ein, zwei sauberen Paradezimmern. Gestolpert und der Oberschenkelhals gebrochen wird aber naturgemäss im von Pfaden durchzogenen Verhau, und so findet man sie meist dort und wundert sich, wie das passieren konnte.

Nun – man verliert die Kontrolle so langsam, dass man sich daran gewöhnt. Mir ist das aufgefallen, als mich beim Staubsaugen unter dem Hepplewhite-Sideboard plötzlich ein immens teurer Verstärker von Audio Consonance anlächelte. Ach so, kam es mir dann, den habe ich ja auch noch, weil ich eigentlich – wie war das noch – ach so, ich bekam dann kurz danach den Röhrenverstärker, der wirklich perfekt passte. Und den anderen Verstärker habe ich weggeräumt und so wurde er das, was solche Gerätschaften in audiophilen Kreisen tatsächlich sind: Tonmöbel. Hier aber ohne jede Funktion und so dauerhaft, dass ich ihn gar nicht mehr wahrgenommen habe. Manche Leute schaffen das gleiche mit nicht aufgebautem Plunder von Ikea und nicht zurückgeschickten Kleidern der Versender. Mir ist in der Rumpelkammer aufgefallen, dass ich auch noch sehr schöne, kleine britische Boxen habe, und eventuell werde ich mir noch eine zweite High End Anlage an den Tegernsee ins Schlafzimmer stellen. Es ist schon erstaunlich, wie so ein Gerät im Rest der Einrichtung einfach untergehen kann. Aber so ist es, und man lernt, das Chaos insoweit mit Gewöhnung zu beherrschen, als dass man ein halbwegs gutes Gefühl hat. Bis zu jenem Moment, da man Aussenstehenden vielleicht einmal wirklich erklären müsste, warum da noch ein zweiter, sinnloser Verstärker unter all den Gemälden liegt.

Dass am Tegernsee noch ein recht grossformatiges Stillleben auf dem Boden steht, weil ich beim Nichtausmessen der Küche ein wenig zu optimistisch war, ist mir auch erst kürzlich aufgefallen, als ein Kind mit Messer in der Hand darauf zusteuerte. Weniger schlimm ist es mit Porzellan und Silber, dafür gibt es im bürgerlichen Haushalt spezielle und sehr lange Schränke, die gefüllt werden wollen. Einige Jahre kann man auch üppige Zukäufe durch Schieben und Stapeln gut unterbringen. Nur diese Momente, da man einen Schubladen öffnet und statt der alleinigen Tischdecken auch noch ein Silberbesteck „in casual array“ sieht, das – man kann es beschwören! – früher nicht da war und man auch gar nicht weiss, woher das kommt – diese Momente führen einem bildhaft vor Augen, dass einem die Kontrolle entgleitet. Glücklich, wer da Besuch bekommt und in der Not die verbleibenden drei Stunden nicht mit Nachdenken und Reflektion zubringen kann! Schnell die Schublade zu, ab ins Bad und warum zum Teufel steht hier eigentlich Felgenreiniger am Waschbecken? Und ob der auch jetzt sofort, denn es bleiben nur 2 Stunden und 55 Minuten und Zaudern ist mörderisch, für Sanitär geht?

Die Besucherin dagegen ist jung, sehr jung und ohnehin gerade mit leichtem Gepäck unterwegs. Sie ist in diesem Alter, in dem ausufernder Besitz eher eine Last und eine eigene Immobilie noch ein Hemmnis der grenzenlosen Freiheit ist, die sie sich bei Belieben nimmt: Denn sie ist gerade drei Monate und einen Tag in Deutschland auf der Walz. Und da verstehe ich natürlich, dass sie sich, ohne überhaupt in die wirklich vollen Räume mit Portraits in Petersburger Hängung vorgedrungen zu sein, sich über noch ein Bild nur wundern kann. Mitleid mit mir wäre jedoch vergebens. Man kettet sich gern an den Besitz: Denn die Unabänderlichkeit des Lebens, für das man sich entschieden hat, ist danach nicht mehr zu hinterfragen. Man tauscht die Freiheit gegen die Beständigkeit, und dass man de facto versklavt ist, merkt man wirklich nur bei der Wartung dessen, was einen besitzt. Wird es doch zu belastend, flieht man unter der Ausrede der Sommerfrische an den anderen Wohnort, der meistens bei weitem nicht so voll ist und einem das Gefühl gibt, man habe das Leben und die Dinge unter Kontrolle. Und noch Platz für überflüssige Tonmöbel. Und für die zwei Rokokoportraits, die noch unterwegs sind. Manchmal denke ich, der Boom der Ferienwohnungen und der eigenen Immobilien kommt nur daher, dass man Auslagerungsflächen braucht und mit all dem Besitz nicht noch einmal umziehen möchte.

Aber hübsch sieht so eine Bücherwand dann doch aus, nackte Wände empfindet man bald als komisch, und es ist auch nett, wenn man jedem Besuch eine farblich passende Bettwäsche anbieten kann, geblümt für die Prinzessinnen und blaukariert für die Wandergesellen. Es ist wie jede Diktatur, manchmal ist es schlimm und unerträglich, aber dann findet man wieder seinen Platz und sieht auch die Vorteile. Alles ist, wo es sein soll. Es gibt keinen Mangel an gar nichts. Und man denkt auch nicht jeden Tag an die Unterdrückung und den Zwang. Das fällt wirklich nur auf, wenn der Gast einfach so, ohne sich umzudrehen, weiterreisen kann und sich nicht überlegen muss, wer während der kommenden Wochen und Monate auf den Besitz aufpasst und tut, was zu tun ist, um das System am Laufen zu halten. Ein jeder trage seine eigene Last.

So, ich muss noch 25% des Salons machen und mich überraschen lassen, was alles unter den Sofas sein mag fliehe vor der Verantwortung reise an den Tegernsee. Die Besucherin ist auf dem Weg in den hohen Norden, und wer die nächsten Tage aus dem Raum Nürnberg/Mittelfranken Richtung deutsche Küste/Flensburg fährt, dem darf ich sie als Reisegenossin wärmstens, so warm wie meine glühend heissgescheuerten Staubtücher ans Herz legen – da will sie nämlich hin.

HINWEIS:

Für das Kommentieren kann man auch zum Kommentarblog wollen.

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34 Lesermeinungen

  1. wettermailpunktde
    Schade für die Besucherin. Oder Glück? Im Raum Mittelfranken und südliches Oberfranken ist nur der morgige Freitag für Aktivitäten außerhalb des Salons geeignet.
    Und an der See wird es ebenfalls kalt und nass und das kalte Wasser wird immer nasser und kälter.

    • immerhin hatten wir noch eine famose Radtour von oberbayern bis nach greding, und es war sehr schön. und lustig. und ich musste nicht mehr aufräumen.

  2. Titel eingeben
    „…ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist. “
    Bitte korrigieren: „…die ihrem Verfasser…“ In meiner Schulzeit konnte man den grandiosesten Aufsatz geschrieben haben, wenn irgendwo aber die Bemerkung auftauchte „Bezugsfehler, falsch“, hatte man eine 6.
    Nix für ungut und beste Grüße.

  3. Dr
    Sehr schön geschrieben aus den Tiefen Ihres Salons!

  4. Der Postmann war noch nie da. Nirgendwo.
    Der Postmann? Außer in dem bescheuert übersetzen Filmtitel „The Postman Always Rings Twice“, eine englische Metapher (etwa: „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“, oder, wie der ursprüngliche deutsche Romantitel hieß: „Die Rechnung ohne den Wirt“ [machen]), gibt es nirgendwo einen „Postmann“. Der Mann oder die Frau heißt Zusteller oder früher auch Postbote. Als ob Sie in Ihrem Leben schon mal gesagt hätten: „Liebling, geh bitte mal zum Kasten, ich glaub‘, der Postmann ist durch.“

    • Lassen Sie mir doch die dichterische Freiheit, das so zu fabulieren, wie ich will. Danke.

    • Titel eingeben
      Ich möchte den Mahner korrigieren: wir sagen bei uns zuhause tatsächlich „Postmann“ und „Postfrau“. Einfach so. Ohne uns um die Korrektheit der Berufsbezeichnung zu scheren.

    • Postmann
      meine Güte wie kleinlich. Es geht doch wirklich um etwas Anderes !!!

  5. 1. Bild
    Gibt es einen bestimmten Grund, warum das erste Bild auf dem Kopf steht?

  6. Grüsse aus der kunstfreien kanadischen Einsiedelei
    Konnte mich in der kanadischen, sommerhitzigen Mittagspause köstlichst an grünem Tee und Ihrem Artikel laben. Bin dann auf der Suche nach Gebäck auf einen echten Weihnachtsstollen aus dem Jahr 2012 gestossen, habe ihn direkt zurück gepackt – ist ja noch keine Weihnachtszeit. Zwischen einem Stoss unaufgeschnittener, deutscher Bücher (Sie sehen, ich bestelle keine Bilder, wohl aber Bücher) fand sich eine Pralinenschachtel in Buchform. Pralinen zum Tee sind an einem Donnerstagmittag wie diesem auch angemessen!

    PS: Sollten Sie die Bilder auf dem Fussboden nicht benötigen, wäre ich sehr glücklich, Ihnen dafür meine kanadischen, weissen Wände zur Aufhängung derselben zur Verfügung zu stellen (Ja, auch hier gibt es Wände an die sich nur schlecht Bücherregale montieren lassen).

  7. Ganz einfach
    Früher hatte man dafür Personal.
    Da es die dienstbaren Geister nicht mehr gibt, betrachten Sie die Pflege Ihres Interieurs einfach als Hobby.

    • Selbst ist der Mann, japse ich immer.

    • Titel eingeben
      Das erinnert mich doch sehr an einen Satz einer ihrer früheren Ergüsse, der darauf abzielte, wer das Putzen nicht mag, wäre von seiner eigenen Existenz angewidert.

      Habe mich immer gefreut, im Vorratskeller des elterlichen Hauses Nahrungsmittel mit alten und sehr alten Ablaufdaten zu finden. Man wirft diese dann auch nicht weg, weil man weiß, daß man sich beim nächsten Mal, so nach 3 bis 5 Jahren, wenn man wieder hinabsteigt ins Dunkle, wieder freut, sehr alte und sehr sehr alte Nahrungsmittel zu finden.

  8. Alles was Du hast, hat irgendwann Dich!

  9. ein sehr guter Text
    endlich mal wieder ………..

  10. Des Teufels Türklinken
    And O, the houesekeeping!
    To keep bright the devil’s dooknobs […]
    [Walden]

  11. Was man wirklich braucht
    Geehrter Don, die Freiheit hört beim zweiten Paar Schuhe auf! Aber: Staub, der ruht, schadet nicht. Radeln ist also wichiger als feudeln.

  12. Titel eingeben
    Oh, bitte! Geiz ist nicht geil, Geiz versklavt. Eigentum verpflichtet, stellen Sie Leute ein, die Ihren Haushalt führen und die Dinge für Sie in Ordnung halten. Werden Sie Arbeitgeber, dazu sind Sie moralisch verpflichtet. Oder sind Sie so ein komischer Kauz, der mit seiner Gemäldesammlung ein inniges Verhältnis in einer Plattenbauetagenwohnung pflegt? Wohl doch eher nicht! Also, geben Sie sich einen Ruck, stellen einen Butler, eine Haushaltsdame, eine Raumpflegerin ein und beauftragen eine Firma zum Fensterputzen. Wenn Kinder zu Besuch kommen, sorgen Sie für eine gute Betreuung. Es gibt hervorragend ausgebildete Leute, die all die genannten Arbeiten garantiert besser können als Sie und es auch noch gerne tun! „Selbst ist der Mann“, du liebe Zeit, Sie sind einfach nur knausrig! Der Geizige muss Staub fressen und erstickt zu Recht an seinem Krempel.

  13. Bravissimo
    Ein wirklich schöner Blog. Nicht immer freunde ich mich mit Ihren Berichten an, finde hier und da etwas zu kritteln, manchmal spare ich mir sogar die Kommentierung. Aber heute ist ein schöner Tag, und was gibt es da besseres, als eine Zustandsbeschreibung Ihres Domizils zu erhalten. Besonders gelungen finde ich das Foto aus der Sicht des Sofaliegenden, das macht Ihnen so schnell keiner nach! Aber auch das schriftliche Opus findet diesmal zufriedene und wohlwollende Zustimmung. Es ist niveauvoller, als vermeintlich private Berichte in der sog. Schmuddelpresse und liest sich besser, zudem kennt vielleicht der eine oder andere ähnliche Zustände in den eigenen vier Wänden, die Identifikation mit Autor und Werk fällt also leicht. Wer selbst in dem Alter ist, plötzlich Gegenstände in seiner Wohnung zu finden, die man selbst dort niemals deponiert haben kann, dessen Besitzes man sich Keinesfalls bewusst gewesen ist, zumal sich niemand anderes in das Refugium Zutritt verschafft haben kann, weis, wovon der Autor schreibt.
    Plötzlichen Überforderungen durch angekündigten Besuch junger Damen kann man deutlich entgegentreten, indem man sich eine Art Putzkalender, wie ihn sog. Wohngemeinschaften zur gerechten Verteilung von eher unangenehmen und lästigen Arbeiten anfertigen, indem man so einen für sich selbst anlegt. Wenn man die nötige Disziplin aufbringt – diese ist dazu leider nötig – kann man die Putzfrau sparen. Man muss ja nicht immer alles erledigen, sondern kann gemütlich – wie der Alte Fritz – lustige Schlachten gegen Staub und Unrat schlagen. Man überlegt sich vorher, wie und wo der Feind an dem Tage am besten und effektivsten zu beseitigen ist, und schon, Verstärker und Anlage mit der Lieblingsmusik bestückt, geht der Feldzug los. Ein überflüssiger Verstärker findet sicher schnell viele Abnehmer, vor allem bei der besprochenen Qualität, auch haben überflüssige Bilder ja auch schon Interessenten mit nackten Wänden in Kanada gefunden, also schnell das Packet geschnürt und „ab die Post“. Wenn das zu peinlich oder irgendwie mit der Lebenseinstellung nicht harmonieren sollte, kann man ja auch den örtlichen Antiquitätenhändler oder ein Auktionshaus beauftragen. Für den Verstärker gibt es sicher auch Liebhaber. Schön ist natürlich, dass Sie sich dem geneigten Leser als Kulturmenschen vorstellen, gerne möchte man mal in Ihren musealen Räumen Mäuschen sein, Ihr durchweg gelungener Text erweckt Freude an dieser Vorstellung.

  14. salon-geschmack
    Nunja, ‚less is more‘ scheint in kreisen des salons eine nach wie vor
    undenkbar anzunehmende ästhetische maxime zu sein.

  15. Hab ich mir doch gleich gedacht, dass da noch was war, schmunzel:
    Text eingeben

  16. Hab ich mir doch gleich gedacht, dass da noch was war:
    „…ans Herz legen – da will sie nämlich hin.“

  17. Besitz und Besessenheit
    Werter Don Alphonso,

    den teuflischen Konnex von Besitz und Besessenheit haben Sie hier idealtypisch aufgeführt.

    Da man das ja im Blogbereich auch auf FAZ-Online darf, linke ich hier mal zu einem Text eines Autoren, der sich demselben Problem verschrieben hat, hier mehr am Exempel des Buchbesitzfluches:

    http://raumgewinner.blog.de/2012/01/24/besitz-besessenheit-exempel-buechern-briefen-12507498/

  18. Umzug
    Ciao Don Alphonso
    In meiner grenzenlosen Hilfsbereitschaft biete ich Dir an, den Wandel zu vollziehen und Dich von Deinem Überfluss – zumindest teilweise – zu befreien. Einen neuen Verstärker könnte ich also durchaus gut gebrauchen. Wenn Du ihn loshaben möchtest, gebe ich Dir gerne die Lieferadresse bekannt ;)

  19. Mein Gott! Das wir das noch erleben durften -
    das erste, obere Foto ist der vollkommen schlagende Beweis dafür, dass es zur Orignalzeit der Bilderrahmen im Haus noch keinen elektrischen Installationen gab!

    Bilder oder Kabel, das wäre her die Frage? Und wenn man sie doppelt hängte wären es hundertzwei – viel Bild, viel Glück!

    Aber es stimmt – und Don A. teilt höchstwahrscheinlich eine allgemeine Empfindung der Zeit, jetzt da große Gruppen auch der Babybommer ins Bild kämen, also in der Lage auf ein wenig Leben und Besitzanhäufung zurück- u. herunterzublicken: Man hat eigentlich viel zu viel Zeug.

    Und ein Bekannter, der ist zur Zeit „irgendwie arbeitslos ist“ – wird aber dafür neben der Arbeitssuche auch ständig von morgens bis abends von der Arbeit im und am Hause gefunden, zumal er grundsätzlich auch tätige Hände hat, ist also damit beschäftigt Besitz zu ordnen, zu reparieren, warten, usw. „Für arbeiten gehen bleibe eigentlich schon bald fast nichts mehr übrig an Zeit“, so die Denke im manchem Augenblick.

    Sicher ein teils auch biographisch normales Phänomen – irgendwann wirft man weg, verschenkt, rückt zusamen, wird einfacher, genügsamer auch – und gewönne wieder mehr Zeit für sich selbst und die Freunde. „Rentner haben nie Zeit“, wie gesagt wird.

    „Man tauscht die Freiheit gegen die Beständigkeit, und dass man de facto versklavt ist, merkt man wirklich nur bei den seltenen Anlässen, wenn man als Beamter von Mitte 50 am liebsten auf einmal wie ein freier Mann das Erwerbsleben einstellen würde – und kann nicht. Und tröstete sich dann mit der Schönheit der Dauerhaftigkeit, und dass es vielen anderen (am besten) genauso erginge.“

    Und, räusper, wer war eigentlich „der Bauherr der Gesellschaft Jesu“? Und seid wann erklären Westviertel außenstehenden ihre Verhältnisse?

    Und man könnte sich auch noch Teile der weiteren Zuschriften vorstellen, ganz nach der Art, „Er kennt wohl die Sendung „Trödeltrupp auf RTLII“ nicht, da geht es nämlich genauso zu, gar nicht anders! Deshalb sind Westviertel auch nicht überlegen!“

    Die Besitzenden hier laufen zu Fuß und fast wie vogelfrei und in Etappen nach Santiago de Compostella – sie kommen zwischendurch immer zurück, zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Allerdings auch teils ohne Neid auf die noch Jüngeren, die evtl. „durch die Besitzphase noch durch müssen“ – sie aber träumen schon davon, jenseits des Besitzes hier, für die letzten 20 Jahre ihres Lebens „Herbergswirt irgendwo vor Santiago zu sein“, am liebsten da, wo’s wild und einsam wäre in den entlegenen spanischen Bergen entlang des Jakobsweges.

    Und ja, wer im Musikzimmer schliefe, stellte sich modern und neumodisch den Musikapparat ins Ruhgemach, schöne Abwechslung, sicher.

    Toller Text also, wunderbar beschrieben, geschrieben!

    „Kein Mangel ist Zwang!“ Wer dächte u.a. nicht auch an Rom, oder die Wartburg?

    Besser also die Diktatur der Dinge, als die Diktatur einer armen Ehefrau.

  20. Bravo
    „ich bin ein Messie“, …das wäre als Eingeständnis zwar passend, aber der obige Text ist natürlich weitaus schöner. und macht uns weitaus mehr Freude. Sogar über Tippfehler bin ich beim ersten Lesen nicht gestolpert. Bravo!

  21. OT
    Kann es sein, dass Polen, die baltischen Staaten und
    die Leute in Kiew glauben SIE seien das ‚Neue Europa‘ und
    dem ‚alten Europa‘ sagen müssen wo es lang geht?

    Sorry, nur so ein Gedanke…

    Da ich nun mal von hier bin, kann ich mich
    irgendwie enteuropäisieren?

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  23. Es geht auch anders
    „Ich habe noch nie die Fähigkeit gehabt, Möbel und dergleichen zu verstehen. Ich scheiße auf Möbel. Ich hasse Häuser.“ (Joseph Roth)

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