Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Mehrwertsteuerbegünstigter Tugendterrorismus

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„Fangen Sie schon wieder an? Ist doch Politik,
hat doch mit Gewissen nichts zu tun.
Grundgesetz, ja Grundgesetz, ja Grundgesetz,
Sie berufen sich hier pausenlos aufs Grundgesetz
sagen Sie mal, sind Sie eigentlich Kommunist?

Franz Josef Degenhardt, Befragung eines Kriegsdienstverweigerers

Sehen Sie, ich bin ganz sicher keine Kommunistin. Ich habe vielmehr mittlerweile eine vehemente Ablehnung gegenüber Ismen aller Art entwickelt. Kommunismus, Feminismus, Katholizismus: Alles nichts für mich, das sind Denkkorsette, und das möchte ich nicht. Die zwicken und lassen einen nicht frei atmen, das kann nicht wirklich gesund sein. Ich schaue mir das alles gerne an, ich bin ja relativ weltoffen, und manches mag auch zutreffend sein, da lerne ich dann gerne hinzu. Ich lasse mich mit Freude eines Besseren belehren. Hat jemand gute Argumente und muss ich nach Würdigung der Tatsachen anerkennen, dass ich mit meiner Behauptung im Unrecht war, ist das vielleicht nicht unbedingt ruhmreich. Dafür aber meist lehrreich. Manche Leute lernen halt gern, andere haben gern recht. Die gerne recht haben sind nach meiner Erfahrung tendenziell die mit den Ismen. Sobald ein Ismus sich an ein Wort hängt, ist es eigentlich dahin. Weil Ismen aus Worten und Ideen Ideologien machen. Und mit Ideologien habe ich grundsätzlich so meine Probleme.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit Humanismus. Denken Sie doch mal an den „realen Humanismus“ und seine Errungenschaften in der früheren DDR, dann wird klar, was ich meine, wenn ich sage: Ismen tun auch der besten Idee keinen Gefallen. Und trotzdem habe ich heute beim Frühstück dieses Lied von Franz-Josef Degenhardt angehört. Nicht, weil ich an der Stelle weltanschaulich verklärt wäre, sondern weil ich die süffisant-boshafte Art mag, mit der es ihm singend gelingt, die Abseitigkeit der Argumentation des sich in der komfortablen Position des nicht-betroffen-Seins des den Kriegsdienstverweigerer befragenden Kammervorsitzenden aufzuzeigen. Man kennt eine solche Diskussionskultur heutzutage auch noch: von radikalfeministischen Veranstaltungen und der CSU beispielsweise.

Das Liedchen ist älter als ich, aber ich kann mich erinnern, dass ich auch noch mit Leuten zu tun hatte, die sich um die Möglichkeit, den Kriegsdienst zu verweigern, ernsthaft sorgen mussten. Die wollten aus welchen Gründen auch immer nicht zum Bund, und ich konnte das verstehen, war als Mädchen damals jedoch nicht betroffen und habe mich deswegen nicht weiter mit dem Thema befasst. Mittlerweile dürfen auch Frauen Wehrdienst ableisten, und wer eben nicht möchte, muss – ungeachtet des Geschlechts und natürlich unter Vorbehalt – nicht gegen seinen eigenen Antrieb etwas tun, das er oder sie nicht möchte. Es hat sich einiges im positiven Sinne verändert, und vielleicht möchten Sie mir insofern zustimmen, als dass es begrüßenswert und grundsätzlich erfreulich ist, wenn Eingriffe des Staates in gewisse Grundrechte, die in der Frage des Wehrdienstes durchaus berührt und auch nicht unerheblich beschnitten wurden, unterbleiben. Ich nehme an, Sie schätzen beispielsweise die Unverletzlichkeit ihrer Wohnung oder die Freiheit der Berufswahl auch sehr.

Der besagte Vorbehalt bei der Aussetzung der Wehrpflicht hat etwas mit der Bedrohungslage zu tun, die betrachtet man nämlich seit 2011 als so entspannt, dass man darauf verzichtet, junge Menschen – zur Not mit sanftem Zwang, es gab ja in der Historie des Wehrdienstes die ein oder andere Abstufung in Fragen der Freiwilligkeit – zum Dienst an der Waffe in der Bundeswehr zu bewegen. Wehrpflicht, das drückt ja schon aus, dass es mit dem persönlichen Enthusiasmus der Betroffenen jetzt nicht zwingend so weit her sein musste, wie man sich das nach heutigen Maßstäben wünschen würde. Ich erinnere mich noch, von einem entfernten Bekannten in den Neunzigern mal gehört zu haben, dass er sich aus finanziellen Motiven für eine gewisse Zeit bei der Bundeswehr hatte verpflichten lassen. Er war nämlich gerade Vater geworden, und irgendwo musste das Geld ja herkommen, und beim Bund war auch mit mäßiger Qualifikation ein vernünftiges Auskommen und damit ein Leben außerhalb sozialer Sicherungssysteme zu erzielen, das mag ihn wohl zu dieser Entscheidung gebracht haben.

Dass man heute im Bereich des Wehrdienstes in der Frage nach Freiwilligkeit andere Maßstäbe anlegt als noch zu meiner Kinderzeit, finde ich uneingeschränkt erfreulich. Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der ich gerne – egal welche Arbeit – in einer Armee dienen möchte, und das hat wirklich mannigfaltige Gründe, vornehmlich solche, die in meinem ganz persönlichen Moralempfinden begründet und damit für andere, die vielleicht gerne in einer Armee dienen oder schlicht weniger zimperlich sind, nicht maßgeblich sein können. Hätte ich einen Sohn, ich würde eindringliche Appelle an ihn richten, nicht zur Bundeswehr zu gehen, weil ich es ganz privat für falsch halte. Ich würde wohl meine Erziehung im Großen und Ganzen darauf ausrichten, ihn nicht zu einem Menschen heranwachsen zu lassen, für den der Soldatenberuf die Erfüllung seiner Karriereträume ist. Es würde mir das Herz zerreißen zu wissen, dass mein Kind im Zweifelsfalle auf Befehl Menschen tötet. Denn ich halte das Töten anderer Leute für etwas, das unter annähernd allen Umständen zu vermeiden ist. Außerdem finde ich es höchst unattraktiv, Befehle auszuführen. Nennen Sie mich ruhig ein einfach gestricktes Weichei, das überdies von Politik keine Ahnung hat. Ich sehe das eben so, nach gründlicher Überlegung, da darf ich Sie beruhigen.

Ich sehe es aber auch so, dass es mir nicht anstünde, einem eventuellen Sohn den Gang zum Militär zu verbieten. Weil ich nämlich auch freiheitsliebend bin, und das heißt eben, andere Leute ihre eigenen Fehler machen Entscheidungen treffen zu lassen. Und letztlich ist der Beruf des Soldaten ja nach unseren Gesetzen nicht sittenwidrig. Was, das möchte ich an der Stelle gerne in Erinnerung rufen, auch für Prostitution gilt.

Entsprechend war ich sehr überrascht, als ich im Spiegel las, dass im Zuge der Einführung des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes der 13. Artikel des Grundgesetzes für Angehörige meiner Berufsgruppe eingeschränkt werden soll. Erstens sollen Sexarbeitende nicht mehr in ihren Arbeitsräumen übernachten dürfen, und zweitens sollen wohl damit ihre Wohnräume nicht mehr geschützt sein, weil man ja überprüfen muss, ob dort auch gearbeitet wird. Um ehrlich zu sein, in einem Raum, zu dem „Polizei und Behörden wie Gesundheitsämter…“ jederzeit Zutritt haben, möchte ich auch gar nicht schlafen. Ich könnte das vermutlich auch nicht, ich bin nämlich zart besaitet und würde mich in einer solchen Situation unsicher und ausgeliefert fühlen und kein Auge zu tun. Läge ich da so und könnte nicht schlafen, weil ich ständig um meine Privatsphäre fürchtete, ich meditierte unter Umständen über das Wort Tugendterrorismus und darüber, was es mit Menschen macht, wenn sie nichtmal mehr in ihren eigenen vier Wänden davon ausgehen dürfen, in Frieden gelassen zu werden.

Davon ausgehend, dass es einen Konsens darüber gibt, dass Grundrechte, die das Grundgesetz gegenüber dem Staat sichern soll, für jeden gelten sollten, finde ich die geplante Einschränkung von Artikel 13 GG schon ein starkes Stück. Sie erinnern sich: Die Tätigkeit von Sexarbeitenden wird vom Gesetzgeber nicht mehr als sittenwidrig betrachtet und ist völlig legal. Theoretisch.

In Deutschland gibt es nämlich mehr oder weniger keine Stadt ohne Sperrbezirk, in dem Sexarbeit verboten ist. Ein flächendeckendes Verbot besteht grundsätzlich für alle Gemeinden unter 20.000 Einwohnern, bis 50.000 Einwohner können (und tun das natürlich) Gemeinden Prostitution ganz oder teilweise untersagen, ab 50. 000 Einwohnern gibt es dann per Sperrgebietsverordnung in aller Regel eine dunkle Ecke in einem Industriegebiet, in der wir die völlige Legalisierung und Anerkennung unserer Tätigkeit genießen und ein Zimmer mieten können. Dass die teilweise unverschämten Mieten mit der Verknappung des Raumes, in dem man legal arbeiten kann, einhergehen halte ich jetzt nicht für einen Schluss, der allzu komplexe Gedankengänge voraussetzt.

Nein, ich bin nicht dafür, Großbordelle neben Kindergärten zu stellen, ich finde auch nicht, dass man in der weiterführenden Schule lernen sollte, einen Puff für alle einzurichten, aber für ein moralinsaures faktisches Berufsausübungsverbot unter dem Deckmäntelchen regionaler Sonderverordnungen, die kaum ein Mensch mehr durchschaut, kann ich mich auch nicht erwärmen.

Zusätzlich zu den Kosten, die eine – ich nehme mir ein Beispiel am oben besungenen liberalen und zuvorkommenden Kammervorsitzenden und mache es mal plastisch – , hochmobile und herumreisende migrantische und unter hohem Erwerbsdruck stehende Sexarbeiterin mit in der Heimat zu versorgender Familie hat, wenn sie gesetzeskonform überteuerten, weil in nicht unerheblichem Maß in den Händen windiger Gestalten einiger von mir nur wenig geschätzter Großbordelliers befindlichen legalen Arbeitsraum anmietet, darf sie jetzt auch noch ein extra Hotel bezahlen. Für sich ganz privat. Für nach der Arbeit. Wenn sie nachts um zwei oder drei aus dem Puff kommt und freilich große Lust hat, im Industriegebiet herumzulaufen. Sie wird sich wohl oder übel ein Taxi nehmen und zu ihrem Schlafzimmer fahren. Um dann zum Mittagsläuten, selbstverständlich nach weiteren Extrakosten für den late checkout, wieder ins Sperrgebiet zu gondeln, weil sie im Hotel nicht bleiben kann, ohne eine zweite Nacht zu bezahlen. Und zur Krönung darf sie dann mit dem Finanzamt zu diskutieren, ob die Hotelkosten für das private Zimmer absetzbar sind. Mit mangelhaften Deutschkenntnissen ist das sicher die reine Freude. Aber vielleicht hat der Bordellbesitzer ja auch einen Anwalt oder Steuerberater an der Hand, die meine migrantische Kollegin beraten können, die offizielle Anmeldung als freiwillige und selbstbestimmte Prostituierte und sichere Verwahrung des Hurenausweises samt Nachweis über die erfolgte Gesundheitsberatung übernehmen die Herrschaften ganz gewiss auch gerne.

Denken Sie an mich, wenn in ein, spätestens zwei Jahren die sympathischen und freundlichen Großbordelliers neben ihren Puffs hässliche aber funktionale Hotels hochgezogen haben und von den dann endlich optimal geschützten Huren noch eine zünftige Summe pro Übernachtung abkassieren. Mehrwertsteuerbegünstigt, wohlgemerkt. Wenn Sie etwas Geld übrig haben und als Hotel nutzbare Immobilien in der Nähe von Puffs kaufen können, tun Sie das jetzt. Es ist eine solche Investition auch moralisch nicht zu beanstanden, dient sie doch dem Schutz der ausgebeuteten Frauen in der Prostitution.

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44 Lesermeinungen

  1. was sind "Grundrechte" wert?
    „….dass es einen Konsens darüber gibt, dass Grundrechte, die das Grundgesetz gegenüber dem Staat sichern soll, für jeden gelten sollten, finde ich die geplante Einschränkung von § 13 GG schon ein starkes Stück.“

    Ein Fall fürs Verfassungsgericht?

    Wenn ein x-beliebiges Gesetz ohne zwingenden Grund ein Grundrecht ausser Kraft setzten kann, dann schafft das doch einen Präzedenzfall….

    Welches „Grundrecht“ wird als nächstes ausgehöhlt?

    • Der Türöffner war wohl ...
      .. das Baurecht. Die Vorschorschriften dort gewähren dem Staat und seinen Dienern schon seit geraumer Zeit uneingeschränkten Zugang zu jeder Wohnung und zu jedem Haus.
      Ohne Richter oder Polizei, aber mit umfangreichem Maßnahmenkatalog im Ordnungsrecht.
      Das Ordnungsrecht und die Frage ob und wie weit jeder von uns gesetzkonform ist, wird noch recht spannend.
      Die Verwahrvorschriften für die Handwerkernachweise (auch googelnswert) sind ebenfalls interessant.
      Wo wir bei Recht sind, der Bestandsschutz für Altanlagen gilt überall, nur nicht mehr bei Heizungen. Die Schornsteinfegermeister sind zur Hilfspolizei und Stilllegungsinstitution verkommen.
      Das Eigentumsrecht in Schland ist „im Fluß“, allerdings gehts meist talwärts, also den Bach runter.
      … mache mir die Welt wide wide witt bumm bumm, wie sie mir gefällt …
      Information ist wichtig und sich selbst zu informieren ist noch wichtiger.

  2. Sobald ein Ismus sich an ein Wort hängt, ist es eigentlich dahin:
    Terror Terrorismus, Journal Journalismus – dahin, soso. Organismus, Mechanismus, Vulkanismus …

    Der „Paragraf“, auf den Sie sich zweimal beziehen, ist ein Artikel: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_13.html

    • Sie haben natürlich
      uneingeschränkt recht, verehrte Frau Amgelin.
      In der Verfassung haben wir Artikel, ansonsten idR Paragrafen. Man lernt nie aus.

      Ansonsten spitzt man halt ab und an zu und hebt hervor, ich bin sicher, Sie setzen das erfolgreich in den passenden Kontext.

  3. Kommun(e)-is(t)-mus/ß?/musik?...-muß...Idealismus(s)?...ZWANG.
    „KOMMUN“(ale Gemeinschaften)“IS(T)“MUS“ik…
    „MELODISCHES ZUSAMMENLEBEN“…
    I-„DEO“-LOG/IE/IK…LOGARHYTHMISCHE GEISTER…IS(T)MEN(SCH)…
    IDEE?!…Reifeweg der humanen Vernunft.
    Mit der Idee Fußball…können Scherben geschossen werden…
    oder heiter in Feld, Wald, Wiese…gespielt werden.
    Der Ball…die Realität der Idee „Ball“ ist unschuldig.
    Die Geistreife entscheidet was mit der Idee und der Realisierung…
    die dann Realität ist, passiert, gemacht wird…REALITÄT-QUALITÄT.
    Nicht der Kommunismus, Idealismus, Ismen…
    die Ideen sind „Schuld“ an Zerstörung…die Geistreife
    des Geistes der die Idee realisiert entscheidet über die Qualität
    der Realität der Idee.

    Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat…und die „Art und Weise“…
    (art = Kunst…Weise = Melodie)…Geistqualität bestimmt den Weg
    und das Resultat der Idee. Idee ist gut…oder eben nicht:=)

    MfG
    W.H.

    • "Idee"- ist gut, humaner Weg Humanität-"Realität"...Humanismus-Realität....
      oder „Idee“ ist schlecht, inhumane Weg Inhumanität-„Realität“…
      Inhumanismus-Realität.
      Der Geisthumane Inhalt bürgt für Qualität…Geist-Gleichgewicht auf
      humaner Basis.

      Jeder Narr kann Regeln aufstellen und jeder Tor wird sich danach richten.
      Henry David Thoreau (1817-1862)

      Die Würde des Menschen ist unantastbar.
      Wer die Gesetze nicht auf humanen Basisgehalt prüft,
      sondern sich blind an monetäre…Geschäft-…Privatraum-
      säkularisierung hält…und nicht die dadurch entstehende
      Human…Inhuman-Säkularisierung berücksichtigt,
      im „Geist-Würde-Auge“ behält,
      der ist und handelt wie ein blinder Tor.
      Säkularisierung der humanen Geistidee…Schizophreniehandeln ist
      die Gefahr…und im weltweiten Geschehen deutlich
      erkenn- und erlebbar.

  4. Einen Paragrafen haben Sie schon ersetzt. Wenn Sie auch den 2. gefunden
    haben, können Sie sich auch gleich noch um

    „wenn sie in ihren eigen nichtmal mehr in ihren eigenen vier Wänden davon ausgehen dürfen“

    und

    „Ich nehme an, Sie schätzen beispielsweise die Unverletzlichkeit ihrer Wohnung“ (nö, ganz sicher nicht, höchstens „Ihrer“)

    kümmern.

    • Das liegt daran, dass die Autorin auf meine Nachleseaugen vertraute und die das übersehen haben. Mit Gesetze habe ich es auch nicht so, da vertraue ich auf familiäre Fachkräfte.

  5. ...
    Der kleine Trick mit dem Durchstreichen des eigentlich gemeinten und Ersetzen durch eine p.c.-Floskel hat sich (meiner Ansicht nach) längst abgenutzt, wenn man bemerkt, dass es langsam in minderen Blogs angekommen ist; wie das eben mit Moden so ist.
    Ansonsten: wieder gut geschrieben; aber diesmal vermute ich, dass solche Interna nicht so viele Leser interessiert.
    Und das mit der Wehrmacht, sorry, mit der Bundeswehr, da sind wir uns doch sowieso alle einig (außer ein paar alte Betonköppe in der FAZ). Aber, wie gesagt, man liest’s gerne.

  6. Ich habe Verständnisschwierigkeiten mit dem Problem der Autorin.
    Entweder es gibt (in signifikanter Anzahl) Prostituierte, die in ihren Wohnräumen auch arbeiten. Dann ist logischerweise die Wohnung Arbeitsraum und damit hat die Prostituierte die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ selbst aufgehoben.

    Oder die Wohnungen sind weit überwiegend NICHT Arbeitsräume, dann würde eine Verletzung des Artikels 13 GG spätestens vorm BVerfG, wahrscheinlicher aber schon in der Gesetzesabstimmung der Ministerien aufgehoben.

    Was argumentativ nicht geht – die Unverletzlichkeit von Räumen wegen „Wohnung“ begründen, in denen Berufsausübende wenigstens nicht selten ihren Beruf ausüben. Und dehalb habe ich den Beitrag überhaupt nicht verstanden, weil ich die Argumentationskette „Prostituierte arbeiten seltenst in ihrer Wohnung – deshalb darf die Wohnung nicht als Areitsraum betrachtet werden – deshalb sind behördliche Überprüfungsmöglichkeiten eine Verletzung von Art. 13 GG“ wohl überlesen habe.

    Ohne diese Argumentationskette gibt es keine Verletzung des Art. 13. Arbeitsräume sind Arbeitsräume.

    Gruss,
    Torsten Haupts

    • Imho auch falsche Argumentationskette
      Mir schien die ARgumentation auch nicht stichhaltig. Der ARt 13 GG bezieht sich ja jetzt schon auf Arbeits- und Geschäftsräume nach allgemeiner Rechtssprechung. D.h.das Gesetz kann dies zwar enschränken, ob dies legitim wäre ist aber die zweite Frage. Aber: wieso soll jemand nicht mehr in seinem Arbeitsraum auch leben dürfen?
      Es gibt ja auch z.B. Ärzte, die ihre Wohnung gleich der Praxis angeschlossen haben usw. usf. oder z.B. Versicherungsvertreter, die von zuhause aus arbeiten oder Makler etc. Die dürfen natürlich in ihrem Haus übernachten.

    • Naja.
      Es geht offensichtlich darum, behördlicherseits jederzeit Räumlichkeiten, in denen mutmaßlich der Sexarbeit nachgegangen wird, anlasslos kontrollieren zu können. Mit der Anlasslosigkeit tue ich persönlich mir schwer. Verkürzt könnte man meinen, die Ausübung der Sexarbeit an sich soll Kontrollen im Umfeld von Sexarbeitenden ohne weitere Begründung legitimieren.

      Denn was die Einteilung der Räume in Arbeits- und Privaträume angeht, dürfte die Sache in der Tat nicht ganz trivial werden.

      Ich erinnere da an den „Sonderstatus“, den die Kolleginnen steuerlich bzw. gewerberechtlich inne haben: Kein Gewerbe, kein Freiberuf, im Prinzip gar kein Status, aus dem sich wirklich ableiten ließe, wie denn welche Räumlichkeiten ggf. einzuschätzen sind.
      Befürchterlicherweise wird sich daran auch nichts ändern, sondern noch mehr Verwirrung geschaffen.

    • Lieber Twister, das macht den Lobby(igitt, noch so'n Ding!)ismus der DC aus:
      Die Prostitution aus der Schmuddelecke herausholen, damit die Geschäfte besser laufen. Wären Gunstgewerblerinnen im Ansehen (was sich natürlich auch auf die berufsbegleitenden Umstände auswirkt) erstmals Ärzten „gleichgestellt“, dann hätte sie’s geschafft.

      Die Gesetzesänderung soll ja das genaue Gegenteil erreichen, deswegen trommelt sie nach den Vorstellungen des Kunstfigurerfinders ( http://blogs.faz.net/stuetzen/2013/11/05/alice-schwarzer-hat-in-meinem-schlafzimmer-nichts-verloren-4018/ :“…Wer seine Aufklärer und Gemälde schützen will, sollte anfangen. für Prostituierte einzustehen“, „…Der Kampf für die Rechte von Prostituierten, ihrem Beruf frei und ohne jegliche Behinderung nachzugehen,…“) hier dagegen, was das Zeug hält und schiebt die schon seit geraumer Zeit aus Osteuropa Hineindrängenden vor. „…ein einfach gestricktes Weichei, das überdies von Politik keine Ahnung hat.“? Klar doch und die Erde ist wieder eine Scheibe…

      Es ist mir klar, dass man Prostitution hier bei uns hinnehmen muss, aber ich möchte definitiv nicht noch mal erleben, dass mir und Jüngeren im Wohnblock angetrunkene Freier begegnen, die ganz ungeniert nach einer ebenfalls dort wohnenden „Dame“ fragen und dann „Na, wie wär’s denn mit uns beiden?“ vorschlagen. (Ich hatte damals ein wenig Selbstverteidigungsgriffe geübt – ich hoffe, dass der Drecksack, der seinerzeit seine Griffel nicht bei sich behalten konnte, die bei Wetterumschwung heute noch schmerzhaft spürt.)

      Segregation muss im Prostitutionsfall einfach sein, am besten noch mit einer übermannshohen Dornenhecke drumherum.

    • Verehrte Despina, die Kontrollen wären eben nicht "anlasslos".
      Sie wären damit nur in der gleichen Lage, wie alle anderen Gewerbetreibenden auch – deren Gewerberäume können jederzeit „anlasslos“ kontrolliert werden.

      Es ist ja nicht so, als verstünde ich Ihr eigentliches Problem nicht – natürlich werden viele Wohnungen auch zur Gewerbeausübung benutzt. TANSTAAFL kann ich da nur sagen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Wie gesagt: Wenn ich ein Gewerbe für meine Tätigkeit anmelden darf, unterwerfe ich mich auch gerne den damit einhergehenden Pflichten und nehme entsprechende Unannehmlichkeiten in Kauf.

    • Titel eingeben
      Frauke Amgelin, ich finde es ja wirklich erfreulich, wenn man mir nachsagt, ich hätte „Despina Castiglione“ erfunden – aber dem ist nun mal nicht so. Das sind zwei Autoren, ein dicker, alter, weisser Mann und eine deutlich jüngere Frau, die sich vor Jahren im Internet über das Blog einer Feministin kennenlernten und nur sehr holprig so weit kamen, dass sie nun in seinem Blog schreibt.

    • Weiser weisser Mann
      Na, sooo dick und alt sind Sie nun wirklich nicht. Das alles kommt erst noch.

    • Titel eingeben
      „… möchte definitiv nicht noch mal erleben, dass mir und Jüngeren im Wohnblock angetrunkene Freier begegnen, die ganz ungeniert nach einer ebenfalls dort wohnenden “Dame” fragen und dann “Na, wie wär’s denn mit uns beiden?” vorschlagen.“

      So einer hat bei einer wackeren Frau (nie ohne Selbstverteidigungskünste und nie mit Stöckelschuhen, dann blöd gelaufen) eine im Gesicht.
      (Dumm aber, wenn es mehrere sind.)

      Zum Thema

      Es sind für auch nicht nur -ismen ein Greuel, sondern danach auch die Sachen mit -ing hintendran. Lobbying oder Lobbyismus, alles der gleiche Quark.

      Es stünde also Despina gut an, nur für sich zu sprechen und nicht für andere Damen, die ähnlich arbeiten. Sonst betreibt sie -ismen oder -ing.

    • Nun stellen Sie mal Ihre Lichter nicht unter die Scheffel bzw. die auf ihre Köpfe
      gestellten Silberka(e)nn(ch)en

      http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/04/22/mehrwertsteuerbeguenstigter-tugendterrorismus-5184/#comment-110417 :

      „…nennen wir sie in der Tradition der Oper „Cosi fan tutte“ Despina Castiglione…“, damit sind Sie zumindest ein Miterfinder, also auch Erfinder; DC in ihrem Auftritt hier ist wie DA in seinem Auftritt hier eine Kunstfigur ( http://blogs.faz.net/deus/2015/04/06/schlechte-geschaefte-mit-falscher-vergewaltigung-2513/#comment-26291 ) – die echten Identitäten können anderswo (nein, sehr geehrter Herr Haupts, keine Quellenangaben! Datenschutz respektiere ich auch in einem solchen Fall.) nachgelesen werden.

  7. Deutsch
    Sehr geehrte Despina,

    Es gibt humanistisch nach xy (zb humanistische union) und es gibt humanistisch, Humanismus nach Philipp Melanchthon. In Bavaria gibt es noch vier Gymnasien nach dem Konzept humanistisch (echt). Die Prinzipien dürfen Sie sich mit Gewinn und Freude einmal erlesen.

    Katholizismus ist nicht istisch. es ist ein deutsches Wort für den Glauben der Heiligen in der Gemeinschaft der Katholischen Kirche. Heilige sind die auf Christus Getauften.
    Sonst mögen Sie recht haben.
    mit freundlichem Gruße melursus

    • Verehrter Melursus,
      ich bin recht katholisch erzogen worden, und ich kann Ihnen sagen, dass sehr viel daran durchaus -istisch war.

      Und ich habe ja auch gar nichts gegen die Grundidee des Humanismus gesagt, nur von meiner grundsätzlichen Ismusabneigung erzählt, das habe ich momentan schlicht über.
      Und gehen Sie mal auf einen Elternabend einer humanistischen Schule. Nicht alles, was im Leitbild steht wird da auch vorbildlich gelebt, wie überall sonst halt auch. Und wenn die Grundidee gut ist, aber verbissenes Prinzipienreiten die Praxis bestimmt, sind die Ergebnisse eben meist recht mäßig.

    • Elternabend
      ein junger Freund macht gerade abitur am Reuchlin Gymnasium. Eines der vier. Und ich habe noch mehr Kontakte in diese szene. Elternabende werden meist erträglicher, je weiter sie von Kiga weg sind. An Schulen mitverpflichtendem Altgriechisch sind deutlich weniger Eltern der Sorte“ich krieg davon“ „wofür ist das gut?“. Humanismus ist gut.

    • Die Grundidee, da bin ich bei Ihnen, sicher.
      Und mit Altgriechisch kenne ich mich nicht aus, mich hat man seinerzeit zum mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig verdammt.

    • Mich auch – zum Glück. Das Gymnasium für Altphilologen war grauslig.

  8. Stark vereinfacht
    „In Deutschland gibt es nämlich mehr oder weniger keine Stadt ohne Sperrbezirk, in dem Sexarbeit verboten ist.“

    Das ist nun „mehr oder weniger“ Quatsch. In ganz Ostdeutschland (ausgenommen Thüringen, inkl. Berlin) gibt es meiner Kenntnis nach keinen einzigen Sperrbezirk.

    • Nach meiner Kenntnis gibt es Sperrbezirke beispielsweise in Chemnitz, Dresden, Zwickau, Plauen und Leipzig, um alleine mal in Sachsen zu bleiben. Vielen Menschen ist ein Sperrbezirk eben nicht bewusst, es betrifft sie ja oft nicht direkt.

  9. Titel eingeben
    Ich sehe es wie die Autorin.
    Mir geht es auch gegen den Strich, dass sich unser alles und jeden behüten wollender Staat ohne Probleme Zugang zu Wohnungen von vermeintlichen oder tatsächlichen Prostituierten verschaffen dürfen soll.
    Unser Staat sollte sich vor allen in einem üben: Zurückhaltung.

  10. contra
    Erste Erkenntnis: Despina ist eine dogmatische Anhaengerin des Antiideologismus.

    Zweitens: Zu „vielleicht möchten Sie mir insofern zustimmen, als dass es begrüßenswert und grundsätzlich erfreulich ist, wenn Eingriffe des Staates in gewisse Grundrechte, die in der Frage des Wehrdienstes durchaus berührt und auch nicht unerheblich beschnitten wurden, unterbleiben“

    Was glauben Sie denn, wie ein Staat Grundgesetze garantieren koennte, waere er nicht im Wortsinne wehrhaft? Einer ganzen Reihe von Grundrechten steht eine einzige „Grundpflicht“ entgegen, naemlich die Wehrpflicht, die im Uebrigen natuerlich nicht aufgehoben oder ausgesetzt ist – das trifft nur auf den verpflichtenden Grundwehrdienst zu. Natuerlich koennen wir darueber diskutieren, in wiefern der real existierende Wehrdienst tatsaechlich zum Wohle der Gesellschaft beigetragen hat, und wie eine Armee aufgebaut sein sollte, deren Haupteinsatzgebiet eben nicht mehr die Landesverteidigung ist. Allerdings ist mir Ihre Argumentation (toeten ist boese, und keiner sollte etwas tun muessen, wozu er keine Lust hat) zu primitiv.

    Drittens: Ich nehme Ihnen nicht ab, dass Sie nur durch die Moeglichkeit, einen Gewerbeschein erlangen zu koennen, Ihre Argumentation gegen Sperrbezirke und Zugang der Behoerden zu Ihrem „Arbeitszimmer“ aufgaeben. Ihr Lobbyismus (sic!) fuer Ihre Berufsgruppe geht voellig in Ordnung, aber ich hoffe, Sie reden sich nicht selbst ein, dass es sich dabei um irgendwie unabhaengige Gedankengaenge handeln koennte.

    • Nunja, die Wehrthematik ist eine, der sich annähernd ein ganzes Ministerium widmet, ich kann und will das nicht in anderthalb Absätzen abhandeln, insofern muss ich Sie um Nachsicht bitten. An der Stelle, an der es um Freiwilligkeit geht, finde ich den Gedanken durchaus interessant, wo wer wann welche Maßstäbe anlegt. Und ich habe mich ja nicht gegen eine Armee an sich ausgesprochen.
      Dass Töten grundsätzlich böse ist, habe ich übrigens auch nicht behauptet. Dann würde ich ja z.B. Sterbehilfe auch ablehnen müssen.
      Aber ich will keinen Nebenschauplatz aufmachen.

      Lust ist nach meinem Empfinden anders zu bewerten als die Unmöglichkeit, etwas mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Mir geht es um genau das. Da hätte ich schon gerne weitgehende Entscheidungsfreiheit, während ich durchaus bereit bin, Dinge auf mich zu nehmen, auf die ich keine Lust habe. Deswegen habe ich auch keinen Stress damit, wenn eine Behörde bei mir etwas kontrollieren möchte. Ich muss nicht in Verhältnissen leben, die es mir unmöglich machen, legal zu arbeiten. Ich muss weder eine Familie in Bulgarien durchbringen, noch habe ich Sprachschwierigkeiten, und wenn es mir in der Sexarbeit zu blöd wird, stehen mir andere Optionen offen, ich bin ja relativ privilegiert. Insofern dürfen Sie das, was ich mache gerne für Lobbyarbeit halten. Mir ganz persönlich missfällt einfach die Doppelmoral, mit der hierzulande momentan mit Sexarbeitenden umgegangen wird.

      Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Einrichtung von Sperrbezirken, das habe ich auch geschrieben. Es geht mir um Kasernierung, ein Wort, dass ich mir in dem Zusammenhang nicht ausgedacht habe, und um den Umstand, dass die Verordnungen so, wie sie momentan sind genau die benachteiligen, die sie angeblich schützen sollen. Eine gut gemachte Verordnung schafft Sicherheit und geordnete Verhältnisse, und das ist nichts, wogegen ich etwas einzuwenden habe.

    • Sperrbezirke
      Ich will hier gar nicht fuer oder gegen sehr weit gefasste Sperrbezirke argumentieren, da kommt es wohl auf die lokalen Gegebenheiten an. Aber nehmen wir mal an, Protstitution waere ein normales Gewerbe, also mit Gewerbeschein und allem. In den meisten Wohngebieten ist nach Baunutzungsverordnung kein oder nur „Nicht störendes Gewerbe“ mit Ausnahme zulaessig. Ob Ihr Gewerbe darunter viele darf angezweifelt werden. Insofern kann ich Ihren Widerspruch zu den historisch entstandenen Sonderregelungen zur Prostitution verstehen, glaube aber nicht, dass sich die Situation unter „normalen“ gewerberechtlichen Bedingungen grundlegend veraendern (aus Ihrer Sicht: verbessern) wuerde.

    • Natürlich darf das angezweifelt werden.
      Ich gebe aber zu bedenken, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch jetzt nicht störende Kolleginnen gibt, die in Wohngebieten tätig sind. Einfach, weil Störungen existenzvernichtend wären. Und die Kundschaft, mit Verlaub, hat in der Regel auch wenig Interesse daran, aufzufallen.

  11. Mir scheint das alles bloß ein Missverständnis zu sein?
    Arbeitsräume unterfallen grundsätzlich ebenfalls dem Schutz von Art. 13 Abs. 1 GG, gelten also in dem Sinne als „Wohnung“. Bordelle wiederum sind Arbeitsräume, meint Frau Schwesig, die es ja wissen muss, wenn sie es regeln will. Wenn Schutz, den Bordelle genießen, weil auch sie formal als Arbeitsräume, also als Wohnungen gelten, wieder einschränken will – z. B. via anlassloser Kontrollen – kann man das tun, (fast) kein Problem, man muss bloß den Absatz 7 dafür beachten. Das Gesetz lautet dann ungefähr: Das Gesundheitsamt darf zur Verhütung von Gefahren … Kontrollen in Bordellen durchführen … blabla … Art. 13 GG Abs. 1 wird entsprechend eingeschränkt.

    Dass heißt doch aber nicht, dass die Wohnung einer Prostituierten damit automatisch als Bordell gilt! Vielmehr unterscheiden auch (und gerade) Prostituierte zwischen Arbeit und Vergnügen. Letzterem können sie nach wie vor in ihrer Wohnung nachgehen, die ja nach wie vor nicht anlasslos kontrolliert werden darf: Denn eine Schwalbe macht noch kein Bordell, pardon! Nur wenn Arbeit und Privatleben in denselben Räumen stattfinden, wirds schwierig. Oder ich hab was übersehen ?

    • Das Problem ist in meinen Augen, dass die Unterscheidung zwischen Wohn- und Arbeitsraum in der Sexarbeit aus mehrerlei Gründen schwierig werden könnte.
      Erstens gibt es meines Wissens nach noch keine griffige und gültige Definition von „Wohnungsbordellen“, im Gewerberecht nicht, in der Rechtsprechung nicht und ob dazu etwas im neuen Gesetz steht, nun, ich möchte nicht darauf wetten.
      Zweitens die ungeklärte Situation bzgl. des Status, den Sexarbeitende inne haben. Sie sind keine Gewerbetreibenden, Freiberufler auch nicht, Privatpersonen aber in ihrer Eigenschaft als Sexarbeitende dann auch nicht.
      Wie man sie handhabt, ist von von Fall zu Fall unterschiedlich und die Verwirrung wird wahrscheinlich in nächster Zeit nicht kleiner.

      Das Kernproblem ist, dass Sexarbeitende nicht als Menschen angesehen werden, die einem Beruf nachgehen, sondern als potentielle Opfer oder Gefährdung ihrer selbst, und wenn das nicht, dann als Gefahr für die Sitten, den Anstand, die Moral und wenigstens verdächtig. Genau diese Verdächtigungshaltung manifestiert sich ja in Ideen wie den oben kritisierten.

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  13. Jaja, die Weltsicht der Frauen!
    Liebe Despina Castiglione ! („… Manche Leute lernen halt gern, andere haben gern recht. Die gerne recht haben sind nach meiner Erfahrung tendenziell die mit den Ismen.“) Vielleicht liegt’s daran, dass so viele Frauen einen pädagogischen Beruf ergriffen haben. Die merken gar nicht mehr, dass sie ständig belehren und Widersprüche werden von denen als unbotmäßige Rechthaberei wegrationalisiert … Die nehmen – typischer Fall von Betriebsblindheit, könnte man womöglich sagen – gar nicht wahr, dass ausgerechnet diejenigen, die angeblich so praktisch und pragmatisch und vor allem „ohne ISMEN“ ganz „unideologisch“ denken und handeln, ausgerechnet die „Volkspädagogik“ nicht nur erfunden, sondern auch missionarisch als Umerziehungsprogramm (also sowas wie eine „Gehirnwäsche“) über Jahrzehnte – ich könnte mir vorstellen, sogar bis heute – installiert und praktiziert haben. Um diejenigen mit den „Ismen“ endgültig von ihrer Weltsicht zu überzeugen und die ISMEN zu exorzieren. Denn dass sie – also die ohne ISMEN – recht haben, ist schließlich nicht nur eine Meinung. Die haben sich das sogar ins Strafgesetzbuch schreiben lassen! Und wehe, einer „mit den Ismen“ ist da immer noch nicht überzeugt und so frech, das auch noch öffentlich zu bekunden! Dann holen die – ich spreche immer noch von denen „ohne Ismen“ – mal so richtig den Knüppel raus!! Dann zeigt sich rasch, wer hier recht hat! Und ganz Unbelehrbare, also solche „mit ISMEN“, die partout nicht glauben wollen, dass die „ohne Ismen“ einfach immer recht haben müssen, wandern notfalls – ganz kreativ mittels rollierender Verurteilungen – faktisch lebenslänglich hinter Gitter (nur mal so als Beispiel: „H.M.“ – kennt Sie sicherlich!? )
    In diesem Sinne, ergebenst,
    Ihr kpl

  14. Ach, noch 'was !
    („… und wer eben nicht möchte, muss – ungeachtet des Geschlechts und natürlich unter Vorbehalt – nicht gegen seinen eigenen Antrieb etwas tun, das er oder sie nicht möchte. Es hat sich einiges im positiven Sinne verändert …“). Gaaanz schlechtes Beispiel!!! Wie wär’s mit „Steuern zahlen“!? Aber, sorry, das hat sich leider noch nicht so „im positiven Sinne verändert“. Und, P.S.: („… ich kann mich erinnern, dass ich auch noch mit Leuten zu tun hatte, die sich um die Möglichkeit, den Kriegsdienst zu verweigern, ernsthaft sorgen mussten.“). Ich auch!! Jede Menge Leute! Und zwar „zu meiner Zeit“!! Ganz nach Schönhuber: „Ich war dabei!“. Manche von den (Möchtegern)-Kriegsdienstverweigerern hatten aber echt Pech. Die meinten, ganz ehrlich und voller Überzeugung, wir hätten schließlich die Amis, und die würden die ganze Verteidigerei schon für uns übernehmen. Die bekamen dann solch ignoranten Antworten wie bei „Degenhardt“. Denen blieb schließlich nichts anderes übrig, als nach Berlin auszuwandern. In praktisch anarchisches „Niemandsland“. Damals ging das noch …

    • Am Ende bin ich vielleicht eine pazifistisch-feministische Theaterpädagogin mit USA-Fetisch und obendrein noch aus Berlin, das sollen ja die allerschlimmsten sein.

  15. Trennung von Arbeits- und Schlafräumen
    Ich finde es grundsätzlich in Ordnung, wenn Arbeits- und Schlafräume in Bordellen getrennt werden. Es muss doch auch noch eine Rückzugsmöglichkeit geben für die eben genau die Unverletzlichkeit der Privatsphäre gilt! Feuerwehrleute schlafen auch nicht an ihrem Arbeitsplatz – und sind dabei sogar noch im Dienst.
    Für mich ist eine Wohnung eine Wohnung – ob darin selbständig, freiberuflich gearbeitet wird oder nicht hat weder die übrigen Mieter, noch die Behörden zu interessieren. Eine Wohnung ist weder Bordell noch „Prostitutionsstätte“. Bei einer Richterin oder einer Fusspflegerin, die überwiegend von zu Hause aus arbeiten, fragt doch auch keiner nach oder untersagt die Tätigkeit.

    • Mädchen lernen Frisöse, weil sie von ihren Müttern wissen, was diese bei nur
      einem Besuch im Frisiersalon abdrücken müssen. Das, so nehmen sich viele vor, muss bei mir nicht so viel sein, ich nehm‘ erheblich weniger – schwarz, versteht sich. Und bauen sich dann in ihrer Mietwohnung heimlich einen kleine Art Salon ein. Und dann ging/geht es die übrigen Mieter über die Wasserkostenabrechnung sehr wohl etwas an. Und dann wird es eben untersagt. Und dann kündigt der Vermieter. Und dann der Arbeitgeber auch.

      Klar, auch dann bleibt noch die Möglichkeit, sich eine große Arzttasche für die zum Hausbesuch bei der Kundin notwendigen Utensilien zu besorgen.

  16. @Frauke Amgelin sagt: 22. April 2015 um 15:54 Uhr
    Frauke Amgelin sagt:
    22. April 2015 um 15:54 Uhr:
    Wenn mir Betrunkene an der Tankstelle begegnen, fordere ich auch nicht gleich die Abschaffung aller Tankstellen.
    Bitte die Verantwortlichkeiten gründlicher differenzieren

    • Lieber Chief, bitte gründlicher differenzieren!
      Ein Wohnblock, in den irgendwann eine quirlig aktive Hobbyhure einzieht, ist keine Tankstelle.

      Der „Dame“ wurde seinerzeit gekündigt, nicht wegen des auf mich erfolgten Angriffs (für den Vorfall fanden sich keine Zeugen) eines Freiers im Erdgeschossflur, sondern erst nach vielen Beschwerden ihrer unmittelbaren Nachbarn wegen ihres „Lärms“ – die Wohnungsgesellschaft zeigte sich lange ziemlich hartleibig.

      Meine körperliche Unversehrheit et al. sind allemal mehr wert als angestrebte Umsatz- und Profitsteigerungen des sogenannten ältesten Gewerbes der Welt.

  17. Genossenschaft
    Diese Dienstleistung und damit verbundenen Raumbedarf im rechtlichen Kleid der Genossenschaft organisieren, könnte der Absicherung wirtschaftlicher und rechtlicher Interessen dienlich sein, vielleicht mit Ausnahme der milieuspezifischen Großvermieter.

  18. Der Teufel steckt im Detail
    Die Haupttendenz unserer Gesellschaft ist die möglichst kostengünstige, effiziente Ausnutzung unserer Erwerbskraft – und da ist ein phantasievolles und freies Sexualleben für Männer und Frauen „in der freien Wildbahn“ eher kontraproduktiv – Arbeitsbiene und BierundSchnitzel-Drohne könnten daran soviel Spass finden, dass sie gar keine grosse Lust mehr haben könnten, sich für Flachbildschirme und Leasing-Passats abzustrampeln.

    Wenn unverpaarter Sex nicht anrüchig wäre, ginge die ganze Rechnung mit Imponiergehabe, Profilierungsmacken und Persönlichkeitstauschwerterhöhung daneben.
    Da aber das Männchen, wenn ihm die Hormone ins Hirn und das Blut woanders hin schiesst, nicht gut produktiv arbeiten kann (man glaubte zumindest, dass Frauen sich besser im Griff hätten, wahrscheinlich nicht ganz falsch, wenn man die raren sexuell begründeten Übergriffe weiblicher Delinquenten zählt) erfand man die Prostitution, als gut in den Puff eingehegte Ventilfunktion, je besser der Zuhälter oder die Puffmutter ihre Mädels im Griff hatten, umso besser. Es sollen ja nicht alle brutal und herzlos gewesen sein.(ähem..)

    Die berufliche Emanzipation der Huren, die begriffen haben, dass gewerbliches Bumsen vielleicht sogar interessanter und auf alle Fälle lukrativer ist, als eine Kette von Praktika auf der Strasse der vertrösteten Hoffnungen, läuft am besten so, das man sie so sehr bürokratisiert, dass sie eigentlich nur ein „Konzern“ juristisch unproblematisch abwickeln kann.
    Auch wenn Sie, Despina, vielleicht nicht alle paragraphischen Feinheiten korrekt sehen sollten, stimme ich Ihrer Argumentation zu – wie überall ist selbstständiges, sicheres Kleingewerbe unerwünscht; umso mehr, als sie über ihre unmittelbaren „Arbeitsuntensilien“ so frei verfügen können, wie in sonst nur wenigen Berufen.

    Eine Gesellschaft, die öffentliche Nacktheit allein schon immer mehr zum Ärgernis nimmt – wie viele Frauen baden noch ohne Bikinioberteil, und wer ausser alten dicken, meist madenweissen (oder bratwurstbraunen) Männern liegt sonst noch mit weniger am Eisbach herum?- wird Sex immer weiter als absonderliche Verhaltensweise aussortieren, die nur diskret in reinen privaten Schlafzimmern ausgeübt werden darf, vorzugweise mit Vermehrungsabsicht.

    Wahrscheinlich werden die nächsten Generationen – wenn Michel Houellebecq nicht recht behält mit seinen „Unterwerfungsgedanken“- sich wohl ihren SuperDuperMegaTi??enBlowjob bei „Mammazone“ bestellen können, von einer Praktikantin auf dem Weg zur Regionalleiterin, in gewünschter Farbe und Etnie, garantiert keimfrei und mit Mindestlohn bezahlt, ausser während der Standby-Zeiten…

  19. Ihr letzter Satz, geehrter Artist, ist in eine Zusammenfassung meiner Einwände gegen
    Die vollständige Legalisierung und Normalisierung der Prostitution als Arbeits- oder Selbständigenverhältnis wie jedes andere.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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