Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

50 Shades aus professioneller Sicht

| 60 Lesermeinungen

„This ain’t the heartache that I thought I knew
This ain’t the party that I thought we’d do
You got your limit, baby I got mine“

St. Paul and the broken Bones, Call me

Es soll neuerdings Menschen geben, die im Kino masturbieren. Nicht im Pornokino, da erregt das denkbar wenig Aufsehen, sondern in irgendeinem ganz normalen Kino. In einem, in dem völlig legal und unhinterfragt 16-jährige sitzen, oder auch 13-jährige, die etwas älter aussehen, weil wir haben ja eine immerhin eine FSK, was sich in der Akzeptanz von Blut- und Hirnspritzern in für Teenager frei zugänglichem Filmmaterial zeigt, aber wehe, es spritzen andere Körperflüssigkeiten.

fisa (8)

Jedenfalls, nachdem ich mich schon nicht fürchte, ein Pornokino zu betreten, schreckt es mich auch nicht, mich in ein ganz gewöhnliches Kino zu setzen, und mir den Film anzusehen, der angeblich momentan reihenweise den Leuten die Sicherungen durchbrennen lässt. Üblicherweise hätte mich das nicht weiter interessiert, ich habe einen ganz anderen Geschmack und eine große Cineastin bin ich auch nicht, aber als Sexarbeitende zählt so etwas ja schon fast als Fortbildungsveranstaltung. Man muss wohl in meiner Branche damit rechnen, in nächster Zeit nach Kabelbindern und Klebeband gefragt zu werden, schenkt man dem Hype Glauben. Und um ehrlich zu sein, mir war die Zeit für das Buch zu schade, hier liegen noch Pitigrilli, Gerheim und beide Ausgaben des Kinsey-Reports, ich werde mich beherrschen können, 50 Shades of Grey dazu zu legen.

Insgesamt scheint das Werk ja großes Interesse zu finden, und es gibt Stimmen, die sich lobend äußern, weil die Beliebtheit der Geschichten um Mr. Grey und Mrs Steele sexuelle Devianz zum Thema macht, und es der Gesellschaft sicher gut tut, das mal etwas breiter und offener zu diskutieren. Grundsätzlich wäre ich nicht abgeneigt, dem zuzustimmen, aber ich habe gestern den Film gesehen und bin noch nicht fertig mit Kopfschütteln.

fisa (6)

Es wäre möglich gewesen, sich dem Thema behutsam und auf eine gedeihliche Art und Weise zu widmen. Mutig wäre es gewesen, einen Film zu machen, der die Dynamik einfängt, die gewisse Bedürfnisse gelegentlich entfalten, und dabei zeigt, dass Menschen mit auf den ersten Blick ungewöhnlichen sexuellen Vorlieben durchaus ganz wunderbar funktionierende und beglückende Beziehungen leben können. Einen Film, der die Leute ermutigt, sich mit ihren Neigungen und Wünschen offen auseinanderzusetzen, der gelingende Kommunikation, respektvollen Umgang zeigt und Lust macht, auf Entdeckungsreise mit der eigenen Sexualität zu gehen.

Schließlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es einen Anteil an Menschen gibt, die das, was man landläufig als „Sadomasochistische Neigungen“ bezeichnet in sich tragen, und nach meiner bescheidenen Meinung und Erfahrung sind das jetzt nicht so verschwindend wenige. Und anscheinend vor allem so viele, dass man sie als potentielle Kundschaft für allerlei Sexspielzeug entdeckt hat, anders ist das aufdringliche Merchandising nicht zu erklären. Sogar die Krawatte, mit der Mr. Grey seine Teuerste fesselt, kann man käuflich erwerben, und die Zielgruppe bewertet sie bei Amazon mit nicht weniger als 5 Sternen. Es ist auch eine After-Spanking-Creme erhältlich, mit Arnika, Jojoba und Vitamin E, aber natürlich ohne Heparin, weil so etwas gehört dann in die Apotheke und nicht ins Spielzimmer und so fest zuschlagen, dass man die Verwendung einer Heparinsalbe in Betracht ziehen könnte, also bitte, das ist jetzt ja wirklich total krank.

Der Film schafft es, ganz implizit doch recht klare Vorgaben zu machen, was unter annehmbarem Sexualverhalten zu verstehen ist, und was nicht: Mr. Grey und Mrs Steele verhandeln schließlich en detail, wie weit die Unterwerfung zu gehen hat, theoretisch jedenfalls, und sie bekommt deswegen sogar zwei Safewords, eines für die harten Limits, und eines für die soften. Da wo ich herkomme, ist ein Nein ein Nein, und stop heisst stop, und zwar gleich aufs erste Mal, und ich muss ganz offen zugeben, dass ich diese Regelungen auch für sehr sinnvoll halte, selbst wenn das manche Menschen als rückständig betrachten.

fisa

Die Zuschauer lernen im Verlauf der Verhandlungen um den „Sklavenvertrag“ der Protagonisten, dass Genitalklemmen und jede Form von ganzhändiger Penetration rundweg abzulehnen, Stalking und Bevormundung aber als gleichzeitig sexy und fürsorglich zu betrachten und damit völlig akzeptabel sind, vor allem, wenn der Stalker wohlhabend und jungdynamisch ist und die Liebste mit dem eigenen Heli abholt. Auch manipulative Gesprächstechniken, teure Geschenke und Einflussnahme auf das komplette soziale Umfeld sind anscheinend probate Mittel, um an Beischlaf – pardon – konsensuelle Hingabe, zu kommen.

So lange die Bereitschaft zum Sex nicht durch die Zahlung eines Betrages X in bar erkauft wird, scheint fast jedes Mittel legitim und vom Zweck geheiligt, und natürlich kommt auch dieser Film nicht ohne ein billiges Hurenklischee aus: Mr. Greys Mutter war Prostituierte, und fraglos ist der Gute durch diesen Umstand emotional so fragwürdig konditioniert. Falls Sie den Film gestern gesehen haben, und hinter Ihnen bei dieser Szene jemand kurz aufgelacht hat, war das wahrscheinlich ich.

Der sexuelle Missbrauch, den er im Umfeld seiner wohlhabenden Adoptivfamilie erlebte, in die er aufgenommen und so von der Bürde der sich prostituierenden Mutter erlöst wurde, wird dagegen erstaunlicherweise als fast schon einvernehmlich und wohltuend, sozusagen als persönlichkeitsbildende Maßnahme dargestellt. Eine Freundin der Adoptivmutter hat ihn als Teenager in die Geheimnisse des Sadomasochismus eingeweiht, und die beiden verbindet seither eine merkwürdige Art von Freundschaft. Ich wundere mich ernstlich, hierzu noch keine Kritik vernommen zu haben. Ich dachte, es gebe zu diesen Fragen einen gesellschaftlichen Konsens, und ich wäre ehrlich überrascht, wenn dieser trotz des einträglichen Geschäfts mit diesem Film nicht verteidigt würde. Ich meine, hatten wir da nicht kürzlich hitzige Diskussionen und verschärfte Gesetze und einen Pranger und vielleicht auch noch die ein oder andere offene Frage?

fisa (1)

Es sitzen Menschen zuhause im dunklen Kämmerlein und fühlen sich krank, weil sie sich gerne mal den Hintern versohlen lassen möchten oder jemandem eine solche Behandlung angedeihen lassen, und im Kino läuft ein Film, der zeigt, dass BDSM-affine Menschen emotionale Wracks sind, die einander in völliger Kommunikationsunfähigkeit umkreisen und sich letztendlich unglücklich trennen. Letztlich schlägt Mr. Grey dann nämlich etwas zu fest zu und der Abschied im Aufzug lässt natürlich Raum für Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Geschichte. The Show must go on, und so lange die Leute zu zahlen bereit sind, kann es so schlecht ja nicht sein.

Ich glaube nicht, dass Menschen durch die Verfügbarkeit billigen Sexspielzeugs im Fifty-Shades-Look besseren Sex haben. Ich glaube insgesamt nicht, dass dieser Film irgend etwas beiträgt zu Akzeptanz und Offenheit in Sachen Sexualität, er zementiert Vorurteile, und die Leute bezahlen das auch noch mit ihrem sauer erarbeiteten Geld. Allein die Werbung vorab lässt ja klar erkennen, an welche Zielgruppen der Film sich wendet. Vegetarische Wurst, Ikea und Potenzmittel. Man könnte lachen.

fisa (3)

Entsprechend weiß ich nicht, was an dem Film so bejubelnswert ist, denn ganz ehrlich: Ein tiefsinniges Drama habe ich gestern nicht gesehen, auch keine Charakterstudie oder Kunst auch nur im weitesten Sinn. Eher einen schlecht gemachten Softporno mit mäßigen Schauspielern und eine Hommage an die grenzenlose Konsumorientierung. Nichts, was dazu anregt, in einen Dialog, ob nun in der Partnerschaft oder der Gesellschaft zu kommen. Nur Werbung für überholte Rollenbilder, einfache Gedanken und den sich mehr oder weniger doch eigentlich von selbst verkaufenden Sex.

Es wäre schön gewesen, einen Film für Menschen zu machen, die das Spannungsfeld, das sich aus den Themen Sex und Macht in dieser Kombination ergibt, interessiert. Einen Film, der es möglich macht, sich auf die Erlebniswelt der Protagonisten einzulassen, einen der vielschichtige und lebendige Charaktere zeichnet, statt Klischees abzufeiern und Aufwertung durch Abgrenzung zu propagieren. Es ist aber leider kein behutsamer, kein aufklärerischer, kein mutiger Film geworden, sondern einer, der an Banalität und Verherrlichung des allgegenwärtigen Konsumdenkens unter dem Deckmäntelchen angeblicher Erotik nur schwer zu überbieten ist.

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60 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Vielen Dank für Ihre Sichtweise auf dieses Machwerk. Nun bin ich mir noch sicherer, dass ich nichts verpasse, wenn ich das Buch nicht lese und den Film nicht schaue.

  2. Nationalcharakter
    Da Sie schon die FSK ansprechen: Hier eine amuesante Einlassung von John Oliver, ein Brite im Dienste von HBO, zum Thema (mit besonderem Bezug zu Frankreich):
    https://www.youtube.com/watch?v=9t3TzSnwCn4

  3. erwartungen
    war von einem film der aus der etablierten filmindustrie amerikas kommt je etwas anderes zu erwarten ? warum sind den in den USA soviel leute übergewichtig und warum drehen soviele durch und schiessen tödlich um sich in schöner regelmässigkeit ? in den USA und in der welt.
    nein, ein land das so verklemmten sex hat oder gar keinen kann einen besseren film zu diesem thema einfach nicht zustande bringen.
    und auch dass BILD hierüber so prominent berichtet ist ein kontraindikator, dann kann es nur schlecht sein.

  4. ...ich hab ja keine Ahnung, aber
    …ich würde so einen Film als die moderne Entsprechung zum Schlüssellochroman ansehen. Genauer gesagt: Ich würde ihn nicht ansehen, schon allein, weil mich das Thema SM-Sex einfach nicht so dolle interessiert.

    Die Leute, die SM-Sex betreiben und die ich kenne, die sind auch völlig anders (und für mich tausend Mal nachvollziehbarer) als die Figuren aus dem Plot dieses Films, der eine Art „Pretty Woman“ auf SM darzustellen versucht. Für mich fühlt sich das Ganze einfach falsch an – aber wer nun so einen Film interessant oder gar toll findet, der soll sich halt darüber freuen.

  5. .
    wie sie es beschreiben, „eine Hommage an die grenzenlose Konsumorientierung“ und wohl kein film, der „Lust macht, auf Entdeckungsreise mit der eigenen Sexualität zu gehen“.
    bah, wo käme man auch dahin, wenn sex spass machte… augen zu, und an queen victoria denken, da dürfte einem die freude baldigst vergehen.

    jedoch, umso besser, denn je unbefriedigter der bürger ist – oder sollte man doch lieber immer noch oder schon wieder vielmehr vom ‚menschen‘ schreiben? –, desto eher lässt er sich an seine gitterstäbe im hamsterrad des frohndienstes ketten, und desto eher ist er bereit, zum auffüllen der lücke seines selbst den konsum anzukurbeln.
    es steckte auch gar zuviel sprengkraft in diesem schönen thema…

    lieber John Dean, man hörte ab-so-lut überrascht von einer freundin, dass diese alle machwerke begeistert verschlungen habe. all ihre doch recht merkwürdigen und auch leidvollen beziehungen mit – positiv formuliert – seltsamen männern sind nun schon längst passé, ihre nerven auch, und die leidenschaft für gewisse vorstellungen deckt sich ganz gut mit der hölle, die man sich selbst am trefflichsten bereiten kann. so etwas gibt es unter der schönen sonne, wenn sie denn einmal schiene, demnach wohl auch.

    vermutlich handelt der film nicht wirklich von sm, sondern eher von nachstellungen und massiven grenzüberschreitungen bis in die persönlichkeitsentfaltung hinein. wohl eine phantasie, der so manche/r vielleicht frönen mag, doch wehe, wenn sie je wirklichkeit würde. das geht, q.e.d., nicht gut aus.

    • Also ich muss zugeben, ich bin auch schon überrascht gewesen ob der Begeisterung für die Shades, die manche Menschen in meinem Umfeld so an den Tag gelegt haben. Aber was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall, sagt man.

  6. Ich habe mir
    von einer Mitfliegerin einmal das Buch für 5 Minuten ausgeliehen. Ich konnte keine weitere Minute der Banalität ertragen. Das der Film nicht besser sein konnte… Manchmal ist es einfach beruhigend, recht zu haben.

    Danke für den schön geschriebenen Beitrag. (Und für die Erinnerung: Ich werde einen Pitigrilli mit ins Urlaubsgepäck nehmen.)

    • Ich hatte natürlich auch nicht unbedingt einen kulturellen Höhenflug erwartet, aber ich war bereit, mich auch positiv überraschen zu lassen. Was beim Pitigrilli besser gelingt, aber man kann das natürlich auch nur bedingt vergleichen, nehme ich an.

  7. Titel eingeben
    Ein wenig mehr Gender und Code und das hätte auch so bei der Mädchenmamnschaft stehen können.

    • Tja, sehen Sie: Von mir werden Sie sicher weder Gender noch Code bekommen, die Mädchenmannschaft wird mich also sicher nicht haben wollen.

  8. "Wohlan, du Hure!"
    erlöse uns von den Banden.
    Verächtlichen Fleisches –
    öffne unser Geistes Gefängnis.“ E.T.A. Hoffmann

    Hochverehrte Despina,

    Sie waren im Kino … na ja, manchmal langweilt man sich eben oder hat sonst nichts zu tun.

    Ihr Gedanke sich mit Kabelbindern und Klebeband anfreunden zu müssen zeigt doch wie arg die Bedrängnis der Branche ist. Hier teilt sich wie in allen Geschäftsbranchen das schnelle Tagesgeschäft vom nachhaltigen Wirtschaften,

    die SexArbeiterin von der cortigiana onesta.

    Kürzlich hatte ich Gelegenheit bei einem Kunden, einem Menschen von gesellschaftlichem Stand und „redlicher Gesinnung“, einem, den man sich als den Feinsten und Gierigsten nur denken kann, in seinem Privatkino Polanskis Verfilmung von Sacher-Masoch „Die Venus im Pelz“ anzusehen und darauffolgend einen lebhaften Dialog unter Gleichgesinnten zu genießen, der mit der conclusio endete wie wichtig angemessene Kommunikation und werthaltig alte Literatur sind. 

    Die Literatur von Compte Mirabeau – Hic et hec oder auch E.T.A. Hoffmann – Schwester Monika haben sich durch die Zeit bewährt und beschreiben die heute noch aktuellen Themen in einer überzeitlichen Sprache und Differenziertheit.

    So bin ich mit Ihnen völlig einig, daß der Verkauf von billigem Sexspielzeug an das breite Publikum, nur zu billiger, wenn überhaupt, beidseitiger sexueller Entspannung führen  kann (Gehobenes Sexspielzeug welcher Art auch immer kauft man doch wirklich nicht bei amazon oder einem anderen der schnell zugänglichem Sexshops).

    Nach dem Kinobesuch wird so manche schwarze Seele zuhause bei seiner Frau das ausleben, was er zuvor niemals gewagt hatte, seine gesamte médisance wird er im Schlafzimmer abladen, wobei er beim Aufschrei seiner Frau die Schmerzen der Wollust studieren möchte. Doch die, ihre versteinerten Hinterbacken hinhaltend, wird in den wenigsten Fällen den Eindruck von Wollust vermitteln. Und, gute Güte, hoffentlich sind die Kinder bei der Oma ?
    Als Mutti noch 14 war und das zerrissene Hymnen, beim ersten Mal, einen Schmerz verursachte, so hielt dieser doch nur so lange an, bis das Gefühl der kommenden Lust sie von der Notwendigkeit überzeugt hat.
    Im Gegensatz hierzu dürfte mancher Schlag eines Experimental-SM.Ehemanns der Jungmutter in langer Erinnerung bleiben.

    Vom baiser florentin zum paedicatio mulierum ist ein weiter zärtlicher Weg und bedarf der gegenseitigen Vorbereitung. Wie mir aus langjähriger Erfahrung bekannt ist, scheinen Kinofilme keine Anleitung für einen solchen anzustrebenden Genußgewinn zu sein.

    Was einer einfachen Sexarbeiterin eventuell noch als Flagellation geläufig ist, bedeutet für eine cortigiana onesta die Aneignung eines Dissipations-
    Diploms. Da sich gute Ausbildung irgendwann wieder auszahlen muß, bin ich mit noch keinem Kinobürger, die jenes ci­ne­as­tischem Telekolleg besucht haben, bekannt geworden. Wir wollen das eigentlich auch vermeiden.

    De gustibus non est disputandum………..

    So mancher wird 4 Wochen nach seinem Kinobesuch wieder zur Hausmannskost zurückkehren, wo jedoch nach einem Besuch bei einer cortigiana onesta die Rückkehr in die restitutio in integris nahezu unmöglich werden wird, sondern vielmehr wird der, wenn auch nicht ganz billige Wunsch nach Wiederholung, bestehen bleiben. Manche Dinge werden Zuhause nie gut.

    In unseren Kreisen bestehen auch keine Befürchtungen Ehen zu zerstören.Nur nebenbei hierzu schrieb Herr Kaube vor einiger Zeit einen schönen Artikel mit der Überschrift:“Soziologie des Paares“, in dieser Zeitung, wohl für Menschen, die an das Niveau der FAZ herangeführt werden sollen.

    Und liebe Frau Despina, da ich nicht annehmen kann, daß Sie nicht im selben Jesuitenseminar groß geworden sind wie Don Alphonso, gebe ich gerne einen Satz von E.T.A. Hoffmann weiter:

    “ Der Schmerz der Lust ist bitterer als die Lust des Schmerzes, und es muß so etwas in der Seele der Heiligen und Märtyrer vorgegangen sein, daß sie so standhaft so große und viele Martern haben ausstehen können.“ …Man kann auch von der Kirche lernen.

    Abschließend verabschiede ich mich, wie eingangs bereits mit E.T.A. Hoffmann:

    „Weich geschaffen, dringe unter Lust und Schmerzen
    meines Schicksals Härte mir zum Herzen,
    der Natur geheimste Reize fesseln mich,
    für das Schöne hebt mein Busen sich.“

    Mit kollegialem Gruß

    ObjectBe

    • Verehrter ObjectBe, ich plane mitnichten mich mit Kabelbindern und Klebeband anzufreunden, dankenswerterweise kann ich mir das ja aussuchen und bin da nicht in Bedrängnis. Aber es ist interessant, zu sehen, wie der Film manches beeinflusst, zum Beispiel ja auch das Suchverhalten der Leute auf einschlägigen Videoportalen. Nur weil es für mich persönlich aus erotischer Sicht uninteressant ist, ist es deswegen unter anderen Aspekten ja nach wie vor ein Phänomen, das man sich mal anschauen kann.

      Inwiefern es gelingt unter Orientierung an solchem Material dem grauen Alltag zu entfliehen, ist natürlich mehr als fraglich. Und ich stimme Ihnen dahingehend natürlich zu, dass es in jeder Hinsicht anregenderes und qualitativ hochwertigeres Material gibt, aber das ist eben nicht so einfach (ver-)konsumierbar, und während die einen darin einen Makel sehen, haben andere Freude daran, sich das zu erarbeiten.

      Deswegen diskutieren eben manche, und andere kaufen sich einfach ein neues Spielzeug. Warum sollte es bei dem Thema auch anders sein…

    • respice finem
      nicht will ich werten die Lust anderer Menschen. Nur rate ich, mindestens ein Monat vorauszudenken. Die Schwielen heilen ab. Das Piercing heilt auch wieder aus. An den meisten Stellen.
      Der Sprung in der Beziehung nicht. Dehalb rate ich zum Schweigen. Der Seitenspringer sollte nicht auf Vergebung hofend beichten und die Last des Ehebruchs auf die Partnerin mitlegen.

      Die Achtung des partner(in)s ist kaum wiederzugewinnen, wenn Sie ihre oder der Kurtisane Schuhsohle mit Straßendreck geleckt haben. Wer will den Mund je wieder küssen?

    • O Gott, O Gott, proletarische Vorstellung einer Kurtisane
      Verehrter melursus,

      mit Ihrer Überschrift „respice finem“ und dem folgenden Gedanken haben Sie vollkommen recht – was Ihr Umfeld betrifft.

      Jedoch zeugt Ihre Bemerkung: „der Kurtisane Schuhsohle mit Straßendreck geleckt haben“ von Unkenntnis und unterschwelliger Abscheu.

      Eine Kurtisane hätte niemals Straßendreck an Ihren Schuhen !

      Sie scheinen das mit dem Straßenstrich zu verwechseln. Na ja, jeder werkelt so in seinem Umfeld.

      Mit freundlichem Gruß

      ObjectBe

    • noch nicht mal senatorischer Klasse
      Werte ObjectBe, es haben nur wenige Mitglieder der patrizischen Familien überlebt. Ich bin kein Julier, kein Claudius und nicht mal ein Metellus. Nur ein Plebejer mit nicht viel mehr zu meinem Namen als die spärliche proles.
      Doch möchte ich Ihre Antwort nicht so stehen lassen.
      Mir ging es in meinem Kommentar zu Ihrem Beitrag um die vertretbaren Grenzen des BDSM. Man/frau sollte aufpassen wo er/sie hintreibt im Taumel. Ist es nicht wie Alkohol? Nach einem Glas kann man leicht aufhören, nach drei Gläsern weiß man nicht mehr, warum man aufhören wollte.
      Sie schrieben doch, daß der Wunsch die Cortesana wieder und wieder zu sehen übermächtig ist?
      Da es nicht leicht ist, innerhalb der Grenzen zu bleiben, wenn man sich den Grenzen nähert, sollte man diesen Grenzen fernbleiben.

      Ihr Cullus mag so rein sein, wie ein Strauß Freesien. Der Kontakt kann innerhalb einer Beziehung folgenlos sein. Weitergehendes dürfte die gegenseitige Achtung beschädigen. Die Sohlen sollten nur ein harmloses Beispiel sein.

      Vorwärts immer, rückwärts nimmer grüßt Sie der
      sandler mel ursus

  9. Akzeptanz
    Diesen Film habe ich nicht gesehen. Wie Sie es beschreiben, wird er nichts zu Akzeptanz und Offenheit beitragen. Das billige und häßliche wird hängenbleiben. Steeles Emanzipation in der Trennung klingt wie das Ende von „der teufel trägt Prada“.

    Erinnern Sie sich an Julia Roberts als Hooker? Der Film hat mit seinen billigen Gags die ganzen positiven Images des Overknees an schönen Frauen der 60er und 70er Jahre ausgelöscht. Bis in die Nullerjahre waren Overkneestiefel mit billig, nuttig verknüpft. Wegen eines Films.

    • Overknees
      mag ich auch heute noch nicht tragen, das Klischee pappt für mich ewig, da kann ich mir nicht helfen. Und insgesamt, der Film war ja „stilbildend“, man unterstellt unsereinem ja heute noch in „Pretty-Woman-Manier“ auf der Suche nach einem wohlhabenden Retter zu sein. Und dieses aschenbrödeleske Element findet sich auch in den Shades wieder, und nicht nur dort.

  10. Schöner und insgesamt treffender Kommentar.
    Ich hatte mal das englischsprachige Original von „50 …“ in der Hand und nach etwa 30 Zeilen wieder aus derselben – langweilig, flach, „Julia“-Roman auf englisch. Der Film ist den diversen Kritiken (wie der obigen) entsprechend. Und Berichten einiger mir bekannter Männer zufolge (die ihre Frauen begleiten mussten) zu 3/4 ein Frauending beim Zuschauen, insofern handelt es sich bei „50 …“ offenbar auch nur um die modernisierte Variante des beliebten „Prinz küsst Aschenputtel“ Motivs, die Soft-Pornoisierung gab´s schon vorher in Teilen der enorm gut verkauften Vampirromane.

    Wer also wirklich eine schmutzige, politisch absolut unkorrekte und phantasiereiche S/M Geschichte im Kino braucht, der möge zur „Geschichte der O“ greifen. In der geht es tatsächlich (auch) um Abgründe und nicht um porentief reine Oberflächen mit Nippelklemmen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Die drei Proll-K's des SM: Kabelbinder, Klebeband und Klarsichtfolie.
      Herr Haupts,
      der einzige amüsante und ehrliche Film zum Thema
      wurde an anderer Stelle schon mal vom T.I.M erwähnt:
      Secretary.
      .
      Die O und Venus habe ich mit zwanzig gelesen,
      aber die Filme enttäuschten.
      Zitat aus Wiki zu Gwendoline:
      Einschlägige Männerfantasien werden wie gehabt als gelackte Konsumware präsentiert.
      .
      Im Jahr 2022,
      wenn Männer zu Weihnachten Fußball gucken müssen
      und die Genderinnen die Macht übernommen haben
      werden die Frauen nur noch vom Ice-Apple befruchtet.

  11. Noch mehr shades
    Wer noch ein bischen mehr lachen möchte:

    http://time.com/3030375/dave-barry-50-shades-of-grey/

    „50 shades of grey“ habe ich weder gesehen, noch gelesen, aber das Genre seiner Rezensionen hat es mir irgendwie angetan. Das kann man für eine typisch neumodische Oberflächlichkeit halten, aber Borges und Lem, die gerne über Werke geschrieben haben, die gar nicht existieren, seien meine Schutzheiligen.

    „Ich glaube nicht, dass Menschen durch die Verfügbarkeit billigen Sexspielzeugs im Fifty-Shades-Look besseren Sex haben.“

    Es kommt mir vor, als wäre das nerdige am Sex, das technische drumherum, die Beherrschung eines Vokabulars zusammen mit dem Hinweis, das alles schon mal ausprobiert zu haben ( Sozialkapital Erfahrung ), der Grund für diesen Popularitätsboost. Blockbuster oder Trivialliteratur sind v.a. Mittel, um das zu leveln. Die Schwellen wurden schon von anderen überschritten, nun muss man nur noch dem Massenpublikum hinüber helfen.

    Es geht also nicht so sehr um „besseren Sex“, sondern um einen Mehrwert, der nicht selbst sexuell ist. Die Hintergrundgeschichten oder Charaktere sind nicht wirklich wichtig, es ist nur wichtig, dass es überhaupt Figuren als Vehikel für Sex-Spiele gibt.

    • Titel eingeben
      Da mag ich Ihnen absolut zustimmen.
      Das ist im Grunde die totale Ent-erotisierung des ganzen Themas, ein Höher-Weiter-Schneller nur mit anderen Mitteln und ganz furchtbar unschön, und wie ich vermute, auch nur wenig und höchstens kurzfristig beglückend. Weil die Frage, was das auf lange Sicht mit einem, mit der Partnerschaft und dem Miteinander macht, bleibt.

  12. stalking
    Stalking durch high-status-males. Das ist vermutlich noch nicht verbrannt, weil es praktisch nicht vorkommt und das kulturelle Gedächtnis nicht belastet.

    Wenn man heute auf die Straße geht, dann trifft man eher hübsch herausgeputzte junge Damen, neben denen der vollbärtige Freund daher läuft, in Jogginghose und Nylonjacke. Selfmade Milliardäre mit Hubschraubern gehören da nicht zum Erfahrungshorizont.

    Es scheint übrigens auch ein bischen neben der Spur zu sein, denn wenn ich auf die Straße gehe, dann sehe ich eher hübsch herausgeputze junge Damen und neben ihnen läuft der Freund in Jogginghose und Vollbart

  13. St. Paul(!) and the Broken Bones, please
    Immerhin konnten Sie sich (hinterher?) mit guter Musik trösten, ist doch auch was… (die kommen übrigens bald nach D, live und in Farbe).

    Ansonsten meinen Dank für die treffende Analyse von diesem äh… Werk!

    • Huh, ein Fehler,
      lieben Dank für den Hinweis, ist schon korrigiert.

      Der Witz ist: Ich kannte die Musik vorher und sie hat mir gefallen. Als ich sie dann im Film gehört habe, ist mir fast das Popcorn im Halse stecken geblieben. Aber ich habe es verwunden und gehe mir das Spektakel natürlich live ansehen.

    • Joaaa...
      … ich hör die auch schon über ein Jahr rauf und runter, und witzig – ich wusste nicht, dass die zum Soundtrack gehören.
      Doch noch ein kleiner Gummipunkt für das Filmchen. Zumindest kennen die Millionen Kinogänger jetzt eine geile Soulband mehr.

  14. Es gibt eine Barchetta von Fiat und eine von Ferrari
    Nie hätte ich gezweifelt, dass es ein paar Leute geben würde, die sich mit „50 Shades“, einer Tüte Chips und einem mittelprächtigen Rotwein einen gemütlichen Abend machen würden, aber eine Viertelmilliarde Umsatz des Films an einem Wochenende sprechen eine deutliche Sprache, dass wir es hier nicht mit einer kleinen deutschen Peinlichkeit wie den „Feuchtgebieten“ zu tun haben.

    Object Be, ich danke Ihnen für den sensibel vorgetragenen Exkurs in eine vermutlich viel ernster zu nehmende, mir jedoch nicht minder fremde Welt von Schmerz und Lust.
    Wie öfter gesagt, der Herrgott hat einen grossen Zoo..

    Eine Kriminalpsychologin und Expertin für SM beschrieb neulich in einer Talkshow den Unterscheid zwischen einvernehmlichen, auf gegenseitigen Lustgewinn abzielenden SM-Sex und dem pathologischen, auf Beherrschung und Zerstörung des schwächeren Partners abzielenden Sadismus – und „50 Shades“ war dabei eindeutig dem letzteren zuzuordnen, dem Eingriff in die Persönlichkeitsentfaltung, wie Sie, donna laura, richtig beschreiben.

    Während das SM-Spiel mit grossem Einfühlungsvermögen den üblichen Topos des Herrschenden und Beherrschten in einer sexuellen Beziehung für beide lustvoll auszugestalten versucht, geht es beim Dominanzgebaren a la Mr. Grey nur um Kompensation seiner Minderwertigkeitskomplexe, was für eine grosse weibliche Leserschaft wahrscheinlich nur direkter und ehrlicher als in ihrem Alltag ausgedrückt erscheint, durchaus den heute überlieferten Rollenklischees entsprechend.
    Und durch den „Vertrag“ bekommt die Heldin am Ende auch das Brautkleid und das kleine Prinzlein. Sie hat was davon.
    Die Leserin in ihrem Alltag eher weniger, aber so kann sie mitreiten (ähemmm).

    Nur- mit Sex hat das ganze wenig zu tun. Sex ist bäh.
    Entdeckungsreisen in die Sexualität sind heute out, zugunsten leicht konsumierbarer, Wirtschaftswachstum bringender Ersatzbefriedigungen, auch da stimme ich Ihnen beiden, Despina und donna zu.

    Nacktheit ist nicht mehr die Woodstock-Hippie-Freiheit, der Ausbruch aus der DDR-Tristesse – Nacktheit heute ist digitales „Guantanamo light“ in Fratzenbuch und ähnlichem, Blossstellung, und Lächerlichmachung. Um nicht noch weit schlimmere Assoziationen zu schreiben.

    Kleine Fluchten in „Wellness-Welten“ enden schnell, wenn in (nur im deutschspachigen Raum öffentlich textilfreien und gemischten) Saunen unattraktiv hemmungslose Altachtundsechziger und jungdynamische Kulturwanderer regieren, die schon Frauen im 50erJahre-Badeanzug nicht höher wertschätzen als ein Schaf, oder ein Lammkotelett .

    Der Umgang mit körperlicher Nähe lässt uns so sprachlos werden.

    Was bleibt ist der kostengünstige Handbetrieb zu „You Pr0n“ –, oder die aufwendigere Inanspruchnahme Ihrer Dienste, Despina, und Ihrer KollegInnen, auch den männlichen, mit der oft erwähnten Einschränkung der Zugänglichkeit für weibliche Konsumenten.

    Das Schlafzimmer wird zum Panic Room der desillusionierten Erwartungen, was dann wenigstens für Chips und Ferrari sorgen sollte. Zumindest im Film klappt es dann.

    • Ich muß mal reingehen, um mich abzukühlen, am Pool ist es zu heiß
      Sehr geehrter „Great Artiste“

      Für Ihre Worte danke ich Ihnen.

      Ja, es gibt noch die Welt der cortigiana onesta. Wir werden weniger und leben in der Regel im Stillen und hier zu schreiben gehört sich eigentlich schon nicht.

      Draußen läuft das schnelle und sich selbstschädigende, billige Geschäft. Die Achtung vor sich und dem anderen geht auch in diesem Metier verloren.

      Die Masse geht in das Kino, wofür es ja auch da ist. Ich habe ja keine Ahnung was man heute dafür bezahlen muß, um seine Phantasie dort, in der Masse, spüren zu lassen?

      Ihren Worten entnehme ich eine gewisse, noch nicht zugeschüttete Neugierde. Schöner als Kino, vermutlich preiswerter, in Leder gebunden schwer erhältlich, voller prickelnder Erotik und gesellschaftspolitischer Brisanz, empfehle ich gerne einen Blick auf die „Die Geschichte der philosophischen Therese“.

      Mit freundlichem Gruß
      ObjectBe

  15. muss nicht sein
    Ich reagiere auf Produkte solch‘ gigantischen Reklamerummels aus God’$ Own Country immer mit Ignoranz. Wieso können das so wenige? (vielleicht ’ne Altersfrage?).
    Ist doch ’ne Binse: auch Verrisse machen nur Reklame, auch gut geschriebene wie hier oben.

    • Reklame
      Dem kann ich mich nur anschließen. Ich kümmere mich ausschließlich um wichtige Kulturprodukte die nicht nur keiner Reklame bedürfen, sondern außer mir auch keiner kennt.

  16. .
    schöne einblicke zur nacht, die sie offerieren, lieber Object Be.

    lieber TGA, natürlich ist sex nicht, wie sie notieren, „bäh“. aber es macht die masse der konsumenten, nein, bürger, jetzt: menschen regier-, oje, manipulier-, auch nicht, beherrsch-, genau: handhabbar, wenn sie, aus welchen gründen auch immer, und wenn es die miesesten missverständnisse über sex und „wie man ihn (in einer konformitätsgeilenliebenden gesellschaft) haben“ sollte, seien, unbefriedigt bleiben, rührte dieser ungute umstand her von zu hohen erwartungen oder tatsächlich nur schal abgehandelten bedürfnissen.

    ganz so wie süssstoff der dummen zunge süsse vorgaukelt, doch das gute alte stammhirn lässt sich nicht betrügen.

    • Ich bitte um Nachsicht...
      Liebe „Donna Laura“

      Ich danke Ihnen für Ihre Gedanken.

      Da ich mich sehr meiner Weiblichkeit verbunden fühle und Frau Despina, weiter oben schon derselbe Fehler unterlaufen ist; Die männliche Anrede meiner Person ist absolut deplatziert !

      Ich beteilige mich hier an diesem Forum zum einen, da ich Don Alphonsos und Frau Despinas Bildungserweiterungsbemühungen zu erkennen glaube, aber auch zum anderen, um Meinungen von Menschen anzunehmen und darüber nachzudenken, mit welchen ich sonst keinen Kontakt habe.

      Auf Ihre Zeilen zurückkommend muß ich Ihnen gestehen, daß ich den Inhalt nicht verstanden habe, was schon damit beginnt, daß mir die von Ihnen angewandte Abkürzung (TGA) nicht geläufig ist, jedoch unterstelle ich noch, daß dies keine Beleidigung sein wird.

      Bitte, Donna Laura, ich führe gerne einen Dialog mit Ihnen, aber, bitte, schreiben Sie es mir noch einmal mit anderen Worten.

      Mit freundlichem Gruß

      ObjectBe

    • .
      liebe ObjectBe, pardon, dann habe ich mich ganz klassisch im geschlecht vertan – nehmen sie einfach an, man hätte ihre männliche seite adressiert, oder so…

      oh, und TGA ist mitnichten eine beleidigung – eher wohl im gegenteil -, es ist die stützeninterne abkürzung für The Great Artiste…

      doch fürchte ich, wenn man meine nichtswürdigen worte expliz- ach was, ich will sie ja nicht quälen: also die masse der menschen ist per unzufriedenheit gut manipulierbar. dabei kann unzufriedenheit aus allem möglichen herrühren. es muss nicht, kann aber der sex sein. und diese unzufriedenheit kann zum einen basieren auf den eigenen zu hohen erwartungen (siehe dichotomie (keine krankheit, mit der man zum, äh, hautarzt müsste) von milliardär und aschenblödel), und diese eigenen hohen erwartungen werden oftmals getriggert durch banale märchen. oftmals treibt unzufriedenheit zur arbeit und zum konsum, grob sträflich verkürzt gesagt.
      diese unzufriedenheit kann zweitens aber auch damit zusammenhängen, dass man die fehlgehenden ersatzbefriedigungen wählt: man wollte ein eis, und bestellt sich ein schnitzel.

      habe ich sie damit ausreichend befriedigt?

    • Wenn das Eis ein Parfait ist,
      und das Schnitzel vom Kalb,
      kann beides doch reizvoll sein.

  17. Titel eingeben
    @despina

    Ich weiss. :)

  18. Irritierende Popularität
    Relativ deutlich scheint zu sein, dass sich diese 50 Schattierungen vornehmlich an Frauen wenden. Was ich dabei ganz erstaunlich für unsere aufgeklärte, durchgegenderte und emanzipierte Zeit finde, ist, wie Millionen von Frauen eine Romanfolge (und jetzt wahrscheinlich auch eine Spielfilmfolge) verschlingen können, in der die weibliche Hauptperson ihren Partner – soweit ich es verstanden habe – durch völlige Selbstaufgabe an sich zu binden versucht (und im letzten Band (?) auch Erfolg damit hat)

    Viele Grüße
    Günther Werlau

    • Sehr erstaunt hat mich,
      dass sich im ganzen Kinosaal (der zugegeben nicht besonders gut besetzt war, ich war zur Unzeit dort) ein einziger Mann befand, und ich wurde den Eindruck nicht los, er wäre da ohne seine Freundin nicht … nunja.

  19. Eine wunderbare Analyse
    Ausgangsbasis: Meine Frau und ich geben uns hin und wieder S/M-Freuden hin und genießen das Aufgeben in unseren Rollen sehr.
    Nein, wir hatten das Buch nicht gelesen, die „Geschichte der O“ spukt einfach zu sehr in Hinterkopf. Aber den Film wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen, zumal der gesamte Bekanntenkreis das Buch gelesen hatte.
    Ja, der Film ist recht amüsant und die amerikanische Küchenpsychologie ist schon einfach gestrickt, aber hey Erfolg macht bekanntlich sexy. Und das Bankkonto der Autorin hätte ich auch gerne.
    Der gelungenen Analyse möchte ich nur eins hinzufügen, was allen durch diesen Film vielleicht für S/M angefixten klar werden sollte: S/M eignet sich nicht für das Ausleben von Persönlichkeitsstörungen.
    Und über den Rest der Nacht lege ich mit einem Grinsen im Gesicht den Mantel des Schweigens.

  20. Gewaltbereitschaft?
    Mich wundert es, dass sexuelle Gewalt so gerne gelesen wird und vor allem in den Kinos gesehen wird. Da fragt man sich, wer geht denn da hin? Es sind meist Frauen, die sich über diese sexuelle Gewalt erfreuen.

  21. Secretary
    von Steven Shainberg mit Maggie Gyllenhaal und James Spader – der ist wirklich klasse/nett/humorvoll/warmherzig/berührend/klischeefrei zu dem Thema. :-)

  22. USA Geschmack......
    ……….ein Oximoron. Das geschmackloseste Volk auf Erden kann eben nicht anders als diesen Mist zu erzeugen.

  23. Wieso ausgerechnet jetzt!?
    In den 70ern zum Beispiel hatten wir diese weichgezeichneten Softsex-SM-Filme mit ihren Unterwerfungs- und Peitschen-Szenen doch alle schon mal ausgiebigst in den Kinos. Paradebeispiel: die Verfilmung der „Geschichte der O“. Das Buch von Pauline Reage ist darüber hinaus zwischenzeitlich sogar schon etliche Male – darunter als Mehrteiler – neu verfilmt worden. Entsprechende Videos können seit 20 bis 30 Jahren von jedermann/frau ab 16 auf VHS und DVD im Versandhandel – wie etwa bei amazon – bezogen werden. Auch online sollen diese Filme problemlos abrufbar sein.
    Da stellt sich mir die Frage: Was bitte ist im Vergleich dazu nun an den „50 Shades“ so neu, dass es ausgerechnet jetzt zu dieser Hype gekommen ist??? Ich hätte mit dem Hinweis „Alles schon mal da gewesen“ und vor dem aktuellen Hintergrund von „Youporn & Co“ eigentlich eher das große Gähnen erwartet …

  24. Konsum des Stammhirns
    Danke erst mal für den Beitrag. Die Autorin zieht ja mit einer gewissen Authorität den Stöpsel aus der Badewanne und lässt das biedermeierliche Entchen eines gesellschaftlichen Neuspiessertums auf Grund laufen.
    Es macht eine (leider keine positive)Aussage über den Zustand einer Kultur, wenn sich diese hypersexualisiert u. dabei Sexualität nur mehr als vegetatives Phänomen behandelt. Die Autorin als Professionelle weisst zurecht auf den Beziehungscharakter von Sexualität, ohne den Sexualität nur noch vegetativ ist- nur mehr sex.

    Wer alte Männer u. Frauen mit Piratenkopftüchern im Alltag auftreten sieht, der fühlt, dass es um den individuellen Erlebnischarakter in unserer Gesellschaft nicht so besonders bestellt sein kann. Und nun dies sacher masoch \maquis de sade Händchen haltend für alle…-
    An kleinbürgerlicher Gesinnung ist so ein Herdentrieb kaum mehr überbietbar.

  25. Titel eingeben
    Es ist nunmal eine Verfilmung eines Romans, der die ganze Geschichte so vorgibt und keine Doku.

  26. Kritik an Kindesmissbrauch
    Bei der Lektüre Ihres Textes musste ich an folgenden Artikel denken, der genau die von Ihnen bisher vergebens gesuchte Kritik an der Beziehung von Mr. Grey zur Freundin seiner Adoptivmutter übt:
    http://www.vice.com/de/read/fifty-shades-of-grey-macht-aus-einem-missbrauchsopfer-ein-sexidol-533
    Als Mainstream-Medium kann man vice.com allerdings mit Sicherheit nicht bezeichnen, sodass die Kritik wohl nur zu wenigen Menschen durchdringen wird. Schön, dass Sie hier dazu beitragen.

  27. Titel eingeben
    thanks – for such good insight and honest-not swimming with the crowd- view.

  28. schwerz zu unterbieten
    Text eingeben

  29. Wo die Domina wartet
    Ein Buch, bzw. Film von und für sexuell Verklemmte. Nicht von ungefähr aus dem Land der Puritaner und Pornographen. Und es passt in eine Zeit, in der sich erwachsene Frauen die Scham so glatt rasieren, dass sie wie kleine Mädchen daherkommen, wo sie sich dann in der Konsequenz die Schamlippen verjüngen lassen müssen. Nicht von ungefähr wird daher die Pädophilie nicht mehr nur in gewissen Logen genossen. So sehr scheint sie verbreitet, dass die herrschende Klasse um ein diesbezügliches Privileg zu fürchten hätte. Sie erhöht die Strafe für einen allzu billigen Genuss. Die Krise des Kapitals ist längst in den Schlafzimmern angekommen. In den Schlafzimmern der ganz Jungen.
    .
    Nicht der befreiten Frau begegnen wir da, sondern dem Kult des Hymens. Daher auch kein Zufall, dass zunehmend mehr junge Damen sich für ihren zukünftig Anzutrauenden aufzusparen gedenken. Sie wollen oder können nicht bemerken, wie sie sich da nur als Belag für ein Schmuddelsandwich, zwischen „Prüderie und Pornographie“ – http://blog.herold-binsack.eu/2013/08/2722/ – zurichten.
    .
    Sind sie doch das Opfer einer Pädagogik von geheuchelter Gewalt – zwischen Gender Neusprech und sexuellem Missbrauch. Einem nicht vollzogenen Ende der Pädagogik – http://blog.herold-binsack.eu/2015/02/kritik-der-paedagogik-als-wert-verwertet/. Und zur Belohnung wartet da schon die Domina.

  30. Pingback: Wo die Domina wartet

  31. Ein schlimmes Machwerk,
    verehrte Despina,

    aber den Film, den sie vermissen, gibt es. Er heißt “Secretary” und erklärt m.E. mehr von Wesen einer SM-Beziehung als z.B. die „Geschichte der O”. Bedauerlicherweise hat sich die Autorin von 50 Shades dort zwar den Namen ihres Protagonisten, “Grey”, geliehen (oder ist diese Übereinstimmung nur Zufall?), aber sonst hat sie rein gar nichts verstanden.

    Hochachtungsvoll
    tb

  32. Titel eingeben
    Das Schnitzel vom Kalb

    Im Buch soll sie ja 18 Jahre alt sein.
    Wie bereitet man es denn zu?
    Auf dem Küchencounter,
    wer auch immer ein Schnitzel in der Hand gehalten hat und eine Bekannte berichtete, daß sie es nahm und ließ es auf der Wange des Mannes knallen … danach ist die Unschuld eines Kalbschnitzels verloren. Die englische Küche, verkocht und ungewürzt, das berüchtigte Kantinenessen, in denen man lustlos herumstochert, kein Wunder, der guten Frau lüstert es nach Neuland, oder zumindest nach neuen Gewürzen fürs abgehangene, tenderized, fleischliche Gelüst.
    Ohne ausprobieren geht es nicht, zu viel Oregano oder Estragon kann nicht schaden, zu scharf oder aufdringend, was geht mit wem, versalzen will man ja auf keinen Fall. Wem will man die Suppe einbrocken, dem Ehemann oder lieber einem „Guinea Pig“ oder läßt man erst mal sich sowas vorkochen. Fertigkost nimmt nunmal die Vorfreude, wie es wohl schmecken wird und bekanntlich kommt der Appetit beim Essen. Aber am Schluß bleiben im Schrank auf dem Regal die Bekannten, ein paar kommen auf den Tisch zum Nachwürzen, manche auch kommen nur zum Gebrauch, weil man sie rumliegen hat, aber am Ende sind sie nur Genußmittel um den Geschmack zu intensivieren, zu ändern oder hoffentlich nicht zu übertünchen, weil eigentlich ging es ja um das Schnitzel vom Kalb, aber von meiner Sicht darf es auch von der Muckesau oder Wildschwein sein oder ein ausgewachsenes Rind.
    Wie auch immer es zubereitet ist, am besten läßt man sich dann alles am Gaumen zergehen und verinnerlicht … für andere darf es auch ein Tofusteak sein, nur ohne Gewürze, wer will denn das! … vielleicht der Eng-Länder, eine Mixtur aus Puritaner und Pure Indianer-Phantasien?

    Filmempfehlung: Tampopo, The Little Death von Josh Lawson
    https://www.youtube.com/watch?v=BnnhesQ8Rxc

    Pure Indianer und Puritaner,

  33. Titel eingeben
    In diesem Film geht es nicht so sehr um SM, die größere Rolle spielen die strukturellen Relationen zwischen „Steele“, „Gray“, „Jack“ und anderen symbolischen Entitäten. Ebenso geht es in der „Twilight“-Reihe, die als Vorlage diente, nicht wirklich um Vampire und Werwölfe.

  34. Fünfzig graue Sonnenbrillen
    Hier eine netter Zusammenfassung des Films:

    http://www.blog.vroni-graebel.de/logisches/2015/02/50shades/

  35. Kunst, kein Produkt
    „Secretary – Womit kann ich dienen“ – jetzt erinner ich mich. Der lief offenbar vor etlichen Jahren sogar im deutschen TV. DAS ist ein guter Film. Ohne all diesen Reklameaufwand drumherum, den die Presse natürlich gerne…
    Auch bei IMDb ist die Bewertung recht hoch: 7.1

  36. You prefer the normal routine. We f.ck, then you lose the power of speech.
    Das Interessante hier ist doch zu beobachten wie alle, wirklich alle, das eigentliche Thema (SEX! oh mein Gott, ich habe es ausgesprochen) vermeiden. Hier werden Fremdwörter, Euphemismen, Analogien, Bilder, etc. benutzt um sich irgendwie bloß nicht dem eigentlichen Akt zu nähern. Frau ist S.xarbeiterin, Kurtisane, Zuschauerin etc. Nur hier ist keine einzige Person die Sex haben möchte. Und zwar Sex wegen Sex. Nicht für Geld, Status, etc.
    Vielleicht erklärt dies, warum Millionen Frauen masturbierend in einem Kino einen Film betrachten, bei dem Geld, Macht und Liebe im Vordergrund stehen.

  37. Millionen Frauen irren wohl nicht
    Bei soviel Einigkeit in der Verdammung von „50 shades“ auf der einen, und soviel Erfolg für ein Machwerk, das eher nicht mit den „Effekten“ oder der Kunstfertigkeit punkten kann, habe ich noch einmal versucht, ein wenig gegen den Strich zu denken.

    Vielleicht ist die Geschichte deshalb so erfolgreich, weil sie die Lebenswirklichkeit ganz vieler Frauen trifft, nur eben direkter, und es gibt die Belohnung am Ende. Der „Bad Boy“ wird gezähmt.

    Möglicherweise sind die „netten Männer“ auch gar nicht so nett, sondern nur friedlicher, um nicht zu sagen, antriebsloser und weniger begeisterungsfähig. Langweilig und faul.

    Der „Bad Boy“ –Stalker ist oft geradezu besessen von seinem Objekt der Begierde, temperamentvoll und dominant in dem Sinn, dass er eine klare Ansage macht, mit der eine Frau oft besser klarkommt als mit den impliziten Erwartungen der beleidigt oder traurig dreinguckenden Weicheier.

    Vielleicht haben wir bei „sexueller Auifgeschlossenheit“ auch immer nur den in den Medien publizierten Hype um die männliche Sexualität im Kopf – eher gattungsbezogen, als individuumsbezogen.

    Fürs Spitzwerden, (nicht fürs Zusammleben) reicht ein bisschen nettes Aussehen, viel sichtbare Haut, und ein nettes, nicht zu kompliziertes Wesen. Ein Mann könnte auf die Idee kommen, in einer Sauna ein entsprechendes weibliches Pendant zu finden, und wundert sich, nur lauter andere Männer, Paare oder wirklich weniger attraktive Frauen zu finden – weil die erotische Anziehung für die eine gut aussehende Frau viel personenbezogener ist, und die gattungsspezifische Attraktivität eher als demütigend und entwertend erlebt wird.

    Eine Frau möchte verehrt und begehrt werden – und die Widmung, die ein Stalker – wenn er reich, schön, und nicht ZU verletzend und besitzergreifend ist, ihr angedeihen lässt, adelt ihr Selbstbewusstsein.

    Eine Frau möchte stets ein bisschen Prinzessin sein, und nicht nur zufällig gerade da. Instinktiv wird sie genauso oft jeden Partner, den sie liebt, auch als etwas Besonderes verehren, und sich ein wenig zu gerne unterordnen – ein Stück weit auch für sich selbst, um sich ihre Wahl zu bestätigen.

    Und sie kann leicht enttäuscht werden, wenn diese Widmung nicht gleichermassen vergolten wird, gerade, wenn sie wegen der Beziehung viele ihr eigenen Wünsche zurückgestellt hat. Da ist dann ein „Vertrag“ eine gegenseitige Abmachung.

    Natürlich sind trotzdem Enttäuschungen vorprogrammiert. Und mehrere Lebensabschnittspartnerschaften, weil man sich den Konflikt nicht mehr gibt, wenn die Leidenschaft verglüht und der schnöde Alltag eingetreten ist.
    Möglicherweise ist eine Frau biologisch mehr auf den Nachwuchs, als auf den Mann ausgerichtet, was den Lebenssinn ausmacht, scheint es ihr plausibler, sich mit einem ehrgeizig egoistischen Siegertypen zu vermehren, als mit einer freundlichen Lusche, die wirklich für nichts im Leben brennt.
    Warum sind Sportler so irrsinnig hoch bewertet im sozialen Status, mit Models und Filmstars gekreuzt – auch wenn ihre Tätigkeit eher sinnlos ist – ausser zu siegen. Zweiter ist schon Schreisse.

    Ich beanspruche nicht, allgemein Recht zu haben, aber ich wollte der Diskussion noch einmal einen Schubs in die andere Richtung geben.

    Warum ist die Prostitution für Frauen weniger naheliegend, und dann immer noch zehnmal eher in Betracht zu ziehen, als ein Swingerclub?

    • Titel eingeben
      Der einzig WIRKLICH einfülsame, phantasievolle, umwerfend unverschämte und mutige Lover, den ich je hatte, war auch ein Psychopath.
      Und betreffend die ganzen „Netten“ Ignoranten, (die ich nicht besser beschreiben könnte als Sie), mit denen ich vorher und nachher das „Vergnügen“ hatte – ich weiss, wovon meine Leidensgenossinnen träumen.
      Und tatsächlich: mit Recht. Da es ja aber keinen Psychopathen für jede geben kann, müssen sie halt ins Kino gehen oder schlechte Bücher lesen.
      Arme Mädchen.

    • .
      man schätzt, dass dies alles doch eher eine frage der wechselwirkung ist – und man zudem ohnehin schlecht von sich auf andere schliessen können dürfte.

      aus den besten gründen möchte meine wenigkeit daher eine, äh, lanze für die dergestalt geschmähten – mithin ohnehin zunehmend verunsicherten -, so genannten normalen männer brechen. zumindest die in meinem umfeld sind schon schwer in ordnung.

  38. Zu sagen was nicht geht ...
    ist immer einfach. Aber auf die Dauer auch langweilig. Viel interessanter ist doch was geht. Negativkritik muss sein – bringt uns aber nicht weiter. Es braucht positive Beispiele und Anregungen.

  39. Treffer versenkt!
    Don – gute Antwort!!!

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