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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Das Radiomädchen und der Anzugreinigungsmann

| 59 Lesermeinungen

Schlucken, Kind.
Meine Grossmutter

Und wie immer hatte sie natürlich recht, wenn sie das sagte: Schlucken, Kind. Nicht aufregen, schlucken. Meine Grossmutter sagte nie „Sei still“ und auch nicht „Sei stad“ und auch nicht das, was Grossmütter in Norddeutschland mit gespitzten Lippen zu sagen pflegen: „Andere sind für uns kein Massstab“. Sie sagte einfach nur schlucken, und als guter Enkel habe ich das natürlich gemacht, selbst wenn mir die ein oder andere Bemerkung auf der Zunge gelegen wäre. Meine Grossmutter hätte natürlich auch etwas sagen können, und tat es vielleicht. Später. Aber nicht in der Öffentlichkeit. Da schluckt man.

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Das mit dem Schlucken jedoch ist nicht ganz so leicht, wenn einem diverse Lasten des Alltags zwar immer abgenommen wurden und Brötchen stets da waren, man sich aber seine Gemälde selbst verdienen muss – und zwar mit Erzählungen über Umstände, die einem in durchaus privilegierter Stellung, von oben herab, an diesem Land auffallen, das vermutlich etwas mehr „meines“ als „unseres“ ist. Und es ist ja nicht so, dass man wirklich nur von einem freudigen Ort zum nächsten durch arkadische Landschaften eilt. Wenn ein Bild im Umkreis von, sagen wir mal 200 Kilometer steht, und mit der Post verschickt werden müsste, fahre ich natürlich hin und hole es direkt ab. Das ist auch nicht teurer als der Spezialversand, schont das Gemälde und den Postboten, und ausserdem sind das immer nette Gelegenheiten, sich mit Menschen auszutauschen. Allerdings hat es der Schöpfung gefallen, zwischen mein Jesuitencollegium an der Donau und das feine Isarhochufer, an dem letzte Woche goldene Sonnenstrahlen leckten, die graue Stadt München zu legen. München wiederum besteht aus zwei Opern, diversen Museen, einigen ganz hübschen Strassen dazwischen und ganz viel Stadt aussenrum, die sich wie Kalk an einem Heizstab am Mittleren Ring festgesetzt hat.

Da muss man durch, wenn man sich kulturell verdient machen und das asamzeitliche Gemälde neben die heimische Asamkirche bringen möchte. Man sieht dort Unmengen von anspruchsloser Gebrauchsarchitektur, die keinem Gott, sondern nur dem Profit und der Verräumung von Massen heiligt, man sieht Baustellen, Verkehr und Grünflächen, denen man nach zwei Dekaden Einzelhaft in einer fensterlosen Zelle vielleicht etwas abgewinnen kann. Und man sieht enorm viel Werbung, die bei uns wie in allen besseren Vierteln inzwischen weitgehend ausgerottet ist. Und da gibt es dann so Momente, da muss man wirklich schlucken. Hier etwa.

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Das ist eine Aktion eines Radiosenders, bei dem man bei erfolgreicher Durchführung irgendwelcher Gewinnspiele ein Monat mietfrei leben kann, weil der Sender das bezahlt.

Ich mein, ich lebe nicht in München, ich fahre dort nur durch, aber das ist schon ganz schön diskriminierend, nimmt das Plakat doch selbstverständlich an, die Betrachter würden Miete zahlen, also keine eigene Wohnung besitzen, und für so eine kleine Gabe derartig erfreut reagieren. Ich weiss aus eigener Anschauung, wie es ist, wenn solche Mieten eingehen, da freut sich bei uns niemand, das ist halt so. Niemand reisst hier die Augen auf und sprudelt über vor Glück. Man bekäme bei uns das Gschau, wenn man sich mit den Kontoauszügen so aufführen würde. Das schluckt man einfach hinunter, es ist, wie es ist, das gehört sich so und das muss in der Klassengesellschaft auch so sein: Das Leben ist schon ganz gut.

Aber kann es auch so schlecht sein, dass man sich von derartigen Plakaten und ihrem Inhalt angesprochen fühlt und denkt, so möchte man auch sein? Und das alles, um nach einem Monat wieder selber zahlen zu müssen. Man liest im Moment viele Klagen über schlechte Rollenbilder beim Bachelor, bei Fünfzig Schattierungen und dem nächsten Topmodell – aber scheinbar niemand stört sich an der Einordnung bei den besitzlosen Schichten, die schon einem dudelnden Radiosender dankbar sein müssen.

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Ich höre Bayern 4 Klassik, aber meine Gedanken gehen zu jenem anderen Plakat, das ich erst kürzlich im Gärtnerplatzviertel sah, einer Ecke der Stadt, die unter massivem „Aufwertungsdruck“ steht – so schreiben es zumindest klagend die Kollegen der Münchner Presse. Andere empfinden das als Werbung für die Wohnlage, wollen auch zu den Gewinnern gehören, und bewerben sich darum, hier mieten zu dürfen. Es kann sein, dass man bei so einer Werbung mit Gewinnertyp schlucken, viel schlucken muss, aber das Schlimme ist: So sieht eben auch die Realität aus. Das ist genau der Typus, der sich hier um die Mietwohnungen anstellt, die untere Mittelklasse der Funktionsträger, aufstiegswillig, erfolgsorientiert und bereit, für die richtige Adresse auf der Visitenkarte ordentlich zu zahlen. Einmal musste ich hier per Inserat vermieten, einmal ging es nicht über Beziehungen: Das meldete sich genau dieses Publikum. Im ersten Satz steht schon Stellung und Gehalt. Man will weg vom Mittleren Ring, wo jeder wohnt, hin zu den Vierteln, wo die wohnen, die nicht jeder sind. Aber vermutlich würden sie auch so jubeln, falls ihnen jemand dann einen Monat die Miete finanziert.

Ich verpasse im Grau der Häuser und Gedanken die Ausfahrt nach Pullach, fahre über die Isar und nehme den Umweg durch Grünwald und reizende Villen in Kauf, um dann weiter südlich im strahlenden Sonnenschein bei Höllriegelskreuth den Fluss erneut zu überqueren. Sol lucet omnibus kann auch nur sagen, wer die bevorzugte Wohnlage im Münchner Süden nicht kennt. Gut zusammenpassen würden sie ja, das Radiomädchen und der Anzugreinigungsmann, Doppelverdiener wären sie und das Fernziel würde hier liegen, wo man dazu übergeht, die alten, verschwenderischen Villen mit ihren Treppenhäusern und Walmdächern abzureissen, und Mehrfamilienhäuser zu bauen, die dem gleichen Zweck wie der raumoptimierte Architekturbrei am mittleren Ring huldigen. Würden sie eine Wohnung bekommen, dann würde sie auch die Augen so aufreissen und er die Faust ballen. Geschafft. Und nach etwas Suchen finde ich auch die Villa oberhalb der Isar, wo das Gemälde auf mich wartet.

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Es ist eine stete Frage der christlichen Ikonographie – besonders in bürgerlichen Kreisen, die sich ihren Weg an die Spitze unter Lösung von der Kirche und ihren Normen selbst bahnen mussten – warum der Mensch über Jahrhunderte gern Abbildungen von Glauben und Gehorsam und Leid angeschaut hat. Die grossen Themen des Christentums sind Unterwerfung und Schmerz und die dadurch erreichte Verklärung, und das mag uns heute seltsam erscheinen. Ich kaufe so etwas aus kunsthistorischem Interesse, und weil in meiner Küche noch Platz ist. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, was einmal sein wird, wenn ich umziehen müsste, weil es eine abhängige Beschäftigung oder eine andere Mietwohnung verlangt; das sind eben die kleinen Vorteile, die man hat. Ich mag es, wenn meine Bilder auf Betrachter etwas schräg wirken.

Aber keines davon ist so schräg wie die Ikonographie der Moderne und der Werbebotschaften, wo das Seelenheil und alles Glück von einem Anruf eines Dudelfunks oder einem sauberen Anzug abzuhängen scheint. Man empfindet das als normal. Man wird davon offensichtlich angesprochen, und es ist der Horizont der Empfindungen. Keine Erlösung, keine ewige Glückseligkeit, kein angenehmes Jenseits. Ein Monat mietfrei, bevor es ans Weiterzahlen geht, und eine saubere Berufskleidung, die bald wieder in die Wäsche muss. Das ist die Ikonographie der Gegenwart, und da nimmt es dann auch nicht wunder, wenn, relativ dazu, die Ikonographie der Vergangenheit mit ihrem ewigen Anspruch heute auch nicht mehr wert ist, als ein bald unmoderner Anzug oder ein vergessener Monat ohne Miete.

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59 Lesermeinungen

  1. ach ja, so isses
    und hat sich sehr hübsch gelesen!

  2. "Andere sind für uns kein Massstab"
    Thomas Mann hätte vermutlich vom „grünen Wagen“ gesprochen, was man ja heute aus politisch korrekten Gründen sowieso nicht mehr zitieren darf. Aber wer lediglich auf der Basis von ererbtem Besitz solche und ähnliche Maximen äußert, vergisst nur zu leicht, dass die Grundsteine dieses Besitzes von hart arbeitenden Menschen gelegt wurden, die sich derartige Maximen nie hätten leisten können.

    • Ja, das ist richtig – aber ich denke auch, oder besser, ich weiss auch, dass diese Maximen auf Dauer berechnet waren und nicht auf kurzfristige Effekte, die heute im Vordergrund stehen. Und ja, mieten war damals verpöhnt. Man hat für das Kaufen auf sehr viel verzichtet. Das änderte sich erst nach dem letzten Krieg und mit dem sozialen Wohnungsbau.

    • Und bleibt natürlich auch so wegen der kapitalistischen Flexibilität.

  3. Kein Ewigkeitsanspruch?
    Dem kann abgeholfen werden.
    Wozu sonst soll es TTIP geben.

    Naja, das letzte „Ewigkeitsregime“ dauerte wie lange?

    Unendliche 12 Jahre.

    Wenn man ein Monat mietfrei und eine kostenlose Reinigung
    dagegenrechnet, hat man schon eine wenigstens kleine Ewigkeit
    herausgeschunden.

    • Das stimmt natürlich auch wieder, aber im persönlichen Rahmen würde ich schon gern weiter als bis zum nächsten Ersten denken wollen.

  4. Hart geerbt...hart ererbt...hart gearbeitet...hart erarbeitet...
    Hart so oder so macht „weiche Birne“?…Radiomädchen und…mehr?
    Ratio-Heart-Denken macht „Vernunftbirne“?
    Hart…Hells-Verstand…macht RA“D“IO-MÄDCHEN…wahr?
    Heart…Health-Vernunft…macht RA“T“IO-MÄRCHEN…wahr?
    Herz-„E“motion-„I“ntelligenz…HERZ“EI“…“HERZ EYE“…“GEIST-AUGE“ …Harte „EIER“?…HEARTE EYER?…mit dem „3.“ sieht man besser?
    verflixte…Gedanken-Laute:=)

    Gruß
    W.H.

    • Vergessen...
      die „mehr Wert-(als du?)Steuer“…in Form von Kriege, Schlachten, Probleme aller Art…(Miet-Erfolg-Land-Erbe-)Probleme denken „müssen“…zum vorläufigen Not wenden…
      resultiert aus längst bekannter „Weisheit“…

      Wem genug nicht reicht, dem reicht auch nicht „MEHR“ als genug…

      das „Erbgut Erde“ bedeutet für „Vernunft“ ein „Gleich-Gut-Leben“…
      ein „Gleich-Wert-Leben“!
      „Vernunftmangel“ bedeutet „Mehrwertsteuer-Leben“…s.o.

    • hart?!
      „Wer keine weiche Birne hat
      isst harte Äpfel aus Halberstadt“
      (auch ein Reklamespruch, gedichtet von Donald D.)
      (resp. Erika Fuchs)

  5. Glasperlen für die armen Ferkelchen!
    Ihre Zeile, Don, mit der „Unterwerfung“ legt einem eine direkte Linie zu Houllebecqs letztem Buch, der auch sagt, dass die sozialdemokratische Marktwirtschaft, wie wir sie kennen, mit ihrer endlosen Komplexität und Scheinheiligkeit ( man stelle sich nur Schröder und Mauschelmeier nach drei Mass auf der Wiesn vor) abgewirtschaftet hat, und sich der Mensch nach einer klaren Ansage sehnt, der er sich unterwerfen kann.
    Eine ernste, oder eben andere Religion, wenn sie es nur nicht gar zu toll treiben würde, wäre da durchaus marktreif.

    @dünnhaupt: Aber immer schon hat man eher den zahlenden Auftraggeber und den Bildhauer der Statue gefeiert, als den Steinmetz, der den Block ins Atelier geliefert hat. Nicht umsonst ist es ein Scherz, wenn man sagt Bildhauerei sei ein ganz einfaches Gewerbe, man müsse nur alles weghauen, was nicht zum Apollo gehört.

    Wir leben im Moment in recht spannenden Zeiten, wenn ein Spieltheoretiker Finanzminister in Griechenland ist, der annehmen kann, dass alle seine Kontrahenten seine Gedanken studiert haben, so wie er sicher darüber nachgedacht hat, wie man am besten darauf reagiert.

    Strategische Überlegungen sind sicher auch nicht von der Hand zu weisen, und nicht nur in Bezug auf den „bösen“ Putin.
    Es gibt noch ganz andere Global Player mit Phantasie, vielleicht nur in Brüssel ein paar weniger, auch wenn es sicher gemein wäre, bei „Brüssel“ und „Phantasie“ zuerst in Richtung von DSK zu denken.

    Interessant, dass ich meinen Gedanken über eine „friedliche“ Weltwährungsreform als möglicherweise unvermeidliche Zukunft ansatzweise bei dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, und seinem ehemaligen Kollegen bei Barclays Capital, Thorsten Polleit, auf den Seiten der Neuen Zürcher Zeitung am Freitag fand.

    Spannende Zeiten.

    Und auf Sat 1 oder so läuft täglich eine Sendung, wie man ohne alles auf zwei Hektar Land eine glückliche Gesellschaft „from scratch“ aufbaut, statt den üblichen Flüssigseifen-Opern für heulende Nageldesignerinnen über Ehebruch, Hochzeitsdramen und Alleinerziehung.

    • Unterwerfung wird heute einfach anders verkauft, man sieht es ja bei der anzugsreinigung. Da haben wir jemanden, den geknechtet wird, dem Verheissungen vor die Nase gehalten werden, und der sich sehr lange wird abrackern müssen, um so weit zu kommen. Aber die Pose ist eine andere, die Pose ist gross und sieghaft. Das ist der Unterschied: Unterwefung ohne jede Demut.

      Aber das will man natürlich oft nicht hören.

    • Eine friedliche welt
      Text eingeben

    • Eine friedliche Weltwährungsreform
      Wird es auf jeden Fall geben.
      Sobald die globalen Schulden alle auf die öffentlichen Haushalte
      übertragen sind.
      In der Euro-Zone gewinnt das Land, dass „to Big to fail“ ist,
      Also den höchsten Anteil an den Schulden hält.

      Danach kehrt man zum Goldstandart zurück.

    • Ich glaube, man wird eher irgendwann den Euro und die EU aufspalten, wenn es wirklich nicht mehr geht. aber ich plane einen Griechenlandurlaub, der vielleicht etwas verhindern kann.

    • Griechenlandurlaub, der vielleicht etwas verhindern kann?
      (zu http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/02/22/das-radiomaedchen-und-der-anzugreinigungsmann-4960/#comment-109060 )(Vorsicht: Iron – ie!)

      Grundgü-Tiger, wieviele und vor allem wessen (unsere taugen ja nichts mehr, können nicht mal ein paar Panzerchen für Litauen erübrigen!) Divisionen wollen Sie denn zum nämlichen Behufe dahin mitnehmen?

    • Immer nur Italien ist auch langweilig und Griechenland ist wunderschön.

    • Unterwerfung ohne Demut
      Wie bei der Verlaengerung des Hilfsprogramms fuer Griechenland?

      Demut ist sowieso ein voellig ueberschaetztes Sentiment. Waehrend einem ein „Ein wenig Demut stuende ihm gut“ leicht ueber die Lippen kommt, ertraegt es doch niemand leichten Herzens, von anderen „gedemuetigt“ zu werden. Was die Gesellschaft braucht ist gegenseitige Anerkennung, bei Vorhandensein entsprechender Verdienste auch Respekt – selbst wenn das Wort durch sog. Rapper und Vertreter abwegiger Forderungen ziemlich ruiniert wurde.

      These: Ohne stolzes Standesbewusstsein des Proletariats haette der Kapitalismus nicht mit derartigem Erfolg die Welt veraendern koennen.

      Der kluge Kapitalist ist sich dessen stets bewusst; der herabwuerdigende Blick der Kunstfigur allerdings ist reine Dekadenz. Diese ist nicht weiter schaedlich und, in der vorliegenden Form, sogar amuesant, doch auch unter den Verlachten gibt es welche, die sich des Laufrads sehr bewusst sind, in dem sie sich befinden. Die kluegeren wissen aber auch, dass das Verspotten ihrer Ketten sie nicht freier machen wird.

    • Man muss bei der jetzigen Regierung auch sehen, dass sie die alte Kleptokratie weggefegt haben, und dafür sollte man auch in europa ein klein wenig demütig sein.

    • Das wird nix
      Wenn Sie mein Szenario verhindern wollen, müssen Sie sich nach Berlin
      bemühen.
      Dort sammelt man die europäischen Schulden ein.
      Dort hat man auch die besten Kenntnisse in Währungsreformen.
      Dazu braucht es keine Phantasie. Das läuft auf Autopilot.

    • Berlin? Ich? Nie.

      Vielleicht spaltet sich ja Bayern einfach ab.

    • Abspalten
      Dazu der griechische Finanzminister:

      Man kann auschecken, aber nicht weggehen.

    • Reichsteilungen, abspaltungen, Trennungen – das alles ist historisch gesehen möglich und man täte gut daran, dafür Mechanismen zu haben. Oder man fährt eben die Vedeutung runter, was für die EU wohl unvermeidlich ist.

    • Griechenlandurlaub
      Au, das wird fein – und wir bekommen dann laufend Berichte aus der Perspektive einer männliche Lady Hester Random?

  6. Alles muss raus
    „Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, was einmal sein wird, wenn ich umziehen müsste, weil es eine abhängige Beschäftigung oder eine andere Mietwohnung verlangt; das sind eben die kleinen Vorteile, die man hat.“
    Doch, müssen Sie. Mein Lieber, auch Sie werden umziehen, und Ihr Zimmer im Pflegeheim wird für zwei, drei Bilder Platz bieten. Mag dieweil „Sol lucet omnibus“ leichter daher kommen als „Memento mori“: der Rest Ihres Geraffels wandert eines nur mittelfernen Tages durch die Hände des (vielleicht unseres?) Entrümpelungsdienstes zum Sperrmüll.

    • Nun, ich habe zum Glück ja auch noch ein kunstsinniges, privates Umfeld, und infiziere frühzeitig die Kindr anderer Leute mit meinen Marotten – das wird sich schon finden.

    • Burgen...
      …sind viel mühseliger zu hinterlassen. Bilder und Kannen sind da Leichtgewichte, zur Not nimmt die der lokabe Round Table.

    • Wir räumen...
      …auch Burgen. Und – auf Nachlassnehmer sollten Sie nicht wetten, ob infiziert oder nicht. Die Lasten werden sich junge Menschen nicht aufbürden.

    • Ich halte die Entwicklung icht für unumkehrbar, selbst wenn der Trend im Moment in die andere Richtung läuft. Man sieht das am heftigen Preisverfall für alles, was Biedermeier ist – das war bei der alten Generation beliebt und die Jugend kann damit nichts anfangen. Ich registriere aber auch bei der Jugend eine gewisse Unzufriedenheit mit Konformität, Austauschbarkeit und der minderwertugkeit all dessen, was sie haben. Es kann also auch ganz anders ausgehen.

  7. kleptokratie
    @D.A. 17:57
    Nun, in Italien dachte man nach mani pulite auch, die Kleptokratie sei weggefegt worden.
    Es war halt eben nur die „alte Kleptokratie“ weg; die neu kam schnell.
    Würde mich wundern, wenn es gerade in Griechenland anders liefe.

    • Naja, immerhin haben andere wirklich auch die Macht übernommen und sich nicht nur umlackiert. Insofern finde ich, dass man denen nicht gleich wieder den Hahn abdrehen sollte. Wann hat man schon mal so eine Gelegenheit.

    • Titel eingeben
      Aber kein Grund zur „Demut“. Bislang hat lediglich eine andere Partei die Regierung uebernommen – uebrigens mit Versprechungen von Volksbeglueckung im alten Stil. Bis zum Beweis des Gegenteil moechte ich Tsirpas und Konsorten aber lautere Beweggruende und auch die feste Absicht, die griechische Kleptokratie/Oligarchie zu ueberwinden, unterstellen. Meine Anerkennung bekommen sie aber erst, wenn sie es schaffen, diese Absichten in die Tat umzusetzen.

    • Ich glaube, die wissen schon, dass sie wirklich mit der Kleptokratie aufräumen müssen. wenn sie es schaffen wollen. Das wird eine harte Aufgabe, aber daran führt kein Weg vorbei. Dass Schäuble da nichts sagt, überrascht mich nach schreiber und den Deals deutscher rüstungskonzerne mit Griechenland nicht.

  8. Nicht meines Großvaters Ratschlag
    Schönes Thema, werter Don! Es gab da auch mal eine Reklame, die mich immer beschäftigt hat:
    “Geiz ist geil”.
    Mein Großvater (von dem ich vieles abgeguckt habe) hatte sicherlich das Wort „geil“ in seinem großem und weltmännischen Wortschatz, aber geizig zu sein, hätte er mir sicherlich nicht empfohlen.

  9. mein Wunsch für 2015 ...
    … wäre es mal wieder einen neuen, am besten selbst gedachten, Gedanken in diesem blog zu lesen. Nix gegen aufgewaermte Gerichte … aber irgendwann klumpt die Erbsensuppe.

    Also – ob das wohl ginge diese Endlosschleife mal zu verlassen?

  10. Titel eingeben
    meine rede
    meine rede
    meine meine

  11. Transzendenz
    Lieber Don, ich gehe davon aus, dass Ihre Großmutter einer abrahamitischen Religion anhing. Was die anderen Leute angeht, so war man früher weitgehend ehrfürchtig, hoffnungsfroh und volksgläubig. Als Ersatz haben wir eben heute das Radiomädchen, den Anzugsreinigungsmann und andere Merkwürdigkeiten. Also die Religion ist weg, politische Ideologien haben ausgedient. Was bleibt seinem Leben einen transzendenten Zweck zu geben, wäre der Beitrag zu einer und zum Erhalt einer Kultur. Das ist aber leider recht anstrengend. Deshalb lebt es sich lieber in Momenten ewiger Kurzfristigkeit, kurzer Freuden und beständiger Belanglosigkeit.

    • Ich würde auf keinen Fall die Sinndeutung durch Religion zurück haben wollen, aber der Buddha im Garten ist jetzt auch vielleicht etwas kurz gedacht. Man müsste mal was über Yoga machen, das ist für viele wohl wirklich so ein Transzendenzersatz, aber da fehlt mir jeder Zugang

    • Die Gesundheit, Ernst Wilhelm,
      ist die Religion unserer Tage.
      .
      Wäre auch ein Thema für die Stützen. Und was für eins, puh!

    • Die Transzendenz beim Don
      Immerhin machen Sie ja in Kultur. Da ergibt sich etwas Transzendenz, wenn auch vielleicht ungewollt, ganz von selbst. Wen ausser die Kinder anderer Leute infizieren Sie eigentlich noch mit Ihren Marotten? Und noch eine Frage in diesem Zusammenhang. Ist Verdis Requiem für ein zehnjähriges Kind geeignet? Das muss ich dringend wissen!

  12. Schon weit früher lebten ein Drittel zur Miete
    Sehr geehrter Don,

    lt. dieser Quelle lebten schon in Antike und Mittelalter ein Drittel der Bevölkerung zur Miete: http://www.mdr.de/lexi-tv/avobjekt4116.html

    Prof. Uwe Wesel beschreibt ausführlich die Miete in mittelalterlichen Städten.

    Aber auch auf dem Lande lebten viele Menschen in Häusern, die Ihnen nicht gehörten.

    Juristen sagen zur Miete ganz klar: Nutzung gegen Entgelt (kommt hier ja von Vergelten).

    Nicht jeder hatte einen eigenen Hof zur Bewirtschaftung, sonder fremde. Und auch das war unterschiedlich gestaltet: Bestimmte Gruppen hatten Häuser mit Garten. Andere nur ein Kate vom Herrn.

    Viele freundliche Grüße – azur

    • Das ist richtig, aber in den grossen Städten ist die Mietquote besonders hoch, in Berlin weit über 80 Prozent und München ist auch nicht recht viel besser. Da liegen dann auch die Ursachen für regulierende Eingriffe und fragwürdige Architektur.

  13. Die ungestört gelassenen Honigsauger
    Im Grunde sagt der Don etwas ganz Richtiges: Diese teuer vermieteten Häusermeere g e h ö r e n irgendwelchen Menschen, die aus dem Besitz – egal ob am Mittleren Ring oder in Pullach – Honig saugen.
    Was der Don aber nicht schreibt, ist dass dieser Honig staatlich heftigst alimentiert ist, schließlich werden Einkünfte aus Kapitalerträgen deutlich niedriger besteuert als die Einkünfte aus Arbeit. Hier liegt das Grundübel unserer Gesellschaft – und man könnte es so einfach abstellen, wenn man das Verhältnis umdrehen würde. Aber dann kommen die von den Vermögenden finanzierten Lobbyisten und solidarisieren sich mit ‚Omas kleinen Häuschen‘-Besitzern, für welche sie sonst nur Verachtung übrig haben, und lassen in der Presse schreiben, dass man diesen Menschen doch unmöglich ihr sauer Erspartes wegnehmen könne.
    Dabei ginge es ja gar nicht um Enteignung, sondern nur darum, reiche Menschen auch einmal wieder zur Arbeit anzuhalten. So aber sind sie reich, weil sie völlig ungestört und völlig ungerührt ausschließlich aus den Einkünften ihres Kapitals leben können.

    • Wenn man das machen würde, würden schlagartig Hausverwaltungen, Fondsgesellschaften und all die anderen Notwendigkeiten zur „Alterssicherung“ mit dem Bauch nach pben gehen und das wiederum verhindert unser tolle, neues Rentensystem. Insofern machen die das nicht.

    • Also irgend etwas stimmt da nicht
      Sind ‘Omas kleines Häuschen’-Besitzer einfach zu dämlich? Würde Volkspädagogik helfen? Oder hat Sarrazin doch recht, das letztlich in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem die Dummen ökonomisch abgehängt werden?

  14. Für einen Kunsthistoriker ist das a weng dünn, Verehrtester.
    Was die Ikonographie der Gegenwart ist, werden Kunsthistoriker in 50 Jahren erstmals entscheiden und danach alle 100 weiteren Jahre wieder, vermutlich nicht immer konsistent zu ihren Vorgängern.

    Und die Ikonographie der Vergangenheit kennen Sie gar nicht – Sie kennen das, was sich als verdichtete Vergangenheit in Ölgemälden bis heute erhalten hat. 1/1000 oder 1/100.000 dessen, was es an Bildern insgesamt einmal gab, der Bequemlichkeit halber kategorisiert in Epochen wie „Biedermeier“.

    Dass es Leute gibt, die sich über einen Monat mietfrei freuen können, ja mei. Sind dieselben Leut wie Ihre Vorfahren, bevor sie vermögend wurden. Das Bürgertum hat sich schon immer (letztlich ausschliesslich) über Geld definiert, weshalb der Distinktionsgewinn der Trennung zwischen „gutes Geld“ (Silberwaren, Ölgemälde und geerbte Immobilien) und „schlechtes Geld“ (Anzugreinigung, IKEA Möbel und Miete) ein wenig albern bleibt.

    Kommen Sie in 500 Jahren wieder, wenn Ihre Familiengeschichte so lang geworden ist, wie meine heute.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Dschingis Khan ???
      Hab gerade gelesen, der soll eine Unmenge männlicher
      Nachkommen haben, neben 8 Anderen. ;)))

    • 500 Jahre Familiengeschichte ? Geil, mit Familiengruft ?
      So wie Sie sich über das Bürgertum äußern gehören Sie nicht dazu.
      500 Jahre Familiengeschichte, da hat man ein Prädikat
      oder
      man geht heute noch über den Dienstboteneingang rein und raus.

  15. Auch da kommt Hilfe aus den USA
    Sie sind für uns immer noch stilbildend. Die Bevölkerung altert
    rapide und die nächsten 10 bis 15 Jahre werden eher unlustig
    werden für den American way of Life.
    Mal sehen wie das Ergebnis aussehen wird und welche Lehren wir
    für unser Rentensystem daraus ziehen können.

  16. Titel eingeben
    @Widerholung hoch drei – Soweit ich weiß, hindert Sie niemand daran, neue selbst gedachte Gedanken einzubringen.

    • Tiegerschmalz
      Ach Tigerette, so ist das? … das ist zu billig, ich maße mir nicht an der SupaDupablogbefueller zu sein, daher nerve ich auch nicht mit dem immer gleichen Sermon in der an sich ganz schoenen Landschaft herum. Wofuer ich plaediere – zumindest im Bezug auf dieses Blog (aber auch im Allgemeinen) : Wenn es nichts neues mehr zu erzaehelen gibt, einfach mal eine Weile den Rand halten. Warten bis wieder etwas passiert was des Erzaehlens lohnt. Der Datenbank ist es doch wurscht ob sie gefuellt wird oder nicht …

    • Ich würde darum bitten. mir die Entscheidung selbst zu überlassen, und nicht zu versuchen, mir das Maul zu verbieten. Ich bin hier ziemloch offen im Umgang mit Kritik, aber wer meint, schweigen wünschen zu können, könnte bald selbst im Spam vor sich hinschweigen.

  17. orange rot
    …bis ich das mal ticke, der DOn hat sich ein Gemälde gekauft.
    Sakrale Kunst erinnert mich an meinen Religionsunterricht und die Betonung des Lehrers an den Unterschied zur profanen…K.
    Später an der freien Kunstschule wurde nochmals über die Besonderheiten gesprochen.
    Die tiefe Wirkung eines besonderen Blaus-ein Marienkleid o. eine Robe.
    Ein Mitstudent arbeitete längerfristig nur an der Entstehung abgeleiteter monochromer Gestaltungen, z.T. an Y. Klein erinnernd.
    Mich faszinierte die patinöse Wirkung der Worpsweder Bilder.
    Alles teuer, daher male nicht nur ich in der Familie selbst.
    Ich vermute, ich könnte mir einige meiner Bilder nicht leisten, wenn ich sie mir abkaufen müsste.
    Andererseits, vor allem feine Abstraktion macht tierischen Spass, -befreit!
    Alchemistische Anwendungen der Mönche beim Anrühren der Farben und Tinten denke ich bei mir ; die Erklärung der Positionierung entnimmt man dem besseren Kunstbuch -in vielen öffentlichen Bibliotheken ausstehend.
    Deshalb scheint so manches schräg-alt und manchmal sogar wertvoll.
    Wichtig ist, das der Künstler weiss, warum er es so macht-aber er muss es nicht erklären. Betonung des Effektes- aber keine Überbetonung bspw..
    Ach ja weshalb schreibe ich das alles?…honigsaugen und so.
    Ich habe mir mal einen Straus billiger oranger Tulpen gekauft. Als die aufgingen, hat mich die Farbe derart fasziniert, das ich versucht habe, eine solche zu mischen und sie in Öl darzustellen.
    Das hat funktioniert-so ein durchgeknalltes, schmutziges orange-rot.

  18. Welcher Praktikant hat denn das Rollenspiel "beim Grie h
    Text eingeben

  19. Werter Don, es wird Zeit, dass Sie nach GR aufbrechen ....
    …. für nur durch schrullige (jedoch allseits bekannte) Dünkel getrübte Berichterstattung!
    .
    Es ist wirklich schade, dass Mutti keinen Mut findet für „Drachme und neuen europäischen M-Plan für GR“.
    Stattdessen lässt sie eine Verlängerung des Siechtums nach dem anderen abnicken.
    .
    Die ersten GR-„Hilfen“ haben die Währungs-Experten im Bundestag abgenickt (Ergebnis ist bekannt).
    .
    Über das nächste GR-Paket MUSS es eine Volksabstimmung in Deutschland geben!
    .
    Die Griechen rufen schließlich auch locker einfach mal Neuwahlen aus, deren Dramatik uns dann monatelang terrorisiert.
    .
    Nur das dumme D-Zahlvolk hat keine Wahl, weil Mutti alternativlos bleiben muss.

    • Warum
      So miesepetrig?

      Ich freue mich den Showdown zwischen den Herren V. und D.

      Sie sind ehrgeizig und vertreten gegensätzliche, aber sehr europ.
      polit. und gesellschaftliche Positionen.
      Beide gehören bereits zu den Nach-Baby-Boomern.
      Beide eint das Sternzeichen Widder.

      Gute Voraussetzungen für ganz großes Kino.

    • Die Berichterstattung des Don wird durch Dünkel natürlich nicht getrübt ...
      …. sondern erheitert. Das soll bitte nicht missverstanden werden.
      .
      Je mehr Alt-West-BRD-Dünkel Sie werter Gastgeber herausarbeiten, um so besser …
      .
      Was mich nervte war der „Europäische-Besinnungsaufsatz“ der sich „beim Griechen“ nennt und sich irgendwie auf Seite 1 verirrte.
      .
      Da lese ich doch lieber die Geschichte darüber, wie gnadenlos 75 EUR wegen einem abgefahrenen Reifen von der deutschen Staatsgewalt beigetrieben werden und frage mich, weshalb die Griechen das nicht hinbekommen, obwohl doch in jedem Haushalt ein Beamter hockt? Wahrscheinlich genau deswegen…

  20. Ich bin beglückt
    Zumindest große Rohstoffkonzerne sind in der Wirklichkeit
    angekommen und können ihre Zukunftsentwicklung realistisch
    einschätzen.
    Vielleicht klappt das auch noch bei den Think-Tank, den Lobby-Groop,
    Die der Politik und den Medien zuarbeiten, und sie geben es auf zu glauben
    sie könnten die Wirklichkeit dekonstruieren.

    Sie können es nicht!

    Seit der Jahrtausendwende landen sie mit großen Getöse einen Flop nach dem anderen.

  21. Die zweite Seite der Medaille
    Werter Don,
    es mag Sie in Ihrem Empfinden stören. Aber wir benötigen auch mal die andere Seite, um uns über unser Glück klar zu werden. Ohne Spiegel keine Reflektion.

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